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DIE AUTOREN Melanie Arzenheimer (ma) ist (Vorstands-)Mitglied der Münchner Turmschreiber und Mitherausgeberin der Zeitschrift Das Gedicht (2018). Sie hat mehrere Lyrik-Bände veröffentlicht und ist auch als Journalistin (u. a. Chefredakteurin einer Wochenzeitung) und Hörfunkredakteurin tätig.

Gerd Treffer (gt) ist promovierter Jurist und Historiker. Er war mehr als dreißig Jahre Pressesprecher der Stadt Ingolstadt, an deren mehrbändiger Stadtgeschichte er zur Zeit schreibt. Insgesamt hat er mehr als 120 Bücher verfasst. Als freier Autor schreibt er auch für Zeitungen über historische Themen.

Hermann Käbisch (hk) studierte Rechts- und politische Wissenschaften, war selbständiger Rechtsanwalt und Inhaber eines Ingolstädter Zeitschriftenverlages. Er verfasste Drehbücher für Dokumentarfilme u. a. über Johannes Turmair (Aventin) und Christoph Scheiner.

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Band 1

Hermann Käbisch Melanie Arzenheimer Gerd Treffer

Slow Paper

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IMPRESSUM AVENTIN

Band 1

Verlag: HMK Multi Media GmbH Ingolstadt www.aventin.by 1. Auflage Dezember 2018 Texte: Hermannn Käbisch (Hrsg), Melanie Arzenheimer, Gerd Treffer Layout: designerie WERBEAGENTUR Druck: Wir-machen-Druck ISBN 978-3-9817390-7-7

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INHALT GESCHICHTE(N) Königliche Klunker Die Juwelen der Wittelsbacher

Der Ungeliebte Kurt Eisner war erster Ministerpräsident des Freistaats Bayern

Bei der Revolution live dabei Wittelsbacher Prinzessinnen flohen vor der Revolution

Disney, Krupp und die Revolution Heinrich Kley malte Kruppsche Kanonen, Tiere und Soldaten

Einer Jungfraw Mundt geküsst Karl V. zeugte mit einer Regensburger Bettgespielin einen Retter des Abendlandes

Ludwig, Lola und die Lyrik Ludwig I. dichtete für Ehefrau Therese und die Geliebte

Stein des Anstoßes Der Meteorit von Mauerkirchen und die religiös geprägte Wahrnehmung

Der Schuhbeck des Kini Johann Röttenhöfer war Erster Mundkoch bei Maximilian II. und Ludwig II.

Schlafen wie zu Kaisers Zeiten Das Gasthaus „Zum Riesen“ in Miltenberg beherbergte Kaiser und Könige

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Das Bilderrätsel von Tilly Wie der Feldherr Tilly in einem Flugblatt verunglimpft wurde

Warten auf ein Wunder Pater Rem braucht ein Wunder für die Seligsprechung

Bayerns erste Dom-Bauanleitung Der Regensburger Matthäus Roritzer schrieb ein Buch für den Bau des Domes

Aventin und die Kirche Warum der Geschichtsschreiber Johannes Aventinus verhaftet wurde

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GESELLSCHAFT Frankensteins Kreatur auf der Spur Weshalb die Inklings-Gesellschaft in Ingolstadt tagte

Computer rechnen - Menschen verstehen Der Physiker Vince Ebert aus Amorbach fordert zum Selber-Denken auf

Poesie als Lebenselexier Der Krimiautor und Lyriker Friedrich Ani über Münchner, Bayern, Seehofer und Poesie

Das Publikum emotional rühren Das Theater im digitalen Zeitalter - Interview mit Knut Weber, Intendant in Ingolstadt

Aventin-Buchtipp Bücher, die zu den Beiträgen passen und ausgewählte Neuerscheinungen

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AVENTIN – EIN KRITISCHER FREIGEIST

VORWORT

„Das baierische Volk ist geistlich, schlecht und gerecht... hat auch vil kirchfart..pleibt gern dahaim..trinkt ser, macht vil kinder....der gemain man sitzt tag und nacht bei dem wein, schreit, singt, tanzt, kart, spilt.“ So charakterisiert Johann Turmair, der sich nach seinem Geburtsort Abensberg Johannes Aventinus nannte, seine altbayerischen Landsleute. Er hat für sie seine „Bairische Chronik“ geschrieben, in deutscher Sprache – gut verständlich und unterhaltsam. Aventin, wie Turmair heute genannt wird, gilt als der Vater der bayerischen Geschichtsschreibung; in der Walhalla und Ruhmeshalle in München ist er verewigt. Doch seine wichtigsten Werke über die bayerische Geschichte wurden erst nach seinem Tode gedruckt und noch dazu im „Ausland“. Zu seinen Lebzeiten (1477 bis 1534) standen sie auf dem kirchlichen Index und wurden vom Bayernherzog Wilhelm IV. verboten. Aventin kritisierte die Auswüchse der Kirche heftig, hatte Kontakte zu Luther und vor allem zu Melanchthon, wechselte aber nicht den Glauben. Er musste – offiziell wegen eines Verstoßes gegen Fastenregeln – auf Betreiben der Geistlichkeit 1528 sogar 11 Tage ins Gefängnis und kam erst durch Fürsprache eines Freundes beim Herzog wieder frei. Dabei war er höchst angesehen, hatte gar von 1509 bis 1517 im Auftrag dieses Herzogs dessen Brüder, die Prinzen Ernst und Ludwig, erzogen. Diesem aufrechten Mann, bedeutenden Humanisten, Geschichtsschreiber und kritischen Freigeist widmen wir unsere Buchreihe. In diesem und den folgenden Bänden wollen wir fundiert aber unterhaltsam Geschichten von Menschen, Orten und Ereignissen erzählen: Geschichte und Geschichten aus und über Bayern – nicht nur für Bayern. Ingolstadt, Dezember 2018 Hermann Käbisch

Melanie Arzenheimer

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Rekonstruktion des „Blauen Wittelsbachers“ von Rudolf Dröschel Foto: Bernhard Graf

KÖNIGLICHE KLUNKER Der Märchenkönig Ludwig II. und seine Cousine, Kaiserin Elisabeth („Sisi“) von Österreich sind die absoluten Superstars aus dem Hause Wittelsbach. Aber es gibt da noch einen Star, der ebenfalls eine bewegte, wenn auch weitaus längere Geschichte hinter sich hat, als sie in ein Menschenleben passen würde. Die Rede ist vom „Blauen Wittelsbacher“. Diesen Diamant, der zum Brillant geschliffen wurde und spektakulärer Bestandteil unterschiedlicher Schmuckstücke war, trugen Habsburger und Wittelsbacher.

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Die bayerische Königskrone, die sich heute in der Schatzkammer der Residenz in München befindet, enthielt einst den „Blauen Wittelsbacher“, der später verkauft wurde. Foto: © Bayerische Schlösserverwaltung www.schloesser.bayern.de

Aufgetaucht ist der „Blaue Wittelsbacher“ im 17. Jahrhundert. Im Hause Habsburg wurde mal wieder geheiratet: Die spanische Margarita Teresa de Austria kam 1666 nach Wien, um Anfang 1667 Kaiser Leopold I. (der auch ihr Onkel war) zu ehelichen. Die Hochzeitsfeierlichkeiten sollen fast ein Jahr gedauert haben und im Gepäck hatte die junge Prinzessin den prächtigen, tiefblauen Brillant von 35,56 Karat, der ein Teil der Mitgift von König Philipp IV. von Spanien war. Gefunden wurde er höchstwahrscheinlich in Südindien, in einem Bergwerk in Kollur bei Golkonda. Über den Seeweg gelangte er nach Europa (wo er genau „landete“ ist nicht bekannt) und bekam seinen barocken Schliff. Als nun 1685 Kurfürst Maximilian II. Emanuel von Bayern die Tochter von Margarita Teresa und Leopold, Prinzessin Maria Antonia heiratete, ging einer der ältesten Bril-

AVENTINS AUSSTELLUNGSTIPP: lanten überhaupt in den Besitz des bayerischen Kurfürsten über, der wegen seiner Uniform übrigens von den Osmanen „Blauer König“ genannt wurde. Nach zwei Tot- bzw. Fehlgeburten verstarb Maria Antonia nach der Geburt des Kurprinzen Joseph Ferdinand Leopold. In ihrem Testament verfügte sie, dass der spanische Schmuck allzeit dem Bayerischen Hof erhalten bleiben solle. Der Brillant blieb aber in Wien. Max Emanuel heiratete 1695 Prinzessin Therese Kunigunde von Polen und der kleine Kurprinz aus erster Ehe schien durch den kinderlosen König Karl II. bereits zum künftigen spanischen Thronfolger auserkoren, als dieser mit nur sechs Jahren verstarb. Sein Vater soll daraufhin in Ohnmacht gefallen sein, der Tod des kleinen Prinzen gilt als der Auslöser des Spanischen Erbfolgekriegs und der Anfang vom Ende der Karriere Max Emanuels.

Die Schatzkammer der Residenz Die über 1200 Einzelstücke zählende Sammlung von Juwelen und Goldschmiedewerken, Email-, Kristallund Elfenbeinarbeiten der Münchner Residenz ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Sammelleidenschaft der bayerischen Herrscher. Die Residenz München ist täglich geöffnet (geschlossen am 1.1., Faschingsdienstag, 24., 25. und 31.12.) Öffnungszeiten Schatzkammer: April bis 20. Oktober: täglich 9–18 Uhr und 21. Oktober bis März: täglich 10–17 Uhr www.residenz-muenchen.de

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Die Schnupftabakdose schenkte Ludwig II. seinem „Seelenverwandten“ Richard Wagner. Foto: Bernhard Graf

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Den blauen Brillanten sah der inzwischen hoch verschuldete Kurfürst vier Jahre vor seinem Tod noch einmal: Am 5. Oktober 1722 trug ihn Erzherzogin Maria Amalia von Österreich anlässlich ihrer Hochzeit mit dem Wittelsbacher Karl Albrecht von Bayern. Im Hochzeitsvertrag wird der blaue Brillant mit 240 000 Gulden bewertet. Der Edelstein wurde in die Krone der Kaiserin eingearbeitet und nach ihrem Tod wiederum „weiter verwertet.“ Kurfürst Maximilian III. Joseph ließ ihn in das Ordenszeichen des Ordens vom Goldenen Vlies einfügen. Bayerns erster König Maximilian I. Joseph hat den „Blauen Wittelsbacher“ schließlich als Leitstein in eine neue Königskrone einfügen lassen, die er in Frankreich in Auftrag gab. Im königlichen Inventar wird darauf verwiesen, dass dieser einzelne Edelstein wertvoller war, als alle übrigen

Kroninsignien zusammen. Bis zum Ende der Monarchie in Bayern blieb er Bestandteil der Krone und seinen letzten großen „Auftritt“ hatte er bei der Beerdigung von Ludwig III. im Jahr 1921. Vom Star zum königlichen Lutschbonbon Nach dem Ende der Monarchie in Bayern fiel der „Blaue Wittelsbacher“ in die Verantwortung des Wittelsbacher Ausgleichsfonds. Und er sollte zu Geld gemacht werden, aber 1931 wollte ihn bei Christie´s niemand ersteigern. Erst 1951 fand sich ein Käufer und der Edelstein wurde – seiner historischen Bedeutung völlig entrissen – weiter verkauft, bis er 2008 erneut versteigert wurde. Es wäre die letzte Chance gewesen, den Brillanten wieder nach Bayern zu holen, aber

der „Blaue Wittelsbacher“ ging in London für 18,7 Millionen Euro an den Juwelier Laurence Graff. Dieser ließ ihn – zum Schrecken von Historikern – neu schleifen und zerstörte so den frühbarocken Brillantschliff. Fortan bekam er den Spitznamen „königliches Lutschbonbon“ und wurde offiziell zum „WittelsbachGraff “ mit nur noch 31 Karat. Die Investition von 18,7 Millionen Euro hat sich 2011 für den britischen Juwelenhändler gelohnt: Er veräußerte den königlichen Brillanten für sagenhafte 80 Millionen US-Dollar an den Emir von Katar. So steht der „Blaue Wittelsbacher“ stellvertretend für den Wechsel von Dynastien, Epochen und Regierungsformen, für Familientragödien und Glücksmomente. Und er ist damit nicht der einzige „Wittelsbacher Klunker“, der sehr viel zu erzählen hätte.

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Kaiserin Sisi mit den „Sisi Sternen“ im Haar

Gemälde von Franz Xaver Winterhalter-Foto: picture alliance/ akg-images

Sisis Sterne und eine Schnupftabakdose für Richard Wagner Elisabeth, Kaiserin von Österreich und geborene Herzogin von Bayern, war dafür bekannt (und berüchtigt) extrem auf ihr äußeres Erscheinungsbild zu achten. Von Kopf bis Fuß sollte alles ihren Wünschen entsprechen, ja, sie wollte im wahrsten Sinne glänzen. Das tat sie mit Unterstützung des Wiener k.u.k. Hof- und Kammerjuweliers Alexander Emanuel Köchert, der für sie auch die berühmten 27 Sisi Sterne entwarf, die die Kaiserin im Haar trug. Eine Geschichte dazu besagt, dass Elisabeth angeblich nach dem Besuch einer Opernaufführung von Mozarts Zauberflöte zu diesem Haarschmuck inspiriert wurde. Die Königin der Nacht soll bei der Inszenierung funkelnde Sterne im Haar getragen haben – und Sisi wollte das

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auch. Für die Nachwelt festgehalten wurde dieser „Look“ von Franz Xaver Winterhalter in seinem bekannten Sisi-Portrait aus dem Jahr 1865. Der kaiserliche Haarschmuck setzte Trends (bis heute) und wurde in der Brautausstattung ihrer Enkelin Elisabeth erneut zum „Hingucker“. In seinem Buch „Im Glanz edler Steine“ hat Historiker Dr. Bernhard Graf diese und zahllose andere Geschichten und Hintergrundinformationen zu den Juwelen der Wittelsbacher zusammen-getragen. So etwa auch die Geschichte, die hinter einer höchst exklusiven Schnupftabakdose, einer sogenannten Tabatiere, steckt. Diese ließ 1877 König Ludwig II. für seinen „Seelenverwandten“ Richard Wagner anfertigen. Die Schatulle aus 585er Gold ist mit Diamantrosen besetzt und trägt ein doppeltes „L“ mit Diamanten in Feinsilberfassung samt kö-

niglicher Krone oben drauf. Komponist Wagner war darüber entzückt. Das Geschenk soll ihn sogar „getröstet“ haben, wenn er sich über die Inszenierung von „Heinrich VI.“ ärgerte. Laut Cosima Wagner gab er der Dose sogar den Namen Klingsor nach der gleichnamigen Gestalt aus der Oper Parsifal. So steckt selbst in einem – wenn auch königlichen – Nutzgegenstand wie einer kleinen Schatulle eine kleine Geschichte. Und wenn man bedenkt, dass die Wittelsbacher seit dem 13. Jahrhundert Preziosen und Insignien dazu nutzten, um ihre Stellung zu unterstreichen, dann wird schnell klar, dass sich hier nicht nur ein materieller, sondern auch ein historischer Schatz offenbart. (ma)

AVENTINS BUCHTIPP: Im Glanz edler Steine Die Juwelen der Wittelsbacher Allitera Verlag ISBN 978–3–96233–049–1

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Kurt Eisner , der erste Ministerpräsident des Freistaates Bayern, im Oktober/November 1918 Foto: picture -alliance/agk-images

DER UNGELIEBTE Kurt Eisner proklamierte im November 1918 den Freistaat Bayern und wurde der erste Ministerpräsident des Freistaates Bayern. Er beendete damit eine fast 700-jährige Herrschaft der Wittelsbacher. Im Februar 1919 wurde er auf offener Straße erschossen. Beim Festakt anlässlich der Feier 200 Jahre Bayerische Verfassung und 100 Jahre Freistaat Bayern wurde er von Ministerpräsident Markus Söder nicht erwähnt.

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Prinzessin Wiltrud von Bayern hat in ihrem Tagebuch auch die dramatischen Ereignisse der Revolution in Bayern festgehalten. Foto: Archiv Christiane Böhm

BEI DER REVOLUTION LIVE DABEI „Hier jagen sich die Ereignisse. Die Agenten der Entente sind unterminierend tätig, erstens gilt´s dem deutschen Kaiser und Kronprinzen, dann den deutschen Fürsten. Wenn die unabhängigen Sozialdemokraten noch mehr Zuwachs und Macht bekommen, dann kann auch Bayern die Republik drohen. Ich bin auch auf die Revolution gefaßt.“ Das schreibt Prinzessin Wiltrud von Bayern am 1. November 1918 in der Münchner Residenz in ihr Tagebuch. Wenig später sollte sich ihre Ahnung bewahrheiten: Am 7. November proklamiert Kurt Eisner den Freistaat Bayern und erklärt ihren Vater, Ludwig III. als König für abgesetzt.

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Zwei Revolutionäre als Aquarell; die meisten Revolutionsbilder von Heinrich Kley waren nur einfarbige Skizzen. Foto: Valentin-Musäum

DISNEY, KRUPP UND DIE REVOLUTION Als am 7. November 1918 in München die Revolution begann, wohnte auch der Zeichner und Maler Heinrich Kley in den Mauern der Stadt. In mehreren Zeichnungen hat er festgehalten, was sich in diesen Novembertagen um ihn herum abspielte. Ob er ein Befürworter der Revolution, ein politischer Künstler oder nur ein Beobachter war, darüber gehen die Meinungen auseinander. Immerhin setzte er auch Krupps Kanonen bei Schießübungen ins Bild.

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Karl V. wie er 1550 von Lukas Cranach dem Älteren gemalt wurde - vier Jahre nach der Liebesnacht mit Barbara Blomberg in Regensburg. Foto: picture-alliance/-akg-images

EINER JUNGFRAW MUNDT GEKÜSST Im Sommer des Jahres 1546 zeugten Kaiser Karl V. und die Regensburger Bürgertochter Barbara Blomberg einen Knaben in der Herberge „Zum Goldenen Kreuz“, der im Jahre 1571 als Oberbefehlshaber der christlichen Flotte die türkische Armada schlug und so den osmanischen Expansionsgelüsten zumindest kurzfristig einen Riegel vorschob. Dies geschah in der Schlacht von Lepanto, an die nicht nur zahlreiche Gemälde, sondern auch eine wertvolle Monstranz in der Kirche Maria de Victoria in Ingolstadt erinnern.

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Ludwig I.: Fotografie von Franz Hanfstaengl ca. 1860. Foto: Wikipedia public domain

LUDWIG, LOLA UND DIE LYRIK Ludwig I. (1886 bis 1868) liebte die Frauen, zeitweise auch seine Ehefrau Therese (1792 bis 1854), die ihm vier Söhne und fünf Töchter gebar. Doch seine Libido forderte weit mehr und so sind zahlreiche Affären bekannt: Die bekannteste Geliebte war Lola Montez, die ihm den Thron kostete. Er war auch Liebhaber von Lady Jane Digby, einer aristokratischen englischen Abenteuerin sowie der italienischen Adligen Marianna Marquesa Florenzi.

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Der größte „Brocken“ des Meteoriten von Mauerkirchen ist in der Mineralogischen Staatssammlung in München im Museum Reich der Kristalle zu sehen. Foto: Mineralogische Staatssammlung

DER STEIN DES ANSTOßES Es war am 20. Dezember 1768. Da geschah in Mauerkirchen (damals Bayern, heute Oberösterreich) etwas, das eigentlich gar nicht geschehen konnte. Ein Stein war vom Himmel gefallen und versetzte die Bevölkerung in Angst oder auch nicht – je nach Konfession. Jedenfalls ist der Meteorit von Mauerkirchen nicht nur für die Naturwissenschaft ein bis heute höchst interessantes Objekt.

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Kunstvolles „Cover“: Titelblatt des Kochbuchs von Johann Rottenhöfer Fotos: Käbisch

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DER SCHUHBECK DES KINI Vermutlich hätte er heute ein Sternerestaurant, eine eigene Kochshow und sein Name würde Gewürzmischungen, Pralinenschachteln und Weinflaschen zieren: Johann Rottenhöfer war Erster Mundkoch Seiner Majestät des Königs Maximilian II. von Bayern. Auch dessen Nachfolger Ludwig II. wurde von ihm bekocht.

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Historische Aufnahme des „Riesen“ in Miltenberg Foto: Archiv

SCHLAFEN WIE ZU KAISERS ZEITEN In einem Gerichtsbuch aus dem Jahre 1411 wird das Gasthaus „Zum Riesen“ erstmals urkundlich erwähnt. Genannt wird der „Riesen-Wirt“ Conrad Trestram, Er soll den gotischen Bau errichtet haben, von dem heute noch Teile in dem erst 1590 erstellten Gebäude des „Riesen“ erhalten sind.

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Johann T‘Serclaes von Tilly

Foto: Von Pieter de Jode der Jüngere – Fine Arts Museums of San Francisco, Wikipedia Gemeinfrei

DAS BILDERRÄTSEL VON TILLY Johann T‘Serclaes von Tilly (1559 - 1632) war während des Dreißigjährigen Krieges für die Katholische Liga und die kaiserliche Armee als oberster Heerführer ein gefürchteter Gegner der Protestanten. Das Massaker von Magdeburg, als nach der Erstürmung 20 - 30 000 Menschen umgebracht wurden, wird ihm angelastet. Daher hatte Tilly schon zu Lebzeiten viele Feinde. Einer hat ein Flugblatt verfasst, das in einer rätselhaften Bildersprache den Feldherrn verunglimpft.

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Pater Jakob Rem ist im Ingolstädter Münster in einem Gemälde abgebildet, das sich in der Seitenkapelle der Dreimal Wunderbaren Mutter befindet. Am Fuß des Gemäldes befindet sich der hölzerne Schrein mit den Reliquien des Jesuitenpaters. Foto: Arzenheimer

WARTEN AUF EIN WUNDER Es liegt in der Natur eines Wunders, dass es sich auf wundersame Weise ereignet. Wenn es sich ereignet. Man kann es ja schlecht herbei befehlen. Oder doch? Wäre das nicht vielleicht genau die Methode, die im Fall des Ingolstädter Jesuitenpaters Jakob Rem angewendet werden müsste? Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke meinte schließlich jüngst im Rahmen einer Tagung der Katholischen Akademie in Bayern, dass man den als äußerst pflichtbewusst geltenden Pater Rem im Prinzip an dessen Grab mit einem Wunder beauftragen müsse. Ansonsten werde das wohl nichts: „Wir werden bis in alle Ewigkeit auf ein Wunder warten“, erklärte der Eichstätter Bischof.

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Der Regensburger Dom zählt zu den bedeutendsten gotischen Kirchenbauten in Deutschland. Foto: Regensburg Tourismus GmbH

BAYERNS ERSTE DOM BAUANLEITUNG Man kennt das Drama. Der neue Schrank ist fast komplett aufgebaut und dann bemerkt man, dass man irgendein Teil falsch oder gar nicht eingebaut hat. Puh. Da hätte man sich wohl intensiver mit der Bauanleitung auseinander setzen sollen. Vorausgesetzt, man versteht überhaupt, was die Zeichen und Zahlen der Anleitung bedeuten. Und jetzt stellen wir uns vor, wir müssten gleich eine ganze Kathedrale bauen! Auch hier wäre wohl eine Anleitung recht hilfreich...

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Johannes Aventinus (1477 bis 1534), historischer Druck aus dem Bildatlas zur Deutschen Nationalliteratur von Gustav Könnecke 1887 Foto: picture -alliance/imageBROKER

AVENTIN UND DIE KIRCHE Johannes Aventinus (1477 bis 1535), der eigentlich Johann Georg Turmair hieß, sich aber nach einer latinisierten Form seines Heimatortes Abensberg Aventinus nannte, war an sich ein tiefgläubiger Mensch. Dennoch äußerte er sich über die Kirche kritisch und hatte auch Kontakt zu Martin Luther und Philipp Melanchthon. Das führte dazu, dass er elf Tage eingesperrt wurde und seine Hauptwerke, insbesondere die „Bairische Chronik“ zu seinen Lebzeiten nicht gedruckt werden durften.

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Die Kreatur wurde 1931 im ersten Frankenstein-Tonfilm von Boris Karloff verkörpert, dessen Darstellung schließlich zum „Ur-Typus“ des „Monsters“ wurde. Später erhielt die Kreatur immer öfter den Namen seines Schöpfers und wurde als Frankenstein betitelt. Foto: Universal Picture

FRANKENSTEINS KREATUR AUF DER SPUR Eines muss gleich zu Beginn klar gestellt werden: „Man kann eine Geschichte der Medizin schreiben und dabei komplett auf Ingolstadt verzichten.“ Das erklärt eine, die es wissen muss, nämlich Prof. Dr. Marion Maria Ruisinger, Direktorin des Deutschen Medizinhistorischen Museums in Ingolstadt. Die medizinische Fakultät der altehrwürdigen Ingolstädter Universität hatte – im Gegensatz zu den Theologen zum Beispiel – keine nennenswerten Forschungsergebnisse oder gar große Gelehrte hervorgebracht. Dafür ist ihr bis heute berühmtester Student ein fiktiver Charakter, der Literaturgeschichte geschrieben hat. „Es ist schade, dass Mary Shelley nie gesagt hat, warum sie Viktor Frankenstein nach Ingolstadt schickte“, meint die Museumsdirektorin, „aber das ist auch eine Chance.“

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Der Physiker und Wissenschaftskabarettist Vince Ebert betont gerne, dass menschliches Denken der künstlichen Intelligenz immer noch einiges voraus hat. Foto: Frank Eidel

COMPUTER RECHNEN – MENSCHEN VERSTEHEN Denken lohnt sich. Diese These hat Vince Ebert schon zum Titel eines seiner Kabarettprogramme gemacht. Dem Physiker aus dem unterfränkischen Amorbach im Odenwald („4000 Einwohner, drei Nachnamen“) ist es ein Anliegen, wissenschaftliche Zusammenhänge auf unterhaltsame Weise zu vermitteln. Das macht er nicht nur im Fernsehen (Wissen vor acht – Werkstatt) und auf Kabarettbühnen, sondern auch im Rahmen von Vorträgen. Er möchte Mut machen, das eigene Hirn zu benutzen. Wozu sollte es sonst dienen, wenn nicht zum Denken? Gerade im Angesicht der Digitalisierung ist das wichtiger denn je.

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Friedrich Ani bei der Verleihung des Poetentalers der Münchner Turmschreiber Foto: Dieter Schnöpf

POESIE ALS LEBENSELEXIER Seine Kriminalromane sind im wahrsten Sinne ausgezeichnet, ebenso seine Drehbücher. Friedrich Ani kennen viele vor allem als Autor der Kriminalgeschichten um den Ermittler Tabor Süden (gerade ist der neue Roman „Der Narr und seine Maschine“ erschienen). Aber auch Hörspiele, Bühnenstücke und vor allem Gedichte gehören zu seinem äußerst umfangreichen Œuvre. Die Münchner Turmschreiber haben ihn deshalb mit ihrem Poetentaler ausgezeichnet. Noch so ein Preis für den „Fritz“. Aber durchaus ein besonderer.

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Knut Weber, Intendant des Ingolstädter Stadttheaters, glaubt an das analoge Theater. Ungeachtet dessen spricht er sich für die Nutzung digitaler Technik aus. Foto: Cornelia Hammer

DAS PUBLIKUM EMOTIONAL RÜHREN Wir leben im digitalen Zeitalter. Zu Fernsehen und Radio ist das Internet mit seinen unzähligen Angeboten hinzugekommen. Wie kann sich da das analoge Theater behaupten? Knut Weber, Intendant des Stadttheaters Ingolstadt, leitet erfolgreich ein kommunales Theater. Er setzt auf das Kerntheatererlebnis. Was er darunter versteht, erläutert er im Interview.

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DIE PÄPSTE LIEBTEN SIE

AVENTINS BUCHTIPPS

Welche Umstände führten dazu, dass Mathilde von Canossa, Charlotte Lusignan-Savoyen, Christine von Schweden und Maria Clementina Stuart im Petersdom begraben wurden? Diesen Fragen geht Martha Schad nach. In ihrem Buch zeigt sie Jahrhunderte der Religionsgeschichte aus einem ganz neuen Blickwinkel. Langen Müller Verlag (ISBN 978-3-7844–3445–2)

12000 JAHRE WEIHNACHTEN Dieses Weihnachtsbuch will Sie vom Glauben abbringen. Oder vielleicht von dem, was man landläufig unter Glauben versteht. Gerald Huber führt den Leser wortgewandt und mit viel Wissen zurück in die Entstehungszeit unserer heutigen Traditionen und gleichzeitig tief hinein in den lichtdunklen Zauber. der Weihnacht. Volk Verlag (ISBN 978-3-86222–293–3)

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DICHTUNG IST REVOLUTION Als 1918 in München die Republik ausgerufen wird, sind unter den Revolutionären zahlreiche Schriftsteller, die für Demokratie und Menschlichkeit eintreten. Doch den Ideen und Utopien von Kurt Eisner, Gustav Landauer, Erich Mühsam und Ernst Toller begegnen politische Gegenspieler. In persönlichen Briefen, Tagebuchnotizen und berührenden Werken lassen sich ihre Wege eindrücklich nachempfinden. Verlag Friedrich Pustet (ISBN 978-3-7917–2977–0)

TURMSCHREIBER JAHRBUCH 2019 KLEINE SAMMLUNG FRÄNKISCHER DÖRFER Helmut Haberkamm hat sich über mehrere Monate immer wieder auf die Reise gemacht und 20 kleine Dörfer in Franken besucht; sehr kleine Dörfer, solche, in denen nicht mehr als 150 Menschen leben. Mit Illustrationen von Annalena Weber.

Im 60. Jahr ihres Bestehens trumpfen die Münchner Turmschreiber in ihrem „Hausbuch auf das Jahr 2019“ mit einer Kettenerzählung „Zweitausendneunzehn“ auf. Dazu ist die Anthologie wieder prall gefüllt mit neuen Texten der Turmschreiber/innen. Volk Verlag (ISBN 978-3-86222–292–6)

ars vivendi verlag (ISBN 978-3-86913–990–6)

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AVENTIN Band 1 - Leseprobe  

Im ersten Band der Reihe "AVENTIN" wollen wir fundiert aber unterhaltsam Geschichten von Menschen, Orten und Ereignissen erzählen, etwa von...

AVENTIN Band 1 - Leseprobe  

Im ersten Band der Reihe "AVENTIN" wollen wir fundiert aber unterhaltsam Geschichten von Menschen, Orten und Ereignissen erzählen, etwa von...

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