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14.4.2011 Ausgabe 15/2011

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Die besten Mitarbeiter zu rekrutieren, ist der wichtigste Erfolgsfaktor für Unternehmen. Wie das gelingt, erläutert BestsellerAutor Jörg Knoblauch im Interview. SEITE 13

CO2-Programm, Energieeinsparverordnung, Mietrecht – in Berlin werden Weichen neu gestellt, Verbände machen Druck. BILD: KFW

Internationale Hotelketten haben den deutschen Markt für Apartmenthotels entdeckt. Erfolgreich sind dabei vor allem diejenigen, die auf Immobilieneigentum setzen.

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Joachim Wieland bereitet seine Aurelis auf den Verkauf vor. Die Gewinne von 2010 könnten den Investoren-Appetit anregen.

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Regulierung ohne Bewertung Die Regulierung der geschlossenen Fonds nimmt Gestalt an. Noch aber fehlt was – die Bewertung, zum Beispiel. (Seite 6)

Eine lange Geschichte findet ein Ende. Die alten Pläne, Finanzierungs- und Entwicklervorhaben sind vom Tisch. Nun baut die Deutsche Bahn im westfälischen Münster den Hauptbahnhof selbst. 70 Mio. Euro werden in Betriebsanlagen und das Empfangsgebäude bis 2016 investiert. (Seite 21)

Zara und H&M testen Läden Die Inditex-Gruppe (Zara) eröffnet den ersten Zara-Home-Laden in Deutschland, da will H&M nicht nachstehen. (Seite 8)

Chance für Einkaufszentren? ANZEIGE

Aus einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs ergeben sich neue Chancen für große Einzelhandelsprojekte. (Seite 13)

Techem garantiert Einsparung Der Eschborner Energiedienstleister will auch der Wohnungswirtschaft ein „einzigartiges“ Angebot machen. (Seite 16) Verliebt in Berlin: Wer kann, versucht derzeit Eigentumswohnungen in guten Lagen zu entwickeln. Hier das Projekt Yoo Am Zirkus von Peach Property, für das Eike Becker den Entwurf lieferte. 38% der bis zu 10.000 Euro/m2 teuren Einheiten sind verkauft oder rerserviert. Bild: Peach Property ANZEIGE

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Wer kann, baut derzeit Eigentumswohnungen oder Eigenheime in Berlin. Die scheinen wegzugehen wie warme Semmeln, wenn man den Verkaufszahlen mancher Investoren glaubt. Vom großen Kuchen wollen Viele gerne ein Stück abhaben. Doch in den beliebten Wohnlagen Berlins ist der Markt längst eng geworden. Das größte Problem der Entwickler ist es, noch freie Grundstücke zu finden. Von einer Blase angesichts steigender Preise will hingegen im Moment keiner etwas wissen. Das hatte nicht einmal der ausgebuffte Verkaufsprofi Dirk Germandi von Profi Partner, Berlin, für möglich gehalten. Nur zwei Wochen nach dem offiziellen Vertriebsstart für den ersten Abschnitt mit 101 Eigentumswohnungen im Haus Cumberland am Berliner Kurfürstendamm waren sämtliche der zwischen 3.500 bis 7.500 Euro/m2 teuren

Einheiten verkauft oder verbindlich reserviert. Auf 55 Mio. Euro beziffert Germandi den Gesamtwert für diesen Bauabschnitt: „Wir sind begeistert vom riesigen Interesse an den Wohnungen im Cumberland“, sagt er. Wegen der großen Nachfrage haben Germandi und sein Geschäftspartner Detlef Maruhn entschieden, das Cumberland mit insgesamt 200 Wohnungen nun in einem einzigen Bauabschnitt ab Spätsommer 2011 zu realisieren. „Die Käufer wollen so schnell wie möglich einziehen“, sagt der für die Bauplanung verantwortliche Maruhn. Anfang 2013 soll das Vorhaben nun fertig sein. Eine ähnlich euphorische Nachfrage wie Germandi und Maruhn verzeichnen auch andere Entwickler bei ihren Projekten im gediegenen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, der seit jeher als gute Wohnlage gilt. Nachdem lange Zeit vornehmlich in den Szenevierteln von Mitte und Prenzlauer Berg neue Eigentumswohnungen entstanden, erlebt inzwischen der Westteil der Stadt eine Renaissance. „Der Berliner Westen gewann

in den vergangenen zwei Jahren bei Investoren und Projektentwicklern immer mehr an Bedeutung“, heißt es in einer aktuellen Marktanalyse von BulwienGesa. Zu den Investitionsstandorten zählen die Marktforscher nicht nur Charlottenburg-Wilmersdorf, sondern auch Teile von Kreuzberg, Schöneberg und Tiergarten (lesen Sie dazu auch den Beitrag auf Seite 35). Die Voraussetzungen für einen weiterhin prosperierenden Wohnungsmarkt in Berlin sind aus Sicht der Investitionsbank Berlin (IBB) gegeben. „Die Nachfrage nach Wohnraum ist in den letzten Jahren stabil gewachsen“, heißt es im neuesten IBB-Wohnungsmarktbericht. Das Angebot habe mit dieser Entwicklung allerdings in der Vergangenheit nicht Schritt gehalten. Weiter auf Seite 28 Lesen Sie in unserem Schwerpunkt Berlin und Ostdeutschland auf den Seiten 28 bis 35 unter anderem über den Transaktions- und den Büromarkt Berlin sowie über Wohnbauprojekte in Berlin und Dresden.

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SCHWERPUNKT BERLIN

Seite 28 Nr. 15 14.4.2011

UND

OSTDEUTSCHLAND

Immobilien Zeitung

FORTSETZUNG VON SEITE 1

Berliner Wohnungsmarkt: Euphorie ohne Ende? „Die Reserven auf dem Berliner Wohnungsmarkt schmelzen und die Angebotsmieten für neue Mietverträge und die geforderten Kaufpreise für Wohnimmobilien steigen“, heißt es im IBB-Wohnungsmarktbericht. Vor allem durch die stark gestiegene Zahl der Haushalte ist die Zahl freier Wohnungen geschrumpft: Ende 2009 wohnten 3,44 Mio. Menschen in der Hauptstadt, das waren 1,8% bzw. 60.000 Bewohner mehr als zehn Jahre zuvor. Die Anzahl der Haushalte stieg indes seit dem Jahr 2000 durch immer kleiner werdende Haushalte erheblich an. Nach IBB-Angaben lag sie Ende 2009 um 9,1% oder 165.000 höher als Anfang 2000. Die Zahl ist beeindruckend, denn sie entspricht nahezu der Anzahl der Haushalte im gesamten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Weil in den nächsten Jahren vor allem die Einpersonenhaushalte weiter zunehmen werden, rechnet der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) deshalb mit einem Neubaubedarf von 60.000 Wohnungen, was 6.000 Einheiten pro Jahr entsprechen würde (lesen Sie dazu auch den Betrag auf Seite 31).

IBB-Report prognostiziert einen weiteren Anstieg der Mieten Derzeit ist die Neubautätigkeit aber noch weit von diesem errechneten Wert entfernt. Seit Jahren liegt das Volumen nur bei rund 3.000 neuen Einheiten pro Jahr – eine Folge von Leerstand einerseits und niedrigen Angebotsmieten andererseits. Doch seit dem Jahr 2007 hat sich das Blatt gewendet. Bei Neuvertragsabschlüssen liegen die durchschnittlich verlangten Mieten laut IBB um 17% höher als zu Jahresbeginn 2004. Und das nicht nur in einzelnen Marktsegmenten, sondern auf breiter Front und in fast allen Bezirken: „Von einem weiteren Anstieg ist

Wohnen am Kurfürstendamm und dennoch mit großem grünen Innenhof scheint gut anzukommen. Im Haus Cumberland waren die 100 Einheiten des ersten Abschnitts in zwei Wochen verkauft.

Die Käufer der schicken Einheiten im Haus Cumberland sind nach Angaben der Projektentwickler zu 55% Eigennutzer. Bilder: Profi Partner

auszugehen“, heißt es bei der IBB. Durch die übliche Fluktuation werden in den kommenden Jahren deshalb auch die Bestandsmieten steigen. Der aktuelle Wohnmarktreport von GSW und CBRE spiegelt den Trend wider: Für 2010 wird dort eine Angebotsmiete von durchschnittlich 6,11 Euro/m2 genannt, was einem Anstieg von 4,5% im Vergleich zu 2009 entspricht (IZ 10/11). Dass man mehr Geld für Wohnraum verlangen kann, beobachten auch Projektentwickler wie NCC. „Bei unserem Vorhaben in der Heinrich-Böll-Straße in Pankow wollte keiner glauben, dass wir eine Nettokaltmie-

milie gründen. Das Gleiche gilt beim Erwerb von Eigentum. Wer weniger zahlen will als die für Berliner Verhältnisse recht üppigen Quadratmeterpreise von um die 4.000 Euro, die im Umfeld der Kastanienallee aufgerufen werden, weicht Weber zufolge auf Lagen aus, die zwar noch in der Nähe, aber günstiger sind.

te von 7,50 Euro/m2 bekommen werden“, sagt NCC-Geschäftsführer Fred Weber. Bei empirica habe man eine maximale Nettokaltmiete von 7,20 Euro/m2 errechnet, gezahlt würden heute aber 8,40 Euro/m 2 , plaudert Weber aus dem Nähkästchen. Bei Vermietungen von Projekten in Pankow profitiert die NCC auch davon, dass viele Leute, die früher im Szenegebiet von Prenzlauer Berg, das zum Bezirk Pankow gehört, nicht mehr bereit oder in der Lage sind, Nettokaltmieten von 10 Euro/m2 und mehr zu zahlen, wenn sie nach einer größeren Wohnung suchen, etwa weil sie eine Fa-

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Nachdem nach der deutsch-deutschen Vereinigung vor 21 Jahren Investoren und Entwickler ihr Glück bevorzugt im ehemaligen Ostberlin suchten, ist das Geld seit gut zwei Jahren zurück im Westen. Derzeit befinden sich in der westlichen Innenstadt über 800 Wohnungen im Bau. Noch einmal so viele stecken in der Pipeline.

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So habe die NCC die 34 von ihr geplanten Stadthäuser am Eschengraben innerhalb eines Vierteljahres verkaufen können. Die Reihenhäuser in der kleine Nebenstraße im Norden der Schönhauser Allee gingen für 190.000 bis 225.000 Euro weg. „Wir merken, dass man noch was draufpacken kann“, sagt Weber, der wie die anderen Investoren glaubt, dass die Preise noch weiter steigen werden. Das sieht auch Jürgen Leibfried, Geschäftsführer der Bauwert, so. Während die NCC eher Wohnraum im preiswerteren Segment anbietet, konzentriert sich die Bauwert auf Standorte in gewachsenen Lagen, an denen sie gehobenes Wohnen realisieren

WOHNEN IN DEN BERLINER BEZIRKEN

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„Wir merken, dass man immer noch was draufpacken kann.“

kann. Doch freie Grundstücke in gut etablierten Wohnlagen sind unterdessen rar gesät und hart umkämpft. Den Markt in diesem Segment sieht Leibfried trotz einer Vielzahl von Projekten indes längst nicht ausgeschöpft: „Im Gegensatz zu anderen großen Städten, wo es schon früher einen Markt für hochwertige Eigentumswohnungen gab, hat Berlin hier einen großen Nachholbedarf.“ Außerdem seien die Zuzügler in Berlin nicht üblicherweise die Klientel, die in Plattenwohnungen ziehen würde. Das Angebot, sowohl im Eigentums- als auch im Mietbereich, ist seiner Ansicht nach aber mager. Seine persönliche Prognose: „Die Nachfrage nach vernünftigen Wohnungen wird stabil bleiben und nachhaltig sein.“ Zum einen sei das in der Angst der Leute vor einer wachsenden Inflation begründet und zum anderen auch darin, dass Berlins Wirtschaftskraft in den letzten Jahren überproportional gewachsen ist. „Es wird keine Blase geben, dazu war Berlin in der Vergangenheit zu bodenständig“, lautet auch das abschließende Urteil von NCC-Chef Weber: „Aber die Berliner werden sich daran gewöhnen müssen, dass sie einen Euro mehr Miete auf den Quadratmeter zahlen müssen.“ (mv)

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Das geht aus einer Marktstudie des Berliner Forschungsinstituts BulwienGesa hervor. Am eifrigsten gebaut wird, gemessen an den Einwohnern, in Kreuzberg, in dem auch die größten Vorhaben realisiert werden. Im früheren Arbeiter- und späteren Studentenviertel ziehen als dickste Brocken eine Reihe von Baufamilien das Projekt Am Urban hoch. In Kürze sollen auf dem Gelände eines alten Krankenhauses 120 Wohnungen bezugsfertig sein. 131 neue Unterkünfte entstehen im Brauhofgarten im Viktoria-Quartier auf dem Gelände der früheren Schultheiß-Brauerei. Investor ist die Baywobau. Mit 200 Einheiten mit Abstand am meisten Wohnungen im gutbürgerlichen Bezirk Charlottenburg, und dann auch noch direkt

am Prachtboulevard Kurfürstendamm, entstehen im Haus Cumberland. Die nächste Baustelle, Grüne 9, in der Sömmeringstraße im Norden des Bezirks, bringt es „nur“ auf 98 Quartiere. Nicht gekleckert, sondern geklotzt wird auch in Wilmersdorf, wo die Bauwert mit ihren Rosengärten bis Ende 2013 genau 144 Wohnungen auf dem Gelände einer früheren Kleingartenkolonie realisiert. Am wenigsten gebaut wird in Schöneberg, wo die Researcher gerade einmal vier der insgesamt 36 gezählten Vorhaben, mit zusammen 140 Wohnungen orteten. Ost- und Westprojekte unterscheiden sich in ihrer Größe, fanden die Fachleute heraus. Gut ein Drittel der Westvorhaben umfassen mehr als 50 Wohnungen, in den östlichen Innenstadtteilen sind das nur 12%. Die Preisunterschiede zwischen hüben und drüben sind dagegen Geschichte. Im Schnitt kosten Innenstadtwohnungen 3.500 Euro/m2, wobei die Mehrzahl der Projekte einen durchschnittlichen Kaufpreis von 3.000 bis 3.500 Euro/m2 aufweist. Am teuersten ist neues Wohneigentum in Wilmersdorf, wo im Schnitt 4.040 Euro/m2 im Vertrag stehen. Am billigsten kommen mit 2.850 Euro/m2 Käufer in Kreuzberg weg. (gg)

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Bauen für ein gediegenes Publikum: Die Rosengärten in Wilmersdorf entstehen auf dem ehemaligen Gelände einer Kleingartenkolonie. Bild: Bauwert


Immobilien Zeitung

SCHWERPUNKT BERLIN

BERLIN, SCHLOSSPLATZ

Hauptstadtrepräsentanz

Karl Liebknecht wird sich im Grabe umdrehen! Neben dem Balkon, von dem er 1918 die Republik ausrief, wird zwischen heutiger Business School (li.) und Außenministerium (re.) die Repräsentanz des ThyssenKrupp-Konzerns gebaut. Bild: gg

Der Essener Industriekonzern ThyssenKrupp sucht noch bis zum 3. Mai 2011 Architektenentwürfe für seine neue Hauptstadtrepräsentanz. Das Gebäude mit geplanten 5.000 m2 Bruttogrundfläche entsteht an einer der feinsten Adressen der Stadt: am Schlossplatz 2, direkt vor dem früheren Staatsratsgebäude. Das zukünftige ThyssenKrupp-Haus soll „ein einladender Treffpunkt für Menschen mit Ideen, eine Plattform für Innovation und Technologie, eine Adresse für Veranstaltungen und Dialoge“ werden, heißt es in den Ausschreibungsunterlagen. Zum nichtoffenen zweiphasigen Planungswettbewerb werden zur ersten Runde rund 25 Teilnehmer zugelassen. Fünf Architekturbüros – Adjaye/Associates, London, Chaix & Morel, Paris (mit JSWD, Köln), Degelo Architekten, Basel, Kaspar Kraemer, ebenfalls Köln, und Wingårdh Arkitektkontor, Göteborg – wurden vorab eingeladen. Sieben Glückliche sollen es in die zweite Phase schaffen. Die Industriellen stellen 154.000 Euro Preisgeld zur Verfügung. Der Gewinner bekommt 17.000 Euro; zusätzlich zu einem pauschalen Bearbeitungshonorar in Höhe von 16.000 Euro, das jeder erhält, der in die zweite Runde kommt. In der neunköpfigen Jury sitzen neben Ephraim Gothe, er ist der zuständige Baustadtrat des Bezirks Mitte, Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, drei Kruppianer und vier Architekten.

Das 737 m2 große Baugrundstück vor dem Sitz der heutigen European School of Management and Technology ist derzeit Straßenland. „Seine Lage am künftig rekonstruierten Schlossplatz ist einzigartig und von öffentlicher Bedeutung“, heißt es im Anfang April veröffentlichten Aufruf an die Architekten weiter. Vor einigen Jahren hatte der Verkauf des Areals an ThyssenKrupp für Schlagzeilen gesorgt. Der Liegenschaftsfonds habe dem Konzern das Filetstück zum Spottpreis von 3.766,07 Euro verkauft, schrieben die Zeitungen. Allerdings müsse der Konzern noch rund 1,7 Mio. Euro aufwenden, um aus der alten Straße ein Baugrundstück zu machen. Wann das Unternehmen mit dem Bau des „ThyssenKrupp Haus Berlin“ beginnt, ist noch offen. Der Zeitplan sieht aber vor, dass Anfang Dezember 2011 das Preisgericht einen Sieger küren wird. Die prominente Lage im Herzen Berlins hatte bereits im Oktober 2003 den Bertelsmann-Konzern angelockt. An der Adresse Unter den Linden 1 ließen Bertelsmann AG und Bertelsmann Stiftung die ehemalige Stadtkommandantur ebenfalls als Repräsentanz neu errichten. (gg)

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Die Betreuung und Durchführung des Wettbewerbs erfolgt durch [phase eins] Eichelmann Hossbach Lehmhaus, Berlin (www.phase1.de). Anfragen zu diesem Projekt über die E-Mail-Adresse: thyssenkrupp-berlin@phase1.de.

BERLIN-PRENZLAUER BERG

Eigentum für weniger Reiche Neue Wohnungen im Szeneviertel Prenzlauer Berg gibt es zuhauf. Eigentumswohnungen für weniger Reiche sind im Bezirk aber selten. In diese Nische hüpft jetzt die Berliner BBT mit dem Vorhaben johns.home. Dieser Name für die 45 Eigentumswohnungen auf rund 4.800 m2 Fläche steht für die Adresse: John-Schehr-Straße 26-30. Gebaut wird „gehobener Standard“, wie es aus dem Unternehmen heißt, im Standard eines KfW-Effizienzhauses 70. Die geplanten reinen Baukosten liegen brutto bei 1.275 Euro/m2. Üblich sei für Einheiten dieser Qualität 1.500 bis 1.600 Euro/m2. „Wir bauen aber nicht schnell und billig“, wehrt Thomas Lange von der BBT ab. Der Sparsamkeit

zugrunde liege „ein stringentes Target Costing, bei dem schon zu Projektbeginn Zielkosten für jedes Bauteil, Qualitäts- und Ausstattungsmerkmal festgelegt werden“. Wer preiswerter baut, kann auch preiswerter verkaufen, sagt Lange weiter. Bezahlen müssen die zukünftigen johns.home-Bewohner zwischen 2.000 Euro/m2 für eine Wohnung im ersten Stock bis rund 3.300 Euro/m 2 für eine Dachgeschosswohnung mit zwei Terrassen. Üblich ist laut einer Marktstudie von BulwienGesa aus dem Jahr 2010 im Bezirk Prenzlauer Berg ein Durchschnittspreis für neue Wohnungen von 3.100 Euro/m 2 . Das Investitionsvolumen liegt bei 11 Mio. Euro. Der Baubeginn ist im April 2011. Fertig sein sollen die Quartiere auch für weniger Reiche im Sommer 2012. (gg)

UND

OSTDEUTSCHLAND

14.4.2011 Nr. 15 Seite 29

SOZIALER WOHNUNGSBAU BERLIN

Spekulation und Renditen von 50% 2003 hat der Berliner Senat beschlossen, sukzessive 28.000 Berliner Mietwohnungen nicht wie ursprünglich zugesagt 30 Jahre, sondern nur noch 15 Jahre staatlich zu fördern. Nach Wegfall dieser Anschlussförderung können die Eigentümer die Sozialmieten bis zur Höhe der Kostenmiete erhöhen. Für den Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild, ein Unding. Auch ein vom rot-roten Senat auf den Weg gebrachtes Wohnraumgesetz wird daran nicht viel ändern. Außerdem wird das Vorhaben vom Knatsch in der Berliner Koalition und einem Streit zwischen Land und Bund torpediert. Derweil kassieren Investoren im sozialen Wohnungsbau Kapitalrenditen von bis zu 50%, und die Mieten im Sozialen Wohnungsbau sind für Arbeitslose und Bedürftige eindeutig zu hoch.

IZ: Welcher Spekulation? Wild: Vielfach gingen und gehen die Bauherren in Insolvenz. Der Erwerber kauft die Wohnanlage aus der Insolvenz preiswert. Und verlangt jetzt von den Bewohnern eine Kostenmiete auf Grundlage der Ursprungskosten. Damit lassen sich Kapitalrenditen von über 50% erzielen, h a b e n Mietervertreter in betroffenen Berliner Beständen ausgerechnet.

Wild: Wir plädieren für eine Richtsatzmiete, die im sozialen Wohnungsbau natürlich unter den Mietspiegelwerten liegen muss. IZ: Kriegt die Landesregierung ihr Wohnraumgesetz vor den Wahlen im September gebacken? Wild: Nein, das glaube ich nicht. IZ: Wo ist der Sprengstoff? Wild: Der liegt einmal im Knistern zwischen den Koalitionsfraktionen. Gerade in der Mietenpolitik ist man sich alles andere als einig. Sie erinnern sich, dass der Regierende Bürgermeister gesagt hat, Mietsteigerungen in Berlin seien gut, sie signalisierten eine wachsende Kaufkraft. Nur in einem Nachsatz sagte er dann, Kaufkraft wachse natürlich nur, wenn Einkünfte wachsen.

Bürgermeister hat sich in der Stadt keine Freunde gemacht

Aber er hat sich damit natürlich keine Freunde gemacht. Weder bei den Mietern noch beim Koalitionspartner. Es gibt aber noch einen Grund, einen ganz handfesten, weshalb ich nicht glaube, dass das Wohnraumgesetz noch kommt. Der Bau der Sozialwohnungen ist durch Bürgschaften gesichert worden. Die hat Immobilien Zeidas Land Berlin übernommen, und tung: Herr Wild, der Bund hat, um das Elend leiSozialwohnungen, dende Berlin aufrecht zu erhalten, die 19 Euro/m2 die Hälfte der Lasten mitverbürgt. kosten, obwohl der Um diese Rückbürgung des BunMietspiegel einen des wird vor Gericht gestritten. Wert von durchDie Berliner Rechtsprechung hat schnittlich 4,83 den Bund freigestellt. Sie war der Euro/m2 ausweist, Auffassung, Berlin habe die InMenschen, die solvenzen durch die Kappung über Nacht dopder Anschlussförderung selbst pelt so viel Miete verschuldet. Ich gehe davon zahlen wie voraus, dass das Land Berlin vor her. Wie kann Gericht Schiffbruch erleidet. das angehen? Trotzdem will die Politik bei Reiner Wild: den Richtern nicht den EinDas kommt, druck erwecken, den Eigentüweil der Mietmern der 28.000 Wohnungen spiegel bei den Wild ist Geschäftführer vom Berliner Mieterverein. Er fordert ein vernünftiges Wohnraumge- einen Stein nach dem anderen aus der An- Reiner setz für die Stadt und will die Spekulation mit Sozialwohnungen stoppen. Bild: Wild in den Weg zu legen. Erst nehschlussfördemen sie ihnen die Förderung rung gefallenen IZ: Das ist erlaubt? weg und jetzt zementieren sie ihnen auch Sozialwohnungen keine Rolle spielt. Die EiWild: Wir prüfen, ob bei der Wirtschaftnoch eine neue Mietenregelung. gentümer dürfen jetzt die Kostenmiete verlanlichkeitsberechnung, die einer Mieterhöhung gen. Das hat der Berliner Senat erlaubt, um den Neue Sozialwohnungen nur für im sozialen Wohnungsbau zugrunde liegen Investoren, die ihre Steuersparmodelle ja 15 Menschen mit echten Problemen muss, nicht grundsätzlich auf die tatsächliJahre länger kalkuliert haben, entgegenzuchen Kapitalkosten abgestellt werden muss. kommen und um Pleiten zu vermeiden. IZ: Braucht Berlin neue Sozialwohnungen? Diese Fallgestaltung, wie wir sie jetzt in Berlin IZ: Sehen Sie einen Ausweg aus dem DiWild: Ja, aber in sehr engen Grenzen und vorfinden, ist bislang richterlich nicht entlemma? nur für Menschen, die am Wohnungsmarkt Wild: Ich schlage vor, die Mieten zu kapschieden. Es spricht einiges dafür, dass ein Erwirklich Probleme haben. Ich könnte mir pen. Das geht. Auch rechtlich. Andere Bunwerber nicht die Ursprungskapitalkosten des desländer, wie Baden-Württemberg und Neubau im generationenübergreifenden oder Voreigentümers ansetzen darf, wenn er selbst Schleswig-Holstein, tun das auch. Berlin altersgerechten Wohnen vorstellen. Sonst geringere Kapitalkosten hat. scheut vor dem Konflikt mit den Eigentümüssten wir, wie in den 90er Jahren, 80.000 IZ: Was halten sie von dem Vorschlag, nicht mern, vor allem mit den Neueigentümern, Wohnungen errichten, um durch die Ausweidie horrende Kostenmiete, sondern eine Verzurück. Davon gibt es eine Menge, denn rund tung des Angebots den Markt so zu beeingleichsmiete anzusetzen? Die liegt in Berlin noch die Hälfte dieser Bauherren, Projektgesellflussen, dass das Mietniveau nachgibt. Das ist bei unter 5 Euro/m2. schaften und Fonds sind nach Wegfall der ja der Gedanke, der dahintersteckt. Das ist ilFördergelder in die Insolvenz gegangen. lusorisch und nicht wünschenswert. So viele Für Arbeitslose und Bedürftige Wohnungen werden nicht gebraucht. Und sind die Belastungen zu hoch Das Wohnraumgesetz muss die der Bau ist nicht bezahlbar. Stattdessen wäre Spekulation verhindern es gut, mit Hilfe öffentlicher Gelder auch die Wild: Ja, noch. Doch das wird nicht so bleieinfachen Wohnungen von Geringverdienern ben. Außerdem sprechen wir bei den betrofIZ: Die rot-rote Landesregierung will gegen die in einen guten energetischen Zustand zu fenen Wohnungen in aller Regel von steigenden Mieten in Berlin ein Wohnraumgesetz bringen. Das beschert Mietern niedrige NeBeständen, die laut Mietspiegel im Schnitt auf den Weg bringen. Gute Idee? 2 benkosten und hilft, weniger schädliche 7,50 Euro/m kosten. Für Geringverdiener ist Wild: Im Prinzip ja, aber der Entwurf ist Treibhausgase in die Luft zu pusten. das viel, für Arbeitslose und Grundsicheschlecht. IZ: Vielen Dank für das Gespräch! rungsempfänger deutlich zu viel. IZ: Wieso? Das Interview führte Gerda Gericke. IZ: Und wie lautet Ihr Vorschlag? Wild: Da steht zur Begrenzung der Mieten bei den 28.000 Sozialwohnungen nämlich nichts drin. Das sei aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht möglich, lautet die Begründung. Die Eigentümer hätten keine Anschlussförderung bekommen und damit habe der Staat keine Befugnisse mehr. Da vertrete ich eine andere Auffassung, schließlich ist die Grundförderung in den Wohnungen ja noch drin. Also sind das noch Sozialwohnungen. Begrüßenswert am Gesetzesvorschlag ist: Wenn es zu einer Insolvenz kommt, soll das Kostenmietsystem nicht mehr gelten. Das ist gut, denn das schiebt der Spekulation einen Riegel vor.

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Seite 30 Nr. 15 14.4.2011

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* Bewertung erfolgte durch das Maklerunternehmen Engel & VÜlkers per 31.12.2010, Bilder: Industrifinans. **Multiplikator der Jahresnettokaltmiete Š Immobilien Zeitung; Quelle: Industrifinans

Nirgends schĂśner als in Berlin Am Berliner Wohnungsmarkt stehen die Ampeln auf grĂźn. Investoren jeglicher Couleur treten sich auf die FĂźĂ&#x;e. Niedrige Einkaufspreise, die Aussicht auf steigende Mieten gepaart mit einer wachsenden BevĂślkerung und kaum Neubau lassen die Herzen hĂśher schlagen. Mit dabei: Einar Skjerven, Deutschland-Chef der norwegischen Fondsgesellschaft Industrifinans Real Estate, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er lieĂ&#x; sich von der Immobilien Zeitung in die Karten gucken.

ein. 1.040 lieĂ&#x; er kalkulieren, 400 hat er besichtigt, fĂźr 90 wurde ein Letter of Intent geschrieben, bis er schlieĂ&#x;lich 48 kaufte. Bis auf fĂźnf Häuser hat er alle behalten. Wieder abgestoĂ&#x;en wurde zum Beispiel die Pappelallee 32 im Prenzlauer Berg. Das Haus mit seinen zehn Wohnungen war ihm letztlich denn doch zu klein. Da lohne sich der Verwaltungsaufwand nicht wirklich.

Kaum Leerstand und auch kaum Mietschuldner

2006 fĂźr 700.000 Euro erworben, ging das Haus nach Investitionen von 100.000 Euro im vergangenen Jahr fĂźr 1,19 Mio. Euro wieder weg. Skjerven ist damit zufrieden. Wenn eine Heuschrecke ein ausländischer Die Ăźbrigen will er bis 2014 behalten. Investor ist, der Wohnungen billig kauft, Von Ăźbrig gebliebenen 1.400 Einsie ein wenig saniert, teurer als vorheiten stehen ganz genau elf her wieder vermietet, um die Wohnungen derzeit leer. Und Häuser nach einigen Jahweniger als 1% seiner Beren mit sattem Aufwohner zahlen keine Mieschlag zu verkaufen, te, freut sich der Fondsdann ist Skjerven Manager, hinter dem als eins dieser kleinen grĂśĂ&#x;ter EigentĂźmer die Krabbeltiere. Aber norwegische Kirche ein Nettes, das steht. viel lacht. Und Um die FluktuatiauĂ&#x;erdem veron seiner neuen Miescherbelt er ter, also der, die nach seine Errunder Sanierung die genschaft neuen teuren Mieten nicht bereits zahlen, zu begrennach drei, zen, „verlangen wir vier Jahren („dann hat Einar Skjerven, Deutschland-Chef der skandinavischen Fondsgesellschaft Industrifinans. Hinter ihm und seinen immer so ein kleines Bild: gg bisschen man noch acht Mitarbeitern in Frankfurt und Berlin steht die norwegische Kirche. weniger nicht genug Miete“, markiert er wurden ausschlieĂ&#x;lich „bereits fertiggeverdient“), sondern erst nach sieben Jahren. mit Daumen und Zeigefinger die HĂśhe eistellte, qualitativ hochwertige Immobilien Mit dem Fahrrad hat er Berlin, die Kieze nes Schulheftes, als die Spitzenmiete. „Sonst mit hohem Vermietungsgrad an sorgfaĚˆltig und die zentralen Wohnviertel, drei Monate denken die Leute, sie wohnen zu teuer, und lang erkundet. TagsĂźber, aber auch in der ausgewaĚˆhlten Standorten in guten bis sehr suchen sich immer gleich eine neue WohNacht, weil er wissen wollte, ob man in seinung“, lacht Skerven verschmitzt. guten Lagen“. Sanierungsobjekte interessienen zukĂźnftigen Häusern nicht nur gut Derzeit sind er und sein Team fĂźr Fonds ren Skjerven nicht. „DafĂźr sind wir die falwohnen, sondern auch ruhig schlafen kann. Nr. 2 auf der Pirsch. Im August 2010 hat die sche Mannschaft“, lacht der Mann mit dem Bundesanstalt fĂźr Finanzdienstleistungsaufbunten Schal. 3.000 Offerten gingen fĂźr das Mit dem Rad durch die Kieze sicht (BaFin) ihr Okay gegeben. Kaufen will jetzt geschlossene Anlageprodukt bei ihm gefahren – am Tag und nachts er bis Ende des Jahres 2011 40 bis 100 Häuser mit 1.000 bis 2.500 Wohnungen. AusgeDanach hat er festgelegt, wo er kaufen geben werden sollen 100 Mio. bis 250 Mio. ANZEIGE wird und wo nicht. Ins TĂśpfchen kommen Euro. Die Hälfte des Geldes sollen die Anlebei ihm Häuser in den Stadtteilen Prenzlauger beisteuern, die andere wird fremdfinan ‡–œ–Â?‹– ˆÇŚƒ–‡Â?Ǩ er Berg, Mitte, Charlottenburg und Wilmersziert. Die jährliche AusschĂźttung soll 5% beĚš dorf sowie Steglitz und Zehlendorf. Ins tragen, als Rendite verspricht er Ăźber 6% p.a. KrĂśpfchen wandern beispielsweise AngeboHaltedauer: elf Jahre. te in NeukĂślln und im Wedding. Und auch ƒ–‡Â?ÇĄ ƒÂ?–‡Â?—Â?†‹‡–‡Â? Plattenbauten will er nicht haben. „Ich kauBerlin toppt alle deutschen Städte, ÂˆĂ˛Â”͚͙‡”Ž‹Â?‡”‹Â?Â?ÂƒÂ—ÂˆÂ•Â•Â–Â”ÂƒĂŠÂ‡Â? fe nur, wo ich auch selber einziehen wĂźrde“, auch Hamburg und MĂźnchen sagt der Norweger. Naja. Noch lebt der 45͘ǤÂ—ĆŞÂƒÂ‰Â‡‘Â?Ž‹Â?‡„‡•–‡ŽŽ‡Â?ÇŁ Jährige mit seiner Familie in Oslo. Und in ™™™Ǥ ƒÂ?†‡Ž• Â?†‡šnj‡”Ž‹Â?Ǥ†‡ „Diese Versprechen kĂśnnen wir einhalBerlin residiert er im feinen Grunewald. ten“, nickt der Berlin-Fan, der nirgendwo FĂźr den geschlossenen Fonds Selektion 01 anders in Deutschland als in der Hauptstadt haben die Skandinavier seit 2006 insgesamt auf Shopping-Tour geht. „In MaĚˆrkten wie 43 Häuser mit 1.374 Wohnungen und Lä‡ŽČ‹Í”Í—Í”ČŒÍœÍ?͔͚Í?ÍšÍœÇŚÍ”Čˆ ƒšÇŚÍ•Í— Hamburg oder MuĚˆnchen sehen wir nicht 2 den mit gut 100.000 m Mietfläche zusammehr so viele Entwicklungschancen. Dort ™™™Ǥ ƒÂ?†‡Ž• Â?†‡šnj‡”Ž‹Â?Ǥ†‡ mengekauft. 145 Mio. Euro gingen dafĂźr steigt das Risiko fallender Preise stetig, Ăźber den Tisch (Beispiele siehe links). Gekauft waĚˆhrend es kaum noch Luft nach oben gibt. FuĚˆr Berlin sehen wir das genau umgekehrt.“ 650 Angebote konnte Skerven fĂźr seinen GraefestraĂ&#x;e 32/33, Kreuzberg zweiten Fonds bislang sammeln, 150 kommen von institutionellen Anlegern, von deGekauft am: 1.03.2007 nen sicher einige in den Boomjahren viel Baujahr: 1890 zu viel, viel zu teuer und vĂśllig unĂźberlegt Fläche: 5.836 m2 einkauften und die jetzt versuchen, die VerEinheiten: 94 luste zu minimieren. 5% bis 10% mehr als Leerstand: 3% bei Fonds Nr. 1 mĂźssen die Nordländer bei Kaufpreis: 5,8 Mio. Euro der aktuellen Einkaufstour fĂźr die begehrten 994 Euro/m2 Immobilien ausgeben. aktueller Wert*: 6,75 Mio. Euro „Der Kaufpreisfaktor ist derselbe“, sagt 1.157 Euro/m2 Sollmiete beim Kauf: 398,284 Euro der Fachmann Skjerven, „nur die JahresnetSollmiete heute*: 409.646 Euro tomieten sind gestiegen.“ Trotzdem seien Kauffaktor am 1.12.2006 15,3** die Preise fĂźr die attraktiven GrĂźnderzeitFaktor heute: 16,5** bauten noch moderat. Doch vielleicht nicht 5,90 Miete/Euro/m2: mehr lange. Darum will der Skandinavier Mietsteigerung: 3% seinen Beutezug fortsetzen, auch wenn vieWertsteigerung: 16% le nordische Anleger, die sich 2006 und 2007 zu Boomzeiten die Finger verbrannHier machte der Käufer ein Schnäppchen. ten, schon längst wieder das Weite gesucht haben. (gg)

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BERLINER WOHNUNGSBESTAND

1,9 Mio. Heime reichen Ob knapp 1,9 Mio. Wohnungen fĂźr 3,44 Mio. Einwohner genug sind – darĂźber gehen die Meinungen auseinander. Die Wohnungswirtschaft fordert staatliche UnterstĂźtzung fĂźr bezahlbare Mietwohnungen (Seite 29), der Berliner Senat sagt: Alle Haushalte sind gut versorgt. Jährlich kommen 3.600 Wohnungen in Berlin neu auf den Markt. Gleichzeitig gingen der Stadt durch Abrisse, Umnutzungen und Zusammenlegungen in den Jahren 2005 bis 2009 jährlich hĂśchstens 3.800 UnterkĂźnfte verloren. Summa summarum „ist der Wohnungsabgang nicht hĂśher als der Wohnungszugang“, heiĂ&#x;t es in der Antwort der Berliner Senatsverwaltung fĂźr Stadtentwicklung auf eine Anfrage des Abgeordneten Uwe Doering (Die Linke). In den letzten fĂźnf Jahren sei das Wohnungsangebot um 0,68% gestiegen. Die aktuelle „Versorgungsquote“ liegt den Angaben zufolge damit bei 106,4%, nach 107,3% im Jahr 2005.

„Unter BerĂźcksichtigung einer fĂźr einen funktionierenden Wohnungsmarkt notwendigen Fluktuationsreserve von 3% liegt eine optimale Versorgungsquote bei 103%, schreiben die Beamten weiter. 133.000 Wohnungen oder 6,9% des Bestands standen im vergangenen Jahr leer. Das ist ein RĂźckgang von 1,7 Prozentpunkten gegenĂźber dem Jahr 2006. Die meisten verwaisten Quartiere (8,9%) befinden sich im Stadtteil Mitte, wobei dieser Bezirk mit einem Leerstandsabbau von 3,4 Prozentpunkten gegenĂźber 2006 auch den grĂśĂ&#x;ten RĂźckgang aufweist. Gleichzeitig kamen in den letzten fĂźnf Jahren knapp 0,3% neue Wohnungen in diesen Vierteln hinzu. Die wenigsten Quartiere (4,8%) stehen im Plattenbaubezirk Lichtenberg ohne Mieter da, obwohl die Anzahl der Wohnungen im fraglichen Zeitraum mit gut 1% Ăźberdurchschnittlich gestiegen ist. Gutes MittelmaĂ&#x; mit moderatem Leerstandsabbau und Raten zwischen 6,2% und 6,9% sind die Stadtteile Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-SchĂśneberg und Treptow. (gg)


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SCHWERPUNKT BERLIN

UND

OSTDEUTSCHLAND

14.4.2011 Nr. 15 Seite 31

BERLIN-CHARLOTTENBURG

Alte Geburtsklinik wird zu 500 Wohnungen umgebaut „Hier, direkt unter die alte Kapelle, kommt das Schwimmbad hin. Da, da und da neue Treppenhäuser, dieser Riegel aus den 60er Jahren wird abgerissen, und schauen Sie nur die schĂśnen Fenstersimse, die behalten wir natĂźrlich.“ Vor dem inneren Auge von Alexander Haeder ist die ehemalige Frauen- und Kinderklinik in der PulsstraĂ&#x;e am Charlottenburger Schlossgarten schon wieder zu neuem Leben erwacht. Mit viel Liebe zum Detail fĂźhrt der Projektleiter der Comer-Gruppe durch die von einer jĂźdischen Stiftung vor gut 100 Jahren gegrĂźndete alte Geburtsklinik. Spakelige BĂźsche, seit Jahren nicht beschnittene Bäume, Unkraut, kaputte Fenster und TĂźren – das ist der Preis fĂźr jahrelangen Leerstand. Bis 1996 kamen hier Kinder zur Welt. Danach standen die Gebäude leer – im hochattraktiven Stadtteil Charlottenburg mit den hĂśchsten Wohnungspreisen und Mieten in der ganzen Stadt (siehe Seite 28). Ende 2007 erwarb Comer das 45.000 m2 groĂ&#x;e, denkmalgeschĂźtzte Areal. Den vorderen Teil, das ehemalige Städtische BĂźrgerhaus-Hospital mit den fĂźnfstĂśckigen Backsteingebäuden, kauften die zwei Comer-BrĂźder vom Klinikbetreiber Vivantes, den von 1911 bis 1913 errichteten hinteren Teil mit der dreigeschossigen Bebauung vom Berliner Liegenschaftsfonds.

100 Mio. Euro fĂźr 500 Wohnungen 500 neue Wohnungen mit 65.000 m 2 Bruttogrundfläche wollen die gebĂźrtigen Iren peu Ă  peu schaffen. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 100 Mio. Euro. Los geht es mit dem linken BacksteinflĂźgel. Kleinere Wohnungen fĂźr Kapitalanleger sind hier vorgesehen. Im mittleren Teil werden in einem zweiten Bauabschnitt grĂśĂ&#x;ere Einheiten fĂźr Familien mit Kindern geschaffen. Mit Bauabschnitt Nr. 3 (der FlĂźgel rechts im Bild) soll das rote Hufeisen durch Neubauten komplettiert werden. Gleichzeitig wird damit auch der erste Teil der Anlage im hinteren Teil des ehemaligen Kavs angefasst. So nannten die Berliner das Kaiserin-AugusteViktoria-Krankenhaus, zuletzt die grĂśĂ&#x;te Geburtsklinik der Stadt. Hier werden neue

Die schmucke ehemalige Krankenhauskapelle wird dem zukĂźnftigen Fitness- und Wellnessbereich zugeschlagen.

Die grĂźne Umgebung der zukĂźnftigen Gartenresidenz ist ein bisschen geflunkert. Zwar ist der Schlosspark Charlottenburg unmittelbar in der Nähe. Aber eine Häuserzeile und eine StraĂ&#x;e trennen beide Areale denn doch noch voneinander. Bilder: Comer

Häuser zwischen die GrĂźnderzeitarchitektur gesetzt. Drei Tiefgaragen unterhalb der Ergänzungsbauten mit rund 500 Plätzen (fĂźr jeden Haushalt ein Garagenplatz) werden die autofreie Wohnanlage ergänzen. Die Nachfrage nach den neuen Wohnungen läuft an, obwohl die GebrĂźder Comer erst im Juni in den Vertrieb gehen. „Die beiden Bauschilder animieren Spaziergänger und Jogger aus dem Park, zum Telefon zu greifen“, sagt Haeder. „Und dann bitten die Anrufer um ein ExposĂŠ. Und wir haben doch noch nichts“, zuckt er die Schultern und lacht, wohl wissend, dass einem Vertriebsmenschen Schlimmeres passieren kann. Ein städtebauliches Konzept fĂźr die Gartenresidenz hält er in Händen. Mit den

Denkmalschßtzern hat er sich ßber Umbauten, Dächer, Fenster, Energiekonzepte, Fassaden, Treppenhäuser bis hin zu den Simsen geeinigt und auch die bei bald jedem Denkmalschutz-Objekt anstehende leidige Balkonfrage ist geklärt. Zwischen 3.000 und 5.000 Euro/m2 sollen die Wohnungen im Grßnen kosten. Bis Jahresende will er die Hälfte der 180 Wohnungen des ersten Bauabschnitts verkauft haben. Der Bauantrag ist gestellt, Haeder rechnet damit, im Sommer das Okay vom Amt zu erhalten. Die Bagger werden jedoch frßhestens im Herbst 2011 rollen kÜnnen, mßssen die Wohnungen doch verkauft sein, bevor der Bau beginnt. Andernfalls verlieren die Erwerber die steuerlichen Vergßnstigungen durch die Abschreibungen beim Bau an

einem denkmalgeschĂźtzten Gebäude. Der zweite und dritte Bauabschnitt, der mit den Familienwohnungen und dem NeubauflĂźgel (den die Investoren ja anpacken kĂśnnen ohne feste Kaufverträge in der Tasche) mit zusammen 100 Wohnungen werden ab 2012 vertrieben und ab 2013 gebaut. Die Krankenhauskapelle bleibt erhalten. Schwierig wird es, den Raum zu heizen, sagt Haeder, „dafĂźr mĂźssen wir wohl die schĂśnen hĂślzernen Wandverkleidungen entfernen und später wieder anbringen“, Ăźberlegt der Entwickler. Genutzt werden soll der Raum später vom Wellness-Club – „fĂźr Yoga oder so“, Ăźberlegt Haeder. Damit der alte, prächtige Kronleuchter nicht herunterfällt, haben die Arbeiter ein GerĂźst gebaut. Denn unter dem HolzfuĂ&#x;boden geht es schon zur

Sache. FĂźr die Räume zur KĂśrperertĂźchtigung liegt eine Teilbaugenehmigung vor, Arbeiter buddeln direkt unter der Kapelle am Schwimmbad. Und obwohl der zukĂźnftige Fitness- und SchĂśnheitsbereich derzeit nur aus einem Loch, gefĂźllt mit märkischem Sand, besteht: Einen Betreiber fĂźr die Anlage gibt es schon. „Das ist bei Comer ganz einfach“, beschreibt Alexander Haeder die bodenständige Arbeitsweise der irischen Geschwister, „das macht fĂźr uns immer die Firma Eden aus London.“

London dient als Vorbild Doch nicht nur den Clubbetreiber bringen die Investoren aus der englischen Hauptstadt mit, sondern auch die Ideen. Als Vorbild fßr das Berliner Engagement dienen die luxuriÜse Wohnanlage Royal Connaught Park, die die irischen Einwanderer aus einer alten Knabenschule formten. Princess Park Manor mit seinem viktorianischen Charme war in seinem ersten Leben ein Krankenhaus – genau wie die zukßnftige Gartenresidenz in Charlottenburg, wo im alten Kav (Berliner sagen: Kaff) 500 feine Wohnungen entstehen. (gg)

VERBAND BERLIN-BRANDENBURGISCHER WOHNUNGSUNTERNEHMEN

Senat soll den Neubau von preiswerten Wohnungen fĂśrdern

BBU-Vorstandschefin Maren Kern blickt in die Zukunft und sieht ganz viele Ăśffentlich gefĂśrderte Wohnungen in Berlin. Bild: BBU

Bis 2020 wird die Zahl der Berliner Haushalte um 60.000 zunehmen. Die Neubauzahlen tragen dieser Entwicklung aber keinerlei Rechnung. Grund genug fßr den Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), die staatliche FÜrderung bezahlbarer Wohnungen zu verlangen, wie dessen Vorstandsvorsitzende Maren Kern erläutert.

gert werden. In Anbetracht der prognostizierten Zunahme der Haushaltszahlen, der Abgänge infolge von Abriss und des Bedarfs an Spezialimmobilien braucht die Stadt bis 2020 zwischen 60.000 und 100.000 zusätzliche Wohnungen. Das wßrde einer Verdoppelung der bisherigen Neubauleistung entsprechen. Dabei gilt: Das Gelingen dieser Aufgabe ist mit entscheidend fßr die weiterhin positive Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Berlin.

Steigende Haushaltszahlen treffen in Berlin auf eine sehr niedrige Neubautätigkeit. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass der Wohnungsleerstand bei den 140 Berliner Mitgliedsunternehmen des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) seit Jahren deutlich sinkt. Die hier zuletzt ermittelten 3,5% stellen zwar insgesamt nach wie vor eine ausreichende Fluktuationsreserve dar. Gegenßber 2001 hat sie sich aber fast halbiert und liegt in einigen besonders gefragten Bezirken bereits unter der Marke von 2%. Vor allem in Innenstadtlagen muss der Wohnungsneubau deshalb deutlich gestei-

Ohne Staatsgeld geht Neubau nicht Das Problem: Neubau ist erst ab einer Nettokaltmiete von 8,50 Euro/m2 finanzierbar. In einer Stadt, deren Mietspiegelmittelwert 2009 bei 4,83 Euro/m2 lag und in der 40% der BevĂślkerung auf Transfereinkommen angewiesen sind, gelten solche Wohnungen bereits als hĂśherpreisig. Wohnungen fĂźr die breite BevĂślkerung (d.h. mit Mieten von bis zu 7 Euro/m2) werden sich deshalb nur mit Hilfe von FĂśrderung bauen lassen. Angesichts leerer Landeskassen und schlechter Erfahrungen mit dem sozialen Wohnungsbau ist es deshalb hĂśchste Zeit

fĂźr Berlin, Entwicklung bzw. Anwendung innovativer FĂśrderinstrumente in Angriff zu nehmen. Ein starker Hebel dabei ist die Liegenschaftspolitik. In Entwicklungsgebieten wie der HeidestraĂ&#x;e oder rund um den Bahnhof SĂźdkreuz, später bei den Flughäfen Tempelhof und Tegel, sollten erstens mehr Flächen fĂźr Wohnungsbau eingeplant werden als in den bisherigen Plänen. Zweitens sollten diese Flächen kleinteilig parzelliert werden, um auch kleinere Bauherren – z.B. Genossenschaften – zum Zuge kommen zu lassen. Mindestens ein Drittel der GrundstĂźcke sollte drittens zu einem deutlich vergĂźnstigten Preis vergeben werden.

Wettbewerbsverfahren nĂśtig Ăœber die Zuschläge fĂźr diese GrundstĂźcke wĂźrden viertens Wettbewerbsverfahren entscheiden. Das GrundstĂźck ginge an den Bauherrn, dessen Konzept am Ăźberzeugendsten und wirtschaftlichsten die Weitergabe dieser vergĂźnstigten (=gefĂśrderten) GrundstĂźckspreise innerhalb von zehn oder 15 Jahren in Form gĂźnstigerer Mieten darstellt. Bei einzelnen Parteien fanden solche Ăœber-

legungen bereits Eingang in die Programme. DarĂźber hinaus sollte das Land achtgeben, Neubau mĂśglichst wenig bĂźrokratisch zu behindern. Das heiĂ&#x;t: Bedachtsamkeit bei landesspezifischen Alleingängen beim Klimaschutz oder baurechtlichen Vorschriften!

GrĂśĂ&#x;er, hĂśher, dichter Bauherren sollten angesichts des begrenzten innerstädtischen Flächenangebots z.B. immer die hĂśchstmĂśgliche bauliche Verdichtung realisieren kĂśnnen, ohne sich hierdurch auf rechtlich unsicheres Terrain zu begeben oder langwierige Genehmigungsverfahren in Kauf nehmen zu mĂźssen. Die hier angerissenen Punkte sind nur erste Ăœberlegungen zu mehr Neubau in Berlin. Nach Entwicklungskonzepten fĂźr Industrie, Tourismus, Klimaschutz und Verkehr ist der Auftrag an die Politik klar: Als Grundlage einer weiterhin positiven Entwicklung muss jetzt ein „Stadtentwicklungsplan Wohnen“ kommen. (gg) . Die Autorin: Maren Kern ist Vorstandsvorsitzende des BBU.

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Seite 32 Nr. 15 14.4.2011

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TRANSAKTIONSMARKT BERLIN

Umsätze sind im Jahr 2010 rasant gestiegen Auf dem Berliner Immobilienmarkt geht die Post ab: Im vergangenen Jahr wechselten für 8,5 Mrd. Euro Häuser, Grundstücke und Wohnungen den Besitzer. Die Zahl der Kaufverträge stieg um ein Viertel, der Geldumsatz sogar um 40%. Das geht aus den vorläufigen Umsatzzahlen des Berliner Gutachterauschusses für Grundstückswerte hervor. Als absoluter Renner erwiesen sich in der deutschen Hauptstadt im abgelaufenen Jahr Wohnhäuser mit einem kleinen Gewerbeanteil. Für 1,7 Mrd. Euro gingen solche Immobilien im Jahr 2010 über den Tisch. Das ist gut drei Viertel mehr als 2009, als der Handelswert 984 Mio. Euro erreichte. Vor allen Dingen in den letzten vier Monaten des Jahres 2010 legte dieser Teilmarkt deutlich zu, denn in der ersten Jahreshälfte zählten die Gutachter noch einen leichten Rückgang der Fallzahlen von 8%. „Der Zuwachs

ist im Wesentlichen auf vermehrte Verkäufe komplexer Wohnanlagen in den Bezirken Neukölln, Kreuzberg und Mitte zurückzuführen“, so die Experten weiter. Bezahlt wurden für die Mietwohnhäuser im vergangenen Jahr im Schnitt 730 Euro/m2. 2009 gab es diese Quartiere noch für 680 Euro/m2 zu kaufen. Reine Wohnhäuser standen bei den Erwerbern ähnlich hoch im Kurs. Ihr Geldumsatz stieg um knapp 30% von 923,5 Mio. Euro auf 1,2 Mrd. Euro 2010.

die Kasse spülten, addierten die Rechenfüchse. Die Preise blieben allerdings bislang auf dem Teppich. Im Schnitt wurden 2010 135.000 Euro für eine neue Wohnung bezahlt, nach 130.000 Euro im Jahr 2009. Doch Berlin ist groß, und manche Viertel sind beliebter als andere. Deutlich über dem Durchschnitt liegende Kaufpreise mit Werten zwischen 5.000 und 10.000 Euro/m2 findet man vornehmlich in den Ortsteilen Mitte, Tiergarten, Grunewald, Prenzlauer Berg und Schöneberg. Spitzenpreise werden am Potsdamer Platz mit bis zu 12.400 Euro/m2 in neu gebauten Top-Immobilien gezahlt.

Auch Etagenwohnungen begehrt

Eigenheime sind preisstabil

Auch das Interesse an Etagenwohnungen stieg in Berlin kräftig. Die Statistiker zählten rund 18.800 Verkäufe, wobei ausschließlich erfasst wurde, wie oft die Handelspartner zum Notar liefen. Anders ausgedrückt: Die 347 gehandelten Pakete mit unbekanntem Inhalt gelten als je ein Verkauf. Ein Drittel mehr Kauffälle, die den Veräußerern mit rund 2,4 Mrd. Euro über 40% mehr Geld in

Verkäufe von Mietshäusern verteilt auf die Berliner Bezirke im Jahr 2010:

Der Bezirk Mitte ist am beliebtesten Mitte FriedrichshainKreuzberg Pankow

Ein Wohnhaus im Zentrum mit ein wenig Gewerbe im Erdgeschoss. Das sind zurzeit die beliebtesten Geldanlagen in Berlin. Bild: Industrifinans

CharlottenburgWilmersdorf Spandau

Grundstücksmarkt ist kleinteilig

Kaufpreise Eigentumswohnungen 2010:

Neubauten sind am teuersten

SteglitzZehlendorf TempelhofSchöneberg Neukölln

Baujahresgruppe Altbauten (vor 1919)

Köpenick Reine Mietwohnungen Wohn- und Geschäftshäuser

MarzahnHellersdorf Lichtenberg Reinickendorf 0

40

80

120 160 Anzahl der Kauffälle

200

240

© Immobilien Zeitung; Quelle: Gutachterausschuss

BERLIN-ADLERSHOF

Erster Spatenstich im Königsquartier Auf einem rund 9.000 m2 großen Baugrundstück an der Königstraße 40 im feinen Südwesten der Stadt im Bezirk Zehlendorf haben nach Angaben von Projektentwickler Diamona & Harnisch jetzt die Bauarbeiten begonnen. Die Berliner Entwickler lassen fünf Stadtvillen mit 43 Wohnungen errichten. Die Gesamtwohnfläche umfasst 4.800 m2. Hinzu kommen vier weitere Quartiere in einer Altbauvilla auf dem Gelände, die erhalten bleibt. Die 70 m2 bis 150 m2 großen Eigentumswohnungen verkauft der Entwickler zu Preisen zwischen 3.200 und 4.850 Euro/m2. Knapp die Hälfte (45%) der Wohnungen sind nach Angaben von Diamona & Harnisch seit dem Verkaufsstart im Juni 2010 bislang veräußert worden. 14 Mio. Euro werden in das Vorhaben investiert, das voraussichtlich im Sommer 2012 abgeschlossen sein wird.

Durchschnittskaufpreis aller verkauften Objekte in Euro 155.000

Durchschnittskaufpreis Euro/m2/Wfl. 1.700 (475 – 8.330)*

Veränderung gegenüber Vorjahr 

Zwischenkriegsbauten (1919-1948)

13

95.000

1.390 (570 – 5.450)*

Nachkriegsbauten (1949–2000)

40

90.000

1.315 (490 – 8.570)

8

365.000

3.050 (1.745 – 12.400)*

Neubauten (ab 2001)

 unverändert ± 4%;  steigend bis 10%;  fallend bis 10% * Spanne aller Verkäufe inkl. einzelner hochpreisiger Lagen

© Immobilien Zeitung; Quelle: Gutachterausschuss

Der Verkauf von unbebauten Grundstücken wurde in Berlin im vergangenen Jahr immer kleinteiliger. Die Zahl der Verkäufe stieg um ein Zehntel, der Geldumsatz um 40%; die veräußerte Fläche nahm dagegen um 10% ab. In attraktiven Gegenden fehlen die Flächenangebote, begründen die Statistiker dieses Ergebnis. Die Preise blieben im Großen und Ganzen gleich. Die Gutachter stellen aber einen „erheblichen Druck auf Bodenwerte im innerstädtischen Bereich“ fest. So stiegen die Werte im begehrten Stadtteil Mitte auf 1.000 Euro/m2 oder um rund 20%. Damit haben sie den alten Westen mit Charlottenburg abgehängt, wo der Zuwachs nur 10% betrug und der Wert jetzt bei 900 Euro/m2 liegt. (gg)

BERLIN-ALT-HOHENSCHÖNHAUSEN

Schokostücke ganz ohne Kalorien Cacao, Marzipan, Caramel und Krokant – ganz ohne Kalorien. Das gibt es nur in Berlin, und zwar aus einer ehemaligen deutsch-amerikanischen Zuckerwarenfabrik in Alt-Hohenschönhausen. Anbieter der „Schokostücke“ ist 2 der aus Berlin stammende Projektentwickler Dirk Moritz. Für 45 Mio. Euro entstehen auf dem 2 ha großen Areal rund 210 neue Wohnungen. 1908 öffnete die transnationale Zuckerwarenfabrik im Osten Berlins ihre Pforten. Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg nahm der Volkseigene Betrieb Pralina hier die Arbeit auf, nach dem Untergang der DDR wurde im denkmalgeschützten Industriebau statt Schokostücken bis 1992 Elektro- und Signaltechnik produziert. Im Anschluss daran stand das Areal leer, bis Moritz mit dem Finanzinvestor Ulrich & Lakomski jemanden fand, der das Gelände 2009 kaufte.

Alles unter einem Dach

Das künftige Königsquartier Bild: Diamona & Harnisch

Umsatzanteile nach Anzahl der Kauffälle in % 39

Reger gehandelt als noch 2009 wurden in der Mieterstadt Berlin aber auch Ein- und Zweifamilienhäuser. Die Verkaufszahlen kletterten um 12%, die Geldmenge stieg um 14%. Die Preise blieben stabil. 2010 mussten die Käufer 265.000 Euro oder 1.665 Euro/m2 zahlen, nach 250.000 Euro oder 1.600 Euro/m2 im Jahr 2009. Am teuersten sind Haus und Villa mit im Schnitt 3.900 Euro/m2 in den westlichen Villenvierteln Grunewald und Schmargendorf. Mit 1.180 Euro/m2 stehen die billigsten Häuschen in der deutschen Hauptstadt im Altbezirk Weißensee. Und auch für die übrigen Stadtteile gilt: Im alten Ostberlin liegen die Mittelwerte nach wie vor unter denen des Westteils.

Seit September 2010 haben die Bauarbeiter auf dem Karree zwischen KonradWolf-, Sandino-, Simon-Bolivar- und Mittelstraße das Sagen. Sie bauen das denkmalgeschützte alte Fabrikgebäude zu 70 Wohnungen um. Anfang April war Richtfest, fertig werden sollen die Einheiten im Herbst 2011. Auf dem Dach des trutzigen

Die Lage der Schokostücke

1 Cacao und Almond 2 Caramel

3

3 Marzipan 4 Krokant 5 die alte Pralinenfabrik

4

5

Backsteinbaus entstehen sechs Penthäuser. Die allesamt verkauften Unterkünfte kosteten die Erwerber zwischen 2.550 und 3.000 Euro/m2. Vermarktet und veräußert werden alle 220 Wohnungen und Stadthäuser auf dem Areal unter der Marke „Schokostücke“. Den Vertrieb übernimmt die Moritz-Gruppe. Dabei hat der Finanzinvestor die in fünf Bauabschnitte, je nach einer Schokoladensorte benannten Areale längst an verschiedene Bauträger weiterverkauft. Doch die Berliner Unternehmen Ticoncept und Concepta halten sich an die Vorgaben und das Vermarktungskonzept von Dirk Moritz. „Kein Wunder“, sagt der wortgewandte Vertriebler, „ist doch auch viel billiger, als wenn jeder für sich alleine Anzeigen schalten und Flyer drucken würde.“

1

Vergangenen Monat bekamen die Bauarbeiter in der alten Pralinenfabrik Verstärkung. Seitdem werden die 15 drei- bis viergeschossigen Cacao- und Almond-Stadthäuser (Nr. 1) gebaut. Acht Häuser sind zu Preisen von 280.000 bis 330.000 Euro (einschließlich Grundstück) im Angebot. Gleichzeitig nehmen die Partner die Arbeit am zukünftigen Niedrigenergiehaus in der Sandinostraße 21 auf (Nr. 2). Caramel heißen die elf Wohnungen und Penthäuser, die zwischen 75 und 134 m2 Fläche umfassen.

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Fünf Quartiere sind zu Preisen zwischen 2.450 und 2.990 Euro/m2 bereits verkauft. Die Liebhaber von Marzipan (Nr. 3) müssen sich noch etwas gedulden. Mit dem Bau des KfW-70 Hauses beginnen die Handwerker erst im März 2012. Ein Jahr später soll das Ensemble mit 33 Tiefgaragenplätzen fertig sein. Noch ganz in den Anfängen, in der Planungsphase, steckt das Schokostück mit Krokantgeschmack mit rund 100 Eigentumsund Mietwohnungen. Doch 2013 soll der letzte Bauarbeiter die frühere Zuckerwarenfabrik verlassen haben. Wenn alles glatt geht, können sich dann 600 bis 650 Menschen an den Schokostücken laben – ohne ein Gramm zuzunehmen. So was gibt es auch nur in Berlin. (gg)

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Das Cacao-Quartier.

Bilder: Moritz-Gruppe


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14.4.2011 Nr. 15 Seite 33

BÜROMARKT BERLIN

Ein Drittel mehr Umsatz übertrifft alle Erwartungen Bester Jahresauftakt seit Jahren, Flächenumsatz um ein Drittel gesteigert, größte Anmietung Deutschlands, hohe Dynamik und eins der stärksten Quartale der vergangenen drei Jahre – Berlins Gewerbeimmobilienmakler sind sich einig: Nicht nur der Wohnungsmarkt in der deutschen Hauptstadt befindet sich auf der Überholspur. Der Büromarkt hält Schritt. Die Preise steigen, Flächen werden knapp. „Mit dem sehr guten Ergebnis im ersten Quartal 2011 hat der Berliner Büromarkt den Grundstein für eine anhaltend dynamische Entwicklung im weiteren Jahresverlauf gelegt. Aufgrund der unverändert hohen Nachfrage und einer gleichzeitig zunehmenden Verknappung größerer zusammenhängender Flächen mit moderner Ausstattungsqualität ist auch ein weiteres Anziehen der Spitzenmiete nicht auszuschließen“, bringen die Researcher vom Maklerhaus BNP Paribas Real Estate die Sache auf den Punkt. Und die Kollegen schließen sich an. Der Flächenumsatz in den ersten drei Monaten des Jahres 2011 betrug 136.000 m2, sagt BNP. Die Maklerhäuser Jones Lang LaSalle, Angermann und CB Richard Ellis (CBRE) zählen knapp 132.000 m2. Savills tanzt aus der Reihe und kommt auf 181.200 m2. Gut 27.000 m2 davon, das ist unstrittig, sind auf einen Mega-Deal zurückzuführen. Die Mercedes-Benz-Vertriebszentrale lässt sich ab 2013 auf dem AnschutzAreal an der O2-Arena im Bezirk Friedrichshain nieder. Das relativiert den Umsatzan-

Flächenumsatz 1. Quartal 2011:

Mitte liegt vorn Mitte

42.000

Friedrichshain Kreuzberg Charlottenburg Wilmersdorf 0

Randgebiete sind die Verlierer

Rund um den zukünftigen Flughafen Berlin Brandenburg International BBI sprießen die Gewerbebauten in die Höhe. Am 3. Juni 2012 soll das zusammen rund 3 Mrd. Euro teure größte Infrastrukturprojekt in Ostdeutschland eröffnet werden. Bild: Berliner Flughäfen

stieg. Im vergangenen Jahr wurden im ersten Quartal gut 100.000 m2 vermietet. Die Spitzenmiete in Berlin kletterte um stolze 10% auf 22 Euro/m2, ermittelte CBRE. 22 Euro/m2 sagen auch die Fachleute bei BNP. Jones Lang LaSalle hält den Ball dagegen flach: 20,50 Euro/m2 melden die Makler aus Frankfurt und ein Plus von nur 2,5%. 21,10 Euro/m2 heißt es bei Savills, 21,50 Euro/m2 bei Angermann.

Spitzenmiete wird steigen

35.000

21.500 12.000 4.500 10 20 30 40 Flächenumsatz in m2

Treppe rauf tragen. Damit kommt Berlin auf eine Leerstandsquote von rund 7%, wie die meisten Marktbeobachter meinen, oder 9,6%, wie CBRE errechnete. Leere Büros dürften aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass neue Kontore dringend erforderlich seien. „Immer mehr Mieter verbleiben nur aufgrund des mangelnden Flächenangebots in Mikrolagen wie dem Hackeschen Markt, dem Kurfürstendamm und der Friedrichstraße in ihren angestammten Büros. Viele Immobilienberater sind deshalb zunehmend mit der Neuverhandlung von bereits bestehenden Mietverträgen beschäftigt“, erklärt Tibor Frommold, Vorstand von Angermann.

50

© Immobilien Zeitung; Quelle: Angermann Research

Ein weiteres Ansteigen der Spitzenmiete hält auch Christian Leska, bei Savills Berlin für das Bürovermietungsgeschäft verantwortlich, für wahrscheinlich. Der Grund sei, dass 2011 nur etwa 140.000 m2 neu gebaut werden, von denen lediglich 46.000 m2 spekulativ sind. Mit 215.000 m2 neue Büros zählen die BNP-Kollegen ganz anders, die außerdem 66.000 m2 ohne vorher festgelegte Nutzer ausmachten. Matthias Hauff, Berliner Spitzenmann für CBRE, glaubt, dass sich die Spitzenmiete in Berlin weiter verfestigen wird. „Weil spekulative Fertigstellun-

gen weiterhin eher die Ausnahme bleiben, wird sich der Markt für absolute Topflächen überschaubar darstellen.“ In genau die gleiche Kerbe haut auch das Düsseldorfer Maklerhaus Aengevelt, das gerade seinen noch druckfrischen Berlin-Report vorlegte: Anziehen der Spitzenmiete aufgrund von nur 150.000 m2 neuer Büros im laufenden Jahr.

Die Situation in den Ia-Lagen sei angespannt. Davon profitierten die IIa- und IIbLagen, so der Fachmann weiter, die sich mittelfristig besser vermieten ließen. Auf der Verliererstraße wandeln aber Büros in den Randgebieten, die zunehmend freigezogen würden. „Entsprechend stagnieren die Mietpreise auf dem ohnehin schon niedrigen Niveau“, so Frommold weiter. Auch darüber, wie das Jahr enden wird, gehen die Meinungen in der Maklergilde auseinander. Die 515.000 m2 vom Jahr 2010 werden übertroffen, orakelt Tibor Frommold von Angermann. Aengevelt meint: Der Umsatz bleibt stabil und pendelt sich erneut bei 490.000 m2 ein. (gg)

Flächenumsätze, Spitzenmieten und Leerstand 2008 bis 1. Quartal 2011:

Spitzenmiete erreicht wieder Niveau von 2008 1,50 Mio. m2

1,57 Mio. m2 1,35 Mio. m2

1,28 Mio. m2

Neue Büros sind dringend nötig Die gewichtete Durchschnittsmiete am Berliner Büromarkt stieg im Jahresvergleich um 15% auf 12,72 Euro/m2, heißt es aus dem Hause CBRE. Savills Rechenfüchse errechneten einen Zuwachs von 12% und kamen auf 12,30 Euro/m 2 . „Eine höhere Durchschnittsmiete wurde zuletzt 2002 registriert,“ freut sich Leska. Der Leerstand in Berlin ging weiter zurück, melden die meisten Researcher unisono. Dennoch harren weiterhin rund 1,3 Mio. m2 Fläche (BNP und Savills), 1,28 Mio. m2 (Angermann) oder vielleicht auch 1,7 Mio. m2 (CBRE) auf Umzugsleute, die Computer, Schreibtische und Gummibäume die

21,50 Euro

21,00 Euro

21,50 Euro

20,00 Euro

490.000 m2

515.000 m2 410.000 m2 132.000 m2

2008 2009 Büroflächenumsatz (inkl. Eigennutzer) in m2 Leerstand in Mio. m2 *1. Quartal 2011

2010 2011* Spitzenmiete in Euro/m2 © Immobilien Zeitung; Quelle: Angermann Research

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EINZELHANDEL BERLIN

Labor für Einsteiger Berlin kann seine Schwäche in Stärke ummünzen. Wegen der immer noch niedrigen Ladenpreise in der „TouristenMetropole Nr.1“ und des deutschlandweit größten Kaufkraftpotenzials von rund 58 Mrd. Euro „ist und bleibt Berlin der ideale Einstiegs- und Testmarkt für Filialisten“, meint die Maklerfirma Aengevelt. „Arm, aber sexy“, diese vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit geprägte und seitdem endlos strapazierte Zustandsbeschreibung der Stadt wird auch im neuen Berlin-Report von Aengevelt zitiert. Ladenketten aus dem In- und Ausland nutzen die deutsche Hauptstadt als Labor, modeln die Geschäftsstraßen und Einkaufszentren in der traditionell polyzentral strukturierten Hauptstadt in einem Tempo und Umfang um, wie andere gewachsene Einzelhandelsstandorte das nicht kennen, sagt Markus Schmidt, der Leiter des Berliner Büros von Aengevelt. Die Folge: „Die Dynamik der Flächeninnovationen sowie der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Handelsformen und Standorten ist deutlich härter als

Rund um das Luxuskaufhaus KaDeWe sind die Läden am teuersten. Bild: KaDeWe

in anderen deutschen (gewachsenen) Metropolen.“ Gleichzeitig trägt Berlin hinsichtlich sämtlicher einzelhandelsrelevanter Kennziffern im Vergleich mit den anderen sechs Immobilienhochburgen seit Jahren die rote Laterne. Die Kaufkraft liegt bei 94, der bundesdeutsche Durchschnitt bei 100. Das einzelhandelsrelevante Umsatz-Niveau beträgt 102. Die Zentralität, die die Relation zwischen Kaufkraft-Abfluss aus der Stadt und Kaufkraft-Import misst, kommt auf einen Wert von 109. Damit ist die Stadt ebenfalls letzter Sieger. Die Spitzenmiete beträgt 240 Euro/m2. Erzielt wird dieser Wert in der Tauentzienstraße und am Kurfürstendamm im Dunstreis des altehrwürdigen Kaufhauses des Westens (KaDeWe). Am Alexanderplatz, im früheren Ostteil, zahlen die Mieter 200 Euro/m2 in der Spitze, in der Friedrichstraße 140 Euro/m 2 , am Hackeschen Markt 120 Euro/m2 und in der Schlossstraße, im westlichen Bezirk Steglitz, 95 Euro/m2.

Seit Jahren die rote Laterne Markus Schmidt nennt die Berliner Preise „ausgesprochen wettbewerbsfähig“. Doch die Stadt wird aufholen, davon ist der Fachmann überzeugt. Die Stimmung der Konsumenten sei gut, die Nachfrage internationaler Filialisten nach A-Standorten sei hoch. Gleichzeitig sei das marktgerechte Angebot in Top-Lagen bescheiden. Darüber hinaus rechnet Aengevelt mit steigenden Zentralitätseffekten. Einkäufer aus dem Umland, Tagesausflügler und die jährlich 9,1 Mio. Übernachtungsgäste sollen es richten. Klassische frequenzstarke Konsumlagen, wie die Fachleute zu den Bummelmeilen Tauentzien und Ku’damm, Alexanderplatz, Friedrichstraße und Gendarmenmarkt sagen, werden davon profitieren. Abgehängt sind und bleiben wohl auch die traditionellen Stadtteillagen wie die Müllerstraße im Bezirk Wedding, Karl-MarxStraße (Neukölln) oder Schönhauser Allee (Prenzlauer Berg). Viele Läden stehen hier leer, die „Verschärfung des Wettbewerbsdrucks durch zunehmende Konkurrenz der zahlreichen Shoppingcenter“, sagt Schmidt, bricht den Ladenbetreibern den Hals. (gg)

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D E B T A D V I S O R Y Q C A P I TA L R E S T R U CT U R I N G Q E Q U I T Y J O I N T V E N T U R E


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SCHWERPUNKT BERLIN

UND

OSTDEUTSCHLAND

Immobilien Zeitung

BERLIN

Kunsthaus Tacheles: Geldgeschenk statt Zwangsversteigerung Kurzfristig wurde am Montag vergangener Woche die Zwangsversteigerung des Berliner Kunsthauses Tacheles abgesagt. Stattdessen tauchte ein Anwalt als Mittelsmann auf und zahlte angeblich 1 Mio. Euro, um die so genannte Gastrofraktion zum Auszug aus der Kaufhausruine an der Ecke Oranienburger/Friedrichstraße zu bewegen. Die etwa 80 Künstler, die unter dem Dach des Tacheles Vereins das Theater, Ateliers und Ausstellungsflächen im Tacheles bespielen, wollen sich dagegen nicht mit schnödem Mammon bestechen lassen, sondern weiter im Tacheles bleiben. Das Kunsthaus Tacheles ist eines jener Wahrzeichen Berlins, die der deutschen Hauptstadt den scheinbar unerschütterlichen Ruf einer Szenemetropole verliehen haben. Berlin ist hip, und das längst nicht mehr nur bei jungen Leuten aus aller Welt. Doch im Zentrum der angesagten Metropole ist für so etwas wie das Tacheles eigentlich kein Platz mehr. Im Gegenteil, durch die Künstler, die sich weigern, den von ihnen genutzten Teil des 25.300 m2 großen Grundstücks mit der denkmalgeschützten Kaufhausruine zu verlassen, werden mögliche Käufer für das teure Bauland in Berlin-Mitte vergrault. Bei der HSH Nordbank jedenfalls hätte man das Ärgernis in Form der Künstler sicher lieber heute als morgen aus der Welt geschafft. Im Umfeld des Tacheles ist im Kiez der Spandauer Vorstadt schon längst fast allerorten die Kunst dem Kommerz gewichen. Das Tacheles erscheint als Überbleibsel aus der Nachwendezeit, einer Zeit, als Berlin noch wild war, es reichlich ungeklärte Eigentumsverhältnisse gab und Künstler und andere Leute ungenutzten Raum kurzerhand besetzten, um ihre Ideen zu verwirklichen.

Die Umtriebigkeit der Künstler verhinderte die Räumung bisher Das ist lange her. In diesem Jahr feiert das Tacheles seinen 21. Geburtstag. Kurz nach dem Mauerfall hatte eine Künstlerinitiative die Überbleibsel der Passage, die einst von der Friedrichstraße in die Oranienburger Straße führte, besetzt. Das war die Geburtsstunde des Kunsthauses Tacheles, das bald internationale Bekanntheit erlangte. Inzwischen ist das Tacheles als touristische Attraktion in jedem Berlin-Reiseführer zu finden. Die Bekanntheit und die Umtriebigkeit der Künstler, die es verstehen, laut zu trom-

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sei. Immer wieder ist dabei von MüllerSpreer die Rede, der sich angeblich die Ausbietungsgarantie gesichert habe und 44 Mio. Euro bieten wolle. Stimmt diese Summe, läge sie über dem vom Gutachter ermittelten Verkehrswert von 35,1 Mio. Euro für das aus 16 Einzelgrundstücken bestehende Gelände. Denkt man an die Bieterschlacht um die Baufelder an der Bauakademie am Schinkelplatz in Mitte, bei der für die Grundstücke ein Vielfaches des Bodenrichtwerts von 2.900 Euro/m2 geboten wurde, erscheint die angebliche Summe zumindest nicht unrealistisch (IZ 3/11).

Die Künstler stehen einem lukrativen Verkauf im Weg

Wie lange wird das Kunsthaus Tacheles noch bestehen? Das mehr als 25.300 m2 große Areal weckt Begehrlichkeiten bei Investoren. Bild: Tacheles e.V.

meln, wenn es ihrem Projekt mal wieder an den Kragen gehen soll, haben in all den Jahren eine Räumung des Areals verhindert: Die Fundus-Gruppe, die 1998 die Liegenschaft vom Bund erwarb, vereinbarte damals zäh ne knir schend einen Miet ver trag über zehn Jahre mit den Künst lern zu einem symbolischen Mietzins von jährlich einer Mark. Quasi mit dem Tacheles als Dachmarke sollte ein nobles, trendiges Wohnviertel entstehen, doch passiert ist zehn Jahre lang nichts, und die HSH Nordbank als Hauptgläubigerin ließ das Areal schließlich unter Zwangsverwaltung stellen. Doch die Künstler blieben auch, nachdem ihr Vertrag mit der Fundus-Tochter ausgelaufen und die Immobilie samt Grundstück unter Zwangs ver wal tung ge stellt wor den war. Im letzten Jahr drohte die HSH Nordbank die Zwangsräumung an, doch sie wurde nie vollzogen. So weit die Geschichte, die Gegenwart sieht so aus: Während am Montag, den 4. April 2011, eine größere Gruppe von Künstlern vom Tacheles e.V. vor dem Amtsgericht Mitte in der Littenstraße gegen die um 10.30 Uhr angesetzte Zwangsversteigerung protestierte, hatte Michael Schultz, Anwalt der

Kanzlei Schultz und Seldeneck, den Leuten von der Gruppe Tacheles 1 Mio. Euro als Dank dafür überreichte, dass sie die von ihnen genutzten Bereiche freiwillig räumen.

1 Mio. Euro, und niemand will es gewesen sein Im Kunsthaus ist das nämlich so: Die bisherigen Nutzer sind seit langem in zwei Lager gespalten. Da ist zum einen der inzwischen insolvente Tacheles e.V., hinter dem die meisten Künstler stehen und der weiterhin die Stellung hält. Und da ist zum anderen die Gruppe Tacheles, die so genannte Gastrofraktion, die das Café Zapata, das Kino und eine Metallwerkstatt bis vor kurzem betrieben hat. Gegen die Zahlung von 1 Mio. Euro war die Gruppe Tacheles bereit, die Schlüssel für die von ihr genutzten Räume an Anwalt Schultz zu übergeben, der für einen geheimnisvollen Geldgeber als Mittelsmann fungiert. Von wem das Geld kam, darüber ist in den vergangenen Tagen viel in den Medien spekuliert worden. Vor allem der Hamburger Investor Harm Müller-Spreer, der das umstrittene und für das Land Berlin kost-

spielige Projekt Spreedreieck in der Friedrichstraße realisiert hat (IZ 47/09), wurde verdächtigt, den krummen Deal eingefädelt zu haben. Doch der dementiert ebenso wie die HSH Nordbank, mit der Geldzahlung etwas zu tun zu haben. Bei der Bank hält man eisern an der offiziellen Sprachregelung „Einstweilige Einstellung der Zwangsversteigerung“ fest. Die Begründung lautet: „Die Vorgespräche mit den Bieterinteressenten konnten nicht rechtzeitig abgeschlossen wer den“, sagt Gesine Dähn, Sprecherin der HSH. Man rechne mit einer baldigen Fortsetzung des Verfahrens, betont sie. Bei dieser Größenordnung sei es natürlich notwendig, ausführliche Gespräche mit den Kaufinteressenten zu führen, nicht zuletzt um die Seriosität der Angebote genau prüfen zu können. Finanziell und auch von der Größe her sei die Entwicklung des Areals schließlich nicht einfach. Als eigentümlicher Zufall erscheint es dennoch, dass die verschobene Zwangsversteigerung und der durch Geld beschleunigte Auszug der Gruppe Tacheles zusammenfallen. Das legt die Vermutung nah, dass der Verkauf hinter verschlossenen Türen längst schon eingefädelt ist. Und diese Vermutung wird nicht nur vom Tacheles e.V. gestreut. Auch unter Insidern der Immobilienbranche war schon vor dem Versteigerungstermin die Rede davon, dass der Deal längst gelaufen

Doch bisher steht das noch immer von Künstlern besetzte Kunsthaus Tacheles einem lukrativen Verkauf des Areals im Weg. Und das ist die Kreditgeber, bei denen die Fundus-Tochtergesellschaft mit 100 Mio. Euro in der Kreide stehen soll, bisher teuer zu stehen gekommen. Um nun möglichst viel Kapital aus dem Verkauf schlagen zu können, wäre es natürlich vorteilhaft, wenn der künftige Erwerber nach seinem Gusto über das Areal verfügen könnte. Doch welcher Investor will schon viel Geld in die Hand nehmen, wenn die Künstler das Feld nicht freiwillig räumen und auch nach dem Verkauf viele ein Wörtchen mitreden wollen – beispielsweise Berlins Regie ren der Bür ger meis ter Klaus Wower eit (SPD) oder der Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke), die sich zumindest für den Fortbestand des Kunsthauses, in welcher Form auch immer, aussprechen. Dem Ta che les Ver ein schwebt vor, das Kunsthaus langfristig zu sichern, indem eine öffentliche Stiftung das Gebäude samt einem 1.250 m2 großen Grundstücksteil in Erbpacht übernimmt. Doch das hält man bei der HSH Nordbank für keine gute Idee. Alle potenziellen Erwerber hätten nur Interesse an dem gesamten Areal, heißt es dort. Klein beigeben und gegen die Zahlung von Bargeld ausziehen, das wollen die verbliebenen Künstler aus 25 Ländern, die derzeit im Tacheles arbeiten, jedenfalls nicht. Im Gegenteil, sie kämpfen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln: „Seit letztem Jahr ist das Tacheles durch einen Antrag des Vereins als dynamisches Street-Art-Museum in die Denkmalliste des Landes Berlin eingetragen“, sagt Linda Cerna. Jeder Investor, der ein Graffiti an der Fassade verändern wolle, müsse sich deshalb künftig mit den Denkmalpflegern auseinandersetzen. Denkmalgeschützt ist die Passagen-Ruine, die im April 1990 eigentlich schon gesprengt werden sollte, ohnedies schon seit längerem. Zudem ist das Tacheles als Kulturstandort in den Bebauungsplan eingetragen. (mv)

LEIPZIG

Biotech-Cluster wächst Der Biotechnologie-Cluster in Leipzig wächst weiter. Mit dem symbolischen ersten Spatenstich begannen Ende vergangener Woche auf einem 3.700 m2 großen Grundstück am Deutschen Platz 5, direkt neben der Bio City Leipzig, die Arbeiten für ein BioCube getauftes Büro- und Laborgebäude. 11,5 Mio. Euro fließen in den Neubau, dem seine Würfelform und die künftige Nutzung durch zwei expandierende Unternehmen aus der Bio City seinen Namen gaben. Im BioCube werden die Vita 34 AG, die erste privat betriebene Nabelschnurblutbank in Europa, und c-LEcta, eine Firma, die maßgeschneiderte Enzyme und mikrobielle Stämme für Anwendungen in der industriellen Biotechnologie entwickelt, ihren neuen Sitz haben. Die beiden Unternehmen belegen zusammen etwa 75% der insgesamt 6.400 m2 Nutzfläche und können am neuen

Standort weiter expandieren. Derzeit haben die beiden Firmen noch in der Bio City auf dem Gelände der Alten Messe Leipzig ihren Sitz, wo nach ihrem Umzug wieder Platz für neue Start-ups sein wird. Der Biotechnologie-Cluster expandiert beständig. Kurz vor dem Baubeginn für den BioCube fand der erste Spatenstich für das neue Firmengebäude des Blutspendedienstleisters Haema statt, der ebenfalls derzeit noch Mieter in der Bio City Leipzig ist. Bauherr des BioCubes ist die Leipziger Gewerbehof (LGH), eine 1994 von der Stadt Leipzig, der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer zu Leipzig gegründete Bauherren- und Betreibergesellschaft von Gewerbehöfen bzw. -zentren. Für den BioCube haben der LGH, das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr des Freistaates Sachsen, die Sächsische Aufbaubank SAB und die Stadt Leipzig für die beiden Nutzer ein Finanzierungs- und Mietmodell gestrickt, das den Unternehmen günstige Mietkonditionen bietet. (mv)

BioCube heißt der rote Würfelbau, der am Deutschen Platz 5 in Leipzig gebaut wird.

Bild: LGH


Immobilien Zeitung

SCHWERPUNKT BERLIN

UND

OSTDEUTSCHLAND

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DRESDEN

Fotopapierwerk Striesen wird zum Wohnensemble

Lange Flure und 15 m Gebäudetiefe gilt es im einstigen Fotopapierwerk in den Griff zu bekommen, damit Wohnungen mit vernünftigen Grundrissen entstehen können. Bilder: Pegasus Courtyard

Ein Neubau soll das dreiflügelige Ensemble auf der Ostseite ergänzen (links im Bild). Im rückwärtigen Teil will Pegasus Courtyard Balkone an das Bestandsgebäude anbringen, sofern die Denkmalschützer mitspielen. Die Baugenehmigung wird in Kürze erwartet.

170 Eigentumswohnungen für relativ wenig Geld will die zur Wiener Aaron-Gruppe gehörende Pegasus Courtyard, Dresden, durch den Umbau eines Fabrikgebäudes im Stadtteil Striesen schaffen. 30 Mio. Euro sollen in das Projekt an der Bärensteiner Straße, Ecke Hepkestraße fließen, für das im Sommer Baubeginn sein soll.

sus Courtyard zum Zuge kommen. Auf diese Weise hoffen die Investoren, die sich erstmals als Bauträger für Wohnungen in Dresden engagieren, eine Marktlücke gefunden zu haben, die den Einstieg in diesen Geschäftsbereich ermöglicht. Die dafür gegründete Pegasus Courtyard ist eine Tochter der Wiener Aaron-Gruppe, die sich in den Wachstumskernen in Ostdeutschland bisher vornehmlich auf den Kauf und die Verwaltung von Bestandswohnungen konzentriert.

Noch ist diese Ecke im Südosten von Dresden keine besonders tolle Wohngegend. Wenn man sich von der Altenberger Straße aus durch die Hepkestraße der Bärensteiner Straße nähert, löst eine schlichtere Wohnbebauung die Gründerzeithäuser mit Türmchen und Stuckfassaden in der Altenberger Straße ab, und allmählich wandelt sich die Straße von einer Wohngegend zum gemischt genutzten Gebiet mit kleineren Betrieben und einstigen Fabrikgebäuden, die zwischenzeitlich in Verwaltungsgebäude umgewandelt wurden.

Sternplatz 7 im Innenstadtgebiet von Dresden bezog. Seitdem stand der Komplex leer und harrte einer neuer Nutzung. Die soll nun in Form von rund 151 Eigentumswohnungen kommen, für die in der vergangenen Woche der Startschuss für den Vertrieb gefallen ist. Damit die Käufer die Steuervergünstigungen der Denkmal-AfA mitnehmen können, soll in fünf Abschnitten ab Juli dieses Jahres gebaut werden. Im Sommer 2013 soll das Vorhaben abgeschlossen sein, zu dem außerdem ein Neubau mit 19 Wohnungen gehören wird.

Erschwingliches Eigentum

Eine alte Fabrik war auch der lang gestreckte monumentale Bau an der Ecke zur Bärensteiner Straße. Seit 1904 hatte dort der Fotopapierhersteller Mimosa seinen Sitz und ab 1948 der Nachfolgebetrieb VEB Mimosa, später VEB Fotopapierwerk Dresden. Das wurde nach der Wende abgewickelt, die Immobilie mit ca. 15.000 m2 Nutzfläche wurde von 1991 bis 1993 kernsaniert und zum Verwaltungsgebäude umgebaut. Danach zog die AOK Sachsen in den dreiflügeligen Bau ein, die jedoch 2007 wieder ihren Stammsitz am

Zwischen 1.550 und knapp über 2.000 Euro/m2 sollen die zwischen 46 und 215 m2 großen Einheiten im Altbau kosten. Im Neubau werden etwas über 2.000 Euro/m2 verlangt. Das ist für Dresdner Verhältnisse erschwinglich. Im Schnitt werden sanierte Altbauten dem IVD zufolge in Dresden für 2.350 Euro/m 2 verkauft. Das Spektrum reicht in diesem Segment dem aktuellen Marktbericht Ostdeutschland der TLG Immobilien zufolge von 1.000 bis 3.500 Euro/m2. Im Stadtteil Striesen selbst werden gleich um die Ecke des Pegasus-Projekts 475 Wohnungen einer Gartensiedlung aus den 1930er Jahren von der USD, Dresden, verkauft, die Preise reichen dort von etwa 1.900 bis 2.400 Euro/m2. Zielgruppe für den Kauf von Wohnungen im Pegasus-Projekt sind Leute aus der Nachbarschaft, erklärt Andreas Rauner, zuständig für Management und Finanzen bei der Pegasus Courtyard. Interessenten, die sich sonst eher nicht den Kauf einer Wohnung leisten könnten, sollen beim Projekt Pega-

MECKLENBURG-VORPOMMERN

BÜROMARKT LEIPZIG

Netzwerk zur Baukultur in Planung

Flächenumsatz und Leerstand sind gesunken

Um die Baukultur in Mecklenburg-Vorpommern zu stärken, soll noch in diesem Jahr ein Netzwerk zur Baukultur in Mecklenburg-Vorpommern entstehen. Es gehe darum, das reiche baukulturelle Erbe des Bundeslandes zu bewahren und angemessene neue Bauformen zu finden, erklärte Bauminister Volker Schlotmann vergangene Woche bei einer Veranstaltung der Architektenkammer in Schwerin. „Eine hohe Baukultur ist zum einen ein wichtiger Standortfaktor für unser Land, zum anderen auch ein Identifikationsfaktor der Menschen mit ihrer Heimat“, so der Minister. Das neue Netzwerk soll das baukulturelle Engagement der Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stärker miteinander verbinden und ein gemeinsames Forum für eine intensivere Zusammenarbeit sein. Neben dem Bauministerium soll unter anderem die Architekten- und Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern an dem künftigen Netzwerk beteiligt sein.

Im ersten Quartal dieses Jahres konnte auf dem Leipziger Büromarkt nach den Recherchen von BNP Paribas RE ein Flächenumsatz von 17.000 m² erzielt werden. Damit lag der Wert 9% unter dem sehr guten Ergebnis im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch der langjährige durchschnittliche Flächenumsatz von 21.000 m2 konnte nicht erreicht werden, was die Makler vor allem mit dem Ausbleiben von größeren Vertragsabschlüssen über 2.000 m² begründen. Am besten lief das Geschäft in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Umfeld von Graphischem Viertel und Prager Straße. Ungeachtet des geringen Flächenumsatzes wurde der Leerstand aufgrund des geringen Neubauvolumens weiter abgebaut. Er liegt mit aktuell 522.000 m² knapp 6% unter dem Vorjahreswert. Die höchsten Mieten werden mit 11,50 Euro/m2 in der City von Leipzig erzielt. Im Graphischen Viertel hat sich der Höchstwert bei 9 Euro/m2 eingependelt und die Preise werden auf diesem Niveau nach Prognose von BNP stabil bleiben.

Von der Fabrik zum Wohngebäude

Wohnensemble in solitärer Lage Der vergleichsweise günstige Preis für die Wohnungen kompensiert die solitäre Lage des Objekts zwischen Gewerbeflächen und dem Fußballstadion und Trainingsgelände des SG Dresden Striesen. Auf der Ostseite grenzt eine riesige Freifläche an das 16.000 m2 große Pegasus-Grundstück, und auf der schräg gegenüberliegenden Kreuzungsseite stehen die ersten Häuserblöcke einer Siedlung aus den späten 1920er Jahren. „Man kreiert durch das Wohnensemble ein völlig neues Wohnviertel“, ist sich auch Vertriebsmann Rauner bewusst. Und Rainer Maas, Geschäftsführer der Pegasus Courtyard, gibt sich zwar optimistisch, aber er bleibt bescheiden: „Ich kann nicht sagen, ob das Projekt funktioniert, aber ich hoffe es.“ Was die Infrastruktur des Umfelds angeht, ist die Voraussetzung nicht schlecht: In näherer Umgebung liegt das Seidnitz Center, es gibt Kitas und Schulen, und das Quartier ist gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Zudem zählt Striesen zu den beliebten Wohnstandorten in Dresden, was auch für das Potenzial dieser noch etwas unterentwickelten Mikrolage spricht: „Wir

Viel Licht und Luft und einen großzügigen grünen Innenhof hat das Objekt von Pegasus Courtyard den künftigen Bewohnern zu bieten.

freuen uns über die Realisierung dieses ambitionierten Projekts. Die Investition setzt einen wichtigen Entwicklungsimpuls für diesen Teil Striesens und trägt maßgeblich zur weiteren Erhöhung der Attraktivität Dresdens als Wohnstandort bei“, findet Dresdens Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) lobende Worte für das Vorhaben. Herzstück des Gebäudekomplexes wird ein großer parkähnlicher Innenhof mit einem Spielplatz sein. Die Außenanlagen und die Eingangsbereiche der Gebäudeflügel wird der Dresdner Künstler Conny Hoffmann mit Plastiken und Fresken aus der

griechischen Mythologie gestalten. Der alte Gebäudeteil soll, soweit es der Denkmalschutz zulässt, energetisch saniert werden. Das Haus werde nach dem Umbau den Anforderungen der Energieeinsparverordnung 2009 genügen, verspricht Pegasus-Geschäftsführer Maas. Er hat, kaum dass dieses Projekt begonnen ist, schon Pläne für das nächs te. Gleich nebenan auf der großen Wiese könnte ein Neubauwohnviertel mit einigen hundert Einheiten entstehen. Die Fläche, für deren mögliche Bebauung gerade ein Werkstattverfahren läuft, hat Pegasus sich bereits gesichert. (mv)

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Ganz Berlin - ganz provisionsfrei!

OBJEKT

Der Liegenschaftsfonds Berlin vermarktet seit zehn Jahren provisionsfrei landeseigene Immobilien und Grundstücke. Das Portfolio reicht vom riesigen Krankenhausareal über das historische Schwimmbad bis hin zum idyllischen Laubenpiepergrundstück. Selbst ein Krematorium kann erworben werden. Doch das Leistungsspektrum des Liegenschaftsfonds umfasst noch mehr: So übernimmt der Liegenschaftsfonds auch Vermarktungsaufträge für Dritte.

LEIPZIG

Ausbauarbeiten für das TRM beginnen Bis zum Sommer 2012 soll der Flügel B des historischen Gebäudes der früheren Universitäts-Frauenklinik an der Philipp-Rosenthal-Straße 55 in Leipzig für die Nutzung durch das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) umgebaut werden. Die Abbruch- und Rückbauarbeiten für das Vorhaben sind bereits abgeschlossen und noch in diesem Monat soll unter der Federführung des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) der Ausbau beginnen. 12,41 Mio. Euro kostet das Vorhaben, das über den EFRE-Fonds der EU getragen wird. In den sechs Geschossen des Flügels B und in dem in den 1990er Jahren angebauten OP-Trakt werden auf knapp 4.200 m2 Fläche Büros und Labors gebaut. Hier sollen junge Wissenschaftler gute Voraussetzungen für innovative biomedizinische Forschung finden. Im Frühjahr 2012 sollen die Baumaßnahmen abgeschlossen sein. Danach werden drei Monate für die Inbetriebnahme und die Einregulierung der technischen Anlagen benötigt.

BÜROMARKT DRESDEN

Kleinteilige Vermietung bestimmt das Geschäft Nur rund 14.200 m2 Bürofläche wurden im ersten Quartal 2011 in der sächsischen Landeshauptstadt vermietet. Nach drei Großabschlüssen über insgesamt 26.300 m2 im vergangenen Jahr waren es vor allem Abschlüsse über kleinere Flächen bis 500 m2, die nach Angaben des Maklerunternehmens Dr. Lübke neue Nutzer fanden. Trotz fehlender Großumsätze sieht Eckhard Kaiser, Regionalleiter bei Dr. Lübke Dresden, das Klein- und Mittelsegment weiter erstarken und rechnet für den Verlauf des Jahres mit zahlreichen Abschlüssen. Zu den größten neu vermittelten Verträgen zählte eine 1.200 m2 große Bürofläche, die T-Systems in der Riesaer Straße 7, im Dresdner Westen, angemietet hat. Der TÜV Süd Rail sicherte sich in der Königsbrücker Straße 49, in der Äußeren Neustadt, eine 840 m2 große Bürofläche. Die begehrteste Lage ist und bleibt aber nach wie vor die Altstadt. Rund 28% des Flächenumsatzes entfielen auf diesen Teil Dresdens innerhalb des Altstadtrings.

IN DIESEM JAHR STEHEN AUF DER VERKAUFSLISTE:

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Das ehemalige Aspen-Institut am Ufer des Wannsees, auf der malerischen Insel Schwanenwerder, steht ab Sommer zum Verkauf. Darüber hinaus warten noch vier weitere großzügige und unbebaute Wassergrundstücke auf Käufer, die darauf ihre Stadtvilla errichten möchten.

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Eine Rarität im aktuellen Verkaufsportfolio ist das ehemalige Galgenhaus in Berlin-Mitte. Es gehört zu den wenigen erhalten gebliebenen Berliner Bürgerhäusern und steht unter Denkmalschutz.

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Inmitten des Bezirkes Lichtenberg befindet sich das ehemalige Kinderkrankenhaus Lindenhof. Das Grundstück ist ca. 70.000 m² groß. Mit rund 12.000 m² Geschossfläche bietet es genügend Platz für hochwertigen Wohnraum.

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Drei ehemalige Polizeistandorte in den Bezirken Friedrichshain und Lichtenberg schaffen Fläche für künftige Wohnhäuser.

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Das denkmalgeschützte 1957 errichtete Amerikahaus mit Bibliothekssaal und Kinoraum in Berlin Charlottenburg war seit 1957 Kultur- und Informationszentrum des United States Information Service und ein Symbol des Dialogs.

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