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1â– 2019


vorwort 3

Liebe Clubmitglieder, ein heißer Juli beschließt die erste Jahreshälfte des Industrieclubs und beschert uns einen wohlverdienten Sommer. Auch in den vergangenen Monaten sind wir wieder um einiges schlauer geworden. Aber der Reihe nach: Im Januar freuten wir uns sehr über den ­ Besuch des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo ­Ramelow, der über Innovationen und ­Investitionen der mitteldeutschen Wirtschaft sprach und einen Einblick in seine Arbeit gab. Wer neu in seinem Amt ist, muss sich auch immer erst mal beweisen. Unter diesem Motto verfolgten wir gespannt die Ideen und Ansätze, die Annegret Kramp-Karrenbauer im Februar mit in den Industrieclub brachte. Sie sprach natürlich über ihren neuen Posten als CDU-Bundesvorsitzende und ihre Ziele für die CDU. Staunen ließ uns der Besuch in der Firma Theegarten-Pactec. Der Blick hinter die Kulissen des über 80 Jahre alten Familienunternehmens, das mit seinen in Dresden produzierten Maschinen 1.000 Schokokugeln pro Minute verpacken kann, zeigt, was moderne Technik heute leistet.

Gewiss ein Höhepunkt in den vergangenen ­Monaten war die Podiumsdiskussion mit ­Vertretern der Landtagsparteien CDU, SPD, Bündnis 90/ Die Grünen, Die Linke und der AfD. Viel zu kurz war die Zeit, um alle aktuellen Themen anzureißen. Doch versprach der Abend einen spannenden Wahlkampf bis zur Wahl Anfang September. Nun lassen Sie uns vorausschauen: Der Sommer hält noch mehr für uns bereit. Bevor wir am 27. August unser 1. Sommerfest des Industrieclubs feiern, laden wir Sie am 19. August zu einem Vortrag zur Mittagszeit mit Christian Lindner, dem Bundesvorsitzenden der FDP ein. In diesem Sinne. Bleiben Sie neugierig. Es grüßt Sie herzlich

Ihr Günter Bruntsch


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JANUAR 2019, SCHLOSS ECKBERG

WIR MÜSSEN UNS NICHT ABGEHÄNGT FÜHLEN Die Mitteldeutsche Stärke aus der Sicht von Bodo Ramelow

Zum Jahresauftakt hat der thüringische Minis­ terpräsident Bodo Ramelow die Mitglieder des Industrieclubs begrüßt. Als bisher erster und einziger Landesvater, der von der Partei DIE LINKE gestellt wird, hielt er ein flammendes Plädoyer auf soziale Gerechtigkeit und die Stärke Mitteldeutschlands. ■ ■V I T A

Bodo Ramelow, 1956 in Osterholz-Scharmbeck geboren, absolvierte nach seinem Hauptschulabschluss eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel bei Karstadt und holte anschließend seine mittlere Reife nach. Ab 1977 arbeitete er als Substitut und wurde später Filialleiter bei der Jöckel Vertrieb GmbH. Von 1981 bis 1999 war er als Gewerkschafter tätig. Seit 2004 gehört Ramelow dem Bundesvorstand der Partei DIE LINKE an. Bei der Thüringer Landtagswahl konnte seine Partei stets gute Ergebnisse als zweitstärkste Kraft einfahren. Nach der Wahl 2014 wurde Ramelow als bis dato einziger Ministerpräsident der LINKEN gewählt.

„Mitteldeutschland hat den Ruf, nicht den Anschluss an den Rest des Landes halten zu können“, mit diesem starken Statement beginnt Bodo Ramelow seine Rede. Wer jedoch hinter die Fassade dieses Klischees schaut, dem fällt auf, dass diese weit von der Realität entfernt sind. So sind allein in Thüringen knapp 100 Unternehmen ansässig, die entweder europäischer Marktführer oder sogar Weltmarktführer sind. Egal ob Glaswolle, Gummidichtungen oder Premium-Flügel: Thüringen weist nicht nur eine immer stärker werdende Wirtschaft, sondern auch einen Fokus auf Innovationen auf. Um dieses Wirtschaftswachstum auch längerfristig halten zu können, wurden deshalb so genannte „Kompetenzzentren Mittelstand 4.0“ gegründet. Sie sind ausgestattet mit einem Förderbudget, das den Mittelstand in Zeiten der Digitalisierung schützen und unterstützen soll. „Veränderung ist die einzige Konstante einer ­Gesellschaft“, sagt Bodo Ramelow. Ostdeutschland habe diesbezüglich so manches hinter sich,

was der Rest der Republik erst noch vor sich hat. Der Abstand zwischen Ost- und Westdeutschland sei zwar nach wie vor groß und dynamisch, dennoch hat Ramelow kein Verständnis für lamentierende Ostdeutsche: „Im Vergleich mit allen 28 europäischen Staaten bringen es Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zusammen auf Platz 13 im Ranking der Wirtschaftskraft.“ Gerade der Arbeitsmarkt im Osten der Republik prosperiert seit der Wiedervereinigung. Hier sei man mittlerweile an dem Punkt, an dem Fachkräfte vermehrt aus dem Ausland geholt werden müssen, um den Bedarf zu decken. Daher sei die Diskussion über die weitere Aufnahme ausländischer Arbeiter komplett hinfällig: „Wir müssen viel eher über das Thema Inklusion reden. Das betrifft im Übrigen auch Arbeitnehmer mit Handicap.“ Aus diesem Grund fordert Ramelow eine Reformpädagogik, denn Erziehungswissenschaften und der Bildungssektor im Allgemeinen bilden die Basis für eine innovative und wirtschaftsstarke Zukunft. Sein Appell an die soziale Gerechtigkeit und die wirtschaftliche Stärke Mitteldeutschlands fand deshalb folgende Schlussworte: „Wir müssen uns wirklich nicht abgehängt fühlen. Wir müssen weitermachen!“ ■


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FEBRUAR 2019, SCHLOSS ECKBERG

DIE BIBLIOTHEK ALS ORT DER VIELFALT Um in Zeiten der Digitalisierung bestehen zu können, müssen Ausleihen digitaler denken und handeln. Der Mensch steht dabei im Mittelpunkt.

Zum Auftakt wählt Achim Bonte drastische Worte: „Viele Leute glauben an Bibliotheken, aber sie nutzen sie nicht“, sagt der General­ direktor der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden SLUB. Mit seinem Vortrag „Von geistigen Vorratskammern zu lebendigen Küchen. Bibliotheken in der digitalen Wissensgesellschaft“ hat er die Veranstaltungsreihe „Frühstück im Schloss“ 2019 des Industrieclubs eröffnet. Dabei stellte er auf Schloss Eckberg die neuen Aufgaben der SLUB vor und das Bestreben zu bestehen – in Zeiten des Internets, von Digitalisierung und massenhaft im Netz verfügbaren Inhalten. Denn die Folgen kann er an seiner Bilanz ablesen: Trotz anhaltend hoher Besucherzahlen pro Jahr von über 2,2 Millionen, sinken die Entleihungen stetig – um 46,5 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Das klassische Geschäft bricht weg und die SLUB reagiert mit einer Reihe von neuen Angeboten. Viele der Inhalte sind mittlerweile digital verfügbar – über eine viertel Million Bände, zwei Millionen wissenschaftlich relevante Bilder, Musikwerke, Magazine sowie Datenbanken zur Suche nach Personen und geografischen Angaben. Zudem unterstützt die SLUB junge Forscher im gesamten Prozess der wissenschaftlichen Arbeit. „Es geht dabei nicht mehr nur um Recherche“,

sagt Achim Bonte. Seminare zum wissenschaftlichen Schreiben, die Möglichkeit zur Veröffentlichung sowie zur Archivierung gehören ebenfalls zu den Serviceangeboten. Daneben fungiert die Bibliothek als öffentlicher, gemeinwohlorien­ tierter Ort, datengeschützt, chancengerecht, niedrigschwellig, kommerz- und ideologiefrei. „Die Bibliothek ist gerade in diesen Zeiten ­wichtiger denn je“; sagt er. Eben weil die Bibliothek auch immer ein Ort von und für Menschen ist, fürchtet der Generaldirektor die Digitalisierung nicht. „Die Menschen wollen immer einen Platz, an dem sie sich treffen können“, sagt er. Und so treffen sich die Dresdner beispielsweise zum Geschichtsmarkt in den Räumen der SLUB am Zelleschen Weg. Gleich­ gesinnte finden über die Portale der Bibliothek zueinander und ehrenamtliche Helfer engagieren sich für den Erhalt historischer Dokumente. Diese Rolle als Zentrum für Wissens- und Bildungsarbeit sowie als Inkubator für gesellschaftliches Engagement habe nicht nur die SLUB übernommen. „Denn Bibliotheken sind heute weit mehr als Bücher“, sagt Achim Bonte. ■

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Achim Bonte, Jahrgang 1964, studierte an den Universitäten in Mannheim, Freiburg im Breisgau und Basel Geschichte und Germanistik. Nach seiner Promotion folgte ein Bibliotheksreferendariat sowie verschiedene Aufgaben an der Universitätsbibliothek Heidelberg. 2004 wurde er dort zum stellvertretenden Direktor berufen. 2006 übernahm er den Posten als stellvertretender ­ Generaldirektor an der Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB). Im August 2018 übernahm er als Nachfolger von Thomas Bürger die Generaldirektion der Bibliothek. Bonte ist Mitherausgeber der Fachzeitschrift Bibliothek: Forschung und Praxis.


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FEBRUAR 2019, SCHLOSS ECKBERG

WAS WIR JETZT TUN MÜSSEN Annegret Kramp-Karrenbauer stellt das Arbeitsprogramm der CDU vor

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Annegret Kramp-Karrenbauer wurde 1962 im saarländischen Völklingen geboren. Nach dem Abitur 1982 studierte sie bis 1990 Politik- und Rechtswissenschaften an den Universitäten Trier und Saarbrücken. Ihre politische Karriere begann als Grundsatz- und Planungsreferentin der CDU Saar, ab 1999 als persönliche Referentin von Peter Müller. 2011 wurde sie zur Vorsitzenden der CDU Saar ernannt und noch im selben Jahr zur Ministerpräsidentin des Saarlands gewählt. Dieses Amt verteidigte sie bei zwei weiteren Landtagswahlen. Nach ihrer Wahl zur Generalsekretärin der CDU im Februar 2018 legte sie das Ministerpräsidentinnen-Amt nieder und wechselte in die Bundespolitik. Seit Dezember 2018 bekleidet sie das Amt der CDU-Parteivorsitzenden.

Der große Saal auf Schloss Albrechtsberg ist bis auf den letzten Platz besetzt, als Annegret Kramp-Karrenbauer den Industrieclub besucht. Die Mitglieder wollen einen Blick auf die Frau werfen, die wenige Wochen zuvor zur Bundesvorsitzenden der CDU ernannt wurde und damit eine ernstzunehmende Kandidatin für die Nachfolge von Angela Merkel ist. Im Jahr der Wahl des EU-Parlaments und des sächsischen Landtags hat sie das Arbeitsprogramm ihrer Partei vorgestellt. Der Jahreswechsel ist mit massiven Veränderun­ gen einhergegangen: „Daher liegt die Herausforderung Deutschlands darin, willens zu sein, eine eigenständige Rolle im internationalen Wettbewerb zu spielen“, sagt Kramp-Karrenbauer. Doch wo liegen die Geschäftsmodelle der Zukunft? Einen grundlegenden Schritt hierfür sieht Annegret Kramp-Karrenbauer im Zusammenschluss von Unternehmen. Dies würde aber durch die EU blockiert, was zukünftig für wirtschaftliche Probleme sorgen könnte, gerade im Wettbewerb mit der starken asiatischen Konkurrenz. „Schranken für die politische und wirtschaftliche Ausrichtung des Bundes und der EU sind überall zu finden“, erklärt Kramp-Karrenbauer. Bei der Etablierung des 5G-Mobilfunkstandards beispielweise könne man im Moment keine optimale Datensicherheit gewährleisten. Auch die aktuelle grüne Debatte sei nicht zu Ende gedacht. „Wenn Deutschland aus der Atom- und der Kohlekraft aussteigt, wie

sollen wir dann zukünftig eine flächendeckende Energieversorgung gewährleisten?“, fragt sie. Zudem wären durch den Kohleausstieg Tausende Arbeitsplätze in Gefahr. „Wenn wir diese Arbeitsplätze schon nicht sichern können, dann müssen wir zumindest sicherstellen, die Arbeitnehmer beruflich neu aufzubauen.“ Nur wenige Monate vor der EU-Wahl findet Kramp-Karrenbauer auch Worte zum europäischen Miteinander. „Alle Blicke richten sich auf Deutschland“, proklamiert sie und meint, dass in Deutschland getroffene Entscheidungen einen enormen Einfluss auf den Rest des Kontinents ­haben. Da das europäische Parlament aufgrund der wachsenden rechten Strömungen ausgebremst wird, müsse die Agenda angepasst werden. „Wenn wir Schengen halten wollen, müssen wir die Grenzen sichern und dokumentieren, wer hier ein- und ausreist“, appelliert KrampKarrenbauer. Die größte Herausforderung sieht Kramp-Karrenbauer im Durchhaltevermögen und der Progressivität aller: „Was wir nicht verlieren dürfen, ist unsere Anpacker-Mentalität.“ Bei der Zukunft des Bundes und der EU bleibt sie optimistisch und ist sich sicher, dass die europäischen Werte im Staatenbund tief verwurzelt sind. „Mit einem heißen Herz und gesundem Menschenverstand gehen wir die Herausforderungen der Zukunft an.“ ■


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MÄRZ 2019, SCHLOSS ECKBERG

FORSCHUNG AUF DEM SCHWARZEN KONTINENT Melanie Müller zur deutschen und europäischen Zusammenarbeit mit dem südlichen und westlichen Afrika.

54 Staaten, über 1,2 Milliarden Menschen, die Hälfte von ihnen unter 18 Jahre alt – gewaltige Zahlen für einen Kontinent, der sich in der öffentlichen Wahrnehmung oft wenig differenziert zeigt. „Afrika muss regionaler gesehen werden“, fordert Melanie Müller in ihrem Vortrag. Mehr als ein Drittel des Jahres verbringt die Forscherin in Afrika, 2018 unter anderem in Simbabwe, Ghana und Namibia. (Aus-)Bildung sei dabei ein großes Thema in allen Gebieten. Während die Seychellen, Südafrika und Botswana laut dem Gini-Index zur Darstellung von Ungleichverteilungen deutlich aufholen, haben Länder wie Niger, Eritrea und Mali immer noch deutlichen Nachholbedarf. Dies zeigt sich auch beim Einsatz der Fachkräfte: Die Jugendarbeitslosigkeit in ganz Afrika ist mit fast 50 Prozent in 2018 beispiellos. Die Wirtschaft entwickelt sich zu langsam, um den jungen Leuten eine Perspektive zu geben. Viele wandern aus, um ihr Glück im Ausland zu versuchen, vor allem in Europa oder China. Probleme, die unausweichlich mit dem Thema Migration verbunden sind: Das merkt Melanie Müller sowohl auf ihren Besuchen in Afrika als auch in ihrer Rolle als Politikberaterin in Deutschland. Natürlich seien in den vergangenen Jahren viele Menschen aus Afrika weggegangen, aber „bei einem normalen Migrationsstrom s­ prechen wir von 100.000 Menschen pro Jahr“, sagt und

relativiert damit eine vermeintliche „Migrationswelle“. Um die ( jungen) Menschen im eigenen Land zu halten, müsse man ihnen mit Wissenstransfers und Investitionen vor Ort Chancen geben. Werden durch die steigende Automatisierung Arbeitskräfte abgebaut, müsse man in diese investieren, sie weiterbilden und schließlich woanders einsetzen. „Hier ist viel Musik drin“, betont sie und weist auf verschiedene Programme der Bundesregierung hin. Diese werden vor allem seit 2017 vorangetrieben, um das Bildungssystem, die Wirtschaft und Wissenschaft vor Ort unterstützt und Start-ups gefördert. Gerade im östlichen und westlichen Afrika sieht Müller großes Potential für die kommenden fünf Jahre. Äthiopien, Ruanda und Ghana beispielsweise sind die Staaten mit dem höchsten BIP im vergangenen Jahr – hohe Investitionen in eine schwache wirtschaftliche Ausgangslage führten zu dieser Entwicklung. Trotzdem sind weitere Bemühungen vor Ort notwendig. Denn oft mangelt es an grundsätzlichen Dingen: Nur zwei von drei Menschen in diesen Ländern hatte 2014 Zugang zu Strom und Wasser, dafür konnten immerhin 93 Prozent der Menschen den Mobilfunk nutzen. „Es gibt noch viel zu tun, aber die ersten Schritte sind getan“, sagt Melanie Müller. Ihr Vortrag zeigt, wie komplex Entwicklungshilfe und Forschung in Afrika ist, und hinterlässt bleibenden Eindruck. ■

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Dr. Melanie Müller studierte Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre an der Universität Potsdam und schloss ihre Promotion an der Freien Universität Berlin ab. Seit 2014 ist sie Lehrbeauftragte in der Politikwissenschaft. In der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWO) ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Naher/ Mittlerer Osten und Afrika tätig. Forschungsaufenthalte führten sie mehrfach ins südliche Afrika sowie nach Niger und Ghana. Zu ihren Forschungsgebieten zählen die Sahelzone, Südafrika/ Südliches Afrika, Westafrika, Konflikte (innerstaatliche/ Bürgerkriege) und das Thema Migration.


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MÄRZ 2019, SCHLOSS ECKBERG

VOM LÖWENZAHN UND DER MACHT DER DATEN Jens Fabrowsky spricht über die Zukunft der Chip-Industrie und die Pläne in Dresden.

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Jens Fabrowsky, Jahrgang 1968, wurde in Esslingen geboren. Er studierte Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Stuttgart und der Technischen Universität München. Seit 1999 hat er verschiedene Stationen in der Boschgruppe durchlaufen: So leitete er den Bereich Benzinsysteme im Rutesheim und in Eisenach, war Executive Vice President der Manufacturing Starter Motors und Generators Division in Schwieberdingen ist derzeit Executive Vice President der Automotive Electronics Division.

Der Bereichsvorstand der Robert Bosch GmbH, Jens Fabrowsky, trägt bei seinem Besuch ein ­Thema ins Schloss Eckberg, dass an diesem Ort gegensätzlicher nicht wirken könnte. Das 160 Jahre alte Bauwerk birgt Geschichten in sich, die wohl niemand lückenlos von der Grundsteinlegung 1859 bis zum heutigen Tage wiedergeben kann. Doch genau solch eine lückenlose Dokumentation der Lebenszyklen ­erwartet Fabrowsky mittlerweile zu jedem seiner Erzeugnisse. Bosch benötigt detailreiche ­Datensätze, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein, sagt er. Mittels umfassender ­Datenanalyse lassen sich zum Beispiel die Qualität steigern und der Ausschuss reduzieren und damit die Produktion insgesamt rentabler gestalten. Dieser Anforderung müssen auch Boschs Zulieferer entsprechen und all ihre Daten offenlegen. Und auch in der Produktentwicklung bedeuten große Datenmengen einen Wettbewerbsvorteil. Ein Beispiel: Der autonome Rasenmäher. Kleine eingebaute Chips verarbeiten darin eine Fülle von Daten, um beispielsweise das Ende einer Rasenfläche oder Hindernisse zu erkennen. Mittels Künstlicher Intelligenz kann der Rasenmäher mittlerweile einen Löwenzahn als abzumähende Pflanze klassifizieren, während moderne Autos mit moderner Mess-Sensorik die Pflanze als Hindernis deuten. Die Technologien der Rasenmäher

könnten auch in Autos verbaut werden. Bereits vor drei Jahren waren in jedem weltweit neu zugelassenen Fahrzeug bis zu neun Bosch-Chips verbaut. Bedarf und Potenzial sind riesig. Das führt zu den bisher größten Investitionen in der Firmengeschichte: An den Standorten Dresden und Reutlingen investiert das Unternehmen über eine Milliarde Euro in die Chipfertigung. Im sächsischen Werk werden künftig 700 Mitarbeiter die 300 Millimeter Wafer fertigen. Schon bald soll sich diese Investition auszahlen. „Die Halbleiterindustrie ist ein sehr kostenintensiver Bereich“, sagt Jens Fabrowsky. Doch das Geschäft mit den gewonnenen Daten läuft gut. Bosch hat sich zu einem großen Player im Datenbusiness entwickelt. Das Geschäft mit Daten sei heute schon rentabler als jenes mit Sensoren, sagt er. Die millimeterkleinen Sensoren bieten eine Reihe von technischen Möglichkeiten des Datensammelns – Möglichkeiten, die manch einer kaum glauben kann. Die Gegensätze von realer Zukunft und gelebter Gegenwart und die Idee von der Macht der Daten in der Halbleiterindustrie, die Jens Fabrowsky aufzeigt, beeindrucken die Zuhörer nachhaltig. ■


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APRIL 2019, SCHLOSS ECKBERG

ZEITGEIST IST EIN MUSS Peter Theiler, Intendant der Dresdner Semperoper über die heutige Aufgabe von Theater und Kunst und die Bedeutung der Oper für Dresden.

Jung und Alt, Ur-Dresdner und weit gereister Städtebummler – in der Semperoper Dresden sollen sie sich alle wohlfühlen. Dieses Ziel hat sich Peter Theiler, Intendant des berühmten Dresdner Opernhauses, gesetzt und skizziert es seinen Zuhörern beim Frühstück des Industrieclubs. „Oper ist nicht antiquiert, sondern lebendig“, sagt er. Und so lässt er für das ­Programmheft 2018/19 auch schon einmal Dresdner Dynamofans in Fußballtrikots in den Rängen Platz nehmen. Die Message dahinter ist klar: Die Oper ist für alle da, soll jeden ansprechen und ein Haus für die Dresdner und ihre Gäste sein. „Sie soll in die Stadt hinein­ wirken“, sagt Peter Theiler. Das ist die Aufgabe, der sich der Intendant stellt. Eine Aufgabe mit großer Herausforderung: 1.300 Plätze, 800 Mitarbeiter, über 250 Vorstellungen im Jahr; Oper, Ballett, Konzerte – die Semperoper bietet ein breites, fast tägliches Repertoire und gleicht dabei einem wirtschaftlichen Unternehmen. Als Dienstleister und ­Produzent handeln Peter Theiler sowie die Künstler und Mitarbeiter vor und hinter der Bühne mit Emotionen – immaterielle, ver­ gängliche ­Produkte. Das Jahresbudget beträgt 70 Millionen Euro, der Kostendeckungsgrad knapp 38 Prozent – das ist viel im Vergleich zum Durchschnitt von 15 Prozent in der Deutschen Theaterlandschaft. Und dennoch

sieht sich Peter Theiler immer wieder mit einer Kontroverse konfrontiert: Sind staatliche Ausgaben in Millionenhöhe für die Oper berechtigt? Was bringt die Exzellenz der Semperoper als eines der führenden Theaterhäuser Europas der Gesellschaft? Peter Theiler stellt sich dieser Diskussion und nennt gute Argumente. Viele der Besucher in der Oper kommen von außerhalb – ein solches Mischpublikum gibt es an keinem anderen ­Theater in der Welt. „Das ist eine norme ­Wertschöpfung“, sagt der Intendant. Denn wer Dresden und in die Semperoper besucht, der lässt auch Geld in Hotels und Restaurants. Und: Wer in eine der Vorstellungen geht, erfährt ästhetische Bildung und eine zeitgemäße Aus­ einandersetzung mit Themen der heutigen Gesellschaft. Denn die meist mehrere Jahrhunderte alte Stücke haben auch heute noch eine durchaus aktuelle Gültigkeit. Es gehe um gesellschaftliche Reflexion, eine aufklärerische Komponente und ein gemeinsames Erlebnis. Verständlich, aktuell, ästhetisch – so soll die Oper sein, für die Peter Theiler steht: „Wir wollen kein Opernmuseum sein. Zeitgeist ist ein Muss“. ■

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Peter Theiler, Jahrgang 1956, stammt aus Basel. Er studierte Geschichte und Literaturwissenschaft und arbeitete zunächst als Regieassistent, später als Regisseur und Betriebsdirektor. Frankfurt, Gelsenkirchen und Nizza waren erste Stationen seines künstlerischen Schaffens. Später leitete er verschiedene Theaterhäuser und -festivals in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Zuletzt war er zehn Jahre lang Staatsintendant am Dreispartentheater in Nürnberg. In der Saison 2018/19 hat Peter Theiler den Posten als Intendant der Dresdner Semperoper ­übernommen.


10 kaleidoskop

BEGEGNUNGEN 2019

22. JANUAR 2019

22. JANUAR 2019

22. JANUAR 2019

22. JANUAR 2019

12. FEBRUAR 2019

12. FEBRUAR 2019

12. FEBRUAR 2019

12. FEBRUAR 2019

5. MÄRZ 2019

5. MÄRZ 2019

5. MÄRZ 2019

5. MÄRZ 2019


kaleidoskop 11

19. MÄRZ 2019

19. MÄRZ 2019

16. APRIL 2019

19. MÄRZ 2019

16. APRIL 2019

16. APRIL 2019

16. APRIL 2019

4. JUNI 2019

4. JUNI 2019

26. JUNI 2019


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APRIL 2019, SCHLOSS ECKBERG

WIR MÜSSEN TOLERANT SEIN!? WIR MÜSSEN GAR NICHTS! Rainer Wendt über Sicherheit und Freiheit in Deutschland

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Rainer Wendt wurde 1956 in Duisburg geboren. Nach Abschluss von Hauptschule und Handelsschule, absolvierte er ab 1973 eine Ausbildung im Polizeidienst des Bundeslandes NordrheinWestfalen. 1976 wurde er Hauptwachmeister. Nach einem abgebrochenen Lehramtsstudium und einer erfolgreichen Diplomierung als Verwaltungswirt, kehrte er zurück zum Schichtdienst und arbeitete 25 Jahre bei der Schutzpolizei Duisburg. 1997 wurde Wendt Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft NRW. Zehn Jahre später wurde er zum Bundesvorsitzenden gewählt. Diese Position bekleidet er bis heute.

Rainer Wendt ist wahrlich eine streitbare Personalie. Egal ob bei politischen Debatten oder in Talkshows, mit seinen Aussagen eckt der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft regelmäßig an. Klar und deutlich fasst er seine Meinung in Worte. Das wird auch bei seinem Besuch im Industrieclub deutlich.

dass irgendwann niemand mehr für sie da wäre. Er nennt ein weiteres Beispiel: „Wöchentlich werden im ganzen Bundesgebiet dringend ­tatverdächtige Personen aus der Untersuchungshaft entlassen, nur weil die Staatsanwaltschaften aufgrund des Personalmangels nicht schnell genug arbeiten können“.

„Noch haben wir großes Glück in Deutschland zu leben“, eröffnet Wendt seine Ausführungen. Doch obwohl die Politik stets betont, dass das Land immer sicherer werde, hätten viele Menschen Angst. Und auch Wendt ist der Auffassung, dass die aktuelle Regierung falsche Weichen für die Zukunft stellt: „In einer solchen Situation wie heute war Deutschland noch nie“. Diese Meinung sehe er begründet in der Zahl der Straftaten durch Zuwanderer, der Vielzahl an Fällen extremistischer Gewalt verschiedener Lager, aber auch in der zunehmenden ClanKriminalität. Besonders in Berlin und NordrheinWestfalen bauen sich die kriminellen Familien ein Netzwerk von Gewalt und Verbrechen auf. Wendt dazu: „Der Staat ist nicht in der Lage, diese Situation in den Griff zu bekommen“.

Auch das Schengen-Abkommen sieht Rainer Wendt kritisch. Das Versprechen der damaligen Regierung, die Öffnung der Grenzen sei ohne Sicherheitseinbuße möglich, sehe er als gebrochen. Seither oktroyiere die deutsche Politik den Bürgern den Appell „Ihr müsst tolerant sein!“. Wendt dagegen vertritt eine deutliche Haltung: „Wir müssen gar nichts“.

Wendt zeigt sich zudem besorgt um den ­deutschen Sozialstaat. Egal ob in der Pflege, bei Fachkräften oder der Sicherheit: An allen Stellen mangelt es an ausreichend Personal. Daher rühre auch die Angst vieler Bürger,

Seine größte Sorge ist der Abbau des deutschen Wohlstandes und der Stärke des Landes. Seine Empfehlung lautet daher: „Wir müssen hin zu einem autoritären Staat, der hält was er verspricht“. Daher würde er sich stets für ­einen stärkeren Staat und eine zentralisierte und mit größeren Rechten ausgestattete Polizei ­aussprechen. ■


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MAI 2019, SCHLOSS ECKBERG

KONTINUITÄT UND EIN NEUANFANG Zur Mitgliederversammlung zieht der Industrieclub eine positive Bilanz und heißt ein neues Vorstandsmitglied willkommen. Damit gelingt die Verbindung zur Wissenschaft.

Die Bilanz ist eine Positive: Im zurückliegenden Geschäftsjahr hat der Industrieclub Sachsen mehr Veranstaltungen angeboten und dabei mit 1.100 Teilnehmern auch mehr Gäste angezogen. Thematisch interessant, mit vielen spannenden Facetten und angenehmer Atmosphäre – so haben die Mitglieder die Vorträge, den Ausflug in das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen NCT/UCC sowie die Verleihung des Innovationspreises erlebt. „Es war stets kollegial, freundlich und zum Wohlfühlen“, resümiert der Präsident Günter Bruntsch. Einstimmig wird der Vorstand für das Geschäftsjahr entlastet. Im Anschluss hatte die Mitgliederversammlung über eine wichtige Personalie zu entscheiden: Jörg Lausen, Gründungsmitglied des Industrieclubs Sachsen, zieht sich nach langjährigem Engagement zurück. Er hatte einst die Idee, in Dresden einen ähnlichen Club zu etablieren, wie es in Hamburg den Überseeclub gibt, und war seitdem im Vorstand aktiv. „Viele Kontakte hat er gepflegt und generiert, einer vom alten Schrot und Korn“, lobt Günter Bruntsch. „Wir sind heute, was die Gründerväter damals wollten.“ Schon deshalb wird Jörg Lausen zum Ehrenmitglied in den Club gewählt.

Als Nachfolger im Vorstand wählen die Mitglieder einstimmig Prof. Dr. med. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Seit drei Jahren ist der Mediziner Mitglied im Industrieclub und hat seitdem viel Herzblut eingebracht. „Es ist gut, wenn wir als Industrieclub noch stärker in die Wissenschaft ausstrahlen und der Wissenschaft eine Heimat geben“, sagt Günter Bruntsch. Denn der Verein sei vor allem auch ein Kris­ tallisationspunkt für Persönlichkeiten in Dresden. Mit der Wahl Jürgen Weitz folgt der Verein dieser Ausrichtung. ■


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JUNI 2019, THEEGARTEN-PACTEC GMBH & CO. KG IN DRESDEN

SO VERPACKT MAN ERFOLGE Zum traditionellen Außentermin des Industrieclubs kamen die Mitglieder bei Theegarten Pactec zusammen. Geschäftsführer Egbert Röhm gab interessante Einblicke in das Unternehmen und leckere Kostproben.

Theegarten Pactec geht auf die Firma Rose Theegarten zurück, ein Familienunternehmen, das 1934 in Köln gegründet wurde. Die Firma übernahm 1994 Pactec in Dresden. Der Verpackungsmaschinen­ spezialist Pactec war aus dem Kombinat Nagema ­hervorgegangen, das sich wie viele andere Branchen nach der politischen Wende in der DDR umorientieren musste. Heute wird Theegarten Pactec in vierter Generation geführt. ­Geschäftsführer sind Markus Rustler und Egbert Röhm (Foto).

Wer kann so viel Schokolade auf einmal essen? Staunend beobachten die Mitglieder des Industrie­clubs die Verpackungsmaschine, die 1.000 Schokokugeln pro Minuten verpackt. Ein technisches Meisterwerk, eins, welches das Unternehmen Theegarten Pactec zum internationalen Marktführer für Verpackungstechnologien in der Süßwarenindustrie macht. Stolz erzählt Geschäftsführer Egbert Röhm von der Erfolgsgeschichte. Dazu hat er den Industrieclub zum traditionellen Vor-Ort-Termin in das Werk im Dresdner Osten eingeladen. Über 70 Millionen Euro Umsatz pro Jahr, über 400 Mitarbeiter, 90 Prozent Exportanteil, Vertretungen in 40 Ländern weltweit und 10.000 Maschinen weltweit im Einsatz – die Zahlen des Unternehmens beeindrucken. Über 80 Jahre geht die Firmengeschichte zurück und ist dabei familiengeführt in Familienbesitz, in vierter Generation. Dass der Erfolg von heute auf eine Entwicklung aus dem Kombinat Nagema ­zurückgeht, erzählt Egbert Röhm mit Demut. In den 1980er-Jahren wurde hier in Dresden der Grundstein für die schnellsten und besten Verpackungsmaschinen gelegt, sogenannte kontinuierliche Maschinen. „So etwas gab es im Westen nicht. Nur deshalb gibt es uns heute noch hier“, sagt er.

Mit dieser Innovation bedient das Unternehmen namhafte Kunden in aller Welt. In Afrika boomt derzeit das Geschäft für Brühwürfelmaschinen. Aus Europa fragen die großen Süßwarenhersteller an, zum Beispiel Ricola, Ferrero, Lindt und Nestle. Russland, China und auch der Iran gehören zu den Kunden der Dresdner. Die setzen auf modernes Know-How und eine breit aufgestellte Entwicklungsabteilung. 57 Prozent der Mitarbeiter sind in der Produktion tätig und bauen hier eine Maschine in acht bis zehn Monaten zusammen. 26 Prozent der Mitarbeiter sind in der Konstruktion und Forschung tätig. „Das ist unser Potenzial, deshalb sind unsere Maschinen vergleichsweise teuer, aber auch so gut und zuverlässig“, sagt Röhm. Für den Nachwuchs in den Hallen sorgt Theegarten Pactec übrigens selbst: Ausgebildet wird für den eigenen Bedarf. Bis zu 30 Azubis sind in dem Unternehmen tätig: Es sind angehende Mechatroniker, Zerspanungsmechaniker und Elektroniker. Am Ende des Rundgangs gibt es eine Kostprobe: Wer will, greift zwei Mal zu, manch einer drei Mal. Leer wird die Box mit den eingepackten Schokokugeln nicht. „So viel können Sie nicht futtern, wie aus unseren Maschinen kommt“, sagt Egbert Röhm. ■


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16 podiumsdiskussion ■ ■2 6 . J U N I 2 0 1 8 , S C H L O S S

ECKBERG

SACHSEN VOR DER LANDTAGSWAHL 2019 Spitzenpolitiker kommen im Industrieclub ins Gespräch

Es ist der bis dahin wärmste Abend des Jahres, an dem zahlreiche Besucher auf Schloss Eckberg einem besonderen Abend erleben. Der verspricht nicht nur wegen der Temperaturen hitzig zu werden. Knapp zwei Monate vor der sächsischen Landtagswahl stellen sich Spitzenpolitiker des Freistaates den kritischen Fragen der Moderatorin Alexandra Gerlach. Das Gespräch beginnt mit der Frage nach dem größten Handlungsbedarf in Sachsen. Neue Technologien und Potentiale, unter anderem in der (E-) Mobilität stehen bei Alexander Dierks (CDU), Rico Gebhardt (Linke) und Martin Dulig (SPD) im Fokus. Sachsen sei ein Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort, „der mit der Welt mithalten muss“, betont Martin Dulig. Jörg Urban (AfD) bricht den Ansatz runter auf die „Leistungsträger der Gesellschaft“ im Handwerk und Mittelstand, die er entlasten und fördern will. Wolfram Günther (Bündnis 90/Die Grünen) sieht die komplexen Entwicklungen im ländlichen Raum als Herausforderung der Zukunft. Man sollte sich auf Wohnraum, Arbeitsplätze und Infrastruktur konzentrieren, sagt er. ­Wirtschafts-

und Verkehrsminister Martin Dulig plant hier innovative Lösungen für die Mobilität und sieht die „rollende Landstraße“ als eins der wichtigen Projekte des Freistaats. Das Thema zeigt: Die Politiker sind sich im Grundsatz einig, doch in der Umsetzung und Priorisierung zum Thema Mobilität gehen die Ansichten auseinander. Als weitere Schwerpunkte des Abends zeichnen sich die Überregulierung, Bürokratisierung und der Fachkräftemangel ab. Während Rico Gebhardt Mittelstand und Forschung fördern und Langzeitarbeitslose wieder im Arbeitsmarkt integrieren will, sieht Jörg Urban die gezielte Lenkung in der Vergabe von Ausbildungsplätzen und Studienplätzen, orientiert an der Nachfrage des Arbeitsmarktes, als Priorität an und erntet dafür Gegenwind. Einig sind sich die Gäste darin, die bürokratischen Hürden für alle Bevölkerungsschichten zu senken und damit Investitionen zu vereinfachen. Der Ausgang der EU-Wahl im Mai 2019 ist Anlass für eine weitere spannende Frage: Wer koaliert künftig mit wem in Sachsen? Vor allem die Sicht der CDU interessiert die Zuhörer. „Es wäre ein politisches Stockholmsyndrom, wenn wir mit der AfD koalieren. Dazu sage ich definitiv nein“, sagt Alexander Dierks. Martin Dulig betont, dass Koalitionsdebatten noch nie geholfen hätten, außer dabei, die AfD stark zu machen. Auch


podiumsdiskussion 17

Wolfram Günther schließt sich der Aussage an. Rico Gebhardt spricht sich an diesem Abend für ein Bündnis der LINKEN mit der FDP aus, die derzeit nicht im Landtag vertreten sind und auf den Wiedereinzug hofft. Einzig Jörg Urban lässt sich nicht zu einer Aussage für mögliche Koalitionen bewegen. Letztlich fasst Wolfram Günther den Abend zusammen: „Wir haben 1989 die Freiheit gewählt. Jetzt müssen wir damit klarkommen, was gewählt wird.“ ■


18 konzert, neue mitglieder ■ ■2 3 .

MAI 2019, KULTURPAL AST DRESDEN

MUSIKALISCHER HÖHEPUNKT Wiener Philharmoniker zu Gast im Kulturpalast Dresden

Die Wiener Philharmoniker, Dirigent Tugan Sokhiev vom Bolschoi-Theater Moskau und Pianist Yefim Bronfman – diese musikalische, hochkarätige Mischung ist schon etwas ganz Besonderes. Für ihre gemeinsame Premiere, zu der wir am 23. Mai im Rahmen der Musikfestspiele eingeladen waren, entschied sich das Traditionsorchester für ein russisches Repertoire, darunter Prokofjew und Tschaikowsky. Begrüßt und eingestimmt auf das musikalische Programm wurden wir von Jan Vogler, seit 2009 Intendant der mittlerweile 41. Musik­festspiele. Ein unvergesslicher Abend! ■

NEUE MITGLIEDER NEUE FIRMENMITGLIEDER ■ wks Technik GmbH, Petra Räuber Geschäftsführerin, Sebastian Kordt Geschäftsführer

NEUE EINZELMITGLIEDER ■ Prof. Dr. Christoph Leyens, Institutsleiter Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS


ausblick, impressum 19

AUSBLICK ■ ■I M P R E S S U M

19.08.2019 ■ Christian Lindner, Bundesvorsitzender der Freien Demokraten, Vorsitzender der Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag Mittagsmeeting (von 12 bis 15 Uhr) zum Thema: Zukunftsoffensive Wirtschaft, Hotel Schloss Eckberg 27.08.2019 ■ 1. Sommerfest des Industrieclubs Sachsen mit "Gents of Jazz", Hotel Schloss Eckberg 17.09.2019 ■ Jörg Hermsdorf, Co-Founder und CTO CONSERVE BlockChain GmbH Vortrag zum Thema: Wie schnell verändert Bitcoin die Welt!?, Hotel Schloss Eckberg 01.10.2019 ■ Stephan Kapferer, Vorsitzender der H ­ auptgeschäftsführung, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) Vortrag zum Thema: Deutschland – Vorreiter oder Bremser im Klimaschutz?, Hotel Schloss Eckberg

29.10.2019 ■ Prof. Dr. Werner J. Patzelt Vortrag zum Thema: Sachsen nach der ­Landtagswahl, Hotel Schloss Eckberg 12.11.2019 ■ Thomas Reiter, ehemaliger ESA-Astronaut, ESA-Koordinator Verleihung des Innovationspreises des Industrieclubs Sachsen e.V., Grußwort: Dirk Hilbert, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden. (Terminlicher Hinweis: Diese Veranstaltung kann eventuell aus organisatorischen Gründen noch auf den 24. Oktober 2019 verschoben werden.), Hotel Schloss Eckberg 26.11.2019 ■ Götz Ahmelmann, Vorstandsvorsitzender der Mitteldeutschen Flughafen AG Frühstück im Schloss, Thema wird noch ­bekannt gegeben, Hotel Schloss Eckberg 10.12.2019 ■ Weihnachtliches Gans-Essen Hotel Schloss Eckberg

Herausgeber Industrieclub Sachsen e. V. Präsident Dr. Günter Bruntsch 1. Vizepräsidentin Helma Orosz 2. Vizepräsident Frank Müller Schatzmeister Ulrich Franzen Vorstand Prof. Dr. Eckhard Beyer Jörg Lausen Dr. Katrin Möller Ulf Heinemann Kuratoriumssprecherr Friedrich Brune Geschäftsführung Bianca Deutsch Fotos Ralf U. Heinrich; außer: SLUB Dresden S. 5; Christian Gahl S. 18 Redaktion und Grafik Manuela Turke, Robert Kersten, Annechristin Bonß, Anja Arnold, Marcel Tenschert


GESCHÄFTSSTELLE ■ Industrieclub Sachsen e. V. Blasewitzer Straße 41 01307 Dresden Telefon: 0351 45041-31 Telefax: 0351 45041-32 info@industrieclub.de www.industrieclub.de

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Akzente 1/2019  

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