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SchĂśner ausgehen: Ein Kraftwerk fĂźr die Kultur ist nach langem Ringen in Dresden auf den Weg gebracht worden. Es war an der Zeit. SEITE 31

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SchÜner studieren: In Chemnitz soll es bald einen neuen Campus fßr die Technische Universität geben. Den Anfang macht die Zentralbibliothek.

BILD: HEIDE ARCHITEKTEN

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SchÜner Wohnen: Den Wohnungsmarkt in Halle hatten bislang nur wenige Investoren auf dem Schirm, das kÜnnte sich kßnftig ändern. BILD: MV

BILD: MFI

SchÜner Shoppen: Mit den HÜfen am Brßhl hat die Leipziger City einen neuen Einkaufspalast. Läden gibt es jetzt genug, findet Leipzigs OB Jung.

BILD: PIXELIO.DE/GUBHEINICKE

OSTDEUTSCHLAND

WĂ–RTERBUCH IMMOBILIENWIRTSCHAFT

SEITE 28 7.2.2013

GĂ–RLITZ

Ehemaliges Kaufhaus ist Drehort fĂźr Blockbuster Mit einem Gesamtbudget von 23 Mio. Euro wird zurzeit mit groĂ&#x;em Staraufgebot der Kinofilm „The Grand Budapest Hotel“ in GĂśrlitz gedreht. Hauptlocation fĂźr den Dreh mit Darstellern wie Tilda Swinton, Ralph Fiennes, Jude Law oder Bill Murray ist das 1913 als Kaufhaus zum StrauĂ&#x; errichtete Warenhaus, eine der letzten Einkaufskathedralen, deren Jugendstil-Architektur bis heute erhalten geblieben ist. Bis zur SchlieĂ&#x;ung am 15. August 2009 fĂźhrte Hertie den Konsumtempel. Seither harrt das Haus mit 10.000 m2 Verkaufsfläche einer neuen Nutzung. Umgebaut unter den Argusaugen der DenkmalschĂźtzer, dient das Kaufhaus fĂźr die Zeit der Dreharbeiten nun als Filmkulisse fĂźr das Grand Hotel Budapest. Derart geadelt und bald weltweit bekannt, wird sich vielleicht doch noch ein Liebhaber finden, der das Gebäude wachkĂźsst.

DRESDEN

Selbstbewusst in die Zukunft

Woba-Verkauf ist abgeblasen Der Verkauf von 37.500 Wohnungen der Gagfah in Dresden scheint vom Tisch, nachdem es dem Unternehmen gelang, den Bankkredit der Woba-Gruppe in HĂśhe von rund 1 Mrd. Euro zu refinanzieren. Damit kann die mehrheitlich im Eigentum des US-amerikanischen Finanzinvestors Fortress befindliche Gesellschaft die auf den so genannten Woba-Gesellschaften lastenden Schulden Mitte Mai 2013 bezahlen. Insgesamt ist das sächsische Portfolio mit ca. 1 Mrd. Euro Schulden belastet. Die Gagfah hat 2006 etwa 48.000 ehemals kommunale Wohnungen der sächsischen Landeshauptstadt fĂźr 1,7 Mrd. Euro gekauft. Die gut vermieteten Plattenbauten in Dresden machen ein Viertel des Gagfah-VermĂśgens aus. Der Verkauf wurde wohl auch abgeblasen, weil Finanzkreisen zufolge die Offerten fĂźr die Woba-Wohnungen nicht weit Ăźber 1,7 Mrd. Euro hinausgingen und nur nahe am Buchwert lagen. Als Hauptinteressent galt lange die Deutsche Wohnen. Mit mehr als 145.000 Mietwohnungen ist die Gagfah nach eigenen Angaben die grĂśĂ&#x;te in Deutschland bĂśrsennotierte Wohnungsgesellschaft. (gg)

Am Alten Zoll steht der erste Neubau

MAGDEBURG

HCIS kauft Wohnungen in Magdeburg Einen zu 30% leer stehenden fßnfgeschossigen Plattenbau mit 64 Wohneinheiten hat Hirling Capital Investment Services (HCIS) vor kurzem erworben. In dem Objekt aus dem Bestand der MWG-Wohnungsgenossenschaft Magdeburg sieht Frank Hirling, Geschäftsfßhrer von HCIS, trotz des hohen Leerstands eine attraktive InvestmentmÜglichkeit. Der Standort Magdeburg zeige klare Wertsteigerungspotenziale. Ziel der HCIS ist es, durch aktives und gezieltes Management den Leerstand abzubauen und damit langfristig den Wert der Immobilie zu steigern. Kurz- bis mittelfristig plant das Unternehmen nach eigenen Angaben weitere Zukäufe in Mitteldeutschland.

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NEUE BUNDESLĂ„NDER

LEIPZIG

Eigentlich ist es nur ein durch eine Hallenerweiterung um 1.000 m2 Nutzfläche gewachsenes Logistikgebäude. Städtebaulich kommt dem ersten von aurelis Ăźbergebenen Projekt auf dem Areal Am Alten Zoll jedoch eine besondere Bedeutung zu, weil es der erste Neubau auf der knapp 112 ha groĂ&#x;en Fläche auf der Westseite des Leipziger Hauptbahnhofs ist. Genutzt wird das Gebäude von der Deutschen Bahn, um die Bordrestaurants von FernverkehrszĂźgen zu bestĂźcken. Schon bald kĂśnnte die einsame Halle Gesellschaft bekommen. Ende dieses Jahres erwartet aurelis Baurecht fĂźr weitere Projekte auf dem Gelände, wo Wohnungen, Handels-, BĂźro- und Gewerbeflächen sowie Hotels aus dem Boden wachsen sollen.

Ausgabe 5/2013

Wohnungen, BĂźros und Gewerbe sollen im Erfurter Stadtteil BrĂźhl entstehen.

Anfangs ist vieles schiefgelaufen in den neuen Bundesländern, und auf die Euphorie der Wendezeit folgte bald die groĂ&#x;e ErnĂźchterung. Doch vieles, was aller Niedergangsszenarien zum Trotz in der Zwischenzeit entstanden ist, zeigt, dass die neuen Länder gut gerĂźstet sind fĂźr die Zukunft und mancherorts sogar bessere Perspektiven und Investitionschancen bieten als der alte Westen. Auch 23 Jahre nach der Wiedervereinigung legen viele Investoren, Projektentwickler oder Kapitalanleger nur zĂśgerlich ihr Geld in den neuen Bundesländern an. Zu unrecht, denn war die Entwicklung vieler Regionen und Städte Ostdeutschlands frĂźher von Abwanderung und Schrumpfung der BevĂślkerung infolge hoher Arbeitslosigkeit und des RĂźckgangs bei der Geburtenrate bestimmt, ist der Strukturwandel im Osten weit vorangeschritten und die Kehrtwende vielerorts geschafft. Der Ausbau der Infrastruktur Ostdeutschlands lässt nicht nur manchen Wessi vor Neid erblassen, sondern hat die Wirtschaft vorangebracht. Durch hervorragend ausgebaute Verkehrswege und die zentrale Lage in der Mitte Deutschlands ist beispielsweise ThĂźringen in jĂźngster Zeit verstärkt in den Fokus von Unternehmen aus der Logistikbranche geraten. Durch Ansiedlungen von Zalando oder

Redcoon sind viele neue Jobs entstanden. Die Arbeitslosenquote sank auf etwa 8%. Und nicht nur ThĂźringen ist im Aufwind, sondern viele Gebiete im mitteldeutschen Raum, aber auch im SpeckgĂźrtel der Hauptstadt oder an der OstseekĂźste. Das kurbelt auch den Wohnungsmarkt an: Erhebungen des Bundesverbands Freier Immobilien und Wohnungsunternehmen (BFW) und von empirica fĂźr Mitteldeutschland gehen davon aus, dass auch bei sinkenden Einwohnerund Haushaltszahlen etwa 52.000 Neubauten in Sachsen (28.000), ThĂźringen (15.000) und Sachsen-Anhalt benĂśtigt werden. Die GrĂźnde dafĂźr liegen laut BFW zum einen in der wachsenden Nachfrage nach eigenheimähnlichen Wohnungen und zum anderen in der Landflucht, die einen Nachfrageschub in GroĂ&#x;städten und Mittelzentren zur Folge hat. Entgegen frĂźherer Prognosen wächst vor allem die StadtbevĂślkerung in wirtschaftlich prosperierenden Regionen. „Wegen der vielen Niedergangsszenarien hatte niemand ein Wachstum im Fokus“, sagt Andreas Krey, einer der beiden GeschäftsfĂźhrer der thĂźringischen Landesentwicklungsgesellschaft. Nun aber folgt auf den jahrelangen RĂźckbau von Wohnungen die Entwicklung von Stadtbrachen fĂźr den Wohnungsneubau. Quasi jede grĂśĂ&#x;ere ostdeutsche Stadt bringt lange projektierte, doch nie recht in Schwung gekommene Entwicklungsgebiete fĂźr den Wohnungsneubau voran, und jahrzehnte-

Bild: LEG ThĂźringen

lang klaffende LĂźcken in den Stadtkernen werden geschlossen. Beispiele finden sich in Stralsund mit dem Quartier 17 der TLG Immobilien, in Rostock mit dem Petriviertel oder am ehemaligen Friedrich-Franz-Bahnhof ebenso wie in Chemnitz oder Leipzig. Das, was jahrelang als Manko galt, nämlich die Vielzahl von innerstädtischen Industriebrachen oder klaffende BaulĂźcken in den historischen Stadtkernen, begreift LEG-GeschäftsfĂźhrer Krey längst als Segen: „Anders als in MĂźnchen haben wir mehr als genug Flächen, um zu bauen.“ In Erfurt suchen LEG und Stadt zurzeit nach Investoren fĂźr die letzten noch vorhandenen Freiflächen auf der einstigen Industriebrache in BrĂźhl, wo längst ein lebendiges Stadtquartier gewachsen ist. Dass diese Investitionen nachhaltig sein werden, daran zweifelt Krey nicht: Die vornehmlich auf Nischenprodukte spezialisierte und von kleinen flexiblen Einheiten geprägte Industrie ThĂźringens habe die Finanzkrise beispielsweise ohne grĂśĂ&#x;ere Probleme verkraftet. Und noch einen Pluspunkt haben die neuen Länder aufgrund ihrer schwierigen Vergangenheit: „Durch die herben RĂźckschläge nach der Wende haben die Leute eine emotionale Intelligenz entwickelt, die ihnen hilft, Krisen leichter zu Ăźberstehen“, ist Krey Ăźberzeugt. Das sei ein Vorteil, denn Auf- und AbschwĂźnge in der Konjunktur wĂźrden in Zukunft immer schneller aufeinander folgen. (mv)

FLUGHAFEN BERLIN

Nicht fertig, aber schon zu klein Wann die zum vierten Mal verschobene ErÜffnung des Hauptstadtflughafens BER erfolgt, ist offen. Klar scheint nur: Wenn es so weit ist, ist der Airport schon zu klein. Aus diesem Grund schlägt die Industrieund Handelskammer zu Berlin vor, den Ausbau parallel zur Beseitigung der mannigfaltigen Fehler in Angriff zu nehmen. Fßr einen solchen Schritt sprächen die Zahlen: Die jetzt aktuelle Version des Flughafens ist fßr 27 Mio. Fluggäste vorgesehen. Fßr mehr Starts und Landungen sind Anbauten nÜtig. Mit 27 Mio. Reisenden rechnet die Kammer, anders als ursprßnglich angenommen, aber nicht mehr erst fßr 2020, sondern bereits fßr 2014. Da der Airport bis dahin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht am Netz sein wird, sei ein paralleler Ausbau sinnvoll. Engpässe befßrchten Flughafenexperten bei den Abfertigungskapazitäten, Gepäckausgabebändern und Sicherheitsschleusen. Ferner werden ein Satellitenterminal auf dem Vorfeld gefordert sowie Anbauten an bestehenden Gebäuden im Norden und Sßden. (gg)

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OSTDEUTSCHLAND

Seite 28 Nr. 5 7.2.2013

Immobilien Zeitung

EINZELHANDEL LEIPZIG

„Läden gibt es in der Stadt jetzt aber genug“ „Läden gibt es in der Stadt jetzt aber genug“, sagt der schlanke Oberbürgermeister von Leipzig, Burkhard Jung, und beißt genussvoll in einen Keks. 120 Läden für 250 Mio. Euro hat die Essener mfi Mitte vergangenen Jahres an den Eingang zur City seiner gut eine halbe Million Einwohner zählenden, wachsenden Stadt gesetzt. Und die Läden laufen, die Stadt profitiert, heißt es ein halbes Jahr nach Eröffnung. Nun müssen die Investoren der hochverschuldeten kommunalen Wohnungsgesellschaft LWB nur noch das Grundstück endgültig bezahlen. Zehn Jahre habe alles gedauert. „Fünf Jahre gingen für den Entscheidungsprozess drauf, fünf Jahre für die Ausführung“, sagt Matthias Böning, Vorstandsvorsitzender des Entwicklers und Betreibers mfi. Das gerade wiedergewählte Stadtoberhaupt nickt. Um die Jahrtausendwende sei es noch zu früh für eine solche Entwicklung gewesen, erinnert sich Jung. Erst 2006, als die Essener den Zuschlag für das Areal erhielten, sei Leipzig reif gewesen. Nach Expertenmeinung kann die nur 600 m x 800 m umfassende kleine Leipziger City aber nicht nur diesen Einkaufsklotz mit 27.500 m2 Handelsfläche verdauen. Auf einem 4.500 m2 großen Grundstück genau gegenüber vom Kopfbau errichten bis Ende nächsten Jahres Investoren um Centrum, Düsseldorf, das Geschäftshaus Hainspitze mit 14.000 m2 Verkaufsfläche. „Das Einzugsgebiet der Leipziger City ist mit gut 1,2 Mio. Einwohnern nahezu 2,5 Mal so groß wie die städtische Einwohnerzahl“, begründet Alexander Folz, Geschäftsführer des Einzelhandelsmaklers Comfort, diese Einschätzung. Hinzu kämen, jenseits der Tagesgäste, 2,1 Mio. Übernachtungsbesucher, die jährlich nahezu 100 Mio. Euro in die Läden tragen.

Positiv und richtungsweisend Und dennoch: Der Umsatzanteil der City am Gesamtumsatz der Messestadt beträgt mit 21,6% gerade einmal ein gutes Fünftel. „Leicht unterdurchschnittlich“ nennt Folz diesen Wert in vornehmer Zurückhaltung. Schuld am schlechten Abschneiden der Innenstadt sind die nach der deutsch-deutschen Vereinigung wie Pilze aus dem Boden geschossenen Einkaufszentren auf der grünen Wiese. „Aus diesem Grund ist die Eröffnung der Höfe am Brühl sowie die Entwicklung Hainspitze als positiv und richtungsweisend zu bewerten“, sagt Folz. Beide Häu-

Leipzig vertreten“, sagt Böning stolz. Deutschlandpremiere feierten zum Beispiel der Herrenausstatter Lufian und die Kosmetiklinie Flormar. Erstmals in Leipzig dabei: Adidas und Tommy Hilfinger, das Schmuckgeschäft Tomas Sabo und die Feinkosthändler von Oil & Vinegar. Alexander Folz haut das jedoch nicht vom Hocker. „Attraktive Einzelhändler wie H&M, New Yorker, Media Markt, Edeka, Tommy Hilfiger, Hallhuber oder Müller sind aber keine Neuheiten für die Innenstadt“, sondern Dubletten.

08/15-Läden gibt es genug

Die Stadt forderte vom Bauherrn Durchgänge zwischen Bahnhof und City. Einzelhandelsexperten finden die Lösung nicht gelungen und sprechen von einem „komplizierten Routing“. So schlimm kann es aber nicht sein: Vom Eröffnungstag (25.9.) bis Weihnachten fanden 4,1 Mio. Besucher den Weg. Bild: mfi

ser „verleihen der Innenstadt Leipzigs neue Impulse“. Außerdem rückten sie den Brühl, einst die bedeutendste Einkaufsmeile der Stadt, wieder in den Fokus. Nach der Wende geriet die Straße mehr und mehr ins Abseits, während im Leipziger Hauptbahnhof vis-à-vis die ECE ein Shoppingcenter installierte und in der historischen Innenstadt immer neue Einkaufsangebote entstanden. Leipzigs jüngstes Kind ist ein in vier Höfe unterteilter Einkaufstempel mit einer kleinteiligen Fassade zu den Straßen hin (siehe „Shoppen am Brühl mit Raumgefühl“, IZ 39/12). Und weil die Stadt beim besten Willen keine neuen Büros und Gewerberäume braucht (der aktuelle Büroleerstand lag Ende des Jahres 2012 bei 15,6%, die Durchschnittsmiete dümpelt bei 8,50 Euro/m2), zeichnete der Berliner Architekt Armand Grüntuch den Bauherren keine Kontore, sondern Parkplätze über die Läden. „Das sieht gar nicht wie eine Garage aus“, freut sich der Baukünstler bei einem Rundgang und weist auf die Lamellenwand vor den Autos. Damit der 350 m lange und 30 m hohe Bau nicht wie ein Klotz oder Riegel vor dem Eingang der Innenstadt thront, hat

er mfi glasüberdachte Durchgänge geschaffen. Doch Einzelhandelsexperte Folz findet die Passagen nicht wirklich gelungen und spricht von einem „komplizierten bzw. schwierigen Routing für Passanten durch den Höfecharakter. Dies forderte teilweise die Stadt Leipzig“, nimmt er die Essener zwar in Schutz, „birgt nun aber erhebliches Problempotenzial für den Handel.“

4,1 Mio. Besucher gezählt Doch davon wollen die Centerleute nichts wissen. 114.794 Besucher defilierten am Eröffnungstag Ende September 2012 an Centermanager Rainer Borst vorbei, bis zum Jahresende fanden 4,1 Mio. Menschen den Weg in Leipzigs neues Einkaufsvergnügen. „Und auch der Januar ist gut gestartet“, erläutert mfi-Sprecher Thorsten Müller. Auf das Dach packte Grüntuch 31 Wohnungen. 11 Euro/m2 werden für die 60 bis 120 m2 großen Quartiere verlangt. Die erste Hälfte ist vermietet, die übrigen sind jetzt erst fertig geworden. Für sie ist Böning noch auf der Suche nach Mietern. Die Dachaufbauten zum Wohnen seien ein Zuschussge-

schäft, erklärt der Chef auf dem Weg nach oben. „Treppenhäuser, Verkehrswege ... kurzum: ein hohes Bauvolumen bei geringer Mietfläche.“ Doch der Wohnungsbau sei nicht zum Aussuchen gewesen. Die Stadt habe rund ein Fünftel nichtgewerbliche Nutzung vorgeschrieben. „Die Höfe am Brühl sind schon ein Riesencenter, wenn man mal ehrlich ist“, sinniert Jung. Im Blick hat das Stadtoberhaupt dabei auch die Einzelhandelskennziffern der Stadt. Die Kaufkraft in Leipzig liegt laut Comfort bei 91,5 (Bundesdurchschnitt: 100), Städte zwischen einer halben und 1 Mio. Einwohner kommen bundesweit in der Regel auf einen Schnitt von 104,4. Die Zentralität, die den Sog aus dem Umland misst, erreicht einen Wert von 104,6, die anderen Metropolen mit bis zu 1 Mio. Einwohnern bringen es im Schnitt auf 118,4. Ein kleiner Trost: Für Mode scheint die Stadt an der Pleiße eine gute Adresse. Die Vergleichszahlen lauten hier: 173,2 für Leipzig, 171,5 die anderen. „Rund 60% der mittlerweile in den Höfen angesiedelten 120 Shops, die zu 95% vermietet sind, sind mit Konzepten erstmals in

„Eine in Zukunft eher verhaltene Nachfrage nach Ladenfläche aufgrund der Eröffnung der Höfe am Brühl“ prognostiziert Andreas Malich, Einzelhandelsexperte beim Maklerunternehmen CBRE für das laufende Jahr. Die Folge: „stagnierende und eventuell leicht fallende Mietpreise“, die laut Folz in Leipzigs bestbesuchter Bummelmeile Petersstraße und in der Grimmaischen Straße ums Eck in der Spitze bei 120 Euro/m2 liegen. Dabei habe die „den Zenit aber noch lange nicht überschritten.“ 08/15-Läden, macht der Oberbürgermeister aber charmant deutlich, gebe es in Leipzig jetzt wirklich genug. Was dem Stadtoberhaupt aber noch fehlt, sei „der letzte Kick“. Irgendetwas wirklich Hochwertiges für die Stadt. „Das wünsch’ ich mir noch.“

Im Juni will mfi bezahlen Doch eigentlich, sagt Jung, sei er jetzt erst einmal froh, dass die Höfe am Brühl „gut angekommen sind“. Zwischenzeitlich war das Zentrum nämlich eine wahre Zitterpartie. Kurz bevor die Westdeutschen den städtebaulichen Vertrag unterzeichnen sollten, sprang aufgrund der Finanzkrise 2008 der kanadische Pensionsfonds Ivanhoe Cambridge als Mitinvestor und Finanzierungspartner ab. Der Eröffnungstermin Herbst 2010 rückte in weite Ferne. Im März 2009 trat dann die Eurohypo auf den Plan und versprach, drei Viertel des Investitionsvolumens als Kredit zur Verfügung zu stellen. Die hochverschuldete stadteigene Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) hat der mfi einen Teil des Kaufpreises gestundet. Insgesamt kostet das 21.000 m2 große Grundstück 31,5 Mio. Euro. 21 Mio. Euro hat mfi in zwei Raten überwiesen. 10,5 Mio. Euro stehen noch aus. Die will Böning der LWB ein Dreivierteljahr nach Eröffnung, am 30. Juni 2013, überweisen. (gg)

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CHEMNITZ

Der Uni-Campus kann kommen

Im Herzen Europas. Im Herzen Leipzigs. Das Stadtquartier am alten Zoll Viel Raum für Ideen in einem neuen, urbanen Quartier, direkt an /H\W[IHOUOVM\UK0UULUZ[HK[YPUNNLSLNLU¶ZVL[^HZÄUKL[THU bald in Leipzig. Das Areal mit knapp 112.000 Quadratmetern wird in der Stadt- und Freiraumentwicklung neue Akzente setzen. Entstehen soll ein durchmischtes Viertel mit vielen Grünzügen, Wohnungen, Büros, Dienstleistung und Hotel. Investoren mit Weitblick können das Gesicht der Stadt nachhaltig mitbestimmen. Innerhalb der Studie „European Cities & Regions of the Future 2012/2013“* rangiert Leipzig unter den Top-Ten-Städten Europas. Im Städteranking des Wirtschaftsmagazins Capital ist Leipzig 2011 der Aufsteiger Nr. 1. Die Lebensqualität ist hoch in der Sachsenmetropole, die Arbeitsmöglichkeiten sind vielfältig, Verkehrsanbindung und Infrastruktur ideal. Willkommen in Leipzig! H\YLSPZ9LHS,Z[H[L.TI/ *V2.9LNPVU5VYK;LS‹PUMV'H\YLSPZYLHSLZ[H[LKL‹^^^H\YLSPZYLHSLZ[H[LJVT

* Herausgegeben vom Foreign-Direct-Investment-Magazin in London, einer Publikation der Financial Times Group

Im Chemnitzer Stadtgebiet Brühl, in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof, wird in den nächsten Jahren ein neuer Campus für die Technische Universität (TU) Chemnitz entstehen. Ende vergangener Woche wurde ein Architektenwettbewerb für den Umbau der früheren Aktienspinnerei entschieden, die zur neuen Zentralbibliothek für die TU Chemnitz ausgebaut werden soll. Etwa 40 Mio. Euro will der Freistaat Sachsen in die Hand nehmen, um das einstige Gebäude der 1858 von einer Aktiengesellschaft gegründeten Spinnerei in eine neue Zentralbibliothek für die TU Chemnitz zu verwandeln. Nachdem der Freistaat das Fabrikgebäude am Schillerplatz, das bereits seit 1905 der Stadt Chemnitz gehörte, für einen symbolischen Preis erworben hatte, lobte der für Bauaufgaben zuständige Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) im vergangenen Jahr einen Architektenwettbewerb für den Umbau und die Erweiterung der Spinnerei aus. Als Sieger ging die von den Dresdner Architekten Siegmar Lungwitz, Lydia Heine und Thorsten Mildner und dem Berliner Büro Rabe gebildete Gemeinschaft aus dem Projekt hervor, deren Entwurf zeitnah umgesetzt werden soll. Noch in diesem Jahr, heißt es vonseiten der SIB, soll die Entwurfs- und Genehmigungsplanung erstellt werden.

Initialzündung zur Entwicklung des Stadtgebietes Brühl Gegenstand des mit Preisgeldern in Höhe von 210.000 Euro dotierten Wettbewerbs war die Erarbeitung von Lösungsvorschlägen zum Umbau und zur Erweiterung des denkmalgeschützten Gebäudes der Alten Aktienspinnerei. Neben der Zentralbibliothek mit rund 12.500 m 2 Hauptnutzfläche sollen dort künftig das Zentralarchiv, die Studienberatung sowie ein Zentrum für Wissenstransfer der TU Chemnitz untergebracht werden. Außerdem

gehörte zur Aufgabe, Flächen der Fakultät Wirtschaftswissenschaften sowie Hörsäle und Seminarräume der TU Chemnitz städtebaulich einzuordnen. Preisträger für diesen städtebaulichen Ideenteil des Wettbewerbs ist das Büro Ferdinand Heide Architekten, Frankfurt am Main. Der Entwurf von Heide überzeugte dadurch, dass er den bisher durch einen Busbahnhof zerstückelten Platz wieder als Stadtraum erlebbar macht. „Städtebaulich war die Anordnung des Busbahnhofs innerhalb der Platzordnung eine Sünde, die rückgängig gemacht werden sollte“, plädiert das Architektenteam des Büros Heide im Erläuterungstext ihres Konzepts. Um den Platz wieder als städtebauliche Figur erlebbar zu machen, sollen die beiden geplanten Universitätsneubauten auf die Süd-Ost- und Süd-West-Ecke der Aktienspinnerei gesetzt werden. Der Platz, der sich dadurch dazwischen neu aufspannt, könnte zum Zentrum des universitären Lebens werden, so die Idee des Konzepts.

Private Investoren werden noch gesucht Aber nicht nur die TU Chemnitz soll mit der Zentralbibliothek, der Ansiedlung neuer Institute sowie einer Mensa einen Campus in Zentrumslage erhalten. Die Entwicklung der denkmalgeschützten Aktienspinnerei ist zugleich der Auftakt für die Entwicklung dieses bislang vernachlässigten Teils der östlichen Innenstadt von Chemnitz und soll die Stadt zu neuem Leben erwecken. Um dieses neue städtebauliche Entwicklungsgebiet in Chemnitz auf den Weg zu bringen, will der Freistaat ebenfalls durch die Ansiedlung von Behörden Impulse setzen. Damit allein aber ist es nicht getan. Nicht zuletzt kommt es darauf an, private Investoren zu finden, die Geld in die Hand nehmen, um Wohnungen, kleinteilige Geschäfte und Kneipen zu realisieren, damit ein lebendiges Stadtquartier entstehen kann. Mit dem bevorstehenden Umbau der Alten Aktienspinnerei ist dafür nun endlich der Anfang gemacht. (mv)


OSTDEUTSCHLAND

Immobilien Zeitung

7.2.2013 Nr. 5 Seite 29

HALLE

Ein seit Jahren nicht dagewesener Run auf Wohnhäuser „Einen seit Jahren nicht dagewesenen Run auf Wohn- und Geschäftshäuser sowie Entwicklungs- und Sanierungsimmobilien“, vermeldet das 3A Makler Netzwerk im sachsenanhaltinischen Halle. Deutlich gestiegene Kaufpreise und genauso deutlich gesunkene Renditen sind die Folge. Auf dem Gewerbeimmobilienmarkt machen nur Läden etwas Freude. Büros liegen wie Blei. Halle rockt. Da ist sich Alexander Retzlaff, Geschäftsführer des Maklernetzwerks, sicher. Halle gilt unter Experten als einer der drei Top-Immobilienstandorte in Mitteldeutschland – „mal vor Leipzig, mal vor Dresden, aber stets vor Magdeburg!“, der Hauptstadt Sachsen-Anhalts. Und noch besser als Plätze in irgendwelchen Rankings findet Retzlaff: 2012 klingelten bei ihm 70% mehr Interessenten an als 2009. Vergleichbar sei der Run nur mit den Jahren ganz kurz nach der Wende. Damals glaubten ja viele, sich im Osten eine goldene Nase verdienen zu können. Das böse Erwachen kam bekanntlich später. Innerhalb der letzten beiden Jahre sind die Preise für Wohnimmobilien um ein Fünftel gestiegen, sagt Retzlaff. Das drückte die Renditen in der Saalestadt auf derzeit 6% bis 8%. In einfachen Gegenden verkauften die Makler bis 2011 Häuser für das 7- bis 9fache der Jahresnettokaltmiete (Istpreis). Heute springt bis

zum 11fachen heraus. In gefragten Wohngegenden stiegen die Vervielfältiger von zwölf auf 15. Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen seit 2011 von im Schnitt 1.300 Euro/m2 auf 1.600 Euro/m2. Und auch die Mieten klettern. Die Durchschnittsmiete in Halle liegt bei 5,70 Euro/m2, die Spitzenmiete hat die 10 Euro/m2 erreicht. Weniger Grund zum Lachen haben die Eigentümer von Gewerbeflächen. Am besten kommen noch Ladenbesitzer weg: „Wir hatten 2012 deutlich mehr Anfragen, sowohl von Existenzgründern als auch Filialisten, die bereit waren, mit ihren Läden auch in B-Lagen zu starten.“ Den Grund hierfür sieht Martin Stutzer, im Maklernetzwerk für die gewerbliche Vermietung zuständig, vor allem in den hohen Mieten von 70 Euro/m2 in den Top-Lagen am Markt oder der unteren Leipziger Straße.

Büros stehen zu 30% leer

Am Marktplatz in Halle sind Läden begehrt und kosten bis zu 70 Euro/m2.

Bild: Pixelio.de/gubheinicke

Büros dagegen liegen wie Blei. Der hohe Leerstand von knapp 30% im Stadtgebiet führe dazu, dass die Mieten seit Jahren bei 4,80 Euro/m2 liegen und Mieter oftmals nur mit entsprechenden Incentives, wie mietfreien Zeiten oder Umbauzuschüssen, durch die Eigentümer angeworben werden können. Nur in Ia-Lagen im Zentrum, in der Leipziger Straße und am Marktplatz, können die Vermieter mit Glück 5,50 Euro/m2 herausholen. (gg)

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ERFURT/WEIMAR/JENA

Wessis are going home Wessis are going home: Seit der deutsch-deutschen Vereinigung drehten auf dem Immobilienmarkt der drei großen thüringischen Städte Erfurt, Weimar und Jena Investoren aus den alten Bundesländern das große Rad. Deren Zahl nimmt jetzt kontinuierlich ab.

Congress Center Leipzig

Beim Handel mit Wohn- und Geschäftshäusern im Wert zwischen 500.000 und 800.000 Euro sei das Verhältnis Wessi/Ossi mittlerweile ausgeglichen, beobachtet Stefan Oschinski, Bereichsleiter von Engel & Völkers Commercial in Thüringen. Der Wegfall der Sonderabschreibungen für die Mitte der 90er Jahre gekauften, dann sanierten Wohnund Geschäftshäuser oder aber der Aufwand durch die Entfernung zwischen Wohn- und Investitionsstandort seien häufig genannte Verkaufsentscheidungen der westdeutschen Klientel. Käufer seien lokal ansässige Ärzte, Anwälte, Handwerker und andere Selbstständige, die ihr Geld sicher parken wollen. „Häuser teurer als 1,5 Mio. Euro leisten sich weiterhin aber nur institutionelle Investoren und private Bestandshalter aus den alten Bundesländern“, erläutert Oschinski. Erfurt, Jena und Weimar locken in guten Lagen mit einer durchschnittlichen Bruttoanfangsrendite von 7%. (gg)

POTSDAM

Nächste Idee für Alte Post Neue Chance für die Alte Post am Potsdamer Einheitsplatz. Die städtische Holding Pro Potsdam will nach einer Reihe von durchgefallenen Vorschlägen mit Sicht auf den zukünftigen Landtag jetzt einen Viergeschosser errichten, der den ursprünglich barocken Bau „als Zitat wiedergibt“. Der Vorschlag ist ein Kompromiss. Die Realisierung des Vorschlags des Potsdamer Architektenehepaars Redlich berge die Möglichkeit, auf dem 569 m2 großen Grundstück Friedrich-Ebert-Straße/Yorckstraße keine roten Zahlen zu schreiben. Würde die Stadt einen Neubau mit der historischen Fassade von Georg Christian Unger (17341799) selbst bauen, drohe ein Verlust. „Eine Ausschreibung vor zwei Jahren ergab kein einziges akzeptables Angebot“, erklärt Bert Nicke, stellvertretender Pro-Potsdam-Chef. Der Redlich-Entwurf greife dabei zu „einem Trick“, indem er hinter einer Fensterfront zwei Stockwerke verberge. „Einen Viergeschosser können wir viel leichter vermarkten“, sagt Nicke. Und wie zum Beweis heißt es weiter: „Ein Kreditinstitut hat mit uns Kontakt aufgenommen und möchte einziehen.“ Nun muss der Entwurf Zustimmung bei den Stadtverordneten und im Gestaltungsrat finden. Denkmalschutz und Verwaltung hätten ihre Zustimmung schon signalisiert. Geht alles glatt, will die städtische Gesellschaft im kommenden Frühjahr für ihren rund 6 Mio. Euro teuren Bau anstelle der 1945 ausgebrannten Alten Post die Bagger bestellen. Achtzehn Monate später sollen die Banker Computer und Schreibtische aufstellen. (gg)

Stand:Punkt Dialog / Marktorientierung / Branchentreff Mitteldeutschland » 2 Tage Ausstellungsbereich » 11. Mitteldeutscher Immobilienkongress » Fachveranstaltungen für die gewerbliche Immobilienbranche in Mitteldeutschland Leipziger Messe GmbH PF 10 07 20, 04007 Leipzig / Messe-Allee 1, 04356 Leipzig, Germany Telefon +49 341 678-8860, Fax +49 341 678-8862 info@immobilienmesse-leipzig.de, www.leipziger-messe.de


OSTDEUTSCHLAND

Seite 30 Nr. 5 7.2.2013

Immobilien Zeitung

DRESDEN

Endlich kommt das Kulturkraftwerk Mitte in Gang Auf der Expo Real 2012 ging die Stadt Dresden zum ersten Mal mit dem Projekt Kulturkraftwerk Mitte auf die Suche nach Investoren. Die Idee: Auf dem 3,8 ha großen Areal des früheren Heizkraftwerks Mitte am Wettiner Platz sollen bis zur Spielzeit 2016/ 2017 zwei neue Spielstätten für die Staatsoperette Dresden und für das Theater Junge Generation (TJG) entstehen. Die noch erhaltenen denkmalgeschützten Gebäude drum herum will die Drewag – Stadtwerke Dresden mit weiteren kulturellen Nutzungen, Firmen aus der Kreativwirtschaft, Gastronomie und Läden füllen. Schätzungsweise 200 Mio. Euro werden in den nächsten Jahren in die Industriebrache in Zentrumslage fließen. Warum eigentlich nicht gleich so, fragt man sich mit Blick auf das jahrelange Ringen um eine neue Spielstätte für die Staatsoperette Dresden. Schon 2008 hatte der Stadtrat eine Vorlage für den Neubau der beiden Bühnen auf dem 1994 stillgelegten Gelände des Heizkraftwerks Mitte abgenickt und alles sah danach aus, als wäre damit endlich nicht nur eine Lösung für das baufällige Nachkriegsprovisorium der Staatsoperette in Dresden-Leuben, sondern auch für die ebenfalls in die Jahre gekommene Bühne des TJG im Stadtteil Cotta gefunden.

Für den Neubau verzichten die Mitarbeiter auf 8% ihres Gehalts In die dringend nötige Erneuerung der Häuser hätte die Stadt nach damaligen Kalkulationen bis zu 26 Mio. Euro stecken müssen, ohne damit eine langfristige Perspektive für die beiden angesehenen Spielstätten zu haben. Dieses Geld, so der Gedanke des bereits damals amtierenden Finanzbürgermeisters Hartmut Vorjohann (CDU), könnte ebenso in einen Neubau fließen. Aufgestockt wird das Budget für den Theaterbau durch den im Sommer 2009 neu abgeschlossenen Haustarif mit den Mitarbeitern der Staatsoperette. Diese haben

Noch liegt die Freifläche, auf der früher das Kesselhaus stand, im Winterschlaf. Doch schon in einem Jahr könnten hier die Bagger anrollen, um mit dem Theaterneubau ans Maschinenhaus anzudocken. Bild: mv

sich bereit erklärt, bis 2021 auf 8% ihres Gehalts zu verzichten, wenn für die Staatsoperette bis zur Spielzeit 2016/2017 ein neues Theater gebaut wird. 3,3 Mio. Euro sind nach Auskunft von Sieglinde Schlüter, Verwaltungsdirektorin der Staatsoperette Dresden, auf diese Weise bisher in einen zweckgebundenen Fonds geflossen. 12 Mio. bis 13 Mio. Euro werden je nach Tarifentwicklung bis 2021 zusammenkommen. Als Gegenleistung für den Gehaltsverzicht, der je nach Einkommen mit 200 bis 300 Euro pro Monat und Mitarbeiter zu Buche schlägt, sind betriebsbedingte Kündigungen und weitere Sparmaßnahmen innerhalb des Vertragszeitraums ausgeschlossen. Letzteres sei in der permanent von Sparmaßnahmen und Schließungen bedrohten Kulturbranche keineswegs eine Selbstverständlichkeit, erklärt Schlüter. Ist die neue Spielstätte auf dem Kraftwerksgelände erst in Betrieb, hofft sie zudem auf einen dauerhaften Fortbestand der Staatsoperette. Sonst ergebe ein Neubau schließlich keinen Sinn.

Ping-Pong-Spiel um den Standort für die Staatsoperette

Der Eingang zum Kraftwerksgelände am Wettiner Platz. Bild: mv

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Dass die geplante Spielstätte am Wettiner Platz auch tatsächlich gebaut wird, ist nach der jahrelangen Vorgeschichte auch nicht selbstverständlich. Denn auch nachdem die Standortwahl 2008 endlich besiegelt schien, kam noch ein weiteres Mal die seit Jahren gähnende Baugrube auf dem Wiener Platz ins Spiel. Dort hatte die Stadt zuvor vergebens nach einem privaten Investor gesucht, der ein neues Operettenhaus zu den von der Verwaltung vorgegebenen Konditionen baut. Nun sollte noch einmal geprüft werden, an welchem der beiden konkurrierenden Standorte kostengünstiger gebaut werden könnte, bevor eine Ausschreibung für

das Projekt, das nun auch eine neue Spielstätte für das TJG umfasste, auf dem Gelände vom Kraftwerk Mitte erfolgen durfte. So zogen weitere Jahre ins Land, bis der Stadtrat im Juli 2012 endlich beschloss, die Stadtentwicklungs- und Sanierungsgesellschaft Dresden (Stesad) mit der Ausschreibung des Vorhabens zu beauftragen. Wer dachte, damit sei endlich alles eingerührt, wurde aber schon ein paar Monate später eines Besseren belehrt. Als es um die Aufstellung des Doppelhaushalts 2013/14 ging, stand das Kulturkraftwerk nämlich abermals zur Diskussion. Am 10. Januar wurde der Doppelhaushalt schließlich inklusive der Mittel für das Kulturprojekt vom Stadtrat beschlossen. In Kraft treten wird er aber erst, wenn die Rechtsaufsicht die Prüfung abgeschlossen hat.

vestoren, die einzelne Liegenschaften oder das 9.200 m 2 große Grundstück an der Könneritzer Straße erwerben und entwickeln wollen. Dort könnte ein Bürogebäude mit 35.000 m2 BGF entstehen. Den ersten Schritt zur Entwicklung des Areals hat die Drewag selbst vor einiger Zeit gemacht und ein Energie-Museum eingerichtet, das demnächst für etwa 5 Mio. Euro ausgebaut werden soll. Bereits begonnen haben die Arbeiten für die Sanierung eines früheren Schaltanlagengebäudes, das für 1,5 Mio. Euro umgebaut wird. Studios und Büros für Firmen aus der Kreativwirtschaft wird es dort geben. Als coole Partylocation und Veranstaltungsort lockt außerdem schon jetzt das ehemalige Bahnwerk. Recht konkret sind außerdem die Pläne für die um 1894 erbaute Villa am Wettiner Platz. Dort

ist dem vorliegenden Masterplan zufolge ein Kulturkindergarten mit etwa 100 Plätzen geplant. Das Amt für Kindertagesstätten habe bereits Interesse signalisiert, erklärt Drewag-Prokurist Frank Neuber. Kitaplätze würden in diesem Teil der Stadt dringend benötigt. Weiterer Anwärter für Flächen auf dem Kraftwerksgelände ist die Musikhochschule Karl Maria von Weber, die auf der anderen Seite des Wettiner Platzes angesiedelt ist und neue Räume für die Ausbildung von Musikpädagogen braucht. Auch einen Interessenten für eine Musicalspielstätte gibt es Neuber zufolge. Im Zusammenspiel mit Staatsoperette und TJG könnte also ein bunt gemischtes modernes Kulturquartier wachsen. „Der erste Kuss ist gesetzt und der Dornröschenschlaf vorbei“, sagt Neuber. (mv)

Die Ampeln für das Projekt stehen auf Grün „So sicher wie jetzt war das Projekt noch nie“, kommentiert Operettenfrau Schlüter hoffnungsfroh den Stand der Dinge. Und Florian Brandenburg, Projektleiter für das Kulturkraftwerk bei der Stesad, zeigt sich ebenso optimistisch: „Die Ampeln sind auf Grün gestellt.“ Nun gelte es Bieter zu finden. Im Juni dieses Jahres will die Stesad dem Stadtrat den Entwurf und das verbindliche Angebot des ausgewählten Bieters zur Abstimmung vorlegen. Verhandelt werde mit mehreren Protagonisten, die unterschiedliche Konzepte zur Realisierung des Theaterbaus samt Nebengebäuden stricken. Für alle gleich ist das Raumbedarfskonzept und der finanzielle Rahmen für das Projekt: 86,9 Mio. Euro stehen für den Bau zur Verfügung, hinzu kommen 6 Mio. Euro für die Ausstattung der Theater und 4 Mio. Euro für die Gestaltung der Außenanlagen und das Schaffen von 200 Stellplätzen und Haltemöglichkeiten für Reisebusse. Richtig losgehen soll es Anfang 2014 mit den Theaterbauten. Die neuen Bühnen sollen dort entstehen, wo früher das beeindruckende Kesselhaus, das Herzstück des Heizkraftwerks Mitte, stand. Für diese Kathedrale der Industriearchitektur kam die Idee, einen Kulturstandort auf dem Kraftwerksgelände zu entwickeln zu spät. Obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz stand, hatte die Drewag eine Abrissgenehmigung für das einsturzgefährdete Gebäude erhalten. Mehrere Anläufe, Investoren für die Perle zu finden, waren zuvor gescheitert. 2006 wurden die Mauern des Kesselhauses eingerissen. Übrig blieb eine etwa 14.000 m2 große Freifläche, auf der nun die neuen Spielstätten für die Staatsoperette und das Theater Junge Generation unter einem Dach entstehen sollen. Während die Foyers für beide Theater in das ehemalige Maschinenhaus integriert werden sollen, sind die Theatersäle selbst in dem daran anschließenden Neubau vorgesehen. Die Staatsoperette wird dort einen großen Saal mit 700 Plätzen erhalten und das TJG einen Bühnenraum, der 350 Zuschauer fasst. Für das zum Jugendtheater gehörende Puppentheater sind außerdem ein kleinerer Saal geplant sowie eine Probebühne mit jeweils 125 Plätzen.

50 bis 70 Mio. Euro kostet die Sanierung der Bestandsgebäude Gemeinsam werden Staatsoperette und Jugendtheater Werkstätten und andere für den Spielbetrieb notwendige Einrichtungen wie Lagerflächen sowie Konferenz- und Besprechungsräume im Verwaltungstrakt nutzen. Das wiederum ermöglicht einen sparsameren Betrieb der Häuser. Für den Bau des Doppeltheaters verkauft die Drewag das dafür benötigte Grundstück sowie das Maschinenhaus und ein weiteres Bestandsgebäude. Die restlichen Häuser auf dem Areal will das Energieunternehmen teils selbst sanieren und vermieten oder sucht In-

Ein Transparent an der Giebelwand des alten Maschinenhauses, in dem das Foyer entstehen soll, kündigt den Einzug von Staatsoperette und TJG bereits an. Bild: mv

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Investorenauswahlverfahren Lindenauer Hafen in Leipzig Die Stadt Leipzig entwickelt ein neues Stadtquartier mit dem Schwerpunkt Wohnen am Lindenauer Hafen. In diesem Zusammenhang lobt sie gemeinsam mit der treuhänderischen Sanierungsträgerin LESG einen Investorenwettbewerb zur Erlangung konkreter Bebauungskonzepte mit anschließendem Verhandlungsverfahren zur Veräußerung und Bebauung von städtischen Baugrundstücken in 6 Losen aus. Die Auslobung richtet sich an Investoren, Projektentwickler, Wohnungsunternehmen, Bauträger u.ä. (4 Lose) und Baugruppen (2 Lose) sowie deren Architekten. Nähere Informationen zum Standort, zum Verfahren sowie zu den Auslobungsunterlagen erhalten Sie unter: www.leipzig.de/lindenauer-hafen


BERLIN

Immobilien Zeitung

7.2.2013 Nr. 5 Seite 31

BERLINER LIEGENSCHAFTEN

WOHNUNGSMARKT BERLIN

Vergabepraxis wird geändert

Steigen die Preise endlos weiter? weitere 254.000 Einwohner wachsen. Angesichts immer kleiner werdender Lebensgemeinschaften bedeute dies einen Anstieg der Haushalte um 150.000.

Nach zähen Verhandlungen zwischen der Senatsverwaltung für Finanzen und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses dem bereits im September 2012 von Finanzsenator Ulrich Nußbaum vorgelegten Konzept für eine transparente Liegenschaftspolitik des Landes Berlin zugestimmt. Ziel der neuen Liegenschaftspolitik ist eine nachhaltige Stadtentwicklung, bei der fiskalische Gesichtspunkte nicht allein ausschlaggebend sind. Unter anderem wurde vereinbart, dass der Liegenschaftsfonds Grundstücke direkt an die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften vergeben darf, damit preiswerter Wohnraum in der Stadt geschaffen werden kann. Schon im Zuge der am 4. September 2012 erfolgten Verabschiedung des Bündnisses für soziale Wohnungspolitik waren für diese Zwecke 18 geeignete Grundstücke ausgewählt worden, die als Sachwerteinlage an die Wohnungsbaugesellschaften vergeben werden können. Weiterhin werden Grundstücke wie schon zuvor üblich im bedingungsfreien Bieterverfahren veräußert. Darüber hinaus ist es künftig aber auch möglich, Grundstücke direkt zu vergeben, wenn durch eine Fachverwaltung bestätigt wird, dass damit eine Stadtrendite verbunden ist. Direktvergaben erfolgen grundsätzlich unter der Vereinbarung einer Nutzungsbindung, in der Regel für den Zeitraum von 15 Jahren. „Besteht das besondere stadtpolitische Interesse Berlins für einen darüber hinausgehenden Zeitraum, kann die Vergabe auch durch Erbbaurechte erfolgen“, heißt es in der jetzt verabschiedeten Vorlage. Um die neue Liegenschaftspolitik umsetzen zu können, sollen die landeseigenen Grundstücke in verschiedene Gruppen gegliedert werden. Dabei werden Grundstücke, für die eine fachpolitische oder stadtpolitische Perspektive besteht, herausgefiltert werden. Diese Flächen sollen von nun an nicht mehr zum Verkauf an den Liegenschaftsfonds übertragen werden. (mv)

BERLIN

Project startet Verkauf von Stadtvillen in Lichterfelde Im gediegenen Villenviertel von Lichterfelde-West will die Nürnberger Project Immobilien bis Ende 2013 drei Stadtvillen mit jeweils acht zwischen 65 und 128 m2 großen Wohnungen bauen. Dafür hat der Entwickler ein 5.900 m 2 großes Grundstück in der Finckensteinallee 137/139 erworben, das über einen alten Baubestand verfügt und locker bebaut werden soll. Bis zu 900 m2 große Privatgärten können die künftigen Eigentümer der Erdgeschosswohnungen erwerben. Der Verkaufsstart der zwischen 249.000 Euro und 499.000 Euro teuren Einheiten hat am 2. Februar begonnen.

Drohen demnächst die ersten Preiskorrekturen?

Neue Wohnungen sind vor allem in Berliner Innenstadtlagen gefragt, hier das Projekt MY Berlin in Friedrichshain.

Die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum in Berlin ließ die Preise bei Neuvermietungen auch 2012 weiter in die Höhe klettern. Das geht aus dem 9. Wohnungsmarktreport von GSW und CBRE hervor. Demnach stiegen die Angebotsmieten auf durchschnittlich 7,50 Euro/m2 (2011: 6,59 Euro/m2) und legten damit im Schnitt um 13,8% zu. Noch deutlicher zogen die Preise für Eigentumswohnungen an: Im Schnitt wurden 2.258 Euro verlangt, das waren fast 20% mehr als 2011. Doch ob die rasante Entwicklung anhalten wird, stellt der gerade veröffentlichte Marktbericht der HypoVereinsbank (HVB) infrage. Eigentümer von Mietshäusern in Berliner Innenstadtlagen konnten sich in den letzten Jahren die Hände reiben. Bei Neuvermietungen kletterte der Mietzins nach Angaben der HypoVereinsbank seit 2005 stärker als anderswo in der Bundesrepublik. Einen besonders kräftigen Sprung nach oben verzeichnet der gemeinsame Wohnungsmarktreport vom Berliner Wohnungsunternehmen GSW und den Maklern von CBRE im zurückliegenden Jahr. Die Auswertung von stadtweit 65.078 Mietangeboten, die vom ersten bis zum dritten Quartal 2012 inseriert wurden, ergab einen Mietenanstieg in allen Berliner Bezirken. Während die Durchschnittsmiete im Vergleich zu 2011 im unteren Marktsegment um 8,7% zulegte, waren es bei Bleiben für gehobene Ansprüche 15,9%. In Quadratmeterpreisen bedeutet dies eine Mietpreisspanne von 4,89 Euro bis 13,95 Euro. Besonders stark zogen die Preise in den Innenstadtbezirken Mitte, Neukölln, Charlottenburg-Wilmersdorf und FriedrichshainKreuzberg an. In den beiden letzteren Bezirken liegt der Mittelwert bei 8,94 Euro/m2 bzw. 8,93 Euro/m2. Im oberen Marktsegment werden im Schnitt sogar 15 Euro/m2 verlangt. Günstiger wohnt es sich in den Gebieten außerhalb des Zentrums, wo auch der Preisanstieg moderater ausfiel. „Die durchschnitt-

lich angebotenen Mieten in MarzahnHellersdorf und Spandau liegen nach wie vor unter 6 Euro/m 2 . Mit 6,36 Euro/m 2 , 6,50 Euro/m2 und 6,51 Euro/m2 bleiben auch die Mieten in Reinickendorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick erschwinglich. In allen Berliner Bezirken wird im unteren Marktsegment noch Wohnraum für durchschnittlich unter 6 Euro/m2 angeboten, in vier davon sogar unter 5 Euro/m2“, so Jörg Schwagenscheidt, Vorstandsmitglied der GSW.

Wer preiswert wohnt, zieht lieber nicht um Auch wenn es in Berlin noch günstigen Wohnraum gibt, erschwinglich für Normalverdiener ist längst nicht mehr jede Lage. Die Wohnkostenquote für Haushalte, die umziehen wollen, erhöhte sich laut GSW/CBRE-Report auf 27,4% der zur Verfügung stehenden Kaufkraft. Die Spanne

Bild: Kondor Wessels

reicht hier von 19,3% in Marzahn-Hellersdorf bis 33,7% in Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Folge der steigenden Mietpreise ist eine zunehmend geringe Umzugsbereitschaft von Haushalten mit einer niedrigen Bestandsmiete. „Die geringe Fluktuation verknappt das Angebot zusätzlich“, heißt es dazu im Bericht. Die Gründe für den rasanten Preisanstieg auf dem Berliner Wohnungsmarkt sind bekannt. Die Zahl der Einwohner Berlins wuchs in den letzten zehn Jahren stärker als erwartet auf gut 3,5 Mio. (+3%). Neue Wohnungen wurden dagegen kaum gebaut. So schrumpfte die Angebotsreserve dem Verband Berlin Brandenburgischer Wohnungsunternehmen zufolge auf derzeit knapp 3%. Noch stärker beeinflusste die seit 2001 um 7% gestiegene Zahl der Haushalte den Wohnungsmarkt Berlins, wie aus dem HVBBericht hervorgeht. Bis 2030 wird die Bevölkerung nach den neuesten Prognosen um

Dass das Angebot mit der wachsenden Nachfrage nach Wohnraum kaum mithalten kann, zeichnet sich schon jetzt ab. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sich die Preise unbegrenzt nach oben schrauben: „Der Anstieg der Mieten dürfte angesichts des vergleichsweise geringen Wohnungsneubaus weiter anhalten. Wegen der unterdurchschnittlichen Kaufkraft vieler Haushalte, insbesondere in den einfachen und mittleren Wohnlagen, sind jedoch keine unbegrenzten Steigerungen möglich“, sagt Pablo Wittner, Leiter des Immobilienteams der HypoVereinsbank-Niederlassung in Berlin. Auch den florierenden Markt für Eigentumswohnungen hat Wittner kritisch im Blick. Das Angebot für neue Wohnungen sei sprunghaft gewachsen, und durch die dadurch entstehende Konkurrenzsituation müsste bei Objekten mit Lage- und Konzeptionsmängeln mit längeren Vermarktungszeiten gerechnet werden. „Angesichts der rasanten Preisentwicklung bei Mieten und Eigentumswohnungen stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit des erreichten Preisniveaus“, gibt Wittner außerdem zu bedenken. Den bundesdeutschen Spitzenwerten bei den Preisen würden in Berlin eher mäßige Rahmenbedingungen gegenüberstehen. „Wenn sich das Marktgeschehen wieder beruhigt und sich vor allem international und überregional agierende Kapitalanleger zurückziehen, sind daher in einzelnen Lagen – vor allem bei Eigentumswohnungen – Preiskorrekturen nach unten möglich“, schätzt Wittner. Dass teilweise überhitzte Preise aufgerufen werden, bestätigt auch die Analyse von GSW und CBRE. So verteuerten sich nicht nur die Kaufpreise für Eigentumswohnungen innerhalb eines Jahres um 19,9%, sondern auch für Mehrfamilienhäuser stiegen die Quadratmeterpreise um 17,4% auf einen Mittelwert von 1.349 Euro. Eine Blase sei in Berlin dennoch nicht in Sicht, so das Fazit: Wer „überteuerte Lagen und Angebote meidet, baut auf einen stabilen, wachstumsträchtigen Markt“. (mv)

Berliner Wohnungsmarkt weiter im Aufwind:

Bei Neuvermietungen stiegen die Preise Stadtbezirk

Anzahl Mittleres Marktsegment1) Mietan- Mietspanne in Euro/m2/Monat gebote 4 6 8 10 12 14 16

Unteres Marktsegment Median in Änderung Euro/m2/ zu 2011 Monat in %

Oberes Marktsegment Änderung Median in zu 2011 Euro/m2/ Monat in %

Alle Marktsegmente Trend2) Änderung Median in zu 2011 Euro/m2/ Monat in %

Charlottenb.-Wilm.

8.362

6,37 – 13,05

5,93

5,0

15,00

5,3

8,93

11,6

Friedrichsh.-Kreuzb.

6.007

6,50 – 13,18

5,91

7,7

15,00

26,5

8,94

11,5

Lichtenberg

2.591

5,09 – 8,65

4,85

7,3

10,00

16,3

6,50

6,6

Marzahn-Hellersd.

3.394

4,36 – 7,25

4,05

11,6

8,00

12,4

5,11

6,7

Mitte

9.077

5,63 – 14,12

5,20

7,4

16,33

8,9

8,11

14,7

Neukölln

4.206

5,35 – 11,11

5,00

5,0

13,33

46,8

7,00

12,2

Pankow

8.741

6,00 – 12,50

5,58

3,5

14,29

9,9

8,03

8,4

Reinickendorf

3.790

5,00 – 8,55

4,55

5,6

9,20

7,2

6,36

7,6

Spandau

4.016

4,62 – 7,53

4,34

6,9

8,28

10,1

5,90

6,9

Steglitz-Zehlendorf

5.406

6,04 – 11,00

5,56

8,0

12,02

8,5

8,00

10,7

Tempelh.-Schöneb.

5.071

5,75 – 11,51

5,32

6,6

13,59

15,8

7,51

9,8

Treptow-Köpenick

4.417

5,35 – 8,58

5,00

3,3

9,56

9,5

6,51

6,2

65.078

5,30 – 12,00

4,89

8,7

13,95

15,9

7,50

13,8

Berlin Gesamt

1) ohne unteres und oberes Zehntel der Angebote 2) Prognose 12-Monats-Trend gesamtes Marktsegment © Immobilien Zeitung; Quelle: empirica-systeme (Daten 2012), IDN ImmoDaten (Daten 2011); Bearbeitung: CBRE

BERLIN-MITTE Drei solcher Stadtvillen sollen an der Finckensteinallee gebaut werden. Bild: Project

BERLIN

Der erste Neubau auf dem Euref-Campus ist fertig Das 33 Mio. Euro teure Bürogebäude am Euref-Campus 12-13 ist fertiggestellt und kann in den nächsten Wochen bezogen werden. Das Gebäude mit LEED-Gold-Zertifizierung verfügt über rund 12.600 m2 Mietfläche und ist zu 95% vermietet. Hauptnutzer Schneider Electric wird nach Angaben der Euref AG, die das Vorhaben realisiert hat, bis Ende Februar 5.000 m2 beziehen. Weitere Mieter sind Arcadis, BLS Energieplan, Ökotec oder hubjec. Auf dem ehemaligen Gelände des Schöneberger Gasometers an der Torgauer Straße will der Entwickler Reinhard Müller, Vorstand der Euref, eine Energieuniversität etablieren sowie Forschungseinrichtungen und weitere Firmen der Energiebranche ansiedeln. Das jetzt fertiggestellte Bürohaus ist Anfang November 2012 durch eine Gesellschaft des Projektentwicklers Reinhard Müller an Hamborner Reit verkauft worden. Müller plant auf dem Gelände bereits weitere Bürohäuser, außerdem soll an der Südspitze des EurefCampus ein Hotel entstehen.

Doppelspitze bei Entwurf für die Energiezentrale Zwei zweite Plätze kürte die Jury, die über einen Architektenwettbewerb für den Bau der Firmenzentrale des Stromnetzbetreibers 50Hertz in der Europacity an der Heidestraße zu Gericht saß. „Waren eben beide so gut“, begründet Markus Allmann, Architekt in München und Vorsitzender des Preisgerichts, das uneindeutige Votum. Für den Entwurf der Strubbelköpfe von Love architects and urbanism aus Graz in Österreich sprach nach Jurymeinung „die Offenheit des neuen Stadtbausteins, in dem sich das Selbstbild des Unternehmens widerspiegelt“. Allmann kann sich in den Räumen „gelassenes und lebendiges Arbeiten“ vorstellen. Zweiter Zweiter, Henning Larsen Architects, Kopenhagen/Dänemark, überzeugte durch „einen harmonischen Übergang zwischen dem Seriosität ausstrahlenden Bahnhofsquartier und dem hinter dem 50Hertz-Haus beginnenden Kunstcampus um den Hamburger Bahnhof“. Weniger gefallen (Platz 3) hat der Entwurf von Alexa Zahn Architekten, Wien, und der quadratisch, praktische reizlose Entwurf der Berliner Baukünstler Müller Reimann. Für die österreichisch-dänische Doppelspitze heißt es jetzt: Weiterarbeiten. Die Vorschläge

verbessern und konkretisieren. Bis März wollen sich Bauherr Boris Schucht, Vorstandsvorsitzender von 50Hertz (der Frequenz im Stromnetz), und die Jury entscheiden, mit welchem Büro das Haus realisiert wird. Das

8.145 m2 große Grundstück hat Schucht im Sommer 2012 von CA Immo, Wien, gekauft. Ende November will er auf dem Areal, für das derzeit noch kein Bebauungsplan existiert, die Grube ausheben lassen und im

So stellt sich das österreichische Büro Love architects and urbanism aus Graz die 50Hertz-Unternehmenszentrale an der heute öden Heidestraße vor. Bild: 50Hertz

Frühjahr 2014 den Grundstein legen. Ende 2015 will der Herr über 10.000 km Stromstrippe mit 580 Leuten in die Energiezentrale einziehen. Gleichzeitig hat der Stromgarant für 18 Mio. Menschen in den neuen Ländern sowie Berlin und Hamburg für das laut Schucht sichere Wachsen seines Unternehmens aber schon vorgesorgt. Eine zweite Ausbaustufe sieht 710 Arbeitsplätze auf 21.000 m2 Bruttogrundfläche (BGF) vor, Nr. 3 Platz für 900 Nasen und 25.000 m2 BGF. Eingebettet ist der Bau in die 40 ha große Europacity gegenüber von Reichstag und Kanzleramt. Aus der heutigen Öde wollen die Stadtväter in den kommenden Jahren ein lebendiges Stadtquartier formen. Neben der Deutschlandzentrale des Mineralölkonzerns Total, die Anfang Oktober fertig wurde, haben sechs weitere Unternehmen Grundstücke im Entwicklungsgebiet erworben. Neben einem weiteren Hotel der Steigenberger-Gruppe, für das die Entwickler Strauß & Partner am 1. November den Grundstein legten, und zwei weiteren Hotels an der Invalidenstraße wird das Schweizer Beratungsunternehmen Ernst Basler seinen Firmensitz am Kunstcampus errichten. Abgerundet werden diese Entwicklungen in der Europacity in den kommenden Jahren durch zahlreiche Wohnungsprojekte. (gg)


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