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kunstraumSCHWETZINGEN

PETER ROBERT KEIL LEBEN IM FARBRAUSCH – RETROSPEKTIVE IN DER ORANGERIE DES SCHWETZINGER SCHLOSSES Ein ‘junger Wilder’ wird 70, so lautet der Untertitel zu der großen Retrospektive mit Werken des Berliner Künstlers Peter Robert Keil, die im Sommer in der Orangerie des Schwetzinger Schlosses gezeigt wird. Ein scheinbarer Widerspruch? Ganz sicher nicht, was Peter Robert Keil und seine Kunst anbelangt. Ursprünglich zur Generation der ‘jungen Wilden’ gehörig, die in den 80er Jahren gegen Minimalismus und Concept Art anmalte, ist seine Schaffenskraft und Lust zur Kreativität bis heute ungebrochen. Er scheint einer jener Menschen, die, ähnlich wie Picasso, der ihm schon früh ein großes Vorbild war, überall Anregungen für die eigene schöpferische Kraft findet und diese sofort spontan umsetzt. Tausende von bildkünstlerischen Werken auf Leinwand, auf Papier, aber auch skulpturales aus Ton, Holz oder Bronze sind so entstanden. Teller, Schalen und Vasen wurden durch Keils Bemalung ebenso zu Kunstwerken wie Schrott- und Flohmarktfunde in Skulpturen verwandelt wurden. In Zeiten knapper finanzieller Mittel wurden kurzerhand Bettlaken oder Kissenbezüge als Bildträger umfunktioniert. Eines zeichnet dabei seit den frühen Jahren bis heute das kreative Schaffen des Künstlers besonders aus: seine große Farbkraft.

Stadtansicht Berlin, 1959

Stilistische Merkmale Es sind gewagte, manchmal fast grelle, oft sehr heitere, intensive Farben, die den Betrachter unmittelbar emotional berühren und eine ganz eigene, expressive Atmosphäre schaffen. Hinzu kommt der scheinbar so leichte, spontane, direkte Pinselstrich, der, zwar mit festen schwarzen Konturlinien versehen, die Bildgegenstände doch oftmals nur andeutet und genügend Spielraum lässt, um die Fantasie des Betrachters anzuregen. Bis auf wenige rein abstrakte Arbeiten ist Keil ganz der Figur verpflichtet, doch ist diese immer eine gestisch bestimmte, freie Figuration mit neo-expressiven Elementen, die nie sklavisch genaues Abbild der Wirklichkeit ist. Auffallend viele Köpfe und Körper loten alle Nuancen menschlicher Befindlichkeiten aus, zeigen pralle Vitalität ebenso wie Fragilität, psychische Ausnahmezustände ebenso wie ausgelassene Fröhlichkeit – dies ist es, wofür Keils Malerei steht. o.T. (o.J)

Peter R. Keil Leben im Farbrausch 7. bis 29. Juli 2012 Orangerie im Schloss Schwetzingen www.keil-collection-heidelberg.de Eröffnungsparty 7. Juli 2012, 19h 8 kunstraumMETROPOL

Emotionale Unmittelbarkeit, Spontaneität und die oftmals beinahe obsessive Transformation eigener Gemütsverfassungen in direkten künstlerischen Ausdruck begründen eine subjektive Gegenständlichkeit und sind charakteristisch für die Arbeit von P. R. Keil – es ist die Arbeit eines Besessenen und Getriebenen, der in den letzten Jahren tausende von Gemälden und Objekten schuf, die naturgemäß nicht alle von gleicher Qualität sein können, die aber nahezu immer Einblick gestatten in die persönliche Gestimmtheit und Situation ihres Schöpfers.

kunstraumMETROPOL 3Q 2012  

Das Kunstmagazin der Metropolregion Rhein-Neckar

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