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Der Fischer un sine Fru: Harald und Karin Lehuniak teilen die Liebe zum Fischen. Früher ist sie auch gern mit rausgefahren.

Fischer Lehuniaks

kurze Reisen ins Glück Die Warteschlange zieht sich fast bis an den Steg. Sie windet sich vorbei an Tischen und Strandkörben, und es sieht nicht so aus, als würde sie demnächst kleiner. Aber das lange Anstehen lohnt sich: Wer aus der Tür des kleinen Bistros „Odinfischer“ tritt, hat meistens ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht. Auch Karin Lehuniak lächelt. Das tut sie eigentlich immer, wenn sie ihre Kunden bedient. Karin Lehuniak ist die Chefin des Bistros im „im jaich“-Hafen von Langballigau. Bereits seit Februar, wenn der erste Dorsch angelandet wird, steht sie am Herd oder hinterm Verkaufstresen des „Odinfischer“. Sie wartet jeden Morgen auf die Kisten mit den fangfrischen Fischen, die ihr Mann direkt vom Kutter ins Geschäft trägt. Die guten Beziehungen zum Fischer sind sozusagen ihr Vorteil. Denn auch vorm Kutter gibt es oft eine kleine Warteschlange: Oft werden die Dorsche, Klieschen oder Heringe direkt vom Boot aus weggekauft. Letzteres ist ein Acht-Meter-Kutter, dessen Laderaum nur begrenzt ist. Da reicht es meistens nicht für jeden am Steg. „Ich sag‘

dann immer, der frühe Kunde fängt den Fisch“, sagt Harald Lehuniak. Harald Lehuniak fischt seit fast 40 Jahren auf der Flensburger Innenförde. Sein Revier liegt zwischen Flensburg und Kalkgrund, hier kennt er jedes Riff. Rund 15 Seemeilen bis zum Ende der Förde am Leuchtturm tuckert er jede Nacht und legt die Stellnetze aus. „Das ist nachhaltig und schont die Umwelt. Schleppnetze sind Sünde“, sagt er. Oft weiß er schon am Abend, wie viel Beute er machen wird. „Das riech‘ ich am Wind“, sagt er. Der Mann hat eben Erfahrung. Schon als Dreikäsehoch sammelte er Aalwürmer, die er dann den Fischern brachte. „Nur damit sie mich mal mitnehmen. Auch Bier holte ich ihnen, Doppelbock, Pilsener, das waren deren Lieblingsmarken.“ Dennoch ist das Fischen nicht sein Hauptberuf geworden. „Als ich meinem Vater sagte, ich will Fischer werden, hat er mir eine gelangt. Er meinte, alle Fischer verfallen dem Alkohol.“ So machte Harald Lehuniak erst einmal eine Lehre als Raumausstatter, später war er für IKEA als Qualitätsprüfer unterwegs. 52

Doch wann immer es ging, stieg er ins Boot. Das war zuerst nur ein Schleikahn, das für diese Gegend typische Ruderboot mit Plattboden. Später wurde daraus ein Sechseinhalb-Meter-Boot, schließlich die acht Meter große „Odin“. Nach Feierabend, an Feiertagen, im Urlaub – wann immer es möglich war, machte der Nebenerwerbsfischer die Leinen los. „Wenn ich ein kurzes Stück mit dem Kutter nach Osten fahre und dann übers Wasser gucke, ist die Welt wieder in Ordnung“, sagt er. „Und in den Nächten hat man seine Ruhe.“ Fischen, das ist für ihn Entspannung, Freiheit, Zu-sichselbst-Kommen. „Das ist Glück.“ Auch seine Frau Karin ist von der Fischerei begeistert. „Wir waren oft zusammen draußen. Sie kann toll mit den Netzen umgehen, und sie kann in Rekordzeit filetieren, vor allem die Aalquappen.“ Ein Talent, das ihr im Bistro mit der ewig hungrigen Kundschaft sehr zupass kommt.

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Heimathafen – das im-jaich Magazin  

Ankommen, anlegen und die Seele baumeln lassen: An den schönsten Plätzen entlang der Küsten Norddeutschlands und an der Müritz sind wir für...

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