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Zur Geschichte der Hungerburg His /UI Mute des 19. Jahrhunderts trug die Terrasse oberhalb des steilabfallenden grauen Gesteins tier Höttinger Breccie den Namen „auf Grauenstain". Das älteste Vorkommen dieser Waldflurbezeichnung findet sich in Von Dr. Herbert Woditschka einem von Erzherzog Sigmund dem Münzreichen 1454bezüglich eines Wald- und Weidestreites erlassenen Spruchbrief. Auch auf einer im Stadtarchiv Innsbruck verwahrten handgezeichneten Karte der Wälder am Höttinger Berg von ca. 1714 ist dieser Flurname eingetragen. Am 26. Juni 1836 erhielt die Gemeinde Hötting vom Tiroler Landesgubernium eine Rodungsbewilligung für einige ihrer Waldpar/.ellen „auf Grauenstain"; und am 4. April 1840 erfolgte deren Versteigerung, bei welcher als einer der Meistbieter auch der k.k. Landrat Dr. Joseph Andreas von Attlmayr, Besitzer der Weiherburg, im betreffenden Protokoll aufscheint. Nach einer von Attlmayr auf der ehemaligen Waldparzelle Nr. 9 seit 1840 durchgeführten teilweisen Rodung wandte er sich 1842 der Erschließung von Trinkwasser zu. In seinem Tagebuch, den „Weiherburger Memorabilien", schreibt er: „1842 Von Josephi bis Jakobi am Grauenstein Vorarbeiten und glückliches Brunnengra-

ben." In den Jahren 1845/46 wurde der Bau eines zweigeschossigen Wohngebäudes mit Stadel und Stallungen errichtet — diesem gab Attlmayr mit Bezug auf die neu gegrabene Quelle den Namen „Neuhof Mariabrunn" —, dessen Obergeschoß „für Herrschaften zum Aufenthalte im Sommer geeignet" war. Im Neuhof Mariabrunn befand sich auch eine Jausenstation; doch das Angebot dürfte eher bescheiden gewesen sein — so entstand der Spitzname „Hungerburg", welche Bezeichnung erstmals auf einer von Edmund von Wörndle gezeichneten Ansicht der Weiherburg und ihrer Höfe von 1850 sowie auf der Katastermappe der Gemeinde Hötting von 1856 begegnet. Am 22. September 1903 kam der Neuhof Mariabrunn in den Besitz von Sebastian Kandier, Kantineur der Klosterkaserne in Innsbruck. Über ihn schreibt Hugo Klein folgendes: „Schon bei militärischen Übungen auf der Hungerburg erwachte sein Interesse für dieses Gebiet und er erkannte bald, daß der prächtig gelegene Punkt mit dem großartigen Panorama für einen Kurort geradezu vorbestimmt sei. " Bereits 1904 begann Kandier mit dem Umbau des Neuhofs Mariabrunn in ein Hotel, wobei der Nord-Süd orientierte Altbautrakt durch einen West-Ost gerichteten Neu-

Hungarourgi gegen das Innta

bautrakt ergänzt wurde. Abgesehen vom Hotel Mariabrunn stammen noch folgende Bauten in der Höhcnsiedlung Hungerburg von ihm: die „Villa Kandierheim" (= Höhenstraße 132), die „Villa Karwendel" (= Höhenstraße 122) und die „Villa Felsen" ( = Höhenstraße 108). Kandier war auch der Initiator der Erschließung der Hungerburgterrasse durch die Hungerburgbahn (erbaut 1906). Demselben Zweck dienten auch die Anlegung des Wilhelm-Greil-Weges (1913 /14) und der Bau der Höttinger Höhenstraße (1927— 1930). Im Herbst 1911 traten die Brüder Karl und Franz Schwärzler mit einem faszinierenden Projekt an die Öffentlichkeit: Im ehemaligen Spörr'schen Steinbruch sollte der Hungerburgsee entstehen, dessen feierliche Eröffnung dann

am 4. August 1912 erfolgte. Vor dem über zwei Meter tiefen Badesee — der Zufluß u nule aus den Prantlschrofenq uellen gespeist — befand sich das Gasthaus „Seehof". Aus Anlaß der Eröffnung schreiben die „Neuen Tiroler Stimmen": „Den Glanzpunkt der Anlage bildet der Aussiehtsturm, der sich hoch ubei den jen seitigen Uferwänden erhebt. Der Hauptzugang befindet sieh liei einer Felsenhöhle am jenseitigen Ufer, wohin die Gaste durch einen Fährmann über den See gebracht werden. Ein 40 Meter hoher Lift bringt uns zueist /um Tore des Turmes. Die leinsieht aber, die man schon von duri aus genießen kann, wird staik überboten von jener, die man dann vom Söller des Turmes genießt. Weit rundherum bis hintci die Martinswand und den Bettcluui f können unsere Blicke schweifen." (Literatur: Franz-Hein/ Hye, Vom „Grauenstain" /in Hungerburg. Geschichte des Stadtteiles Hoch-Innsbruck. Ibk. 1982).

1887 VOR HUNDERT JAHREN 15. Juli: „Um einen mehrseitig geäußerten Wunsche zu entsprechen, hat die SüdbahnGesellschaft beschlossen, vom 17. Juli I. Js. an allen Sonn- und Feiertagen bis auf weiteres einen Separat-Personenzug von Innsbruck nach Kufstein einzuführen: ab Innsbruck 5 Uhr 30 Min. früh. Durch diesen Zug wird dem

Publicum Gelegenheit geboten, größere Partien in das schöne Unterinntal zu unternehmen." 11. August: „Der Wiltener I.aurentiusmarkt, von jeher ein großer Markt, war diesmal besonders von weit und breit besucht, der Auftrieb war so groß, daß der gewiß geräumige Marktplatz ( = der Platz vor der Basilika) vollkommen ausgefüllt wurde!'

13. August: „In der Sitzung des Gemeinderat lies kamen zuerst Anträge des Baucomités zur Behandlung. Für das Theater ergibt sich die Notwendigkeit mehrerer Reparaturen, als: Fensteranstrich, Ausbesserung der Facade und der Seiten, Herstellung von Dachrinnen und Ablaufröhren. Die Arbeiten, deren Gesamtkosten 2128 II betragen, wurden genehmigt. — Der 3. Punkt der Tagesordnung, der Antrag des Schuleomitcs, der Gemeinderath möge beschließen, es seien im kommenden Schuljahr Kiiulei aus den Vororten in unsere Seh nie unter Bezahlung des doppelten Schulgeldes wieder aiil'/iineh men, aber nur insoweit, als die Schülerzahl einer Ciasse 60 nicht Mick vom Aussichtsturm des Scchojs uuj''Hungerburg und Imitai um 1913. Links vom Innknie steht heute übersteigt, rief eine längere DeW. das Olympische Dorf. (Foto: Stemple, Repro: Murauer) batte hervor!'

Innsbrucker Stadtnachrichten  

Ausgabe Juli 1987

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