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38 21. September 2011

Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt

www.ideaschweiz.ch

Einzelverkaufspreis: CHF 4.–

Konsequent für das Leben Trotz massiven Protesten gehen in Zürich Seite 4 1000 Christen auf die Strasse 7 Ja zum Leben: Josef Lingenhöle

lehnt Abtreibungen konsequent ab

12 Innovativer Bauer: Alpenkino und Alpensauna über dem Zürichsee

9 Werner Messmer: Der FDP-Mann 24 Neue Biografie: Für Bonhoeffer 11 Neue Studie: Freikirchler sind

viel treuere Gottesdienstbesucher

war die Bibel klar „Gottes Wort“

27 Diskussion: Sollen die Kinder

an eine christliche Schule gehen?

Wilf Gasser

Reklame

ist Gott im Bundeshaus oft begegnet

Marc Jost

Matthias Stürmer

Wählen Sie engagierte christliche Stimmen in den Nationalrat.

Je 2 Mal auf Ihre Liste.


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I NSE R AT E

Schweizerischer Verein für Sonntagsfeier SVSF

www.sonntagsfeier.ch

Eine Kampagne der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA und des Jordi Medienhauses. www.jordibelp.ch/wahlen

Wir setzen uns für die Erhaltung und christliche Gestaltung des Sonntags ein! Werden auch Sie Mitglied. Anmeldung und Infos: Ernst Brunner, Rebbergstr. 11, 4800 Zofingen, E-Mail: e.brunner@livenet.ch

Gehet hin in alle Wahllokale. Christliche Werte braucht das Land!

Matthias Kuhn Leitung GMPC und Aussendungshaus, national und international tätiger Referent

Ich wähle EVP,

weil das «E» der EVP wiederum zum Zentrum der Politik werden soll.

Stefan Dollenmeier

Markus Wäfler

Liste19

Nationalratswahlen 2011 www.evp-wählen.ch

Ursula Köppel

Ihre

Rachel Stoessel Leiterin Alphalive Schweiz

Tagung von Zukunft CH zum Thema:

Islam und Demokratie –

Ich wähle EVP, shutterstock / wong yu liang

eine Bestandsaufnahme

weil ihr Engagement von Ehrlichkeit geprägt ist. Nationalratswahlen 2011 www.evp-wählen.ch

am Samstag, 26. November 2011, Hotel Arte, Olten Referenten: • Pfr. Beat Laffer: „Islam und Demokratie“ • Mag. Christian Zeitz: „Gefahren der Demokratie“ • Kurt Beutler: „Unter Muslimen in der Schweiz“ EVP_09_RStoessel_idea_94x63.indd • Erzbischof Dr. Julius Hanna Aydin: „Leben unter dem Islam: Was sich aus islamischen Ländern geflohene Christen von Europa erhoffen“

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Tagungsbeginn: 10.15 Uhr (Ende: 16 Uhr) Anmeldung und Begrüssungskaffee: ab 9.30 Uhr Tagungsbeitrag: 50 Fr. (inkl. Begrüssungskaffee und Stehlunch)

18.8.2011 14:

Christliche Werte stärken!

Anmeldung unter: Zukunft CH, Zürcherstrasse 123, 8406 Winterthur Tel.: 052 268 65 00 oder info@zukunft-ch.ch Anmeldeschluss: 23. November 2011

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Wahlen 2011

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G RÜ E Z I

Dem Leben verpflichtet Überzeugte Christen glauben, dass jeder Mensch nach Gottes Ebenbild erschaffen wurde. Dass der Mensch eine unsterbliche Seele hat, die gemacht ist für die Ewigkeit. Dadurch ist dem Menschen eine grossartige Würde geschenkt. Ganz anders der säkulare Mensch unserer Zeit: Er bestreitet die Leib-SeeleEinheit des Menschen und lehnt jede Abhängigkeit von einem Schöpfergott ab. Er bestimmt über Leben und Tod, als wäre er selber Gott. Erinnern wir uns an die Abstimmung zur Fristenlösung von 1977. Damals wurde bestritten, dass der Mensch von Anfang an ein menschliches Wesen, ja eine Person ist. Trotzdem wurde die Vorlage noch knapp abgelehnt. 2002 wurde dem gleichen Vorhaben mit 72 Prozent zugestimmt. Ein tragischer Wertewandel innert nur 25 Jahren! Dies, obwohl zu diesem Zeitpunkt anerkannt wurde, dass der Mensch bereits von der Befruchtung weg in seiner frühesten Form Mensch ist. Wissenschaftlich war belegt, dass mit der Verschmelzung von Samen- und Eizelle das menschliche Leben beginnt. Warum trotzdem die Akzeptanz, das werdende Kind in seiner frühen Entwicklungsphase abtreiben zu dürfen? Die Antwort ist im Unglauben zu suchen. Der säkulare Mensch glaubt nicht an ein Leben nach dem Tod. Deshalb fühlt er sich niemandem verpflichtet. Dasselbe gilt für das Thema Euthanasie. Auch hier schrecken manche Menschen nicht davor zurück, Hand anzulegen und selber zu bestimmen,

was wertvolles oder unwertes Leben sei. Unsere Gesellschaft ist ein gottloses Volk von Narzissten und Egoisten geworden. Weil Christen den Wert des Menschen im Lichte Gottes sehen, sind sie gefordert, sich in diese Wertediskussion einzubringen und unermüdlich auf die unveräusserliche Würde des Menschen von Leib-Seele-Geist hinzuweisen. Sehr nachdenklich und dankbar fuhr ich nach dem Interview mit dem Gynäkologen Josef Lingenhöle nach Hause (Seite 4). Da ist ein Mann, der mit geradem Rücken eine völlig unpopuläre Haltung vertritt: Er vertraut auf Gott, schützt jedes werdende Leben, ermutigt Eltern, die voraussichtlich ein behindertes Kind bekommen, propagiert natürliche Empfängnisverhütung und ist überzeugt, dass Kinder in jedem Fall eine Gabe Gottes sind. Ich wünschte mir, wir hätten ein Heer von solchen Gynäkologen, die sich kategorisch weigern, Kinder im Mutterleib umzubringen. Rund 1000 Christen nahmen in Zürich am «Marsch fürs Läbe» teil (Seite 7). Sie liessen sich von zahlreichen hasserfüllten, teilweise vermummten Gegendemonstranten nicht davon abhalten, konsequent für das Leben einzutreten. Der Anlass macht Mut, noch vermehrt die Stimme für das ungeborene Leben zu erheben. Genauso wie das Beispiel des Romanshorner Gynäkologen. Wer kuscht und schweigt, nimmt den Tod von vielen unschuldigen Opfern in Kauf.

BIBLISCH Ein Lieblingsbibelwort von Bernhard Möri, Geschäftsleiter der Fachstelle für Lebensberatung, Sexualethik und Beziehungsfragen des Weissen Kreuzes, Dürrenäsch:

«Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.» (Galater 5,14) «Ich mag diese Stelle, weil sie nicht einfach schön ist oder gut tut. Ich möchte ‹Stopp!› rufen. ‹Da ist etwas vergessen gegangen. In Matthäus 22,36ff sagt Jesus doch selbst, dass man Gott zuerst lieben soll! So eine unverschämte Reduktion! Wie kommt der brillante Theologe Paulus zu dieser Aussage?› – Diese Bibelstelle fordert mich heraus, näher hinzusehen und nachzudenken. Sie lädt mich ein, biblische Zusammenhänge nicht nur zu sehen, sondern zu leben.»

WÖRTLICH «Heute sitzt der Mann mitunter wie das Kaninchen vor der Schlange, ja, kniet demütig vor den Frauen und hat seine physische, psychische und sexuelle Kraft eingebüsst. ‹Mannzipation› hiesse denn auch, dass wir uns wieder daran erinnern, dass die Natur zwei Geschlechter geschaffen hat, zwischen denen es Unterschiede, dafür aber auch eine wunderbare Anziehungskraft gibt.» Marco Caimi, Basler Arzt und Autor, der sich auch Männermediziner nennt, im Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Kompetent

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ESTHER REUTIMANN

Reklame idea Spektrum 38.2011

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BR E N N P U N K T

«Keiner ist verpflichtet, Abtreibungen zu machen» JA ZUM LEBEN Ein Gynäkologe, der konsequent keine Abtreibungen durchführt, der die natürliche Empfängnis­ regelung propagiert und der aus voller Überzeugung jedes Leben, das Gott schenkt, willkommen heisst: Ein Gespräch mit Josef G. Lingenhöle in Romanshorn am Bodensee. Auch über seine Erwartungen an die Kirche.

«idea Spektrum»: Was bedeuten Ihnen Ihre beiden Kinder? Josef G. Lingenhöle: Unsere zwei

nicht ihr Richter. Doch ich muss ihnen von diesem Kind erzählen, das hier als Wehrloses um sein Leben gebracht wurde. Viele haben ja schon Mühe, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Es wird alles relativiert, entschuldigt und gerechtfertigt.

Perlen, die sechsjährige Anna und die dreijährige Thea, bedeuten mir sehr viel. Kinder sind Geschenk, Aufgabe und Bereicherung. Wir wünschen uns noch mehr Kinder. Das Motto heisst «Drei+».

Ist es nicht unkollegial, wenn man Abtreibungen den andern überlässt?

Gemäss Psalm 127 Vers 3 sind Kinder eine Gabe Gottes. Wie sehen Sie das?

Genau so sehe ich das auch. Leider ist dieses Empfinden bei vielen Leuten zugeschüttet. Manche fragen sich selber, warum ihnen Kinder mehr Last als Freude sind.

Warum ist dieses Empfinden vielfach verschüttet?

Weil man oft den Zugang zu diesem Geschenk und zum gebenden Schöpfer des Lebens nicht mehr hat. Man hat wie einen Filter mit Vorbehalten eingebaut, anstatt diesem Geschenk Gottes gegenüber offen zu sein. Ein weiterer Grund mag sein, dass der Wert des Menschen abgenommen hat.

Warum haben Sie sich für die Gynäkologie entschieden?

Ich kam über die Embryologie und Anatomie, die ich nach dem Studium für vier Jahre vertieft habe, zur Gynäkologie und Geburtshilfe. Ich schaue es als Berufung an, den Paaren die Fas-

Zur Person Josef G. Lingenhöle, 47, verheiratet, zwei Töchter, Facharzt für Gynäkologie/Geburtshilfe. Machte 1991 sein medizinisches Staatsexamen an der Uni Bern. Danach vier Jahre an der Uni Fribourg am Institut für Anatomie und spezielle Embryologie. Diverse Stellen zur Fachausbildung Geburtshilfe und Gynäkologie als Assistenzarzt und Facharzt sowie Aufenthalte im In- und Ausland. Seit vergangenen Juli eigene Praxis in Romanshorn. Nebenberufliches Engagement als Stiftungsrat bei «Ja zum Leben». www.ja-zum-leben.ch

Konsequent für das Leben: Josef G. Lingenhöle in seiner Praxis.

zination der Embryologie, der Entwicklung des ungeborenen Kindes, bewusst zu machen.

Heute wählen junge Frauen eher eine Gynäkologin. Haben Sie als Mann einen schwereren Stand?

Da muss ich widersprechen. Ich liess mir von Frauen sagen, dass manche nach einer gewissen Zeit zu einem männlichen Gynäkologen wechseln, weil dieser oft geduldiger und feinfühliger auf ihre Anliegen eingehen würde und sich mehr Zeit nähme.

Wie sehen Sie das werdende Leben im Mutterleib?

Das ist der Mensch am Beginn seines Lebens, der von der Zeugung an in seiner hilflosen Form ganz auf die Mutter angewiesen ist. Der Name Gebärmutter hat eine starke Bedeutung: die erste schützende Stätte fürs werdende Leben, für den ungeborenen Menschen. Traurig, dass dieser Ort teilweise zum gefährlichsten Ort geworden ist, wo Kinder nicht mehr sicher sind! Ich sehe auch gerne Bilder von der schwangeren Mutter Gottes Maria. Ein Bild dafür, dass Gott Mensch wurde und ganz natürlich in seiner Mutter neun Monate reifen musste.

Was bedeutet Ihnen Gott als

Schöpfer des Lebens?

Gott ist der Ursprung, Geber alles Guten. Im Alten Testament heisst es, er sei der Liebhaber des Lebens. Eltern sind Mitschaffende, es ist wie eine Prokreation. Es gibt heute ja auch die Reproduktion eines Menschen im Glas. Ein Hinweis, dass wir die Finger davon lassen sollen. Wir sind nicht die Macher, Gott ist der Geber des Lebens.

Ist eine Abtreibung Mord?

Ja – man muss es so knapp und deutlich sagen. Viele glauben nicht mehr an eine unsterbliche Seele. Wenn man das nicht glaubt, kann man auch abtreiben, denn dann ist ja nach dem Tod sowieso alles fertig. «Je früher die Abtreibung erfolgt, umso weniger schlimm»: Mit diesem Gedanken kann man sogar fast ausblenden, dass es sich um ein Menschenleben handelt. Doch das ist eine humanistische und keine christliche Sicht. Wer den Menschen mit Leib, Seele und Geist anerkennt, sieht das anders.

Wie halten Sie es selber mit der Abtreibung?

Ich lehne sie kategorisch ab. Ich habe es nie getan und werde es nie tun. Ich verurteile aber Ärzte und Frauen nicht, die es gemacht haben. Ich bin ihr Mitmensch und

Keiner muss eine Abtreibung machen. Man hat sich einfach damit abgefunden. Keiner ist verpflichtet, seinen Nächsten umzubringen! Wenn es keiner machen würde, gäbe es das auch nicht. Viele junge Kollegen wählen deshalb dieses Fachgebiet nicht, weil sie keine «blutigen Hände» wollen. Sie wollen nicht abtreiben. An Spitälern bekam man früher mit dieser Haltung noch eher eine Stelle, heute ist es schwierig bis unmöglich. Junge Ärzte, die gegen die Abtreibung sind, werden von manchen Chefärzten nicht angestellt. Offiziell erfährt man das nicht, denn es wäre ein Akt der Diskriminierung. Doch es wird so begründet: Das Gesetz verlangt Abtreibung als Pflichtleistung. Leider kommen junge Ärzte später oft von ihrer konsequenten Haltung ab. Wenn sie Abtreibungen einmal gemacht haben, können sie kaum mehr zurück. Und wenn sie es doch täten, käme es einem grossen Bekenntnis gleich.

Wie beraten Sie eine Frau, die ihr Kind unbedingt abtreiben will?

Ich frage nach dem Warum. Und ich erkläre ihr, warum ich es nicht tue. Gleichzeitig biete ich konkret Hilfe an, denn ich bin überzeugt, dass man in jedem Fall helfen kann. Im Nachhinein sind die Frauen sehr dankbar, wenn sie das Kind behalten haben.

Wie kommt es, dass heute in der Schweiz jährlich 11 000 Kinder abgetrieben werden?

Schätzungsweise sind es noch mehr! Zwar wird gesagt, die Zahl sei sinkend. Man will damit signalisieren, dass die Fristenlösung idea Spektrum 38.2011


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erfolgreich war. Wenn man korrekterweise die Antibaby-Pille, die «Pille danach» und weitere Medikamente wie RU486 mitrechnet, die den Embryo ab seiner frühesten Phase eliminieren können, so ergibt das eine grosse Dunkelziffer, die bedeutend grösser ist.

Welche Antwort erwarten Sie von der Kirche in der Abtreibungsfrage?

Eine ganz klare Pro Life-Haltung und dass eine Abtreibung nie eine Lösung ist, nicht für eine Christin, einen Christen und auch sonst für niemanden. Abtreibung ist ein Rückfall in vorchristliche Zeiten! Unsere Gesellschaft hat die Orientierung verloren.

Was raten Sie einer Frau, deren Kind voraussichtlich behindert zur Welt kommen wird?

Ich tue alles, dass das Paar optimal auf die Geburt vorbereitet wird, das heisst eine vorgeburtliche Begleitung und Hilfe, damit Schwangerschaft und Geburt gut verlaufen. Wenn es hilfreich ist, muss man als Möglichkeit eine pränatale Untersuchung in Betracht ziehen. Diese könnte helfen, die Schwangerschaft adäquater zu begleiten und zu betreuen. Wenn man das kranke Kind als Patienten behandeln kann, ist es eine gute Sache. Die fötalmedizinischen Anstrengungen sind gross, und manche Kinder werden schon im Mutterleib operiert. Eigentlich ist das eine paradoxe, schizophrene Haltung: Einerseits wird abgetrieben, wo man andererseits im gleichen Entwicklungsstadium alles zur Erhaltung des Lebens unternimmt.

Was raten Sie kinderlosen Ehepaaren, die unbedingt ein Kind haben möchten?

10 bis 20 Prozent der Paare bleiben kinderlos. Viele Faktoren spielen da mit. Die Paare sind heute im Durchschnitt älter, wenn sie sich für Kinder entscheiden, viele negative Umwelteinflüsse und Infektionskrankheiten der Geschlechtsorgane nehmen zu, und die Spermienqualität nimmt allgemein deutlich ab. Ich arbeite mit den Methoden der NaProTechnology: Das ist eine frauenund zyklusgerechte Frauenheilkunde, die auch die Therapie des Mannes einschliesst. Es wird versucht, die zugrunde liegenden Störungen gezielt abzuklären und idea Spektrum 38.2011

Für einen natürlichen Umgang mit dem Körper Wie stellen Sie sich zur Empfängnisverhütung? Josef G. Lingenhöle: Man muss unterscheiden zwischen natürlicher Empfängnisregelung sowie Verhütung im Allgemeinen und den verhütenden Methoden, die teilweise abtreibende Wirkung haben. Darüber sollte sich jedes Paar genauestens informieren, respektive vom Arzt richtig informiert werden. Beispielsweise darüber, dass die Frau mit der Antibaby-Pille bewusst oder auch unbewusst ein Risiko eingeht, weil sie den Nutzen der Pille grösser einschätzt als die Nebenwirkungen respektive die unerwünschten Wirkungen. Ich propagiere die natürliche Empfängnisregelung. Da gibt es verschiedene Methoden: Reine Beobachtungsmethoden der kör-

perlichen Symptome, Temperaturmethoden, kombinierte Methoden, Methoden mit Messgeräten, die mittels Teststreifen Hormone messen in Kombination mit Temperaturmethode und vieles mehr. Wichtig ist, dass die Frau ihren Zyklus kennt und ihren Lebensrhythmus danach ausrichten kann. Wenn die Frau ihre Biorhythmen auseinanderreisst, spürt sie, dass es nicht in Ordnung ist. Ich vertrete keine Ideologie, und ich bin nicht «grün». Ich möchte, dass wir umkehren zu einem natürlichen Umgang mit unserem Körper und unserer Menschlichkeit. Wir haben in verschiedenen Lebensbereichen ein Tempo entwickelt, das uns als Menschen nicht entspricht. Ich versuche, die Frauen für diese Natürlichkeit zu motivieren.

medizinisch zu beheben, medikamentös oder operativ. Es wird zyklusgerecht therapiert, und auch die Fruchtbarkeit des Mannes wird genau untersucht. Oft liegt das Augenmerk bei vermeintlicher Unfruchtbarkeit viel zu wenig beim Mann.

eigentlichen und im übertragenen Sinn steril und unfruchtbar. Jedes Kind ist kostbar und ein Geschenk. Ich bin überzeugt, dass Gott uns die Kraft zum Tragen gibt. Wenn wir diese Offenheit Gott gegenüber haben, glückt unser Leben auch eher. Das ist die Fülle unseres Lebens als Christen, wenn wir Gott vertrauen. Das ist der Königsweg für einen Christen.

Und Sie haben Erfolg?

Ja, und auf eine Art und Weise, die deutlich schonender ist als die In-vitro-Fertilisation (IVF). Dazu behandeln wir in diesem Programm auch die Männer, die oft aufgrund der verschärften Kriterien betreffend Spermiogramm gleich zur IVF geschickt werden.

Wie stellen Sie sich zur Sterilisation?

Ich verstehe, dass das die Leute wollen, doch ich biete es nicht an. Einzelne machen sie sogar rückgängig, weil sie diese medizinisch schlecht vertragen haben oder es für sie ethisch nicht gut war. Es ist auch eine Art der Verhütung und keine Empfängnisregelung.

Greift man dem Schöpfer ins Handwerk, wenn man sich für eine Sterilisation entscheidet?

Ich denke schon, denn man will etwas Definitives, Ausschliessendes machen. Erstens wollen wir alles planen, und zweitens lösen wir damit die Verbindung von Liebe, Sexualität und Prokreation auf. Nicht dass jeder Geschlechtsverkehr nur zur Zeugung eine Kindes angelegt ist, aber dass er die Offenheit für ein Kind behält. Sonst wird der Geschlechtsakt im

Wie kann unsere Gesellschaft den Wert des Kindes neu entdecken?

Indem Menschen guten Willens und Christen sich persönlich im Gemeinwohl engagieren und die Bedingungen für Kinder verbessern. Die Politik ist gefragt: zum Beispiel mit Erziehungsgeldern und allem, was die Familie stärkt. Dann muss auch ins Gesundheits-, ins Schul- und Erziehungswesen investiert werden. Bei vielen Investitionen sieht man im Moment nichts, doch es sind nachhaltige Werte, die man unterstützt.

Wie pflegen Sie Ihre Beziehung zu Gott, unserem Schöpfer?

Durch das Gebet und das Lesen der Bibel allein oder in der Gemeinschaft. Als Katholik auch durch den Gottesdienstbesuch und den Empfang der Sakramente. Auch der Austausch mit Menschen aus andern Konfessionen und Religionen ist mir wertvoll. Und indem ich mein Leben so zu gestalten versuche, wie ich meine, dass Gott es möchte. Interview: ESTHER REUTIMANN

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PODIUM Gehen wir wählen! Die eidgenössischen Wahlen stehen vor der Türe. Wählen ist wahrscheinlich die wichtigste staatsbürgerliche Tätigkeit. Man kennt das berühmte und zutreffende Wort Churchills: «Die Demokratie ist das schlimmste politische Regime mit Ausnahme aller anderen!» Auf dieser Welt ist die Demokratie das einzige System, das erlaubt, alle Freiheitsrechte zu gewähren. Eine grundsätzliche Bedingung zur Erhaltung der Menschenwürde. Der grosse Evangelist Billy Graham sagt zu recht, dass die Demokratie ein Geschenk und ein Segen Gottes ist. Zu viele unserer Zeitgenossen verschmähen sie, wie die Leute, die den Wert der Gesundheit nicht schätzen, weil sie ja gesund sind. Ohne freie Wahlen ist die Demokratie unvorstellbar. Wählen bedeutet also eine Wertschätzung der Demokratie. Die besonderen Eigenschaften unseres Wahlsystems sollten uns umso mehr bewegen, an Wahlen teilzunehmen. Das Proporzsystem, das für die Nationalratswahlen gilt, ist eines der besten in dieser Welt. Dieses System erlaubt das Panaschieren. Der Name einer Kandidatin oder eines Kandidaten kann also auch auf einer andern Liste eingetragen werden. Es ist das System, das die breitesten und differenziertesten Wahlmöglichkeiten anbietet, ohne das Funktionieren der Institutionen einzuschränken. Im Gegensatz zum Majorzsystem führt das Proporzsystem zu einer Zusammensetzung des Parlaments, das den politischen Willen der Bevölkerung sehr gut widerspiegelt. Und es erlaubt auch Parteien und Politikern, die nicht die Werte oder die Weltanschauung der Mehrheit teilen, in den Nationalrat gewählt zu werden. Gehen wir also wählen, profitieren wir von unserem vorzüglichen Wahlsystem, und nehmen wir gerade auch als Christen unsere Verantwortung wahr! JEAN-PIERRE GRABER Der Autor, Dr. rer. pol., ist Nationalrat der SVP und wohnt in La Neuveville BE.


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I nse r at e | s t e lle n

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14 Cit City Ch Church: h GGott in i mehreren h

11 Führung: So kam Transport-Chef

20 Juden und Christen: Seit jeher

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Ungeborene haben eine unüberhörbare Stimme «MARSCH FÜRS LÄBE» Ungefähr 1000 Menschen machten sich am Samstag in Zürich mit einem Umzug und einem

ökumenischen Gottesdienst für das Recht auf Leben stark. Gegendemonstranten versuchten, den Anlass mit einem Pfeif- und Hupkonzert zu stören. Der Appell, ungeborenes Leben zu schützen, wurde trotzdem gehört. «Bitte, lasst mich leben!»: Unter diesem Motto stand die von elf Organisationen durchgeführte Kundgebung auf dem Helvetiaplatz in Zürich. Jugendliche und Kinder waren dabei und erfreulich viele Menschen im Rollstuhl. Viele trugen den offiziellen Veranstaltungsbutton, ein Mann erschien in einem EVP-Shirt, andere trugen Ansteckknöpfe der EDU oder hielten Ballons in den Händen. Um die bewilligte Kundgebung vor etwa 200 Randalierern zu schützen, setzte die Stadtpolizei Wasserwerfer, Gummigeschosse und Tränengas ein.

Chaoten in «Partylaune»

Während sich die ersten Marschteilnehmenden vor der Bühne mit dem gut sichtbaren Kreuz aufstellten, wurde ruhige Anbetungsmusik eingespielt. Fast zeitgleich begann das Hup- und Pfeifkonzert von teils vermummten Personen aus der alternativen Szene. Die Transparente stimmten nachdenklich: «Hätt’ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben», stand da zu lesen, oder: «Eure Kinder werden so wie wir» und «Jesus raus». Während betende Menschen den Platz umgaben, stellte die Stadtpolizei mit ihrem überlegten und entschiedenen Vorgehen eine friedliche Kundgebung sicher.

Innere Grösse in kleinem Körper Der junge Rapper «Sent» erhielt

Der Appell «fürs Läbe» wurde trotz massivem Störmanöver gehört.

für einen kurzen Moment sogar die Aufmerksamkeit der Linksautonomen. «…ich han käi Chance übercho – oooo – mys Lebe wers wert gsy». Priska Käser und ihr Mann haben zu vier eigenen noch zwei Kinder mit Down-Syndrom adoptiert. «Kein Mensch kommt perfekt zur Welt. Doch Gott will sehen, wie wir Menschen damit umgehen», sagte die sechsfache Mutter. Die beiden behinderten Mädchen Joy und Katja winkten von der Bühne fröhlich in die Menge. Das bleibt wohl allen unvergessen. Alt-Nationalrat Christian Waber dankte den Anwesenden dafür, «dass Sie sich in einer gottlosen

Das ist die «Charta fürs Läbe» Gemeinsam verlasen die Kundgebenden die folgende Charta: «Wir bekennen, dass wir es versäumt haben, den Schwächsten unserer Gesellschaft Schutz und Lebensrecht zu gewähren. Wir bekennen, dass wir behinderten, kranken und sterbenden Menschen nicht den gebührenden Platz in unserer Gesellschaft gegeben haben. Wir bitten Gott, den Allmächtigen, um Verzeihung für unsere Unterlassungen, unsere lebensfeindlichen Taten, unser feiges Schweigen. Wir trauern idea Spektrum 38.2011

um zehntausende von Kindern, die in unserem Land das Licht der Welt nicht erblicken durften. Wir gedenken der Täter und Mittäter, deren Seelen durch die Abtreibungspraxis geschädigt wurden. Wir bitten Gott, den Allmächtigen, um Umkehr und Heilung für unser Volk. Mit unserem persönlichen Leben und Wirken setzen wir uns gewaltlos dafür ein, dass Ungeborene, Behinderte und Kranke in der Schweiz wieder uneingeschränktes Lebensrecht erhalten.» www.marschfuerslaebe.ch

Zeit für zeitlose Werte einsetzen.» Die Abtreibungsziffer zwischen 10 000 bis 30 000 sei ein «Riesenskandal». Waber rief dazu auf, Hoffnungsträger zu bleiben: «Was um uns herum geschieht, soll uns darin bestärken, mit Liebe, Freude und Humor für unsere Ansichten einzustehen. Schweigen ist keine Alternative!» Und die vorgeburtliche Selektion? «Viele werdende Eltern haben Angst und halten den Gedanken nicht aus, lebenslang ein Kind zu pflegen», sagte die kleinwüchsige Kathrin Keller. «Es steht keinem Menschen zu, über Leben und Tod zu urteilen. Unsere Gesellschaft hat den Auftrag, betroffene Eltern in ihrer Aufgabe zu unterstützen», forderte die bald 50-jährige Sozialarbeiterin.

deren Teil des etwa 200 Meter langen Umzugs mit Transparenten, symbolischen Styroporsärgen abgetriebener Kinder und weissen Kreuzen. Die Trommelformation «Samba Shine Jesus» symbolisierte mit ihren unüberhörbaren Tönen die Freude am Leben. Unter der Leitung von Christoph Keel, dem Sekretär der Lebensrechtsorganisation HLI (Human Life International) wurde die «Charta fürs Läbe» verlesen (siehe Kasten). Gemeinsam beteten die Versammelten um Kraft und Mut für werdende Mütter von gesunden sowie voraussichtlich nicht ganz gesunden Kindern. Zum Abschluss wurde die Landeshymne gesungen, während Pfeifen und Hupen zum Schlussstakkato ansetzten. Für den Mitorganisator Daniel Regli ist klar: «Die Trägerschaft beharrt trotz der Angriffe von Anarchisten auf ihrem Recht der freien Meinungsäusserung. Der diesjährige Anlass hat motiviert, noch entschiedener dafür einzustehen, dass die Menschen in der Schweiz wieder uneingeschränktes Lebensrecht geniessen dürfen. Und zwar vom Mutterbauch bis zum Sterbebett.» THOMAS FEUZ

Segensgebet für die Mütter

Im ökumenischen Gottesdienst betonten die beiden Pfarrer Michael Herwig (Schleife, Winterthur) und Roland Graf (römisch-katholische Kirchgemeinde Unteriberg SZ) den Wert des menschlichen Lebens. «Wir alle sind ein Abbild Gottes», sagte Graf. Und Herwig doppelte nach: «Es ist uns eine Ehre, die Fahne für das Leben zu hissen.» Diese «Fahne» wurde dann mutig durch die Innenstadt getragen: Im vor-

Die klare Aussage einer Direktbetroffenen in Zürich. Bilder: idea/tf


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Leiter sollen sich heute als Hebamme verstehen IGW IM AUFBRUCH Leiter sollen sich nicht mehr als Fachmänner, sondern als Hebammen verstehen. Das betonte

Gemeindebau-Experte Alan Roxburgh am Kongress «Kirche im Aufbruch». Das IGW feierte den 20. Geburtstag. Am 15. und 16. September strömten 160 Teilnehmer an den Kongress «Kirche im Aufbruch» in Rotkreuz, der vom Institut für Gemeindebau und Weltmission (IGW) organisiert worden war. Die Hauptreferate wurden vom kanadischen Gemeindebau-Experten Alan Roxburgh gehalten.

Eine Welt ohne Karten

Roxburgh stellte in einer erschreckenden Analyse der heutigen gesellschaftlichen und kirchlichen Situation fest: «Unsere Karte von der Welt, die wir im Kopf haben, stimmt nicht mehr mit der heutigen Realität überein. Alte Konzepte funktionieren nicht mehr. Wir leben in einer Welt, für die wir keine Landkarten mehr haben.» Herkömmliche Leiterschaftskonzepte, die mit Hilfe von Vision, Strategie und Management funktionieren, würden in der gegenwärtigen Welt versagen. Die heutige Leiterschaft sei herausgefordert, alte Sicherheiten und Kontrollen aufzugeben und

Geschafft: Die 40 frisch diplomierten Absolvierenden des IGW.

sich Gottes Wirken in ihrer Nachbarschaft anzuschliessen. Kirche müsse wieder lokal werden. Die Gemeindeglieder müssten für den Dienst an ihrer Nachbarschaft freigesetzt werden. Zu einer solchen Veränderung könne nur ein Paradigmenwechsel im Leiterschaftsverständnis führen, wie ihn Roxburgh anhand von drei Bildern ausführte. Kirche solle von den Leitern nicht länger als Klassenzimmer, sondern als Kunstatelier verstanden werden, in dem es Raum gibt für Ideen und Kreativität. Leiter sollen sich

nicht mehr als Fachmänner verstehen, sondern als Hebammen, die die Geburt von etwas Neuem nicht kontrollieren, aber fördern können. Zuletzt sollen Leiter den Dienst des Abtes tun, der sich um seine Nachbarschaft kümmert.

40 Studierende ausgezeichnet

An den Abenden feierte IGW. Am Donnerstag wurden 40 Studierende mit einem Zertifikat oder Diplom ausgezeichnet. Am Freitag feierte IGW das 20-jährige Bestehen. 70 prominente Gäste aus Geschichte und Gegenwart des IGW

waren beim Bankett anwesend und wurden mit musikalischen und kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt. Unter den Gästen war auch Sebastian Brändli, Vorsteher des Hochschulamtes des Kantons Zürich. Er sprach in einem kurzweiligen Vortrag über die Schnittstellen von Theologie und Bildung. Professor Johannes Reimer rief am Ende seiner Festrede freudig aus: «IGW – innovativ, grandios, weltmissionarisch!» DaviD Staub

Neue Lernformen Ergänzt wurden Alan Roxburghs Impulse von neuen experimentellen Workshop-Methoden wie «Praktikermarkt» und «World Café». Da wurden unter anderem 95 Thesen für eine missional erneuerte Kirche formuliert. Die Referate sowie die Resultate der Workshops können ab dem 15. Oktober heruntergeladen werden: www.igw.edu/downloads

Freikirchen klar gegen mehr Forschung an Embryos FORTPFLANZUNGSTECHNIK Die Leiterkonferenz der Freikirchen nimmt klar Stellung gegen die Liberalisierung des Ge-

setzes über die Forschung an befruchteten Eizellen. Zudem plant sie einen Strategietag zur Zukunft des Verbandes.

Mit einer sorgfältig ausgearbeiteten, zehnseitigen Stellungnahme (Download unter www.freikirchen.ch) begründet der Verband VFG – Freikirchen Schweiz die Ablehnung des Gesetzesentwurfs, welcher die Einschränkungen der Forschung an Embryos abbauen will. Das neue Gesetz würde der

Erste Gastmitglieder An der Leiterkonferenz wurde ersten Institutionen der Gästestatus verliehen. Es sind dies die «Chile Hegi» in Winterthur, das IGW, World Vision, das Theologische Seminar Bienenberg und das TheologischDiakonische Seminar Aarau. Die Gastmitglieder tauschen sich jährlich an einem halben Tag mit den Verbandsleitern aus.

Forschung beziehungsweise der medizinischen Fortpflanzungstechnik zum Beispiel ermöglichen, acht Embryos zu züchten und sieben davon wieder zu vernichten, heisst es in der Stellungnahme. Doch nicht nur dies sei aus ethischen Gründen abzulehnen, sondern auch die Begründung, dies liege im Interesse der Eltern. Das Gesetz sei im Gegenteil für alle direkt und indirekt Betroffenen problematisch. Die Möglichkeit, die Geburt von behinderten Kindern mittels Präimplantationsdiagnostik (PID) zu verhindern, sei für alle Behinderten diskriminierend. Für sie bedeute es, dass sie eigentlich nicht hätten auf die Welt kommen dürfen. Für künftige Eltern steige der Druck, keine behinderten Kinder

zu Welt zu bringen, welche die sozialen Systeme belasten. Mit der PID werde letztlich nicht gegen Krankheiten und Behinderungen vorgegangen, sondern gegen kranke und behinderte Menschen. Der VFG dazu: «Es gehört zu unserem Verständnis und zu unserer Erfahrung, dass die Eltern das Kind annehmen und lieben sollten, so wie es ist. Eltern, die nur Wunschkinder haben wollten, seien möglicherweise als Eltern überfordert.

Die Zukunft des Verbandes

In Bern haben die Präsidenten und Delegierten der Freikirchen auch Vorschläge zur Weiterentwicklung des Verbandes eingebracht. Übereinstimmend hielten sie fest, das Ziel

Die Vertreter der freikirchlichen Verbände mit (vorn) Claudia Haslebacher (EMK), Siegfried Nüesch (FEG), Max Schläpfer (Präsident).

der Einheit unter den freikirchlichen Verbänden in der Schweiz sei faktisch erreicht. Nun gelte es zu klären, welche Ziele sich der Verband setzen wolle und wie er an der Veränderung der Gesellschaft mitwirken wolle. Der Vorschlag zur Durchführung eines Strategietages fand die Zustimmung aller 13 Freikirchenverbände. FRitZ iMHOF idea Spektrum 38.2011


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«Ich bin Gott jeden Tag begegnet»

ÄXGÜSI

LETZTE SESSION Jeden Tag ist ihm Gott im Bundeshaus begegnet. Das bekennt National­

Welche Toleranz?

rat Werner Messmer zum Abschluss seiner parlamentarischen Tätigkeit. 1999 gewählt, erlebt der 66­jährige Thurgauer FDP­Politiker nun die letzten Tage im Bundeshaus. Sie waren im Frühjahr gesundheitlich stark angeschlagen. Eine Folge der Politik? Werner Messmer: Absolut nicht!

ja fast alle zur Weissgeldstrategie.

Was kann der Einzelne unter 200 Nationalräten bewirken?

Wenn der Mensch etwas gerne macht, belastet ihn das viel weniger. Die Politik war wohl zeitlich oft eine Belastung, aber kaum für das Herz. Doch es stimmt, ich hatte im März eine schwere Herzoperation. Heute geht es mir aber wieder sehr gut.

Abschied vom Bundeshaus: Kein bisschen Wehmut?

Bis jetzt jedenfalls nicht. Natürlich kann ich mir vorstellen, dass mir das Bundeshaus einmal fehlen wird, speziell dann, wenn ich wieder für meine Überzeugungen kämpfen möchte. Und das mache ich ja mit Leidenschaft.

Planen Sie eine Abschiedsfeier?

Dazu bin ich nicht der Typ. Ich werde meinen Tramp durchziehen. In der letzten Sessionswoche kommt jeweils meine Frau nach Bern. Ich werde auch diesmal jeden Abend mit ihr so geniessen wie bisher.

Was meint Ihre Frau zum Rücktritt?

Sie hat gemischte Gefühle. Sie ist froh, dass ich künftig mehr daheim sein werde und dass wir zusammen etwas unternehmen können. Auf der andern Seite wird sie die Wochen in Bern vermissen – auch wegen dem «Lädele».

Wie oft sind Sie Gott begegnet im Bundeshaus?

Nur Christen wählen?

Am 23. Oktober wird das Parlament gewählt. Sollen Christen konsequent Christen wählen? Werner Messmer: Wenn ich jetzt nur ja oder nein sagen dürfte, würde ich nein sagen. Für mich steht die Qualität an erster Stelle. Christen werden in der Berufswelt auch nicht einfach darum angestellt, weil sie Christen sind. Leistung und Qualität müssen stimmen. Genau gleich sollte es in der Politik sein. idea Spektrum 38.2011

Es ist so, dass man als Einzelkämpfer nichts bewegen kann. Man braucht Mehrheiten. Da habe ich als Mitglied einer grösseren Partei Vorteile und eine gewisse Hausmacht hinter mir. Wenn es gelingt, glaubwürdig aufzutreten, kann man Mehrheiten schaffen, über die Parteigrenzen hinaus. Das habe ich etliche Male erlebt. Werner Messmer kämpfte in Bern gerne für seine Überzeugungen.

Jeden Tag, ohne Zweifel! Für mich ist die Begegnung mit Gott nicht abhängig von speziellen Ereignissen. Wer im Segen des Herren leben will, muss versuchen, gedanklich immer wieder bei ihm zu sein. Das beinhaltet das Danken, das Bitten, auch Stossgebete.

Wie oft haben Sie etwas gespürt von Gottes Geist im Bundeshaus?

Ich will es so sagen: Jeden Mittwochmorgen findet während der Session eine kurze Besinnung statt. Ich bin wenn immer möglich dabei. In dieser kurzen Zeit mit politisch ganz unterschiedlichen Leuten spüre ich immer wieder, dass Gottes Geist da ist – über alle Parteigrenzen hinweg.

Mit oder ohne Gott politisieren: Was macht den Unterschied?

Gott schenkt die Kraft und die Fähigkeit, nicht gegen Menschen zu kämpfen, sondern für die Sache. Das führt dazu, dass ich andere Politiker nicht beleidigen muss, auch Andersdenkende nicht, sondern dass wir zu fairen Streitern werden.

In welcher Situation haben Sie Gott eindrücklich erlebt?

Ich habe Gott nie gebeten, dass er mir siegen helfe. Aber Gott gibt mir die Kraft, meine Überzeugungen glaubwürdig zu vertreten. In der ganzen Weissgelddebatte habe ich trotz massiver Angriffe nie daran gezweifelt, auf dem richtigen Weg zu sein. Heute bekennen sich

89 National- und Ständeräte haben einen Bettagsaufruf unterschrieben. Wird das Parlament frömmer?

Nein. Wertefragen und Fragen der Moral können heute allerdings besser thematisiert werden, aber mehr im Sinne von grösserer Toleranz. Man ist auch offener gegenüber der christlichen Kultur.

Was wäre wohl möglich, wenn sich das Parlament vermehrt an biblischen Werten orientieren würde?

Ich gehöre dem Nationalrat nun seit zwölf Jahren an, und in dieser Zeit wurde der Konkordanzgedanke immer mehr verdrängt vom Machtkampf für die eigene Position. Würde der Glaube an Jesus Christus mehr Menschen prägen, könnten wir zur Überzeugung zurückfinden, dass wir im Miteinander weiter kommen.

Als Christ wird man ja angeblich nie pensioniert. Was heisst das für Sie?

Ich teile diese Auffassung nicht! Wer ein so engagiertes Leben geführt hat, muss auch den Mut haben, ins zweite Glied zurückzutreten. Als Präsident des Baumeisterverbandes wurde ich ja nochmals für vier Jahre gewählt. So lange werde ich auch den Puls der Wirtschaft und der Gesellschaft spüren und glaubwürdig auftreten können. Aber nachher? Denkbar ist, dass ich in sozialen und humanitären Gebilden im Hintergrund mitschaffen könnte. Interview: ANDREA VONLANTHEN Bild: idea/av

Zum zehnten Jahrestag der Ereignisse von 9/11 las US-Präsident Obama den zweiten Vers aus Psalm 46: «Gott ist unsere Zuflucht und Stärke.» Auf einem anderen Fernsehsender höre ich einen farbigen Amerikaner islamischen Glaubens, der erzählt, wie ein Weisser ihm nach 9/11 aus purer Rachsucht ins Gesicht geschossen hat. Knapp überlebt, ist er fortan auf einem Auge blind. Der Täter hat noch auf weitere Moslems geschossen und auch ein paar getötet. Dafür wurde er hingerichtet. Der blinde Moslem bezeichnete dies als traurigsten Tag seines Lebens. Er habe geweint, weil er überzeugt sei, dass die Spirale der Gewalt nur mit Vergebung gestoppt werden kann. Diese beiden klaren Positionsbezüge stehen in bemerkenswertem Kontrast zu hiesigen Berichterstattungen über Ereignisse mit Glaubensbezug. Aus europäischen Ländern liest man meistens negative Schlagzeilen oder belächelnde Kommentare im Zusammenhang mit dem (christlichen) Glauben. Insbesondere wird immer wieder der Vorwurf erhoben, dass nämlich die öffentliche Bezugnahme auf Glaubensüberzeugungen per se fundamentalistischen und intoleranten Charakter habe. Der Glaube als solcher wird deshalb gerne ins Private verbannt und durch eine diffuse Toleranzideologie ersetzt. Die Schriftstellerin Dorothy L. Sayers schrieb vor gut hundert Jahren: «In der Welt heisst sie Toleranz, aber in der Hölle heisst sie Verzweiflung, die Sünde, die an nichts glaubt, sich um nichts kümmert, nichts wissen will, nichts stört, nichts geniesst, nichts hasst, in nichts einen Sinn findet, für nichts lebt, und am Leben bleibt, weil es nichts gibt, für das sie sterben wird.» Gerade wir Christen haben allen Grund, klar und «de-mutig» dafür einzustehen, dass Bekenntnisse zu persönlichen Werten weiterhin vorurteilslos öffentlich vertreten werden können! DANIEL LINDER Der Autor ist Mediensprecher von ICF Zürich.


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SYNERGIE Leere Räume Als wir vor acht Jahren unser Einfamilienhaus in Oberhofen bauten, mussten wir feststellen, dass wir ein Zimmer zu wenig erstellt hatten. Die älteste Tochter kam nämlich unerwartet wieder nach Hause. In der Folge zogen sie und ihre Schwester dann aber bald aus, so dass nur die beiden jüngeren Kinder noch zu Hause waren. Diesen Sommer jetzt der grosse Exodus: Der Sohn, nach der RS, absolviert ein BMSPraktikum im Seeland und wird in eine WG ziehen. Das Nesthäkchen ist im zweiten KV-Lehrjahr ebenfalls am Bielersee. Dies bedeutet drei leere Zimmer, und es fehlen die vertrauten Geräusche aus dem Badezimmer. Frühstück zu zweit, Mittagessen zu zweit, Nachtessen zu zweit statt wie früher zu sechst. Der manchmal störende Lärmpegel ist verschwunden und fehlt. Welche Themen haben meine Ehefrau und ich, nachdem das Familienleben früher dominiert

wurde durch Freuden und Leiden der Kinder? Immerhin eine erfreuliche Erkenntnis: Wir haben uns noch viel zu sagen, obschon die Kinder fehlen. Aber wir müssen lernen, die leeren Räume zu ertragen. Nächsten Frühsommer werden wir in eine kompakte 4,5-Zimmerwohnung zügeln. Das «Raumproblem», das Problem der leeren Räume also, wäre damit gelöst. Das Loslassen der Kinder, ein ebenso schwieriger wie natürlicher Prozess, hat aber erst begonnen. Loslassen ist auch ein Entlassen, in die selbständige Mündigkeit nämlich. Anspruchsvoll, nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kinder. Auch sie müssen loslassen. Es entstehen nach Beendigung des Ablösungsprozesses modifizierte Beziehungen. Es ist sozusagen ein Weg von der Überordnung zum gleichwertigen Verhältnis auf Augenhöhe. Eine ganz neue Qualität der Beziehung, aber eben eine Qualität. Loslassen heisst auch, Partnerinnen und Partner unserer Kinder zu akzeptieren und zu lieben lernen. Auch das eine anspruchsvolle Aufgabe,

nicht selten auch eine schwierige. Schön, wenn es gelingt, zusätzlich zu den eigenen Kindern noch deren Partnerinnen oder Partner in die Familie aufzunehmen. Loslassen ist auch mit Schmerz verbunden, Trennungsschmerz. Die Vernunft funktioniert nicht immer so wie das Gemüt, die Emotionen. Abschied nehmen und gleichzeitig auch Willkommen heissen. Uf Wiederluege und uf bald: Andrea, Michael, Simone und speziell Nicole. Zur Heirat des Mannes heisst es in 1. Mose 2,24: «Darum verlässt ein Mann seine Eltern und verbindet sich so eng mit seiner Frau, dass die beiden eins sind mit Leib und Seele.» Loslassen wird auch hier vorausgesetzt. CHRISTOPH WIRZ Der Autor arbeitet als Notar mit eigenem Büro in Oberhofen am Thunersee.

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JOURNAL Heilsarmee: Neue Leitung

Am Sonntag wurde Chefsekretär Franz Boschung als Gesamtleiter des Territoriums Schweiz, Österreich und Ungarn eingesetzt. Er ersetzt den Ende August pensionierten Kurt Burger. Neuer Chefsekretär ist Massimo Tursi. (idea)

EVP bringt Resolution

Die EVP will rasche und korrekte Asylverfahren. Am Wahlauftakt vom Samstag auf dem Bundesplatz wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet. Die EVP tritt in 13 Kantonen mit rund 250 Kandidierenden zu den Nationalratswahlen an. Ziel: Fraktionsstärke, das heisst fünf Mandate.(idea)

«King James»-Bibel gefeiert

Vor 400 Jahren wurden die Arbeiten an der Bibel in der «King James Version» beendet. Rund 90 Gäste feierten dieses Jubiläum auf St. Chrischona. In der Projektgruppe arbeiteten die Leitungen der STH Basel und des TSC mit. (idea)

Viel mehr Freikirchler besuchen Gottesdienste NEUE STUDIE Jeder dritte Gottesdienstbesucher in der Schweiz geht in eine Freikirche. In den Freikirchen versammeln sich am Sonntag doppelt so viele Gläubige wie in reformierten Kirchen und nur ein Viertel weniger als in allen katholischen Kirchen. Das ist das Ergebnis einer Nationalfonds-Studie. Fazit der Studie: Das Missionieren lohnt sich.

Religionssoziologen um Jörg Stolz von der Universität Lausanne haben erstmals gezählt, wie viele lokale religiöse Gemeinschaften aller Glaubensrichtungen in der Schweiz existieren. Die Wissenschaftler identifizierten 5734 Gemeinschaften und führten mit Verantwortlichen von 1040 Gemeinschaften Interviews. Rund die Hälfte der Gemeinschaften gehört der römisch-katholischen (30,5 Prozent) oder der evangelisch-reformierten Kirche (19,1 Prozent) an. Deutlich mehr Gruppierungen als die Reformierten stellen die evangelischen Freikirchen mit 24,8 Prozent. Das sei erstaunlich, da gemäss Volkszählung nur zwei Prozent der Schweizer Bevölkerung einer Freikirche angehören. Während die Mitgliederzahl einer durchschnittlichen Gemeinde der beiden Landeskirchen bei 1750 (römisch-katholisch) respektive 2200 (evangelisch-reformiert) ideaSpektrum 38.2011

liegt, gehören einer mittleren Freikirche gerade 72 Menschen an.

Etablierte Kirchen schrumpfen

Aufgrund dieser Zahlen schätzen die Forscher, dass sich an einem gewöhnlichen Wochenende in der Schweiz 690 000 Menschen (jeder elfte Einwohner) versammeln, um ein religiöses Ritual durchzuführen: 38 Prozent in katholischen Kirchen, 29 Prozent in Freikirchen, 14 Prozent in reformierten Gotteshäusern und knapp 11 Prozent in muslimi-

schen Gemeinschaften. Jedes Wochenende stellen die Freikirchen also bloss etwa 25 Prozent weniger Gottesdienstbesucher als die katholische Kirche und sogar mehr als das Doppelte der reformierten Kirchgänger, obwohl die Katholiken 30-mal und die Reformierten 24-mal mehr offizielle Mitglieder aufweisen als die Freikirchen. Die Studie bestätigt, dass die etablierten Kirchen tendenziell kleiner werden. Bei den Freikirchen gibt es deutliche Unterschiede: Während konservativere Gemeinschaften

Im ICF Zürich treffen sich viele junge Christen am Sonntag gerne.

(etwa Brüderverein oder Action Biblique) ebenfalls schrumpften, blieben klassische Gemeinschaften stabil (etwa Chrischona, Freie Evangelische Gemeinden). Charismatische Gemeinschaften wie Pfingstgemeinden oder ICF würden dagegen deutlich wachsen und hätten ein deutlich jüngeres Publikum als die Volkskirchen. Die religiöse und moralische Striktheit der Freikirchen spiele keine entscheidende Rolle bei ihrem Erfolg, schreiben die Forscher. Als wichtigen Grund für das Wachstum macht die Studie die aktive Suche nach neuen Mitgliedern aus. Fast alle Freikirchen ermutigen demnach ihre Mitglieder, neue Personen einzuladen, und viele schalten Inserate in Zeitungen. Erhöht werden die Wachstumschancen laut der Studie auch, wenn eine Gemeinschaft Anstrengungen unternimmt, die Kinder der Angehörigen in ihrer religiösen Tradition aufzuziehen. (kipa) Bild: ICF


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W I R T SC H A F T

Das Alpenkino bietet Filmplausch auch im Bikini INNOVATIVE LANDWIRTE «Aussichten auf Entspannung»: Unter diesem Motto organisierten Heinz und Orlinda Egli auf

ihrem Bauernhof in Wernetshausen ZH bereits zum zehnten Mal eine Filmwoche. Am letzten Abend mussten 400 Leute wieder heimkehren, weil bereits 900 Gäste das einmalige Ambiente genossen. Die Erfolgsgeschichte geht weiter.

«Wow!» Ein riesiger Blitz hatte den Abendhimmel über dem Zürichsee erhellt und den Gästen des Alpenkinos Schauer über den Rücken gejagt. Unter freiem Himmel oder nur geschützt durch ein Zeltdach löste der Gewittersturm zwiespältige Gefühle aus. Als der Regen kam, dauerte es nur 15 Minuten, bis alle wieder auf ihren Strohballen Platz nehmen und sich den neuen Schweizer Film «Liebling, lass uns scheiden» anschauen konnten. Der Hinweis auf die erstklassige Blitzschutzanlage hatte viel zur Beruhigung der Gemüter beigetragen. Und dass wegen der Verzögerung auf die Pause und damit auf eine gute Einnahmequelle verzichtet wurde, nahmen die Gäste positiv überrascht zur Kenntnis. «Es sind solche Kleinigkeiten, die uns von

Impressum Idea Schweiz Herausgeber: Idea Information AG, 4410 Liestal Verwaltungsrat: Heiner Henny, Präsident; Sam Moser, Stellvertreter; Paul Beyeler, Hans Lendi, Hansjörg Leutwyler, Hanspeter Schmutz Ideelle Trägerschaft: Schweizerische Evangelische Allianz (SEA), Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden (VFG), Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Missionen (AEM) Redaktion: Josefstr. 32, 8005 Zürich, Tel. 044 444 16 44, Fax 044 444 16 49 E-Mail: redaktion@ideaschweiz.ch Internet: www.ideaschweiz.ch Chefredaktor: Andrea Vonlanthen Büro: Bahnhofstr. 65, 9320 Arbon Tel. 071 446 70 02, Fax 071 446 74 88 E-Mail: andrea.vonlanthen@ideaschweiz.ch Redaktor: Thomas Feuz Erweitertes Team: Esther Reutimann, Sibylle Zambon, Christian Bachmann, Mirjam Fisch-Köhler, Marlies Reutimann Praktikum: Christof Bauernfeind Inserateservice: Jordi AG – das Medienhaus, Roland Rösti, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 25, Fax 031 819 38 54 E-Mail: inserate@ideaschweiz.ch Aboservice: Jordi AG – das Medienhaus, Ursula Seifried Jordi, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 20, Fax 031 819 38 54 E-Mail: abo@ideaschweiz.ch Abopreise: Jahresabo Fr. 145.–, Seniorenabo Fr. 117.–, Halbjahresabo Fr. 77.–. Das Abo ist unter Einhaltung einer vierwöchigen Frist jeweils zum Bezugsende kündbar. Konto: PC-Konto 40-788586-4 Idea Information AG, 4410 Liestal Layout/Druck/Versand: Jordi AG – das Medienhaus, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp www.jordibelp.ch

Bild: Mirjam Fisch-Köhler

anderen Veranstaltern unterscheiden», vermutet Initiant Heinz Egli. Aber das Wohl der Gäste sei ihnen wichtiger als klingende Kassen. Zudem hatten sie schon erlebt, dass trotz Gebet letztes Jahr das Wetter selten trocken gewesen war. Trotzdem waren die Leute gekommen, und sie hatten keine Verluste gemacht. Das sei ein Geschenk Gottes, meint Egli.

missionarischen Projekt zugute», erklärt Egli. «Wir runden die Einnahmen so auf, dass davon einem Unihockey-Trainer für Strassenkinder in Dschibuti ein Jahr lang sein Gehalt bezahlt werden kann.»

Plattform nutzen

Freundesplausch, dann Event

«Ursprünglich wollten wir im Sommer 2002 mit unseren Nachbarn und Freunden einen Film im Freien geniessen. Weil spontan 200 Personen kamen, führten wir den Anlass im nächsten Jahr wieder durch, dann aber an sechs Abenden», erklärt Heinz Egli aus Unterbach im Zürcher Oberland. Damals hatten sie die Leinwand am Traktorhubstapler aufgespannt, heute ist ein professionelles Team an der Arbeit, wenn das Gerüst für die acht mal acht Meter grosse Leinwand erstellt wird. Die Kulisse dahinter ist grandios: Man sieht von Rapperswil bis Zürich, von den Churfirsten zum Tödi, über die Rigi bis zum Pilatus. Aus der Idee eines Nachbarschaftsplausches von Landwirt Heinz Egli ist ein Alpenkino entstanden, das 850 Personen Platz bietet und bereits sein zehnjähriges Jubiläum feiert.

Familientaugliche Filme

2003 nahmen 1400 Personen teil, 2004 bereits 2300 und dieses Jahr 6500. Allein am Schlussabend kamen 1000 Leute, doch wenn eine gewisse Anzahl Autos parkiert haben, werden weitere Ankömmlinge wieder nach Hause geschickt. Seit zwei Jahren steht ein HobbyKochclub im Einsatz. «Die Filme sollen familientauglich sein, humoristisch und mit guter Aussage», erklärt Heinz Egli. Der Bergbauer gehört zusammen mit dem Möbelschreiner Urs Brunner zu den Organisatoren. Sie werden von ihren Familien und Freiwilligen unterstützt. Ein junger Bursche begründet seine Mithilfe: «Ich darf gratis essen und alle Filme schauen!»

Heinz und Orlinda Egli auf ihrem Hof im Zürcher Oberland.

Lösli sponsern Slum-Trainer

«Vom Bauernbetrieb allein könnten wir nicht leben», erklärt Orlinda Egli. Die Mutter von vier erwachsenen Kindern arbeitete Teilzeit als Nachtwache, heute erteilt sie Musikunterricht. Als guter Organisator habe ihr Mann früher neben der Landwirtschaft Fertighäuser verkauft, später seinen Bergbauernhof auf 900 Metern Höhe von Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung umgestellt. Mit Urs Brunner zusammen betreibt er die Alpensauna und zwei Alpenbäder, auch während des Alpenkinos. Bis acht Personen können den Film im Badeanzug geniessen; sie sitzen im Holzbottich voll warmem Wasser. Neben dem Bauernhaus servieren Heinz Egli und Urs Brunner abends Fondue, das mit Blick in die herrliche Umgebung genossen werden kann. Alpenbäder und Sauna hat Urs Brunner gebaut. Er stellt auch «Hüslerbetten» her, von denen eines während der Zeit des Alpenkinos jeweils inmitten der Strohballen steht. Durch den Verkauf von Losen wird ermittelt, wer den Film liegend geniessen darf, mit einem Apfelsaft-Cüpli in der Hand. «Der Erlös der Lösli kommt einem

Das originelle Openair-Kino hat viel Aufmerksamkeit erregt, so dass sich etliche Firmen als Sponsoren daran beteiligen. Als das christliche Medienunternehmen LifeChannel Werbeflächen suchte, boten auch Egli und Brunner ihren Anlass an. «Wir fragten Gott, wie wir diese Plattform nutzen könnten.» Vor dem Mischpult hängt nun ein grosses Plakat und vor den Filmen flimmert auch LifeChannel-Werbung über die Leinwand. Die ERF-Programmzeitschrift Antenne liegt zum Mitnehmen auf. «Das Alpenkino ist kein speziell christlicher Anlass», präzisiert Heinz Egli. Aber er sei Gott sehr dankbar für die Möglichkeit, etwas zu machen, das ihm und vielen Leuten Spass bereite. Einen grossen Teil des eingenommenen Geldes investiere er wieder in den Anlass. Trotzdem bleibt ein kleiner Verdienst für die beiden Familien. «Viele Leute kommen wegen dem Gesamterlebnis, nicht nur wegen dem Film», erklärt Egli. Das persönliche Engagement von Egli, Brunner und Helfern wird offensichtlich geschätzt. MIRJAM FISCH-KÖHLER

Kreatives Bauernpaar Weil sie von der Landwirtschaft nicht leben können, suchte das Ehepaar Egli erfolgreich verschiedene Nischenprodukte. Das Alpenkino findet während zehn Tagen im August statt. Gruppen oder Firmen können Plätze reservieren oder einen eigenen Termin vereinbaren; das Catering übernehmen die Alpenkino-Betreiber. Weitere Angebote: Alpenbadplausch in echtem Bachtelquellwasser und Alpensaunaplausch mit Blick auf Zürichsee, Säntis, Tödi, Rigi und Pilatus. www.alpenkino.ch, www.alpenevent.ch

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Die FEG Hochdorf bleibt weiter an der Quelle JUBILÄUM «Frisch.Echt.Gemeinsam.That’s it!» Unter diesem Motto feierte die Freie Evangelische Gemeinde (FEG)

Hochdorf am Wochenende ihr zehnjähriges Bestehen. Rund 200 Mitglieder und Gäste erlebten ein gelungenes Fest. «Zu Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland», sagte schon Jeremias Gotthelf. Das gilt auch für die FEG Hochdorf LU. Nach einer dreijährigen Pilotphase wurde sie 2001 an einem Wohnzimmertisch mit vier Ehepaaren gegründet. Als Motivation für die freikirchliche Gemeindegründung in einem hauptsächlich römisch-katholischen Umfeld diente die Vision: «Unser Glaube an Jesus Christus ist für die Menschen in unserer Umgebung spürbar und ansteckend. Zu neuen Begegnungen bist du willkommen.» Das Zielgebiet erstreckt sich auf das Luzerner Seetal mit rund 30 000 Menschen. In der Region ist die FEG einzige Freikirche. Heute besuchen rund 70 Personen jeden Alters die Gottesdienste in der Aula eines Schulhauses oder in der reformierten Kirche.

Ein Geschenk an Hochdorf

Im Jubiläumsjahr hat die FEG Hochdorf schon mehrere Events veranstaltet. So begannen auch

den dann zum Beispiel die Fenster geputzt, die Kinder gehütet oder Gartenarbeiten verrichtet. «Wir sind dankbar, dass Gott uns täglich so reich beschenkt. Diese Dankbarkeit wollen wir an die Mitmenschen weitergeben», sagt Monika Schnydrig, welche die Einsätze koordinierte. Die Helfer kamen müde, aber zufrieden zurück in die Zentrale. «Es hat einfach mega gut getan, andern helfen zu dürfen!», hiess es. Oder auch: «Es ist schön, als ganze Gemeinde so etwas zu machen. Das ist eine coole Truppe.» Aktion Gratishilfe – zufriedene Helfer nach dem Einsatz.

die Feierlichkeiten mit einem ausgefallenen Anlass. Über 50 freiwillige Helfer der Freikirche verschenkten sich am Samstag mit der «Aktion Gratishilfe» an Hochdorf und Umgebung. Ziel war es, Mitmenschen in Not zu helfen – bedingungslos, unkompliziert und gratis. Bei ihnen wur-

Würdiger Festgottesdienst

Am Sonntag ging es dann weiter mit einem Festgottesdienst. Neben den eigenen Mitgliedern feierten auch Vertreter der FEG Schweiz, Freunde aus den FEGGemeinden Riehen, Huttwil und Emmen sowie Interessierte aus Hochdorf und Umgebung mit. Markus Wüthrich, Pfarrer der FEG Hochdorf, und Erwin Imfeld, Leitungsmitglied des Bundes FEG Schweiz, verglichen in

ihrer gemeinsamen Predigt die Gemeinde Jesu mit einem römischen Brunnen, der sein Wasser von oben über drei Schalen nach unten plätschern lässt. Das Wichtigste sei, niemals den Anschluss an die Quelle zu verlieren: «Die Quelle des wahren Lebens ist eine persönliche Beziehung zu Gott. Jeder Mensch, der diese Beziehung annimmt und lebt, wird zu einer Quelle von Wasser werden, das bis ins ewige Leben quillt» (nach Johannes 4, 13-14).

Und die Zukunft?

Die bewusst generationenübergreifenden Jubiläumsanlässe machten das Zusammenrücken von Jung und Alt in der Gemeinde deutlich. Diese Einheit macht Mut für die Zukunft der FEG Hochdorf, die eine wachsende und gesellschaftsrelevante Gemeinde im Luzerner Seetal bleiben will. MARIO SCHNYDRIG MARKUS WÜTHRICH www.feg-hochdorf.ch www.aktiongratishilfe.ch

«teartrade.ch» übergibt ihre Tätigkeit an «claro» DRITTWELTLÄDEN «Fair handeln. Fair schenken»: Dieses Motto hat «teartrade.ch» fünf Jahre lang umgesetzt. Per 1. Oktober geht die Tätigkeit an «claro fair trade AG» über. Am 23. und 24. September erfolgt ein Lagerverkauf.

Im Onlineshop und in der Verkaufsausstellung in Wetzikon hat «teartrade.ch» rund 500 Produkte aus Entwicklungsländern angeboten. Um noch mehr Nutzen für die Produzierenden zu erreichen und die Effizienz zu steigern, wird die Handelstätigkeit per 1. Oktober bei «claro fair trade AG» integriert. Die Vision eines fairen Handels bleibt damit erhalten.

Zweimal Freude machen

Ob Holzspielsachen, Dekomaterial, Wellnessprodukte oder Lebensmittel: Die hochwertigen Produkte überzeugen auch eine anspruchsvolle Klientel. Die genossenschaftlich organisierte Firma importierte ohne Zwischenhandel Produkte, die nach idea Spektrum 38.2011

Fair-Trade-Richtlinien in Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika hergestellt wurden. So machten die Produkte gleich zweimal Freude – der Kundschaft und den Produzenten im Ausland. Geschäftsführer Peter Weidmann und seine Frau Barbara sind überzeugt: «Deinen Mitmenschen sollst du so lieben wie dich selbst» (Lukas 10,27). Der frühere IT-Unternehmer und seine Frau betrachten die Ärmsten der Welt als ihre Nächsten und wollen mit ihnen teilen. Die Ziele waren hochgesteckt: «Wir stehen gemeinsam gegen die Armut auf; auch kleinste Produzenten sollen eine Chance bekommen. Wir fördern den Gedanken eines fairen Handels mit reellen Preisen. Un-

ser Handeln ist von christlichen Grundwerten bestimmt.»

Neue Trägerschaft

Weil der Arbeitsaufwand immer grösser wurde, der Umsatz aber nur langsam stieg, reifte der Entschluss zu einer organisatorischen Neuausrichtung. «Mit dieser Lösung können wir sichergehen, dass das, was wir aufgebaut haben,

nicht verloren geht. Unsere Hauptlieferanten können sicher sein, in den nächsten Jahren von ‹claro› Bestellungen zu erhalten.» Dank der Integration kann die FairTrade-Organisation «claro» ihren Versandhandel markant ausbauen. So lebt die Vision einer fairen Partnerschaft zwischen Produzenten und Konsumenten weiter. THOMAS FEUZ

Grosser Lagerverkauf in Wetzikon Die 1977 gegründete OS3 (Organisation Schweiz–3. Welt) wurde 1997 zur «claro fair trade AG». Der wichtigste Absatzkanal sind die über 100 unabhängigen claro-Läden. «teartrade.ch» führt am 23. und 24.

September in Wetzikon einen Lagerverkauf mit Rabatten von bis zu 60 Prozent durch. Der Onlineshop versendet bis am 24. September portofrei. www.teartrade.ch, www.claro.ch

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DIE GROSSE KONFRONTATION

Am letzten Sonnabend wurden in Berlin 2.200 Christen bei ihrem „Marsch für das Leben“ (Foto unten) von etwa 300 militanten Linksradikalen (oben) teilweise schwer bedrängt. Während die Christen schweigend mit Kreuzen in der

Hand gegen Abtreibungen demonstrierten, provozierten ihre Gegner lautstark damit, dass sie die Kreuze in die Spree werfen wollten. Was sie nicht wussten: Der „Marsch“ ging nicht – wie erwartet – an der Spree entlang.

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Berlin: Die Kirchenmitglieder wählten vor allem CDU – aber wer sind bloß die Piraten? WAHLEN Bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September gaben Kirchenmitglieder ihre Stimme vor allem der CDU. Für die größte Überraschung sorgte aber eine andere Partei.

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tärkste Kraft wurde wieder die SPD mit 28,3 % vor der CDU (23,4 %). Von den evangelischen Wählern stimmte fast jeder dritte für die Union (32 %, +2 %). Bei den Katholiken kam die CDU auf 40 % (+4) und bei den Konfessionslosen auf 17 % (+4). Die SPD wurde bei den Protestanten zweitstärkste Kraft (30 %/-2). Die Grünen konnten am stärksten bei den Muslimen zulegen (21 %/+13). Überdurchschnittlich schnitt die Partei auch bei den Evangelischen ab (19 %/+6) ab. Die Partei „Die Linke“ stützt sich vor allem auf Atheisten (17 %/-5). Die beiden christlichen Kleinparteien AUF (Arbeit, Umwelt, Familie) und PBC (Partei Bibeltreuer Christen) waren nicht angetreten.

Piraten bei Atheisten stark Eine Riesenüberraschung gelang der Piratenpartei mit 8,9 %. Die 2006 gegründete Partei hat deutschlandweit rund 12.000 Mitglieder. Sie zieht nun erstmals in ein Landesparlament ein. Ihren Erfolg in Berlin verdanken die Piraten vor allem Atheisten. In dieser Wählergruppe erreichten sie 11 %. Unterdurchschnittlich war das Ergebnis bei Protestanten (6 %) und Muslimen (4 %). Doch wofür steht die Partei – abgesehen von der Forderung nach totaler Internet-Freiheit? Neben abstrus anmutenden Zielen wie einem kostenlosen Nahverkehr, einem bedingungslosen Grundeinkommen oder „Rauschkunde“Unterricht an Schulen finden sich in dem Papier auch einige Punkte, die Christen interessieren dürften.

Piraten gegen Kirchensteuern Laut Wahlprogramm versteht die Partei „unter Religionsfreiheit nicht nur die Freiheit zur Ausübung einer Religion, sondern auch die Freiheit von religiöser Bevormundung“. Die Piraten plädieren für einen „säkularen Staat“, der religiöse und staatliche ideaSpektrum 38.2011

Belange strikt trenne. Religionsgemeinschaften dürften vom Staat nicht finanziell unterstützt werden. Der Einzug von Kirchensteuern wird abgelehnt.

Das Geschlecht selbst wählen Die Partei nimmt auch zur Geschlechterund Familienpolitik Stellung. Sie stehe „für eine Politik, die die freie Selbstbestimmung von geschlechtlicher und sexueller Identität bzw. Orientierung respektiert und fördert“. Sie setzt sich ferner für die vollständige rechtliche Gleichstellung von Ehe und eingetragener Partnerschaft von Homosexuellen ein. Gemeinsamkeiten mit den Kirchen bestehen beim Thema Bildung. Die Piraten treten wie die beiden großen Kirchen für eine gleichberechtigte Finanzierung von Schulen in freier Trägerschaft ein.

Berliner Bischof Dröge: PiratenWähler wollen Transparenz

Zum Wahlprogramm sagte er: „Religion ist etwas sehr Persönliches, aber keine Privatsache. Welche Werte und welche Orientierung der Glaube gibt, ist auch für das Gemeinwohl relevant.“ Das Gemeinwesen beruhe darauf, dass es viele gesellschaftliche Gruppen mitgestalteten. „Der Piraten-Partei, die sich für Vielfalt und Freiheit in anderen Bereichen einsetzt, müsste dieser freiheitliche Gedanke unserer Verfassung vertraut sein“, so Dröge. P

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, sprach gegenüber idea von einem „beachtlichen Wahlerfolg“ der Piraten-Partei. Sie habe Wähler gewonnen, die Transparenz in der Politik wollten. Doch die Kandidaten hätten sich inhaltlich in viele Themen noch nicht eingearbeitet.

b www.piratenpartei.de

Wie haben die Konfessionen in Berlin gewählt? Angaben in Prozent; in Klammern: Veränderung zum Vorjahr SPD CDU LINKE GRÜNE FDP Piraten Wahlergebnis 28,4 (-2,5)

23,4 (+2,0)

Evangelische 30 (-2) Katholiken 20 (-7)

11,7 (-1,7) 17,6 (+4,5)

32 (+2)

3 (+0)

Muslime 42 (-4) Konfessionslose/Andere 28 (-2) © l ideaGrafik; Quelle: infratest/dimap

3 2 (-5) (-11) 17 (+4)

21 (+13) 17 (-5)

2 6 (-7)

19 (+6)

5 (+1)

40 (+4)

1,8 8,9 (-5,7)

18 (+3)

3 (-5)

1 4 (-3)

8(+5)

17 (+4)

1 (-6)

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Vereint für den Lebensschutz: Alexandra Linder (links am Transparent), stellvertretende Vorsitzende der „Aktion Lebensrecht für Alle“, Martin Lohmann (rechts daneben), Vorsitzender des für die Demo verantwortlichen Bundesverbandes Lebensrecht, und Mechthild Löhr, Vorsitzende der „Christdemokraten für das Leben“, sowie Hartmut Steeb (rechts am Transparent), Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz.

Rekordbesuch beim „Marsch für das Leben“ LEBENSRECHT 2.200 Christen demonstrierten beim „Marsch für das Leben“ gegen Abtreibung und Euthanasie. Etwa 300 Linksradikale störten – teilweise mit Gewalt (siehe den Kommentar Seite 9).

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er Schweigemarsch der Christen führte in diesem Jahr vom Bundeskanzleramt am Reichstag vorbei zur St.-Hedwigs-Kathedrale. Es war der bisher am besten besuchte „Marsch für das Leben“, der zum 7. Mal (seit 2002) in Berlin durchgeführt wurde. Im letzten Jahr hatten 1.800 Demonstranten teilgenommen. Viele führten weiße Kreuze mit sich. Sie drückten damit ihre Trauer darüber aus, dass in Deutschland (so die Veranstalter) werktäglich rund 1.000 Kinder im Mutterleib getötet werden. Verantwortlich war der Bundesverband Lebensrecht, dem 15 christliche Organisationen angehören. Die etwa 300 Gegendemonstranten störten mit Trillerpfeifen und Sprechchören – wie „Nie wieder Jesus“ und „Warum seid Ihr Christen so hässlich?“ – die Kundgebung.

Jährlich 2,9 Millionen Abtreibungen in Europa In der überfüllten katholischen St.-Hedwigs-Kathedrale beklagte Weihbischof Wolfgang Weider (Berlin), dass es in Europa jährlich

2,9 Millionen Abtreibungen gebe – so viel wie die Städte Hamburg und München zusammen an Einwohnern haben. Europa könne nicht Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern kritisieren und zugleich vor dieser entsetzlichen Realität die Augen verschließen. Der evangelische Pfarrer Philip Kiril Prinz von Preußen (Berlin) – Ururenkel des letzten deutschen Kaisers – meinte in seiner Predigt, wenn ein Kind Probleme bereite, müsse man das Problem beseitigen, nicht das Kind.

Jedes Jahr Millionen Steuergelder für Abtreibungen Der Bundesverband Lebensrecht appellierte in einer „Berliner Erklärung“ an den Staat, „das schwere Unrecht der Tötung ungeborener Kinder“ und die Finanzierung von Abtreibungen zu beenden. In Deutschland würden die Kosten für 90 % aller Schwangerschaftsabbrüche in Höhe von jährlich mehr als 40 Millionen Euro aus den Haushalten der Länder bestritten. Mit dem Geld sollte der Staat stattdessen Schwangere und Familien unterstützen.

Einer der Linksradikalen am Rande des Schweigemarsches

Führende Vertreter von CDU und CSU hatten dem Veranstalter des Marsches Grußworte geschickt und sich für das Engagement der Lebensrechtler bedankt, unter ihnen Staatsministerin Prof. Maria Böhmer und der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, schrieb: „Auch wenn es nicht populär ist, ist es unsere Pflicht, in aller Klarheit Abtreibungen immer und immer wieder als Tötung zu benennen.“ Hinter die Demonstration stellten sich auch die Junge Union und die Senioren-Union der CDU sowie die christlichen Kleinparteien PBC und „AUF-Christen für

Fotos: Markus Pletz

Katholische Spitze schrieb, die evangelische schwieg

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Deutschland“. Auch führende Vertreter der römisch-katholischen Kirche brachten ihre Unterstützung zum Ausdruck. Der Vorsitzende der (katholischen) Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, bezeichnete den Marsch als ein ausdrucksstarkes Zeichen des Einsatzes für das Leben. Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki (Berlin) schrieb: „Sie leisten Kostbares! … Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie … sich in aller Toleranz auch von Missverständnissen und Beschimpfungen nicht von Ihrem Zeugnis für Gott und seine Schöpfung abbringen lassen.“

Nur ein evangelischer Bischof meldete sich Als einziger Vertreter einer evangelischen Landeskirche schickte der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit ein Grußwort: „Ich danke allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und erbitte von Gott, dass in unserer Gesellschaft ein Umdenken einsetzt.“

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Wie der Bundesverband Lebensrecht mitteilte, haben weder die EKD noch der evangelische Berliner Bischof, Markus Dröge, Grußworte übermittelt, obwohl sie darum gebeten worden waren.

Steeb: Mindestens so viele wie gegen Stuttgart 21! Der für die Anti-Abtreibungs-Demo mit verantwortliche Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, erklärte idea, er würde sich wünschen, dass sich mindestens ebenso viele Pfarrer für den Lebensschutz Ungeborener einsetzen wie in Stuttgart gegen den Neubau des Hauptbahnhofs. Der Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, Martin Lohmann, ist überzeugt davon, dass in den kommenden Jahren die Notwendigkeit des Lebensschutzes von der Gesellschaft stärker erkannt werde.P

b www.marsch-fuer-das-leben.de • 030 64494039

KOMMENTAR zu einer Konfrontation mit Linksradikalen in der deutschen Hauptstadt

Was für ein Hass gegen Christen in Berlin! „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“ – „… gegen Deutschland geht immer“, – „Hätt’ Maria abgetrieben, wärt Ihr uns erspart geblieben“. Geschrei, Trillerpfeifen, aufgeblasene Kondome. Ein riesiges Polizeiaufgebot sorgte dafür, dass 2.200 Christen in der deutschen Hauptstadt den „Marsch für das Leben“ gegen die Tötung von über 150.000 Kindern im Mutterleib in Deutschland durchführen konnten. Dutzende Linksradikale versuchten trotzdem, den Christen die Holzkreuze mit Gewalt zu entwenden, die viele von ihnen trugen. Vier Linksradikale wurden vorübergehend festgenommen. Im Polizeibericht heißt es dennoch: eine Demonstration „ohne besondere Vorkommnisse“. Um die antichristliche Stimmung deutlich zu machen, nur noch ein Beispiel: Ein Christ wird versehentlich von einem der Gegendemonstranten getreten, der spontan mit „Tut mir leid“ reagiert. Als er erkennt, dass er einen Christen verletzt hatte, sagt er sofort: „Nein, tut mir doch nicht leid.“ Ein junger Polizist meinte dazu: „Ich hätte nie gedacht, dass es so einen Hass gegen Christen gibt.“ Doch die Christen bleiben erstaunlicherweise ruhig. Zu Beginn des Marsches werden bei einer Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt zahlreiche Grußworte verlesen. Fast die gesamte katholische Bischofswelt solidarisierte sich mit der Anti-AbtreibungsideaSpektrum 38.2011

Demo. Manchen der vielen evangelischen Teilnehmer sackte dabei gleichsam das Herz in die Hose: Ist denn keiner meiner Landes- oder Freikirchenleiter mit dabei? Nach langem Warten die erlösende Information: Es gibt auch ein Grußwort eines evangelischen Bischofs – aus dem fernen Pommern von Hans-Jürgen Abromeit. Ohne ihn hätte sich wohl mancher geschämt, evangelisch zu sein.

Ist die CDU-Spitze bekenntnisfreudiger als die EKD? Im Gegensatz zu den evangelischen Kirchenleitern hat sich aus der Politik der engagierte Protestant und zweitwichtigste Mann der Unionsparteien, Volker Kauder, in einem langen Grußwort klar zum Anliegen des „Marsches“ bekannt. Die vielen, die in den letzten Wochen die CDU aufforderten, sich mehr zum „C“ zu bekennen, sollten bedenken: In Sachen Abtreibung ist mit den Spitzenprotestanten Volker Kauder und Generalsekretär Hermann Gröhe die CDU eindeutiger, als es viele evangelische Kirchen sind.

Huber war in Berlin mutiger Der Ökumenische Gottesdienst zum Abschluss des „Marsches für das Leben“ fand in der völlig überfüllten, wichtigsten katholischen Kirche des Bistums Berlin statt:

der St.-Hedwigs-Kathedrale. Es gab großen Beifall, als der Repräsentant der evangelikalen Bewegung, der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, dem Weihbischof – der die Teilnehmer begrüßt hatte – für diese Möglichkeit dankte.

„Wir sind aus der linken Szene“ Berlins evangelischer Bischof, Wolfgang Huber, hatte in seinem letzten Amtsjahr noch ein Grußwort geschrieben. Sein Nachfolger schwieg zum „Marsch für das Leben“. Während des Gottesdienstes hinderten weit über 100 Polizisten die Gegendemonstranten daran, massiv zu stören. „Um die Wartezeit bis zum Gottesdienstende zu nutzen, hören wir jetzt einen Vortrag über christlichen Fundamentalismus“, brüllte die Wortführerin 200 Meter vor der Kathedrale ins Mikrofon und erläuterte den verwunderten Touristen: „Wir sind aus der linken Szene.“ Und was sind nun „christliche Fundamentalisten“? Antwort: „Sie glauben an Gott und den Teufel, und die Katholiken sind gegen die Abtreibung.“ Uns evangelische oder gar evangelikale Christen erwähnte sie mit keinem Wort. Sieht man uns nun bereits als Verbündete, oder erscheinen wir so glaubenslos, dass man uns gar nicht mehr ernst nimmt? Helmut Matthies P


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Wir wollen bibeltreu sein. Wir sind evangelikal. FREIE EVANGELISCHE GEMEINDEN Präses Hörsting wünscht sich neues Interesse an der Heiligen Schrift.

FeG-Geschäftsführer Klaus Kanwischer, Präses Ansgar Hörsting (Witten) und FeG-Bundessekretär Artur Schmitt (v. l.)

Die 5 größten deutschen Freikirchen Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) Evangelisch-methodistische Kirche* Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden Bund Freier evangelischer Gemeinden Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche

82.664 55.400 46.000 39.500 34.542

„Bibeltreue ist gut, wenn sie nicht zu einem Kampfbegriff, sondern zu einem Beziehungsbegriff zur Bibel selber wird.“ Am Bundestag nahmen rund 310 Delegierte der etwa 460 Gemeinden teil. Die Freikirche hat 39.500 Mitglieder, über 1.000 mehr als 2010. In ihr sind rund 390 Pastoren tätig; davon sind vier weiblich. Im vorigen Jahr hatte der Bundestag den Weg für Frauen im Pastorenamt und in der Gemeindeleitung freigemacht.

Was ist eigentlich „typisch FeG“? Der Präses sprach auch die Identität des Gemeindebundes an: „Was ist typisch FeG?“ Einige Überzeugungen teile man mit anderen Kirchen, etwa das Verständnis der Bibel als Gottes Wort, das Apostolische Glaubensbekenntnis, die reformierte Tradition und das Gemeindeverständnis als „Gemeinde der Glaubenden“. Die Freikirche sei missionarisch, evangelistisch und sozial-diakonisch sowie in der Gemeindegründung engagiert. Die Mischung mache das Typische der Freien evangelischen Gemeinde aus. Laut Hörsting zählt die Freikirche zur evangelikalen Bewegung. Der Begriff „evangelikal“ werde zwar oft abwertend benutzt, aber er markiere eine klare theologische, geistliche und ethische Ausrichtung. Hörsting: „Nicht das Etikett ist entscheidend, sondern der Inhalt.“

30.000 Gemeinden wären nötig, wenn ... Vor fünf Jahren hatten sich die Freien evangelischen Gemeinden zum Ziel gesetzt, binnen eines Jahrzehnts 100 Gemeinden zu gründen. Zur Halbzeit sei man mit 53 neuen Gemeinden im Plan, sagte der Leiter der Inland-Mission, Dietrich Schindler (Witten), doch von einer flächendeckenden freikirchlichen Versorgung sei man weit entfernt. Wenn es in Deutschland für jeweils 10.000 Einwohner eine freikirchliche Gemeinde geben sollte, wären noch rund 30.000 nötig. Auch für Aufbrüche und Gemeindegründungen in anderen Freikirchen und Landeskirchen beteten die FeG-Delegierten. P

*Mitglieder & Angehörige

b www.feg.de • 02302 93712

Fotos: FeG/idea/Polzer; Hille/idea-Archiv

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ie bleibt das Bibellesen interessant und spannend? Diese Frage bewegt viele Freie evangelische Gemeinden (FeG), erklärte Präses Ansgar Hörsting (Witten) in seinem Bericht für den „Bundestag“ der Freikirche im Kronberg-Forum (Dietzhölztal/Mittelhessen). Er wünscht sich „ein neues, offenes Interesse an der Bibel“. Das Jahr 2011 steht unter dem Motto „Aufbruch.Bibel“. Hörsting ging auch auf das Schriftverständnis und die „Bibeltreue“ in der Freikirche ein. Auch wenn man nie ein für alle verbindliches Schriftverständnis formuliert habe, so sei er selbst doch überzeugt, dass die Gemeinden „bibeltreu“ sein wollten – „wenn das bedeutet, der Bibel und ihren Aussagen gegenüber treu zu sein, weil dahinter der Gott steht, dem unser Leben gehört“. Hörsting:

Evangelikale und Vatikan führen Lehrgespräche ÖKUMENE Allianz: Die Begegnung war von „wachsendem Vertrauen“ bestimmt.

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ertreter des evangelikalen Dachverbandes – der Weltweiten Evangelischen Allianz – und des Vatikans haben theologische Lehrgespräche geführt. Sie trafen sich vom 12. bis 17. September in Rom zur zweiten von drei Konsultationen. Eingeladen hatte der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen. Im Zentrum der Gespräche stand das Thema „Heilige Schrift im Leben und der Mission der Kirche“. Der Schwerpunkt lag auf dem Verhältnis von Schrift und Tradition. Die erste Gesprächsrunde hatte sich 2009 in

Sao Paulo mit dogmatischen und ethischen Fragen befasst. Die jetzige habe in einer Atmosphäre stattgefunden, die von „wachRolf Hille sendem Vertrauen und geistlicher Gemeinschaft“ bestimmt gewesen sei, heißt es in einer gemeinsamen Verlautbarung. Begrüßt wurden die Teilnehmer von Kurt Kardinal Koch und Bischof Brian Farrell, dem Präsidenten und Sekretär des Päpstlichen Rates. Leiter der Delegationen waren der Direktor für O ideaSpektrum 38.2011


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Volker Kauder

Nikolaus Schneider

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Peter Kodwo Appiah Kardinal Turkson (Ghana)

Kauder: Wir wollen weltweit die Religionsfreiheit durchsetzen VERFOLGUNG Weltweit werden zwei Drittel aller Christen bedrängt. Eine Tagung der CDU/CSU-Fraktion

Fotos: CDU/CSU-Bundestagsfraktion/Markus Hammes

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ie Durchsetzung des Rechts auf weltweite Religionsfreiheit wurde in Deutschland lange Zeit vernachlässigt. Dieses Recht dürfe nicht nur auf dem Papier stehen, forderte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, in Berlin. Er sprach vor den 300 Teilnehmern bei der Veranstaltung seiner Fraktion „Religionsfreiheit verteidigen, Christen beistehen“. Kauder zufolge ist es ein existenzielles Menschenrecht, die eigene Glaubensüberzeugung öffentlich zu leben. Nichts mache die Identität eines Menschen mehr aus als der Glaube. Er setze sich für die freie Ausübung aller Religionen ein. Bedrängt würden aber vor allem Christen in islamisch geprägten Ländern. Kauder kündigte an, bei Reisen nach Nigeria und Eritrea die Lage der dortigen Christen anzusprechen. Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Peter Kardinal Turkson (Rom), berichtete, dass weltweit zwei Drittel aller Christen bedrängt oder verfolgt würden. Die Schwere reiche von Beeinträchtigungen bei der Berufsausübung bis zu physischer Gewalt. Er bat die Bundesregierung, im Einsatz für weltweite Religionsfreiheit nicht nachzulassen.

EKD: Schreibt bedrängten Christen Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), betonte, dass sich die evangelische und die römisch-katholische Kirche bei der Forderung nach Religionsfreiheit einig seien. Es gelte die biblische Aussage „Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit“ (1. Korinther 12,26). In manchen Regionen erlebten Christen Anschläge gegen Gemeindehäuser oder persönlichen Terror. Im Nahen Osten sei es dadurch zu einem „beachtlichen Exodus“ gekommen. So sei in der Türkei durch eine „gezielte Vertreibungspolitik“ der Anteil der Christen binnen 100 Jahren von 25 % auf 0,2 % geschrumpft. Schneider forderte dazu auf, bedrängten Christen Briefe zu schreiben, für sie zu beten und sie zu besuchen.

Nigeria: 30.000 Christen in Haft In einer Podiumsdiskussion schilderte die katholische Ordensschwester Thérèse Moussalem (Damaskus/Syrien) die Lage der Christen im Irak. Viele Familien seien aus Angst vor Massakern oder Vergewaltigungen aus dem Land geflüchtet. Sie hätten keine Möglichkeit, in ihre Heimat zurückzukehren. In Syrien bekämen sie in der Regel keine Arbeitserlaubnis. Zudem

ökumenische Angelegenheiten der Weltweiten Evangelischen Allianz, Rolf Hille (Heilbronn), und der Kolumbianer Monsignore Juan Usma Gómez (Vatikanstadt).

Wofür Evangelikale „Rom“ dankbar sind Hille sagte auf idea-Anfrage, die evangelikale Seite sei dankbar für „die deutliche Haltung der römisch-katholischen Kirche“ hinsichtlich der Inspiration und Verlässlichkeit der Heiligen Schrift, wie sie in Lehrverlautbarungen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zum Ausdruck komme. Man begrüße auch die Verbreitung von Bibeln durch die katholische Kirche. Hille zufolge wurden bei den Gesprächen auch kontrovers-theologische Fragen diskutiert, etwa ideaSpektrum 38.2011

seien viele Familien getrennt. Der Direktor des katholischen Instituts für Entwicklung, Gerechtigkeit und Frieden, Prof. Obiora Ike (Enugu/Nigeria), berichtete über die zunehmende Islamisierung Nigerias. In zwölf der 36 Bundesstaaten gelte bereits das islamische Religionsgesetz, die Scharia. Über 30.000 Christen säßen wegen ihres Glaubens im Gefängnis.

Gewalt gehört zum Hinduismus Der Generalsekretär der Evangelischen Allianz von Indien und Asien, Richard Howell (Neu Delhi), vertrat die Ansicht, dass Diskriminierung und Gewalt Teil des Hinduismus seien. Zudem trage diese Religion in Indien nationalistische Züge. Unter Verfolgung litten dort Christen und Muslime. Diskriminierung gebe es etwa bei der Versammlungsfreiheit und auf dem Arbeitsmarkt. Der Hinduismus teilt Menschen in vier Kasten ein. Noch darunter stehen die kastenlosen Dalits (Unberührbare). Viele von ihnen wenden sich laut Howell dem christlichen Glauben zu, da die Kirchen ihnen Ausbildung, Arbeit und medizinische Versorgung böten. P

b www.cducsu.de

die Bedeutung der mündlichen Überlieferung in der katholischen Tradition. Zur dritten Konsultation 2012 wird die Allianz einladen. Dann soll es um die Frage des Heils im Zusammenhang der Sakramentstheologie gehen. Die ersten Konsultationen zwischen Allianz und dem Päpstlichen Rat hatten zwischen 1977 und 1984 stattgefunden. Die zweite Gesprächsrunde dauerte von 1993 bis 2002 und mündete in einen Bericht mit dem Titel „Kirche, Evangelisation und die Bande der Gemeinschaft“. Die römisch-katholische Kirche hat etwa 1,2 Milliarden Mitglieder. Die weltweite Allianz repräsentiert rund 600 Millionen Evangelikale in 128 Ländern. P

b www.worldevangelicals.org • www.vatican.va


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NOTIERT Somalia: Christ enthauptet

Missionare auf alle fünf Kontinente entsandt JUBILÄUM Vereinigte Deutsche Missionshilfe wirkt seit 50 Jahren.

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ines der größten evangelikalen Missionswerke in Deutschland besteht seit 50 Jahren: die Vereinigte Deutsche Missionshilfe (VDM) mit Sitz in Bassum bei Bremen. Derzeit arbeiten in ihrem Auftrag 235 Missionare in 35 Ländern aller fünf Kontinente. Sie engagieren sich in geistlichen, sozial-diakonischen und entwicklungsfördernden Projekten. Das Werk, das zur Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM) gehört, hatte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr ein Spendenaufkommen von 5,1 Millionen Euro. Mitarbeiter und Spender kommen sowohl aus Landes- als auch aus Freikirchen. An der Jubiläumsfeier in Bremen nahmen rund 750 Gäste teil.

Wodurch die Weltmission heute herausgefordert wird Wie der Leiter des Werkes, Heinrich Finger, dabei sagte, gehörten zu den Herausforderungen der Mission heute die Auswirkungen von Finanz- und Wirtschaftskrisen, ein unberechenbarer Terrorismus, religiöser Extremismus und Christenverfolgung in vielen Teilen der Welt sowie die wachsende Bedeutung neuer Medien: „Wir sind öffentlicher als je zuvor.“ Notwendig sei eine ehrliche, offene Kommunikation, bei der man den christlichen Glauben bekenne, zugleich aber die eigene Arbeit nicht gefährden dürfe. Angesichts dieser Entwicklung sei es notwendig, Missionare gut auf ihren Dienst vorzubereiten und sie intensiv zu begleiten. Viele junge Mitarbeiter seien zwar technisch fit, aber angesichts der vielschichtigen Anforderungen emotional oft überfordert. Diesen Herausforderungen wolle man mit einer modernen Verwaltung und einem neuen Konzept für die Mitarbeiterbegleitung begegnen. Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), rief auf der Feier dazu auf, Gott zu danken. Eine Missionsgesellschaft sei auch eine „Gesellschaft des Dankens“. Ihre Mitarbeiter könnten es nicht lassen, „von dem zu reden, was sie im Glauben erfahren haben“. P

b www.vdm.org • 04241 93220

Die christlichen Bestseller im August 1 (1) Nick Vujicic, Mein Leben ohne Limits, Brunnen, 25.50 SFr.

(Biografie) 2 (2) Burpo/Vincent, Den Himmel gibt’s echt, SCM Hänssler, 22.40 SFr. (Biografie/Erzählung) 3 (3) K. & A. Malarkey, Der Junge, der aus dem Himmel zurückkehrte, Gerth, 24.50 SFr. (Biografie) 4 (7) Margot Käßmann, Sehnsucht nach Leben, adeo, 26.90 SFr. (Meditation) 5 (6) Harry Voß, Der Schlunz, SCM R. Brockhaus, 16.50 SFr. (Kinder) 6 (-) Sarah Young, Ich bin bei dir, Gerth, 24.50 SFr. (Andachten) 7 (8) Gary Chapman, Die fünf Sprachen der Liebe, Francke, 20.70 SFr. (Lebenshilfe) 8 (9) Chris Fabry, Junikäfer, flieg, Gerth, 23.50 SFr. (Roman) 9 (5) Tony Anthony / Angela Little, Den Tiger zähmen, CLV, 3,90 EUR (Biografie) 10 (-) John & Stacy Eldredge, Das wilde Herz der Ehe, Gerth, 25.90 SFr. (Lebenshilfe)

Umfrage bei evangelischen Buchhandlungen in Zusammenarbeit mit der Vereinigung Evangelischer Buchhändler und Verleger (VEB). In Klammern: Platzierung im Vormonat

Liechtenstein: Abtreibung verboten Das Abtreibungsverbot im Fürstentum Liechtenstein ist bei einer Volksabstimmung knapp bestätigt worden. 52,3 % sprachen sich am 18. September gegen einen Antrag zur Legalisierung des Abbruchs in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen aus. Erbprinz Alois hatte damit gedroht, ein entsprechendes Gesetz nicht zu unterzeichnen. Es hätte Abtreibungen ohne Frist auch bei einer vermuteten Behinderung des Kindes zugelassen. In Liechtenstein bleiben alle Abtreibungen verboten, auch wenn sie im Ausland vorgenommen werden. Liechtenstein ist neben Irland, Polen, Malta, San Marino und Monaco eines der wenigen Länder Europas, in denen Schwangerschaftsabbrüche entweder untersagt oder nur in Ausnahmen, etwa bei Lebensgefahr, erlaubt sind. Es handelt sich durchweg um katholisch geprägte Staaten.

Liechtenstein Einwohner: Katholiken: Protestanten: Muslime: Konfessionslose:

36.000 78 % 11 % 3% 8%

Fotos: VDM

In Peru unterstützt die Missionshilfe den Dachverband der Evangelischen Indianerkirchen beim Aufbau eines Theologischen Seminars. Rechts: Missionsleiter Heinrich Finger

In Somalia ist ein zum Christentum übergetretener ehemaliger Moslem enthauptet worden. Juma Nuradin Kamil war am 21. August im Südwesten des ostafrikanischen Landes entführt worden. Am 2. September wurde seine Leiche in der Nähe der Stadt Hudur gefunden. Kamil war vor drei Jahren vom Islam zum Christentum übergetreten. Für die Bluttat wird die radikal-islamische Shabab-Miliz verantwortlich gemacht, die Teile des Landes am Horn von Afrika kontrolliert. Sie steht mit dem Terrornetzwerk alQaida in Verbindung und will Somalia von Christen „säubern“. Es bedroht den „Abfall“ vom Islam mit dem Tode. In diesem Jahr wurden bereits drei Christen in Somalia umgebracht; im vorigen Jahr waren es mindestens 15. Weniger als 1 % der 8,7 Millionen Einwohner Somalias sind Christen.

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„Betet für die Menschen in Afghanistan!“ TRAUER Der getötete evangelische Entwicklungshelfer wurde jetzt in Deutschland beigesetzt.

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er in Afghanistan getötete Entwicklungshelfer Willi Ehret ist am 19. September in seiner Heimatstadt DitzingenHeimerdingen bei Stuttgart beigesetzt worden. Der 59-Jährige war am 19. August beim Wandern nördlich der Hauptstadt Kabul zusammen mit seinem Begleiter Siegbert Stocker (69) verschwunden. Am 5. September wurden ihre Leichen aufgefunden. Vermutlich wurden sie Opfer eines Raubmords. In seiner Ansprache bei der Trauerfeier für Ehret würdigte der Stuttgarter Pfarrer Winrich Scheffbuch den Christen, den er bereits in dessen Studentenzeit kennengelernt hatte. Später besuchte er die Bibelschule Wiedenest (Bergneustadt bei Gummersbach). 1982 ging Ehret im Auftrag der Deutschen Missionsgemeinschaft nach Nigeria. Von 1997 an arbeitete er als Entwicklungshelfer der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im ostafrikanischen Malawi. Seit dreieinhalb Jahren leitete er ein Landwirtschaftsprogramm in Afghanistan. Aus Sicherheitsgründen durfte ihn seine Ehefrau Ruth nicht begleiten, mit der er drei Kinder hat.

Scheffbuch: Zu wenige Helfer Scheffbuch bezeichnete Ehrets Tod als herben Verlust: „Wir haben doch viel zu wenige von diesen tüchtigen Helfern.“ Der Pfarrer erinnerte an die Lebensbedrohungen, die in vielen Psalmen geschildert werden. Letztlich wiesen sie hin auf Jesus, den „guten

Hirten“. In ihm könne sich ein Christ auch in Angst, Ausweglosigkeit und Verzweiflung geborgen wissen. Ehret habe seinen Bekannten ans Herz gelegt: „Wenn ihr von Afghanistan hört, betet für diese Menschen!“ Ehrets Begleiter Stocker gehörte zur evangelischen Christusträger-Bruderschaft. P

Weltreligionstreffen kritisiert „Prediger des Terrors“ WELTRELIGIONEN Mit einem Friedensappell von rund 300 Religionsführern endete ein Treffen in München.

Repro: PR

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eranstalter waren die katholische Erzdiözese München und Freising und die Gemeinschaft Sant’Egidio. In ihrem Aufruf stellen die Repräsentanten von Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus und anderer Religionsgemeinschaften fest, dass Religionen den Frieden gefährden können. Es gebe „Prediger des Terrors, die sogar die Worte der Religionen verwenden, um Hass zu verbreiten und die Welt zu spalten“. Die Religionsführer setzen dagegen: „Wer den Namen Gottes gebraucht, um den anderen zu hassen und zu töten, lästert den heiligen Namen Gottes.“ Sie sehen im Dialog eine „intelligente und friedliche Waffe“, um die Kunst des Zusam-

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menlebens einzuüben. Religionsführer sollten „Handwerker des Friedens“ sein. Christliche Teilnehmer an dem Treffen waren u. a. der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg), der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), und der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Johannes Friedrich (München).

Arabischer Protest gegen Rabbiner Das Treffen befasste sich auch mit dem Nahostkonflikt. In einer Plenumsveranstaltung warb Bundeskanzlerin Angela Merkel

für eine Zwei-Staaten-Lösung. Es müssten ein jüdischer Staat Israel und ein palästinensischer Staat entstehen, sagte sie. Um einen dauerhaften Frieden zu ermöglichen, seien „schmerzhafte Kompromisse“ nötig. Am Beginn des Treffens war eine Rede des früheren Oberrabbiners von Haifa (Israel), Shear-Yashuf Cohen, auf heftigen Protest arabischer Delegierter gestoßen. Cohen hatte nicht nur an die knapp 3.000 Opfer der Terroranschläge in den USA am 11. September 2001 erinnert, sondern auch an den Angriff auf die israelische Botschaft in Kairo am 10. September 2011. Daraufhin verließen der ägyptische Botschafter und drei weitere arabische Teilnehmer den Saal. P


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SC H ÄT Z E DE S GL AU BE NS

Eric Metaxas: Bonhoeffer – Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet den 752 Seiten • gebunden er Verlag: SCM Hänssler ISBN: 978-3-77515271-6 € 29,95 / SFr 40.90

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Am 9. April 1945 wurde er im KZ Flossenbürg (in der Oberpfalz/Bayern) hingerichtet.

Die Biografie: Bonhoeffer war anders THEOLOGIE Eine der wohl umfangreichsten Biografien über einen protestantischen Theologen wurde am 20. September in Berlin auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Sie beschreibt auf 752 Seiten das Leben des wohl bekanntesten evangelischen Helden des Widerstandes im Dritten Reich.

» Wenn man in einen falschen Zug einsteigt, nützt es nichts, wenn man im Gang entgegen der Fahrtrichtung läuft.« Dietrich Bonhoeffer

Er war am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet worden. Seitdem zählt der 1906 in der schlesischen Hauptstadt Breslau geborene Theologe zu den meistzitierten Kirchenmännern des 20. Jahrhunderts. Viele berufen sich auf ihn, zahlreiche Bücher sind über ihn geschrieben worden, und jede theologische Richtung versuchte, ihn für sich zu reklamieren. Als dies linksliberale Kreise fast geschafft hatten, startete der konservative Theologieprofessor Georg Huntemann (Bremen) eine Gegenoffensive mit seinem Buch „Der andere Bonhoeffer – Die Herausforderung des Modernismus“ (1989). Er wies beispielsweise darauf hin, dass Bonhoeffer für die Monarchie gewesen sei und im Blick auf die Frauenfrage vehement erklärt habe: „Die Frau

sei dem Manne untertan und der Mann liebe seine Frau.“ Der Autor der Nun macht in den USA eine neue, neuen Biografie: Eric Metaxas aus über 700 Seiten umfassende Biografie New York Furore, die sogleich auf der Bestsellerliste der Zeitung „New York Times“ landete, obwohl sie auch sehr US-kritische Aussagen Bonhoeffers vor allem über den dortigen Rassismus enthält. Autor ist der 48-jährige Journalist Eric Metaxas aus New York. Er hat eine deutsche Mutter und widmete sein Buch seinem Großvater Erich Kraegen, der als deutscher Soldat 1944 im Krieg fiel. Die Biografie enthält teilweise unveröffentlichtes Material. Die diese Woche erscheinende deutsche Fassung wurde bearbeitet von dem Bonhoeffer-Experten Prof. Rainer Mayer.

Bonhoeffer war keineswegs ein liberaler Theologe Vieles, was in dem Buch steht, widerspricht dem weithin noch gängigen Urteil, Bonhoeffer sei ein liberaler Theologe gewesen. Aus den von ihm zitierten Aussagen wird vielmehr deutlich, dass sich die Volks- und auch die meisten Freikirchen in der entscheidenden Frage – der nach der Autorität der Bibel – weit von Bonhoeffers Position entfernt haben. Deutlich werden aber auch Parallelen zur Gegenwart, wenn es beispielsweise um die Abwertung der Bedeutung des Kreuzes geht. Die Biografie ist spannend geschrieben, ordnet das ganze Leben Bonhoeffers in seine Zeit ein und stärkt den Glauben an Jesus Christus. P Helmut Matthies

Fotos: PR

Als nach dem Zweiten Weltkrieg die evangelischen Landes- und Freikirchen bekennen mussten, dass viele gar nicht und andere viel zu wenig dem nationalsozialistischen Unrechtssystem widerstanden hatten, war man dankbar, dass es einen deutschen theologischen Lehrer gab, der weit mehr als andere als Symbol des Widerstandes, ja Märtyrer des Glaubens, verehrt werden konnte: Dietrich Bonhoeffer.

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Auszüge aus der Biografie: „Bonhoeffer – Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet“

Für Bonhoeffer war die Bibel „Gottes Wort“ (S. 164 f.): „Bonhoeffer wollte seinen Studenten mehr als ein Dozent sein. Er wollte sie zu Jüngern Christi machen, und dazu gehörte, dass sie es lernten, aktuelle Ereignisse und Entwicklungen durch die Brille der Bibel zu betrachten und die Bibel nicht einfach als Theologiestudenten, sondern als Jünger Christi zu lesen. Es war eine Methode, die in der deutschen Universitätstheologie jener Zeit ihresgleichen suchte … 1933 sagte eine seiner Studentinnen: ‚Unter den Menschen in Deutschland wuchs die Erwartung, dass das Heil von Hitler kommen würde. Aber in (Bonhoeffers) Vorlesungen hörten wir, dass das Heil allein durch Jesus Christus kommt.’ … Er schreckte nicht vor politischen Äußerungen zurück und hielt es von Anfang an nicht mit all denen, die meinten, Politik und christlicher Glaube hätten nichts miteinander zu tun. (Seine Studentin) Inge Karding erinnert sich auch, dass Bonhoeffer die Bibel unverblümt als Wort Gottes betrachtete – an einem Ort wie der Universität Berlin schlichtweg skandalös: (Er sagte,) ‚wenn Sie die Bibel lesen, müssen Sie sich vorstellen, dass hier und jetzt Gott zu Ihnen redet’ … Er machte uns von Anfang an klar, dass wir die Bibel als das direkt an uns gerichtete Wort Gottes zu lesen hatten. Nicht als etwas Allgemeines, an die Welt allgemein Gerichtetes, sondern als etwas, das uns ganz persönlich anging. Von Anfang an und wiederholt sagte er uns, dass davon alles abhinge … Sein Student Joachim Kanitz erinnert sich, wie Bonhoeffer ihnen sagte, ‚dass jedes Wort der Heiligen Schrift ein Liebesbrief Gottes an uns ganz persönlich ist’, und sie fragte, ‚ob wir Jesus liebhaben’ … Er lehrte, dass die Bibel direkt in unser Leben hineinspricht, dort, wo unsere Probleme sind, erinnert sich Inge Karding.“

Foto: PR

Wie man die Bibel lesen sollte (S. 173 f.): „Ich will da zunächst ganz einfach bekennen: Ich glaube, dass die Bibel allein die Antwort auf alle unsere Fragen ist und dass wir nur anhaltend und etwas demütig zu fragen brauchen, um die Antwort von ihr zu bekommen. Die Bibel kann man nicht einfach lesen wie andere Bücher. Man muss bereit sein, sie wirklich zu fragen. Nur so erschließt sie sich. Nur wenn wir die letzte Antwort von ihr erwarten, gibt sie sie uns. Das liegt eben daran, dass in der Bibel Gott zu uns redet. Und über Gott kann man eben nicht so einfach von sich aus nachdenken, sondern man muss ihn fragen. Nur wenn wir ihn suchen, antwortet er. Natürlich kann man die Bibel auch lesen wie jedes andere Buch, also unter dem Gesichtspunkt der Textkritik etc. Dagegen ist gar nichts zu sagen. Nur dass das nicht der Gebrauch ist, der das Wesen der Bibel erschließt, sondern nur ihre Oberfläche. Wie wir das Wort eines Menschen, den wir liebhaben, nicht erfassen, sondern wie ein solches Wort einfach von uns hingenommen wird und wie es dann tagelang in uns nachklingt, einfach als das Wort dieses Menschen, den wir lieben, und wie sich uns in diesem Wort dann immer mehr, je mehr wir es ‚im Herzen bewegen’, wie Maria, derjenige erschließt, der es uns gesagt hat, so sollen wir mit dem Wort der Bibel umgehen. Nur wenn wir es einmal wagen, uns so auf die Bibel einzulassen, als redete hier wirklich der Gott zu uns, der uns liebt und uns mit unseren Fragen nicht allein lassen will, werden wir an der Bibel froh … … Und ich will Dir nun auch noch ganz persönlich sagen: Seit ich gelernt habe, die Bibel so zu lesen – und das ist noch gar nicht so

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lange her –, wird sie mir täglich wunderbarer. Ich lese morgens und abends darin, oft auch noch über Tag, und jeden Tag nehme ich mir einen Text, den ich für die ganze Woche habe, vor und versuche mich ganz in ihn zu versenken, um ihn wirklich zu hören. Ich weiß, dass ich ohne das nicht mehr richtig leben könnte.“

Auch den Juden muss Christus bekanntwerden (Im Gegensatz zur Meinung fast aller Landeskirchen heute trat Bonhoeffer – der 1943 auch wegen seines Einsatzes für die Juden inhaftiert wurde – für die Judenmission ein.) (S. 194): „Die Kirche muss Christus nicht nur den Heiden, sondern auch den Juden bekennen, so Bonhoeffer weiter. Sie hat die Aufgabe, den Messias der Juden den Juden zu bringen, die ihn noch nicht kennen … Bonhoeffers dramatische, ja fast schockierende Schlussfolgerung lautete: Die Kirche muss es den Juden nicht nur möglich machen, zu ihr zu gehören, sondern das macht geradezu ihr Wesen aus.“

Was Hitler von Pastoren hielt … (S. 224): „Hitler wusste, wie man mit diesen protestantischen Pfarrern verfahren musste. ‚Man kann mit ihnen machen, was man will’, sagte er einmal. ‚Es sind kleine dürftige Subjekte, unterwürfig bis zum Handkuss, und sie schwitzen vor Verlegenheit, wenn man sie anredet.’“

… und Bonhoeffers Enttäuschung über seine Mitchristen die nicht klar genug gegen die Gegner des christlichen Glaubens Stellung beziehen wollten (S. 231): „Wie später noch so oft, musste er tief enttäuscht feststellen, dass seine Mitchristen nicht fähig waren, klar Stellung zu beziehen. Immer wieder waren sie zu konziliant, zu bemüht, es nicht mit ihren Gegnern zu verderben.“

Bonhoeffer über die Theologie in den USA (1930-31) (S. 137): „Tatsächlich bin ich der Ansicht, dass man drüben außerordentlich wenig ‚für unsere Verhältnisse’ lernen kann …“ Was

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In Stettin (heute Polen), wo Bonhoeffer nahe der Stadt – in Finkenwalde – das Predigerseminar der Bekennenden Kirche leitete, gibt es ein „Bonhoeffer-Studienzentrum“. www.bonhoeffer-haus-stettin.de


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er an der damals führenden Ausbildungsstätte für evangelische Theologen, dem Union Theologischen Seminar in New York, erlebte, beschreibt er so (S. 129): „Eine Theologie gibt es hier nicht … Es wird das Blaue vom Himmel heruntergeschwatzt ohne die geringste sachliche Begründung und ohne dass irgendwelche Kriterien sichtbar werden. Die Studenten … kennen nicht die einfachsten Fragestellungen. Man berauscht (sich) an liberalen und humanistischen Redensarten, belächelt die Fundamentalisten und ist ihnen im Grund nicht einmal gewachsen … Man kann in New York fast über alles predigen hören, nur über eines nicht, oder doch so selten, dass es mir jedenfalls nicht gelungen ist, es zu hören, nämlich über das Evangelium Jesu Christi, vom Kreuz, von Sünde und Vergebung, von Tod und Leben.“

Bonhoeffer zur Abtreibung: Nichts anderes als Mord (S. 588): „Die Tötung der Frucht im Mutterleib ist Verletzung des dem werdenden Leben von Gott verliehenen Lebensrechtes … Das aber ist nichts anderes als Mord.“

Was Bonhoeffer 1938 Konfirmanden predigte (S. 379): „Konfirmanden sind heute wie junge Soldaten, die in den Krieg ziehen, in den Krieg Jesu Christi gegen die Götter dieser Welt. Dieser Krieg fordert den Einsatz des ganzen Lebens. Sollte Gott, unser Herr, dieses Einsatzes nicht wert sein? … Abgötterei und Menschenfurcht stehen allenthalben gegen uns … Es ist ein Kampf

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mit Zittern und Zagen; denn der schwerste Feind steht ja nicht uns gegenüber, sondern in uns selbst … Ich glaube, lieber Herr, … hilf meinem Unglauben.“

Die letzten Minuten im Leben Bonhoeffers (Der Lagerarzt im KZ Flossenbürg über den 9. April 1945, S. 664 f.): „Am Morgen des betreffenden Tages etwa zwischen 5 und 6 Uhr Weltweit wird Bonhoeffer verehrt: wurden die Gefangenen aus den Diese Bonhoeffer-Statue wurde in die anglikanische Westminster-Abtei Zellen geführt und die kriegsin London integriert – zusammen gerichtlichen Urteile verlesen. mit weiteren Christen, die als MärtyDurch die halbgeöffnete Tür eines rer des 20. Jahrhunderts gelten. Zimmers im Barackenbau sah ich vor Ablegung der Häftlingskleidung Pastor Bonhoeffer in innigem Gebet mit seinem Herrgott knien. Die hingebungsvolle und erhörungsgewisse Art des Gebets dieses außerordentlich sympathischen Mannes hat mich auf das Tiefste erschüttert. Auch an der Richtstätte selbst verrichtete er noch ein kurzes Gebet und bestieg dann mutig und gefasst die Treppe zum Galgen. Der Tod erfolgte nach wenigen Sekunden. Ich habe in meiner fast 50-jährigen ärztlichen Tätigkeit kaum je einen Mann so gottergeben sterben sehen.“ P

idea Fernseh- und Hörfunk-Tipps

24. bis 30. September

FE R NSE H E N Sonnabend, 24. September

Sonntag, 25. September

Montag, 26. September

Dienstag, 27. September

Mittwoch, 28. September

13.15–14.50 Der Papst in Freiburg

10.00–12.30 Gottesdienst mit dem Papst

15.30–16.00 ERF1 Wert(h)e Gäste mit dem m Pantomimen Carlos Martinez

10.00–11.00 Grenzen überschreiten: Faszination der Mystik

20.15–21.15 Hagia Sophia in Istanbul – Kirche, Moschee, Museum

20.00–21.30 ERF1 Inspiriert: Vergebung – Kränkungen überwinden, Beziehungen erneuern

11.30–12.00 Talk: Christ und Verantwortung – mit Reinhard Klein

18.35–20.15 Gottesdienst des Papstes mit Jugendlichen

20.15–21.35 Ökumenischer Dankgottesdienst: „9 Jahre bibel.TV“

20.30–21.00 ERF1 ?!! Was tun gegen Armut?! 21.15–21.45 Kirchen & Mammon: Talk mit EKD-Finanzleiter Th. Begrich

20.15–21.35 Themenabend „Eltern und Lehrer“: Ein schwieriges Gespann / Projekt Rütli

16.30–17.00 Familie – ein Auslaufmodell?! 21.30–22.00 ERF1 it it Von Marx zu Jesus: „Hoff mit Himmel“ mit Karin Bulland

HÖRFUNK 9.00–11.00 Übertragung der PapstMesse in Erfurt 12.00–13.00 Ein Mensch unter Gott / Du, meine Seele, singe – Mit Pastor Horst Marquardt 16.05–17.00 Religionen

8.08–8.30 Blickpunkt Religion 8.30–9.00 Ich bleibe also Jude – Erinnerung an Franz Rosenzweig 9.45–10.00 Ev.-methodistische Predigt mit Pfarrerin Caroline Schröder Field, Winterthur

Donnerstag, 29. September Freitag, 30. September 10.00–11.00 Gottesdienst aus der Freien evangelischen Gemeinde Bad Endbach 10.00–12.00 SWR 4 Gottesdienst mit dem Papst vom Flughafen im badischen Freiburg

19.30–20.00 Schöpfung oder wissenschaftliche Produktion?

15.05–15.20 Schalom – Zum jüdischen Neujahrsfest

20.00–21.00 Der Schatz in der Schublade: Friedhelm Löber im Gespräch mit Horst Marquardt

20.10–21.00 Feature über die ungewöhnliche Schulpartnerschaft Bonn–Djerba (Tunesien)

20.03–21.00 Angst als Gesellschaftsgefühl

20.30–20.50 Schabat Schalom

Wer reagieren möchte, kann dies unter folgenden Rufnummern tun: ARD: 089/5900-3344 | Bibel.TV: 040/4450660 | Das Vierte: 0180/5843783 Deutschlandfunk und Deutschlandradio: 0221/345-1831 | DRS 2: (0)848/808080 | ERF: 06441/957-0 | HR (TV): 069/1555111 | Kabel 1: 0180/5011150 KiKa: 0180/2151514 | Luth. Stunde: 04264/2436 | MDR: 0341/300-5401 | NDR: 0511/988-2393 | Phoenix: 0180/28213 | RBB: 030/97993-2171 SF 2: (0)62/2059050 | SR 2: (0)681/6022222 | SWR: 07221/929-0 | WDR (Radio): 0221/5678-333 | WDR (TV): 0221/5678888 | ZDF: 06131/7012164

Foto Satute/dpa

Sonnabend, 24. September Sonntag, 25. September

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P RO & KON T R A

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Kinder auf eine christliche Schule schicken? BILDUNG Christliche Schulen werden im deutschsprachigen Europa immer beliebter (siehe S. 22 ff.).

Wir haben erfahren, dass das Miteinander an christlichen Schulen eine andere Basis hat.

PRO

Diese Frage stellten wir uns das erste Mal vor 17 Jahren. Unsere Entscheidung lautete „ja“: Wir wollten unsere Kinder nicht vor der Welt schützen, sondern sie für ihr Leben in der Welt stärken. Denn wir sehen es als unsere Verantwortung, dass unsere Kinder gemäß Psalm 78 die biblischen Grundlagen kennenlernen und Wissen über Gottes Werke erwerben. Die Erfahrungen, die wir mit unseren Kindern an zwei christlichen Schulen gemacht haben, bestätigen uns in dieser Entscheidung. Wir empfinden die christliche Schule als unsere Schule. Wir sind als Eltern und – zusammen mit den Lehrern – gemeindeübergreifend aktiv und mitverantwortlich. Wir haben die Möglichkeit, uns kreativ einzubringen und gemeinsam mit christlichen Lehrern den Kindern unsere Werte und unseren Glauben zu vermitteln. Der Lehrplan entspricht dem der staatlichen Schulen, aber die Auseinandersetzung mit der Bibel (Beispiel: Evolutionstheorie oder Gender-Mainstreaming) ist möglich und gewollt.

Wir haben erlebt, dass die Lehrer ihre Arbeit als Berufung und jedes Kind als Geschöpf Gottes sehen. Die Sorge, dass die Kinder in ein „christliches Ghetto“ kämen, haben wir schon früh abgelegt. Viele typische Probleme – vom Rauchen über Ungerechtigkeiten bis zu Mobbing – kommen auch an christlichen Schulen vor! Allerdings haben wir erfahren, dass das Miteinander in der großen „Schulfamilie“ eine andere Basis hat: gemeinsame Gebete und ein Ringen um Gottes Weisungen. Der Umgang der Kinder und Jugendlichen miteinander in der Schule wirkt sich auch positiv auf ihre Freizeitgestaltung aus. Zudem haben wir die Möglichkeit, unseren Glauben unverkrampft und natürlich weiterzugeben, weil auch Schüler aus nichtchristlichen Elternhäusern die Schule besuchen. Wir würden unsere Kinder jederzeit wieder auf eine christliche Schule schicken! Und wir empfehlen dies allen Eltern, die ihren Kindern den christlichen Glauben ganzheitlich – also auch auf schulischer Ebene – weitergeben möchten. P

Wir brauchen auch mutige Kinder, die an staatlichen Schulen zu ihrem Glauben stehen.

Hartmut Jaeger ist Geschäftsführer der Christlichen Verlagsgesellschaft mbH in Dillenburg und seit 20 Jahren Elternbeirat. Seine drei Töchter sind bzw. waren Schülerinnen der Gesamtschule in Haiger.

KONTRA

Fotos: Leu/privat; Jaeger/idea/Weiß

Dipl.-Ing. Christine Leu (Mühlacker bei Pforzheim) arbeitet als Lebensberaterin. Ihre fünf Kinder und eine Pflegetochter im Alter zwischen 9 und 24 Jahren besuch(t)en die christlichen Schulen in Pfinztal und Mühlacker.

Ich bin dankbar, dass es Bekenntnisschulen als Alternativangebote gibt. Ich frage mich allerdings, ob sie die einzige Lösung sind für den offensichtlichen Verlust an christlicher Tradition in unserer Gesellschaft. Nicht überall gibt es christliche Schulen – daher sind oftmals lange Anfahrtswege nötig, will man seine Kinder auf eine Bekenntnisschule schicken. Doch das bedeutet einen täglichen Stressfaktor für Kinder! Stattdessen sind wir als christliche Familie an unserer staatlichen Schule im Ort wahrnehmbar und vermeiden, dass sich unsere Kinder von der Nachbarschaft entfremden. Ich habe meine Kinder auf eine staatliche Schule geschickt, weil ich es für segensreich halte, wenn Kinder mit einer tiefen christlichen Grundüberzeugung in einem nicht-christlichen Umfeld überzeugt auftreten. Wir brauchen mutige Kinder – mit Eltern im Rücken –, die mitten in der Gesellschaft zu ihrem Glauben stehen und ein lebendiges Zeugnis für Jesus sind. Und wir brauchen christ-

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liche Eltern, die sich bewusst an nicht-christlichen Schulen engagieren, sich am schulischen Leben beteiligen, Ideen einbringen und den Schulalltag tatkräftig mit gestalten. Dadurch erwerben wir uns Vertrauen und werden als Jünger Jesu wahr- und ernst genommen. Meine Erfahrung in der hessischen Stadt Haiger ist, dass in den letzten Jahren immer mehr Christen Verantwortung für die Mitarbeit in der Schule wahrgenommen haben. Das wirkt sich positiv aus. Schulleitung und Eltern an einer staatlichen Schule freuen sich über engagierte Christen, die anpacken, statt sich auszuklinken und nur im Konfliktfall – Stichworte Sexualkunde-Unterricht, Evolutionslehre – aufzutreten. Der Gesetzgeber gibt uns den rechtlichen Spielraum zur Beteiligung an den öffentlichen Schulen – hier sehe ich christliche Eltern in der Pflicht: Warum nicht einmal einen Bibelvers im Schulrundbrief veröffentlichen oder ein Buch bei einer Veranstaltung auslegen? P


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ÖK U M E N E

Deutschlands älteste und größte Simultankirche: Der St.-Petri-Dom (2. Turm von rechts) in Bautzen wird von Protestanten und Katholiken genutzt.

Eine göttliche WG KONFESSIONEN Im sächsischen Bautzen steht Deutschlands größte und älteste Simultankirche. Hier wird Ökumene gelebt. Wie das klappt, beschreiben Matthias Pankau und Thomas Kretschel (Fotos). Es ist noch früh am Morgen. Erste Sonnenstrahlen fallen durch eines der Chorfenster des St.-Petri-Domes. Sie treffen auf das große Ölgemälde des Künstlers Franz Wenzel Schwarz von 1881. Es zeigt das letzte Abendmahl Jesu und hängt über den Türen zur evangelischen und zur katholischen Sakristei. „Das Gemälde symbolisiert den gemeinsamen Grund, auf dem beide Konfessionen stehen, und die Hoffnung, dass es vielleicht wieder einmal so sein wird“, erklärt Burkart Pilz, evangelischer Dompfarrer in Bautzen. Zusammen mit seinem katholischen Kollegen Veit Scapan stellt er sich fürs Foto an dem etwa ein Meter hohen Gitter auf, das zwischen den Türen der beiden Sakristeien durch den gesamten Kirchenraum verläuft. Es trennt den Kirchenraum in einen protestantischen und einen katholischen Teil – und das seit fast 500 Jahren.

Zwei Eingänge, zwei Orgeln, zwei Altäre ... 1530 – die Reformation war in vollem Gang – hatte ein Großteil der Bautzener Bürgerschaft die neue Lehre angenommen. Lediglich das katholische Domstift war nicht übergetreten. Mit dem Stadtrat einigte es sich darauf, den Dom auch für evangelische Gottesdienste freizugeben: Zwei Drittel der Kirche gehören seitdem den Protestanten, ein Drittel gehört den Katholiken. Das hat dazu geführt, dass es nicht nur zwei Eingänge gibt, sondern auch zwei Orgeln, zwei Altäre und unterschiedliche Kirchenbänke im vorderen und im hinteren Teil des Gotteshauses. Allein den Kirchturm samt Geläut gibt es nur einmal – im protestantischen Teil. Doch ihn nutzen beide Gemeinden.

Den anderen immer im Blick Von der räumlichen Zweiteilung darf man nicht auf das Verhältnis zwischen evangelischer und katholischer Gemeinde schließen; beide sind mit jeweils rund 6.000 Mitgliedern die größten der Landeskirche bzw. des Bistums. Protestanten und Katholiken kooperieren, wo es möglich ist – ob bei gemeinsamen Konzerten, Andachten zu bestimmten Anlässen oder im gemeinsamen Verein, der einen ökumenischen Domladen betreibt. 2007 feierten beide Seiten das erste ökumenische Gemeindefest direkt vor dem Dom, zu dem Tausende Bautzener kamen. „Wir betreiben hier keine konfessionelle Nabelschau“, erklärt Pfarrer Pilz. „Wir haben den anderen immer im Blick.“ Und das meint er ganz wörtlich. Wenn die evangelische Gemeinde Gottesdienst feiert, sieht sie nämlich immer auch auf den katholischen Hochaltar im vorderen Teil der Kirche. Und umgekehrt sieht Pfarrer Scapan stets den evangelischen Altar, wenn er Gottesdienst feiert. In beiden Gemeinden gibt es nun Überlegungen, den Zaun mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 erneut abzusenken. „Das wäre ein starkes Zeichen“, sagt Pilz. Sein katholischer Amtskollege stimmt zu, schränkt aber gleich ein: „Dann müsste man es schon ganz wegnehmen. Sonst haben wir hier eine ökumenische Stolperfalle.“

Absprachen sind unentbehrlich Heute fi ndet die katholische Messe um 9 Uhr statt, der evangelische Gottesdienst um 10.30 Uhr. Bei Hochzeiten, Taufen, Konfirmationen, Kommunionen und Beerdigungen spricht man sich ab. Für Scapan hat das gute MiteinideaSpektrum 38.2011


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Seit dem 16. Jahrhundert werden hier evangelische und katholische Gottesdienste gefeiert – allerdings zu unterschiedlichen Zeiten. Ein Drittel des Kirchenraums (im Bild hinten mit Hochaltar) gehört der katholischen Gemeinde, zwei Drittel (bis zur Kanzel) der evangelischen.

Möglichkeiten zusammenarbeiten. „Ökumene ist ja kein Prozess der gegenseitigen Angleichung“, sagt Pilz. „Vor allem geht es darum, die andere Farbe des Glaubens zu sehen und das zu achten, was dem anderen heilig ist.“ Und dafür ist Bautzen auf jeden Fall ein gutes Beispiel. P

b Ev. Pfarramt: 03591 369710 • Kath. Pfarramt: 03591 31180 www.st-petri-bautzen.de

Stichwort: Simultankirchen Rund 60 Simultankirchen gibt es in Deutschland, die meisten davon in Rheinland-Pfalz und Bayern. Mal teilen sich Protestanten und Katholiken die Kirche zu wechselnden Zeiten, mal gibt es eine räumliche Trennung zwischen den Gemeinden. Die meisten Simultankirchen entstanden nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648). Heinz Henke: Wohngemeinschaften unter deutschen Kirchendächern • Engelsdorfer Verlag • 239 Seiten • 13,95 EUR

Polen

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ander beider Gemeinden auch etwas mit den Erfahrungen der DDR zu tun – sowohl er als auch Pilz sind dort aufgewachsen. „Als Teil einer Minderheit brauchte man sich und war aufeinander angewiesen“, erklärt er. Das wirke in Bautzen bis heute fort. So sprechen die beiden Gemeinden auch gegenüber der Stadt mit einer Stimme, etwa wenn es um die Ladenöffnungszeiten geht. Bei aller Harmonie gibt es aber auch Trennendes. „Als Pfarrer einer Simultankirche nimmt man Äußerungen aus Rom natürlich noch einmal mit einem anderen Sensus wahr“, sagt Burkart Pilz. „Wenn ich als Pfarrer dieser Kirche höre, dass Evangelische Kirche nach katholischem Selbstverständnis nicht Kirche im eigentlichen Sinne sei und ausdrücklich nicht von Schwesterkirchen gesprochen werden soll, dann wird damit zwar nur bereits Bekanntes wiederholt, aber es schmerzt trotzdem. Auch weil ich überzeugt bin, dass die Zukunft der Kirchen eine ökumenische ist.“ Scapan hält dem entgegen, dass „Rom“ immer als Weltkirche denke. Das Miteinander von Protestanten und Katholiken spiele in Deutschland eine so große Rolle, weil es die Geschichte des Landes nachhaltig geprägt hat. In weiten Teilen der Welt sei das anders, weshalb der Vatikan dem Thema wohl auch nicht die oberste Priorität einräume. Dass das Treffen zwischen Papst Benedikt XVI. und Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland diese Woche im Erfurter Augustinerkloster, wo Martin Luther (1483–1546) von 1505 bis 1512 als Mönch lebte, stattfindet – darin sehen Pilz und Scapan eine starke Symbolik.

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Tschechische Republik

Die theologischen Unterschiede bleiben Mit Blick auf konkrete Ergebnisse der Begegnung bleiben beide dennoch nüchtern: „Ein gemeinsames Abendmahl“, sagt Scapan und zeigt auf das Gemälde von Wenzel Schwarz, „wird es auch nach dem Papstbesuch in Deutschland nicht geben“. Dafür seien die theologischen Unterschiede nach wie vor zu groß. Er und sein evangelischer Kollege werden aber weiterhin das Gemeinsame in den Vordergrund stellen und im Rahmen der bestehenden ideaSpektrum 38.2011

Brüder im Geiste: Der evangelische Dompfarrer Burkart Pilz (links) und sein katholischer Kollege Veit Scapan arbeiten nicht nur unter einem Dach, sie kooperieren auch inhaltlich, wo es geht.


net F O R U M F Ü R J U N G E C H R I S T EN

Rainbow

Lokomotor

Jonas David

Frisches für Deine Ohren! MUSIK Du bist auf der Suche nach interessanten christlichen Bands? Die Szene im deutschsprachigen Europa hat da vieles zu bieten! Simon Jahn stellt drei Musikprojekte vor, von denen man noch einiges erwarten darf.

Lokomotor

ben sie es schon in den begehrten „Bandpool“ der Popakademie Mannheim und unter die fünf Teilnehmer der Spitzenförderung „PopCamp“ des Deutschen Musikrates geschafft. So werden die vier Jungs und ihre Sängerin derzeit von Profis betreut und geschult, um auf dem säkularen Musikmarkt Fuß fassen zu können. Als Vorband der „Söhne Mannheims“ ernteten sie so schon jede Menge Begeisterung. Doch die fünf Musiker stehen eigentlich schon seit 12 Jahren gemeinsam auf der Bühne. Als „Groundstaff“ („Bodenpersonal“) waren sie in der christlichen Musikszene nicht ganz unbekannt. Nun aber wollen sie aus dem „Christliche-Band-Klischee“ ausbrechen, schreiben ihre poetischen Texte nur noch auf Deutsch und lassen es musikalisch deutlich poppiger angehen. Kreativ ist bei Lokomotor aber nicht nur die Musik: Ihre erste 6-Song-CD haben sie in selbstgemachte Leder-Hüllen gesteckt. Und weil ihr Tourbus – der den Hofern auch für ihre ehrenamtlich ausgeübte evangelische Jugendarbeit dient – langsam den Geist aufgibt, haben sie eine besondere Aktion gestartet: Wer 10 Euro spendet, bekommt ein 10x10 cm großes Foto seiner Wahl auf ihren neuen Bus gedruckt – den „Facebus“ („Gesichtsbus“).

Scheinbar aus dem Nichts starten Lokomotor derzeit so richtig durch: Obwohl die Band aus Hof im Nordosten Bayerns im November ihre ersten Konzerte gab, ha-

b Lokomotor: „Erste Stunde“ • Maryroad Records • 6 Lieder • 23 Min. • 8 € lokomotor.de

Auch Rainbow ist kein echter Neuling in der christlichen Musikszene. 2006 fanden sich die sechs Musiker spontan zusammen, um als Lobpreis-Band auf einer Jugendfreizeit zu spielen. In der Folge wurden sie für so viele andere Jugendveranstaltungen angefragt, dass sie beschlossen, als feste Formation weiterzumachen. 2008 entstand dann ihre erste CD „Liveworship“, deren Vermarktung sie noch selbst in die Hand nahmen. Seitdem gewannen die Bremer nicht nur viele neue Fans hinzu: Für ihr zweites Album „Mehr als genug“ konnte Rainbow auch einen professionellen Vertrieb an Land ziehen, was der Band einen deutlichen Bekanntheitsschub geben dürfte. Die überwiegend deutschsprachigen Lieder verzichten auf abgedroschene Lobpreis-Phrasen und sind sprachlich wie musikalisch frisch, tiefgängig und gefühlvoll. Sie haben das Zeug, ein weiteres Aushängeschild der jungen deutschen Lobpreisszene zu werden!

b Rainbow: „Mehr als genug“ Gerth Medien • 11 Lieder • 65 Min. • 14,99 € rainbow-band.de

B e su cht uns au ch au f

Jonas David Obwohl er inzwischen eine Band hat, die ihn bei seinen Auftritten unterstützt, ist Jonas David von Haus aus eigentlich Solokünstler. Im Alter von 14 Jahren fing der Wuppertaler an, sich verschiedene Instrumente beizubringen und Lieder zu schreiben. Mit eigener Band hatte er im Umfeld einer Jugendkirche viele Auftritte. Dann begann er, seine Lieder in Eigenregie aufzunehmen. Heute bringen die Songs des 24-jährigen Jonas David schon erstaunlich viel Reife mit. Der Musiker braucht dafür kein großes „Tamtam“ – es sind die leisen Töne, mit denen er den Zuhörer in seinen Bann zieht. Für seinen Indie-Folk reicht neben dem Gesang oft eine Akustikgitarre. Dass jemand, der sich so völlig jenseits des Mainstreams bewegt, für den von den jungen ARD-Radios ausgeschriebenen New Music Award 2011 nominiert wird, ist schon erstaunlich. Es lässt erahnen, wie viel Potenzial in Jonas David steckt. In den Niederlanden hat man das schon entdeckt: Dort erschien mit „Keep the times“ („Bewahrt die Zeiten“) nun erstmals ein Album des Musikers bei einer Plattenfirma. Dass es auch in Deutschland veröffentlicht wird, dürfte nur eine Frage der Zeit sein.

b Jonas David: „Keep the times“ • Volkloren

face b ook .com/idealis te n

11 Lieder • 58 Min. • für 8 € als Download erhältlich unter ideali.st/jd jonasdavid.de

Ko s te n l o s i m A p p -Sto r e e r h ä l t l i c h:

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Fotos: PR

Rainbow


DI E K LE I N E K A NZ E L

»Wer ist wie der HERR, unser Gott, im Himmel und auf Erden? Der oben thront in der Höhe, der herniederschaut in die Tiefe. «

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Pfarrer Dr. Hartmut Schmid (Holzgerlingen bei Stuttgart) ist Vorsitzender des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes.

Psalm 113,5–6

Foto Schmid/privat

Sieht der große Gott mich wirklich? Sieht Gott mich wirklich als Person? Kümmert er sich um mich und mein ganz persönliches Leben? Die Frage, ob Gott den Menschen als Individuum wahrnimmt, treibt nicht wenige Menschen um. Der Hintergrund dafür ist nicht in erster Linie Unglaube – sondern die Größe Gottes. Wir bekennen Gott als den Allmächtigen, als den Schöpfer von Himmel und Erde. Psalm 113 bekennt ihn als den, der höher ist als alle Völker, „der oben thront in der Höhe“. Aber hat dieser große und hohe Gott dann auch noch einen Blick für den einzelnen Menschen? Geht nicht der Einzelne unter – ob der ganzen Fülle, für die Gott zuständig ist? Psalm 113 gibt eine Antwort, die die Größe Gottes nicht mindert – und die uns zugleich die Zuwendung und das Interesse Gottes an jedem Einzelnen zuspricht. Gott ist

Gott nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden. Er ist nicht nur Gott in himmlischer Ferne, sondern ein ganz naher Gott: in seinem Sohn Jesus Christus. Gott thront nicht nur in der Höhe, sondern nimmt auch die Tiefe wahr. Mit seinem ganzen Wirken hat Jesus diese Aussagen unterstrichen. Er hatte einen Blick für den Einzelnen und dessen tiefste Nöte. Und er beließ es nicht bei einem Blick: Er hat geholfen – und er hilft bis heute. Einen Zachäus sah er im Versteck des Baumes, besuchte ihn – und brachte sein Leben in Ordnung. Für einen brutalen Terroristen hatte er am Kreuz noch Zeit und Kraft für ein Gespräch, das diesen zum Glauben führte – und ihm das Paradies eröffnete. Jesus begab sich mit seinem Tod am Kreuz selber in die tiefste Tiefe – und wurde so zum Lastenträger für jeden Menschen, der dies persönlich in Anspruch nehmen möchte. P

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ideaSpektrum 38.2011

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PORTRÄT Türkei: Ein Pastor mit Leibwächter CHRISTENVERFOLGUNG Der türkische Präsident Abdullah Gül ist bis zum 21. September auf Staatsbesuch in Deutschland, wo ca. 3 Millionen Türken ihren muslimischen Glauben ungehindert leben können. Das können die Christen in der Türkei nicht. Häufig sind sie in Gefahr – wie Ertan Cevik, der zum Vorstand der dortigen Evangelischen Allianz gehört. Ein Porträt von Matthias Pankau. hannes 4 vor. „Das hat mich nachdenklich gemacht.“ Einige Wochen später wird der junge Türke Christ.

„Lauf weg, sonst passiert etwas!“ Heimlich besucht er Gottesdienste. Als sein Vater dahinterkommt, wirft er dem Sohn vor, die Familientradition zu verraten – und gibt ihm sogar mehr Taschengeld für die Diskothek. Aber Ertan geht lieber in die Nachmittagsbibelstunde des Diakonissenmutterhauses Aidlingen (bei Stuttgart), wo er geistlichen Halt gefunden hat. Kurz nach dem 18. Geburtstag tritt er seinem Vater gegenüber mit dem Koran in der einen und der Bibel in der anderen Hand – und den Worten „Ich habe mich für die Bibel entschieden“. „Mein Vater bekam einen Wutanfall und rannte in die Küche, um ein Messer zu holen“, erinnert sich der Sohn. Seine Mutter schrie nur: „Lauf weg, sonst passiert etwas!“

Sein Name stand auf der Todesliste Der junge Mann muss Hals über Kopf sein Zuhause verlassen und kommt bei einem Lehrerehepaar unter. Nach Abschluss seiner Lehre als Maler und Lackierer besucht er ein halbes Jahr lang eine Bibelschule der Fackelträger, stu-

diert an der Bibelschule Wiedenest und heiratet eine deutsche Frau. 1989 gehen die beiden für eine Organisation zur Verbreitung christlicher Literatur in die Türkei. Viele Jahre versorgt Cevik von dort auch die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion mit christlicher Literatur. In der Türkei ist er an der Gründung zahlreicher Hausgemeinden beteiligt. Als in Malatya 2007 drei Christen ermordet werden, verhaftet die Polizei auch in Izmir eine Gruppe extremistischer Islamisten. Bei ihnen finden sie eine Todesliste – auf der auch Ertan Ceviks Name steht. Der türkische Staat stellt dem Pastor daraufhin einen Leibwächter, der ihn täglich begleitet – auch zu den Gottesdiensten, obwohl er ein Moslem ist. Sein Vater hingegen besucht die Gottesdienste seines Sohnes bis heute nicht, auch wenn die beiden sich wieder versöhnt haben. Hat Cevik jemals daran gedacht, angesichts der Gefahr nach Deutschland zurückzukehren? „Nein. Ein guter Hirte verlässt seine Herde auch dann nicht, wenn es brenzlig wird. Mein Platz ist hier“, antwortet er ohne Zögern. P

Foto: idea/kairospress

Wenn Ertan Cevik in der türkischen Millionenmetropole Izmir aus dem Haus geht, ist er nie allein: Immer ist ein Leibwächter bei ihm. Denn der 45-Jährige gilt als gefährdet – weil er Christ und Pfarrer einer Gemeinde mit 26 Mitgliedern ist. Cevik wächst als Moslem auf. Er bleibt bei den Großeltern in der Türkei, als seine Eltern 1971 als Gastarbeiter nach Deutschland gingen. Erst mit 13 zieht er zu ihnen nach Baden-Württemberg. Dort drücken ihm junge Leute in der Fußgängerzone ein Traktat in die Hand: eine Einladung zum CVJM. Cevik ist neugierig – und geht hin. „Die Leute waren sehr aufgeschlossen und freundlich.“ Einer schenkt im ein Neues Testament. „Als stolzer Moslem kaufte ich sofort einen Koran und schenkte ihn diesem Jungen.“ Beide wollten ihre neuen Bücher lesen und sich danach über ihren Glauben austauschen. Auf die Frage nach Mohammed sagte Cevik im Gespräch damals: „Er war stark, gesetzestreu und ein guter Kämpfer – das macht mich stolz.“ Sein Gegenüber antwortete: „Jesus war ganz anders“ – und las ihm Jesu Gespräch mit der Ehebrecherin aus Jo-

DAS WORT DER WOCHE » All dies (mein Besuch in Deutschland) ist nicht religiöser Tourismus, und noch weniger eine Show. Worum es geht, sagt das Leitwort dieser Tage: ‚Wo Gott ist, da ist Zukunft‘. Es soll darum gehen, dass Gott wieder in unser Blickfeld tritt, der so oft ganz abwesende Gott, dessen wir doch so sehr bedürfen … « Papst Benedikt XVI. zu seinem bevorstehenden Deutschlandbesuch im „Wort zum Sonntag“ im Ersten deutschen Fernsehprogramm (ARD), das von 2,36 Millionen gesehen wurde (die sonstige durchschnittliche Zuschauerzahl beträgt: 1,62 Millionen) ideaSpektrum 38.2011

Idea Spektrum Schweiz 38/2011  

Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt mit Fokus auf die Schweiz und Deutschland.

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