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Fallgeschichte Zwangsheirat Fall Feride, 19 Jahre Die 19-jährige Feride macht eine Ausbildung im Einzelhandel, diese Berufsausbildung ist ihr sehr wichtig. Sie sucht die Hilfe des Projektes Scheherazade, weil ihre Eltern sie gezwungen hatten, sich mit einem jungen Mann aus dem Heimatdorf der Eltern zu verloben und Feride die Verlobung lösen will. Die Mutter war selbst als junges Mädchen mit 15 Jahren mit dem Vater von Feride verheiratet worden. Sie glaubte, für ihre Tochter eine gute Wahl getroffen zu haben. Den Eltern zuliebe reist Feride sogar in die Türkei, um den Heiratskandidaten kennenzulernen und verlobt sich mit ihm. Sie findet ihn jedoch unsympathisch. Feride will auch mit keinem Mann verheiratet sein, der weder Deutsch spricht noch eine Ausbildung hat. Nach der Reise in die Türkei gibt es ein halbes Jahr heftigen Streit mit den Eltern, bei denen Feride auch von den Eltern misshandelt wird.

Die ablehnende Haltung von Feride wird dadurch verstärkt, dass sie sich in einen jungen Türken aus ihrem Freundeskreis verliebt. Mit ihm kann sie sich eine Ehe vorstellen. Feride ist gläubig und lehnt sexuelle Beziehungen vor der Ehe ab. Doch sie will erst heiraten, wenn sie ihre Ausbildung beendet hat. Feride bereut die Verlobung mit dem von den Eltern gewählten Bräutigam in der Türkei.

Als von den Eltern die standesamtliche Hochzeit in der Türkei konkreter geplant wird, setzt Feride sich heftiger zur Wehr. Die Mutter wird massiv gewalttätig gegen die Tochter. Sie befürchtet den Gesichtsverlust im Heimatdorf, besteht auf der baldigen Hochzeit.

Durch die andauernden familiären Konflikte verschlechtern sich die Schulleistungen von Feride. Die Lehrerin sieht die Verletzungen des Mädchens und spricht sie darauf an. Das verzweifelte Mädchen erhält Hilfe bei der Schulsozialarbeiterin in der Berufsschule und erfährt dort von dem Angebot des Projektes Scheherazade. Nach einigen Telefonaten, in denen die Mitarbeiterinnen ihr das Wohnprojekt beschreiben und die Regeln erklären, beschließt Feride, das Elternhaus zu verlassen und bei Scheherazade Zuflucht zu nehmen.

In der Schutzwohnung findet sie Zuflucht und Verständnis, kann ihre Situation reflektieren und sich mit den Pädagoginnen beraten. Es ist nicht leicht für sie, von den Eltern und Geschwistern getrennt zu sein. Sie war in ihrem Leben noch keinen einzigen Tag von Eltern


und Geschwistern getrennt. Und sie hat Sehnsucht nach ihrem Freund, mit dem sie nach einiger Zeit telefonieren darf. Wie die meisten Mädchen hat sie großes Heimweh, vermisst auch ihre Arbeit im Geschäft. Auf Rat der Pädagoginnen hatte sie zuvor ihren Vorgesetzten darüber informiert, dass sie die Stadt verlassen müsse und ihre Situation erklärt. Ihr Vorgesetzter zeigt glücklicherweise Verständnis und er sagt ihr zu, einige Wochen auf sie zu warten.

In vielen intensiven Gesprächen bekommt Feride Gelegenheit, ihre Situation zu reflektieren und sich über eine mögliche Strategie klar zu werden. Als deutlich wird, dass Feride sich einen Bruch mit dem Elternhaus nicht vorstellen kann, wird überlegt, welche Ressourcen Feride mobilisieren könnte und gemeinsam wird eine Lösung entwickelt.

Über die Vermittlung durch eine Tante und die Großmutter findet Feride nach einigen Wochen einen Weg, wieder zur Familie zurückzukehren. Voraussetzung dafür sind einige gute Entwicklungen in der Familie. Die Hochzeit in der Türkei ist in der Zwischenzeit von den Eltern abgesagt worden. Sie selbst hat telefonisch die Verlobung in der Türkei gelöst.

Feride ist schließlich sehr froh, wieder an ihre Arbeitsstelle zurückzukönnen, da sie sich mit dem Vorgesetzten und den Kolleginnen gut versteht. Beim Abschied von Scheherazade ist sie optimistisch, dass die Beziehung zu ihrem Freund sich gut entwickeln wird. Die Mitarbeiterinnen von Scheherazade informieren im Einverständnis mit Feride die Schulsozialarbeiterin darüber, dass Feride wieder zu ihrer Familie zurückkehrt. So sorgen sie für eine Absicherung, sollten erneut Gewalt oder Heiratspläne der Eltern ein Problem werden.


Die Fallgeschichte Ferides zum Nachlesen