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NR 03 2014

BERICHT


V O R WO R T

- Operative Analyse der IKG und ihrer Gesellschaf- ten mit dem Ziel effizienter und kostensparender organisatorischer Abläufe - Die analytischen und planerischen Voraussetzun- gen dafür sollen mittels dem sogenannten „Auf- räum-Coaching“ geklärt werden - Internes Fundraising - Strategie im Umgang mit steigendem Antisemitis- mus in Europa

LIEBE GEMEINDE MITGLIEDER

Wir werden regelmäßig über den Fortgang dieser Gespräche berichten. Wir müssen unsere WählerInnen hier gleichzeitig aber auch um ein wenig Geduld bitten. Ein kritischer Dialog bedeutet immer auch die ernsthafte und wertschätzende Auseinandersetzung mit den Positionen der Partner und benötigt mehr Zeit um zu Ergebnissen zu gelangen, als konsenslose populistische Kritik, die sich in Anschuldigungen erschöpft. Das gilt selbstverständlich für alle Beteiligten. Diese Vorgangsweise wird langfristig die besseren Ergebnisse zeitigen und Sie dürfen sich sicher sein, dass IR ihre Grundprinzipien wachsam verfolgen wird.

DIE VERGANGENEN MONATE WAREN VOM WECHSELSEITIGEN BEMÜHEN GEPRÄGT, ZWISCHEN UNSERER INITIATIVE RESPEKT UND ATID EIN KONSTRUKTIVES ARBEITSVERHÄLTNIS HERZUSTELLEN. Derzeit beraten wir mit ATID in gemeinsamen Arbeitsgesprächen Themen einer strukturierten Zusammenarbeit in diesen Bereichen.

In einigen Bereichen, insbesondere im Kulturmanagement und in der Sozialhilfe, funktioniert die Zusammenarbeit bereits sehr erfolgreich.

Dabei konnte IR einige ihrer zentralen Anliegen platzieren, so zum Beispiel:

Für die Initiative Respekt ist es nach wie vor wichtig, dass alle ehrenamtlichen und angestellten Mitarbeiter/innen der IKG ihrer besonderen Verantwortung gegenüber der jüdischen Gemeinde nachkommen,

- Strukturelle Reform des Maimonides-Zentrums mit dem Ziel eines nachhaltig ausgeglichenen opera- tiven Budgets

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nämlich rationale, stabile und transparente operative Verhältnisse sicherzustellen. Nur so können die zentralen Anliegen und Aufgaben der jüdischen Gemeinde auf Dauer gewährleistet werden: Soziales, Frauen und Familie, Maimonides Zentrum, Jugend und Schulen, Kultur, Religion. Auch wenn die IKG keine Firma im herkömmlichen Sinn ist muss sie über eine solide Organisation, gutes Management und über stabile Finanzen verfügen, auch in der längerfristigen Perspektive. Nicht, dass wir wollen, dass die IKG verbürokratisiert und menschenfern wird – wir haben vielmehr Sorge um die Sicherstellung der Befriedigung der vielfältigen Bedürfnisse unserer Mitglieder! Für jedes Unternehmen wie auch für jede „Dienstleistungsorganisation“ ist die regelmäßige Überprüfung ihrer innerbetrieblichen Strukturen, Regeln und Abläufe wichtig.

„Der richtige Weg für jüdisches Leadership ist darüber hinaus, innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinden Allianzen und Freundschaften zu schließen, die ethischen und spirituellen Dimensionen des Judentums hervorzuheben und aktiv nach sozial relevanten Projekten zu suchen, an denen wir über die Grenzen hinaus gemeinsam arbeiten können.“

In diesem Zusammenhang sehen wir sieben Grundsätze für Jewish Leadership von Rabbi Lord Jonathan Sacks (nachzulesen unter http://www.rabbisacks.org) die wohl auf uns alle zutreffen und denen sich IR verpflichtet fühlt: 1 Führung beginnt mit Verantwortung übernehmen 2 Niemand kann alleine führen

Mit herzlichen Grüßen, Ihr Team von Initiative Repekt!

3 Bei Führungsfähigkeit geht es um die Zukunft 4 Führungspersönlichkeiten hören nie auf zu lernen 5 Führungsfähigkeit bedeutet Glaube an die Men- schen, denen man vorsteht

WICHTIGER HINWEIS :: Der Bericht, den wir hier für Sie zusammenstellen, ist eine „gemeinde-interne“ Information an Sie, liebe Gemeindemitglieder, und nicht zur Veröffentlichung in weiteren Kreisen gedacht.

6 Führungsfähigkeit braucht ein Gefühl für den richtigen Zeitpunkt und das richtige Maß 7 Führungsfähigkeit ist aufreibend und emotional fordernd

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OF F E NE F R A G E N

IMMER NOCH NICHT BEANTWORTETE FRAGEN

ALLE OPERATIVEN ABTEILUNGEN DER IKG ARBEITEN UNTER AUFSICHT UND KONTROLLE EINER AUS GEWÄHLTEN KULTUSRÄTEN UND EXTRANII ZUSAMMENGESETZTEN KOMMISSION. AUSNAHME: DIE RESTITUTIONSABTEILUNG. DIESE WICHTIGE UND AKTIVE ABTEILUNG ARBEITET OFFENBAR AUSSERHALB DES RADARS DES KULTUSVORSTANDS. BEI AUSGABEN IM JAHR 2013 VON INSGESAMT € 453.578,- GEGENÜBER EINNAHMEN VON € 570.691,- FINDEN WIR SCHON, DASS SIE SELBSTVERSTÄNDLICH AUCH DER KONTROLLE EINER GEWÄHLTEN KOMMISSION AUS KULTUSRÄTEN UND EXTRANII UNTERLIEGEN MUSS. DIE STIPENDIEN-KOMMISSION IST ZUSTÄNDIG FÜR DIE STIPENDIENVERGABE AN SCHÜLER/ INNEN DER ZWI PEREZ CHAJES SCHULE. IHRE MITGLIEDER WURDEN NACH DER WAHL IM VERGANGENEN NOVEMBER NICHT VOM KULTUSRAT GEWÄHLT UND SIE SCHEINT NICHT IN DER LISTE DER KOMMISSIONEN UND IHRER MITGLIEDER AUF.

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V O R S T A ND

VORSTAND INITIATIVE RESPEKT

Unser Vorstand besteht derzeit aus 9 Mitgliedern, ihre Photos und KurzBiographien kennen Sie sicher noch aus unserem Wahlmagazin.

MICHAEL „MIKE“ J. MOFFATT Geboren 1987 in Wien „Meiner Schulzeit an der ZPCSchule und der prägenden Zeit beim Hashomer Hazair verdanke ich sehr viel. Als angehender Jurist mit besonderem Interesse an internationalen Beziehungen habe ich im Zuge meines Studiums in04 Wien und Paris sowie bei diversen internationalen Wettbewerben gelernt

SONIA FEIGER DANIEL GALLNER JULIE KLEIN ROBERT WILDER RUTH BACHMAYER MICHAEL KALWIL ILJA MOFFATT MICHAEL SICHROVSLY MARTINA MASCHKE PATRICIA KAHANE Geboren 1982 in Wien „Bereits in meiner Jugend war ich in der Gemeinde aktiv, im Haschomer Hazair, bei Maccabi und Hakoah. Während des Studiums der internationalen Entwicklung, als Repräsentant und Preisträger der Universität Wien sowie Trainer der Wiener Delegation bei vier „Harvard World Model United


V O R S T A ND

Amos übernehmen. Dani war von Anfang an einer der wichtigsten Gestalter im Vorstand der Initiative. Für alle, die ihn nicht kennen, einige Informationen zur Person. Dani vertritt die IR seit der letzten Wahl in der Immobilienkommission und ist verantwortlich für die Kutur-Events der Initiative. Er hat BWL in Wien studiert, war danach längere Zeit in China und ist jetzt als Immobilienkaufmann in Wien tätig. Seit seiner Jugend war er in unterschiedlichen Bereichen der IKG - im HaShomer Hatzair, dem Forum gegen Antisemitismus, der Schulkommission, SC Maccabi – aktiv.

ÄNDERUNGEN IN UNSEREM VORSTAND WIR MÖCHTEN IHNEN HIER ÜBER DIE VERÄNDERTE ZUSAMMENSETZUNG UNSERES VORSTANDS UND AUCH UNSERER VERTRETUNG IM KULTUSRAT BERICHTEN.

Wir haben Michael (Mike) Moffatt in den Vorstand eingeladen, der ein engagiertes und aktives Mitglied unserer Gruppe ist. Mike hat das Angebot angenommen und wir freuen uns darüber, dass die nächste Generation in unserer Gruppe VorstandsVerantwortung übernimmt und damit rechtzeitig Expertise für die zukünftige Leitung der IKG aufbauen kann.

Unser Gründungsmitglied Amos Davidovits zieht sich aus verschiedenen Gründen ganz aus der IKG-Politik zurück, somit auch aus unserer Initiative Respekt und dem Kultusvorstand, was wir sehr bedauern. Wir danken ihm für seinen unermüdlichen Einsatz, seine absolute Verlässlichkeit und seinen wertvollen Beitrag bei der Gründung unserer Initiative, im Wahlkampf und in der täglichen Arbeit seitdem.

Dorly Singer hat ihre Mitgliedschaft ruhend gestellt, weil sich heraustellte, dass diese Funktion mit ihren beruflichen Verpflichtungen vom Zeitaufwand her derzeit nicht vereinbar ist.

Daniel Gallner, der bei der Wahl auf dem dritten Listenplatz war, wird das Kultusrats-Mandat von

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J EW ISH I NF O P O I NT V I E NNA

EIN JÜDISCHES KAFFEEHAUS IN WIEN

Januar-Plenum wurden dann zwei unterschiedliche Konzepte präsentiert. Das fleischige Restaurant unter Schalom Bernholtz mit DI Eduard Ferszt als Partner trug eindeutig den Sieg davon. IR wünscht viel Erfolg und freut sich schon auf die versprochenen Neuerungen!

IM KAFFEEHAUS SITZEN LEUTE, DIE ALLEIN SEIN WOLLEN, ABER DAZU GESELLSCHAFT BRAUCHEN.

Das zweite Konzept mit dem Arbeitstitel „JIP“, war als „Konkurrenzangebot“ noch zu neu und hatte auch zu wenig Vorbereitungszeit gehabt. Bereits in unserer ersten Publikation haben wir von Initiative Respekt! festgehalten, dass „ein ‚Jüdischer Freiraum’ – ein Raum für offenen Ideenaustausch geschaffen werden muss. Geistige Freiheit muss zugelassen und gefördert werden. Denn Vielfalt stärkt die Einheit.“ Verbinden, vernetzen, zusammenführen, informieren und Dienstleistungen innerhalb der jüdischen Gemeinde erbringen gehören zu den Aufgaben der IKG. Dazu brauchen wir eine „Anlaufstelle“ – einen Ort des Austauschs und der Kommunikation. Der beste Ort des Gedankenaustauschs ist und bleibt das Wiener Kaffeehaus. Der „Jewish Infopoint Vienna/JIP“, das zweite Konzept, entstand aus einer Verbindung unserer Idee vom Literaturcafé als jüdischer Freiraum und der Öffnungspolitik von Präsident Deutsch: Es sollte ein Ort entstehen, an dem man zwischen Kaffee, kleinen koscheren Speisen, jüdischen Zeitungen und Zeitschriften, Büchern und Judaica, oder bei Veranstaltungen in die Welt des Judentums ein-

(ALFRED POLGAR) Die rund drei Jahre dauernde Diskussion um das koschere Restaurant in der Seitenstettengasse ist seit Jahresbeginn erfolgreich beendet. Drei Bewerber mit unterschiedlichen Konzepten sorgten ausreichend für Diskussionen über milchig, fleischig, vegetarisch sowie alle Mischformen, die innerhalb der Kaschrut-Regeln möglich sind. Im

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J EW ISH I NF O P O I NT V I E NNA

tauchen kann. Ein Ort der als Begegnungsstätte für Gespräche und Gedankenaustausch dient und wo Information und Kommunikation miteinander verbunden werden.

Obwohl das Wiener Kaffeehaus einen weltberühmten Status inne hat war Wien nicht die erste Stadt mit einem Kaffeehaus. Schon im 12. Jahrhundert gab es in Mekka etliche Kaffeehäuser. 1647 eröffnete in Venedig das erste europäische Kaffeehaus. Erste englische Kaffeehäuser öffneten zwischen 1650 und 1652 ihre Pforten. Im Jahre 1683 zog Wien nach. Auch wenn Wien nicht Vorreiter der Kaffeehauskultur war, so hat das Kaffeehaus doch hier wie an keinem anderen Ort seine Spuren hinterlassen. Nirgends erlebten Kaffee und Kaffeehaus einen solch hohen Grad an Verfeinerung wie in unserer Stadt.

Das Wien zur Zeit des Fin de Siècle war gleichzeitig auch die Hochblüte der jüdischen Gemeinde und jüdisches Alltagsleben gehörte zum Straßenbild. Kaum eine Stadt Europas verfügt über eine solch enge Verknüpfung zwischen der Geschichte ihrer jüdischen EinwohnerInnen und dem Aufstieg zu einer Metropole des Geistes, der Wissenschaft und der Künste wie Wien. Und auch das Wiener Kaffeehaus hatte damals seine Blütezeit, als so genannte Kaffeehausliteraten wie Peter Altenberg, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Alfred Polgar, Karl Kraus, Stefan Zweig, Hermann Broch und Friedrich Torberg ihre Stammcafés zur bevorzugten Lebens- und Arbeitsstätte machten. Viele bekannte Künstler, Wissenschaftler, Techniker und Politiker der Zeit, darunter Egon Schiele, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Adolf Loos, Theodor Herzl, Siegfried Marcus oder auch Leo Trotzki, waren häufige Gäste im Kaffeehaus.

Das Kramersche Kaffeehaus am Graben war 1720 das erste das Zeitungen zum Lesen auflegen ließ. Es lieferte somit den Beginn dessen, was wir heute als das typische „Wiener Kaffeehaus“ bezeichnen. 1815 erfuhr das Wiener Kaffeehaus eine neue Blütezeit. In der Ära des Vormärz und des Biedermeier wurde das Wiener Kaffeehaus in ganz Europa zum „Inbegriff der Lebensqualität“. In Prag, Zagreb, Verona, Triest und Venedig sprossen Kaffeehäuser nach Wiener Vorbild aus dem Boden. Das Café Griensteidl wurde 1890 zum LiteratenTreffpunkt („Jung Wien“). Rund um Hermann Bahr versammelte sich hier eine illustre Schar an jungen Schriftstellern wie etwa Hugo von Hofmannsthal, Karl Kraus oder Arthur Schnitzler. Das war die Geburtsstunde der Kaffeehausliteratur. Doch die Literaten beschränkten sich nicht auf ein bestimmtes Kaffeehaus. Immer wieder wurde ein anderes Kaffeehaus zum In-Treff auserkoren. Auf das Griensteidl folgte das Café Central, später wurde das Café Herrenhof zum Treffpunkt der Literaten. Aber auch andere Künstler hatten ihre favorisierten Kaffeehäuser. Das Café Museum etwa wurde zum Treffpunkt der Maler.

Seit fast 2000 Jahren leben Juden in Europa und waren den größten Teil dieser Zeit von den jeweiligen Machthabern aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Es ist an der Zeit, dass wir uns heute in die Gesellschaft des Landes, in dem wir leben, einbringen und auch in der europäischen Gesellschaft unseren Beitrag leisten. Wir müssen der österreichischen Öffentlichkeit die Möglichkeit geben, sich ein umfassendes und differenziertes Bild der IKG, der jüdischen ÖsterreicherInnen und ihrer Religion machen zu können. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen wir informieren und Wissensdefizite über Juden und ihr Leben heute in Österreich mit verständlichem und kompetentem Grundlagenwissen füllen. Nur so können wir das Verständnis zwischen Juden und Nichtjuden fördern. Daher brauchen wir einen öffentlichen Ort, an dem das Judentum sichtbar werden kann.

Auch in den tristen 20er Jahren der Weltwirtschaftskrise und des Börsenkrachs waren die Menschen für gute Unterhaltung zu begeistern: Tanzcafés sperrten auf und spielten Jazz aus Amerika. Die Kaffeehäuser dienten aber auch als Umschlagplatz wo unter den Tischen begehrte Waren ihre Besitzer tauschten. Bis 1934 waren 40% der Kaffeehäuser in jüdischem Besitz. 1938 enteigneten die Nationalsozialisten die jüdischen Eigentümer der für ihre Lebendigkeit bekannten Kaffeehäuser in der Leopoldstadt. Seit 2011 gehört die Wiener Kaffeehauskultur zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Der Wunsch des Kultusrates war es, diesen Vorschlag weiter zu verfolgen. Wir werden weiter daran arbeiten, dass der Traum von einem neuen jüdischen Alltag auch im 1. Bezirk wieder Wirklichkeit wird.

(Quellen: Wikipedia, wien.gv.at u.a.)

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TH EM A : WI R T S CHA F T

Ein auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen zahlt den auf Grund guten Managements erzielten Gewinn seinen Gesellschaftern bzw. Aktionären aus. Der gesamte Non-Profit-Bereich widmet seine wirtschaftliche Tätigkeit anderen, z.B. sozialen, politischen, gesellschaftspolitischen, entwicklungspolitischen Zielen. Allfällige Gewinne werden an Nutznießer verteilt (sozial) oder in die Tätigkeit reinvestiert. Der bekannte Wirtschaftswissenschafter Prof. Fredmund Malik vom Malik Management Zentrum in St. Gallen sagt zu diesem Thema: Verbreitete Missverständnisse...

VERANT WORTLICHE UNTERNEHMENS FÜHRUNG AUCH IM NON PROFIT BEREICH

- Non-Profit-Organisationen (NPOs) sind keine Unternehmen. Folglich brauchen sie kein Management. - In NPOs ist die Komplexität größer, weil sie keine Kunden im herkömmlichen Sinn haben. - NPOs wissen, was die Leute brauchen. Von Kunden zu sprechen ist daher überflüssig. - NPOs benötigen keine Strategie und schon gar keinen Gewinn. - In NPOs ist alles anders. Sie benötigen ein spezielles Management. ... und richtige Orientierungspunkte - Es gibt keinen fundamentalen Unterschied zwischen Forprofit und Nonprofit Organisationen, wohl aber einen Unterschied zwischen gut und schlecht geführten Organisationen. Und das hat nichts mit Branche, Tätigkeitsbereich oder Größe zu tun. Jede Organisation, die wirksam sein will, braucht professionelles Management. - Nur durch konsequente Ausrichtung am Zweck bleibt eine Organisation langfristig lebensfähig. Nicht die Interessen von Financiers, Führungskräften oder Mitarbeitern stehen im Zentrum sondern jene der Kunden/Mitglieder. - Die letzte und einzige Existenzberechtigung von Organisationen ist die Stiftung von Kunden/Mitgliedernutzen. Jede Organisation muss permanent ihre Leistungsfähigkeit hinterfragen und auf diesen

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TH EM A : WI R T S CHA F T

Kundennutzen ausrichten. - Damit eine Organisation – Forprofit und Nonprofit lebensfähig bleibt, muss sie sich an einer Strategie ausrichten. Sie hat die Kosten des gegenwärtigen und des zukünftigen Geschäftes zu erwirtschaften und daher sorgfältig mit Aufwänden und Erträgen umzugehen. Bei der Erwirtschaftung von Gewinn unterscheiden sich Forprofit und Nonprofit Organisationen nicht, sondern nur in der Gewinnverwendung. - Forprofit und Nonprofit Organisationen sind wesensgleich, wenn es darum geht, Ziele zu erreichen, Kundennutzen zu stiften und langfristig lebensfähig zu bleiben. Daher brauchen weder Forprofit noch Nonprofit Organisationen spezielles Management. Beide brauchen sie richtiges und gutes Management.

Unsere Kultusgemeinde ist eine NPO, sie unterliegt also denselben Grundsätzen wie jede Firma. Transparenz und verantwortliche Unternehmensführung haben wir bereits in unserem Wahlprogramm gefordert: - Eine klare vollständige – konsolidierte – Bilanz, die sowohl die IKG- „Hoheit“ als auch alle verbundenen Gesellschaften, Stiftungen und Vereine im In- und Ausland umfasst. - Als Grundlage dafür braucht es eine weitreichende innere Reorganisation der Betriebsabläufe, klare Verfahrensrichtlinien und Gehalts-Schemata, die für alle Angestellten der IKG sowie ihrer verbundenen Gesellschaften, Stiftungen und Vereine in gleicher Weise gelten. Dies ist nur durch eine starke, selbstverantwortliche Geschäftsführung erreichbar, klar getrennt von den politischen Gremien der IKG. - Öffentliche Ausschreibungen nach den geltenden Gesetzen, auch wenn die IKG formal nicht daran gebunden ist.

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B ER IC H T M A I M O NI DE S Z E NT R UM

BEIRAT MAIMONIDES ZENTRUM: von IR: Michael Kalwil, Arlette Leupold- Löwenthal, Patricia Kahane Das vergangene Jahr war wirtschaftlich sehr schwierig. Reale Verluste konnten nur durch Erträge aus Erbschaften ausgeglichen werden. Ähnliches zeichnet sich für die Zukunft ab, wenn wir den sehr hohen Standard beibehalten wollen. Die wesentlich höheren Kosten für den Betrieb unseres Elternheims stammen in erster Linie aus den religiösen Vorgaben der IKG (Kaschrut und Dienstposten für religiöse Leitung) und dem Sicherheitsdienst. Dazu kommen auch mehrere angestellte ÄrztInnen, die für die medizinische Qualität und für das Gefühl unserer BewohnerInnen, gut aufgehoben zu sein, sehr wichtig sind. Diese Sicherheit macht auch einen guten Teil unseres besonders guten Rufs aus. Wir haben den Verantwortlichen von Atid schon im November ein Reformpapier übergeben in dem wir verschiedene Vorschläge zur langfristigen finanziellen Entlastung ausgearbeitet haben. Bisher wird weiter versucht, mit einigen Kündigungen und Ersuchen um Erhöhung der Tarife des Fonds Soziales Wien über die Runden zu kommen, ohne tiefgreifende Fragen in Angriff zu nehmen, da sie vielleicht IKG-politisch schwer zu argumentieren sein könnten.

NANU, WIE DENN DAS ? SEIT DER WAHL IM NOVEMBER 2012 HAT NOCH KEINE SITZUNG DES IKG-BEIRATS STATTGEFUNDEN. DIE STATUTEN SEHEN ZUMINDEST EINE SITZUNG PRO QUARTAL VOR.

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TH E M A : R E S P E K T

WETTBEWERB IN DEN KOMMENDEN MONATEN VERANSTALTET DIE CROWD-FUNDING-PLATTFORM RESPEKT. NET DEN ÖSTERREICHWEITEN WETTBEWERB „ÖSTERREICH SUCHT ORTE DES RESPEKTS“.

ÖSTERREICH SUCHT ORTE DES RESPEKTS

Respekt.net ist eine Plattform für gesellschaftspolitisches Engagement. Sie bringt Menschen mit Ideen mit potenziellen UnterstützerInnen zusammen. Auf der Plattform werden wertvolle Projekte schnell und einfach vielen Menschen zugänglich gemacht. So erhöht Respekt.net die Umsetzungschancen guter Ideen zur Verbesserung der Welt. Mit der Plattform will Respekt.net vor allem Einzelpersonen und Gruppen helfen, ein lebendiges Forum für ihr Engagement zu finden. Das Ziel von Respekt.net ist es, Vorhaben zu fördern, mit denen BürgerInnen und Organisationen das private, wirtschaftliche und öffentliche Leben voranbringen. In unserer aktuellen Ausgabe finden Sie einen beigelegten Flyer mit dem Aufruf, für unsere Gesellschaft wertvolle Initiativen und Projekte für den Wettbewerb einzureichen. Einreichungen sind auch online möglich unter www.ortedesrespekts.at. Als jüdische ÖsterreicherInnen unterstützen wir von Initiative Respekt dieses Vorhaben.

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K O M M E NT A R

JISKOR – DIE JÜDISCHEN FRIEDHÖFE ÖSTERREICHS ERBE UND VERANTWORTUNG Weiters hat Ehrenpräsident Dr. Muzicant anlässlich der Kultusratssitzung vom ........... angekündigt, dass die IKG das Projekt selbst realisieren werde, in 6 Monaten statt 3-5 Jahren (!) und ziemlich wortgetreu unser Konzept als seines wiedergegeben.

WIE ES WEITERGEHT, ODER EBEN NICHT.... In unserem letzten Arbeitsbericht haben wir die Idee und das Konzept von JISKOR vorgestellt. Es plante die umfassende wissenschaftliche Erfassung aller jüdischen Grabstätten in Österreich, sowie Mahnmale, Gedenkstätten und Massengräber, die an die Schreckenszeit der Naziherrschaft erinnern. Es war von Anfang an beabsichtigt, dieses wichtige Vorhaben des Vereins Jiskor gemeinsam mit der Kultusgemeinde durchzuführen.

Warum? Gespräche mit Friedhofs-Verantwortlichen der IKG haben ergeben, dass die IKG-Führung keine unabhängigen Vereine wünscht, die sich mit dem Thema Dokumentation der in Österreich beerdigten Jüdinnen und Juden beschäftigen, sondern alle Aktivitäten im Haus und unter Kontrolle der IKG stattfinden müssten.

Leider liegt dieses wichtige Projekt zur Zeit „auf Eis“. Was ist geschehen? Amos Davidovits hat Ehrenpräsindent Dr. Muzicant in seiner Eigenschaft als Verantwortlicher für die Jüdischen Friedhöfe das Konzept des Vorhabens vorgelegt, mit Grundideen, Budgetansätzen und Zeitplan über mehrere Jahre bis zur Fertigstellung.

Außerdem befürchtet die IKG-Führung „paralleles Fundraising“ und dadurch eine Verminderung der Fundraising-Einnahmen der IKG unter dem Motto „wir haben schon (für Jiskor) gegeben“.

Das Statut wurde bei der Vereinsbehörde eingereicht. Ein paar Wochen später wurde Amos Davidovits von der Behörde ersucht, ein paar formale Änderungen durchzuführen. Als er wiederkam, erhielt er einen negativen Bescheid unter Berufung auf einen Einspruch der IKG, unterzeichnet von den beiden Generalsekretären Mag. Fastenbauer und Mag. Herzog.

Unsere Sichtweise - Die voraussichtlichen Kosten bis zur Fertigstellung werden 300.000 - 500.000 € betragen. - Im IKG-Budget für 2014 ist dafür nichts vorgesehen und die allgemeine Finanzlage erlaubt sicher keine außerordentlichen Ausgaben in dieser Höhe.

Das Dokument führt diverse „Unvereinbarkeiten“ mit den Kernaufgaben der IKG an, die sich jedoch nicht auf den deklarierten Tätigkeitsbereich des geplanten Vereins beziehen, sondern nur darauf ausgerichtet sind, die Behörden dazu zu bringen, die Gründung abzulehnen.

- Die IKG verfügt im Haus nicht über die Fachkräfte um zusätzlich zu ihrer Tagesarbeit ein solches Projekt zu bewältigen - in den Bereichen Geschichtsforschung, IT, Organisation, Sekretariat.

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K O M M E NT A R

- Jiskor sollte zu 100% unabhängig finanziert werden. Das bedeutet, dass der Verein vorhatte, keine bestehenden Subventionsgeber der IKG zu beanspruchen.

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- Und es gab die verbindliche Zusage an die IKG, das gesamte Projekt nach Fertigstellung der Gemeinde zu übergeben – also zu schenken.

UNERWÜNSCHTE NEBENWIRKUNGEN

Unsere Hoffnung - Im November hat ein Gespräch zwischen den verhinderten Gründern von Jiskor mit Ehrenpräsident Dr. Muzicant stattgefunden, ein weiteres soll folgen.

EINIGE VON IHNEN WERDEN IM DEZEMBER IN EINEM NEWSLETTER DER FRAKTION CHAJ EINE VERÖFFENTLICHUNG GEFUNDEN HABEN, DIE WEDER CHAJ NOCH INITIATIVE RESPEKT BETRIFFT, NÄMLICH DEN ABDRUCK EINES OFFENEN BRIEFES VON AMOS DAVIDOVITS AN SEINE FREUNDE ZU DEN VORGÄNGEN UM DAS GEPLANTE PROJEKT JISKOR.

- Die Proponent/innen von Jiskor haben uns mitgeteilt, dass sie eine enge Kooperation mit der IKG wünschen und auch brauchen, da die IKG bereits über einen Grundstock an Daten verfügt. Wir hoffen, dass dieses potentiell einzigartige Vorhaben, das kein Konkurrenzunterfangen darstellt, sondern, im Gegenteil, die wichtige Arbeit der IKG in diesem Bereich unterstützen möchte, in naher Zukunft im Einvernehmen mit der IKG begonnen werden kann.

Dieser Brief war nicht für eine breite Öffentlichkeit bestimmt. Für uns war und ist diese Vereinnahmung und breite Publikation äußerst irritierend! Politisch ist sie leicht durchschaubar: Ein Skandälchen mehr, das Chaj für sich verwenden kann. Die für uns unerwünschten möglichen Nebenwirkungen sind einerseits die Herstellung einer vermeintlichen Verbindung zwischen Chaj und Initiative Respekt. Eine solche besteht nicht. Wir sind und bleiben unabhängig. Andererseits erschwert diese Veröffentlichung erheblich das Finden eines neuen Weges, der es den ProponentInnen ermöglichen soll, dieses wichtige Projekt doch noch – wie immer intendiert - in enger Zusammenarbeit mit der IKG zu realisieren. Sowohl IR als auch die BetreiberInnen des Projektes Jiskor bedauern diesen Vorfall und lehnen die Vorgangsweise von Chaj entschieden ab.

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KO M M E NT A R

Die IKG hat dem Friedhof Döbling, der sich nicht in ihrem Eigentum befindet, nach 1945 zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. 1991 wurden mit der Friedhofsverwaltung Vereinbarungen zur Erhaltung der jüdischen Grüfte im israelitischen Teil des Friedhofes getroffen. Dabei haben die IKG-Verantwortlichen jedoch vergessen, die vielen normalen jüdischen Gräber innerhalb und außerhalb des israelitischen Teils in die Vereinbarungen mit einzuschließen. So wurden in der Folge hunderte jüdische Gräber aufgelöst und neu belegt. Auf Grund einer Anfrage von Amos Davidovits im November 2010 hat sich die IKG - im speziellen der zuständige IKG-Generalsekretär Herr Mag. Raimund Fastenbauer - der Sache angenommen. In Verhandlungen mit dem äußerst kooperativen Geschäftsführer Dr. Markus Pinter von der Friedhöfe Wien GmbH wurde das lange anstehende Problem nun insofern positiv gelöst, als zukünftig keine jüdischen Gräber mehr aufgelassen werden können, unabhängig von ihrem Pflegezustand. Frau Mag. Tina Walzer hat in einer detaillierten Studie über alle jüdischen Grabstellen am gesamten Friedhof Döbling herausgefunden, dass 543 Gräber eindeutig jüdisch sind, weitere 1.890 Gräber müssen zur eindeutigen Identifikation noch untersucht werden. Jedenfalls steht fest, dass in den letzten Jahren über 600 jüdische Gräber im Friedhof Döbling unwiederbringlich zerstört worden sind. Auf Basis dieses wissenschaftlichen Gutachtens hat die Friedhöfe Wien GmbH vertraglich zugesichert, dass in Zukunft kein jüdisches Grab mehr aufgelöst wird (auch die noch fraglichen nicht).

ZERSTÖRUNG JÜDISCHER GRÄBER IN DÖBLING ENDLICH GESTOPPT Der Friedhof in Döbling ist kein jüdischer Friedhof. Er hat jedoch eine alte israelitische Abteilung. Seit 1888 wurden Juden im israelitischen Teil des Friedhofes begraben, unter anderem auch Theodor Herzl. Als der Platz nicht mehr reichte, wurden Juden (aus dem liberalen Bürgertum des 19. Bezirks) auch in dem nicht als israelitisch definierten Teil bestattet. Dabei wurden die meisten Gräber auf Friedhofsdauer gekauft, teilweise jedoch auf Laufzeit. Die Nachkommen gingen davon aus, dass sie die Verlängerung der Grablaufzeit nachhaltig finanzieren können.

Wir danken Amos Davidovits für seine Aufmerksamkeit. Wir danken dem Geschäftsführer der Friedhöfe Wien GmbH. für die endgültige, positive Erledigung dieses Problems.

Dann kam die Schoa und die Nachkommen wurden ermordet. Es war daher niemand mehr da, um sich um die periodische Laufzeitverlängerung sowie um die Erhaltung und Pflege der Gräber zu kümmern. Hinzu kam eine neue Friedhofsordnung, die es der Friedhofsverwaltung erlaubte, ungepflegte Gräber aufzulassen.

Wir danken Frau Mag. Tina Walzer für ihre hervorragende Arbeit, ohne die dieser Vertrag nicht möglich gewesen wäre. Wir danken Generalsekretär Mag. Fastenbauer für seinen Einsatz auf IKG-Seite. 14


E V E NT

AUSSTELLUNG ERICH LESSING & DAVID RUBINGER

Während Erich Lessing Bilder vor allem aus der Zeit um die österreichische Staatsgründung zeigte, projizierte und kommentierte David Rubinger hauptsächlich Photos von israelischen Spitzenpolitikern aus mehreren Jahrzehnten. Begeistert konnte das Publikum Anekdoten über Shimon Peres in kurzen Hosen, Menachem Begins Schlafgewohnheiten oder Ehud Olmert beim Geschirr abwaschen lauschen. Es war nicht nur ein Vergnügen sondern vor allem eine Ehre, diese beiden außergewöhnlichen Persönlichkeiten für einen Nachmittag aus nächster Nähe zu erleben. Dieses Kultur-Event von Initiative Respekt war bereits das dritte seiner Art, wobei die ersten beiden Veranstaltungen in erster Linie jungen jüdischen und in Wien lebenden KünstlerInnen eine Plattform geboten hatten, ihre Werke auszustellen.

Falls Sie einen Künstler/eine Künstlerin kennen, der/ die für eine Ausstellung im nächsten Frühjahr Exponate präsentieren möchte, schreiben Sie uns doch bitte einfach eine Email.

Am 20.10. plauderten die beiden in Wien geborenen jüdischen Ikonen der Photographie Erich Lessing (Jg. 1923) und David Rubinger (Jg. 1924) vor 150 Zuhörern über ihre Karrieren und stellten ihre wichtigsten Bilder in der „Grellen Forelle“ vor.

office@initiative-respekt.org.

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TH EMA : A NT I S E M I T I S M US

Es besteht ein besorgniserregendes Maß an antisemitischer Diskriminierung am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen.

DISKRIMINIERUNG BLEIBT BESORGNIS ERREGEND

Stellungnahmen der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte: - Die EU Mitgliedsstaaten sollten die Zusammenarbeit zwischen nationalen Gleichbehandlungsstellen und jüdischen Gemeinschaftsorganisationen fördern, damit Juden, die Opfer von Diskriminierung sind, über ihre Rechte und die verfügbaren Beschwerde-Verfahren aufgeklärt werden.

2012 hat die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte eine Online-Erhebung über die Erfahrungen der jüdischen Bevölkerung mit Diskriminierung und Hasskriminalität durchgeführt. Sie schloss jene 8 Länder ein, wo insgesamt 90% der jüdischen EuropäerInnen leben: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Lettland, Schweden, Ungarn und das Vereinigte Königreich. Die Ergebnisse gelten jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit auch für Österreich.

- Im Fall von antisemitisch motivierten Straftaten sollten die EU-Mitgliedstaaten sicherstellen, dass die zugrunde liegenden Motive von den Strafverfolgungsbehörden entsprechend dokumentiert und im Verlauf eines Verfahrens berücksichtigt werden, sprich von den anfänglichen Ermittlungen der Polizei bis zur Gerichtsverhandlung.

Die wichtigsten Ergebnisse: - 66% der Befragten in den untersuchten EU-Mit gliedsstaaten sehen Antisemitismus als Problem - 76 % meinen, der Antisemitismus hat in ihrem Land in den vergangenen 5 Jahren zugenommen - 75 % berichten über Antisemitismus im Internet - 26 % waren Ziel verbaler Beleidigungen oder Belästigungen, weil sie Juden sind - 4% erfuhren körperliche Gewalt oder deren Androhung - 46 % befürchten, selbst Opfer von Beleidigungen/ Belästigungen zu werden - 33 % fürchten sich vor körperlichen Angriffen - 23 % verzichten gelegentlich auf den Besuch jüdischer Veranstaltungen - 27 % meiden bestimmte Orte oder Gegenden, wo sie sich als Juden nicht sicher fühlen - 57 % wurden Zeugen von Situationen, in denen der Holocaust geleugnet oder relativiert wurde - 50 % etwa kennen nicht die Landesgesetze zum Schutz gegen Diskriminierung (auch gegen Juden) - 82 % der Personen, die angaben aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Judentum diskriminiert worden zu sein, haben keine Anzeige erstattet.

Viel zu wenige Personen, die Opfer von Straftaten werden, bringen diese auch zur Anzeige. Bei uns in Österreich liegt das wohl auch daran, dass der weitere Weg – Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichte – ein steiniger und oft frustrierender ist. Werden durch Hass motivierte Straftaten nicht angezeigt (und strafrechtlich verfolgt), bleiben sie im Dunkeln. Täter werden nicht bestraft und die Opfer erhalten nicht jene Unterstützung und Hilfe, die ihnen durch EU-Vorschriften und die jeweilige nationale Gesetzgebung garantiert werden.

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TH EMA : A NT I S E M I T I S M US Auszug aus dem Wahlprogramm

Weitere Informationen

Die Schoa als das zu bezeichnen, was sie war, ist ein moralischer Imperativ ebenso wie die Verurteilung jeder Form von Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Der Holocaust ist Teil unserer Geschichte und auch wenn wir ihn nie vergessen können und dürfen, ist es an der Zeit, ihn zu überwinden. Erinnerung kann nicht die zentrale Aufgabe einer ganzen Gemeinschaft sein. Man kann nicht gleichzeitig Opfer sein und als dynamische Kraft die Entwicklung seines Landes und Europas mit gestalten. In der gesamten europäischen Geschichte hat es nie eine bessere Zeit für das Judentum gegeben als heute. Wir leben in pluralistischen Demokratien, deren Rechtslage garantiert, dass alle Bürger sich an der Entwicklung von Demokratie, Wirtschaft und Gesellschaft beteiligen können. Seit fast 2.000 Jahren leben Juden in Europa und waren den größten Teil dieser Zeit von den jeweiligen Machthabern aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Das ist kein Grund dafür, sich heute selbst aus der Gesellschaft des Landes, in dem man lebt, und/oder aus der europäischen Gesellschaft auszuschließen. Es ist an der Zeit, dass wir als Juden beginnen, den europäischen Anteil unserer Identität anzunehmen. Dazu müssen wir uns allerdings unserer Voll-Mitgliedschaft in den Gesellschaften unserer Länder und unserer Rolle als Bürger Europas bewusst werden. Das bedeutet, dass wir den Mut aufbringen müssen, mit unserer Vergangenheit als Verfolgte abzuschließen.“

Das Online‑Visualisierungstool der Befragungsergebnisse ist abrufbar unter: http://fra.europa.eu/en/discrimination‑hatecrime‑jews‑survey‑results (in Englisch) Der Überblick über das FRA‑Projekt zu Diskriminierung und Hasskriminalität gegen Juden ist abrufbar unter: http://fra.europa.eu/en/project/2012/fra‑survey‑jewish‑ peoples‑experiences‑and‑perceptions‑antisemitism (in Englisch) Informationen zur FRA‑Datensammlung in Bezug auf antisemitische Vorfälle und Hasskriminalität sind abrufbar unter: – Antisemitismus: Zusammenfassender Überblick über die Situation in der Europäischen Union 2002–2012: http://fra.europa.eu/en/publication/2013/antisemitism‑ summary‑overview‑eu-2001-2012 (in Englisch)

Liebe Gemeindemitglieder, in diesem Sinne nehmen Sie bitte alle von der Gesetzgebung zur Verfügung gestellten Möglichkeiten in Anspruch, wenn Sie sich belästigt fühlen oder Ihnen G’tt behüte etwas passiert. Solche Straftaten müssen angezeigt und verfolgt werden, in Ihrem eigenen Interesse, im Interesse unserer Gemeindemitglieder und im Interesse unseres Landes.

– Grundrechte: Herausforderungen und Erfolge im Jahr 2012, FRA‑Jahresbericht: http://fra.europa.eu/en/publication/2013/fundamental‑rights‑challenges‑and‑achievements-2012 Informationen zur Arbeit der FRA im Bereich der Holocaustaufklärung und Aufklärung über Menschenrechte sind abrufbar unter: http://fra.europa.eu/en/project/2006/holocaust‑ and‑human‑rights‑education

Wir haben 2012 in unserem Wahlprogramm geschrieben, dass wir den Weg in die Zukunft als EuropäerInnen und jüdische EuropäerInnen antreten sollten, gemeinsam mit allen anderen BürgerInnen unseres Landes.

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etwas größer ist, als die der meisten anderen europäischen Staaten, auch wenn diese hier keineswegs freigesprochen werden sollen.

FLUCHT ALS VERBRECHEN

Österreich jedenfalls bemüht sich redlich, keine Niederträchtigkeit auszulassen. Ein paar willkürlich ausgewählte Beispiele. Einer tschetschenischen Flüchtlingsfamilie wird erklärt, alles, was sie über Folter, Vergewaltigung, Verfolgung und Demütigung erzähle – Tatsachen übrigens, die inzwischen in aller Welt durch viele unabhängige Beobachter und Experten bestätigt sind – erlogen sei, weshalb sie auch zurück geschickt werden, wo der Vater sofort verschleppt wird, während die Mutter mit den kleinen Kindern ohne Geld und Papiere, dafür aber von der Polizei verfolgt, irgendwie zu überleben versucht.

VON SUSANNE SCHOLL

Syrische Flüchtlinge, die aus Italien kommen und zu Verwandten nach Österreich oder Deutschland wollen, werden an der Brenner-Grenze abgefangen und umgehend zurück geschickt – ins Nichts. Und der Außenminister, der da noch Spindlegger hieß, erklärt großspurig, Österreich sei bereit 500 Notleidende aus Syrien aufzunehmen – Frauen, Kinder, vor allem aber Christen! Das Wort vom vollen Boot kursiert ununterbrochen, obwohl die Zahl an Flüchtlingen, die sich bis Österreich durchschlagen, eigentlich vernachlässigbar und problemlos aufnehmbar wäre.

EUROPA MACHT AUS MENSCHEN IN NOT VERBRECHER UND ÖSTERREICH STEHT DABEI IN DER VORDERSTEN REIHE.

Wenn sie – zum Beispiel – arbeiten dürften und nicht gezwungen wären tatenlos herumzusitzen bis man ihnen mitteilt, daß sie nicht bleiben dürfen. Wenn man zum Beispiel Unterkünfte zur Verfügung stellen würde, die menschenwürdig sind.

Die Toten vor Lampedusa sind offenbar nicht genug. Nach einigen Krokodilstränen hat man was getan? Richtig! Die Lage der Flüchtenden verschlimmert. Neue Richtlinien für die berüchtigte Agentur Frontex sollen angeblich dazu dienen, weitere Tote im Mittelmeer zu verhindern. Tatsächlich dient aber Frontex insgesamt vor allem dem Zweck, die Menschen von Europa wegzuhalten. Soweit, so europäisch. Österreich, das seiner internationalen Bedeutung ohnehin schon weitgehend verlustig gegangen ist, steht, was die Abwehr von Menschen auf der Flucht betrifft, immer ganz vorne in der Abweisungsfront. Gerade dieses Österreich, das eine historische Schuld zu tragen hat, die doch

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Meine Großeltern lebten in einer ungeheizten heruntergekommenen Pension im Belgien ihrer Flucht und wurden ständig damit bedroht, zurückgeschickt zu werden. Wenn ich heute erlebe, wie Menschen, die hier in Österreich Zuflucht suchen, ebenso behandelt werden, empört mich das vielleicht auch deshalb ganz besonders. Und ich denke, daß wir das nicht einfach so hinnehmen dürfen, daß wir laut dagegen auftreten müssen, gerade wir mit unserer Geschichte.


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SAVE THE DATE WARUM ES WICHTIG IST, DASS WIR BEI DER EU-WAHL UNSERE STIMME ABGEBEN Nach den Nationalratswahlen 2013 steht nun also die EU-Wahl an. Lohnt es sich denn überhaupt, den 25. Mai 2014 mit „save the date“ zu markieren? Nach all dem ö-politisch bedingten Frust, der für viele nur noch mit beißendem Zynismus zu ertragen ist? Doch Zynismus macht stumpf. Auf Sicht teilnahmslos. Und genau das gilt es, zu verhindern. Wir von der Initiative Respekt! sehen zwei gravierende Argumente für ein aktives Interesse am Geschehen des EU-Parlaments. Zum einen werden bereits mehr als 80 Prozent der österreichischen Gesetzgebung vom EU-Recht bestimmt. Vor allem das öffentliche Wirtschaftsrecht und das Umweltrecht orientieren sich fast zur Gänze an den rechtlichen Vorgaben der Europäischen Union. Ein wichtiger Bestandteil in der legislativen Beziehung der einzelnen Mitgliedsstaaten mit der EU ist jedoch das so genannte Subsidiaritätsprinzip. Es besagt, dass die EU nur dann Vorschriften erlassen darf, wenn dies nicht besser auf regionaler und nationalstaatlicher Ebene geregelt werden könne. Seit der Vertrag von Lissabon in Kraft ist (1. Dezember 2009), haben die nationalen Parlamente mehr Rechte, die Einhaltung dieses Subsidiaritätsprinzip zu überprüfen. Daher ist es wichtig, das zu praktizieren, was Rossana Rossanda, die italienische Journalistin und Mitbegründerin der Zeitung „Il Manifesto“, schon 1979 forderte: Einmischung. Also: Interessieren wir uns mehr als bisher für den Komplex Brüssel! Überlassen wir all die Bereiche, in denen es um unsere Lebensbereiche geht, nicht dem Prinzip Zufall und der weit verbreiteten Wurschtigkeit. Der zweite, und wohl noch wichtigere Grund, an der EU-Wahl teilzunehmen, ist das Aufrüsten der europäischen Rechten für diese Wahl. Das zunehmende Versagen der demokratischen Volksparteien in den einzelnen europäischen Staaten und das damit einhergehende Desinteresse an der Ar-

ETWAS

BEWEGEN FÜR IHR LEBEN. WWW.EuRopARL.Eu #Ep2014

das damit einhergehende Desinteresse an der Arbeit des europäischen Parlaments sind auch hierzulande verstärkt zu registrieren. Das schwindende Vertrauen in die Politik, die von den „klassischen“ Parteien da wie dort praktiziert wird, lässt die französische Front National, die niederländische Partij voor de Vrijheid oder die slowakische Nationalpartei SNS ungeniert Morgenluft wittern. Mit von der Partie ist selbstverständlich die FPÖ, die alles dran setzt, dass es am 25. Mai dieses Jahres eine gemeinsame rechtsrechte Fraktion im EU-Parlament geben kann. Dazu sind sieben Parteien mit 25 Abgeordneten erforderlich. Ein Albtraum. Die Vorstellung, dass Marine Le Pen, Geert Wilders oder Hans Christian Strache am Abend des 25. Mai Hohn grin-

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TH E M A : E UR O P A send verkünden können, dass dieser Albtraum wahr wird, sollte Grund genug für uns alle sein, aktiv am EU-Wahltag teilzunehmen.

ZUM ABSCHLUSS EINE BITTE AN SIE

Zeigen wir Verantwortung, mischen wir uns ein! Nur eine möglichst hohe Wahlbeteiligung kann verhindern, dass die Rechten Europas zum Zug kommen. Die diesmalige Europawahl ist vielleicht (noch) keine Schicksals-, aber auf alle Fälle eine entscheidende Richtungswahl. Ein Wahlsieg der vereinigten Rechten Europas kann niemandem von uns egal sein. Schon gar nicht in Österreich. Daher appellieren wir von der Initiative Respekt! an Sie, unbedingt zur EU-Wahl zu gehen. Wir sind ja nicht nur jüdische Wienerinnen und Wiener - wir sind vor allem auch jüdische Europäerinnen und Europäer.

Schicken sie uns bitte Ihre GEDANKEN KOMMENTARE ANREGUNGEN KRITISCHEN ANMERKUNGEN V www.initiative-respekt.org info@initiative-respekt.org Billrothstr.1/1, 1190 Wien DANKE Ihre INITIATIVE RESPEKT !

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Infos zur Europäischen Union und den EU-Wahlen

Initiative RESPEKT! Adresse: Billrothstr.1/1, 1190 Wien Redaktion: Patricia Kahane Graphik: Benjamin Menedetter Druck: Angerer & Göschl, Wien www.initiative-respekt.org www.facebook.com/IKG.Respekt  info@initiative-respekt.org 

http://europa.eu https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/ content/32/Seite.320630.html http://derstandard.at/1389859163652/EU-LexikonGesetzgebung http://de.wikipedia.org/wiki/Europawahl_2014

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InitiativeRespekt! Arbeitsbericht 3 | 2014  
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