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B.

#01/14 April 2014

Magazin.

das Baustellen-magazin für Verkehrswegbauer

Remo auf der Tafel

Die Plakatkampagne für mehr Rücksicht­ nahme auf die Strassenbauer wirbt mit René, Luca & Co.

Seite 5

Fussball vs. Belag

Die Hans Weibel AG legt gerne einmal eine Einbau-Pause für die Schweizer Fussball­ nationalmannschaft ein.

Seite 20

Treibstoff für die Zukunft

Der Verein Triebwerk in St. Gallen hilft bei der Suche nach dem Wunschberuf.

Seite 27

gu t es TE a mwor k iste … 4 U m fr age au f Seit


ZEIG, WAS DU DRAUF HAST SWISS SKILLS 17.– 21. SEPT. 2014

WWW.STRASSENBAUER.CH/MEISTERSCHAFT


INHALT

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UNTER TAG Das B. Magazin geht unter Tag auf die Tunnelbaustelle in Schaffhausen und trifft auf Maulwürfe, Sprengmeister und die heilige Barbara.

WISSEN/SCHULE

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TECHNIK

BILDUNG – NACHGEHOLT Jürg Schneider ist auf der Baustelle ein Profi. Bald hat er auch das entsprechende Diplom in der Tasche.

WISSEN/INSIDE

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ES IST EINGEMESSEN Mit Tachymeter, Infrarot und Prismaspiegel den Betonfertiger der Kibag millimetergenau steuern.

FREIZEIT/PORTRAIT

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OLYMPIAREIF Dabei sein ist alles: Beste Stimmung bei den olympischen Wii-nterspielen im Campus Sursee.

MACHER/BERUF

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BAGGERN MIT PATRICK Vom Kindheitstraum zum Traumberuf: Patrick Bucher ist Baumaschinenführer auf einem 18-Tonnen-Caterpillar.

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WER HOCH STEIGT … … muss runterspringen. FreestyleTurmspringer Eric Stauffer wagt es und wächst über sich hinaus.

AUSFAHRT

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ALLES BANANE? Wann ist Banküberfall-Tag? Und zwei weitere Dinge, die du nicht unbedingt wissen musst. 01/14 B. MAGAZIN

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einsaTz/NEWS

tea m r , toll ei n andere macht’s?

uMfRage: was MachT guTe TeaMaRbeiT aus?

chRisToph zaugg, ge bau ag: «Ich finde wichtig, dass man es zwischen­ durch auch einmal etwas locker nehmen kann, ohne dass die Arbeit darunter leidet. Ab und zu ein Witz und ein bisschen la­ chen muss sein. Ich muss mich aber auch auf meine Teamkollegen verlassen können, und gegenseitiges Vertrauen ist wichtig.»

RaineR fRick, kibag ag: «Für mich muss es in einer Gruppe har­ monieren. Bei einem eingespielten Team weiss jeder, was er zu tun hat und was der andere macht. Man nimmt Rücksicht und hilft einander, wenn es nötig ist. Je besser man einander kennt, desto besser kann man zusammen arbeiten.»

andy schilling, kibag ag: «Bei uns fängt die Teamarbeit bereits am frühen Morgen an: Wir fahren gemeinsam mit dem Lastwagen auf die Baustelle. Kol­ legialität ist sehr wichtig, und egal, in wel­ cher Position man ist, man geht mit jedem gleich um und respektiert einander. Team­ arbeit funktioniert nur, wenn jeder Einzelne mitmacht und mitdenkt.»

danJa und valenTin sind beiM b. Magazin Danja Hagi und Valentin Oertig heissen die Neuen auf der B. Magazin­Redaktion. Die beiden Strassenbau­Lernenden unter­ stützen das Team mit ihrem Input und ihrer Meinung aus der Sicht der Lernenden. Herzlich willkommen!

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B. MAGAZIN 01/14


Einsatz/News

Luca & CO. stehen an erster Stelle

D

ie neue Plakat-Kampagne des Fachverbandes Infra fällt auf. Denn plötzlich haben die orange gekleideten Strassenbauer auf den Strassen und Autobahnen der Schweiz einen Namen. Ob Luca, Remo oder Heiri – sie alle bekommen mit der Kampagne ein Gesicht. Und erinnern die

ue Ne agne mp Ka

­Autofahrer einmal mehr daran, dass bei Baustellen Vorsicht und Rücksichtnahme gefragt sind. Luca und Remo und alle anderen unterhalten unsere Strassen. Sorgen wir Autofahrer für ihre Sicherheit!

Strassenbau-Champions – der Countdown läuft Welches Team räumt ab an der Schweizer Meisterschaft der Strassenbauer im September in Bern? Anfang Mai 2014 wird in Sursee trainiert. Die Teilnehmer kommen aus acht Kantonen. In Bern treten an: Richard Altermatt, Läufelfingen BL (Tozzo AG) Alain Buri, La Ferrière BE (Guido Cerini & Cie) Baptiste Babey, Le Noirmont JU (FMGC SA) Adrian Grob, Ennetbühl SG (De Zanet AG) Dario Grundbacher, Heimisbach BE (Gränicher AG) Christian Holenstein, Stein SG (E. Weber AG) Dominic Kirchmeier, Gossau SG (Morant AG) Robin Kriech, Neukirch TG (Morant AG) Sandro Leuenberger, Hunzenschwil AG (Implenia Schweiz AG) Robin Moll, Zürich (Walo Bertschinger AG)

Christoph Nussbaum, Lobsigen BE (Hans Weibel AG) Philipp Schär, Strengelbach AG (Kibag Bauleistungen AG) Simon Schöll, Recherswil SO (Tozzo AG) Pascal Studer, Reichenbach BE (Walo Bertschinger AG) Mehr zu den potenziellen Schweizer Meistern in der August-Ausgabe des B. Magazins – nicht verpassen! LINK

www.strassenbauer.ch/meisterschaft

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IM STOLLEN Sprengen, schuttern, spitzen: Ein Tag unter Tag im Galgenbucktunnel in Schaffhausen. Ăœber Tunnelbauer, Sprengmeister und die heilige Barbara.


Einsatz/Report

Der Tunnel hat eine Höhe von insgesamt 18 Metern. Erst wird im oberen Teil (Kalotte) gearbeitet, der untere Teil, die sogenannte Sohle, wird nachgezogen.

T

äglich verkehren zwischen Schaffhausen und dem Klettgau mehr als 25 000 Fahrzeuge. Der Bau des Galgenbucktunnels – ein ein Kilometer langer Strassentunnel durch Schaffhausens Hausberg – soll die Wohnquartiere vom Verkehr entlasten. Gebaut wird nicht mit Tunnelbohrmaschine. Dafür ist die Geologie zu uneinheitlich und die Baustelle zu nahe am Wohnviertel von Neuhausen. Stattdessen wird am Galgenbuck mit gezielten Sprengungen und dazu manuell gearbeitet. Das heisst, es wird fleissig gespitzt und abgetragen. Bis zu 1500 Tonnen Ausbruchmaterial pro Tag.

Das B. Magazin lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen und erhält einen Tag lang unter Tag tiefe Einblicke in den Tunnelbau. Von der Kalotte und der Strosse über die Tunnelbrust bis zur heiligen Barbara lernen wir jede Menge Neues ­ kennen und sehen, wie nach und nach ein Stück Tunnel entsteht.

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B. Magazin 01/14

Im schwarzen Loch Los geht’s um acht Uhr im Büro der Bauleitung vor dem Westportal direkt bei Neuhausen. «Vor einer halben Stunde machten wir die erste Lockerungssprengung», eröffnet uns Chefbauleiter ­Michael Noll. Schade! Das hätten wir gern gesehen. Nun müssen wir uns mit dem Video im Info-Pavillon begnügen. Bei den Sprengungen können Gesteinsteile bis 50 Meter weit geschleudert werden. Gerade heute Morgen wurden dadurch zwei Scheinwerfer im Stollen zerstört, erfahren wir vom Polier. Nun sind wir auf einmal gar nicht mehr traurig, bei der Sprengung nicht dabei gewesen zu sein. Nach einer kurzen Einführung ins Bauprojekt mit vielen technischen Fachbegriffen geht’s ­endlich los auf den Installationsplatz. Schicht im Schacht Hier übergibt Michael Noll an Vortriebsbauführer Dieter Lange. Er wird sich die nächsten Stunden um uns kümmern. Sicherheit wird auf Tunnelbaustellen gross

geschrieben. Wir erhalten eine Leucht­ jacke, Gummistiefel und einen Helm. Dann geht’s ab in den Stollen zu den Arbeitern. Sie haben ihre Hemden bereits nass geschwitzt: Schichtantritt war um sechs Uhr früh. Die Frühschicht, bestehend aus fünf Mann und dem Polier, der hier Drittelsführer genannt wird, arbeitet bis zwei Uhr nachmittags, dann übernimmt die zweite Schicht. Neben den ­Arbeiten im Berg gibt es solche, die über Tag gemacht werden. Der Elektriker und der Werkstattmeister beispielsweise arbeiten in normaler Tagesschicht. Tunnels werden oft rund um die Uhr gebaut. Doch am Galgenbuck ist um 22 Uhr Feierabend. Man nimmt Rücksicht auf die Anwohner. Wer möchte schon um zwei Uhr nachts von einer Lockerungssprengung aus dem Bett geholt werden? Die wichtigste Frau auf dem Bau Gleich beim Eingang des Stollens treffen wir auf die wichtigste Frau jeder Tunnelbau-


Einsatz/Report

Vorarbeiter Andreas Matthes verschafft sich einen Überblick. Die Sprengung am Morgen hat zwei Scheinwerfer zerstört, es muss für Ersatz gesorgt werden.

stelle: Die heilige Barbara, Schutzpatronin der Mineure. Im Galgenbuck wurde ihr ein schöner Schrein erstellt, mit Kerze und schmiedeeisernem Törchen. Dieter Lange erklärt: «Die heilige Barbara findet man auf jeder Tunnelbaustelle. Oft wird die Statue nach Fertigstellung am Tunnelportal instal­ liert. Ihr Gedenktag ist der 4. Dezember – für die Tunnelbauer stets ein grosser Tag.» Wir gehen tiefer in den Stollen hinein. Vor uns ragt eine neun Meter hohe Steilwand in die Höhe, die sogenannte Tunnelbrust. Die obere Tunnelhälfte ist bereits weiter: 30 Meter in die Tiefe geht es in ein schwar­ zes Loch. «Wir bauen im sogenannten Kalottenvortrieb», erklärt Dieter Lange. «Zuerst wird die obere Hälfte des Tunnel­ bogens, die Kalotte, ausgebrochen und gesichert. Anschliessend wird das untere Kreissegment, die Strosse und die Sohle, nachgezogen. Das ergibt eine kreisrun­ de Konstruktion mit einem Durchmesser von 18 Metern.» Nach jedem Meter Aus­ bruch, einem Abschlag, wird ein Netz an

die Wand gelegt, Spritzbeton aufgetragen und ein Stück des Metallrings angebracht. Dieser Ring sorgt für die statische Sicher­ heit des Tunnelabschnitts. Staub, Schotter, schweres Geschütz Die Sprengung haben wir verpasst, aber wir sehen das Resultat: Jede Menge Schotter liegt in der Sohle vor der Tun­ nelbrust. Er wird mit dem Radlader auf die schweren Dumper geladen und nach draussen transportiert, wo er anschlies­ send auf Lastwagen zur Deponie gebracht wird. Es ist staubig und lärmig im Stollen, und spätestens jetzt wird uns klar, wozu wir unsere Leuchtjacken tragen. Die Sicht ist schlecht, und das Manövrieren mit den schweren Maschinen im Stollen verlangt einiges an Geschick. Auch unsere Gum­ mistiefel erweisen sich als sinnvoll. Schot­ ter, vermischt mit Wasser, lässt uns knö­ cheltief im Schlamm versinken. Wir geben uns Mühe, niemandem im Weg zu stehen, und wir staunen. Zum Beispiel über den

Ohne die heilige Barbara läuft nix: Der Schutzpatronin der Mineure wurde im Galgenbuck ein besonders schöner Schrein gebaut. 01/14 B. Magazin

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Einsatz/Report

Die Tunnelbrust wird mit Spritzbeton versehen. So kann sich kein Geröll mehr lösen, und die Arbeiten können sicher vonstattengehen.

Dumper, der auf beiden Seiten der Führer­ kabine ein Steuerrad hat. So kann der Chauffeur den Sitz 180 Grad drehen und einfach in die andere Richtung fahren. Wir wundern uns auch, wie sich die Arbeiter oft nur mit bruchstückhaften Befehlen, die über den ganzen Lärm hinweg gebrüllt werden, untereinander verständigen. Wir verstehen gar nichts. Die Männer der Früh­ schicht schon. Ob Deutsch, Italienisch oder Portugiesisch – jeder weiss, was er zu tun hat und arbeitet Hand in Hand mit seinen Kollegen. Sprengen oder nicht? Während das Team am Schuttern ist und die Sohle freiräumt, erklärt Dieter Lan­ ge das weitere Vorgehen: «Ob wir den nächsten Meter sprengen oder abspit­ zen, entscheidet sich aufgrund der Fels­ beschaffenheit, die wir vorfinden. Also meist sehr kurzfristig. Wir dürfen nur bis 19 Uhr sprengen. Die Vorbereitungen für eine Sprengung dauern ungefähr zwei Stunden, das muss gut geplant werden.»

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Für eine Lockerungssprengung werden 117 Löcher in die Wand gebohrt. Jedes wird mit einer Zündung versehen und mit einem gelartigen Sprengstoff gefüllt. Auf der Baustelle ist nur ein Tagesvorrat an Sprengmaterial vorhanden, der Rest ist in sicherer Entfernung in einem Bunker ver­ staut. «Es muss immer ein Sprengmeister vor Ort sein», so Lange weiter. Er selber besitzt den Sprengausweis C, das ist die höchste Sprengerlaubnis in der Schweiz. Wir vom B. Magazin machen jetzt erst mal Mittagspause. Die Frühschicht aber macht weiter – bis sie um zwei Uhr abge­ löst wird. Harte Jungs. Die Österreicher meinen … Kurz nach ein Uhr nachmittags sind wir zurück auf der Baustelle. Dort treffen wir auf Gerhard Fasching, den Polier der zweiten Schicht. «Ich komme immer et­ was vor Schichtbeginn, um mir ein Bild zu machen.» Fasching ist Österreicher. Was erzählte Dieter Lange heute Morgen augenzwinkernd? «Für die Österreicher

ist ein Tunnel zwei Kilometer oder länger. Was kürzer ist, gilt als Unterführung.» Doch obwohl der Galgenbucktunnel nur gut einen Kilometer lang sein wird, birgt er jede Menge Herausforderungen. ­Fasching: «Durch die sehr unterschiedli­ che Beschaffenheit des Bodens müssen wir flexibel sein und kurzfristig Entschei­ dungen treffen. Das ist tagtäglich eine Herausforderung.» Gesprengt wird an diesem Tag nicht mehr. Die Arbeiten kommen aber gut voran: Netze werden montiert, Spritzbeton an­ gebracht, und in Millimeterarbeit wird der Tunnelring montiert. Nach der Schicht wird der Galgenbucktunnel wieder einen Meter länger sein. Was es alles dazu braucht, haben wir heute gesehen, gehört und ein­ geatmet. Sicher ist: Wir werden künftig mit anderem Blick durch die zahlreichen Tunnels der Schweiz fahren – auch wenn sie kürzer als zwei Kilometer sind.


Einsatz/Persönlich

Der Maulwurf Seine E-Mail-Adresse lautet maulwurf@ …, und das trifft ins Schwarze: Gerhard Fasching, 47, Polier und Sprengmeister bei der Walo Bertschinger AG, ist seit seinem 18. Lebensjahr mit Leib und Seele Tunnelbauer.

Wie bist du Tunnelbauer geworden? Ich habe ursprünglich eine Lehre als Karosserie­ spengler gemacht. Zum Tunnelbau bin ich durch meinen Vater gekommen. Den Beruf kannst du nicht lernen, da kommst du rein. Seit meinem 18. Lebensjahr bin ich jetzt im Tunnelbau, und ich ­ möchte nichts anderes. Ganz zu Beginn hat mich natürlich das Geld gereizt, das ich damit verdienen konnte. Aber es ist ein hart verdienter Zahltag. Wer nur das Geld sieht, wird nicht lange durchhalten. Was fasziniert dich nach so vielen Berufsjahren immer noch an deiner Arbeit? Ich bin jetzt seit 12 Jahren bei der Firma Walo Bertschinger AG angestellt, seit 10 Jahren arbeite ich mit dem gleichen Team. Ich nehme die Jungs von Baustelle zu Baustelle mit. Wir sind wie eine Familie, da weiss jeder über jeden Bescheid, und man kann sich aufeinander verlassen. Die Arbeit an sich hat sich verändert seit meinen Anfängen.

Früher war alles Handarbeit, mit Schaufel und Pickel. Wir hatten zum Teil 12-Stunden-Schichten ohne Pause. Das ist heute natürlich anders. Auch in Sachen Sicherheit hat sich in den letzten 20 ­Jahren viel getan. Das heisst, Tunnelbau ist nicht gefährlich? Früher gab es im Tunnelbau eine traurige Faust­ regel: Pro Kilometer ein Toter. Beim 13 Kilome­ ter langen Arlbergtunnel kamen tatsächlich 13 Arbeiter ums Leben. Heute ist das zum Glück nicht mehr so. Die Sicherheitsvorkehrungen sind streng. Dank modernen Maschinen und neuen Sprengmethoden sind Unfälle selten geworden. Jeder Einzelne muss zur Sicherheit auf der Bau­ stelle beitragen und die persönliche Schutzaus­ rüstung benutzen. Beim Tunnelbau weiss man nie, was als Nächstes kommt. 01/14 B. Magazin

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Wissen/Schule

Jürg macht den abschluss Er ist 33 Jahre alt und stammt aus dem Emmental. Nach zehn Jahren Praxis auf dem Bau schliesst Jürg Schneider im Sommer die Nachholbildung als Strassenbauer ab.

Mit 33 Jahren ist Jürg längst nicht der Älteste in seiner ­K lasse an der Berufsfachschule in Sursee. Dank der Nachholbildung ist es für einen eidgenössisch anerkannten Berufs­ abschluss nie zu spät.

A

ls Sportschütze weiss Jürg Schneider aus Signau eines genau: Du darfst dein Ziel nie aus den Augen verlieren. Dass der Pfeil im richtigen Leben nicht immer so direkt ins Schwarze trifft wie im Schiessstand, weiss Jürg aus eigener Erfahrung. Denn im Gegensatz zu den jungen Strassenbau-Lernenden an der Berufs­ fachschule Verkehrswegbauer in Sursee ist er in der Nachholbildung. Das heisst, er hat schon ein Arbeitsleben hinter sich. Allergie lässt Zukunftspläne platzen Bueb vo Trueb: Geboren und aufgewachsen ist Jürg auf einem Bauernhof in Trueb im Emmental Er ist das jüngste Kind und der einzige Sohn der Familie. Traditionsgemäss also der Nachfolger seines Vaters. So fing Jürg nach Abschluss der Schule mit dem Bauern an. Doch er merkte bald, dass das nicht seinen Zukunftswünschen ent­ sprach. Holz faszinierte ihn und so entschied er sich für eine Schreinerlehre. Doch im dritten Lehr­ jahr war Schluss: Eine Holzallergie zwang ihn zum Aufgeben. Mit Anfang zwanzig wusste Jürg nicht recht, wie weiter. «An der Motivation hat es nicht

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gefehlt», blickt er heute zurück. «Es war eher so, dass ich jemanden gebraucht hätte, der mich un­ terstützt und berät.» Kein Plan, aber eine Baustelle Der Zufall wollte es, dass zu der Zeit die Firma Ge Bau AG aus Langnau i. E. die Zufahrtstrasse auf dem Hof seines Vaters erneuerte. «Ich fragte kurzerhand beim Unternehmer an, ob er Hilfe ge­ brauchen könne», erzählt Jürg. So kam Jürg zum Strassenbau. «Ich habe schon immer gern draus­ sen gearbeitet, ein Bürojob wäre für mich zu der Zeit nicht in Frage gekommen.» Bei der Ge Bau AG fing er als Handlanger im Tiefbau an. Nach zwei Jahren durfte er bereits allein losziehen und über­ nahm kleine Baustellen. Jürg: «Ich bin keiner, der gern Berge versetzt. Ich übernehme lieber die fei­ neren Arbeiten, die Sorgfalt verlangen und genau passen müssen. Ich komme auch unter Zeitdruck gut klar.» Im Zuge verschiedener Pensionierungen im Unternehmen rutschte Jürg in der Hierarchie weiter nach oben, und bald bekam er sein eigenes Team zur Seite gestellt.


Wissen/Schule

Dem Zeitplan voraus: Mit seiner Vertiefungsarbeit ist Jürg längst fertig. So kann er sich im ABU-Unterricht nun voll und ganz auf die übrigen Prüfungsarbeiten vorbereiten.

Wenn Jürg nicht im Blockkurs ist, arbeitet er zurzeit auf der Baustelle beim Schloss Landshut in Utzenstorf. 01/14 B. Magazin

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Wissen/Schule

Praktisch ein Profi So ist Jürg inzwischen im praktischen Bereich ein Profi. Er hat die Ausbildung zum Gruppenführer gemacht und zusammen mit seinem Team bereits viele Aufträge ausgeführt. Wieso jetzt noch die Nachholbildung? «Ich will mich weiterbilden», erklärt Jürg. «Dafür muss ich aber zuerst ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis im Strassenbau haben.» Das will sich Jürg diesen Sommer holen. «Mein Chef unterstützt mich in meinem Vorhaben. Sobald ich den Abschluss in der Tasche habe, möchte ich die Vorarbeiter- und später die Polierschule absolvieren.» Für die Lehrabschlussprüfung ist Jürg gerüstet: «Ich bin zuversichtlich, dass ich die Prüfungen bestehe.» Zurzeit steht die Vertiefungsarbeit auf dem Programm. Jürgs Thema ist, wen wundert’s, Sportschiessen. «Anfangs wusste ich nicht recht, was ich darüber schreiben soll. Inzwischen hab ich den Dreh raus und muss meine Arbeit sogar kürzen … noch ist sie 44 Seiten lang.»

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Theoretisch zurück auf die Schulbank Rückblickend gesteht Jürg: «Mein erster Tag an der Berufsfachschule war ein bisschen schwierig. Ich hab all die jungen Lernenden gesehen und mich gefragt, was ich im Leben falsch gemacht habe.» Doch die Selbstzweifel wichen bald, und Jürg merkte: Die anderen sind nicht gescheiter als er, er ist auch nicht der ­Älteste in seiner Klasse, und im praktischen Bereich kann ihm eh keiner etwas vormachen. «In der Theorie habe ich eine Menge dazugelernt. Hier in der Nachholbildung weiss jeder, wofür er lernt. Wir sind alle schon etwas reifer und sehr motiviert. Einzig das Lerntempo macht mir manchmal zu schaffen.» Aber auch da weiss sich Jürg zu helfen. Er übernachtet nicht in Sursee und kann so nach Schulschluss daheim in aller Ruhe lernen. Auch der Samstagvormittag ist während der Blockkurs-Wochen fürs Lernen reserviert.

Künftiger Bauführer? Auf dem Bau ein Profi und auch theoretisch bald auf dem neuesten Stand – was ist Jürgs Anreiz, sich noch weiter auszubilden? «Ich habe ja bereits den Gruppenführerkurs gemacht. Von der Vorarbeiterschule erhoffe ich mir, noch besser zu werden im Umgang mit meinem Team. Ich bin gern Teamchef. Ob ich das gut mache, weiss ich nicht so genau», meint Jürg bescheiden. Bis anhin sind auf jeden Fall keine Klagen eingegangen. Obwohl Jürg gern mit anpackt und den Papierkram, wie er es nennt, oft erst nach der offiziellen Arbeit zuhause macht, möchte er nicht ausschliessen, später vielleicht doch mal im Büro zu landen. «Wer weiss, was in ein paar Jahren ist? Vielleicht mache ich eines Tages doch noch die Bauführerschule. Man weiss nie.» Und diesmal fehlt es ihm auch nicht an der nötigen Unterstützung. LINK

www.campus-sursee.ch


Wissen/Schule

Nachholbildung Es ist nie zu spät für einen Berufsabschluss Voraussetzung: Du hast mindestens 5 Jahre Berufs-­ erfahrung im Berufsfeld Verkehrswegbau Dauer: 2 Jahre Berufe: Gleisbauer/in, Grundbauer/in, Industrie- und Unterlagsbodenbauer/in, Strassenbauer/in, Pflästerer/Pflästerin Ziel: Abschluss mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ)


Wissen/Schule

Was die Russen können … … können wir in Sursee schon lange: Herzlich willkommen an den Olympischen Wii-nterspielen, für die es keinen Schnee braucht. Nintendo sei Dank, hielt der olympische Gedanke auch im Gebäude 10 auf dem Campus Einzug.

D

abei sein ist alles! Und dazu musste man nicht mal nach Sotschi fliegen. Die Olympischen (Nintendo-) Wii-nterspiele fanden bei den Lernenden grossen Anklang. Ob 4er-Bob, Biathlon, Ski Alpin oder Boardercross: Voller Einsatz an der Konsole war Ehrensache. Und anstelle von eher nutzlosen Gold-, Silber- und Bronzemedaillen konnte man äusserst brauchbare Gutscheine für Pizza, Znüni oder einen Energydrink gewinnen. Dem Wochen­ besten winkte ein Einkaufsgutschein von Ex­libris im Wert von 30 Franken.

Rangliste 4er-Bob 1. Platz: Ruben Rodrigues 2. Platz: Marco Duss 3. Platz: Claudio Engler

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WISSEN/INSIDE

DIE FRAU FÜR ALLE FÄLLE Gaby Kottmann ist die Frau fürs Leben: Im allgemeinbildenden Unterricht (ABU) vermittelt sie Lebenswichtiges rund ums Erwachsenwerden. Was Gaby Kottmann über ihr Lehrerin- und Mutterdasein und ihre Sportkarriere denkt, erklärt sie gleich selber.

Ga b y K

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n

GABY KOTTMANN ÜBER IHR UNTERRICHTSFACH: Allgemeinbildenden Unterricht halte ich für das wichtigste Fach. Hier lernen die Jungen fürs Leben. Im ABU-Unterricht vermittle ich den Lernenden in den Bereichen Gesellschaft, Sprache und Kommunikation viele Dinge, die im Erwachsenenleben auf sie zukommen. Wir sprechen über Geld und über Schulden, über die erste Wohnung, über Miet- und Kaufverträge und über Globalisierung. Mein Lieblingskurs ist derjenige zum Thema Heirat oder Konkubinat. Da entwickeln sich jeweils sehr interessante Diskussionen.

GABY KOTTMANN ÜBER FRAUEN AN DER TAFEL: Für mich muss die Chemie zwischen der Klasse und mir stimmen. An einer Berufsschule zu unterrichten, wo mehrheitlich männliche Lernende sind, ist für mich eine sehr spannende Herausforderung, welche ich immer wieder gern annehme. Dass ich eine Frau bin, stört glaube ich niemanden. Ich habe meine Linie, bin in der Notengebung relativ streng, das wird respektiert. Andererseits habe ich immer ein offenes Ohr für meine Klassen und versuche, den Unterricht möglichst lebendig und kreativ zu gestalten. Da die Tage mit den vielen Lektionen lang werden können, muss darüber hinaus Platz für eine spielerische Aktivität sein.

GABY KOTTMANN ÜBER IHRE PROFI-HANDBALL-ZEIT: Die Ausbildung zur Lehrerin war eine strenge Zeit. Während fünf Jahren habe ich entweder gelernt oder Handball gespielt. Trotzdem war dieser Weg für mich optimal. Ich konnte einen Beruf erlernen und gleichzeitig meine Handballkarriere vorantreiben. Der Leistungssport im Allgemeinen und zwei Engagements im Ausland im Speziellen waren meine grösste Lebensschule. Nach vielen Jahren auf höchstem Niveau hat seit drei Jahren aber meine Familie die höchste Priorität. Inzwischen spiele ich in einer Mannschaft in der B-Liga. Mit ihr trainiere ich ein- bis zweimal pro Woche.

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wissen/INSIDE

nie MehR Rechnen, heRR caRlen? Wie bitte? Keine Schulfächer mehr ab Sommer 2014? Der neue Bildungsplan macht’s möglich. Christian Carlen, Leiter fachkurse und Projektverantwortlicher für die einführung des neuen Bildungsplans an der Berufsfachschule Sursee, erklärt den neuen Unterricht.

Ch r i st

i a n Ca

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was ändert sich im unterricht mit der einführung des neuen Bildungsplans am 1. august? Christian Carlen: Unterrichtet wird neu nicht mehr nach Fächern, sondern an praxisorientierten Ar­ beitssituationen. Die klassischen Schulfächer wer­ den ersetzt, im Zentrum des neuen Lern­Konzeptes steht die Praxis. Der Lernstoff wird aufs Wesentliche reduziert, die Schüler arbeiten mit Auftragsblättern und bekommen neu ein Nachschlagewerk. Zudem achten wir noch stärker als bisher auf eine optimale Abstimmung der drei Lernorte Schule, Überbetrieb­ liche Kurse und Betrieb.

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welche rolle spielt der Lehrer? Von den Lehrpersonen wird gerade jetzt im Vorfeld viel erwartet. Der Erfolg des neuen Bildungsplans steht und fällt mit dem Einsatz und der Unterstützung der Lehrer. Sie müssen umdenken, denn ihre Rolle ändert sich. Sie sind künftig neben Fachexperten vor allem Lern­Coaches. Das heisst, der Lernende wird nicht einfach als Schüler wahrgenommen, der mit Wissen abzufüllen ist. Er ist ein junger Erwach­ sener, dem der Lehrer bei der Ausbildung zur Seite steht. Diese neue Form des Unterrichts verlangt von den Lehrpersonen eine Umstellung. und was ändert sich für die Lernenden? Der Erfolg des einzelnen Lernenden steht im Mit­ telpunkt. Das heisst, die Lehrpersonen bauen auf seinem Vorwissen auf und gehen auf seine Lern­ bedürfnisse ein. Im neuen Stundenplan gibt es täg­ lich eine Lektion, die «individuell betreutes Lernen» heisst. In der arbeitet jeder für sich, wird aber durch einen anwesenden Lehrer betreut. Auch wird das Gelernte wöchentlich reflektiert. Der Lernende no­ tiert sich also, was er gelernt hat und wo er in seiner Ausbildung steht.


wissen/INSIDE

was denken sie persönlich von der art des unterrichts, wie sie der neue Bildungsplan vorsieht? Ich habe jetzt ungefähr ein Jahr an der Einführung gearbeitet. Das didaktische Konzept überzeugt mich, denn es stellt die Lernenden ins Zentrum. Sie müssen mehr über das eigene Lernen nachdenken. An der Berufsfachschule Verkehrswegbauer wer­ den die Fach­ und die Überbetrieblichen Kurse un­ terrichtet. Das ist eine grosse Chance, Theorie und Praxis besser unter einen Hut zu bringen. Schule, Überbetriebliche Kurse und die Lehrbetriebe müs­ sen Hand in Hand arbeiten. Eine fundierte und praxisnahe Ausbildung wird so für die Lernenden zum optimalen Start ins Berufsleben. Übrigens – das Rechnen ist weiterhin wichtig in der BFS VWB.

LiNk

pr i c h a s en , s H e t l a re für , d ie i h n e d n e rn n a l le L e egon ne b s t i e r be ue L eh r e d a s ne t m m o k ht h a b en , e p t n ic z n o k s g geht Bi ldu n f ü r s ie . n e g a zu m tr i sher. r w ie b e t i e w es

www.verkehrswegbauer.ch/bildungsplan

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Macher/firmA

Die fürs Grosse Die Hans Weibel AG kann locker mit Grossem auffahren. Neben 16-Tonnen-Kombiwalze, Gussasphaltfertiger und Stein­brüchen hat die Firma sieben eigene Belagswerke.

D

er Hauptsitz der Hans Weibel AG befindet sich im Berner Vorort Bümpliz, doch tätig ist das Fami­ lienunternehmen bis in die Westschweiz und das Wallis. Dort, genauer in Monthey, betreibt die Firma den grössten Steinbruch der Schweiz. Eine Million Tonnen(!) ­Material wird jährlich aus dem Berg gehauen und mittels Transportband zu Tal gebracht. Mit sieben eigenen Belags- und Betonwerken sowie Steinbrüchen ist die Weibel AG stets an der Materialquelle. Das Werk in Ober­ wangen beispielsweise liefert 320 Tonnen neuen Belag pro Stunde. Zeitgleich wird dabei altes Material recycelt.

gehalten und erbringt dank seiner Grösse Höchstleistungen. Doch nicht nur auf den Strassen ist die Weibel AG anzutreffen. Sie zeichnet auch verantwortlich für den Belag unter dem Rasen des Stade de Suisse in Bern. Die Belagsarbeiten im Stadion im Jahr 2006 gestalteten sich nicht ganz ein­ fach: Für ein Bon-Jovi-Konzert musste der Einbau unterbrochen und die Fläche abge­ deckt werden. Auch der Fototermin für das offizielle Mannschaftsbild der Schweizer Nati wurde überraschend mitten in die Bau­ phase gelegt … Das Weibel-Team zeigte sich flexibel und hat die Arbeiten zugunsten des Fussballs kurz unterbrochen.

Die Riesenwalze, Bon Jovi und die Schweizer Fussball-Nati Ein wesentlicher Geschäftszweig der ­Weibel AG ist der Unterhalt und die Pla­ nung der Nationalstrassen. So kommt es vor, dass fünf Fertiger gleichzeitig vor Ort sind und vielleicht noch die 40-jähri­ ge Kombiwalze zum Einsatz kommt. Das 16-Tonnen-Ding wird bestens in Schuss

Gussasphalt auf SBB-Schienen Eine weitere Spezialität des Berner Un­ ternehmens ist der Gussasphalt. Hier zählt die Weibel AG zu den grössten An­ bietern in der Schweiz. Dabei kommt die Firma besonders bei Brückensanierun­ gen wie zum Beispiel dem Felsenauvia­ dukt in Bern zum Einsatz. Auch hier wird Grosses aufgefahren: Der Gussasphalt­

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fertiger kann bis zu 11,25 Meter Breite einbauen. Dabei arbeitet sich die Maschi­ ne auf eigens verlegten Bahnschienen ein bis zwei Meter pro Minute vorwärts. Nachwuchstalente willkommen Neben den zahlreichen Einsatzgebieten ist die Weibel AG natürlich an starkem Berufs­ nachwuchs interessiert. Sie bietet zwei bis drei Lehrstellen für Strassenbauer pro Lehr­ jahr an und ist nach Lehrabschluss offen, ihren Nachwuchs weiter zu fördern. Der Lehrlingsverantwortliche Daniel Sinzig ist selbst das beste Beispiel: «Ich habe 1987 meine Strassenbau-Lehre bei der Weibel AG abgeschlossen. Anschliessend habe ich die Vorarbeiter- und Polierschule gemacht.» Inzwischen ist Sinzig Bauführer und seit 30 Jahren im Unternehmen. «Wir sind sehr an qualifizierten Leuten interes­ siert und bilden sie entsprechend aus. So haben wir zahlreiche Mitarbeiter, die bereits ihre Lehre hier gemacht haben und inzwi­ schen Polier oder Vorarbeiter sind.»


Macher/firmA

Auszeit! F체r das Mannschaftsfoto der Schweizer Nati legte die Weibel AG gerne eine kurze Pause w채hrend der Belagsarbeit ein. 01/14 B. Magazin

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Macher/Beruf

Angebaggert Mit einem Baumaschinen-Quartettspiel hat es angefangen. Heute fährt Patrick Bucher einen 18-Tonnen-Pneubagger und hat damit seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

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eine Lieblingskarte im Quartett war der Caterpillar Bulldozer D10. In der 3. Klasse dachte Patrick Bucher aus dem luzernischen Ebikon, es gäbe nichts Grösseres. Dann kam der Tag, an dem er mit seiner Mutter an der Baustelle des neuen M-Parks entlanglief. Dort stand der Caterpillar Bulldozer D11N. Patrick konnte es kaum glauben. Er durfte sogar in die Führerkabine sitzen und mit dem Maschi­ nenführer zum Znüni gehen. Seit diesem Tag wusste Patrick, was er später machen will. Heute ist Patrick 30 Jahre alt und von Beruf … na, klar: Baumaschinenführer.

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Patrick, in der 3. Klasse wusstest du genau, was du später machen willst. Ist deine Liebe zu Bau­m aschinen geblieben? Patrick Bucher: Absolut. Meine Leiden­ schaft für Baumaschinen ist eher noch gewachsen. Ich habe inzwischen vier Vi­ trinen voller Modelle im Massstab 1:50 zuhause. Und ich fahre Pneubagger bei der Anliker AG. Wie hast du es in die Führerkabine geschafft? Wie gesagt, Maschinen haben mich schon immer interessiert. Dass ich einmal auf dem Bau arbeiten will, war ebenfalls klar. Für mich kam eine Lehre als Maurer oder Strassenbauer in Frage. Nach einigen Schnuppertagen habe ich mich für den Strassenbau entschieden. Ich fand eine Lehrstelle bei der Firma Cellere. 2003 machte ich meinen Abschluss. Und nach der Strassenbauer-Lehre? Nach der Ausbildung arbeitete ich zwei

Jahre bei einer Rückbau- und Abbruchfir­ ma. Während dieser Zeit absolvierte ich die Vorarbeiter-Schule. Vor ungefähr acht Jahren wechselte ich dann zu meinem heu­ tigen Arbeitgeber, der Firma Anliker AG in Emmenbrücke. Und wie kommt’s, dass du jetzt als Maschinenführer in der Kabine sitzt? Die Arbeit mit den Baumaschinen faszi­ nierte mich mehr als die des Vorarbeiters. So habe ich einfach einmal als Pneubag­ gerführer angefangen und bin durch die Arbeit immer sicherer und besser gewor­ den. Zurzeit besuche ich in Sursee den Baumaschinenkurs. Heute fährst du einen 18-TonnenPneubagger von Caterpillar. Genau. Die Anliker AG schaffte, ein hal­ bes Jahr nachdem ich meine Stelle ange­ treten hatte, diesen neuen Pneubagger an. Als Neuling eine solche Maschine an­ vertraut zu bekommen, war für mich eine


Macher/Beruf

«Mit einer Maschine ist es ein bisschen wie mit einer Frau: Man muss sie gut behandeln und Sorge zu ihr tragen.» Patricks Pneubagger sieht immer wie aus dem Ei gepellt aus.

grosse Ehre. Mittlerweile arbeite ich mit ihr schon seit sieben Jahren auf verschie­ denen Baustellen. Das heisst, nur du fährst auf diesem Bagger? Ja. Ich glaube, wenn man für sein eigenes Material verantwortlich ist, trägt man auch mehr Sorge dazu. Natürlich kommt es vor, dass jemand anderes den Bagger fährt, wenn ich in den Ferien bin zum Beispiel. Da kann es durchaus sein, dass ich ihn nach meiner Rückkehr mit kleinen Kratzern oder schmutzigem Kabinenraum antreffe. Bist du als Baumaschinenführer auch für den Unterhalt der Maschine zuständig? Ja, doch grössere Reparaturen werden bei uns in der Werkstatt gemacht. Ich lege Wert darauf, dass meine Maschine stets in einem Topzustand und immer sauber ist. Kriegt sie mal eine Delle oder Beule ab, bessere ich den Schaden aus und male die Karosserie neu. Ich bin auch

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dafür verantwortlich, dass die Ketten und Gurten in tadellosem Zustand sind. Das klingt nach einer Menge Arbeit … Es macht mir Spass, und schliesslich und endlich ist meine Maschine auch mein Stolz. Eine Stunde vor Feierabend am Freitagnachmittag reinige ich den Bag­ ger, ich kontrolliere die Niveaustände von Öl und Wasser sowie die Hydraulik, und ich tanke ihn voll. 300 Liter Diesel pas­ sen rein. Als der Bagger neu war, ging ich auch mal am Wochenende auf den Werk­ hof, um an ihm herumzuschrauben oder etwas auszubessern. Was ist deine Aufgabe auf der Baustelle? Ich bin der Zulieferer der Arbeiter, gebe sozusagen den Takt an. Ich bin die rech­ te Hand des Poliers. Es ist wichtig, dass sich Maschinenführer und Polier verste­ hen, nur dann läuft die Arbeit rund. Im Moment bin ich auf der Baustelle auf der

A 1 beim Limmattalerkreuz. Die Abwas­ ser- und Stromleitungen werden erneu­ ert, Betonelemente versetzt, darum gibt es sehr viel Maschinenarbeit. Es werden Schächte ausgehoben und Abbruchmate­ rial abtransportiert. Anschliessend erhält die Strasse einen neuen Belag. Wir sind ein gutes Team. Wir kennen uns schon lange und haben bereits oft zusammen gearbeitet. Guter Teamgeist ist für mich enorm wichtig. Die Strassenbauer sind draussen, und du sitzt den ganzen Tag in der warmen Führerkabine? Das kommt auf die anfallenden Arbeiten an. Manchmal habe ich vier bis fünf Stun­ den mit der Maschine zu tun, den Rest des Tages arbeite ich wie jeder Strassen­ bauer. Die Abwechslung ist es, was den Tagesablauf interessant macht. Ich sitze nicht gern acht Stunden in der Kabine und mache die gleiche Arbeit.


Macher/beruf

Patricks Caterpillar verfügt über ein Oil-Quick: Ohne den Führerstand zu verlassen, kann er das Anbaugerät von Baggerschaufel wechseln auf Spitzer oder was immer gerade gebraucht wird.

Du bist noch bis zum Sommer hier auf der A 1. Wie sind die Bedingungen auf der Baustelle? Hier am Limmattalerkreuz haben wir geradezu feudale Bedingungen. Wir sind mit Schutzwänden vom Verkehr getrennt und können ungestört und zügig unsere Arbeit verrichten. Ganz anders sieht das zum Beispiel bei Baustellen in der Stadt aus, da stehe ich mit meiner Maschine ständig im Weg. Die Verkehrsteilnehmer – vom Fussgänger bis zum Autofahrer – haben oft wenig Verständnis für unsere Arbeit. Abgesehen vom Verkehrslärm ist es hier also sehr angenehm.

wand die Anbaugeräte wechseln kann. Ohne die Führerkabine zu verlassen, kann ich so die Schaufel durch einen Hydraulikhammer ersetzen. Die benötigten Anbaugeräte habe ich immer mit dabei.

Welche Arbeiten erledigst du als Maschinenführer sonst noch? Mit meinem Pneubagger komme ich bei Kranarbeiten, beim Abbruch- und Rückbau, im Strassenbau, bei Kanalisationsarbeiten oder im Böschungsbau zum Einsatz. Mein Einsatzbereich ist gross. Mein Caterpillar verfügt über ein sogenanntes Oil-Quick. Das ist ein SchnellwechslerSystem, mit dem ich ohne grossen Auf-

In deiner Führerkabine gibt es jede Menge Joysticks, Hebel, Knöpfe und Pedale. Das erfordert hohe Konzentration. Ist Maschinen­ führen vor allem Kopfarbeit? Man muss sich schon konzentrieren und stets mitdenken. Der Kopf wird gefordert. Aber auch körperlich muss man parat sein. Wie gesagt, ich sitze ja in der Regel nicht den ganzen Tag hinter den Joysticks.

Was machst du am liebsten? Ich mag die Abwechslung, die meine Arbeit mit sich bringt. Aber am liebsten mache ich Gestaltungsarbeiten, zum Beispiel mit den Greifern eine Steinmauer errichten. Ich baue auch gern Verbauelemente ein. Da muss man den Kopf ständig bei der Sache haben.

Bleibt Energie für Hobbys abends? O ja! Ich bin nicht der Typ, der sich nach Feierabend aufs Sofa setzt und Fernsehen schaut. Ich brauche einen Ausgleich zur Arbeit. Den finde ich bei meinem wöchentlichen Rock-’n’-Roll-Training. Zudem gehe ich am Wochenende gern in die Berge zum Wandern oder Klettern. Ach ja, und dann bin ich auch noch Hauswart und im Kader der Feuerwehr. Dir wird so schnell nicht langweilig. Bestimmt nicht! Für mich ist wichtig, dass ich morgens gern aufstehe und mich auf den Tag und meine Arbeit freuen kann. Sollte das einmal nicht mehr der Fall sein, muss ich über die Bücher. Im Moment freuen sich aber immer alle, wenn ich mit der Maschine auf die Baustelle komme, und mir macht es einfach Spass. Das kann so bleiben.

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LehrStelle/Weiterbildung

Verantwortung weckt den Ehrgeiz Wer motiviert ist und sich während seiner Ausbildung einsetzt, der bekommt auch Verantwortung übertragen. Das spornt zu Höchstleistungen an.

Ur s Ju ck er lingsverantwortlicher Bauführer und Lehr auenfeld H. Wellauer AG, Fr

Alex Schlatter lingsverantwortlicher Bauführer und Lehr ausen Strabus AG, Schaffh

Wo legen Sie die Schwerpunkte bei der Ausbildung Ihrer Lernenden? Als Lehrlingsverantwortlicher für den Bereich Strassen- und Tief­ bau lege ich Wert darauf, die Lernenden zur Selbständigkeit zu erziehen. Natürlich stehe ich ihnen jederzeit zur Seite und beant­ worte ihre Fragen. Ich finde es aber wichtig, dass die Lernenden ihre Stärken und Schwächen selber einschätzen können und sich Hilfe holen, wenn es in einem Bereich hapert.

Was sind die idealen Voraussetzungen für eine Lehre als Strassenbauer? Um sich in dem interessanten Beruf wohl zu fühlen, muss man sicher gern draussen arbeiten. Eine gute körperliche Konstitution ist ebenfalls von Vorteil. Diese Voraussetzung können übrigens auch weibliche Bewerberinnen erfüllen. Im Weiteren sollte der Lernende ein Händchen für Zahlen, Rechnen und Geometrie und ein gutes Vorstellungsvermögen haben; das hilft beim Planlesen.

Was erwartet die Strassenbau-Lernenden bei der H. Wellauer AG? Unsere Lernenden haben ein abwechslungsreiches Einsatzge­ biet. Nebst Strassen- und Tiefbau sind wir im Spezialtiefbau tätig. Das heisst, unsere Lernenden erhalten Einblick in Baugruben­ sicherung, Spundwand setzen, Spritzbeton anbringen und so weiter. Mir ist wichtig, dass sie auch abseits des klassischen Strassen- und Tiefbaus mitwirken können.

Über welche Kanäle rekrutieren Sie Ihre Lernenden? Unsere Bewerber kommen meist über die Schulen. Zudem sind wir in den relevanten Verzeichnissen der Bauberufe aufgeführt. Die Strabus AG ist ein Familienbetrieb, deshalb schauen wir uns bei je­ dem Bewerber auch das Umfeld und die Familie an. Wir sind offen und geben auch mal jemandem eine Chance, der vielleicht nicht alle schulischen Voraussetzungen erfüllt.

Welche Aus- und Weiterbildungs­möglichkeiten bieten Sie? Wir haben zahlreiche interne Ausbildungen. So werden alle un­ sere Mitarbeiter im Maschinenunterhalt und in der Ladungssiche­ rung ausgebildet. Auch kann jeder die Stapler-Ausbildung und -Prüfung absolvieren. Wenn der Einsatz und die Leistung stim­ men, können unsere Lernenden die Vorarbeiter- und Polierschule absolvieren. Bis jetzt sind alle Lernenden, denen wir es angeboten haben, nach der Ausbildung bei uns geblieben.

Wie sehen Sie die Ausbildungsbedingungen heute im Vergleich zu vor 20 Jahren? Ich bin gelernter Maurer, danach habe ich Vorarbeiter und Polier gemacht. Das war vor 20 Jahren. Inzwischen bin ich Bauführer und Lehrlingsverantwortlicher. Im Vergleich zu meiner Zeit finde ich, die Lernenden sind besser betreut. Sie erhalten sowohl in der Theorie als auch in der Praxis die nötige Unterstützung. Und wenn einer sich Mühe gibt, wird dies belohnt und ihm wird Verantwor­ tung übertragen.

H. Wellauer AG Zürcherstrasse 354, 8500 Frauenfeld www.wellauer.ch Anzahl Lernende: 1 Strassenbauer pro Lehrjahr

Strabus AG Ernst-Müller-Strasse 6, 8207 Schaffhausen www.strabus.ch Anzahl Lernende: 1– 2 Strassenbauer pro Jahr

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LehrStelle/Weiterbildung

hochbetrieb bei der Berufswahl Das Triebwerk in St. Gallen gibt Auftrieb: Workshops und Berufs­besichtigungen geben dir Einblicke und Informationen über zahlreiche Berufe aus erster Hand – direkt, verständlich, hilfreich.

Lehrlingsverantwortlichen zu führen. Oder du siehst dabei zu und hilfst anschlies­ send bei der Auswertung. Nützliche Tipps helfen jedem, wenn es ernst gilt mit dem Vorstellungsgespräch.

A

uf Augenhöhe: Lernende erklä­ ren künftigen Lernenden ihren Beruf. Der Verein Triebwerk in St. Gallen hat sich zum Ziel gesetzt, Schüler, Berufsbildner, Berufsberater und Lernende der Region näher zusam­ menzubringen. Das Konzept ist einfach und effektiv: In Workshops treffen Schü­ ler und Lernende aufeinander, im jährlich stattfindenden Forum tauschen sich Leh­ rer, Berufsbildner und Berufsberater aus, und bei den Berufsbesichtigungen öffnen

verschiedene Unternehmen ihre Türen für den interessierten Nachwuchs. Fragen erlaubt! Hilfe aus erster Hand: Bei den vom Trieb­ werk organisierten Workshops stehen Lernende aus verschiedenen Berufen Red und Antwort. Du hast Gelegenheit, die Lernenden über den Berufsalltag aus­ zufragen. Zudem bekommst du an den Workshops die einmalige Gelegenheit, ein echtes Bewerbungsgespräch mit einem

Turbo-Schnuppern an zwei Nachmittagen 54 Firmen öffnen dir für die Berufsbesich­ tigungen ihre Türen. An zwei Nachmit­ tagen, die du von der Schule geschenkt bekommst, kannst du in die Unternehmen bzw. Berufe deiner Wahl reinschnuppern. Allein oder in einer kleinen Gruppe er­ hältst du so vertiefte Einblicke in deinen Wunschberuf. Mit seinem Engagement trägt der Ver­ ein Triebwerk viel zur dualen Berufsför­ derung bei. Bleibt zu hoffen, dass es bald ähn­liche Projekte über die Grenzen St. Gallens hinaus geben wird. LINK

www.triebwerk-sg.ch

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technik

Meisterstück Der Betonfertiger der KIBAG ist ein technisches Wunderding: Vom Tachymeter via Infrarotstrahl gesteuert, entsteht mit ihm bei der Verteilzentrale von Coop in Schafisheim eine ebene Betonfläche.

Der Tachymeter ist ein schlaues Gerät: Er muss nur wissen, wo Norden ist, und zehn vordefinierte Fixpunkte rund um die Baustelle anpeilen, schon weiss er, wo er steht. Anhand seiner Informationen wird der Betonfertiger punkt­ genau gesteuert.

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Helmut Thanner, Geomatiker bei der KIBAG, ist einer der gefragtesten Spezialisten der Schweiz. Für den Einsatz des Betonfertigers in Schafisheim ist er extra zwei Wochen früher aus seinen Karibik-Ferien zurückgekommen.


technik

Auf dem Betonfertiger sind zwei Prismaspiegel montiert. Sie werden vom Tachymeter angepeilt. Achtmal pro Sekunde sendet er seine Messwerte via Infrarotstrahl zu den Prismen. Der Lichtstrahl zwischen Tachymeter und Prismaspiegel darf nicht unterbrochen werden.

Der Beton wird Bahn für Bahn eingebaut. Das ergibt am Schluss eine ebene Fläche für die vielen Lastwagen, die hier künftig Ware abholen. Am Anfang jeder Bahn muss der Fertiger präzis ausgerichtet werden. Dafür kommen die Geo­m atiker und Mess­ spezialisten zum Einsatz.

Die Daten werden vom ­Tachymeter via Prismaspiegel zur Steuerstation des Betonfertigers geschickt. Von dort gelangen die Informationen weiter an die vier Raupenfahrwerke des Fertigers. Im Normalfall braucht der Fahrer das Gefährt bloss zu überwachen. Wenn Probleme auftreten, ist aber sein technisches Fach­ wissen gefragt.

Die neue Verteilzentrale von Coop ist momentan die grösste private Baustelle in der Schweiz. Die Zufahrt für die Lastwagen wird mit dem Betonfertiger erstellt. Die Betonfahrbahn wird den grossen Belastungen standhalten.

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Freizeit/Portrait

Adrenalin! Schwimmen ist nichts für Eric Stauffer, die Wasserratte. Er will springen – je höher, desto besser. Auf dem ZehnmeterSprungturm geht der Adrenalin-Junkie an seine Grenzen.

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er Lärmpegel ist hoch, die Bahnen des Hallenbads Oerlikon sind an diesem Freitagabend gut ausgelastet. Im grossen Becken messen sich die Schnellen in Brust- oder Crawlstil, die gemütlicheren Feierabend-Schwimmer haben die äusseren Bahnen für sich. Im Planschbecken vergnügen sich die Kleinen. Ganz hinten, dort, wo es nicht ganz so laut ist, stehen die Sprungtürme – und hoch oben auf dem Zehnmeter-Turm, unter dem Hallendach, steht Eric. Von unten scheint es, als stosse sein Kopf jeden Moment durch die Decke.

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Mystic, Kick-the-Moon und Arschbombe Noch einen Moment der Konzentration, dann holt Eric Anlauf. Springt – weit nach vorn – eine Drehung, dann verschwindet er beinahe lautlos im Wasser. Nach dem Auftauchen erklärt er am Beckenrand: «Das war ein Mystic. Beim Eintauchen sollte es möglichst wenig spritzen.» Ganz anders bei der Arschbombe: Taucht man damit ein, muss es richtig klatschen und das Wasser muss hoch spritzen – erst dann ist der Sprung gelungen. «Manche Sprünge habe ich selber erfunden», so Eric. «Es gibt aber auch bekannte, wie eben den Mystic, den Kick-the-Moon oder den Doppelten Salto rückwärts und vorwärts.» Ein neuer Sprung wird stets zuerst aus geringer Höhe geübt. «Es gibt Sprünge, die eignen sich nicht vom Zehnmeterbrett. Von dort ist man zu schnell unterwegs.» Die Profis schaffen mit einmal Federn locker einen Dreifachsalto vom Einmeterbrett.

Strassenbauer im Höhenrausch Von Montag bis Freitag ist Eric Stauffer, 19, Strassenbau-Lernender im 1. Lehrjahr. Wie bereits sein Grossvater lernt er bei der Strabag in Schaffhausen. «Anfangs hatte ich Mühe mit dem Frühaufstehen. Inzwischen freue ich mich auf jeden Arbeitstag.» Nicht zuletzt, um seinen Grossvater stolz zu machen, will Eric die Lehre schaffen und ein guter Strassenbauer werden. Abends und samstags, wann immer er Zeit findet, zieht es Eric aber ins Hallenbad. «Ich bin ein Adrenalin-Junkie, ich liebe es zu springen.» Angefangen hat es aus Spass, inzwischen zählt Eric zu den Fortgeschrittenen. «Ich habe mir alles selber beigebracht. Ich übe viel. Wenn ich einen neuen Sprung das erste Mal richtig draufhabe, springe ich ihn immer wieder, damit ich ihn nicht verlerne.» Tipps und Ratschläge holt er sich schon mal von den Jungs vom Turmspringer-Verein, die oft zur gleichen Zeit trainieren. Wie wäre es, selber an Wettkämpfen teilzunehmen? Eric winkt ab: «Das ist mir


Freizeit/Portrait


Freizeit/Portrait

viel zu stressig. Ich springe für mich, möch­ te mich verbessern und über mich hinaus­ wachsen.»

vorher oben, ohne zu springen? Eric lacht: «Nie! Ich gehe nie zu Fuss runter. Wenn ich hochsteige, springe ich. Jedes Mal.»

Die Angst im Nacken Eric ist keiner, der in der Badi eine grosse Show abzieht, um Mädchen zu beeindru­ cken. «Ich trainiere mit meinen Kollegen zusammen. Konkurrenzdenken gibt es nicht. Es ist eher so, dass wir uns gegen­ seitig helfen und die Sprünge zusammen analysieren. Zuschauer brauchen wir dabei nicht.» Ein paar Jungs und ein ZehnmeterSprungturm – kann es da nicht vorkom­ men, dass man sich selber überschätzt und übermütig wird? «Das kann mir nicht passieren», erklärt Eric gewissenhaft. «Ich habe bei jedem Sprung die Höhe vor Au­ gen und grossen Respekt davor. Ich glau­ be, wenn man die Angst verliert, kann es gefährlich werden.» Er erinnert sich noch gut an seinen ersten Sprung vom Zehnme­ terbrett: «Ich bin eine geschlagene Drei­ viertelstunde oben gestanden, bis ich mich getraute zu springen.» Und wie oft war er

Brückenspringen und Haie streicheln So hat er auch nicht gezögert, als er das erste Mal mit einem Kollegen von einer 14 Meter hohen Brücke in den Rhein ge­ sprungen ist. «Das Gefühl, wenn du deine Angst überwunden hast, ist super. Wenn ich einmal gesprungen bin, will ich es im­ mer wieder.» Gern würde Eric auch mal Bungeejumping oder Fallschirmspringen ausprobieren. Hauptsache, hoch hinaus. Aber nicht nur die Höhe fasziniert die Wasserratte: Eric taucht auch gern mal ab. Zusammen mit seiner Familie hat er vor zwei Jahren das Tauchbrevet gemacht. Seither ist er ein grosser Unterwasserfan: «Tauchen ist fantastisch. Man kann sich die Welt von unten ansehen und unter Wasser atmen. Ich habe in Ägypten sogar schon einen Katzenhai gestreichelt.» Beim Tauchen trägt Eric einen Neopren-Anzug

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– fürs Springen hat er noch keinen. «Ich kaufe mir demnächst einen. Er schützt die Haut, wenn ein Sprung misslingt und man hart aufs Wasser klatscht.» Den Weltrekord und auf die Malediven Tauchen auf den Malediven würde Eric ger­ ne mal. Oder im Zürichsee: «Im See muss man zwar keine Angst vor Haien haben, aber er birgt andere Gefahren. Scharfe Kanten, zum Beispiel, oder Felsen.» Und welchen Traum hegt Eric bezüglich des Springens? «Mein Ziel ist es, die 28-MeterMarke zu schaffen. Ich würde gerne mal ins Tessin zum Klippenspringen und Üben. Von 28 Metern ist es nicht mehr weit bis zum Weltrekord.» Der liegt bei 32 Metern und wird (noch) von einem russischen Eli­ tespringer gehalten. Aber wer weiss, wie hoch hinaus es Eric mit seinem Mut, Res­ pekt und seinem Herzblut in den nächsten Jahren schafft? Die Konkurrenz muss sich auf jeden Fall schon mal den warmen Neo­ prenanzug überziehen.


Freizeit/Portrait

Erster Sprung mit acht Jahren: Da war es noch vom Einmeterbrett. Seit vier Jahren springt Eric von zehn Metern und mehr in die Tiefe.

Je hĂśher das Brett, desto intensiver die Konzentration. Beweglich und schnell muss man sein, denn geht ein Sprung bei dem Tempo in die Hose, wird es schmerzhaft.

Auch Eric musste schon von seinen Kollegen aus dem Wasser gefischt werden. Zum GlĂźck blieb es bei blauen Flecken.

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AUSFAHRT

Quizfrage

WETTBEWERB

AND THE WINNER IS …

Stift! Ja, Chef? Auf dem Dumper sind 2 Kubik Kies. Lade einen Viertel gleich hier ab. Vom Rest bringst du ²/₃ dem Werner auf die Baustelle. Mach ich, Chef. Soll ich den übrigen Kies in der Dumper-Schaufel lassen? Ariane Hänggi aus Büsserach hat das Redbull-Rätsel in der Dezember-Ausgabe richtig gelöst und das nötige Los-Glück dazu: Ein Hoody und ein T-Shirt im Strassenbauer-Look gehören ihr. Das B. Magazin gratuliert und wünscht viel Spass!

Wie viel Kies bleibt dir denn noch? Weisst du, wie viel Kies der Stift am Schluss noch in der Dumper-Schaufel hat? Schick deine Antwort bis 15. Juli 2014 an baustelle@verkehrswegbauer.ch. Mit etwas Glück gewinnst du einen Hoody und ein T-Shirt im coolen Strassenoder Grundbauer-Look.

IMPRESSUM HERAUSGEBER:

FACEBOOK/BaustellenMagazin

3 DINGE … … DIE MAN (NICHT) UNBEDINGT WISSEN MUSS

01

Freitagmorgen ist der beliebteste Tag für Banküberfälle.

02 Pro Minute werden 13 Stunden Film auf Youtube hochgeladen.

Berufsfachschule Verkehrswegbauer Postfach 6210 Sursee Tel. 041 922 26 26 info@verkehrswegbauer.ch www.verkehrswegbauer.ch

REDAKTION UND INSERATE: Fachverband Infra Weinbergstrasse 49 Postfach 8042 Zürich Tel. 044 258 84 92 baustelle@verkehrswegbauer.ch

REDAKTIONSKONZEPT UND TEXT: Sibylle Ambs-Keller – www.die-textwerkstatt.ch

GESTALTUNG/LAYOUT: Eclipse Studios – www.eclipsestudios.ch

03

Das Wort «Kondom» geht zurück auf den englischen Hofarzt Dr. Condom. Er hatte 1655 die Idee, Kondome aus Hammeldärmen herzustellen, und wurde dafür zum Ritter geschlagen.

FOTOS: Markus Senn – www.markussenn.ch Ben Zurbriggen – www.ben-zurbriggen.ch

DRUCK: Galledia AG – www.galledia.ch

AUFLAGE: 7200

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SWISS SKILLS 17.– 21. SEPTEMBER 2014 WWW.STRASSENBAUER.CH/MEISTERSCHAFT


www.verkehrswegbauer.ch


B.Magazin 01/2014