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Wurde in der letzten Nummer dieses Blattes die Geschichte des Inntores und seines Turmes behandelt, so wenden wir uns diesmal einem anderen ehemaligen Torturm unserer städtischen Befestigung zu, der zwar nicht in gleichem M a ß e bedeu-

Frauentor als Verbindung der Altstadt mit dem Innrain. A u f grund der letzten Nachforschungen von Franz-Heinz Hye d ü r f t e die Entstehungszeit dieses Stadttores um 1340 sein, denn in Urkunden von 1345 und 1348 wird es noch als „neues" T o r bezeichnet.

Von Josefine Justic

Das Pickentor wurde weniger zur Erleichterung des Verkehrs errichtet, denn sieht man von der lokalen Verbindungsstraße zwischen der Altstadt und Völs ab, gab es zur damaligen Zeit am Innrain noch keinerlei derartiges A u f k o m m e n . Vielmehr bestand die dortige Gegend vorwiegend aus Wiesen und Feldern, die bewirtschaftet wurden, und d a f ü r war die zusätzliche Verbindung von der Altstadt zum Innrain von Vorteil. Außerdem befanden sich dort

tend war, über den es jedoch auch manches zu berichten gibt. Wenn wir vom Standort des f r ü h e r e n Inntores gegen den Innrain spazieren und in den Marktgraben einbiegen, kommen wir zum nächsten Straßenauslaß der Altstadt, der Seilergasse. U n d genau an dieser Stelle stand bis zum Jahre 1779 das sogenannte Pickenoder

auch noch der Holzrechen und die Lände, die man durch das Pickentor auf kürzestem Wege erreichen konnte. Der Turm des Pickentores war aus einfachem Mauerwerk aufg e f ü h r t , zeigt sich auf den älteren Stadtansichten noch mit einem Spitzturm und war bedeutend höher als alle anderen Tortürme der Stadt. Erst als 1646 der Spitzturm abgetragen wurde, erhielt das Pickentor die gleiche H ö h e wie die anderen T o r t ü r m e . A u f einer Stadtansicht von 1665 ist das Pickentor an der flachen Turmdecke mit Zinnen ausgestattet, die aber im 18. Jahrhundert vier Erkertürmchen mit zugespitzten Dächern und einer diese verbindenden Mauer weichen mußten. Der Name „ F r a u e n t o r " ist wohl auf die Freskendarstellung an der äußeren Wand des Torturmes z u r ü c k z u f ü h r e n : D i rekt über dem Tor war nämlich ein Marienbild gemalt. Außer dieser Mariendarstellung waren am Pickentor noch der österreichische Bindenschild und zwei weitere Wappenschilde links und rechts schräg d a r ü b e r , in Fresko gemalt, zu sehen. A m

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Das Picken- oder Frauentor, vom Innrain her gesehen. Ausschnitt aus einem Aquarell von Josef Strickner, um 1815. Original im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. (Repro: Murauer)

oberen Ende, in der Mitte des Turmes, prangte natürlich auch noch die obligate Sonnenuhr. Die Bezeichnung „ P i c k e n t o r " läßt sich vermutlich auf die in diesem Turm aufbewahrten Picken (= Lanzenspitzen) zurückführen. Wie schon anfangs vermerkt, wurden das Pickentor und sein Turm im Jahre 1779 abgebrochen. M i t dem gewonnenen Schutt füllte man den davor liegenden Stadtgraben auf. In jüngster Vergangenheit übrigens, im Jahre 1955, stieß man bei Grabungsarbeiten in der Seilergasse auf die Grundmauern des Tores. Der Aushub entlang der Fundamente wurde soweit fortgesetzt, daß die Ausmaße des Turmgeviertes und des Torbogens sowie die Mauerstärke festgestellt werden konnten, worüber vom Städtischen Vermessungsamt eine Bestandsaufnahme durchgeführt wurde. Auch dieses Tor gab einem Viertel der Altstadt seinen Namen, und zwar u m f a ß t e dieses die Schlossergasse, die Seilergasse und den südlichen Teil der Kiebachgasse. E i n im Jahre 1900 im A u f r a g des Innsbrucker Verschönerungsvereincs gemaltes Ölbild zeigt das Pickentor vom Innrain her gesehen. Es war am sogenannten „ R a i n e r h a u s " ( = Marktgraben 3) angebracht und wird heute im Stadtarchiv verwahrt.

VOR HUNDERT JAHREN

18. Jänner: Der Kustos der Kunstsammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses, Dr. A l bert Ilg, weilt in Innsbruck, um sich über den Fortschritt der Restaurierung der Erzfiguren vom Grabmal Kaiser Maximilians in der Hofkirche zu informieren. Da die bisher restaurierten Statuen aber nicht den Erwartungen entsprechen, befürwortet der Kustos die Weit e r f ü h r u n g der Arbeit in dieser Weise nicht. 27. Jänner: Die kirchliche Grenze zwischen Innsbruck und Wilten wird mit Dekret vom 21. November 1881 des Fürstbischofs von Brixen als gleichlaufend mit der politi-

schen Grenze zwischen den beiden Gemeinden festgesetzt. 4. Februar: Die G r ü n d u n g des kirchlichen Künstlervereins namens „ S t . - L u k a s - G i l d e " wird angekündigt. „ E r hat die einhellige Pflege und Förderung des religiösen, berufsmäßigen und geselligen Lebens unter seinen Mitgliedern zum Zwecke." 7. Februar: Bei der 3. Generalversammlung des Innsbrucker Verschönerungsvereines wurde u. a. der Antrag gestellt, d a ß „ a n den Häusern und Plätzen der Stadt, wo sich historische Szenen abgespielt haben, sogenannte historische Erinnerungstafeln angebracht werden" sollten. J.

Innsbrucker Stadtnachrichten  

Ausgabe Jänner 1982

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Ausgabe Jänner 1982