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Inhaltsverzeichnis Vorwort der Institutsleitung Vorwort der HMTMH-Präsidentin

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IJK – Jubiläum08 Der Anfang Prof. Dr. Richard Jakoby & Roland Scholl: Vom Frust zur Gründungsidee Prof. Dr. Walter J. Schütz: Vom Brunnenhof zum Emmichplatz Wolfgang Körner: Vom Schönheitskoeffizienten der HMTMH

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Grußworte aus der Wissenschaft

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Die Branche gratuliert aserto: Sperrvermerk für alle Zeiten Das IJK-diffferent-Glossar  Grußworte: NDR, nordmedia & nurago

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IJK – Gestern29 Nostalgisches IJK-Chronik: 1985 - 2010 Abschlussarbeiten – Immer am Puls der Zeit Impressionen von damals: Die Villa Stimmen zum IJK „Wir wollen die Lizenz“ – Stadtradio 100,0 Impressionen von damals: Die Villa

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Gesichter des IJK Prof. Dr. Beate Schneider: Alles wird gut! Prof. Dr. Helmut Scherer: Das Besondere im Alltäglichen Prof. Dr. Christoph Klimmt: Dr. Hut Prof. Dr. Gunter Reus: Bilanz Prof. Dr. Carsten Winter: Meine ersten drei Jahre am IJK und die Zukunft des Managements  Susanne Rase: Titel, Tresen, Temperamente – die Bibliothek des IJK Bis(s) zum Abendgong Corinna Kastner: Der Tote in der Bibliothek – oder: Probanden sterben einsam Robyn Moore-Memis: Confessions of a secretarian mind Christoph Catewicz: Über die kleinen Aha-Erlebnisse

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IJK – Heute

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Exzellent, praxisrelevant, fürsorglich Die wissenschaftliche Erfolgsgeschichte des IJK Die Evaluation des Studienerlebnisses

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Ende und Anfang Glamour, Koffeinschüsse und IMM – IJK-Geschenke Der Aufnahmetest Stilblüten aus IJK-Bewerbungen Die ersten Wochen am IJK Kind, hast du Fieber? Das erste Semester – ein ständiges Auf und Ab!

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Arbeiten am IJK Impressionen von heute: Die Plaza 92 Die Plaza Revue: Besuch bei einem von uns 97 Mitarbeiterbefragung102 IJKBlog  106 Rätselstunde der Kommunikationswissenschaft 108 Leben am IJK Auf eine Zigarette mit Beate Schneider: Das IJK in Brüssel 110 Stell dir vor, es ist Forum, und keiner geht hin! 112 Vom Stadtradio zum Netzwerk: KommunikationsKultur am IJK 114 Running Dinner: Kommunikation geht durch den Magen! 116 Die Theater-AG – Training der beschädigten Sinne 120 Hören! Hannover Song Contest 124 Der AC Plaza 128 Gut aufgehoben in der Ferne – Die Partner-Universitäten des IJK 132 Zusammen lernen – zusammen leben: Die IJK-WGs 136 Plaza Diaries 140 IJK-Parties148 Rach, der Mensatester 152 IJK – Morgen 153 Wünsche, Ziele und Prophezeiungen IJK – deutlich mehr Chancen auf eine selbstbestimmte und nachhaltige Karriere 154 Kassandrische Unkenrufe: Tatsachenbericht aus dem Jahr 2035 155 Liebeserklärung ans IJK 158 Das IJK in 10 Jahren: Auf der Suche nach der Weltformel 160 Wusstest du schon...? 164 IJK-Babys166 Impressum

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Vorwort der Institutsleitung

FOTO: OLE HOFFMANN

Einmal IJK, immer IJK

VON PROF. DR. HELMUT SCHERER

Eigentlich ist die Intention hinter diesem Buch eine ganz einfache: Es handelt sich um ein Geburtstagsgeschenk. Bohrt man aber etwas nach, dann gibt es doch einige recht komplizierte Fragen, auf die es leider auch nur komplizierte Antworten gibt. Wessen Geburtstag feiern wir? Wie alt wird das Geburtstagskind? Wessen Geschenk ist das Buch, und wer wird beschenkt? Tatsächlich feiern wir mehrere Jubiläen. Da ist zum einen der Geburtstag eines kommunikationswissenschaftlich orientierten Medienstudiengangs der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Dabei handelt es sich um das Aufbaustudium Journalistik. Dies war eine sehr erfolgreiche und qualitativ hochwertige universitäre Ausbildung, bei der Absolventinnen und Absolventen anderer Studienfächer auf Basis einer soliden kommunikationswissenschaftlichen Grundlage in journalistische Berufsfelder eingeführt wurden. Leider waren höhere Mächte Ende der 90er Jahre der Ansicht, dass eine Weiterführung des Studiengangs am IJK nicht sinnvoll sei. Wahrscheinlich sitzt immer noch ein Dienstmann in einer Kneipe in der Nähe des Hannoveraner Hauptbahnhofs mit einem Brief für die vorgesetzten Behörden. So blieb der göttliche Ratschlag leider aus: „Luja, sag i“. Glücklicherweise ist es uns gelungen, einiges, was die Qualität dieses Studien-

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gangs ausmachte, woanders, insbesondere in den Studiengang Medien und Musik, einzuschmuggeln, so dass es möglich war, diese Kompetenz und spezifische Qualität am IJK zu erhalten. Das hat natürlich auch mit personeller Kontinuität zu tun: Beate Schneider, Gunter Reus, Christoph Catewicz, Corinna Kastner, Susanne Rase und Ines Schumann sind auch Teil der Geschichte des Journalistikstudiengangs. Ein zweites Geburtstagskind ist das IJK. Das Institut wurde 1990 gegründet, und es hat sich seitdem einen wichtigen Platz in der deutschen Kommunikationswissenschaft und auch internationale Anerkennung erarbeitet. Das dritte mögliche Geburtstagskind ist der Studiengang Medienmanagement. Zunächst ein Diplom-, mittlerweile ein Bachelor- und Masterstudium, ist er bis heute mit seinen innovativen Studienkonzepten ein Trendsetter in der deutschen Forschungs- und Studienlandschaft geblieben. Je nachdem, wessen Geburtstag wir feiern, handelt es sich also um den 25. (Medienstudium an der HMTH) oder den 20. (IJK und Medienmanagement). Ganz egal, wie viele Kerzen wir nun genau auf die Geburtstagstorte stecken wollen, es ist in jedem Fall eine Zeitspanne, auf die eine Rückschau lohnt, die viel Stoff zum Erzählen und Nachforschen liefert. Alles Dinge, die wir in diesem Buch tun wollen.

Kommen wir zu den besonders schwierigen Fragen: Um wessen Geschenk handelt es sich bei diesem Buch? Wer will dem Jubilar oder den Jubilaren eine besondere Freude machen? Auch dies lässt sich gar nicht so einfach beantworten. An der Idee, dem Konzept und der Arbeit zu diesem Buch sind viele beteiligt. Die Idee zum Buch wurde in einer studentischen Arbeitsgruppe mit Unterstützung durch Daniela Schlütz entwickelt. Dass Studierende immer eine zentrale Rolle bei den Aktivitäten des IJK spielen und dass sie dies mit großem Engagement und hoher Kompetenz tun, ist eine gute und erfolgreiche Tradition, in die sich dieses Buch einreiht. Daneben gibt es aber noch viele andere Akteure: Die Lehrenden und Mitarbeitenden am IJK haben Beiträge geschrieben und das Vorhaben in vielen Bereichen unterstützt. Ehemalige haben Materialien und Ideen zugeliefert, aus der Hochschule kamen Textbeiträge; Wissenschaftskollegen aus ganz Deutschland haben es sich nicht nehmen lassen, uns mit kurzen, netten Beiträgen zu gratulieren. KKeV und unsere Firmenpartner haben Beiträge verfasst. Eine besondere Rolle spielen dabei traditionell die Unternehmen, die aus dem IJK heraus entstanden sind. Kurz und gut, das Buch ist ein Geschenk, das von vielen gemacht wird. Wessen Geburtstag aber feiern wir mit dem Geschenk? Darauf gibt es zwei Antworten: eine einfache und eine aufwändige. Die einfache lautet: Das Buch ist ein


Vorwort der Institutsleitung

Geschenk an alle, die sich dem IJK auf die eine oder andere Weise zugehörig fühlen. Aufwändiger wird die Antwort, wenn wir bestimmen wollen, wer diesen Personenkreis bildet. Das Buch ist ein Geschenk an die früheren Generationen von Studierenden und Lehrenden, die dem IJK bis heute verbunden geblieben sind. Dies sind die Menschen, die das IJK geschaffen und seinen spezifischen Charakter entwickelt haben – diese Mischung aus menschlichem Verständnis und Leistungsorientierung. Natürlich ist es auch ein Geschenk für diejenigen, die heute am IJK arbeiten und studieren, dessen Traditionen pflegen und fortentwickeln und dafür sorgen, dass das Institut nach wie vor einen Spitzenplatz in der Forschungs- und Studienlandschaft einnimmt. Es ist ein Dankeschön dafür, dass sie immer wieder dafür sorgen, dass der Charakter des Instituts ein besonderer bleibt, dass hier die berühmte familiäre Atmosphäre herrscht. Das Buch soll aber auch ein Geschenk sein an all die, die das IJK im Umfeld der Hochschule, bei unseren Medienpartnern, im Förderverein KKeV oder in der Wissenschaft unterstützen. Sie sollen sehen, dass wir ihr Engagement würdigen und dass wir immer bemüht sind, aus der Unterstützung, die uns gewährt wird, etwas Besonderes zu machen. Wenn wir die Aufzählung der Beschenkten und der Schenkenden vergleichen, dann werden wir zwei Beobachtungen machen. Zum einen sind beide Perso-

nenkreise praktisch identisch. Wir schenken uns also gewissermaßen selbst etwas. Deutlich sollte aber auch werden, dass es letztlich nicht wichtig ist, welchen Geburtstag wir genau feiern, ob es nun ein 20. oder ein 25. ist. Es geht nicht darum, ob wir den Geburtstag eines Studiengangs oder eines Instituts feiern. Es geht um die Menschen, die das Gebilde ausmachen, das wir der Einfachheit halber IJK nennen, und die in vielfältigen Beziehungen zum Institut stehen. Das IJK besteht aus all diesen Personen, die mit uns arbeiten oder gearbeitet haben, die uns unterstützen und helfen. Dabei gilt der Grundsatz: Einmal IJK, immer IJK. Das ist eben auch ein Aspekt des Familiären. Wenn man hier war, sei es als Studierender, als Lehrender, als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter oder als einer der zahlreichen Förderer und Freunde, dann gehört man dazu, ganz egal, wann das war. Familie behält man, auch wenn über die Zeit die Beziehungen gelegentlich etwas lose werden. So gesehen, beginnt die Geschichte des Instituts wirklich schon 1985 – ganz egal, wie das akademische Gebilde damals hieß –, und deshalb feiern wir den 25. Geburtstag. Diesen Gedanken soll das vorliegende Buch symbolisieren. Deswegen beginnen wir mit Grußworten aus den verschiedenen Gruppen, die zu den Freunden des IJK zählen und das IJK ausmachen. Sie gehören fast alle zu diesem Personenkreis, der sowohl Gratulant als

auch Jubilar ist. Danach werden wir die verschiedenen Aspekte des Lebens und Arbeitens am IJK veranschaulichen. Sie werden etwas über die Abschlussarbeit im Wandel der Zeit erfahren oder den Umzug von der Villa in der Hohenzollernstraße auf die Expo Plaza nachvollziehen können. Die Leistungen des IJK sollen durch die Ergebnisse einer Absolventenbefragung und durch die Darstellung der wissenschaftlichen Erfolge gewürdigt werden. Einen wichtigen Teil bilden aber all diese kleinen Alltagsdinge und Traditionen, die das Leben und Arbeiten am IJK zu etwas Besonderem machen. Dazu zählen die Geschenke, die das IJK üblicherweise im Rahmen der Abschlussfeier überreicht bekommt oder das Running Dinner, aber auch ernsthafte akademische Traditionen wie die Abschlussprüfungen und Dissertationen. Das alles soll Ihnen in guter IJKManier anschaulich und unterhaltsam nähergebracht werden. Wir wollen ja, dass Sie das Buch gerne in die Hand nehmen, sich dabei an das Institut erinnern und sich daran freuen, selbst Teil dieser Geschichte zu sein.

Helmut Scherer Geschäftsführender Direktor des IJK

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IJK – Jubiläum Ein Vierteljahrhundert Journalistik und Kommunikationsforschung. Wegbereiter und Weggefährten des Jubilars melden sich zu Wort.


Der Anfang und seine Wegbereiter

Vom Frust zur Gründungsidee

VON PROF. DR. RICHARD JAKOBY UND ROLAND SCHOLL

Seit Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts stand die Hochschule für Musik und Theater Hannover vor nachhaltigen Veränderungen. Mit der Übernahme der Trägerschaft durch das Land Niedersachsen und dem neuen Hochschulgebäude am Emmichplatz waren auch umfangreiche strukturelle Veränderungen verbunden. Die wesentliche Zielrichtung von Hochschulleitung und Senat war die Stärkung des wissenschaftlichen Profils im Studienangebot und damit die Weiterentwicklung der künstlerischen zu einer künstlerisch-wissenschaftlichen Hochschule. Ohnehin verfügte die Hochschule schon damals vor allem für das Lehramt an Gymnasien über die größte Zahl von Professorenstellen wissenschaftlicher Disziplinen an Musikhochschulen. Als erster Musikhochschule wurde ihr das Promotions- und das Habilitationsrecht verliehen. Neue Forschungsinstitute wurden eingerichtet. So war es nur folgerichtig, dass die Hochschule dem Wunsch der Landesregierung entgegenkam, neben dem bestehenden Institut für Publizistik an der Universität Göttingen die journalistische Ausbildung neu auszurichten und damit der Kritik in Politik und öffentlicher Meinung über die häufig oberflächliche Berichterstattung besonders im Kultursektor, gegen die sich auch die Hochschulleitung wehren musste, zu begegnen. Außerdem sah sie in einem „exotischen“ Studiengang für angehende Journalisten eine sinnvolle Bereicherung, die an Musikhochschulen ein Unikat darstellen würde. Für die Landesregierung kam ohnehin als Ausbildungsstätte nur eine Hochschule in Betracht, die ihre Studierenden selbst auswählen konnte. Dieser rechtlichen Vorbedingung entsprachen damals nur die beiden künstlerisch-wissenschaftlichen Hochschulen. Da die Hochschule mit der von der Landesregierung erwarteten Auswahl von Studienbewerbern durch eine Eingangsprüfung schon über eine Qualitätssicherung für den Studienbeginn verfügte und damit eine überschaubare Zahl von Studierenden garantierte, schienen die Voraussetzungen für die Schaffung eines „Elitestudiengangs“

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gegeben, mit dem wir auch eine andere Ausbildungsstruktur gegenüber der übergroßen Zahl der Studienbewerber für den Bereich Publizistik an anderen Hochschulen etablieren wollten. In einer Reihe vorbereitender interner Gespräche und in Verhandlungen mit den anderen hannoverschen Hochschulen, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Leitung der Hochschule, durch Experten der Publizistik – in einer frühen Phase auch mit Julia Dingworth- Nussek, einer erfahrenen Wirtschaftsjournalistin und Chefredakteurin des WDR – wurden unter Koordinierung durch Hilmar von Poser in der Staatskanzlei die Grundlagen für die spätere inhaltliche Ausgestaltung des Studiengangs gelegt. Das Wissenschaftsministerium hat im Mai 1984 eine Vorbereitungskommission aus international anerkannten Fachvertretern gebildet, darunter Horst Callies, Wilmont Haacke, Ulrich Saxer, Walter J. Schütz sowie Richard Jakoby für die Hochschule, Wolfgang Körner als Vertreter des Ministeriums, und Bernhard Rohe, Peter Schiwy, Wolfgang Wagner als Vertreter der Medien. Deren erste schwierige Aufgabe war, die um den Studiengang konkurrierende Universität Hannover und den von ihr beauftragten Vizepräsidenten Callies davon zu überzeugen, dass die Ansiedlung des Ergänzungsstudiengangs aus den genannten Gründen an der Musikhochschule vorzuziehen sei. Früh konkretisierte sich die Planung auf die Einrichtung eines Ergänzungsstudiengangs Journalistik für Absolventen mit Prädikatsexamen eines abgeschlossenen wissenschaftlichen oder künstlerischen Studiums. Nach einer bestandenen „Aufnahmeprüfung“ wurde in diesem Studiengang vorgesehen, dass jeder Studierende mindestens zwei der Medien Presse, Hörfunk, Fernsehen/Film als Schwerpunkte wählen musste. Außerdem sollte der Praxisbezug einen gewichtigen Anteil im Studium einnehmen, dessen Realisierung durch Vereinbarungen mit Printmedien sichergestellt werden konnte. Nachdem der Senat der Hochschule dem Konzept zugestimmt und das Wissenschaftsministerium unter Minister Johann-Tönjes Cassens den Studiengang genehmigt hatte, wurde vom Senat im Mai 1985 eine Berufungskommission gebildet mit


FOTO: MARKUS BÜRING, 2009

Der Anfang und seine Wegbereiter

Prof. Ulrich Pothast, Musikhochschule, Bernhard Rohe, NDR Hannover, den Professoren Franz Ronneberger, Nürnberg, und Ulrich Saxer, Zürich, sowie den Publizisten Walter J. Schütz, Bonn, und Wolfgang Wagner, Hannover. Zum Wintersemester 1985/86 wurden auf der Grundlage der beschlossenen Berufungsliste die ersten – vom Land zusätzlich bereitgestellten – Planstellen besetzt, mit Klaus Schönbach die Professur für Kommunikationswissenschaften, mit Beate Schneider, die sich bei der Planung und späteren Realisierung als fürsorgliche „Mater Institutionis“ bewährte, die Professur für Medienwissenschaften, sowie die Stellen für den akademischen Mittelbau. Für die Professur für Journalistik wollte die Hochschule Kurt Reumann von der FAZ gewinnen, der jedoch trotz vorhandenen Interesses von einer Bewerbung absah. Auf diese Stelle wurde später Bernd Schmidt berufen. Der Studienbetrieb wurde mit dem Wintersemester 1985/86 aufgenommen.

und Kommunikationsforschung war geboren und ist heute ein fester Bestandteil der heutigen Hochschule für Musik, Theater und Medien. Bis ruhigeres Fahrwasser und der sichere Hafen erreicht wurden, mussten so manche institutionellen Klippen, finanzielle Gefährdungen und hochschulstrategische Ungeschicklichkeiten bewältigt werden.

Von Beginn an war es unser Anliegen, die Entwicklung und Integration des Instituts in die Hochschule intensiv zu begleiten und dessen Mitglieder – wie es damals hieß: die „Unbelehrbaren“ – zum „Stil des Hauses“ zu erziehen. Weitere Bemühungen waren, die Kooperation zwischen den bisherigen Studiengängen und den Angeboten des Instituts aufzubauen und zu verstärken, gemeinsame Lehrveranstaltungen unter den Professoren anzuregen und gemeinsame Forschungsvorhaben zu unterstützen. Außerdem wollten wir dazu beitragen, die räumliche Distanz zwischen dem Haupthaus und der Hohenzollernstrasse 47, dem ersten Sitz des Instituts, zu überbrücken. Die Pressearbeit wurde durch die Mitarbeit des Instituts für die Hochschule intensiviert und Presseorgane wie „pressto“ ins Leben gerufen.

Richard Jakoby Roland Scholl Präsident der Hochschule a. D. Kanzler der Hochschule a. D.

Umso größer ist die Freude der Unterzeichner, zum 25-jährigen Bestehen herzlich zu gratulieren und dem IJK, das seinesgleichen in der Hochschullandschaft sucht, für weitere Jahrzehnte Erfolge in Forschung und Lehre, zufriedene Absolventen, internationales Renommee und eine Atmosphäre menschlichen, ja wie bisher familiären Miteinanders zu wünschen.

1990 wurde das Studienangebot mit einem grundständigen Studiengang Medienmanagement (Angewandte Medienwissenschaft) erweitert, in dem neben dem Studium Forschungsaufgaben stärker integriert und eine breitere Basis für ein Aufbaustudium Promotion geschaffen werden konnten. Das Institut für Journalistik

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IJK-Chronik: 1985 - 2010

1985

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1985

Der Startschuss: Prof. Dr. Beate Schneider und Prof. Dr. Klaus Schönbach werden als Erste auf die Gründungsprofessuren des Ergänzungsstudiengangs Journalistik berufen • Der Studiengang wird der Hochschule für Musik und Theater Hannover angegliedert. Die Einbindung in eine künstlerische Hochschule ermöglicht die Auswahl der Studierenden auf Basis eines Aufnahmetests • Die Zeit und Der Spiegel begleiten die Gründung kritisch als „Medien-Schmiede“ von Ministerpräsident Albrecht und beklagen personelle Verflechtungen sowie den mit hohen Kosten verbundenen Umbau der ehemaligen Staatskanzlei in der Hohenzollernstraße • Corinna Kastner nimmt ebenfalls ihren Dienst in der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Villa auf und unterstützt Lotte Guradze, Sekretärin der ersten Stunde

1986

Wolfgang Eichhorn, Romy Fröhlich und Friederike Harmgarth ergänzen das Team als wissenschaftliche Mitarbeiter. Christoph Catewicz ist ab sofort für die Technik zuständig. Der eilenreader erscheint zum ersten Mal

1987 Dr. Gunter Reus wird neuer Mitarbeiter im Journalistik-Studiengang, Susanne Rase übernimmt die Bibliothek • Der Showmaster Rudi Carrell stattet dem Institut auf Einladung von Prof. Dr. Beate Schneider einen Besuch ab • Die ersten Absolventinnen und Absolventen des Ergänzungsstudiengangs Journalistik laden am 14. Oktober 1987 zur Abschlussfeier in die Villa 1988

Bernd Schmidt erhält einen Ruf an das IJK, der Journalist und Publizist Ivo Frenzel wird zum Honorarprofessor ernannt • Wolfgang Eichhorn wechselt an die LMU München Die HAZ berichtet: „Ein Studiengang schöpft aus dem vollen – selbst James Bond steht in der Videothek“, in der Villa studiere man, so die Lokalpresse, fern vom „Uni-Chaos“ • • Die erste Ausgabe der Hochschulzeitschrift pressto erscheint. Unter der Leitung von Dr. Gunter Reus stellen Journalistik-Studierende bis zum Sommersemester 1999 24 Ausgaben zu unterschiedlichen kulturellen Themen zusammen • Der Landesminister für Wissenschaft und Kunst, Johann-Tönjes Cassens besucht das IJK. Die politische Diskussion um ein Vollstudium Journalistik sowie die Gründung eines Studiengangs „Angewandte Medienforschung“ beginnt • „Klinikradio“ – Unter der Leitung von Bernd Schmidt veranstalten Studierende einmal in der Woche ein Hörfunkprogramm für die Patienten der Medizinischen Hochschule Hannover

1989

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Dr. Christina Holtz-Bacha habilitiert sich


IJK-Chronik: 1985 - 2010

1990

1991

1992

1993

1994

1990

Am 15.01.1990 wird das Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK) gegründet mit Einführung der Diplomstudiengänge Medienmanagement (Angewandte Medienwissenschaft) grundständig sowie als Ergänzungsstudiengang • Prof. Dr. Schönbach wird der erste Direktor des IJK. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter Angela Fritz, Wolfram Peiser und Christa Wehner beginnen am IJK. Frank Besler unterstützt die Technik. Er wechselt später an die Fachhochschule Hannover

1991

Dr. Lutz Goertz steigt als wissenschaftlicher Mitarbeiter ein, und Ines Schumann unterstützt Corinna Kastner • Prof. Dr. Holli A. Semetko von der University of Michigan, Ann Arbor, besucht als Gastprofessorin das IJK • Das IJK beteiligt sich an einem schwedisch-deutschen Austauschprogramm für Journalistikstudierende, welches von der schwedischen Botschaft und dem Bundespresseamt in Bonn ins Leben gerufen wurde

1992

Prof. Dr. Lee Becker von der Ohio State University, Columbus Ohio, verstärkt als Gastprofessor das IJK • Elke Barte beginnt in der Bibliothek • Gründung des studentischen Vereins art & weise und die erste Ausgabe der art & weise News • Zur „Winterschool“ treffen neun Journalistikstudierende aus Portsmouth ein • Forbes berichtet über die hervorragenden Berufsaussichten der Medienmanagement-Studierenden

1993

Prof. Dr. Beate Schneider wird Vizepräsidentin der HMTH • Romy Fröhlich schließt erfolgreich ihre Promotion ab und ist damit die erste Doktorin des IJK • Kurt Neubert und Dieter Stürzebecher fangen als wissenschaftliche Mitarbeiter am IJK an • Friederike Harmgarth wechselt zur Bertelsmann Stiftung • Prof. Jack M. McLeod, University of WisconsinMadison, arbeitet als Gastprofessor am IJK • Der „Meinungscontainer“ am Kröpcke: IJK-Studierende drehen mit Passanten einen Film gegen Ausländerfeindlichkeit, und die Lokalpresse berichtet ausführlich • Das Medien-Fußballturnier (Mediacup) ist geboren

1994

Dr. Peter Vorderer erhält einen Ruf ans IJK • 30 Studierende des Instituts starten mit dem Stadtradio 100 auf dem Schützenfest und senden täglich zwei Stunden • KommunikationsKultur e. V. (KKeV) wird gegründet • Das IJK beteiligt sich in der Disziplin ‚Journalistik’ am hochschulinternen Wettbewerb. Als Juroren kommen Georgia Tornow und Herbert Riehl-Heyse nach Hannover ins IJK • Monika Hollwedel löst Lotte Guradze im Studierendensekretariat ab, Lotte Guradze geht in den Ruhestand

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FOTO: JAN WERNER

Impressionen von damals: Die Villa

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FOTOS: JAN WERNER

Impressionen von damals: Die Villa

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Gesichter des IJK

Der Tote in der Bibliothek – oder: Probanden sterben einsam

VON CORINNA KASTNER

Langsam gleiten die Stadtbahn-Türen vor mir auf. Das Erste, was ich denke, ist: Was für eine Ödnis! Nur graue, quadratisch-praktisch-gute Gebäude. Die Designer hätten sich wirklich ein bisschen mehr Mühe geben und zumindest etwas Atmosphäre schaffen können. Aber vielleicht, denke ich, ist das ja Absicht. Diese nüchterne Kälte – und darin ein Verbrechen. Aus Leidenschaft? Aus Habgier? Rachsucht? Man weiß es nie am Anfang von Ermittlungen. Mit geschärften Sinnen schaue ich mich genauer um. Da hinten ist eine Brücke – und auf dem Asphalt finde ich erste Hinweise auf die Tat. Rote Fußspuren. Menschliche und tierische. Sind das tatsächlich Abdrücke von Hundepfoten? Das scheint ja hier ein sehr schräger Fall zu werden, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Fußspuren in die falsche Richtung führen, hin zum Tatort statt weg von ihm. Aber ich lasse mich von diesem geschickten Ablenkungsmanöver nicht abschrecken. Einfache Sachen liegen Kriminalhauptkommissar S. T. Ichtag vom BKA (oder war’s BPA?) nicht, im Gegenteil, es muss richtig knifflig sein. Ich folge den Fußspuren, bis sie abrupt enden. Vor einem Gebäude, das genauso quadratisch-praktischgut aussieht wie die meisten hier. Nun ja, abgesehen vielleicht von dem merkwürdigen Ding, das auf der anderen Straßenseite zu sehen ist. Verdorrte Bäume

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mittendrin. Zustände sind das! Ich überlege kurz, ob ich vielleicht für nichts und wieder nichts hier rausgekommen bin und es sich gar nicht um einen Mord, sondern um Selbstmord handelt – ein Wunder wäre es nicht in dieser Umgebung. Aber dafür hätten sie nicht Kriminalhauptkommissar S. T. Ichtag geschickt. Also betrete ich das Gebäude. Kein Mensch weit und breit, nur eine ganze Reihe von Briefkästen, für die ich keine Schlüssel habe, obwohl vielleicht wertvolle Hinweise darin verborgen sein könnten. Ich will den Pförtner danach fragen, aber an der Scheibe der Loge klebt nur ein Zettel: Bin gleich wieder da!!!!! Das zumindest ist den Designern sehr glaubwürdig gelungen. Da kommt mir durch das Foyer eine Dame entgegen, die äußerlich ruhig wirkt, aber ich merke doch, dass etwas sie ein bisschen aus der Bahn geworfen hat. Ich spreche sie an, und sie ist offenbar froh, dass sich endlich jemand Kompetentes hier blicken lässt. „Stellen Sie sich vor: Ich unterrichte gerade in Raum 1.16 Internationales Medienwesen, da höre ich diesen entsetzlichen Schrei.“ Sie macht eine bedeutungsvolle Pause. „Zuerst dachten wir natürlich, das wären mal wieder die Schauspieler, die irgendwas proben – bei denen weiß man ja nie. Dann kam Frau Rase hereingestürzt und teilte uns mit, dass ein Toter in der Bibliothek läge. Ein Toter.“ Eine weitere Pause verdeutlicht das Ungeheuerliche dieses Vorfalls. „Das hat es hier noch nie gegeben. Verzweifelte

Studierende, überarbeitete Professoren, am Wahnsinn vorbeischrammende wissenschaftliche Mitarbeiter und Verwaltungsangestellte – alles schon da gewesen in den letzten 25 Jahren. Aber ein Toter?!“ Ich erkundige mich erst mal, wer Frau Rase ist, und erfahre, dass es sich dabei um die Bibliothekarin handelt. Mein Gegenüber stellt sich mir schließlich als Beate Schneider vor und führt mich zum Ort des Verbrechens, wo wir von einem ganzen Pulk Menschen erwartet werden. Was für ein Durcheinander, das ganze Institut für … wie hieß das noch? Auf dem Weg hierher hat Frau Schneider den Namen erwähnt … Kommunikationspublizistik und Medienforschung oder so. Mist, ich hätte mir das merken sollen, ist bestimmt wichtig. Ich frage noch einmal danach, aber Frau Schneider bleibt stumm. Offenbar die falsche Frage. Ich bahne mir meinen Weg durch die Menge, bis ich vor einem Regal ankomme, unter dem eine Gestalt und lauter Zeitungen liegen, um sie herum Männer in weißer Kleidung und ein dünner Typ mit verstrubbelten Haaren, der wie wild Fotos von der Leiche macht: die Spurensicherung. Neben dem Toten kniet jemand, der aussieht wie George Clooney aus dieser Krankenhausserie – sicher der Arzt. „Können Sie schon was zur Todesursache sagen?“, will ich von ihm wissen. Clooney runzelt die Stirn. „Schwierig. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wäre der Mann von den


FOTO: OLE HOFFMANN

Gesichter des IJK

Zeitungen erschlagen worden…“ Ich höre den Zweifel in seiner Stimme. „Aber?“, hake ich nach. „Da wäre dann noch dies hier“, sagt Clooney und zeigt auf das ebenfalls am Boden liegende Buch – es muss ungefähr eine Tonne wiegen, schwere Lektüre also. Flüchtig schaue ich auf den Titel: Statistik und Datenanalyse III für Dummies. Das sollte einen tatsächlich erschlagen. Clooney scheint immer noch nicht zufrieden. „Und?“, hake ich abermals nach. „Es wäre auch möglich, dass dies hier die Tatwaffe ist“, sagt er und deutet auf das Messer in der Brust des Toten. Ich beuge mich hinunter und betrachte es genauer. Der Griff trägt die Aufschrift: Eigentum der Mensa, bitte nach Gebrauch unbedingt zurückbringen. Ich entwickele kurzzeitig Mitleid mit dem Mörder – er wird Ärger mit der Mensa kriegen… Das Messer sieht nicht sonderlich scharf aus, hat aber wohl ausgereicht, um durch das Jackett des Mannes zu dringen und irgendwas Vitales zu verletzen. Warum ist mir das ganze Blut vorher nicht aufgefallen? Wahrscheinlich war ich zu abgelenkt von den Zeitungen und dem Buch – und dem Fotografen, der immer noch hier herumwuselt. „Sind Sie nicht bald fertig mit Ihrer Arbeit?“, frage ich. „Dieser ganze Elektrosmog…“, murmelt er. „Wie bitte?“ „… ist schuld. Kein Wunder, dass man hier erstickt.“

„Erstickt?“, wiederhole ich verblüfft und schaue wieder zu Clooney rüber. „Der Mann ist erstickt?“ „Durchaus möglich. Allerdings nicht am Elektrosmog, sondern an dem Schokoriegel aus dem Automaten nebenan. Der war vergiftet, würde ich schätzen.“ Was soll das denn jetzt? Das Opfer wurde gleichzeitig erschlagen, erstochen und vergiftet? Entweder, da hat jemand einen ganz schönen Hass auf den Mann gehabt – oder ich soll verschaukelt werden. Entgegen meiner Erwartung spüre ich, wie es in meinem Magen anfängt zu grummeln und ich erste Aggressivität aufbaue. „Wissen wir eigentlich, um wen es sich handelt?“, stelle ich trotzdem ruhig die naheliegende Frage. Clooney zuckt mit den Schultern. „Er hat keine Papiere bei sich.“ Eine Weile bleibt alles still, ich starre auf das Szenario, niemand bewegt sich, niemand spricht. Wie immer muss ich allein weitermachen und entscheiden. Ich drehe mich um und sehe die versammelten Mitarbeiter des … ja, jetzt weiß ich es wieder … IJK. Wofür genau die kryptischen Buchstaben stehen, habe ich leider immer noch vergessen. Jedenfalls schaue ich in teils erwartungsvolle, teils ängstliche, teils gleichgültige Gesichter. Frau Schneider steht neben einem großen Herrn mit Dreitagevollbart, der etwas skeptisch dreinblickt. Oder schuldbewusst? Ich kann den Gesichtsausdruck nicht deuten, aber er ist auf jeden Fall interessant. Also werde ich meine Befragung mit ihm

beginnen. Ja, er scheint mir der Richtige zu sein, ich bemerke einen kleinen Fleck auf seinem Finger. Rot. Könnte sich natürlich um Tinte vom Korrigieren von Klausuren handeln. Könnte aber auch Blut sein. Das Blut des Opfers? „Kaum“, erwidert er auf meine provokante Frage. „Ich bin Helmut Scherer, der Direktor dieses Instituts, und ermorde keine Mitmenschen. Professoren tun das grundsätzlich nicht. Obwohl ich zugeben muss, dass ich schon mal daran gedacht habe, im Rahmen eines Werkstattseminars zum Thema Crime Sells, Content Counts gewisse Experimente…“ Seine Stimme verliert sich im Nichts. Und dabei bleibt es. Egal, was ich auch sonst noch sage und frage, Helmut Scherer schweigt konsequent. Auch Beate Schneider hat offenbar nichts Neues zu vermelden, sie lächelt nur freundlich, wenn ich sie anspreche. Erneut spüre ich diese Aggressivität in mir, die sich leider allmählich steigert. „Wo zum Teufel ist denn jetzt diese Frau Rase, die die Leiche gefunden hat? Kann mir das wenigstens mal jemand verraten?“, zische ich zwischen meinen Zähnen hervor und bin verblüfft über mich selbst. Ich verliere doch sonst nicht so schnell meine Contenance… Mein Ausbruch führt natürlich zu nichts, denn niemand sagt einen Ton. Aber da entdecke ich zum Glück eine Person mit einem entsprechenden Namensschild. Auch Frau Rase lächelt freundlich, allerdings steht ihr der

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ERSTE BEGEGNUNGEN

Dieses Jahr ist das 25. Jubiläum des IJK’s und auch meine persönliche 10. Jubiläum. Ich hab nämlich in Februar 2000 angefangen am IJK. Und der Diplom Jahrgang 2000/01 sind die erste jahrgang die mit mir angefangen haben und sind daher meine jahrgang! Das erste Jahr am Institut war voll mit „Erste Begegnungen“ gefüllt. Das erste mal wo eine student, zwei monate nach anmeldung sein diplomarbeit das thema ändern musste weil der Vorstand beim Firma, worüber er geschrieben hat, gewechselt ist und die nicht mehr der Thema seine Diplomarbeit zur verfügung stellen wollte. Der brauchte nur einwenig aufbauung, „…ja, ist scheiße, aber das schaffst du doch…“. Und, er schaffte alles tatsächlich in der zeit umzuwerfen und hat seine arbeit pünktlich abgegeben. Mit Sonnenbrille drauf (es war morgens 9uhr und nicht gerade sommerlich…typisch norddeutsch halt…) gab er es bei mir ab. Nachdem er weg war, rief Susanne Rase durch, „Robyn, das Inhaltsverzeichnis verweißt auf eine Einleitung der nicht vorhanden ist.“ So musste der arme Bengel alle exemplare wieder zur copy shop bringen… fast mit tränen in die Augen und so dass er sich gerade noch auf die Beine halten konnte, „wenn noch was falsch ist, will ich es nicht wissen. Guten nacht!“ brachte er dann die exemplaren nachmittags wieder. Und das erste mal eine Studi bei mir rein kam, „Robyn ich kriege keine verdammte Satz mehr zusammen“…als er gerade an seine Diplomarbeit schrieb. „Stelle dir vor du schreibst deine Mama und du willst ihr erklären worüber der Kapitel sich händelt“ sagte ich „So hast du es in die simpleste

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sätze möglich. Dann trinkst du ein Bier, nimmst einen kleinen auszeit und schreibst die sätze von simple ins fachlich um. So hast du wenigstens eine richtung.“ Ich weiss, meine vorschläge sind nicht „fachliche“ ansätze, aber manchmal ist ein sympathisches Ohr alles was gebraucht ist. Auf jeden fall hat derjenige doch seine diplomarbeit zu ende geschrieben und ist heute hoch positioniert in eine große medienunternehmen. Aber, nie vergesse ich mein ersten Tag. In der Villa war alles sehr rühig auf der zweite Etage. Dennoch bemerkte ich wie ein Studi auf- und abgelaufen ist. So frisch neu, wie ich war, dachte ich mir erstmals nix dabei. Aber langsam merkte ich dass sie auch ein kurze blick zu mir reingeworfen hat. Na ja dachte ich, die ist nur neugierig. Endlich traute sie sich an mein Turrahm zu klopfen, kam aber nicht ins büro rein. Stehte nur da und flüsterte „Ich hätte gerne, aber nur wenn es möglich wäre, eine Bescheinigung, vorausgesetzt Sie haben Zeit und natürlich nicht jetzt sofort, ich wurde es zu spätere zeitpunkt auch abholen?“ Als ich „Hallo. Ich kann dich nicht hören, komme hierrein und setze dich hin“ antwortete ging der kin nach unten, die hat sich den kopf geschüttelt und ist weg gegangen. Nach ca. fünf minuten kam sie wieder und fragte mich wie ich das gemeint habe. „Na ja, wenn du platz nimmst und mir fünf minuten zeit gibst dann stelle ich dir gleich eine bescheinigung aus“ meinte ich. „Wieso dutzen Sie mich?!“ sagte sie. „Ich bin Australierin und es gibt keinen du oder sie dort und ich wohne in Linden und erst nach zehn jahr in deutschland hab ich bewusst jemand gesiezt“. Ihr antwort „Mitarbeiter an Unis machen dass einfach nicht. Die dutzen sich nicht mit die studenten.“ Meine gedanke aber war, ich kann nur diesen Job ausüben wenn ich mich selbst bleibe.


Gesichter des IJK

Ein Monat nach beginn am Institut hab ich eine passage in ein Buch [Welcome to the World, Baby Girl! from Fannie Flagg] gelesen, „The neatly dressed young man with the polished shoes and fresh haircut had been waiting in line at the employment office for over two and a half hours, and when his turn finally came he eagerly stepped forward, hat in hand, his blue eyes bright and hopeful, and said, „Good morning!“ The woman who sat behind the desk did not bother to look up and responded to his cheerful greeting with the flat, dull, monotone voice of boredom and indifference so prevalent among civil servants, a voice guaranteed to extinguish even the smallest human enthusiasm as effectively as a bucket of cold water.“ Die stelle hab ich mir abgetippt, am Wand aufgehängt und mir selbst gesagt „Wenn ich je so werde, muss ich den Job an den Nagel hängen“. Das was mich aber ammeisten menschlich hält, ist die kontakt mit die studis. Ihr halten mich noch lebendig und dafür danke Ich euch!

NIGHT OF THE PROFS

Night of the Profs., wissenschaftliche Mitarbeiter, Mitarbeiter und Studenten (sogar Groß- und klein Buchstaben – lol!) Ich habe das Glück gehabt in eine Familie aufzuwachsen wo Musik am Herzen lag. Wir haben Radios und Plattenspieler zu Hause gehabt und meinem Papa hatte sogar eine teil im Auto was, wie eine Kassetenspieler, Lieder abgespielt hat langs bevor Kassettenspieler auf dem Markt waren. Die erste Musik die ich Konsumiert habe sind dass Geschmack meinem Vaters. In errinnerung geblieben sind: „Johnny Cash“, „Patsy Cline“ und „Nana Mouskouri“ . Damals waren Plattenspieler ein Möbelstück, so groß wie eine Zweisitzende Couch. Unter den teil war aber genug platz um runterzukrieken so dass Kopf und Schülter sich unter dem teil befand. Somit kam ich nähe an die Akoustiks. Ihr kennen alle die Kleinkinder die Hände vor die Augen halten und sagen „Du kannst mich nicht sehen“ – auch ich war so eine kleine Worm und habe dort den ganzen Tag in meine eigene kleine Welt verbracht.

Echt bin ich froh das heutzutage man wirklich alles zuhören darf. What a relief! Egal in welche Land ich bin suche ich mir das Musik des Landes raus und fang an zu sortieren was mir gefällt. So hab ich das genuss gehabt „Die Fantastischen Vier“, „Xavier Naidoo“ und „Ich und Ich“ kennenzulernen – „Die Toten Hosen“ kennt ich bereits. Mein Fuß wurde sogar zum ein oder das andere Schlager Interpret bewegen. Aber womit ich mich niemals, niemals anfreuen kann ist eure „Volksmusik“. Ich muss nur diese zwei blonden Zwillingsschwester in ihren Bayerische Kellnerin outfit sehen und kriege einen Lachanfall. Wer irgendwer meinte mir mit eine bestimmte Lied dennoch ein Freund das Volksmusik machen zu können. Her damit, mache Vorschläge und ich probiere es aus. Ich habe aber meine zweifeln…

WIRTSCHAFTSWUNDER

habe vor eine ewigkeit als devisenhändlerin gearbeitet gehabt. damals haben wir wenigstens mit realen geld oder produkte spekuliert und nicht wie die pakete was das jetztige wirtschaftskrise ausgelöst hat die nur luft sind. dennoch hat mir das arbeit damals gelehrt niemals als kleine man dort geld zu riskieren. der kleine man wird jederzeit wenns passt, einfach zerquetscht – einfach platt gemacht ohne zu zögern. ich glaube das arbeit hat mir auch eine gesunde skepsis über wirtschaftswundern gegeben. immer wenn ich das wort höre bin ich hellhörig darauf, weil meine erfahrung zeigt mir das für jede angeblichen „wunder“ jemand anders habe dafür zahlen mussen.

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Viele von euch wurden es vielleicht nicht wissen, aber früher durfte man nicht mehr als eine Musikgenre treu sein. Wer was anders zugehört hätte wäre einfach nicht Cool gewesen. So nach draußen war ich eine Punk. Aber eine Punk die auch heimlich Cher oder Bill Evans gehört hat – lol.

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FOTO: OLE HOFFMANN

Impressionen von heute: Die Plaza

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FOTOS: OLE HOFFMANN

Impressionen von heute: Die Plaza

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Die größten Mythen des IJK

IJKblog Ein Watchblog für unser Institut VON INGO DACHWITZ UND DANIEL POSSLER

SKANDAL

GEHEIMNIS GELÜFTET

Doktortitel schützt rasende Professorin

Sekretärin führt geheimes Doppelleben

Mit über 100 Sachen über die rote Ampel! Diese Medienprofessorin aus Hannover heizt durch die Ortschaft, achtet dabei nicht auf Verkehrsregeln – und muss dafür nicht mal zahlen. Weil die Polizisten von ihrem Doktortitel so beeindruckt waren, ließen sie sie einfach fahren!

DER IJK-BLOG KLÄRT AUF Im Kern richtig. Ihr Doktortitel bewahrte Prof. Beate Schneider tatsächlich vor einem Strafzettel. Die Geschichte liest sich in ihrer Version allerdings ein wenig anders: „Es war Sonntagmorgen, ich fuhr auf einer vierspurigen Straße durch Hannover – nicht weit von der Medizinischen Hochschule. Ich hielt als erstes Auto an der roten Ampel. Kaum war ich losgefahren, wurde ich von der Polizei angehalten. ‚Sie sind über die rote Ampel gefahren‘, sagt der Beamte zu mir. Ich habe das natürlich erstmal verneint – schließich habe ich doch an der Ampel gehalten. ‚Sie haben gehalten. Das stimmt, aber dann sind sie einfach losgefahren, und selbst wir mussten noch bei Rot rüber, um Sie zu erwischen‘, so der Beamte zu mir. Ich konnte mir das überhaupt nicht erklären.

‚Wahrscheinlich habe ich die Ampel vor meiner beachtet, die werden ja eher grün‘, argumentierte ich. Natürlich habe ich dann aber, wie aufgefordert, meine Papiere gezeigt. Der Polizist schaute auf meinen Führerschein und fragt: ‚Was für ein Doktor sind Sie denn?‘ – die medizinische Hochschule war ja in der Nähe. ‚Ich bin Doktor der Philosophie‘, entgegnete ich. Da schaut er mich entgeistert an und sagt: ‚Oh Gott! Dann sehen Sie bloß, dass Sie weg kommen!‘“

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Das mörderische Geheimnis der Corinna K.: morgens brave Sekretärin am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung Hannover – abends leidenschaftliche Mystery-Autorin. IJK-Bild fragt: Wie düster können ihre Fantasien sein? Kann sie überhaupt noch die Realität von ihrer dunklen Scheinwelt unterscheiden? DER IJK-BLOG KLÄRT AUF Corinna Kaster ist tatsächlich eine begabte Krimi- und Mysteryautorin. Wer sich davon ein Urteil bilden möchte, kann die Geschichte „Der Tote in der Bibliothek oder Probanden sterben einsam“ in diesem Buch lesen. Oder zu den verschiedenen Kastner-Büchern aus dem Lübbe Verlag greifen. Von Realitätsverlust kann aber wohl eher nicht die Rede sein. Es liegt eine schaulose Übertreibung vor!

KARRIERE IM LEISTUNGSSPORT

So ein Sportheld war Helmut Scherer früher! Helmut Scherer war begnadeter Leistungsschwimmer! Sogar bei den Olympischen Spielen trat der heutige Medienprofessor an. Damals verlor er aber in einem spannenden Kopf-an-Kopf-Schwimmen knapp gegen 4-Fäuste-gegen-RioStar Bud Spencer. DER IJK-BLOG KLÄRT AUF Im Grunde hat Bild hier sogar recht. Helmut Scherer war während seiner Schulzeit ein begeisterter Schwimmer. Laut eigenen Angaben hat er mehrere Meisterschaften gewonnen. Nur der Schulrekord blieb ihm versagt. „Da haben die aber auch falsch


www.ijk25.de

Nr. 10

20. November 2010

Österreich 0,60 €

DIE

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Schweiz sfr 1,10

PLAZA REVUE Unser Institut

Exklusiv-Story vom Insterweg! HELMUT SCHERER

Besuch bei einem von uns Alle Hintergründe

Die Scherers ganz privat!

Wir sind für Sie unterwegs!

Immer dort, wo das Leben spielt

MUSIK Ein Wandregal voller CDs

SPORT Immer topinformiert

EINBLICKE Wie lebt ein Professor?

ANDERTEN Idyllisch! Trügt der Schein vom malerischen Stadtteil?


DIE

PLAZA REVUE

IHRE STARS DER WOCHE

Unser Institut

HELMUT SCHERER und seine BRIGITTE

So schön wohnt der Medienprofessor mit seiner Familie! K

ognitive Dissonanz, Agenda-Setting, Looking Glass Perception – für so ziemlich jede wissenschaftliche Situation hat Helmut Scherer eine Theorie, ein methodisches Design oder eine Statistik in petto. Doch wie lebt der berühmte Medienprofessor eigentlich privat? Das IJK-Jubiläumsbuch-Team hat die Koryphäe besucht – und traf auf einen ganz normalen Menschen. Wer Reichtum und Protz erwartet, der wird bei Scherers enttäuscht. Bodenständig, aber mit Herz, präsentiert sich das Domizil der Familie: ein Bungalow, von Wein umrankt, inmitten einer grünen, verkehrsberuhigten Zone im malerischen Hannover-Anderten.

eingefärbt wird. Irgendwo plätschert ein kleiner Teich. Zur perfekten Idylle fehlt nur noch ein Golden Retriever, der glücklich über den Rasen tollt. Doch: „Tiere und Pflanzen interessieren mich nur auf dem Teller“, stellt Helmut Scherer gleich zu Beginn des Gespräches klar. Für den Garten sei seine Frau zuständig – er esse dann den selbstgemachten Pflaumenkuchen und das Himbeereis. GASTFREUNDLICH Am Morgen erwartet unser Team ein freundlicher Empfang der Familie Scherer. Gastfreundschaft wird großgeschrieben!

1 Das Heiligtum an Spieltagen Mit einem breiten Lächeln begrüßt uns das Ehepaar an der Haustür. Aus dem lichtdurchfluteten Wohnzimmer schallen angenehm warme Folkklänge. Auf der Terrasse steht ein reich gedeckter Frühstückstisch bereit: Ganz umweltbewusst hat der Professor mit dem Rad frische Brötchen vom Bäcker geholt, seine Ehefrau Brigitte hat leckere Mandeltörtchen gebacken. Von hier aus bietet sich dem Besucher ein bezaubernder Blick auf den hübschen Garten, der durch bunte Windräder munter

der Fußballbundesliga: Vater und Sohn verfolgen gespannt das Geschehen, wenn am Wochenende der Ball rollt.

2 Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen: Auch am Insterweg gilt diese alte Lebensweisheit!

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2 BESUCHER VOR ORT Reporter Possler und Dachwitz waren gemeinsam mit Fotograf Hoffmann zu Gast. Sie sind beeindruckt!

3 Die Zufahrt zum Bungalow der Familie Scherer: Ein schönes, ruhiges Fleckchen – hier wohnt man gerne.

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Neue Serie Teil 1

Lebensphilosophie zum Anfassen

PFLICHTLEKTÜRE Als Fußballfan immer auf dem neuesten Stand: Die wichtigsten Infos über seinen FC Bayern holt sich Helmut Scherer aus der Zeitung

DIE

PLAZA REVUE Unser Institut

„Familie Scherer, das bedeutet: Musik, Hier zelebriert der Hausherr mit seinem Essen, Lesen und Fußball“, so stellt der Sohn wöchentlich die Spiele der Bundesliga Medienprofessor sich und die Seinen vor. und zweiwöchentlich die der ChampionsUnd dies spiegelt sich im ganzen Haus der league. Uneinigkeit gibt es nur, wenn der Familie wider: In einem großen Wandregal FC Bayern München und der 1. FC Nürnberg im Wohnzimmer stehen Hunderte Platten parallel spielen. „Mein Sohn ist leider und CDs dicht an dicht. Auf der anderen Fan der Nürnberger“, erzählt Scherer, Seite des Raums stapeln „seine Geburtsstadt“, fügt sich Dutzende Bücher und „Musik, Essen, Lesen er entschuldigend hinzu. geben einen Vorgeschmack Brigitte Scherer kann sich und Fußball!“ auf die zwei Bibliotheksfür den Ballsport nicht so räume, in denen unzählige Wälzer den sehr begeistern wie ihre Jungs. Mit ihrem potentiellen Leser aus deckenhohen Gatten Helmut teilt sie dafür die Liebe zur Regalen in ihren Bann ziehen. Musik und gutem Essen. Gerne betont Auch die Küche entspricht dem Motto der Professor dabei, dass er es war, der der Scherers: Sie wurde beim Einzug seiner Frau das Kochen beibrachte und komplett neu eingerichtet (amerikanischer sie auch musikalisch „sozialisiert“ hat. Kühlschrank inklusive), um den hohen Dass die Scherers ein eingespieltes Paar kulinarischen Ansprüchen der Familie zu sind, erkennt man auf den ersten Blick. genügen. Und tatsächlich kann Frau Scherer in Der hochauflösende Fernseher im Wohn- einer getrennten Befragung aus dem zimmer hat die Breite eines ausgewachse- Stehgreif die fünf Lieblingsmusiker ihres nen Labradors, selbstverständlich einen Mannes aufzählen. Scherer selbst … muss Sky-Anschluss und dürfte so manchem dazu länger überlegen: Eric Clapton, Van Fußball-Fan Tränen in die Augen steigen Morrisson, Richard Thompson, Steven lassen. Stills und Jackie Leven.

SAMMLERTUM Stolz präsentiert Helmut Scherer seine Sammlung von CDs und Schallplatten. Für gute Musik hat er immer ein offenes Ohr, die Erfindung des mp3-Players ist für ihn ein echter Segen! Stellvertretend für EIN KELCH VOLLER TRÄUME die gesamte Sammlung ist das Werk „Cup Full of Dreams“ von Don „Sugarcane“ Harris. Hier finden sich wahre Schmuckstücke der Musikgeschichte!


Stadtradio 100,0

„Wir wollen die Lizenz“

VON STEFAN SCHMÄDEKE UND DR. HAIKO VAN LENGEN Schön wär’s gewesen: Stadtradio 100.0 aus dem „Gläsernen Studio“ im Anzeigerhochhaus. Mit der täglichen Sendung Freaks, dem Format für Kenner, dem Forum für die wichtigsten und populärsten Musikstile abseits des Mainstreams, abseits der formatierten Sendekonzepte der übrigen niedersächsischen Sender. Mit dem Morgenmagazin Kröpcke, mit der Kultursendung Kult-Uhr, mit der Comedy-Show Maschlappen und vielen weiteren Formaten von Hannoveranern für Hannoveraner, ehrenamtlich produziert. 1,5 Millionen potentielle Hörer im Sendegebiet. Geblieben sind am Ende ein bis ins Detail ausgearbeiteter, mehrere Kilo schwerer Lizenzantrag, schwindende Erinnerungen an legendäre Stadtradio-Probesendungen und Live-Events am Kröpcke, T-Shirts, Aufkleber und die ein oder andere Demokassette, die mangels geeigneter Geräte nur noch Nostalgiker abspielen können – und natürlich KommunikationsKultur e.V. Was war passiert? Vor mehr als 15 Jahren erlaubte eine Änderung des Niedersächsischen Landesrundfunkgesetzes einen fünf Jahre währenden Modellversuch für nichtkommerziellen Lokalfunk. Das Interesse unter den Studierenden im IJK war sofort groß: Wir wollen Radio machen! Aber wie? Im Februar 1994

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wurde KommunikationsKultur e.V. gegründet, um sich für diese Lizenz zu bewerben. Zunächst wurde die Basis an Radiofreunden verbreitert, denn es sollte kein Studentenfunk werden. Über 30 Organisationen (BUND, Anonyme Alkoholiker, Drobs, Graue Panther...) und 100 Interessierte füllten dieses Konzept nun mit Leben. Im Laufe der zwei Jahre dauernden Antragsphase kamen sechs weitere Gesellschafter dazu, darunter der Förderverein NKL Hannover, eine Gründung von Einzelpersönlichkeiten, Wirtschaftsunternehmen und Verbänden, Radio Hannover GmbH, eine 100%-Tochter der Verlagsgesellschaft Madsack (HAZ, NP) sowie Dievision (Medienberatung). Mit unserem stärksten Mitbewerber Radio Flora konnte auch nach intensivsten Verhandlungen keine Einigung erzielt werden, einen gemeinsamen Antrag zu stellen. Der Wettbewerb wurde sportlich gesehen, und die Stadtradio 100.0 PR-Truppe mobilisierte die eigenen Kräfte plakativ unter dem Motto „Lieber hard news als flora soft“. Inhaltlich wurde der Lizenzantrag im Wesentlichen von Journalistik- und Medienmanagement-Studierenden gestemmt. In vielen Arbeitsgruppen wurden Programmformate, PR-Strategien, Finanz- und Investitionspläne, Technikkonzepte bis ins letzte Detail ausgearbeitet, um die Landesmedienanstalt von unserem Vorhaben zu überzeugen. Besonders umstritten war die Musik: So heißt es selbst im Lizenzantrag noch einleitend: „Die

Musikauswahl gehört zu den schwierigsten Aufgaben eines jeden Radioveranstalters. Schon innerhalb jeder speziellen Musikausrichtung gibt es in der Regel heftige Auseinandersetzungen über die konkreten Inhalte und Titel.“ Dieses Radio brauchte aber auch Programm – und hier kamen die Studierenden des Ergänzungsstudiengangs Journalistik ins Spiel. Die lechzten geradezu danach, Konzepte zu erstellen, Beiträge zu produzieren und die Live-Sendungen zu moderieren. Beim Stadtradioprojekt konnten sich die angehenden Journalisten richtig ausleben. So wurde aus dem Medienmanagement-Projekt ein lokaler Sender, getragen von den Studierenden des ganzen Instituts. Zum größten Schützenfest der Welt erlebte das Stadtradio 100,0 die Feuertaufe. Im Rahmen eines sogenannten Veranstaltungsfunks war das IJK sieben Tage lang, zwei Stunden täglich, auf dem Äther zu hören. Es gab ein buntes Programm live vom Festplatz: Vom Bratwürstchen über die Wildwasserbahn über Lüttje Lage zu den Arbeitsbedingungen auf dem Rummel gab es alles, was Hannover zu bieten hatte. Wir wollten uns gegen alle anderen lokalen Sender (das waren ffn, Antenne und der große NDR) durchsetzen. Wir wollten das als spießig und konservativ geltende


Stadtradio 100,0

Fest aus seiner Trinkgelage- und Ballerkalle-Ecke herausholen. Man stelle sich vor: ein Bierzelt – in einer kleinen Ecke das Stadtradio-100.0-Studio, mit den Live-Moderatoren Thomas Wegner (heute Producer bei X-Faktor), Björn Staschen (heute ARD Korrespondent in London) und vielen anderen. Ein echter Sender inmitten der Dünste des Schützenfestes. Live – improvisiert und bürgernah. Es war harte Arbeit, ein Riesenspaß, und am Ende waren wir davon überzeugt das es nur einen lokalen, nichtkommerziellen Rundfunk in Hannover geben kann: Das Stadtradio 100,0. 1995 ging das Stadtradio noch einmal „on air“. Mit der Veranstaltungsreihe „Stadt im Takt – Musik in Hannover“ wurde die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen ausprobiert. Mit Unterstützung von Hannover Concerts wurde zwei Wochen lang, zwei Stunden pro Tag, live vom Kröpcke über die multikulturelle und breit gefächerte Musikszene in Hannover berichtet. Von Techno über Ballett, von Klassik über Jazz, über Musikkino zu Rockmusik. Mehr als 60 Aktive bestritten 1.800 Sendeminuten, führten dabei mehr als 30 Interviews und produzierten über 45 Beiträge, 17 Moderationen konnten insgesamt 65 glücklichen Gewinnern der Hörerspiele gratulieren. Ein Studio auf dem Kröpcke! Das war das Ziel, ein kühner Plan, denn alle, die in Hannover irgendwie Öffentlichkeit

für sich erzeugen wollen, wollen auf den Platz im Herzen der Stadt, ob das die SPD ist oder irgendwelche Tierschutzorganisationen. Im Nachhinein noch einmal Hut ab vor allen, die das den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung abgerungen haben. Wir waren zwei Wochen Teil des Kröpckes, Teil der Stadt. Das Programm wurde so bunt wie das Publikum, das sich täglich hier trifft. Das sind Familien, die einkaufen wollen, schulschwänzende Teenies, die sich mit anderen schulschwänzenden Teenies verstecken wollen, immer wieder Obdachlose und Punks, die in der Öffentlichkeit leben und uns bitten, ihr Schicksal zum Thema in unserem Programm zu machen. Das Programm vom Kröpcke zu produzieren war weitaus ambitionierter, weil wir unser Programm nicht an ein arriviertes Ereignis wie das Schützenfest anlehnen konnten. Hier haben wir unser erstes eigenes Programm gestaltet und es auch geschafft, unseren Sender vom Eventradio abzuheben. Das war nicht mehr der Schützenfunk, nein, das war das neue Radio von Hannover. Danach wurde es spannend. Wird dieses Projekt, von dem alle, die dabei waren und uns unterstützten, überzeugt waren, sich gegen das multikulturelle Projekt Radio Flora durchsetzen? Die Zeit, in der die Antragsfrist lief und wir unseren Lizenzantrag abgeben mussten, war eine politische Zeit. Denn wir mussten gegen einen Gegner antreten, der uns – den „Elitestudenten“ aus

der Villa an der Eilenriede – sehr nachdrücklich die lokale Verbundenheit und die mangelnde politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit abzusprechen versuchte. Es war eine Zeit der langen Sitzungen und Gespräche, in denen wir mit Frau Prof. Schneider versuchten, die richtige Strategie für unseren Auftritt vor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) festzulegen. Wir haben auf das Pferd der Professionalität in Zusammenarbeit mit starken Partnern gesetzt. Wir haben das alte Hannover-Radio-Studio im Anzeigerhochhaus besichtigt und haben mit Jürgen Schwermann, Gastdozent und ehemaliger Manager bei der heutigen Madsack Mediengruppe, verhandelt. Im Nachhinein war das vielleicht ein Fehler. Denn so konnte uns jeder in die Ecke der arrivierten Medienhäuser stecken. Denn die waren den Trägern der öffentlichen Belange, die in der Versammlung der NLM sitzen, gerade wenn es um nichtkommerziellen Rundfunk geht, eher suspekt. Nach der Anhörung vor diesem Gremium, in dem die Vertreter der Parteien, der Kirchen, der Wirtschafts- und Sozialverbände und vieler mehr sitzen, war klar, dass wir nur eine sehr geringe Chance hatten. Und so bekam im Spätsommer 1996 Radio Flora die Lizenz, das eben doch ein wenig nichtkommerzieller anmutete als die Stadtradio-100.0-Idee. Dabei hätte so schön sein können: „Herzlich willkommen bei Stadtradio 100,0, Ihr Programm für Hannover!“ – Vorbei, vorbei.

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kicken

Nr. 25 / 12. Woche 20. November 2010

SPORTMAGAZIN

€ 1,10

AC PLAZA

&feiern

Die alten Trikots! Stylisch oder Modesünde?

SENSATION

Der AC Plaza siegt beim HMT-Cup

MANNSCHAFT DES JAHRES

AC PLAZA Rückblick

Wie alles begann

Helmut Scherer

Dozenten vs. Studenten

„Ich bin der größte Fan“

Austragung auf neutralem Platz?


Die Partner-Universitäten des IJK

UNIVERSITÉ STENDHAL GRENOBLE, FRANKREICH

SAN JOSÉ STATE UNIVERSITY SAN FRANCISCO, USA

HELSINKI METROPOLIA UNIVERSITY OF APPLIED SCIENCES – HELSINKI, FINNLAND

Warum da und nicht woanders? Frankreich Wie hinkommen? Bus (21 Stunden) Wo wohnen? Wohnheim – zu empfehlen Berlioz, Ouest, selbst Rabot (trotz türkischer Toiletten) Durchschnittliche Länge des Semesters: 14 Wochen (inklusive 2 Wochen Ferien) Schwerpunkt der Uni: Stendhal direkt: Sprachen und Literatur ICM: ähnliche Schwerpunkte wie auch bei uns „Must take“ class(es): PAO (Indesign), Francais Professionnel Unterrichtssprache: Französisch Durchschnittliche Bewertung des Mensaessens: Super, da Grenoble über einen riesigen Campus verfügt, gibt es auch zahlreiche Mensen, doch muss man sich meist auf einige Wartezeit einstellen, dafür gibt es dann für 3 Euro auch Obst, Käse oder andere Vor-/Nachspeise und ein super Hauptgericht. „Must See” Sightseeing scene: La Bastille „Must have done” social event: Uni-Streiks „Must have done” party: Integre-Parties, Rabotpartys an Freitagen Besonderheiten der Mediennutzung im Gastland: Sehr viel Pay-TV (kaum Free-TV), in Grenoble fast überall W-LAN Ein wichtiger Satz in der Landessprache: Beeeennnn…. Ouaiiiiii (Ausgesprochen: Baaaaaahhhhh…… uäääääää. Damit man sich nicht als Ausländer outet. Franzosen sagen das so. Bedeutung: „Jooaaaaa….“)

Warum da und nicht woanders? Amerikanische Kultur, kalifornisches Flair Durchschnittliche Länge des Semesters: 3 Monate Schwerpunkt der Uni: Es gibt so ziemlich alles, da es aber im Silicon Valley liegt, ist die Digitalisierung ein wichtiges Thema. Besonderheit der Uni: Typisch amerikanische Uni mit Verbindungstag zur Einführung, einem riesigen Gelände mit eigenen Polizisten und einer tollen Parkanlage „Must take“ class(es): Bei Kimb Massey – meist medienkritisch, sehr am Leben orientiert und dient zur Reflexion der eigenen Mediennutzung (wenn man z. B. als Kursleistung eine Woche nicht fernsehen darf ) Durchschnittliche Bewertung des Mensaessens: Mensa heißt hier: Pizzaria, Salatbar, Taco- und BurgerLaden „Must have done” cultural event: Festivals im Golden Gate Park „Must have done” social event: Couchsurfing Besonderheiten der Mediennutzung im Gastland: Fernsehen ist wichtiger, und Konzerte finden viel häufiger statt – auch günstige, lokale Barauftritte. Liebstes regionales Getränk: Eistee mit glibbrigen Lakritze-Kügelchen von einem japanischen Laden neben der Uni (so merkwürdig) Beste Bar: 43 direkt am Busbahnhof. Tagsüber sieht man noch nicht einmal, dass hier was los ist, aber nachts sind da viele interessante Leute. Unbedingt gemacht haben: Route 1 nach LA

Durchschnittliche Länge des Semesters: 4 Monate Schwerpunkt der Uni: Film/Fotografie „Must take“ class(es): Fotografie Unterrichtssprache: Englisch Bester Kaffee on campus: Guten Kaffee gibt's überall (aber auch landesgemäß mit Kreditkarte bezahlen). Durchschnittliche Bewertung des Mensaessens: Okay „Must See” Sightseeing scene: Kiasma (Museum of Modern Art) „Must have done” social event: Vappu „Must have done” party: Amarillo Liebste regionale Speise: Korvapuusti Liebstes regionales Getränk: Kahvi Wo Leute treffen: Studentenwohnheim Bester Club: RedRum/RoseGarden/KUUDES LINJA Unbedingt gemacht haben: Karelien: Cottage am See Wetter: Verschneit/kalt/schön Ein wichtiger Satz in der Landessprache: Mina rakastan sinua

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Abgedreht

Plaza Diaries

REGIE: HAUKE BARTEL ILLUSTRATIONEN: TIM HOLLJE

Lena Meyer-Landrut singt, und Christian Wulff lächelt für Deutschland – die Welt schaut auf Hannover, und Niedersachsens Landeshauptstadt ist plötzlich nicht mehr langweilig, sondern Modell einer „neuen Bürgerlichkeit“, die die Werbeagenturen von LBS und Co. längst zum Trend erkoren haben. Ist Hannover etwa cool geworden? Fernsehproduzenten scheinen zu reagieren – nicht in den Strandbars der Spree spielt der neue Serienhit, sondern an den Ricklinger Kiesteichen. Das IJK-Jubiläumsbuch veröffentlicht exklusiv einen Drehbuchentwurf zum Pilotfilm der Teen-Drama-Serie PLAZA DIARIES. SZENE 1: BENS ANKUNFT AM IJK

Üstra, Linie 6. Es ist ziemlich voll. Ben sitzt auf einer der seitlichen Bänke, rechts ein übergewichtiger, ungepflegt aussehender Mann, links Schulkinder, die sich zu zweit auf einen Platz quetschen, der für eine Person schon reichlich knapp bemessen ist. Man sieht seiner Körperhaltung an, dass er sich hier fehl am Platze fühlt. BEN (Voice Over): Willkommen in Hannover. Irgendwie klingt das doch auch ein bisschen gehässig, wenn die

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das am Hauptbahnhof durchsagen, oder? So kam‘s mir jedenfalls vor, als ich gerade neu war. Sieben Jahre ist das jetzt her. Ich bin eigentlich nur wegen Che hergekommen. Nicht der von den Postern und Shirts, sondern der von der ZEIT. „Der Bachelor-Studiengang Medienmanagement des IJK erhielt auch in diesem Jahr wieder in allen Belangen Bestnoten.“ Schnitt. Expo Plaza. Die Bahn hält. Alle strömen aus der Bahn, gehen zielstrebig weiter. Als Letzter kommt Ben heraus. Schaut sich um, geht dann mit etwas Verspätung dem Strom der Menschen nach. BEN (Voice Over): „Medienmanagement“. Meine Freunde aus der Schule haben zum gleichen Zeitpunkt ihr Studium angefangen. Jura, BWL, die Langweiler des Jahrgangs Lehramt. Und ich? Medienmanagement. „Haha, was mit Medien, hä?“ Wie als Entschuldigung habe ich meistens schnell erklärt, dass es eigentlich nur Kommunikationswissenschaften mit Marketing und BWL kombiniert ist. Ich fand, das klingt seriöser. „Okay, und was machste dann irgendwann damit?“ „Naja, so im Medienbereich, die Absolventen gehen in alle möglichen Richtungen...“ Dann haben sie gegrinst und nicht mehr weiter gefragt. Die Kamera bleibt frontal auf Bens Gesicht, während er neugierig über die Brücke Richtung Expo Plaza geht. BEN (Voice Over): So ungefähr ging‘s mir, als ich vor sieben Jahren zum ersten Mal an der Expo Plaza ankam. Musik fade in: The Dandy Warhols – Bohemian Like You.

Heute mach ich was mit Medien. Und ich werde die Zeit, die damals vor mir lag, nie vergessen. Die Kamera schwenkt aus etwas Distanz in gleichmäßigem Tempo über Bens Kopf und nach kurzer Vogelperspektive hinter ihn. Ben steht an der großen Treppe. Über seine Schultern sieht man eine belebte Expo Plaza. TITELSEQUENZ

Schnitt auf Titelsequenz. Cue ist Gitarreneinsatz im Song. Relativ schnelle, bunte Schnitte. Darüber Titel, Credits und Cast. - PLAZA DIARIES Gruppe lachender Studenten mit Ordnern unter den Armen geht über die Plaza/Student zeigt anderem Student etwas an seinem Macbook/Partyszene im Chez Heinz Cast wird nacheinander in charakteristischen Szenen der ersten Staffel vorgestellt. Ben, Paula, Michi, Frank, Marleen, Angelika, Stefan, die Professorin, der Professor, die wissenschaftliche Mitarbeiterin. Am Ende: Black.


Abgedreht

SZENE 2: BEN TRIFFT PAULA

EINE STIMME: Fff-Tss-Khh! Fff-Tss-Khh! Fff-Tss-Khh! Fade in. Ein Schauspieler sitzt auf den Treppen vorm Eingang zum IJK und macht Stimmübungen. Er ist barfuß, trägt nur eine Jogginghose und schaut, während er Keuch- und Zischlaute ausstößt, auf die Bewegungen seines nackten Bauchs. Gegenperspektive. Ben steht stumm daneben, 2 Meter entfernt. Er beobachtet die Szene mit einer Mischung aus Neugier und Fassungslosigkeit. Dann schüttelt er den Kopf, wie um ein Bild zu verscheuchen, und geht durch die Tür. Während er sich noch umschaut und langsam in die Lobby geht, kommen weitere Schauspieler, laut Koloraturen singend, an ihm vorbei. Plötzlich stimmen sie ein lautes Gebrüll an und laufen los, Richtung Proberäume. Ben steht in der Lobby und schaut ihnen nach. PAULA: Hey! Hallo? Ist alles ok? Ben dreht sich um. An einer Wand lehnt Paula. BEN: Was? Ähh, ja. Hi. PAULA: Du hast etwas verloren gewirkt. Bist du neu hier? BEN: Ähh, ja. PAULA: Medien? BEN: Ääh, ja. Woher weißt du das? PAULA: Naja, du siehst nicht aus wie ein Musiker. Und

für einen FHler bist du zu hübsch. BEN: Äh... was? PAULA: Das war'n Witz. BEN: Oh. Hähä. Sorry. PAULA: Ich dachte, bei euch geht’s erst in ein paar Tagen los? Was machst’n schon hier? BEN: Ich wollte mir... äähh... irgendwie alles noch mal in Ruhe anschauen. Bevor es richtig losgeht. Keine Ahnung. PAULA: Haha... na dann schau mal in Ruhe! Sie streckt ihm die Hand hin. PAULA: Paula. Ich studier Schauspiel. Ben schaut unvermittelt auf ihre Füße. Sie trägt Schuhe. PAULA: Hier, komm doch mal vorbei! Sie drückt ihm einen Flyer in die Hand. BEN: Danke...! Ich... ähh... heiß Ben. PAULA: Ciao Ben. Ich muss los, Sprechtraining fängt an. Vielleicht sieht man sich ja mal. BEN: Ja! Gern! Cool! Weitwinkel vom Balkon der Lobby auf Ben, der alleine unten steht. Ben (Voice Over): Da habe ich Paula zum ersten Mal getroffen. Hätte wohl souveräner ausfallen können. Irgendwie hat sich schon da die Ahnung breitgemacht, dass Schauspieler und Medienmanager ziemlich in ihren eigenen Welten leben. Blick auf den leeren Bahnsteig an der Expo Plaza. Ben ist alleine und wartet auf die Bahn. Nachdenklich schaut

er auf den Flyer. BEN (Voice Over): Wenn man erst mal zur einen Welt gehört, ist es gar nicht so leicht, die andere zu betreten. Schnitt. SZENE 3: ERSTI-TAG

Vorplatz der HMT. Halbtotale. Ein Grüppchen schüchterner Erstis steht vor dem Eingang. Ab und zu kommen neue dazu. Ben ist noch nicht dabei. BEN (Voice Over): Begrüßungstag für die neuen Erstsemester. Der Moment, auf den man wochen-, vielleicht auch monatelang hingefiebert hat. Ich weiß noch, dass ich die Nacht davor nicht einschlafen konnte. Darüber hab ich mich dann aufgeregt, weil es ja sooo ein besonderer Tag nun auch nicht ist. Ben kommt im Vordergrund mit der Schulter ins Bild. Zögert einen Augenblick. BEN (Voice Over): Der erste Moment war kritisch. Kündigt man lautstark seine Ankunft an und begrüßt erst mal pauschal die ganze Gruppe? Stellt man sich an den Rand und wartet darauf, dass man angesprochen wird? Stellt man sich dämlich grinsend zu einer Gruppe und nickt sich freundlich in ein Gespräch? Ben geht auf die Gruppe zu. BEN (Voice Over): Ich hatte Glück – mir wurde die Entscheidung abgenommen. MICHI (laut, über den ganzen Platz): Ey, Ben! Geil,

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Zurück in die Zukunft II

CW ist eher jünger als älter geworden, die Vorlesungen und Seminare werden, wie sein Tennis, immer besser. Er hat zunehmend mehr Energie und gute Laune am Institut, weil er lernt, wie er Studierenden und Mitarbeitern immer besser dabei helfen kann, verantwortliche und strategisch versierte Forscherinnen und Forscher sowie Managerinnen und Manager zu werden. Ihnen zu helfen, die Entwicklung der Medien, der Künste und der Kultur zu erforschen, zu kritisieren und vor allem auch zivilgesellschaftlich erfolgreich zu gestalten, ist sein Hauptanliegen geblieben. DMS versucht weiterhin, die Weltformel von Studierenden für Credit Points entwickeln zu lassen, und nutzt die vorlesungsfreie Zeit, um herauszufinden, wie weit man mit dem Motorboot kommt, wenn man in der List im Mittellandkanal startet. CC: Wo ich sein werde, das kann ich heute nicht wissen… Wer wird schon einen, der ist, wo er ist, vermissen?

Trotz aller Anstrengungen findet die Natur ihre eigenen Wege, wichtige Kräfte des IJK auf ihre Seite oder aus dem Verkehr zu ziehen... GR, schon bald 70, hört Bach und ersinnt ein Feuilleton über den Fall der Äpfel vom Baum. Auch EB sitzt unter einem Baum – einem gigantischen Tulpenbaum, in dessen Schatten sie ihre Enkel beim Spielen beobachtet. Rings um IS beherrschen die Pflanzen Raum 4.47. Die Sonne wurde durch die im Lauf der Jahre wuchernden Birkenfeigen ausgesperrt, nun herrscht im Büro ein diffuses grünliches Licht. Von der Fensterbank her beginnen die Chlorophytum, ihre jungen, biegsamen Ranken, Tentakeln gleich, in den Raum zu schicken. Sie umschlingen Computer- und Telefonkabel in besitzergreifender Umarmung. Die Triebe breiten sich über die graue Auslegware aus, und man muss bei jedem Schritt Acht geben, damit man sich nicht in ihnen verfängt. Da einzig die Schreibtischlampen noch das notwendige Licht spenden, winden sich die Ranken an den Tischbeinen empor. Eines schönen Tages wird IS, während sie gerade hochkonzentriert die „Plaza“ eintütet, (zu spät!) bemerken, dass einige kräftige Triebe ihre Beine an den Schreibtischstuhl gefesselt haben. Sie kann sich nicht mehr rühren! Hektisch wird sie nach dem Telefon greifen. Es war doch hier … nur grüne Blätter überall! Jetzt spürt sie von hinten eine dicke Ranke an ihrer Schulter. „Mein Hals…, was ist denn…, wie soll ich … Aaaarghh!“ Im 1. Paradigmenkrieg verlor TN im Einsatz der SPSS-Brigade ihren linken Arm. Von naturwissenschaftlichen Rebellen gerettet und mit einem bionischen Arm ausgestattet, segelt sie nun ruhelos über die Weltmeere, um dem inneren Zwiespalt zwischen Hingabe zu den Sozialwissenschaften und Dankbarkeit gegenüber den Naturwissenschaften zu entfliehen.

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KOLLAGE: MARION KNÜPPEL

Wissen macht IJKah!

TELEFON

INTERNET

„This 'telephone' has too many shortcomings to be seriously considered as a means of communication. The device is inherently of no value to us.“ (William Orton, Präsident von Western Union, im Jahr 1876, als Alexander Graham Bell dem Unternehmen seine Erfindung zum Kauf anbot)

• 97 Prozent der 14- bis 29-Jährigen können sich ein Leben ohne Handy nicht vorstellen. • Nur 43 Prozent der 14- bis 29-Jährigen können sich ein Leben ohne ihren aktuellen Partner nicht vorstellen.

DAS IJK

„Das Internet ist eine Spielerei für Computerfreaks, wir sehen darin keine Zukunft.“ (Ron Sommer, Anfang der 90er Jahre)

• Pro Sekunde werden weltweit 2,6 Menschen geboren. • 600 Beiträge werden weltweit pro Sekunde getwittert • 49 Prozent der Deutschen wollten keine Sekunde lang der einzige Mensch auf Erden sein. • 175 Millionen Menschen weltweit benutzen Facebook . • Durchschnittlich 200 Freunde haben Mitglieder in virtuellen Netzwerken. • Im richtigen Leben haben sie im Schnitt 15 Freunde. Zum Abschluss und zur Aufmunterung noch ein paar Fakten über das IJK zum Angeben.

QUELLEN 2010.“

ARD, Fernsehnutzung (2009)

Berufsinformationszentrum (2008)

Chip.de. „Verrückte Internet-Zitate von Pionieren, Promis und Politikern.“

„20 Fakten über Männer und Mattscheiben“

Boeree, C. G. (1999)

• Der Sollbestand des IJK ist größer (179 Studierende) als der Sollbestand der Schweizer Garde (110 Mann). • 5.152 Minuten, das sind ca. 86 Stunden oder etwa 3,6 Tage, verbringt ein durchschnittlicher IJK-Student mit der Fahrt vom Kröpcke zur Expo Plaza und zurück in den ersten zwei Semestern. Das entspricht etwa 3 CP. • Wäre das IJK in der Hohenzollernstraße 47 geblieben, wären es nur 3.136 Minuten, das sind ca. 52 Stunden oder etwa 2,2 Tage (etwas weniger als 2 CP). • Zu Fuß zur und von der Villa sind es nur 4.704 Min. oder 78,4 Std. bzw. 3,3 Tage (zwischen 2 und 3 CP). • Würde er/sie ein Jahr zu Fuß zur Expo laufen, wäre er/sie insgesamt 26.880 Min. oder 448 Std. oder ca. 18,7 Tage unterwegs (ca. 15 CP). * Eigene Berechnungen auf Basis der Angaben von efa.de sowie Google maps. Nicht beachtet werden bei dieser Berechnung Lerngruppen, Sondersitzungen und Blockseminare am Wochenende auf der einen sowie besondere Feiertage, Krankheit und Fernbleiben wegen Katerstimmung auf der anderen Seite.

Brandeins „Die Welt in Zahlen“, 05/2003 bis 05/2010

Intel® Computer Atlas (2009)

Kotler, Armstrong, Saunders, Wong (2007)

Brandeins & statista (2009). „Die Welt in Zahlen

Maney, K. (2005)

Men’s Health 02/2006.

Weissenbäck, K., (2010). „Die größten Fehleinschätzungen in der Welt der Erfindungen.

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Einsatz in 4 Wänden

VON JONATHAN KLEINPASS

Es ist Montagmorgen, 6h 29, und ich höre meine Mitbewohner in der Küche werkeln. Bei dem Versuch, mir frischen Kaffeeduft ins Zimmer zu wedeln, stößt sich Florian den großen Zeh an einem Stapel Fachliteratur und flucht: „Ist das dein Ernst, Jonathan, SPSS 18, damit arbeiten wir doch noch gar nicht?“ Mein Wecker klingelt, 6h 30, ich springe aus dem Bett, zucke mit den Achseln und antworte: „Fürs nächste Semester, ein bisschen vorarbeiten kann doch nicht schaden.“ Flo nickt zustimmend und reicht mir meinen Kaffeebecher. „Du bist ein wenig spät dran, Marten hat unseren Studienplan für die kommende Woche ausgedruckt und wartet.“ Normalerweise sitze ich schon um 6h an unserem gemeinsamen Arbeitstisch in der Küche, um mit den Beiden unseren Plan für die Woche auszuarbeiten. Ich entschuldige mich: „Du hast recht, Flo, aber Frau Schlütz hat mir gestern noch die Hausarbeiten der Erstsemester

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zum Drüberlesen geschickt, sie wollte eine zweite M..“ „zweite Meinung, jaja“ unterbricht er mich. „Irgendeine Ausrede, wie immer, hast du wenigstens Frau Hefners Dissertation Korrektur gelesen?“ „Natürlich, und die Reakkreditierung des Studiengangs bin ich auch noch mal durchgegangen, da muss noch nachgebessert werden“ antworte ich pflichtschuldig. „Na, immerhin“ Flo lächelt nachsichtig, und wir gehen in die Küche, Marten wartet schon auf uns. So oder ähnlich spielt sich ein normaler Montagmorgen bei uns in der WG ab. Sie werden denken: „Ein wenig chaotisch, die Jungs.“ Ich bitte Sie, uns das nachzusehen, wir sind schließlich Studenten, und Flo hat mich schon mehrfach ermahnt, meine Bücher abends nicht mehr im Flur rumliegen zu lassen (ich bin der Jüngste, mit dem Aufräumen hab ich's nicht so). Ich muss zugeben, ein wenig geflunkert habe ich zu Beginn: Wir mögen alle keinen Kaffee. Marten trinkt gerne Instantzitronentee (das Pulverzeug aus der Dose), der Wasserkocher ist morgens sein bester Freund. Flo und ich ziehen Kakao vor (ebenfalls aus der Dose). Nach unserer montagmorgendlichen Absprache sind wir bereit für die Woche. Wir besprechen, wer welche Vorlesungen zusammenfasst, zu welchem Gruppentreffen fährt (wir sind grundsätzlich bei jedem studentischen Gruppentreffen vertreten, falls jemand Hilfe braucht,

meist braucht jemand Hilfe) und wer den Bundespräsidenten zurückruft und ihm hilft, die medienpolitische Lage einzuschätzen. Nebenbei: Als wir anfingen zu studieren, war der Mann nur Ministerpräsident von Niedersachsen. Seit dem 2. Semester des Studiums leben wir zusammen. Vorher wohnten wir entweder alleine oder waren unzufrieden mit der WG-Situation. Als wir dann während des 1. Semesters täglich gemeinsam um kurz nach 18h aus der Bibliothek am Institut getrieben wurden, öffneten sich langsam unsere Augen: Es lag auf der Hand. Wir mussten uns einen Raum schaffen, in dem wir auch nach den Bib-Öffnungszeiten effektiv arbeiten könnten. Sie sehen, wir waren nie eine Zweck-WG, sondern sind durch die Lehre am IJK zusammengewachsen, zu einer Einheit. Einer Studieneinheit. Natürlich wurde mal gefeiert, gerne auch bis nach 12. Ich habe gehört, das ist Teil eines erfüllten Studentenlebens, und wir sind keine Nerds. Unser gemeinsamer Robo-Dance hat noch jede Diskothek zum Kochen gebracht. Doch die Lehre stand für uns immer an erster Stelle. Man muss die Seminare belegen, wie sie fallen, und es gibt nichts Schöneres als den Institutsstempel auf einem Schein, neben der Unterschrift des Dozenten und einer fetten 1,0.


Einsatz in 4 Wänden

VON LINDA BIEDERMANN

„Der IJKler“ ist ein geselliges Wesen, ist mit sehr guten geistigen und organisatorischen Fähigkeiten ausgestattet, überblickt gerne auch komplexe Themen, hat Freude an der Diskussion und ist in der Regel ein durch und durch sympathisches Wesen. Mit dieser Vorstellung begab ich mich also in Hannover auf die Suche nach der perfekten Mitbewohnerin und fand sie in der lebenden Inkarnation Brenya Adjeis. Glücklicherweise zeigte sich, dass IJKler anscheinend nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch auf dem WG-Mitbewohner-Markt einen Startvorteil haben. Deshalb durfte ich also fortan Claudia Graf und Mischa ersetzen und eine IJK-WG-Ära konnte beginnen. Dabei muss zunächst erwähnt werden, dass sich die Geselligkeit Brenyas nicht nur im gemeinsamen Reiskochen bemerkbar machte, sondern gleich eine Einführung in die gehobenen Institutskreise „der Master“ mit sich brachte, die nicht nur den Studienbeginn einfacher machte, sondern auch das Rätsel des „Brotsalats“

löste. Aber was war denn nun IJK-typisch? So begab es sich, dass die gelbe Wischtechnik der Küchenwand weichen musste. Zu Beginn wurde noch an Farbspektren und an grafische Tollereien gedacht. Aber wie man auch aus der Wissenschaft der Statistik weiß: So eine Kreuztabelle sagt manchmal mehr als jede Korrelation. Die Küche wurde dann in ein einfaches, aber exzellentes „Weiß-Brilliant“ getaucht. Somit waren die in der Rehbockstraße erlernten Fähigkeiten für die folgenden WG-Erfahrungen auf jeden Fall praxisrelevant. Nicht zu vergessen ist die Stimmung in der WG, die als sehr fürsorglich bezeichnet werden kann. In den guten wie auch schlechten Zeiten konnte man sich darauf verlassen, dass entweder zugehört wurde oder Sektflaschen geöffnet wurden. Dennoch, als erprobte IJK-WGlerin kann ich ohne angemessene Stichprobe natürlich keine Aussagen treffen, weshalb ich das Sample durch die Sallstraßen-WG vergrößerte. In einem Stadtteil mit weniger Kiosken, aber einem kürzeren Weg zur Expo Plaza. Exzellenz galt auch hier mit Moritz kleine Bornhorst (und zeitweise Lukas Fischnich). Somit wurde beispielsweise die Klappe des Eisfaches so exzellent positioniert, dass diese nicht sofort, sondern erst beim nächsten Öffnen herunterfällt.

Praxisrelevanz erweitert und gerne mal das Format „Familie Kleist“ näher analysiert. Da der soziale Aspekt nicht vernachlässigt werden sollte, darf man mit Stolz behaupten, dass die Sallstraßen-WG in puncto Gastfreundschaftsranking ganz vorne dabei ist. An Abenden, an denen es mehr Bewohner als Wollmäuse gab, wurden stets innovative Unterkunftslösungen gefunden. Auch nachdem meine brennende Matratze dank vereintem Einsatz aus dem 5. Stock geworfen wurde, konnte schnell wohnungsinterner Ersatz organisiert werden. Somit kommt man doch immer wieder auf die sogenannten Buzzwords „Exzellenz, Praxisrelevanz und Fürsorge“ zurück. Dies ist wohl einer der wichtigen Gründe, warum meine ersten WG-Erfahrungen nicht von „Horror-WGs“ jeglicher Abart geprägt wurden. Sondern ich immer mit Menschen zusammenwohnen durfte, die ich nicht nur als Mitbewohner oder IJKler, sondern vor allem als Freunde bezeichnen würde. Danke an dieser Stelle an alle Beteiligten für die wirklich schöne gemeinsame Zeit!

Bei abendlichen Programmanalysen im Fernsehzimmer wurde die Theorie der Senderkritik um die

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25 Jahre Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover. Ein guter Grund, sich zu erinnern – um mit leicht wehmütigem Blick das Gestern zu betrachten. Ein guter Grund für eine aktuelle Bestandsaufnahme – um im Feierton das Heute zu preisen. Ein guter Grund, eine Brücke in die Zukunft zu schlagen – um das Morgen willkommen zu heißen. Dieses Jubiläumsbuch erzählt Geschichten aus einem Vierteljahrhundert IJK. Von Elitejournalisten und exzellenten Wissenschaftlern, von Radiolizenzen und Hochglanzmagazinen, vom gemeinsamen Forschen, Lernen und Leben und vom ganz besonderen Geist des IJK. Es ist ein Geschenk von Vielen und ein Geschenk für alle, die sich dem Institut auf die eine oder andere Weise zugehörig fühlen.


IJK Buch