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29. Januar 2014 | 5

Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt

„Ich war ein schlechter Redner“ Pfarrer Tillmann Luther über seinen Weg vom steifen Prediger zum Spitzen-Rhetoriker

7 N.T. Wright «Es geht um die Erneuerung der Welt» | 13 Pro & Kontra Wer soll eine Abtreibung bezahlen? | 17 Gabriele Kuby Der Genderismus bedroht die christlichen Werte 28 Glaube Wozu brauchen wir eigentlich den Heiligen Geist? www.ideaschweiz.ch


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I NSE R AT E | S T E LLE

Wir wollen Menschen zu Jesus Christus hin sammeln, im Glauben stärken und sie in die Welt senden, damit sie dort in Wort und Tat das Evangelium leben. (Zitat aus unserer Vision)

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für eine 100% Stelle an der Gellertkirche. Die Gellertkirche ist Teil der Münstergemeinde der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt. Jeden Sonntag finden zwei gut besuchte Gottesdienste statt. Mit unseren vielfältigen Angeboten sprechen wir Jung und Alt in verschiedenen Lebenssituationen an. Wir wollen auch kirchenfernen Menschen das Evangelium von Jesus Christus näher bringen. 20 motivierte Angestellte, die teils durch Spenden finanziert werden, und 500 engagierte Freiwillige setzen sich dafür ein. Wir freuen uns auf eine Persönlichkeit, die - in Jesus Christus verankert ist und aus dem Evangelium lebt, - mit Freude und Leidenschaft das Wort Gottes in lebensnaher Weise vermittelt, - in wertschätzender Art die Leitungsaufgabe wahrnimmt und mit den bestehenden Gremien zusammenarbeitet, - innerhalb der Evangelisch-reformierten Kirche und im christlichen Umfeld integrierend wirkt, - Traditionelles und Neues bejaht und fördert, - Visionen und Konzepte erarbeitet und präsentiert, - sich in finanziellen Fragen auskennt, - sich vorzugsweise in Gemeindeleitung bewährt hat. Wir bieten ein Pfarrhaus in unmittelbarer Nähe der Gellertkirche. Die Anstellungsbedingungen richten sich nach den Ordnungen der ERK Basel-Stadt. Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung bis zum 15. März 2014 an den Präsidenten der Pfarrwahlkommission: Adrian Egger, Eptingerstrasse 26, 4052 Basel, adrian.egger@erk-bs.ch Er erteilt Ihnen auch gerne weitere Auskünfte, Tel. 061 312 16 96.

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das Neueste online +++ idea News +++ das Neueste online idea Spektrum 05.2013


E DI T OR I A L

Scherflein und Kreditkarte Liebe Leserin, lieber Leser Formulierungen von Kirchenleitern wie „Apostolizität“, „kybernetisch-missionarische Kompetenz“ oder „situationsbezogene Flexibilität“ seien Wörter, „vor denen es einer Sau graust“. Dies sagte Wolf Schneider an einem christlichen Medienkongress. Man nennt Schneider auch den „Sprachpapst“. Seine Bücher über Journalismus und Sprache sind Standardwerke. Er ermutigt zu „kurzen, konkreten und saftigen“ Wörtern und zu „schlanken“ Sätzen. Wer Hörer und Leser erreichen wolle, der solle Einsilber und Hauptsätze wählen. Wer predigt, ist herausgefordert. Es gilt, Schwieriges einfach auszudrücken, geistliche Wahrheiten in gängige Bilder zu kleiden. Berichte aus einer anderen Kultur und Zeit wollen transferiert werden. Gleichnisse aus der orientalischen Landwirtschaft brauchen eine Übersetzung in die Bürowelt unserer Dienstleistungsgesellschaft. Was ist das „Scherflein der Witwe“ in der Zeit der Kreditkarte? Nun – nach sauberer Exegese und Hermeneutik liegt uns zwar ein prägnanter Text vor. Aber den gilt es erst noch vorzutragen! Wissen und Erkenntnis wollen ausgesprochen, nicht abgelesen werden. Landauf, landab beweisen die Slam Poeten, dass packende Reden scharenweise Zuhörende finden. Eine Predigt ist eine Rede. Und Reden gibt es bessere und schlechtere, ansprechende und langweilige. In evangelischen Landes- wie Freikirchen hat die Verkündigung des Wortes Gottes einen zentralen Platz. Er darf nicht mit monotonen, unverständlichen Sätzen vertan werden. Predigen ist eine Kunstform. Die Kommunikation soll gelingen; das Wirken des Geistes Menschenherzen berühren. Dazu gehören ein guter Aufbau, ein anschaulicher Vortragsstil und mitreissende Leidenschaft. Wir haben einen Pfarrer getroffen, dem dies alles keine Ruhe liess. Er empfand sich als schlechter Redner. Vor zehn Jahren bekam er nach einer Predigt eine Rückmeldung im Sinne von: „Man kann gar nicht behalten, was du gesagt hast. Du solltest deutlicher sprechen, solltest mehr Pausen und am Schluss eine Zusammenfassung machen.“ Das traf ihn so, dass er mehrere Nächte nicht mehr schlafen konnte. Dann gab er sich einen Ruck. Pfarrer Tillmann Luther wollte sich steigern. Und er tat es! Er avancierte vom steifen Prediger zum Spitzen-Rhetoriker. Für die wichtigste Botschaft der Welt war ihm kein Aufwand zu gross. Wir trafen ihn zum idea-Gespräch (Seite 8). Rolf Höneisen

Impressum Idea Schweiz Herausgeber: Idea Information AG, 4410 Liestal Verwaltungsrat: Heiner Henny, Präsident, Sam Moser Stellvertreter, Paul Beyeler, Hans Lendi, Helmut Matthies, Matthias Spiess Ideelle Trägerschaft: Schweizerische Evangelische Allianz (SEA), Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden (VFG), Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Missionen (AEM) Redaktion: Aemmenmattstrasse 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 44, Fax 031 819 71 60 E-Mail: redaktion@ideaschweiz.ch Internet: www.ideaschweiz.ch

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Chefredaktor: Rolf Höneisen (rh) Büro: Steinackerstrasse 4, 9214 Kradolf-Schönenberg, Tel./Fax 071 642 44 21 E-Mail: rolf.hoeneisen@ideaschweiz.ch Redaktion: Thomas Feuz (tf), Christof Bauernfeind (chb) Erweitertes Team: Christian Bachmann (cb), Mirjam Fisch-Köhler (mf ) Verlagsmanager: Bruno Jordi, 031 818 01 26 verlag@ideaschweiz.ch Kundenberatung Anzeigen: Jordi AG – das Medienhaus, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 42; Fax 031 819 38 54 E-Mail: inserate@ideaschweiz.ch

Bildnachweis: Andrea Vonlanten (Titelseite); zvg (Seite 3)

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bibLiSch Ich bin bei euch, alle Tage, bis an das Ende der Welt. Matthäus 28,20 So seltsam das klingt: Das ist MEIN Vers. Und es fiel mir viele Jahre schwer, wenn jemand dasselbe über diesen Vers behauptete. In der Zwischenzeit habe ich gelernt zu teilen. Mit 14 Jahren las ich ihn zum ersten Mal. Er traf mich tief im Herzen, schwer in Worte zu fassen. Ich schrieb ihn überall hin, sagte ihn „genüsslich“ auf und verfasste sofort mein erstes Testament, eigentlich nur deshalb, damit ich sicher sein kann, dass dieser Vers dereinst auf meinem Grabstein steht. In den darauf folgenden 37 Jahren habe ich mein Testament mehrmals geändert, aber dieser Wunsch blieb bestehen. Und ich habe erlebt, dass dieses Versprechen in meinem Leben schon mehrfach in Erfüllung ging: Ver-Kündig-ung bis ans Ende der Welt. Wenn dies auch Ihr Lieblingsvers ist, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mich kontak kontaktieren: Ich möchte Ihnen gerne ein Geschenk schicken. Ein Lieblingsbibelwort von Ruedi Kündig, Bichelsee TG. Der Bibelfan ist unterwegs mit dem Bibellesebund.ch und Biblepainting.ch.

Aboservice: Jordi AG – das Medienhaus, Franziska Schüller, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 20, Fax 031 819 38 54 E-Mail: abo@ideaschweiz.ch Abopreise: Jahresabo Fr. 145.–, Seniorenabo Fr. 117.–, Halbjahresabo Fr. 77.–. Das Abo ist unter Einhaltung einer vierwöchigen Frist jeweils zum Bezugsende kündbar. Einzelverkaufspreis: CHF 4.– Konto: PC-Konto 40-788586-4 Idea Information AG, 4410 Liestal Layout/Druck/Versand: www.jordibelp.ch Spendenkonto: Idea Information AG, 4410 Liestal PostFinance, 3013 Bern, Konto-Nr. 40-788586-4 IBAN-Nr. CH14 0900 0000 4078 8586 4 BIC-Code POFICHBEXXX


N ac h r ic h t e N sc h w e i z

PArDOn Da war sie wieder, diese „wir müssen immer kämpfen“Mentalität. Ein Eintrag auf Facebook mit dem Inhalt „Be A Warrior, Not A Worrier“, wurde mehrheitlich „geliked“. Auf meine Frage, ob ich wirklich die Einzige bin, die diesen Satz nicht gut findet, gab es gerade mal ein „Like“. Jemand meinte, das sei doch ein lustiges Wortspiel. Ja das stimmt. Eines dieser tollen Wortspiele, die vor allem in Englisch gut funktionieren. Doch was sagt dieser Satz wirklich? Ein Mensch, der sich Sorgen macht, kann nicht einfach zum Krieger mutieren. Er soll zuerst seine Sorgen ernst nehmen. Er soll sich mit den Ursachen beschäftigen, Lösungen suchen und Kraft tanken. Erst danach kann er sich auf neue Herausforderungen konzentrieren. Mich erinnert dieser Satz auch an Momente bei Sitzungen von Verantwortungsträgern. Jemand hält zu Beginn eine „Andacht“, die gar nicht andächtig ist. Meistens werden wir aufgefordert, uns einzusetzen, zu kämpfen, ganz für Gott da zu sein. Widerspruchslos nimmt man diese Worte entgegen – ist eh zu müde um etwas zu entgegnen, steht kurz vor dem Burnout. Mich nerven diese dauernden Aufrufe zu frommem Aktivismus und Heldentum. Ist es wirklich das, was sich unsere Gesellschaft von uns wünscht? Sollten wir nicht eher aus der Ruhe und Stille heraus Lösungen entwickeln, statt mit Schlagworten und -sätzen frommen Aktivismus zu verbreiten? Aber das ist halt weniger spektakulär. Krieger sein ist auffälliger. Trotzdem – sorry Leute, aber dieser Ansatz macht nur müde Krieger. Verena Birchler ist Leiterin Kommunikation bei ERF Medien in Pfäffikon ZH.

„Gott hat den Fremdling lieb“ interKULtUreLLe KOntAKte Die Gemeinde für Christus veranstaltete in Bern eine Tagung, die unsere Beziehung zu Ausländern beleuchtete.

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ir wollen uns von Gottes Wort inspirieren lassen, nicht von Medien oder Parteien.“ Mit diesen Worten eröffnete GfC-Missionar und Moderator Ulrich Kunz die Tagung „Gott hat den Fremdling lieb“. Im Zentrum stand die gleichnamige Ausstellung der Schweizerischen Bibelgesellschaft, die auf zwölf Tafeln den Bogen von Fremden in der Bibel zu Ausländern heute schlägt. Mit Isaak aus dem Kongo und David aus Afghanistan kamen zwei Ausländer zu Wort. David ist gebildet und verdiente gut. Unter anderem wegen den Taliban flüchtete er 2011 in die Schweiz, wo er und seine Frau Christen wurden. „Nur um bleiben zu können!“, werfen ihnen jetzt die Schweizer Behörden vor und lehnen das Asylgesuch ab. Noch ist nicht definitiv entschieden. Meos-Ausländermissionar Markus Frauchiger rief dazu auf, „Ausländer ins Reich Gottes zu lieben“. Aus der Perspektive Gottes sei Migration nicht nur ein Problem, sondern auch eine Chance „und ganz sicher ein Auftrag“. Muslime seien nicht einfach Störenfriede: „Sie sind unsere Freunde, die wir für Jesus gewinnen möch-

Ulrich Kunz: „Wir wollen uns von Gottes Wort inspirieren lassen.“

ten.“ Er sei sehr dankbar, dass er Schweizer sei – fühle sich mit ausländischen Christen jedoch stärker verbunden als mit vielen Schweizern. „Was ist uns wichtiger“, fragte er, „unsere nationale Identität oder jene in Jesus Christus?“ Die „Tagung Interkulturelle Kontakte“ der Gemeinde für Christus richtet sich an Christen, die unter Ausländern missionarisch aktiv sind. Sie will ermutigen und Plattform zum Austausch sein. (ah) M b www.tik.gfc.ch; Broschüre zur Ausstellung: www.die-bibel.ch; www.meos.ch

Die intereSSenGeMeinSCHAFt FAMiLie 3PLUS LUD MÜtter UnD Väter ZU tiSCH

ein Festessen für Grossfamilien Am letzten Samstag bat die schweizerische Interessengemeinschaft Familie 3plus Mütter und Väter mit drei und mehr Kindern zu Tisch: Über hundert Personen folgten der Einladung zum traditionellen „Festessen im Januar(-loch)“ nach Brunnen. Grosszügige Gönnerinnen und Gönner hatten die Einladung ermöglicht. In einem Podiumsgespräch diskutierten Peter Föhn, Ständerat und vierfacher Vater, Pirmin Müller, Geschäftsleiter von Pro Life, und eine 18-jährige Mutter aus dem Zürcher Oberland darüber, wie weit Kinder – grösser, klein, ungeboren – alleiniger 5.2014

„Besitz“ ihrer Eltern sind. Gemeinsam beteten sie um Weisheit für die verantwortlichen Behörden. In der IG Familie 3plus haben sich rund 2000 Familien zusammengeschlossen; einige zählen bis zu sechzehn Kinder. (tf) b www.ig3plus.ch

Bilder: Adrian Hartmann; Kurt Stingelin

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N ac h r ic h t e N sc h w e i z

Zwischen Anspruch und Zuspruch VFMG MännertAG Der Erwartungsdruck überfordert viele Männer. Pastor Dick Leuvenink machte Mut, den Platz im Leben einzunehmen.

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ick Leuvenink (63), Pastor der FEG Basel, zeigte am VFMG-Männertag vom Samstag in Strengelbach AG mit vielen Beispielen aus dem Leben auf, wie der Erwartungsdruck von Familie, Beruf und Gemeinde unser Verhalten prägt. „Gott will uns die Angst davor nehmen, den Erwartungen unseres Umfelds nicht zu genügen.“ Wir müssten lernen, über unausgesprochene Erwartungen zu sprechen – nicht nur im Beruf, sondern auch in der Ehe. Perfektionisten hätten meist grosse Mühe mit sich selber. Ihr moralischer Anspruch beruhe auf Leistung, während die Erwartungen der Bibel an uns auf Gnade bauten.

Über seine Grenzen hinausgehen „Um Ziele zu erreichen im Leben ist es wichtig, Erwartungen als etwas Positives zu sehen, als etwas, das motiviert und anspornt“, meinte der gebürtige Holländer. Ein Pastor brauche Mut, über seine Grenzen hinauszugehen und Neues zu wagen. Der Referent ermutigte die 200 Männer, die Freiheit zu finden, Menschen zu enttäuschen. Wir müssten nicht fehlerfrei sein und dürften auch mal scheitern. Herausforderungen in Beruf und Familie seien eine Möglichkeit zu wachsen. Wir dürften lernen, mutig unseren Platz im Leben einzunehmen.

Bild: Christian Bachmann

„Ich höre auf und kündige“ Ein Karriereschritt sei bei ihm auf den nächsten gefolgt, erklärte Urs Möschli (55) in seinem Lebensbericht. Trotz tollem Job, allerdings oft mit 12- bis 15-StundenTagen, fühlte er sich innerlich leer. „Ich höre auf und kündige“, ““, habe er sich eines Tages gesagt. Bei der Caritas fand er einen Teilzeitjob als Leiter eines Ladens für armutsbetroffene Menschen. Sein Gehalt sank auf einen Drittel, doch nun hatte er wieder Zeit für seine Kinder und eine Arbeit, die ihm Freude machte. „Klärt die Erwartungen, die ihr an euch selber habt“, empfahl Möschli. „Fällt Entscheidungen, 5.2014

Dick Leuvenink: Zwischen Anspruch der Menschen und Zuspruch der Bibel leben.

zum Beispiel: Ich will in den Ferien nicht fürs Geschäft verfügbar sein müssen.“

Gott an die erste Stelle setzen In seinem zweiten Referat zeigte Dick Leuvenink auf, wie wir von Jesus lernen können mit Erwartungen umzugehen. Es brauche Mut, Gott an die erste Stelle zu setzen und seine eigenen Grenzen nicht zu überschreiten. Die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin in Johannes 8 zeige die Überwachungsmentalität der Pharisäer. Es sei ihnen nur um ihr frommes System gegangen. Gott aber setze keinen moralischen Erwartungsdruck auf, sondern wolle Menschen helfen, sich zu entfalten. Der Ehebrecherin habe er deshalb geraten, nicht mehr zu sündigen.

Konzert mit Markus Dolder Für die musikalische Umrahmung sorgte Markus Dolder mit Band. Das halbstündige Konzert war wohl für einige viel zu schnell vorbei. Der Song „Reisendi“ erinnerte daran, dass wir noch nicht am Ziel sind, aber unterwegs zum Vaterhaus. Paulus spreche von der Erwartung, dass wir den guten Kampf des Glaubens kämpfen, das ewige Leben ergreifen und im Glauben treu bleiben, so der Liedermacher. (cb) M www.vfmg.ch b

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nOtiert EVP beschliesst Stimmfreigabe zum Gripen-Kauf Am Samstag trafen sich die EVP-Delegierten in Olten zum Sonderparteitag. Grosses Thema war der Gripen. Nach Referaten von Jakob Büchler (pro) und Heiner Studer (kontra) zum Kauf neuer Kampfjets sagten die Delegierten mit 48 zu 46 Stimmen (bei 5 Enthaltungen) Ja zum Gripen-Fonds-Gesetz. Angesichts des knappen Ergebnisses plädierte Parteipräsident Heiner Studer auf Stimmfreigabe. Sein Antrag wurde mit 58 zu 28 Stimmen angenommen. (idea) Iris Muhl und Deborah Rosenkranz am „Frauenzmorge“ Im Zentrum Arche in Winterthur boten Autorin Iris Muhl und als Überraschungsgast die Sängerin Deborah Rosenkranz ein attraktives Programm. Iris Muhl sprach über ihren Glaubensweg als Familienfrau und Autorin und zitierte Edith Stein und Dietrich Bonhoeffer, die einen überzeugenden Glaubensstil gelebt hatten. Deborah Rosenkranz untermalte den Morgen mit mitreissenden Liedern, unter anderem mit dem Song „Powerful“. Das Frühstück schloss mit einer Lesung der Autorin aus dem Roman „Drei Sommer wie ein Winter“. Die engagierten Künstlerinnen planen weitere Treffen in Basel und Bern. (idea) Neue Online-Plattform für Ehe- und Familienthemen Unter www.forumehefamilie.ch ist eine Kompetenzplattform für Ehe und Familie im Aufbau. Das „Forum Ehe+Familie“ informiert dort über seine wichtigsten Ziele und über seine Arbeitsweise und macht die Ressourcen seiner Partner in den Bereichen Ehe und Familie zugänglich. So steht schon jetzt im Bereich „Fachreferenten“ ein ganzes Repertoire an kompetenten Fachleuten zur Verfügung. In einem Kalender werden Veranstaltungen aufgelistet. (idea) b www.forumehefamilie.ch


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S T E LLE N

Der Schweizerische Verlag für kirchliche Kunst ist ein Teilbereich des Jordi Medienhauses. Seit mehr als einem halben Jahrhundert verlegen wir Konfirmationsscheine und Urkunden für die reformierten Landeskirchen der Schweiz.

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Administration und Koordination Die Hauptaufgaben sind: • Telefonische Kundenbetreuung • Erstellen der Rechnungen und Speditionsanweisungen • Mahnwesen • Geschäftskorrespondenz • Materialdisposition und Lagerverwaltung • Redaktion des Verlagskatalogs • Adressbewirtschaftung • Erstellen der Verkaufsstatistiken • Mitgestaltung des Verlagsprogrammes • Leitung eines kleinen Teams Wir erwarten: • eine solide kaufmännische Grundausbildung • Praxiserfahrung mit Word, Excel, Outlook (Buspro) • Begabung im schriftlichen Ausdruck • Gute Französischkenntnisse für den Geschäftsalltag, 10% der Kunden sind aus der Romandie • Zugang zu visueller Kunst und in christlichen Werten verwurzelt • Flexibilität im Pensum je nach Auftragsvolumen • Unabhängigkeit mit persönlichem Fahrzeug Wir bieten: • Selbständige, vielseitige Position • 5 Wochen Ferien • Arbeitsort an der Rollmattstrasse 2 in Belp Da die Konfirmationen in der ersten Jahreshälfte stattfinden und der Schwerpunkt der Aktivitäten sich auf 5 Wochen vor Ostern bis nach Pfingsten erstreckt, ist während diesen Monaten das Pensum zwischen 70 und 100%. In der Vor- und Nachsaison reduziert sich das Volumen auf 50% und in der zweiten Jahreshälfte sind lediglich zwei halbe Tage pro Woche nötig. Senden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen per Post oder per Mail an: Jordi AG – das Medienhaus Ursula Seifried Jordi Aemmenmattstrasse 22 3123 Belp Telefon 031 818 01 20 Ursula.seifried@jordibelp.ch

Kommunikation vom Feinsten

Die Pfimi - Kirche Waldau ist eine lebendige Freikirche in St.Gallen und Teil der Schweizerischen Pfingstmission. Wir suchen auf den 1. Juni 2014 oder nach Vereinbarung:

Leiter Musik und Jugendmitarbeiter (m) 40-50% Du bist jung, hast eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus und Erfahrung im Bereich der modernen Kirchenmusik. Auch die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegt dir am Herzen. Wir sind eine Generationengemeinde und bieten flexible Arbeitsbedingungen, die auch mit Plänen zur weiteren Ausbildung vereinbar sind. Die Anstellungsbedingungen richten sich nach den Vorgaben der Schweizerischen Pfingstmission. Wenn dich diese Herausforderung interessiert, freuen wir uns auf deine Bewerbung. Pastor Markus Stucky steht dir gerne unter Tel. 076 412 16 34 oder markus.stucky@pfimi-sg.ch für Auskünfte zur Verfügung. Pfimi - Kirche Waldau; Zürcher Strasse 68b; 9013 St.Gallen www.pfimi-sg.ch.

Stelle im Personalbereich

Suchen Sie eine anspruchsvolle Aufgabe im internationalen Personalumfeld ? Dann sind Sie bei uns richtig. Als weltweit tätiges Missionswerk sind wir auf die Vermittlung von Schweizer Mitarbeitenden an in- und ausländische Missions- und Partnerorganisationen spezialisiert. Als professioneller Dienstleistungsbetrieb bietet unser Team in der Deutschund Westschweiz unseren Mitarbeitenden international den nötigen administrativen und geistlichen Rückhalt. Wir arbeiten dabei eng mit den Kirchen im In- und Ausland, den Evangelischen Gemeinden sowie Projektpartnern in der ganzen Welt zusammen. Weitere Details zu unserer Organisation und Projekten finden Sie auf www.smgworld.ch Für unsere Geschäftsstelle in Winterthur suchen wir per sofort eine/n

Bereichs-PersonalleiterIn (100%) Hauptaufgaben  Rekrutierung von Lang- und Kurzzeit-Mitarbeitenden für Einsätze im In- und Ausland  Vollumfängliche Betreuung dieser Mitarbeitenden, das bedeutet: - Fachspezialist für alle Fragen vor und während der Anstellung sowie beim Abschluss des Einsatzes resp. Rückkehr in die Schweiz - Ansprechperson in Sozialversicherungsfragen - Support und Beratung der Mitarbeitenden in der Zusammenarbeit mit den Partnern und in den Projekten  Unterstützung des Missionsleiters in verschiedenen Personalprojekten  Kontaktpflege mit Kirchen und Evangelischen Gemeinden, welche Mitarbeiter aussenden möchten oder ausgesandt haben  Kontaktpflege und Betreuung der Partnerorganisationen weltweit  Öffentlichkeitsarbeiten, z. B. Missions-Ausstellungen und SMG-Events Anforderungsprofil  Kaufmännische Grundausbildung mit Weiterbildung Personal-Fachfrau/-mann und/oder mehrjährige berufliche Erfahrung im Personalumfeld  Ideal wäre Erfahrung aus einem persönlichen Missionseinsatz  Gute Sprachkenntnisse in Deutsch, Englisch und Französisch oder Spanisch  Ihr Glaube an Jesus Christus ist Ihre Lebensgrundlage  Bereitschaft, langfristige Beziehungen zu den Mitarbeitenden im In- und Ausland aufzubauen Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung per Post oder E-Mail! SMG Schweizerische Missions-Gemeinschaft Industriestrasse 1, Postfach 8401 Winterthur www.smgworld.ch

Kontakt: Roman Jösler, Missionsleiter joesler@smgworld.ch Tel. 052 235 32 52

idea Spektrum 05.2013


N ac h r ic h t e N sc h w e i z

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N.T. Wright: „Es geht um die Erneuerung der Welt“ STudiENTAg Der erste von zwei Studientagen (der zweite fand am Montag statt) mit dem britischen Theologen N.T. Wright stand unter dem Thema „Der auferstandene Jesus“. Wright referierte dabei über seine Sicht des Auftrags der Kirche, der sich nicht allein auf den geistlichen Dienst beschränken dürfe.

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ngeregte Diskussionen in den Pausen, achtsames Hinhören und emsiges Mitschreiben am Samstag beim AfbeT (Arbeitsgemeinschaft für biblisch erneuerte Theologie)-Studientag mit N.T. Wright. Jung und Alt, Fachleute und Laien, Studenten und sogar Schüler einer Religionsklasse aus Deutschland – insgesamt etwa 400 Interessierte waren zum Seminarzentrum auf dem Chrischona-Berg gepilgert, um den Theologen zu hören, der momentan wie kaum ein anderer die evangelische Welt bewegt. Der britische Neutestamentler konnte sich mit seinen humorvollen und scharfsinnigen Referaten zum Thema „Auferstehung“ der ungeteilten Aufmerksamkeit im Saal sicher sein.

Im Seminarzentrum St. Chrischona wurde fleissig auf Notizblöcken und Laptops mitgeschrieben. N.T. Wright redete gut verständlich und kam bei einem breiten Publikum an.

Wright bezeichnete die Auferstehung Jesu als den grossen geschichtlichen Wendepunkt schlechthin und verteidigte den Auferstehungsglauben gegen die historisch-kritische Bibelauslegung, die das leere Grab gerne in das Reich der Mythen und Legenden verweist. Versuche, diesen Glauben allerdings irgendwie beweisen zu wollen, seien lediglich Ausdruck einer „Kapitulation vor dem Rationalismus“. Die Auferstehung der Gläubigen dürfe man nicht als ein „in den Himmel kommen“ verstehen. „Es geht nicht darum, die Schöpfung zu verlassen. Es geht um die Erneuerung der Welt“, lautet Wrights Devise. Das neue Jerusalem komme in der Of Offenbarung vom Himmel auf die Erde und nicht anders herum. Bei der Wiederkehr Christi werde die Welt nicht weggeworfen, sondern vielmehr ins Lot gebracht. Diese Sicht habe transformierende Auswirkungen auf die Mission der Kirche. Wright wendet sich mit seinen Thesen vor allem gegen ein Christentum, bei dem es nur darum geht, die Welt nach dem Tod hinter sich zu lassen. „Im Neuen Testament ist die Auferstehung der Beginn der neuen Schöpfung, woran Christen eingeladen 5.2014

sind, mitzuwirken“, lautet einer der Kernsätze des ehemaligen Bischofs von Durham. Das bedeutet, dass alles, was jetzt schon im Sinne Gottes getan wird, auch nach der Wiederkunft Jesu eine Bedeutung haben wird. Wright gebraucht hier das Bild einer Kathedrale. Ein Steinmetz arbeitet an seinem Stein, aber er kennt den Platz, den dieser Stein im Ganzen einnehmen wird, noch nicht. Erst wenn der Baumeister kommt und das Werk zusammensetzt, sieht er, welche Bedeutung seine Arbeit hatte. So habe auch jeder Christ eine bestimmte Berufung im Reich Gottes. Zum Mitwirken an der neuen Schöpfung gehöre dabei nicht allein die Verkündigung, sondern auch das Eintreten für Gerechtigkeit und Schönheit. Es sei kein Zufall, dass die Kirche über Jahrhunderte führend im Bereich der Künste gewesen sei.

Veranstalter und Besucher zeigten sich nach dem Studientag sichtlich zufrieden. „Das Bild, das N.T. Wright zeichnet, motiviert“, freute sich Gemeindepädagogik-Student Joel Bänziger im Anschluss. Chrischona-Pastor Benjamin Leuenberger aus Lenzburg bekundete: „Was für ein Tag! Theologie vom Feinsten“. Die Schüler aus Deutschland hatten einen trockenen Vortrag erwartet und waren überrascht, wie verständlich und nachvollziehbar N.T. Wright referierte. Dieser Meinung schloss sich auch Martin Förster an. Er hatte für die AfbeT den Studientag mitorganisiert. „Ich fand gut, einen soliden Theologen zu hören, der verständlich reden kann und bei einem breiteren Publikum ankommt“, sagte Förster. (chb) M b www.ntwright.ch

Verständlich und nachvollziehbar Wright kritisierte, dass man sich seit der Aufklärung nur noch auf den geistlichen Dienst beschränkt habe. „Die Kirche soll ein Zeichen dafür sein, was Gott mit der neuen Schöpfung vorhat“, erklärt Wright den Auftrag der Gemeinde.

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Bilder: idea/Chrstof Bauernfeind

Die Welt wird nicht weggeworfen


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br e n n p u n k t

„Ich war ein schlechter redner“ REDEKUNST eine gute predigt ist kurz und klar. und ein guter prediger brennt für seine botschaft. Das meint pfarrer tillmann Luther aus Visp, in budapest gerade zum besten rhetoriker europas erkoren. Doch das war er nicht immer. Andrea Vonlanthen hat sich mit ihm unterhalten. Tillmann Luther, wie stellen Sie sich eine Predigt von Martin Luther vor? Martin Luther hat ja gesagt: „Tu s’Maul auf, tritt kurz auf, hör bald auf!“ Und so sollte es sein. Martin Luther war sicher ein grosser Rhetoriker, schon aufgrund seiner Begeisterung. Er war begeistert vom Evangelium. So stelle ich mir eine Predigt von ihm vor: kurz, klar und begeistert. Was haben Sie mit Ihrem grossen Namensvetter gemeinsam? Die Begeisterung für das Evangelium. Doch sonst sage ich in aller Bescheidenheit: Martin Luther ist eine so grosse Ikone, ein so riesiger Glaubensgoliath, da habe ich ausser dem Nachnamen nichts gemeinsam mit ihm. Wie kommen Sie überhaupt zu Ihrem kirchengeschichtlich exklusiven Namen? Den verdanke ich meiner Frau. Ich selbst hatte einen andern Geburtsnamen, und zwar jenen eines Greifvogels, nämlich Geyer. Ich sagte mir immer: Egal, wen ich einmal heiraten werde, ob Müller, Meier oder Schmitt, ich würde meinen Namen gerne ablegen. Schon in der Schule merkte ich, dass man immer negativ auf diesen Namen reagiert hat. Dann lernte ich meine Frau mit dem Nachnamen Luther kennen. Doch ich hätte sie auch mit einem andern Namen geheiratet! Der Vater meiner Frau heisst tatsächlich Martin Luther. Es ist eine alteingesessene Familie aus dem thüringisch-fränkischen Raum. Wie gelangten Sie als Bayer ausgerechnet ins Wallis? Ich bin praktisch ausgeschlüpft als Lutheraner in Bayern.

Tillmann Luther Jahrgang 1960, geboren und aufgewachsen in Coburg/Bayern, durch die Grossmutter früh vom Glauben geprägt, wollte schon mit neun Jahren Pfarrer werden. Verheiratet mit Annette Luther, ein Sohn (23, Johannes), wohnhaft in Visp. Theologiestudium in Heidelberg und Erlangen mit Schwerpunkt in Reformierter Theologie. 1991-96 Pfarrer in Limbach/Saarland, 19962001 in Freckenfeld/Rheinland-Pfalz und seit 2001 in Visp/ Zermatt/Saas-Fee. Vorstand des Rhetorikclubs Bern. Wurde im November in Budapest Europameister in der Stegreif-Rede und Dritter in der vorbereiteten, humorvollen Rede. Hobbys: Rhetorik, Schach, Aegypten, Mineralien, Sprachen (lernt gerade Italienisch), Wandern.

Später war ich Pfarrer in der Pfalz. Eines Tages besuchte ich im Wallis einen Gottesdienst. Da kam ein älterer Kollege auf mich zu, der in Zermatt Dienst tat als Ferienpastor. Er sagte einfach: „Visp!“ Ich fragte: „Visp, was ist das? Eine Abkürzung wofür?“ Er antwortete: „Nein, keine Abkürzung, das ist eine Gemeinde im Wallis mit einer freien Pfarrstelle.“ Doch ich fühlte mich wohl in der Pfalz, wir hatten eine herrliche Arbeit. Doch mein Kollege liess nicht locker: „Überlegs dir doch mal!“ Darauf hat mich das Wallis immer wieder verfolgt, sei es durch die Rettungsflieger im Fernsehen, durch eine Toblerone mit dem Matterhorn drauf und immer wieder im Gebet. Dann habe ich mich gemeldet. Es gab fünf Bewerber. Ich sollte eine Probepredigt halten. Ich wurde gewählt, vorerst für zwei Jahre. Dann wurde ich wieder gewählt, nochmals gewählt, nun bin ich das 13. Jahr da.

„Nicht zu kompliziert und nicht zu lang: Darauf sollte geachtet werden.“ Und Sie sind schon ein halber Walliser? In Bescheidenheit: Das würde ich nicht sagen. Vielleicht mein Sohn, der in Zürich studiert, aber einem Walliser Studentenverein angehört. Doch ich schätze die Menschen hier im Wallis sehr, ihre grosse Offenheit. Sie sind ja hauptsächlich katholisch. Ich war jetzt am Wochenende wieder viermal in der katholischen Kirche zur Predigt. Ich fühle mich von den Wallisern sehr positiv aufgenommen. Ich predige inzwischen 12-, 14-mal jährlich in der katholischen Kirche. Ich muss bald aufpassen, dass die Reformierten nicht sagen: „Komm auch wieder mal zu uns nach Visp, Saas-Fee, Zermatt!“ Muss ein Luther einfach gut reden können? Eigentlich sollte jeder gut reden können! Ich mache Ihnen gleich ein Geständnis: Ich war früher ein schlechter Redner und ein schlechter Prediger. Ich war eher schüchtern und habe meine Predigten abgelesen. Vor zehn Jahren kam ein Mann auf mich zu, ein frommer Mann, und er sagte zu mir: „Man kann gar nicht behalten, was du gesagt hast. Du solltest deutlicher sprechen, solltest mehr Pausen machen, solltest am Schluss eine Zusammenfas5.2014


br e n n p u n k t

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mich ein mir unbekannter Mann an, ob ich nicht Lust hät hätte, mit ihm zusammen einen Rhetorikclub Bern zu gründen. Das haben wir im letzten März gemacht. Jetzt bin ich froh, dass ich alle 14 Tage abends dahin fahren kann und am gleichen Abend wieder nach Hause komme. Was trainieren Sie in Bern jeweils? Wir trainieren, möglichst frei zu sprechen, ohne Papier. Das ist auch mein Ziel auf der Kanzel, mit möglichst wenig Notizen zu predigen. Es gibt zwei rhetorische Disziplinen: die spontane Rede aus dem Stegreif heraus und die vorbereitete Rede.

Bidler:: Andra Vonlanthen

Wie erklären Sie Ihren Konfirmanden, was Rhetorik ist? Wir haben gerade die Josefgeschichte aus der Bibel behandelt, Josef in Ägypten. Wir lesen viel in der Bibel, doch ich erzähle ihnen auch einzelne Passagen. So merken die Jugendlichen durch das Tun, was Rhetorik ist. Vor Weihnachten haben alle in der Konfi-Stunde bei einer Andacht auf eine Karte geschrieben, was wir uns gegenseitig wünschen. Da schrieb mir ein Konfirmand: „Dass du weiterhin so verständliche, begeisterte Predigten hältst!“ So habe ich gemerkt: Es kommt an.

sung machen ...“ Das hat mich getroffen! Ich konnte mehrere Nächte nicht schlafen. Dann kam ich zum Schluss: „Der Mann hat recht! Ich bin wirklich kein guter Redner.“ Das war der Anfang. Nun wollte ich mich steigern, um die wichtigste Botschaft der Welt, den grossen Diamanten, in einer besseren Verpackung zu präsentieren.

Was war wohl ausschlaggebend, dass Sie nun Rhetorik-Europameister geworden sind? Ich musste zuerst an der Clubmeisterschaft gewinnen, dann an der Regionalmeisterschaft und schliesslich an der Schweizermeisterschaft. Für mich war es eine grosse Überraschung, dass ich es überhaupt bis nach Ungarn geschafft habe. In Budapest musste ich dann einen guten Tag haben, die Jury musste mir gewogen sein, das Publikum musste positiv reagieren. Bei der Stegreif-Rede waren wir acht Finalisten. Davon waren fünf Profis, die auch Topmanager ausbilden. Ich hätte nie gedacht, dass ich es ganz an die Spitze schaffe. Ich habe einen riesigen Luftsprung gemacht, als ich das erfahren habe! Doch letztlich durfte ich auch mit Gottes Hilfe rechnen, dass ich so ruhig sein konnte.

Vom steifen Prediger zum Spitzen-Rhetoriker: Wie war das möglich? Ich habe viele Predigthilfen angeschaut. Ich habe Bücher über Rhetorik studiert. Vor zwei, drei Jahren hatte ich das Gefühl, ich käme nicht mehr weiter. Im Internet suchte ich nach Rhetorikclubs. Ich fand den damals südlichsten Rhetorikclub der Schweiz – in Zürich. Ich habe mich gemeldet und spürte bald, wie gut es mir tat, in diesem geschützten Rahmen zu üben. Man sagte mir, ich hätte wirklich Talent. Sie schickten mich zur Clubmeisterschaft, zur Regionalmeisterschaft, zur Schweizermeisterschaft. Im zweiten Anlauf habe ich die Schweizermeisterschaft gewonnen, und so kam ich zur Europameisterschaft. In Zürich musste ich jeweils bei meinem Sohn übernachten. Plötzlich rief

Wie haben sich die Wettkämpfe in Budapest abgespielt? Bei der vorbereiteten humorvollen Rede hatte man sieben Minuten Zeit. Da habe ich eine Rede über Perfektionismus gehalten. Ich habe mich selbst auf den Arm genommen, denn ich neige zum Perfektionismus. Das ist schlecht für die Rhetorik, denn ein Perfektionist kommt zu keinem Ende. Humor auf eigene Kosten ist das Beste. Damit erreichte ich hier den dritten Platz. Bei der Stegreif-Rede hingegen kommt man auf die Bühne und erhält direkt ein Thema. Dann atmet man tief durch – und legt zwei Minuten los. Doch schon eine Minute kam mir wie eine Ewigkeit vor! Mein Thema war: „Lässt Sie die Erderwärmung kalt?“ Da fiel mir folgendes Wortspiel ein: Erderwärmung, Gehirnerwärmung, Herzenserwärmung. Die

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br e n n p u n k t

Herzenserwärmung war mir das Wichtigste. Wir sollten auf die Menschen eingehen, ihre Nöte ernst nehmen und zusammenstehen, damit wir die Probleme unserer Zeit lösen können. Aufgrund der Reaktion des Publikums dachte ich: Das könnte geklappt haben! Welches sind die Merkmale einer guten Rede? Wichtig ist ein guter Einstieg, damit man die Aufmerksamkeit der Zuhörer gewinnt, so wie der Apostel Paulus die Athener angesprochen hat auf dem Areopag. Er wolle von dem unbekannten Gott sprechen, kündigte er an. Da gingen natürlich die Ohren auf. Die gebildeten Athener holte er dort ab, wo sie waren. Eine Lydia und andere fromme Frauen hat er wieder anders abgeholt. Am besten sind dann nur zwei, drei Punkte. Mehr kann der Zuhörer nicht aufnehmen. Ich hörte vor einiger Zeit bei einem Anlass einen Redner, der es gut gemeint hat, doch er hatte 20 Punkte. Das war viel zu viel. Sehr wichtig auch, wie man den Schluss gestaltet: Mache ich eine Generalzusammenfassung? Mache ich einen evangelistischen Aufruf? Sage ich, was die Leute nun tun sollen? Doch das ganz Entscheidende ist der Inhalt. Die Rhetorik darf nie über dem Inhalt stehen. Welches war wohl die grösste historische Rede? Martin Luther King bewundere ich als Redner sehr. Seine Traum-Rede war grossartig. Aus der Bibel beeindruckt mich die Bergpredigt sehr. „Selig sind ..., glücklich sind ...“ Wie einprägsam sind diese Worte! Da spricht der Herr den Menschen mitten ins Herz hinein. Und zu erwähnen ist eben auch die Rede von Paulus in Athen. Wer ist für Sie ein begnadeter Rhetoriker auf der Kanzel? Vor zwei Monaten habe ich in Siders einen französischsprachigen Prediger gehört, der zur Einführung des

neuen Pfarrers gesprochen hat. Er hat darüber geredet, warum das Kreuz von Jesus Christus wichtig ist für den neuen Pfarrer und die Gemeinde. Der Mann hat mit einer Begeisterung von Jesus Christus gesprochen – das war so grossartig! Ich sehe sein leuchtendes Gesicht noch jetzt vor mir. Seine Botschaft berührte die Herzen. Dann habe ich bei „ProChrist“ Ulrich Parzany erlebt, und auch er ist ein grossartiger Redner. Er hat die Bibel in der Hand und sonst nichts.

„Das Entscheidende ist der Inhalt. Die Rhetorik darf nie über dem Inhalt stehen.“ Wie kommt man zu dieser Begeisterung auf der Kanzel? Ich muss brennen für die Botschaft, mich ordentlich vorbereiten, Gott um seine Hilfe bei der Vorbereitung bitten und Gottes Geist wirken lassen. Wo sehen Sie die grössten rhetorischen Schwächen auf den Kanzeln? Es kommt vor, dass nicht zu den Menschen gesprochen wird. Die Predigt bleibt in der Werkstatt stecken. Sie bleibt ein Werkstück. Man steckt noch zu sehr in der Exegese. So erreicht man die Leute nicht. Und dann darf nicht zu lange gesprochen werden. Für mich ist es immer ein grosses Kompliment, wenn jemand sagt: „Ich habe eine Kritik heute an Ihnen – die Predigt war zu kurz!“ Nicht zu kompliziert und nicht zu lang: Darauf sollte geachtet werden. Wie lange dauern Ihre Predigten? So um die 20 Minuten, es kann auch einmal kürzer sein, auch einmal länger. Bei „ProChrist“ wars bei mir eine halbe Stunde.

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Wie lange dauert Ihre Vorbereitung auf eine Predigt? Sehr lange. Ich bin jetzt schon bei den Predigten im April, auch bei der Karfreitagspredigt. Ich schaue in den Alltag, befrage Kommentare, spreche mit Mitarbeitern, bete darüber. Sie sehen, ich bin nicht der Typ, der erst am Samstagabend anfängt. Das heisst, ich werde nie eine Predigt aus dem Stegreif halten. Sonst sagt mir Gottes Geist plötzlich: „Sag der Gemeinde, du bist nicht vorbereitet!“ Was gehört neben der Rhetorik zu einem starken Prediger? Zuhörer sein. Wer auf die Kanzel geht, muss zuerst Seelsorger sein. Bescheidenheit gehört dazu. Wenig reden. Doch wenn man das Mikrophon trägt, dann bitte loslegen! Aber sonst zurückhaltend sein, still sein, wie der Apostel Paulus sagt: in Schwachheit, mit Furcht und Zittern auftreten, nicht mit grossen Worten. Das mag ein Widerspruch sein zu seiner Athener Rede, doch es ist die Voraussetzung. Braucht eine rhetorisch starke Predigt visuelle Hilfsmittel? Sie sollen sparsam eingesetzt werden. Ich bin kein Powerpoint-Pfarrer. Ich zeige vielleicht mal ein Bild. Ich nehme manchmal auch Gegenstände mit, einen Anker vielleicht, eine Kuhglocke oder ein T-Shirt mit der Aufschrift „Team Jesus“. Damit frage ich: „Wie kommt man ins Team Jesus?“ Wir haben als Prediger den grossen Vorteil, dass wir mit dem Wort wirken. Die Leute schätzen das. Sie werden am Computer und am Fernsehen laufend mit Bildern konfrontiert. Bei der Predigt sollen sie etwas anderes erleben. Halten Sie Ihre Predigten auswendig? Ich habe zu jeder Predigt ein ausformuliertes Manuskript, damit ich es den Zuhörern auch abgeben kann. Ich merke mir dann den Einstieg und den Schluss auswendig. Zwischendrin habe ich die Hauptpunkte und die Beispiele, und die merke ich mir nur als Stichworte. Auf der Kanzel, wenn ich die Predigt auswendig spreche, erlebe ich es dann wie eine neue Geburt. Ich will die Zuschauer anschauen und merken, ob sie mir zunicken oder ob ich etwas noch genauer erklären muss. Was tun Sie, wenn Sie vor einer Predigt extrem nervös sind? Es ist ganz wichtig, dass ich vor der Predigt Gott immer um Beistand bitte. Eine Stunde vor dem Gottesdienst beschäftige ich mich nicht mehr mit dem Manuskript. Man soll sich nicht bis zur letzten Sekunde mit einer Predigt befassen, sondern beten und um Gottes Geist bitten. Ich merke auch, dass ich vor weltlichen Reden weniger ner5.2014

vös bin, als wenn ich Gottes Wort zu verkündigen habe. Da frage ich mich dann: Werde ich diesem Bibelwort gerecht? Kann ich es gut herüberbringen? Vor dem Gottesdienst lassen mich die Mitarbeiter auch in Ruhe, weil sie wissen, dass ich jetzt die Stille brauche. Zu welchen biblischen Ereignissen oder Worten predigen Sie besonders gerne? Es gibt Bibelstellen, die mich sofort anspringen. Oftmals sind es die, die am schwierigsten auszulegen sind. Das geht mir im Johannes-Evangelium oft so oder auch im Epheser-Brief. Leidenschaftlich gerne predige ich über Psalmen. Sie sind so tief, sprechen so aus dem effektiven Erleben heraus, sind oft ein Ringen im Gebet. Das gibt mir selbst sehr viel. Seit ich in der Schweiz bin, habe ich über fast alle Psalmen gepredigt.

„Ich will die wichtigste Botschaft der Welt in einer besseren Verpackung präsentieren.“ Worüber würden Sie in Visp an einer Feier zum 1. August sprechen? Oh, das ist mir zu hoch! Vielleicht später nach meiner Einbürgerung. Spontan würde ich über Be-geisterung reden. Da steckt ja Gottes Geist drin. Es geht den Leuten hier so gut, sie haben so viel Wohlstand. Warum sind wir so wenig begeistert? Wir sollten neu begeistert sein für diesen Staat und für diese Gesellschaft. Und auch für das Evangelium! Wann sollte auch ein grosser Rhetoriker besser schweigen? Er sollte möglichst oft schweigen. Wenn ihm Menschen nach der Predigt etwas zu sagen haben, sollte er einfach zuhören, auch wenn sie ihn kritisieren. Warum hat Gott gerade Ihnen die Gabe der grossen Redekunst geschenkt? Vielleicht damit die Menschen um mich herum merken, dass in jedem von uns ein guter Redner steckt. Bei mir war vorher ja genau das Gegenteil der Fall. Ich war ein schlechter Redner, ein Stotterer, ein Ableser. Ich bin von Gott beschenkt. Darüber will ich demütig und bescheiden bleiben. Ich bin nicht stolz auf mich. Herzlichen Dank für das Gespräch.


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idea Spektrum 05.2013


P ro u N d koN t r a

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solidarität – aber wer? und mit wem? abtreibungsfinanzierung Die Volksinitiative „Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache“ will die Kosten für Abtreibungen aus der obligatorischen Grundversicherung streichen. Werner Messmer ist alt Nationalrat der FDP und Zentralpräsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes. Er wohnt in Kradolf TG.

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Bilder: zvg

Es geht bei dieser Initiative um die Tatsache, dass wir heute alle verpflichtet sind, über unsere obligatorischen Krankenkassenprämien Abtreibungen mitzufinanzieren. Also auch diejenigen, die eine Abtreibung aus ethischen, moralischen, weltanschaulichen oder religiösen Gründen niemals unterstützen können. Hier und nur hier will die Initiative eine Änderung herbeiführen. Schwangerschaftsabbrüche sollen in Zukunft aus dem Leistungskatalog der obligatorischen Grundversicherung gestrichen werden. Es geht also darum, dass Abtreibungen im Sinne der Eigenverantwortung durch diejenigen bezahlt werden, die für die unerwünschte Schwangerschaft auch verant verantwortlich sind. Wer mich persönlich kennt, bekommt wohl nicht den Eindruck, ich sei ein religiöser Fanatiker. Trotzdem orientiere ich mich ethisch und moralisch an den Grundlagen unserer christlichen Kultur. Und somit kann ich eine Abtreibung mit wenigen Ausnahmen mit meinem Gewissen nicht in Einklang bringen. Dass ich trotzdem über die Krankenkassenprämie Abtreibungen mitfinanzieren muss, grenzt an Missachtung unserer Gewissensund Religionsfreiheit. Darum stärkt diese Initiative die Gewissensfreiheit unserer Bürger. Niemand soll gegen seinen Willen gezwungen sein, Abtreibungen mitzufinanzieren. Gerade das zeichnet eine liberal geprägte Gesellschaft aus, indem sie nicht nur die Glaubens- und Gewissensfreiheit garantiert, sondern so weit wie möglich Minderheiten nicht zu einem Verhalten zwingt, das gegen die allgemeingültige christliche Lehre verstösst. Dies kann umso mehr dann verlangt werden, wenn diese Rücksichtnahme nicht die Freiheit Andersdenkender, nicht die Freiheit der Mehrheit, einengt. Und das ist bei dieser Initiative explizit der Fall. P

Yvonne Feri ist Nationalrätin und Präsidentin der SP Frauen. Sie ist Kauffrau und wohnt in Wettingen AG.

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2002 haben 72 Prozent der Fristenregelung zugestimmt und damit auch ein klares Bekenntnis zur Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenversicherung abgegeben. Erst diese garantiert allen Frauen den Zugang zu einem professionellen Schwangerschaftsabbruch. Das entspricht dem Solidaritätsprinzip unserer medizinischen Grundversorgung und hat sich bewährt: Die Schwangerschaftsabbruchrate in der Schweiz ist eine der niedrigsten in Europa – gerade unter jungen Frauen. Die Initiative widerspricht nicht nur dem Solidaritätsprinzip, sondern auch dem Selbstbestimmungsrecht der Frauen. Jede Frau hat das Recht, frei über ihren Körper und ihr Leben zu bestimmen. Dazu gehört auch, über einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden zu können. Die Initiative würde in erster Linie Frauen treffen, die sich einen Abbruch finanziell nicht leisten können – was wiederum die Gefahr birgt, dass sie auf medizinisch zweifelhafte Angebote ausweichen und gesundheitliche Risiken eingehen. Die Vorlage ist ausserdem diskriminierend, weil die Frauen alleine für die Kosten aufkommen müssen, während die Männer aus der Mitverantwortung entlassen werden. Finanzielle Argumente ins Feld zu führen ist heuchlerisch: Die Kosten für sämtliche von den Krankenkassen bezahlten Schwangerschaftsabbrüche entsprechen gerade einmal 0,03 Prozent der Kosten der obligatorischen Krankenversicherung. Und die Initianten unterschlagen, dass Geburten und Komplikationen als Folge von nicht fachgerechten Schwangerschaftsabbrüchen Mehrkosten verursachen, die höher sind als die Einsparungen. Die Herausnahme des Schwangerschaftsabbruchs aus der obligatorischen Grundversicherung trifft nur Frauen und unter ihnen speziell die finanziell schwachen. Das ist diskriminierend, nicht mit dem Prinzip der Gerechtigkeit und Solidarität zu vereinbaren. P

Darum geht es Entlastung der Krankenversicherung durch Streichung der Kosten des Schwangerschaftsabbruchs aus der obligatorischen Grundversicherung. Die Allgemeinheit soll Abtreibungen nicht mitfinanzieren müssen. Argumente dafür: Sicherstellung, dass Krankenkassen nur Heilungen bezahlen und nicht auch Tötungen. Aufhebung der finanziellen Anreize einer Abtreibung als gesellschaftlich finanzierte „Verhütungsvariante „ “. Abtreibungskosten sollen von den Verursachern bezahlt werden. Argumente dagegen: Nur geringfügige Prämiensenkungen. Ohne Unterstützung der Krankenkasse könnten sich einige Schwangere die Abtreibung nicht leisten. Folgekosten ungewollter Schwangerschaft könnten höher sein als die eingesparten Kosten. Die heutige Regelung gewährleistet fachlich hochwertige Behandlung von Abtreibungen. (Quelle: www.vimentis.ch; tf) 5.2014


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S y N e rg i e | Le Se r br i e f e

SYNERGIE vERuNSIchERtE kINdER Eine Beobachtung am Deutschen Kirchentag weckte in mir eine drängende Frage: Sind wir in Sachen Glaube Vorbilder für unsere Kinder? Gott möge uns Weisheit und Kraft schenken. s war am Evangelischen Kirallgemeinen Bekenntnis zu Gott. chentag in Hamburg 2013. Aber wie mit diesem Gott gelebt Tausende junge Menschen wawird, das wusste sie noch nicht. ren bei den Konzerten, VorträDie vierte in der Gruppe war gen und Diskussionen dabei. die Tochter eines evangelischen Im Fernsehen durfte ich ein GePfarrers. spräch mit vier Jugendlichen im Sie glaubt nicht an Gott, aber Alter von 20 bis 24 Jahren mitan Kontemplation, einer weit Hans-U. Rohrbach verfolgen. Gefragt nach dem verbreiteten Lebenshaltung persönlichen Glauben, gaben sie überra- bei vielen Seelsorgern und Pfarrern. Der schende und zugleich beklemmende Ant- Einfluss ihres Vaters, einem Kontemplatiworten. onsanhänger, war spürbar. Das Mädchen Ein junger Student stellte sich als Atheist meinte, durch die Verneinung von Gott oder vielmehr Agnostiker mit einem klaren ihren Lebensweg gefunden zu haben. Weltbild vor, aber auch mit Respekt für an- Kontemplation ist eine Handlungsweise, dere Lebenseinstellungen. eine Haltung, und ist von Ruhe und sanfter Der zweite junge Mann war Muslim, mit Aufmerksamkeit bestimmt. Sie kann den einer ruhigen und überzeugenden Dar- unbedingten Glauben an Christus unterstellung seines Glaubens. Für ihn ist der stützen, aber sicher nicht ersetzen! Koran von Liebe und Respekt, auch für Seltsam und traurig, dass gerade die zwei Jesus, geprägt. Die dritte Teilnehmerin, Menschen aus christlichem Hause Zweifel, katholisch, war eine Suchende mit einem Ablehnung und Unsicherheit im Glauben

Sich an den Fakten orientieren zum „Podium“, ““, (Nr. 3, S. 15) Philipp Hadorn bezeichnet die Initiative als „absurdes Potpourri“. Was ist denn Absurdes dabei, wenn der Staat zur Pflicht gerufen wird, seinem eigenen Hause in gebührender Verantwortung vorzustehen? Die aktuelle Situation und die sich daraus entwickelnden Zustände zeigen doch klar und unmissverständlich, dass es so nicht weitergehen kann. Die IV hat bereits Gesamtschulden von rund 14 Milliarden Franken, wobei der Ausländeranteil der IVBezüger bei 46 % liegt. Der Ausländeranteil bei der Arbeitslosenkasse beträgt 47 %. Es macht doch keinen Sinn, die Einwanderung weiterhin ungebremst ziehen zu lassen, wenn die Hälfte davon arbeitslos ist, bzw. wird oder bleibt. Die Initiative hat mit Angstmacherei und Abschottung nichts zu tun. Es geht um wesentlich mehr, als um wirtschaftliches Wachstum auf Kosten und zu Lasten des Staates. Aus meiner Sicht betreiben die Gegner der Initiative viel mehr

Angstmacherei, man bekommt den Eindruck, die Existenz der Schweiz stehe auf dem Spiel. Der Initiative geht es um den Fortbestand einer lebenswerten, attrak attraktiven Schweiz. Es ist verständlich, dass die Gewerkschaften und die Wirtschaft Interesse daran haben, möglichst viele Menschen in die Schweiz zu holen. Jeder Mensch, der hier wohnt, ist auch Konsument, braucht Wohnung und Kleidung; unbesehen, ob als Arbeiter oder als Sozialempfänger, davon profitiert die Wirtschaft. Herr Hadorn zitiert die Bibel, dabei frage ich mich, angesichts der Belastung der Sozialwerke: Wer beutet hier wen aus? Die Bibel gibt uns durchaus Anweisung, wie wir abstimmen sollen. Jesus Christus wird kaum damit einverstanden sein, Menschenhandel, Kriminalität, sozialen Missbrauch und Ungerechtigkeit durch falsch verstandene Nächsten- bzw. Menschenliebe nicht nur zu tolerieren, sondern auch noch zu fördern. Die vielzitierte humanitäre Tradition der Schweiz soll gepflegt und weitergeführt werden, aber da-

zeigten. Ist es heute so schwer, Christ zu sein? Kann es sein, dass wir mit unserer eigenen Unsicherheit diese jungen Menschen im Stich lassen und keine Vorbilder mehr sind, und sie allein nach dem wahren Lebensinhalt suchen lassen? Christ sein heisst, das Neue Testament als Basis unseres Glaubens an Liebe, Vergebung, Vertrauen und Sicherheit zu begreifen und zu leben. Wenn wir zweifeln, verlieren wir die Kraft und das Vertrauen in Jesus und sein Leben und Sterben für uns. Sind wir Christ genug in unserem Handeln? Möge uns der ewige Gott die Kraft geben und uns leiten in unseren Bemühungen, christliches Vorbild für unsere Kinder zu sein. M

Der Autor ist Unternehmensberater und Inhaber der Rohrbach Creative Consulting (rocreco.com), rohrbachconsult@hispeed.ch

zu braucht es geordnete Bahnen, die auch langfristig noch machbar sind. Ich wünsche mir sehr, dass sich die Argumente mehr an den Fakten orientieren und nicht bloss am Geldbeutel und am Kampf unter den Par Parteien. René Wenger, Buchs AG

EU-Fachkräfte auch nach einem Ja zum „Pro und Kontra Masseneinwanderungs-Initiative“, (Nr. 4, S. 13) Es wird behauptet, die Personenfreizügigkeit sei nötig, um Fachper Fachpersonal zu erhalten. Das ist nicht richtig. Als ich zur Zeit der Kontingentierung mangels Bewerbung einer geeigneten inländischen Fachkraft eine ausländische Bewerberin engagieren wollte, erhielt ich ohne grosse administrative Umtriebe die entsprechende Bewilligung. Das wird so bleiben, auch wenn die Einwanderungs-Initiative der SVP angenommen wird. Eine unbeschränkte Personen-Freizügigkeit bringt der Wirtschaft natürlich ein grosses, Salär reduzie-

Bild: zvg

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Le Se r br i e f e / P ODi U M

rendes Angebot an Stellensuchenden und volle Handlungsfreiheit. Wenn die Wirtschaft aber auch das Gesamtinteresse von Volk und Land im Auge hat, muss sie die niedrig zu haltenden Umtriebe, welche Kontingentierungs-Massnahmen mit sich bringen, in Kauf nehmen. Die Erhaltung schweizerischer Eigenständigkeit – unver unversehrte Landschaft, Wohlfahrt statt nur Wohlstand – ist doch etwas Mühe wert! „Sollen Apfelbäume gefällt werden, damit man überbauen kann?“ fragte sich alt Bundesrat Blocher an einer Veranstaltung im Blick auf ein Plakat. Weil wir grössere Kunden als Lieferanten der EU sind und die EU wohl mehr als wir an den Bilateralen Verträgen interessiert ist, wird sie zu Verhandlungen bereit sein, um das Problem der Personenfreizügigkeit zu lösen, das ja auch in der EU aktuell ist. Ist totale Freiheit und Masslosigkeit, angefangen beim Alkoholkonsum und der Fahrgeschwindigkeit bis zur Einwanderung, wirklich eine seriöse politische Position? Sicher nicht. Dem können wir mit einem Ja zur Einwanderungs-Initiative entgegenwirken. Emil Rahm, Hallau SH

Das Gewissen verstummt zu: „Die Debatte um die Abtreibung ist zurückgekehrt“, (Nr. 4, S. 11) Mich befremdet, dass in unserer Gesellschaft die Tötung des eigenen Nachwuchses gebilligt wird und wir uns durch das Leit-Argument der Selbstbestimmung unserer Verantwortung entziehen. Ist es nicht bedenklich, dass wir Abtreibungen seit Langem mehrheitlich akzeptie-

ren, als würden solche zur Tagesordnung gehören? Hat dieser Umstand nicht dazu geführt, dass das kollektive Gewissen inzwischen weitgehend verstummt ist, weil eine überwältigende Mehrheit sich ihrer Verantwortung entzogen hat? Wird der zur Farce verkommene Toleranzund Solidaritätsbegriff nicht einmal mehr missbraucht, indem sogenannt Konservative gebrandmarkt werden, weil sie sich für das Leben – in diesem Fall für das Schutzbedürftigste – einsetzen? Oder ist es nicht seltsam, dass im Falle eines zu erwartenden behinderten Kindes der Frage der Zumutbarkeit oberste Priorität eingeräumt wird und als Folge davon Behinderte zunehmend ausgegrenzt werden? Was ist moderner: Eine obligatorische Grundversicherung, die Abtreibungen finanziert oder die Leben schützt? Ich setze mich ein für eine solidarische moderne Gesellschaft, die anerkennt und respektiert, dass das ungeborene Kind untrennbar zu ihr gehört und geschützt werden muss. Und ich setze mich dafür ein, dass Menschen durch Mitfinanzierung von Abtreibungen infolge einer falsch verstandenen Solidarität nicht Verantwortung für etwas übernehmen müssen, hinter dem sie nicht stehen können. Rolf Nussbauer, Herisau AR

Leserbriefe entsprechen nicht unbedingt der Meinung der Redaktion. Wir beachten alle Zuschriften, können aber nicht jede veröffent veröffentlichen. Kürzungen unter Wahrung des Sinns behalten wir uns vor. Die Redaktion

»Denn ob es uns passt oder nicht: Sportler sind Helden. Sie sind die

Bild: zvg

profanen Götter der Neuzeit. Denn wie, bitte schön, und wo, bitte sehr, erwüchsen uns andere Helden, andere Vorbilder? In der Wissenschaft? Zu lebensfern, das Ganze. In der Politik? Zu machtorientiert, haben wir gelernt. In der Wirtschaft? Zu habgierig, sagt man uns, sind die Spezis. In der Religion? Auch sie wäre als Medium des Glaubens theoretisch heldenfähig. Genau genommen ist die Religion dafür sogar prädestiniert. Doch die Praxis zeigt das Gegenteil, es herrscht die Dunkelheit von Beichtstühlen. Lediglich im Sport ist der Heldenkosmos noch intakt.» Daniele Muscionico, Sportredaktor bei der NZZ in einer Kolumne mit dem Titel „Sportler sind Helden. Punkt.“ Der vergangene Sonntag mit den vielen grossartigen Siegen von Schweizer Sportlerinnen und Sportlern dürfte ihn in seiner Meinung bestätigt haben. Die Medien übertrumpften sich mit Superlativen: „Die Welt verneigt sich vor Wawrinka“, „Die Schweiz jubelt“, „Defagos Auferstehung am Hahnenkamm“.

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POdIuM Mit der Masseneinwanderungsinitiative entscheiden wir uns für die eine oder eben andere Einwanderungspolitik. Entweder wir bleiben beim liberalen Konzept, nach dem Zuwanderer mit Arbeitsvertrag in die Schweiz kommen können ohne Barrieren, oder wir selektionieren. Die Stossrichtung der Initiative geht von der Frage aus: „Was dient uns und was nicht?“ Man will auswählen können, nach dem Motto: „Der passt uns, die nicht – der andere schon, der ist eine Fachkraft, recht intelligent und kann sich schätzungsweise dauernd wirtschaftlich selbst erhalten.“ Oder: „... der ist erwünscht, weil er viel Steuern abliefern wird und in die AHV einzahlt.“ Und der andere? „Der ist weniger ausgebildet, also ein Risiko, irgendwann staatliche Hilfe zu brauchen – aber wir brauchen seine Hände, denn niemand in der Schweiz will diese Arbeit verrichten. Er ist deshalb auch erwünscht – aber die Familie, die soll nicht kommen, die könnte uns kosten.“ Und sollte die Arbeitskraft eines Einwanderers nicht mehr von Interesse sein, dann hat er keinen Anspruch auf dauerhaften Verbleib. Hier wird der Mensch zum Kostenfaktor, der Mensch als Nutzfaktor! Da hat sich in mir von Anfang an etwas gesträubt. Genau das ist „Rosinen picken“, wie man es der Schweiz immer wieder mal vorgeworfen hat. Wohin wollen wir mit diesem knallharten Menschenselek Menschenselektionsansatz? Zu einer noch reicheren Schweiz – noch mehr zusammenraf zusammenraffen, noch mehr Gier und Egoismus? Mehr nehmen, mehr Vorteile, weniger Verpflichtungen gegenüber andern Menschen. Ist das christlich? Maja Ingold ist Nationalrätin der EVP und wohnt in Winterthur.

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P U BL I R E P OR TAG E

Mit Ferien Gemeinde bauen VISION Tiefere Beziehungen und stärkere Verbundenheit: Durch ungezwungene Atmosphäre und geistlicher Gemeinschaft schaffen gemeinsame Ferien eine wertvolle Basis für die Gemeindearbeit.

Immer mehr (Kirch-)Gemeinden entdecken den Wert von gemeinsamen Ferien. Was wir längst aus der Jugendarbeit wissen, gilt auch für Familien und Erwachsene: Im ungezwungenen Ferienalltag verbunden mit geistlicher Gemeinschaft werden Beziehungen vertieft und die Verbundenheit gestärkt. Mit dieser Vision unterstützt der Reiseveranstalter Surprise Reisen seit Jahren interessierte Leiter und Pastoren und ihre Gemeinden. Ihre Zeit und Aufmerksamkeit soll in Menschen investiert werden und nicht für administrative Arbeiten verpuffen. Martin Hof, Jugendpastor der Kirche im Prisma in Rapperswil-Jona, über seine Erfahrungen mit Gemeindeferien: «Im Prisma wissen wir längst: Was wir in 10 Camptagen mit unseren Jugendlichen erleben, ist im laufenden Gemeindebetrieb so gar nicht machbar. Die Intensität an Gemeinschaft, die entstehende Sehnsucht nach geistlichem Wachstum, die Dynamik von Ehrlichkeit und Echtheit unterstützt von guter Infrastruktur auf attraktiven Plätzen, an denen man einfach gerne Urlaub macht! Von solchen Camps profitieren wir in unserer Gemeinde monatelang. Um nicht zu sagen Jahre! Surprise Reisen unterstützt uns dabei in der Planung und Umsetzung. Sie

kümmern sich um alle organisatorischen und administrativen Belange. Ich als Pastor habe dadurch viel Zeit für meine Kernaufgabe: Zeit mit den Jugendlichen verbringen und mit ihnen Leben teilen.» Gut zu wissen: Jede Organisation, die Ferien anbietet, ist automatisch dem Schweizer «Pauschalreisegesetz» unterstellt. Dieses schliesst eine Kausalhaftung des Veranstalters ein. Mit Surprise Reisen als Partner, ist diese Haftung über eine Reisebüroversicherung gedeckt. Als neue Dienstleistung lädt Surprise Reisen Entscheidungsträger aus Gemeinden zu einer Schnupperreise nach Kroatien ein (siehe Kasten).

Schnupperreise Kroatien 11. 05. – 16. 05. 2014 (Abfahrt abends) Programm Besichtigungen von Hotels in Poreč, Rabac und Rab, Stadtführungen, Besuch des Nationalparks «Plitvicer Seen». Preis (Unkostenbeitrag) Nur Fr. 145.– pro Person im Doppelzimmer Inbegriffen: Busreise, 3 Übernachtungen im Hotel inkl. Halbpension und Mittagslunch, Stadtführungen in Poreč, Labin und Rab, Eintritt und Führung im Nationalpark «Plitvicer Seen». Infos auf www.surprise-reisen.ch oder Telefon 071 414 50 88

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N AC H R IC H T E N SC H W E I Z

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Damit Opiatabhängige wieder frei leben können DROGENENTZUG Mit der ANR-Methode erfolgt der Opiatentzug während einer vierstündigen Narkose. Eine monatelange Therapie wird überflüssig. Dr. Daniel Beutler informierte über das Pilotprojekt.

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n einem Anlass der EDU Winterthur und Umgebung stellte der Hausarzt Daniel Beutler aus Mühlethurnen BE den Drogenentzug unter Narkose vor. ANR („Accelerated Neuroregulation“, auf Deutsch: beschleunigte Regulation des Nervensystems) ist ein rein medikamentöses Verfahren zur Behandlung der Opiatabhängigkeit. Es blockiert und reguliert die Opiatrezeptoren im Gehirn, die das Verlangen nach Sucht- und Schmerzmitteln wie Heroin, Methadon oder Morphium auslösen. Während einer rund vierstündigen Narkose wird der Opiatentzug durchgeführt. Danach muss während 18 Monaten ein Medikament eingenommen werden.

Erfolgsquote dreimal so hoch „Drogenkonsum ist ein Spiel mit dem Feuer“, warnte der Arzt für Allgemeine Innere

Medizin. „Niemand nimmt Drogen, weil er abhängig werden will.“ Im Februar 2012 besuchte Beutler die ANR-Klinik in Ashkelon, Israel, und lernte dort Dr. André Waismann kennen, der die Methode entwickelt hat. Zwei seit vielen Jahren opiatabhängige Patienten aus der Schweiz wurden im Mai in Israel erfolgreich behandelt (idea Spektrum berichtete). Im November 2012 startete im Spital Interlaken ein Pilotprojekt mit 22 Patienten. Inzwischen haben zwei Patienten die Behandlung erfolgreich abgeschlossen, sieben haben sie vorzeitig abgebrochen. Die Erfolgsquote ist mit über 60 Prozent dreimal so hoch wie bei einer konventionellen Methode. „Die erfolgreich behandelten Patienten sind ohne das Reissen nach der Substanz wieder fähig, ihr Leben sinnvoll zu gestalten“, freut sich Beutler. Noch seien einige Fragen offen. Die Behandlung sei teuer

Daniel Beutler erklärt, wie die Opiatrezeptoren im Gehirn funktionieren.

und werde von den Krankenkassen noch nicht anerkannt. Auch sei es zu früh für statistische Aussagen über die Wirksamkeit, weil es noch keine Studien gebe. Das Interesse der Medien an der ANR-Methode hingegen ist gross, die anfängliche Skepsis mehrheitlich verflogen. (cb) M b www.anr-switzerland.ch

Genderismus als grosse Herausforderung der Zeit VORTRAGSTOURNEE „Die Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit“: Gemäss Gabriele Kuby bedroht die neue Ideologie des Genderismus die christlichen Werte als Grundlage von Ehe und Familie.

Bilder: Christian Bachmann; zvg

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m Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst: „Während der Begriff Sexualität das biologische, von der Natur gegebene Geschlecht meint, bezeichnet der Begriff Gender das sogenannte soziale Geschlecht“, sagte die deutsche Soziologin und Publizistin Gabriele Kuby letzten Donnerstag in Frutigen BE. Und weiter: „Das soziale Geschlecht ist unabhängig vom biologischen Geschlecht. Das heisst, dass jeder Mensch sein Geschlecht und seine sexuelle Orientierung frei wählen können soll – ob jemand Mann oder Frau sein will, hetero-, homo-, bi- oder transsexuell. Ziel des Genderismus ist es, dass jede ‚sexuelle Identität‘ als gleichwertig akzeptiert wird.“ Der Mensch werde dadurch auf seinen sexuellen Trieb reduziert. Zielsetzung der Gender-Ideologie sei es, die Grund5.2014

Macht sich für Ehe und Familie stark: die Soziologin und Publizistin Gabriele Kuby.

lagen von Ehe und Familie zu zerstören. Die gesellschaftliche Durchsetzung der Gender-Ideologie geschieht gemäss Kuby unter anderem durch das vermeintliche Recht gleichgeschlechtlicher Paare zu heiraten und Kinder zu adoptieren, durch

die Auflösung der „stereotypen Rollen“ von Knaben und Mädchen bereits in der Kindergartenpädagogik und durch die immer früher einsetzende Sexualisierung. Toleranz, einst hochgelobt als eine Bedingung geistiger Freiheit, werde immer mehr zu einem Instrument des Angriffs auf die Wahrheit und damit auch auf das Christentum. Kuby ermutigte die rund 80 Zuhörer, in Gesellschaft und Politik ihre Rechte und Pflichten wahrzunehmen und sich gegen die Gender-Ideologie zur Wehr zu setzen. Sie rief insbesondere die Väter auf, sich gegen die Zwangssexualisierung ihrer Kinder in der Schule zu wehren. Im Rahmen von Wahlveranstaltungen der EDU hält Kuby weitere Vorträge in den Kantonen Bern und St. Gallen. (bg/tf) P


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IHR BUCHEN AUCH SIE T MARKTINSERA idea Spektrum 05.2013


N AC H R IC H T E N

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Ukraine: Jetzt kann nur „Gottes Geist des Friedens“ helfen PROTESTE Angesichts der eskalierenden Gewalt rufen Christen zum Gebet auf.

Z

um Gebet hat der Pfarrer der Deutschen Evangelisch-Lutherischen St.-Katharinenkirche in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, Ralf Haska, aufgerufen. Angesichts der „apokalyptischen Bilder“ könne nur „Gottes Geist des Friedens helfen“. Die seit Wochen andauernden Proteste gegen die Regierung unter Präsident Viktor Janukowitsch haben Medienberichten zufolge bislang mindestens 6 Todesopfer gefordert. Der Präsident der Ukrainischen Bibelgesellschaft, Grigorij Iwanowitsch Komendant (Kiew), wandte sich in einer Erklärung an die Öffentlichkeit. Darin kritisiert der Baptist die Regierung scharf. Zwar seien Anstrengungen von allen Seiten nötig, damit die Lage nicht weiter eskaliert – „aber „zuerst vonseiten der Ukraine Machthabenden, denn sie 45,7 Millionen Bürger haben viele Möglichkeiten Orthodoxe 61 % ungenutzt gelassen“. Die Katholiken 10 % Geduld der Menschen sei Protestanten 4% am Ende. „Den Reichen Muslime 3% und den Starken muss man

Ein orthodoxer Priester zwischen Polizei und Demonstranten

sagen: ‚Haltet ein!‘.” Die Regierungsgegner fordern u. a. vorgezogene Präsidenten- und Parlamentswahlen. P b www.katharina.kiev.ua/DE/

Halbschwester Obamas: Afrika muss mit Miseren selbst fertig werden TUTZING Ein anderes Verhältnis des Westens zu Afrika wünscht sich die Germanistin Auma Obama.

B

eim Jahresempfang der Evangelischen Akademie Tutzing plädierte die Kenianerin für ein anderes Verständnis von Entwicklungspolitik. Viele Menschen in Afrika hätten sich zu sehr daran gewöhnt, dass ihnen aus westlichen Ländern mit Nahrungsmitteln geholfen werde. Das aber bringe Afrika nicht voran, meinte Obama in ihrem Festvortrag. „Armut ist keine Entschuldigung.” Die Industriestaaten sollten die Afrikaner motivieren, selbst mit ihren Miseren fertig zu werden. Die wichtigste Hilfe wäre, vor allem Jugendliche in die Lage zu versetzen, ihren eigenen LebensunAuma Obama

terhalt zu verdienen. Sie sehe ihre Aufgabe in Kenia darin, mit ihrer Stiftung „Sauti Kuu“ („Starke Stimme für eine starke Jugend“) Kinder und Jugendliche besonders durch Bildung dazu zu befähigen, eine bessere Gesellschaft aufzubauen. Auma Obama ist eine Halbschwester von USPräsident Obama. Sie hat in Deutschland Germanistik und Soziologie studiert.

Staatsregierung: „Hilf, Herr Jesu“ Im Grußwort der bayerischen Staatsregierung plädierte die stellvertretende Ministerpräsidentin, Ilse Aigner (München), für wirtschaftliches Wachstum, da nur so Entwicklung zum Positiven möglich sei. Die CSU-Politikerin zitierte zum Abschluss ihrer Rede aus dem Kirchenlied „Hilf, Herr Jesu, lass gelingen“.

Fotos: Reuters, Oryk Haist

Landesbischof: Mit Mission ist auch Leid verbunden gewesen Der bayerische Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm, berichtete in seiner Ansprache von einem Wechsel im Verständnis von Mission, den die Vollversamm5.2014

lung des Weltkirchenrates im Herbst 2013 im südkoreanischen Busan deutlich gemacht habe. „Mit dem Segen der Ausbreitung des Evangeliums“ vor allem aus Europa ist – so der Landesbischof – in vielen Fällen „auch durch Kulturimperialismus verursachtes Leid verbunden“ gewesen. Heute verstehe man Mission anders: „Nicht wir missionieren die anderen, sondern wir brauchen selbst Mission. Wir entdecken die Kraft des Evangeliums von denen her, Udo Hahn die an den Rändern der Macht stehen. Die Armen lehren uns das Evangelium neu zu verstehen.“ Bei der Begrüßung sagte Direktor Udo Hahn, in der Evangelischen Akademie Tutzing (bei München) werde eine Diskussion „um eine bessere Welt geführt“. Unter den rund 400 Gästen waren viele Prominente aus Bayern, darunter der ehemalige Ministerpräsident Günther Beckstein, Vizepräses der Synode der EKD. P


N AC H R IC H T E N

Welche Musik ist eigentlich gesund? PILOTSTUDIE Klassische Musik kann den Blutdruck senken. Bei Heavy Metal – sehr harter Rockmusik – wird Unterschiedliches festgestellt.

D

er Herzspezialist Prof. Hans-Joachim Trappe erforscht seit Jahren den Einfluss von Musik auf das Herz-Kreislauf-System. Der Klinikdirektor an der Ruhr-Universität Bochum sagte jetzt dem Magazin „Gesund“ (Berlin), dass klassische Musik die positivste Wirkung habe, da sie Blutdruck und Pulsfrequenz deutlich senken könne. Als man 120 freiwilligen Versuchspersonen ein Stück von Bach (Orchesterstudie Nr. 3) vorgespielt habe, sei der Blutdruck um 7,5 zu 4,9 mmHg gesunken und die Herzfrequenz um rund 7 Schläge pro Minute. Als die Musik vorbei war, seien beide Werte wieder angestiegen. Bei Heavy Metal (auf Deutsch: Schwermetall) habe man einerseits festgestellt, dass auch hier Blutdruck und Puls zurückgehen können. Allerdings könne diese sehr harte Rockmusik auch zu negativem Verhalten führen. Im US-Gefangenenlager Guantanamo sei sie sogar mit Dauerbeschallung als Folter benutzt worden. Als man in einer experimentellen Studie Schweine den Titel „Indestructible“ (unzerstörbar) der US-Band „Disturbed“ (gestört) vorgespielt hätte, seien die Tiere gegen die Stahlwände gelaufen. Bei Bachs Musik hätten sie beruhigt Ball gespielt. Sogar Pflanzen würden bei

Bei der Musik der Heavy-Metal-Band „Disturbed“ rannten Schweine gegen die Wände. Bei der Musik Johann Sebastian Bachs (1685–1750) beschäftigten sie sich beruhigt mit einem Ball.

Heavy Metal oder Techno-Musik weniger gut gedeihen. Für Trappe, dessen Pilotstudie in Gänze noch nicht veröffentlicht ist, besitzt deshalb die klassische Musik die stärkste Heilkraft. Sie werde z. B. bereits erfolgreich in der Schmerztherapie und Anästhesie eingesetzt. Bei allem müsse man aber auch bedenken, dass die Vorlieben für eine bestimmte Musikrichtung eine große Rolle im Blick auf die Wirkung spielen. P

Muslime: Christen, glaubt an Mohammed! ISRAEL In Nazareth fordern Muslime Christen zum Religionswechsel auf.

I

n der Stadt, in der Jesus aufwuchs, ist seit mehreren Jahren immer wieder folgender Aufruf auf einem Schild in englischer Sprache zu lesen: „O Volk des Buches (Christen), übertreibt euren Glauben nicht. Glaubt an Allah und seinen Gesandten und sagt nicht ‚Drei Götter’ (Dreieinigkeit). Lasst ab! Es ist besser für euch. Allah ist der eine und einzige Gott. Fern ist es von seiner Heiligkeit, dass er einen Sohn haben sollte.“ Die Aufschrift auf dem Plakat, auf dem auch ein Stopp-Schild zu sehen ist, ist ein Zitat aus der vierten Sure des Koran. Islamkritische Das muslimische Plakat in Nazareth: Blogs interpretieren die Aktion als Warnung an Christen. In Nazareth sind von den 83.000 Einwohnern 69 % Muslime und 31 % Christen. In ganz Israel beträgt der Anteil der Muslime 18 %. P

NOTIERT Christlicher Spielfilm: Für einen „Oscar“ nominiert Ein christlicher Spielfilm ist für die Verleihung der „Oscars“ am 2. März in Los Angeles nominiert. Der Streifen „Alone Yet Not Alone“ (Allein und doch nicht allein) ist in der Kategorie „Bestes Originallied“ vorgeschlagen. Er wird von der querschnittsgelähmten Autorin und Künstlerin Joni Eareckson Tada vorgetragen. Die 64-Jährige zeigte sich völlig überrascht von der Nominierung. Sie sei die „unwahrscheinlichste Kandidatin“, sagte sie der Zeitung „The Hollywood Reporter“. Es sei erstaunlich genug, dass überhaupt eine familienfreundliche Produktion mit einem christlichen Thema nominiert wurde. Der Film, der im September in die Kinos kam, wurde erst in 9 US-Städten gezeigt. Die Geschichte handelt von einem Mädchen deutscher Siedler, die von Indianern entführt wird und in dieser Situation an ihrem christlichen Glauben festhält. Joni Eareckson Tada verunglückte 1967 bei einem Badeunfall. Sie hat 35 Bücher verfasst, die in 40 Sprachen übersetzt wurden. 1979 gründete sie das Hilfswerk für Menschen mit Behinderung „Joni und ihre Freunde“.

Riga: Das erste Buch ist eine Bibel Das erste Buch in Lettlands neuer Nationalbibliothek ist eine Bibel. Mehrere Tausend Bewohner der Hauptstadt Riga hatten am 18. Januar eine rund 2 Kilometer lange Menschenkette gebildet, um Bücher vom alten in das neue Bibliotheksgebäude zu transportieren. Für die Eröffnungsfeier spendete der ehemalige deutsche Botschafter in Riga, Hagen Graf Lambsdorff, eine Bibel aus dem 19. Jahrhundert. Er entstammt wie sein Bruder, der ehemalige FDP-Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff (1926-2009), einem deutsch-baltischen Adelsgeschlecht. Mit der Einweihung der Nationalbibliothek feierte Riga den Beginn des Festjahres als Kulturhauptstadt Europas 2014. Auf dem Programm stehen insgesamt rund 200 Kulturprojekte und Veranstaltungen. Von den rund 2 Millionen Letten gehören etwa 250.000 zur lutherischen Kirche und über 500.000 zur katholischen. Etwa jeder zweite Lette bezeichnet sich als nichtreligiös.

Fotos: picture-alliance, picture alliance / Luisa Ricciar, Johannes Gerloff

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China: Die Gemeinden schießen wie Pilze aus dem Boden CVJM Die Christenheit in der Volksrepublik China erlebt ein rasantes Wachstum: von 5 auf 90 Millionen.

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ach Angaben des staatlich anerkannten (protestantischen) Chinesischen Christenrates werden pro Tag durchschnittlich 5 neue Gemeinden gegründet und 3 Kirchenräume eingeweiht. Das berichtete der China-Beauftragte des deutschen CVJM-Gesamtverbandes, Albrecht Kaul (Kassel) idea, nach einer Reise in das mit 1,3 Milliarden Einwohnern bevölkerungsreichste Land der Erde. Seit 1980 sei die Zahl der Christen von etwa 5 Millionen auf schätzungsweise 80 bis 100 Millionen angewachsen. Obwohl religiöse Erziehung erst ab dem 18. Lebensjahr erlaubt ist, gebe es sonntags in den staatlich genehmigten Gemeinden Kindergottesdienste mit teilweise Hunderten von Teilnehmern. Die nicht registrierten (evangelikalen) Hauskirchen schießen nach seinen Angaben wie Pilze aus dem Boden.

Enttäuscht vom Kommunismus Allein in der Hauptstadt Peking bestünden etwa 2.500 solcher Gemeinden. In den Städten seien es vor allem Studenten und wirtschaftlich gut gestellte Chinesen, die sich dort träfen. Auf dem Land versammele sich meist die „einfache Bevölkerung“, Christen in China die im christlichen Glauben 1949 2 Millionen eine Alternative zu ihren 1990 35 Millionen enttäuschten Hoffnungen 2010 80–100 Millionen vom Kommunismus sehe. Zunahme seit 1949: Die Hauskirchen werden Christen 4.400 % laut Kaul zwar argwöhBevölkerung (Schätzungen) 132 % nisch beobachtet, aber Anteil der Christen an der 6,9 % „die Zeit der brutalen und Bevölkerung polizeilich organisierten

Die Chong-Yi-Kirche in Hangzhou; Albrecht Kaul mit Übersetzer.

Verfolgung der Christen in China ist vorbei“. Zwar höre man vereinzelt davon, dass Hauskreisleiter verhaftet worden seien: „Aber es ist nicht mehr die allgemeine Praxis.“ (Ein Beispiel für Verfolgung ist der neue „Gefangene des Monats Februar“, siehe unten.)

Christen in China sorgen für Harmonie Der Staat habe erkannt, dass die Christen die Gesellschaft stabilisierten und zur Harmonie – dem großen Thema im Lande – beitrügen. Der unabhängige chinesische CVJM arbeite in 10 Großstädten und leiste – wie viele christliche Gemeinden – eine „erstaunliche soziale Arbeit“. Das werde vom Staat anerkannt. Kaul zufolge zeigt sich in der positiven Entwicklung Chinas, dass „jahrzehntelange treue Gebete“ von Christen erhört wurden. P

GEFANGENER DES MONATS FEBRUAR AUS CHINA

Fotos: Albrecht Kaul (2), PR

Pastor Zhang freilassen!

Als „Gefangenen des Monats Februar“ haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und idea den chinesischen Pastor Zhang Shaojie benannt und zu seiner Unterstützung aufgerufen. Er war am 16. November 2013 zusammen mit 23 Gemeindemitgliedern im Kreis Nanle (Provinz Henan) festgenommen worden. Unter den Inhaftierten sind alte und behinderte Menschen sowie Eltern kleiner Kinder. 10 Personen der Gruppe wurden inzwischen freigelassen. Grund für die Verhaftungen sind offenbar schon länger bestehende Spannungen zwischen der Kirchengemeinde und den Behörden. Die ursprüngliche Hausgemeinde war vor einigen Jahren gezwungen worden, sich der staatlich anerkannten Drei-Selbst-Kirche anzuschließen. Pastor Zhang wurde deren örtlicher Präsident. Er versuchte nach Angaben der IGFM, Christen vor Willkür und Verfolgung zu schüt5.2014

Zhang Shaojie

zen und sei dabei selbst ins Visier der lokalen staatlichen Organe geraten. Gemeindemitglieder seien daran gehindert worden, am Gottesdienst teilzunehmen, indem sie auf Anordnung ihrer Arbeitgeber sonntags arbeiten mussten. An Heiligabend habe ein Schlägertrupp eine Gruppe von Rechtsanwälten und Kirchgänger angegriffen, als sie das Haus des Pastors verließen. Sein Fall zeige, dass eine untere Behörde fähig sei, gegen eine staatlich anerkannte Kirche vorzugehen. Die IGFM und idea rufen dazu auf, Briefe an die chinesische Führung zu schreiben. Sie solle die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit achten und Pastor Zhang und die übrigen inhaftierten Gemeindemitglieder freilassen. P Hier kann man um die Freilassung bitten: Seine Exzellenz Xi Jinping, Generalsekretär der Kommunistischen Partei der VR China, via Botschaft der VR China, Kalcheggweg 10, 3006 Bern, Fax: 031 351 4573


net F O R U M F Ü R J U N G E C H R I S T EN

Jamie Grace: Mit Gott zum Erfolg

J

amies Musikkarriere beginnt vor 6 Jahren. Damals – mit 16 – gründet sie ihren eigenen Youtube-Kanal. Zunächst will sie die Öffentlichkeit mit selbstgedrehten Videos über das Tourette-Syndrom aufklären. Dann beginnt sie, eigene Songs hochzuladen. Irgendwann entdeckt TobyMac das talentierte Mädchen. Der Sänger und Produzent ist das Aushängeschild der christlichen Musikszene Amerikas, hat bereits zahlreiche Hits veröffentlicht. Er produziert 2011 ihr erstes Album. Nach einer Grammy-Nominierung (der wichtigste US-Musikpreis) und einem Dove Award (die bedeutendste Auszeichnung der christlichen Musikszene) hat Jamies Youtube-Kanal nun mehr als 16 Millionen Besucher zu verzeichnen. Doch Jamie ist ihrem Sound – bestehend aus Pop, Rock und Hip-Hop-Elementen – treu geblieben.

Das Tourette-Syndrom vergessen Wenn Jamie singt, sind die Zuckungen, die das Tourette-Syndrom verursacht, wie weggeblasen. Die 22-Jährige geht in ihrer Musik auf, erlebt jedes Ereignis, das sie in ihren Liedern verarbeitet hat, noch einmal. In diesen Momenten ist die Krankheit vergessen. Dann ist sie eine normale junge Frau mit den gleichen Fragen, wie sie alle in diesem Alter haben: Wohin steuert mein Leben? Wohin will ich eigentlich?

B e su cht uns au ch au f

Genau das hat Jamie jetzt in ihrem neuen Album „Ready To Fly“ (Bereit zu fliegen) verarbeitet. „In den Liedern dieses Albums geht es darum, fertig zu sein und loszufliegen, auch wenn du nicht weißt, was in der Zukunft kommen wird“, erklärt sie. „Ich habe den Titelsong in der Nacht, bevor ich 18 Jahre alt wurde, geschrieben. Ich habe mich gefragt, was Gottes Plan für mich ist. Ich habe begonnen, sehr viele Dinge zu bezweifeln, bis ich gemerkt habe, dass ich nicht mein ganzes Leben geplant haben muss, bevor ich loslege.“

Gott ist größer als jedes Problem Die erste Single-Auskopplung heißt „Fighter“ (Kämpfer). Bereits in diesem Song ist der Tenor des Albums hörbar. In vielen Liedern geht es um Menschen, die Schwierigkeiten erleben und trotzdem an ihrem Glauben festhalten und sich durchs Leben kämpfen. „Jeder hat eine Bürde in seinem Leben zu tragen. Aber das Schöne daran ist, dass es egal ist, wie groß sie ist. Gott ist immer größer.“ Eine Erkenntnis, die die junge Frau in ihrem Leben auch erst erlangen musste.

Ich dachte, Gott liebt mich nicht Als bei ihr mit 11 Jahren das Tourette-Syndrom diagnostiziert wurde, wollte Jamie ihr Schicksal zunächst nicht annehmen:

fa ce b ook .com/idealis te n

„Ich dachte, Gott liebt mich nicht so wie die anderen.“ Die Störung des Nervensystems, die mit nervösen Zuckungen und unkontrollierten (schrecklichen) Ausrufen einhergeht, führt bei den meisten Betroffenen dazu, dass sie ausgegrenzt und abgelehnt werden. Auch für Jamie war das anfangs schwer zu ertragen: „Gerade in dem Alter will man einfach dazugehören und genauso sein wie alle anderen.“ Doch ihr Vater – Pastor einer Baptistengemeinde – brachte ihr bei, dass es nicht darum geht, was andere über sie denken, sondern was Gott von ihr hält. „Ich habe gelernt, mein Vertrauen in Gott zu legen. Auf meine körperlichen Fähigkeiten kann ich mich nicht verlassen, sie ändern sich ständig und unerwartet.“ Seitdem geht die junge Frau selbstbewusst durchs Leben, hilft anderen Erkrankten und treibt ihre eigene Karriere als Sängerin voran. „Mein Lebensmotto steht in Psalm 30,5: ‚Wenn man am Abend auch weint, am Morgen ist die Freude wieder da.‘ Das sage ich mir am Tag etwa 6 Mal. Und es hilft mir unglaublich.“ P

Fo l g t uns au f

t w it te r.co m/ id e a lis te n

Foto: PR

MUSIK Ihr linkes Auge zuckt. Ihr Mundwinkel geht unkontrolliert nach oben. Sie wirft den Kopf mehrmals zur Seite. Sie lächelt. Sie lacht. Jamie Grace Harper hat gelernt, mit dem Tourette-Syndrom zu leben, es anzunehmen. Sie kann sogar ihrem Traumberuf als Sängerin nachgehen. In dieser Woche veröffentlicht die 22-Jährige aus Atlanta (USA) ihr zweites Solo-Album. Wir stellen Euch die begabte Musikerin und die neue Platte vor.


Die Reparatur des Fingers in schwindelerregender Höhe

Die verletzte Fingerkuppe

Das Bild der Woche BLITZSCHLAG

Bei einem heftigen Gewitter ist die berühmte Christusstatue auf dem Berg Corcovado über Rio de Janeiro (Brasilien) beschädigt worden. Am 16. Januar schlug einer von rund 4.000 Blitzen die Kuppe eines ausgestreckten Fingers an der rechten Hand des „Cristo Redentor“ (Christus, der Erlöser) ab. Jetzt müssen Bauarbeiter in schwindelnder Höhe die Schäden reparieren. Bis zur Fußballweltmeisterschaft im Sommer soll die Statue wieder unversehrt ihre Arme über der Millionenstadt ausbreiten. Samt Sockel ist das Monument 38 Meter hoch; die Arme haben eine Spannweite von 28 Metern. Jedes Jahr beschädigen Unwetter das 1931 eingeweihte und mit Speckstein verkleidete Denkmal aus Stahlbeton. Die Blitzableiter sollen jetzt erneuert und verstärkt werden. 2006 war die Statue zum katholischen Wallfahrtsort geweiht worden.

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Der Blitz schlägt in die Fingerkuppe ein.


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Wir leben anders CHRIST & VERANTWORTUNG Viele Christen wollen die Schöpfung bewahren und mehr Gerechtigkeit auf der Welt herstellen. Im folgenden Artikel erklärt ein evangelischer Theologiedozent, Thomas Weißenborn, wie er es mit seiner Familie (Foto) seit 5 Jahren versucht. Die Meldungen der letzten Jahre können Christen nicht kaltlassen: Der Klimawandel, die nahezu ungebremste Umweltzerstörung und die Ausbeutung vieler Menschen in der Dritten Welt tauchen immer wieder in den Nachrichten auf – so erst vor wenigen Wochen Berichte darüber, dass die Regierung in Kambodscha auf streikende Textilarbeiterinnen schießen ließ, als sie für höhere Löhne demonstrierten.

Der Wunsch, etwas ändern zu wollen Solche Meldungen lösen zwiespältige Gefühle aus. Auf der einen Seite regt sich der Wunsch, daran etwas zu ändern – auf der anderen Seite macht sich oft ein Gefühl der Machtlosigkeit breit. Was kann ich als Einzelner, was können wir als Familie, als Gemeinde oder Hauskreis denn angesichts solcher globalen Probleme schon tun? Nicht jeder kann sich in großem Stil gegen Ausbeutung und Umweltzerstörung engagieren. Schließlich gibt es noch so viele andere Dinge, die unserer Anstrengung bedürfen. Doch dabei verhält es sich wie mit anderen Bereichen des christlichen Lebens auch: Nicht jeder Christ kann vollzeitlich Evangelist werden, aber uns allen ist aufgetragen, für das Evangelium einzustehen. Nicht jeder wird Missionar, aber wir sind alle aufgefordert, das Anliegen der Mission zu unterstützen. Und nicht jeder wird in der Diakonie arbei-

Weshalb in Deutschland kaum noch Textilien hergestellt werden Arbeitskosten in der Textilindustrie je Stunde in Euro Deutschland 25,79 Italien 23,14 Spanien 17,23 Südkorea 10,85 8,64

Ungarn

4,42

Türkei

3,88

Russland

3,18

Rumänien

2,96

Bulgarien

2,56

China

2,13

Ukraine

1,53

Philippinen

1,26

… ohne ganz auszusteigen Uns als Familie fordert es heraus, unser alltägliches Leben zu überdenken und entsprechend bewusster zu gestalten. Wir orientieren uns dabei am Prinzip der Nachhaltigkeit, einem Begriff, der ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammt und einen Umgang mit begrenzten Ressourcen beschreibt, der in etwa dem entspricht, was in biblischer Zeit unter guter Haushalterschaft verstanden wurde. Es geht schlichtweg darum, mit den von Gott anvertrauten Gaben verantwortlich umzugehen. Wir wollen also nicht einfach aus unserem bisherigem Leben „aussteigen“, sondern es nach und nach immer weiter „optimieren“, so dass andere und die Schöpfung weniger darunter zu leiden haben.

Unsere persönliche Energiewende Relativ einfach und schnell ist die persönliche „Energiewende“ hin zu Strom aus erneuerbaren Energiequellen vollzogen. Viele Stadtwerke bieten ebenso wie einige private Anbieter einen entsprechenden Tarif an (z. B. www. lichtblick.de). Aber auch wer weiterhin auf Gas oder Öl zurückgreifen muss, kann etwas tun: Viele Unternehmen bieten sogenannte Ausgleichsabgaben an. Mit diesen werden dann gezielt Projekte zum CO2-Abbau gefördert. Das entbindet uns natürlich nicht davon, unseren Energieverbrauch so weit es geht zu senken. Allein die Heizung zu drosseln langt bei weitem nicht aus. Wer sich bei den Stadtwerken einmal ein Messgerät ausleiht, das den Stromverbrauch misst, wird staunen, wie viel Strom unter anderem die Kaffeemaschine im Ruhezustand benötigt. Seit ich eine solche Messung bei uns durchgeführt habe, achten wir darauf, nach dem Ausschalten der Maschine auch immer den Stecker zu ziehen.

Wir kehrten zurück zum Sonntagsbraten Schwieriger ist die Ernährungsumstellung. Im Gegensatz zum Strommarkt ist der Nahrungsmittelmarkt sehr intransparent. Man weiß in der Regel schlichtweg nicht, was man kauft. Wir gehen deshalb den umgekehrten Weg: Statt herausfinden zu wollen, was genau sich hinter einzelnen Pro© l ideaGrafik; Quelle: Gesamtverband Textil+Mode

Foto: privat

Portugal

ten, aber bei uns allen ist es ein Teil der Berufung, den Kranken und Leidenden beizustehen.

ideaSpektrum 5.2014


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dukten verbirgt, kaufen wir dort ein, wo Transparenz selbstverständlich ist. Beim Biobauer auf dem Wochenmarkt kaufen wir nicht nur „bio“ und „sozial“ ein, sondern auch „regional“ und „saisonal“ – die vier Merkmale nachhaltiger Produktion. Auch immer mehr Supermärkte bieten solche Waren an. Und natürlich darf man gerade in Bezug auf fair gehandelte Produkte die klassischen Weltläden nicht vergessen, die ein immer breiteres Sortiment vertreiben. Uns helfen besonders die unterschiedlichen Siegel für Lebensmittel. Allerdings sollte man sich vorher im Internet informieren, für was sie stehen und wer sie kontrolliert. Die wichtigsten Siegel sind das „FairTrade“-Logo (www. fairtrade.net) und das von Gepa (www.gepa.de). Beide garantieren die Einhaltung bestimmter Sozial- und Umweltstandards. Wichtig ist daneben auch das Siegel von „Bioland“ (www.bioland.de), das schärfere Standards zum Beispiel bei der Tierhaltung garantiert als das EU-Bio-Siegel. Der zentrale Gedanke bei unserer Ernährung ist, eher kleine als große Betriebe zu unterstützen. Wir wollen die regionale bäuerliche Landwirtschaft stärken und nicht industrielle Massentierhaltung. Bei „exotischen“ Produkten wie Kaffee oder Schokolade halten wir es zudem für wichtig, auf fair gehandelte Produkte zurückzugreifen, da nur dadurch ausgeschlossen werden kann, dass die entsprechenden Produkte mit Hilfe von Kinderarbeit hergestellt wurden. „Ist das nicht viel teurer?“, fragen uns Freunde oft. Ja, das ist es, allerdings nur dann, wenn man seine Ernährung nicht umstellt. Biofleisch ist teurer als das aus konventioneller Massentierhaltung, hat aber auch eine deutlich bessere Qualität. Im Dezember Erdbeeren zu kaufen, widerspricht demnach dem Prinzip der Nachhaltigkeit auch dann, wenn es sich um Bio-Erdbeeren handelt. Wer sich dagegen regional und saisonal ernährt und den Sonntagsbraten zu dem macht, was der Name sagt, für den ist nachhaltige Ernährung nicht viel teurer.

Foto: picture-alliance

Gebrauchte Kleidung hilft der Schöpfung Auch bei dem, was wir auf dem Körper tragen, gilt es, die Gebote der Nachhaltigkeit zu beachten. Der Einsturz der Kleiderfabrik in Bangladesch mit über tausend Toten vor rund einem Jahr sowie die Unruhen im Zuge der Textilarbeiterstreiks in Kambodscha sollten uns aufrütteln. In beiden Ländern wird ein maßgeblicher Teil unserer Kleidung produziert. In diesem Bereich ist die Intransparenz des Marktes aber leider noch größer als im Lebensmittelbereich. Gleichzeitig müssen wir auch davon ausgehen, dass die dort hergestellte Kleidung immer mit Hungerlöhnen und schlechten Arbeitsbedingungen verbunden ist.

ideaSpektrum 5.2014

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Allerdings gibt es hier Alternativen: Sehr hilfreich ist dabei die „Fair Wear Foundation“ (Stiftung für fair gehandelte Kleidung), die zwar keine Siegel verteilt, sich aber unabhängig und glaubwürdig für bessere Arbeitsbedingungen einsetzt. Welche Hersteller ihr angehören, kann auf der Internetseite www.fairwear.org nachgelesen werden. Wer lieber auf Siegel als Orientierungshilfe beim Kleiderkauf vertraut, kann sich nach dem INV-Siegel umsehen, das vom Internationalen Verband der Naturtextilien vergeben wird, der nicht nur Umwelt-, sondern auch Sozialstandards kontrolliert (www.naturtextil.de). Am nachhaltigsten ist es natürlich, die schon vorhandene Kleidung weiter zu tragen und nicht zu ersetzen, egal wie sie hergestellt wurde. Das kann übrigens auch die getragene Kleidung eines anderen sein: Nichts schont die Schöpfung so wie secondhand.

Bahn statt Flugzeug Bei der Wahl von Verkehrsmitteln hat sich bei der Bevölkerung bereits die Einsicht breitgemacht, dass Flugreisen besonders umweltschädlich sind. Auch Autofahren ist dem Klima nicht sehr zuträglich. Öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad und die eigenen Füße sind dagegen nachhaltiger. Füße und Fahrrad sind zudem völlig emissionsfrei. Als Familie laufen wir so viel wie möglich, fahren oft Fahrrad und benutzen das Auto nur, wenn es nicht anders geht, und dann am besten vollbesetzt. Das erfordert allerdings an manchen Stellen eine Umstellung, weil man das Auto sozusagen zum Luxusgut erklärt, das man sich nur gelegentlich „gönnt“, aber nicht alltäglich benutzt. „Eben schnell mal mit dem Auto wohin fahren“ fällt damit weg. Stattdessen kaufen wir unsere Schuhe nach ganz anderen Kriterien. Denn sie müssen bei uns einiges aushalten. Auch die Anschaffung eines Elektrofahrrads kann sich unter Umständen lohnen, aber nur, wenn das „EBike“ auch wirklich das Auto ersetzt, etwa indem man den Großeinkauf im Fahrradanhänger statt im Kofferraum transportiert. Die Schöpfung hat jedoch nur dann wirklich etwas davon, wenn ein solches Einkaufen zur Gewohnheit wird und nicht nur eine „Schönwetterveranstaltung“ bleibt – ansonsten addiert man zum umweltschädlichen Auto nur die ebenfalls umweltschädliche Herstellung des Elektrorads, das im Keller verstaubt. Und wer schon ein Auto hat, sollte es sich zweimal überlegen, ein neues anzuschaffen. Bei langlebigen Konsumgütern, zu denen das Auto zählt, tut man der Umwelt keinen Dienst, wenn man sie vorschnell durch scheinbar sparsamere ersetzt. Die mit der Herstellung eines Autos O


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Der Umwelt hilft der Kauf von regionalen Produkten der Saison.

verbundene Umweltbelastung ist so groß, dass ein nur wenig sparsameres erst nach vielen Nutzungsjahren eine „positive“ Umweltbilanz erzielt.

Alles hat seinen Preis Wie so vieles im Leben besteht auch ein die Mitmenschen und die Schöpfung mehr achtendes Leben aus vielen kleinen Schritten. Es geht vor allem darum, in die Entscheidungen des Alltags den Gedanken der Nachhaltigkeit miteinzubeziehen. Auch bei der Frage nach dem preisgünstigeren beziehungsweise hochwertigeren Produkt wägen wir ja in der Regel ab und beziehen bei großen Anschaffungen auch die damit verbundenen, laufenden Kosten in die Kaufentscheidung mit ein. Auf die gleiche Weise können wir auch soziale und Umwelt-Gesichtspunkte mit bedenken und so nach und nach unseren Lebensstil in der Hinsicht verbessern, dass andere weniger darunter zu leiden haben. Denn eines sollte jedem klar sein: Alles hat seinen Preis, der irgendwo bezahlt wird. Damit Waren hier

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billig angeboten werden können, werden anderswo Löhne gedrückt und selbst minimalste Umweltstandards missachtet. Gleichzeitig gibt es aber oft Alternativen, die nicht so viel teurer sind, als dass wir sie uns nicht leisten könnten. Wer also weder Sklaven- und Kinderarbeit noch die hemmungslose Ausbeutung der Schöpfung unterstützen möchte, findet für die meisten Produkte des täglichen Bedarfs entsprechende Alternativen – manchmal kostet es lediglich ein wenig Zeit, danach zu suchen. Als Familie haben wir in den letzen Jahren unseren Lebensstil in vielen Bereichen verändert und dabei die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht: Wir staunen darüber, wie viel man erreichen kann, wenn man sich etwas vornimmt. P Der Autor – Thomas Weißenborn (*1968) – studierte an der Philipps-Universität Marburg und promovierte 2002 zum Doktor der Theologie. Seit 1999 ist er am Marrburger Bildungs- und Studienzentrum (mbs) s) Dozent für verschiedene theologische Fäächer, seit einigen Jahren auch stellvertreten-der Direktor. Er lebt mit seiner Frau und 4 Kindern in Marburg. Sie versuchen seitt rund 5 Jahren, ihren Lebensstil Jahr fürr Jahr ein wenig nachhaltiger zu gestalten. Thomas Weißenborn, Anders leben: Eine Familie fairsucht’s, FranckeBuchhandlung, ISBN-10: 3868273719, 112 Seiten, 14.90 SFr.

idea Fernseh- und Hörfunk-Tipps

1. bis 7. Februar

FERNSEHEN Sonntag, 2. Februar 8.30–9.00 Arche – die Fernsehkanzel „Gott aber ist treu“ mit Pastor Christian Wegert 11.00–12.15 ERF 1 Gottesdienst aus der Friedenskirche der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Lübeck

Dienstag, 4. Februar 17.45–18.15 „Fenster zum Sonntag“ – Eisige Zeiten. Wenn Sportler bei ihren Plänen gebremst werden …

Mittwoch, 5. Februar

19.30–20.00 ERF 1 Wahrhaft guter Gesang – die christliche Sängerin Yasmina Hunzinger

20.15–21.45 Der Prediger – Drama. Ein verurteilter Mörder findet im Gefängnis zu Gott und will Theologie studieren. Ein 20.15–22.05 Referent des Bischofs geht 20.15–22.00 Waffen für die Welt – Export seinen Motiven nach und Bonhoeffer – Dokumentation außer Kontrolle. Reportage stellt sich dabei selbst über den evangelischen über die deutschen Fragen nach Wahrheit, Theologen und Pazifisten Rüstungsgeschäfte Gerechtigkeit und Glauben.

Donnerstag, 6. Februar 17.30–18.25 Seltene Erden – die dunkle Seite der Hightech-Metalle. Dokumentation 20.15–21.00 Ludwig Hofacker – Berufen, Christus zu predigen. Das Leben des Stuttgarter Erweckungspredigers

HÖRFUNK Donnerstag, 6. Februar

7.05–7.30 „Freiheit, die Fesseln trägt“ – Alfred Delp: Jesuit und Mitglied des Kreisauer Kreises im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

8.30–9.00 Die evangelische Kirche und der Islam: Dialog oder Dauerstreit? Wie die Stellung zum Islam die ev. Kirche in Bayern spaltet

8.05–8.30 Was heißt „Neuevangelisierung“?

9.45–10.00 Evangelisch-reformierte Radiopredigt

10.00–11.00 Gottesdienst aus der Freien evangelischen Gemeinde in Hamburg-Bahrenfeld

12.05–12.30 Glaubensritter im Exil – Die Geschichte des Malteserordens

20.00–20.30 ERF Plus Brennpunkt Nahost Johannes Gerloff und Horst Marquardt im Gespräch.

10.00–11.00 Evangelischer Gottesdienst aus der Matthias-ClaudiusKirchengemeinde in BerlinHeiligensee

Montag, 3. Februar

20.30–21.00 ERF Plus Ehe- und Familienleben in Nord-Mosambik – Angelika Maader vom dortigen theologischen Institut berichtet.

20.00–21.00 Im Sog des Geldes – Wie als Christ mit Finanzen umgehen?

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Sonntag, 2. Februar

ideaSpektrum 5.2014


C H R I ST & M E DI E N

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Wie zuverlässig ist eigentlich Wikipedia? INTERNET-LEXIKON Wer kontrolliert unser Wissen? Wer steht hinter der einflussreichen Wikipedia? Auch darum ging es beim Christlichen Medienkongress Mitte Januar in Schwäbisch Gmünd. Wie der Pfarrer und Wikipedia-Beobachter Gerrit Hohage (Hemsbach bei Heidelberg) sagte, ist Wikipedia derzeit die sechstwichtigste Seite überhaupt im Internet. Das liege u. a. daran, dass das Online-Lexikon kostenlos, aktuell, schnell und überall verfügbar sei. Das Nachschlagewerk biete derzeit knapp 1,7 Millionen Artikel. 6.100 Autoren schrieben für Wikipedia. Laut Hohage verwerten auch Journalisten Inhalte „oft be-

Schiller

Hohage

denkenlos“. Jeder sollte aber wissen: Artikel können richtig und objektiv sein, müssen es aber nicht. Das liege daran, dass Wikipedia eine Meritokratie sei: Wer viele Beiträge schreibt, hat damit einen besseren Ruf als andere. Dessen Stimme wiege im Konfliktfall laut Wikipedia-Regeln schwerer.

Fotos: PR, privat

Der durchschnittliche Wikipedia-Autor ist linksliberal

ben werde, z. B. durch PR-Beauftragte von Unternehmen – werde derzeit innerhalb und außerhalb von Wikipedia diskutiert.

„Nur ein kritischer Wikipedia-Nutzer ist ein guter“ Das sei deshalb problematisch, weil Wikipedia den Anspruch habe, objektiv und neutral zu informieren. Manipulationen würden zwar meist irgendwann aufgedeckt, Korrekturen erfolgen aber mitunter erst nach mehreren Monaten oder Jahren. Hohage empfahl, Beiträgen in dem Online-Lexikon nicht leichtgläubig zu vertrauen: „Nur ein kritischer Wikipedia-Nutzer ist ein guter Wikipedia-Nutzer.“ Folgende Kriterien könnten helfen: 1. Nutzer sollten überprüfen, wie viele Autoren ein Beitrag hat und wer sie sind. Sie sollten sich die Einzelnachweise in den Quellen ansehen; hier seien Fachbücher vertrauenswürdiger als reine Internetnachweise. 2. Ein Hinweis auf die Seriosität des Beitrags könnten auch die Diskussionsthemen zum Artikel bieten – ebenso wie die Zahl der Bearbeitungen. Nicht zuletzt sollten Nutzer schauen, ob es Artikelsperren gab und wenn ja, warum.

Schiller: Wissen ist immer manipulierbar Nach Worten des Chefredakteurs der Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd), Thomas Schiller (Frankfurt am Main), ist Wissen immer manipulierbar. Dies reiche vom Vorenthalten von Informationen über Falschinformationen bis hin zur gezielten Überflutung von Informationen, die zu Misstrauen und Verunsicherung führe. Mit Blick auf Wikipedia sagte er, das Online-Lexikon dürfe für Journalisten immer nur der Anfang einer Recherche sein. P

Das Internetlexikon steht derzeit in der Kritik:

Der durchschnittliche Schreiber sei männlich, zwischen 20 und 30 Jahre alt, unverheiratet und Student mit linksliberaler Einstellung. „Vielschreiber“ verfassten mitunter mehr als 20.000 Bearbeitungen pro Jahr. Nach Einschätzung Hohages ist das kaum möglich, wenn man außerdem noch einer geregelten Tätigkeit nachgeht. Hohage äußerte deshalb die Vermutung, dass einige Vielschreiber von Parteien oder weltanschaulichen Gruppierungen für ihre Arbeit Geld bekämen. Das Problem – dass gegen Bezahlung geschrie-

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Die komplette Studie: www.sz-link.de/wikipedia


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GLAUBENSBEKENNTNIS Jahrhundertelang taten sich die Christen schwer mit dem „Heiligen Geist“. Gott, der Vater, und Jesus Christus, sein Sohn – das ist klar. Aber was meint „Heiliger Geist“? Wozu brauchen wir ihn, wenn doch Jesus lebt? Diesen Fragen geht Pastor Klaus Jürgen Diehl (Wetter/Ruhr) im 24. Teil der idea-Glaubensserie auf den Grund. „Ich glaube an den Heiligen Geist.“ Mit diesen Worten beginnt der dritte Artikel des christlichen Glaubensbekenntnisses. Doch wer oder was der Heilige Geist ist, können selbst engagierte Gemeindeglieder heute oft nicht sagen. Als ich die Teilnehmer eines Gemeindekreises fragte, ob sie mit dem Heiligen Geist erfüllt seien und aus seiner Kraft lebten, löste ich damit neben peinlicher Irritation auch erkennbare Verärgerung aus: Wie kann man nur eine so persönliche Frage in einer solchen Runde stellen? Pfingsten – das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes und damit des Geburtstages der weltweiten Kirche – fristet eben ein eher stiefmütterliches Schattendasein im Vergleich mit den beiden großen anderen Festen Weihnachten und Ostern. Es scheint keine Symbolik zu enthalten, die anschaulich und handgreiflich wäre.

den und Gemeinschaften auf manche Weise bereichert und vertieft: von neuen musikalischen Ausdrucksformen des Gotteslobes und der Anbetung bis hin zu einer größeren Aufmerksamkeit für die vom Heiligen Geist verliehenen Gnadengaben – den sogenannten „Charismen“ – und ihrem praktischen Einsatz in der Gemeinde. Allerdings gab und gibt es immer wieder kritische Anfragen und Abgrenzungen gegenüber einer als schwärmerisch empfundenen Frömmigkeitspraxis, etwa wenn bestimmte Charismen wie das Sprachengebet (griech. „Glossolalie“ = das Beten in einer für andere Christen unverständlichen Sprache) als entscheidender Echtheitsbeweis für den Glauben hingestellt werden. Oder wenn man eine besondere „Geisttaufe“ erlebt haben muss, um mit dem Heiligen Geist erfüllt zu sein.

Die Pfingstbewegung wächst rasant

Vielleicht stehen besonders pfingstkirchlich geprägte Christen in der Versuchung, in ihrem Glauben auf außergewöhnliche, spektakuläre Geisterfahrungen aus zu sein, während wir „Normalchristen“ die Wirkung des Heiligen Geistes eher unsern ernüchternden Alltagserfahrungen anpassen

Doch diese Erfahrung ist nur die eine Seite. Auf der anderen Seite erleben wir im weltweiten Maßstab, dass immer mehr Christen nach dem Heiligen Geist fragen und sich danach sehnen, von ihm erfüllt zu werden und seine Kraft in ihrem Leben zu erfahren. So hat es seit den 1970er Jahren ein rasantes Wachstum pfingstkirchlicher bzw. der theologisch ähnlich ausgerichteten charismatischen Gemeinden gegeben. Nach seriösen Schätzungen zählen sich heute weltweit mehr als ein Viertel aller Christen zur Pfingstbewegung, die 1906 in Los Angeles mit einer Erweckung begann. Nur bei uns ist davon bisher relativ wenig zu erkennen. Zwar haben charismatische Christen das Leben volkskirchlich und freikirchlich geprägter Gemein-

Berufen, erleuchten, heiligen, erhalten

Pfingstler bzw. Charismatiker weltweit 26,7 % 0,2 % 1900

5,1 % 1970

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Die erst Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA entstandene Pfingstbewegung und die ihr verwandte charismatische Bewegung zählen gegenwärtig 631 Millionen Anhänger.

wollen und darum immer weniger mit seiner verändernden Kraft rechnen. Beide könnten wir vom Heiligen Geist lernen, dass er in uns vor allem die Begeisterung für das Elementare und Notwendige entfachen möchte. Worin das besteht? Martin Luther hat es in seiner Erklärung zum dritten Glaubensartikel im Kleinen Katechismus so auf den Punkt gebracht: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten“… Berufen, erleuchten, heiligen, erhalten: Darin besteht also die Hauptaufgabe des Heiligen Geistes. Das alles klingt nicht spektakulär neu, aber es ist die entscheidende Ration auf dem Weg zu unserm endgültigen Heil.

Ist der Heilige Geist eine Person? Befasst man sich etwas intensiver mit dem biblischen Zeugnis des Heiligen Geistes, dann fällt einem eine eigentümliche Duplizität auf. Erscheint der Heilige Geist einmal als ein personales Gegenüber, als ein Du, mit dem man kommunizieren kann – in einem Pfingstlied singen wir: „O heilger Geist, kehr bei uns ein …“ –, so begegnet er uns ein andermal scheinbar als eine unpersönliche Kraft, als ein Es: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen …“ verspricht Jesus seinen Jüngern beim Abschied (Apostelgeschichte 1,8). Das im griechischen Urtext des Neuen Testaments verwandte Wort für Geist „Pneuma“ kann auch mit „Hauch“ bzw. „Wind“ übersetzt werden. Ähnliches gilt für das hebräische Äquivalent „ruach“ im ideaSpektrum 5.2014


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Alten Testament, das neben „Geist“ so viel wie „Wehen“ bzw. „Atem“ bedeutet. Beide Worte bringen anschaulich das Wirken des Heiligen Geistes zum Ausdruck, der vor allem als bewegende und verändernde Kraft erfahren wird. Dabei ergänzen sich das Du und das Es des Heiligen Geistes im Sinne der Komplementarität, d. h. der Zusammengehörigkeit scheinbar widersprüchlicher Wesensmerkmale. Man könnte sagen: Der Heilige Geist ist Jesus in Gestalt seiner Verherrlichung und der damit von ihm ausgehenden Kraft (2. Korinther 3,17: „Der Herr ist nämlich der Geist“). In seinen Abschiedsreden verspricht Jesus seinen Jüngern, dass er sie nicht als Waisen zurücklassen wird: Er wird ihnen den Heiligen Geist als „Tröster“ bzw. „Mutmacher“ schicken (Johannes 16,7– 14). In dieser Gestalt wird er also zu ihnen zurückkommen: zwar unsichtbar, aber erfahrbar und wirksam. „Der Heilige Geist ist der Gott bei und in uns, aber es ist eben dies in voller Einheit mit dem Vater und dem Sohn“ (der ehemalige Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Martin Haug (1895–1983)).

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Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche Ist die Bibel relativ zurückhaltend in der Definition dessen, was der Heilige Geist ist, so ist sie umso überschwänglicher in ihren Schilderungen über sein vielfältiges Wirken. In Apostelgeschichte 2 wird das Kommen des Geistes auf den Tag der Pfingsten (50 Tage nach Ostern) datiert, als sich jüdische Festpilger aus der ganzen Welt zum traditionellen Schawuotfest zur Erinnerung an die Offenbarung der Gebote in Jerusalem trafen. „Ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind“, so beschreibt die Pfingstgeschichte die erste Wirkung des Geistes (Vers 2). Noch entscheidender als diese bewegenden äußeren Umstände ist die Tatsache zu werten, dass die Apostel kraft des ihnen nun verliehenen Geistes zu mutigen Botschaftern des Evangeliums werden, sogar in anderen Sprachen reden und so von den zahlreich versammelten ausländischen Festpilgern verstanden werden. Und O

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So stellte sich der griechische Maler El Greco (1541–1614) die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten in Jerusalem vor.

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nicht nur das! Die Botschaft trifft sie mitten ins Herz, und am Ende des Tages bekehren sich 3.000 Menschen zum Glauben an Jesus.

… und er verändert Menschen Dass durch die Kraft des Heiligen Geistes Menschen verändert und erneuert werden, haben übrigens die

wissheit im Glauben als anmaßend bzw. religiös überheblich verdächtigt wird. Doch warum sollen wir unter den durch den Heiligen Geist geschenkten Möglichkeiten bleiben? „Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind“, schreibt der Apostel Paulus im Römerbrief 8,16. Wer den Heiligen Geist um Klarheit und Vergewisserung im Glauben bittet, der muss nicht länger im Nebel des Ungewissen stochern, sondern kann darauf vertrauen, dass ihm die Gewissheit zuteilwird, durch Jesus ein Kind und Erbe Gottes zu sein.

Der Heilige Geist schenkt uns Gaben

Ein Kennzeichen der Pfingstbewegung: der Lobpreis – hier in einer Pfingstgemeinde in Stuttgart

Apostel zuallererst am eigenen Leibe erfahren. War Petrus trotz großspuriger Treueversprechen Jesus gegenüber zunächst ein Versager, so wird er als ein mit dem Heiligen Geist Erfüllter zum standhaften Bekenner, der sich auch durch Schikanen und Drohungen des jüdischen Hohen Rats nicht mehr einschüchtern lässt.

… und er sorgt für klare Verhältnisse Der Heilige Geist sei kein Skeptiker, hat Martin Luther einmal bemerkt. Er wollte damit ausdrücken, dass der Geist Gottes unter uns für klare Verhältnisse sorgt. Das gilt zuallererst im Blick auf unsere persönliche Beziehung zu Gott. Wie viele Protestanten geben auf die Frage nach ihrem Glauben eine ausweichende Antwort! „Ich bemühe mich, Christ zu werden. Wer kann schon von sich sagen, dass er wirklich Christ ist? Ist nicht der Weg das Ziel?“, so kann man immer wieder hören. Kennzeichen des Protestantismus scheint ein eigenartiger Schwebezustand zwischen Glaube und Zweifel zu sein, bei dem von vornherein Ge-

Wenn ein Mensch vom Heiligen Geist erfüllt wird, dann wird er reich beschenkt. Darum ist nicht nur Weihnachten, sondern auch Pfingsten das Fest der Geschenke! Beschenkt werden wir mit Gaben, die wir zum Wohl anderer und zum Aufbau der Gemeinde einsetzen sollen. Über manche dieser Gaben und Fähigkeiten haben wir schon verfügt, bevor wir Christen waren. Durch den Heiligen Geist werden nun diese natürlichen Fähigkeiten „veredelt“, indem sie nicht mehr nur uns selbst, sondern der Gemeinde bzw. anderen zugutekommen. Darüber hinaus dürfen wir erwarten, dass Gottes Geist uns mit Gaben beschenkt, von denen zuvor nicht die geringste Spur in unserm Leben zu entdecken war. Entscheidend ist dann nur, dass wir diese Gaben nicht zum frommen Selbstgenuss oder zur eitlen Selbstdarstellung in der Gemeinde missbrauchen, sondern andern dankbar damit dienen.

Der Geist führt nie über Jesus hinaus An einer Stelle seiner Abschiedsreden sagt Jesus zu seinen Jüngern, dass der Geist sie „an alles erinnern wird, was ich euch gesagt habe“ (Johannes 14,26). Der Heilige Geist bringt also keine neuen Offenbarungen; nichts, was über das hinausgeht, was Jesus bereits gesagt und gelehrt hat und was uns in der Bibel überliefert ist. Aber der Geist öffnet uns die Augen (Luther: „er er-

Was die Bibel dazu sagt Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit … Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch … (Johannes 14,16–18). Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten … Er wird mich verherrlichen; denn von den Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. (Johannes 16,13f) Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein. (Apostelgeschichte 1,8) Und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. (Apostelgeschichte 2,4) Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder … Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. (Römer 8,14 und 16) Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. (2. Korinther 3,17) Es sind verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist … In einem jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller aller. (1. Korinther 12,4 und 7) Prüfet die Geister, ob sie von Gott sind … Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott. (1. Johannesbrief 4,1 und 2)

leuchtet uns“) für die Wahrheit des Evangeliums, so dass wir mit all unsern Sinnen verstehen können, was Gott uns durch sein Wort sagen will. Zugleich entlarvt er alle die als „Falschmünzer“, die über das Zeugnis der Bibel von Jesus hinausgehen, es verkürzen oder verändern, wie wir es gerade in unsern Tagen vielfältig erleben. Auch deswegen sind wir auf das Wirken des Heiligen Geistes unter uns angewiesen, damit wir in einer theologisch oft verworrenen Zeit die vielen Geister unterscheiden können. P

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DI E K LE I N E K A NZ E L

» Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. «

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Jonathan Kühn ist Pfarrer in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Holzkirchen bei München.

Aus dem Evangelium des Johannes 1,17

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Es geht um eine Liebe ohne jedes Aber „Jesus liebt Dich, aber …“ Oft – zu oft – begegne ich diesem Satz. Da wird einerseits die Gnade Gottes betont, und andererseits folgt gleich das menschliche Aber. Nachgeschoben wird dann noch, was wir angeblich tun müssten, um dieser göttlichen Liebe auch zu entsprechen – sie sozusagen zu verdienen. Im Pfarrdienst bin ich regelmäßig überrascht, wie viele Menschen den Kern des Evangeliums noch nie gehört haben: Der Dreieinige Gott liebt Dich! Du bist ihm eine Freude! Punkt. Kein Aber! Keine Bedingung! Keine Gesetzlichkeiten! Der Tübinger Theologe Hans-Joachim Eckstein hat es so auf den Punkt gebracht: Nicht erst unser Verhalten, unser Fleiß beim Stille-Zeit-Halten, unser kirchliches Engagement oder sonst etwas liefern Gott Grund zur Freude über uns. Vielmehr sind wir IHM eine Freude – so, wie ER

uns geschaffen hat, ohne Wenn und Aber! Im Weihnachtslied „Ich steh an deiner Krippen hier“ wird es für mich besonders anschaulich: „Da ich noch nicht geboren war, da bist du [Gott] mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren.“

Vom „Erzkonservativen“ bis zur „Liberalen“ Möge es uns Christen jeder Prägung – vom „Erzkonservativen“ bis zur „Liberalen“ – immer neu aufgehen, uns unablässig gesagt werden, jeder und jedem: Du bist Gott eine Freude! ER liebt Dich, ohne Wenn und Aber. Unabhängig von Gelingen, Frömmigkeitsstil oder Fleiß. Diese Gnade, diese Wahrheit ist durch Jesus Christus, unseren Mensch gewordenen Gott, gegeben. Daraus dürfen wir leben: als von IHM Gewollte, Geliebte und Gesegnete! Amen. P

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PORTRÄT Vom Muslim zum Kirchen-Architekten BEKEHRUNG So etwas dürfte vermutlich höchst selten passieren: Ein Muslim wird Christ und ist dann als Architekt für einen kirchlichen Bau verantwortlich. idea-Redakteurin Daniela Städter traf Salih Güner in der westfälischen Großstadt Siegen. der Studentenmission (SMD) sprechen ihn in seinem Wohnheim an. Güner genießt die Gemeinschaft mit ihnen, doch er kann nicht glauben, dass Jesus Christus wirklich der Sohn Gottes ist. Er will Muslim bleiben.

„Ich will mich taufen lassen“ 1982 verliebt er sich in eine Deutsche. Sie ist Christin und geht in die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) in Siegen-Geisweid. 1983 heiraten sie. Nach der Hochzeit bittet sie ihn, mit zum Gottesdienst zu kommen. Er tut es – ihr zuliebe. Obwohl ihn die Predigten berühren und er die Bibel mehrfach durchliest, ist er wie blockiert. 4 Jahre will, aber kann er nicht glauben. Plötzlich hat er während einer Autofahrt die Gewissheit: „Ich bin errettet, weil Jesus für mich am Kreuz gestorben ist.“ Freude und tiefer Friede erfassen ihn. Nun will er sich taufen lassen. Sein Vater will mit ihm darüber nicht reden, seine Mutter ist bereits gestorben. Mit seiner Schwester, die er als „tiefgläubige Muslima“ bezeichnet, führt der Architekt bis heute intensive Gespräche – ebenso wie mit Muslimen in Siegen. Güner erklärt dann seinen Glauben an

Architekt Salih Güner

Christus, hört aber auch aufmerksam zu: „Man kann nur über persönliche Beziehungen andere Menschen erreichen. Wir können andere nicht zum Glauben bringen. Das kann nur Gott alleine.“ Christen könnten allerdings durch gezieltes Nachfragen ihre Gesprächspartner zum Nachdenken anregen: „Muslime kommen mit überzeugten Christen meist sehr gut zurecht: Sie haben viel eher ein Problem mit ,lauen’ Christen.“

Der große Traum: eine Kirche planen Seit seiner Taufe sind rund 26 Jahre vergangen. Güner ist wie seine Ehefrau und seine Schwiegereltern Mitglied der baptistischen Gemeinde in Siegen-Geisweid. Die Tochter (31) des Ehepaars geht mit ihren beiden Kindern in eine landeskirchliche Gemeinde. Gerne würde der Architekt in den kommenden Jahren eine komplett neue Kirche von Grund auf planen. Das wäre für ihn das i-Tüpfelchen. P

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Salih Güner ist glücklich: Er durfte den Anbau der stark wachsenden evangelischen Kirchengemeinde Trupbach-Seelbach planen, die zum Kirchenkreis Siegen gehört. Der 52-Jährige hat schon viele große Bauvorhaben umgesetzt, doch noch nie ein kirchliches Projekt. Pfarrer Christian Schwark und das Presbyterium hatten sich einen christlichen Architekten gewünscht. Güner war ihnen empfohlen worden. Am 13. Januar wurde Richtfest gefeiert, und die Gemeinde ist hochzufrieden. Dabei war Güner einst überzeugter Muslim. Zu seiner Bekehrung kam es so: Salih wird 1961 in der türkischen Provinzhauptstadt Nigde geboren. Seine Eltern sind Muslime. 1962 kommen sie nach Deutschland. Salihs Vater arbeitet nach einem Maschinenbaustudium in Krefeld für ein international tätiges Unternehmen. Als Güner 14 Jahre alt ist, geht die Familie aus beruflichen Gründen zurück in die Türkei. Aber er fühlt sich dort – anders als seine 8 Jahre jüngere Schwester – nicht zu Hause. Nach seinem Schulabschluss kommt er wieder nach Deutschland und beginnt ein Architekturstudium in Siegen. Mitarbeiter

DAS WORT DER WOCHE » Wenn bei uns gegen Ende des Gottesdienstes nach einer Stunde mancher beginnt auf die Uhr zu schauen, kommen die Gottesdienste in vielen anderen Teilen der Welt zu diesem Zeitpunkt erst richtig in Fahrt. Wer einmal einen Gottesdienst in Tansania erlebt, bekommt einen Einblick in die Glaubensfreude und Lebenskraft, die dabei zum Ausdruck kommen. « Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm beim Jahresempfang der Evangelischen Akademie Tutzing 5.2014


Idea Spektrum Schweiz 05/2014