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Mitteilungsblatt Nr. 2, November 2009 Bulletin noo 2, novembre 2009 ISSN 1422-0008

Integrales Flussgebietsmanagement Gestion intĂŠgrĂŠe de bassins versants


IMPRESSUM Mitteilungsblatt für die Mitglieder des Vereins für Ingenieurbiologie Heft Nr. 2/2009, 19. Jahrgang Erscheint viermal jährlich Herausgeber: Verein für Ingenieurbiologie c/o ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Grüental, Postfach 335 CH-8820 Wädenswil Tel.: + 41 58 934 55 64 Fax: + 41 58 934 55 80 Internet-Adresse: http://www.ingenieurbiologie.ch Druck: Vögeli AG, Langnau i. E. Verantwortliche Redaktorin/ Rédactrice responsable: Niki Beyer Portner HydroCosmos SA La Petite Croix 21, 1681 Billens Tel.: +41 26 652 03 16 Fax: +41 26 652 03 17 E-Mail: niki.beyer@hydrocosmos.ch Redaktionsausschuss/ Comité de rédaction: Roland Scheibli Tel.: +41 44 802 77 11 Fax: +41 44 802 77 01 E-Mail: rs@gossweiler.com Margrith Göldi Hofbauer Tel.: +41 43 259 32 21 Fax: +41 43 259 32 21 E-Mail: margrith.goeldi@bd.zh.ch Monika Stampfer Tel.: +43 5223 5840 130 E-Mail: monika.stampfer@vernad-ing.com Lektorat/Lectorat: Martin Huber Tel.: +41 32 671 22 87 Fax: +41 32 671 22 00 Übersetzungen/Traductions: Niki Beyer Portner Redaktion gwa und die Autoren Veranstaltungen: Frank Graf WSL Verbauwesen, CH-8903 Birmensdorf Tel.: + 41 44 739 24 29 Fax: + 41 44 739 25 70 E-Mail: frank.graf@wsl.ch

EDITORIAL Als der Verein für Ingenieurbiologie vor gut einem Jahr die Einladung des VSA für den Workshop «Ganzheitliches Einzugsgebietsmanagement (GEM)» erhalten hat, hat mich das Thema als Wasserbauerin sofort angesprochen. Schon früh habe ich nämlich festgestellt, dass die Wasserwirtschaft ein sehr komplexes Gebiet ist. Das Problem der Trockenheit in Nordafrika schien gelöst, als man tiefe Brunnen für die Bewässerung bohren konnte. Bald stellte sich jedoch heraus, dass das Meerwasser in das abgesenkte Grundwasser nachfliesst. Das segensreiche Brunnenwasser wurde schädlich für Boden, Flora und Fauna. Auch im Hochwasserschutz glaubte man, alle Probleme gelöst zu haben, als es den Ingenieuren gelang, grosse Flüsse zu begradigen und mit Hochwasserdämmen zu «bändigen». Dabei wurden zudem grosse fruchtbare Landflächen für die Landwirtschaft gewonnen, dort wo einst «nur» Sumpf- und Auenlandschaft waren. Die Begradigung beschleunigte jedoch die Abflussgeschwindigkeit der Hochwasser, so dass die Spitzenabflüsse der grossen Flüsse sich mit denjenigen ihrer Zuflüsse überlagerten und noch grösseren Schaden anrichteten. Ausserdem verhindern die Hochwasserdämme bei Extremhochwasser erfolgreich, dass das über die Dämme getretene Wasser in die Flüsse zurückfliesst. Unter all diesen Nebenwirkungen dürfen auch die Nachteile für die natürlichen Lebensräume und die Artenvielfalt nicht vergessen werden, welche Sie als Ingenieurbiologen viel besser kennen als ich Technikerin.

Weitere Exemplare dieses Heftes können zum Stückpreis von Fr. 15.– beim Sekretariat bezogen werden.

Titelbild/Frontispice Die farbige Glatt (AFU Appenzell Ausserrhoden) La Glatte en couleur (AFU Appenzell Rhodes-Extérieures)

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So unpopulär das Wort «Globalisierung» auch ist, stellt sich daher für mich die Frage, ob ein globales, ganzheitliches Denken im Einzugsgebietsmanagement nicht unvermeidbar geworden ist, um die Bedürfnisse der Menschen nach Schutz vor Naturgefahren, nach Versorgung mit Wasser und Nahrung und diejenigen der Natur nach Überleben einigermassen in Einklang zu bringen. Gerade für die Natur ist ein grossräumigeres Denken für die Vernetzung von Lebensräumen eine Chance. Der VSA hat an die Schwesterverbände, welche zum Workshop eingeladen waren, folgende Fragen gestellt: • Welche Vorteile für ihre Arbeit und ihre Anliegen sehen die Mitglieder im GEM? • Wie kann das Prinzip des GEM in der Schweiz gefördert werden? • Ist der Verein bereit, mit Schwesterverbänden zusammen das Prinzip des GEM zu fördern? Um diese Diskussion im Verein für Ingenieurbiologie zu eröffnen, habe ich einige Artikel, welche nach dem Workshop im GWA veröffentlicht wurden, ausgewählt. Es werden darin zum einen vielversprechende Ansätze für GEM in der Schweiz beschrieben und zum andern die Fazits des Workshops vom letzten Jahr zusammengefasst. Ergänzt werden diese Artikel durch eine Präsentation eines Internetprojektes, welches als Werkzeug für GEM-Projekte denkbar ist. Niki Beyer Portner, Redaktorin


FACHBEITRÄGE

Ganzheitliches Einzugsgebietsmanagement: Ansätze und Formen Max Maurer Schlussfolgerungen aus dem Expertenworkshop vom 1. bis 3. Oktober 2008 in Emmetten

térêt pour l’économie des eaux Suisse. Suite au workshop, le comité du VSA a repris le IEM comme objectif majeur son travail.

Der vorliegende Artikel dokumentiert die Ergebnisse dieses Workshops und zieht Konsequenzen für die zukünftigen Aktivitäten des VSA.

Zusammenfassung Ganzheitliches oder integrales Einzugsgebietsmanagement (IEM) ist eine der aktuellen Forderungen an die moderne Wasserwirtschaft. Wie das IEM in der Schweiz konkret aussehen könnte, wurde im VSA-Expertenworkshop vom 1. bis 3. Oktober 2008 in Emmetten diskutiert. Vielversprechende Ansätze für IEM sind in der Schweiz bereits vorhanden, die aber alle im Moment auch noch substantielle Schwächen zeigen. Deutlich wurde, dass das ganzheitliche Einzugsgebietsmanagement für die schweizerische Siedlungswasserwirtschaft ein zentrales Thema wird. Als Konsequenz dieser Veranstaltung hat der VSA-Vorstand das IEM als Kernthema in seine Arbeiten und Bestrebungen aufgenommen.

1 Einleitung Ganzheitliches oder integrales Einzugsgebietsmanagement (IEM) ist eine der aktuellen Forderungen an die moderne Wasserwirtschaft. Politische, organisatorische und fachtechnische Grenzen sollen überwunden werden, um die Gewässer, die Wasserressourcen und die Infrastrukturen ganzheitlich und kosteneffizient zu bewirtschaften. Wie aber soll konkret das IEM in der Schweiz aussehen? Werden wir die Wasser-Rahmenrichtlinie der EU übernehmen oder gilt es, eine schweizerische Version zu erarbeiten? Der VSA-Expertenworkshop vom 1. bis 3. Oktober 2008 in Emmetten nahm sich dieser Frage an, entwickelte gangbare Ideen und lotete den Handlungsbedarf für die Umsetzung von IEM in der Schweiz aus. Ziel des Workshops war es, zu klären, • ob der Vorstand des VSA das Thema IEM weiterverfolgen soll und, wenn ja, • welche konkreten Aktivitäten die Mitglieder vom Vorstand des VSA erwarten, um das IEM umzusetzen. Neben diesem strategischen Ziel verfolgte der VSA mit dem Workshop das Ziel, die Teilnehmenden über IEM zu informieren, eine Diskussionsplattform anzubieten und Schwesterverbände des VSA in die Entscheidfindung um ein allfälliges IEM einzubeziehen. Die Veranstaltung fand unter dem Patronat des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) und der Wasseragenda 21 statt. Um den integralen Aspekt des Themas ernsthaft diskutieren zu können, waren Vertreter von 6 Schwesterverbänden eingeladen: Verein für Ingenieurbiologie, Pro Natura, Schweizerische Gesellschaft für Hydrogeologie (SGH), Schweizerischer Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW), Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband (SWV) und der Schweizer Geologenverband (CHGEOL).

2 Die IEM-Typen Als Ausgangslage für die Diskussion dienten 5 Beispiele aus der schweizerischen Siedlungswasserwirtschaft. Diese wurden in der Publikation «Beschreibung und Analyse von Fallbeispielen zum integralen Einzugsgebiets-Management (IEM)» (BG Ingenieure Berater AG, 2007) beschrieben: • Regional-GEP/VGEP • Abwasser Uri AG: der Kanton Uri als Wegweiser • Massnahmenplan Wasser: regionale Massnahmenplanung am Beispiel der Einzugsgebiete Glatt und Furtbach • Überregionale, gewässerorientierte Massnahmenplanung am Beispiel REP Birs • Koordinationsgruppe Glatt: IEM als Koordinationsaufgabe Die Fallbeispiele haben bezüglich der drei Hauptdimensionen Integration der verschiedenen Sektoren, Grösse des Einzugsgebiets und Anzahl Management-Phasen unterschiedliche Ausprägungen. Abbildung 1 fasst die von den Experten gemachten Bewertungen zusammen. Zusätzlich wurden auch die Umsetzbarkeit und die bisher in der Schweiz gemachten praktischen Erfahrungen abgefragt.

Keywords Ganzheitliches Einzugsgebietsmanagement, Siedlungswasserwirtschaft, VSA

Gestion globale des bassins versants: principes et formes/ Conclusions du workshop d’experts du 1er au 3 octobre 2008 à Emmetten Résumé Une gestion globale ou intégrée du bassin versant (GEM) est une des revendications de l’économie des eaux moderne. Lors d’un workshop d’experts organisé par la VSA le 1er au 3 octobre 2008 à Emmetten la forme que le GEM doit concrètement prendre en Suisse était le sujet de discussion. Plusieurs projets en Suisse suivent déjà le principe d’une gestion intégrée du bassin versant. Ces projets ont cependant également des points faibles marqués. La discussion a montré que le GEM deviendra un sujet de principal in-

Es ist wichtig zu betonen, dass die vorgestellten 5 IEM-Beispiele nicht unbedingt die fünf besten oder einzigen Möglichkeiten darstellen, ganzheitliches Einzugsgebietsmanagement in der Schweiz umzusetzen. Wie in der Abbildung 1 ersichtlich ist, sind die vorgestellten Beispiele aber sehr unterschiedlich ausgeprägt und stellen deshalb eine ausgezeichnete Grundlage für die Diskussion des Themas dar. Wir bezeichnen sie deshalb als die 5 IEM-Typen, um ihre Beispielhaftigkeit zu betonen. Im Folgenden sollen sie kurz vorgestellt werden: INGENIEURBIOLOGIE / GENIE BIOLOGIQUE 2/09

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FACHBEITRÄGE 2.2 Der Kanton Uri Im Kanton Uri werden sämtliche abwasserrelevanten Aufgaben und Infrastrukturen der öffentlichen Hand in die «Abwasser Uri AG» übertragen. Diese öffentlich-rechtliche Körperschaft ist im Besitze der Gemeinden und wird ab 1. Januar 2010 die volle Verantwortung für die Abwasserentsorgung von 35'000 Einwohnern übernehmen. 2.3 Massnahmenplan Wasser Der Massnahmenplan Wasser wurde hauptsächlich als Planungsinstrument für das kantonale Amt für Abfall, Energie und Luft des Kantons Zürich (AWEL) entwickelt. Er umfasst alle Themen der Gewässernutzung und des Gewässerschutzes. In einer ersten Phase wurden gesamtkantonal gemeinsame Grundlagen erhoben, um Handlungsschwerpunkte zu identifizieren. In der zweiten Phase wurden für die Einzugsgebiete mit grösstem Handlungsbedarf in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Verbänden regionale Massnahmenpläne erarbeitet. Diese sollen in einer dritten Phase umgesetzt werden. Ein detaillierter Artikel zum Massnahmenplan Wasser befindet sich in dieser Ingenieurbiologie-Ausgabe («Ein Massnahmenplan Wasser als Koordinationsinstrument» von Christina Dübendorfer, nachgedruckt aus GWA 3, 2009).

Abbildung 1: Charakterisierung der GEM-Fallbeispiele Figure 1: Caractéristique des exemples de GEM

2.1 Regional-GEP/VGEP Der regionale generelle EntwässerungsPlan (Regional-GEP) erstellt Grundlagen, Konzepte und Massnahmenpläne mit entsprechender Prioritätensetzung für sämtliche Abwasseranlagen innerhalb eines ARA-Einzugsgebietes. Die Umsetzung und Finanzierung der Massnahmen findet im Rahmen der bisherigen Zuständigkeiten auf der Ebene des Kläranlageverbands und in den einzelnen Gemeinden statt. Regional-GEP 4

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sind in Artikel 4 der Gewässerschutzverordnung vorgesehen und wurden in den Kantonen in unterschiedlichem Mass realisiert. Kernthema dieser GEP ist das Modul «Siedlungsentwässerung». Aufgrund der rechtlichen Verankerung, der vielen vorhandenen Beispiele und der einfachen Integration in die bestehenden Planungsprozesse wäre eine flächendeckende Umsetzung relativ einfach zu erreichen.

2.4 REP Birs Im Projekt «Regionaler Entwässerungsplan Birs» werden für die Birs und ihre Zuflüsse die Bedürfnisse des Gewässerschutzes und des Naturschutzes den Bedürfnissen der Nutzung gegenübergestellt. Das gesamte Einzugsgebiet umfasst 866 km2 Fläche, 170'000 Einwohner und 175 km untersuchte Gewässer über 5 Kantone hinweg. Der REP Birs wurde von den 5 Kantonen ausgelöst und finanziert. Das Resultat besteht aus einer Massnahmenplanung über das gesamte Flusseinzugsgebiet hinweg. Detaillierte Informationen und Literatur zum REP Birs können unter www.labirse.ch gefunden werden. 2.5 Koordinationsgruppe Glatt Die Glattkommission ist 1984 als freiwilliger Zusammenschluss der sankt-gallischen und ausserrhodischen Glatt-Gemeinden sowie der beiden Kantone


FACHBEITRÄGE St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden entstanden. Das gemeinsame Ziel ist eine gesunde Glatt sowie die Schönheiten und den Wert des vielfältigen Lebensraumes «Glatt» der Bevölkerung bewusst zu machen und zu erhalten. Die Glattkommission dient als Informations- und Koordinationsplattform aller Beteiligten, schlägt kantonsübergreifende Massnahmen vor und begleitet deren Umsetzung. Die Kommissionsarbeit basiert auf dem Konsensprinzip, und die daraus abgeleiteten Massnahmen werden im Rahmen der geltenden Zuständigkeiten umgesetzt. Ein detaillierter Artikel zu den Koordinationsgruppen Glatt und Sitter befindet sich in dieser Ingenieurbiologie-Ausgabe («IEM als Koordinationsaufgabe bei Glatt und Sitter» von Hans Bruderer, nachgedruckt aus GWA 3, 2009). 3 Resultate der 1. Gruppendiskussion Die 5 IEM-Typen dienten als Grundlagen für die Gruppendiskussion. Dabei galt es die Eignung dieser Typen als schweizerisches IEM-Modell zu untersuchen und zu diskutieren, welche Anpassungen und Veränderungen von Vorteil sein könnten. Der Workshop hat sich am Prinzip des «European Awareness Scenario Workshop EASW» orientiert. Dieses Vorgehen hat zum Ziel, eine gemeinsame Planung für eine konkrete «Problemstellung» zu fördern. Im Rahmen der am VSA-Workshop stattgefundenen Gruppenarbeiten konnten die fünf verschiedenen IEM-Typen im Sinne der Szenarien im EASW-Verfahren diskutiert werden. Entsprechend wurden für die Gruppenarbeiten in einer ersten Phase fünf homogene Gruppen (zwei Gruppen der privaten Ingenieure und Planer, zwei Gruppen der Behörden sowie eine Gruppe der Verbände) und in einer zweiten Phase fünf heterogene Gruppen aus allen Teilnehmenden gebildet. Ziel der Gruppenarbeit 1 (homogene Gruppe) war es, die fünf präsentierten IEM-Typen im Hinblick auf ihre zukünftige Anwendung in der Schweiz zu bewerten, allenfalls eine Modifikation der einzelnen Typen sowie eine IEM-Vision für die Schweiz zu erarbeiten. • IEM-Typ «Regional-GEP» wurde von allen Gruppen eher tief bewertet. Ob-

wohl der Einzugsgebiets-Ansatz bezüglich Siedlungsentwässerung positiv beurteilt wird, bleibt der Verbandstyp für die Mehrheit der Teilnehmenden zu sektoral. Des Weiteren beschrieben gewisse Teilnehmende den Regional-GEP als Auslaufmodell, dessen Akzeptanz bei Gemeinden zu stark vom «Nutzen» und Leidensdruck abhängt. • IEM-Typ «Kanton» wurde ebenfalls als zu sektoral und entsprechend nicht als IEM-tauglich bewertet. Die Organisation dieses Typs in Form einer Aktiengesellschaft weist aus der Sicht von mehreren Teilnehmenden hingegen ein gewisses Potenzial auf. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Kompetenzen des Kantons damit erhalten bleiben. Die Übertragbarkeit dieses IEM-Typs ist aus Sicht der Teilnehmenden eher auf kleine Kantone beschränkt. • IEM-Typ «Massnahmenplan Wasser» wurde mehrheitlich positiv bewertet. Für die Planungsphase wurde vor allem das systematische Vorgehen auf dem ganzen Kantonsgebiet anhand eines Leitbilds (flächendeckendes Planungsinstrument, Eruierung des Handlungsbedarfs, Ableitung von Massnahmen und Prioritätensetzung) als visionär hervorgehoben. Hingegen wurde in den meisten Gruppen bemängelt, dass die Umsetzung bisher noch offen ist. • IEM-Typ «REP» wird, als sektorübergreifendes Planungsinstrument für ein Einzugsgebiet, positiv bewertet. Im REP-Typ kann ein iterativer Prozess des Konzepts und der Massnahmenentwicklung basierend auf einem Leitbild wahrgenommen werden. Die in diesem Fall kantonsübergreifende Lösung wirkt sich bezüglich ihrer Wirksamkeit und der Umsetzungseffizienz sehr positiv aus. Zum Erfolg dieses Typs haben aus Sicht der Teilnehmenden unter anderem die gute Kommunikation und starke Einzelpersonen beigetragen. • IEM-Typ «Koordinationsgruppe Glatt» wird am besten bewertet. Das zunächst stark problemorientierte Vorgehen hat mit der Zeit zu einer sektorübergreifenden, integralen Planung geführt, die kontinuierlich von tragenden Persönlichkeiten weitergeführt

wurde. Auch wenn kein Leitbild besteht, geniesst diese Organisationsform ohne formale Strukturen eine hohe politische Akzeptanz, da bereits bestehende Strukturen nicht tangiert werden. Die gute Zusammenarbeit einerseits über die Kantonsgrenzen hinaus, andererseits mit den Gemeinden sowie die Unterstützung durch die Industrie hat zudem zu einer effizienten Umsetzung und entsprechend hoher Wirksamkeit beigetragen. Die Bewertung der IEM-Typen ist in allen fünf homogen zusammengesetzten Gruppen relativ einheitlich ausgefallen. Sowohl die Behörden als auch die Ingenieure/Planer und Verbände bewerten die IEM-Typen wie folgt: • Die IEM-Typen «Regional-GEP» und «Kanton» schneiden im Sinne eines IEM schlechter ab und erhalten wegen ihrer sektoriellen Ausrichtung vorwiegend tiefe Bewertungen in ihrer Funktion bezüglich IEM. • Die IEM-Typen «Massnahmenplan Wasser», «REP» und «Koordinationsgruppe Glatt» schneiden in dieser Bewertung deutlich besser ab, mit einer gewissen Präferenz auf dem letzten Typ. Es fällt auf, dass bei allen dreien das M (Management) überwiegend schwach ausgeprägt ist, hingegen werden das I (Integral) und das E (Einzugsgebiet) mehrheitlich gut bewertet. 4 Resultate der 2. Gruppenarbeit Aufgrund der sehr einheitlichen Ergebnisse aus der Gruppenarbeit 1 (homogene Gruppen) wurde die Beantwortung sechs konkreter Fragen, abgeleitet aus den Ergebnissen der Gruppenarbeit 1, als Aufgabe der Gruppenarbeit 2 definiert. Ausserdem sollten Vorschläge und Empfehlungen zuhanden des VSA formuliert und die Rolle des VSA, der Schwesterverbände sowie der Behörden (Kantone, Gemeinden und Bund) definiert werden. Brauchen wir neue integrale Strukturen, wenn wir die Typen «Massnahmenplan Wasser», «REP» und «Koordinationsgruppe Glatt» realisieren wollen, oder können wir mit bestehenden Strukturen IEM betreiben? Fazit: (I) Für die IEM-Planung sind keine neuen Strukturen erforderlich. (II) Die INGENIEURBIOLOGIE / GENIE BIOLOGIQUE 2/09

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FACHBEITRÄGE Akteure und Geldgeber müssen in die Projektabwicklung eingebunden werden. (III) Bezüglich der Strukturen für die Umsetzung besteht kein Konsens. Einerseits wurde darauf hingewiesen, dass es, unter anderem aus Akzeptanzgründen, nicht sinnvoll erscheint, neue «feste» Strukturen zu schaffen. Die bestehenden sektoriellen Verantwortlichen sollen koordiniert für die Aufgaben der Umsetzungsphase einstehen. Andererseits beurteilte ein grosser Teil der Anwesenden die Idee von Kommissionen, Trägergremien oder Zweckverbänden bei der Umsetzung von Massnahmen als sinnvoll. Diese Gremien können einfach den lokalen Bedürfnissen angepasst werden und geniessen entsprechend eine hohe politische Akzeptanz. Sie sollen sich auf allen Ebenen für das IEM einsetzen und folgende Aufgaben wahrnehmen: integrale Planung und Sicherstellung der Kontinuität bei der Umsetzung (inkl. Finanzierung) sowie die anschliessende Erfolgskontrolle. Eine gesetzliche Verankerung dieser neuen Strukturen kann entweder über ein neu zu schaffendes Wasserrahmengesetz auf Bundesebene oder über kantonale Rahmengesetze geschehen. Wie können wir die Verbindlichkeiten der Umsetzung erhöhen? Fazit: (I) Die Verbindlichkeit von IEMMassnahmen kann über Richtplanung, Nutzungsplanung und Verträge erreicht werden. (II) Es besteht kein Konsens darüber, ob IEM per se verbindlich sein muss. Zur Erhöhung der Verbindlichkeit der Umsetzung von IEM wurden folgende, zum Teil nicht konsensfähige Vorschläge abgegeben: • Artikel in einem neu zu schaffenden Wasserrahmengesetz, in dem die Massnahmenpläne behördenverbindlich sind (analog Luft) • Behördenverbindliche Richtplanung für eine langfristige Raumsicherung • Umsetzung in der Nutzungsplanung • Verträge und Vereinbarungen für koordinierte Massnahmen • Finanzielle Anreize von Bund und Kanton (z.B. Anschubfinanzierung für integrale Projekte mit Pilotcharakter). Wie finanzieren wir die Umsetzung der Massnahmen und wie schaffen wir dabei Solidarität? 6

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Fazit: (I) Für die Umsetzung der IEMMassnahmen ist die Finanzierung ein Problem. (II) Es besteht kein Konsens darüber, dass die Finanzierung der Planungphase von IEM-Projekten normalerweise unproblematisch ist. (III) Es besteht kein Konsens darüber, dass man keine separaten «Kässeli» will. (IV) Es besteht kein Konsens darüber, ob IEM über ein eigenes Budget verfügen soll. Die Finanzierungsfrage hat mitunter zu den grössten Diskussionen in den Gruppen geführt. Von gewissen Teilnehmenden wurde eine Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Sektoren (z. B. Abwassergebühren zugunsten des Wasserbaus, Belastung von Trinkwassergebühren, Finanzierung über Ökostrom usw.) befürwortet und somit auch in Finanzierungsfragen ein integraler Ansatz vorgeschlagen. Um eine solche Verschiebung der Mittel vorzunehmen, braucht es jedoch Gesetzesänderungen auf Bundes- und Kantonsebene. Weiter wurden Vorschläge zur Erweiterung des Renaturierungsfonds zu einem Wasserfonds diskutiert, aus dem in der Folge die aus der IEM-Planung hervorgehenden prioritären Massnahmen finanziert würden. Die Verschiebung bestehender Mittel hin zur Finanzierung eines IEM wird nicht von allen Teilnehmenden unterstützt. Können wir IEM überhaupt realisieren, wenn wir keinen Leidensdruck haben? Gibt es diesen Leidensdruck heute? Fazit: (I) «Leidensdruck» hilft, ist aber nicht notwendig. (II) Besser ist: Chancen nutzen! Aus Sicht der Experten muss zwischen der Planungs- und Umsetzungsphase unterschieden werden. Für die Strategieund Massnahmenerarbeitung ist aus ihrer Sicht kein eigentlicher Leidensdruck nötig, es braucht jedoch einen Auslöser (z.B. Suche nach Synergien, Wille zur Koordination, Kosteneinsparungen durch gemeinsame Aufgabenerfüllung usw.). Hingegen ist bei der Umsetzung ein gewisser Leidensdruck «von Nutzen». Politischer Wille, der durch ein engagiertes und anerkanntes Trägergremium, das Lobbying, Information und Sensibilisierung der Bevölkerung betreibt, oder der Druck von der Bevölkerung können diesen Prozess unterstützen.

Der Leidensdruck ist also keine Notwendigkeit, denn er löst selber noch keine Veränderungen aus. Hingegen kann er durchaus als Hilfestellung gesehen werden, um Massnahmen auszulösen. Wie viel Zeit benötigen wir bei der Umsetzung? Fazit: (I) Projekte müssen reifen. (II) Es braucht Zeit. Die Teilnehmenden sind sich einig, dass die IEM-Ideen Zeit zum Reifen brauchen. Dazu braucht es Geduld und Ausdauer der beteiligten Akteure. Der Planungsprozess kann zwar zeitlich beschränkt werden, hingegen ist die Dauer des Umsetzungsprozesses in der Regel eher schwierig zeitlich abzugrenzen oder aber sehr langfristig anzusetzen. Die Teilnehmenden erachten es als wesentlich, dass ein regelmässiges Controlling zur Überprüfung der Aktualität und Richtigkeit der Massnahmen durchgeführt wird. Hängen die Typen «Massnahmenplan Wasser», «REP» und insbesondere «Koordinationsgruppe Glatt» nicht zu stark von Einzelpersonen ab? Fazit: (I) Es braucht starke, engagierte verantwortliche Persönlichkeiten, um das IEM zu führen, IEM politisch zu verankern, Lobbying zu organisieren und zu kommunizieren. (II) Bezüglich der Ansiedlung der Führungspersönlichkeit besteht kein Konsens. Die Teilnehmenden sind der Ansicht, dass starke Persönlichkeiten in der Anfangsphase eines IEM von grosser Bedeutung sein können, um Projekte zu initiieren. Wo und auf welcher Stufe diese Persönlichkeiten integriert sein sollten, wurde kontrovers diskutiert. Hingegen braucht es für die Entwicklung eines erfolgreichen Projekts zusätzlich ein engagiertes und anerkanntes Gremium sowie eine breite Abstützung in der Bevölkerung. 5 Schlussfolgerungen Das ganzheitliche Einzugsgebietsmanagement (IEM) scheint auf der einen Seite ein neues Thema zu sein, das bei verschiedenen Fachverbänden noch nicht explizit angegangen wurde. Auf der anderen Seite wird das IEM von gewissen Fachverbänden schon seit längerem


FACHBEITRÄGE mehr oder weniger intensiv verfolgt. Es wurde in Referaten gar auf gewisse Vorläufer des IEM hingewiesen, die schon sehr lange zurückliegen (z. B. 1910 im Wasserwirtschaftsbereich über Kantonsgrenzen hinaus, Wupperverband in Deutschland). Trotz dieser unterschiedlichen Ausgangslage wurde der IEM-Ansatz von allen Teilnehmenden insgesamt als wichtig angesehen und stösst auf breites Interesse. Der Workshop hat einen grossen Beitrag dazu geleistet, das Thema IEM auf die Agenda zu setzen, und eine intensive Diskussion und einen Erfahrungsaustausch ermöglicht. Die Vorstellungen eines integralen Einzugsgebietsmanagements sind nach wie vor sehr unterschiedlich, jedoch haben die Teilnehmenden eine Übersicht erhalten, wie das IEM in verschiedenen Kantonen und bei verschiedenen Akteuren aufgenommen wird. Ansätze für IEM sind in der Schweiz vorhanden. Die Experten haben dabei die Typen «Massnahmenplan Wasser», «REP» (Bsp. Birs auf www.wa21.ch) und «Koordinationsgruppe Glatt» als vielversprechend beurteilt. Trotz allen identifizierten Vorteilen zeigen im Moment noch alle drei Typen auch substantielle Schwächen. «Massnahmenplan Wasser» und «REP» sind starke und gut ausgearbeitete IEM-Planungskonzepte. Sie konnten aber noch nicht belegen, dass sie sich auch in der Umsetzung bewähren. Der Typ «Koordinationsgruppe Glatt» hat bisher die beste IEM-Erfolgsbilanz. Allerdings scheint er bei der Umsetzung stark von engagierten Einzelpersonen abhängig zu sein, und es besteht Unsicherheit, ob dieser Typ schweizweite Verbreitung erlangen kann. Damit bleibt natürlich die zentrale Frage im Raum: Brauchen wir in der Schweiz einen einzelnen IEM-Typ oder soll sich auch im Bereich IEM eine Vielfalt entwickeln und durchsetzen können? Es ist zu hoffen, dass die bestehenden Ansätze für ein IEM weitergeführt werden. Parallel dazu ist eine schrittweise Ausdehnung der bestehenden sektoralen Lösungen hin zu einem IEM explizit zu unterstützen. Die entsprechenden Beispiele, die in der Praxis umgesetzt werden, sind aufzuarbeiten und angemessen zu kommunizieren.

Im Workshop hat sich klar gezeigt, dass die heutige gesetzliche Situation im Rahmen vom IEM noch Unsicherheiten aufweist. Zum einen bestehen Unklarheiten darüber, welche Gesetze überhaupt auf Bundes- und Kantonsebene für ein IEM von Relevanz sind (siehe dazu auch Ernst Basler + Partner, 2007). Zum anderen ist die Identifizierung und Harmonisierung von sich gegenseitig ergänzenden oder konkurrenzierenden Gesetzen noch nicht geschehen. Eine der ganz grossen offenen Fragen ist die Finanzierung von integralen Lösungen. Dabei stellt insbesondere der Transfer von Geld über die politischen Grenzen und über die Sektoren hinweg ein Problem dar. Nur wenn beides möglich ist, können die nach ganzheitlichen Ansätzen definierten prioritären Massnahmen solidarisch im ganzen Einzugsgebiet umgesetzt werden. In diesem Bereich müssen sicherlich noch gesetzlich verankerte Lösungen gefunden werden, die auch politisch tragfähig sind. 6 Konsequenzen für den VSA Das ganzheitliche Einzugsgebietsmanagement ist für die schweizerische Siedlungswasserwirtschaft eines der zentralen Themen der Zukunft. Dies ist für den VSA sicherlich eine der wichtigsten Schlussfolgerungen, welche sich aus dem Expertenworkshop ableiten lassen. Diese Erkenntnis hat den VSA-Vorstand dazu bewogen, die folgenden drei strategischen Entscheide zum IEM zu fällen: 1. Innerhalb des Sektors Abwasserentsorgung wird der VSA das Thema Einzugsgebietsmanagement weiter aktiv vorantreiben. 2. Der VSA muss seine heutigen Aufgabengebiete und Kernkompetenzen auf eine Ausweitung überprüfen. 3. Der VSA will in Zukunft als eine treibende Kraft für das ganzheitliche Einzugsgebietsmanagement in der Schweiz auftreten. In diesem Punkt steht vor allem die Zusammenarbeit mit der neuen Plattform «Wasser-Agenda 21» (WA21, www.wa21.ch) im Vordergrund. Die WA21 ist eine Vereinigung der wichtigsten Akteure der schweizerischen Wasserwirtschaft. Sie versteht sich als Dialogplattform und «Think Tank» zur Erarbeitung von Lösungsansätzen. Der Vorstand ist überzeugt, dass ein ganz-

heitliches Vorgehen nur in enger Koordination mit anderen gewässerrelevanten Sektoren entwickelt werden kann. Die WA21 ist dazu die geeignete Plattform, und der VSA-Vorstand hat sich zum Ziel gesetzt, dort in diesem Gremium für IEM eine der treibenden Kräfte darzustellen. Der VSA fordert von WA21, dass das Thema IEM ein zentrales Thema des Vereins bildet, und bietet umgekehrt ein hohes Engagement im Rahmen von WA21 an. Referenzen BG Ingenieure Berater AG, Studie im Auftrag des BAFU. Beschreibung und Analyse von Fallbeispielen zum integralen Einzugsgebiets-Management (IEM) (pdf, 3669 KB) – Wasser-Agenda 21, Teilprojekt «Auswertung und Evaluation von IEM-Ansätzen». 2007. Zu beziehen unter: www.umwelt-schweiz.ch/wawischweiz (letzter Zugriff: 12.12.08). Ernst Basler+Partner, im Auftrag des BAFU. Systemanalyse Wasserwirtschaft Schweiz – Expertenbericht vom 15. Dezember 2007. Zu beziehen unter: www.umwelt-schweiz.ch/ wawi-schweiz (letzter Zugriff: 12.12.08). Im Internet: www.wa21.ch Webseite www.labirse.ch, letzter Zugriff: 12. Januar 2009. Verdankung Dieser Artikel stützt sich auf den Workshopbericht von Stefan Rieder und Flurina Landis, INTERFACE Institut für Politikstudien, Luzern. Ausserdem möchten wir ganz herzlich allen teilnehmenden Expertinnen und Experten am Workshop für ihre wertvollen Beiträge danken. Adresse des Autors Max Maurer Mitglied des VSA-Vorstandes EAWAG Überlandstrasse 133 CH-8600 Dübendorf

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Einzugsgebietsmanagement und Integrale Wasserwirtschaft (Entwicklungen aus nationaler Sicht) Hugo Aschwanden, Martin Pfaundler (Dieser Artikel wurde übernommen aus: gwa 3/2009.) Zusammenfassung Im Einzugsgebietsmanagement steckt das Potenzial, den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Schweizer Wasserwirtschaft zu begegnen. Dieser Meinung sind auch die meisten Akteure, welche die Umfrage «Thesen zur Weiterentwicklung der Wasserwirtschaft» des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) beantwortet haben. Wo steht die Schweiz heute und welche Fragen stellen sich, wenn die Bewirtschaftung des Wassers und der Gewässer im Einzugsgebiet gefördert werden soll? Der Artikel zeigt auf, welche Überlegungen gemacht werden und was das BAFU im Rahmen der Wasser-Agenda 21 unternimmt, um der Anwendung des Einzugsgebietsmanagements in der Schweiz einen Schritt näher zu kommen. Keywords Integrale Wasserwirtschaft, Einzugsgebietsmanagement

Gestion par bassin versant et gestion intégrée des ressources en eau (cet article a été repris de gwa 3/2009) Résumé La gestion intégrée par bassin versant comporte dans son approche le potentiel pour faire face aux défis actuels et futurs de la gestion des eaux en Suisse. C’est l’opinion partagée par la plupart des acteurs, qui ont répondu au sondage «Gestion des eaux en Suisse 2007 – Situation actuelle et thèses» de l’Office Fédéral de l’Environnement (OFEV). Où se situe actuellement la Suisse et quelles questions se posent si la gestion des eaux par bassin versant doit être promue? L’article fait le point sur les réflexions en cours et sur les activités menées par l’OFEV au sein 8

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de «l’Agenda 21 pour l’eau», pour répandre l’application de la gestion intégrée des eaux par bassin versant en Suisse. Mots-clés Gestion intégrée des ressources en eau, gestion du bassin versant River Basin Management and Integrated Water Resources Management River Basin Management (RBM) has the potential to tackle the current and future challenges of the Water Resources Management in Switzerland. This opinion is shared by most of the stakeholders who answered a survey of the Federal Office for the Environment (FOEN). What is the status in Switzerland and which questions need to be answered if the management of the water on a river basin scale should be brought forward? The article shows the considerations and activities of the FOEN in the framework of Water Agenda 21 towards further developing River Basin Management in Switzerland. Keywords Integrated Water Resources Management, River Basin Management

1 Einleitung Die Schweizer Wasserwirtschaft hat sich historisch und als Folge der gesetzlichen Gegebenheiten sektoral entwickelt und dabei grosse Erfolge verzeichnet. Die OECD attestiert der Schweiz, dass «die Leistungen im Bereich Wasser nach wie vor zu den besten des gesamten OECD-Raumes gehören» (OECD, 2007). Die Schweiz verfügt über grosse Wasserressourcen, dank den Anstrengungen im Gewässerschutz in den letzten 50 Jahren in sehr guter Qualität. In verschiedenen Sekto-

ren der Wasserwirtschaft (Siedlungswasserwirtschaft, Wasserkraftnutzung, Hochwasserschutz) finden Entwicklungen statt, die zu einer Intensivierung der Ansprüche und Nutzung der Gewässer und der Wasserressourcen führen. Auf der Seite des Wasserdargebots zeichnen sich durch den Klimawandel Veränderungen ab. Bei dieser Ausgangslage stellt sich die Frage, ob die Schweizer Wasserwirtschaft für die zukünftigen Herausforderungen gerüstet ist. 2 Wasserwirtschaft Schweiz – wo stehen wir heute? Wenn im Folgenden von Wasserwirtschaft gesprochen wird, so stützt sich dies auf folgende Definition: Die Wasserwirtschaft befasst sich mit den menschlichen Einflüssen auf die Gewässer und die Wasserressourcen. Sie umfasst die zielbewussten menschlichen Tätigkeiten, welche den Zwecken Nutzung, Schutz vor dem Wasser und Gewässerschutz dienen. 2.1 Ausgangslage Letztmals wurde die Schweizer Wasserwirtschaft 1980 evaluiert und es fand eine Überprüfung der Wassergesetzgebung statt. Die Eidgenössische Studienkommission «Aufgabenteilung Bund/ Kantone im Bereich Wasserwirtschaft» hat damals eine umfassende Wasserwirtschaftsgesetzgebung angedacht, schliesslich aber nicht als notwendig erachtet (Eidg. Studienkommission, 1980). Sie kam zum Schluss, dass die gesamtschweizerischen Wasserwirtschaftsinteressen durch geeignete Ergänzungen bestehender Bundesgesetze abgedeckt werden können. Seither hat sich die Ausgangslage geändert, die Wasserwirtschaft ist in Bewegung geraten. Forschung, Fachverbände und Kantone sind aktiv geworden. Fragestellungen und Aufgaben werden vermehrt sektorenübergreifend und mit dem Einzugsgebiet als Bezugsraum angegan-


FACHBEITRÄGE gen, und es finden sich auch Elemente und Instrumente dieser Vorgehensweise in den entsprechenden kantonalen Gesetzgebungen. Der Kanton Jura ist daran, ein Wasserrahmengesetz mit einem Sachplan Wasser als behördenverbindliches Instrument zu erlassen. Der Kanton Genf verfügt über ein umfassendes Wassergesetz und führt mit dem SPAGE (Schéma de Protection d’Aménagement et de Gestion des Eaux) ein Planungsinstrument ein, welches die Koordination der sektoralen Zielsetzungen und Planungen zum Inhalt hat. Ähnliche Bestrebungen, ihre Gesetze anzupassen, gibt es in weiteren Kantonen. Von internationaler Seite wird der Schweiz empfohlen, die Ressourcen nachhaltiger zu bewirtschaften. Die OECD hält in ihrem Prüfbericht Schweiz fest: «Die Einzugsgebietsbewirtschaftung schreitet voran, aber es fehlt ein gesetzlicher oder strategischer Rahmen auf Bundesebene» (OECD, 2007). Sie gibt daher die Empfehlung ab, «die integrierte Einzugsgebietsbewirtschaftung zu fördern». Das im Juni 2006 von der Schweiz ratifizierte WHO-Protokoll «Wasser und Gesundheit» empfiehlt, Wasservorkommen auf der Grundlage von Einzugsgebieten möglichst sektorenübergreifend zu bewirtschaften, mit dem Ziel, die soziale und wirtschaftliche Entwicklung mit dem Schutz natürlicher Ökosysteme zu verbinden (UNOWHO, 1999). Über die internationale Zusammenarbeit in den Grenzgewässerkommissionen übt die EU-Wasserrahmen-Richtlinie (WRRL) einen ideell-konzeptionellen Einfluss aus. In seinem Bericht «Herausforderungen 2007–2011» nimmt denn auch der Perspektivenstab der Bundesverwaltung das Thema auf und kommt zum Schluss, dass die Bewirtschaftung des Wassers auf der Basis von Einzugsgebieten an Bedeutung gewinnen wird. Der Bericht schliesst mit der Forderung, dass die am besten geeigneten institutionellen und organisatorischen Strukturen vertieft zu prüfen sind (Perspektivstab der Bundesverwaltung, 2007). 2.2 Wasser-Agenda 21 Am 20. Juni 2008 wurde die WasserAgenda 21 (www.wa21.ch) gegrün-

det. Die darin zusammengeschlossenen Gründungsmitglieder decken ein breites Spektrum der im Wasserbereich aktiven Behörden und Organisationen ab: das Bundesamt für Umwelt (BAFU), das Bundesamt für Energie (BFE), das Wasserforschungs-Institut des ETH-Bereichs (Eawag), die Konferenz der Vorsteher der Umweltschutzämter der Schweiz (KVU), der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW), der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA), der Schweizerische Wasserwirtschaftsverband (SWV) sowie der WWF und Pro Natura als Umweltschutzorganisationen. Die Wasser-Agenda 21 ist vorwiegend auf nationaler Ebene tätig und versteht sich als Dialogplattform und Think Tank der Schweizer Wasserwirtschaft. Gemeinsam will man die neuen Herausforderungen der Wasserwirtschaft analysieren und Wege zu ihrer Bewältigung aufzeigen und so die Akteure in der Weiterentwicklung der Wasserwirtschaft unterstützen (S. Vollenweider, 2006). 2.3 Standortbestimmung Aufgrund dieser Ausgangslage und im Rahmen der Wasser-Agenda 21 hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) den Prozess der Weiterentwicklung der Wasserund Gewässerpolitik an die Hand genommen. Verschiedene Analysen des Systems Wasserwirtschaft Schweiz (Ernst Basler + Partner, 2007) und zum Einzugsgebietsmanagement (BG Ingenieure & Berater, 2007) sowie ein Expertenbericht über die zukünftigen Herausforderungen und mögliche Handlungsoptionen für eine Wasserwirtschaft 2025 (Ernst Basler + Partner, 2007-2) wurden in Form von Thesen zu einer Auslegeordnung zusammengefasst (H. Aschwanden et al., 2007). Diese wurde im vergangenen Jahr – mit einer Umfrage zu den Thesen – einem breiten Akteurenkreis der Wasserwirtschaft zur Stellungnahme unterbreitet. Die hohe Rücklaufquote und die zahlreichen Kommentare zu den Thesen zeigen die Aktualität der Thematik, das grosse Interesse und die Bereitschaft der Wasserwirtschaft, sich mit ihrer Weiterentwicklung zu beschäftigen. Die Auswertung der Umfrage dauert noch an; sie wird

anschliessend als Bericht veröffentlicht. Unter Kapitel 5 sind vorläufige Auswertungen zu jenen Thesen dargelegt, die spezifisch auf das Thema Integrales Einzugsgebietsmanagement eingehen. 3 Integrale Wasserwirtschaft und Einzugsgebietsmanagement Die Global Water Partnerhship (GWP) definiert eine Integrale Wasserwirtschaft als «a process which promotes the coordinated development and management of water, land and related ressources in order to maximize the resultant economic and social welfare in an equitable manner without compromising the sustainability of vital ecosystems. Thereby it should be managed in a basin-wide context under the principle of good governance and public participation.» Aus dieser Definition lassen sich bereits einige wesentliche Aussagen ableiten: Zum einen die Beziehung zwischen der Integralen Wasserwirtschaft und dem Einzugsgebietsmanagement: Das erstere ist das eigentlich Ziel – die Abstimmung zwischen den Sektoren der Wasserwirtschaft und weiteren raumwirksamen Tätigkeiten –, und das Einzugsgebiet ist «ein Mittel zum Zweck», um dieses Ziel zu erreichen. Da sich die Auswirkungen wasserwirtschaftlicher Massnahmen im Einzugsgebiet und nicht innerhalb administrativer Grenzen manifestieren, ist der geeignete und logische Bezugsraum für eine integrale Wasserwirtschaft deshalb das Einzugsgebiet. Der Ansatz einer integralen Wasserwirtschaft mit dem Einzugsgebiet als räumliche Planungs-, Bewirtschaftungs- und Entscheidungseinheit wurde dabei unter dem Begriff Integrales Einzugsgebietsmanagement (IEM) zusammengefasst. In der Definition des GWP wird auch der Prozesscharakter einer Integralen Wasserwirtschaft im Gegensatz zu einem Projekt oder Produkt betont. Dies bedeutet auch, dass es eine geeignete Instanz und Trägerschaft braucht, die diesem Prozess über die Planung hinaus auch in den Phasen von Umsetzung, Bewirtschaftung, Finanzierung und Erfolgskontrolle die nötige Kontinuität gibt. INGENIEURBIOLOGIE / GENIE BIOLOGIQUE 2/09

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FACHBEITRÄGE 4 Einzugsgebietsmanagement in der Schweiz 4.1 Begriffe und Definitionen Die Aktivitäten, Projekte, Verantwortlichkeiten, Bestimmungen, Gesetze, Organisationsstrukturen etc. der Wasserwirtschaft lassen sich durch drei Bereiche grob charakterisieren: die betroffenen Sektoren der Wasserwirtschaft, der Bezugsraum und die Projekt- bzw. Bewirtschaftungsphasen. Der Begriff «Integrales Einzugsgebietsmanagement» (IEM) beinhaltet diese drei Bereiche (vgl. Tab. 1).

Gewässerschutz (Gewässerraum, Wasserqualität) und der Hochwasserschutz die am häufigsten behandelten Sektoren, und in der Regel sind diese auch die Auslöser für IEM-Projekte. Fragestellungen der Fischerei werden in fast allen Fallbeispielen schwergewichtig behandelt. Der grösste Koordinationsbedarf besteht zwischen den Schutzzielen und den jeweiligen Nutzungen. Es sind dies z.B. der Raumbedarf der Gewässer versus Raumnutzung, oder eine ausreichende Wasserführung inklusive Schwall-Sunk-Problematik versus Wasserkraftnutzung.

Integral (I) = mehrere Sektoren betreffend

«Integral» bedeutet, dass ein Projekt mehrere Sektoren der Wasserwirtschaft berücksichtigt und gemeinsam beurteilt oder umsetzt. Ein IEM-Projekt prüft zu Beginn alle Sektoren auf Relevanz und fokussiert dann später auf die wichtigsten Sektoren. Es geht also nicht um eine Mindestanzahl an Sektoren, die ein Projekt behandeln muss, um als «integral» bezeichnet zu werden.

Einzugsgebiet (E) = räumliche Ausdehnung

Damit ein Vorhaben / Projekt als Einzugsgebiets-bezogen gilt, muss ein geeignetes Einzugsgebiet (EZG) als Bezugsraum festgelegt sein. Auch technische Einzugsgebiete (z.B. ARA-EZG) können in manchen Fällen massgebend sein. Normalerweise bestimmen Gemeinde- und Kantonsgrenzen die Ausdehnung von Projekten.

Management (M) = Projektphasen

Der Begriff Management umfasst in diesem Zusammenhang alle wichtigen Phasen eines Projektablaufs: Strategie-Entwicklung, Massnahmenplanung, Projektierung, Realisierung, Bewirtschaftung, Erfolgskontrolle sowie die Beteiligung der Öffentlichkeit.

Tabelle 1: Dimensionen des Integralen Einzugsgebietsmanagements Tableau 1: Dimensions de la gestion intégrée du bassin versant

4.2 Erfahrungen in der Schweiz Das BAFU liess eine Studie durchführen, welche eine Reihe von Fallbeispielen zum Integralen Einzugsgebietsmanagement in der Schweiz zusammengetragen und evaluiert hat. Basierend auf den Erfahrungen der Projektverantwortlichen von 16 Fallbeispielen, die mittels Interviews bei den Kantonen erhoben wurden, leiten die Studienautoren folgende Aussagen ab (BG Ingenieure & Berater, 2007). – Projektinitialisierung: Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Auslösern für IEM-Projekte: a) ein konkretes sektorales Problem, bei dessen Lösung andere Sektoren mitberücksichtigt werden und so ein integrales Projekt entsteht, oder b) das Bedürfnis, mehrere Sektoren zu koordinieren bzw. der Wille zu einer ganzheitlichen Planung. In den Fallbeispielen sind der 10

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– Planung/Umsetzung: Bis auf drei auch die Umsetzungsphase umfassende Fallbeispiele sind alle IEM-Projekte konzeptionelle, strategisch orientierte Planungen. Die Umsetzung ist meist noch nicht realisiert. Einige der interviewten Projektleiter wünschen sich zur Umsetzung eine gemeinsame sektorenübergreifende Finanzierung über die Gemeinde- oder sogar über die Kantonsgrenzen hinweg. Mangels dieser gemeinsamen Finanzierung gehen die Projektleiter davon aus, dass die Umsetzung sektoral und gemeinde- bzw. kantonsweise erfolgen wird. Für die tatsächliche Umsetzung der Massnahmen eines IEM-Projektes sind ein minimaler «Leidensdruck» (offensichtlicher und dringlicher Handlungsbedarf) und der entsprechende politische Wille notwendig. Der Übergang vom Konzept

zur Umsetzung kann schwierig sein, wenn dadurch andere Akteure betroffen sind oder zahlen müssen. Viele Projekte legen deshalb grossen Wert auf eine frühzeitige Partizipation aller Akteure. – Einzugsgebiete: Die meisten der dokumentierten IEM-Projekte betreffen hydrologische Einzugsgebiete. Die Grössen sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von 26 km2 bis zu 7'600 km2, die meisten im Bereich 100–1'000 km2, der Medianwert liegt bei rund 200 km2. Je grösser ein Einzugsgebiet ist, desto weniger kann auf lokale Aspekte eingegangen werden. Die Identifikation der Bevölkerung mit einem Vorhaben nimmt mit zunehmender Grösse eher ab, was ein Hindernis für die Partizipation und Umsetzung von Massnahmen sein kann. In solchen Fällen dürfte eine Unterteilung sinnvoll sein. – Nutzen: IEM-Projekte weisen folgenden Nutzen auf: I: Die Integralität (Berücksichtigung mehrerer Sektoren) erlaubt es, eine ganzheitliche Sicht auf das Gewässersystem mit seinen unterschiedlichen Nutzungen, Schutzbedürfnissen und Gefahren zu erlangen. Diese ganzheitliche Sicht führt zu ausgewogenen Massnahmen mit einer nachvollziehbaren Prioritätensetzung. Mit der Ausrichtung auf mehrere Sektoren sind meist viele Leute an IEM-Projekten beteiligt und/oder davon betroffen. Meistens werden sie partizipativ mit einbezogen und können ihre Anliegen einbringen. Dies erhöht die Akzeptanz und verringert die Widerstände und die Wahrscheinlichkeit von Rekursen bei der Umsetzung der Massnahmen. E: Das Einzugsgebiet als Bezugsraum auch zur Umsetzung von Massnahmen vermeidet die Probleme, die aus der Distanz zwischen Ort des Nutzens und Ort der Realisierung und Finanzierung einer Massnahme erwachsen können. Gemeinsame Massnahmenfinanzierungen über das ganze Einzugsgebiet sind deshalb gefragt. M: Innerhalb des Projektzyklus (Management) hat die sektorenübergrei-


FACHBEITRÄGE fende (integrale) Zusammenarbeit über ein ganzes Einzugsgebiet vor allem während konzeptionellen Phasen für die Definition der Priorität von Massnahmen einen hohen Nutzen. Die Umsetzung kann häufig regional oder lokal sein, z.B. in den Gemeinden. – Risiken: Dem potentiell längerfristigen Nutzen von IEM-Projekten mit effizienteren, besseren und nachhaltigeren Lösungen steht aber zunächst ein erhöhter (kurzfristiger) Aufwand vor allem in der Planungsphase gegenüber. Die Integration von Sektoren, Akteuren und eine überräumliche Abstimmung bringt unzweifelhaft höhere «Transaktionskosten» (Planungsaufwand, Kommunikationsaufwand, Abstimmungsaufwand) mit sich. Es sind deshalb Nutzen-Aufwand-Überlegungen anzustellen und das «richtige Mass» an Integration zu finden. Ebenfalls wird verschiedentlich die Umsetzungsschwäche genannt, das heisst, dass das Risiko langer Verfahrensdauern und die Gefahr, dass IEM-Projekte zu lange in der Planungsphase verharren und auf dem Weg von den Studien zur Massnahmenumsetzung (Umsetzung der Konzepte) hängen bleiben. – Erfolgsfaktoren: Praktisch alle befragten Projektleiter weisen auf folgende Schlüssel zum Erfolg hin: partizipativ vorgehen, durch breite Kommunikation Transparenz herstellen und Vertrauen schaffen, die richtigen Leute ins Projekt einbinden, die Politiker einbeziehen, um politischen Rückhalt zu erhalten, sowie auf Kantonsebene sektorenübergreifend eng zusammenarbeiten (allenfalls bis hin zur Fusion von Ämtern). 4.3 Folgerungen und Empfehlungen Aus den Analysen ziehen die Studienautoren folgende Folgerungen: – Mit IEM soll ein optimiertes KostenNutzen-Verhältnis der Wasserwirtschaftsmassnahmen in einem Gewässereinzugsgebiet erzielt werden. – Es ist anzunehmen, dass es in der heutigen Praxis sektorale und lokale Wasserwirtschaftsprojekte gibt, deren

Nutzen durch den Einsatz von IEM gesteigert werden könnte (Potenzial für IEM). – IEM stellt für komplizierte Problemstellungen mit Interessenskonflikten zwischen Sektoren, die über lokale und sektoral lösbare Probleme hinausgehen, die geeignetste Vorgehensweise dar. – Die schweizerische Wasserwirtschaft ist sehr vielfältig. IEM muss deshalb ein flexibles Instrument sein, das individuell an die Situation und Bedürfnisse der unterschiedlichen Einzugsgebiete angepasst wird. – IEM führt zu ausgewogeneren Massnahmen mit nachvollziehbarer Prioritätensetzung als reine lokale sektorale Projekte. In diesem Sinn ist es vermutlich auch nachhaltiger. – IEM spart insgesamt Zeit, da durch eine frühe Partizipation die Massnahmen auf eine breitere Akzeptanz stossen und dadurch spätere Einsprachen verringert werden. – Das Einzugsgebiet als Bezugsraum zur Umsetzung von Massnahmen vermeidet die Probleme, die aus der Distanz zwischen Ort des Nutzens und Ort der Realisierung und Finanzierung einer Massnahme erwachsen können. Das Integrale Einzugsgebietsmanagement IEM ist in der schweizerischen Gesetzgebung nicht verankert. Es entspricht auch nicht der bisherigen zumeist sektoral orientierten Planungspraxis. Es braucht deshalb heute einen grossen «Leidensdruck», wie z.B. wesentliche Konflikte, oder einen hohen Koordinationsbedarf zwischen Sektoren, um ein IEM auszulösen und einen starken politischen Willen, um es durchzuziehen und in Massnahmen umzusetzen. IEM sollte in Zukunft einfacher und selbstverständlicher angewendet werden können, wo dies aus KostenNutzen-Überlegungen sinnvoll ist. Die Autoren der Studie fassen dies in folgenden Empfehlungen zusammen: «Eine Förderung des IEM bräuchte als erstes die Formulierung einer IEM-Definition auf nationaler Ebene. Es müssten Arbeitswerkzeuge entwickelt werden, um die bestehenden übergeordneten Ziele aus der Gesetzgebung auf die

Ebene der Einzugsgebiete ‹herunterzubrechen›, d.h. um einzugsgebietsspezifische Leitbilder und Ziele zu formulieren. Die bestehenden Werkzeuge und Vorgehensweisen müssten aufeinander abgestimmt werden, um Synergien nutzbar zu machen und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren zu vereinfachen.» 5 Thesen zum Integralen Einzugsgebietsmanagement Aufgrund dieser Analysen, Folgerungen und Empfehlungen hat das BAFU in seiner Auslegeordnung Wasserwirtschaft 2007 (H. Aschwanden et al., 2008) vier Thesen zum Einzugsgebietsmanagement verfasst. Aus den rund 110 Rückmeldungen der Umfrage mit klassierten Einschätzungen und Kommentaren lässt sich als vorläufige Auswertung der eingegangenen Umfragebögen folgendes Bild gewinnen: Alle Thesen finden auf einer vierstufigen Skala (1 = nicht einverstanden, 2 = eher einverstanden, 3 = eher nicht einverstanden, 4 = völlig einverstanden) eine hohe durchschnittliche Zustimmung zwischen 3.2 und 3.4. These A: Förderung Integrales Einzugsgebietsmanagement – Differenzierte Anwendung: Integrales Einzugsgebietsmanagement (IEM) ist für viele Herausforderungen eine adäquate Herangehensweise zur Wasser- und Gewässerbewirtschaftung, die in der Schweiz entsprechend gefördert werden soll, sei es durch finanzielle Anreizsysteme durch Bund und Kantone, sei es durch eine stärkere gesetzliche Verankerung im Rahmen der Grundsatzkompetenz des Bundes. Durch eine integrale Sicht werden neue Lösungsansätze ermöglicht. Da ein IEM-Projekt zumeist ein erhöhter Koordinationsaufwand bedeutet, ist der Ansatz nur dort gerechtfertigt, wo ein entsprechender Koordinationsbedarf gegeben ist.

Die Zustimmung zur These A Förderung des IEM-Ansatzes ist mit 85% ausserordentlich hoch (vgl. Abb. 1). Niemand lehnt die These ab, am wenigsten Anklang findet sie bei der WasserkraftnutINGENIEURBIOLOGIE / GENIE BIOLOGIQUE 2/09

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FACHBEITRÄGE

Abbildung 1: These A – Auswertung der klassierten Einstufung (links: prozentuale Verteilung nach Klassen; rechts: mittlere Einstufung nach Sektor) Figure 1: Thèse A – Analyse de la classification (à gauche répartition des classes en %, à droite: classification moyenne selon domaine)

zung. In den Kommentaren wird darauf hingewiesen, dass es Entscheidungshilfen für die Bedarfsklärung (Kosten-Nutzen-Verhältnis, wann ist ein Vorhaben «IEM-würdig», Erfolgsfaktoren) und die optimale Einzugsgebietsgrösse braucht und dass alle raumwirksamen Tätigkeiten mit Wechselwirkungen zum Wasser in den Prozess einzubeziehen sind. Als kritische Punkte werden die Finanzierung und die Gefahr von schwerfälligen Strukturen und Abläufen genannt. These B: Einzugsgebietsmanagement: Integraler Überbau – Sektorale Durchführung: Massnahmen werden auch bei einem IEM-Ansatz sektoral und lokal umgesetzt. Diese orientieren sich an einem Entwicklungskonzept / Leitbild für ein Einzugsgebiet, das einen längerfristigen und überräumlichen Charakter trägt, welches unter einem partizipativen Ansatz mit den Betroffenen ausgearbeitet wird. Ein Einzugsgebietsgremium bildet die Trägerschaft für einen solchen Prozess. Der integrale Aspekt kommt daher vor allem in der Planungsphase sowie beim Monitoring und der Beurteilungsmethodik zum Tragen. Allenfalls kann auch die Bewirtschaftung und Finanzierung sektorübergreifend organisiert sein. 70% stimmen der These B Integraler Überbau – Sektorale Durchführung zu, 17% lehnen sie ab, am ausgeprägtesten die Wasserkraftnutzung. Kritische Äusserungen betreffen die Schaffung neuer Gremien, denn auch beim Ein12

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zugsgebietsmanagement könnten die Kantone und Gemeinden die Entscheidungsträger bleiben. Die Verbesserung der Zusammenarbeit und Koordination zwischen den Sektoren sowie die Stärkung des Vollzugs werden als Alternativen gesehen. Unterschiedliche Prioritäten sektoraler Projekte können zu Umsetzungsproblemen führen. These C: Integrales Einzugsgebietsmanagement – Stolpersteine und Risiken: Dem potentiell längerfristigen Nutzen von IEM-Projekten mit effizienteren, besseren und nachhaltigeren Lösungen steht zunächst bei der Integration von Sektoren, Akteuren und der überräumlichen Abstimmung ein erhöhter Aufwand in der Planungsphase gegenüber. Auch besteht die Gefahr langer Verfahrensdauern und damit ein Risiko der Umsetzungsschwäche und dass IEM-Projekte zu lange in der Planungsphase verharren und auf dem Weg von den Studien zur Massnahmenumsetzung hängen bleiben. Mit 77% erreicht die These C IEM – Stolpersteine und Risiken eine hohe Zustimmungsrate. Diese steht in einem gewissen Gegensatz zum Umfrageresultat der These A, bei welcher die Förderung des IEM noch klarer (85% Zustimmung) befürwortet wird. Die These drückt die Befürchtungen aus: Eine Skepsis bezüglich Komplexität integraler Projekte und zu erwartende Schwierigkeiten der Finanzierung bei der Umsetzung ist offenbar bei vielen Akteuren vorhanden.

Um dem entgegenzuwirken wird vorgeschlagen, etappenweise vorzugehen, einen IEM-Prozess mit einem überschaubaren Kern unbestrittener Massnahmen zu beginnen und entwickeln zu lassen (z.B. mit nur wenigen berücksichtigten Akteuren und Sektoren und loser organisatorischer Zusammenarbeitsform) und mit der Zeit über Erfolgserlebnisse die Akzeptanz von IEM zu steigern und auf einem «IEM-Kontinuum» (vgl. Abb 2) zu vertieften IEM-Formen zu gelangen. These D: Integrales Einzugsgebietsmanagement – Entwicklung von Instrumenten: Für eine vermehrte Anwendung des IEMAnsatzes fehlen noch Grundlagen (Arbeitswerkzeuge wie z.B. Planungsinstrumente und IEM-Leitfaden, Empfehlungen für organisatorische Lösungen und institutionelle Trägerschaften wie z.B. Einzugsgebietsgremien, Vorschläge für sektorenübergreifende Finanzierungsmodelle). Sie müssen entwickelt werden. Mit 69% erhält diese These D IEM – Entwicklung von Instrumenten zwar immer noch eine hohe Zustimmung, aber relativ gesehen unter den IEM-Thesen ist sie am geringsten. IEM ist bereits heute möglich; Instrumente existieren, sie müssten allerdings noch auf ihre Eignung hin geprüft werden. Die Forderung steht im Raum, dass der Bund eine Führungsrolle übernehmen soll, indem er ein Leitbild und einen Rahmen schafft sowie nachvollziehbare Kriterien vorgibt, so dass die betroffenen Akteure eine Vorgabe und Hilfestellung haben, aber noch ausreichend Spielraum für massgeschneiderte Lösungen vorhanden ist. Einem zu starken Zentralismus steht man eher ablehnend gegenüber. Instrumente sollen nur dort entwickelt werden, wo nicht auf Bestehendes zurückgegriffen werden kann. Vorläufige Schlussfolgerungen Die Fachleute der Wasserwirtschaft stehen dem Integralen Einzugsgebietsmanagement grundsätzlich sehr positiv gegenüber. Die Bewertung der Form der Förderung, des Nutzens, der Ausgestal-


FACHBEITRÄGE tung, der Rolle der Akteure und der Entwicklung von Instrumenten fällt je nach Sektor leicht unterschiedlich aus. Am kritischsten äussert sich die Wasserkraftnutzung, die aus ihrer Sicht eher weniger Bedarf sieht. Vom Bund wird erwartet, dass er eine Führungsrolle übernimmt, dadurch dass er Leitlinien setzt, Umsetzungshilfen zur Verfügung stellt und fördernde Rahmenbedingungen schafft. Die Entwicklung von neuen Instrumenten wird nicht als vordringlich erachtet, hingegen wäre es wichtig, den Begriff «integral» über die Wasserwirtschaft hinausgehend zu verstehen.

Dass es sich beim IEM-Ansatz für die Umsetzung nicht um ein «enges Korsett» handelt, bietet auch den Vorteil, dass bei einer zukünftigen Förderung und vermehrtem Einsatz des IEM ausreichend auf die Vielfalt der Bedingungen in der Schweiz eingegangen werden kann. Eine entsprechende Umsetzungshilfe müsste genügend griffig und dennoch flexibel sein. Dies bedeutet, dass konkrete Umsetzungsmodelle und -kriterien für die einzelnen IEM-Elemente bereitzustellen sind, welche z.T. auch auf bereits heute bestehende Methoden und Instrumente zurückgreifen.

6 Überlegungen zu ausgewählten Aspekten rund um die IEM-Thematik

Was genau ist das Einzugsgebiet? – Festlegung des optimalen Bezugsraums Die Frage nach dem Einzugsgebiet bzw. dem optimalen Bezugsraum spricht die Art des Einzugsgebietes, deren Grösse und die Frage der unterschiedlichen Ebenen an: – Soll sich der Bezugsraum streng am hydrologisch-topographischen Einzugsgebiet orientieren? Obwohl eine grundsätzliche Orientierung am hydrologischen Einzugsgebiet aufgrund der unter Kapitel 3 gemachten Erwägungen sinnvoll ist, sollte der Einzugsbegriff nicht zu eng ausgelegt werden. Dies vor allem, wenn die spezifi-

IEM-Kontinuum Der IEM-Ansatz beruht auf einer Reihe von Grundelementen und -prinzipien, ist aber in seinen Vorgaben nicht derart strikt, als dass ein bestimmtes Vorhaben als «IEM» oder «nicht-IEM» klassiert werden könnte. Ausgehend von bestimmten Mindestanforderungen ist es in seiner Ausgestaltung vielmehr als ein Kontinuum zu verstehen (vgl. Abb. 2). Dies zeigt sich auch in den verschiedenen IEM-Typen, welche im Artikel von Maurer in der GWAAusgabe 3/2009 beschrieben sind.

Abbildung 2: Schematische Darstellung des IEM-Kontinuums zur Charakterisierung eines IEM-Vorhabens anhand der Dimensionen «Organisation» und «Massnahmenplanung» Figure 2: Représentation schématique du principe du IEM afin de caractériser un projet IEM dans l’espace «organisation» et «planification de mesures»

schen Verhältnisse dies nahelegen, wie z.B. wenn technische Einzugsgebiete der Versorgungs-/EntsorgungsInfrastrukturen der Wasserwirtschaft einer Region im Vordergrund stehen. Klar ist, dass sich der Bezugsraum nicht an administrativen Grenzen anbinden soll, wenn diese nichts mit den wasserwirtschaftlichen Beziehungen gemein haben. Wesentlich für die Festlegung des Bezugsraums für die anstehenden Aufgaben sind die Raumgrenzen, innerhalb derer sich die Schnittstellen, Abhängigkeiten und Wechselwirkungen manifestieren. Grundsätzlich geht es auch um die Integration raumwirksamer Tätigkeiten ausserhalb der wasserwirtschaftlichen Sektoren. – Bei der Frage nach der «richtigen» Grösse des Einzugsgebietes für ein IEM (die Skalenfrage) können folgende Erwägungen zur Orientierung genannt werden. Das Subsidiaritätsprinzip spricht dafür, die Skala so tief als möglich anzusetzen. Auch für eine Stakeholder- und Öffentlichkeitsbeteiligung ist eine eher tiefe Ansiedlung der Skala günstig, damit eine gewisse Betroffenheit gegeben und der Überblick gewährleistet ist. Dennoch soll der Bezugsraum nicht zu klein gewählt werden, damit eine Abstimmung zwischen den Sektoren und raumwirksamen Tätigkeiten überhaupt stattfinden kann. Auch der Druck zur Professionalisierung der Wasserwirtschaft sowie erhoffte Skaleneffekte können als Argumente ins Spiel gebracht werden, die Bezugsräume nicht zu kleinräumig anzusetzen. Eine weitere Richtschnur für die Wahl des Bezugsraumes ist die räumliche Ausdehnung der Auswirkungen und Abhängigkeiten der relevanten wasserwirtschaftlichen Aktivitäten untereinander (Stichwort «OberliegerUnterlieger»). Das Gros der analysierten IEM-Fallbeispiele (BG Ingenieure & Berater, 2007) bewegt sich im Bereich 100–1’000 km2. – Ist einmal der Bezugsraum für ein IEM festgelegt, können gewisse Randbedingungen und Schnittstellen zu höheren Ebenen eine Rolle spielen, wenn diesbezüglich relevante wasserwirtINGENIEURBIOLOGIE / GENIE BIOLOGIQUE 2/09

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FACHBEITRÄGE schaftliche Beziehungen bestehen (z.B. Schadstofffrachten im übergeordneten See-Einzugsgebiet oder Wasserüberleitungen aus einem benachbarten Einzugsgebiet etc.). Es kann also sein, dass sich zwei oder allenfalls auch drei Ebenen von Bezugsräumen mit entsprechender Verschachtelung aufdrängen. Im Sinne des «IEM-Kontinuums» ist dabei das IEM auf der tiefsten räumlichen Stufe am ausgeprägtesten und beschränkt sich auf der höheren Ebene allenfalls auf eine lose Koordination. Integralität vor allem in der Planungsphase Bei allem Potenzial integraler Ansätze ist aber stets vor Augen zu halten, dass der integrale Aspekt in einem idealisierten Projektzyklus vor allem in den Phasen des «Denkens», also vor allem in der Planung, stattfindet. Das «Handeln», also die Umsetzung einzelner Massnahmen, ist und kann sektoral und lokal bleiben (vgl. Abb. 3).

Prozesscharakter und die Frage der Trägerschaft Damit der Prozess des IEM nach der Planungsphase nicht versiegt, braucht es eine Instanz, die den ganzen Prozess «trägt». Eine solche Trägerschaft, die den nötigen «Schub» für den Prozess, deren Kontinuität und die Kohärenz zwischen den strategischen und den operativen Phasen sicherstellt, braucht dabei keine schwerfällige organisatorische Struktur zu sein, wie oft befürchtet wird. Der Institutionalisierungsgrad einer solchen Trägerschaft kann sich zwischen einer losen Koordinationsplattform («Prozesskatalysator») und einem formalen Gremium («Prozessmotor») bewegen. IEM und Regionale Entwässerungsplanung (REP) Wie den Ausführungen zu entnehmen ist, steht die Planungsphase, also die Abstimmung der sektoralen Ziele, die aus einem partizipativen Prozess resultierende Formulierung von strategischen Gewässerentwicklungszielen sowie die

Abbildung 3: Idealisierter Projektzyklus: IEM vor allem in den Phasen des «Denkens», in den Phasen des «Handelns» eher sektorale Aktivitäten Figure 3: Déroulement idéalisé d’un projet: la gestion intégrée s’applique avant tout à la phase de planification («réflexion»), les phases d’exécution («action») peuvent se faire par secteur

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Ableitung von Bewirtschaftungs- und Massnahmenplänen, bei einem IEM-Ansatz sehr stark im Zentrum. Was die Planung betrifft, beinhaltet der Regionale Entwässerungsplan REP (S. VSA, 2000) bereits die wesentlichen Elemente. IEM ist aber gesamtwasserwirtschaftlichen Ursprungs und geht über den Bereich der Siedlungswasserwirtschaft hinaus. Es nimmt neben den Planungsaspekten auch andere Elemente auf, wie etwa die Frage der Trägerschaft des IEM-Prozesses, Fragen der Stakeholder- und Öffentlichkeitsbeteiligung, finanzielle Aspekte und Monitoring. Das «richtige Mass» an Integration – Kosten-NutzenÜberlegungen Bei der Forderung nach einer integralen Wasserwirtschaft ist eine Differenzierung bezüglich des «richtigen Masses» vorzunehmen. Ein integraler Ansatz ist mit einem Aufwand verbunden, der umso grösser wird, je mehr Aspekte aufgenommen, je mehr Sektoren berücksichtigt und Akteure beteiligt werden. Damit die damit verbundenen «Transaktionskosten» gerechtfertigt sind, muss ihnen zumindest ein gleichwertiger Nutzen gegenüberstehen (vgl. Abb. 4). Dies soll nicht als grundsätzliches Argument gegen integrale Ansätze verstanden sein, denn bei entsprechendem Koordinationsaufwand lohnt sich der Aufwand. Überdies bestimmt auch die Art und Weise, wie man an ein Problem herangeht, die Lösungsfindung. Deswegen ist mit integralen Ansätzen auch die Erwartung nach neuartigen, besseren Lösungen verbunden, da diese das Bewusstsein stärken, dass man sich mit seinem Tun und Handeln in einem System bewegt, in dem es Abhängigkeiten und Wechselwirkungen mit anderen Sektoren und im Raum gibt. Abbildung 4 soll veranschaulichen, dass es bei «Integration» nicht um «l’art pour l’art» gehen darf, sondern der jeweils gegebenen Komplexität und dem tatsächlichen Koordinationsbedarf entsprechen muss. In der Gewässerschutzgesetzgebung ist dieser Gedanke bereits im entsprechenden Artikel zum REP (GSchV, Art. 4) durch den Konditionalsatz festgehalten:


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Abbildung 4: Integrale Bewirtschaftungsansätze und Transaktionskosten: «das richtige Mass» Figure 4: Opérations de géstion intégrée et coûts de transfer: «le bon ratio»

«Die Kantone sorgen für die Erstellung eines regionalen Entwässerungsplanes (REP), wenn zur Gewährleistung eines sachgemässen Gewässerschutzes in einem begrenzten, hydrologisch zusammenhängenden Gebiet die Gewässerschutzmassnahmen der Gemeinden aufeinander abgestimmt werden müssen». Wollte man dies auf die gesamte Wasserwirtschaft verallgemeinern, so könnte dereinst ein entsprechender Artikel lauten: Die Kantone sorgen für die Erstellung eines integralen Gewässerbewirtschaftungsplanes, wenn zur Gewährleistung eines nachhaltigen Umganges mit den Wasserressourcen, Gewässern und Infrastrukturen die wasserwirtschaftlichen Massnahmen in einem Einzugsgebiet aufeinander abgestimmt werden müssen. 7 Ausblick Im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Schweizer Wasserwirtschaft sind von verschiedener Seite Entwicklungen angestossen worden, die in Richtung integraler Bewirtschaftungsansätze weisen. Das Einzugsgebiet als Wirkungs-, Planungs- und Bewirtschaftungsraum als

räumliche Bezugsebene spielt dabei stets eine zentrale Rolle. Es hat sich aber auch gezeigt, dass man hier nicht bei Null anfängt, sondern dass einzelne Kantone bereits eine Vorreiterrolle einnehmen, Instrumente zum Teil schon vorliegen (z.B. REP) und manche Sektoren und Akteure dem Thema offener, andere reservierter begegnen. Diverse Projekte und Vorhaben verfolgen bereits seit langem einen Einzugsgebiets-bezogenen Ansatz, wo dies aufgrund eines offensichtlichen Koordinationsbedarfs aus ganz pragmatischen Gründen angezeigt war. Will man eine breitere Anwendung, sind aber geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen und entsprechende Hilfs- und Fördermittel bereitzustellen. Die Wasser-Agenda 21 hat die Thematik Integrales Einzugsgebietsmanagement als eines ihrer zentralen Handlungsfelder definiert (S. Vollenweider, 2006). Zu diesem Zweck wurde eine Arbeitsgruppe IEM eingesetzt. Diese hat in einem Arbeitsprogramm die IEMAktivitäten für die Jahre 2009–2010 festgelegt. In einem ersten Schritt ist vorgesehen, ein Leitbild und Positionspa-

pier zu IEM zu verfassen. Dieses soll a) die Motivation und den Nutzen von IEM aufzeigen, b) eine Definition darlegen, c) die Elemente, aus denen ein IEM besteht, beschreiben und erläutern und d) strategische Umsetzungsziele für IEM in der Schweiz formulieren. Dieses Dokument wird als Orientierungsrahmen für die weiteren vorgesehenen IEM-Aktivitäten (Analyse des rechtlichen Spielraumes, Förderstrategien, Umsetzungshilfen-Wegleitungen) dienen. Um auf der praktischen Ebene Erfahrungen zu sammeln und Signale zu setzen, wurden Ende 2006 die Kantone angefragt, mögliche IEM-Pilotprojekte zu nennen, an welchen sich das BAFU finanziell beteiligt. Die damit verfolgten Ziele sind: – Praxiserfahrung gewinnen durch Förderung integraler Projekte generell und für den Bund für seine Konzipierungsarbeiten in Richtung Weiterentwicklung der Schweizer Wasserwirtschaft, – Signal setzen seitens des Bundes, – aus den im Rahmen der Pilotprojekte entwickelten Instrumente schweizweit Nutzen zu stiften (Transfer von Lösungsansätzen), – mit guten Beispielen einen AkzeptanzEffekt zu erzielen. Entsprechende Projekte laufen zurzeit in den Kantonen Jura, Neuenburg, Genf und Schwyz. Mit weiteren Kantonen bestehen Kontakte und Interessen. IEM ist ein aktuell sehr prominentes, oft genanntes und mit erheblichen Erwartungen versehenes Mittel auf dem Weg der Weiterentwicklung der Schweizer Wasserwirtschaft. Darauf kann und soll es sich aber angesichts der Herausforderungen nicht beschränken. Wie in Kapitel 2.3 beschrieben, läuft derzeit die Auswertung der Umfrage zum Bericht «Wasserwirtschaft Schweiz 2007 – Thesen zur Weiterentwicklung» (H. Aschwanden et al., 2008). Damit wird ein sehr breit abgestütztes und geschärftes Meinungsbild zu Problemen, Herausforderungen und Handlungsbedarf der Schweizer Wasserwirtschaft vorliegen. Nach diesem Analyseschritt und auf dessen Resultaten aufbauend ist vorgesehen, Handlungsoptionen zu entwickeln, wie die Schweizer Wasserwirtschaft anINGENIEURBIOLOGIE / GENIE BIOLOGIQUE 2/09

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FACHBEITRÄGE gepasst und ausgestaltet sein müsste, um dem identifizierten Handlungsbedarf zu begegnen. Unterstützt wird dies auch durch das neue Nationale Forschungsprogramm NFP 61 «Nachhaltige Wassernutzung» (www.nfp61.ch). Literaturverzeichnis ASCHWANDEN H., PFAUNDLER M., VOLLENWEIDER S. (2008): Wasserwirtschaft Schweiz 2007 – Thesen zur Weiterentwicklung. Bericht BAFU, Bern. www.umwelt-schweiz.ch/wawi-schweiz BG Ingenieure & Berater (2007): Beschreibung und Analyse von Fallbeispielen zum integralen EinzugsgebietsManagement (IEM). Expertenbericht im Auftrag des BAFU, Bern. www.umweltschweiz.ch/wawi-schweiz Eidg. Studienkommission «Aufgabenteilung Bund/Kantone im Bereich der Wasserwirtschaft», Schlussbericht, 16.4. 1980, Bern. ERNST BASLER + PARTNER (2007): Systemanalyse Wasserwirtschaft Schweiz. Expertenbericht im Auftrag des BAFU, Zollikon. www.umwelt-schweiz.ch/wawischweiz ERNST BASLER + PARTNER (2007-2): Wasserwirtschaft Schweiz 2025 – Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten. Expertenbericht im Auftrag BAFU und BaslerFonds, Zollikon. www.umweltschweiz.ch/wawi-schweiz Global Water Partnership http://www.gwpforum.org

(GWP):

Perspektivstab der Bundesverwaltung (2007): Herausforderungen 2007 bis 2011 – Trendentwicklungen und mögliche Zukunftsthemen für die Bundespolitik, Bern. OECD (2007): Umweltprüfberichte Schweiz. Bundesamt für Umwelt, Bern. 264 S. UNO – Wirtschafts- und Sozialrat – Weltgesundheitsorganisation: Protokoll über Wasser und Gesundheit zu dem Übereinkommen von 1992 zum Schutz und zur Nutzung grenzüberschreitender Wasserläufe und Seen, 17.6.1999, Dritte Ministerkonferenz Umwelt und Gesundheit, Genf. 16

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VOLLENWEIDER S. (2006): WasserAgenda 21 – Zukunftsstrategien für die schweizerische Wasserwirtschaft. GasWasser-Abwasser, 7/2006, 557-562. VSA (2000): Der Regionale Entwässerungsplan (REP). Empfehlungen für die Bearbeitung des REP im Rahmen einer ganzheitlichen Gewässerplanung.

Anmerkung Die im Text angesprochene Auswertung der Umfrage «Wasserwirtschaft Schweiz 2007» ist inzwischen abgeschlossen und die Resultate im gwa 3/2009 sowie im Internet (www.umwelt-schweiz.ch/ wami-schweiz) publiziert.

Adresse der Autoren Hugo Aschwanden, Dr. phil. nat. Sektionschef Gewässerbewirtschaftung hugo.aschwanden@bafu.admin.ch Martin Pfaundler, Dr. sc. techn. martin.pfaundler@bafu.admin.ch Bundesamt für Umwelt BAFU CH-3003 Bern Tel.: +41 31 324 76 70 Fax: +41 31 323 03 71


FACHBEITRÄGE

IEM als Koordinationsaufgabe bei Glatt und Sitter Hans Bruderer (Dieser Artikel wurde übernommen aus: gwa 3/2009.) Zusammenfassung Glatt und Sitter sind Nebenflüsse der Thur. Beide Einzugsgebiete erstrecken sich über mehrere Kantone – und weisen eine ähnliche Problematik auf: Das Verhältnis zwischen Abwasser und Flusswasser ist ungünstig. In den Achtzigerjahren wurden die Glatt- und die Sitterkommission gegründet, die sich seit damals der Gesundung der Flüsse widmen: Die Kommissionsmitglieder leiten die Überwachung, dienen als Informations- und Koordinationsplattform und begleiten kantonsübergreifend Massnahmen für eine Verbesserung der Flussqualitäten. Bearbeitet werden alle betroffenen Themen in den hydrologischen Einzugsgebieten. Diese Kommissionen können im Sinne des IEM als Koordinationsgruppen bezeichnet werden.

Mots-clés Glatt, Sitter, stations d’épuration, qualité des eaux

Einzugsgebiet von Glatt und Sitter

Einzugsgebiet

Glatt

Sitter

88 km2

340 km2

25 km

70 km

AR, SG

AI, AR, SG, TG

Länge Kantone

1 Die Glatt Die Glatt ist ein kleiner voralpiner Fluss. Er entspringt bei Schwellbrunn (AR), auf rund 900 m ü. M., und mündet bei Oberbüren (SG) in die Thur (Abbildung 1). Mit Ausnahme des tangierten Siedlungsgebietes ist die Glatt naturnah und unverbaut – abgesehen von älteren Wehranlagen. Das Einzugsgebiet jedoch ist dicht besiedelt, stark industrialisiert und intensiv landwirtschaftlich genutzt (Tabelle 1). Für die Gewässerqualität von besonderer Bedeutung sind die Tatsachen, dass die Glatt ein schwacher Vorfluter ist, mit

Mittlerer Abfluss Q347

2,55 m3 /s

10,3 m3 /s

(Oberbüren)

(St.Gallen)

0,46 m3 /s

1,82 m3 /s

Anteil Abwasser bei 57%

19%

Bevölkerung

48'000

65'000

EW

92'000

97'000

Q347

Tabelle 1: Einzugsgebiet von Glatt und Sitter Tableau 1: Bassin versant des rivières Glatt et Sitter

einem sehr schlechten Mischungsverhältnis Abwasser zu Bachwasser. Und dass das Glatteinzugsgebiet ein Zentrum der abwasserintensiven Textilver-

Keywords Glatt, Sitter, Kläranlagen, Wasserqualität

GIBV, un organe de coordination pour les rivières Glatt et Sitter (cet article a été repris de gwa 3/2009) Résumé La Glatt et la Sitter sont des affluents de la Thur. Ces deux bassins versants s’étendent sur plusieurs cantons et posent le même problème: le rapport entre eaux usées et eaux de rivières est défaborable. L’assainissement de ces deux rivières est géré par deux commissions ad hoc, créées dans les années quatrevingts. Ces commissions pilotent la surveillance des deux cours d’eau et font office de plateforme d’information et de coordination. Elles superviesent également les mesures supracantonales pour l’amélioration de la qualité des rivières. Ces commisssions sont des groupes de coordination au sens du modèle GIBV.

Abbildung 1: Einzugsgebiet Thur/Sitter/Glatt (AfU Appenzell Ausserrhoden) Figure 1: Bassin versant Thur/Sitter/Glatt (AfU Appenzell Ausserrhoden)

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FACHBEITRÄGE edlungsindustrie darstellt. Der Anteil Abwasser bei Q347 beträgt heute bei der Einmündung in die Thur 57%. Zu Beginn der Achtzigerjahre wurde das Abwasser auf fünf kommunalen Kläranlagen gereinigt: Schwellbrunn, Herisau, Degersheim, Gossau und Flawil. Der Anteil der Abwässer aus der Textilveredlungsindustrie erreichte dabei auf einzelnen Kläranlagen mengenmässig bis 20%, frachtmässig bis 50%. Als besonders problematisch erwiesen sich dabei die grossen Mengen an schlecht abbaubaren oder hemmenden Abwasserinhaltsstoffen. Diese stammten zum einen aus der Entschlichtung der Gewebe, zum andern aus der Gewebeveredlung und dem Textildruck. Die resultierenden DOC-Gehalte im Vorfluter waren überdies auch wegen der Grundwasserinfitration im nachfolgenden Thurbereich als problematisch einzustufen. Einen zweiten Problemschwerpunkt bildeten die hohen Ammonium/Ammoniak-Konzentrationen; Folge der mehrheitlich fehlenden Nitrifikation der Kläranlagen. Darüber hinaus genügte die Glatt auch bezüglich der optischen Aspekte (Farbigkeit, Schaum, Veralgung) den Qualitätszielen in keiner Weise. 2 Ziel: Bessere Wasserqualität Ziel war, die Sanierung des Gewässers zu erreichen durch die ökologisch und ökonomisch optimale Abstimmung von Massnahmen bei den Abwasserproduzenten und den kommunalen Kläranlagen. Dies setzte eine gemeinde- und kantonsübergreifende Zusammenarbeit und eine Abstimmung der Massnahmen voraus. Aufgrund ihres grossen Einflusses auf Abwasserquantität und -qualität kam dabei der Sensibilisierung und Einbindung der Textilindustrie, aber auch der aufstrebenden Lebensmittelindustrie, besondere Bedeutung zu. Nachdem eine chemische und biologische Untersuchung den schlechten Zustand der Glatt dokumentierte, wurde 1984 – im Sinne einer Krisenlösung – unter Federführung der Baudirektoren aus Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen die AG Glattsanierung (= Glattkommission) gegründet. Von Beginn weg waren die Gemeinden, Textilindustrie, Forschung und kantonalen Umweltämter 18

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darin vertreten. Aufgrund der Abwasserbeschaffenheit respektive um den öffentlichen Aufwand in vertretbarem Rahmen zu halten, musste eine kombinierte Strategie gewählt werden, um das Ziel zu erreichen. Die Glattkommission wurde daher beauftragt, notwendige Abklärungen durchzuführen und erforderlichen Massnahmen für die schrittweise Gesamtsanierung vorzuschlagen. Dabei stand vor allem die Verbesserung der Wasserqualität im Vordergrund; andere Gewässerschutz-Aspekte wie Renaturierung verbauter Abschnitte, RegenwasserBehandlung usw. waren von untergeordneter Bedeutung. 3 Erreichung: Kommission für die Glatt Die Glattkommission umfasst Vertreter der kantonalen Umweltämter von Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen, aller Glattgemeinden, Interessen- resp. Branchenvertreter aus Industrie und Landwirtschaft sowie Fachspezialisten. Die operativen Arbeitsgruppen in der Glattkommission bestehen aus Mitgliedern der Kommission sowie aus zugezogenen Experten und Interessenvertretern. Je nach Art der Aufgabe handelt es sich dabei um ständige oder projektbezogene Arbeitsgruppen, die nach Abschluss ihrer Arbeit stillstehen respektive wieder aufgelöst werden. Die Finanzierung der Arbeiten der Glattkommission Parameter

GUS BSB5 DOC Durchsichtigkeit (nach Snellen) NH4 -N NO2 -N (Nitrit) Adsorbierbare org. Halogenverbindungen AOX Ptot. Schaum Farbigkeit

Geruch

Grenzwert GschV

und deren Arbeitsgruppen erfolgt projektorientiert. Grundsätzlich stellen dabei die öffentlichen Institutionen (Ämter, Gemeinden, öffentliche Forschungsanstalten) ihre Arbeit und Infrastruktur unentgeltlich zur Verfügung. Die Projektfinanzierung wird fallweise festgelegt. Ein Spezialfall ist die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit. Sie wird ausschliesslich durch die Gemeinden finanziert. Unten stehende Arbeitsgruppen befassen sich mit folgenden Themen: • AG Öffentlichkeitsarbeit: Glattblatt, Plakatwettbewerbe, Glatttag, Ausstellungen • AG Überwachung: Gewässerüberwachung, Erfa ARA • AG Landwirtschaft: Düngepraxis • AG Industrie: pionierhafte Kooperation Industrie, Behörden, Wissenschaft – Abwasservorbehandlung – Abbaubare Schlichten – Grüne Textil-Chemikalien – Teilstrombehandlung in Textilindustrie – PVA: Frachtbegrenzungen Zurzeit aktiv sind die Arbeitsgruppen «Öffentlichkeitsarbeit» und «Überwachung». 4 Massnahmen: So gesundet die Glatt Bis heute wurden in verschiedenen Bereichen Massnahmen zur Gesundung der Glatt umgesetzt: bisheriger Grenzwert ARA Herisau 29.3.1995 5 mg/l 5 mg/l 90% RE Richtwert: 4-6 mg/l 85% RE 30 cm

neu vorgesehener Grenzwert ARA Herisau unverändert unverändert

2 mg/l (über 10°C) 90% RE 0,3 mg/l (Richtwert) 0,08 mg/l

1 mg/l (über 10°C) 90% RE 0,3 mg/l

unverändert unverändert

0,08 mg/l

unverändert

0,8 mg/l 80% RE kein Schaum keine Verfärbung

0,8 mg/l 80% RE kein Schaum keine Verfärbung

kein störender Geruch

kein störender Geruch

0,3 mg/l 90% unverändert DFZ436 = 0,4 DFZ525 = 0,15 DFZ620 = 0,1 unverändert

15 mg/l 15 mg/l 90% RE 10 mg/l 85% RE 30 cm

4 mg/l 90% RE unverändert

Tabelle 2: Grenzwerte ARA Herisau für die Einleitung in die Glatt (90% Werte) Tableau 2: Valeurs seuils (à 90%) pour les eaux réstituées à la rivière Glatt à la STEP Herisau


FACHBEITRÄGE 4.1 Kläranlagenausbau/ Einleitbedingungen Für alle Einleiter wurden neue verschärfte Einleitbedingungen erarbeitet und durch die Kantone verfügt (Tabelle 2): • Die Kläranlage Herisau wurde auf die verschärften Einleitbedingungen ausgebaut und die kleine Anlage Schwellbrunn aufgehoben. • Die Gemeinden Flawil, Gossau und Degersheim haben einen Abwasserverband gebildet und bauten in Flawil eine neue ARA. Die Anlagen in Gossau und Degersheim wurden aufgehoben. • Die Industrie konnte – in Kenntnis von Einkaufssummen, Abwasserkosten und alternativen Vorbehandlungsprozessen – die industrierelevante Ausbaugrösse der Kläranlagen mitbestimmen. • Das Verursacherprinzip wurde durch die Einführung frachtabhängiger Abwassergebühren umgesetzt. 4.2 Industrie und Gewerbe • Seit 1991 werden die Schlichteprodukte gesamtschweizerisch so gewählt, dass die Schlichteflotten zu mindestens 80% biologisch abbaubar sind. • Die Abwasserselbstkontrolle wurde in allen Betrieben eingeführt. Sie bildet für die Betriebe ein wichtiges Führungsinstrument bei der Optimierung bestehender und der Bewertung neuer Produktionsprozesse. Dies auch in Verbindung mit den frachtabhängigen Abwassergebühren. Das Modell «Abwasserselbstkontrolle» wurde auch für andere abwasserrelevanten Betriebe der beiden Kantone übernommen. • Konzentrierte Appretur- und Farbflotten sowie Druckpasten werden im Teilstrom erfasst, nach Möglichkeit rezykliert resp. via Verbrennung entsorgt. • Die Abwasservorbehandlungsanlagen wurden optimiert. So konnte die Entfärbung markant verbessert werden. • Alternative Abwasservorbehandlungen wie Nassoxidation oder Anaerobie wurden im Rahmen von Forschungsprojekten der ETH bis zur Projektreife entwickelt – und sind heute teilweise realisiert. Dies unter mass-

geblicher Beteiligung der Glatt-Textilveredlungsbetriebe. • Das gestiegene ökologische Bewusstsein hat sich in einzelnen Betrieben in der Firmenstrategie und dem entsprechenden Marktauftritt niedergeschlagen. 4.3 Öffentlichkeitsarbeit Durch eine konstante Öffentlichkeitsarbeit sollen Bevölkerung und Betriebe sensibilisiert und zu einem umweltgerechteren Verhalten geführt werden: • Von 1993 bis 1998 wurde periodisch die Zeitung «Glatt aktuell» an alle Haushaltungen in der Region verteilt. • Für Schulklassen wurde ein grosser Plakatwettbewerb veranstaltet. • Weit über dreissig Veranstaltungen und Aktivitäten in sieben Gemeinden rund um die Glatt haben den GlattTag vom 30. August 2003 zu einem Erlebnistag werden lassen. Unter dem Motto «Von der Quelle bis zur Mündung» wurden lehrreiche, spannende und sinnvolle Möglichkeiten zum Erleben, Mitmachen und Entdecken geboten. Das Ziel, einen nachhaltigen Denkanstoss für die Sorge um unsere Gewässer geben zu können, ist mit dem Erlebnistag sehr gut gelungen. • Seit 2004 erscheint das Glattblatt einmal jährlich mit Berichten und Geschichten über die Glatt und die Menschen an der Glatt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Glattblatt 2008 (AfU Appenzell Ausserhoden) Figure 2: Journal de la rivière Glatt (AfU Appenzell Ausserrhoden)

Ebenso wird unter www.ueseriglatt.ch im Internet informiert. • In den nächsten zwei Jahren nimmt die Glattkommission in allen Glattgemeinden an Messen und Ausstellungen teil. Der Start erfolgte im Herbst 2008 an der HEMA in Herisau. Viele interessante Gespräche und Kontakte fanden statt und liessen die Ausstellung zu einem grossen Erfolg werden (Abbildung 3).

Abbildung 3: Ausstellungsstand Glattkommission (AfU Appenzell Ausserhoden) Figure 3: Stand d’exposition de la commission pour la rivière Glatt (AfU Appenzell Ausserrhoden)

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FACHBEITRÄGE 5 Evaluation: Glatt heute sauberer Durch den Ausbau der Abwasserreinigungsanlagen konnte die Situation gegenüber den 1980er- und 1990er-Jahren deutlich verbessert werden. Heute hat es beispielsweise weniger fischgiftige Stickstoffverbindungen im Wasser. Biologische Untersuchungen im Jahre 2005 zeigen auch, dass sich die Lebensbedingungen für die Kieselalgen leicht verbessert haben. Deutlich verbessert hat sich auch der Lebensraum für die wirbellosen Wassertiere. Die Glatt ist nachweislich sauberer als früher. Dennoch: Der Anteil an Industrieabwasser im Zulauf der Kläranlagen ist immer noch erheblich. In Herisau sind die Reinigungskapazitäten der Anlage heute bereits erreicht. Dies führt dazu, dass auch der Gehalt an organischen Schmutzstoffen ab der ARA im ganzen Flussverlauf weiterhin zu hoch ist. Ebenfalls hoch sind die Konzentrationen für Phosphat. Deutlich belastet ist die Glatt auch mit Mikroverunreinigungen von Schmerzmitteln und einzelnen Antibiotikawirkstoffen. Auch Schaum, Geruch, Verfärbung und Trübung beeinträchtigen noch zu häufig das Bild der Glatt (Abbildung 4). Für eine saubere Glatt ist es zwingend und wichtig, dass die Kläranlagen stets

eine einwandfreie und optimale Reinigungsleistung aufweisen. Deren Kapazitäten sind jedoch begrenzt. Vor allem das Abwasser aus der Industrie unterliegt bezüglich Menge und Belastung starken – und auch kurzzeitigen – Schwankungen. Deshalb sind die zulässigen Abwasserfrachten aus den Industriebetrieben begrenzt und müssen möglichst gleichmässig zu den ARA abgeleitet werden. Angesichts der zunehmenden Abwasserfrachten aus der Industrie ist dies für eine gute Funktionsweise der Anlagen besonders wichtig. Ebenso sind weitere Anstrengungen zu unternehmen, um die schwer abbaubaren Stoffe im Industrieabwasser so früh als möglich zu reduzieren; denn diese können in den ARA nicht eliminiert werden. So sind für die ARA in Herisau und für die ARA in Flawil Massnahmen in Vorbereitung, um organische Schmutzund Schadstoffe im Abwasser weiter zu reduzieren. Und um die neu vorgesehenen Einleitbedingungen (Tabelle 2) einhalten zu können, plant Herisau den Einbau einer Pulveraktivkohlen-Stufe. 6 Sitter: Intensiv genutzt von vier Kantonen Nicht nur die Glatt ist vielfach unrein: Auch die Sitter, denn der Hauptfluss und die Zuflüsse werden streckenweise intensiv und mannigfaltig genutzt. Die Sit-

Abbildung 4: Farbigkeit und Schaum in der Glatt (AfU Appenzell Ausserrhoden) Figure 4: Coloration et mousse dans la rivière Glatt (AfU Appenzell Ausserrhoden)

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ter hat ihren Ursprung im Alpstein und mündet nach etwas mehr als 70 km bei Bischofszell in die Thur. Ihr Einzugsgebiet hat eine Grösse von 340 km2 und liegt zwischen 2502 und 470 m ü. M. Als eine der wichtigen Gewässeradern der Ostschweiz fliesst die Sitter durch die vier Kantone Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen und Thurgau (Abbildung 1 und Tabelle 1). So koordinieren die anstossenden Kantone und Gemeinden ihre Aufgaben und Tätigkeiten für eine gesunde Sitter. Die Sitterkommission wurde bereits 1986 als Fachkommission ins Leben gerufen. Sie besteht aus Gewässerfachleuten der vier Kantone, der Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons St. Gallen, des Entsorgungsamtes der Stadt St. Gallen (ESA), der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) und der Gemeinde Wittenbach. Die Kommission war aktiv bemüht, den Zustand der Sitter aus chemisch-physikalischer und aus biologischer Sicht zu dokumentieren und die gewässerrelevanten Einflüsse im Einzugsgebiet der Sitter zu untersuchen. Die Arbeiten wurden nach Vorliegen von umfangreichen chemischen und biologischen Untersuchungen 1993 jedoch eingestellt. 6.1 Arbeitsgrundlage «Bericht zur Sitter» Mit dem Ausbau der Kläranlage St. Gallen-Au und der damit verbundenen Stilllegung der Kläranlage Hätterenwald – sowie mit verschiedenen Konzessionserneuerungen von Wassernutzungen – standen an der Sitter wichtige Vorhaben an. Aber auch der unbefriedigende Zustand der Sitter war Anlass, die Kommission im Jahr 1998 zu reaktivieren. Sie beschloss, die Sitter wiederum überwachen zu lassen. In einem «Bericht zur Sitter» wurden alle gewässerrelevanten Aspekte erläutert, eine gesamtheitliche Beurteilung der Situation vorgenommen und konkrete Massnahmenvorschläge unterbreitet und priorisiert. Der Bericht diente der Information der interessierten Öffentlichkeit – war aber auch Grundlage für die Interessenabwägung bei konkreten Fragestellungen und für die Erfolgskontrolle von umgesetzten Massnahmen.


FACHBEITRÄGE Der Sitterbericht zeigte den Handlungsbedarf in folgenden Gebieten: 6.1.1 Gewässerqualität Die Ursachen für den Fischrückgang und die Sohlenerosion sind durch gezielte Untersuchungen zu eruieren. Die chemische Belastung – insbesondere die Belastung mit fischtoxischen Verbindungen und mit schwer abbaubaren organischen Verbindungen – kann weiter reduziert werden. Dies durch konsequenten Ausbau der Abwasseranlagen auf vollständige Nitrifikation und durch spezifische Massnahmen in Industriebetrieben. Mit dem Ausbau der Kläranlagen Appenzell und St. Gallen-Au und der Stilllegung der Kläranlage Hätterenwald erfolgte diesbezüglich ein für die Sitter äusserst wichtiger Schritt. 6.1.2 Wasserentnahmen Die Restwasserproblematik kann jeweils erst im Rahmen der Neukonzessionierung einer Anlage verbessert werden. Die Restwassermengen müssen entsprechend den Vorgaben des Gewässerschutzgesetzes und naturwissenschaftlicher Kriterien angepasst werden. 6.1.3 Gewässerstruktur Die Durchgängigkeit der Sitter muss verbessert und die Vernetzung der Hauptgewässer mit den Seitengewässern (Laichgebiete für die Fische) gefördert werden. Hart verbaute Uferabschnitte

sollen nach Möglichkeit aufgelockert und aufgewertet werden. Infolge der Neukonzessionierungen werden an den Wehren Fischaufstiegshilfen erstellt. Dadurch wird die Sitter auf ca. 37 km Länge – zwischen dem Wehr bei Sitterdorf und der Fassung der SAK in der List bei Stein – für Fische durchgängig werden. 6.1.4 Landschafts-/Naturschutz Aus Sicht des Natur- und Landschaftsschutzes ist das Tal der Sitter in seiner Ursprünglichkeit zu bewahren. Eine Ausscheidung als Waldreservat wird im Rahmen überkantonaler Abklärungen diskutiert. Die Sitterkommission hat direkt keine Kompetenzen. Sie überwacht und koordiniert die Aktivitäten, die durch die zuständigen Stellen umgesetzt werden müssen. Periodisch wird eine Umsetzungskontrolle durchgeführt und zuhanden der Baudirektoren der vier Kantone Bericht erstattet. 7 Fazit: Koordination bei Glatt und Sitter bewährt sich Die beiden Koordinationsgruppen von Sitter und Glatt haben sich seit Jahren bewährt. Dank der institutionalisierten und langjährigen Zusammenarbeit konnten grosse Fortschritte erreicht werden. Wesentlich ist dabei auch das auf Vertrauen basierende Netzwerk zwischen politischen Gemeindevertretern,

Fachleuten der beteiligten Kantonen und Industrie. Speziell an der Glatt konnten auf diese Weise Win-win-Lösungen entwickelt werden. Ein grosser Vorteil des gewählten Vorgehens ist, dass keine neuen gesetzlichen Regelungen und Zuständigkeiten definiert werden müssen. Die Kommissionsarbeit basiert auf dem Konsensprinzip, daraus abgeleiteten Massnahmen werden im Rahmen der geltenden Zuständigkeiten umgesetzt. Dies setzt voraus, dass Bereitschaft und Motivation zur Problemlösung vorhanden sind. Fest steht: Organisationsform wie auch das Einzugsgebiet sind auf die konkrete Problemstellung anzupassen. So hat sich im über zwei Kantone und nur wenige Gemeinden umfassenden Einzugsgebiet der Glatt der Einbezug der Kommunen absolut bewährt – ja sogar als ein unabdingbarer Erfolgsfaktor ausgezeichnet. Anders sieht es bei der Sitter aus, wo die Betroffenheit der Gemeinden weniger direkt ist. Denn das Einzugsgebiet umfasst vier Kantone und wesentlich mehr Gemeinden. Dies erschwert die konkrete Umsetzung des Massnahmenplans. So muss die Politik im Nachhinein für die Umsetzung von Massnahmen gewonnen werden. Doch die Beispiele von Glatt und Sitter belegen, dass regionale, fachlich fundierte Arbeit an der Basis durchaus auch Anstoss sein kann für übergreifende Branchenlösungen oder neue nationale respektive internationale Ansätze. So kann sich eine langjährige und konstante Zusammenarbeit in einem besseren Umweltzustand auswirken (Abbildung 5). Und das ist erfreulich. Adresse des Autors Hans Bruderer Amt für Umwelt Appenzell Ausserrhoden Kasernenstrasse 17 CH-9102 Herisau E-Mail: hans.bruderer@ar.ch

Abbildung 5: Die Glatt (Herbert Mäder, 2003) Figure 5: La rivière Glatt (Herbert Mäder, 2003)

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FACHBEITRÄGE

Swissrivers.ch: une nouvelle plateforme de prévision des débits des rivières suisses Frédéric Jordan, Philippe Heller Résumé Le site www.swissrivers.ch offre des prévisions de débit des cours d'eau suisses ainsi que des prévisions de niveau des lacs et retenues de barrages. Les prévisions, actualisées 2 fois par jour à 5 h 45 et 17 h 45, portent sur les 30 prochaines heures. Ces données sont accessibles sur 2500 bassins versants et 1500 cours d'eau, ainsi que 60 lacs et retenues. L'accès aux informations est particulièrement aisé grâce à l'interface géographique intuitive développée. Les prévisions de débit sont calculées grâce aux prévisions météorologiques du modèle COSMO7 qui fournit des prévisions quantitatives horaires de précipitations et de températures à une résolution de 6,6 km et jusqu'à un horizon opérationnel de 66 heures. Le calcul hydrologique est effectué sur la base du modèle GSM-SOCONT, qui est un modèle de calcul conceptuel semi-distribué. Les processus pris en compte par le modèle pluie-débit sont la séparation pluie-neige, le stockage et la fonte de neige, la fonte des glaciers, l'évapotranspiration, l'infiltration, le ruissellement de surface ainsi que l'acheminement dans les cours d'eau. Par ailleurs, les ouvrages hydrauliques tels que barrages, prises d'eau en rivière, centrales de production hydroélectrique et autres ouvrages de rétention sont également pris en compte dans le modèle.

tremsportarten: Auf vielen Gebieten kommen die Entlastungsprognosen für Flüsse immer mehr zum Einsatz. Für eine benutzerfreundliche Bedienung hat das Unternehmen e-dric.ch die Website www.swissrivers.ch geschaffen, eine neue Plattform für die Entlastungsprognose für Schweizer Flüsse. Mit ihrer offenen Gestaltung ermöglicht sie den unentgeltlichen Zugriff auf die hydrologische Prognose für 4'000 Standorte an sämtlichen Schweizer Flüssen. Diese frei zugängliche Website wird ständig weiterentwickelt und ist für sämtliche Nutzer äusserst gewinnbringend. Entlastungsprognosen für Fliessgewässer gewinnen immer mehr an Bedeutung. Ihr Nutzen in den Bereichen des Hochwasserschutzes oder der Regulierung von Wasserkraftanlagen ist heute allgemein anerkannt, und ihre Anwendung scheint in Kombination mit Wettervorhersage und mathematischen Modellen der Einzugsgebiete unentbehrlicher zu werden. Dabei haben die Modelle sowohl Naturereignisse (Regen, Bodenbedeckung, Schneeschmelze, Gletscherschmelze usw.) als auch existierende Anlagen (Ableitung

von Fliessgewässern, Wasserspeicherung durch Staudämme, hydroelektrische Wasserentnahmen usw.) zu berücksichtigen.

Keywords Vorhersage, Niederschlags-Abfluss-Modell, Einzugsgebietsmanagement

1 Introduction La prévision hydrologique opérationnelle est un nouveau domaine de l’ingénieur intégrant les technologies de l’information et les sciences de l’environnement. Son utilité est avérée dans les domaines de la gestion des cours d’eau, en particulier pour la prévention des dommages lors des crues, pour la gestion des chantiers le long des cours d’eau, mais aussi pour la production d’hydroélectricité et pour les sports aquatiques. Dans tous ces domaines, il peut être profitable de connaître le débit qu’il y aura dans les cours d’eau pour les heures et les jours à venir.

Mots-clés Prévision, modélisation hydrologique, gestion de bassin versant

Swissrivers.ch: eine neue Plattform für die Hochwasservorhersage in Schweizer Gewässern Zusammenfassung Ob bei Hochwasser, dem Gebiet der Wasserkraft, in der Fischerei oder bei Ex22

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Figure 1: Interface web de swissrivers.ch, avec un exemple de prévision de débit à 30 h dans la région de Berne, sur la rivière Gürbe Abbildung 1: Webinterface von swissrivers.ch mit einem Beispiel einer Abflussvorhersage für die nächsten 30 Stunden in der Region Bern für die Gürbe


FACHBEITRÄGE accessibles et qui offrent des prévisions gratuites jusqu’à 30 heures en avance (Keller, 2009). Comme il s’agit ici de prévisions, il convient de rappeler que les incertitudes peuvent être importantes, en particulier lorsque des précipitations orageuses sont prévues. Cependant, les développements récents en matière de données radar et de prévisions météorologiques numériques garantissent des améliorations significatives ces prochaines années.

Figure 2: Schéma de fonctionnement du modèle de prévisions hydrologique semi-distribué. Exemple de 3 sous-bassins versants, 2 jonctions et 1 tronçon de cours d’eau Abbildung 2: Funktionsschema des hydrologischen Vorhersagemodells. Beispiel mit 3 Untereinzugsgebieten, 2 Zusammenflüssen und einem Gewässerabschnitt

Afin de répondre à ces besoins croissants, une nouvelle plateforme de prévision des débits a été développée, accessible gratuitement à tous sur le site www.swissrivers.ch (Fig. 1). Cette pla-

teforme propose des prévisions de débit ainsi que des niveaux des lacs à une très haute résolution et à l’échelle de la Suisse entière. En effet, ce ne sont pas moins de 3500 points de calcul qui sont

Figure 3: Découpage du territoire (Hinterrhein) en bassins versants, en lacs, en tronçons de cours d’eau et jonctions Abbildung 3: Einteilung des Gebietes Hinterrhein in Einzugsgebiete, Seen, Gewässerabschnitte und Zusammenflüsse

2 Modélisation géographique Le concept de modélisation repose sur une simulation pluie-débit réalisée avec le logiciel RS3.0. Le principe général est d’acquérir des données météorologiques (précipitations, températures) et de les exploiter comme données de base du calcul hydrologique. Le modèle conceptuel semi-distribué se compose donc d’unités élémentaires, les sous-bassins versants, dans lesquels sont calculés les différents processus hydrologiques menant à la production du débit à l’exutoire (Fig. 2). Ces sous-bassins versants ont une base géographique: ils correspondent au réseau des écoulements de surface du territoire considéré. Le territoire Suisse et ses environs (Doubs, Arve) a été découpé manuellement en 2500 sous-bassins versants, soit une surface moyenne de 18 km2. Ce découpage tient compte en outre des ouvrages hydrauliques tels que prises d’eau en rivière, retenues hydroélectriques, centrales au fil de l’eau et stations de mesure des écoulements. La figure 3 présente la région du Rhin antérieur (Hinterrhein) découpée en sous-bassins versants. Les réservoirs y constituent des exutoires de bassins versants. Les tronçons de cours d’eau collectent les eaux et les acheminent vers des jonctions. Le modèle de calcul swissrivers.ch est constitué de 1500 jonctions et 1400 tronçons de cours d’eau. Finalement, ce sont donc près de 4000 points de calcul (sous-bassins et jonctions) qui sont directement accessibles par l’utilisateur. La figure 4 présente tout le territoire découpé en 2500 sous-bassins versants, et INGENIEURBIOLOGIE / GENIE BIOLOGIQUE 2/09

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FACHBEITRÄGE Dans le cas d’une bande glaciaire, les modèles GR3 et SWMM ne sont pas considérés, mais un modèle de fonte glaciaire à deux réservoirs permet le calcul des écoulements (Qglacier). Il est basé sur le principe du modèle linéaire degré-jour. Enfin, les bassins versants sont liés entre eux par des objets cours d’eau effectuant le calcul d’acheminement par une onde de type cinématique.

Figure 4: Découpage du territoire suisse et du Chablais en sous-bassins versants. Les couleurs indiquent les bassins versants correspondants aux rivières principales Abbildung 4: Einteilung des Gebietes der Schweiz und des Chablais in Untereinzugsgebiete. Die Färbung der Einzugsgebiete gibt die Zugehörigkeit zu den Einzugsgebieten der Hauptflüsse der Schweiz an

illustre à l’échelle nationale la très haute résolution prise en compte dans swissrivers.ch. 3 Modélisation hydrologique Chaque bassin versant est décomposé en bandes d’altitude de 300 m afin de tenir compte de la température variant avec l’altitude (Jordan & al., 2008). Dans chaque bande d’altitude sont modélisés les principaux processus hydrologiques grâce au concept GSM-SOCONT (Schäfli & al., 2005, Jordan, 2007), tels qu’illustrés à la figure 5. Les précipitations (P) et températures (T) sont déterminées en chaque bande d’altitude par un objet appelé «station virtuelle». Cet objet détermine ses variables météo en fonction des coordonnées du centre de gravité de la bande d’altitude et des stations de mesure ou points de calcul des prévisions météo les plus proches. Une pondération tenant compte des effets altimétriques est en outre appliquée. L’objet «Neige» calcule alors l’évolution du stock de neige (constitution et fonte) sur la bande d’altitude en fonction des données météorologiques de la station virtuelle. L’intensité nette de fonte de neige inet (ou la précipitation P lorsqu’il n’y a pas de neige) est ensuite introduite dans le modèle 24

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d’infiltration GR3. Ce dernier calcule, également en fonction de l’évapo-transpiration potentielle (ETP), le débit de base à l’exutoire de la bande d’altitude (Qb) ainsi que l’intensité nette ruisselée à la surface de la bande. Cette dernière est finalement modulée par le modèle SWMM qui fournit le débit de ruissellement à l’exutoire de la bande d’altitude (Qn).

4 Intégration des ouvrages hydrauliques Le logiciel RS3.0 est issu des développements effectués à l’EPFL dans le cadre du projet MINERVE (Boillat et al., 2005), pour lequel le logiciel Routing System II (Dubois, 2005, Garcia & al., 2007) avait été développé. RS3.0 permet une intégration directe des ouvrages hydrauliques et des aménagements hydroélectriques dans la modélisation hydrologique. Ces derniers sont représentés par des objets simples, tels que séparation des écoulements (prises d’eau en rivière), cours d’eau (collecteurs), rétention (lacs), relation niveaudébit (ouvrages de décharge), et soutirage (turbines et pompes). La figure 6 illustre une partie du modèle RS3.0. Grâce à ces fonctionnalités, il est possible de déterminer le comportement du bassin versant en un seul calcul.

Figure 5: Processus modélisés dans un sous-bassin versant composé d’une bande d’altitude glaciaire (à gauche) et une bande d’altitude non-glaciaire (à droite) Abbildung 5: Modellierte Prozesse in einem Einzugsgebiet, welches sich aus einer vergletscherten Höhenzone (links) und einer nicht vergletscherten Höhenzone (rechts) zusammensetzt


FACHBEITRÄGE

Figure 6: Exemple de région modélisée avec RS3.0: le Hinterrhein et l’aménagement du Lago di Lai Abbildung 6: Beispiel einer mit RS3.0 modellierten Region: der Hinterrhein und das Kraftwerk des Lago di Lai

A partir des données telles que les précipitations, les températures et la production des centrales hydroélectriques, les écoulements dans les sous-bassins versants, les apports dans les retenues artificielles, les niveaux des lacs, les débits dans les cours d’eau à l’aval des barrages et finalement les débits dans les fleuves sont calculés. 5 Fonctionnement opérationnel de swissrivers.ch Les informations fournies dans swissrivers.ch sont issues d’une procédure de calcul complexe réalisée 2 fois par jour. Cette procédure se décompose en une phase d’acquisition et une phase de simulation. La phase d’acquisition est réalisée en continu grâce au pilote automatique de RS3.0 : les mesures de débit aux stations de l’Office Fédéral de l’Environnement (BAFU), ainsi que les mesures météorologiques des stations ANETZ de l’Office Fédéral de la Météorologie et de la Climatologie (MétéoSuisse), tout comme les mesures de débit et de niveau des lacs réalisées par le canton de Berne et des mesures météorologiques de Météo France sont acquises via le réseau Internet. Ces opérations sont réalisées toutes les 10 minutes. Les prévisions météorologiques numériques à 72 heures du modèle COSMO7 de MétéoSuisse (Kaufmann & al., 2003) sont récupérées 2 fois par jour. Il convient ici de noter que les autres modèles opérationnels dispo-

nibles chez MétéoSuisse (prévisions à 24 h COSMO2 et prévisions à 10 jours ECMWF) sont également acquis dans le cadre de cette procédure mais ne sont pas mis gratuitement à disposition sur le site swissrivers.ch. La phase de simulation consiste en deux étapes de calcul principales. La première est la simulation avec mise à jour, dont l’objectif est d’ajuster le modèle aux observations de débit effectuées en temps-réel. La simulation avec mise à jour utilise les données historiques météorologiques et de débit, acquises toutes les 10 minutes. Par un calcul itératif, les variables d’état du modèle hydrologique (modèle d’infiltration GR3 et modèle de fonte glaciaire) sont ajustées de manière à permettre au modèle de produire des débits aux stations de mesure du BAFU comparables aux débits mesurés lors des 24 dernières heures. A la fin de ce calcul, les conditions initiales du modèle hydrologique sont déterminées et peuvent être exploitées pour lancer le calcul en prévision. La deuxième étape de calcul est la prévision hydrologique. A ce stade, les données météorologiques sont issues des prévisions météorologiques COSMO7 et les conditions initiales de la dernière simulation avec mise à jour effectuée. Un calcul prévisionnel à 72 h (soit +69 h en heure locale) est enfin réalisé, dont les résultats des prochaines 30 h sont publiés immédiatement sur le site swissriver.ch.

Il est à noter que l’acquisition et la diffusion des données sont effectuées en parallèle des simulations de manière à ne pas perturber le calcul et garantir un accès permanent aux données, répété chaque 12 h. L’horaire théorique de calcul est le suivant, heure locale: • 03 h 30 / 15 h 30: simulation avec mise à jour sur les dernières 24 h • 04 h 30 / 16 h 30: acquisition des prévisions météo COSMO7 • 04 h 45 / 16 h 45: prévision hydrologique, J à 03 h jusqu’à J+3 à 02 h • 05 h 15 / 17 h 15: transfert des résultats chez CampToCamp SA • 05 h 45 / 17 h 45: mise à disposition des nouvelles prévisions sur swissrivers.ch pour les 30 prochaines heures. 6 Performance actuelle et perspectives Le système swissrivers.ch fonctionne actuellement tous les jours en mode automatique, alors que le modèle hydrologique s’ajuste sur la base des mesures de débit du BAFU. Seul un contrôle de fonctionnement est effectué quotidiennement. La qualité des prévisions hydrologiques fournies a été optimisée lors de la phase de développement du modèle par le biais du calage et de la validation des modèles hydrologiques. Lors de ces analyses, les indicateurs de performance cible que sont le coefficient de Nash (Nash & Sutcliffe, 1970) et le bilan de volume ont atteint des valeurs satisfaisantes, avec un Nash moyen de l’ordre de 0.70 sur plus de 280 points de contrôle et sur une période allant de 1993 à 2005. Cependant, il existe encore un grand potentiel d’amélioration du modèle, dont les principales pistes sont décrites ci-dessous. Tout d’abord, le modèle ne s’ajuste que sur les stations de mesure de débit du BAFU, soit environ 280 points de contrôle pour toute la Suisse. Une extension de ce réseau de contrôle apporterait une importante plus-value au modèle, par exemple grâce à l’apport de mesures appartenant aux exploitants d’aménagements hydroélectriques ou par l’utilisation de stations cantonales ou privées. INGENIEURBIOLOGIE / GENIE BIOLOGIQUE 2/09

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FACHBEITRÄGE Les conditions initiales du modèle seraient ainsi localement plus pertinentes et permettraient d’améliorer la prévision hydrologique elle-même. Ensuite, les données météorologiques sont issues du réseau ANETZ de MétéoSuisse, soit environ 70 stations pour toute la Suisse. Il n’est donc pas possible de spatialiser avec certitude les précipitations et températures dans des sous-bassins versants éloignés des stations de mesure. Ce biais pourrait être réduit grâce à l’introduction des mesures radar ou produits similaires (radar ajusté) qui fournissent de l’information à haute résolution sur une grande partie du territoire. Enfin, il convient de noter que cet outil a été développé en moins d’une année au sein du bureau e-dric.ch, dans un souci d’efficacité. Certains points de détail n’ont donc pas pu être analysés, tels que flux inter-bassins particuliers ou comportements d’ouvrages hydrauliques non documentés ou spéciaux. Une analyse locale et fine, réalisée en intégrant toutes les particularités régionales (nouvelles stations de mesure, ouvrages influençant les cours d’eau, hydrogéologie, micro-climat) permettrait d’augmenter la qualité des prévisions tout en bénéficiant d’une base de modélisation extrêmement solide et opérationnelle. 7 Conclusions Swissrivers.ch est un outil puissant, à la disposition de tous, qui ne demande qu’à être exploité, étudié, et amélioré. Dès lors, tous les apports extérieurs tels que données supplémentaires, informations hydrogéologiques, documentation d’ouvrages hydrauliques sont des éléments qui permettront d’améliorer la qualité et la fiabilité des prévisions de débit dans les cours d’eau, pour de nombreux utilisateurs. Les responsables cours d’eau communaux, cantonaux et fédéraux, les exploitants de centrales hydroélectriques, mais également les autres utilisateurs des rivières tels que pêcheurs ou sportifs (kayak, rafting) y trouveront certainement un intérêt et sont encouragés à participer à ce projet.

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Bibliographie KELLER R. 2009. Le debit des rivières au BOILLAT J.-L. 2005. L'influence des re- peigne fin, Revue Technique Suisse, N° tenues valaisannes sur les crues – Le pro- 7/8 2009, Swiss engineering RTS, UTS jet MINERVE, Proc., Conférence sur la SA, Lausanne, p. 11. recherche appliquée en relation avec la NASH, J.E. & SUTCLIFFE, J.V. 1970. Ri3e Correction du Rhône – Nouveaux ver flow forecasting through conceptual développements dans la gestion des models, part 1 – A discussion of princicrues, Martigny, Communication LCH ples, J. of Hydrol., 10(3), 282-290. SCHAEFLI, B., HINGRAY, B., NIGGLY, n° 21, Ed. Prof. A. Schleiss, 87-101. DUBOIS J. 2005. «Simulation des sys- M. & MUSY, A. 2005. A conceptual tèmes hydrauliques et hydrologiques glacio-hydrological model for high mocomplexes: Routing System II», Proc., untainous catchments, Hydrol. Earth Conférence sur la recherche appliquée Syst. Sc. Disc., 2, 73-117. en relation avec la 3e Correction du Rhône – Nouveaux développements Adresse des auteurs dans la gestion des crues, Communica- Frédéric Jordan tion LCH n° 21, Ed. Prof. A. Schleiss, fred.jordan@e-dric.ch pp. 133-145, Lausanne. GARCIA, J., JORDAN, F., DUBOIS, J. & Philippe Heller BOILLAT, J.-L. 2007. «Routing System II, e-dric.ch eau énergie environnement Modélisation d’écoulements dans des Le Grand-chemin 73 systèmes hydrauliques», Communica- CH-1066 Epalinges tion LCH n° 32, Ed. Prof. A. Schleiss, www.swissrivers.ch Lausanne. JORDAN, F. 2007. Modèle de prévision et de gestion des crues – optimisation des opérations des aménagements hydroélectriques à accu® mulation pour la réduction des débits de natürlicher crue, thèse de doctoErosionsschutz rat n° 3711, Ecole Poaus Jute und Kokos lytechnique Fédérale, Lausanne. Direktimport JORDAN, F., GARCIA aus dem Ursprungsland HERNANDEZ, J., DUBOIS, J. & BOILLAT, J.L. 2008. «MINERVE: Modélisation des Intempéries de Nature Extrême du Rhône Valaisan et de leurs Effets», Communication LCH n° 38, Ed. Prof. A. Schleiss, EPFL, Lausanne. KAUFMANN, P., SCHUBIGER, F. & BINDER, P. 2003. PrecipiKurzfristige Lieferung dank tation forecasting by a unseres Lagers! mesoscale numerical weather prediction Fragen Sie uns an (NWP) model: eight wir beraten Sie gerne! years of experience, Ihr Hydrology and Earth Stationsstrasse 43 . 8906 Bonstetten System Sciences, Relianz-Team Tel 044 / 701 82 82 . Fax 044 / 701 82 99 www.relianz.ch . relianz@relianz.ch 7(6), 812-832.

R : L I IH TE R VO

SIFOR


FACHBEITRÄGE

Ein Massnahmenplan Wasser als Koordinationsinstrument Christina Dübendorfer, Ralph Widmer (Dieser Artikel wurde übernommen aus: gwa 3/2009.) Regionale Planung am Beispiel der Einzugsgebiete Glatt und Furtbach Zusammenfassung Die vielfältigen Ansprüche rund ums Wasser erfordern eine ganzheitliche Betrachtung der Aufgaben des Gewässerschutzes, der Wassernutzung und des Wasserbaus. Der Massnahmenplan Wasser des Kantons Zürich soll als Planungsinstrument sicherstellen, dass die Anstrengungen der verschiedenen Sachbereiche aufeinander abgestimmt und mögliche Synergien konsequent genutzt werden. In Einzugsgebieten mit besonders grossem Handlungs- und Koordinationsbedarf wurden regionale Einzugsgebietsplanungen mit Einbezug der lokalen Akteure ausgelöst. Keywords Koordination, Hochwasserschutz, Gewässerschutz, Wassernutzung

Un instrument pour la coordination: le plan d’assainissement des cours d’eau – planification régional à l’exemple des bassins versants de la rivière Glatt et du Furtbach (cet article a été repris de gwa 3/2009) Résumé Les nombreuses exigences relatives à l’eau requièrent une vision globale au niveau de la protection des eaux, de l’utilisation des eaux et des aménagements hydrauliques. Le plan d’assainissement des cours d’eau du canton de Zurich est un instrument de planification permettant de coordonner les efforts des secteurs concernés et de valoriser toute les synergies possibles. Lorsque la gestion des bassins versants atteint un certain niveau

de complexité, les plans d’assainissement régionaux font intervenir des acteurs locaux. Mots-clés Coordination, protection contre les crues, protection des eaux, utilisation des eaux

1 Übersicht Massnahmenplan Wasser Kanton Zürich 1.1 Einleitung Unsere Gewässer und die Ressource Wasser werden vielfältig genutzt und beansprucht. Und sie bergen auch Gefahren, wie die Hochwasserereignisse der letzten Jahre zeigten. Daraus ergeben sich vielfältige Ansprüche rund ums Wasser. Verschiedene eidgenössische und kantonale Gesetze regeln die Belange des Gewässerschutzes, der Wassernutzung und des Wasserbaus. Bezüglich vieler Bereiche wurde in der Vergangenheit viel erreicht. Da sich die verschiedenen Ansprüche und Ziele aber teilweise konkurrieren und sowohl bezüglich Raum als auch finanziellen Mitteln zunehmende Einschränkungen bestehen, ist eine ganzheitliche Sichtweise und ein gegenseitiges Abwägen der Interessen nötig.

Das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) des Kantons Zürich hat dies früh erkannt und mit dem Massnahmenplan Wasser darauf reagiert. Dieser dient sowohl als Planungsinstrument des AWEL als auch als Informationsplattform für externe Ansprechpartner wie andere Fachämter auf kantonaler und eidgenössischer Ebene, Gemeindebehörden, Fachinstitutionen, Politiker und die Öffentlichkeit. Mit Hilfe des Massnahmenplans Wasser soll sichergestellt werden, dass Anstrengungen verschiedener Sachbereiche, die sich mit den Gewässern befassen, aufeinander abgestimmt und mögliche Synergien konsequent genutzt werden. Gebiete mit hohem Handlungsbedarf sollen frühzeitig erkannt und bearbeitet werden. In einem Leitbild (AWEL, 2006) werden die aktuelle Situation und die Herausforderungen im Wasserbereich beschrieben. 1.2 Strukturierung des Massnahmenplans Wasser Der Massnahmenplan Wasser läuft in drei Phasen ab (Abb. 1): In der ersten Phase wurden in einer gesamtkantonalen Planung gemeinsame Grundlagen über die 15 Gewässer-Einzugsgebiete des Kantons erho-

Abbildung 1: Die drei Phasen des Massnahmenplans Wasser (AWEL, 2006) Figure 1: Les trois phases du plan d’assainissement des cours d’eau (AWEL, 2006)

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FACHBEITRÄGE aus Sicht der Nachhaltigkeit gleichwertig behandelt (Abb. 2).

Abbildung 2: Drei-Kreise-Modell der zwölf Oberziele im Bereich Wasser; Graustufen zeigen Priorität an Figure 2: Le modèle des trois cercles pour les douze objectifs principaux dans le domaine de l’eau; les niveaux de gris indiquent la priorité

ben, um die gesamtkantonalen Handlungsschwerpunkte zu erkennen. Als Ergebnis dieser Phase ist bekannt, welche Einzugsgebiete bezüglich welcher Ziele den grössten Handlungsbedarf aufweisen und prioritär zu behandeln sind. In einer zweiten Phase wurden für die Einzugsgebiete mit der höchsten Priorität regionale Massnahmenpläne in Zusammenarbeit mit Gemeinden, regionalen Planungsverbänden, Abwasser-Zweckverbänden etc. erarbeitet. Dabei wurden konkrete Massnahmen mit Kosten- und Wirkungsnachweis geplant. Die regionale Planung erfolgt zeitlich gestaffelt gemäss dem jeweiligen Handlungsbedarf. In der dritten Phase werden anschliessend die Massnahmen kurz-, mittel- oder langfristig umgesetzt. Es kann sich dabei sowohl um planerische, administrative als auch um bauliche Massnahmen handeln. Die Umsetzung erfolgt durch unterschiedliche Trägerschaften. 1.3 Vorgehen und Ergebnisse der Phase I Im Rahmen der Phase I des Massnahmenplans Wasser hat die Ernst Basler + Partner AG im Auftrag des AWEL Grundlagen erarbeitet, um den heutigen Zustand der Gewässer über den ge28

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samten Kanton im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung zu beurteilen (AWEL, 2002). Es wurde ein Zielsystem als Basis für die gesamtkantonale Zustandsbeurteilung und als Zielvorgabe für die späteren regionalen Massnahmenpläne erarbeitet. Ausgehend von den Zweckartikeln der einschlägigen Gesetze wurden Ziele formuliert und gewichtet. Zwölf Oberziele sind einer dreistufigen Prioritätenskala zugeordnet, welche die Bereiche Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft

1.4 Den Handlungsbedarf messbar machen Die definierten Ziele geben die Richtung vor, direkt messbar sind sie aber nicht. Um den Handlungsbedarf zu bestimmen, wurden deshalb rund 30 Indikatoren definiert, welche den Ist-Zustand bezüglich der Erfüllung der Ziele messen. Abbildung 3 zeigt, dass ein Ziel durch mehrere Indikatoren abgebildet wird. Die Festlegung der Indikatoren stützte sich stark auf die vorhandenen Daten und den Erhebungs- und Auswertungsaufwand ab. Die Indikatoren wurden vorerst einzeln, mit Hilfe eines geografischen Informationssystems (GIS) ausgewertet, räumlich dargestellt und diskutiert. Aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre konnte ein Trend abgeschätzt werden. Die sehr heterogenen Daten der Indikatoren wurden durch einen Normierungsschritt in eine einheitliche, vierstufige Bewertungsskala gebracht und so vergleichbar gemacht. Anschliessend wurde für jedes Ziel eine räumliche, auf Einzugsgebiete der wichtigsten Oberflächengewässer bezogene Aggregation der Indikatoren durchgeführt. Abbildung 3 zeigt dieses Vorgehen auf.

Abbildung 3: Räumliche Auswertung der Indikatoren und Aggregation zur Zielbeurteilung Figure 3: Analyse spatiale des indicateurs et regroupement pour évaluer les objectifs


FACHBEITRÄGE eher Handlungsbedarf

Abbildung 4: Beurteilung des Handlungsbedarfs der zwölf Oberziele Figure 4: Analyse des déficits dans les domaines des douze objectifs principaux

Abbildung 5: Einzugsgebiete mit hoher (orange), mittlerer (dunkelgelb) und tiefer (hellgelb) Priorität für regionale Massnahmenplanungen Figure 5: Bassins versants avec une priorité élevée (orange), moyenne (jaune) et faible (jaune clair) pour l’établissement d’un plan d’assainissement des cours d’eau

1.5 Ergebnisse der Zustandsbeurteilung Der Handlungsbedarf bezüglich der verschiedenen Ziele wird durch die Abbildung 4 schematisch aufgezeigt. Die Länge der blauen Balken zeigt die Höhe des durchschnittlichen Handlungsbe-

darfs im Kanton Zürich an. Die grauen Striche zeigen die Spannbreite über die einzelnen Einzugsgebiete an. Die farbigen Punkte zeigen die Zielbeurteilung für die Einzugsgebiete Glatt und Furtbach, welche in diesem Artikel kurz beschrieben werden. Zum Beispiel zeigt

die Grafik, dass beide Einzugsgebiete bezüglich dem Ziel Gesundheit Tiere/Pflanzen sehr schlecht abschneiden, während das Einzugsgebiet des Furtbachs bezüglich Wasserversorgung über dem Mittelwert liegt. Die Ziele sind in dieser Grafik nach Prioritätsstufe angeordnet. Die Ziele weisen in der Regel mit abnehmender Prioritätsstufe höheren Handlungsbedarf auf. Dies widerspiegelt den Umstand, dass der Schwerpunkt der vergangenen Aktivitäten auf die als prioritär erachteten Ziele gelegt wurde. Als Resultat der Phase I wurden über den ganzen Kanton vier Einzugsgebiete ausgewiesen, in denen der Handlungsund Koordinationsbedarf besonders hoch ist. Es sind dies die beiden Einzugsgebiete Glatt und Greifensee, also das gesamte Glatttal von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein, sowie das ebenfalls unter starkem Siedlungsdruck stehende Einzugsgebiet Limmat. Das Einzugsgebiet Furtbach ist teilweise auch stark besiedelt und zudem ein intensives Gemüseanbaugebiet mit Auswirkungen auf Wasser- und Stoffhaushalt. In den übrigen Einzugsgebieten besteht erst mittelfristig oder nur beschränkt regionaler Handlungsbedarf (Abb. 5). 1.6 Verbindlichkeit des Massnahmenplans Wasser Allgemeinverbindliche Gesetze und Verordnungen sind typischerweise abstrakt und räumlich nicht konkret. Erst durch die Festsetzung von Richt- und Nutzungsplänen sowie durch behördliche Projektbewilligungen werden räumlich konkrete und verbindliche Vorgaben geschaffen. Der Massnahmenplan Wasser besitzt für sich alleine keine Verbindlichkeit. Er hat den Charakter einer Grundlage, welche die Vorgaben aus verbindlichen Gesetzestexten und Plänen berücksichtigt und darauf basierend räumlich und zeitlich konkrete Massnahmen formuliert. Die Ergebnisse des Massnahmenplans Wasser sollen in die Richt- und Nutzungspläne einfliessen oder direkt zu einem Projekt führen. Erst dadurch erhalten die Ergebnisse des Massnahmenplans Wasser Verbindlichkeit (Abb. 6). INGENIEURBIOLOGIE / GENIE BIOLOGIQUE 2/09

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FACHBEITRÄGE hoben wurde und seither das Abwasser durch den Käferberg-Stollen in die ARA Werdhölzli im Limmattal geleitet wird. Nun soll eine Haupt-Stossrichtung darin bestehen, die stark verbauten Gewässer-Lebensräume aufzuwerten und zu vernetzen (Abb. 8).

Abbildung 6: Verbindlichkeit des Massnahmenplans Wasser im planerischen Kontext (AWEL, 2006) Figure 6: Force obligatoire du plan d’assainissement des cours d’eau dans la planification (AWEL, 2006)

2 Beispiel Einzugsgebiet Glatt 2.1 Das Einzugsgebiet der Glatt Die Glatt fliesst 36 km vom Greifensee bis zum Rhein, mit rund 300 km Seitengewässern und einer Einzugsgebietsfläche von 250 km2. Die Gewässer sind

grösstenteils stark begradigt und verbaut. 30% der Fläche umfassen Siedlungsgebiet in 29 Gemeinden mit ca. 280'000 Einwohnern (Abb. 7). Eine wesentliche Verbesserung der Wasserqualität wurde 2001 erreicht, nachdem die ARA Zürich-Nord aufge-

Abbildung 7: Das untersuchte Einzugsgebiet der Glatt Figure 7: Le bassin versant analysé de la Glatt

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2.2 Das Vorgehen Der Auftrag für das Einzugsgebiet Glatt wurde in den Jahren 2003–2005 von einem interdisziplinären Planungsteam unter Federführung der Gossweiler Ingenieure AG erarbeitet. Die dabei behandelten Themen richteten sich nach den 12 Modulen der Empfehlung «Regionaler Entwässerungsplan» des VSA (AWEL, 2005). Der Prozess wurde zusätzlich zur AWEL-Projektleitung von einer Begleitgruppe mit Vertretern von kantonalen Fachstellen und den beiden regionalen Planungsgruppen unterstützt. Eine weitergehende Mitwirkung, z.B. in Form von Workshops mit Gemeinde- und Interessenvertretern fand nicht statt. 2.3 Die Massnahmen Die Massnahmen sind gebündelt in 27 Massnahmenblättern beschrieben. Es handelt sich um Massnahmen von regionaler Bedeutung. Die Massnahmen setzen auf verschiedener Stufe an, vom Konzept bis zur Realisierung. Als Beispiel für eine Planungsstudie wurde letztes Jahr eine einheitliche über die ganze Länge der Glatt reichende Hochwasserberechnung mit Risikoanalyse erstellt. Weiter sind planerische Massnahmen vorgeschlagen wie das Festlegen von Zuströmbereichen bei zwei Grundwasserfassungen oder die Reduktion des Nährstoffeintrages in bestimmten, intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen. Bei anderen Massnahmen ist die Planungsphase bereits abgeschlossen und läuft nun die Umsetzung. Ein Beispiel dafür ist die Behandlung der Enteiserabwässer des Flughafens Zürich-Kloten, die bisher eine hohe organische Belastung für die Glatt bedeuteten. Viele Massnahmen werden schliesslich in Bauprojekte münden, insbesondere bei den Aufwertungen des Gewässer-Lebensraumes, in der Wasserversorgung


FACHBEITRÄGE – Aufwertungen diverser Fliessgewässerlebensräume der wichtigen Seitengewässer wie Chriesbach Dübendorf, Altbach Bassersdorf/Kloten, Leutschenbach/Katzenbach in Zürich oder im Gebiet des Neeracher- und des Steinmaurer Rietes. Die Massnahmen wurden mit einer einfachen Methodik bewertet, priorisiert und in einer graphischen Darstellung zusammengefasst (Abb. 9) (VSA, 2000).

Abbildung 8: Glatt mit wucherndem Flutenden Hahnenfuss Figure 8: La rivière Glatt avec un fouillis de renoncule

oder der Siedlungsentwässerung. Als übergreifende Massnahmen sind verschiedene Gewässerabschnitte mit hohem Aufwertungspotenzial bezeichnet, z.B.: – Revitalisierung der Glatt im Ausflussbereich des Greifensees (innerhalb Naturschutz-Gebiet); – Hochwasserschutz, Revitalisierung und Vernetzung im Oberlauf der Glatt zwischen Fällanden und Dübendorf; – Hochwasserschutz und Erhöhung der Erholungsqualität entlang der Glatt in den dichten Siedlungsgebieten von Dübendorf bis Glattbrugg;

3 Beispiel Einzugsgebiet Furtbach Angesichts der beschränkten Mittel zur Planung und Umsetzung konzentrierte sich der regionale Massnahmenplan Wasser im Einzugsgebiet des Furtbaches (Massnahmenplan Furtbach, [AWEL, 2007]) auf die Bestimmung von relativ wenigen, einzugsgebiets-spezifischen, sektorübergreifenden und regionalen Massnahmen mit hohem Umsetzungspotenzial. Ein Bedarf zur umfassenden Darstellung und Diskussion von allen möglichen Massnahmen im Wasserbereich bestand im Rahmen des Massnahmenplans Furtbach nicht. 3.1 Ergebnisse Bestandesaufnahme und Massnahmen Das Furttal umfasst sieben Gemeinden und ist ein attraktiver Wohn- und Betriebsstandort. Der Gemüseanbau besitzt seit den Furtbachabsenkungen und

Abbildung 9: Massnahmenplan Glatt: Priorisierung und zeitliche Planung der Massnahmen (VSA, 2000) Figure 9: Plan d’assainissement des cours d’eau pour la rivière Glatt: priorité et planification des mesures (VSA, 2000)

Drainagen zu Beginn des 20. Jahrhunderts grosse Tradition und stellt nach wie vor ein wichtiges Element der regionalen Landnutzung dar. Natur und Landschaft sind im Furttal noch immer prägend und sorgen für attraktive Naherholungsgebiete vor der Haustüre. Die Bestandesaufnahme hat gezeigt, dass die intensive Nutzung der Wasserressourcen im Furttal aus qualitativer und quantitativer Hinsicht problematisch ist und dass gewisse Widersprüche zum angestrebten Profil des Furttals bestehen. Der Importanteil von Seewasser in der Wasserversorgung ist hoch und kann bei Ausfall der externen Bezugsquellen die Wohn- und Betriebsattraktivität gefährden. Mit den beiden reizvollen Talflanken, den rege genutzten Chatzenseen und dem teilweise revitalisierten Furtbach bestehen zwar attraktive Erholungsräume. Das überregionale Ausstrahlungspotenzial dieser Erholungsräume wird aber zurzeit aufgrund der noch fehlenden Durchgängigkeit nicht optimal genutzt. Die starke stoffliche Belastung der Oberflächengewässer sowie die teilweise noch monotone Gestaltung von einzelnen Furtbachabschnitten sowie der meisten Seitenbäche verhinderten bis jetzt, dass die Gewässer des Furttals ihre ursprüngliche Bedeutung als Lebensraum für Fische und Kleinlebewesen vollständig wiedergewonnen haben. Der intensive Gemüseanbau zusammen mit den knappen Wasserressourcen kann zu unerwünscht hohen stofflichen Konzentrationen im Bewässerungswasser und zu tiefen Wasserständen in den Gewässern des Furttals führen. Aus dieser Bestandesaufnahme wurden zwei Stossrichtungen für den Massnahmenplan Furtbach abgeleitet: – Gewässer als Erholungskorridore und Lebensräume verbessern; – Nachhaltigkeit des Gemüseanbaus verstärken. Für diese Stossrichtungen wurden acht Massnahmen von regionaler Bedeutung vorgeschlagen und in Massnahmenblättern ausgearbeitet: – Längsvernetzung Furtbach – Pflegekonzept Furtbach – Quervernetzung Furttal INGENIEURBIOLOGIE / GENIE BIOLOGIQUE 2/09

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FACHBEITRÄGE schiedliche kommunale Trägerschaften vorgesehen. Aus Kostengründen wird vorgeschlagen, diese Teilprojekte zu kombinieren und als ein Projekt zu bearbeiten. Die Trägerschaft könnte eventuell von der ZPF übernommen werden.

Tabelle 1: Vorgeschlagene Trägerschaft und Finanzierung der Planungskosten pro Massnahme; Kosten nur grob geschätzt (AWEL, 2007) Tableau 1: Organes de financement et répartition des coûts de planification par mesure; estimation grossière des coûts (AWEL, 2007)

– – – – –

Kommunaler Unterhalt von Gewässern Zusammenlegung ARA Reduktion Abwasserentlastungen Restwassermanagement Stoffhaushalt Landwirtschaft

3.2 Abweichungen im Vorgehen Im Folgenden werden einzelne Aspekte beschrieben, wo das Vorgehen abweicht vom vorher beschriebenen Vorgehen im Einzugsgebiet der Glatt. 3.2.1 Partizipation Der Massnahmenplan Furtbach wurde in enger Zusammenarbeit zwischen dem beauftragten Ingenieurunternehmen Ernst Basler + Partner (EBP), dem AWEL, der Zürcher Planungsgruppe Furttal (ZPF) und den Gemeinden des Furttals erarbeitet. – Um trotz beschränkten Mitteln eine möglichst umfassende Bestandesaufnahme zu erhalten, wurden mit den sieben Gemeinden und den kantonalen Fachstellen Interviews geführt, um Wissen und aktuelle Vorhaben abzufragen. – Ein erweiterter Kreis aus Vertretern von Gemeinden und Zweckverbänden, kantonalen Fachstellen und Interessenvertretern (Landwirtschaft, Fischerei, Naturschutz, Erholung) wurde im Rahmen von zwei Workshops zur Mitarbeit eingeladen. Vom Kanton Aargau nahm die angrenzende Gemeinde Würenlos teil. 32

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3.2.2 Umsetzung der Massnahmen – Trägerschaft und Finanzierung Um die Umsetzungsrelevanz des Massnahmenplans zu betonen, wurde eine frühzeitige Ausrichtung auf die Bestimmung möglicher Massnahmen angestrebt. Entsprechend befasste sich bereits der 1. Workshop mit dem Massnahmenplan, während der 2. Workshop sich der möglichen Umsetzung der Massnahmen bezüglich Projektträger und Kostenverteiler widmete. Die vorgeschlagenen Trägerschaften und Finanzierungen pro Massnahme sind in einer Tabelle zusammengestellt (Tab. 1). Die Massnahmen sind in Massnahmenblättern detailliert beschrieben. Die ausgewiesenen Kosten betreffen nur die Planung und sind als grobe Schätzungen zu verstehen. Für die spätere Umsetzung liegen erst teilweise Kostenschätzungen vor. Als Trägerschaft sind je nach Massnahme die Kantone und/oder die Gemeinden vorgeschlagen. Im Allgemeinen sollte der Planungsperimeter bis zur Mündung des Furtbachs in die Limmat ausgedehnt werden; für zwei Massnahmen (Längsvernetzung Furtbach und Quervernetzung Furttal) ist aus diesem Grund auch eine Mitfinanzierung der Planung durch den Kanton Aargau und die Gemeinde Würenlos vorgeschlagen. Für die Massnahmen 3 und 4 sind für verschiedene Teilprojekte jeweils unter-

4 Ausblick Umsetzung Nach Abschluss eines regionalen Massnahmenplans Wasser wird dieser in zwei Stufen in eine Vernehmlassung geschickt und anschliessend veröffentlicht: – interne Vernehmlassung bei anderen betroffenen kantonalen Ämtern (Amt für Landschaft und Natur, Amt für Raumordnung und Vermessung, Tiefbauamt); – externe Vernehmlassung bei betroffenen Gemeinden, Zweckverbänden, Planungsgruppen, Interessenvertretern und evtl. Nachbarkantonen. Nach der Auswertung der Vernehmlassung wird der Bericht für gültig erklärt und via Website des AWEL veröffentlicht. Da der Massnahmenplan Wasser für sich alleine keine Verbindlichkeit besitzt, liegt es in der Hand der bezeichneten Trägerschaften, ob, wie und wann sie die Massnahmen umsetzen. Das AWEL beabsichtigt, zukünftig durch ein regelmässiges Controlling etwas stärkeren Einfluss auf die Umsetzung zu nehmen. Jeder regionale Massnahmenplan soll in einem 4-Jahres-Rhythmus durch die hauptsächlichen Trägerschaften, also die Gemeinden oder Planungsgruppen, überprüft und gegebenenfalls aktualisiert werden. Diejenigen Massnahmen, für die der Kanton zuständig ist, werden durch das AWEL in den gesamtkantonalen Zusammenhang gebracht. Dazu werden die Massnahmen aus den verschiedenen regionalen Massnahmenplänen, Massnahmen aus Gebieten ohne regionalen Massnahmenplan und weitere kurzfristige Massnahmen in einer Gesamtschau betrachtet und in die Mehrjahresplanung des Kantons eingespiesen. Diese wird jährlich angepasst. 5 Beurteilung und bisherige Erfahrungen Der Massnahmenplan Wasser ist ein noch relativ junges Planungsinstrument


FACHBEITRÄGE und muss sich insbesondere bezüglich der Umsetzung der Massnahmen noch etablieren. Noch fehlt eine zeitliche Planungskontinuität. Die ganzheitliche Betrachtung und das gegeneinander Abwägen der verschiedenen Interessen führt teilweise zu neuen Lösungsansätzen und neuartigen fach- und gebietsübergreifenden Massnahmen. Diese sind durch den Planungsprozess bereits breit abgestützt. Der Einbezug der Betroffenen führt zu einem verstärkten Austausch und neuen Kontakten zwischen Kanton und Gemeinden und zwischen den verschiedenen Akteuren. Dies fördert auch das gegenseitige Verständnis. Auch amtsintern findet dank dem Massnahmenplan Wasser ein verstärkter Austausch und eine Abstimmung über die Fachrichtungen hinaus statt.

Literatur Folgende weiterführende Literatur ist verfügbar auf der Website des AWEL zum Massnahmenplan Wasser (http://www.wasser.zh.ch/internet/bd /awel/wa/de/mpw.html): AWEL Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (2007): Massnahmenplan Wasser im Einzugsgebiet des Furtbachs, Schlussbericht. Ernst Basler + Partner AG, November 2007. AWEL Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (2006): Massnahmenplan Wasser Kanton Zürich, Leitbild, März 2006. AWEL Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (2004): Fragen und Antworten zum Massnahmenplan Wasser. Ernst Basler + Partner AG, Mai 2004. AWEL Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (2002): Schlussbericht Phase I Massnahmenplan Wasser (Kurzfassung). Ernst Basler + Partner AG, April 2002.

AWEL Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (2005): Massnahmenplan Wasser, Einzugsgebiet der Glatt, Bericht Massnahmen. Gossweiler Ingenieure AG et al., April 2005. VSA (2000): Der Regionale Entwässerungsplan REP (August 2000). Adresse der Autoren Christina Dübendorfer Enst Basler + Partner AG Zollikerstrasse 65 CH-8702 Zollikon E-Mail: christina.duebendorfer@ebp.ch Ralph Widmer Gossweiler Ingenieure AG Neuhofstrasse 34 CH-8600 Dübendorf E-Mail: ralph.widmer@gossweiler.com

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LITERATUR

So befreien wir die kleinen Gewässer! Werner Götz Ein Leitfaden zur Ausdolung und Revitalisierung von Kleingewässern in der Gemeinde 70 Prozent der Schweizer Fliessgewässer sind Kleingewässer mit weniger als 2 Meter Breite. In unserer Region ist jedoch rund die Hälfte dieser Bächlein in Röhren unter dem Boden gefangen – aus den Augen aus dem Sinn. Mit ihrer Mehrjahresaktion gummistiefelland.bl möchte Pro Natura Baselland mithelfen, dass diese Bäche zugunsten von Natur und Mensch wo immer möglich wieder ihren angestammten Raum erhalten und möglichst frei an der Oberfläche fliessen dürfen. Mittlerweile konnten nicht zuletzt dank der Unterstützung des Fonds Landschaft Schweiz FLS einige konkrete Projekte realisiert und die

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Bäche damit aus ihren Röhren befreit werden. Anlässlich einer von Pro Natura Baselland durchgeführten Fachtagung wurde von verschiedenen Gemeindevertretern der Wunsch nach einem Leitfaden für die Ausdolung von kleinen Gewässern geäussert, welcher die speziellen Rahmenbedingungen im Kanton Baselland berücksichtigt. Dank der Unterstützung des AUE Basel-Landschaft, des AUE Basel-Stadt sowie weiteren Sponsoren und Geldgebern konnte dieser Leitfaden in Form eines attraktiven Ordners nun der Öffentlichkeit vorgestellt und an sämtliche Gemeinden der beiden Basel gratis abgegeben werden. Der Leitfaden umfasst 120 Seiten, 100 Abbildungen und kann mit eigenen Unterlagen und Dokumentationen ergänzt werden. Der Leitfaden mit seiner Fülle von praktischen,

politischen und juristischen Informationen ist auch für Amtsstellen, Fachbüros, Juristen und Naturschutzorganisationen interessant. Er berücksichtigt zwar die Rahmenbedingungen beider Basel, ist jedoch auch für Interessierte in anderen Kantonen der Schweiz sehr hilfreich. Er kann bei Pro Natura Baselland zum Selbstkostenpreis von 80 Franken bestellt werden. Kontaktadresse Pro Natura Baselland Werner Götz Projektleiter Revitalisierungen Kasernenstrasse 24 Postfach 376 CH-4410 Liestal Tel.: 061 921 86 50 Fax: 061 923 86 51 E-Mail: pronatura-bl@pronatura.ch


PROJEKTBESCHRIEB

Bätzimatt am Zürcher Obersee – Rettung einer Insel vor der Wellenerosion Andreas Huber, Markus Jud 1 Vorgeschichte Der heutige Linthkanal ist die Verbindung des Walensees mit dem Obersee, wo er südlich von Schmerikon einmündet. Links des Kanalendes und dem Buechberg befindet sich eingerahmt zwischen ein paar Inseln und dem Kanaldamm ein mehrere Hektaren grosser Baggersee. Das unter Naturschutz stehende Gebiet von nationaler Bedeutung heisst Bätzimatt. In den vergangenen zwei Jahrhunderten hat sich in dieser Gegend einiges verändert. Im Zuge der Linthkorrektion ist aus dem wilden Gebirgsfluss aus dem Glarnerland ein geschiebefreier und gestreckter Wasserlauf mit klarem Abfluss geworden. Die Verwirklichung des eigentlichen Linthwerkes unter Hans Konrad Escher nahm ihren Anfang 1807. Die Linth wurde bereits 1811 über den neu erstellten Escherkanal in den Walensee übergeleitet. Sie hatte der Bevölkerung bis dahin häufig Wassernöte beschert. Die Erstellung des Linthkanals zwischen Walensee und Obersee dauerte länger (Abb.1). Das unterste Teilstück von Grynau bis zum Zürichsee wurde erst 1866 begonnen und 1910 fertiggestellt. Die natürlichen Mündungsarme im Deltagebiet wurden im Kanal zusammengefasst. Das linksseitige Deltagebiet der Bätzimatt verlandete mit feinen Sedimenten. Die noch bestehenden, ehemaligen Mün-

Abbildung 2: Blick nach Süden auf das Gebiet der Bätzimatt. Rechts aussen der Obersee, daneben die gerettete Westinsel, Baggersee auf der linken Bildseite, im Hintergrund der Fuss des Buechberges, vorne die Nordinsel, welche den Baggersee vom Linthkanal trennt

dungsinseln des Flusses sind Zeugen dieser Zeit. Auf die Wasser– und Geschiebeführung der Linth hatten diese Eingriffe nachhaltige Auswirkungen. Nach 1811 erhielt die Linth keinen Geschiebenachschub mehr, und das Abflussregime war ausgeglichener dank dem Rückhalt des Walensees. Vor der Korrektion lag dessen höchster Spiegel gemäss J.G. Tulla auf Kote 426,62, nachher anlässlich des 100-Jahr-Ereignisses von 1999 auf

Abbildung 1: Stich Linthebene 1811, Zustand vor und nach der Linthkorrektion. Das letzte Teilstück des Linthkanals von Grynau bis zum Obersee wurde erst nach 1866 kanalisiert. Zu beachten ist das Delta mit der verzweigten Einmündung in den Obersee (aus Wikipedia)

Kote 422,16. Mit der Absenkung der höchsten Walenseespiegel um etwa 4,5 m verringerte sich das Gefälle im 17 km langen Linthkanal zwischen den beiden Seen von 1,15‰ auf ca. 0,89‰. Schon vor der Korrektion war die Linth nicht imstande gewesen, grobes Geschiebe bis in den Obersee zu befördern. Sie lagerte Geröll und Steine bereits zwischen Niederurnen und Ziegelbrücke ab und erhöhte so die Lage ihres Bettes stetig. Bis zum Obersee wurde das noch transportierte Korn zunehmend feiner. Im Bereich der Linthmündung bei Schmerikon ist der Untergrund feinsandig. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts hat das Unternehmen KIBAG aus diesen Ablagerungen Blausand gewonnen, und entstanden ist der grosse Baggersee, der die Landschaft bereichert und von den Bootsfahrern gerne besucht wird. Der Baggersee wird durch drei Inseln gegen den Obersee und den Linthkanal abgegrenzt (Abb. 2 und 3). Die Inseln liegen auf dem feinen Untergrund und sind desINGENIEURBIOLOGIE / GENIE BIOLOGIQUE 2/09

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PROJEKTBESCHRIEB und versuchten vorerst den Abtrag mittels mehr oder weniger wirksamen Verbauungen zu stoppen. Die Wellen drohten die bereits sehr schmal gewordene Insel in der Mitte zu durchbrechen. 2 Uferschutzmassnahmen bei der Westinsel

Abbildung 3: Das Mündungsgebiet des Linthkanals mit den Inseln, dem Baggersee und dem Riedland Bätzimatt. Parallel zum Linthkanal verlaufen der linke und der rechte Seitengraben

halb erosionsgefährdet. Die mittlere dieser Inseln ist besonders gegenüber den Wellen des Westwindes exponiert. Seit dem 22. April 1420 ist die Bätzimatt im Besitz der Ortsgemeinde Schmerikon, liegt aber auf dem Hoheitsgebiet der politischen Gemeinde Tuggen im Kanton Schwyz. Die Bätzimatt mit den Inseln ist in der Liste der Landschaften von nationaler Bedeutung und somit im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler aufgeführt. Die Inseln sind zudem ein Erholungsgebiet, wo die Ortsgemeinde kleine Grundstücke verpachtet. Nachdem die kanalisierte Linth keine Sedimente mehr dem Zürichsee zuführte, setzte die Erosion der feinsandigen Flachufer ein. Die Uferlinien bildeten sich allmählich zurück, ein Prozess, der auch an andern Seen mit kanalisierten Zuflüssen zu beobachten ist. Ähnliche Beispiele finden sich etwa bei der Reussmündung in den Vierwaldstättersee, bei der Rhonemündung in den Genfersee und beim Rheindelta am Bodensee. Die rund 100 Jahre alten Inseln in der Bätzimatt erfüllen eine wichtige Funk36

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tion als Wellen- und Sichtschutz. Die längliche Westinsel schützt die hintere Bätzimatt vor der Erosion und hilft mit, den Landverlust einzudämmen. Diese Insel ist aber selbst durch den Wellenschlag, insbesondere jenen der Stürme, und durch die Seeregulierung gefährdet. Vor allem das Westufer erlitt Unterspülungen und einen beträchtlichen Landabtrag. Das Hochwasser 1999, mit einem Seespiegelanstieg von mehr als einem Meter im Vergleich zum Mittelwasserstand, verschärfte die Situation zusätzlich. Die Pächter wurden des kritischen Zustandes der Insel gewahr Windstärke nach Beaufort Windgeschwindigkeit

[m/s] [km/h]

Beobachtungsperiode

2.1 Grundsätzliche Überlegungen und Projektvorbereitung In Anbetracht der schwindenden Insel beauftragte der Verwaltungsrat der Ortsgemeinde Schmerikon im Juni 2000 ein Ingenieurbüro mit der Ausarbeitung wirksamer Uferschutzmassnahmen. Zielsetzung ist ein nachhaltiger Schutz der Westinsel. Es sollen stabile Flachufer mit dichtem Bewuchs von Schilf und Wasserpflanzen geschaffen werden. Harte Verbauungen, welche die Wellen reflektieren und damit denn Schilfgürtel schwächen, sollen nur dort, wo sie unbedingt nötig sind, erstellt werden. Die ehemalige Uferlinie soll soweit als möglich wiederhergestellt werden. Das Ufer am oberen Ende des Zürichsees wurde durch die Sedimente des vorstossenden Linthdeltas gebildet, es ist flach, und der Grund ist feinsandig. Der Sedimentnachschub der Linth wurde vor nahezu 200 Jahren infolge der Einleitung des Flusses in den Walensee unterbunden. Die Wellen des Windes aus Richtung Westen/Nordwesten (225° bis 325°), dessen Streichlänge vom Rapperswiler Seedamm her 11 Kilometer beträgt, und der für die Wellenbildung massgebend ist, leisten seither stetige Erosionsarbeit und befördern den Sand durch die welleninduzierten Strömungen in grössere Seetiefen. Aus der

10

9

24,5 – 28,5

20,8 – 24,4

89 – 102

75 –

8 88

17,2 – 20,7 62 – 74

7 13,9 – 17,1 50 –

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Tabelle 1: Anzahl Tage der Periode, an welchen die Windstärken gemessen wurden (Sekundenböen)


PROJEKTBESCHRIEB Windstatistik vergangener Jahre gehen für die Station Schmerikon Hafen von MeteoSchweiz folgende Zahlen der gemessenen Windböen hervor (Tabelle 1). Länger andauernde höhere Windgeschwindigkeiten dürften etwa die Hälfte der Spitzenwerte erreichen. Wird beispielsweise ein Wind der Geschwindigkeit v = 10 m/s und 2 Stunden Dauer angenommen, so können sich Wellen der Höhe H = 0,8 m entwickeln. Bei heftigen Stürmen sind Wellen von mehr als 1,0 m Höhe möglich. Diesen Wellen halten örtliche Uferbefestigungen nicht stand, sie werden unterspült und zerfallen. Die Uferlinie weicht immer mehr zurück. Die Lösung des Problems bietet sich an durch die Vorschüttung aus einer SandKies-Mischung mit gröberen Komponenten. Ähnlich dem morphologischen Geschehen im Bett eines Fliessgewässers bildet sich auch an einem sandig-kiesigen Seeufer eine pflästerungsartige Deckschicht aus den gröberen Körnern. Sie schützt den feineren Untergrund vor einem weiteren Abtrag. Die Sandkörner aus der Oberfläche werden dabei von den Wellenströmungen ins Tiefwasser verfrachtet. Zurück bleibt eine stabile gepflästerte Uferböschung. Es stellt sich hierbei die Frage nach den zu wählenden Korngrössen. Wohl gibt es Theorien dazu, doch ist es schwierig, die Eingabedaten exakt zu bestimmen, weil z.B. repräsentative Wellenmessungen fehlen und die örtlichen Verhältnisse nicht so einfach idealisiert werden können. Einfacher ist es die Natur zu beobachten und ihre Gesetzmässigkeiten zu übernehmen. Grundsätzlich gilt: Je steiler die Uferböschung, je gröbere Steine sind erforderlich zur Befestigung. Es ging also darum, passendes Material, nämlich Flusskies mit genügend grossem Maximalkorn, in ausreichender Menge zu finden. Was lag näher, als dem gleichen Fluss weiter oben gröberes Material zu entnehmen, nämlich im Kieswerk Gäsi bei der Mündung des Escherkanals in den Walensee. Ein Augenschein ergab, dass sich dieses Flussgeschiebe vorzüglich eignet. Der gesamte Korngrössenbereich bis ca. 15 cm ist vorhanden, das Material ist sauber gewaschen. Gewinnung und

Abtransport stellen keine besonderen Probleme. Das von der Glarner Linth hertransportierte Geschiebe enthält einen beachtlichen Anteil an Schwemmholz. Grössere Stücke wurden herausgelesen, die kleineren sind für die vorgesehene Verwendung ohne Nachteil. 2.2 Schüttungen und Erosionsschutz Ziel der Bauarbeiten war einerseits die Rückgewinnung eines Teils des verlorenen Territoriums und andererseits die Gestaltung einer stabilen, biologisch wertvollen und wellendynamisch wirksamen Flachwasserzone auf der Westseite. Zunächst stellte sich die Frage nach einem standortgerechten und stabilen Uferprofil für die gefährdete Westseite der Insel. Das Flachwasser sollte so seicht sein, dass sich darin Schilf ansiedeln und ausbreiten kann. Die geringe Wassertiefe verstärkt zudem die refraktionsbedingte Bremswirkung auf die anlaufenden Wellen. Mit der Absicht, die Wellen vor dem Eintritt ins Flachwasser ein erstes Mal zum Brechen zu bringen, wurde ein Riff eingeplant, welches das gesamte Flachwasser gegen den offenen Obersee abgrenzt (Abb. 4 und 11). Die Wassertiefe über dem Riff bei mittlerem Seestand soll ca. 0,4 m betragen. Folgende Überlegungen führten zur vorliegenden Bemessung des Riffs: Das aus der Wellentheorie bekannte Brechkriterium sagt aus, dass eine Welle im seichten Wasser bricht, wenn die relative Wellenhöhe, definiert als das Verhältnis

Wellenhöhe H zu Wassertiefe h, einen Grenzwert überschreitet. Es gilt: H – > 0,78 h Für h = 0,4 m brechen demnach Wellen ab der Höhe H = 0,31 m. Geht man von einer durchschnittlichen Wellensteilheit von H = 0,05 = 5 % – L aus, so ergibt sich eine zugehörige Wellenlänge von L = 6,2 m, welche einem angeregten Wellengang entspricht. Längere Sturmwellen brechen auf jeden Fall bevor sie die Uferlinie erreichen. Wellenströmungen sind bis in eine Tiefe unter dem Wasserspiegel noch spürbar, die der halben Wellenlänge L/2 entspricht. Im gezeigten Beispiel sind also Strömungen bis in eine Tiefe von 3,1 m spürbar. Diese Zahl belegt auch, dass im Flachwasser mit wellenbedingten Turbulenzen zu rechnen ist, denen ein feinsandiger Grund nicht zu widerstehen vermag. Ein weiterer Projektierungsschritt betraf die Festlegung des Schüttkörpers und dessen Schüttvolumen. Vor der Schüttung wies die Insel eine Oberfläche von 5'639 m2 auf, nach der Schüttung 6'687 m2. Demnach konnte vom See eine Landfläche von 1'048 m2 oder rund 10 Aren zurückgewonnen werden. Diese schmale Fläche ist 110 m lang und etwa 10 m breit. Die Berechnungen ergaben einen Inhalt des Schüttkörpers von 5'000 m3. Die Schüttungen samt Riff auf der Inselwestseite sind in der Situation Abb. 5 dargestellt.

Abbildung 4: Normalprofil durch die Schüttung am Westufer

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PROJEKTBESCHRIEB

Abbildung 5: Situation der Westinsel. Dunkelgrün: noch vorhandenes Inselgebiet; dunkelgrün-schwarz schraffiert: Landschilf; hellgrün, Flachwasserschilf; dunkelbraun: Terrainvorschüttung; hellbraun: Flachwasseraufschüttung umgrenzt vom Riff. Links und rechts der Insel führen vertiefte Fahrrinnen durch, so dass eine Steiluferbefestigung aus Pfahlreihen und Blocksteinen notwendig ist (mit schwarzer Signatur dargestellt)

Abbildung 6: Verteilung des Schüttmaterials auf der Westseite der Insel (Februar 2004)

Abbildung 7: Fertiggestellte Vorschüttung auf der Westseite der Insel. Rechts, oberhalb der Uferböschung wurde das zurückgewonnene Inselgebiet auf Wunsch der Bauherrschaft humusiert (März 2004)

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Vor den eigentlichen Bauarbeiten wurde das zum Teil nicht standortgerechte Gehölz auf der Insel teilweise gerodet. Die im nassen Boden stark treibenden Bäume und Sträucher behindern mit ihrem Schattenwurf das Wachstum des Schilfes. Das Sand-Kies-Gemisch aus dem Gäsi wurde mit Lastwagen zur Umschlagstelle westlich von Schmerikon transportiert und von dort mit einem Nauen zur Insel gebracht. Auf der Ostseite der Insel wurde das Schüttgut mittels Baggern entladen und in einem Depot zwischengelagert. Schliesslich wurde es mit Maschinen ins Flachwasser eingebracht und gemäss den vorgegebenen Profilen verteilt (Abb. 6). Ein Teil des Schüttmaterials wurde zur Landrückgewinnung verwendet. Die so gewonnene zusätzliche Inseloberfläche erhielt eine Humusschicht von 10 cm Stärke. Sie soll als Liegewiese genutzt werden können (Abb. 7). Ein beachtlicher Teil der Schüttung entfällt auf das künstliche Riff (Abb. 8). Am Flachufer wurde grundsätzlich auf harte Verbauungen verzichtet. An den Schmalseiten der Insel, wo der Grund stark in gebaggerte Fahrrinnen abfällt, ist ein Verzicht nicht möglich. Der Inselrand wurde mit Weisstannenpfählen eingefasst (Abb. 8). Über dem Mittelwasser wurden Sandsteinblöcke aus dem nahen Steinbruch Buechberg aufgeschichtet (Abb. 9). Der Raum zwischen Pfählen und gewachsenem Boden wurde mit Kies aufgefüllt und als notwendige Filter Geotextilien eingelegt. Das steile, in den Baggersee abfallende Ostufer von etwa 60 m Länge wurde nicht angeschüttet, sondern mit ingenieurbiologischen Massnahmen befestigt. Verwendet wurde ein Flechtwerk (Abb. 10). 3 Beobachtungsphase und Bewährung Nach der Fertigstellung der Bauarbeiten im Februar 2004 wurde die Insel der Natur und den Pächtern übergeben. Dennoch interessiert die weitere Entwicklung der Pflanzenwelt und der Ufermorphologie, weshalb im Sinne eines Monitorings von den Projektverantwortlichen am Ende der Jahre 2004, 2005,


PROJEKTBESCHRIEB

Abbildung 8: Links: Herstellung des Riffs mit Hilfe des Schrittbaggers. Rechts im Hintergrund: Einrammen der Weisstannenpfähle auf der nördlichen Schmalseite der Insel (Februar 2004)

Abbildung 9: Uferbefestigung auf der südlichen Schmalseite der Insel mit Sandsteinblöcken aus dem Steinbruch Buechberg. Im Gegensatz zum ursprünglichen Feinkies hält die Nachfüllung aus Grobkies den aufpeitschenden Sturmwellen stand (Dezember 2006)

2006 und 2008 ein Augenschein genommen wurde. Im Jahr 2006 wurden zudem die ursprünglich festgelegten Querprofile (Abb. 5) auf Veränderungen überprüft. Den Erwartungen gemäss haben die Wellenströmungen die Feinanteile aus der Oberfläche der Schüttung seewärts verfrachtet. Unterhalb der Wasserlinie schützt nun eine Abpflästerung aus Rundkies den Schüttkörper vor der weiteren Wellenerosion. 2008 betrug die Wasserüberdeckung des Riffs 45 bis 50 cm. Ähnliche Erfahrungen wurden bei der Befestigung der südlichen Schmalseite der Insel durch die Sandsteinblöcke gewonnen. Die aufprallenden Sturmwellen erreichten das hinterschüttete SandKies-Material (Abb. 9) und spülten es weg. Gröberes Kies als Ersatz bewährte sich hingegen. Nachträgliche Ausbesserungen wurden am oberen Rand der Strandböschung beim Übergang zur Liegewiese notwendig. Die heftigen Sturmwellen erreichten diese Böschungskante und bildeten einen kliffartigen Erosionssaum (Abb. 12). Um den unerwünschten Materialabtrag zu stoppen, wurde die Böschung im gefährdeten Bereich mit gröberem Geröll belegt (Abb. 13). Die sich ausbreitende Vegetation wird die Steine mit der Zeit überdecken. Die vorliegenden 4-jährigen Erfahrungen zeigen, dass die Westseite der Insel durch die gewählten Massnahmen stabilisiert werden konnte. Das geschüttete Riff dämpft die anlaufenden Wellen in einem wesentlichem Masse. Der Weiterbestand der Insel ist nun gesichert.

Abbildung 10: Flechtwerk auf der Ostseite der Insel, welche steil in den Baggersee abfällt (März 2004)

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PROJEKTBESCHRIEB Adresse der Autoren Markus Jud dipl. Bauing. FH c/o P. Meier & Partner AG Bauingenieurbüro Tellstrasse 1 8853 Lachen Andreas Huber Dr. sc. techn. dipl. Bauing. ETHZ beratender Ingenieur Im Baumgarten 12 8606 Greifensee

Abbildung 11: Das geschüttete Riff kurz nach der Fertigstellung. Es wurde seither durch die Wellen auf das gewünschte Niveau abgeflacht und ist vom Ufer her kaum mehr sichtbar (März 2004)

Weitere am Projekt Beteiligte Bauunternehmung: Johann Müller Schmerikon (JMS) 8716 Schmerikon Biologische Begleitung: AquaPlus, 6300 Zug Vermessung Terra Vermessungs AG, 8006 Zürich

Literatur SPEICH DANIEL (2006): Linth-Kanal, Die Korrigierte Landschaft – 200 Jahre Geschichte, Verlag Baeschlin, Glarus. AMSTUTZ PIA, KÄMMLEIN BRIGITTE (1988): Landschaftswandel in der Linthebene, Interkantonales Technikum Rapperswil, Abteilung Grünplanung, Gasterländer Druck & Verlag, Kaltbrunn. Abbildung 12: Der obere Teil der neuen Böschung wurde durch die Sturmwellen abgetragen, und es bildete sich ein kliffartiger Erosionssaum (21. Dezember 2006)

Ortsgemeinde Schmerikon (2003): Ausserordentliche Bürgerversammlung vom 6. November 2003, Gutachten und Antrag, Uferschutzmassnahmen Westinsel Bätzimatt im Betrag von 920'000 Franken. SISSEGGER BERTHOLD, TEIBER PETRA (2001): Erfolgsmodell für Renaturierungen am Bodenseeufer, Ingenieurbiologie 3/01.

Abbildung 13: Der Erosionssaum bis zur Böschungskante wurde mit Geröll belegt. Der Übergang zur Liegewiese ist nicht mehr gefährdet (Aufnahme 22. Dezember 2008)

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VERANSTALTUNGEN

Agenda 12. November 2009: Fachtagung Wasser Wasser und Umweltprobleme, Wasserversorgung, Qualitätssicherung sowie rechtliche Aspekte und die Belastung mit Geruchs- und Geschmacksstoffen sind wichtige Aspekte dieser Tagung. Ort: Vaduz; Kosten: Fr. 210; Anmeldung und Auskunft: Fachtagung Wasser 2009, Postfach 37, CH-7304 Maienfeld Tel.: +41 (0)81 723 02 25 Fax: +41 (0)81 723 03 39 E-Mail: fachtagung@uli-lippuner.ch Internet: www.uli-lippuner.ch 18. November 2009: Rendez-vous am Mittag: Die alpine Schneedecke – Tatsachen und Aussichten In diesem Beitrag werden basierend auf wissenschaftlichen Fakten die Entwicklung der Schneedecke in der Vergangenheit sowie zukünftige Trends präsentiert und unter anderem mit dem Tourismus verknüpft. Ort: Bündner Naturmuseum, Chur; Kosten: Fr. 6; Anmeldung und Auskunft: Bündner Naturmuseum, Masanserstrasse 31, CH-7000 Chur Tel.: +41 (0)81 257 28 41 Fax: +41 (0)81 257 28 50 E-Mail: info@bnm.gr.ch Internet: www.naturmuseum.gr.ch/index.php/ veranstaltungen3/0/ 20. und 21. November 2009: 7th Swiss Geoscience Meeting Unter dem Motto «Water Across Boundaries» fokussiert diese Veranstaltung insbesondere auf den Einfluss und die Wichtigkeit des Wassers im Zusammenhang mit den Erdwissenschaften sowie auf die neusten Erkenntnisse und Entwicklungen in der Hydrologie und Hydrogeologie. Neben wissenschaftlichen Aspekten ist auch die gegenseitige Beeinflussung von Wasser und Gesellschaft ein Thema. Ort: Espace LouisAgassiz 1, Neuchâtel; Kosten: Fr. 50 (Studierende: Fr. 30); Anmeldung und Auskunft: Geosciences, Platform of the Swiss Academy of Sciences, Schwarztorstrasse 9, CH-3007 Bern

Tel.: +41 (0)31 310 40 99 Fax: +41 (0)31 310 40 29 E-Mail: pierre.dezes@scnat.ch Internet: http://geoscience-meeting. scnatweb.ch/sgm2009/index.html 23. bis 27. November 2009: Grundstücksentwässerung Die Qualität der Grundstücksentwässerung muss im Interesse des Gewässerschutzes verbessert werden. Um dies zu erreichen, bietet der VSA den Ausbildungskurs Fachperson Grundstücksentwässerung an. Die Absolventen des Kurses sollen in der Lage sein, Planer und Bauherren fachlich fundiert zu beraten und die sachgerechte Realisierung der Anlagen der Grundstücksentwässerung zu überwachen und zu kontrollieren. Ort: Hotel Seeblick Emmetten; Kosten: Fr. 3950 (VSA-Mitglieder: Fr. 2750); Anmeldung und Auskunft:

Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA, Strassburgstrasse 10, Postfach, CH-8026 Zürich Tel.: +41 (0)43 343 70 70 Fax: +41 (0)43 343 70 71 E-Mail: sekretariat@vsa.ch Internet: www.vsa.ch 26 Novembre 2009: Mise en place d'un plan de mobilité: stratégie, évaluation, indicateurs et solutions concrètes De plus en plus d’entreprises privées et publiques souhaitent limiter l’impact des déplacements de leurs collaborateurs. Pour se faire, elles mettent en place des «plans de mobilité». Ce cours permettra d’acquérir les bases théoriques d’élaboration d’un plan de mobilité. Chaque étape sera expliquée à travers des

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VERANSTALTUNGEN exemples concrets. Lieu: Yverdon-lesBains; Frais: Fr. 580; Inscription et renseignement: HEIG-VD, CAS manager DD, Département formation continue – Secrétariat, Avenue des Sports 20, CH-1401 Yverdon-les-Bains Tél.: +41 (0)24 557 76 11 Fax: +41 (0)24 557 76 01 E-Mail: info@management-durable.ch Internet: www.managementdurable.ch/de/cas_manager_dd.php 27. November 2009 (Start; Dauer 2 Jahre): Zertifikatslehrgang CAS MakroZooBenthos Der Zertifikatslehrgang CAS MakroZooBenthos befähigt die Teilnehmenden, die biologische Wassergüte von Fliess- und Stillgewässern zu bewerten. Vermittelt werden Methoden der Bioindikation und Artenkenntnis im Bereich der wirbellosen Wassertiere. Der Zertifikatslehrgang richtet sich an Personen, die in ihrem Beruf mit Gewässerökologie, Gewässerschutz, Gewässerüberwachung, Naturund Artenschutz zu tun haben, sowie an Lehrer/-innen der Sekundarstufe II und an Privatpersonen mit entsprechenden Vorkenntnissen, die sich in diese Richtung weiterentwickeln möchten. Ort: ZHAW Wädenswil; Kosten: Gesamter Kurs: Fr. 6300, Modul 1: Fr. 2300, Modul 2: Fr. 3600; Anmeldung und Auskunft: Heinrich Vicentini, Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Life Sciences und Facility Management, Grüental, Postfach, CH-8820 Wädenswil Tel.: +41 (0)58 934 59 59 E-Mail: info.iunr@zhaw.ch Internet: www.iunr.zhaw.ch/de/science/iunr/ weiterbildung/casdasmas/ makrozoobenthos.html 4. Dezember 2009: Informationstagung «Biber und Biodiversität» Um die vielfältigen Herausforderungen der Zukunft rund um die Gewässer nachhaltig zu lösen, brauchen die Biber mehr Platz. Wenn wir versuchen, sie dabei als Partner mit an Bord zu holen, kann er uns kostenlos helfen, die Gewässer zu renaturieren und so aktiv zur Artenvielfalt und zu vielfältig strukturierten Gewässern beitragen. Zusätzlich 42

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helfen natürlichere Ufer Konflikte mit dem Biber langfristig präventiv zu vermeiden, was die Akzeptanz dieses faszinierenden Tieres langfristig fördert und sichert. Ort: Weltpostverein, Bern; Kosten: Fr. 50; Anmeldung und Auskunft: Sekretariat AMA, Bundesamt für Umwelt BAFU, Abteilung Artenmanagement, CH-3003 Bern Fax: +41 (0)31 323 89 74 E-Mail: ama@bafu.admin.ch Internet: www.cscf.ch/page17310_de_CH.html 9. bis 11. Januar 2010: 3rd World Universities Forum Im Mittelpunkt dieser Konferenz stehen die Rolle und Zukunft von Universitäten unter sich immer schneller ändernden Rahmenbedingungen. Paradoxerweise kommt kreatives Denken immer häufiger aus Wirtschaft und Politik und nicht aus dem eigens dafür gegründeten akademischen Bereich. Das World University Forum will mit dieser Tagung den Austausch zwischen Politik, Ökonomie und der Academia fördern sowie die Rolle der Universitäten überdenken. Ort: Kongresszentrum Davos; Kosten: $ 550; Anmeldung und Auskunft: The Worldwide Universities Network (WUN), College of Education, University of Illinois at Urbana-Champaign, USA E-Mail: support@ontheuniversity.com Internet: http://ontheuniversity.com/ conference/ 13. Januar 2010: Die Alpen: Brachland oder Laboratorium für nachhaltige Entwicklung? Ausgangspunkt bilden die im In- und Ausland laufenden Diskussionen über die gesellschaftlichen Zukunftspotenziale der Berggebiete. Vor diesem Hintergrund soll aufgezeigt werden, dass die Alpen nicht nur «alpine Brache» sind, sonder vielmehr auch die Chance besitzen, zu einem Modell für nachhaltige Entwicklung zu werden – und einige Gebiete bereits konkret daran sind dies Chance zu packen. Ort: Auditorium D1.2, Hauptgebäude ETH Zürich; Anmeldung und Auskunft: Geographisches Institut der Universität Zürich-Irchel, Winterthurerstrasse 190, CH-8057 Zürich Tel.: +41 (0)44 635 51 42 E-Mail: max.maisch@geo.uzh.ch Internet: www.geo.unizh.ch/gegz

8. bis 10. Februar 2010: International Scientific Conference on Technologies for Development Das Thema dieser Tagung ist «Technologie für Entwicklung». Im Zentrum steht ein interdisziplinärer Ansatz, basierend auf wissenschaftlicher Zusammenarbeit. Es wird insbesondere auf drei Themenbereiche fokussiert: wissenschaftliche Forschung und Entwicklung; Kontext und soziale Dimension; Zusammenarbeit und wissenschaftliche Partnerschaft. Ort: EPFL, Lausanne; Kosten: Fr. 400 (Studierende: Fr. 300); Anmeldung und Auskunft: Cooperation@epfl, EPFL - Station 10, CH-1015 Lausanne Tel.: +41 (0)21 693 60 12 Fax: +41 (0)21 693 60 10 E-Mail: tech4dev2010@epfl.ch Internet: http://cooperation.epfl.ch/ Jahia/site/cooperation/op/preview/ pid/70491 10. bis 12. Februar 2010: Internationales Symposium Auen und Hochwasser Die Auen als Natur- und Lebensraum, Rückhalteraum für Hochwasser und Nutzfläche für Siedlung, Land- und Forstwirtschaft – ein unlösbarer Widerspruch? Aus unterschiedlichen Blickwinkeln sollen wissenschaftliche Grundlagen betrachtet, mögliche Lösungswege aufgezeigt, verschiedene Beispiele aus dem In- und Ausland vorgestellt und wertvolle Anregungen für die eigene Arbeit gegeben werden. Die Veranstaltung bietet ein Forum für Fachleute aller betroffenen Fachdisziplinen aus Verwaltung, Ingenieurpraxis, Kommunen, Verbänden und Forschung, die sich aktuelles und notwendiges Wissen aneignen und zielgerichtet nutzen wollen. Ort: Kolpingakademie Ingolstadt; Kosten: € 230 (Studierende: € 30); Anmeldung und Auskunft: Fachgemeinschaft Hydrologische Wissenschaften, c/o Aueninstitut Neuburg, Frau Michaela Walter-Rückel, Schloss Grünau, D-86633 Neuburg Tel.: +49 8431 64759-22 Fax: +49 8431 64759-21 E-Mail: michaela.walter-rueckel@ aueninstitut-neuburg.de Internet: http://fghw.lfi.rwth-aachen.de/ chapvera/auen-und-hochwasser.php


VERANSTALTUNGEN 15. bis 19. März 2010: VSA-Ausbildungskurs «Fachperson Grundstücksentwässerung» Der Inhalt des Kurses umfasst die Bereiche Siedlungsentwässerung, Entwässerungstechnik von Grundstücken, rechtliche Grundlagen, Bewilligungen, Kontrollen und Abnahmen, Konfliktbewältigung sowie baulicher und betrieblicher Unterhalt. Ort: Emmetten; Kosten: Fr. 3950 (Mitglieder: Fr. 2750); Anmeldung und Auskunft: VSA, Europastrasse 3, Postfach, CH-8152 Glattbrugg Tel.: +41 (0)43 343 70 70 Fax: +41 (0)43 343 70 71 E-Mail: sekretariat@vsa.ch Internet: www.vsa.ch 26. März 2010: Innovationen im Pflanzenbau und deren Umsetzung Der Pflanzenbau benötigt Innovation auf allen Stufen, von der Forschung und Entwicklung bis hin zur Bildung und Beratung. Der Wissens- und Technologietransfer zwischen Forschung und Entwicklung einerseits und der Praxis andererseits ist zu verbessern und zu verkürzen. Internationale Vernetzung und neue Methoden des Wissensaustauschs spielen dabei eine wichtige Rolle. An der Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften stehen genau diese Aspekte im

Zentrum. Ort: Syngenta, Stein; Anmeldung und Auskunft: SGPW / SSSA c/o Michel Gygax, Fachstelle für Pflanzenschutz, Rütti, CH-3052 Zollikofen Tel.: +41 (0)31 910 51 53 Fax: +41 (0)31 910 53 49 E-Mail: michel.gygax@vol.be.ch Internet: www.sgpw.scnatweb.ch/d/events/ Jahrestagung_2010.php 28. und 29. Mai 2010: Erlebnis Geologie Die Veranstaltungen haben zum Ziel, die unbewusste Alltäglichkeit der Geologie näherzubringen. Warum der Geologe Garant für sauberes Trinkwasser ist. Warum in den nächsten Jahren vermehrt «Ötzis» zum Vorschein kommen. Wo in der Zahnpasta die Geologie steckt. Warum der Klimawandel für die Geologen Überstunden verursacht. Wie Dinosaurierspuren auf der Autobahn (Transjuranne) erklärbar sind. Warum auch in der Schweiz erdbebensicheres Bauen Vorschrift ist. Ort: verschiedene Städte der Schweiz; Anmeldung und Auskunft: Erlebnis Geologie, Dornacherstrasse 29, Postfach, CH-4501 Solothurn Tel.: +41 (0)32 625 75 75 Fax: +41 (0)32 625 75 79 E-Mail: info@erlebnis-geologie.ch Internet: www.erlebnis-geologie.ch

23. August bis 3. September 2010: «Practical Solutions and Actions» – Integrated Water Resource Management in the context of Developing and Transition Countries Die Teilnehmer lernen Probleme im Zusammenhang mit Wasser integral und aus globaler Sicht anzugehen und mögliche Lösungen und entsprechende Aktivitäten in einen lokalen Kontext zu stellen. Die Fähigkeiten in Management und Monitoring werden verbessert in Bezug auf Wasserprojekte in der Entwicklungszusammenarbeit. Ort: Biel; Anmeldung und Auskunft: Bern University of Applied Sciences, Architecture, Wood and Civil Engineering, Solothurnstrasse 102, CH-2504 Biel/Bienne Tel.: +41 (0)32 344 03 30 Fax: +41 (0)32 344 03 91 E-Mail: wb.ahb@bfh.ch Internet: www.hsb.bfh.ch/ahb/en/ Weiterbildung/cas/CAS_IWRM_ Detail.htm

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INHALT / CONTENU

Editorial

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Fachbeiträge Ganzheitliches Einzugsgebietsmanagement: Ansätze und Formen

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Einzugsgebietsmanagement und Integrale Wasserwirtschaft (Entwicklungen aus nationaler Sicht)

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IEM als Koordinationsaufgabe bei Glatt und Sitter

17

Swissrivers: une nouvelle plateforme de prévision des débits des rivières suisses

22

Ein Massnahmenplan Wasser als Koordinationsinstrument (Regionale Planung am Beispiel der Einzugsgebiete Glatt und Furtbach)

27

Literatur So befreien wir die kleinen Gewässer! (Ein Leitfaden zur Ausdolung und Revitalisierung von Kleingewässern in der Gemeinde)

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Projektbeschrieb Bätzimatt am Zürcher Obersee – Rettung einer Insel vor der Wellenerosion

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Veranstaltungen Agenda

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ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Thomas Weibel Grüental, Postfach 335, CH-8820 Wädenswil Tel. +41 58 934 55 64, Fax: +41 58 934 55 80

Rolf Studer Direction de l’aménagement, de l’environnement et des constructions Protection de la nature et paysage Rue des Chanoines 17, Case postale, CH-1701 Fribourg Tel. +41 (0)26 305 51 87, Fax +41 (0)26 305 36 09 E-Mail: studerr@fr.ch

Inserate Inseratentarif für Mitteilungsblatt / Tarif d’insertion dans le bulletin Der vorliegende Tarif ist gültig für eine Ausgabennummer. Le présent tarif comprend l’insertion pour une parution. 1 Seite Fr. 750.– 2/3 Seite 1/3 Seite Fr. 300.– 1/4 Seite Separate Werbebeilage beim Versand: 1 A4-Seite jede weitere A4-Seite

Verein für Ingenieurbiologie Association pour le génie biologique

Fr. Fr. Fr. Fr.

550.– 250.– 1000.– 300.–

1/2 Seite 1/8 Seite

Fr. 400.– Fr. 150.–

Inseratenannahme: Roland Scheibli, Gossweiler Ingenieure AG, Neuhofstrasse 34, Postfach, 8600 Dübendorf 1, Tel.: +41 44 802 77 11, Fax: +41 44 802 77 01, E-Mail: rs@gossweiler.com Link auf der Internetseite des Vereins/Liaison internet sur la page web de l’association: Fr. 750.– pro Jahr/par an Oder bei Inseraten im Mitteilungsblatt im Wert von mindestens Fr. 750.– pro Jahr Contre publication d’encarts publicitaires dans le journal Génie Biologique pour Fr. 750.– par an au moins

Redaktionsschluss / Délai rédactionnel Heft: Nr. 3/2009 Nr. 4/2009 Nr. 1/2010 Nr. 2/2010

Redaktionsschluss: 15. Juli 2009 15. Oktober 2009 15. März 2010 15. Mai 2010

Thema: Biogene, maschinelle Ufersicherung 20 Jahre VIB Pflanzen und Wasserqualität Exkursionsführer

erscheint: Dezember 2009 Dezember 2009 April 2010 Juni 2010

Redaktion: Monika Stampfer Margrith Göldi Ladina Koeppel Margrith Göldi

Fachbeiträge sind gemäss den redaktionellen Richtlinien zu verfassen und bis zum Redaktionsschluss an Roland Scheibli, Gossweiler Ingenieure AG, Neuhofstrasse 34, Postfach, 8600 Dübendorf 1, Tel.: + 41 44 802 77 11, Fax: +41 44 802 77 01, E-Mail: rs@gossweiler.com, einzureichen.

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Mitteilungsblatt Nr. 2 / 2009, Januar 2010

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