Page 33

SO/1 AI IS

Wärme und Geborgenheit für Menschen o h n e Unterkunft Die so genannte Sandlerszene, wie es sie noch in den 70er- und 80er-Jahren auch in Innsbruck gab, existiert Dank zahlreicher sozialpolitischer Initiativen und Angebote der öffentlichen Hand sowie von kirchlicher und privater Seite praktisch nicht mehr. Obdachlosigkeit rnuss heute nicht mehr sein, außer die Betroffenen lehnen jede Hilfe ab. Daher ist es nicht immer vermeidbar, dass Menschen in

Weihnachten im Alexihaus. der kalten Jahreszeit den Erfrierungstod erleiden. In diesem Sinne werden die Mitbürgerinnen ersucht, sollten sie bei Minusgraden einen schlafenden bzw. nicht mehr zurechnungsfähigen Menschen im Freien entdecken, das Rote Kreuz oder die Polizei zu verständigen. Mit einem Vier-Säulen-Programm, dessen Aufbau Sozialreferent Vizebgm. DI Eugen Sprenger maßgeblich mitgestaltet hat, ist jedenfalls die Stadt Innsbruck seit Jahren bemüht, menschliche und effiziente Rahmenbedingungen für die Versorgung und Integration von Obdachlosen zu bieten.

Vielfach sind die G r ü n d e , w a r u m m a n c h e M e n schen nicht m e h r einer geregelten A r b e i t nachgehen, über kein E i n k o m m e n verfügen und daher auf f r e m d e Hilfe angewiesen sind. Mit der S t ä d t i s c h e n H e r b e r g e in der Hunoldstraße (88 Plätze) und dem A l e x i h a u s in Dreiheiligen (60 Plätze) hat die Stadt zwei Heime mit gutem Standard bereitgestellt, in denen Obdachlose Unterkunft finden und auch betreut sowie mit Essen versorgt w e r d e n . Z w e i - und D r e i b e t t z i m m e r sowie entsprechende Nasszellen haben die f r ü h e r e n Massenunterkünfte ersetzt. Mussten die Bewohner früher um 8 Uhr das Heim verlassen, sind sie jetzt r u n d um die Uhr willkommen. Allerdings ist in den Heimen der Genuss von A l k o h o l nicht erlaubt. Im November 2004 wurde der für die Bewohner des Alexihauses angemietete V i a d u k t b o g e n offiziell eröffnet. Der Bogen, der nur vom Alexihaus zugänglich ist, w i r d sowohl als Aufenthaltsraum ohne Alkoholverbot als auch für diverse Veranstaltungen genutzt. „ W i r haben in Innsbruck eine gute Struktur geschaffen, dass Menschen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind und diese auch annehmen, ein Z u hause haben und sich w o h l fühlen können", hebt Sozialreferent Sprenger hervor. „In meiner 19-jährigen Tätigkeit als Sozialreferent hat sich sowohl image- wie auch ausstattungsmäßig sehr viel zum Guten gewendet." D a r ü b e r hinaus w e r d e n S o z i a l v e r e i n e , die Obdach-

lose betreuen, finanziell unterstützt, damit sie diese Hilfestellungen leisten können. Die dritte Säule besteht in der angemessenen Sozialhilfe für die Anmietung und Erstausstattung von Wohnungen und die vierte im Angebot von Beschäftigungsprojekten, wo Menschen wiederum in den Arbeitsmarkt integriert w e r den. Dieses Modell w i r d durch weitere Betreuungsangebote w i e das „ B e t r e u t e W o h n e n " ergänzt. Das Haus in der Gutenbergstraße (70 Zimmer) wurde adaptiert und zusätzlich eine W o h n g e meinschaft mit sieben Z i m mern für die Gesellschaft für Psychische Gesundheit eingerichtet. A m Haydnplatz (derzeit 100 Zimmer) konnte der Sozialkontakt inzwischen

zwei Räume beziehen, wobei einer als Büro und der zweite als Aufenthaltsraum für die Mieter im Haus dient. Seit zwei Jahren läuft auch das Projekt „ V i n z i b u s " , ein Projekt der T i r o l e r Vinzenzgemeinschaft und der Caritas, an dem sich auch der T i r o l e r Mittelschülerverband (TMV) beteiligt. Jeden Abend w e r den für Menschen ohne O b dach auf der Straße heiße Getränke und Speisen ausgegeben. Die Delogierungspräv e n t i o n s s t e l l e will durch geeignete Maßnahmen bereits im Vorfeld einer anstehenden Delogierung v o r d r o h e n d e r Obdachlosigkeit b e w a h r e n helfen. Z u d e m w u r d e ein F a c h b e i r a t O b d a c h l o s i g k e i t installiert, der sich auch m i t speziellen Problemkonstellationen wie z.B. „wohnungslos und psychisch krank" beschäftigt und Lösungsvorschläge erarbeitet.

Das Bogcnlokal im Alexihaus. Die meisten Arbeiten haben die Heimbewohner im Rahmen eines Beschäftigungsprojektes geleistet. Der Bogen ist täglich von 8 bis 22 Uhr geöffnet. Hier dürfen auch alkoholische Getränke konsumiert werden, allerdings keine „harten" Drinks. Gäste sind willkommen, werden aber gebeten, sich beim Empfang anzumelden. Der Bogen dient nicht nur als „Wohnzimmer", sondern auch als Veranstaltungsraum. Im Bild Sozialreferent Vizebgm. DI Eugen Sprenger mit Alcxihaus-Leiterin Friederike Hirsch und einer Sozialarbeiterin. (Foto: W. Wcgcr)

INNSBRUCK INFORMIERT - SERVICEBEILAGE - DEZEMBER 2006

XXI

Innsbruck informiert  

Ausgabe Dezember 2006

Innsbruck informiert  

Ausgabe Dezember 2006