Page 12

Redaktion_1414_Redaktionsseiten 07.07.2014 12:06 Seite 9

LOKALES

Libelle auf der Reisfeldpflanze Vielen gilt das Anh Thu als einer der das geschickt beleuchtete, moderne besten Vietnamesen der Stadt, nun hat und höchst geschmackvolle urban-asiasich das Haus nach dem Verkauf des tisch Ambiente, das sich um eine mit Ablegers Banyan mit dem Cochinchina räumlich und kulinarisch erweitert. Nein, keine Angst, Insektenküche steht hier nicht auf der Karte, so weit sind wir hier in Zentraleuropa noch lange nicht, obwohl in Berlin schon Versuche gewagt wurden, mit zugegeben mäßigem Erfolg. Die Innenarchitektur des Cochinchina sei von der Libelle inspiriert, verrät die erste Seite der Speisekarte, die in der Heimat der Besitzer Anh Thu und Tran Hieu (Cochinchina ist ein Vietnamesische Küchenkunst ... altes Wort für Südvietnam) die wasserreiche Landschaft millionenfach bevölkert. Hölzerne großen Bangkok-Lampenschirmen illuRaumteiler in Flügelstruktur, changie- minierte Bar gruppiert. Konzipiert wurrende Stoffe der Designers Guild Kol- de das alles von der sympathischen Anh lektion „Zambelli“, die farblich den Thu selbst, stolz zeigt Monsieur Hieu schimmernden Insekten nachempfun- die Entwürfe der Architekturbüros, die den sind, Lounge-Elemente mit schwe- den Fantasien seiner Frau Form und ren Baumstümpfen und völlig kitsch- Farbe gaben, wie auch den Speisekarfreie asiatische Artefakte definieren ten. Zeit zum Essen.

GESCHMACKSACHE

Glück im Knödel Wie bereits erwähnt, treten die chinesischen Teigtaschen, Dim Sum oder Dumplings genannt, gerade einen Siegeszug durch die westliche Welt an. Bei einem Besuch in New Yorks Chinatown vor ein paar Wochen

drängten sich meist junge Menschen um eine nächtliche Dumpling-Location, als gäbe es sonst nix zu essen in der Stadt. Nun auch bei uns: Familie Xu aus Shandong hat in der Theresienstraße 18 (Mo bis So 11.30 bis 21 Uhr) einen kleinen Imbiss namens La Du eröffnet, in denen diverse, täglich frisch zubereitete „Happy Dumplings“ aus hellem und dunklen Teig, gebraten oder gedämpft angeboten

12

IN 14 / 2014

werden. Gefüllt sind sie zum Beispiel mit einer Farce aus Hackfleisch, Chinakohl, Shiitakepilze, Ingwer, Lauchzwiebel und Szechuan-Pfeffer („Black & White“), Hackfleisch, Garnelen, Zucchini, Morcheln, Ingwer („Ledu Special“), Rinderhack, Möhren, Szechuan-Pfeffer, Sellerie („Red Bull“) oder mit Hackfleisch, Fenchel und roten Zwiebeln ((Hui Xiang“) (5 Stück für 5 Euro, 10 Stk. Für 6,90€). Das Hackfleisch ist natürlich „Bio“, es gibt aber auch eine vegetarische Variante mit Ei, Glasnudeln, Morcheln, Zucchini und chinesischer Dreizehn-Schätze-Gewürz, diverse Salate (gr. Teller, 5€) und süße Knödel mit Datteln, Beerensoße oder Taro und Mangosoße (je 3€). Ein gelungener, leckerer Snack für zwischendurch, auf Wunsch kann man die kleinen Teigtaschen samt Soßen auch mitnehmen und nach Anweisung der Betreiber auch daheim dämpfen oder braten. Wurde ausprobiert und hat funktioniert. Rainer Germann

Geniale Soßenkreationen Wir beginnen mit Suôn Nuóng, das sind marinierte Spare-Ribs mit Zitronengras, Frühlingszwiebel und Knoblauch, dazu eine asiatische Version von „Pimentos de padron“ mit Bonitoflocken, dann das berühmte La Lôt, Rindfleisch mit Wildbettelblatt umwickelt und gegrillt und Wantan Chién, Crispy Wantans mit Garnelenfüllung (alle Vospeisen zwischen 7,50 und 13,50 Euro). Was soll man sagen – ein Gedicht (bis auf die vielleicht etwas zu lang gegarten Spare-Ribs). Die dazu gereichten Soßen sind allesamt von Madame Anh Thu selbst komponiert und gefertigt und wohl die besten Vertreter ihrer Gattung in unserer Stadt. Ihre Version der Hoisin-Soße oder die berühmte süßsaure Soße, die man zu Frühlingsrollen und Wantans reicht, hat überhaupt nichts mit der gängigen Ware aus dem Asiamarkt oder dem Take Away zu tun, die sich auch oft „auffrisiert“ in vermeintlich „besseren“ Asiaten einschleicht. Ein anderes Mal wurde mittags ein vietnamesisches Curry (ohne Kokosmilch!) mit Kirschtomaten und Zwiebeln probiert (9,50€), ebenfalls wunderbar. Chinesische Teigtaschen, Dim Sum oder Dumplings sind in aller Munde (s. GESCHMACKSACHE) und diese Entwicklung ist auch an den Betreibern des Cochinchina nicht vorrübergegangen. Monsieur Hieu hat deswegen extra eine chinesische Küchenkraft für sein Team (bereits mittags arbeiten hier fünf Köche und vier Helfer in einem Restaurant mit 80 Platzen innen und nochmal 50 auf der Terrasse, dazu kommen fünf, abends neun im Service) engagiert, die nur für die kleinen Köstlichkeiten zuständig ist. Es empfiehlt sich eine Variation mit fünf verschiedenen Dumplings zu wählen, Taschen in verschiedener Form aus Klebreis-, Wantan- und Reismehlteig, meist gefüllt mit Hühnchen- oder GarnelenFarce, Sojasprossen, Gurke etc. (14,90€). Ebenfalls zu empfehlen ist die PekingEnte-Version des Hauses: Chinesische Dampfnudeln, gefüllt mit Ente, Lauch und Gurke (13,90€).

Kräuterkombination, Geschmackexplosion Natürlich kann man die Ente, wie anderes Fleisch oder Scampi, auch selbst in die Hand nehmen, beziehungsweise selber rollen (alle Hauptgerichte zwischen 15 und 25 Euro). Ein großer Teller mit Entenscheiben, Reisnudeln, fein geschnittenem Gemüse wie Karotten, Gur-

ke und Rettich kommt mit einem Berg Kräuter an den Tisch, die es sich etwas genauer anzuschauen lohnt und eine Nachfrage wert sind. Neben den üblichen Verdächtigen wie Thai-Basilikum (süß und scharf), Minze und Thai-Koriander (sehr intensiv) erkennt der kundige Europäer vielleicht noch den auch Europagras genannten Stachelkoriander (Ngó Gai), den Rest haben Asienreisende vielleicht einmal im Urlaub auf dem Markt gesehen und nicht in München auf dem Teller. Da wären Ngó Ôm, die Reisfeldpflanze, die ein bisschen nach Zitronengras schmeckt und man am besten mit dem leicht scharfen Stängel verspeist. Oder das Polygonum (Rau Răm), ein schwer zu beschreibender Geschmack, der dem Genießer ganz neue Facetten eröffnet, das gilt auch für die

... in ansprechendem Ambiente fruchtig-nussige Tiá Tô, eine Pflanze mit großen rötlich-grünen Blättern, die an Minze erinnern, einen deutschen Namen gibt es wohl nicht. Die Kombination der verschiedenen Kräuter (die natürlich allesamt äußerst gesund sind!) gibt dem Essen seine Geschmacksexplosion, meint Monsieur Hieu und lacht. Er berichtet mit Leidenschaft von der Küche seines Landes, seinen spannenden Lebenslauf zu erzählen, würde diese Kolumne sprengen. Nur soviel sei erwähnt: es ist ein langer Weg bis ein Gastronomie so funktioniert, wie in den beiden Restaurants von Anh Thu und Tran Hieu. Fazit: Große vietnamesische Küche mit chinesischen und asia-europäischen Schlenkern in einem auch von der Inneneinrichtung her ansprechendsten neuen Restaurants in München. Dazu gesellt sich eine großzügige Weinkarte mit Posten von Österreich bis ins Burgund zu noch akzeptablen Preisen. Die hohe, gleichbleibende Qualität der Küche steht aber wie im Stammlokal im Mittelpunkt. „Wir gehen Essen und spielen nicht Lotto“, sagt Tran Hieu. Rainer Germann Cochinchina Kaiserstr. 28 80801 München, Tägl. 11.30 bis 14.30 u. 18 bis 24 Uhr, Tel. 089/389 895 77 www.cochinchina.de

in münchen Ausgabe Nr. 14/2014  

in münchen - Das Stadtmagazin Ausgabe Nr. 14/2014 vom 10.7.2014 mit allen Tipps und Terminen aus den Bereichen Theater, Kunst, Ausstellungen...

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you