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Nr. 20 | März 2012

In Position bringen Seite 4

Neue Wege – gleiche Chancen Seite 5

Spitze qualifiziert  Seite 8


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inXxxxxxxxxxxx eigener sache

In eigener Sache

Inhalt in eigener sache

Mitglieder durch Handeln gewinnen editorial

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Edeltraud Glänzer titelthema

In Position bringen – die Zukunft der Frau im Job

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chancengleichheit

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Neue Wege – gleiche Chancen gute arbeit

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Existenzsichernde Zukunft  zukunftsgewerkschaft 2020

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Werbekoffer Befristete studie

Spitze qualifiziert prekariat

Prekariat – Kein deutsches Problem 

aktivitäten

Aus Bezirken aktuelles

Meldungen

Mächtig was los am 8. März, dem Internationalen Frauentag, finden doch in vielen Betrieben vielfältige Aktivitäten statt. Vertrauensleute und Betriebsrätinnen sowie Betriebesräte nehmen die Chance wahr weibliche Beschäftigte gezielt anzusprechen, indem sie ihnen besonders aufmerksam begegnen. So laden sie zum Frauenfrühstück ins Betriebsratsbüro ein. Die Themen der Kolleginnen werden angesprochen. So wissen die Betriebsrätinnen und Betriebsräte gleich Bescheid, wo der Schuh drückt und können gezielt handeln.

Bei den Aktivitäten vor dem Werkstor oder am Arbeitsplatz wird die 8.-März-Karte der IG BCE überreicht, die kurz und bündig die Schwerpunkte der Frauen- und Gleichstellungspolitik darstellt. Rosen und ein kleines Geschenk runden diese Geste ab. Nach Feierabend geht’s dann mög­ licherweise weiter. Ein Fest im Bezirk trägt dazu bei, dass dieser Tag sich positiv für die Frauen von den anderen Tagen abhebt und die IG BCE eine Gewerkschaft zum Erleben, Anfassen und Mitgestalten für sie ist.

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Verabschiedung engagierter Frauen

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Im Bezirk Alfeld verabschiedete der Bezirksfrauenausschuss Sieglinde Zentel, die als Gewerkschaftssekretärin das Gremium lange betreute. Die Vorsitzende Sabine Kleinhans bedankte sich bei ihr für die gute Zusammenarbeit und lobte ihren unermüdlichen Einsatz bei der Umsetzung neuer Ideen wie Kinderfeste, Babymappen, Flyer oder ihren Internetauftritt zu dem Thema Pflege und ADHS.

portrait

Katja Marx Wenn, dann auch richtig

Mitglieder durch Handeln gewinnen – aktiv sein

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impressum Herausgeberin:

IG Bergbau, Chemie, Energie, Hauptvorstand, Abteilung Frauen/Gleichstellung Königsworther Platz 6, 30167 Hannover Tel. 0511 7631-282, Fax 0511 7631-708 E-Mail: abt.frauen@igbce.de

Im Dezember 2011 verabschiedete der ­Bundes­frauenausschuss Ursula Karius, Betriebsratsvorsitzende von Heel. In ihrer Rede betonte Edeltraud Glänzer, ihre Verlässlichkeit, wenn es um die Umsetzung der Themen der IG BCE-Frauen ging. So war ihre letzte erfolgreiche Aktivität in ihrem Betrieb, eine Entgelt­ analyse durch­ zuführen, die bestätigt, mit einem engagierten Betriebsrat und einer starken Gewerkschaft wird gleicher Lohn für gleiche Arbeit garan­tiert.

Verantwortlich:

Edeltraud Glänzer Redaktion:

Andrea Lammert, Cornelia Leunig, ­ Ursula Salzburger Mitarbeit: Özlem Körber, Sabine Ruhland Design, Satz & Druck:

BWH GmbH – Die Publishing Company Beckstraße 10, 30457 Hannover Fotos: Titelmontage: BWH GmbH (fotolia: ©SerrNovik, ©Gabriel Blaj, ©Foto­ IEdhar, ©Viorel Sima, ©Maksim Šmeljov); BFA Alfeld (2), Privat (2), A. Lammert (4); fotolia: ©Pixel (5), ©picturia (7), ©Bernd ­Leitner (6), Montage S. 8: BWH GmbH (fotolia: ©rtguest, ©Jess Yu, ©A. Vasilkovsky, ©kertis, ©pusti, ©Ryno Produktions, ©A. Tiplyyashin)

Die Auflösung unserer Preisfrage lautet: 19. 12. 2000. Die Einsenderinnen mit der richtigen Lösung erhalten von der Redaktion das Buch »Die Feigheit der Frauen« von Bascha Mika. Die anderen werden mit einem Dankeschön für ihre Teilnahme überrascht. Termine im Jahr 2012 23. 03. findet der Equal Pay Day in Deutschland statt. 26. 04. laden Unternehmen Schülerinnen und Schüler ein, um ihnen einen Einblick in die Arbeitswelt von Naturwissenschaft und Technik zu ermöglichen. 26. – 30. 11. Bildungswoche Frauen im Bildungs- und Tagungszentrum »Wilhelm-Gefeller« in Bad Münder 28. 11. 5. Betriebsrätinnen-Fachkonferenz der IG BCE im Bildungs- und Tagungszentrum »Wilhelm-Gefeller« in Bad Münder


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Xxxxxxxxxxxx editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

Edeltraud Glänzer, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand

zum 8. März erfahren die Themen der Gleichstellungspolitik eine besonders hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. So erhalten wir Anrufe aus ­Redaktionen unterschiedlicher Zeitungen, die auf der Suche nach skandalträchtigen Geschichten aus dem »wirklichen Leben« sind. Dies ist nicht unsere Form der Auseinandersetzung. Wir nutzen den Internationalen Frauentag, um unsere Positionen in der Frauen- und Gleichstellungspolitik in den Betrieben deutlich vorzustellen, die Erfolge unserer Arbeit zu platzieren und den Kolleginnen zu danken, die engagiert und beharrlich das Ziel der Gleichstellung verfolgen. Ohne ihr Engagement wären wir nicht da, wo wir heute sind. Nur mit Beharrlich- und Nachhaltigkeit konnten Erfolge erzielt werden. Gerade in der Gleichstellungspolitik brauchen die Akteurinnen und Akteure besonders viel Geduld, um voranzukommen. Noch immer verharren Entscheidungsträger, aber auch Kolleginnen und Kollegen selbst in alten Rollenmustern, oftmals ist dieses kombiniert mit Angst vor Machtverlust. Deswegen ist jetzt ein Kulturwandel mit einem einher­ gehenden Wandel des Bewusstseins unbedingt notwendig. Einen solchen Wandel weiter voranzutreiben, wird Ziel des nächsten Frauentages sein. Die IG BCE hat sich dazu bereits positioniert. Wir setzen die richtigen Signale als Gewerkschaft, die für (junge) Frauen attraktiv ist und in die Offensive geht. So schlagen wir mehr Frauen von unserer Seite für Aufsichtsräte vor. Wir haben entschieden, mehr Frauen in der Gewerkschaft zu sein. Auch damit

ausgabe 20 | März 2012

zeigen wir, dass wir die Themen und Anliegen der Frauen ernst nehmen. Wir greifen diesen Faden auf, wenn wir uns auf dem nächsten Frauentag der IG BCE treffen, der vom 7. bis zum 9. Juni 2012 in Han­nover stattfinden wird. Dort setzen wir uns ­ausführlich mit Fortschritt und Nachhaltigkeit auseinander. Wir diskutieren, wie die Gesellschaft in zehn Jahren aussehen muss, damit Frauen die ­gleichen Chancen wie Männer haben. Was Politik leisten muss, damit die richtigen Rahmenbedingungen dafür gesetzt sind. Welche Forschungen der Wissenschaft beschleunigend wirken können und was vor allen Dingen wir als IG BCE verändern wollen. Im Mittelpunkt steht die Arbeitswelt. Dieses wird sich in einem nächsten Schritt auch in den Personengruppenkonferenzen widerspiegeln. So tragen wir die Themen der Frauen und u ­ nsere politischen Forderungen breit in die Organisa­tion, um der Gleichstellung von Frauen und Männern stärkeren Rückenwind zu geben. Wir werden uns die besonderen Arbeitsbedingungen von Frauen und jungen Menschen anschauen. Denn in Deutschland arbeiten gerade sie über­ proportional häufig in schwierigen Beschäftigungsverhältnissen. Und das obwohl gerade Frauen oftmals über hervorragende Schulabschlüsse verfügen. Deswegen treiben wir das Thema »Gute Arbeit« in den Betrieben nach vorn. Das bedeutet für uns auch verbindliche Zielsetzungen, um bei Führungspositionen in den Unternehmen Frauen die gleichen Chancen wie Männern zu ermöglichen. Und keine unterschiedlichen Löhne und Arbeitsbedingungen für Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer. Die Interessenlage junger Menschen und die von Familien mit und ohne Kind(ern) ­werden wir dabei hervorheben. Als IG BCE setzen wir uns für eine bessere Balance von Lebens- und Arbeitszeit ein, damit unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten können und ihr Privatleben darin Platz hat.


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Xxxxxxxxxxxx titelthema

In Position bringen Die Zukunft der Frau im Job

B

is März 2012 gibt EU-Kommis­ sarin Viviane Reding deutschen Unternehmen die Chance, freiwillige Vorgaben zu machen, um den Frauenanteil im Vorstand ihres Unternehmens zu erhöhen. Das hat eine große Diskussion über eine gesetzliche Frauenquote in Gang gebracht, die nicht nur in vielen Betrieben geführt wird. Auch Bundesfamilienminis­ terin Dr. Kristina Schröder erklärte auf einer gemeinsamen Sozialpartnertagung von IG BCE und Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) in Berlin, dass die deutschen DAX-30-Unternehmen sich bis Ende 2011 selbst eine Quote geben, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Das jedoch lehnt der BAVC strikt ab, denn somit würden die Unternehmen, die diese Quoten veröffentlichen, sich nicht nur vergleichbar, sondern auch angreifbar machen, hieß es. Die Ausgestaltung der Chancengleichheit müsse den Unternehmen überlassen werden. Einig hingegen waren sich alle Teilnehmenden gemeinsam mit Nachdruck daran zu arbeiten, mehr Frauen in Führung zu bringen. Mit dieser Veranstaltung im vergangenen Jahr würdigten die Sozialpartner das fünfjährige Jubiläum der gemeinsamen Vereinbarung »Für eine chancengleiche und familienbewusste Personalpolitik«. Damit gehören sie zu den Vorreiterinnen, denn die

Chemiebranche hat solche Vereinbarungen als erste Branche überhaupt abgeschlossen. BAVC und IG BCE waren außerdem die ers­ten, die die Förderung von Beruf und Familie im Tarifvertrag für Lebensarbeitszeit und Demografie aufgegriffen haben. Besonderes Augenmerk liegt dabei auch auf der Vereinbarkeit von Beruf und­ Pflege. Das machte Edeltraud Glänzer vom geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE deutlich. Immerhin gibt es derzeit 2,3 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland. Und ein Drittel von ihnen wird zu Hause versorgt. »75 Prozent der Pflegenden sind Frauen«, erklärte Glänzer. Sie machte sich dafür stark, Erleichterungen für pflegende Angehörige zu schaffen: »Wir brauchen einen Dreiklang aus Zeit, Geld und Infrastruktur.« Obwohl die Chemieindustrie in den letzten Jahren riesige Schritte in Richtung Familienorientierung gegangen ist, so wurde auf dieser Tagung deutlich, bleibt noch viel zu tun. Ende des Jahres trat das Familienpflegezeitgesetz in Kraft. Hier sieht die IG BCE noch erheblichen Handlungsbedarf – gerade bei der Finanzierung von Auszeiten aufgrund von Pflege. Nicht nur daran arbeiten die Sozialpartner gemeinsam. »Mit unseren Forderungen zum Elterngeld und dem Ausbau von Kinderbetreu-

ungsplätzen hat sich in den vergangenen­ Jahren viel getan«, so Edeltraud Glänzer vom geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE. Sie erklärt aber auch, dass die Maßnahmen vor allem aber auf die Er­ fordernisse der Eltern abgestimmt werden müssen. »So muss Teilzeitarbeit auch in Schicht möglich sein.« Um weitere Schritte auf dem Weg der Chancengleichheit zu gehen, arbeiten IG BCE und BAVC derzeit an einem Forderungs­ katalog, der an Bundesministerin Schröder überreicht werden soll.

Marianne Malkowski, Betriebsrätin Evonik Marl. »Ich bin froh, dass wir als Gewerkschaft gemeinsam mit dem Arbeitgeber am selben Thema arbeiten. Vor allem aber, dass die Pflegesituation als ›neue‹ Herausforderung in der Personalpolitik erkannt wird. Die vorgestellten Beispiele zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.«

Betriebsvereinbarungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sind bereits ab­ geschlossen worden und können in der ­Ab­teilung Frauen/Gleichstellung bestellt werden. Sabine.Ruhland@igbce.de


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chancengleichheit editorial

Neue Wege – gleiche Chancen Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf – Der erste Gleichstellungsbericht Eine Sachverständigenkommission hat ein Gutachten zur Chancengleichheit von Frauen und Männern im Auftrag des Bundesministeriums für Frauen Se­ nioren, Jugend und Soziales erstellt. Mit einem Kommentar dieses Ministeriums liegt nun der Gleichstellungsbericht vor. Ergebnis des Berichts: Es bleibt noch viel zu tun.

Deutschland hat großen Nachholbedarf in Sachen Chancengleichheit und Gleichstellung von Frauen und Männern. Zu diesem Ergebnis kommt das erste Sachverständigengutachten zum Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Das Fraunhofer-Ins­ titut hat dabei die Fakten zusammengetragen und das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik eine umfassende Analyse der Gleichstellung gemacht. Zentrale Forderungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dem etwa 300 Seiten starken Werk sind unter anderem, die Minijobs abzuschaffen, Geschlechterquoten für Frauen in Führungspositionen einzuführen sowie die Situation in der privaten Pflege zu verbessern. In dem Bericht wurden die Rollenbilder, Bildungschancen, Erwerbstätigkeit, Lohnlücken und Führungspositionen untersucht. Die Vorsitzende der Sachver­ ständigenkommission, Professorin Ute Klammer, resümiert: »Der Weg zu echter

ausgabe 20 | März 2012

Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern ist in Deutschland noch weit.« Vor allem bei den Frauen in Führungs­ positionen, denn ihr Anteil stagniere seit Jahren auf einem niedrigen Niveau. Des­ wegen spricht der Bericht die Empfehlung einer Geschlechterquote aus. Vor allem verminderte Arbeitszeit w ­ irke sich oft als Karriere­ hindernis aus. Die Kommission fordert, dass es auch möglich sein müsse, eine Führungsposition in Teilzeitarbeit zu bekleiden. Ein anderes Problem der Teilzeitarbeit haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ­ aufgedeckt: Teilzeitbeschäftigte werden in Deutschland mit rund 4,17 Euro weniger pro Stunde entlohnt als ihre vollbeschäftigten Kolleginnen und Kollegen. Hinzu kommt, dass Frauen sowieso schon ein ­wesentlich höheres Risiko tragen, niedriger entlohnt zu werden als ihre Kollegen. Der Gleichstellungsbericht zeigt auf, dass die Unterschiede von Frauen und Männern größer werden im Laufe des Lebens. So starten heute junge Frauen und Männer oft mit den gleichen Bedingungen ins Berufsleben. Mit der Familiengründung geht dann oftmals die traditionelle Rollenver­ teilung einher – und die Frau verzichtet nicht nur auf eigenes Einkommen, sondern zugleich auf Karrierechancen.

Das wirkt sich auch langfristig aus: Frauen sind im Alter oft sehr schlecht abgesichert und oftmals sind ihre Renten noch nicht einmal existenzsichernd. Zentrale For­ derung der Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer-Institutes ist dabei, dafür zu sorgen, dass Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse gewandelt werden. Grundsätzlich hat der Bericht festgestellt, dass mit dem Älterwerden auch die Unterschiede in Entlohnung und Berufstätigkeit wachsen. Als Grund, warum Frauen noch immer durchschnittlich so viel weniger verdienen als ihre Kollegen, sehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch die Berufswahl. Hier entscheiden sich noch viele junge Frauen lieber für traditionelle Berufe wie Krankenschwester oder Arzthelferin als für den B ­ eruf Chemikantin oder gar Physikerin. Deswegen fordern die Sachverständigen, bereits in der Berufsberatung anzusetzen und Frauen gezielt auf naturwissenschaftliche und technische Berufe aufmerksam zu machen. Auf dem 4. Frauentag werden die IG BCEKolleginnen die Chance wahrnehmen, über die Ergebnisse des Gleichstellungsberichts am Freitag, dem 8. Juni 2012 mit Profes­ sorin Dr. Ute Klammer zu diskutieren, die an der Podiumsdiskussion teilnehmen wird.


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gute arbeit Mehr und mehr Menschen sind gezwun­ gen, unsichere und schlecht bezahlte Jobs anzunehmen. Rasant steigen die Zahlen von Leiharbeit, befristeter Be­ schäftigung, Teilzeit und Selbstständig­ keit. In den vergangenen fünf Jahren hat sich allein die Leiharbeit verdoppelt.

Forschungsergebnisse der Hans-BöcklerStiftung (HBS) bestätigen, was viele schon längst vermutet haben: Frauen geraten in größere Gefahr für einen prekären Lohn ­arbeiten zu müssen als Männer. Dr. Alexander Herzog-Stein, Referatsleiter vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Ins­ titut (WSI) der HBS, meint: »4,5 Mil­lionen

sind vor allem die Minijobs für die Frauen eine Gefahr. »Sie werden häufig in der klassischen Familiensituation ausgeübt, wenn der Mann Hauptverdiener ist, die Frau sich um die Familie kümmert und noch ein paar Euro dazuverdienen will.« Damit ist sie ­ zwar berufstätig, zahlt aber keinen Cent in ihre Rentenkasse ein. Und da inzwischen jede zweite Ehe wieder geschieden wird, trifft die Frau in solch einem Fall die ganze ­Härte, allein ohne eigene A ­ bsicherung dazustehen.

angeglichen. Darauf verständigten sich die IG BCE und der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP). Das Abkommen steht unter dem Vorbehalt einer Gesamtlösung für alle Branchen im Bereich der DGB-Tarifgemeinschaft Zeitarbeit. Außerdem kommen Zeitarbeitnehmerinnen und -nehmer in Deutschland in den Genuss

Und noch schwieriger wird es, wenn die Frauen aus einem Minijob in einen Midijob wechseln und sozialversicherungspflichtig werden. Durch das Ehegattensplitting kann sich das Einkommen dann sogar halbieren.

Gute Arbeit sichert die Existenz Menschen arbeiten derzeit in Minijobs.« Zwar sind unter ihnen viele Menschen im Ruhestand sowie Studierende – aber eben auch viele erwerbstätige Frauen, denn Männer finden sich kaum in diesen 400-EuroBeschäftigungsverhältnissen. Die WSI-Datenbank »Atypische Beschäftigung« führt den Anteil der Minijobber an allen Beschäftigungsverhältnissen für die einzelnen Bundesländer, Städte und Landkreise auf. Dadurch wird sichtbar, wo sich die neben der Leiharbeit problematische Beschäftigungsform ausbreitet: Vor allem Betriebe in der westdeutschen Provinz bieten Minijobs an, die häufig von Frauen besetzt werden. Minijobs sind »ein typisch westdeutsches Phänomen«, sagt der Arbeitsmarkt-Experte Herzog-Stein. Auffällig ist zudem: Wo viele Frauen einen Minijob haben, muss das nicht für Männer gelten. Während Frauen vor allem auf dem Land häufig geringfügig beschäftigt sind, gilt das für Männer eher in den Städten. Dahinter scheint weniger ein Familienmodell zu stehen als ein unzureichendes Stellenangebot am Arbeitsmarkt. Männer allerdings arbeiten häufiger als Frauen in Leiharbeit. »Derzeit haben wir etwa eine Million Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer in Deutschland«, so Herzog-Stein weiter. Noch vor fünf Jahren waren es etwa 400.000. Seiner Meinung nach

»Betriebsräte sollten das Thema prekäre Arbeitsverhältnisse im Fokus haben«, rät Herzog-Stein. »Wir brauchen ein Problembewusstsein zu den Minijobs. Betriebsräte können zum Beispiel überprüfen, wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eingruppiert sind.« Hier würden sich oftmals bei den Stundenlöhnen deutliche Unterschiede zeigen, da bei den Minijobs immer davon ausgegangen werde, das Bruttoentgelt entspreche dem Nettoentgelt – und demzufolge können auch mal Stundenlöhne nach unten korrigiert werden. Für Frauen, die dann ihre Stundenzahl aufstocken wollen und in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis wechseln, eine ­fatale Folge, denn dann verdienen sie mög­ licherweise weniger als andere Kolleginnen und Kollegen in gleicher Stellung. Minijobs, aber auch Leiharbeit haben nicht nur ein besonders hohes Risiko in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen zu enden. Sie sind meistens auch eine Sackgasse für die Beschäftigten, denn hier gibt es nur wenige Chancen, wieder in ein normales Arbeitsverhältnis zu kommen. Zwei wichtige Erfolge hat die IG BCE hier bereits vorzuweisen. Im Dezember letzten Jahres hat sie einen Durchbruch in der chemischen Industrie erreicht. Die Löhne der Zeitarbeitnehmerinnen und -nehmer werden an die Entgelte der Stammbelegschaften

einer tariflich verankerten Weiterqualifizierung. Über die Einrichtung eines gemeinsamen »Weiterbildungsfonds Zeitarbeiter« haben USG PeopleTochter Technicum und die IG BCE einen Haustarifvertrag abgeschlossen. Weitere Partner sind die TÜV Nord Bildung und der Bildungsdienstleister Provadis. »Für die Betriebsrätinnen und Betriebsräte steht nun nach der Änderung des AÜG im Vordergrund, die neuen Handlungsmög­ lichkeiten zu kennen und Leiharbeit auf ­seinen ursprünglichen Anwendungsbereich, die Abdeckung von unplanbaren Produk­ tionsspitzen, zurückzuführen«, sagt Edeltraud Glänzer. »Wir werden auch auf dem 4. Frauentag der IG BCE ›Frauen auf dem Arbeitsmarkt‹ zum Thema machen und diskutieren, welche Auswirkungen prekäre Beschäftigungsverhältnisse haben. Ich denke da auch an die Altersvorsorge. Wer trägt die Folgekosten solcher Beschäftigungsverhältnisse? Das sind wir alle! Wir müssen Arbeit so gestalten, dass Menschen auch von ihr leben und eine sinnvolle Altersvorsorge aufbauen können.«


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zukunftsgewerkschaft 2020 editorial

Zukunftsgewerkschaft 2020:

Werbekoffer Befristete

Informationen zum

Arbeitsrecht

Ansprache von atypisch Beschäftigten Die Anzahl der temporären Arbeitsver­ hältnisse hat in den vergangenen Jah­ ren deutlich zugenommen. Inzwischen ist fast jedes elfte Arbeitsverhältnis in Deutschland befristet. Atypisch Beschäf­ tigte sind häufig in einer Situation, in der sie sich leicht erpressbar fühlen und Angst haben sich, offen zu engagieren. Viele empfinden ihre Zukunft als un­ sicher.

Obwohl diese Beschäftigtengruppen aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre, der Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und dem damit einhergehenden Abbau von Arbeitnehmerrechten besonders auf gewerkschaftlichen Schutz angewiesen sind, sind sie häufig schwer für eine IG BCE-Mitgliedschaft zu werben. Die Abteilung Zielgruppen hat deshalb zur Ansprache von Befristeten, Leiharbeitneh­ mer/­Leiharbeitneh­merinnen und anderen

atypisch Beschäftigten den »Werbekoffer Befristete« entwickelt.

Regina Steiner und Silvia Mittländer

Prekäre Beschäftigungsverhältnisse Handlungshilfe für Betriebsrätinnen und Betriebsräte

Der Koffer enthält unterschiedliche Boxen für Betriebsräte/Betriebsrätinnen und Ver­ trauens­leute auf der einen und atypisch Beschäftigten auf der anderen Seite. Die Werberinnen und Werber werden unterstützt, um kompetent Auskunft und Beratung geben zu können und betriebliche Regelungen zu initiieren; die Zielgruppen werden über die politische Positionierung der IG BCE, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Vorteile einer Mitgliedschaft informiert. Die Materialien werden aktuell in neun verschiedenen Pilotbetrieben getestet und danach einem breiteren Interessiertenkreis zur Verfügung gestellt.

2. aktualisierte Auflage

Die Broschüre gibt Auskunft über die aktuellen Entwicklungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes, informiert über Leiharbeit, Scheinselbstständigkeit und befristete Arbeitsverhältnisse und zeigt die Handlungsmöglichkeiten von Betriebsrätinnen und Betriebsräten auf. Bestellung: www.igbce-shop.de, Artikelnummer: 10647

Kontakt: Petra Adolph, Telefon: 0511 7631-328, E-Mail: abt.zielgruppen@igbce.de

Erste Erfahrungen mit der Nutzung der Materialien haben unter anderem die Kolleginnen und Kollegen bei Procter & Gamble in Crailsheim gemacht.

Margit Krug, Betriebsratsvorsitzende Procter & Gamble, Crailsheim Insgesamt erfreulich ist, dass unser Betrieb wächst, so konnten wir gerade in letzter Zeit wieder feste Verträge vergeben, was unser großes Ziel als Betriebsrat ist. So ist auch die Anzahl der Zeitverträge schwankend und abhängig von der Auftragslage und Ferienzeit. Gerade im Sommer gibt es natürlich Ferienjobber. Kolleginnen und Kollegen mit einem temporären Arbeitsvertrag

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sind bei uns voll in die Teams integriert, darauf legen wir als Betriebsrat viel Wert. Zudem setzen wir uns dafür ein, dass die Zeitverträge gleich für die maximale Zeit abgeschlossen werden, anstatt ein-, zweioder dreimal verlängert zu werden. Damit können die Beschäftigten einfach besser planen. Bislang gab es keine Verträge, die vor Ablauf der festgeschriebenen Dauer beendet wurden.

Dadurch, dass wir in einigen Bereichen wachsen, wurden in letzter Zeit auch wieder Festverträge vergeben. Was können wir tun? Rechtzeitig vor Ende des befristeten Vertrages prüfen, ob eine Weiterbeschäftigung im festen Arbeitsverhältnis möglich ist, auch in anderen Bereichen des Werks.


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studie

Spitze qualifiziert – schlecht bezahlt:

Studie zu Praktikanten veröffentlicht Ersetzen Praktika reguläre Beschäftigung? Lernen Praktikantinnen und Prak­ tikanten etwas während der oft unbezahlten Zeit im Betrieb? Fragen wie diesen ging jetzt eine Studie von der DGB-Jugend, der Freien Universität Berlin und der Hans-Böckler-Stiftung auf den Grund.

In der neuen Studie »Generation Prak­ tikum« stellte sich heraus, dass sich viele Befürchtungen rund um Betriebspraktika bewahrheiten. 81 Prozent der Hochschulabsolventinnen und -absolventen geben an, dass sie im Prak­tikum vollwertige Arbeit geleistet haben. Katy Hübner, Leiterin der Abteilung Junge Generation/Ausbildung bei der IG BCE, fordert: »Praktika dürfen keine vorgelagerte Probezeit sein, in der die Eltern und Sozialversicherungen den vorenthaltenen Lohn übernehmen müssen.« Immerhin sind 40 Prozent der Praktika unbezahlt. Auf den ersten Blick sind Praktika für junge Akademikerinnen und Akademiker eine gute Gelegenheit, Betriebserfahrung zu sammeln und am Ende eine Festanstellung im jeweiligen Betrieb zu bekommen. Aber nur in 17 Prozent der Fälle geht dieser Wunsch in Erfüllung. In der Studie wird deutlich, dass viele Praktika seitens der Unternehmen missbraucht werden – ent-

weder um die Probezeit zu verlängern oder um an günstige Arbeitskräfte zu kommen. Immerhin ganze 39 Prozent der Hochschulabsolventinnen und -absolventen machen nach dem Abschluss noch ein Praktikum, einige sogar zwei oder drei Praktika. Nur 19 Prozent der jungen Akademikerinnen und Akademiker finden nach dem Hochschulabschluss eine feste Stelle. Einen positiven Trend hat die Studie auch festgestellt: Im Vergleich zu den Untersuchungen aus dem Jahr 2007 sind Frauen bei den Praktika inzwischen weniger benachteiligt. Haben im Jahr 2007 noch doppelt so viele Frauen (44 Prozent) wie Männer (23 Prozent) nach dem Studium ein Praktikum aufgenommen, sind es jetzt nur noch 32 Prozent Frauen und 25 Prozent Männer. Übrigens ist auch Entgeltgleichheit bereits ein Thema im Praktikum – allerdings liegen hier die Frauen vorne: Der durchschnittliche Stundenlohn für männliche Praktikanten betrug 3,60 Euro, Frauen bekommen 3,85 Euro. Am schlechtesten bezahlt

sind übrigens Praktikanten und Prakti­ kantinnen der Geisteswissenschaften mit 2,95 Euro pro Stunde, angehende Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte bekommen immerhin 6,20 Euro Stundenlohn. Bei diesen Entlohnungen wundert es kaum, dass 22 Prozent der Praktikantinnen und Praktikanten auf zusätzliche Sozialleistungen angewiesen sind, vor vier Jahren waren es nur knapp halb so viele, 12 Prozent. 17 Prozent der Befragten haben angeben, dass sie mit der Entlohnung zufrieden sind.

Die Mehrheit von ihnen forderte übrigens eine Regulierung der Praktika. Eine ganz zentrale Forderung stellt auch Katy Hübner: »Unbezahlte Praktika für Hochschul­absolventinnen und -absolventen gehören abgeschafft. Stattdessen sollten die Unternehmen besser Trainee- und Berufseinstiegsprogramme anbieten – mit mindestens 8,50 Euro Stundenlohn.« Selbstverständlich gehört zudem ein qualifiziertes Zeugnis nach dem Praktikum dazu sowie ein Prak­tikumsvertrag mit einem entsprechenden Praktikumsplan. »Und damit Praktika nicht Gefahr laufen, einen regulären Arbeitsplatz zu ersetzen, sollten sie auf drei Monate begrenzt sein«, fordert Hübner.


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prekariat editorial

Prekariat – Kein deutsches Problem

W

eltweit spaltet sich die Ar­ beitswelt in zwei Arten von Arbeitnehmerinnen und Ar­ beitnehmern. Beschäftigte in ge­ sicherten Anstellungen mit Ta­rifverträgen auf der einen Seite; auf der an­deren Seite wächst aber die Zahl der unsicheren Beschäftigungsverhältnisse: Mehr und mehr Menschen nehmen prekäre B ­ eschäftigungen an, wie Leiharbeit oder Minijob. Auch im Ausland wird dieses mehr und mehr zum Problem, das bestätigen Berichte von Mitgliedsgewerk­ schaften der ­Internationalen Föderation der Chemie-, Energie-, Bergbau- und Fabrik­ arbeitergewerkschaften (ICEM). Die Löhne sind wesentlich niedriger, Sozialleistungen geringer, Arbeitszeiten länger sowie ungeregelt, Urlaubsanspruch kürzer und in der Arbeits­sicherheit und im Gesundheitsschutz gibt es höhere Risiken. Prekäre Arbeitsverhältnisse diskriminieren vor allem Frauen auf der ganzen Welt. 80 Prozent der Leiharbeit­ nehmerinnen und -arbeitnehmer in Thailand beispielsweise sind Frauen. Und auch in Korea sind es mehr als zwei Drittel.

Viele multinationale Konzerne bevorzugen unsichere Beschäftigungsverhältnisse. In einigen Ländern Asiens sind Kontrakt- und Leiharbeit heute bereits das »normale« Arbeitsverhältnis. Auch die Mehrheit der Beschäftigten in den Kernbereichen der Produktion ist davon betroffen. Außerdem sind

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Millionen von Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmern von dem Recht auf Gewerkschaftsmitgliedschaft und der Teilnahme an Tarifverhandlungen ausgeschlossen. Unilever beschäftigte beispielsweise an einem Standort in Pakistan 22 reguläre und gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie ­zugleich 750 Kontraktarbeiterinnen und -arbeiter, die alle nicht Gewerkschaftsmitglieder waren. Nach einer Klage der internationalen Gewerkschaften bei der OECD auf der Basis von deren »Richtlinien für multinationale Konzerne« hat das Unternehmen in diesem Fall immerhin eingelenkt und sich verpflichtet, mehr Dauerarbeitsplätze zu s­ chaffen. In gleicher Weise muss internationale Solidarität für Ölarbeiterinnen und -arbeiter in Nigeria, Bergleute in Kolumbien und Reifenarbeiterinnen und -arbeiter in Thailand mobilisiert werden. Ein weiteres Beispiel ist die Unterstützung für die Frauen des Radiowerks Sirius in Korea, die sich gegen alle Widerstände des Unternehmens gewerkschaftlich organisierten, um ihre Rechte durchzusetzen. Nur 10 der 270 beschäftigten Frauen standen in einem festen Arbeitsverhältnis. Und verheiratete Frauen erhielten grundsätzlich nur einen Vertrag über drei

Monate, damit sie im Fall der Schwangerschaft danach nicht weiter beschäftigt werden mussten. Weltweit arbeitet die ICEM daran, solche Missstände zu beseitigen, etwa mit Welt­ vereinbarungen mit multinationalen Un­ter­ nehmen. Das hat zur gesetzlichen Be­­schrän­ kung und Regulierung von Kontrakt- und Leiharbeit in einigen Ländern beigetragen. Und in Verhandlungen mit Unternehmen konnte erreicht werden, dass von ihnen wieder mehr Dauerarbeitsplätze geschaffen wurden. Für die Mitgliedsgewerkschaften der ICEM hat der Kampf gegen prekäre Arbeitsverhältnisse heute überall in der Welt höchste Priorität. Und gemeinsam mit den anderen Organi­ sationen der internationalen Gewerkschafts­ bewegung fordert die ICEM die OECD, die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds auf, ihre Politik, mit der sie Regierungen weltweit zu einer Flexi­ bilisierung der Arbeitsmärkte aufgefordert haben, zu revidieren.

Manfred Warda, General­sekretär der ICEM (Inter­nationale Föderation der Chemie-, Energie-, Bergbauund Fabrikarbeitergewerkschaften).


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portrait

Wenn, dann auch richtig

U

ngerechtigkeiten kann sie nicht leiden. Deswegen hat sie sich schon als Schülerin immer für die anderen eingesetzt. »Gerade für diejenigen, die sich nicht wehren können, müssen wir doch etwas tun«, ist sie überzeugt. Und genau das ist auch der Grund, warum sie sich bei der Karriereentwicklung für den Betriebsrat entschieden hat. Sie wollte ganz vorn dabei sein, mitgestalten und mitentscheiden, welche Änderungen und Verbesserungen im Betrieb vorgenommen werden. Deswegen hat sie sich auch nicht mit dem zweiten Vorsitz zufriedengegeben. Nach dem Motto »Wenn, dann auch gleich richtig« ist sie 2006 Betriebsratsvorsitzende geworden und führt heute ein elfköpfiges Gremium an. Sie wollte verändern, wollte neuen Wind in den Betriebsrat bringen – und vor allem auch mehr Frauen für die Arbeit gewinnen. »Das geht am besten, wenn man selbst Vorbild ist«, sagt sie heute und verweist stolz darauf, dass sie vier weibliche Mitglieder im Gremium hat. »Und die arbeiten an wichtigen Schaltstellen, wie etwa dem Wirtschaftsausschuss.« Für sie selbst ist es selbst-

Andrea Lammert ist freie Journalistin aus Hannover. Sie schreibt u. a. für Focus online, Neue Zürcher Zeitung und ist Buchautorin.

verständlich, in der Bundestarifkommission Chemie mitzuarbeiten. Die Familie war nie ein Karrierehindernis für sie. Als sie 1988 ihren Sohn zur Welt brachte, ist sie acht Wochen später wieder arbeiten gegangen – Vollzeit. »Damals war es mit der Kinderbetreuung wirklich schwierig«, sagt die heute 48-Jährige. »Doch auch heute fehlt es noch an Betreuung.« Zwar habe sich schon eine Menge flexibilisiert und in den Köpfen verändert. »Vor allem bei den Vätern, die interessieren sich jetzt wirklich sehr, in Elternzeit zu gehen.« Dennoch bliebe gerade bei der Betreuung von Kleinkindern eine Menge Nachholbedarf. Katja Marx hat sich immer gewerkschaftlich engagiert. Zuerst war sie als Jugendund Auszubildendenvertreterin aktiv, später ist sie in die Rolle als Betriebs­rätin hineingewachsen. Nur als ihr Sohn Säugling war, musste sie ihre Aktivitäten etwas zusammenstreichen. Doch für Termine im Bezirksfrauen­ ausschuss nahm sie sich immer die Zeit. »Es war mir wichtig, dabeizubleiben. Und es hat mir am Herzen gelegen, dass sich für die Frauen erheblich etwas verändert in der Berufswelt.« Ganz konnte sie aber die Pause von der Betriebsrats­ arbeit nicht durchhalten und so kandidierte sie im Jahre 2002 wieder für das Gre­ mium. »Wir haben die Möglichkeit,

Katja Marx, Betriebsratsvorsitzende Zschimmer & Schwarz Lahnstein. hier mitzugestalten und viele Mitsprachemöglichkeiten. Die wollte ich nutzen.« Dass sie sich nebenbei auch weiterent­ wickelt, Fachwissen aneignet und ihre Verhandlungsführung nach vorne bringt, ist ein schöner Nebeneffekt. Wichtig ist ihr ein guter Draht zur Geschäftsleitung. Der ist vor allem in den letzten Jahren stärker geworden. »Wir sind mit der Krise enger zusammengewachsen«, resümiert sie heute. »Gemeinsam haben wir alle Instrumente genutzt, um Entlassungen zu vermeiden, bis die Krise vorüber ist.« Der Betriebrat des 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter großen Unternehmens ist vor allem damit beschäftigt, Werbung für den Demografie-Fonds zu machen. »Es gibt tatsächlich noch immer Kolleginnen und Kollegen, die die 300 Euro nicht optimal zu nutzen wissen und damit Geld verschenken.« Es wandert in einen Präventionstopf, mit dem der Betriebrat gezielt Aktionen organisiert, um die Gesundheit der Beschäftigten zu fördern.


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aktivitäten editorial

Meldungen+++ +++ 8. März – Aktionsreich *Bezirks-Nr.:

*Mitgl.-Nr.:

Beschäftigt bei: PLZ/Ort: Tätigkeit:

*Dieses wird von den Bezirken ausgefüllt.

Beitrittserklärung und Einzugsermächtigung Name:

Abteilung:

dienstlich E-Mail:

Berufsgruppe (Zutreffendes im Kreis ankreuzen)

Telefon:

Vorname:

01 02

Mobiltelefon:

Angelernte Handwerker/-innen und Facharbeiter/-innen Chemotechniker/-innen und Laboranten bzw. Laborantinnen Büroangestellte/Kaufleute Meister/-innen Technische Angestellte und Ingenieure bzw. Ingenieurinnen

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AT-Angestellte: ______________

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Angestellte im Außendienst

Am 8. März finden zahlreiche Aktivitäten in den Betrieben statt. In der kompakt, auf den Frauenseiten der Websites der Bezirke sollten die Berichte dazu eingestellt werden, so erfahren andere, wie engagiert Frauen der IG BCE für ihre Interessen eintreten. Geburtsdatum:

m m/m w

PLZ/Wohnort:

Straße/Haus-Nr.: Nationalität: privat

Eintrittsdatum IG BCE:

03

Anlass des Eintritts:

04 05 06

Übertritt/Vorgew.:

Monatl. Bruttoeinkommen/

E-Mail:

Akademiker/-innen

Leitende Angestellte

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Atypische Beschäftigung: ❑ Leiharbeitnehmer/-innen ❑ Befristet Beschäftigte Sonstige: ___________________

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Eingruppierung:

Telefon:

Ausbildungsbeginn (Monat/Jahr): Ausbildungsjahr: Ausbildungsende (Monat/Jahr): Werber(in):

Personalnummer:

Mobiltelefon:

BLZ/Konto-Nr.:

m vierteljährlich

m halbjährlich

m jährlich

von meinem Konto per Lastschrift abzubuchen oder durch Betriebsabzug über den Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin von meinem Lohn bzw. Gehalt einzubehalten. Diese Ermächtigung gilt auch für jedes andere, auf meinen Namen lautende Konto bei jedwedem Kreditinstitut. Einen evtl. Widerruf werde ich bei der IG Bergbau, Chemie, Energie vollziehen. Wenn mein Konto die erforderliche Deckung nicht aufweist, besteht seitens des kontoführenden Kreditinstituts keine Verpflichtung zur Einlösung.

Internationaler Frauentag 2012

Bankinstitut:

Ich ermächtige die IG Bergbau, Chemie, Energie meinen satzungsgemäßen Beitrag bei Fälligkeit m monatlich

09 10

Einverständniserklärung nach § 4 a BDSG Ich bin damit einverstanden, dass meine allgemeinen personenbezogenen Daten einschließlich evtl. Änderungen und Ergänzungen zur Erledigung aller im Zusammenhang mit der Mitgliedschaft stehenden Aufgaben zur Mitgliederverwaltung, Mitgliederbetreuung, der Mitgliederinformation sowie des Beitragseinzugs im erforderlichen Umfang erhoben, verarbeitet und genutzt werden. Die Datenverarbeitung und Nutzung betrifft die zweckentsprechende Datenspeicherung, -nutzung und Datenauswertung durch die IG BCE sowie die Datenweitergabe an Dritte, sofern und soweit diese mit der Mitgliederbetreuung und/oder Mitgliederwerbung von der IG BCE ermächtigt oder beauftragt worden sind und auf das Bundesdatenschutzgesetz verpflichtet werden. Diese Einwilligungserklärung kann jederzeit ganz oder teilweise widerrufen werden.

Datum

Unterschrift

Das vollständig ausgefüllte Formular bitte bei ihrem Betriebsrat abgeben oder per Telefax an: 0511 7631-708

+++ Equal Pay Day – Rote und gelbe Strafkarten

Jedes Jahr im März machen Frauen auf der ganzen Welt aufmerksam auf die Unterschiede in den Einkommen zwischen Rote KaRte Männern und Frauen. In Deutschland wurde der Tag 2008 zeigen! eingeführt. Die IG BCE beteiligt sich in Hannover zum vierten Den Equal Pay en, Entgeltgerechtigkeit am 23. März nutzelt für sichern, damit Frauen und Mal. Gleichzeitig werden zahlreiche betriebliche Aktionen um gleiches Entg it zu Männer das gleiche Entgelt gleichwertige Arbe für gleichwertige Arbeit sichern. dazu vor Ort stattfinden. In den Unternehmen werden Bebekommen. triebsrätinnen und Vertrauensleute rote und gelbe Strafkarten verteilen und damit bekräftigen, dass diese Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern beseitigt werden müssen. Übrigens richtet sich das Datum für den Equal Pay Day nach der Zahl der Tage, die Frauen mehr arbeiten müssen als Männer, um bei gleicher Arbeit auf gleiche Entlohnung zu kommen. Der Equal Pay Day wird dieses Jahr am 23. März stattfinden. Gelbe KaRte Verwarnung!

n! Jetzt Mitglied werde e.de n.igbc www.mitgliedwerde

Jetzt Mitglied werden! www.mitgliedwerden.igbce.de

Der erste „Girls`Day“

bei Bayer Technology Services GmbHTechno­ (BTS) Der erste »Girls’Day« bei Bayer „«Mädchen entdecken Berufe in Technik und logy Services GmbH (BTS) ». . . Mädchen Handwerk«“ fand in der Montagewerkstatt bei der BTSProzessanalysentechnik statt. entdecken Berufe in Technik und Hand­ Anfrage nach einem Girls`Day bei BTS ist schon öfters aus dem Vertrauensleute werk . Die .  .« fand ingestellt der Montagewerkstatt Kreis an die Leitung worden. In diesem Jahr am 14. April ist es nun soweit. Die Mädchen haben dann die Gelegenheit bei der Montagewerkstatt unter Leitung einer Kollegin, technische Eindrücke gewinnen sowie automatisierte bei der BTS-Prozessanalysentechnik Prozesskontrollen zu sehen. Wir begrüßen, dass sich die BTS am Girls`Day beteiligt statt. und freuen uns auf die Aktion! Es war rundum ein gelungener TAG! Zehn Schülerinnen der Jahrgangsstufen 8 bis 11 (Hauptschule und Gymnasium) konnten sich einen Einblick in die Aufgaben einer Industriemechanikerin (Metall) in der Werkstatt verschaffen. Auch die Tätigkeiten einer Entwicklungsingenieurin am Beispiel von moderner Prozess-Analysentechnik in der Biotechnologie, war für die Schülerinnen sehr Interessant`.

Die Anfrage nach einem Girls’Day bei BTS Super erfreulich Schülerin, sie schreibt, „«dass es ihr sehr, ist schon öfterist auch ausdie E-Mail demeinerVertrauensleute sehr viel Spaß gemacht hat und einen guten Einblick in den Konzern gewonnen hat«“ Kreis an die Leitung gestellt worden. Am Eine weitere Rückmeldung: 14. April 2011 war es nun soweit. Die Zitat: „Wenn Sie diesen Tag noch mal durchführen, werde ich auf jeden Fall den Girl`s Day bei Bayer empfehlen.dann die Gelegenheit bei ­Mädchen hatten Ich bin sehr froh, dass Sie mich zu dem Girl`s Day eingeladen und mir einen Einblick in Bayer gegeben haben“. der Montagewerkstatt unter Leitung einer Dies war ein abwechslungsreicher und gut organisierter erster Girls`Day und wir hoffen, dass die BTS-Leitung dies für die Zukunft weiterhin unterstützen wird.

+++ Frühe Talentförderung

Das Frühjahr, so scheint es, steht jedes Jahr ganz im Zeichen der Frauen: Frauentag, Equal Pay Day und der Girls’Day. Zu allen Tagen gab es viele Aktionen im Bereich der IG BCE, vor allem auch zum Girls’Day. Gemeinsam arbeiten Unternehmen und Betriebsräte daran, verstärkt Mädchen für naturwissenschaftlich-technische Berufe zu begeistern. Die IG BCE wird mit dem Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) mit einen gemeinsamen Aufruf zum Zukunftstag an die Presse treten und in den Betrieben dafür werben, Schülerinnen und Schüler am 26. April 2012 in die Unternehmen einzuladen, um ihnen einen Impuls zu geben, ihr Berufswahlverhalten zu überdenken. Ein neuer Flyer zum Girls’ Day kann kostenfrei in der Abteilung Frauen/Gleichstellung bei sabine.ruhland@igbce.de bestellt werden.

+++ Anpfiff zum Netzwerken

Gute Ideen und Projekte sind zu schön, um nur in einem Betrieb stattzufinden. Deshalb lädt die IG BCE zum Netzwerken ein. Um weiter ganz weit vorn mitzuspielen, bittet die Abteilung Frauen/Gleichstellung, aktuelle Betriebsvereinbarungen zu schicken, damit andere von guten Beispielen lernen können. Diese Daten werden anonymisiert und dann weiterge­ reicht. Nur so wird ein gutes Frauenteam draus, das den Ball aufgreift und weiterspielt für die gute Sache. Die Projektinformationen, Presseberichte, Internetlinks, Ausschnitte aus Firmenzeitungen bitte schicken an sabine.ruhland@igbce.de Interessierte können sich im Netzwerk Frauen Macht Erfolg cornelia.leunig@igbce.de ­anmelden.

Leserinnenbrief Ich vermisse die Wann kommt die nächste Ausgabe? Ich arbeite gerne mit dem . Die Zeitschrift kommt auch bei meinen Kolleginnen und Kollegen gut an. Sie hat interessante Schwerpunktthemen, ist handlich, überschaubar, informativ und hat ein ansprechendes Outfit (Layout). Ich sage nur: weiter so! Liebe Grüße Helga Landgraf, Betriebsrätin der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH

ausgabe 20 | März 2012

Kollegin, technische Eindrücke zu gewinnen sowie automatisierte Prozesskontrollen zu sehen. Es war rundum ein gelungener TAG! 10 Schülerinnen der Jahrgangsstufen 8 bis 11 (Hauptschule und Gymnasium) konnten sich einen Einblick in die Aufgaben einer Industriemechanikerin (Metall) in der Werkstatt verschaffen. Auch die Tätigkeiten einer Entwicklungsingenieurin am Beispiel von moderner Prozess-Analysentechnik in der Biotechnologie, war für die Schülerinnen sehr Interessant. Super erfreulich ist auch die E-Mail einer Schülerin, sie schreibt, ».  .  .  dass es ihr sehr, sehr viel Spaß gemacht hat und einen guten Einblick in den Konzern gewonnen hat . . .«.

Eine weitere Rückmeldung: Zitat: »Wenn Sie diesen Tag noch mal durchführen, werde ich auf jeden Fall den Girls’Day bei Bayer empfehlen. Ich bin sehr froh, dass Sie mich zu dem Girls’Day eingeladen und mir einen Einblick in Bayer gegeben haben.« Dies war ein abwechslungsreicher und gut organisierter erster Girls’Day und wir hoffen, dass die BTS-Leitung dies für die Zukunft weiterhin unterstützen wird.


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aktuelles

Meinungsbild Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht die Themen »Frauen in Führung« und »Quote« in der Zeitung debattiert werden. Auch auf dem 4. Frauentag der IG BCE werden wir hierüber diskutieren. Die Redaktion der möchte im Vorfeld dieser Veranstaltung von Kolleginnen und Kollegen erfahren, welchen Standpunkt sie dazu vertreten.

Recht so:

Bitte schickt Eure Meinung an cornelia.leunig@igbce.de

Unisex-Urteil – Alle gleich oder gar Frauenbeglückungsprogramm? Der europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden, dass ab Dezember 2012 die Krankenversicherer das Geschlecht nicht mehr als Kriterium zur Kalkulation ihrer Tarife verwenden dürfen. Derzeit bezahlen in der privaten Krankenversicherung Frauen im Durchschnitt etwa 15 Prozent höhere Beiträge als Männer. Zum einen, weil sie älter werden und dadurch höhere Krankheitskosten zu erwarten sind und zum anderen, weil sie schwanger werden können oder es gerade nicht werden können. Alle privaten Krankenversicherungen müssen nun die Tarife neu kalkulieren. Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass das Abstellen auf das Geschlecht bei ungleichen Tarifen diskriminierend sei. Die Hoffnung einiger, nun eine Klage einreichen zu können, um die überhöhten Beiträge erstattet zu bekommen, ist ohne rechtliche Grundlage. Die Risiken werden bei einem Unisex-Tarif neu kalkuliert und im Ergebnis steht zu befürchten, dass die Krankentarife – auf der Basis des bereits teureren Niveaus der Versicherung für Frauen – teurer werden. Die gesetzlichen Krankenversicherungen sind davon nicht betroffen.

Vorbildlich

verhalten sich Betriebsräte, wenn sie Ansprechpartnerinnen und -partner im Betrieb benennen, die Pflegenden in einem Notfall mit hilfreichen Informationen schnell zur Seite stehen.

Vorfahrt für Frauen in Aufsichtsräten sagt die IG BCE und will im eigenen Haus den Anteil der Frauen in Aufsichtsräten erhöhen. 2012 und 2013 finden verstärkt Wahlen statt. Bis dahin will die IG BCE ihre Betriebsräte sensibilisieren, mehr Kandidatinnen vorzuschlagen. Sie selbst will hausintern den Anteil der Mandate, die von Gewerkschafterinnen wahrgenommen werden, auf 30 Prozent erhöhen.

Vorschau

auf die nächste Ausgabe der , Nr. 21. Sie wird Anfang Juni mit den Schwerpunkthemen zum 4. Frauentag erscheinen.

ort Eine Frage – eine Anietw Fra u ist

ragrap h 135 6 »D Wa nn en tfi el de r Pa s mi t tig zu sei n, soweit die be rechti gt, erwerb stä ist «? ar nb rei ve e un d Fam ilie ihren Pfl ich ten in Eh t mi du ngen Die ersten ze hn Ein sen alt en erh tum Da de m richti ge n is. Pre ein en kle ine n ein e Bit te die Lö sun g au f d ein un n be Po stk art e s­ ch rei sen de n an : IG BC E ch ste llu ng Ab tei lun g Fra ue n/G lei 6 Kö nig swort he r Pla tz er ov nn 30167 Ha

Der 4. Frauentag der IG BCE findet vom 7. – 9. Juni 2012 unter diesem Motto in Hannover statt.

od er pe r Ma il an : de sab ine .ru hla nd @i gb ce.

Einsendeschluss 14. Mai 2012


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