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LIKE FATHER, LIKE SON Vom Vatersein D THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE Restauriert und der Zensur entrissen D PHOENIX Mit geschlossenen Augen D HELI Im Blickfeld der Drogenmafia D SCHÖNEFELD BOULEVARD Erste ­Flieger und erste Liebe D MAPS TO THE STARS Boulevard der Durchgeknallten D ABRIR PUERTAS Y VENTANAS Offene ­Türen und Fenster D UNDER THE SKIN Killermaschine, Gnade und Entfremdung D SONG FROM THE FOREST Zweierlei ­Dschungel D DER ANSTÄNDIGE Psychologie der Gewalt D MR. MAY UND DAS FLÜSTERN DER EWIGKEIT Einsamer Thunfisch im Regen D MIT GANZER KRAFT Im Rollstuhl zum „Iron Man“ D DER JUNGE SIYAR Auf dem Weg nach Europa

MAGAZIN DER UNABHÄNGIGEN BERLINER LICHTSPIELHÄUSER D 07 D SEPTEMBER 2014

indiekinoBERL

PHOENIX - START AM 25.9.2014


»Eddie Marsan Performance ist unwiderstehlich!« SCREEN INTERNATIONAL »Einer jener Filme, die sich uns ins Herz einprägen wie ein Lächeln!« TAGESWOCHE »Ein grandioser Film, berührend und bittersüß, mit subtilem Humor … Eddie Marsan ist fantastisch!« SENTIERI DEL CINEMA »Ein Geschenk, ein Glücksfall fürs Kino ... Wunderschön!« KINO.DE

PREMIO ORIZZONTI BESTE REGIE

www.mister-may.de

EIN FILM VON ubErtO PasOLINI


DIE INDIEKINOS D ACUD KINO D B-WARE!LADENKINO D BALI KINO D BUNDES­ PLATZ KINO D EISZEIT KINO D EVA-LICHTSPIELE D FILMKUNST66 D FILMRAUSCHPALAST D FSK-KINO AM ORANIENPLATZ D HACKESCHE HÖFE KINO D SPUTNIK KINO AM SÜDSTERN D TILSITER LICHTSPIELE D UNION FILMTHEATER D XENON KINO D ZUKUNFT D FLK FRIEDRICHSHAGEN D FLK HASENHEIDE D FLK INSEL D FLK POMPEJI D FLK „UMSONST & DRAUSSEN“ IM FILMRAUSCHPALAST

EDITORIAL Vor einigen Monaten gründete sich eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „UNDER THE SKIN im deutschen Kino, jetzt“. Was zunächst wie eine Fan-Aktion aussah, wurde bald zu einem Rundumschlag gegen die deutsche Filmproduktions-, Kino-, Festival- und Verleihbranche. Die deutschen Filme seien zu Tode gefördert, die Verleiher trauten sich nichts mehr, die Festivals zerstörten die Verleihlandschaft, die Kinos spielten alle das gleiche. Vor allem bringe Senator Film den vielgelobten

Science-Fiction-Film UNDER THE SKIN nicht ins Kino, sondern nur auf BluRay und DVD heraus. Nun kommt der Film doch ins Kino, fast gleichzeitig mit dem BluRay-Start. Zunächst ohne deutsche Synchro und Untertitel. In Berlin gibt es den ersten Filmstart, der auf eine Zuschauerinitiative zurückgeht im b-ware! ladenkino und im fsk-Kino am Oranienplatz zu sehen. Die Debatten über Kinos, Festivals, Verleiher und Filmproduktionen werden weiter gehen. Für die Diversität der Kinolandschaft kann es nur von Vorteil sein, wenn mehr gestritten wird. Unser September-Heft ist jedenfalls so divers, wie es eben geht. Die Wiederaufführung von THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE ist uns so wichtig wie Hirokazu Kore-edas sensible Familiengeschichte LIKE FATHER, LIKE SON und Christian Petzolds Abrechnung mit dem deutschen Vergangenheitsbewältigungskino PHOENIX. LIKE FATHER, LIKE SON zeigen wir übrigens auch in unserer zweiten INDIEKINO-Preview, die am 10.9. im fsk-Kino am Oranienplatz stattfindet. Es gibt wieder Freikarten zu gewinnen (Näheres auf Seite 4). Viel Spaß beim Lesen und viel Spaß im Kino, Ihre/Eure INDIEKINO BERLIN Redaktion

NEU IM KINO 30 Shirley – Visionen der Realität

04 MAGAZIN 08 VOM VATERSEIN: LIKE FATHER, LIKE SON 12 RESTAURIERT UND DER ZENSUR ENTRISSEN: THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE 14 „DAS ALTE BEKOMMT MAN NIE WIEDER SO GANZ HIN“: PHOENIX 24 INDIEKINOS: FSK-KINO AM ORANIENPLATZ 34 KINDERFILME 36 KINOHIGHLIGHTS 44 KINOADRESSEN, IMPRESSUM ABONNEMENT 46 NACHBILD

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Abrir puertas y ventanas Amma & Appa Der Anständige At Home – Sto Spiti Gemma Bovery Heli I Origins - Im Auge des Ursprungs Der Junge Siyar Kings of Kallstadt Like Father, Like Son Maps to the Stars Mit ganzer Kraft A Most Wanted Man

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Mr. May oder das Flüstern der Ewigkeit Phoenix Schönefeld Boulevard Shirley – Visionen der Realität Song from the Forest Spirit Berlin Supermensch – wer ist Shep Gordon? The Texas Chainsaw Massacre Töchter Under the Skin A World Not Ours

WEITER IM KINO 32 32 32 33

Feuerwerk am hellichten Tage Jimmy’s Hall Die Karte meiner Träume Kathedralen der Kultur

33 Welcome Goodbye 32 Wie der Wind sich hebt 33 Wir sind die Neuen

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INDIEMAGAZIN

INDIEKINO PREVIEW #2: LIKE FATHER, LIKE SON Niemand dreht so schöne Erwachsenenfilme mit Kindern wie Hirokazu Kore-eda. Wir freuen uns außerordentlich, dass wir den zärtlichen, nachdenklichen, bezaubernden LIKE FATHER, LIKE SON in unserer zweiten INDIEKINO-Preview vor Kinostart präsentieren können. Die beiden Jungen Keita und Ryusei wurden bei der Geburt vertauscht. Sechs Jahre später fliegt der Irrtum auf und die beiden Familien stehen vor der Frage, ob sie ihre Kinder zurück tauschen sollen, ob es wichtiger ist, biologisch verwandt zu sein, oder sechs Lebensjahre miteinander geteilt zu haben. „100% der Eltern entschließen sich zum Tausch“ sagt der betreuende Arzt. Aber ist es wirklich so einfach? Soll Keita auf einmal ohne ­Klavierstunden aufwachsen und Ryusei ohne Geschwister und beide ohne die geliebten und vertrauten Erwachsenen? Und wie steht es um die Eltern? Was bedeutet es, wenn ein Vater sagt und denkt „mein Sohn“? Die Preview LIKE FATHER, LIKE SON findet am 10.9. um 20 Uhr in Kooperation mit dem Film Kino Text Verleih und dem fsk-Kino im fsk-Kino am Oranienplatz statt. Wer eine Freikarte ergattern möchte, schreibt uns bis Montag, den 8.9. eine Mail an info@indiekino.de. Stichwort: LIKE FATHER, LIKE SON

HOCHWERTIGE FILMFACHBÜCHER, VERFASST VON ­SACHKUNDIGEN AUTOREN verspricht der neu gegründete Mühlbeyer Filmbuchverlag, hinter dem selbst ein sachkundiger Autor steckt: der Filmjournalist Harald Mühlbeyer schreibt unter anderem für epd Film, ray, cinefacts.de, Titanic und demnächst auch für INDIEKINO. Mühlbeyer hat es sich zur Aufgabe gemacht, Cineasten mit Hintergrundwissen zu versorgen. In den ersten Veröffentlichungen des Verlages befragt Henriette Nagel Zeitreisefilme auf ihre zugrundeliegenden physiktheoretischen Modelle hin, Moritz Rosenthal stellt kompakt Gendertheorien zum Horrorfilm vor, und Andreas Köhnemann untersucht die ästhetischen und dramaturgischen »Verqueerungen«, die sich ergeben, wenn sich im Film nicht ein Liebespaar, sondern ein Liebestrio findet. Weiterhin sind in Arbeit: Jonas Manuel Cußler über mögliche rassistische Implikationen in Walt-Disney-Animationsfilmen, Julius Pöhnert über Inhalte und Ästhetik der Filme von Rosa von Praunheim und Franz Stadler und Manfred Hobsch über „Die Kunst der Filmkomödie“. www.muehlbeyer-verlag.blogspot.de D4

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INDIEMAGAZIN

„ICH BIN HYPOCHONDER“, gibt Rosa von Praunheim freimütig zu. In seinem neuen Dokumentarfilm begleitet der unerschrockene Filmemacher sich selbst bei seinen Besuchen bei Geistheilern, Gesundbetern und Schamanen, die ihn von Asthma, Kopfschmerzen, Reizblase, grünem Star und Polypen befreien sollen. Er besucht ein Seminar von Dr. Zhi Gang Sha, berühmt für seine Seelenoperationen, ist begeistert vom Pflanzenkundler Wolf-Dieter Storl, und sucht Rosina Sonnenschmidt auf, die eine Humortherapie anbietet. Er macht eine Rückführung in seine früheren Leben und findet heraus, dass er einst ein großer starker Baum war. Am 20. September um 15.30 Uhr stellt von Praunheim seinen Film AUF DER SUCHE NACH HEILERN – ICH BIN EIN HYPOCHONDER im Bundesplatzkino persönlich vor. Nach dem Screening lädt der Verleih zu „einem kleinen Schlagabtausch zwischen dem Regisseur und einigen Protagonisten“ ein.

ROCKABILLY PARTY + FILMVORFÜHRUNG In Friedrichshagen findet am 12. September um 22.30 Uhr die nächste Rockabilly Party statt. Zur Einstimmung läuft um 20 Uhr die Musical-Verfilmung JERSEY BOYS von Clint Eastwood. Der Film erzählt die Geschichte der Band „Four Seasons“ von denen Hits wie Walk Like a Man und Rag Doll stammen. In den 50ern gründen die Teenager Frankie Casteluccio, der sich später Frankie Vallie nennt, Tommy DeVito, Nick Massi und Bob Gaudio eine Band und stürmen in Kürze die Charts. Doch innere Streitigkeiten, Mafiaverbindungen und Geldsorgen sorgen für Schwierigkeiten, die aus den vier verschiedenen Perspektiven der Bandmitglieder erzählt werden.

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INDIEMAGAZIN

DER BAUHAUS-FOTOGRAF: LUCIEN HERVÉ Geboren wurde der Fotograf und Kommunist Lucien Hervé als László Elkán 1910 in Ungarn, seit den frühen 30er Jahren lebte er in Paris und arbeitete in der Modebranche. Im zweiten Weltkrieg kämpfte er in der französischen Armee. 1949 erhielt Hervé den Auftrag, Le Corbusiers „Cité Radieuse“ in Marseille zu dokumentieren. Er schickte Le Corbusier die 650 Fotos und bekam folgende Antwort: „Sie haben die Seele eines Architekten, und Sie verstehen etwas davon, Architektur zu betrachten. Werden Sie mein Fotograf.“ Neben den Gebäuden Le Corbusiers hat Hervé auch Werke von Alvar Aalto, Marcel Breuer, Oscar Niemeyer oder Jean Prouvé fotografiert. Gerrit Messiaens Dokumentarfilm LUCIEN HERVÉ – FOTOGRAF WIDER WILLEN ist am 28. September um 15.30 Uhr einmalig im Bundesplatz Kino zu sehen

DAS CITY WEDDING ERWACHT ZU NEUEM LEBEN In den 60er Jahren wurde das jetzige City-Kino Wedding zunächst als Mehrzwecksaal des deutsch-französischen Jugend- und Kulturzentrums „Centre Français de Berlin“ gebaut. Bis 1992 hatten nur französische Soldaten und deren Angehörige Zutritt. 1996 wurde eine feste Leinwand eingebaut und 10 Jahre lang führte das City Wedding ein normales Kinoleben, bis es der Konkurrenz von Alhambra und Cinestar Tegel unterlag und schließen musste. Jetzt wird ein zarter Neuanfang gestartet. Ab Oktober soll das Retro-Design-Schmuckstück jedes zweite Wochenende bespielt werden. Die feierliche Wiedereröffnung findet am 13. und 14. September statt. www.facebook.com/citykinowedding

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LIEBESTRIOS BEI KREUZBERG LIEST Am Mittwoch, den 3. September um 20.30 Uhr trifft man sich im Sputnik Kino in Kreuzberg nach der Sommerpause wieder zum monatlichen Lesetermin. Unter dem Motto „Nicht immer der Anfang vom Ende“ geht es um Chaos, Eifersucht, Machtspiele, wenige Gewinner und viele Verlierer. Katharina Florian und Jana Kühn stellen außergewöhnliche Dreiecksgeschichten von Simone de Beauvoir, Madeleine Bourdouxhe, Romain Gary und Olga Grjasnowa vor. Die Lieblingsentdeckungen der beiden werden für die Gäste live vertont von Alexandra Maria Johannknecht und Matthias Scheliga.

WHISKY & EVIL MUSIC Über den Dächern Kreuzbergs, in der Kinobar des Sputnik Kinos, lädt “Slowlands” am 26. September ab 21 Uhr erneut zu gutem Whisky und böser Musik ein: „We kindly invite you to another splendid night of good whisky and evil music at Sputnik Kino Bar – Berlin’s highest cinema. More than 30 different kinds of liquid gold await you – most of which you won’t find anywhere else in Berlin – accompanied by slow-deepcomplex music in chatting-friendly volume that sets just the right atmosphere.” Es gibt natürlich auch alkoholfreie Getränke.

Shirley visionEn DER REalitÄt

Der Maler

Edward Hopper in 13 Bildern Regie: Gustav Deutsch

Mehr Information unter: www.rendezvous-filmverleih.de

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ab 18. september im b-ware!ladenkino, Eva, Filmkunst 66, FsK und neues Babylon


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Der japanische Regisseur Hirokazu KORE-EDA (*1962 in Tokyo) arbeitet wir kaum ein anderer mit Kinderdarstellern. In NOBODY KNOWS (2004) erzählte er nach einer wahren Begebenheit von vier Kindern, die eines Tages von ihrer Mutter verlassen werden und ganz alleine versuchen, ein normales Leben weiter zu leben. Yūya Yagira, der den zwölfjährigen Akira spielt und im Film die Elternrolle für seine jungen Geschwister übernimmt, wurde als jüngster Schauspieler in der Geschichte von Cannes ausgezeichnet. STILL WALKING (2008) fängt ­zartfühlend die

LIKE FATHER, LIKE SON Interview mit Hirokazu Kore-eda

Beziehungen in einer Familie ein, die einmal im Jahr zusammen kommt, um den Tod des ältesten Sohnes, der vor 15 Jahren bei einem Badeunfall ums Leben kam, zu begehen und in I WISH (2011) träumen zwei Brüder, die bei ihren geschiedenen Eltern in verschiedenen Städten aufwachsen, von einer Wiedervereinigung der Familie. Um die komplexen Bindungen innerhalb von Familien geht es auch in Kore-edas neuestem Film LIKE FATHER. LIKE SON (Besprechung auf der nächsten Seite). Thomas Abeltshauser hat in Cannes mit dem freundlichen Regisseur über seine Arbeit mit Kindern und seine Gefühle als Vater gesprochen. D8

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INDIEKINO BERLIN: Herr Kore-eda, würden Sie widersprechen, wenn man Ihren neuen Film LIKE FATHER, LIKE SON als eine Kritik an der japanischen Klassengesellschaft und ihrem Männerbild sieht? Hirokazu Kore-eda: So denke ich nicht über meine Filme nach und so konzipiere ich sie auch nicht. Aber wenn Sie so wollen, repräsentiert die Hauptfigur Ryota die männliche Dominanz in der Gesellschaft, er trifft die Entscheidungen und seine Frau hat sich seiner Meinung zu fügen. Warum verhält er sich so? Weil es sein Vater auch schon so getan hat. Zugleich will er sich der Autorität seines eigenen Vaters entziehen und seine eigenen Entscheidungen treffen, doch dabei wiederholt er nur dessen Verhalten, vor allem gegenüber seiner Frau und seinem Kind. Sie zeigen zwei sehr unterschiedliche Familien, eine aus der oberen Mittelschicht, eine aus der Arbeiterklasse ...

Es gibt sicher ökonomische Unterschiede zwischen ihnen, aber mir ging es bei der Gegenüberstellung um etwas anderes. Die weniger wohlhabende Familie lebt in einem traditionellen japanischen Haus mit Garten, hat fünf Kinder, sie sind alle sehr eingebunden in ihr Umfeld, während das reichere Ehepaar ein Einzelkind hat und viel isolierter lebt, auch wenn sie eine schöne Wohnung in einem teuren Viertel haben. Diesen sozialen Unterschied wollte ich zeigen. Geht es Ihnen dabei auch um den Unterschied zwischen einer eher tradi­ tionell japanischen Lebensweise und der modernen, westlich orientierten? Die Lebensräume der beiden Familien spielen eine wichtige Rolle, das Haus auf dem Land und die Stadtwohnung, und wir haben sie mit großem Aufwand gesucht und ausgestattet. Das Landhaus stammt aus der Shōwa-Zeit, der „Ära des erleuchteten Friedens“ als Kaiser Hirohito im SEPTEMBER 2014 D

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20. Jahrhundert regierte, deren zweite Hälfte nach Ende des Zweiten Weltkriegs eine Blütezeit Japans war. Die Architektur des Hauses und auch die Familienstrukturen sollten diese Phase widerspiegeln. Hier existiert noch eine Großfamilie, in der mehrere Generationen ein sehr enges Verhältnis zueinander haben. Die andere Familie repräsentiert die moderne japanische Kleinfamilie, die lediglich aus Vater, Mutter und Einzelkind besteht und in einer schönen Wohnung lebt, dabei aber sehr isoliert ist. Mein Leben entspricht dem der zweiten Familie. Ich wohne mit meiner Frau und unserer Tochter ganz ähnlich. Wenn man in einer der Großstädte wie Tokyo lebt, ist ein anderes Leben auch kaum möglich, weil schlicht der Platz fehlt. Aber mir geht es um keinen sozialen Kommentar, ich habe mir von meinem eigenen Leben ausgehend, die Frage gestellt, was einen eigentlich zum Vater macht.

Lage, mit Kindern nett umzugehen, er war immer irgendwie abwesend. Ich habe kaum wirkliche Erinnerungen an ihn in meiner Kindheit. Das Erschreckende ist, dass ich ihm heute doch manchmal sehr ähnlich bin und ich Dinge tue, die ich an ihm nicht mochte. Aber zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich es zumindest reflektiere. Wie entstand die Idee der bei der Geburt vertauschten Kinder? Basiert die Geschichte auf einem realen Fall, ist sie ein Märchen? Sie erinnert auch an Salman Rushdies Roman „Mitternachtskinder“... Die Handlung selbst ist erfunden, aber sie basiert auf keiner Fiktion. Diese Verwechslungen passierten in den Siebzigern, den Babyboomjahren in Japan, gar nicht so selten. Das Interessante war, dass die Eltern, wenn sie es nach Jahren herausgefunden haben, sich fast alle für die Blutsverwandtschaft entschieden haben und nicht für das Kind, das sie jahrelang als ihr eigenes großgezogen haben. Ich fand nur einen Fall, bei dem beide Familien ihre Kinder nicht zurückgetauscht haben, sondern sich stattdessen dazu entschieden, die Kinder nicht aus dem Umfeld zu reißen, in dem sie aufwuchsen, und dafür einander regelmäßig zu besuchen. Das erschien mir sehr viel humaner und weniger egoistisch. Sie sagen nicht einfach: das ist nicht mehr mein Kind, weil es nicht meine DNA hat. Und ich bin mir nicht sicher, wie Eltern heute reagieren würden. Die Blutsverwandtschaft ist noch immer sehr wichtig in Japan, Adoptionen sind kaum verbreitet.

Können Sie das genauer erläutern? Was hat Sie daran interessiert? Seit vor sechs Jahren unsere Tochter zur Welt kam, stelle ich mir die Frage: was verbindet mich als Vater mit meinem Kind? Die Blutsbande oder die Zeit, die wir zusammen verbringen? Biologie oder Erziehung? Werde ich durch die Erkenntnis, dass ich mein Blut weitergegeben habe, zum Vater? Oder sehe ich mich nicht als richtiger Vater, weil ich aufgrund meines Berufs so eingebunden bin, dass ich nicht genug Zeit mit ihr verbringe? Mütter würden sich diese Fragen nie stellen, weil sie von Anfang an ein viel engeres Verhältnis haben. Das Kind wächst im Leib der Mutter, sie bringt es zur Welt. Väter sind automatisch ein bisschen abseits. Ich konnte das auch bei meiner Frau beobachten, die sich wie von selbst unserer Tochter annahm, während ich mich an meine neue Rolle als Vater erst langsam gewöhnen musste. Dieses Dilemma, auch die Vorwürfe an mich selbst, wollte ich zum Thema eines Films machen. Warum haben Sie aus dem Kind im Film einen Jungen gemacht? Weil mich genau diese Vater-Sohn-Beziehung interessiert hat, die noch einmal ganz anders funktioniert. Es geht zwar um zwei Familien, aber mein Fokus liegt auf dem Mann und wie er zum Vater wird. Ryota ist nicht nur Vater, sondern auch selbst Sohn, der zu seinem Vater eine sehr distanzierte Beziehung hat. Reflektieren Sie damit auch ihre eigenen Familienverhältnisse? Es fällt mir schwer, meinen Vater zu kritisieren, aber ich will meiner Tochter ein besserer Vater sein als er mir gegenüber war. Er war nicht in der D 10

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Haben Sie sich auch gefragt, wie Sie selbst reagieren würden? Ich habe mit meiner Frau darüber gesprochen und sie hat gesagt: ‚Wenn man sechs Jahre lang ein Kind großgezogen hat, wie kann man es dann aufgeben? Das ist unmöglich!’ Aber ich habe mich als Vater umgekehrt gefragt: wenn man weiß, dass das biologische Kind in einer anderen Familie aufwächst, kann man das einfach ignorieren? Ich habe darauf nicht wirklich eine Antwort. Sie arbeiten in Ihren Filmen immer wieder mit Kindern zusammen, die herausragende Darstellungen liefern. Yûya Yagira etwa, der 12-jährige Hauptdarsteller von NOBODY KNOWS, wurde 2004 in Cannes als jüngster Schauspieler aller Zeiten mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet. Haben Sie eine bestimmte Methode, was ist Ihr Geheimnis? Seit NOBODY KNOWS gebe ich den Kindern keine Drehbücher mehr. Ich erkläre ihnen einfach eine Szene, etwa worüber sie sich mit ihrem Filmvater unterhalten sollen und lasse sie dann spielen. So gehe ich schon


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beim Casting vor. Und Kinder lieben diese Art des Schauspielens. Meine andere Methode ist etwas komplizierter. Es ist gar nicht so einfach, Kindern natürliche Gesten und Gesichtsausdrücke zu entlocken. Dazu nutze ich die erwachsenen Schauspieler, etwa die Mutter im Film, die vor der Kamera etwas tut, auf das die Kinder dann spontan reagieren. Sie wird dann in dem Moment wie zu einer zweiten Regisseurin innerhalb der Szene, sie kontrolliert die Emotionen der Kinder. Diesmal war die Situation etwas anders, denn die Hauptfigur hat ja eine gewisse Distanz zu seinem Sohn, deswegen habe ich sie auch außerhalb des Drehs voneinander ferngehalten. Der Vater der Großfamilie dagegen spielte auch in den Drehpausen mit den Jungen. Das sind so meine Tricks, um vor der Kamera möglichst natürliche und wahrhaftige Emotionen zu erreichen.

Originaltitel: Soshite chichi ni naru D Japan 2013 D 120 min D R: Hirokazu Kore-eda D B: Hirokazu Kore-eda D K: Mikiya Takimoto D S: Hirokazu Kore-eda D D: Yôko Maki, Masaharu Fukuyama, Machiko Ono, Lily Franky D V: Film Kino Text

Wenn Sie in LIKE FATHER, LIKE SON eher eine persönliche Auseinandersetzung, als eine kulturelle oder spezifisch japanische sehen, glauben Sie, dass der Film auch in anderen Gesellschaften räsoniert? Welche Reaktionen hatten Sie in anderen Ländern? Ich habe überall sehr positive Reaktionen erlebt. Der Film wirkt wie ein Auslöser, nach dem Film über die eigene Familie zu sprechen. All diese Menschen kommen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Religionen, aber überall löst der Film Gesprächsbedarf aus. Das freut mich sehr.

Welches Verhältnis haben Sie zu Ihren Filmkindern nach den Dreharbeiten? Fühlen Sie eine gewisse Verantwortung? Wir telefonieren und treffen uns auch regelmäßig. Und mit einigen trinke ich auch, denn sie sind inzwischen erwachsen. Mir ist es wichtig, dass sie die Dreharbeiten als gute Erfahrung in Erinnerung behalten. Für einige war es ein einmaliges Abenteuer, andere wollen ernsthaft Schauspieler werden. Das unterstütze ich gerne und stehe mit Hilfe und Rat zur Seite.

LIKE FATHER, LIKE SON Vom Vatersein

Als Keito sechs Jahre alt ist, erfahren seine Mittelschichts-Eltern, dass er bei der Geburt vertauscht wurde. Ihr „richtiger“ Sohn ist bislang in der Familie eines kleinen Ladenbesitzers zusammen mit vier Geschwistern aufgewachsen. Beide Familien stehen auf einmal vor der Frage, ob sie die Kinder, die sie bislang für Ihre Kinder hielten, weiter aufziehen oder austauschen sollen. Die Familien beschließen, einander kennen zu lernen und gemeinsame Zeit zu verbringen, damit die Jungen, denen die Eltern die Wahrheit zunächst verschweigen, sich langsam an die neue Familie gewöhnen können. Präzise und mitfühlend beschreibt und beobachtet LIKE FATHER, LIKE SON diesen herzzerreißenden Annäherungsprozess, in dem es keine richtigen und keine falschen Entscheidungen gibt. Während LIKE FATHER, LIKE SON alle Personen, besonders auch die Kinder, die in fast allen Kore-eda Filmen eine wichtige Rolle spielen, im Blick hat, ist er letzten Endes vor allem ein Film über das Vatersein. Zentrum der Erzählung ist Ryota, Keitos Vater, ein hart arbeitender und erfolgreicher Architekt, und der genaue Gegensatz des unambitionierten aber auch sehr liebevollen Elektrohändlers Yudai. Ryota hat Pläne für seinen Sohn, in denen Klavierstunden und die richtige Schule eine wichtige Rolle spielen. Als er erfährt, dass der verträumte Keito gar nicht sein leibliches Kind ist, scheint auf einmal Vieles Sinn zu machen. Es ist vor allem Ryota, der sich mit seinen Ideen vom Vatersein und seinen tatsächlichen Vatergefühlen auseinandersetzen muss. D Hendrike Bake

Sind Ihre Filme so etwas wie Ihre Kinder? Manche sind mir näher als andere. Dieser hier ist sicher mein persönlichster. Aber auch STILL WALKING ist mir sehr wichtig, nicht nur weil ich mich stark in die Hauptfigur hineinprojiziert hatte und es um das Leben meiner Mutter ging, sondern auch weil er in einer Zeit entstand, als meine Mutter verstarb und ich selbst Vater wurde. Das sind mir die wichtigsten Filme, aber man soll ja keins seiner Kinder bevorzugen ... D Das Gespräch führte Thomas Abeltshauser

Start am 25.09.2014 ab Oktober ¢ b-ware! ladenkino ¢ Eiszeit Kino DF DF ¢ filmkunst 66 ¢ fsk-Kino am Oranienplatz OMU ¢ Hackesche Höfe Kino OMU OMU

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When Keito is six years old, his parents are informed that he was switched at birth with another baby whose name is Ryusei. Both families now are confronted with the question if they want to swap their children.

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THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974)

Restauriert und der Zensur entrissen

Dunkelheit. Scharren. Aufblitzende Bilder zeigen verweste Körperteile. August 1973. Das Radio berichtet von Grabschändungen in Texas. Die Toten werden zu bizarren Figuren arrangiert. In einem alten Bus fahren fünf junge Leute aufs Land. Sally und ihr Bruder Franklin, der im Rollstuhl sitzt, Sallys Freund Jerry und das Pärchen Kirk und Pam. Nachdem sie überprüft haben, ob das Grab ihres Großvaters unversehrt ist, suchen sie dessen altes Haus. Unterwegs nehmen sie einen seltsamen Anhalter mit, der ihnen von Entlassungen beim nahegelegenen Schlachthof erzählt, schließlich sich selbst und Franklin verletzt und aus dem Bus geworfen wird. An einer Tankstelle gibt es kein Benzin mehr und der Tankwart rät ihnen davon ab, zum Haus weiter zu fahren – die Leute in der Umgebung seien nicht freundlich zu Fremden. Kirk und Pam versuchen dennoch, im Nachbarhaus der verfallenen Villa nach Benzin zu fragen. Auf Kirks Klopfen antwortet niemand. Er geht langsam den Flur hinunter. Eine Tür wird aufgerissen. Ein riesiger Mann mit einer scheußlichen Maske und einer

Schlachterschürze erschlägt Kirk mit einem Schlachterhammer. Kirks Beine zucken. Leatherface zieht die Leiche hinter die Tür. Die Tür schlägt zu. Das Massaker beginnt. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ist eigentlich eindeutig: “Eine Zensur findet nicht statt”. Das heißt natürlich nicht, dass keine Zensur stattfindet. Über 30 Jahre lang war THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE, einer der wichtigsten Klassiker des Horrorfilms, in Deutschland verboten. Ob das New Yorker Museum of Modern Art den Film schon in den 80er Jahren ankaufte, ob Kritiker flammende Verteidigungen des Films schrieben, nichts konnte die strenge deutsche Zensur erweichen. Denn Tobe Hoopers Klassiker war nicht nur indiziert, sondern nach §131 StGB beschlagnahmt, wegen „Gewaltverherrlichung“. Der Paragraf ist seit der massenhaften Verbreitung von VHS-Video - dem ersten demokratischen Medium, bei dem Zuschauer selbst bestimmen konnten, was sie sehen wollten - zur Hauptwaffe der Moralwächter im Kampf gegen sogenannte „Gewaltvideos“ geworden. Der letzte beschlagnahmte Film in diesem Jahr war MANIAC, das Remake eines ebenfalls beschlagnahmten Klassikers aus den frühen 80er Jahren. Der Wortlaut des Paragrafen wurde je nach Bedarf des Zensors angepasst. Zunächst erlaubte er, Schriften zu verbieten, „die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten“ darstellten. Der Paragraf, zuerst 1973 vor allem zum Schutz gegen neonazistische Propaganda eingeführt, wurde 1985 zum ersten Mal verschärft. Seitdem sind auch Filme verboten, die Gewalt in einer Art zeigen, „die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt“. Das bezog sich auf Horrorfilme und war so dehnbar, dass sich beinahe jede


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Gewaltdarstellung damit verbieten ließ. Schließlich verletzt Grausamkeit an Menschen immer die Menschenwürde. Der Artikel erklärt also eigentlich, dass jede fiktionale Darstellung von Grausamkeit in Deutschland verboten ist, es sei denn, der Zensor findet sie geschmackvoll genug oder hat gerade Urlaub. Ganz reichte es immer noch nicht, denn nicht alle Filmverleiher ließen sich diese Bevormundung bieten. Eine Beschlagnahmung kann nur durch eine aufwendige, kosten- und zeitintensive Zivilklage wieder aufgehoben werden, wobei jederzeit das Risiko einer erneuten Beschlagnahme durch ein anderes Gericht besteht, wie der Prokino-Filmverleih erfahren musste, der seit 1984 versuchte, Sam Raimis THE EVIL DEAD (dt. TANZ DER TEUFEL) aus den Fängen der Justiz zu befreien. 1992 bekam der Verleih vorläufig recht, und auch noch bei ein paar späteren Prozessen, aber beschlagnahmt ist Raimis Film trotz Spezialeffekten, die offensichtlich auf Knetgummi-Animationen beruhen, immer noch. Weil die Prokino-Anwälte argumentierten, in EVIL DEAD gäbe es keine Grausamkeit gegen Menschen, schließlich würden nur Dämonen getötet, wurde der Paragraf noch einmal erweitert. Seit 2002 ist auch die Darstellung von Gewalt gegenüber „menschenähnlichen Wesen“ verboten. Eigentlich sind die Anwendungen des Paragrafen aber längst schon keine Farce mehr, sondern ein Skandal. Die Zeit wäre eigentlich reif für eine umfassende Studie der politischen und ästhetisch-philosophischen Implikationen der Zensurpraxis, aber bisher ist mir keine bekannt. Immerhin gibt es immer noch Firmen, die sich gegen die Zensur wehren. Für Rettung des TEXAS CHAINSAW MASSACRE ist der kleine Vertrieb Turbine Medien verantwortlich, der seit 2008 gegen die Beschlagnahme gekämpft hat, und endlich Erfolg hatte. Der im letzten Jahr gegründete genossenschaftliche Filmverleih Drop-Out Cinema bringt nun die restaurierte digitale 4k-Fassung in die Kinos, und zwar eben nicht in die großen Multiplexe, die mit Horror-Franchises wie der reaktionären SAW-Reihe ihr Geld verdienen, sondern in kleinere Independent-Kinos, kommunale Programmkinos und Filmclubs, die Partner und zum Teil Genossen von Drop-Out sind.

THE TEXAS CHAINSAW MASSCRE gilt als einer der ersten sogenannten „Splatter“-Filme – ein dummer Begriff, der Filme mit blutigen Spezialeffekten aus der Genretradition ausgrenzen soll. Im TEXAS CHAINSAW MASSACRE sind tatsächlich nicht mehr Splatterszenen zu sehen als in irgendeinem HARRY POTTER-Film oder in den HERR DER RINGE-Verfilmungen von Peter Jackson. Einmal schneidet sich Leatherface mit der Kettensäge ins Bein, und ein Effekt zeigt die Wunde, das war´s. Aber Tobe Hooper erweckt durch seine Schnitttechnik, durch originelle Kameraeinstellungen, eine grandios-bizarre Ausstattung, ein immer wieder rasant beschleunigtes und dann wieder psychedelisch verlangsamtes Erzähltempo, den Eindruck, als würde man mehr brachiale Gewalt sehen, als es wirklich der Fall ist. In der restaurierten Fassung ist besonders die Tonmischung beeindruckend. Tobe Hooper und Wayne Bell mischten diegetische und nicht-diegetische Klänge, um ein Gefühl entsetzlicher Bedrohung zu schaffen. Die Basis sind pochende, stampfende, analoge Synthesizer, ähnlich dem, was die Industrial-Pioniere Throbbing Gristle später produzieren sollten: kaum noch tonal gebundener Krach mit einem brutalen Rhythmus. In einer Szene, in der Pam und Kirk sich dem Haus der mörderischen Sawyer-Familie nähern, geht das Wummern eines Stromgenerators in den Mix ein, das Kreischen der Kettensäge, Knochen knirschen, man meint Schreie zu hören, Blechdosen klappern. Purer, immer lauter werdender Terror, der in alptraumhaften Szenen gipfeln wird. Einer der besten Horrorfilme aller Zeiten ist endlich wieder da zu sehen, wo das Genre erfunden wurde, und wo es auch hingehört. D Tom Dorow USA 1974 D 81 min D R: Tobe Hooper D B: Tobe Hooper D K: Daniel Pearl D D: Marilyn Burns, Paul A. Partain, Edwin Neal D V: Drop-Out Cinema

Start am 04.09.2014 ¢ b-ware! ladenkino ¢ Filmrauschpalast OMU

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This classic horror film has been banned from German screens for decades. Now Leatherface is back from his exile to clandestine screenings, smuggled DVDs and torrent-downloads in a glorious, restored 4k-digital cinema print.

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„Das Alte bekommt man nie wieder so ganz hin“

In Christian Petzolds neuem Film PHOENIX sind Nina Hoss und Ronald Zehrfeld wie schon in BARBARA ein Liebespaar, diesmal ein ehemaliges. Der Film spielt in Deutschland, Berlin, unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg. Die Jüdin Nelly kehrt schwer verletzt aus dem Konzentrationslager zurück. Ihre Freundin Lene, die als Vertreterin der Jewish Agency arbeitet, betreut sie, bringt sie, fast komplett in Verbandszeug verhüllt, ins Krankenhaus, besorgt eine gemeinsame Wohnung und arbeitet an der Wiederbeschaffung von Nellys Vermögen. Nur wenn Nelly sie nach ihrem Ehemann Johnny fragt, blockt sie ab. „Über Johnny rede ich nicht.“ Für Lene ist klar, dass Johnny Nelly verraten hat. Die Vergangenheit ist verbrannt, deutsche Lieder will Lene nie wieder hören. Für Lene gibt es nur den Weg in eine andere Zukunft, im Ausland, in Palästina.

Deutschland 2014 D 98 min. D R: Christian Petzold D B: Christian Petzold D K: Hans Fromm D D: Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Michael Maertens D V: Piffl Medien GmbH

An diesem Punkt ist Nelly noch lange nicht. Christian Petzold zeigt sie als eine Frau, die langsam ins Leben zurücktaumelt, und die verzweifelt möchte, das alles so ist, wie sie es verlassen hat, das irgendetwas Bestand hat. Als allererstes muss sie ihr Gesicht wiederbekommen, das völlig zerstört ist. Der Schönheitschirurg möchte ihr lieber ein anderes Gesicht geben, denn „das alte bekommt man nie wieder so ganz hin“. Aber Nelly besteht darauf. Das alte Gesicht. Das alte Leben. Sobald sie wieder laufen kann, macht sie sich auf die Suche nach Johnny. Wie eine Wiedergängerin von Jack Nicholson in Polanskis Farb-Noir CHINATOWN stolpert sie mit einem entstellenden Nasenverband durch die Schlagschatten der Trümmerhaufen und die Nachtclubs der Stadt. Als sie Johnny, von Zehrfeld als sichtlich gut ernährter, windiger kleiner Schieber gespielt, tatsächlich in einem amerikanischen Club als Kellner findet, erkennt der sie nicht wieder. Aber er sieht eine Ähnlichkeit zu seiner Frau und schlägt Nelly einen Deal vor: sie gibt sich als seine aus den Lagern zurück gekehrte Frau aus und zusammen kassieren sie die Erbschaft. Nelly lässt sich auf den Deal ein. Mit Johnny übt sie, wie Nelly zu schreiben, wie Nelly zu laufen und wie Nelly auszusehen. Doch egal, wie nahe sie sich dabei kommen und wie offensichtlich die Anzeichen sind, das Nelly diejenige ist, die sie darstellen soll, Johnny erkennt sie nicht. Christian Petzold hat erzählt, dass er sich im Vorfeld von PHOENIX viel mit dem kürzlich verstorbenen Harun Farocki, der auch am Drehbuch

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PHOENIX

mitarbeitete, über das deutsche Nachkriegskino und das Fehlen von Genre im deutschen Film unterhalten hat. PHOENIX sieht sich tatsächlich wie der Versuch einen solchen deutschen Nachkriegs-Genre-Film nun doch zu drehen. Der Film ist altmodisches, metaphorisches Kino. Die Anfangsszenen, in denen Nelly mit Gesichtsverband durchs Krankenhaus wandert, erinnern an Georges Franjus‘ Albtraum-Klassiker LES YEUX SANS VISAGE, die Straßenszenen, durch die sie später stolpert, scheinen geradezu absichtlich bühnenhaft konstruiert und kontrastreich ausgeleuchtet. Die Geschichte, eine Noir-Geschichte, die vom Roman „Le retour des cendres“ von Hubert Monteilhet inspiriert wurde, der auch die Vorlage für Hitchcocks VERTIGO lieferte, ist bestes B-Movie Material. Eine Frau und ein Mann erkennen einander nicht, weil sie einander im Grunde nicht erkennen wollen. Weil die Wahrheit, wenn man ihr in die Augen sehen würde, die Kraft hätte, alles zu ändern und zu zerstören. Weil Nelly ihre Liebe aufgeben müsste und Johnny sein bequemes, opportunistisches Leben nicht weiterführen könnte. Das ist der Punkt, an dem Petzolds Film interessanterweise hakt. Dass Johnny Nelly tatsächlich nicht erkennt, ist psychologisch kaum glaubhaft. Die Geschichte, die Petzold erzählen will, funktioniert aber nur, wenn man akzeptiert, dass Johnny Nelly nicht erkennt, was, anders gesagt natürlich bedeutet, dass sie nicht so richtig funktioniert. Noch anders betrachtet, passt es allerdings wieder ganz gut, dass der Zuschauer den Film als in sich brüchig erlebt.

Ursprünglich sollte die erste Szene von PHOENIX auf einer Kreuzung im Wald spielen und ein Foto der Shoa Foundation nachstellen. Die Szene wurde gedreht aber nicht verwendet: „… es ging nicht. Das Nachstellen des Schreckens, die Kinematographie in und um Auschwitz – als würden wir sagen: Jetzt ist es Zeit, jetzt fassen wir das alles als Erzählung zusammen, jetzt wird es eine Ordnung.“ (Christian Petzold). Mit der Fiktionalität seiner Geschichte und der in den Film eingeschriebenen Brüchigkeit stellt PHOENIX eine Antithese zum neuen deutschen, Ordnung schaffenden Historienfilm von DER UNTERGANG bis zu UNSERE MÜTTER, UNSERE VÄTER dar. Diesen Filmen, die bei aller Quellentreue und bei aller behaupteten Komplexität Geschichte letzten Endes in einer tröstlichen Erzählung strukturieren und damit verarbeitbar machen, stellt Petzold nun einen Film entgegen, in dem es im Kern um die Unmöglichkeit und um die Ungehörigkeit einer solchen Erzählung geht. D Hendrike Bake

Start am 25.09.2014 ¢ Bundesplatz Kino ¢ Eiszeit Kino ¢ fsk-Kino am Oranienplatz ¢ Hackesche Höfe Kino

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Germany 1945. Holocaust survivor Nelly returns heavily disfigured to Berlin and searches for her husband. When she finds him he doesn’t recognize her but proposes a deal: Nelly is to pretend that she is his wife so that they can claim her inheritance.

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INDIEKRITIKEN Deutschland 2013 D 97 min D R: Michael Obert D B: Michael Obert D K: Siri Klug D S: Wiebke Grundler D V: Real Fiction

SONG FROM THE FOREST Zweierlei Dschungel

Der einsame weiße Mann, der barfuß in dem Fluss Mumbongo in der Zentralafrikanischen Republik steht und den Lauten des Regenwaldes lauscht, ist kein Dokumentarfilmer im Auftrag des WWF oder BBC. Louis Sardo lebt seit drei Jahrzehnten beim Volk der Bakaya, er spricht ihre Sprache und hat einen hier geborenen Sohn. Und doch ist der weiße Mann auch immer ein Gast in der Gemeinde der Bayaka. Die Dokumentation SONG FROM THE FOREST erzählt Sardos Geschichte. Mitte der Siebziger reist der US-Amerikaner in die Zentralafrikanische Republik, nicht nur um die Musik der Bayaka in Tonaufnahmen festzuhalten – im Laufe seines Lebens sollen es mehrere hundert werden – sondern auch, um den Zwängen der westlichen Gesellschaft zu entfliehen. Was dem amerikanischen Transzendentalisten Henry David Thoreau während seines zweijährigen Einsiedlerdaseins in Wäldern nahe Boston zum Fluch wurde, ist für Sardo ein Segen: ein Leben der Einsamkeit inmitten der Natur. Der Reisejournalist Michael Obert begleitet Sardo bei seinen tagtäglichen Aktivitäten im Dorf der Bayaka und auch auf einer Reise nach New York, auf die er seinen 13-jährigen Sohn Samedi mitnimmt. In intimen Aufnahmen von Sardo fängt Obert den Aufprall zweier Kulturen ein. Auch in dieser technokratisierten Welt ist Sardo letztlich nur ein Fremder, ein Gast. Am beeindruckendsten ist Oberts Film, wenn er vollkommen auf Wörter verzichtet und sich auf Bilder und Klänge beschränkt: wenn Sardo in den Straßen New Yorks die Musik der Bayaka hört und später den Lärm der Millionenmetropole bei seiner Rückkehr in Afrika nicht aus den Ohren kriegt, sind keine Worte mehr vonnöten, um seine Existenz zwischen den Kulturen klarzumachen. D David Herger

Start am 11.9.2014 ¢ b-ware! ladenkino ¢ fsk-Kino am Oranienplatz OMU ¢ Hackesche Höfe Kino OMU OMU

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For three decades Louis Sardo has been living with the Bayaka people in Central Africa. He loves their music, of which he has made hundreds of recordings. Documentary.

Deutschland 2014 D 89 min D R: Franziska Schönenberger D B: Franziska Schönenberger, Jayakrishnan Subramanian D K: Minsu Park D S: Robert Vakily D V: Zorro Filmverleih

AMMA & APPA Liebe zwischen Bayern und Indien

„I first saw his art and then his heart“, so erklärt Franzi, die Regisseurin, wie sie sich in Jay, den Co-Regisseur, verliebt hat. So schön, so einfach könnte die Liebe sein: die Kunst des anderen, das Herz des anderen sehen, berührt sein, zueinander finden. In diesem Fall werden dabei allerdings kulturelle Grenzen überschritten, und das löst bei den betroffenen Eltern des Paares Stress aus. „Als Du Dich für eine Liebesheirat entschieden hast, haben wir alles verloren“, wirft Jays Mutter, auf Tamil „Amma“, ihrem Sohn vor. Ihr ist klar, dass die potentielle Schwiegertochter aus Bayern kaum der indischen Tradition entsprechen, zu ihnen ziehen und die Versorgung im Alter übernehmen wird. Ammas Anklage klingt aus westlicher Perspektive melodramatisch und auch ungerecht. Der Film AMMA & APPA ist jedoch weder gefühlsduselig noch parteiisch, sondern erfasst sehr genau die unaufhebbar scheinenden Widersprüche zwischen den verschiedenen Lebensentwürfen seiner Protagonisten. Die beiden jungen Liebenden nutzen das Mittel des Dokumentarfilms, um der Infragestellung durch ihre ehemaligen Erziehungsberechtigten zu begegnen. Dabei erfahren sie überraschende Dinge: Amma wollte nie heiraten und sträubte sich jahrelang gegen den Wunsch ihrer Eltern nach einer arrangierten Ehe. Und die Eltern Schönenberger gestehen, dass ihre Ehe nicht auf Verliebtsein, sondern auf Vernunft gegründet wurde. Auf einmal nähern sich die Welten derart an, dass Franzi von dem Verdacht beschlichen wird, die Tamilen könnten die Bayern von Indien sein: konservativ, alltagsrassistisch, freundlich und eigenwillig. Herausgekommen ist ein Werk, das in seiner offenherzigen Art gelegentlich von einer schmerzhaften Härte gezeichnet ist, aber nicht zuletzt dadurch auch viele komische Momente zu bieten hat. D Anna Stemmler

Start am 4.9.2014 ¢ b-ware! ladenkino ab ca. 25.9. ¢ Hackesche Höfe Kino

The Bavarian direktor Franzi and her Indian co-director Jay are a couple. Both of their parents absolutely hate the idea. A documentary about inter-cultural relationships and family.

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INDIEKRITIKEN

MAPS TO THE STARS Boulevard der Durchgeknallten

Die alternde Schauspielerin Havana Segrand sieht sich einen Film ihrer ungleich berühmteren Mutter Clarice Taggart an. Es ist eine Liebesszene, aber der Text, den Clarice spricht, stammt aus einem Gedicht des französischen Surrealisten Paul Elouard: „Auf meine Schulhefte Auf mein Pult und die Bäume Auf den Sand auf den Schnee  Schreib ich deinen Namen  (…) Auf jeden sich schenkenden Leib Auf die Stirn meiner Freunde Auf jede gereichte Hand Schreib ich deinen Namen“. Erst am Ende des Films, nachdem das Gedicht von verschiedenen Personen wiederholt wurde, wird der Name enthüllt: Freiheit. MAPS TO THE STARS wirkt selbst ein wenig wie ein Befreiungsschlag von David Cronenberg, der mit COSMOPOLIS zuletzt eine extrem bissige Satire auf den Finanzkapitalismus abgeliefert hatte, die an den Kinokassen aber ähnlich floppte wie die Aktie der Lehmann Brothers in der Finanzkrise (Budget 20 Mio. $, Einnahmen in den USA: 740.000 $). Cronenbergs nur mäßig gelungenem Freud vs. Jung-Drama A DANGEROUS METHOD erging es nicht wesentlich besser. MAPS TO THE STARS tritt nun so infernalisch unterhaltsam und zugleich bösartig vergiftet auf, als hätte sich Cronenberg vorgenommen, sämtliche lang geschmiedeten Waffen in die Waagschale zu werfen, und einen der furiosesten Filme über

Start am 11.9.2014 ab Oktober ¢ b-ware! ladenkino ¢ Eiszeit Kino OMU DF OMU ¢ Eva Lichtspiele + ¢ filmkunst 66 DF ¢ Hackesche Höfe Kino OMU OMU

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David Cronenberg delivers a highly entertaining and grim satire on Hollywood craziness involving neurotic filmstars, 13-year-old celebrities with a history of drug abuse and rehab, fire starters, TV psychologists, ghosts and other abominations.

Deutschland/Kanada/Frankreich/USA 2014 D 111 min D R: David Cronenberg D B: Bruce Wagner D K: Peter Suschitzky D S: Ronald Sanders D M: Howard Shore D D: John Cusack, Julianne Moore, Olivia Williams, Robert Pattinson, Mia Wasikowska, Sarah Gadon D V: MFA+ Filmdistribution

Hollywood zu drehen, den die Welt je gesehen hat. Cronenberg bezeichnet seinen Film als eine Art „postmodernen Boulevard der Dämmerung“ und außer Billy Wilders SUNSET BOULEVARD und David Lynchs MULHOLLAND DRIVE hält auch tatsächlich wenig mit diesem Feuerwerk der abgründigen Bosheit mit. In etwa geschieht folgendes: Havana Segrand (Julianne Moore) will unbedingt im Remake des Films die Hauptrolle spielen, der einst ihre Mutter zur Legende machte. Der Geist ihrer Mutter verspottet sie dafür gelegentlich am Pool. Ihre Neurosen – und natürlich den Geist – will sie sich vom Körpertherapie- Guru und Fernsehpsychologen Stafford Weiss (John Cusack) exorzieren lassen. Dessen Frau Christina managet den 12-jährigen Sohn Benjie (Evan Bird), einen Kinderstar, der mit der Fernsehserie „Bad Babysitter“ berühmt wurde, nun aber bereits eine Drogenkarriere und einen Entzug hinter sich hat, und nur unter Vorbehalt eine neue Rolle erhält, bei der er obendrein bald von einem noch jüngeren Kinderstar aus dem Rampenlicht verdrängt zu werden droht. Nun taucht auch noch Agatha (Mia Wasikowska) in Los Angeles auf, die Tochter der Familie Weiss, die einige Jahre in der Psychiatrie verbracht hat, weil sie den Familiensitz angezündet hatte. Der Gedanke, dass hier irgendetwas gut ausgehen könnte, kommt gar nicht erst auf. Die Spannung entsteht aus den Wendungen und Enthüllungen, die von einer bizarren Katastrophe zur nächsten führen. Der Olymp der Stars ist prall gefüllt mit totaler Durchgeknallheit von mythischen Dimensionen, die Cronenberg mit diabolischem Vergnügen ausspielen lässt. Julianne Moore schenkt sich wieder einmal nichts in ihrem Portrait der verlogenen Giftspritze Havana, die lieblich lächelnd über Leichen geht, immer mit dem Gestus totaler Schnöseligkeit, die Anspruch auf absolute Liebe und höchste Ehrungen erhebt. Evan Bird versieht den fiesen, einsamen und abgrundtief verdorbenen kleinen Star mit einer so wundervollen Mischung aus Gemeinheit und Verzweiflung, dass man ihn beinahe schon wieder ein bisschen lieb haben könnte, wenn er nicht so ein Kotzbrocken wäre. John Cusack ist die personifizierte Widerlichkeit esoterischer Selbsthilfegurus und Mia Wasikowska gibt einmal mehr das scheinbar nette, leicht verstrahlte Mädchen, deren dunkle Seite sich erst allmählich enthüllt. D Tom Dorow SEPTEMBER 2014 D

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INDIEKRITIKEN Originaltitel: Før snøen faller D Deutschland/Norwegen/Irak 2013 D 105 min D R: Hisham Zaman D B: Hisham Zaman, Kjell Ola Dahl D K: Marius Matzow Gulbrandsen D S: Sverrir Kristjánsson D M: David Reyes D D: Nazmi Kirik, Suzan Ilir, Billey Demirtas, Eva Medusa Gühne, Jin Musa D V: Dualfilm Verleih

DER JUNGE SIYAR Auf dem Weg nach Europa

Der Regisseur von DER JUNGE SIYAR, Hisham Zaman, wanderte als Jugendlicher wie sein Protagonist vom kurdischen Irak über Istanbul nach Norwegen. In seinem beeindruckenden Langfilmdebut versetzt er die eigene autobiographische Migrationsgeschichte in den aktuellen Kontext radikaler europäischer Abschottung gegen Einwanderer. Siyar (Taher Abdullah Taher) ist in kurdischen Klanstrukturen verhaftet. Als alleiniger männlicher Erbe willigt er in die Heirat seiner älteren Schwester Nemin (Baher Özen) mit dem Sohn eines Stammesführers ein. Doch Nemin flüchtet mit ihrem Geliebten nach Istanbul und setzt damit die „Ehre“ der Familie aufs Spiel. Der 16-jährige Siyar reist ihr in die Megalopole hinterher, um sie zu finden und umzubringen. Als er erfährt, dass sie mittlerweile in Norwegen lebt, folgt er ihr weiter. Auf seiner Reise lernt er das burschikose kurdisch-türkische Straßenmädchen Evin (Suzan Ilir) kennen. Zusammen fahren sie gen Westen, wo sie an den Toren Europas vom schrecklich guten Birol Ünel (GEGEN DIE WAND) in der Rolle eines Grenzpolizisten abgefangen und von Ervins in Berlin lebendem Vater Miro (Ahmet Zirek) abgewiesen werden. Zwischen beiden Protagonisten entwickelt sich eine innige Freundschaft. Die Reise verändert Siyar. Zwischen ihm und Evin entwickelt sich eine innige Freundschaft und umso mehr Siyar in Gefahr ist, sich zu verlieben, umso mehr gerät er in Konflikt mit seinen Überzeugungen. Er beginnt, seine bisherigen Wertvorstellungen und Ziele zu überdenken. D Raphaël Rück

Mexiko 2013 D 105 min D R: Amat Escalante D B: Amat Escalante, Gabriel Reyes D K: Lorenzo Hagerman D S: Natalia López D D: Armando Espitia, Linda González, Juan Eduardo Palacios, Andrea Vergara D V: temperclayfilm

HELI

Im Blickfeld der Drogenmafia Unmissverständlich schickt Amat Escalantes dritter Film HELI, der 2013 in Cannes mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet wurde, seine Botschaft voraus. Im Prolog des Films werden zwei misshandelte Männer auf einem Pick-Up durch eine vom Staub überlagerte Stadt gekarrt. In der nächsten Einstellung hängt einer der beiden mit heruntergelassener Hose an einem Brückengeländer. Ein Bild, das im heutigen Mexiko wohl kein unbekanntes ist und nur das erste in einem Drogendrama, das ohne Sentimentalität den grausamen Alltag eines entlegenen Kaffs in seine Mitte rückt. Hier lebt Heli, ein junger Fabrikarbeiter, der sich zusammen mit seiner Frau und dem gemeinsamen Kind, seinem Vater und seiner zwölfjährigen Schwester Estela mehr schlecht als recht durchkämpft. In langen, eindringlichen Einstellungen entfaltet der Filmemacher das Leben der Familie, das zwischen Fabrikschichten und Langeweile mäandert. Nur ab und an bricht Escalante diese inszenatorische Ruhe auf und ersetzt sie durch surreal anmutende Bilder, etwa wenn Estelas Freund sie vor wüstenhafter Kulisse immer wieder hochhebt, um seine Oberarme zu trainieren. Durch eine Dummheit von Estelas Freund gerät die Familie ins Blickfeld der Drogenmafia. Was nun folgt, ist eine Tortur. Escalante zeigt keine Scheu, die Gräueltaten und Brutalitäten der Drogenkartelle in Szene zu setzen. Manche Ereignisse wiederum lässt er nur erahnen, zum Beispiel wenn Estela aus Rache entführt wird und nicht nur Heli, sondern auch die Zuschauer über ihr Schicksal im Dunkeln bleiben. Die grausamen Momente flicht Escalante nahtlos in seine hypnotische Betrachtung dieser äußerst verrohten Welt ein, einer Welt, in der der Einzelne nichts mehr bezwecken kann und ein normales Leben aussichtslos scheint. D Eileen Reukauf

Start am 11.9.2014 ¢ b-ware! ladenkino ¢ Eiszeit Kino DF

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When Siyar’s sister Nemin elopes with her lover, the 16-year-old sets out to find and kill her in order to restore the family’s “honour”. But the journey from Iraq to Istanbul and finally Norway changes his outlook on life and he begins to question his convictions.

Start am 18.9.2014 ab 25.9. ¢ b-ware! ladenkino ¢ Eiszeit Kino OMU Preview am 12.9. OMU ¢ Filmrauschpalast ¢ Hackesche Höfe Kino OMU ¢ Sputnik Kino am Südstern OMU OMU

Heli is a young Mexican factory worker, who barely manages to take care of his wife and child, his father and his twelve-year-old sister Estela and by a fatal mistake becomes involved with the mafia.

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Die Suche nach seiner Schwester führt ihn quer durch Europa. Er soll sie töten. Für die Ehre der Familie.

Deutschland 2013 D R: Sylke Enders D B: Sylke Enders D K: Benedict Neuenfels D D: Julia Jendroßek, Daniel Sträßer, Uwe Preuss D V: Farbfilm

Siyar Der Junge

Ein Film von

HISHAM ZAMAN

ein kurdisches

Roadmovie

SCHÖNEFELD BOULEVARD Erste Flieger und erste Liebe

Lange, weite Rollfelder, Vogelschwärme, ein Zaun – und dahinter die gleiche Leere und Ödnis bei der vom Leben ausgeschlossenen Cindy (Julia Jendroßek). Mit ihrem Freund Danny (Daniel Sträßer), der ebenso Außenseiter ist wie sie, verbringt sie die Abende auf dem Gelände des nicht fertig werdenden BER oder auf dem Friedhof im Vorort Schönefeld. Sie ist pummelig, steht kurz vor dem Abitur und keiner der Klassenkameraden und -kameradinnen meint es gut mit ihr. Zufällig trifft sie auf den finnischen Ingenieur Leif (Jani Volanen) und nach und nach erwacht Lebensfreude in ihr. Der Zuschauer beobachtet sie beim ersten Verliebtsein, bei den ersten Schminkversuchen, dem ersten Liebeskummer, den ersten Drogen und der ersten Begegnung mit dem Tod. Bis zu diesem Punkt benötigt der Coming-of-Age-Film aber einen langen Weg: Ebenso wie man erst auf den zweiten Blick Leben auf dem scheinbar leeren Flughafen entdeckt, muss auch Cindy erst genauer hinsehen, bis sie Leben in sich spürt. Während sie zu Anfang lethargisch und tapsig ist, begreift sie sich immer mehr als Protagonistin ihres eigenen Lebens. In gleicher Weise wandelt sich der Flughafen von einer Kulisse zu einer Figur innerhalb des Films. SCHÖNEFELD BOULEVARD ist der erste Kinofilm, der den BER-Flughafen als Schauplatz einsetzt. Für Regisseurin Enders wird er zum Sinnbild, eines unter vielen in ihrem achten Film, der die Entwicklung eines Mädchens zur jungen Frau zeigt. Und so wie am Ende ein aufsteigendes

Ab 11. September im Kino!

Flugzeug zu sehen ist, das Hoffnung darauf macht, dass der Flughafen doch irgendwann fertiggestellt ist, so macht sich auch Cindy auf den Weg in eine neue Zukunft, indem sie den Zuschauer auf einer weiten Straße verlässt und er ihr hinterher sieht. D Franziska Gleininger

Start am 14.8.2014 ¢ Bundesplatz Kino ¢ Hackesche Höfe Kino

A coming-of-age-film about the shy outsider Cindy, who hangs around the unfinished Berlin airport until she falls in love with the Finnish engineer Leif.

AB 18. SEPTEMBER IM KINO TERMINE UNTER WWW.INDIEKINO.DE


INDIEKRITIKEN

DER ANSTÄNDIGE

Deutschland 2014 D 92 min D R: Vanessa Lapa D B: Vanessa Lapa D S: Sharon Brook D D: Tobias Moretti, Sophie Rois, Florentin Groll D V: Salzgeber & Company Medien

Psychologie der Gewalt

Heinrich Himmler, NSDAP-Mitglied der ersten Stunde, später Reichsführer der SS, in den letzten Jahren des NS-Regimes auch dessen Innenminister, war eine der zentralen Figuren in der Gewaltpolitik der Nazis, insbesondere der Shoah. In DAS HIMMLER PROJEKT, Romuald Karmakars Dokumentarfilm von 2000, spricht Manfred Zapatka Himmlers berühmteste Rede, die dieser 1943 unter Geheimhaltung vor SS Offizieren in Posen/Poznań gehalten hatte. Die Rede, deren Besonderheit ist, dass sich hier eine Nazi-Führungspersönlichkeit offen und glorifizierend über den systematischen Mord an den europäischen Juden äußert, wird von Zapatka dabei vor einem schlichten Studiohintergrund in betont nüchternem Gestus vorgetragen. Die ästhetische Wirkung von Karmakars Film lag im markanten Kontrast zum seit den 90ern grassierenden Geschichtsfernsehen Guido Knopps. In seiner Konzentration auf den Text der Rede versetzt Karmakars Film das Publikum in die Lage, die Arbeit der Kontextualisierung und Interpretation selbst leisten zu müssen. Vanessa Lapas Film DER ANSTÄNDIGE geht in der Beschäftigung mit Himmler einen fast diametral entgegengesetzten Weg. Der Film stützt sich zu weiten Teilen auf private Selbstzeugnisse Himmlers und seiner Familie. Die Provenienz dieser Sammlung ist eine Geschichte für sich. Soweit das rekonstruierbar ist, stammen die Dokumente aus dem Privatsafe in Himmlers Haus in Gmünd, wo sie von amerikanischen Soldaten entdeckt und vorschriftswidrig nicht an die entsprechenden Dienststellen weitergegeben wurden. Sie gelangten in eine israelische Privatsammlung und wurden Vanessa Lapas Vater überlassen, verbunden mit dem Auftrag, sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine vergleichbare Überlieferung privater Zeugnisse gibt es von keinem anderen prominentem Täter der Massenvernichtung. Die Tagebücher und Briefe werden im Film von Tobias Moretti (Himmler) Sophie Rois (Himmlers Frau Margarethe), Morettis Tochter (Himmlers Tochter Gudrun) und anderen nicht so sehr gesprochen, denn als Rollen bewohnt. Auf der Bildebene ist der Film eine „Found Footage“-Montage, die sich auf das Resultat einer intensiven und langjährigen Archivrecherche stützt, und private wie offizielle Filme und Fotografien der Himmlers mit darüber hinausgehendem zeitgenössischem Bildmaterial verwebt.

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Als Geschichtsschreibung mit audiovisuellen Mitteln ist der Film schon allein für diese Aspekte der Recherche und Quellenproduktion bemerkenswert, seine Ambitionen gehen aber weit darüber hinaus. DER ANSTÄNDIGE bedient sich der Techniken des Geschichtsfernsehens, stellt diese aber in den Dienst eines Erkenntnisinteresses. Die Montage und digitale Bearbeitung des Archivmaterials, seine akustische Aufladung durch Geräuschkulissen, die das meist tonlose Archivmaterial mehrdimensional werden lassen, die komplexe Montage aus Bild, Ton und Text, zeichnen die Entwicklung einer Person nach, die über den Weg zur Gewalt mit sich und ihrer Zeit ins Reine kommt. Der Film führt Alltagsmomente der Weimarer Republik und ihrer politischen Auseinandersetzungen mit Briefen und Tagebuchreflexionen zusammen, in denen Himmler sich Sorgen um seine Männlichkeit macht, die ursächlich mit einem virulenten Antisemitismus und einer bizarren Homophobie verbunden sind. Einmal verdeutlicht die Montage drastisch, dass Himmler während einer Besichtigung der Vernichtungsstätten mit der Besorgung von Weihnachstgeschenken für sein geliebtes Püppi beschäftigt war. In seinen stärksten Momenten erlaubt das komplexe Gewebe des Films einen Blick, der die Widersprüchlichkeit und den Wahn einer „Weltanschauung“ erkennen lässt, gleichzeitig aber deutlich macht, wie Himmler selbst in einer beständigen Bewegung gegen jeden Zweifel liegt. Darauf zielt schließlich der Anstand ab, von dem der Film seinen Titel hat. Heinrich Himmler erscheint nicht als von einer technokratischen Amoral gelenkt, sondern als zur Überzeugung gekommener Vernichtungstäter, dem die „Ausrottung“ Quintessenz der Moral eines nach außen abgedichteten Weltbildes geworden ist. D Sebastian Markt

Start am 18.9.2014 ¢ b-ware! ladenkino ¢ Bundesplatz Kino ¢ Eiszeit Kino

Heinrich Himmler was a central figure in the Nazi terror apparatus and a key architect of the “Final Solution”. Using personal testimonies from the Himmler family, THE DECENT ONE reconstructs the worldview of an ideologically convinced perpetrator.

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INDIEKRITIKEN Originaltitel: I Origins D USA 2014 D 113 min D R: Mike Cahill D B: Mike Cahill D K: Markus Förderer D S: Mike Cahill D M: Will Bates, Phil Mossman D D: Michael Pitt, Archie Panjabi, Astrid Berges-Frisbey, Brit Marling, Steven Yeun D V: Twentieth Century Fox

I ORIGINS – IM AUGE DES URSPRUNGS Philosophischer Science-Fiction

Die großen Werke des Science-Fiction-Films nutzen das Genre immer auch als Reflektionsfläche für philosophische und theologische Fragestellungen. Regisseur Mike Cahill hat bereits mit seinem Vorgängerfilm ANOTHER EARTH Diskurse über Schuld, kosmisches Schicksal und Wiederkehr aufgegriffen. Dort verhilft eine Frau, die schuldig am Tod der Familie eines Komponisten war, diesem zu einer Reise auf eine zweite Erde, auf der seine Familie noch am Leben ist. In I ORIGINS nutzt Cahill das Genre, um Fragestellungen der Evolutionstheorie und Wiedergeburt in einem sorgfältig konstruierten Fallbeispiel zu entwickeln: Der junge Akademiker Ian Gray (Michael Pitt) verliebt sich in die Augen des Models Sofi (Astrid Bergès-Frisbey) und geht eine intensive Beziehung mit der expressiven Frau ein. Während er sich mit seiner Laborassistentin Karen (Brit Marling) auf die Suche nach einem „Ur-Auge“ in der Evolutionskette begibt, stirbt Sofi durch einen Unfall. Jahre später entdeckt der Forscher in einer Datenbank den Augenscan eines indischen Mädchens, dessen Iris exakt mit der seiner ehemaligen Geliebten übereinstimmt. So sieht sich Ian mit möglichen wissenschaftlichen Beweisen für eine universelle menschliche Verbundenheit durch Seelenwanderung konfrontiert, und muss sich der Auseinandersetzung mit spirituellen Fragen stellen. In Indien macht er sich auf die Suche nach den Augen seiner verlorenen Liebe. Mike Cahill inszeniert I ORIGINS nach einer akribisch vorbereiteten Versuchsanordnung, und begegnet der großen Menschheitsfrage mit extremer filmischer Stilisierung. Seine entschlossene Konsequenz macht den Film letztendlich ebenso streitbar wie bereichernd. D Jens Mayer

Start am 25.9.2014 ab Oktober ¢ b-ware! ladenkino ¢ Sputnik Kino am Südstern DF + OMU OMU

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In Mike Cahill’s philosophical science fiction film the geneticist Ian Gray believes that he has found scientific proof for the existence of reincarnation.

Deutschland 2014 D 84 min D R: Kordula Hildebrandt D B: Kordula Hildebrandt D K: Daniel Goede D D: Stephan Ziller, Simone Geißler D V: Kinostar

SPIRIT BERLIN Auf Sinnsuche in der Hauptstadt

Stephan sagt „also eigentlich ist Berlin keine spirituelle Stadt für mich“. Sheikh Eşref Efendi dagegen nennt Berlin die „spirituelle Hauptstadt Europas“. In ihrem Dokumentarfilm SPIRIT BERLIN schickt Regisseurin Kordula Hildebrandt den angehenden Schauspieler Stephan Ziller auf Sinnsuche durch die unzähligen, teils nur aus wenigen Mitgliedern bestehenden Glaubensgemeinschaften, spirituellen WGs, Kirchen und Ashrams Berlins. Stephan probiert Yoga und Shotokan Karate, dreht mit Sufis Kreise, singt mit der Taizé Segensgemeinschaft und chanted im Berliner Friedenszentrum. Er besucht verschiedene Körpermedien, macht eine Klangmeditation und steht stundenlang in einem dunklen Raum auf der Suche nach der inneren Stille. Ob Stephan, der im Film seinen wirklichen Namen trägt, auch tatsächlich selbst auf der Suche ist, wie der Film suggeriert, bleibt dabei etwas unklar. Die Liebesgeschichte zu Simone, die er im Yogakurs bei den Partnerübungen kennenlernt, scheint auf jeden Fall inszeniert. Zunächst begleitet Simone Stephan eine Weile, auch zu einem Tantra-Workshop, dann nimmt sie, genervt von Stephans Unentschlossenheit, wieder mehr Abstand. Die kleine Rahmenhandlung hält die Fülle der unterschiedlichen Glaubensvorstellungen, die der Film streift ohne sie zu vertiefen, lose zusammen. Es ergibt sich ein kaleidoskopisches Bild, das Spiritualität vor allem als Körper- und Gemeinschaftserfahrung beschreibt. Da wird gesungen, getanzt, geschrien, gekuschelt, miteinander gelebt und, immer wieder, miteinander gegessen. Eine Hommage an Berlin als Ort, an der jeder „Verrückte“ sein Plätzchen findet und fast jede Lebensform „normal“ ist. D Hendrike Bake

Start am 25.9.2014 ¢ b-ware! ladenkino ¢ Sputnik Kino am Südstern

In Kordula Hildebrandts documentary a young actor explores Berlins spiritual communities, trying to find meaning in his life.

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INDIEKRITIKEN Dänemark/Großbritannien/Libanon 2012 D 93 min D R: Mahdi Fleifel D B: Mahdi Fleifel D K: Mahdi Fleifel D S: Mahdi Fleifel D M: Jon Opstad D V: mec film

A WORLD NOT OURS WM im Flüchtlingslager

Alle vier Jahre wird das palästinensische Flüchtlingslager Ain el-Helweh im Süd-Libanon zum Mittelpunkt der Welt, zumindest für Mahdi Fleifel, der dort einen Teil seiner Kindheit verbrachte. Denn bei jeder Fußball-Weltmeisterschaft werden die in dem Lager lebenden Palästinenser zu Deutschen, Italienern und Brasilianern und vergessen für ein paar Wochen in welcher Situation sie leben und wer sie eigentlich sind. Seit über 60 Jahren leben in Ain el-Helweh mehr als 70.000 Menschen auf einem Quadratkilometer zusammengepfercht. Der seit Jahren in Dänemark lebende Regisseur Mahdi Fleifel kehrt alle paar Jahre in seine alte Heimat zurück und filmt dabei ohne Unterlass alles, was ihm vor die Linse kommt. Unter Verwendung von Videoaufnahmen seines Vaters aus den Achtziger- und Neunzigerjahren und seiner eigenen, die bis in die letzten Jahre reichen, kreiert Fleifel ein ebenso sensibles wie humorvolles Porträt seiner Familie und Freunde und ihrer täglichen Konflikte. Ungewöhnlich spielerisch verortet Fleifel in seinem Filmtagebuch Archivbilder politischer Ereignisse wie Jassir Arafats folgenschweren Handschlag mit Yitzhak Rabin 1993 in Washington. Der Film erzählt nicht zuletzt von Mahdi Fleifels langjährigem Freund Abu Eyad, ein schillernder und zugleich tief pessimistischer Charakter, dessen Wut und Enttäuschung gegenüber seiner ausweglosen Lebenslage nicht so sehr dem Staat Israel, sondern seinem eigenen Land gelten, das zu lange tatenlos blieb und seine Bürger vergaß. Während Fleifel in dieser Welt, die in Wahrheit weder die seine noch die der Flüchtlinge ist, kommen und gehen kann, wie es ihm gefällt, bleibt Abu Eyad letztlich nur der Entschluss zur Flucht in eine ungewisse Zukunft. D David Herger

Start am 18.9.2014 ¢ Eiszeit Kino

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Palestinian director Mahdi Fleifel returns to the Palestinian refugee camp Ain El-Helweh in South Lebanon during the FIFA World Cup and weeds through his immense film and video archive of daily Palestinian life in the camp.

Deutschland 2013 D 92 min D R: Maria Speth D B: Reinhold Vorschneider D K: Reinhold Vorschneider D S: Gergana Voigt, Maria Speth D D: Fabian Hinrichs, Irina Potapenko, Hiroki Mano, Hermann Beyer, Corinna Kirchhoff, Lars Mikkelsen, Kathleen Morgeneyer, Dzamilja Anastasia Sjöström D V: Peripher Filmverleih

TÖCHTER Rhapsodie in Grau

In Maria Speths IN DEN TAG HINEIN hatte Berlin die Farbe der blauen Stunde, ein wie hinterleuchtetes Blau, das den Gemütszustand seiner jungen, verpeilten Protagonisten widerspiegelte. Romantisch verträumt, aber auch melancholisch-traurig bewegten sich Sabine Timoteo und Hiroki Mano in einer nächtlichen Zwischenwelt jenseits des Alltags. In Speths jüngstem Film TÖCHTER ist Berlin Novembergrau und zugig wie der Hauptbahnhof, es riecht aus den Bildern förmlich nach kaltem nassen Hund. Nur einmal, für einen kurzen Moment kommt nicht direkt die Sonne raus, aber das Einheitslicht scheint ein wenig heller. Wieder ist die Stadt Seelenlandschaft. Diesmal von Agnes, einer um die 60jährigen hessischen Lehrerin, die nach Berlin gekommen ist, um nach ihrer verschwundenen Tochter Lydia zu suchen. Die Polizei hat Lydias Ausweis bei einer Leiche gefunden, aber die Tote ist nicht Lydia. So bewegt sich Agnes nun durch die Stadt und sucht ziellos nach ihrer Tochter, vor allem aber versucht sie, durch den Tag zu kommen, ohne zusammen zu brechen. Corinna Kirchhof spielt Agnes eindringlich als eine Frau, die jetzt, wo sie an dem Ort ist, an dem ihre Tochter sein könnte, ihren Kummer keine Sekunde vergessen kann, aber mit aller Kraft die Fassade wahrt. Die Haare sehen immer aus wie frisch frisiert, die Augen blicken nach innen und sehen ihre Umgebung kaum. Einmal lässt sie sich gehen, trinkt in einer Allerweltsbar bis die Anspannung sich löst. Auf der Heimfahrt zum Hotel fährt sie ein junges Mädchen an, das plötzlich aus den parkenden Autos vor ihren Mietwagen läuft. Ines (Kathleen Morgeneyer) lebt auf der Straße, malt ein bisschen, nimmt sich, was sie haben will und hängt sich einfach an Agnes. Die lässt es wie wehrlos geschehen und kümmert sich, ein wenig zumindest. D Hendrike Bake

Start am 11.9.2014 ¢ fsk-Kino am Oranienplatz ¢ Hackesche Höfe Kino

Agnes, a 60-year old teacher from a small town near Frankfurt, has come to Berlin to find her missing daughter. Lost in sadness she wanders the streets of the city until she meets Ines who is herself a runaway.

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Schweiz/Argentinien 2011 D 99 min D R: Milagros Mumenthaler D B: Milagros Mumenthaler D K: Martín Frías D S: Gion-Reto Killias D D: María Canale, Martina Juncadella, Ailín Salas, Julián Tello D V: One Filmverleih

I ORIGINS

ABRIR PUERTAS Y VENTANAS Offene Türen und Fenster

ABRIR PUERTAS Y VENTANAS ist ein Film, der von Licht, Musik, zurückhaltenden Stimmungen und vorsichtigen Entwicklungen lebt. Er beginnt im Sommer und endet im nächsten Frühling. Das Wetter spielt eine wichtige Rolle, die Hitze, der Regen, der Moment, in dem es kühl wird. Drei Schwestern leben gemeinsam im Haus ihrer Großmutter, die vor kurzem verstorben ist. Marina, die älteste, geht zur Uni, bezahlt die Rechnungen und hält den Laden so gut es eben geht am Laufen. Sofia, die mittlere, interessiert sich anscheinend zunächst für ihre Garderobe, durchsuchtZ_IOrigins_AZ_IndiekinoBerlin.indd Schubladen und zickt ihre Schwestern öfters an. Sie hat mehr Geld als sie haben sollte. Violetta, die jüngste, geht noch zur Schule, aber ob sie dort wirklich erscheint, ist unsicher. Meistens liegt sie in Slip und T-Shirt auf dem Sofa herum. Einmal sitzen die Schwestern nebeneinander auf dem Sofa. Violetta legt „Back to stay“ von Bridget St. John auf, aus der Plattensammlung der Großmutter. Marina und Sofia singen leise mit: „And though you say you’ll journey to some foreign land/I’ll remember you, yes, and I’ll be true to your memory/And there’s no need for you to cry”. Violetta schaut in eine andere Richtung und weint. Die Szene ist auch eine Vorahnung darauf, dass Violetta später plötzlich abreisen wird und einen Zettel auf dem Küchentisch hinterlassen wird, auf dem steht, sie sei „sehr weit weg“. Regisseurin Milagros Mumenthaler hat eine argentinische Generationserfahrung verfilmt: Die Eltern flohen vor dem faschistischen Militärregime, viele junge Argentinier wuchsen bei den Großeltern auf. Ihr Film ist wie ein langes Zögern zwischen Abfahren und Ankommen, Bewahren und Ausräumen, Neid und Zärtlichkeit – so sanft wie sein Soundtrack, auf dem neben dem argentinischen Folkmusiker Fran Gayo auch ein Song von Linda Perhacs zu hören ist, der leisesten Psychedelikerin der Popgeschichte. D Tom Dorow

Start am 25.9.2014 ¢ b-ware! ladenkino ¢ fsk-Kino am Oranienplatz OMU

OMU

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After the death of their grandmother, three Argentinian sisters come to terms with life on their own in this mellow film about a generation shaped by experiences of exile.

/FoxSearchlightDE

1

/FoxKino

15.08.14 12:57


INDIEKINOS

FSK-KINO AM ORANIENPLATZ


INDIEKINOS INDIEKRITIKEN

FSK-KINO AM ORANIENPLATZ Die Avantgarde-Scouts

Das fsk-Kino eröffnete 1988 in der Wiener Straße in den Räumen des heutigen Rock ’n’ Roll-Clubs Wild at Heart. Das fsk-Kollektiv zeigte schon damals eine Filmauswahl, die seiner Zeit so weit voraus war, dass sie immer ein bisschen unzeitgemäß wirkte. Französische Avantgarde ausgerechnet in Kreuzberg, wo sonst vor allem Rabaukenkino und politische Dokumentarfilme liefen? Wie sollte das gut gehen? Es ging aber gut, weil es im fsk-Kino fantastische Filme zu entdecken gab. 1994 zog das Kino an seinen jetzigen Standort in ein eigenhändig renoviertes, ehemaliges Möbelgeschäft am Oranienplatz. Betritt man das Kino, fällt zunächst dessen zweckmäßige Gestaltung auf: helle Beleuchtung, viele Filminformationen, Glas und Metall, zum Neubau passende grau-blaue Farben, ausgezeichnete Vorführtechnik. Hinter der zunächst nüchtern scheinenden Oberfläche befindet sich ein Ort großer Filmleidenschaft. Seit seiner Gründung arbeitet das fsk-Kino als Kollektiv zusammen, dem derzeit 5 Personen angehören. Gemeinsam werden Filme ausgewählt und Programme kuratiert.

Gezeigt wird nur, was dem eigenen Filmgeschmack entspricht und der bewegt sich dezidiert abseits des Mainstreams: „Wir wollen nicht um jeden Preis Kino machen. Wir wollen in erster Linie Filme zeigen. Filme, die wir für uns entdecken, die wir für so wichtig halten, dass wir sie unbedingt unserem Publikum zeigen wollen. Sei es, weil sie formal einzigartig und gelungen sind, sei es, weil sie wichtige Themen und Inhalte verhandeln. D 26

D SEPTEMBER 2014

Das sind in der Regel Filme, die sich einer tradierten Erzählökonomie und damit meistens auch einer herkömmlichen Verwertungsökonomie entziehen.“ In der Regel sind es darüber hinaus Filme, die visuell überzeugen und unbedingt auf der Leinwand gesehen werden sollten. Leichten Stoff sollte man allerdings nicht immer erwarten. Auch das ist Programm. „Wir wollen uns und unseren Zuschauern etwas zumuten“, sagen die Kinomacher. Selbstverständlich laufen alle Filme in der Originalfassung (mit Untertiteln). Die typische fsk-Kino-Erfahrung geht so: Man sieht dort einen Film von einem Regisseur oder einer Regisseurin, von der man noch nie gehört hat, ist begeistert, genervt, verstört oder wütend, hat aber auf jeden Fall etwas gesehen, was einen nicht unberührt gelassen hat. Ein paar Jahre später wird klar, dass man zu den wenigen gehörte, die den ersten Film eines Regiestars gesehen haben. Im fsk-Kino konnte man zuerst die Filme von u.a. Steve McQueen, Claire Denis, Kelly Reichardt, Ashgar Farhadi, Atom Egoyan, Abdellatif Kechiche, Christian Petzold, Hirokazu Kore-Eda, Miranda July, James Benning und den Dardenne-Brüdern sehen. Da den Programmmachern das deutsche Verleihangebot nicht ausreichte, gründeten sie 1997 den programmatisch betitelten „Peripher Filmverleih“, der seither 66 Filme ins Kino gebracht hat. In den Anfangsjahren lag der Schwerpunkt von Verleih und Kino vor allem auf französischen Produktionen und deutschen Filmen der „Berliner Schule“, die ästhetische und narrative Experimente wagten. In jüngster Zeit haben amerikanische Independent-Produktionen und das junge rumänische Kino die Aufmerksamkeit der Avantgarde-Scouts FSK-KINO AM ORANIENPLATZ geweckt. In der Reihe „New RomaSegitzdamm 2, 10969 Berlin Telefon: 030/614 24 64, nian Cinema“ kann man aktuell fünf Mail: post@fsk-kino.de, Mal im Jahr rumänischen Filmen und www.fsk-kino.de U8, Bus M29/140/N8 Moritzplatz, ihren Machern begegnen. D Text: Hendrike Bake, Bilder: Marei Wenzel

U1 Kottbusser Tor

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INDIEKRITIKEN Originaltitel: Still Life D Italien/Großbritannien 2013 D 87 min D R: Uberto Pasolini D B: Uberto Pasolini D K: Stefano Falivene D S: Gavin Buckley, Tracy Granger D M: Rachel Portman D D: Eddie Marsan, Joanne Froggatt, Karen Drury, Andrew Buchan, David Shaw Parker D V: Piffl Medien GmbH

MR. MAY UND DAS FLÜSTERN DER EWIGKEIT Einsamer Thunfisch im Regen

Mr. May ist ein ordentlicher Junggeselle mittleren Alters. Er lebt allein, deckt sich jeden Abend einen ordentlichen Abendbrottisch und isst eine Dose Thunfisch, gestürzt, auf der Mitte eines Tellers sorgfältig arrangiert. Beruflich beschäftigt sich Mr. May mit Menschen, die noch einsamer sind als er. May ist verantwortlich für die allein Verstorbenen seiner Gemeinde, deren Angehörigen nicht unmittelbar auffindbar sind. Mr. May ist ein akribischer und sorgfältiger Beamter. Detektivisch sucht er nach Hinweisen auf das Leben, die Leidenschaften, Freunde und Verwandten der Verstorbenen, und wenn sich keine Spuren zu Menschen finden lassen, die mit den Verschiedenen in Beziehung standen, sorgt Mr. May selbst für ein würdevolles Begräbnis. Er wählt die Musik aus, mal aus den hinterlassenen Platten des Toten, mal aus einem wachsenden Archiv von Trauermusik verschiedener Kulturen, das Mr. May selbst angelegt hat. Er gibt dem Trauerredner die wenigen Hinweise, die er aus den Wohnungen der Toten erhalten konnte, auch wenn er selbst der einzige Zuhörer ist. Dem Bezirksbürgermeister sind Mr. Mays umständliche Aktivitäten ein Dorn im Auge. Mr. May soll zum Ende des Monats entlassen werden. Er bittet darum, einen letzten Fall noch auf eigene Kosten abzuschließen: ein Alkoholiker ist in seinem alten Sessel, der auf der einen Seite nur noch von einem Bücherstapel gestützt wurde, gestorben. MR. MAY ist ein humorvoller, melancholischer Film über einen Mann, der die Leben anderer rekonstruiert und darüber das eigene Leben beinahe zu vergessen scheint. Dabei ist MR. MAY so etwas wie ein Poet der letzten Reise, ein Autor vergessener realer Leben. Seine letzte Dichtung führt ihn näher an eine eigene Leidenschaft als je zuvor. Ein Film für den vernieselten Herbstanfang, einzelne Auflockerungen nicht ausgeschlossen.

Originaltitel: Supermensch: The Legend of Shep Gordon D USA 2013 D 85 min D R: Mike Myers, Beth Aala D K: Michael Pruitt-Bruun D S: Joseph Krings D V: Rapid Eye Movies

SUPERMENSCH – WER IST SHEP GORDON? Denkmal für ein Allround-Talent

Heutzutage assoziiert man Alice Cooper wohl leider nur noch mit marktschreierischen Saturn-Werbespots. Doch in den 60ern war Cooper der Wegbereiter jener aufwendigen Konzertshows, die später Ikonen der Rockmusik wie David Bowie oder Kiss berühmt machen sollten. Wer sich daran schon nicht mehr erinnern kann, wird wohl auch nicht den „Supermensch“ Shep Gordon kennen, den Kopf hinter der Kunstfigur namens Alice Cooper und zahllosen weiteren Stars der Rock- und Pop-Szene. Diesem bunten Vogel der Musik- und Filmindustrie widmet Mike Myers, auch bekannt als „Spion in geheimer Missionarsstellung“ Austin Powers, die Dokumentation SUPERMENSCH – WER IST SHEP GORDON? Der Titel ist Programm, ist doch der Star-Manager von solch Größen wie Cooper, Blondie, Frankie Valley und Teddy Pendergrass (selbst Pink Floyd betreute er für stolze neun Tage) nur eingefleischten Fans der Musikbranche ein Begriff. Mitte der 60er verschlägt es Gordon nach L.A., wo der zugedröhnte junge Mann in seinem Motel auf die ebenfalls zugedröhnten Janis Joplin und Jimi Hendrix trifft, die ihn mit dem noch völlig unbekannten Vincent Furnier bekannt machen, der später zu Alice Cooper wurde. Zusammen kreierte das noch heute befreundete Duo die legendären Shows, in denen schon mal der Kopf eines Huhns oder Coopers selbst über die Bühne rollte. Später verhalf Gordon auch Hollywood-Größen wie Groucho Marx zu neuem Ruhm und rief als leidenschaftlicher Gourmier, der auch schon den Dalai Lama bekochte, das Phänomen „Starkoch“ ins Leben. Mit seinem Film möchte Myers dem Freund und unglaublichen Allround-Talent Shep Gordon ein Denkmal setzen, das seine Errungenschaften in der Geschichte der Rockmusik würdigt. Und das gelingt ihm ganz tadellos und augenzwinkernd. D David Herger

D Tom Dorow

Start am 4.9.2014 ab ca. 25.9. ¢ b-ware! ladenkino ¢ Bundesplatz Kino DF + OMU OMU ¢ Eiszeit Kino ¢ Hackesche Höfe Kino OMU ¢ Sputnik Kino am Südstern OMU OMU

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John May is a council worker who makes the necessary arrangements for people who die alone. His last case brings him closer to his own passions than ever before.

Start am 18.9.2014 ¢ b-ware! ladenkino ¢ Filmrauschpalast OMU

OMU

At heart Mike Myers’ documentary is a loving, humorous homage to the widely unknown and hugely gifted music manager Shep Gordon who managed Alice Cooper and Groucho Marx and invented the “celebrity chef”.

SEPTEMBER 2014 D

27 D


INDIEKRITIKEN Deutschland/USA/Großbritannien 2014 D 121 min D R: Anton Corbijn D B: Andrew Bovell, John le Carré D K: Benoît Delhomme D S: Clare Simpson D M: Herbert Grönemeyer D D: Daniel Brühl, Nina Hoss, Kostja Ullmann, Philip Seymour Hoffman, Willem Dafoe, Rachel McAdams, Martin Wuttke, Rainer Bock, Robin Wright D V: Senator Film Verleih

A MOST WANTED MAN Philip Seymour Hoffman in seiner letzten Rolle

Mit A MOST WANTED MAN hat Anton Corbijn (CONTROL) einen Spionagethriller von John Le Carré verfilmt. Der Film spielt im Hamburg der Gegenwart. Im Kern des Konfliktes geht es um russsische, tschetschenische und arabische Extremisten, um gute Muslime und böse Islamisten und um deren geheime Finanzquellen. Und trotzdem fühlt man sich zurückversetzt in die Hochzeit der „Kalter-Krieg“-Thriller. Schweigsame Männer mit Geheimnissen verhandeln auf Messers Schneide. Jeder weiß mehr als er vorgibt und hofft, mehr zu wissen, als sein Gegenüber. Hamburg funkelt in kaltem stylischem Glanz. Und alle, auch deutsche Frittenbudenbesitzer, reden Englisch. Der großartige Philip Seymour Hoffman ist in seiner letzten Rolle zu sehen und wirkt im Rückblick tatsächlich schon depressiv, wie gedimmt. Hoffman spielt Günter Bachmann, den Leiter einer geheimen deutschen Spionageeinheit. Bachmann ist müde, sehr müde und äußerst misstrauisch. Die Ereignisse seines letzten Einsatzes haben ihn zermürbt und nun traut er niemandem mehr, nicht einmal den eigenen Leuten. Als ein mysteriöser russisch-stämmiger Tschetschene in Hamburg auftaucht und in der muslimischen Gemeinschaft Unterschlupf findet, wird Bachmann hellhörig. Er ist nicht der Einzige, der sich für Issa Karpov interessiert. Auch die CIA ist dem jungen Mann auf den Fersen und versucht fieberhaft zu ergründen, um wen es sich handelt und wann ein Eingreifen zweckmäßig ist. Ist Karpov ein unschuldiger Immigrant, wie die junge Menschenrechtsanwältin Annabel Richter glaubt, ist er ein hochgefährlicher Dschihadist, oder ist er ein kleiner Mittelsmann, der als Weg zu den Geldquellen des Unheils, die der aalglatte Banker Tommy Brue, gespielt von Willem Dafoe, verwaltet, dienen könnte? In Nebenrollen sind deutsche Stars wie Nina Hoss und Daniel Brühl zu sehen. D Hendrike Bake

Start am 11.9.2014 ab Oktober ¢ b-ware! ladenkino ¢ filmkunst 66 DF OMU ¢ Hackesche Höfe Kino OMU

D 28

D SEPTEMBER 2014

Anton Corbijn’s (CONTROL) adaptation of a thriller by John Le Carré takes place in present-day Hamburg. In his last role Philip Seymour Hoffman plays the leader of a secret German spy unit who investigates a dubious chechen refugee.

Deutschland D 90 min D R: Simone Wendel D B: Simone Wendel D K: Tom Schneider D S: Mario A. Conte D V: Barnsteiner

KINGS OF KALLSTADT Possierliche Provinzbewohner

Das Volk der Pfälzer nuschelt unverständlich und ist migrationsfreudig. Pfalzflüchtige wie Emigranten aus den Familien Trump und Heinz bereicherten die Welt mit Ketchup, gebackenen Bohnen und Mayo, bzw. Hochhäusern und It-Girls und wurden steinreich. Die Ursprünge der Trumps wie der Heinzes liegen in Kallstadt. Die Regisseurin Simone Wendel, selbst indigene Kallstadterin, hat nun einen Film gedreht, der die Possierlichkeit der Kallstadter Lebensweise zeigt, und auch klarmacht, warum manche Leute partout da weg wollten, um in den USA Gurken einzukochen oder am Yukon Goldgräber zu füttern. Simone (deren Nachnamen weglassen werden kann, weil den in Kallstadt keiner braucht, die kennen sich alle) folgt dem pensionierten Gemeindediener, der zum Harken auf den Friedhof geht, nebenbei Trump-Gräber sucht und eine neue Leichenhalle plant. Sie folgt der Gemeindeabgeordneten Connie zur Gymnastikgruppe, wo indigene Schlangentänze mit Turnbällen aufgeführt werden. Sie fliegt nach New York und bringt Donald Trump einen Kuchen, den sie sogar näher zu ihm rüberschiebt, „damit er ihn schon mal riechen kann“. Dann geht es zurück zu Gesangsverein, zur Theatergruppe, in der Connie immer die „dabbische Rolle“ spielen muss. Es könnte noch eine ganze Weile so weitergehen, käme nicht mit einem Mal „Poschd aus Ameriga“. Die Kallstadter sind auf Veranlassung von Donald Trump, oder vermutlich eher seines jovialeren Cousins John Trump, zur Steuben-Parade der Deutsch-Amerikanischen Hurra-Organisation nach New York eingeladen. Gute Sache, nur die Weinprinzessin hat keine Lust, sich als Saumagen zu verkleiden. Berliner können hier eine sehr fremde Welt kennenlernen und werden sich amüsieren, wenn sie gern Provinzler niedlich finden. Eigentlich ist KINGS OF KALLSTADT aber mehr was für Pfälzer. D Hannes Stein

Start am 25.9.2014 ¢ Hackesche Höfe Kino

Director Simone Wendel returns to her native Kallstadt (birth town of Donald Trump and Heinz Ketchup) and documents the peculiarities of its inhabitants.

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INDIEKRITIKEN

UNDER THE SKIN

Killermaschine, Gnade und Entfremdung Ein Motorradfahrer schleppt eine leblose Frau aus einem Straßengraben. In einem weißen Raum schlüpft ihre Doppelgängerin (Scarlett Johansson) in deren Kleidung. Dann verlässt sie ein Mietshaus in Schottland, steigt in einen weißen Kleinbus, kauft eine Pelzjacke und Lippenstift und geht so bewaffnet auf Männerjagd. Sie fragt ausgewählte Passanten nach dem Weg, forscht aus, wie allein sie sind und nimmt sie in verfallene Buden mit, in denen sie schwarze Räume entstehen lässt, in denen die Männer versinken. Nachdem sie einen schwer entstellten jungen Mann verführt hat, schaut sie lange in einen Spiegel, lässt ihr Opfer wieder frei und flieht. Vielleicht erprobt sie, ob sie sich der fremden Umgebung anpassen kann, aber ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte bekommt ihr nicht, und Kuchen sind im Kino immer ein schlechtes Zeichen. Der Motorradfahrer sitzt ihr auf den Fersen, das Schicksal ebenso. Der Plot von UNDER THE SKIN ist recht schlicht, psychologische Erklärungen bleiben aus. Die Inszenierung ist umso raffinierter. Der Stil wechselt von einem Kubrick-Zitat am Anfang zu Varianten von Georges Lukas’ Low Budget-Phase – nicht nur die White und Black Rooms, sondern auch rasante Motorradfahrten erinnern an THX 1138 – dann wieder zu realistischen Bildern von Schottland, die an Andrea Arnolds RED ROAD und FISH TANK erinnern, in denen ja auch von ihrer Welt entfremdete Personen durch Sozialbausiedlungen taumelten. Es gibt psychedelische Visionen von Glasgow, wie aus Gaspar Noés ENTER THE VOID, in dem die Augen eines Toten die Welt der Lebenden betrachten, oder einen Sturm in schottischen Wäldern wie aus Ang Lees THE ICE STORM. Der elektronische Soundtrack von Mica Levi ist mindestens ebenso virtuos. Extrem „old school“ werden am Anfang sogar die ganz frühen elektronischen Sprachmusikexperimente von John Cage und Hans G. Helms zitiert: Über einem analogen elektronischen Drone erprobt eine Stimme Konsonanten, dabei

Start am 22.09.2014 ¢ b-ware! ladenkino ¢ fsk-Kino Am Oranienplatz 22.–24.9. OV

OV

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An alien disguised as Scarlett Johansson picks up hitchhikers in Scotland and leads them to their deaths. When she lets a disfigured young man escape, she becomes a fugitive herself.

Großbritannien/USA/Schweiz 2013 D 107 min D R: Jonathan Glazer D B: Jonathan Glazer, Walter Campbell D K: Daniel Landin D S: Paul Watts D M: Mica Levi D D: Scarlett Johansson, Krystof Hádek, Paul Brannigan, Jessica Mance, Scott Dymond D V: Senator Film Verleih

geht sie immer wieder in die elektronische Verfremdung über. Funkgeräusche mischen sich unter, bis nicht mehr klar ist, was Untermalung ist und was ein Signal sein könnte. Später wird ein Mann an einem Küchenradio drehen, und der diegetische Ton wirkt so fremd wie der Soundtrack zuvor. Levi schafft es das erste Mal seit langem, mit einem rein elektronischen Soundtrack ein Gefühl der Bedrohung auszulösen. Eines der eindringlichsten Bilder von UNDER THE SKIN ist eine Art Förderband im schwarzen Raum, auf dem leuchtend rotes Körpermaterial in ein weißes Lichtloch transportiert wird. Das sieht beinahe aus wie ein umgekehrter Projektionsstrahl im Kino, der nichts als Blut transportiert. Nach diesem Bild lässt die Killermaschine Gnade walten und wird zu einer einsam durch die Welt stolpernden Figur wie Ingrid Bergmann in Roberto Rosselinis STROMBOLI (1949) oder UMBERTO D. im gleichnamigen Film von Vittorio de Sica (1952). Viel Plot gab es in den Werken des Neorealismus auch nicht. Es kam vor allem auf den Moment an, an dem die Verbindungen der Protagonisten zur Welt sich auflösten, und ihr Blick die Wirklichkeit als eine vollkommene Fremdheit erfasste und zugleich eine unendliche Traurigkeit erzeugte. Die letzte Verführung und das Blut-Förderband haben eine ähnliche Funktion wie die berühmte Szene vom Thunfischfang in STROMBOLI. Was folgt sind Momente des Sehens. Scarlett Johanssons Alien blickt immer wieder in Spiegel und erkennt doch nur Fremdheit. Sie scheint sogar den größten Teil ihres Sprachvermögens einzubüßen. Das schottische Hochland wirkt karg und lebensfeindlich. Es gibt keinen Ort der Ruhe in einer Welt, die vollkommen fremd geworden ist. Dabei führt in UNDER THE SKIN eine Entscheidung in diese Fremdheit, von der wir nicht einmal wissen, ob sie eine moralische ist. Die Begegnung des Alien mit dem entstellten jungen Mann, der an David Lynchs ELEPHANT MAN erinnert, ist deutlich auch als Filmzitat gekennzeichnet. Der Dialog zwischen Elefantenmensch und Alien erscheint zwar als eine Verführungszene, also als eine Lüge, aber er drückt eine wahrhaftige Sehnsucht nach Berührung und Nähe aus, die für Elefantenmensch wie Alien unmöglich sind. Die Einsamkeit ist immer schon da, wenn sie erkannt wird, ist alles verloren. Vielleicht ist UNDER THE SKIN wirklich ein Meisterwerk. Jedenfalls gehört der Film unbedingt ins Kino, und gottlob ist er dort nach langem hin und her endlich angekommen. D Tom Dorow SEPTEMBER 2014 D

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INDIEKRITIKEN Originaltitel: De toutes nos forces D Frankreich 2013 D 95 min D R: Nils Tavernier D B: Laurent Bertoni, Pierre Leyssieux, Nils Tavernier D K: Laurent Machuel D S: Yann Malcor D M: Barði Jóhannsson D D: Jacques Gamblin, Alexandra Lamy, Fabien Héraud, Sophie de Fürst, Pablo Pauly, Xavier Mathieu D V: Polyband Medien

MIT GANZER KRAFT Im Rollstuhl zum „Iron Man“

Wegen spastischer Lähmungen sitzt der 17-jährige Julien im Elektro-Rollstuhl. Sein Vater Paul, ein Seilbahnmechaniker, der gerade seinen Job verloren hat, war früher Triathlet, wusste mit seinem behinderten Sohn nichts anzufangen und zog sich immer mehr von der Familie zurück. Der übermäßig behütete Julien träumt von einem eigenständigeren Leben und sehnt sich nach stärkerem Kontakt zu Paul, der wegen seiner Arbeitslosigkeit ziemlich geknickt herumschleicht. Dann entdeckt Julien die alten „Iron Man“-Pokale seines Vaters und findet im Internet heraus, dass ein Amerikaner einmal einen Iron-Man-Wettbewerb mit seinem behinderten Sohn im Rollstuhl gemeinsam geschafft hat. Er verlangt von Paul, das Gleiche mit ihm zusammen zu versuchen. Paul ist zuerst entsetzt, lässt sich aber von Juliens Hartnäckigkeit schließlich überzeugen. MIT GANZER KRAFT ist weniger ein Behindertendrama als ein Sportfilm. Vater und Sohn sitzen, nach einer kurzen Phase der Annäherung, mit Kartoffelchips vor dem Fernseher und sehen das Finale von ROCKY I. Der Rest des Films erscheint wie eine Variante dieses Klassikers des „Du hast keine Chance, also …“-Films. Paul schweißt ein Fahrrad zusammen, Paul schwimmt mit einem Schlauchboot durch den Bergsee, Paul besorgt einen Rennrollstuhl. Hartes Training in der Natur, unerwartete Hindernisse, selbstbestärkender Jubel, wenn beide mit dem Fahrrad oben auf dem Bergkamm angekommen sind. MIT GANZER KRAFT verlangt seinem behinderten Protagonisten keine übermenschlichen Leistungen ab, dessen Vater schon. Aber es geht auch weniger um Juliens körperliche Leistungen, als darum, dass Paul in Juliens festem Willen eine männliche Selbstüberwindungsgeste erkennt, die Vater und Sohn zusammenschweißt. Das Finale ist der in spektakulären Bildern festgehaltene Iron-Man-Wettkampf in Nizza. D Hannes Stein

Start am 4.9.2014 ab ca. 25.9. ¢ b-ware! ladenkino ¢ Eva Lichtspiele DF DF ¢ filmkunst 66 ¢ Hackesche Höfe Kino OMU OMU

D 30

D SEPTEMBER 2014

When the 17-year-old wheelchair bound Julien discovers the old “Iron Man” trophies of his father Paul, he proposes that they take part together. At first Paul is reluctant but then father and son begin to train.

Österreich 2013 D 92 min D R: Gustav Deutsch D B: Gustav Deutsch D K: Jerzy Palacz D S: Gustav Deutsch D M: Christian Fennesz D D: Christoph Bach, Elfriede Irrall, Florentin Groll, Stephanie Cumming, Tom Hanslmaier D V: Rendezvous Filmverleih

SHIRLEY – VISIONEN DER REALITÄT Cinematografische Räume fortgesponnen

SHIRLEY – VISIONS OF REALITY ist der erste Spielfilm des Experimentalfilmers Gustav Deutsch. In dreizehn, jeweils aus einer starren Einstellung gedrehten Tableaus baut er dreizehn Gemälde von Edward Hopper nach. Die aufwändig gestalteten Sets (entstanden unter Mitarbeit von Hanna Schimek, mit der Deutsch in langjähriger Zusammenarbeit verbunden ist) bewahren den Charakter von Malerei, dehnen aber die suggestive Kraft von Hoppers Bildern zu cinematografischen Räumen. Was hinter den raumzeitlichen Rändern der Gemälde und jenseits ihrer Oberfläche zu liegen scheint, wird hier fortgesponnen. SHIRLEY – VISIONS OF REALITY ist die Geschichte einer Frau in den 30er bis 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. In die Szenen, die jeweils am 28. bzw. 29. August des Entstehungsjahres der jeweiligen Bilder spielen, setzt Deutsch die Figur der Schauspielerin Shirley. Aus dem Off kommende innere Monologe führen durch äußere wie innere Krisen und beleben dabei ein Stück amerikanischer Zeitgeschichte, emblematische Momente der Wirtschaftskrise, McCarthyismus und der Civil Rights Ära, ebenso wie Momente von Privatheit. SHIRLEY – VISIONS OF REALITY ist auch eine komplexe Reflexion über Hoppers Malerei und über das Verhältnis von Realität und Abbildung. Eine Vielzahl populärkultureller Bezüge, Musikstücke, Literatur und Kino scheinen im Film auf. Deutsch nimmt das Bezugssystem von Hoppers Arbeit, zu dem vorrangig auch das Kino gehörte, auseinander und setzt es neu zusammen. Nicht zuletzt an diesem Punkt fügt sich der Film in Deutschs drei Jahrzehnte umfassendes Werk ein, allen voran seine in den Archiven der Filmgeschichte wühlenden „Found Footage“-Arbeiten, die auf immer wieder neue Art versuchen die Welt durch das Kino und seine Geschichte zu begreifen. D Sebastian Markt

Start am 18.9.2014 ¢ b-ware! ladenkino ¢ Eva Lichtspiele ¢ filmkunst 66 ¢ fsk-Kino am Oranienplatz

In thirteen single take tableaus, SHIRLEY – VISIONS OF REALITY by experimental film maker Gustav Deutsch reimagines thirteen paintings by Edward Hopper. The film explores the spaces that the paintings merely suggest.

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DER NEUE FILM VON KORE-EDA HIROKAZU

LIKE FATHER, LIKE SON «Meisterwerk über die Liebe von Eltern zu ihren Kindern.» The Telegraph

PREIS DER JURY FESTIVAL DE CANNES

AT HOME – STO SPITI Die Haushälterin Nadja arbeitet seit vielen Jahren für eine Familie der griechischen Oberschicht. Dann erkrankt Nadja, und der Hausherr gerät wegen der Finanzkrise in Geldschwierigkeiten. Er entlässt Nadja, aber die hält an der emotionalen Verbundenheit mit der Familie fest. Obwohl immer deutlicher wird, wo sich Oben von Unten trennt, lässt sich Nadja nichts anmerken. „Ich habe eine Figur entwickelt, die an selbstlose Liebe glaubt und sich bewusst dafür entscheidet zu vergeben“ – Athanasios Karanikolas Start am 4.9.2014 ¢ fsk-Kino am Oranienplatz

Griechenland/Deutschland 2014 D 103 min D R: Athanasios Karanikolas D D: Maria Kallimani, Marisha Triantafyllidou, Alexandros Logothetis, Zoi Asimaki, Giannis Tsortekis

AB 25. SEPTEMBER IM KINO www.was-macht-einen-vater-zum-vater.de

Eine außergewöhnliche Vater-Sohn-Geschichte, inspiriert von wahren Begebenheiten.

„WAS FÜR EINE SCHÖNE LEBENSLEKTION, GETRAGEN VON SCHAUSPIELERN, DIE EINEN ZU TRÄNEN RÜHREN.“

GEMMA BOVERY

GALA

Anne Fontaine (TAGE AM STRAND, COCO CHANEL) hat eine „graphic novel“ von Posy Simmonds verfilmt, die eine sonnig-verspielte Neuinterpretation von Flauberts „Madame Bovary“ unternimmt: Weil Gemma Bovery (Gemma Arterton) ihr bürgerliches Leben in London satt hat, überredet sie ihren Mann Charles, in der Normandie ein Bauernhaus zu kaufen. Doch auch dort beginnt sie sich schnell zu langweilen. Ganz im Gegensatz zu ihrem Nachbarn, dem Bäcker und Flaubert-Kenner Martin (Fabrice Lucchini), der überzeugt ist, er habe die Inkarnation der Flaubertschen Heldin vor sich … Start am 18.9.2014 ¢ b-ware! ladenkino OMU ab Oktober ¢ Bundesplatz Kino OMU ¢ Hackesche Höfe Kino DF + OMU

Frankreich 2014 D 99 min D R: Anne Fontaine D B: Anne Fontaine, Pascal Bonitzer D D: Fabrice Luchini, Edith Scob, Elsa Zylberstein, Jason Flemyng, Niels Schneider, Gemma Arterton, Kacey Mottet Klein, Mel Raido

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WEITERINDIEKINO

WIE DER WIND SICH HEBT

JIMMY’S HALL

Japan in den 20er Jahren. Der kleine Jiro träumt: er möchte Flugzeuge bauen. Doch in die unschuldig wirkenden Landschaften mischen sich bald Unheil verkündende Stürme. Auch Jiros Träume werden dunkler. Mit WIE DER WIND SICH HEBT verfilmte Zeichentrick-Großmeister Hayao Miyazaki (CHIHIROS REISE) die Lebensgeschichte von Jiro Horikoshi, der im zweiten Weltkrieg das berüchtigte japanische Kampfflugzeug Model Zero entwickelte. In Japan ist der Film, sowohl im linken wie im rechten Lager umstritten. Sehenswert ist er allemal.

JIMMY’S HALL spielt in Irland 1932, der anglo-irische Krieg ist seit über zehn Jahren beendet und nach einer Phase des Bürgerkriegs und extremen Konservatismus erlebt Irland eine kurze Tauwetterperiode. In dieser Zeit kehrt der überzeugte Sozialist Jimmy Gralton aus New York an seinen Geburtsort in County Leitrim im Nordwesten der Insel zurück und öffnet die Gemeindehalle wieder für Tanzkurse, Bildungsveranstaltungen und politische Versammlungen. Der Widerstand von Kirche und Landbesitzern lässt nicht lange auf sich warten.

¢ b-ware! ladenkino ¢ Acud DF

Japan 2013 D 127 min D R: Hayao Miyazaki

DF

Frankreich/Irland/Großbritannien 2014 D 109 min D R: Ken Loach D D: Jim Norton, Andrew Scott, Barry Ward, Simone Kirby, Brían F. O’Byrne

¢ b-ware! ladenkino OMU ¢ Bundesplatz Kino DF + OMU ¢ Eva Lichtspiele DF + OMU ¢ Sputnik Kino DF + OMU

FEUERWERK AM HELLLICHTEN TAGE

DIE KARTE MEINER TRÄUME

In FEUERWERK AM HELLICHTEN TAGE, dem diesjährigen Berlinale-Gewinner, bedient sich Regisseur Diao Yinan eines Mittels, mit dem schon in den 30er und 40er Jahren in den USA politische Zensur umgangen werden konnte: Er erzählt einen Film Noir, eine Mordgeschichte, die so fesselnd ist, dass ihre Sprengkraft von Zensoren, die noch damit beschäftigt sind, sich die Geschichte zu erklären, leicht übersehen werden kann. Wieviel gesellschaftliche Realität in den komplexen Film einfließt, wird erst mit einiger Distanz klar.

DIE KARTE MEINER TRÄUME erzählt die Geschichte des hochbegabten zehnjährigen T. S. Spivet aus Montana, der nichts weniger als das Perpetuum Mobile, den heiligen Gral der Erfinder, erfunden hat und für eine Preisvergabe des renommierten Smithsonian Instituts in Washington den halben nordamerikanischen Kontinent durchquert. Wie immer hat JeanPierre Jeunet wunderbare Einfälle. Seine Figuren weisen ausgefallene Spleens auf, etwa Dr. Clair, eine militant-feministische Insektenforscherin, die ihre durchgebrannten Toaster in einem Küchenregal reiht.

¢ b-ware! ladenkino OMU ¢ Acud Kino DF ¢ fsk-Kino am Oranienplatz ¢ Union Filmtheater DF

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OMU

D SEPTEMBER 2014

Originaltitel: Bai ri yan huo D China 2014 D 106 min D R: Diao Yinan D D: Wang Jingchun, Liao Fan, Gwei Lun Mei, Wang Xuebing, Yu Ailei

¢ b-ware! ladenkino OMU 3D ¢ Acud Kino DF ¢ Bali Kino DF ¢ Sputnik Kino am Südstern DF + ¢ Union Filmtheater DF

OMU

Originaltitel: The Young and Prodigious Spivet D Kanada/Frankreich 2013 D 105 min D R: Jean-Pierre Jeunet D D: Dominique Pinon, Helena BonhamCarter, Judy Davis, Callum Keith Rennie, Julian Richings, Robert Maillet, Amber Goldfarb

TERMINE UNTER WWW.INDIEKINO.DE


EIN FILM VON VANESSA LAPA

KATHEDRALEN DER KULTUR Sechs Regisseure porträtieren sechs Kulturtempel. Wim Wenders Film über die Berliner Philharmonie ist erstaunlich betulich. Michael Glawogger filmt die Russische Nationalbibliothek in St. Petersburg als ein kafkaesk-bürokratisches Grab für Literatur. Michael Madsen zeigt die Haftanstalt Halden, Modell für ein modernes Gefängnis, als Repressionsapparat. Robert Redford singt am Beispiel des Salk Institutes in Kalifornien ein Loblied auf die Forschung. Margret Olin und Karim Ainouz porträtieren das Opernhaus in Oslo und das Centre Pompidou in Paris.

¢ Bali Kino

Deutschland 2014 D 164 min D R: Wim Wenders, Michael Glawogger, Robert Redford, Karim Ainouz, Michael Madsen, Margreth Olin

Ab 18. September im Kino www.der-anstaendige.de Bundesplatz-Kino · Eiszeit · B-Ware! · Krokodil

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WELCOME GOODBYE

WIR SIND DIE NEUEN

Ob enthusiastische Taiwanesinnen, die ganz Europa in nur acht Tagen scannen, ein mexikanischer Filmemacher, der unbedingt einen Kurzfilm während seines kurzen Aufenthalts realisieren möchte, oder ein holländischer Schriftsteller, der einen Roman über Berlin schreibt: sie alle und noch ein paar mehr wollen ihr ganz eigenes Berlin entdecken. WELCOME GOODBYE versucht die momentan vorherrschenden gesellschaftlichen Stimmungen einzufangen und zu dokumentieren und geht dabei der Frage nach: Wem gehört Berlin?

Anna, eine 60jährige Biologin, muss sich eine neue Wohnung in München suchen. Die neuen Preise kann sie sich nicht leisten, raus aus der Stadt will sie nicht. Als Lösung erscheint die alte WG. Tatsächlich finden sich zwei, die auch keine Karriere gemacht haben und wieder zusammen ziehen wollen: der engagierte Rechtsanwalt Johannes und Eddi, den eigentlich keiner dabei haben wollte. In Aufbruchstimmung ziehen die alten Freunde in der neuen Wohnung ein und stellen sich gleich mal in der Studenten-WG oben vor.

¢ Sputnik Kino am Südstern, am 9.9. in Anwesenheit der Darsteller

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Deutschland 2014 D 83 min D R: Nana A.T. Rebhan

¢ Acud Kino ¢ b-ware! ladenkino ¢ Eva Lichtspiele ¢ Union Filmtheater ¢ Sputnik Kino am Südstern

Deutschland 2014 D 92 min D R: Ralf Westhoff D D: Patrick Güldenberg, Heiner Lauterbach, Claudia Eisinger, Karoline Schuch, Gisela Schneeberger, Claudia Wittenborn


INDIEKINDER

KINDERFILME A–Z AUF DEM WEG ZUR SCHULE

DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT 2

Frankreich 2012 D R: Pascal Plisson D 75 min D FSK: oA, empfohlen ab 7

USA 2014 D R: Dean DeBlois D 105 min D FSK: 6, empfohlen ab 9

Der preisgekrönte Dokumentarfilm begleitet zehn Kinder in vier Ländern auf ihrem für westliche Verhältnisse unvorstellbar schweren Weg zur Schule. Begleitet von den guten Wünschen ihrer Eltern meistern die Kinder gekonnt alle Hindernisse.

Die Wikinger auf der Insel Berk haben sich mit den Drachen, die einst die Dörfer unsicher machten, angefreundet. Alles scheint gut, bis der junge Hicks mit seinem Drachen Ohnezahn eine Eishöhle voller wilder Drachen entdeckt.

¢ Bali Kino

¢ b-ware! ladenkino ¢ Bali Kino ¢ Eva Lichtspiele ¢ filmkunst66 ¢ Union Filmtheater

BELLE & SEBASTIAN (2013) Frankreich 2013 D R: Nicolas Vanier D 94 min D FSK: oA, empfohlen ab 7

Der Waisenjunge Sebastian, der bei einer Bäckersfrau und einem Hirten in den französischen Hochalpen aufwächst, trifft in den Bergen auf die schneeweiße

Berghündin Belle. Der wilde Hund und das heimatlose Kind werden Freunde. ¢ Bali Kino

DER KLEINE NICK

Frankreich 2009 D 91 min D R: Laurent Tirard D FSK: oA, empfohlen ab 7

Realfilm-Adaption des berühmten Comics „Der kleine Nick“ von Sempé/Goscinny. Frankreich, Ende der 1950er-Jahre. Die Jungs einer Pariser Grundschule verfolgen das Leben der Erwachsenen mit großen Augen und missverstehen vieles, was um sie herum geschieht. So glaubt der kleine Nick, dass er bald ein Brüderchen bekommt, weil sein Vater plötzlich viel netter zu seiner Mutter ist … ¢ Bali Kino

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D SEPTEMBER 2014

KINDERKINO IM INDIEKINO ACUD KINO TÄGLICH 17 Uhr Sa+So auch 15+16 Uhr B-WARE! LADENKINO TÄGLICH ab 12 Uhr BALI KINO DO, FR, SA, SO 16 Uhr BUNDESPLATZ KINO DO, FR, SA, SO 13.30 Uhr EISZEIT KINO DO, FR, wechselnde Termine EVA-LICHTSPIELE DO, FR, SA, SO 13.15 Uhr FILMKUNST66 DO, FR, SA, SO 15 Uhr SPUTNIK KINO DO, FR, SA, SO wechselnde Zeiten TILSITER LICHTSPIELE DO, FR, SA, SO wechselnde Zeiten UNION FILMTHEATER DO, FR, SA, SO wechselnde Zeiten XENON KINO wechselnde Termine ZUKUNFT DO, FR, SA, SO wechselnde Zeiten Eine aktuelle ­Programmübersicht über alle KinderfilmTermine finden Sie auf www.indiekino.de

FLUSSFAHRT MIT HUHN

Deutschland 1984 D R: Arend Agthe D 111 min D FSK: 6, empfohlen ab 6

Johanna verbringt während der Urlaubsreise ihrer Eltern die Ferien bei ihrem Opa Ewald, ebenso wie ihr Cousin Robert. Eines Tages beschließen die Kinder, gemeinsam mit den Nachbarsjungen Harald und Alex und einem braunen Huhn auf einem alten Kahn auf der Weser in Richtung offenes Meer zu schippern. ¢ Bali Kino

SPATZENKINO: GEHÜPFT WIE GESPRUNGEN 45 min D empfohlen ab 4

In drei bunten Kurzfilmen wird gequakt, gesprungen und gehopst: Am liebsten isst die Froschfamilie FLIEGENSUPPE (Schweden 1999). Doch es sind keine Ameiseneier mehr im

Haus. Also macht sich Frobi als Jüngster auf, um welche zu holen. Im Film HÜPFFROSCH (Russland 2012) springen nicht nur Frösche, sondern die witzigsten

Die Altersempfehlungen orientieren sich in der Regel an den Vorschlägen der Bundeszentrale für politische Bildung/Vision Kino.

Fantasie-Gestalten herum. HERBERT INDIANERFROSCH (Deutschland 2001) dagegen langweilt der Froschalltag – er träumt davon, ein richtiger Indianerfrosch zu werden. ¢ Bali Kino, 16.9., 10 Uhr ¢ Eiszeit Kino, 10.9., 10 Uhr ¢ Eva Lichtspiele, 18.9., 10 Uhr ¢ Union Filmtheater, 11.9., 10 Uhr ¢ Xenon Kino, 9.9., 10 Uhr Vorbestellung unter 030/449 47 50

JANOSCH – KOMM WIR FINDEN EINEN SCHATZ! Deutschland 2012 D 74 min D R: Irina Probost D FSK: oA, empfohlen ab 5

„Komm, wir finden einen Schatz“ beschließen Tiger und Bär, als sie in einer alten Kiste eine Schatzkarte finden. Ihnen schließt sich der Hase Jochen Gummibär an, der eigentlich nur Freunde finden will. Los geht’s in ein aufregendes Abenteuer. Zeichentrick. ¢ b-ware! ladenkino

DAS MAGISCHE HAUS

Belgien 2013 D R: Ben Stassen, Jeremy Degruson D 85 min D FSK: oA, empfohlen ab 5

Auf der Flucht vor einem Sturm findet der kleine Kater Thunder Unterschlupf in einem Haus. Zauberer Lawrence und die lebhafte Truppe seiner verzauberten Spielsachen nehmen den neuen Mitbewohner gerne auf. Doch nicht alle sind über den Zuwachs erfreut. Trickfilm. ¢ Acud Kino ¢ b-ware! ladenkino

MEIN NACHBAR TOTORO

Japan 2010 D 119 min D R: Hayao Miyazaki D FSK: oA, empfohlen ab 8

Die beiden Schwestern Satsuki und Mei ziehen mit ihrem Vater aufs Land, um in der Nähe ihrer Mutter zu sein, die im Krankenhaus liegt. Auf dem Dorf lernen sie einen sagenumwobenen Waldgeist kennen, den großen Totoro, der ihr Beschützer wird. Zeichentrick. ¢ Sputnik Kino am Südstern


OTTO IST EIN NASHORN

Dänemark 2013 D R: Kenneth Kainz D 73 min D FSK: oA, empfohlen ab 6

Eines Tages malt der 10-jährige Topper mit einem Bleistift ein Nashorn an die Wand. Plötzlich

ist die Zeichnung verschwunden und ein tonnenschweres Nashorn steht in seinem Zimmer. Und das hat Hunger. Animation nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Ole Lund Kirkegaard. ¢ Bali Kino ¢ filmkunst66

PLANES 2 – IMMER IM EINSATZ USA 2014 D R: Roberts Gannaway D 84 min D FSK: oA, empfohlen ab 6

Dusty ist ein weltberühmter Renn-Flieger. Als er erfährt, dass sein Motor beschädigt ist und der Defekt dazu führen könnte, dass er nie wieder Rennen fliegen kann, geht das kleine Fugzeug zur Feuerwehr und hilft bei der Waldbrandbekämpfung. ¢ Eva Lichtspiele ¢ filmkunst66

RICO, OSKAR UND DIE TIEFERSCHATTEN

KINDERFILM DES MONATS: UNSER LEBEN

Großbritannien 2011 D R: Michael Gunton, Martha Holmes D 85 min D FSK: oA, empfohlen ab 8

Die Kinoversion von UNSER LEBEN ist aus der zehnteiligen BBC-Serie „One Life“ entstanden.

In außergewöhnlichen Naturaufnahmen zeigt die Dokumentation unterschiedlichste Tierarten und deren einfallsreiche Strategien bei der Bewältigung des Lebens: Aufwachsen, Nahrung finden, Schutz suchen, einen Partner finden, Jungtiere großziehen. ¢ Bali Kino, 24.9., 10.30 + 14.15 ¢ Bundesplatz Kino, 30.9., 10 Uhr ¢ Eva Lichtspiele, 25.9., 10 + 14.30 Uhr ¢ Sputnik Südstern, 27.9. + 28.9., 14.30 Uhr, 30.9., 10.30 + 15 Uhr ¢ Union Filmtheater, 19.9., 10.30 Uhr, 20.9. + 21.9., 13 Uhr ¢ Xenon Kino, 13.9. + 14.9., 16 Uhr, 16.9., 10.15 + 15 Uhr Vorbestellung unter: 030/23 55 62 51 oder www.kinderkinobuero.de

www.ohnedich-film.de

DAS WANDELNDE SCHLOSS

Japan 1988 D 86 min D R: Hayao Miyazaki D FSK: 6, empfohlen ab 10

Eines Tages wird die junge Hutmacherin Sophie auf dem Weg in die Stadt von Soldaten bedrängt.

Deutschland 2014 D R: Neele Leana Vollmar D 96 min D FSK: oA, empfohlen ab 8

Auf der Suche nach Fundstücken trifft der, wie er sich selbst nennt, tiefbegabte Rico auf den hochbegabten Oskar und die beiden Jungs werden Freunde fürs Leben. Gemeinsam jagen sie quer durch Berlin den berüchtigten Entführer Mister 2000. ¢ Acud Kino ¢ Bundesplatz Kino ¢ Union Filmtheater

Ein gut aussehender junger Mann kommt zu Hilfe, sie verliebt sich in ihn. Ihr Retter ist jedoch der berühmt-berüchtigte Zauberer Hauro. Eine eifersüchtige Hexe verwandelt Sophie über Nacht in eine alte Frau. Um sich von dem Fluch zu befreien, macht sie sich auf die Suche nach Hauro und seinem wandelnden Schloss. ¢ Sputnik Kino am Südstern

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INDIEKINOHIGHLIGHTS

ACUD KINO CONSUMED – IM BAUCH DER BESTIE & CANNED DREAMS Das ACUD KINO zeigt im September zwei Filme, die sich kritisch mit der Konsumgesellschaft auseinandersetzen. CONSUMED – IM BAUCH DER BESTIE zeigt die Konsumkultur in Ausschnitten aus historischen und aktuellen Werbefilmen und in Interviews als kollektive Psychose und den Verbraucher als von der Marketing-Branche zu inbrünstigem Narzissmus verdammt. CANNED DREAMS verfolgt den Weg von sieben Zutaten eines Fertigprodukts aus dem Lebensmittelregal eines finnischen Supermarkts und spricht mit Arbeitern, die an der Produktion beteiligt waren. Arbeiter, die in der ukrainischen Weizenproduktion und in einer französischen Nudelfabrik arbeiten, an der Produktion portugiesischer Eier beteiligt sind, oder Olivenöl in Italien herstellen, reden über ihre Lebensträume, über Wendepunkte ihres Lebens und über Momente, die sie berührt haben. Beide Filme werden im Rahmen einer Kinotournee zu „Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft und nachhaltigem Konsum“ gezeigt und von ECOMOVE International e.V.präsentiert.  8.9. um 19 Uhr: CONSUMED – IM BAUCH DER BESTIE  9.9. um 19 Uhr: CANNED DREAMS

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INDIEKINOHIGHLIGHTS

FSK-KINO AM ORANIENPLATZ FILM POLSKA RELOADED: VERKEHRSPOLIZEI Originaltitel: Drogówka, Polen 2013, R: Wojciech Smarzowski, D: Arkadiusz Jakubik, Bartłomiej Topa, Marcin Dorociński, 112 min, OmU

Die Verkehrspolizeieinheit ist eine eingeschworene Mannschaft: starke Männer und eine Frau. Trotz aufreibendem Dienst hat die Mannschaft viel Spaß bei der Arbeit und auch privat trifft man sich gerne. Der Wachtmeister Król hat eine Affäre mit seiner attraktiven Kollegin Madecka, während sich seine Ehefrau Ewa mit dem stets liquide scheinenden Lisowski trifft. Als Lisowskis Leichnam gefunden wird, rückt Wachtmeister Król als Hauptverdächtiger ins Visier der Ermittler. Er flüchtet und beginnt selbst, der Sache auf den Grund zu gehen, um seine Unschuld zu beweisen. Dabei ahnt er nicht, auf welche Abgründe er noch stoßen wird. VERKEHRSPOLIZEI wurde in Polen zum Kinokassenschlager des Jahres 2013 und hat mehr als eine Million Zuschauer in die Kinos gelockt– sehr zum Unbehagen der dortigen Verkehrspolizei.  11.9. um 18 Uhr

HACKESCHE HÖFE KINO FILMPREMIERE: COCAINE UNWRAPPED – ­ FÜR EINE NEUE DROGENPOLITIK Die Friedrich-Ebert-Stiftung lädt am 25. September 2014 ab 20 Uhr zur Deutschlandpremiere des Dokumentarfilms COCAINE UNWRAPPED (80 min, OmU) ins Hackesche Höfe Kino in Berlin und zur anschließenden Diskussion mit der britischen Regisseurin Rachel Seifert. COCAINE UNWRAPPED zeigt, dass der jahrzehntelange Krieg gegen Drogen nicht nur gescheitert ist, sondern auch fatale Nebenwirkungen hat. Der Film schlägt die Brücke vom weitgehend erfolglosen Kampf gegen Anbau und Produktion von Kokain in Lateinamerika bis hin zur ungebrochenen Nachfrage auf den wichtigsten Absatzmärkten in den USA und Europa. Dabei wird deutlich, dass es umfangreicherer Strategien bedarf, die auf die gesamte Wertschöpfungskette zielen und die ökonomische Basis des organisierten Verbrechens aushebeln. José Carlos Campero, der in Zusammenarbeit mit anderen lateinamerikanischen Experten und mit Unterstützung der FES Reformvorschläge für eine Drogenpolitik entwickelt hat, die nicht allein auf repressive Mittel vertraut, wird nach dem Film mit der Regisseurin Rachel Seifert diskutieren.  25. 9. Um 20.00 Uhr, www.hoefekino.de

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BUNDESPLATZ KINO BERLINFILM-MATINEE Jeden Sonntagmorgen um 11 Uhr lädt das Bundesplatz-Kino zur Berlinfilm-Matinee. Im September wird die legendäre Langzeitdokumentation BERLIN, ECKE BUNDESPLATZ (1986-2012) von Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich wieder aufgegriffen, zunächst mit den Titeln DIE KÖPKE-BANDE (7.9.), SCHORSTEINFEGERGLÜCK (14.9), DER YILMAZ-CLAN (21.9), und BÄCKEREI IM KIEZ (28.9.)  Immer Sonntags um 11 Uhr, www.bundesplatz-kino.de

FILMKUNST 66 MICHAEL VERHOEVEN PRÄSENTIERT LET’S GO Mit Michael Verhoven (DIE WEISSE ROSE, DAS SCHRECKLICHE MÄDCHEN) kommt einer der profiliertesten deutschen Filmemacher ins filmkunst 66, um seinen neuen Fernsehfilm LET’S GO zu präsentieren. Nach dem autobiografischen Roman „Von zu Hause wird nichts erzählt“ von Laura Waco erzählt Verhoeven die Geschichte der jüdischen Familie Stöger, die nach Ende des Krieges aus dem Konzentrationslager kommt und in Deutschland bleibt. 1968 kommt ihre 21-jährige Tochter Laura, die in die USA emigriert ist, zur Beerdigung des Vaters zurück nach Deutschland. Laura bewegt ihre Mutter zu einer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und ihren gemeinsamen Erinnerungen.  21.9. um 20 Uhr

DIE FESTIVAL-KOLUMNE: VOM SUCHEN UND FINDEN Filme finden ihr Publikum, so die graue Theorie. In der Realität gleicht dieser Prozess des Findens, der immer ein Suchen voraussetzt, den verschlungenen Pfaden eines Labyrinths. Das Filmgeschäft sucht seit seinem Bestehen nach der goldenen Formel, die die Zuschauer wie ferngesteuert an den Kinokassen vorbei direkt zum Ziel, dem Kinosaal führt. Lange galt dabei die Annahme Superstar gleich Kassenschlager als wichtigste Richtschnur derer, die entscheiden, welcher Film für das Kino geschaffen ist und welcher mit DVD oder Fernsehen vorlieb nehmen muss. Zuletzt sorgte die Diskussion um den von Kritikern gefeierten UNDER THE SKIN, in dem immerhin Scarlett Johansson die Hauptrolle spielt, für erhitzte Gemüter unter Cineasten. Ins Kino kommt er trotzdem nicht (nun kommt er doch, ein bisschen, die Red.). Vertraut der geneigte Betrachter dem Markt, der in der reinen Lehre des Kapitalismus alles von selbst regelt, bekommt er vor allem eines: Fortsetzungen. Noch und nöcher. Filmfeste erfanden da ein probates Gegeninstrument: Publikumspreise. Besucher der oft sorgsam kuratierten Filmprogramme stimmen in bester basisdemokratischer Tradition über das ab, was sie auf der großen Leinwand sehen – und nach strenger, wenn nicht gar notariell beglaubigter Auswertung der Stimmkarten, steht am Ende ein Siegerfilm. Das Unverfrorene an diesen Publikumspreisträgern ist die Tatsache, dass hierbei oft Filme die Oberhand haben, denen weder Marketingstrategen noch Kritiker eine Chance geben. Berliner Zuschauer haben vom 3. bis 7. September die Möglichkeit beim Favourites Film Festival im Filmrauschpalast Moabit diese Quereinsteiger zu suchen und zu finden. Die Festivalmacher haben aus rund 200 überall auf der Welt vom Publikum ausgezeichneten Werken gewählt und ein Programm erstellt, das keine Rücksicht auf den Markt und seine Gesetze nimmt. Möge zusammenfinden, was zusammen gehört. www.favouritesfilmfestival.de D Denis Demmerle, www.berliner-filmfestivals.de SEPTEMBER 2014 D

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INDIEHIGHLIGHTS

FILMKUNST66 IFAB FILM FESTIVAL Mit seinen über 50 Festivals im Jahr bietet Berlin eine der vielfältigsten Filmfestivallandschaften der Welt, und damit auch allen denkbaren Ländern und Sparten ein eigenes Forum, die abseits von Trends und Kinokassen kaum eine Chance auf ein breites öffentliches Publikum hätten. Mit dem Motto „Focus, dammit!“ haben sich die Veranstalter der International Film Awards Berlin explizit das Gegenteil von Spezialisierung und Nischendenken auf die Fahnen geschrieben. Mit der Veranstaltung, die vom 3. bis zum 7. September 2014 zum zweiten Mal im Charlottenburger Programmkino filmkunst66 stattfindet, möchte man sich als einziges Berliner Independent-Filmfestival durch keinerlei Sparten- oder Genregattungen einschränken lassen. Dementsprechend divers ist auch das Programm in diesem Jahr, das 70 Spiel-, Kurz-, Animationsfilme und Dokumentationen aus über zwanzig Ländern versammelt. So stehen auf dem Festivalprogramm Produktionen wie die Independent-Komödie I PUT A HIT ON YOU, die das kanadische Kreativ-Team Linsey Stewart und Dane Clark mit einer Crowdfunding-Kampagne verwirklichen konnte und in der es um eine enttäuschte Frau geht, die ihrem Exfreund durch eine unbedachte Internet-Äußerung einen Auftragskiller auf den Hals hetzt, und anschließend versucht, ihn vor seinem tödlichen Schicksal zu bewahren. Oder Rosa von Praunheims unterhaltsame „Schamanen“-Dokumentation AUF DER SUCHE NACH HEILERN, in der sich der hypochondrische Filmemacher dem gegenwärtigen „Heilpraktiker“-Hype mit kindlicher Offenheit nähert, und auf diese Weise die oftmals bizarren bis ruchlosen Methoden und Veranstaltungen entlarvt – aber auch interessante und anregende Denkansätze und bemerkenswerte Persönlichkeiten kennenlernt. D 40

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Der französische Bestseller-Autor Marc Dugain hat mit LA MALÉDICTION D’EDGAR/THE CURSE OF EDGAR seinen gleichnamigen Roman über die vermeintlichen Verstrickungen des FBI-Gründers Edgar J. Hoover in das tödliche Schicksal des Kennedy-Clans als schlitzohriges Doku-Drama adaptiert, das er aus Sicht des Hoover-Adjutanten und Lebensgefährten Clyde Tolson als Geschichte eines „Odd Couple“ erzählt. Eine gänzliche andere Stimmung bringt der anarchistische Animationsfilm DICK FIGURES – THE MOVIE ins Festivalprogramm, der auf einer beliebten YouTube-Serie von Ed Skudder und Zak Keller basiert. Hier machen sich ein blaues und ein rotes Strichmännchen auf die Suche nach einem SamuraiSchwert in Asien und erleben dabei ein rasantes Abenteuer mit einem Humorverständnis, das an die Serie SOUTH PARK erinnert. Neben weiteren Spielfilmen sind es vor allem internationale Dokumentarfilme, die zur Fülle des ifab beitragen, zum Beispiel LOVECHILD, die erschütternde Geschichte eines südkoreanischen Paares, das aufgrund von Online-Rollenspiel-Sucht sein neugeborenes Baby an Unterernährung sterben ließ, oder EVERYBODY STREET von Cheryl Dunn, die eine mitreißende Hommage an die Ikonen der New Yorker Straßenfotografie und damit an die Stadt selbst geschaffen hat. Beim ifab wird jede Aufführung in klassischer Vorführ-Tradition von einem Kurzfilm eingeleitet, daneben bieten vier Reels in Spielfilmlänge die Möglichkeit, sich einen umfassenderen Eindruck von Shorts aus aller Welt zu machen und ihre Macher vor Ort kennenzulernen – eine Vielfalt, der es sich zu stellen lohnt. Ergänzt wird die Veranstaltung von Partys und Fragerunden mit den Filmemachern, und findet ihren Abschluss mit der Award-Show am 7. September, bei der Preise für beste Regie, Schauspiel, Drehbuch und der „Brandenburg Gate Award“ verliehen werden. Schön auch, dass die Veranstalter und das Festivalkino die Hilfsorganisation „Pen Paper Peace – Schulen für Haiti“ mit einem Euro pro verkaufter Kinokarte unterstützen. D Jens Meyer  3. – 7.9., www.filmawardsberlin.de


INDIEKINOHIGHLIGHTS

EISZEIT KINO BIKE SMUT – A FILM FESTIVAL OF RADICAL PLEASURE Auf die Idee, Sex und Fahrräder zusammen zu bringen, ist der Holländer Django Reinhardt schon in den siebziger Jahren gekommen: „Life could be oh so sweet, if I was a bicycle seat“. Die Idee ist spätestens vor sieben Jahren in die US-Hippie-Hochburg Portland vorgedrungen, wo der Nacktradfahraktivist, Hardcourt-Fahrradpolospieler, und vom „Seattle Dead Baby Bike Club“ anerkannte Heilige der „Church of Bicycle Jesus“ das Fahrrad-Porn Festival BIKE SMUT gründete. Gemeinsam mit Creative Director Poppy Cox präsentiert Reverend Phil nun zum ersten Mal BIKE SMUT in Berlin, ein Festival mit Kurzfilmen über Fahrräder und Sex, das die Botschaft von „Freude und Befreiung durch Sexualität und Radfahren“ verbreiten will. Das Programm umfasst Anleitungen zur Fahrradreparatur, präsentiert von drei weiblichen Mechanikerinnen, eine

heiße ­Liebesgeschichte zwischen einem Rennrad- und einem Fixiefahrer, die Gender-, Generationen- und Szenenormen sprengt, Damen, die mit Pfeil und Bogen vom Fahrrad aus schicke Jungs abschießen und diverse Schmuddelfantasien über Fahrradmechaniker und Mechanikerinnen. BIKE SMUT findet grundsätzlich nur im Kino statt. Es gibt keine DVDs oder online Videos, denn BIKE SMUT will durch Porno als kollektive Erfahrung kreative Energien freisetzen (jeder kann Bike Porn drehen und bei BIKE SMUT einreichen) und dem gleichmacherischen Porno kommerzieller Medien einen offenen und queeren Diskurs über Sex und Transportmittel entgegensetzen.  6.9. um 22 Uhr, www.bikesmut.com

FREILUFTKINO SUPERMENSCH, THE ­GRADUATE, DER MOND UND ANDERE LIEBHABER Das Freiluftkino-Saisonende rückt näher und es ist an der Zeit, den Sommer mit Stil zu verabschieden. Der Filmrauschpalast lässt es zum Ende der Open-Air Saison noch einmal krachen. Bei freiem Eintritt gibt es am Freitag, den 12.9. eine Preview von Mike Myers Doku SUPERMENSCH – THE LEGEND OF SHEP GORDON (USA 2014, OmU) über den sehr sympathischen Manager von Alice Cooper, Pink Floyd, Teddy Pendergrass und Blondie. Tags darauf gibt’s dann Hiphop von Drob Dynamic und den Anti-Gentrifizierungs-Film MIETREBELLEN. Das Freiluftkino Insel (zu Gast im Cassiopeia) zeigt am 7.9. noch einmal den Sommerfilm der Sommerfilme: THE GRADUATE – Die Reifeprüfung (USA 1967, OmU) von Mike Nichols, und im Freiluftkino Friedrichshagen läuft als letzter Film am 12.9. DER MOND UND ANDERE LIEBHABER (Deutschland 2008) von Bernd Böhlich mit der Music von Silly. Endgültiges Saisonende ist dann einen Tag später mit dem Reisevortrag „Reiseabenteuer: Cuba“. Das Freiluftkino Hasenheide hat sich bereits am 31.8. in die Winterferien verabschiedet und das Freiluftkino Pompeji spielt vermutlich wie immer bis zum ersten Frost durch.  7.9. Freiluftkino Insel: THE GRADUATE  12.9. Freiluftkino „Umsonst und Draußen“ im Filmrauschpalast: SUPERMENSCH – THE LEGEND OF SHEP GORDON  12.9. Freiluftkino Friedrichshagen: DER MOND UND ANDERE LIEBHABER

UNION FILMTHEATER URSULA WERNER LIEST: „IMMER GEHT’S WEITER …“ Ursula Werner war seit den siebziger Jahren bis 2009 Ensemble-Mitglied am Maxim-Gorki-Theater. Heute ist sie vor allem durch ihre Rollen in Andreas Dresens Filmen WOLKE 9 und HALT AUF FREIER STRECKE und aus TV-Produktionen wie der Kinderserie SCHLOSS EINSTEIN bekannt. In ihrer Autobiografie „Immer geht´s weiter….“ gibt sie humor- und temperamentvoll Auskunft über ihre Arbei am Theater und beim Film und über die Dinge des Lebens, die ihr wichtig sind.  21.9. um 10.30 Uhr, www.sonntagslese.de

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INDIEHIGHLIGHTS

EVA-LICHTSPIELE DER ALTE DEUTSCHE FILM BUNDESPLATZ KINO FILMHISTORISCHE REIHE: BRAVE SOLDATEN, ROTE ­MATROSEN – DER ERSTE ­WELTKRIEG IM FILM

Immer Mittwochs um 15.45 zeigen die Eva-Lichtspiele historische deutsche Filme aus den 1920er – 1940er Jahren. Die Reihe wird von Martin Erlenmeier kuratiert, der auch zu jedem Film eine Einführung hält. www.eva-lichtspiele.de

Anlässlich des Gedenkens an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren widmet sich die Filmreihe „Brave Soldaten, rote Matrosen“ anhand von 15 Filmen aus den Beständen der Deutschen Kinemathek und der DEFA-Stiftung dem Wandel filmischer Darstellungen dieses Krieges. Beispielhaft zeigen die Filme, wie das Ereignis als Stoff immer neuer Kinoerzählungen und als Folie für politische und existentielle Fragestellungen dient. Die Vielfalt der Interpretationen steht dabei im Kontext der politischen Systeme, in denen die Filme entstanden sind. Die Filme im September:

WESTFRONT 1918

MARY

Deutschland 1930, R: Georg Wilhelm Pabst

Großbritannien/Deutschland 1930. Regie: Alfred Hitchcock. Mit Alfred Abel, Olga Tschechowa, Paul Graetz, Lotte Stein

WESTFRONT 1918 sorgte als erster Kriegsfilm, der das Element des Tons einsetzte, für Furore: Erstmals wurde der ohrenbetäubende Lärm der Front akustisch greifbar.

Kriminalfilm um einen Mord im Theatermilieu. In London gedrehte, veränderte deutsche Version von Hitchcocks frühem Tonfilm MURDER.  3.9.

 7.9. um 15.30

IM WESTEN NICHTS NEUES USA 1929/30, R: Lewis Milestone

Die Erstverfilmung des gleichnamigen Romans und Weltbestsellers von Erich Maria Remarque. Der Film wurde 1930 mit dem Oscar als „Bester Film“ des Jahres ausgezeichnet. Gezeigt wird die ungekürzte und rekonstruierte Fassung.  14.9. um 15.30

DIE GROSSE ILLUSION/LA GRANDE ILLUSION

Frankreich 1936/37, R: Jean Renoir, OmU

An Hand des Schicksals dreier französischer Kriegsgefangener demonstriert Renoir den Widersinn des Krieges. Ein Film über den Krieg – ganz ohne Schlachtenszenen. Gezeigt wird die deutsch untertitelte, mehrsprachige Originalfassung!  21.9. um 15.30 Uhr

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DAS ALTE LIED

1945. Regie: Fritz Peter Buch. Mit Winnie Markus, Ernst von Klipstein, Lotte Koch, Grethe Weiser

Spielt im kaiserlichen Alt-Berlin – nach Motiven aus Fontanes „Stine“ und „Irrungen Wirrungen“.  10.9.

KLEINER MANN – GANZ GROSS

1938. Regie: Robert A. Stemmle. Mit Viktor de Kowa, Gusti Huber, Hilde von Stolz, Paul Hoffmann

Temperamentvolle Ehekomödie mit zwei trefflichen Hauptdarstellern. Mit Zeichnungen von E.O. Plauen.  17.9.

MADAME HAT AUSGANG

Deutschland /Frankreich 1931. Regie: Wilhelm Thiele. Mit Liane Haid, Hans Brausewetter, Hilde Hildebrand, Ernst Dumcke

Musikalische Komödie mit Liane Haid – seinerzeit der Inbegriff des „süßen Wiener Mädels, hier aber im Pariser Gesellschaftsmilieu. Inszeniert vom Regisseur der DREI VON DER TANKSTELLE. Musik: Ralph Erwin.  24.9.


INDIEHIGHLIGHTS

BALI KINO FILME UND VERANSTALTUNGEN ZUM WELTFRIEDENSTAG Die Jahresversammlungen der UN-Generalversammlung beginnen traditionell am dritten Dienstag im September. Am 21. September 1981, dem Tag der damaligen Vollversammlung, verkündete die Generalversammlung: Dieser Tag soll offiziell benannt und gefeiert werden als Weltfriedenstag (International Day of Peace) und soll genützt werden, um die Idee des Friedens sowohl innerhalb der Länder und Völker als auch zwischen ihnen zu beobachten und zu stärken. Am 30. November 1981 wurde dieser Tag in der UN-Resolution 36/67 zum „International Day of Peace“ erklärt. Er soll ein Tag des Waffenstillstands und der Gewaltlosigkeit sein. Nach einer Kampagne von Jeremy Gilley und der „Peace One Day“-Organisation verabschiedete die UN-Generalversammlung am 7. September 2001 einstimmig die Resolution 55/282. Nach dieser soll der Weltfriedenstag ab 2002 jedes Jahr weltweit am gleichen Tag, dem 21. September, gefeiert werden. Allerdings findet der Tag bis heute in der Öffentlichkeit relativ wenig Beachtung. In Zusammenarbeit mit dem Weltfriedensdienst organisiert das Bali Kino vom 18. – 22.9. Veranstaltungen, Filmvorführungen und Diskussionen unter dem Motto „Friedensarbeit in Zeiten des Krieges“.  18. – 22.9. www.balikino-berlin.de Auf dem Programm stehen unter anderem:

FILMVORFÜHRUNG: CIRCLES (Serbien 2013, R: Srdan Golubovic, 112 min)

CIRCLES ist die Hommage an einen Helden, den serbischen Soldaten Srdan Aleksić, der 1993 seinen muslimischen Nachbarn vor der Ermordung durch serbische Soldaten rettete, und dann selbst zu Tode geprügelt wurde. In Srdan Golubovics Film heißt der Soldat Marko, und der Film schildert die Auswirkungen seiner Tat und die seiner Mörder auf das Leben einer Reihe von Menschen, die mittelbar und unmittelbar daran beteiligt waren.  18.–19.9. um 18.00 Uhr

PROJEKTVORSTELLUNG DES WELTFRIEDENS­DIENSTES/KURZFILMROLLE

DOPPELPROGRAMM: ZUR HÖLLE MIT DEM TEUFEL AFRICA:WAR IS BUSINESS Die Dokumentation ZUR HÖLLE MIT DEM TEUFEL (PRAY THE DEVIL BACK TO HELL, USA 2008, R: Gini Reticker, 62 min) erzählt anhand von Archivmaterial und Interviews mit den führenden Frauen der liberianischen Friedensbewegung von ihrem mutigen und visionären Widerstand, der im Jahr 2003 maßgeblich dazu beigetragen hat, Frieden für ihr vom Bürgerkrieg zerrissenes Land zu erreichen. AFRICA: WAR IS BUSINESS (Niederlande 2006, R: Frank Vellega, 52 min, OmeU) deckt die Mechanismen der Kriegsindustrie auf und zeigt wie diese ein Teil des Alltags im Westen sind. Die Dokumentation enthüllt das Wesen eines Systems das nicht von Ländergrenzen aufgehalten wird. Gleichzeitig sucht der Film nach möglichen Lösungen etwa in einer internationalen Perspektive und achtsamem Konsumentenverhalten.  20.9. um 18 Uhr

Der Weltfriedensdienst stellt aktuelle Projekte in Form von Kurzfilmen vor, anschließend läuft die Shorts Attack-Kurzfilmrolle KRIEGSSPIELE. In Zeiten der Erinnerung an Kriegsausbrüche und in Zeiten aktueller Kriege bringt Shorts Attack im September den Krieg als absurde Gewalt pointiert auf den Punkt: Historische Auseinandersetzungen treffen auf aktuelle Zerstörungsstrategien, Animationen auf knallhart unterhaltsame Realdarstellungen.  20.9. um 20.30 Uhr

FILMVORFÜHRUNG: PEACEMAKERS (USA 2013, R: Rain Rucker, Paul Bloomfield, 66 min, OmU)

In PEACEMAKER treten zwei Männer, die jeder auf die eigene Art Ernst gemacht haben mit dem „Friedenstiften“, in Dialog: Jeremy Gilley, britischer Filmemacher, gründete vor vielen Jahren die Non-Profit-Organisation „Peace One Day“. Sein Einsatz führte 2007 dazu, dass die UN-Vollversammlung einstimmig beschloss, den 21. September zum Weltfriedenstag zu erklären und jährlich zu feiern. 2013 wurde der Weltfriedenstag bereits in 195 Ländern gefeiert. Prem Rawat hat die Sendereihe „Words of Peace“ (Worte des Friedens) initiiert, die in 40 Ländern in über mehr als 350 Fernsehkanälen ausgestrahlt und in 28 Sprachen übersetzt wird. Prem Rawat spricht dort vom Frieden im täglichen Leben und von der „People Power“, der inneren Kraft der Menschen.  21.9. um 20.30 Uhr, Eintritt frei, Spende erbeten

SEPTEMBER 2014 D

43 D


INDIESERVICE

REINICKENDORF

PANKOW

LICHTENBERG  7    E  

SPANDAU

MITTE CHARLOTTENBURG-  6  WILMERSDORF  5 

MARZAHNHELLERSDO

 11 

 9 

FRIEDRICHSHAINKREUZBERG  15    8   4 

 13   3 

 1 

 10    B  

 C    14    D  

TEMPELHOFSCHÖNEBERG

STEGLITZZEHLENDORF

TREPTOWKÖPENICK

NEUKÖLLN

 2 

DIE INDIEKINOS ACUD KINO MITTE 1

EISZEIT KINO KREUZBERG 4

Veteranenstr. 21, 10119 Berlin Telefon: 030/44 35 94 98, Mail: kino@acud.de, www.acud.de U8, M1 Rosenthaler Platz, M8/12 Brunnenstr./Invalidenstr., S1/2 Nordbahnhof

Zeughofstr. 20, 10997 Berlin Telefon: 030/611 60 16, Mail: info@eiszeit-kino.de, www.eiszeit-kino.de U1, M29, N1 Görlitzer Bahnhof

B-WARE! LADENKINO FRIEDRICHSHAIN 15 Gaertnerstr. 19, 10245 Berlin Telefon: 030/63 41 31 15 ladenkino.de S+U-Bahnhof Frankfurter Allee, Bus 240 Boxhagener Platz, Tram 13 Wühlischstraße

BALI KINO ZEHLENDORF  2 

EVA-LICHTSPIELE BERLIN WILMERSDORF 5

6

Teltower Damm 33, 14169 Berlin Telefon: 030/811 46 78, www.balikino-berlin.de S-Bahnhof Zehlendorf

Bleibtreustr. 12, 10623 Berlin Telefon: 030/882 17 53, Mail: mail@filmkunst66.de, www.filmkunst66.de S-Bahnhof Savignyplatz

BUNDESPLATZ-KINO WILMERSDORF 3

FILMRAUSCH­PALAST MOABIT 7

Bundesplatz 14, 10715 Berlin Telefon: 030/85 40 60 85, Mail: kino@bundesplatz-kino.de, www.bundesplatz-kino.de U9, S 41/42/46, Bus 248/N9 U+S-Bahnhof Bundesplatz

Lehrter Str. 35, 10557 Berlin Telefon: 030/394 43 44, Mail: info@filmrausch.de, www.filmrausch.de Hauptbahnhof + 10 min Fußweg, Bus 123 Kruppstr., Bus M27 Quitzowstr.

D 44

D SEPTEMBER 2014

TILSITER ­LICHTSPIELE FRIEDRICHSHAIN

Segitzdamm 2, 10969 Berlin Telefon: 030/614 24 64, Mail: post@fsk-kino.de, www.fsk-kino.de U8, Bus M29/140/N8 Moritzplatz, U1 Kottbusser Tor

Richard-Sorge-Str. 25a, 10249 Berlin Telefon: 030/426 81 29, Mail: programm@tilsiter-lichtspiele.de, www.tilsiter-lichtspiele.de U5 Frankfurter Tor, Weberwiese, M10 Bersarinplatz, Straßmannstraße

HACKESCHE HÖFE KINO MITTE 9

Blissestr. 18, 10713 Berlin Telefon: 030/92 25 53 05, Mail: info@eva-lichtspiele.de, www.eva-lichtspiele.de U7, Bus 101/104/249 Blissestr.

FILMKUNST66 CHARLOTTENBURG

FSK-KINO AM ­ORANIENPLATZ KREUZBERG 8

Rosenthaler Str. 40/41, 10178 Berlin Telefon: 030/283 46 03, Mail: info@hoefekino.de, www.hoefekino.de S-Bahnhof Hackescher Markt, U8 Weinmeisterstraße

SPUTNIK KINO AM SÜDSTERN KREUZBERG 10 Hasenheide 54, 10967 Berlin Telefon: 030/694 11 47, Mail: post@sputnik-kino.com, www.sputnik-kino.de U7 Südstern, U7/8 Hermannplatz

11

UNION FILMTHEATER FRIEDRICHSHAGEN Bölschestr. 69, 12587 Berlin 12 Telefon: 030/6501 3141,­ www.kino-union.de S-Bahnhof Berlin-Friedrichshagen

XENON KINO SCHÖNEBERG

13

Kolonnenstr. 5, 10827 Berlin Telefon: 030/78 00 15 30, Mail: service@xenon-kino.de S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke

ZUKUNFT ­FRIEDRICHSHAIN

14

Laskerstr. 5, 10245 Berlin Telefon: 030/426 81 29, Mail: programm@zukunft-ostkreuz.de, kino-zukunft.de S-Bahnhof Ostkreuz


INDIESERVICE

INDIEKINO OPEN-AIR

FREILUFTKINO ­POMPEJI FRIEDRICHSHAIN

Im Volkspark Hasenheide, 12049 Berlin Telefon: 030/283 46 03, www.freiluftkino-hasenheide.de U7+U8 Hermannplatz, U8 Boddinstraße

Laskerstr. 5, 10245 Berlin Telefon: 030/426 81 29, freiluftkino-pompeji.de S-Bahnhof Ostkreuz

IMPRESSUM Herausgeber: INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) Nalepastr. 18–50, 12459 Berlin Telefon: 030 – 209 897 24, info@indiekino.de, www.indiekino.de

ABONNEMENT

FREILUFTKINO ­HASENHEIDE KREUZBERG  B 

 D 

Lehrter Str. 35, 10557 Berlin Telefon: 030/394 43 44, Mail: info@filmrausch.de, www.filmrauschpalast.de Hauptbahnhof + 10 min Fußweg, Bus 123 Kruppstraße, Bus M27 Quitzowstraße

Geschäftsführung: Hendrike Bake Redaktion: Hendrike Bake, Thomas Dorow redaktion@indiekino.de Filmtexte: Hendrike Bake, Thomas Dorow, Franziska Gleininger, David Herger, Sebastian Markt, Jens Mayer, Eileen Reukauf, Raphaël Rück, Hannes Stein

12459 Berlin

 12    A  

Revaler Straße 99, 10245 Berlin Telefon: 030/351 224 49, www.freiluftkino-insel.de, S/U-Bahnhof Warschauer Straße

WINDLICHT IM FILMRAUSCH­ PALAST: „UMSONST & DRAUSSEN“ MOABIT  E 

Nalepastr. 18–50

Hinter dem Kurpark 13,  A  12587 Berlin Telefon: 030/65 01 31 41, www.freiluftkino-friedrichshagen.de S-Bahnhof Berlin-Friedrichshagen

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FREILUFTKINO ­INSEL ZU GAST IM ­CASSIOPEIA FRIEDRICHSHAIN  C 

INDIEKINO BERLIN UG

FREILUFTKINO FRIEDRICHSHAGEN FRIEDRICHSHAGEN

Texte Kinohighlights: INDIEKINO BERLIN und Kinos

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D SEPTEMBER 2014

Kinofotos: Marei Wenzel


INDIENACHBILD

THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE

NACHBILD Eigentlich wollte ich noch etwas über eine Szene aus dem wundervollen Film ABRIR PUERTAS Y VENTANAS schreiben. Aber gerade eben meldet die BBC, dass der britische Schauspieler und Regisseur Lord Richard Attenborough gestorben ist. Ich schau noch mal nach, wer das war. Ach ja, A CHORUS LINE (1982), GANDHI (1985), CRY FREEDOM (1987), alles Oscar-Filme. Einige halfen, die Welt zu verändern. Ich finde ein Video mit einem Ausschnitt aus THE ANGRY SILENCE (1960), dem ersten Film, in dem Attenborough nicht nur gespielt, sondern den er auch produziert hat. Er spielt einen Mann, der bei einem inoffiziellen Streik nicht mitmacht. Niemand redet mehr mit ihm, auch sein kleiner Sohn nicht. Er schlägt die Hände vors Gesicht, wendet sich um. Der Hintergrund ändert sich in eine Gaststätte. Gelächter. Männer stopfen Futter in sich hinein. Gesichter beginnen zu lachen, die Kamera fährt näher an Attenborough heran. Panik. Wut, die Kamera beginnt zu kreisen. Die lachenden Gesichter kommen näher, die Kamera schwankt. Gleich wird Attenborough aufspringen. Tobe Hooper muss den Film gekannt haben. In THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE gibt es die gleiche Szene, fast identisch inszeniert. Sally (Marilyn Burns) sitzt an einen Stuhl gefesselt an einem Tisch, um sie herum sitzt die Sawyer-Familie und lacht, weil Sally gleich von Grandpa geschlachtet werden soll. Dieselben Schnitte, dasselbe Lachen, dieselbe Panik. Hochkultur und lange verbotener, angeblicher Trash erzählen manchmal mit den gleichen Mitteln von den gleichen Ängsten: Du bist allein, sie lachen dich alle aus. Marilyn Burns ist ebenfalls im August 2014 gestorben. Das meldeten Fangoria und Splatting Image. D TD

VORSCHAU INDIEKINO IM OKTOBER ANDERSON Spitzel in der Poetenszene D LAND DER WUNDER Seltsamkeiten unter Bienen D 20.000 DAYS ON EARTH Nick Cave-Doku D AM SONNTAG BIST DU TOT Pfarrer James sucht seinen Mörder D DER KREIS Berlinale-Panorama-Publikumspreis-Gewinner D 5 ZIMMER KÜCHE SARG Vampire im Alltag D PRIDE Der englische Film ist zurück D YALOMS ANLEITUNG ZUM GLÜCKLICHSEIN Der Therapeut spricht D PRAIA DO FUTURO Strand ohne Meer D WISH I WAS HERE Zach Braff wird erwachsen D JACK Verloren in Berlin D ARTEHOLIC Udo Kier-Doku D THE CUT Liebe, Tod und Teufel D DAS SALZ DER ERDE Bilderkino von Wim Wenders und Sebastião Salgado D DER SAMURAI Indentitätsgemetzel D ZWEI TAGE, EINE NACHT Neues von den Dardenne-Brüdern D 46

D SEPTEMBER 2014


DAS AKTUELLE PROGRAMM DER UNABHÄNGIGEN ­ BERLINER LICHTSPIELHÄUSER, TÄGLICH NEUE FILMKRITIKEN UND INFORMATIONEN ZU KINOHIGHLIGHTS, PREMIEREN UND FILMFESTIVALS AUF: WWW.INDIEKINO.DE


JULIANNE MOORE MIA WASIKOWSKA JOHN CUSACK ROBERT PATTINSON

GOLDENE PALME JULIANNE MOORE BESTE SCHAUSPIELERIN CANNES FILM FESTIVAL 2014

AB

11.09. IM KINO!

„DÜSTER, SADISTISCH UND AUF DIABOLISCHE WEISE AMÜSANT“ FILMSTARTS.DE

EIN FILM VON

DAVID CRONENBERG WWW.MAPSTOTHESTARS.DE

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INDIEKINO BERLIN Magazin #07, September 2014  

Das Magazin der unabhängigen Berliner Lichtspielhäuser. Filmkritiken, Features, Highlights.

INDIEKINO BERLIN Magazin #07, September 2014  

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