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WIRTSCHAFT

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Almdudler verschreibt sich ganz und gar Coca-Cola. Seite 14

Kleines Land mit großen Ideen

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Hidden Champions. Kaum einer kennt sie. Ihre Ideen aber sind Weltspitze: 250 heimische Betriebe sind Weltmarktführer. Groß hat sie oft gerade die Kleinheit des Landes gemacht.

Führend in der Welt

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Thema Ob bei Schiffstauen (Teufelberger), Violinsaiten (Thomastik-Infeld) oder bei digitalen Bestellgeräten in der Gastronomie (Orderman): Österreich ist oft Weltspitze.

REGINA REITSAMER SALZBURG (SN). Ob Schiffstaue, Violinsaiten oder Minensuchgeräte, Wanderkarten, Waffelmaschinen oder Zutrittssysteme – diese Weltmarktführer findet man in Österreich. Selten hat jemand von ihnen gehört. „Rund 200 heimische Mittelstandsbetriebe sind in ihrem Bereich Weltmarktführer“, sagt Georg Jungwirth, der sich an der Fachhochschule Campus 02 in Graz seit Jahren mit dem Thema „Hidden Champions“ beschäftigt. Zähle man zu diesen „unbekannten Weltmarktführern“ noch die Großen in der Branche wie Andritz oder Palfinger dazu, so komme man auf 250 heimische Wirtschaftsweltmeister – und damit könne sich Österreich international durchaus sehen lassen, meint Jungwirth. Selbst das zehn Mal größere Deutschland verfüge „nur“ über 1400 Weltmarktführer. Die relativ hohe Zahl an Marktführern liegt für den Experten dabei auch an der Kleinheit des Landes. „Wenn der eigene Markt beschränkt ist, ist man früher gezwungen, mit seinen Ideen auf

STANDPUNKT

Prächtig gedeihen im Schatten KARIN ZAUNER

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ozart, Sachertorte, Lipizzaner, mit Österreich verbinden wir vor allem Kultur und Geschichte. Dass es hierzulande eine solide industrielle Basis und sehr viele Unternehmen gibt, die in der Welt einsame Spitze sind, ist weniger bekannt. Die „Salzburger Nachrichten“ wollen das Bild ein wenig zurechtrücken, und die verborgenen Größen vor den Vorhang bitten. Vor allem in Zeiten, in denen der

Wehklang über die wirtschaftliche Tristesse in Europa und das wahltaktische Klagen Hochkonjunktur haben. Nicht, weil wir die Welt schönreden wollen, sondern weil es in Österreich jede Menge großartiger Unternehmer und Mitarbeiter gibt, die innovativ sind. Dass Österreich mehr Weltmeister in Nischen vorweisen kann als andere Länder, liegt an der Mentalität mit einer hohen Arbeitsmoral, an gut ausgebildeten Menschen, an der Kleinheit des Landes und auch an großen Konzernen wie BMW, FACC oder voestalpine, in deren Schatten Neues gedeihen kann. E-Mail: karin.zauner@salzburg.com

den Weltmarkt zu gehen.“ In großen Märkten wie Deutschland und den USA könnten kleinere Betriebe dagegen genug Umsatz im eigenen Land machen. Die Definition, was einen „Hidden Champion“ ausmacht, ist unterschiedlich. Unstrittig ist, dass man zumindest unter den ersten drei am Weltmarkt, oder – wenn diese Daten fehlen – die Nummer eins in Europa sein muss. Den maximalen Umsatz legt Jungwirth in Österreich mit seinen kleineren Betrieben dagegen mit 300 Mill. Euro niedriger fest als etwa in Deutschland. Was „Hidden Champions“ fast ausnahmslos verbinde, seien außerordentliche Erfolge, gute Bilanzen und eine solide Eigenkapitalbasis. „Kunden sind für ein einzigartiges Produkt eben auch bereit, mehr zu zahlen. Das wirkt sich auf die Profitabilität aus“, sagt Jungwirth. Zudem sei der Umstand die Nummer eins zu sein auch ein Werbevorteil. Den freilich nutzen manche bewusst nicht. „Es gibt etliche Betriebe, die lieber unbekannt bleiben wollen“, sagt Jungwirth, der für eine Studie 30 Firmenchefs

interviewt hat. Man wolle Großkonzerne nicht auf die erfolgreiche Nische aufmerksam machen, oder fürchte bei Übernahmen Probleme mit dem Kartellrecht zu bekommen. „Oft findet man nicht einmal auf der Homepage des Unternehmens, dass dieses weltweit die Nummer eins ist.“ Für die Technologieführerschaft investieren die Betriebe zumeist viel in Forschung und Entwicklung. Im Schnitt acht Prozent des Umsatzes werde in diesen Bereich investiert, sagt Jungwirth. „Es gibt aber auch Unternehmen, die auf fast 30 Prozent Forschungsquote kommen.“ Genannt hätten die Firmen selbst vor allem drei Erfolgsfaktoren: eine innovationsfreundliche Unternehmenskultur – „Man muss Kreativität zulassen, auch wenn das zu Flops führen kann“ –, Systeme, die Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen in Innovationsprozesse einbinden, und eine geringe Fluktuation bei den Beschäftigten. Jungwirth: „Nur wer Mitarbeiter gut behandelt, kann Know-how auch in der Firma halten.“ Das ist auch ein Grund dafür, dass die heimischen Weltmarkt-

führer zu mehr als 80 Prozent Familienunternehmen sind, meint Jungwirth. „Freilich gilt das nicht generell, aber viele Unternehmen in Familienbesitz agieren doch anders: Sie denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen und haben langfristigere Ziele.“ Damit würden oft in Krisenzeiten Mitarbeiter länger gehalten und wenn der Aufschwung komme, sei das Know-how noch vorhanden. Viele der Weltmarktführer finde man im ländlichen Raum. „Da ist die Loyalität der Mitarbeiter oft noch größer.“ Eine Erfolgsgarantie ist freilich auch die Marktführerschaft nicht. „Denn viele sind gerade in einer engen Nische besonders erfolgreich. Gibt es in diesem Marktumfeld dann international Einbrüche, kann man rasch existenzbedrohende Probleme bekommen“, erklärt Jungwirth. Auf nur ein Standbein zu setzen ist immer ein Risiko, meint er. Vier von fünf Innovationen, die zum Erfolg am Weltmarkt führen, sind im Übrigen nicht die ganz großen Durchbrüche, sondern vielmehr kleine Verbesserungen und Weiterentwicklungen.

Zotters Schokotheater in China Der österreichische Chocolatier baut in Schanghai einen Flagship-Store RIEGERSBURG (SN). Spatenstich für das Zotter Chocolate Theatre in Schanghai: Der am Dienstag erfolgte Startschuss sei durch lange Behördenwege und eine Abspeckung des Projekts verzögert worden, erklärt der steirische Chocolatier Josef Zotter. Der Flagship-Store, in den rund fünf Mill. Euro investiert werden, soll zu Weihnachten eröffnet werden – produziert wird weiterhin ausschließlich in Österreich. „Die Chinesen wollen in Europa produzierte Waren. Sogar die Verpackung muss original sein“, erklärt Zotter. Im Flagship-Store sollen auf etwa 2000 Quadratmetern unter an-

derem eine kleine Kaffeerösterei nach Wiener Vorbild, und die Produktion von „Alienships“ – einer Kreuzung aus Schokolade und Praline – eingerichtet werden. Der Baustart war im Oktober 2012 geplant gewesen, doch „für einen ausländischen Unternehmer sind die Chinesen schwer zu durchblicken“, sagte Zotter im Gespräch mit der APA. Ursprünglich wollte er sein Schokoladentheater im oststeirischen Riegersburg in der alten Hemdenfabrik in Schanghai duplizieren. „Aber das Projekt wäre zu teuer geworden.“ Der Chocolatier war vergangene Woche an Ort und Stelle, um die letzten Vorbereitungen für den

Umbau des historischen Fabrikgebäudes aus dem Jahr 1921 zum „Zhen de Schanghai“ (übersetzt: „Erhalte den Schatz“) zu treffen. Tochter Julia Zotter wird nach Schanghai übersiedeln und die Geschicke dort lenken. Gleichzeitig wird der Vertrieb in Hongkong und Macao aufgebaut. Etwa 80 Mitarbeiter werden in dem Geschäft arbeiten. Dazu werden Chinesen sowie Österreicher mit chinesischer Abstammung in Riegersburg eingeschult. Außerdem soll ein Austausch für steirische Mitarbeiter möglich sein. Durch das Investment entstehen in Riegersburg zehn bis 15 neue Jobs.


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