Page 60

bewegt, dann wirft es dich ab. Wenn du auf einem Opti die Manöver falsch machst, dann wirft es dich auch ab. Zu deutsch, du landest im Wasser.“ Nach einem halben Jahr kam das Kentern dran. Natürlich hatten wir Bammel davor. Ich auch. Also, wie war das nochmal? Einsteigen, über Bord lehnen, Pinne festhalten. Okay. Mir kommt der Wind entgegen. Das bedeutet, ich muss Kreuzen, also im Zick Zack fahren, um nicht abzutreiben. Nach fünf Minuten rief Nils: „Gut, Emil, dort ist das Wasser tief genug! Hallt dich am Mast fest und lasse dich einfach nach hinten fallen.“

Augen zu und durch. Oder besser: Hinein. Ich plumpste ins Meer. Platsch! Ich kletterte dann an der Unterseite des zur Hälfte umgedrehten Optis empor und hielt mich am „Schwert“ fest. Und nun das Ganze umgekehrt. Ich ließ mich mit dem „Schwert“ nach hinten fallen und richtete mich so mitsamt dem Opti auf. Kinderspiel. „Super!“, rief Nils von Ufer her. „Nun schöpf‘ das Wasser aus dem Boot und komm‘ zurück.“ Kentern macht echt Spaß! Doch jetzt kam der Theorie-Test. Alles war ruhig im Raum. Nils legte die Arbeitsblätter auf den Tisch. „So, Freunde, ich wünsche euch dann allen mal eine ganze Schiffsladung Glück!“

Erste Frage. „Wie lautet die Regel, die erklärt, wer Vorfahrt hat?“ Fieberhaft überlegte ich. Was hat Nils gesagt? Segel links, Vorfahrt bringt‘s. Ja genau so war es. Und so schrieben wir. Dann war die Zeit um. Uff! Alle stöhnten auf. „Die Kontrolle mache ich gleich mal an Ort und Stelle“, sagte Nils. Nach zehn Minuten stand Nils mit todernster Miene auf: „Es tut mir leid. Ein paar von euch...“ Er seufzte. Doch dann hellte sich sein Gesicht schlagartig auf! „... haben sich unnötig Sorgen gemacht! Ihr habt alle bestanden!“ Alle jubelten und freuten sich noch mehr, als Nils uns die Segelscheine überreichte. „Ich hoffe ihr kommt mal wieder hier her in den Jaich-Hafen und segelt eine Runde. Es war echt toll, euch kennen zu lernen.“ So war das. Bestimmt treffen wir uns irgendwann einmal zu einer kleinen Regatta. Oder der Segelkurs wird nächstes Jahr weitergeführt. Dann lernen wir vielleicht eine Jolle zu segeln. Oder einen Viermaster. Und dann ab nach Amerika!

Maik Brandenburg

Die Flaschenpost Nach einem Sturm aus Nord-Nord-Ost fand ich ‚ne Flaschenpost. „An alle!“ stand da drauf. Ich machte sie gleich auf. „He, Menschen, hört mal her: Hier sind die Tiere aus dem Meer! Es geht in diesem Brief um euern ganzen Mief. Was ihr bei uns versenkt, ist schlimmer als ihr denkt, weil‘s uns total den Atem nimmt, was hier von euch so schwimmt.

Container voller Dreck, die werft ihr einfach weg. Und euer Schrott und Schutt, der macht uns echt kaputt. Selbst Gifte, nicht zu knapp, die schmeißt ihr sorglos ab. Allein das Plastik ist ‚ne Qual, das schafft den stärksten Wal! Schmeißt nicht mehr so viel ab sonst machen wir noch schlapp in all dem Dreck und Mist! Und dass ihr es nur wisst:

56

Macht ihr trotz allem weiter, und seid ihr nicht gescheiter, kann es ganz leicht passier‘n, dass wir den Dreck und Müll und Mist so nehmen wie er ist, und dann zurück vor eure Tür‘n katapultiern!!“ Ich bin sofort von diesem Strand wie‘n Blitz nach Haus gerannt. Ich war noch nie so fix ... Zum Glück - da lag noch nix.

Profile for im jaich Wasserwelten

Heimathafen – das im-jaich Magazin  

Ankommen, anlegen und die Seele baumeln lassen: An den schönsten Plätzen entlang der Küsten Norddeutschlands und an der Müritz sind wir für...

Heimathafen – das im-jaich Magazin  

Ankommen, anlegen und die Seele baumeln lassen: An den schönsten Plätzen entlang der Küsten Norddeutschlands und an der Müritz sind wir für...

Profile for imjaich
Advertisement