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DIE UNERSCHÜTTERLICHE LIEBE DER SUZANNE Ein Blick genügt D BOYHOOD Erwachsen werden in Echtzeit D OKTOBER NOVEMBER Meister der Paarbeziehung D METEORA Agapé, Philia und Eros D DIE ZWEI GESICHTER DES ­JANUARS Moralisches Zwielicht D STILL Ich bin eine Bäuerin D MAMAN UND ICH Gechlechterrollen ad absurdum D TOUR DU FASO 1280 km auf unbefestigten Straßen D VIELEN DANK FÜR NICHTS Rollstuhl-Rowdys D VIOLETTE Weil du so hässlich bist D NOSELAND Alberne Virtuosen D FINDING VIVIAN MAIER Die geheime Fotografin D TIEFE WASSER Schwimmende Wolkenkratzer D SIENIAWKA Derealisierungseffekte D LOVE & ENGINEERING Algorithmus für die Liebe

MAGAZIN DER UNABHÄNGIGEN BERLINER LICHTSPIELHÄUSER

D 04 D JUNI 2014

indiekinoBERL

BOYHOOD – START AM 5.6.2014


DAS AKTUELLE PROGRAMM DER UNABHÄNGIGEN ­ BERLINER LICHTSPIELHÄUSER, TÄGLICH NEUE FILMKRITIKEN UND INFORMATIONEN ZU KINOHIGHLIGHTS, PREMIEREN UND FILMFESTIVALS AUF: WWW.INDIEKINO.DE


INDIEEDITORIAL

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Panorama

Publikums-Preis 2014 Dokumentarfilm 2. Platz

„Sensationell!“ ARD-Morgenmagazin

„Ein wunderbarer Film“ Deutschlandradio Kultur

EDITORIAL Beim Sichten der Junifilme haben uns eine Reihe von Frauen beeindruckt. In SUZANNE sind eigentlich alle fantastisch: die junge Regisseurin Katell Quillévéré, deren ungewohnten Namen man sich merken muss, managet ihren komplexen Handlungsbogen mit der Souveränität einer alten Meisterin. Die Darstellerinnen Sara Forestier und Adèle Haenel spielen jede der kurzen anspruchsvollen Szenen auf den Punkt, das gilt auch für François Damiens, der den Vater der beiden gibt. Die posthume Vermarktung der bis vor wenigen Jahren noch gänzlich unbekannten Fotografin VIVIAN MAIER durch die Kunstwelt hinterlässt einen etwas schalen Beigeschmack – so sind zum Beispiel nur magere drei ihrer Tausenden von Fotos für eine Berichterstattung freigegeben – ihre Arbeiten lohnt es aber unbedingt zu entdecken. Eine andere Künstlerin, die in Deutschland kaum bekannt ist, ist die französische Schriftstellerin VIOLETTE LEDUC. Die Freundin und Verehrerin von Simone de Beauvoir war das Gegenteil ihres Vorbilds: ausschweifend, exzentrisch, bisexuell und nach eigener Aussage hässlich. Martin Provost, der mit SÉRAPHINE bereits einen schönen Film über eine exzentrische Künstlerinnenexistenz gedreht hat, hat ihr nun einen gut aussehenden, ehrlichen Film gewidmet. Weniger beeindruckt haben uns einige Titelentscheidungen deutscher Verleihfirmen. Aus dem poetischen polnischen Filmtitel SCHWIMMENDE WOLKENKRATZER, der einen romantischen Blick auf die Welt mit einem urbanen Phallussymbol verbindet, wurden eher nichtssagende TIEFE WASSER. Und aus dem schlichten französischen Verleihtitel SUZANNE haben die Kollegen leider DIE UNERSCHÜTTERLICHE LIEBE DER SUZANNE gemacht, einen Titel, der eher an einen großen ZDF-Spielfilm denken lässt als an ein modernes Drama über die Tochter eines Lastwagenfahrers. Die Filme sind trotzdem gut. Lassen Sie sich nicht abschrecken! Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und viel Spaß im Kino, Ihre INDIEKINO BERLIN Redaktion

Finding

Vivian Maier NFP MARKETING & DISTRIBUTION* PRÄSENTIERT EINE RAVINE PICTURES PRODUKTION "FINDING VIVIAN MAIER" SCHNITT AARON WICKENDEN MUSIK J.RALPH KAMERA JOHN MALOOF PRODUZENTEN JOHN MALOOF & CHARLIE SISKEL CO-PRODUZENT JEFF GARLIN PRODUKTION & REGIE JOHN MALOOF & CHARLIE SISKEL WELTVERTRIEB HANWAY FILMS WWW.FINDINGVIVIANMAIER-DERFILM.DE TWITTER.COM/VIVIANMAIERFILM

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AB 26. JUNI IM KINO


INDIEINHALT

18 Sieniawka 29 Meteora 23 Violette 27 Vielen Dank für Nichts

06 MAGAZIN

NEU IM KINO

10 EIN BLICK GENÜGT: DIE UNERSCHÜTTER LICHE LIEBE DER SUZANNE

14 20 22 18 21 29 31 20 16 18 29 19 30

14 ERWACHSENWERDEN IN ECHTZEIT: BOYHOOD 16 MEISTER DER PAARBEZIEHUNG: OKTOBER NOVEMBER 24 INDIEKINOS: FILMRAUSCHPALAST 34 KINDERFILME

Boyhood Finding Vivian Maier Die Fliege in der Asche Love & Engineering Maman und ich Meteora No Turning Back Noseland Oktober November Sieniawka Still Tiefe Wasser Tour du Faso

10 30 27 23 22 28

Die unerschütterliche Liebe der Suzanne Ursula Mamlok Movements Vielen Dank für Nichts Violette Vom Ordnen der Dinge Die zwei Gesichter des Januars

36 KINOHIGHLIGHTS 44 KINOADRESSEN, IMPRESSUM ABONNEMENT 46 NACHBILD

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32 WEITER IM KINO Beziehungsweise New York Grand Budapest Hotel One Chance – Einmal im Leben Zeit der Kannibalen

Über-ich und Du Nächster Halt: Fruitvale Station Panihida – Himmelreich Snowpiercer


„Die Alm ist wie eine Sucht. Wenn man das einmal gemacht hat, zieht’s einen immer wieder hin.“

STILL Ein Film von Matti Bauer

ZORRO FILM präsentiert einen film von MATTI BAUER kamera KLAUS LAUTENBACHER ton SEBASTIAN WAGNER, ANDREAS ESCHBAUMER, GREGOR KUSCHEL, HUBA BARATH schnitt ULRIKE TORTORA tonmischung FILMSOUND THOMAS BASTIAN postproduktion MSF – MICHAEL SÄNGER FILM, JÜRGEN PERTACK untertitel LONNIE LEGG dank an MARC HAENECKE, LAURA HEINE, MARKUS CZERNOHORSKY redaktion JOHANNES PECHTHOLD produktion MILLI & KAS produzent MATTI BAUER assoziierte produzenten CHRISTIAN BAUER, DAGMAR BILLER TANGRAM INTERNATIONAL GMBH, TANGRAM LEA & LORENZ BAUER GBR buch und regie MATTI BAUER

AB 19.6. IM KINO /StillDerFilm www.zorrofilm.de


INDIEMAGAZIN

KREUZBERG TANZT Zum Karneval der Kulturen am Sonntag, den 8.6. laden die Höfe am Südstern zum Hoffest ein. Von 18 Uhr bis um Mitternacht gibt es Live-Musik, Tanz und ein beschwingtes Filmprogramm für alle, die nach einem langen Tag auf den Beinen die Füße schonen aber im Kopf weiterfeiern wollen. Zu sehen sind: FRANCES HA (USA 2012), BLANCANIEVES (Spanien/ Frankreich 2012) und MITTSOMMERNACHTSTANGO (Deutschland/Finnland 2012). www.sputnik-kino.com

KINOPROGRAMMPREISVERLEIHUNG Einmal im Jahr zeichnet das Medienboard Berlin-Brandenburg die besten Berliner und Brandenburger Kinos mit dem „Kinoprogrammpreis“ in drei Kategorien aus. Wie in jedem Jahr sind so gut wie alle INDIEKINOS dabei. Spitzenpreise gingen diesmal an die INDIES Bali Kino, Eiszeit Kino, fsk-Kino am Oranienplatz, Hackesche Höfe Kino, Sputnik Südstern und Union Filmtheater. Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung! Alle Preisträgerkinos unter: www.medienboard.de > Kinoprogrammpreis

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INDIEMAGAZIN

„... UND ACTION!“ Vom 29. Mai 2014 bis 26. April 2015 lädt die Sonderausstellung „... und Action! Wie werden Film und Fernsehen gemacht?“ des Filmmuseums am Potsdamer Platz Kinder von 4 bis 14 Jahren ein, einen Blick hinter die Kulissen der Filmproduktion zu werfen. In sieben Werkstätten führt die Ausstellung durch den Herstellungsprozess eines Films von Drehbuch und Casting bis zu Vermarktung und Premiere. Die Filmschaffenden von Morgen können in einer Castingbox ausprobieren, wie sie vor der Kamera wirken, am Schnittplatz mit Montage experimentieren und im Green-Screen-Studio eine Nachrichtensendung moderieren. Wer während des Parcours an einem Fragespiel teilnimmt und alle Aufgaben löst, wird zum „Film Director“ gekürt und kann mit dem zugehörigen Ausweis die begleitende Filmreihe „... und Action!“ im Bundesplatz Kino und im Arsenal kostenfrei besuchen. Den Anfang macht Ende Juni der Buster Keaton-Klassiker DER KAMERAMANN (USA 1928) von Edgar Sedgwick. Außerdem werden zu sehen sein: DAS DOPPELTE LOTTCHEN, HANNI UND NANNI 2, TOM SAYER/HUCKLEBERRY FINN und als Preview Folgen von SCHLOSS EINSTEIN. Es gibt eine Einführung und Mitarbeiter der jeweiligen Filme aus unterschiedlichen Bereichen (Regie, Drehbuch, Casting ...) stellen ihre Arbeit persönlich vor. www.deutsche-kinemathek.de/aktuell Vorführung von DER KAMERAMANN:  Bundesplatz Kino: 28.6. um 15.30 Uhr  Kino Arsenal: 29.6. um 15.30 Uhr

FILMPOSTERTRÄUME Ein amerikanisches Originalposter von JAWS, das wunderbar gezeichnete polnische Filmplakat von ROSEMARY’S BABY, ein seltenes fast quadratisches SOLARIS-Poster, ein zwei Meter hohes Plakat vom Mae West-Klassiker GOIN’ TO TOWN – im Liebhaberladen filmposter.net gibt es papiergewordene Kinoträume zu bestaunen. Der kleine Showroom in der Pücklerstraße in Kreuzberg hat Dienstag bis Freitag von 15 bis 17 Uhr und Samstag von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Weniger romantisch aber auch möglich ist das Stöbern im Internet: www.filmposter.net

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INDIEMAGAZIN

SPEED-CINEMA

Bereits zum 14. Mal lädt das „48 Hour Film Project“ Filmteams in über 120 Städten ein, innerhalb von 48 Stunden einen kompletten Kurzfilm zu drehen. Zum offiziellen „Kick-off“ am Freitag, den 6. Juni im Sputnik Kino erhalten alle teilnehmenden Teams ihre Vorgaben: eine Filmfigur, einen Gegenstand, eine Dialogzeile und jeweils ein Genre. Dann haben sie exakt 48 Stunden Zeit, einen 4-7 minütigen Kurzfilm umzusetzen. Alle Ergebnisse des Speed-Filmens in Berlin werden am 10. Juni um 21.30 Uhr im Freiluftkino Insel gezeigt. Dort wird dann auch der Gewinnerfilm für Berlin bekannt gegeben. Der Film nimmt in Hollywood beim offiziellen Abschlussscreening mit allen Städtegewinnern teil. Die Teilnahme kostet 100 Euro pro Team, das entspannte Gucken der Ergebnisse dagegen lediglich einen normalen Kinoeintritt. www.48hourfilm.com

UTOPIA LTD.

Die AG DOK zeigt am Mittwoch, den 4.6. um 17.30 Uhr im Hackesche Höfe Kino einen feinen, ehrlichen Film über aufrechte Rock ‘n’ Roller: UTOPIA LTD (Deutschland 2008-2011). Die Teenager Anton Spielmann, Basti Muxfeldt und Jonas Hinnerkort leben mit ihren Eltern in Einfamilienhäusern in einer dörflichen Idylle bei Hamburg. Gemeinsam haben die drei die Band 1000 ROBOTA gegründet. Schon nach ein paar Monaten können sie mit dem kleinen Hamburger Label Tapete Records einen Plattenvertrag abschließen und ein schwieriger Weg zwischen Schule, Musikbusiness und Rockidealen beginnt. Die Regisseurin Sandra Trostel ist zum Screening zu Gast. www.hoefekino.de

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INDIEMAGAZIN

GEORGE GERSHWIN HOMMAGE In der Reihe „Jazz Goes Cinema“ spielt das Rolf Römer Trio (Klavier: Prof. Wolfgang Köhler, Kontrabass: Olaf Casimir, Saxofon & Klarinetten: Rolf Römer) am Freitag den 13.6. um 20.30 Uhr eine Auswahl bekannter Gershwin-Titel im Bali Kino. Eine Hommage an den Komponisten von Strike up the Band, Lady be Good, Summertime, Fascinating Rhythm, Porgy and Bess, Ein Amerikaner in Paris und Rhapsody in Blue, dessen Musik in unzähligen Filmen Verwendung gefunden hat. www.balikino-berlin.de

INDIEKINO-OPEN-AIR IM JUNI: Ab Juni bieten die Freilichtkinos der Stadt täglich wechselndes Programm. Exemplarisch präsentieren wir hier ausgewählte Highlights aus dem Spielplan der Indie-Open-Air-Kinos. Alle Filme und Termine finden Sie unter: www.indiekino.de/openair

FREILUFTKINO HASENHEIDE Am 10.6. zeigt das FLK Hasenheide den Musik und ja irgendwie auch Berlin-Klassiker PINK FLOYD THE WALL (1982) in der englischen Originalfassung. In der Reihe ZITTY PRÄSENTIERT: BEST OF 2013 werden die Lieblingsfilme der Zitty-Redaktion noch einmal gezeigt. Im Juni sind das: das Fellini-eske Meisterwerk LA GRANDE BELLEZZA – DIE GROSSE SCHÖNHEIT (4.6.), die feinjustierte Psycho-Komödie SILVER LININGS (18.6.) und das leichtfüßige Porträt einer leicht durchgeknallten Tänzerin in New York, FRANCES HA (2.7.)

WINDLICHT IM FILMRAUSCHPALAST Das FLK Windlicht im Filmrauschpalast Moabit spielt immer Freitags und Samstags und ist immer „umsonst & draußen“. Im Juni sind unter anderem zu sehen: die Multikultikomödien SALAMI ALEIKUM (31.5./1.6.) und PAPADOPOULOS & SÖHNE (OmU, 6.6.) und das deutsche Drama SCHERBENPARK (7.6).

FREILUFTKINO FRIEDRICHSHAGEN Neben Fußball und aktuellen „Crowd-Pleasern“ hat das FLK Friedrichshagen im Juni zwei bewährte Publikumslieblinge im Programm: Am 5.6. wird THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW gezeigt und am 14.6. DIRTY DANCING. Reis und Taschentücher mitbringen.

FREILUFTKINO POMPEJI Ab dem 4.6. zeigt das Pompeji am Ostkreuz eine Woche lang die Komödie VIELEN DANK FÜR NICHTS: Nach einem Snowboardunfall ist Valentin querschnittsgelähmt und wird von seiner Mutter für ein Theaterprojekt in ein Heim gesteckt. Zunächst hadert er mit der neuen Umgebung, dann findet er in Titus und Lukas zwei Freunde, die ebenso draufgängerisch sind wie er selbst. Am 6.6. ist der Regisseur Stefan Hillebrand zu Gast.

KINO/FUSSBALL/KINO Eigentlich ist das Kino im Juni ja der ideale Zufluchtsort für alle, die auch mal etwas anderes machen wollen, als 22 Männern dabei zuzusehen, wie sie über eine Wiese laufen. Wer aber auch in seinem Lieblingskino nicht vom Fußballfieber lassen möchte, der kann die wichtigsten Spiele Open-Air im FLK Friedrichshagen und im FLK Insel verfolgen oder – etwas intimer – in der Kinobar des Sputnik Südstern. Für Kinder zeigt das Sputnik zwei Filme, die im Gastgeberland spielen: RIO2 – DSCHUNGELFIEBER und AMAZONIA.

FREILUFTKINO INSEL ZU GAST IM CASSIOPEIA Das Freiluftkino Insel baut seinen 35mm-Projektor ab und stellt auf digitales Kino um. Passend zu dieser Zeitenwende wird am 9.6. THE LAST PICTURE SHOW/DIE LETZE VORSTELLUNG (USA 1971) von Peter Bogdanovich noch einmal gezeigt – natürlich von 35mm. Der Film erzählt die Geschichte der Freunde Sonny und Duane in einem kleinen Kaff in Texas während der letzten Tage des Kleinstadtkinos ,Royal Theater‘. In der Umbaupause gibt es Fußball auf der LED-Leinwand. JUNI 2014 D

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Die junge Regisseurin Katell Quillévéré ist in Deutschland noch eine Unbekannte. 1980 in Abidjan an der Elfenbeinküste geboren, studierte Katell Quillévéré in Paris Philosophie und Filmwissenschaften. 2004 gründete sie zusammen mit Sébastien Bailly das erste Festival für mittellange Filme, die „Rencontres de Moyen-Métrage“ in Brive und organisierte das Festival drei Jahre lang. 2005 drehte sie ihren eigenen ersten Kurzfilm A BRAS DE CORPS, mit dem sie zu den „Quinzaine des Réalisateurs“ nach Cannes eingeladen wurde. Auch ihr erster Langfilm UN POISON VIOLENT und ihr aktueller Film DIE UNERSCHÜTTERLICHE LIEBE DER SUZANNE (Originaltitel: SUZANNE, Besprechung auf der folgenden Seite) feierten dort ihre Premiere. DIE UNERSCHÜTTERLICHE LIEBE DER SUZANNE, der am 19. Juni ins Kino kommt, ist Quillévérés erster Film, der auch in Deutschland zu sehen ist. Rüdiger Suchsland hat sich mit der Regisseurin über SUZANNE unterhalten.

INDIEKINO BERLIN: Vor „Suzanne“ haben sie mehrere andere Filme gemacht. Was sollten wir von Ihnen kennen? Katell Quillévéré: Nun ja, das waren meistens Kurzfilme, die man nur auf Filmfestivals sehen konnte. Es gibt aber einen Langfilm, der heißt UN POISON VIOLANT Das war ein Film mit mythischen Elementen, er wurde 2010 gedreht, und es ging darin um ein junges Mädchen, das in einem streng katholischen Milieu aufwächst, und dann allmählich ihre Sexualität und ihr Begehren entdeckt. UN POISON VIOLANT hatte aber leider keinen deutschen Filmstart. „Suzanne“ erzählt von einer Amour Fou. Muss Liebe eigentlich so sein, wenn es wirklich Liebe ist? Muss Liebe den Charakter einer Amour Fou haben, die radikal ist und bis an ihre Grenzen geht? Oder gibt es auch andere Formen der Liebe? Es stimmt schon, dass SUZANNE letztendlich ein Film über die Liebe ist. Aber genauso ist es auch ein Film über das Fehlen von Liebe und über die Schwierigkeiten, jemanden zu lieben, ihm zu sagen, dass man ihn liebt. Bei Suzanne verhält es sich so, dass das was ihr fehlt, ihr Antrieb ist. Sie kann ohne Zweifel nur lieben, wenn sie sich derart radikal und bedingungslos in diese Liebesgeschichte hineinwirft. Es ist aber zugleich auch ein Film über Mutterliebe, und über die Übertragung von der Liebe einer Frau auf die Liebe einer Mutter für ihr Kind. Es ist ein Film, der von Emotionen und von Beziehungen handelt. Mich interessiert die Spannung der Hauptfigur, die einerseits die Geborgenheit der Familie möchte und ihr anderseits immer wieder entfliehen will. Was war die Inspiration für diese Frauenfiguren?

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INDIEFEATURE

EXTREMZUSTÄNDE, EIN STICH INS HERZ

Interview mit der Regisseurin Katell Quillévéré Bücher und Zeitungsartikel, die ich gelesen habe. Eine wichtige Inspiration für die Figuren waren die Autobiographien von drei Frauen, die mit legendären Banditen und richtigen Schwerkriminellen zusammen waren: Mit Michel Vaujour, Charlie Bauer und Jacques Mesrine. Wie ist es eigentlich, wenn man den Alltag mit einem Menschen teilt, der ständig auf der Flucht ist, der jeden Moment verhaftet werden kann? Die Frauen versuchen in diesen Texten, sich selbst zu verstehen. Es gibt da erstaunliche charakterliche Gemeinsamkeiten. Etwa die paradoxe Mischung aus enormem Mut, einer sehr ungewöhnlichen Tapferkeit, die ganz konkrete physische aber auch seelische Seiten hat, und die extreme Unterwerfungsbereitschaft auf der anderen Seite. Das waren Frauen, die bereit waren, ein paar Polizisten mit einem Gewehr oder einer Pistole in Schach zu halten. Eine von ihnen hat sich die Fähigkeit angeeignet, einen Helikopter zu fliegen, und ist mit dem dann in den Hof eines Gefängnisses geflogen, um ihren Liebsten zu befreien. Was braucht man dafür für einen Mut! Zugleich waren die gleichen Frauen aber ihren Männern gegenüber ganz klein. Sie waren unfrei, waren ihre Objekte, waren Abhängige, Opfer in einem ganz extremen Sinn. Sie haben viel aufs Spiel gesetzt und sich alles gefallen lassen. Unter all diesen Erzählungen hat mich der persönliche Bericht von Jeanne Schneider, einer der Frauen des legendären Ausbrecherkönigs Mesrine, besonders stark berührt. Sie ist sogar für Mesrine ins Gefängnis gegangen, sie hat ihr Schicksal tatsächlich an ihn gebunden, sich ganz an seine Seite gestellt. Die Haltung, die diese Frauen ihrem Schicksal gegenüber hatten, hat mich fasziniert. Sie haben gegenüber Dritten mit einer unglaublichen Kaltblütigkeit agiert, und zugleich gibt es diese Abhängigkeit von diesen Männern, eine extreme Unterwerfungshaltung. Zwischen Mut und Unterwerfung wollte ich die Persönlichkeit von Suzanne ansiedeln. Im Zentrum ihres Charakters liegt das Fehlen von Liebe, und die tiefe Sehnsucht danach.

Jeanne Schneider hatte ein Kind, wie Suzanne... Sie war sehr jung, als sie ihre Mutter verlor und Mesrine kennenlernte. Sie hatte selbst eine kleine Tochter, aber um die hat sie sich trotz ihrer eigenen Verlusterfahrung gar nicht gekümmert. Das hat mich stark berührt: Man kann auch nur deshalb Mutter werden, weil man von einem Kind geliebt werden möchte. Man kann ein Kind haben, nur um nicht mehr allein zu sein.

Aber Suzanne hat auch noch einen Vater und eine Schwester, die sie beide sehr lieben. Ja, der Vater liebt sie sehr, aber schon als Kind hat Suzanne eine enorm melancholische Seite, die sie ihr ganzes Leben lang nicht verlässt. Ich habe viel über die Macht es Zufalls und des Schicksals nachgedacht. Zum Beispiel über die Tatsache, dass oft die wichtigsten Dinge im Leben Ereignisse sind, die völlig durch Zufall entstehen. Unser Leben ist ungemein fragil. Andererseits passieren solche Dinge auch nur, weil es dafür gewisse charakterliche Anlagen gibt, die sie wahrscheinlich machen. Diese Mischung aus Zufall und Notwendigkeit ist das Herz der Geschichte von SUZANNE. Ich mag amerikanisches Kino sehr gern und dort wiederum die sogenannten „Biopics“, die Geschichten eines Lebens von der Kindheit bis zum Tod. Mit „Suzanne“ wollte ich gewissermaßen ein Biopic über eine Unbekannte erzählen. Über ein sehr durchschnittliches Mädchen, dessen Leben zufällig ein sehr ungewöhnliches wird. Suzanne ist eine Frau, die sich selbst verliert, die sich hineinstürzt ... JUNI 2014 D

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Ich bewundere Menschen, die die Fähigkeit haben, alles hinter sich zu lassen und ganz im Jetzt und Hier zu leben. Suzanne will mit ihrer Liebe leben, solange sie die Möglichkeit hat, mit ihm zusammen zu sein. Die Bildsprache von „Suzanne“ mischt dokumentarische, sehr realitätsnahe Elemente mit ganz losgelösten, poetischen Momenten... Auch hier gibt es Inspirationen. Eine der wichtigsten war die Fotografie, besonders nordamerikanische Fotografen der sechziger und siebziger Jahre – etwa William Eggleston, Philip-Lorca di Corcia und Stephen Shore. Was ich an ihnen besonders mag, ist ihr Interesse für das Alltägliche, für Einfachheit. Meine Co-Drehbuchautorin Mariette Désert und ich wollten eine eindeutig romantische Geschichte. Zugleich haben wir viel über elliptisches Erzählen nachgedacht. Einige Film haben uns besonders beeinflusst, darunter THERE WAS A FATHER von Ozu und BAPTÊME von René Féret. Wir haben sehr genau über die Lücken nachgedacht, mit denen wir die Phantasie des Zuschauers aktivieren wollten. Das haben wir dann noch im Schnitt verstärkt – etwa ein Drittel der Sequenzen, die wir gedreht haben, ist rausgeflogen. Vor allem die mit langen Dialogen. Der Film ist jetzt reiner und viel stiller, als er ursprünglich hätte sein sollen. Welche Spielfilme haben SUZANNE außerdem noch beeinflusst? Die Ästhetik des Melodramas der klassischen Hollywood-Filme: Geschichten, die richtig starke, intensive Emotionen auslösen. Das mag ich selbst als Zuschauerin, und so sollte auch mein eigener Film werden: Bigger than life. Es kommt darauf an, dass Kinobilder eine mythologische Dimension

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haben, das muss man als Regisseurin ganz bewusst erzeugen, um mit der Phantasie der Zuschauer zu spielen. Ihre beiden Hauptdarstellerinnen sind Sara Forestier, die man auch in Deutschland schon ein bisschen kennt und Adèle Haenel. Die ist völlig unbekannt. Was können Sie uns über beide verraten, wo liegen deren Qualitäten? Sie gehören schlicht und einfach zu den allerallerallerbesten französischen Schauspielerinnen ihrer Generation. Sie sind super! Es war großartig, mit ihnen zu arbeiten, sehr herausfordernd für mich selber. Sara hat eine enorme Energie, sie ist sehr expressiv. Wie arbeiten Sie mit den Schauspielerinnen, wenn Sie Regie führen? Ich arbeite mit allen Schauspielern vollkommen gleich. Ich denke, ich bin zurückhaltend, gebe meinen Darstellern die Chance, mich zu überraschen. Man sollte sowieso sensibel sein, in diesem Fall aber war es besonders geboten. Denn es war ja vom Drehbuch her klar, dass der Film von den Darstellern besonders viel verlangt. Extremzustände, Szenen, die außerordentlich berührend müssen, die auf den Zuschauer wie Schlag in die Magengrube oder ein Stich ins Herz funktionieren müssen, die lange nachwirken sollen. Gerade in solchen Filmen darf das Spiel selbst dann nicht zu pathetisch sein. Denn das kann den Zuschauer schnell fast wieder „rausziehen.“ Wo sehen Sie Ihre eigene Position im heutigen französischen Kino? Ist das Erbe der „Nouvelle Vague“, von Regisseuren wie Truffaut oder Godard


INDIEFEATURE

Frankreich 2013 D 90 min D R: Katell Quillévéré D B: Katell Quillévéré, Mariette Désert D K: Tom Harari D S: Thomas Marchand D D: Sara Forestier, Adèle Haenel, François Damiens, Anne Le Ny, Karim Leklou, Corinne Masiero, Paul Hamy, Timothé Vom Dorp D V: Arsenal Filmverleih

DIE UNERSCHÜTTERLICHE LIEBE DER SUZANNE Ein Blick genügt

noch lebendig? Mitunter hat man als Beobachter den Eindruck, dass es gerade von ihrer Generation wieder stärker gepflegt wird. Wenn man in Frankreich Regie führt, dann ist man sowieso ein Kind der „Nouvelle Vague“. Aber mit anderen Filmemachern meiner Generation teile ich auch die Faszination für das moderne amerikanische Kino, für Regisseure wie Gus Van Sant oder James Gray. Natürlich hat jeder auch seine eigenen, sehr intimen Vorlieben. Bei mir sind es Maurice Pialat und Douglas Sirk. Ich fühle mich ansonsten sehr individualistisch und auf mich gestellt, aber das ging wahrscheinlich den Regisseuren früher auch so. Ich glaube ein Gruppengeist hat eher in der Phantasie der Beobachter existiert, vielleicht auch noch gegenüber den Institutionen und den Vertretern des Industriekinos. Aber letztendlich muss jeder seine Filme allein machen. Im Gegensatz zu den Sechziger Jahren ist es aber heute nicht mehr so wichtig, sich in Opposition zur Gesellschaft zu stellen. Oder in den Dienst einer bestimmten Ästhetik. Andererseits bin ich durch Filmfestivals bekannt geworden, durch Cinephilie, die Pflege des Kinos als Kunst. Und es wäre naiv, nicht zuzugeben, dass es Gemeinsamkeiten innerhalb einer Generation braucht, und dass wir uns gegenseitig gegen die Übermacht des Hollywoodgeschmacks und des Kindergarten-Popcorn-Kinos schützen sollten. Feindschaft hilft auch bei der eigenen Orientierung.

Tanzaufführung an der Schule. Zwanzig kleine Mädchen in roten Paillettenkleidchen sind mit Verve dabei. Unter ihnen ist Suzanne, freundlich beklatscht von ihrer Schwester und ihrem Vater im Publikum. Das Stück ist zu Ende, die Mädchen werfen sich in Pose, alles jubelt, alles scheint gut. Doch dann fokussiert die Kamera auf Suzannes Gesicht und fängt diesen Blick ein, der zu sagen scheint: ist das alles? Suzanne und ihre Schwester Maria werden älter, sechzehn, zwanzig, sechsundzwanzig Jahre, doch der Blick bleibt. Irgendetwas treibt Suzanne um und lässt sie immer wieder drastische Entscheidungen treffen. Sie wird als Teenager schwanger und behält den Jungen Charlie, sie lernt den Kleingangster Julien kennen, schmeißt alles hin und zieht ihm hinterher, Charlie stellt sie derweil bei ihrer Schwester ab. Schließlich verschwindet sie ganz. Ihre geliebte Schwester Maria und der Vater stehen hilflos daneben. Suzanne, gespielt von Sara Forestier, nervt, fasziniert und verwundert. Wie Frances in FRANCES HA oder Isabelle in JUNG & SCHÖN gehört sie damit zu einer neuen Riege von Frauenfiguren, die erfrischend vielschichtig und moralisch mehrdeutig sind und deren Persönlichkeiten das enge Korsett von Story und Soziogramm regelrecht zu sprengen scheinen. Gleiches gilt übrigens für Maria, die zwar stets im Hintergrund bleibt, deren Geschichte der Film aber sensibel und berührend miterzählt. Warum Suzanne ist wie sie ist und tut was sie tut, bleibt offen. Die junge franko-afrikanische Regisseurin Katell Quillévéré gibt Hinweise – der frühe Tod der Mutter, die Abwesenheiten des Vaters – aber sie verweigert endgültige Erklärungen. In kurzen und kürzesten Szenen erzählt sie die Ereignisse von 25 Lebensjahren. Oft zeigt sie vermeintliche Nebenschauplätze, Szenen, die kurz vor oder kurz nach zentralen Ereignissen stattfinden. Als Suzanne vor Gericht erscheinen muss, sieht man weder die Straftat noch das Urteil, sondern allein den fassungslosen Blick des Vaters auf seine Tochter während der Anklage. Das genügt. Eine Einstellung, ein Blick, ein Satz, eine Geste reichen Qulillévéré, um das ganze Ausmaß der Katastrophen, der Verbundenheiten und der Leidenschaften spürbar zu machen, die Suzannes Leben ausmachen. Kaum zu glauben, dass SUZANNE erst ihr zweiter Langfilm ist. D Hendrike Bake

D Das Interview führte Rüdiger Suchsland Start am 19.06.2014 ¢ Eva-Lichtspiele (DF und OmU) ¢ Filmkunst66 (DF) ¢ fsk-Kino am Oranienplatz (OmU)

Like Frances in FRANCES HA or Isabelle in JEUNE & JOLIE Suzanne is both fragile and strong and a mystery to her surroundings. One day she suddenly disappears leaving behind behind a small son and a devastated family.


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USA 2002-2014 D 163 min D R: Richard Linklater D B: Richard Linklater D K: Shane F. Kelly, Lee Daniel D S: Sandra Adair D D: Patricia Arquette, Ethan Hawke, Ellar Coltrane, Tamara Jolaine, Sam Dillon D V: Universal Pictures International Germany

BOYHOOD

Erwachsenwerden in Echtzeit Richard Linklater hat für seinen Film über die Kindheit und Jugend des Jungen Mason über 12 Jahre immer wieder mit dem aufwachsenden Ellar Coltrane gedreht. Am Anfang des Films ist Mason sechs, am Ende, mit 18, verlässt er sein Elternhaus und geht zum College. Ich kenne nur einen anderen Film, der auf ähnliche Weise die reale Zeit in die Inszenierung einbaut, den spanischen Film EL SUR (1983) von Victor Erice, der sich mit diesem Film und seinem EL ESPIRITU DE LA COMENA, dem poetischeren Vorbild für Guillermo del Toros populären PANS LABYRINTH in die europäische Filmgeschichte einschrieb und danach nur noch eine Dokumentation und ein paar Kurzfilme drehte. Erice wartete 10 Jahre, bis seine Heldin, das Mädchen Estrella, älter geworden war. Zwischen dem ersten Teil über Estrellas Kindheit und dem zweiten über ihre Jugend, blickt die Kamera auf eine lange Allee. Zuerst verschwindet ein Auto die Allee herunter, in dem Estrellas Vater sitzt. Estrella blickt ihm nach. Die Leinwand wird schwarz. Dann kommt ein Fahrrad die Alle herauf. Der Moment, in dem klar wird, dass es Estrella ist, das gleiche Mädchen, wirkliche zehn Jahre später, ist weniger ein Erschrecken über die Authentizität der Erzählung, als über die Wirklichkeit der Zeit. Das ist ein Effekt, der sich in Linklaters BOYHOOD ständig wiederholt. Linklater setzt zwischen den einzelnen Episoden, die jeweils ein Jahr auseinander liegen, keine Schwarzblenden. Der Film fließt dahin wie eine konventionelle Filmerzählung, und trotz seines eigentlich gemächlichen Erzähltempos verdichtet er ein Leben so, dass einem schwindelig wird. Von einer zur nächsten Szene wird Mason älter und erwachsener, vom ganz kleinen Jungen zu einem Jungen mit sehr eigenen Gedanken, und der Fähigkeit, sie zu artikulieren, von einem verschüchterten pubertären Jungen, der sich von Älteren zu dummem Zeug anstiften lässt, zu einem selbstbewussten, introvertierten Jungen, der in der ersten Liebe seine Seelenverwandte gefunden zu haben glaubt, und schließlich zu einem jungen Mann, der sich allein in einen neuen Lebensabschnitt aufmacht.

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Die Übergänge zwischen manchen Jahren sind kaum spürbar, manchmal sind sie ebenso erschreckend wie in Erices EL SUR. BOYHOOD konzentriert sich auf Schüsselszenen aus Masons Leben, die aber auf den ersten Blick wie zufällig aus dem Alltag gegriffen erscheinen. Seine ältere Schwester (Lorelei Linklater) terrorisiert den sechsjährigen Mason, ohne dass Mason weiß, wie er sich wehren kann. Er bekommt heftige Streits zwischen seinen Eltern mit, seine Verunsicherung, nachts allein im Bett liegend, wirkt aber zugleich, als entstehe eben in diesen Momenten der Angst und Machtlosigkeit eine eigene Persönlichkeit. Die Eltern trennen sich, vor allem weil seine Mutter Olivia (Patricia Arquette) genug davon hat, die Familie mit ihren Jobs über Wasser zu halten, während Mason sr. (Ethan Hawke) seinen Traum von der Karrriere als Rockmusiker verfolgt. BOYHOOD erzählt auch die Geschichte der Eltern, die idiotischen Beziehungen, in die Olivia sich immer wieder verstrickt, bevor sie zu einer selbstbewussten Uni-Dozentin wird, und die Desillusionierung von Mason sr., der schließlich als Versicherungsmakler arbeitet und seinen Sportwagen gegen eine Familienkutsche tauscht. Die intensivste Episode ist die von Olivias zweiter Ehe mit einem Universitätsprofessor,


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der zunächst wie der Retter wirkt, der Olivia und ihren Kinder endlich das bürgerliche Leben bietet, von dem sie träumt. Bei ihrer ersten Begegnung strahlt Mason den Stiefvater in spe noch an. Kurz darauf entpuppt der sich erst als autoritärer Haustyrann, dann als heimlicher Trinker, dann als aggressiver Alkoholiker, der offen beim Familienessen säuft und herumbrüllt, dann liegt Masons Mutter plötzlich in der Garage. Auch in diesen Szenen ist Masons Hilflosigkeit erschreckend, aber er fürchtet sich nicht mehr ausschließlich, er beginnt auch zu begreifen, dass er Dinge erkennt, die andere nicht erkennen.

Linklater ist ein freundlicher Regisseur, der mit allen seinen Figuren, mit Ausnahme der gewalttätigen, große Sympathie hat. Masons Vater erscheint für den Jungen und seine Schwester lange als Fluchtpunkt. Sein Slacker-Lebensstil bietet Entspannung und Halt, während das bürgerliche Elternhaus, das ihre Mutter für sie bauen wollte, zur Kleinfamilienhölle wird. Natürlich wird auch Mason sr. seinen Sohn irgendwann enttäuschen, aber zu einem Zeitpunkt, an dem Mason schon weiß, dass niemand so perfekt ist, wie es den Anschein hat. BOYHOOD ist ein perfektes Gegenstück zu Linklaters BEFORE SUNRISE/ SUNSET/MIDNIGHT-Trilogie, die neben der Frage nach den Momenten, in denen Liebe und Zwietracht entstehen, auch das Älterwerden einer Generation zum Thema hatte. Nur geht es bei BOYHOOD mehr um Momente der Erkenntnis und Momente des Glücks. BOYHOOD ist auch ein Film über die Erinnerung an solche Momente. Trotz aller technischen Gadgets von Playstations bis zu Iphones, mit denen Linklater die Zeit seines Films historisch verortet, geht es aber weniger um Masons Generation als um Linklaters Erinnerung an das Erwachsenwerden seiner eigenen Generation, der Generation der heute um die 50-jährigen. D Tom Dorow

Start am 05.06.2014 ¢ Bundesplatz Kino (DF + OmU) ¢ Eva-Lichtspiele (DF + OmU) ab 26.6. ¢ Hackesche Höfe Kino (OmU) ¢ Sputnik Kino am Südstern (OV) ab 26.6.

Richard Linklater shot a few scenes a year with Mason (Ellar Coltrane) from when he was six years old to when he was 18. A portrait of a whole BOYHOOD.

JUNI 2014 D

15 D


OKTOBER NOVEMBER Meister der Paarbeziehung

Der österreichische Regisseur Götz Spielmann (* 1961) ist ein Meister im Inszenieren von Paarbeziehungen. Alles was Spielmann braucht, um einen Film zu machen, sind zwei Personen in einem Raum. Aus dieser Konstellation kann sich alles entwickeln: Liebe, Leidenschaft, Hass, Eifersucht, Neid, Gleichgültigkeit und manchmal auch eine Mischung aus alledem. Oft finden die Gefühle unausgesprochen statt, zeichnen sich nur in den Gesichtern ab, äußern sich in einer Geste, einem herausgerutschten Satz oder im Ausbleiben einer Antwort. In einer Szene in Spielmanns

„Ich glaube an die subversive Kraft der Emotionen, weil sie nicht so leicht zivilisierbar sind wie das Denken. Man sieht das ja an bestimmten Schicksalen, wie da plötzlich bei irgendjemand eine Emotion aufbrechen kann, und der zerstört sich oder jemand anderen. Ich meine, das im emotionalen Leben tatsächlich eine viel, viel größere Lebendigkeit – wenn auch im Verborgenen – herrscht als im nicht-emotionalen Bereich. Gedanken sind einander viel ähnlicher als Emotionen.“ D Götz Spielmann

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D JUNI 2014

neuem Film OKTOBER NOVEMBER hilft die Schauspielerin Sonja (Nora von Waldstätten) ihrer Schwester Verena (Ursula Strauss), die auf dem Dorf wohnen geblieben ist, im elterlichen Gasthof. Sonja ist eigentlich nur auf einen kurzen Besuch vorbei gekommen, aber dann liegt der Vater im Sterben und sie bleibt länger. Während sie die Tische abräumt, plaudert sie fröhlich davon, wie gut, so zur Abwechslung, körperliche Arbeit tut. Verena räumt schweigend in der Küche herum. Ihr Gesicht spricht Bände. Sonja, die fröhlich-rücksichtslose Städterin, Verena, die aufopfernde Daheimgebliebene, das sind die Rollen die beide einander und der ganzen Welt ausdauernd vorspielen. Dahinter liegt ein Dickicht widersprüchlicher und unausgesprochener Gefühle, die Götz Spielmann in OKTOBER NOVEMBER ausführlich seziert und Stück für Stück freilegt, bis seine Personen einander und sich selbst ihr Unglück endlich eingestehen. Die äußere Fassade sah vielleicht besser aus, aber die Kapitulation, das Ablegen der Maske, sei es auch nur für einen Moment, birgt auch die Chance auf Nähe. In einer Szene spricht der milde gewordene Vater im Krankenzimmer versöhnlich vom Leben und davon, dass alles, letzten Endes, doch gut sei. Tochter Sonja sitzt kreuzunglücklich daneben. Sie steckt mitten in ihrem vergurkten Leben und für sie ist, im Moment jedenfalls, nichts gut. Die Szene ist tröstlich in ihrer Ehrlichkeit. Es ist eine seltsame, möglicherweise sehr österreichische Idee eines Happy Ends. Spielmanns frühere Filme sind ebenso genau beobachtet, aber weniger versöhnlich. DER NACHBAR (1993) spielt im Wien der Nachkriegszeit. Dort lebt der alte Rudolf Pawlik, der einen Roman-Tauschladen unterhält und abends der alten Frau Smekal Abendessen vorbei bringt. Als sie


Oktober November Antares Der Nachbar Revanche

verstirbt, ziehen ihr schmieriger Sohn Herbert und seine tschechische Geliebte Michaela in die Wohnung ein. Pawlik beginnt, Michaela zu beobachten. Er entdeckt den Stripclub, in dem sie arbeitet und hinterlässt täglich Rosen. Für ihre achtjährige Tochter Agnes wird er zum liebevollen Babysitter. Spielmann entwirft in DER NACHBAR eine schillernde Halbwelt voller moralischer Bequemlichkeitslügen. Am verlogensten ist dabei perfiderweise der ehrenwerte Pawlik, der, in seinem Wahn, Michaela durch Heirat zu einer „ehrlichen“ Frau zu machen, zum Stalker wird. „So eine bist du nicht!“ sagt er zu ihr, als er sie im Bordell besucht. „Doch“ sagt sie, „so eine bin ich“. In ANTARES (2004) inszeniert Spielmann gleich einen ganzen Reigen solcher dysfunktionalen Paar- und Abhängigkeitsbeziehungen, die lose durch einen Autounfall miteinander verbunden sind. Da ist das ganz junge Pärchen, Sonja und Marco, sie krankhaft eifersüchtig, er ein notorischer Fremdgänger, beide für den anderen die Trophäe, die man nicht aufgeben will und wenn nötig, mit Lügen an sich bindet. Die Beziehung zwischen Nicole und dem gewalttätigen Alex ist eigentlich schon beendet, aber Alex will das nicht wahrhaben. Immer wieder taucht er in Nicoles Wohnung auf und will reden: „Das Problem ist, dass du nicht zuhörst“, schreit er sie an, und „Ich liebe dich, verstehst du?“. Das Mittelschichtspärchen Eva und Alfred kommt ohne offene Gewalt aus, hier herrschen eisige Kälte, Desinteresse und seelentote klassische Musik. Immerhin, eine tröstliche Beziehung kommt vor: Eva hat eine leidenschaftliche Affäre mit Tomasz. Ihre perversen Spiele sind weit weniger pervers als der „normale“ Alltag um sie herum.

INDIEFEATURE

Mit REVANCHE, der 2009 für den Auslandsoscar nominiert wurde, hat Spielmann seinen bisher dichtesten Film gedreht. Johannes Krisch spielt Alex, Aushilfsjobber in einem Bordell, der sich in Tamara (Irena Potapenko) verliebt und Pläne für einen großen Coup schmiedet, bei dem Tamara dann durch eine Verkettung von Zufällen ums Leben kommt. Andreas Lust spielt den jungen Polizisten Robert, der Tamara aus Versehen erschossen hat und Ursula Strauss seine Frau Susanne, die gerne schwanger werden möchte. REVANCHE ist ein schweigsamer Film, der über lange Strecken darin besteht, dass Krisch wie ein Besessener Holz hackt. In anderen Szenen joggt Robert durch den Wald und Susanne schaut aus dem leeren Neubau über die Felder. REVANCHE lässt einem Zeit, sich in die Protagonisten hineinzudenken und in die Fragen von Schuld, Rache und Vergebung, die sie umtreiben. Man kommt ihnen dabei so nah wie nie zuvor in Spielmanns Filmen. REVANCHE stellt insofern fast einen Perspektivwechsel in Spielmanns Werk dar. Die Lebenslügen sind näher gerückt, es sind nicht mehr nur die der anderen, sondern, möglicherweise, die eigenen. In OKTOBER NOVEMBER geht Spielmann diesen Weg weiter. Statt im Rotlicht- und Kleinbürgermilieu spielt der Film in der ländlichen Mittelschicht und unter Schauspielern in der Stadt. Die Probleme, mit denen die Protagonisten zu kämpfen haben, sind alltäglicher geworden: Depression anstelle von Hass, Neid anstelle von Gier, kleine Auslassungen anstelle von großen Lügen, hier und da mal eine heimliche Affäre. Die Bildgestaltung, bei Spielmann immer schon eher unterkühlt-realistisch, ist betont einfach. Natürliches Licht, sparsamer Einsatz von Musik, ungeschminkte Darsteller, eine unaufdringliche Kameraführung. Der Plot, bei ANTARES noch raffiniert verwoben und bei REVANCHE mit der Dichte eines Thrillers angelegt, löst sich nahezu auf zugunsten einer Reihe von einzelnen Begegnungen und Gesprächen, die erst zusammen zu einem Gesamtbild akkumulieren. Das macht OKTOBER NOVEMBER nicht zum zugänglichsten von Spielmanns Filmen, aber zum mutigsten. D Hendrike Bake Österreich 2013 D 114 min D R: Götz Spielmann D B: Götz Spielmann D K: Martin Gschlacht D S: Karina Ressler D D: Peter Simonischek, Ursula Strauss, Sebastian Koch, Nora von Waldstätten, Johannes Zeiler, Andreas Ressl D V: MFA+ Filmdistribution

Start am 12.06.2014 ¢ fsk-Kino am Oranienplatz ¢ Hackesche Höfe Kino

Sonja (Nora von Waldstätten), a young actress, visits her sister Verena (Ursula Strauss) who has remained in their hometown with her family. When their father becomes ill some cherished pretenses unravel.


INDIEKRITIKEN Deutschland/Finnland/Bulgarien 2014 D 84 min D R: Tonislav Hristov D K: Peter Flinckenberg D S: Nikolai Hartmann D M: Petar Dundakov D V: Filmtank

LOVE & ENGINEERING Algorithmus für die Liebe

Atanas Boev hat es geschafft: Obwohl er weder das Äußere eines George Clooney oder Brad Pitt zu bieten hat, und zudem auch noch stottert, hat der 3D-Programmierer aus Bulgarien nicht nur eine Ehefrau gefunden, sondern mit ihr sogar eine ganze Familie gegründet! Diese Errungenschaft qualifiziert ihn dazu, eine Gruppe von weniger erfolgreichen Kollegen anzuleiten, damit diese auch endlich eine Partnerin finden. Denn die Männer um die dreißig mögen auf beruflicher Ebene intelligent und beschlagen sein, sobald es aber zur Kommunikation oder gar Interaktion mit dem weiblichen Geschlecht kommen müsste, versagen sie auf ganzer Linie. So kann beispielsweise Markus nicht aufhören, sein gänzlich uninteressiertes Date von den Vorzügen des Action-Rollenspiels Mass Effect 3 überzeugen zu wollen: Sogar ein Import des Charakters aus dem Vorgängerspiel Mass Effect 2 ist möglich! Wenig überraschend, dass die für ihn arrangierte Verabredung keine Fortsetzung findet. Boev wird zum Mentor der Nerds und Geeks, und begibt sich mit seinen Versuchskaninchen auf die Suche nach einer Art „Algorithmus für die Liebe“. In Computer- und Programmiersprache gibt er ihnen aufschlussreiche Einsichten in die weibliche Psyche und zeigt ihnen Wege auf, wie sie dieses Programm „hacken“ können. Regisseur Tonislav Hristov begleitet in seiner Dokumentation LOVE & ENGINEERING die liebenswerten Männer bei ihrer (zumindest für die Zuschauer) amüsanten Odyssee auf der Suchen nach einer Partnerin, und hat damit so etwas wie ein finnisches Pendant zur Erfolgs-Comedy THE BIG BANG THEORY geschaffen. Dabei hat er glücklicherweise kein Interesse daran, die Defizite seiner Protagonisten auszustellen. Stattdessen bringt er uns ihre Ängste und Träume nahe. D Jens Mayer

Start am 5.6.2014 ¢ Filmrauschpalast

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OMU

D JUNI 2014

In his documentary director Tonislav Hristov follows a group of likeable nerds and geeks on their amusing quest (at least for the audience) for love and romance.

Polen 2013 D 126 min D R: Marcin Malaszczak D K: Marcin Malaszczak D S: Stefan Stabenow, Maja Tennstedt D D: Stefan Szyszka D V: Mengamuk Films

SIENIAWKA Derealisierungseffekte

Es gibt Formen des Kinos, bei denen Versuche einer Grenzziehung zwischen dokumentarischer Abbildrealität und fiktionaler Inszenierung zum Scheitern verurteilt sind. SIENIAWKA von Marcin Malaszczak ist einer dieser Fälle und eines der erstaunlichsten Kinodebuts der letzten Jahre. Was er zeigt, findet der Film in einer psychiatrischen Anstalt der polnischen Ortschaft Sieniawka und die Männer, die in ihr leben, stellen sein Personal. Malaszczak ist allerdings weniger an einem klassischen Institutionenportrait gelegen, als daran, Aggregatszustände eines Bewusstseins filmisch zu bannen. Ein Prolog erzählt von einem Mann, Stefan, der sich in Zwangsjacke in der Umgebung Sieniawkas wiederfindet, durch Wälder und die Mondlandschaft eines Braunkohletagbaus streift und einem Fremden begegnet. In dem Maße in dem die Erzählung in die Institution führt, zeitigt sie einen Derealisierungseffekt auf den Film selbst. Damit auch als mentales Bild lesbar, erscheint der gebremste und eine erstaunliche Ruhe ausstrahlende Alltag der Institution, der den Hauptteil des Films ausmacht, als Raumzeit einer verschobenen Ordnung (Montage: Stefan Stabenow und Maja Tennstedt). Die Anstalt wird zum Resonanzkörper, in dem neben dem Komplex der Institutionalisierung die postkommunistische Situation, aber auch die Geschichte des Kinos mitschwingen. Am Ende wird sich Stefan wieder im Außen der Anstalt bewegen, durch eine verwüstete Landschaft. Es sind Bilder der Verheerungen des Hochwassers von 2010, aber es ist auch das Bild einer Welt die auseinander fällt. „Even though you’re far away from me/you’re in my dreams/and I it’s hard to erase you/from my memories“ tönt John Maus’ Bass über einer Szene in der Mitte des Films und hallt noch lange nach, wenn man vom Schwarz des Abspanns wieder mit seinen eigenen Bildern allein gelassen wird. D Sebastian Markt

Start am 5.6.2014 ¢ fsk-Kino am Oranienplatz

OMU

Most of this film is shot in a psychiatric hospital in the Polish town of SIENIAWKA. Director Marcin Malaszczak is less interested in a classic portrayal of an institution as he is in a filmic exploration of different states of consciousness.


INDIEKRITIKEN

Originaltitel: Pł ynące wieżowce D PL 2013 D 93 min D R: Tomasz Wasilewski D B: Tomasz Wasilewski D K: Jakub Kijowski D M: Baasch D D: Mateusz Banasiuk, Bartosz Gelner, Marta Nieradkiewicz, Katarzyna Herman, Iza Kuna, Miroslaw Zbrojewicz, Olga Frycz D V: Salzgeber

TIEFE WASSER Schwimmende Wokenkratzer

Michał (Bartosz Gelner), ausgesprochen Micha-u-l mit einem kratzigen „ch“ – wie wenn Schweizer hochdeutsch sprechen oder Spanier „hello“ sagen – so heißt das Objekt der Begierde im zweiten Spielfilm des 34-jährigen polnischen Regisseurs Tomasz Wasilewski. Der Schönling gleicht Hurd Hatfield in DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY (R: Albert Lewin, USA 1945) und seine Anziehungskraft schöpft aus der gleichen Trickkiste: Kantiges Gesicht mit hohen Wangenknochen, dunkle Augen, perfekter Seitenscheitel, ein wenig wie der idealisierte Westler in einem japanischen Manga. Seine blonde und blauäugige Kontrahentin namens Sylwia (Marta Nieradkiewicz) könnte ihrerseits Kalender-Girl sein und wird wie eine Trophäe von Leistungsschwimmer Jakub (Mateusz Banasiuk) liebkost, der mit ihr und seiner Mutter in einer kleinen modernen Warschauer Wohnung wohnt. Doch Sylwias „Kuba“ verfällt entgegen allen Regeln und Zukunftsplänen dem Charme des hübschen Jünglings. Bei einer Vernissage sieht sie von Anfang an misstrauisch dabei zu, wie er sich Michał knabenhaft scherzend annähert. Später versucht sie ihn von einem überstürzten Wiedersehen abzuhalten, verbringt sogar ein bloßstellendes Camping-Wochenende mit beiden und will es doch nicht wahrhaben: Sie glaubt weiterhin standhaft an die Übermacht des heterosexuellen Models. Als alles auffliegt, das mütterliche „du kannst mir das nicht antun“ gefallen ist und Sylwia mit einer angeblichen Schwangerschaft ihren letzten Trumpf ausspielt, macht Jakub, was er am besten kann. Er taucht unter. In der Anfangsszene klingt die Tonkulisse der Unterwasseraufnahmen von Schwimmern herrlich dumpf und Bass-lastig. Eine ähnliche Atmosphäre versprühen auch die mit elektronischer Musik unterlegten nächtlichen Streifzüge der beiden Männer durch Warschau: In Slow Motion (sie sind

Start am 26.6.2014 ¢ Eiszeit Kino ¢ Filmrauschpalast OMU ¢ fsk-Kino am Oranienplatz ¢ Tilsiter Lichtspiele OMU ¢ Xenon Kino OMU OMU

OMU

Jakub is a professional swimmer and together with his girlfriend Sylwia they live with his mother. But he is in love with Michał, with his high cheekbones and dark eyes, who is openly gay.

von Marihuana benebelt) fahren sie wie im Kreis Etage für Etage in einem Parkhaus ab. Etwa in der Mitte des Films bleibt Jakub während eines Wettkampfs auf halber Strecke stehen. Der Ton wird zum Spiegel seines inneren Wandels. Man hört die Zuschauer am Rande des Beckens ihren Favoriten anfeuern. Die Geräusche der Außenwelt verstummen allmählich und als wäre die Verbindung zwischen ihm und der Gesellschaft, in der er sich bisher bewegte, gekappt worden, vernimmt man plötzlich nur noch sein lautes Ein- und Ausatmen. In Wasilewskis Film wird schwule Liebe als Tabubruch und überwältigende Triebbefriedigung konzipiert, deren Weiterführung für Jakub nicht vorstellbar ist. Er lässt sich rein instinktiv auf Michał ein, der seine Sexualität bereits angenommen hat und ansatzweise in seinem Umfeld auslebt. Sylwia verkörpert ihrerseits die katholisch-patriarchale Repression, die in Polen vorherrscht. Wasilewski weist seinen Figuren somit klare Schranken zu und kreiert ein Narrativ der „unmöglichen Liebe“, dessen Spannung wir aus Literaturklassikern wie „Romeo und Julia“ oder „Kabale und Liebe“ kennen. Mit der dramaturgischen Verquickung von Sylwias stummen Leid, Jakubs introvertierter Verzweiflung und Michałs offenerem Identitätskampf wird der Zuschauer zusätzlich einem enormen psychologischen Druck ausgesetzt. Die Edition Salzgeber, ein Filmverleih, der sich auf Queer Cinema spezialisiert hat und einen wichtigen Beitrag zur Emanzipation von Schwulen und Lesben in Deutschland leistet, bringt den polnischen Skandalfilm in unsere Kinos und verzichtet dabei leider auf den poetischen Originaltitel PŁYNĄCE WIEŻOWCE, wörtlich übersetzt: Schwimmende Wolkenkratzer. Der Film heißt nun TIEFE WASSER und erinnert daran, dass es noch viele tiefe und vor allem gefährliche Wasser für Schwule und LGBTs auf diesem Planeten gibt. Foucault selbst würde sich in seinem Grab umdrehen, sähe er, wie verbreitet der heteronormative Diskurs noch ist und wie oft die homosexuelle Praxis pervertiert wird. Nach dem Sex mit seiner neuen Flamme kehrt Jakub zu Sylwia nach Hause zurück und verspricht: Ich liebe dich. Darin liegt die Perversion. Deshalb gehören nicht die schwulen Liebenden auf das Filmposter, sondern die verlogenen. D Raphaël Rück JUNI 2014 D

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INDIEKRITIKEN USA 2013 D 83 min D R: John Maloof, Charlie Siskel D K: John Maloof D S: Aaron Wickenden D M: J. Ralph D V: NFP marketing & distribution

FINDING VIVIAN MAIER Die geheime Fotografin

Auf einer Nachlassauktion ersteigert der Sammler und Regisseur John Maloof 2005 eine Kiste mit alten Fotos. Die Bilder zeigen Straßenszenen und sind von beeindruckender Qualität. Die klare Cadrage, die pointierten Szenen und der professionelle Umgang mit Licht erinnern an die Arbeiten von Henri Cartier-Bresson, Robert Frank und Diane Arbus. Aber eine Fotografin namens Vivian Maier ist in der Kunstwelt gänzlich unbekannt. Maloof lässt nicht locker und beginnt zu recherchieren, bis er die Umrisse eines erstaunlichen Lebens zusammen hat. 1951, im Alter von 25 Jahren, zieht Vivian Maier von Frankreich nach New York. Über 40 Jahre lang arbeitet sie dort und in Chicago als Kindermädchen, in einem Job also, der es ihr erlaubt, unbehelligt in der Stadt unterwegs zu sein und Fotos zu machen. Die ihr anvertrauten Kinder schleppt sie dabei einfach mit. Ehemalige Pflegekinder erzählen von Streifzügen durch die Stadt, Besuchen im Schlachthof oder von dem Tag, als der Bruder einen Unfall hat und Maier, statt einzugreifen, daneben steht und Fotos macht. Während die einen an ihrer abenteuerlustigen Nanny hängen, berichten spätere Schützlinge Maiers von Wutanfällen und Formen von Misshandlung. Aus den Berichten entsteht das Bild einer Frau, die ihre Begabung ebenso wie ihre Privatsphäre mit Vehemenz vor den Blicken anderer hütete und die mit dem Alter zunehmend einsamer und exzentrischer wurde. Mit Hilfe von Freunden, Nachbarn, ehemaligen Arbeitgebern und dem umfangreichen Nachlass Maiers ziehen Maloof und sein Ko-Regisseur Charlie Siskel dieses Leben nun ans Licht. Man folgt ihnen mit einem leicht schlechten Gewissen – Maier selbst hätte diese Öffentlichkeit sicher nicht geschätzt – und immenser Faszination. Fast ebenso faszinierend ist dabei die Selbstinszenierung Maloofs und der Blick auf die Mechanismen der Kunstwelt, den FINDING VIVIAN MAIER bietet. D Hendrike Bake

Start am 26.6.2014 ¢ fsk-Kino am Oranienplatz ¢ Hackesche Höfe Kino OMU

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D 20

D JUNI 2014

At an auction in 2005 the collector and director John Maloof bought a box of negatives. After he developed the photos he discovered one of the best photographers of the 20th century. He goes looking for the back story of the unknown photographer Vivian Maier.

Österreich 2012 D 82 min D R: Aleksey Igudesman D B: Aleksey Igudesman, Sebastian Leitner D K: Sebastian Leitner D S: Sebastian Leitner D M: Gya Kancheli, Aleksey Igudesman, Richard Dubugnon D V: missingFILMS

NOSELAND Alberne Virtuosen

Klassische Musik wird in Deutschland gerne in die Kategorie „E“-Kunst eingeordnet, die sich anscheinend mit aller Macht von der sogenannten „U“-Kunst abgrenzen muss. Das „E“ steht für ernst, und wird entsprechend zelebriert. Dass das „U“ für Unterhaltung steht, wirft also ein wenig vielversprechendes Licht auf einen Film, der sich mit klassischer Musik beschäftigt, denn demzufolge könnte NOSELAND nur langweilig sein. Aleksey Igudesman straft diese Vorurteile und Abgrenzungen mit seiner Dokumentation über den Geigenvirtuosen Julian Rachlin, Veranstalter eines jährlichen Klassik-Musikfestivals in Dubrovnik/Kroatien der Lüge. Er präsentiert ein kleines anarchistisches Werk, das sich zwar mit den Protagonisten der klassischen Szene auseinandersetzt, dessen Agenda aber eher an die des Komikers Sacha Baron Cohen erinnert. In spontanen Interviews und Portraits, mit satirisch-überspitzen Gesprächen und dadaistisch anmutenden Einwürfen führt er in eine Welt ein, die wider erwarten großen Spaß daran hat, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Dass es sich Klassikfans wie die Schauspieler John Malkovich und Roger Moore nicht nehmen lassen mitzumachen, hat auch damit zu tun, dass Igudesman in erster Linie ein weltbekannter Violinist und Dirigent ist. Hier allerdings lässt er keine Gelegenheit aus, sich über seinen Berufsstand lustig zu machen. Besonders gerne persifliert der Regisseur und Musiker die äußere Wahrnehmung und den salbungsvollen Umgang mit der klassischen Musik. Dabei schreckt er auch nicht vor Rap-Einlagen oder Theaterkritiken, die er für Malkovich vertont hat, zurück. Eine Sache nimmt der Film dann aber doch jederzeit ernst: die Musik. Und die wird in NOSELAND, trotz aller Albernheiten, ausgiebig zelebriert. D Jens Mayer

Start am 00.00.0000 ¢ Filmrauschpalast

OMU

Aleksey Igudesman’s documentary about the violin virtuoso Julian Rachlin, organiser of the annual classical musical festival in Dubrovnik/Croatia, is an irreverent film that affectionately pokes fun at its protagonists and the world of classical music.


15 TEAMS AUS AFRIKA UND EUROPA Originaltitel: Les garçons et Guillaume, à table! D Frankreich 2013 D 87 min D R: Guillaume Gallienne D B: Guillaume Gallienne D K: Glynn Speeckaert D S: Valérie Deseine D M: Marie-Jeanne Serero D D: Françoise Fabian, Diane Kruger, André Marcon, Guillaume Gallienne, Charlie Anson, Nanou Garcia, Carole Brenner D V: Concorde Filmverleih

MAMAN UND ICH Geschlechterrollen ad absurdum

Eine komödiantische One-Man-Show von der Bühne auf die Leinwand zu hieven, ist kein leichtes Unterfangen. Dem französischen Komiker Guillaume Gallienne ist das in seinem Regiedebüt MAMAN UND ICH ausgezeichnet gelungen. Für die filmische Version seiner in Frankreich erfolgreichen Solo-Bühnenshow »Les garçons et Guillaume, à table!« übernahm Gallienne auch die Drehbuchadaption und Co-Produktion. Erzählt wird die Geschichte des jungen Guillaume, der so gar nicht wie seine Brüder oder andere Jungs ist. Guillaume ist fest davon überzeugt, ein Mädchen zu sein. Auch seine neurotische Mutter hat ihm immer eine Sonderstellung eingeräumt. Zum einen, weil sie sich nach zwei Söhnen eine Tochter wünschte und zum anderen, weil sie, wie auch der Rest der durch und durch konservativen Familie, glaubte, Guillaume sei schwul. Der Junge bemüht sich redlich, seiner Mutter die verlorene Tochter zu ermöglichen, kopiert ihre Verhaltensweisen und schwärmt für einen Jungen. Das stößt nicht nur auf Missfallen beim Vater, der sich Guillaume als richtigen Jungen wünscht. Auch die Mutter ist zu keiner Zeit zufrieden zu stellen. In seinem mit autobiografischen Zügen und surrealen Einsprengseln versehenen Regiedebüt treibt Gallienne, der nicht nur Guillaume in sämtlichen Altersstufen, sondern auch die Mutter verkörpert, ein munteres Spiel mit Identität, Entfremdung und sexueller Selbstfindung. Immer wieder führt er tradierte Geschlechterrollen ad absurdum und verteilt mal offensichtlich, mal ganz subtil und mit ernsten Untertönen belegte Seitenhiebe auf eine Gesellschaft, die sich mit Toleranz schmückt und doch vor dem Anderssein in Deckung geht. Das große Vergnügen, dass MAMAN UND ICH bereitet, sind die Leichtigkeit und der Witz, mit dem die Geschichte erzählt wird, ohne das ernste Sujet in Lächerlichkeit zu ertränken. Am Ende findet Guillaume zu sich selbst, allerdings anders als erwartet. D Eileen Reukauf

Start am 5.6.2014 ¢ Bundesplatz Kino ¢ Hackesche Höfe Kino

DF OMU OMU

Guillaume is convinced he wants to be a girl. His neurotic mother and the rest of his conservative family are convinced he is gay ... A comedy about identity, alienation, and sexual discovery.

★ ★ ★

1300 KILOMETER QUER DURCH BURKINA FASO ★ ★ ★

BEI 40 GRAD IM SCHATTEN

AB AI M 29. M I O K IN EIN DOKUMENTARFILM VON WILM HUYGEN

www.tourdufaso-film.com / tourdufasofilm

MÖDIE VON EIN E BARRIEREFREIE KO OLI VER PAU LUS STE FAN HIL LEB RAN D UND

AB 5. JUNI 2014 IM TILSITER, BERLIN.


INDIEKRITIKEN Originaltitel: La mosca en la ceniza D Argentinien 2009 D 98 min D R: Gabriela David D B: Gabriela David D K: Miguel Abal D M: Mariano Nuñez West D D: Luis Machín, Luciano Cáceres, Cecilia Rossetto, Paloma Contreras-Manzo, María Laura Caccamo D V: EZEF

DIE FLIEGE IN DER ASCHE Flucht aus der Zwangsprostitution

Zwei argentinische Mädchen, die 19-jährige Patricia, genannt Pato und die 5 Jahre ältere, aber etwas zurückgebliebene Nancy werden von einer Schlepperin unter den üblichen Versprechungen in die Hände einer Zuhälterbande in Buenos Aires gelockt. Pato will eigentlich Abitur machen und studieren, und hofft, das in Buenos Aires nachholen zu können, Nancy will mit ihrer Freundin zusammen bleiben. Sie werden in einem Bordell eingesperrt, wo sie „ihre Schulden“ abarbeiten sollen. Pato weigert sich, wird verprügelt, im Badezimmer eingesperrt und mit dem Tod bedroht. Nancy scheint kaum richtig zu verstehen, was passiert. Sie setzt schnell wieder ihr strahlendes Lächeln auf und bedient die Freier. Nur um Pato macht sie sich immer Sorgen. Gelegentlich wechselt die Kamera auf die Straße vor das von außen unscheinbare Haus, in dem die Mädchen gefangen sind. Hier geht alles seinen Gang. Der Blumenhändler bindet stoisch seine Sträuße, obwohl er Patos Hilferufe gehört zu haben scheint. Als auch Patos letzter Fluchtversuch scheitert, kann nur ein Wunder den Freundinnen helfen. Letzten Endes ist es wider Erwarten Nancy, die einen Ausweg findet. Ihre Freundschaft, ihr einfältiger Optimismus und ihr naiver, magischer Glaube leisten das, was Patos Widerstand nicht erreichen konnte. Nancy geht in gewisser Weise unberührt durch die Bordellhölle. Dabei sind Bilder, in denen sie lachend scheußlichen Männern auf dem Schoß sitzt, ebenso erschreckend wie die Geschichte, die sie Pato später erzählt: „Er ist so sanft, Früher kam zu uns ein Onkel, den ich gern mochte. Der war auch so sanft.“ Hinter der Geschichte über Zwangsprostitution, die sowieso niemand gutheißt, schimmert da ein Schicksal anhaltenden Missbrauchs und permanenter Unterdrückung auf. Die Verhältnisse sind nicht so, dass ein Wunder helfen könnte. D Tom Dorow

Start am 5.6.2014 ¢ Eiszeit Kino

D 22

OMU

D JUNI 2014

Two rural Argentinian girls, the 19-yearold Patricia, also called Pato, and the older yet somewhat slower Nancy, are offered jobs in the city. Soon it becomes clear that they have been trafficked and are made to work in a brothel in Buenos Aires.

Originaltitel: Quantifizierern über die Schulter geschaut D Deutschland 2013 D 85 min D R: Jürgen Brügger, Jörg Haaßengier D B: Jürgen Brügger, Jörg Haaßengier D K: Sven O. Hill D S: Brett Orloff D M: Pit Przygodda D V: Movienet Film

VOM ORDNEN DER DINGE Quantifizierern über die Schulter geschaut

Die Regisseure Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier beobachten Menschen dabei, wie und was sie systematisieren: Quantifizierung des Alltags, Körpermaße, Sinus-Milieus, DNS, biologische Systematik, kartografische Einheiten, geologische Erkundungen, Schwingungen. So sehen die Filmemacher einem pensionierten Postbeamten dabei zu, wie er auf einem Parkplatz steht und die Autos danach zählt, in welche Richtung sie eingeparkt sind oder sie beobachten einen Wissenschaftler beim Buddeln im Waldboden auf der Suche nach unbekannten Bakterien. Die Verbindungen zwischen diesen Welten muss der Zuschauer selbst herstellen. Brügger und Haaßengier geben keine Auskunft über das Gesehene, sie kommentieren auch nicht, sondern lassen die „Ordner“ selbst erklären, was sie da gerade machen. Der Sinn und Zweck wird nicht immer eindeutig klar. So kann der Rentner einfach nicht anders – er muss zählen. Die Forscher dagegen suchen bei den Bakterien nach unbekannter DNS, die für Antibiotika eingesetzt werden könnte. Einzig die Vermesser sind sich der Verzwicktheit ihres Ordnungsversuchs bewusst: Innerhalb weniger Monate, kann sich die Erde schon wieder so verändert haben, dass selbst für einen festen Punkt, bei dem begonnen und geendet wird, am Ende ein anderer Wert herauskommen kann. Aber sie machen weiter, ebenso wie auch die Natur weitermacht: Vogelschwärme, Baumreihen ... Nicht nur der Mensch ordnet, aber er hat dafür ganz besonders ausgetüftelte Verfahren entwickelt – zu sehen in diesem kaleidoskopischen Dokumentarfilm. D Franziska Gleiniger

Start am 29.5.2014 ¢ Bali Kino

The documentary VOM ORDNEN DER DINGE observes how and what people systematize: how daily life is quantified, body measurements, DNS, biological systems, cartographical units, geological explorations, or wave motions.


INDIEKRITIKEN

VIOLETTE

Frankreich 2013 D 139 min D R: Martin Provost D B: Martin Provost D K: Yves Cape D S: Ludo Troch D M: Hugues Tabar-Nouval D D: Olivier Gourmet, Emmanuelle Devos, Sandrine Kiberlain, Catherine Hiegel, Hugo Malpeyre D V: Kool Filmdistribution

Weil du so hässlich bist Von der französischen Autorin Violette Leduc ist aktuell kein einziges Buch in deutscher Übersetzung im Handel erhältlich. In Frankreich sind zwar ihre Werke beim renommierten Verlag Gallimard in Druck, aber populär ist die „hässliche“ Autorin auch nicht gerade. „Ist eine Frau hässlich, kommt das einer Todsünde gleich. Ist man schön, dreht man sich nach dir um, weil du so schön bist. Ist man hässlich, dreht man sich nach dir um, weil du so hässlich bist.“ Mit diesem Zitat Leducs beginnt Martin Provosts Biopic über Violette Leduc, die bisexuelle, radikal sexuelle Autorin, die von Simone de Beauvoir protegiert wurde und hemmungslos in sie verliebt war. Provost war nach seinem Film SÉRAPHINE auf einen unveröffentlichten Artikel von Violette Leduc über die Malerin Séraphine de Senlis aufmerksam gemacht worden. Violette war, wie Séraphine, eine Außenseiterin. Provost interessiert sich für den Ort, von dem aus beide Kunst erschufen, für die Einsamkeit, Zerbrechlichkeit und den Schmerz seiner Figuren. Sandrine Kiberlain spielt Simone de Beauvoir als bürgerliche Aristokratin, mit einem freundlichen, kultivierten Selbstbewusstsein, das klare Grenzen setzt. Emmanuelle Devos als Violette Leduc ist das Gegenteil: bei ihr ist alles exzessiv. Ständig muss ein Körperteil in Bewegung sein. Jede Zurückweisung der „Bastardin“, wie sie einen ihrer autobiographischen Romane nannte, führt sofort zu Panik. Jeden Zuneigungsbeweis beantwortet sie sofort mit sexueller Leidenschaft, die keinen Unterschied zwischen Geschlecht oder geschlechtlicher Orientierung des oder der Anderen macht. Während de Beauvoir ihre stets perfekten Kostüme wie eine Uniform der intellektuellen Macht trägt, kleidet sich Leduc in

Start am 26.6.2014 ¢ Bundesplatz Kino ¢ Hackesche Höfe Kino

DF OMU OMU

A fantastically filmed biopic by Martin Provost (SERAPHINE) about Violette Leduc, a French novelist and sexual radical who was supported by and madly in love with Simone de Beauvoir.

zusammengeklaubtes Zeug, das den Eindruck des Glamours erwecken soll, aber immer an übermäßiger Buntheit, einer Rüsche, einer Feder zu viel scheitert. Leduc erfährt eine Zurückweisung nach der anderen. Wem sie auch ihre Liebe anträgt, immer wird sie zurückgewiesen. So erscheint Leduc wie ein realistisches Gegenbild zur symbolischen Joe in Lars von Triers NYMPH()MANIAC. Nur bekommt Leduc keinen Sex. Sie kanalisiert ihre Unsicherheit, Angst und Nervosität in Literatur, die offenbar ähnlich transgressiv ist wie Emmanuelle Devos’ Spiel. Es wäre schön, das mal nachzulesen. Vielleicht doch auf Französisch? Oder über ein Onlineantiquariat („Seiten gebräunt, leicht fleckig, einige Seitenränder geknickt, Schlagwörter: [Bastardin; Verhängnis; Liebe; Hass; Roman]“)? Eigentlich würde das ganz gut passen. VIOLETTE ist ein virtuoser Film, auch wegen des fantastischen Kameramanns Yves Cape, der beleuchtet, als wäre die Sehnsucht ins Licht eingeschrieben. Violette, Ex-Schwarzmarkthändlerin ohne institutionelle Bildung, die in einem Drecksloch wohnt, steht in der Tür zu Simone de Beauvoirs großzügiger, bürgerlicher Bohème-Wohnung. Sie liebt und fürchtet Simone. Ihr Blick geht durch einen dunklen Salon in einen Flur, in den durch ein Fenster ein Strahl grellen Sonnenlichts fällt. Dahinter liegt, im Dunkeln, das Arbeitszimmer von Madame de Beauvoir. Ihr Schreibtisch ist nur von einer Leselampe beleuchtet. Madame schreibt im Dunkeln. Das Licht ist wie ein Schnitt zwischen den Frauen, zwischen ihren Klassen und zwischen Violettes Liebe und deren Erfüllung. Wenn Simone de Beauvoir aus ihrem Arbeitszimmer auf Violette zukommt, wirkt sie wie die Erlöserin, die das göttliche Licht durchschreitet und sich hinab zu den gewöhnlichen Menschen begibt. Das ist exakt Violettes emotionale Perspektive. Alle Szenen sind so sorgfältig komponiert, eine Lichtdramaturgie des Begehrens, von der kalt-verregneten, schattenlos blauen, unglücklichen Liebe zu dem schwulen Schriftsteller und Gestapo-Spitzel Maurice Sachs über die Pariser Existentialisten-Bohème bis zum Farb- und Lichtrausch der Natur, als Violette allein eine Wanderung auf den Spuren Van Goghs unternimmt und ihr Haus in Faucon entdeckt. Das ist mit einer so leidenschaftlichen Perfektion gefilmt, wie es derzeit vermutlich nur Yves Cape (HOLY MOTORS, DIE NONNE) kann. D Tom Dorow JUNI 2014 D

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INDIEKINOS

FILMRAUSCHPALAST


INDIEKINOS INDIEPREMIEREN

FILMRAUSCHPALAST Anarchie im Wandel

Als Ende der 80er Jahre das Ballhaus Tiergarten an der Perlerberger Straße, eine beliebte Discothek in einer prächtigen Gründerzeit-Villa mit riesigem, parkähnlichem Gartenschloss, bildete sich eine Gruppe aus verschiedenen Moabiter Kulturinitiativen, die das stadteigene Gebäude wieder beleben wollte. Darunter war auch der Filmrausch Moabit e.V., eine Gruppe von sieben Leuten, die vorher mit einem 16mm-Projektor durch Moabiter Kneipen getingelt war. Die Kulturinitiative sollte gerade den Zuschlag für das vor dem Mauerfall wertlose Grundstück bekommen, als die Mauer fiel. Inzwischen beherbergt das für den Filmrauschpalast ursprünglich angepeilte Gebäude die usbekische Botschaft. Der Filmrausch e.V. zog 1991 in die um die Ecke gelegene ehemalige Fleischerei des preußischen Heeres, in der der Schutt einen halben Meter hoch lag. Innerhalb eines Monats wurde das Gebäude entrümpelt und die Kulturfabrik Lehrter Straße eröffnete, mit dem Filmrauschpalast im ersten Stock des Hinterhauses und dem Open-Air-Kino „Windlicht“ im zweiten Hinterhof.

angeblich „so schlecht ist, dass sie schon wieder gut ist“. Das Koloraturrülpsen, die Vorträge über Kunst- und Naturschlechtes und Ausdruckstänze zu improvisierter Zwölftonmusik taugten dann auch ebenso wenig etwas wie die Verspannungsmeditationen, die beim Schlechtival präsentiert wurden. 2011 musste das Schlechtival schließen, auch weil das miserable Publikum in der Zwischenzeit für einige tiefe Fleischwunden bei den sog. Künstlern gesorgt hatte. Die übernächste Generation erfand dann das Filmschnipsel-Kararoke, eine gefahrlosere Form des Mitmachkinos, bei dem Klassiker wie GODZILLA oder TITANIC neue Dialoge erhielten. Auch heute ist der Filmrausch für neue Ideen und Mitglieder offen. Viele Veranstaltungen werden in Kooperation mit Initiativen oder engagierten Einzelpersonen organisiert. Das Indoor-Kino zeigt regulär drei Filme am Tag, meist aktuelle Neustarts und interessantes jüngeres Kino. Solide Anarchie bietet die Filmreihe ab:sicht, die nach dem Vorbild von Amos Vogels Buch über subversives Kino eine eklektische Mischung von Filmen zeigt, die sonst selten ins Kino kommen. Jüngst waren die transgressiven Filme von Nick Zedd dort zu sehen, im Juni läuft als exklusive Preview der Film EXPOSED von Beth B. über die „New Burlesque“-Szene in New York. Regulär zu Gast ist auch die Reihe gemein:gut, die Filme mit einer creative commons licence zeigt, und das „Favourites Filmfestival“ das Publikumsgewinner internationaler Festivals nach Berlin holt. Gebaut wird immer noch. Zuletzt wurde die riesige Panoramaleinwand „mit der schärfsten Krümmung“ Ostdeutschlands eingebaut. Der Filmrauschpalast ist niemals fertig.

Der Filmrauschpalast wurde von Anfang an ehrenamtlich betrieben. Das Bier ist für Filmvorführer umsonst, aber Geld gab und gibt es keins. Inzwischen sind mindestens fünf Generationen durch den Verein gezogen, die das Kino ganz unterschiedlich verstanden haben. Ein Dauerhit der ersten Jahre war das Schlechtival, das wirklich schlechte Filme und noch schlechtere Künstler zu Karlsquell-Pilsener servierte. Das Schlechtival wollte sich konsequent absetzen von der ironischen Goutierung schlechter Kunst, die

D Text: Tom Dorow, Bilder: Marei Wenzel

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FILMRAUSCHPALAST Lehrter Str. 35, 10557 Berlin Telefon: 030/394 43 44, info@filmrausch.de, www.filmrausch.de Hauptbahnhof + 10 min Fußweg, Bus 123 Kruppstraße, Bus M27 Quitzowstraße


VEDAT ERINCIN THORSTEN MERTEN BURAK YIGIT KLAUS MANCHEN Deutschland/Schweiz 2013 D 95 min D R: Oliver Paulus, Stefan Hillebrand D B: Stefan Hillebrand, Oliver Paulus D K: Pierre Mennel D S: Ana R. Fernandes, Nela Märki, Torsten Truscheit D D: Isolde Fischer, Joel Basman, Anna Unterberger, Nikki Rappel, Bastian Wurbs, Aniko Donath, Georg Kaser D V: Camino Filmverleih

AB 5. JUNI IM KINO

VIELEN DANK FÜR NICHTS Rollstuhl-Rowdys

„Der Spast ist krass“, singt Die Ärzte-Bassist Rodrigo González im Abspann, und könnte die Wirkung der Komödie um das Rollstuhl-Trio Valentin (Joel Basman), Titus (Bastian Wurbs) und Lukas (Nikki Rappi) nicht besser zusammenfassen. Das deutsch-schweizerische Regie-Duo Stefan Hillebrand und Oliver Paulus fordert mit diesem erfrischend provokativen Film eingeübte Reaktionsmuster heraus, so offensiv gehen sie mit der Behinderung ihrer Hauptpersonen um. In wenigen Szenen ist die Vorgeschichte erzählt. Nach einem Snowboardunfall ist Draufgänger Valentin querschnittsgelähmt und wird von seiner mit Schuldgefühlen belasteten Mutter für ein Theaterprojekt in ein Heim gesteckt, wo der hadernde Jugendliche zunächst nur mit Abgrenzung und Spott auf seine Mitbewohner reagieren kann. Er macht die Arbeit der verantwortlichen Sozialpädagogin (Isolde Fischer) auch nicht leichter, als er sich in die Betreuerin Mira (Anna Unterberger) verliebt, und schließlich in Titus und Lukas Verbündete findet, die ihm bei seinem aberwitzigen Plan beistehen: Er will die Tankstelle überfallen, bei der Miras Freund Marc (Ricardo Angelini) arbeitet. Die Filmemacher erzeugen durch den improvisatorischen Doku-Charakter eine unmittelbare Empathie mit den Figuren, und umschiffen dadurch die Gefahr, in Rührseligkeit abzudriften. Quasi nebenbei behandelt VIELEN DANK FÜR NICHTS Themen wie Mobilität, Körperlichkeit und Kommunikation, am Ende ist es jedoch hauptsächlich ein Film über Freundschaft und Leichtsinn, der zum wichtigen Initiationsritual in der Entwicklung der Jungen wird. Wer hier im Rollstuhl sitzt oder mit Hilfe eines Sprachcomputers spricht, und wer nicht, spielt für die Zuschauer dann längst keine große Rolle mehr. D Jens Mayer

Start am 5.6.2014 ¢ FLK Pompeji, Preview am 4.6., Filmgespräch mit Regisseur Stefan Hillebrand am 6.6. ¢ Tilsiter Lichtspiele ab 12.6.

Valentin is paralyzed from the waist down after a snow boarding accident. His mother sends him to a experimental theatre program for people with severe disabilities. He soon befriends Titus and Lukas, two friends who are as daring as he is.

Mit den Stars aus Almany

a

WWW.WILLKOMMENBEIHABIB.DE

Ein hinreißender Film über die mutige Autorin Violette Leduc und Simone de Beauvoir!

TS P ROD UCT IONS P RÄSENT I ERT

NEW YORK TIMES

Juni Ab 26. o ! im Kin

Violette EIN FILM VON

M ARTIN P ROVOST

VIOLETTE-FILM.DE


INDIEKRITIKEN

DIE ZWEI GESICHTER DES JANUARS

Originaltitel: The Two Faces of January D Frankreich/USA/Großbritannien 2013 D 96 min D R: Hossein Amini D B: Patricia Highsmith, Hossein Amini D K: Marcel Zyskind D S: Nicholas Chaudeurge D M: Alberto Iglesias D D: Kirsten Dunst, Viggo Mortensen, Oscar Isaac, Daisy Bevan, Aleifer Prometheus D V: Studiocanal

Moralisches Zwielicht

Der Name des ersten Monats des Jahres stammt vom doppelköpfigen Janus, dem römischen Gott des Anfangs und des Endes. Ovid zufolge machte sich die Nymphe Cardea angeblich ein Spiel daraus, ihren Verehrern auf dem Weg zum Platz des Stelldicheins zu entwischen. Dem doppelköpfigen Janus jedoch entging dies nicht und so musste sie sich ihm schließlich ergeben. Die sprichwörtliche Doppelköpfigkeit des Janus lässt sich auch auf die zwei männlichen Protagonisten von DIE ZWEI GESICHTER DES JANUARS übertragen, die beim Ringen um die Gunst einer jungen Frau über Leichen gehen. Athen 1962. Der junge Amerikaner Rydal ist aus guter Familie und hat an einer Eliteuniversität studiert, schlägt sich aber nun als Touristenführer und Trickbetrüger durchs Leben. Während einer Führung auf der Akropolis lernt er das amerikanische Ehepaar MacFarland kennen. Schnell fühlt er sich zu dem mondänen Paar hingezogen: Chester MacFarland erinnert ihn schmerzlich an seinen kürzlich verstorbenen Vater und von seiner jungen, attraktiven Frau Colette fühlt er sich magisch angezogen. Nach einem gemeinsamen Dinner scheinen sich die Wege des Trios zu trennen, doch ein tödlicher Unfall im Hotelzimmer der MacFarlands kettet die drei bald darauf wieder aneinander. Ein von Lügen und Geheimnissen durchzogenes Katz- und Mausspiel entbrennt, das in Griechenland beginnt und schließlich in der Türkei endet. Die Vorlage zu Hossein Aminis Regiedebüt, der sich bisher als Drehbuchautor einen Namen durch Filme wie DRIVE oder 47 RONIN machte, stammt von der US-Schriftstellerin Patricia Highsmith, die insbesondere durch ihre psychologischen Thriller um den talentierten Mr. Tom Ripley Berühmtheit erlangte. Obwohl Highsmiths 1964 publizierter Roman „The Two Faces of January“ weder zum Ripley-Zyklus noch zu ihren besseren Werken zählt, bietet er gleich zwei zwielichtige Figuren, die sich in der moralischen Grauzone eines Tom Ripleys bewegen. Viggo Mortensen und Oscar Isaac, die um die Gunst der von Kirsten Dunst verkörperten Femme fatale ringen, liefern sich vor der angemessen mythologischen Kulisse der griechischen Mittelmeerküste einen spannenden Kampf gegen den D 28

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jeweiligen Nebenbuhler und gegen ihre inneren Dämonen. So ist es nur von logischer Konsequenz, dass in den Ruinen des Labyrinths von Knossos, dem Verlies des Jungfrauen verschlingenden Minotaurus, das Versteckspiel der beiden Männer in einem weiteren Todesopfer gipfelt. Getreu der Vorlage legt Amini den Fokus nicht primär auf die Überführung des Täters, sondern auf dessen innere Motivation, Unrechtes erst aus Verzweiflung und schließlich aus Eifersucht zu tun. Diese Psychologisierung der „Whodunit“- zur „Whydunit“-Story, die erzählerische Ökonomie und nicht zuletzt der sich stark an der Filmmusik Bernard Herrmanns orientierende Score von Alberto Iglesias wecken Erinnerungen an die Filme Alfred Hitchcocks, dem einst selbst mit der Highsmith-Adaption STRANGERS ON A TRAIN ein großer Wurf im Genre des Film Noirs gelang. Die ungewöhnliche Verlagerung des Geschehens vom Nachtschwarz der Großstadt in das gleißende Tageslicht der mediterranen Provinz Griechenlands und die Komplexität der rivalisierenden Flüchtigen machen DIE ZWEI GESICHTER DES JANUARS zum zeitlosen Neo-noir. D David Herger

Start am 29.5.2014 ab 19.6. ¢ Bundesplatz ¢ Eva-Lichtspiele DF OMU ¢ Hackesche Höfe Kino OMU DF OMU

Athens 1962. During a tour of the Acropolis, Rydal, a young tour guide charms the MacFarlands, a sophisticated American couple. A sundrenched noir-thriller adaptation of a Particia Highsmith novel.


INDIEKRITIKEN Griechenland/Deutschland 2012 D 83 min D R: Spiros Stathoulopolos D B: Asimakis Pagidas, Spiros Stathoulopolos D K: Spiros Stathoulopolos D S: George Cragg D D: Theo Alexander, Tamila Koulieva D V: Kairos

METEORA

STILL

Agapé, Philia und Eros

Ich bin eine Bäuerin

Was für ein seltsamer Film. Ist das eine Mischung aus „nature porn“ und „Nunsploitation“ oder eine tiefe theologische Reflexion über Agapé, Philia und Eros, die Formen der Liebe nach Thomas von Aquin? Der Film erzählt die Geschichte der Anziehung zwischen dem griechischen Mönch Theodorus und der russischen Nonne Urania größtenteils als an Originalschauplätzen gedrehten Realfilm, es gibt aber auch Animationen im Stil von orthodoxen Ikonen, die vor allem das Innenleben der Figuren illustrieren. Die Meteora-Klöster in Griechenland, in denen die Nonne und der Mönch leben, liegen auf steilen, unzugänglichen Sandsteinfelsen. Tatsächlich gibt es in Meteora 24 Klöster und zahlreiche Eremitagen, in Spiros Stathoulopoulos’ Film gibt es nur zwei, das Männer- und das Frauenkloster. Außerdem gibt es einen Eremiten, der anscheinend gelobt hat, nur noch auf Knien durch Gottes Schöpfung zu kriechen. Theodoros gibt dem erschöpften Mann Wasser. „Hast du die Versuchung hineingetan?“ fragt der Eremit. „Nein, die Liebe“, antwortet Theodoros. Diese selbstlose Liebe, griechisch Agapé, lateinisch Caritas, hat nichts mit dem zu tun, was zwischen Theodoros und Urania passiert, denn zwischen Männer- und Frauenkloster entwickelt sich das Sehnen nach den Körpern. Stathoulopoulos zeigt den Mönch grübelnd und verzweifelt. Die Nonne entdeckt in mehreren Szenen ihre körperliche Sinnlichkeit, was durchaus spekulativ gefilmt wird. Mit Handspiegeln senden Theodorus und Urania Lichtgrüße von einem Felsen zum anderen. Sie begegnen sich nur selten. Einmal reden sie über eine seltsame, bedrohliche Heiligenlegende und sie bringt ihm das russische Wort für „Hoffnungslosigkeit“ bei. Stathoulopoulos versteht den Film als einen Versuch über den Konflikt zwischen Geist und Körper. Sein Film wirkt wie aus der Zeit gefallen, so schwebend wie die Felsenklöster. D Tom Dorow

Start am 12.6.2014 ¢ Eiszeit Kino ¢ Hackesche Höfe Kino OMU

OMU

Deutschland 2013 D 80 min D R: Matti Bauer D B: Matti Bauer D V: Zorro Filmverleih

METEORA is a story of an illicit attraction between the Greek monk Theodorus and the Russian nun Urania, who live in the famous Greek hilltop monasteries.

Am Anfang, da ist Uschi Ende Zwanzig, packt sie zu Sommeranbruch ein Auto voller Sachen (und Tiere) und macht sich vom elterlichen Hof auf in Richtung Alm. Die Zeit dort verbringt sie, abgesehen von Wandergästen, den Kühen, Hühnern und einer ausgesprochen eigensinnigen Ziege, alleine. Sie wirkt zuhause in dem dichten arbeitsbestimmten Rhythmus und erzählt währenddessen von der großen Welt, die ihr nicht fremd ist. Uschi – der Film nennt sie stets so – ist eine Bauerntochter aus Oberbayern. Für seinen Film STILL hat der Dokumentarfilmemacher Matti Bauer sie zehn Jahr lang immer wieder besucht. Im ersten Teil des Films erzählt Bauer von der Alm als Uschis Sehnsuchtsort, als den Ort, an dem die konkreten Umstände ihres Lebens „unten“ aufgehoben sind und alle Notwendigkeiten selbstbestimmt. Dorthin wird der Film nicht mehr zurückkehren. Beim nächsten Besuch auf dem Hof ist Uschi schwanger, der Vater des Kindes ist nicht mehr im Bild, die Frage der Hofübernahme wird nicht zuletzt von den alternden Eltern immer wieder gestellt. In schwarzweißen Bildern, die einen Weg zwischen Distanzierung und Poesie suchen, zeichnet STILL das Portrait einer modernen Frau und versucht in der Betrachtung einer kleinen bayerischen Landwirtschaft die Skizze einer Lebenswelt, die zwischen familiären Traditionen, ökonomischen Realitäten und sehr heutigen Selbstentwürfen und Vorstellungen davon, was es heißen mag ein gelungenes Leben zu leben, ihren Ort sucht. In einer der eindrücklichsten Szenen antwortet Uschis Mutter auf die Frage ob sie aus heutiger Sicht etwas anders gemacht hätte: „Alles, weil es mir so nicht gefallen hat.“, nicht ohne gleich danach klarzustellen, das dies nicht bedeute, dass sie unglücklich wäre. Uschi geht ihren eigenen Weg. „Ich bin eine Bäuerin“ sagt sie gegen Ende des Films. Das war gegen Anfang noch nicht ausgemacht. D Sebastian Markt

Start am 19.6.2014 ¢ Filmkunst66 ¢ fsk-Kino am Oranienplatz ¢ Hackesche Höfe Kino

For over ten years documentary filmmaker Matti Bauer followed the daughter of a Bavarian farmer in her decision to keep the family farm going.

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INDIEKRITIKEN Deutschland 2014 D 90 min D R: Wilm Huygen D B: Wilm Huygen D K: Andreas Köhler D S: Anika Simon D V: Real Fiction

TOUR DU FASO

URSULA MAMLOK MOVEMENTS

1280 km auf unbefestigten Straßen Eine kleine, ärmliche Siedlung in Burkina Faso. Mittäglicher Müßiggang, unbelebte Straßen, ein kleiner Plausch unter Männern am Tresen. Plötzlich laute Motorengeräusche in der Ferne, gefolgt von einem mysteriösen, sich stetig näherndem Surren gleich einem Bienenschwarm. So schnell wie das Spektakel beginnt, ist es auch wieder vorbei. Ein Moment der Tour du Faso, dem wichtigsten sportlichen Ereignis des westafrikanischen Landes Burkina Faso. Seit 1987 findet dort das jährliche Radrennen über zehn Etappen statt. Anders als bei der Tour de France fahren die 15 afrikanischen und europäischen Teams hier bei Extremtemperaturen von über 40 Grad Celsius eine Strecke von 1280 km auf unbefestigten Straßen. Und auf den sandigen Pisten der Steppenlandschaft herrschen andere „Regeln“. Den im europäischen Radsport gängigen Strategien und dem „kameradschaftlichen Sportgeist“ wird bei diesem Rennen keine große Aufmerksamkeit zuteil. Dafür ist dem Team des Gastgeberlandes, das zuletzt 2005 das gelbe Trikot gewann, der Sieg dieses Rennens zu bedeutsam. Denn im Gegensatz zu den professionellen Radrennfahrern aus Europa empfinden die Burkiner das Fahrrad als Symbol nationaler Identifikation. Schon während der französischen Kolonialzeit konnten sie in Form ihrer Stärke im Radsport die Souveränität ihres Volkes unter Beweis stellen. In beeindruckenden Aufnahmen fängt Regisseur Wilm Huygen das Rennen zwischen den Kulturen ein. Die Sportler tauchen in ein Meer warmer Gelb- und Brauntöne ein, während sie körperlich an Grenzen stoßen. Einen interessanten und zugleich bedenklichen Einblick gibt Huygen, indem er den ausbleibenden Dialog zwischen den Europäern und den Burkinern dokumentiert. Außerhalb des Rennens, bei dem sich die Nationen zumindest physisch gefährlich nahe kommen, nehmen die Länderteams praktisch keinen Kontakt miteinander auf. D David Herger

Start am 29.5.2014 ¢ Filmrauschpalast

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D JUNI 2014

Deutschland 2013 D 80 min D K: Ronald König D S: Anne Berrini

This documentary film is about three outsiders who take part in Africa’s biggest cycling race, the Tour du Faso. German amateurs, French ex-Profis, and local African heroes compete with spirit to win.

Porträt einer ungewöhnlichen Komponistin Das Bild der magisch leuchtenden Berliner Philharmonie im Abendlicht hat auf den ersten Blick romantische, fast touristische Qualitäten. Die politischen Implikationen des Baus für eine jüdische Komponistin, die im Alter von 16 Jahren vor den Nazis geflüchtet war und als 83-jährige die Rückkehr nach Deutschland wagte, sieht man in dieser ersten Einstellung erst einmal nicht. Doch der Blick auf Berlin ist der Blick von Ursula Mamlok, die als Mädchen erst in Ecuador ihr Exil fand um dann auf eigene Faust als 17-Jährige nach New York auszuwandern, Musik zu studieren und wenig später schon im Black Mountain College zu landen. New York habe sie damals sehr an Berlin erinnert, sagt Mamlok als betagte, aber unermüdliche Protagonistin in Anne Berrinis Dokumentarfilm. Wenn New York später ähnlich pittoresk in ausschnitthaften Bildern oder ruhigen Kamerafahrten ins Bild gerückt wird, kommt eine Versöhnlichkeit zum Ausdruck, die sich in den Erinnerungen Ursula Mamloks ebenso spiegelt, wie in denen ihrer WeggefährtInnen und FreundInnen. Es liegt eine Unaufgeregtheit, eine Ruhe in diesem Film, denn er lässt sich Zeit, Menschen zu befragen, Mamlok zu beobachten und Erinnerungen an das wach werden zu lassen, was man gemeinhin als ein bewegtes Leben bezeichnet. Daneben natürlich: Immer wieder die Musik schwer zu greifen und am besten zu beschreiben als kompliziertes Spiel aus gegeneinander gesetzten Rhythmen und Dissonanzen, als Arrangements, die für Mamlok im Komponieren immer wieder Kampf bedeuten. Am Ende des Films sehen wir die gleiche Einstellung der Philharmonie und haben gehört, wie Musiker von Spectrum Concerts Berlin und dem ensemble unitedberlin Mamloks Stücke interpretieren. Es ist die ungewöhnliche Musik einer ungewöhnlichen Komponistin, nicht zuletzt die Musik einer Überlebenden. D Toby Ashraf

Start am 5.6.2014 ¢ Hackesche Höfe Kino Premiere am 5.6.

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The filmmaker Anne Berrini follows the composer in Germany while she works and accompanies her to New York City where Ursula Mamlok prepares for the season finale concert of the League of Composers and meets old friends.


Originaltitel: Locke D Großbritannien/USA 2013 D 85 min D R: Steven Knight D B: Steven Knight D K: Haris Zambarloukos D D: Tom Hardy, Ruth Wilson D V: Wild Bunch

NO TURNING BACK Männlichkeit als Arbeit

NO TURNING BACK ist eine tour de force für den Schauspieler Tom Hardy. Andere Schauspieler treten nur als Stimmen aus dem Off in Erscheinung. Hardy ist der Bauingenieur John Locke, der seit Jahren in verantwortlicher Position in seiner Firma arbeitet, und am nächsten Morgen den Guss eines gewaltigen Betonfundaments überwachen soll. Stattdessen sitzt er im Auto und fährt nach London, wo eine Frau, mit der Locke einen OneNight-Stand hatte, ein Baby bekommt. Locke muss seine Probleme am Telefon lösen: den Polier einweisen, mit dem Arbeitgeber klar kommen, Straßensperren überprüfen, sich seiner Frau und Familie erklären, und die einsame Frau in London beruhigen, die sein Kind bekommt. Locke ist ein Mann, der Beton und alles Feste liebt. Grundsolide, will er das Richtige machen, auch weil er selbst als uneheliches Kind von einem unsoliden Vater im Stich gelassen wurde. Tom Hardy spielt Locke als einen Mann, dem man anmerkt, wie hart er sich die äußerliche Ruhe, die scheinbar endlose Geduld und die, nun ja, „Männlichkeit“ erarbeitet hat. Die Geschichte um den Betonguß, den Locke überwachen soll, wirkt etwas überkonstruiert und die Darstellung der Frauen, mit denen Locke seine Probleme hat, ist reichlich sexistisch. Sie sind einfältige Troublemaker, und die Welt wäre besser ohne sie. Interessant ist an NO TURNING BACK etwas anderes. Wenn soliden Männern die Welt zerbricht, liegt das in der Literatur und im Film normalerweise an der Illusion, dass die Welt ebenso solide ist wie sie selbst. Am Ende bleiben dekonstruierte Würstchen übrig. Das ist hier anders. Locke weiß, wie unsolide die Welt ist. Der Film zeigt nicht seine Dekonstruktion, sondern die Anstrengung, die es kostet so solide zu werden, dass man jemandem nachts um vier sagen kann: „Alter, wenn wir das schaffen, wirft das Haus auf unserem Fundament einen Schatten, der 10 Kilometer lang ist“. D Tom Dorow

Start am 19.6.2014 ¢ Hackesche Höfe Kino

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Tom Hardy is construction manager Ivan Locke. On the eve of a big, important day at work he receives a call and must drive to London. One night, one man, a car and a telephone.

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Internationale Filmfestspiele Berlin

Wettbewerb

METEORA Ein Film von Spiros Stathoulopoulos


WEITERINDIEKINO

SNOWPIERCER

ONE CHANCE – EINMAL IM LEBEN

Joon-ho Bongs erster in den USA und mit großer Besetzung gedrehter Film ist die Verfilmung eines französischen bande dessiné von Jacques Lob und Jean-Marc Rochette. Alles Leben auf der Erde wurde durch eine neue Eiszeit vernichtet, nur ein Zug mit seinen Passagieren und einem nachhaltigen Lebenserhaltungssystem rast seit Generationen durch die vereiste Landschaft. Hinten sitzt die Sklavenklasse und frisst Proteinblöcke aus Kakerlaken, vorn feiert die kleine privilegierte Oberschicht. Die Zeit für einen Aufstand ist gekommen. SNOWPERCER ist zugleich Actionfilm, politische Satire und spektkuläres Sci-Fi-Drama.

David Frankel (DER TEUFEL TRÄGT PRADA) hat die Geschichte von Paul Potts verfilmt, der vom walisischen Handyverkäufer über Nacht zum Weltstar wurde. Paul Potts (James Corden) hat einen großen Traum: der Sohn eines einfachen Stahlarbeiters, ein linkischer, schüchterner und leicht übergewichtiger Mann, der noch zuhause wohnt, will Opernsänger werden. Außer seiner Frau Julz (Alexandra Roach) und seinem Freund und Vorgesetzten Braddon (Mackenzie Crook) glaubt niemand dass er es schaffen kann. Aber Potts gibt nicht auf und bewirbt sich beim englischen Pendant zu DSDS …

¢ Acud Kino

ROK 2013 D 126 min D R: Joon-ho Bong D D: Chris Evans, Tilda Swinton, Jamie Bell

DF

¢ Eva-Lichtspiele DF ¢ Filmkunst66 DF ¢ Union Filmtheater

OMU DF

GB/USA 2014 D 104 min D R: David Frankel D D: James Corden, Simon Cowell, Colm Meaney

PANIHIDA – HIMMELREICH

GRAND BUDAPEST HOTEL

Die moldawische Regisseurin Ana Felicia Scutelnicu hat zusammen mit den Bewohnern ihres Heimatdorfes die Ereignisse um die Beerdigung ihrer Großmutter nachgestellt – die Klagelieder der Frauen, das Saufgelage der Männer, den nicht enden wollenden Beerdigungszug. „ Wir haben Menschen getroffen, die so natürlich mit ihrem eigenen Tod umgehen und die den Gesang, den Wein und das Leben selbst so sehr genießen, dass PANIHIDA ein Film über die Schönheit des Lebens geworden ist.“ (Ana Felicia Scutelnicu)

Im ländlich-osteuropäischen Zubrowka steht das Grand Budapest Hotel, ein rosafarbenes Ungetüm, in dem Zero Moustafa (Tony Revolori) soeben als Lobby Boy unter den Fittichen des legendären Monsieur Gustave (Ralph Fiennes) angefangen hat. Eine hanebüchene Verkettung von Umständen, die mehrere Morde, eine zarte Törtchen-Bäckerin, einen Gemäldediebstahl, Nazischergen, einen Gefängnisausbruch und zahllose Verfolgungsjagden umfassen, führt dazu, dass Zero zur rechten Hand von M. Gustave und schließlich zum Hoteldirektor aufsteigt.

¢ Tilsiter Lichtspiele ¢ Zukunft OMU

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OMU

D JUNI 2014

Originaltitel: Panihida D Republik Moldau/ Deutschland 2012 D 61 min D R: Ana-Felicia Scutelnicu

¢ Sputnik Kino OV OMU ¢ Union Filmtheater DF

GB/D 2014 D 100 min D R: Wes Anderson D D: Saoirse Ronan, Jude Law, Ralph Fiennes


WEITERINDIEKINO

NÄCHSTER HALT: FRUITVALE STATION

ZEIT DER KANNIBALEN

Am Silvestermorgen 2008 wurde in Oakland, Kalifornien ein junger Mann auf dem Bahnhof „Fruitvale Station“ von einem Polizisten in den Rücken geschossen und starb später im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Oscar Grant war zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre alt. Er war unbewaffnet und hinterließ eine 4-jährige Tochter. Auch Regisseur Ryan Coogler war damals 22 Jahre alt und ihn ließ der Fall nicht mehr los. Nun hat er mit FRUITVALE STATION die Ereignisse des letzten Tages im Leben von Oscar Grant verfilmt.

Frank Öllers (Devid Striesow) und Kai Niederländer (Sebastian Blomberg) sind mit allen Wassern gewaschene Consultants. Ihr Leben verbringen sie mit Meetings, Lagebesprechungen und Powerpoint-Präsentationen in den Business-Hotels der Welt. Ihr Zynismus hört erst da auf, wo ihre persönlichen Obsessionen anfangen. Die dritte im Team, Bianca März (Katharina Schüttler) hat sich für den Job als Consultant entschieden weil sie „etwas bewegen will“. Während draußen die Welt unterzugehen scheint, liefern sich Striesow, Blomberg und Schüttler in ihren Hotelzimmern brilliante Dialoggefechte.

¢ Eiszeit Kino OMU ¢ Sputnik Kino am Südstern

OMU

Originaltitel: Fruitvale D USA 2013 D 85 min D R: Ryan Coogler D D: Melonie Diaz, Kevin Durand, Octavia Spencer, Michael B. Jordan, Ahna O’Reilly, Chad Michael Murray

¢ Acud Kino ¢ Bali Kino ¢ Bundesplatz Kino ¢ Eiszeit Kino ¢ Hackesche Höfe Kino ¢ Sputnik Kino am Südstern ab 12.6. ¢ Tilsiter Lichtspiele

Deutschland 2013 D 93 min D R: Johannes Naber D D: Katharina Schüttler, Devid Striesow, Sebastian Blomberg, Jaymes Butler, Joana Adu-Gyamfi

BEZIEHUNGSWEISE NEW YORK

ÜBER-ICH UND DU

L’AUBERGE ESPAGNOLE – BARCELONA FÜR EIN JAHR porträtierte eine Generation von jungen Leuten, für die Fernreisen, Fremdsprachen, serielle Monogamie, selbstbewusste Homosexualität und ein globaler Arbeitsmarkt eine Selbstverständlichkeit darstellen. Jetzt hat Klapisch sein Ensemble noch einmal zusammen getrommelt. Martine (Audrey Tautou) ist geschieden mit Kind, die lesbische Isabelle (Cécile de France) gerade schwanger, dank Samenspende von Xavier (Romain Duris) und Xavier selbst wurde kürzlich von Wendy (Kelly Reilly) verlassen …

Nick Gutlicht (Georg Friedrich) ist Kleinganove, Tagedieb und schuldet viel zu vielen Leuten viel zu viel Geld. Curt Ledig (André Wilms) ist Psychologieprofessor im Ruhestand und ringt im Rückblick auf sein Lebenswerk mit einer undeutlichen Verstrickung in den Nationalsozialismus. Wie das Drehbuchschicksal es so will überkreuzen sich die Wege der beiden Hauptfiguren, als Nick versucht in der Starnberger Villa von Curt vorübergehend unterzutauchen. Eine Komödie von entschieden eigenwilliger Grammatik.

¢ Acud Kino DF ¢ Hackesche Höfe Kino OMU ¢ Sputnik Kino am Südstern ¢ Union Filmtheater DF

DF OMU

Originaltitel: Casse-tête chinois D Frankreich 2013 D 117 min D R: Cédric Klapisch D D: Romain Duris, Audrey Tautou, Cécile de France, Kelly Reilly, Sandrine Holt

¢ Acud Kino ¢ Bali Kino ¢ Bundesplatz Kino ¢ Hackesche Höfe Kino ¢ Sputnik Kino am Südstern

Deutschland/Schweiz/Österreich 2014 D 100 min D R: Benjamin Heisenberg D D: Georg Friedrich, Susanne Wolff, Michael Wittenborn, Margarita Broich, Maria Hofstätter, André Wilms

JUNI 2014 D

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INDIEKINDER

KINDERFILME A–Z AMAZONIA – ABENTEUER IM REGENWALD

auf Bibis Lieblingsfohlen Socke hat er es abgesehen. ¢ Acud Kino ¢ Bali Kino ¢ Filmkunst66

Frankreich/Brasilien 2014 D R: Thierry Ragobert D 86 min, FSK: oA, empfohlen ab: 6

Bei einem Flugzeugabsturz kommt das kleine Kapuzineräffchen Sai frei und befindet sich

plötzlich inmitten des überwältigenden Amazonas-Dschungels. Von der Magie seiner Heimat angezogen, wagt sich Sai immer weiter vor und erlebt eine ganze Reihe spannender Abenteuer

BEKAS

Finnland/Irak/Schweden 2012 D R: Karzan Kader D 92 min, FSK: 6, empfohlen ab: 8

Zwei Brüder, Waisenkinder, auf der Suche nach einer besseren Welt: Zana und Dana machen sich im Irak der 1990er Jahre, Saddam Hussein ist da noch an der Macht, auf die Reise. Sie wollen in die USA in „die große Stadt, in der Superman lebt“.

BELLE & SEBASTIAN (2013) Frankreich 2013 D R: Nicolas Vanier D 104 min, FSK: oA,empfohlen ab: 7–11

ANTBOY

Der Waisenjunge Sebastian, der bei einer Bäckersfrau und einem Hirten in den französischen

Pelle ist zwölf Jahre alt und leidet sehr darunter, dass ihn niemand beachtet. Doch sein Leben ändert sich grundlegend, als er eines Tages von einer mutierten Ameise gebissen wird. Auf einmal hat Pelle großen Hunger auf Zucker – und ist unglaublich stark. ¢ Acud Kino

AUF DEM WEG ZUR SCHULE F 2013 D R: Pascal Plisson D 77 min, FSK: oA, empfohlen ab: 7

Der preisgekrönte Dokumentarfilm begleitet zehn Kinder in vier Ländern auf ihrem für westliche Verhältnisse unvorstellbar schweren Weg zur Schule. Begleitet von den guten Wünschen ihrer Eltern meistern die Kinder gekonnt alle Hindernisse und übernehmen dabei nicht nur Verantwortung für sich, sondern auch für ihre Geschwister. ¢ Bundesplatz Kino

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Spanien 2008 D R: Jesús del Cerro D 107 min, FSK: 0, empfohlen ab: 7

Der Waisenjunge und Rabauke Carlos Bermudes, von allen nur Carlitos genannt, hat einen sehnlichen Wunsch und ein großes

Hochalpen aufwächst, trifft in den Bergen auf die schneeweiße Berghündin Belle. Der wilde Hund und das heimatlose Kind werden Freunde. ¢ Tilsiter Lichtspiele ¢ Zukunft

BIBI & TINA – DER FILM

D 2013 D R: Detlev Buck D 101 min, FSK: oA, empfohlen ab: 9

Bibi und Tina sind beste Freundinnen und verbringen ihre Tage am liebsten Im Sattel ihrer Pferde. Gelegentlich setzt Bibi auch ihre Hexenkünste ein, sehr zum Unwillen von Tinas Mutter. Doch Unbill naht in Gestalt des zwielichtigen Hans Kakmanns. Ausgerechnet

¢ Bali Kino

FLUSSFAHRT MIT HUHN

Deutschland 1984 D R: Arend Agthe D 111 min, FSK: 6, empfohlen ab: 6

¢ Acud Kino

¢ Sputnik Südstern

Dänemark 2013 D R: Ask Hasselbach D 80 min, FSK: oA, empfohlen ab: 9

KINDERFILM DES MONATS: CARLITOS GROSSER TRAUM

Trotz kommt als Neuling in das Thomaner-Internat. Seine Erwartungen an die Schule sind nicht groß. Immerhin ist er schon mehrfach aus ähnlichen Einrichtungen verwiesen worden. Doch in Leipzig geschehen scheinbar Wunder. Er findet mit Martin, Matz, Uli und Kreuzkamm junior Freunde, die ihn achten und ihm gleichzeitig Geborgenheit geben.

Ziel. Er will von einer liebevollen Familie adoptiert und ein großer Fußballstar werden. Don Hipolito, der Direktor des Waisenhauses, ist zu korrupt, um sich wirklich um das Wohl seiner Schützlinge zu kümmern. Er ist mehr an den großzügigen Schecks interessiert, die ihm die zukünftigen Adoptiveltern zustecken. ¢ Bali Kino, 2.7., 10.30 + 14.15 Uhr ¢ Bundesplatz Kino, 18.6., 10 Uhr ¢ Eva-Lichtspiele, 26.6., 10 + 14.30 Uhr ¢ Sputnik Südstern, 28.6. + 29.6., 14.30 Uhr, 1.7., 10.30 + 15 Uhr ¢ Union Filmtheater, 13.6., 10.30 Uhr, 14. + 15.6. 13 Uhr ¢ Xenon Kino, 21. + 22.6., 16 Uhr, 24.6., 10.15 + 15 Uhr Vorbestellung unter: 030/235 562 51

DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER (2003)

Deutschland 2003 D R: Tomy Wigand D 110 min, FSK: oA, empfohlen ab: 8

Filmische Adaption der bekannten Internatsgeschichte: Jonathan

Johanna verbringt während der Urlaubsreise ihrer Eltern die Ferien bei ihrem Opa Ewald, ebenso wie ihr Cousin Robert. Eines Tages beschließen die

Kinder, gemeinsam mit den Nachbarsjungen Harald und Alex und einem braunen Huhn auf einem alten Kahn auf der Weser in Richtung offenes Meer zu schippern. ¢ Bali Kino

THE LEGO MOVIE

USA 2014 D R: Phil Lord, Christopher Miller D 100 min, FSK: oA

Durch ein Missverständnis wird der Bauarbeiter Emmet für einen großen Baumeister gehalten. Auf einmal soll er die Welt vor einem bösen Tyrannen retten, der plant, das Universum zusammen zu kleben. Animation von den Machern von WOLKIG MIT FLEISCHBÄLLCHEN mit Lego-Figuren. ¢ Filmkunst66 ¢ Union Filmtheater


INDIEKINDER

KINDERKINO IM INDIEKINO DER MOHNBLUMENBERG Japan 2011 D R: Goro Miyazaki D 92 min, FSK: oA, empfohlen ab: 12

Goro Miyazaki, der Sohn von Hayao Miyazaki (CHIHIROS REISE, PRINZESSIN MONONOKE) erzählt

Seine Tage verbringt er mit handwerklichen Tätigkeiten, Angeln und dem Füttern seiner Hühner. Eigentlich hat er alles, was man zum Leben braucht, doch er fühlt sich ein wenig einsam. Da kommt ihm der kleine Kater gerade recht, den ihm seine Nachbarin Beda Andersson schenkt. Er nennt ihn Findus. ¢ Acud Kino

eine zarte Liebesgeschichte zwischen zwei Teenagern im Japan der 60er Jahre. Anime. ¢ Tilsiter Lichtspiele ¢ Zukunft

MUPPETS MOST WANTED

Eine aktuelle ­Programmübersicht über alle KinderfilmTermine finden Sie auf www.indiekino.de

RICKY – NORMAL WAR GESTERN Deutschland 2013 D R: Kai S. Pieck D 88 min, FSK: 6, empfohlen ab: 8

Herzfeld, ein kleines Dorf irgendwo in Thüringen – das ist die Heimat des zehnjährigen Ricky, der hier zusammen mit seinem fünf Jahre älteren Bruder

USA 2014 D R: James Bobin D 107 min, FSK: oA, empfohlen ab: 10

Tourmanager Dominic Badguy hat sich mit dem russischen Frosch Constantine verbunden, um die Krone der Queen zu stehlen. Der echte Kermit wird entführt und der grüne Hüpfer mit dem Leberfleck im Gesicht übernimmt

ACUD KINO TÄGLICH 17 Uhr Sa+So 15, 16, 17 Uhr BALI KINO DO, FR, SA, SO 16 Uhr BUNDESPLATZ KINO DO, FR, SA, SO 13.30 Uhr EISZEIT KINO DO, FR, SA, SO wechselnde Zeiten EVA-LICHTSPIELE DO, FR, SA, SO 13.15 Uhr FILMKUNST66 DO, FR, SA, SO 15 Uhr SPUTNIK KINO DO, FR, SA, SO wechselnde Zeiten TILSITER LICHTSPIELE DO, FR, SA, SO wechselnde Zeiten UNION FILMTHEATER DO, FR, SA, SO wechselnde Zeiten XENON DO, FR, SA, SO wechselnde Zeiten ZUKUNFT DO, wechselnde Zeiten

Die Altersempfehlungen orientieren sich in der Regel an den Vorschlägen der Bundeszentrale für politische Bildung/Vision Kino.

SPATZENKINO: REISEN UM DIE WELT 45 min, empfohlen ab: 4

Micha und seinen Eltern Marie und Hans lebt. Ein Baum am Rande des ockerfarbenen Getreidefeldes ist Rickys geheimer Ort. Hier trainiert Ricky Kung Fu – mit einem Gegner, den nur er sehen kann.

ICH SEHE WAS, WAS DU NICHT SIEHST: „Schiff Ahoi!“ rufen Mia und Ingo. Weil sie gerade nicht

¢ Bali Kino

kurzerhand dessen Position. Nichtsahnend spielen die Muppets unter der Leitung des bösen Constantine eine ausverkaufte Show nach der anderen. ¢ Eva-Lichtspiele ¢ Filmkunst66

PETTERSSON UND FINDUS: KLEINER QUÄLGEIST, GROSSE FREUNDSCHAFT

D 2013 D R: Ali Samadi Ahadi D 90 min, FSK: oA, empfohlen ab: 5–8

Der alte Pettersson lebt auf einem malerischen kleinen Gutshof.

RIO 2 – DSCHUNGELFIEBER USA 2014 D R: Carlos Saldanha D 102 min, FSK: oA

Blu und Jewel – zwei blaue SpixAras – und ihre drei Kinder verlassen die magische Großstadt Rio, um auf der Spurensuche nach ihren Vorfahren in die Wildnis des Amazonas aufzubrechen ¢ Filmkunst66 ¢ Sputnik Südstern ¢ Union Filmtheater

ans Meer fahren können, hissen sie die Segel für ihr Hochseeschiff einfach auf dem Küchentisch. DER KLEINE MAULWURF REIST UM DIE WELT: Oh je, die Maus liegt mit Fieber im Bett. Da hilft nur eins: Kamille, Kamille, Kamille! Dafür reist der kleine Maulwurf einmal um die ganze Welt. Auf seiner Suche trifft er freundliche Tiere und findet exotische Pflanzen. Nur keine Kamille.

SPUTNIK

Deutschland/Belgien/Tschechien 2013 D R: Markus Dietrich D 84 min, FSK: oA, empfohlen ab: 8–13

Die zehnjährige Friederike lebt mit ihren Eltern im kleinen Dorf Malkow, nicht allzu weit von Berlin entfernt und mitten in der DDR. Sie ist fasziniert von allem, was mit dem Weltraum zu tun hat. Mit ihrem jungen Onkel Mike baut sie wilde Luftfahrgeräte und Maschinen. Im Herbst 1989 bricht für Rieke eine Welt zusammen, als Mikes Ausreiseantrag plötzlich

genehmigt wird. Sie plant mit ihren Freunden, Mike mit einer Beam-Maschine aus West-Berlin zurück nach Malkow zu holen. ¢ Bali Kino

¢ Bali Kino, 10.6., 10 Uhr ¢ Eva-Lichtspiele, 12.6., 10 Uhr ¢ Eiszeit Kino, 4.6., 10 Uhr ¢ Union Filmtheater, 19.6., 10 Uhr ¢ Xenon Kino, 3.6., 10 Uhr Vorbestellung unter: 030/449 47 50

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BALI KINO FILMKUNST66 FSK-KINO AM ORANIENPLATZ 20 JAHRE-ARTHAUS-FESTIVAL 1994 gründete sich als Unterfirma der ehemaligen Kinowelt AG der ARTHAUS-Filmverleih, der sich auf den besonderen Film und das europäische und internationale Filmkunst-Kino spezialisierte. Verleih- und DVD-Label haben sämtliche Firmenkrisen und Übernahmen überdauert und bringen seit mittlerweile 20 Jahren herausragende Filme ins Kino und auf DVD heraus. Arthaus hat unter anderem Filme von Ingmar Bergman, Charlie Chaplin, Luis Buñuel, Rainer Werner Fassbinder, Federico Fellini, Jean-Luc Godard, Jim Jarmusch, Akira Kurosawa, Wong Kar-Wai, Eric Rohmer, Volker Schlöndorff, François Truffaut und Wim Wenders veröffentlicht, den Filmstock vom Verlag der Autoren und Jugendfilm übernommen und zeitlose Klassiker erstmals und wieder neu herausgegeben. Aus Anlass des 20. Jubiläums hat die derzeitige Dachfirma Studiocanal jetzt 20 Arthaus-Titel „digitally remastered“ und für eine Kinoprojektion neu verfügbar gemacht. Zehn der Titel hat der Verleih ausgesucht, zehn weitere Filmklassiker wurden in einer bundesweiten Umfrage in Kooperation mit der AG Kino-Gilde unter den deutschen Programmkinobetreibern ermittelt. Zu den Filmen, die es jetzt dankenswerterweise wieder in Kinoqualität zu sehen gibt, gehören DOWN BY LAW und NIGHT ON EARTH von Jim Jarmusch, APOCALYPSE NOW REDUX von Francis Ford Coppola, DIE GROSSE ILLUSION von Jean Renoir und DIE BLECHTROMMEL – DIRECTOR’S CUT von Volker Schlöndorff. Das Filmkunst66 zeigt im Juni das komplette Programm vom 2.6. bis 18.6. als Festival, das Bali Kino wird alle Filme ab dem 8.6. nach und nach im Rahmen seiner Sonntagsmatineen vorführen. Das fsk-Kino zeigt ausgewählte Filme aus dem Programm, im Juni die beiden Filme von Jim Jarmusch. www.filmkunst66.de, www.balikino-berlin.de, www.fsk-kino.de JUNI 2014 D

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INDIEKINOHIGHLIGHTS

FILMKUNST66 2.6. 20 Uhr 5.6. 20 Uhr 6.6. 17.30 Uhr 20 Uhr 22.30 Uhr 7.6. 17.30 Uhr 20 Uhr 22.45 Uhr 8.6. 17.30 Uhr 20 Uhr 9.6. 17.30 Uhr 20 Uhr 10.6. 17.30 Uhr 20 Uhr 11.6. 17.30 Uhr 20 Uhr 12.6. 17.30 Uhr 20 Uhr 13.6. 17.30 Uhr 20 Uhr 14.6. 17 Uhr 19.30 Uhr 22.45 Uhr 15.6. 17.30 Uhr 20 Uhr 16.6. 17.30 Uhr 20 Uhr 17.6. 17.30 Uhr 20 Uhr 18.6. 17.30 Uhr 20 Uhr

Eröffnungsveranstaltung: DIE BLECHTROMMEL – DIRECTOR’S CUT In Anwesenheit von Volker Schlöndorff DOWN BY LAW (OmU) DOWN BY LAW (OmU) NIGHT ON EARTH (OmU) THE DOORS (OmU) NIGHT ON EARTH (OmU) THE DOORS (OmU) DIE REIFEPRÜFUNG(OmU) TRAFIC – TATI IM STOSSVERKEHR (OmU) DER PROZESS (OmU) DER PROZESS (OmU) DIE REIFEPRÜFUNG(OmU) DER ELEFANTENMENSCH (OmU) DAS FEST (OmU) DAS FEST (OmU) DER ELEFANTENMENSCH (OmU) DAS SIEBENTE SIEGEL (OmU) WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN (OmU) AUSSER ATEM (OmU) APOCALYPSE NOW REDUX (OmU) DAS PIANO (OmU) DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN (OmU) AUSSER ATEM (OmU) DER ENGLISCHE PATIENT (OmU) DAS PIANO (OmU) DIE GROSSE ILLUSION (OmU) DER ENGLISCHE PATIENT (OmU) ANGST ESSEN SEELE AUF FITZCARRALDO OUT OF ROSENHEIM DIE BLECHTROMMEL – DIRECTOR’S CUT

BALI KINO 8.6. 11 Uhr 22.6. 11 Uhr 29.6. 11 Uhr

DIE BLECHTROMMEL – DIRECTOR’S CUT OUT OF ROSENHEIM ANGST ESSEN SEELE AUF

FSK-KINO AM ORANIENPLATZ 5.–11.6. 12.–18.6. D 38

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DOWN BY LAW (OmU) NIGHT ON EARTH (OmU)


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EVA LICHTSPIELE BALI KINO BUNDESPLATZ KINO ALTES UND NICHT SO ALTES DEUTSCHES KINO Ob es am Fußball liegt, dass der deutsche Film im Juni so präsent ist? Die Eva-Lichtspiele präsentieren wieder ihre Reihe DER ALTE DEUTSCHE FILM, dieses Mal mit der Komödie KORNBLUMENBLAU (1939, am 4. Juni), dem Familiendrama DIE JAHRE VERGEHEN (1944, am 11. Juni), der Musikkomödie DIE – ODER KEINE (1932, am 18. Juni) und dem antibritischen Spionagefilm IN GEHEIMER MISSION (1938). Das Bundeplatz Kino setzt mit drei Filmen über die Berliner Philharmoniker (RHYTHM IS IT!, TRIP TO ASIA und DAS REICHSORCHESTER) die sonntägliche ­Berlin-Film-Matinee fort und das Bali-Kino hat sogar den ganzen Monat

dem neueren deutschen Film gewidmet. Die Auswahl geht von Christoph Schlingensiefs KNISTERN DER ZEIT über sein Operndorf in Burkina Faso und AUSLÄNDER RAUS, Schlingensiefs Big Brother-Satire, bei dem Asylbewerbern in einem mit rechtsextremen Parolen geschmückten Theatercontainer wohnten und täglich „herausgewählt“ werden konnten, bis zu FINSTERWORLD, der aktuellen Satire von Frauke Finsterwalde und Christian Kracht. Der älteste Film im Bali und sicher einer der Höhepunkte des Monats im Zehlendorfer Kino ist BAAL. Volker Schlöndorff drehte die Brecht-Verfilmung ursprünglich 1970 für das Fernsehen, die ziemlich eigensinnigen Brecht-Erben verboten die Aufführung aber 40 Jahre lang. Jetzt ist der Film endlich wieder zu sehen, mit der Musik von Klaus Doldinger und dem Ensemble des Münchner Antitheaters, das so etwas wie die Keimzelle des neuen deutschen Films war: Rainer Werner Fassbinder, Hanna Schygulla, Peer Raben, Margarethe von Trotta, Irm Hermann, Günther Kaufmann und Walter Sedlmair. www.eva-lichtspiele.de, www.bundesplatz-kino.de, www.balikino-berlin.de

TILSITER LICHTSPIELE H.G. LEWIS MITTERNACHTSSPECIAL Man kann sich im Juni Filme ansehen, in denen es um den Konflikt zwischen Geist und Körper geht. Man kann sich aber auch 30(!) Filme von Herschell Gordon Lewis ansehen, in denen der Geist auf alle möglichen Weisen vom Körper getrennt wird, mittels Guillotinen, Bügeleisen und Pommespfannen. Herschell Gordon Lewis, der WIZARD OF GORE fing mit Softporn-Stripperfilmen an und erfand dann mit BLOOD FEAST den Splatterfilm, als das erste Geschäftsmodell nicht mehr so gut funktionierte. Die TILSITER LICHTSPIELE richten zu Lewis 85. Geburtstag im Juni eine robuste Schlachteplatte mit (fast) allen Filmen an. Der beste Lewis-Film ist vermutlich 2000 MANIACS, über eine Südstaaten-Geisterstadt, die sich an Yankee-Touristen für den Bürgerkrieg rächt. Lewis nennt ihn „einen Film für die ganze Familie“. Beim Rest gibt es halt entweder frisches Hundefutter und Speisefarbe oder nackte Brüste, in THE GORE GORE GIRLS sogar beides.  5.6.–2.7. täglich gegen Mitternacht D 40

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Knistern der Zeit Finsterworld Sputnik

SPUTNIK KINO AM SÜDSTERN ALT.KOMEDY: PUNCHING THE CLOWN Die alt.komedy-Reihe im Sputnik präsentiert Filme, die nicht notwendigerweise Schenkelklopfer sind, sondern „anders komisch“. Anders ist auch PUNCHING THE CLOWN mit Henry Phillips, der unter anderem durch seine kongeniale youtube-Kochshow bekannt wurde. alt.komedyFreunde kennen Philips aus seinem kurzen Auftritt in SLEEPWALK WITH ME, wo er Schlafwandler Mike den Hinweis gibt, dass Träume ja kleine Filme seien, die man nur anschauen, aber nicht ausagieren soll. Mit ähnlich trockenem Humor ist PUNCHING THE CLOWN (USA 2009, 90 min, OV, R: Gregori Viens) gesegnet. Halb Konzertfilm, halb Tragikömödie erzählt der Film von Henry Phillips, der als erfolgloser Folk-Sänger von einem Gig zum nächsten tingelt und sich als Batman bei Kindergeburtstagen durchschlägt – und zwar nicht als der Dark Knight, sondern eher als der Adam West-Batman aus den 60ern. Doch als er nach Hollywood zieht und sich dort verliebt, scheint sich sein Blatt zu wenden. Auch ein Plattendeal kommt in greifbare Nähe. Aber Ruhm ist eine launische Geliebte und Henry muss bald erfahren, dass nicht jede PR zwingend gut sein muss... Laut urbandictionary.com bedeutet PUNCHING THE CLOWN entweder die Verrichtung unnützer Arbeit und/oder Masturbation – aber natürlich kriegen Clowns auch manchmal ganz wörtlich einen auf die Nase.  22.6. um 20.30 Uhr altkomedy.blogspot.de

FILMRAUSCHPALAST SPUTNIK KINO AB:SICHT 06/14 – EXPOSED BY BETH B Die Reihe ab:sicht zeigt im Sputnik Kino am Südstern und im Filmrauschpalast in Moabit regelmäßig Filme, die „andere Ansichten, andere Sichtweisen, andere Blickwinkel“ eröffnen. Im Juni gibt es die Neo-Burlesque Doku EXPOSED von Beth B. (USA 2013, 77min. OV) als exklusive Preview zu sehen. Seit den 70er Jahren setzt sich die Underground Künstlerin Beth B. in ihren Filmarbeiten, Installationen und Performances mit Körperwahrnehmung und Geschlecht auseinander. In EXPOSED unternimmt sie eine Exkursion in die New Yorker „New Burlesque“ Szene, in der eine enge Gemeinschaft von Performance-Künstlerinnen und -Künstlern den Striptease neu entdeckt. Alter, Geschlecht, Aussehen und sexuelle Orientierung spielen keine Rolle. Gemeinsam ist allen die Freude an Selbstdarstellung und Grenzüberschreitung und die Suche nach einer neuen, radikalen Körperwahrnehmung. „Im Vulgären liegt Freiheit“, nennt es eine Darstellerin. Archivaufnahmen von teils humorvollen teils verstörenden Live-Performances wechseln sich ab mit intimen Backstage-Gesprächen mit den Protagonisten. „Sinnlich, politisch, abstoßend, lustig, augenöffnend: EXPOSED ist die Entdeckung der Panorama- Sektion und mein persönliches Juwel der diesjährigen Berlinale.“ (Simon Born, Negativ)  Filmrauschpalast: 10.6. und 24.6. um 20 Uhr und 22 Uhr  Sputnik Kino: 11.6. und 25.6. um 20.30 Uhr

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ACUD KINO ZUKUNFT SHORTS ATTACK: SOUND & ANIMATION Shorts Attack im Juni verzichtet auf Worte und zeigt ausschließlich Animationen. Gezeigt werden Werke voller Rhythmus, bunten Welten und farbenfrohen Erzählungen. Ob digital (LET GO) oder in Handarbeit (NO BAQUE), die Animationskunst ist der Musikwelt anverwandt, und die Geschichte der Musik ist auch eine Geschichte der Technik und deren Verehrung (BENDITO MACHINE). Perfektion wie in LONEY BONES kreiert opulentes Kino, ebenso brilliant ist die animierte Seeräuberfabel A DROP OF GOLD. Dem Schweizer Meister der Animation Georges Schwizgebel gelang in CHEMIN FAISANT erneut eine visuelle Achterbahnfahrt. SPIRIT QUEST JOURNEY feiert fröhliche Musik im Schritttempo, PRRREÜTE folgt auf satirische Weise einer absurden Sprache und NOISE visualisiert Geräusche in einem Haus. CHICK ist Leidenschaft für Tanz, Rhythmus und Verführung, bei EXPLOSIONS beginnen Menschen zu fliegen und in EXPO/IN mischen Kunstobjekte ein Museum auf.

Chick Chemin Faisant

 Acud Kino: 4.6. um 21 Uhr   Zukunft: 27.6. um 21.30 Uhr www.shortsattack.com

FSK-KINO AM ORANIENPLATZ NEUES RUMÄNISCHES KINO: ROXANNE Bukarest 1989. Der junge Tavi bestellt den Song ROXANNE von The Police für seine Freundin Roxana bei Radio Free Europe, einem amerikanischen Propagandasender, der von München aus auch in die Balkanländer sendete. Damit weckt er das Interesse von Ceaușescus Geheimdienst Securitate. Zwanzig Jahre nach der rumänischen Revolution nimmt Tavi, immer noch ein netter Kerl der nie ganz erwachsen geworden ist, Einsicht in seine Securitate-Akte. Dabei erfährt er, dass er möglicherweise einen erwachsenen Sohn haben könnte. Roxana ist inzwischen allerdings verheiratet und Tavi fragt sich, wer ihn damals an die Securitate verraten hat. Rumänien, Ungarn 2013, 98 min, OmU, R: Vali Hotea, D: Serban Pavlu, Diana Dumbrava  26.6. um 18 Uhr in Anwesenheit des Regisseurs Vali Hotea

EISZEIT KINO VORPREMIERE: DER BALKON DER BALKON (Deutschland 2014, 30 min, R: Ben Mergelsberg) erzählt die Geschichte zweier Nachbarn, die einen kleinen, selbstgebauten Holzbalkon in einem Berliner Altbau teilen. Die Bretter zwischen den Fenstern sind der Raum, an dem sich Peter, ein quasi Obdachloser und Britta, eine junge Schauspielerin begegnen. Behutsam erzählt der Film von Freude und Einsamkeit, Träumen und Enttäuschungen der beiden und von ihrer ungewöhnlichen Freundschaft. Gedreht wurde dieser halbfiktionale Film von einer Gruppe von Filmemachern der jungen Produktionsfirma Wrangelfilm im Wrangelkiez. In den Hauptrollen sind Klaus-Peter Viol, ein Obdachloser aus Zehlendorf, und die Schauspielerin Solveig Wagenhäuser zu sehen. Regie führte der Dokumentarfilmer Ben Mergelsberg. Die Darsteller werden bei der Premiere anwesend sein.  7.6. um 18 Uhr (Eintritt: 3 Euro) www.wrangelfilm.com D 42

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INDIEKINOHIGHLIGHTS

BUNDESPLATZ-KINO COOLER STILIST UND FEINSINNIGER BEOBACHTER: VOLKER SCHLÖNDORFFS FRÜHE FILME Das Bundesplatz Kino zeigt im Juni eine Reihe mit frühen Filmen von Volker Schlöndorff, die Dr. Jürgen Kasten, der Geschäftsführer beim Bundesverband der Film- und Fernsehregisseure e.V. (BVR), hier vorstellt. Er wird auch im Bundesplatz-Kino Einführungen zu Schlöndorffs Frühwerk und zu BAAL geben. Volker Schlöndorff hat das Filmemachen von der Pike auf gelernt, er assistierte Jean Pierre Melville und Louis Malle. 1966 bemerkt er zum eigenen Stilansatz: „Auflage für jeden, der seine Unbefangenheit verloren hat: er muss von nun an mithilfe seines Handwerks eine Spontaneität ‚zweiten Grades‘ finden. Wer sein Handwerk beherrscht, hat große Ruhe, weil Selbstsicherheit beim Drehen; die grundsätzlichen Fragen aber, was und wie er dreht, beantwortet das Handwerk nicht.“

Sein Erstling DER JUNGE TÖRLEß (1966) besticht durch die für einen Debütanten frappierende Beherrschung der filmischen Mittel, ohne Kamera- oder Schnittexperimente erzählt er ebenso direkt wie beiläufig einen Gewaltexzess in einem k.u.k-Internat. Das ermöglicht, den Blick von der privaten auf die soziale Struktur zu wenden, vom Symptom zur Wurzel. Es ist nicht die Perspektive des Gequälten, des Opfers, sondern die des anwesenden Betrachters, mithin des Künstlers, der auf eine missratene Welt schaut, sie genau wahrnimmt, aber nicht aktiv handelnd eingreift. Der Regisseur handelt durch den cadrierten Blick, den er auf Figuren und Konflikte wirft. Es ist bei Schlöndorff oft die Einstellung zu etwas Vorgefundenem, zu einer literarischen Aussage,

einem vorbestehenden Werk oder eine These. Früh hat er sein spezifisches Regietalent perfektioniert: den Kern von Geschichten visuell heraus zu arbeiten, der literarischen Poesie, die er im Dialog gern beibehält, realistische Gestalt und bildpoetische Konkretion zu geben.

Sein zweiter Film MORD UND TOTSCHLAG (1967) erscheint als Auseinandersetzung mit den französischen Kriminalfilmen, bei denen er assistiert hatte. Eine junge Frau erschießt ihren Freund und überredet zwei Bekannte, ihr bei der Beseitigung der Leiche zu helfen. Es geht dabei um die atmosphärische Befindlichkeit junger Leute um die 20, wobei die Bewältigung der Tat in fast groteskem Kontrast zu den Manieriertheiten einer ziellos dahin gleitenden anything goes-Generation zu stehen scheint. Anita Pallenberg spielte die Hauptrolle, ihr Freund, der Rolling Stone Brian Jones, steuert Musik bei. Schlöndorffs folgende internationale Großproduktion MICHAEL KOHLHAAS – DER REBELL (1968) möchte das anarchische Lebensgefühl ins populäre Kino transportieren. Was als gute Idee und Stoffwahl erschien, scheitert an dem

Versuch, den sehr deutschen Rebellencharakter zu globalisieren. 1969 verändert sich Schlöndorff noch einmal grundlegend. Fast scheint es, er versuche, die Spontaneität des Anfangs zurück zu gewinnen. BAAL (1969), die Adaption von Brechts schwarzexpressionistischem Drama, war bei der Erstausstrahlung ein Paukenschlag, der allerdings nicht nur die Brecht-Erben, sondern auch einen Teil des TV-Publikums verstörte und irritierte. Die Moritat vom absolut autonomen und deshalb asozialen Dichter Baal, der säuft, hurt, der betrügt und mordet, um schließlich müd und waidwund im Wald zu verenden – das verlegt Schlöndorff in die Münchner Vororte und Auen der Gegenwart. Ganz wie Brecht es forderte, grenzt er illusionshemmend 24 Einzelszenen von einander ab, jede ist präzise beobachtet, stoisch unsentimental und provozierend nüchtern inszeniert. Hauptdarsteller Rainer Werner Fassbinders drängend-stolpernder Sprechgesang lässt die leitmotivische Bluesphrase von Klaus Doldinger in der Expositionszene zu einem Choral anschwellen. Schlöndorff realisiert „Baal“ in einer Art artifiziell überformten cinéma verité von unterkühltester Nüchternheit, aufgenommen vollständig on location. Erst zur Berlinale 2014 gelang es, den Bann der Brecht-Erben zu entfernen. Das Berlinale-Publikum feierte den Film enthusiastisch. Das Wiedersehen ist nicht nur für Fassbinder-Fans ein Fest. D Jürgen Kasten  BAAL: 1.6., 9.6. (Einführung: Dr. Jürgen Kasten) und 29.6., 15.30 Uhr  DER JUNGE TÖRLESS: 8.6. und 15.6., 15.30 Uhr  MORD UND TOTSCHLAG: 22.6., 15.30 Uhr (Einführung zu Schlöndorffs Frühwerk: Dr. Jürgen Kasten)


INDIESERVICE

REINICKENDORF

PANKOW

LICHTENBERG  7    E  

SPANDAU

MITTE CHARLOTTENBURG-  6  WILMERSDORF  5 

MARZAHNHELLERSDO

 11 

 9 

FRIEDRICHSHAINKREUZBERG  8   4 

 13   3 

 1 

 10    B  

 C    14    D  

TEMPELHOFSCHÖNEBERG

STEGLITZZEHLENDORF

TREPTOWKÖPENICK

NEUKÖLLN

 2 

DIE INDIEKINOS ACUD KINO MITTE 1 Veteranenstr. 21, 10119 Berlin Telefon: 030/44 35 94 98, Mail: kino@acud.de, www.acud.de U8, M1 Rosenthaler Platz, M8/12 Brunnenstraße/Invalidenstraße, S1/2 Nordbahnhof

BALI KINO ZEHLENDORF  2  Teltower Damm 33, 14169 Berlin Telefon: 030/811 46 78, www.balikino-berlin.de S-Bahnhof Zehlendorf

BUNDESPLATZ-KINO WILMERSDORF 3 Bundesplatz 14, 10715 Berlin Telefon: 030/85 40 60 85, Mail: kino@bundesplatz-kino.de, www.bundesplatz-kino.de U9, S 41/42/46, Bus 248/N9 U+S-Bahnhof Bundesplatz

EISZEIT KINO KREUZBERG 4 Zeughofstr. 20, 10997 Berlin Telefon: 030/611 60 16, Mail: info@eiszeit-kino.de, www.eiszeit-kino.de U1, M29, N1 Görlitzer Bahnhof

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EVA-LICHTSPIELE BERLIN WILMERSDORF 5

FSK-KINO AM ­ORANIENPLATZ KREUZBERG 8

TILSITER ­LICHTSPIELE FRIEDRICHSHAIN

Blissestr. 18, 10713 Berlin Telefon: 030/92 25 53 05, Mail: info@eva-lichtspiele.de, www.eva-lichtspiele.de U7, Bus 101/104/249 Blissestrasse

Segitzdamm 2, 10969 Berlin Telefon: 030/614 24 64, Mail: post@fsk-kino.de, www.fsk-kino.de U8, Bus M29/140/N8 Moritzplatz, U1 Kottbusser Tor

Richard-Sorge-Str. 25a, 10249 Berlin Telefon: 030/426 81 29, Mail: programm@tilsiter-lichtspiele.de, www.tilsiter-lichtspiele.de U5 Frankfurter Tor, Weberwiese, M10 Bersarinplatz, Straßmannstraße

FILMKUNST66 CHARLOTTENBURG

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Bleibtreustr. 12, 10623 Berlin Telefon: 030/882 17 53, Mail: mail@filmkunst66.de, www.filmkunst66.de S-Bahnhof Savignyplatz

FILMRAUSCH­ PALAST MOABIT 7 Lehrter Str. 35, 10557 Berlin Telefon: 030/394 43 44, Mail: info@filmrausch.de, www.filmrausch.de Hauptbahnhof + 10 min Fußweg, Bus 123 Kruppstraße, Bus M27 Quitzowstraße

HACKESCHE HÖFE KINO MITTE 9 Rosenthaler Str. 40/41, 10178 Berlin Telefon: 030/283 46 03, Mail: info@hoefekino.de, www.hoefekino.de S-Bahnhof Hackescher Markt, U8 Weinmeisterstraße

SPUTNIK KINO AM SÜDSTERN KREUZBERG 10 Hasenheide 54, 10967 Berlin Telefon: 030/694 11 47, Mail: post@sputnik-kino.com, www.sputnik-kino.de U7 Südstern, U7/8 Hermannplatz

11

UNION FILMTHEATER FRIEDRICHSHAGEN Bölschestr. 69, 12587 Berlin 12 Telefon: 030/6501 3141,­ www.kino-union.de S-Bahnhof Berlin-Friedrichshagen

XENON KINO SCHÖNEBERG

13

Kolonnenstr. 5, 10827 Berlin Telefon: 030/78 00 15 30, Mail: service@xenon-kino.de S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke

ZUKUNFT ­FRIEDRICHSHAIN

14

Laskerstr. 5, 10245 Berlin Telefon: 030/426 81 29, Mail: programm@zukunft-ostkreuz.de, kino-zukunft.de S-Bahnhof Ostkreuz


INDIESERVICE

INDIEKINO OPEN-AIR

FREILUFTKINO ­POMPEJI FRIEDRICHSHAIN

Im Volkspark Hasenheide, 12049 Berlin Telefon: 030/283 46 03, www.freiluftkino-hasenheide.de U7+U8 Hermannplatz, U8 Boddinstraße

Laskerstr. 5, 10245 Berlin Telefon: 030/426 81 29, freiluftkino-pompeji.de S-Bahnhof Ostkreuz

IMPRESSUM Herausgeber: INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) Nalepastr. 18–50, 12459 Berlin Telefon: 030 - 209 897 24, info@indiekino.de, www.indiekino.de

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12459 Berlin

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Revaler Straße 99, 10245 Berlin Telefon: 030/351 224 49, www.freiluftkino-insel.de, S/U-Bahnhof Warschauer Straße

WINDLICHT IM FILMRAUSCHPALAST: „UMSONST & DRAUSSEN“ MOABIT  E 

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Hinter dem Kurpark 13,  A  12587 Berlin Telefon: 030/65 01 31 41, www.freiluftkino-friedrichshagen.de S-Bahnhof Berlin-Friedrichshagen

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ORF

FREILUFTKINO ­INSEL ZU GAST IM ­CASSIOPEIA FRIEDRICHSHAIN  C 

INDIEKINO BERLIN UG

FREILUFTKINO FRIEDRICHSHAGEN FRIEDRICHSHAGEN

Filmtexte: Toby Ashraf, Hendrike Bake, Thomas Dorow, Franziska Gleiniger, David Herger, Sebastian Markt, Jens Mayer, Eileen Reukauf, Raphaël Rück

Das INDIEKINO BERLIN Magazin erscheint monatlich in einer Auflage von 15.000 Stück. Das Magazin ist kostenfrei. Verteilung in den Berliner Kinos ACUD Kino, Bali Kino, Bundesplatz Kino, Eiszeit Kino, Eva Lichtspiele, filmkunst66, Filmrauschpalast Moabit, fsk-Kino am ­Oranienplatz, Hackesche Höfe Kino, Sputnik Kino am Südstern, Tilsiter Lichtspiele, Union Filmtheater, Xenon Kino, Zukunft sowie an weiteren 200 Verteilstellen. Abonnement: das INDIEKINO BERLIN Magazin kann als kostenfreies ­Abonnement bestellt werden. Es genügt eine Mail mit Ihrer Post­adresse an abo@indiekino.de. Bildnachweis: Filmbilder: Filmverleiher Kinobilder: INDIEKINO BERLIN

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Kinofotos: Marei Wenzel

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D JUNI 2014

Texte Kinohighlights: INDIEKINO BERLIN und Kinos


INDIENACHBILD

NACHBILD Beim Stöbern im Bildmaterial zum 20-Jahre-Arthaus-Festival taucht da auf einmal dieses unscheinbare Bild auf. Es zeigt eine Straßenkreuzung, vielleicht ist es auch ein Parkplatz. Pastellige verwaschene Farben. Kein optisches Zentrum. Irgendetwas scheint mit den Menschen auf dem Bild nicht zu stimmen. Alle machen eigenartige Verrenkungen und schauen in unterschiedliche Richtungen. Genau besehen stehen auch die Autos eigenartig herum und ganz koscher sind die Verkehrsschilder auch nicht. Ob es ein Problem mit dem kleinen Gegenstand etwas unterhalb des Zentrums gibt? Was mag das wohl sein? Zwei Radkappen? Ob sich außerhalb des Bildes gerade eine Katastrophe ereignet hat? Oder anbahnt? Gibt es etwas, das wir eigentlich wissen sollten? Verbindet irgendetwas diese Leute, die wir tagtäglich im Stadtverkehr treffen? Sind sie von einer fremden Intelligenz ferngesteuert? Sind sie gefährlich? Bin ich eine von ihnen?

TRAFIC – TATI IM STOSSVERKEHR (Frankreich/Italien 1971, R: Jacques Tati)

VORSCHAU INDIEKINO IM JULI/AUGUST MILLIONEN Wohin mit dem Geld? D MISTAKEN FOR STRANGERS The National spielt sich selbst D WIR SIND DIE NEUEN Alte WG gegen neue Spießer D FEUERWERK AM HELLICHTEN TAG Lakonischer Berlinale Gewinner D DIE GROSSE VERSUCHUNG Ein Doktor für die Insel D DIE GELIEBTEN SCHWESTERN Historisches Dreieck von Dominik Graf D DIE INNERE ZONE Radioaktivität im Tunnel D NIGHT MOVES Ein ­Kelly-Reichardt-Thriller D DIE LANGEN HELLEN TAGE Mädchen mit Pistole D JIMMY’S HALL Ein Immigrant kehrt zurück D TOM AT THE FARM­ Xavier Dolan geht zu einer Beerdigung D EIN AUGENBLICK LIEBE Begegnung mit Folgen D DIDO ELIZABETH BELLE Im falschen Leben


Ac tio n!

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ction! m und A d n ... u n Fil cht? e d r e Wie w hen gema e Ferns 4 bis 1 0 2 i a 29. M il 2015 r nder f端r Ki 26. Ap

Veranstaltungsprogramm und Kinderfilmreihe www.deutsche-kinemathek.de

llung n usste e Eine A is 14 Jahr ilm b F 4 r von seum f端 im Mu rnsehen atz l e und F tsdamer P o P am


Ab 26. Juni im Kino

Xenon 路 Eiszeit 路 Tilsiter Lichtspiele Kino Krokodil 路 Filmrauschpalast

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INDIEKINO BERLIN Magazin 04, Juni 2014  

Das Magazin der unabhängigen Berliner Lichtspielhäuser.

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