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»Unverzichtbare

Produkte« Deutsche Mittelständler sind zunehmend im Ausland aktiv. Dort eilt ihnen ein guter Ruf voraus. Ein Gespräch mit dem Mittelstandsexperten Hermann Simon über Tugenden und Krisen. Osia Katsidou / Redaktion

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err Simon, zunächst die Frage: Aktuelle Wirtschaftszahlen deuten auf einen drohenden Abschwung in Deutschland hin. Muss der Mittelstand sich fürchten?

Falls ein Abschwung kommt, trifft dieser natürlich die ganze Wirtschaft, Großunternehmen wie Mittelstand. Diejenigen Mittelständler, die einen hohen Teil ihres Umsatzes außerhalb Deutschlands erzielen – das sind viele – erreichen damit allerdings auch eine Diversifikation ihrer Risiken. Zum Beispiel profitierten die Unternehmen, die während der Krise von 2009 in Asien stark waren, sehr vom anhaltenden Wachstum in China. Derzeit ist Amerika wieder im Kommen. Und so werden die Firmen, die gut in Amerika aufgestellt sind, profitieren. Wie wird der deutsche Mittelstand im Ausland wahrgenommen?

Ich bin seit mehr als zwanzig Jahren in Sachen deutscher Mittelstand und Hidden Champions in der ganzen Welt unterwegs. In den Jahren seit der Krise ist das Interesse an diesem Phänomen überall in der Welt geradezu explodiert. Das geht bis in die Top-Spitzen der Politik und der Wirtschaft. Präsidenten und Ministern asiatischer Länder geht das Wort „Mittelstand“ mit größter Selbstverständlichkeit über die Lippen.

Was schätzen ausländische Ökonomen am deutschen Mittelstand?

Ausländer kennen weniger die Firmen, diese sind schließlich oft „Hidden Champions“, aber sie kennen die Produkte. Das gilt natürlich noch viel stärker für die Leute aus der Wirtschaft. So sagte mir jemand, der in Singapur ein neues Forschungslabor einrichtete, er habe nur deutsche Produkte gekauft. Schließlich wolle er die beste F&E betreiben, das sei nur mit den besten Mess- und Analysegeräten möglich. Mit dem deutschen Mittelstand werden aber nicht nur Produktqualität und Innovation verbunden, sondern Stärken wie Zuverlässigkeit, Flexibilität und Kontinuität. Hat die Eurokrise dem deutschen Mittelstand geschadet oder hat sie ihn gestärkt?

In der Summe würde ich sagen, dass die Krise den meisten deutschen Mittelständlern genutzt hat. Märkte werden in Krisenzeiten, nicht in guten Zeiten neu verteilt. Wenn die Krise kommt, scheiden die schwächsten Wettbewerber aus. Davon war der deutsche Mittelstand nur in geringem Maße betroffen. Aus welchen Gründen?

Die solide Finanzierung spielte hierbei eine Schlüsselrolle. Es gibt aber noch ein anderes Phänomen, das kaum jemandem bewusst ist. Viele der Produkte des deutschen Mittelstandes gehören zu einer Kategorie, die man auf Englisch mit „Postponable, But Indispensable“ beschreibt, auf Deutsch etwa „aufschiebbar, aber unverzichtbar“. Viele Mittelständler wurden 2008 und 2009 schnell und stark von der Krise getroffen, denn sie machen Produkte wie Maschinen und Anlagen, deren Kauf man aufschieben kann. Das haben die Kunden dann auch getan. Aber irgendwann muss man die alte Maschine ersetzen. Ist der zukünftige Erfolg des oft familiengeführten Mittelstandes angesichts der Beschleunigung der globalisierten Wirtschaft gefährdet? Prof. Dr. Hermann Simon ist Wirtschaftsprofessor und Unternehmensberater. In seinem jüngsten Buch „Hidden Champions – Aufbruch nach Globalia“ erläutert er, warum sich Deutschlands Mittelstand international sehen lassen kann.

Im Gegenteil, die Mittelständler sind größtenteils auf die Herausforderungen und Chancen, die Globalia, die globalisierte Welt der Zukunft bringen wird, bestens vorbereitet. Langfristigkeit und Kontinuität heißt ja nicht Langsamkeit. Die Mittelständler sind sogar deutlich schneller als Großunternehmen, weil an ihrer Spitze Unternehmer stehen, die schnell entscheiden und umsetzen. Osia Katsidou / Redaktion

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Der starke Mittelstand – Strategien & Lösungen  

Inhalt: Seite 4: Fokus: Mittelstand Seite 6: Globalisierter Mittelstand Seite 12: Unverzichtbare Produkte Seite 14: Vom Start-up zum Mittels...

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