Page 1

Einzelverkaufspreis: Fr. 4.00

Spektrum l idea

Nr. 20

18. Mai 2011

G 7405

Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt

Wer jung heiratet, hat mehr von der Ehe

Christian Stricker über junge Brautpaare und den „richtigen“ Partner Seite 9: Schliessung

Posaunenchor Bülach Was geschieht jetzt lobt Gott hoch oben mit dem „Sunnebad“? Seite 8: Medizin

Seite 23: Gemeindebau

Thierry Carrel betont die spirituelle Seite

Wie die geistliche Leitung gelingen kann

natürlich. www.meinferienhotel.ch

Reklame

Seite 7: Jubiläum

Seite 4

www.ideaschweiz.ch


2

Inserate

Teuchel-idea-CH-0511

06.05.2011

11:18 Uhr Seite 1 ideaSchweiz l 20/2011

03. - 10. Juli 2011

Bibel- und Wandertage Leitung: Pastor Horst Knöller

Einführungskurs

02. – 13. September 2011

für angehende Pastor/innen und Vollzeiter/innen

Dreiländerreise nach Südböhmen und Niederösterreich

Wann:

Mitte Oktober 2011 bis September 2012, zwanzig Mal am Dienstagmorgen für drei Stunden. Wo: Olten Was: Praktisch-theologische Themen wie z.B. Gemeindebau, christozentrische Verkündigung, Kritik und Feedback, geistliche Lernprozesse steuern und begleiten, Didaktik des Gottesdienstes, Teamarbeit, Eheseelsorge, Geld und Geist, Konfliktbearbeitung, Changemanagement, To do’s und Not to do’s im vollzeitlichen Dienst, Vollmacht, Kasualanlässe, Befreiungsseelsorge, Gesprächsführung und anderes. Ausserdem: Coaching beim Predigen und persönliche Praxisberatung. Wer: Angehende Pastor/innen und Vollzeiter/innen aus unterschiedlichen Denominationen Kosten: Kursgebühr von Fr. 700.– plus Kosten für eine viertägige Retraite

Leitung: Pastor Uwe Saßnowski

11. – 18. September 2011

Herbstwanderwoche

Leitung: Richard Locher, Neuenbürg

18. – 25. September 2011

Schwarzwald-Wanderfreizeit Leitung: Pastoren Herbert Mast und Uwe Saßnowski

23. – 30. September 2011

Bibel- und Ausflugswoche

Leitung: Pfr. Dr. Armin Mauerhofer, Dozent an der STH Basel und Pastor der FEG Aarau sowie Pfr. Reiner Bamberger, Dozent am TSC St. Chrischona, Dipl. Erwachsenenbildner HF und Coach / Supervisor BSO. Beide sind Lehrer der Freien Evangelischen Gemeinden in der Schweiz. Zusätzlich punktueller Beizug externer Fachpersonen.

S



Infos und Anmeldung: Armin Mauerhofer, Fliederweg 1, 5024 Küttigen, 062 827 37 70, armin.mauerhofer@sunrise.ch oder Reiner Bamberger, Stettbrunnenweg 44, 4132 Muttenz, 061 462 34 21, reiba@bluewin.ch

2011_20_35_Einfuehrungskurs.indd 1

Leitung: Pfarrer Dr. Herbert Specht

Hotel Teuchelwald

Schömberger Straße 9 • 72250 Freudenstadt Telefon 074 41/5 32-120 • Fax 5 32-135 Besser mit Herz! www.Hotel-Teuchelwald.de

29.03.11 08:31

Vortragsreise mit der Soziologin und Publizistin Gabriele Kuby zum Thema

Gender Mainstreaming – Umsturz der Werteordnung

17. Juni 2011, 19.30 Uhr, Bern Hotel Kreuz Bern, Zeughausgasse 41, 3000 Bern

23. Juni 2011, 19.30 Uhr, Uster Festsaal – Stiftung Wagerenhof, Asylstrasse 24, 8610 Uster

18. Juni 2011, 19.30 Uhr, Basel Burgfelderhof – Zentrum für Bildung und Begegnung, Im Burgfelderhof 60, 4055 Basel

24. Juni 2011, 19.30 Uhr, Luzern Paulusheim, Moosmattstrasse 4, 6005 Luzern

19. Juni 2011, 14.30 Uhr, Lausanne Hotel Alpha-Palmiers, Rue du PetitChêne 34, 1003 Lausanne (dt./frz.) 20. Juni 2011, 19.30 Uhr, Chur Titthof Chur – Kath. Kirchgemeindehaus, Tittwiesstrasse 8, 7000 Chur 21. Juni 2011, 19.30 Uhr, Döttingen Singsaal – Schulhaus Bogen, Chilbert 28, 5312 Döttingen 22. Juni 2011, 19.30 Uhr, Herisau Casino, Poststrasse 9, 9100 Herisau

IM SEPTEMBER 2011 BEGINNT EIN NEUER BIBELFERNKURS Der Kurs hilft, den Überblick über die ganze Bibel zu bekommen, die Zusammenhänge biblischer Aussagen zu erfassen, biblische Bücher in ihrer Vielfalt zu entdecken und Freude an vertiefter Bibelkenntnis zu gewinnen.

25. Juni 2011, 20.00 Uhr, Winterthur Zentrum Grüze, Industriestrasse 1, 8404 Winterthur

Für wen

Für alle, die Interesse an der Bibel haben, sie besser kennenlernen wollen und bereit sind, dafür etwas Zeit und Ausdauer zu investieren.

26. Juni 2011, 14.30 Uhr, Zürich Stiftung zum Glockenhaus, Sihlstrasse 33, 8021 Zürich

Wie lange

Kursdauer etwa 2½ Jahre

Eintritt frei, Kollekte. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Kontakt: Zukunft CH, Zürcherstrasse 123 8406 Winterthur, www.zukunft-ch.ch

Kosten pro Semester CHF 300.–, Ehepaare CHF 450.– (5 Semester) Kursbeginn

September 2011

Anmeldung

bis 27. August 2011

Weitere Auskünfte

Sekretariat Bibelfernkurs Martinskirchplatz 2, 4051 Basel Telefon 061 262 02 70 bibelfernkurs@bibelgesellschaft.ch www.bibelfernkurs-nordwestschweiz.ch


ideaSchweiz l 20/2011

grÜezi

3

Kein idealer Weg zur Ehe

biblisch

Ich kenne zwei liebe Menschen, die noch keine zwanzig Jahre alt waren, als sie in den Stand der Ehe traten. Dies ist in christlichen Gemeinden ein anerkannter Weg, um der grossen Liebe sogleich den Sex folgen zu lassen. Wenn wir der Statistik aber glauben, dann liegt die Scheidungshäufigkeit bei ganz jungen Paaren deutlich höher als bei Paaren, die später heiraten. Doch es kann auch gute Gründe für eine ganz junge Ehe geben, wie im «Brennpunkt» zu lesen (Seite 4).

«Denn gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige leben hat.» (Johannes 3,16)

Kein Sex vor der Ehe: Im christlich geprägten Umfeld halten sich Moralvorstellungen, wie sie noch vor 50 Jahren von der Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen wurden. Letztmals entstand vor der Jahrhundertwende mit der Initiative «Wahre Liebe wartet» eine Bewegung, die weite Teile der christlichen Jugend erreichte. 2011 aber tut sich für die junge Generation in unseren Gemeinden eine tiefe Kluft auf zwischen dem, was man angeblich soll, und dem, was man offensichtlich tut. In der Schweiz verschwenden laut Statistik drei von vier Personen vor dem 25. Geburtstag keinen Gedanken an die Ehe, wenn sie zusammenziehen. Heiraten kommt vor Dreissig kaum in Frage. Es gibt keinen idealen Weg zur Ehe. Ich habe zusammen mit meiner Frau schon mehr als zwanzig junge Paare in der Ehevorbereitung beraten. Ich könnte Paare nennen, die «alles richtig gemacht» und auf Sex vor der Ehe verzichtet hatten und später trotzdem vor grossen Herausforderungen standen. Ich könnte aber auch Beispiele aufzeigen, wo Umkehr und Verge-

Ein Lieblingsbibelwor t von heinz inniger, vier facher Snowboard-Weltcupsieger, Bronzemedaillengewinner WM 2007, Reichenbach/ Kander tal:

bung den Weg in eine gemeinsame Zukunft öffnen mussten. Wir Christen haben der jungen Generation mehr zu bieten, als Moral einzufordern und auf eine frühe Heirat zu drängen. Wir könnten gute Gesprächspartner werden, die ihre eigene unbändige Sehnsucht nach Liebe und Erfüllung nicht verheimlichen. Wir könnten zu unseren eigenen Fehlern stehen. Wir täten gut daran, selber eine Ehe nach Gottes Plan zu leben. Ausserdem könnten wir jungen Menschen helfen, die richtigen Fragen an Gott und das Leben zu richten. Letztendlich halte ich es für möglich, dass wir von einer ganz neuen Generation überrascht werden, die in einer beziehungsarmen Welt noch bewusster als wir damals die Entscheidung zur Ehe trifft. Und wer sich für die Ehe entscheidet, wird mit Freude Gottes gute Leitlinien erfahren wollen. Ehrlich, die Bibel ist voll davon. Und «Kein Sex vor der Ehe» gehört dazu. Ob mit Zwanzig oder Dreissig geheiratet werden soll, ist nicht die Frage. Auch soll man sich nicht jahrelang den Kopf darüber zerbrechen, ob man wirklich den richtigen Partner hat. Vielmehr darf sich jede Person fragen, wann sie selber zum richtigen Partner geworden ist. Wann ist meine eigene Reifung so weit abgeschlossen, dass ich keine allzu schmerzvollen Nachbesserungen in der Partnerschaft mehr erfahren muss? In dieser Hinsicht könnte es ratsam sein, die Sexfalle zu meiden, egal ob vor oder in der verfrühten Ehe.

«Seit zweieinhalb Jahren bin ich nun Vater eines Sohnes. Unsere Tochter ist inzwischen auch schon sechs Monate auf der Welt. Durch sie hat dieser weltbekannte Vers für mich eine völlig neue Bedeutung erhalten. Dank dem Werden und Wachsen meiner Familie lerne ich eine neue Dimension von Liebe kennen. Meine Kinder sind mir enorm wichtig und wer tvoll. Für sie würde ich durchs Feuer gehen. Davon spricht dieser Bibelvers: Genau in dieser Vaterliebe gab Gott seinen Sohn und opfer te ihn, um mich zu erretten. Diese göttliche Liebe wurde für mich dadurch noch viel un(be)greifbarer, so gross, unverständlich und wer tvoll ist sie! Meine Wer tschätzung gegenüber Gott nimmt zu, je mehr mir selber durch die Wichtigkeit der Vaterrolle bewusst wird. Das ermöglicht auch ein neues Blickfeld auf Gott.»

WÖrTlich «selbstverständlich können sozialisten auch christen sein. Die sP ist jedoch von christus so weit entfernt wie jede andere Partei. Nur hat sie gelernt, sich selbst so geschickt zu blenden, dass niemand, nicht einmal sie selbst, die blendung wahrnimmt.» Peter ruch, reformier ter Pfarrer in Küssnacht am Rigi, in der Wochenzeitung «Reformier te Presse». Reklame

Umfrage

hANsJÖrg FOrsTer

Der Autor ist Leiter des Arbeitszweiges «FamilyLife» von Campus für Christus in Zürich.

Jetzt

n! mitmache

www.weiterbildung2011.ch

Frontseite: Christoph Eigenmann und Rebekka Ammann aus der Chrischona-Gemeinde Amriswil haben letzten Sommer geheiratet, beide 26-jährig. (Bild: Christoph Ris, Biglen)


BRENNPUNKT

4

ideaSchweiz l 20/2011

«Godi»-Netzwerkleiter Christian Stricker über das frühe Heiraten und den «richtigen» Par tner

«Es gibt viel mehr Paare, die zu spät heiraten» Wer den richtigen Partner früh findet und die Partnerschaft früh vor Gott festmacht, gewinnt auch früh Ruhe und Sicherheit im Leben. Das betont der Thurgauer Jugendpastor Christian Stricker, auch Leiter des «Godi»-Netzwerks. Punkto Sexualität rät er jungen Paaren, nicht mit dem Feuer zu spielen.

«idea Spektrum»: Wie alt waren Sie und Ihre Braut bei Ihrer Heirat? Christian Stricker: Ich war 24 Jahre alt, meine Esther 23, als wir am 4. April 1992 geheiratet haben. Wir hatten uns vorher drei Jahre gekannt und waren ein halbes Jahr verlobt. Wie lernten Sie sich kennen? Das war in Frauenfeld, als ich in den Zug einstieg, um ins Skitourenlager zu fahren. Als ich Esther sah, merkte ich sofort: Das ist jemand ganz Besonderer. Wie merkten Sie dann, dass es «die Richtige» ist? Es war eine intensive Prüfungszeit! Zuerst gab es das spontane Kennenlernen, ich sah die Faszination ihrer Person, ihre Lockerheit, ihre Fröhlichkeit, ihr Umgang mit andern Menschen. Es kam die Zeit des Briefeschreibens und die gemeinsame Zeit in der Jugendgruppe, wo wir bald die Hauptleitung übernommen haben. Wir haben uns Seite an Seite in das Reich Gottes investiert und uns da sehr

Zur Person Christian Stricker, 43, verheiratet mit Esther, vier Kinder (17, 15, 12, 4 Jahre), wohnhaft in Niederach/ Amriswil. Ausbildung zum Primarlehrer, sechs Jahre Schulpraxis, dann Studium am Theologischen Seminar St. Chrischona. Seit 1999 Prediger der Chrischona-Gemeinde Amriswil mit Schwergewicht Kinderund Jugendarbeit, einer Gemeinde mit 160 Erwachsenen und 70 Kindern und Jugendlichen. Gründer und Leiter des «Godi»-Netzwerks, einer Jugendgottesdienst-Bewegung mit Standorten in Amriswil, Frauenfeld, Kreuzlingen, Weinfelden, Andelfingen, Stäfa und WetziBild: idea/av

Partner ist, sind sie auch bereit, das festzumachen vor der sichtbaren und der unsichtbaren Welt.

«Nie bereut»: Christian Stricker trägt den Ehering seit 19 Jahren.

gut kennengelernt. Esther war sich bald sicher, dass ich der Richtige sei. Ich wollte die Verlobungszeit noch zur genauen Prüfung nutzen und machte mir auch eine Liste, was für und gegen eine «lebenslängliche» Ehe mit Esther sprach. Aus der Summe von sachlichen Gründen, Erlebnissen und Intuitionen kam ich aus voller Überzeugung zu einem Ja!

Sie haben es nie bereut, so früh geheiratet zu haben? Nein, im Gegenteil! Wir haben uns schon gefragt: Warum haben wir eigentlich nicht noch früher geheiratet? Nach drei Jahren des Kennenlernens war es wirklich Zeit, um zu heiraten! Er ist 19, sie 18, sie sind unsterblich verliebt – und möchten heiraten. Was raten Sie dem jungen Paar? kon. Ausgebildeter Erlebnispädagoge und Kanu-Guide. Als begeisterter Erlebnispädagoge meint er: «Erlebnispädagogik ist, wenn Bewegung ins Leben kommt, wenn ich mich und andere neu entdecke, Entscheidendes fürs Leben lerne. Jesus machte es uns vor, als er sich mit den Jüngern auf den Weg machte und by the way sich Lektion um Lektion ergab. Ich will andere Leiter anstecken mit dieser Jesus-Methode. Darum bieten wir im September das nächste Firestarter-Modul an.» Weitere Infos dazu: www.terraincognita.li www.chrischona-amriswil.ch / www.godi.ch

Ich lade sie ein, einen gemeinsamen Weg mit mir zu gehen. Ich möchte ihre Motivation, ihr familiäres Umfeld, ihre berufliche Situation kennenlernen. Ich kann mir vorstellen, diesen Weg auch mit einem sehr jungen Paar zu gehen. Ich behaupte heute, dass es viel mehr Paare gibt, die zu spät als zu früh heiraten. Eine Heirat wird zu oft hinausgeschoben, zum Beispiel aufgrund der Ausbildung. In der Zwischenzeit bis zur Heirat können viele «Chnörz» entstehen. Manchmal ist auch etwas Kreativität nötig, um eine einfache und doch denkwürdige Hochzeit zu feiern. Doch der Gewinn kann viel grösser sein, als wenn man ein, zwei Jahre zuwarten will.

Bei der ersten Heirat sind Frauen heute durchschnittlich um die 30 und Männer um 32 Jahre alt. Warum wollen junge Christen oft schon mit 20 oder 22 heiraten? Im säkularen Umfeld wird häufig die Meinung vertreten, man müsse zuerst einmal testen, ob eine Beziehung auch funktioniere. Man zieht schnell zusammen und will sehen, ob es punkto Sex, Kinder, Arbeitsteilung funktioniert. Man hat den Mut und die Freiheit zu einem klaren juristischen Schritt nicht. Junge Christen gehen oft anders an eine Beziehung heran. Es bewährt sich, zuzuwarten mit einem gemeinsamen Haushalt und zuerst einfach einmal miteinander unterwegs zu sein, miteinander zum Beispiel im «Godi» engagiert zu sein. Wenn sie dann wirklich überzeugt sind, dass es der richtige

Worauf legen Sie in der Ehe­ beratung besonderen Wert? Mit jedem Paar planen wir fünf bis acht Vorbereitungsabende. Ich merke, dass das eigene Beispiel das Wertvollste ist, das wir ihnen mitgeben können. Wir zeigen ihnen, wie wir als Ehepaar miteinander leben und einander fördern. Wir erzählen von eigenen schönen und schweren Momenten und was uns in schwierigen Phasen geholfen hat. Wir schicken sie aber auch zu andern Paaren, die erst vor Kurzem geheiratet haben. Das kann auch zu einer Beziehung mit hoher Vertrautheit über die Heirat hinaus führen. In unserer Gesellschaft ist es ja fast normal, dass viele Paare nach wenigen Jahren nicht mehr glücklich verheiratet sind. Darum wollen wir unsern Pärchen zeigen, wie schön eine Ehe mit Zärtlichkeiten, der Sexualität und den gemeinsamen Unternehmungen sein kann. Was für ein riesiges Segenspotenzial liegt doch in einer glücklichen Ehe! Wichtig ist aber ein guter Mix zwischen praktischer und geistlicher Vorbereitung. Was gehört zur geistlichen Vorbereitung? Dazu gehören die Vergebung und die ganze Vergangenheitsbewältigung. Wir fragen nach den Werten, die ein Paar ganz neu setzen will. Wir fragen nach dem Fundament, auf dem die Ehe gebaut werden soll. Bin ich mir bewusst, dass ich von Gott zuerst geliebt bin, um so auch meinen Partner lieben zu können? Dazu gehören auch das geistliche Leben in der Ehe und die Frage, was Gott konkret mit dem Paar vorhat. Welche Rolle spielt der Sex? Ein wesentliches Thema, das bewusst angesprochen wird. Aber auch ein sehr intimes Thema. Darum ist es wichtig, dass unser Paar den Kontakt findet zu einem Ehepaar, mit dem es auch diese Fragen offen ansprechen kann. Der neue Mister Schweiz ist ins Gerede gekommen, weil


BRENNPUNKT

ideaSchweiz l 20/2011

er eine gläubige Freundin hat, die vor der Ehe keinen Sex will. In den Medien wird er stark bemitleidet. Von Ihnen auch? Ich habe ihn nur bemitleidet, weil er von den Medien deswegen so «verrupft» wurde. Wer die Ehe schon vor der Heirat auslebt, kann sehr harte und lieblose Zeiten erleben, wenn der Partner dann plötzlich sagt, er habe es sich doch anders überlegt. Wo ein Paar die grosse Sicherheit und Vertrautheit einer festgemachten Ehe besitzt, hat es viel bessere Voraussetzungen auch für eine gute Sexualität. Beraten Sie auch junge Paare, die bereits zusammenleben? Das kam vor. Es gab einen Fall, wo ein Paar nochmals in getrennte Wohnungen zog. Es hatte erkannt, wie gross die Kraft eines Zeugnisses sein kann, wenn man vor der Heirat getrennt lebt. Wie gestaltet sich eine Bera­ tung, wenn ein Partner nicht gläubig ist? Hier muss das ganze Spannungsfeld ehrlich angesprochen werden. Das Paar lebt in zwei verschiedenen Welten. Doch ich lehne eine liebevolle Begleitung deswegen nicht einfach ab. Es kann eine gute Gelegenheit sein, die Chancen eines Paares aufzuzeigen, das gemeinsam im Glauben an Jesus Christus steht. Für die moderne Gesellschaft ist es klar: Man kann sich heute keine lebenslange Treue mehr versprechen! Die Schwäne machen es auch! Es gibt viele Tiere, die uns eine lebenslange Beziehung vorleben. Und wir sind eigentlich etwas schlauer als Tiere. Der Mensch hat schöpfungsgemäss die Kraft dazu, sich für die Treue zu entscheiden und das auch durchzuziehen. Was die Kosten und die Konsequenzen einer «Beziehung auf Zeit» anbetrifft, werden uns enorm viele Lügen aufgetischt. Raten Sie jungen Paaren von gemeinsamen Ferien vor der Hochzeit ab? Man kann Ferien zusammen mit andern Freunden oder in einem Camp erleben. Ich rate auf jeden Fall von einem gemeinsamen Hotelzimmer ab. Wenn du dir die Sexualität für die Ehe aufsparen willst, so spiel nicht mit dem Feuer, nicht zuletzt auch deinen

Grenzsituationen können Aufschluss geben Wie können Paare prüfen, ob sie wirklich den von Gott vorgesehenen Partner gefunden haben? Christian Stricker: Der Mensch hat gerade auch im Bereich der Partner wahl eine hohe persönliche Verantwortung. Gewiss kann er im Gebet fragen, was Gott zu einer Beziehung meint. Doch letztlich bin ich selber gefragt: Habe ich diese Frau gern? Will ich

ihr treu sein? Es ist billig, solche Fragen einfach auf Gott abzuschieben. Mein Rat: Die Augen aufmachen, das ganze Umfeld des Partners anschauen, sich Zeit lassen mit der Prüfung. Als Erlebnispädagoge rate ich auch zu Unternehmungen, bei denen man an gewisse Grenzen kommt. Die Reaktion des Partners kann sehr aufschlussreich sein!

Freunden zuliebe, die gute Beispiele brauchen.

Das sind für mich entscheidende Kennzeichen.

Haben Sie es schon erlebt, dass eine Beziehung kurz vor der Ehe aufgelöst wurde? Das nicht, aber mehrmals kam es vor, dass ein Paar die Hochzeit verschoben hat, um mehr Zeit für die gründliche Prüfung zu haben.

Gibt es aus Ihrer Sicht ein «verflixtes» Ehejahr? Meine Erfahrung zeigt mir, dass die Jahre um die Midlife Crises eine heikle Phase sind. Wenn die Kinder langsam ausziehen, kann man es sich scheinbar leichter leisten, auseinander zu gehen. Umso mehr freue ich mich über alte Ehepaare, bei denen ich tiefe, tiefe Liebe mit viel Zärtlichkeit erlebe. Es ist eine Liebe, die während vieler Jahrzehnte reifen konnte und mit viel Kreativität gelebt wird. Das sind für mich extrem attraktive Beispiele!

Begleiten Sie die Paare auch nach der Heirat? Das hängt davon ab, ob ein Paar zu uns in die Gemeinde kommt und ob sich eine Beziehung zu uns als Ehepaar entwickelt hat. Ich arbeite jedenfalls stark darauf hin, dass enge Beziehungen zwischen den frisch Vermählten und andern jungen Ehepaaren gepflegt werden. Wo liegt das grösste Risiko bei einer sehr frühen Heirat? Dass man sich zu blauäugig auf ein Abenteuer einlässt, das es in sich hat. Die Ehe ist etwas sehr Schönes, aber auch sehr Herausforderndes. Gerade in unserer Zeit mit den vielen Negativbeispielen, dem grossen Leistungsdruck und all den Beziehungskillern muss sie gut vorbereitet sein. Und welches ist der grosse Gewinn einer frühen Hochzeit? Der sichere Hafen! Wer den richtigen Partner früh findet und die Partnerschaft früh vor Gott festmacht, gewinnt früh Ruhe und Sicherheit im Leben. Früh gewinnt man als Paar auch die Möglichkeit, gemeinsam zu überlegen, wie die Weichen fürs weitere Leben gestellt werden sollen. Das Einspielen auf eine Einheit zu zweit gelingt viel leichter als in späteren Jahren. Welches ist für Sie ein klares Merkmal für eine gute Ehe? Die lebendige Beziehung zu Gott, einander lieben, einander gegenseitig untertan sein, sich gegenseitig freisetzen und fördern:

Ihr wichtigster Tipp an junge und reifere Ehepaare? Reserviert euch immer wieder bewusst gute Zeiten füreinander im Alltag und innerhalb eines Jahres! Für Esther und mich gehören dazu gemütliche Abende bei einem Glas Wein oder auch Spaziergänge. Der Abstand vom Alltag – und seien es nur 200 Meter von zu Hause entfernt - hilft uns extrem, um miteinander zu reden. Als unsere vier Kinder noch kleiner waren, haben wir jedes Jahr bis zu drei Ehe-Weekends eingeplant, auch wenn das jeweils nicht leicht zu organisieren war. Doch es hat sich gelohnt! Warum war wohl Jesus nicht verheiratet? Jesus erlebte mit seinem Vater und mit dem Heiligen Geist eine Einheit, die weit über eine Ehe hinausging. Als Menschen werden wir Gott erst im Himmel so nah erleben. Ich bin überzeugt, dass das alle schönen Momente einer Ehe weit übertreffen wird. Jesus kam nicht auf die Welt, um als Mensch viel Schönes zu erleben. Seine Berufung war es, Mensch zu werden, um die Türen zu öffnen für die Erlösung der Welt. Inter view: ANDREA VONLANTHEN

5 PODIUM

Trost im Leid Vor einigen Wochen ist mein Vater im 80. Lebensjahr gestorben. Das war für unsere Familie ein trauriger Tag. Heute noch ist es für mich manchmal schwer zu akzeptieren, dass er nun nie mehr seine Kommentare und Bemerkungen über meine politische Arbeit abgeben wird. Dass ich nun nie mehr seine Fragen zu Abstimmungsvorlagen und Wahlen beantworten darf. Nie mehr werden wir bei uns in der Küche am kleinen Tisch sitzen, einen Kaffee trinken und über Gott und die Welt diskutieren können. Nie mehr wird er seinen Enkelkindern spannende Erlebnisse aus seiner Kindheit und seiner Jugendzeit erzählen. Seine Lebenserfahrung, seine Ruhe und seine Gelassenheit haben mir oft gut getan. Wie oft konnte ich dank seinem Ratschlag eine Entscheidung leichter treffen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Ein Traum kurz nach seinem Tod hat mir Trost und Zuversicht geschenkt. Ich sah meinen Vater in einem schönen, friedlichen Garten mit vielen Bäumen und kleinen Teichen sitzen. Er sah so glücklich und fröhlich aus. Er winkte mir zu mit einem Lächeln, das mir sagte: «Sieh nur, es geht mir gut!» Ich denke viel an diesen Traum. Er macht mich froh und gibt mir Trost und Zuversicht. Gott hat meinen Vater bei sich aufgenommen, und das ist wunderbar. Ich nehme diesen Traum dankbar an. Wenn wir einen lieben Menschen verlieren, ist das Heimweh gross. Doch der Glaube, dass wir diesen Menschen wieder sehen werden, gibt Kraft und Mut. Ich kann jetzt viel besser akzeptieren, dass man immer wieder von lieben Menschen Abschied nehmen muss. Ein solcher Abschied kann auch ein Neubeginn und eine Chance sein. Es liegt an uns, dies zu erkennen. BRIGITTE HÄBERLI

Die Autorin ist Nationalrätin und stellvertretende Fraktionspräsidentin der CVP in Bern. Sie wohnt in Bichelsee TG.


ICCC_KonferenzSchweiz2011.pdf

1

16.05.11

6

10:36

Inserate

steLLen

ideaSchweiz l 20/2011

 

„Sein Banner über uns ist Liebe“



 

 

  Für unsere Liegenschaften suchen wir per sofort einen 

 Hauswart 100%  

Zu Ihren Aufgaben gehören:  - Überwachung, Wartung und Reinigung aller technischen Anlagen und  Räume - Unterhalts- und Reinigungsarbeiten an Gebäuden, technischen  Anlagen, Maschinen und Geräten  - Umgebungsarbeiten  - Verantwortung für betriebliche Sicherheitsmassnahmen - Mitarbeit in kleinem Team

Mit Workshops und Inputs wie: „Gottes Liebe im Businessalltag integrieren“, „Frauen im Business“, „Business und von Gott hören“, „Verheissungen – glaubt dass Ihr sie empfangen habt“, „Egoismus - die grösste Bremse“, „Business und Finanzen“ u.v.m Konferenzort: sbt - Seminar für biblische Theologie Beatenberg, Egg 368, CH-3803 Beatenberg / Schweiz, Tel +41 (0)33 841 80 00, info@gaestehaus.ch, www.gaestehaus.ch Die Konferenz und die Workshops werden auf deutsch, französisch und englisch übersetzt. Der Eintritt ist gratis. Zur Deckung der Unkosten werden Opfer erhoben. Die Konferenz kann auch tageweise besucht werden.



Wir  erwarten: -• Eine abgeschlossene handwerkliche Ausbildung mit EFZ   -• Erfahrung als Hauswart von Vorteil •  - Einige Jahre Berufserfahrung  - Die Fähigkeit selbständig zu arbeiten und sich zu organisieren  -• Hohe Sozialkompetenz, Teamfähigkeit, Erfahrung im Umgang mit Mietern, • Bewohnern  und Gästen •  -• Gute PC Kenntnisse  -• Fahrausweis Kategorie B   -• Sehr gute Deutschkenntnisse

Anmeldung: Eine Konferenzanmeldung ist erforderlich. Ihre Anmeldung und Zimmerreservation senden Sie bitte direkt ans Gästehaus sbt Beatenberg: info@gaestehaus.ch Für zusätzliche Auskünfte zur Konferenz kontaktieren Sie bitte ICCC Schweiz: info@iccc.ch



ICCC Konferenz Beatenberg Schweiz Sprecher: Andrew Baker, Victor Lorenzo, Debbie Russell u.a.

1.–3. Juni 2011

020-2011_ICCC-Ins.indd 1

ALTERSZENTRUM Stiftung Gott hilft Zizers

Wir freuen uns auf Ihre kompletten Bewerbungsunterlagen mit Foto,  •  welche Sie bitte an folgende Adresse senden: •



 Bibelheim Männedorf •  Josef Sonderegger  Hofenstrasse 41  8708 Männedorf  •  Telefon 044 921 63 14 oder elektronisch an admin@bibelheim.ch

•  •    CEVI REGION OSTSCHWEIZ  Der Cevi ist eine christliche Bewegung von Kindern, Jugendlichen,  16.05.11 11:27 020-2011_Bibelheim_Maenndorf.indd  Frauen und Männern. Er ist1 Teil der weltweiten Christlichen Vereine  Junger Frauen und Männer, YWCA und YMCA.  Zur Ergänzung unseres jungen Teams des regionalen Cevi  Sekretariats in Herisau suchen wir per Sommer 2011 oder  nach Vereinbarung einen

Im Alters- und Pflegeheim bieten wir 40 Bewohnerinnen und Bewohnern ein Zuhause. Zusätzlich vermieten wir 12 Alterswohnungen und 9 Studios. Wir sind ein christlich geprägter Betrieb, organisatorisch eingebunden in der Stiftung Gott hilft. Momentan stehen wir in einer Umbruchsphase. Im Juli 2011 ziehen wir in ein anderes Heim, damit unser heutiges Heim vollständig saniert werden kann. So sind wir bestrebt, Arbeitsabläufe bereits heute anzupassen. Möchten Sie sich dieser Herausforderung stellen? Per sofort oder nach Vereinbarung suchen wir eine/einen

Mitarbeiterin/Mitarbeiter für den Hausdienst (60 bis 80%)

16.05.11 1

Jugendarbeiter (80-100%) Aufgrund der Teamzusammensetzung richtet sich diese Stellenausschreibung an einen Mann. Deine Aufgaben: Du betreust selbstständig und in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Mitarbeitern verschiedene Ortsgruppen innerhalb zweier Kreise unserer Region und bist Ansprechpartner für alle Anliegen und Fragen rund um die Cevi Kinder- und Jugendarbeit. Wichtigste Kontaktpersonen für dich sind die Hauptleitenden der Ortsgruppen (meist junge Erwachsene). Du sorgst dafür, dass junge Menschen ihre Ideen und Projekte umsetzen können und im Glauben gestärkt werden. Das Organisieren und Durchführen von verschiedenen Anlässen und die Mitarbeit in Ausbildungskursen sind Teil deiner Aufgaben. Verschiedene administrative Aufgaben gehören zur Unterstützung der Kinder- und Jugend-arbeit dazu. Dein Profil: Wir erwarten ein abgeschlossenes Studium/Ausbildung im theologischen, pädagogischen oder animatorischen Bereich und Erfahrung in der ehrenamtlichen Kinder- und Jugendarbeit. Du lebst eine lebendige Beziehung mit Jesus Christus und kennst und identifizierst dich mit der Cevi-Bewegung. Der Kontakt mit jungen Erwachsenen macht dir Freude. Als offener, kommunikativer und sehr selbstständiger Mann schätzt du unregelmässige und flexible Arbeitszeiten. Belastbarkeit, Organisationstalent sowie gute PC-Kenntnisse runden dein Profil ab. Idealerweise bist du 22 bis 30 Jahre alt.

Ihr Anforderungsprofil: - Sie verfügen über Berufserfahrung im Hauswirtschaftsbereich - Sie sind gewohnt, selbständig und exakt zu arbeiten - Gleichzeitig können Sie sich in ein Team einfügen - Sie haben Freude am Umgang mit betagten Menschen - Sie verstehen und sprechen die Schweizer Mundart Wir bieten: - Zeitgemäße Anstellungsbedingungen - Ab Herbst 2012 arbeiten Sie in neuen und freundlichen Räumlichkeiten

Wir bieten dir: Einen zeitgemässen Arbeitsplatz in unserem Cevi-Sekretariat im Zentrum von Herisau, ein motiviertes und lebendiges Umfeld und Unterstützung seitens der ehrenamtlichen Mitglieder und des Vereinsvorstandes. Fortschrittliche Anstellungsbedingungen mit grosser Flexibilität sowie gute Sozialleistungen. Stellenantritt nach Vereinbarung.

Evtl. Fragen beantwortet Ihnen gerne unsere Leiterin Hauswirtschaft, Frau Rita Gruber: Telefon 081 307 38 10 Ihre schriftliche Bewerbung richten Sie bitte an: Rolf Roider, Heimleiter, Kantonsstrasse 10, 7205 Zizers rolf.roider@gotthilft.ch / www.serata-zizers.ch

Interessiert? Weitere Informationen geben dir gerne Zoe Wunderlin, Stellenleiterin Cevi-Sekretariat, 071 351 54 61 oder Tobias Möckli, Personalverantwortlicher Cevi Ostschweiz, 079 233 15 35. Deine vollständigen Bewerbungsunterlagen mit Foto sendest du bitte an: Tobias Möckli, Oberer Böhl 6, 9104 Waldstatt www.ceviostschweiz.ch

020-2011_Serata.indd 1

020-2011_CEVI.indd 1 16.05.11 15:23

16.05.11 1


TAGESSCHAU

ideaSchweiz l 20/2011

7

Posaunenchor Bülach bläst seit 100 Jahren Choräle – neu auch Gospels

JOURNAL

Wenn schon der erste Ton erhebend ist

Erste Innovationsmesse Am 10. September findet auf St. Chrischona eine Innovationsmesse statt. Unter dem Motto «Die Zukunft lieben» sollen von verschiedenen Ausstellern «neue Wege in die Zukunft» vorgestellt werden. Geplant ist «eine Messe für mutige Ideen, Dienstleistungen und Produkte». Ideengeber für die Messe ist das Buch «Trends 2016 – Die Zukunft lieben» von Chrischona-Direktor Markus Müller, das im Brunnen-Verlag erschienen ist. (idea) www.innovationsmesse.ch

Am kommenden Sonntag feiert der Posaunenchor Bülach sein 100-Jahr-Jubiläum. Die Formation tritt in Gottesdiensten und bei festlichen Anlässen auf. Und bläst seit 1984 einmal im Monat vom Kirchturm herab. Sie halten zusammen und trotzen Sturm und Wetter: Die neun Mitglieder des Posaunenchors Bülach sind mit ganzem Herz dabei. Die Tradition des «Turmblasens» soll auch im 101. Jahr der Formation bestehen bleiben.

Ruhe vor dem Sturm

Der Posaunenchor Bülach hat in den vergangenen 100 Jahren viele Herausforderungen und manchen Sturm erlebt. Doch: «Es gibt immer einen Weg. Gott lässt uns im Alltag nicht im Stich», ist Präsident Christian Argenton überzeugt. Aktuell engagieren sich acht Bläser und eine Bläserin im Ensemble. Für sie ist es selbstverständlich, dass vor jedem Auftritt gebetet wird. «Das Gebet macht uns innerlich ruhig und einigt uns. Es gibt Kraft für den anstehenden Einsatz», erklärt Argenton. Dann packt die Formation mit frohem Mut ihre Aufgabe an. Dabei kann es 40 Meter über dem Boden auch mal stürmisch werden.

«Immer füürsi dänke!»

«Wir können nur dann echte Freude bereiten, wenn wir selbst mit Freuden und von Herzen dabei sind», betont der musikalische Leiter Niklaus Haslebacher.

65 Posaunenchöre Der Christliche Musikverband Schweiz (CMVS) umfasst 65 Vereine in sieben Sektionen. Die einzelnen Musikvereine und Bläsergruppen pflegen die (Blas-)Musik und anerkennen Gottes Wort als Grundlage ihrer Tätigkeit. Der Posaunenchor Bülach ist eine der ältesten Formationen im CMVS. Er wurde 1911 gegründet. Nachwuchskräfte sind willkommen. Probe ist jeweils am Montagabend. Kontakt: cargenton@sunrise.ch, 044 860 37 68 (Niklaus Haslebacher, Dirigent). www.cmvs-asmc.ch

Bild: idea/tf

Erfolge für E-Parteien Musik zur Ehre Gottes: Der Posaunenchor Bülach erfreut mit seinem «Turmblasen» über die Stadtgrenzen hinaus.

Der Komponist und ehemalige Kantor in der Evangelisch-Reformierten Landeskirche Zürich hat zu vielen altbekannten Melodien neue Begleitsätze komponiert. Das Besondere daran: Die «Bülacher» spielen nach der Klavierschreibweise. «Damit kann der Allianz-Posaunenchor aus jedem Gesangbuch spielen, ohne die Noten umschreiben (transponieren) zu müssen», erklärt der seit 1967 amtierende «Musikchef». «Spielet schön fetzig! Ihr müend nöd brämse, ihr müend füürsi dänke!», fordert Haslebacher. Und so tönen «Unser Leben sei ein Fest», «Gib uns Frieden jeden Tag» oder «Herr, füll mich neu» schon im Übungslokal recht frisch. Auf Wunsch eines Mitglieds sollen heute auch Gospels intoniert werden. Haslebacher versteht es, «Down by the riverside», «It’s me, o Lord», «Somebody’s knocking at your door», «O what a morning» und «I’m gonna sing» mit einigen jazzigen Elementen zu bereichern.

Über den Dächern

176 Treppenstufen sind es bis zur Terrasse. Der Weg ist anstrengend. «Es ist, wie wenn man dem Himmel ein Stück näher kommt», beschreibt Argenton. Wenn der erste Ton erklinge, sei das für alle ein erhebendes Gefühl. Hier, direkt unterhalb der grossen Kirchturmuhr, weht selbst bei Sonnenschein wie heute ein frischer Wind. So erreichen die Töne nicht nur die Passanten rund um die Kirche, sondern werden weit ins Land hinausgetragen. Aus Altersgründen

schafft das älteste Mitglied den Aufstieg leider nicht mehr. Hochachtung verdient jener Bläser, der mir anvertraut, er sei nicht schwindelfrei. Trotz Höhenangst ist er bei jedem «Turmblasen» dabei! Zwölf Lieder und Gospels erklingen oben auf dem Kirchturm. Nach drei Stücken verschiebt man sich um 90 Grad und bläst in eine andere Himmelsrichtung. Weit unten bleiben Leute für eine Weile stehen, hören zu und applaudieren vereinzelt. Der Blick geht weit hinaus über die Dächer ins Grün der umliegenden Felder und Wälder. In der Ferne starten und landen Jets auf dem Flughafen Zürich. Ihre Triebwerke sind nicht zu hören, der Wind bläst andersrum. Wieder ein Applaus. «Wir spielen bewusst auch Choräle. Ab und zu sagt uns jemand, dass beim Zuhören Erinnerungen an früher geweckt werden», beschreibt Argenton.

Musik zum Lob Gottes

Die Tradition des «Turmblasens» geht in die Zeit der Reformation zurück. Die ersten Posaunenchöre entstanden im 18. Jahrhundert. Damals wie heute soll die Frohe Botschaft des Evangeliums mit der Musik weitergegeben werden. Im Jubiläumsjahr werden weitere Trompeten, Posaunen und Bässe gesucht. Entscheidender als hohes musikalisches Können ist die Freude an der Musik. Und die Motivation, zum Lob Gottes zu spielen. Das «Turmblasen» bleibt dabei Programm. THOMAS FEUZ

Bei den Wahlen für das 30-köpfige Gemeindeparlament von Weinfelden konnte die EVP ihre drei Sitze halten. Bestätigt wurden am Wochenende Susanna Brüschweiler, Michael Zingg und Roger Stieger. Erfolge auch für die EDU im Thurgau: Helen Jordi wurde in Bischofszell als Vizestadtammann gewählt, Christian Mader wurde im Stadtparlament von Frauenfeld bestätigt. (idea)

Immer mehr kaufen fair Die Stiftung Max Havelaar hat 2010 den Umsatz um 10,9 Prozent auf 303,5 Millionen Franken gesteigert. Der Vertrieb von Kaffee, Kakao, Reis und Baumwoll-Textilien konnte gar um 20 bis 40 Prozent gesteigert werden. Das Angebot von Max Havelaar umfasst rund 1500 Produkte, darunter auch neue Produktelinien wie Glacé, Joghurt oder Convenience-Früchte. (idea) – www.maxhavelaar.ch

10 Jahre «Mission 21» Nach diversen Kündigungen und dem Austritt des Direktors («idea Spektrum» berichtete) rückt das Jubiläum ins Bewusstsein: Der neue Internetauftritt beinhaltet eine Agenda, Mail-Newsletter, Podcasts und wird durch Filme ergänzt. Im zweiten Halbjahr werden Angebote im Bereich der Social Media (Facebook und Twitter) angeboten. (idea) www.mission-21.org

Jodlermesse in Chur Anlässlich des Schweizerischen Sigristen-Sonntags vom 11. September wird in Chur die Bündner Jodlermesse uraufgeführt. Zum Anlass in der Churer St. Martins-Kirche werden 850 Personen erwartet. (idea) www.sigristen.ch


TAGESSCHAU

8

ideaSchweiz l 20/2011

Berner Herzspezialist sprach vor den evangelischen Ärzten der Ageas

Thierry Carrel: «Hightech braucht Spiritualität» «Es gehört zu den grössten Herausforderungen in der modernen Medizin, das technologische Paradigma mit der geistlichen Einstellung zu versöhnen.» Dies sagte Herzspezialist Professor Thierry Carrel vor der Arbeitsgemeinschaft evangelischer Ärztinnen und Ärzte (Ageas). Thierry Carrel war Hauptreferent an der Frühjahrstagung der Ageas in Oberägeri. Zum Thema «Hochspezialisierte Herz-Medizin und Spiritualität – Widerspruch oder Ergänzung?» sagte der prominente Herzchirurg, es gebe in der Medizin nebst dem Wissen, der Erfahrung und der Intuition noch eine vierte Ebene: die Spiritualität. «Wir sollten für alle vier Ebenen empfindlich sein.» Der Kardiologe von Weltruf fasste diese Einsicht mit Kurzformel zusammen: «Hightech ist auf High Care angewiesen.»

Im Aufwind

Aufgrund vieler Studien und neuer Literatur, vor allem in den USA, habe die Spiritualität eine höhere Akzeptanz erhalten. Carrel plädierte dafür, dass die Ärzteschaft hier selbst Verantwortung übernimmt und das Gespräch über die Sorgen und Ängste der

elle Begleitung gehöre laut WHO zum Konzept guter Palliativmedizin. «Weshalb nicht auch in die Hightech-Medizin?», lautete Carrels Frage, die ihn selbst antreibt.

Schon beim Spitaleintritt

Thierry Carrel betonte die spirituellen Bedürfnisse.

Patienten nicht einfach den Spitalseelsorgern überlässt. Professionelles Verhalten bedeute für den Arzt, dass er eine erweiterte Form von Spiritualität pflege, die auch Empathie und Fürsorglichkeit gegenüber Patienten einschliesse. Unterstützt bei diesem Anliegen sieht sich Carrel von der in Wien gegründeten «Interreligiösen Ärzteplattform». Einen Impuls in die richtige Richtung habe 1995 auch die Weltgesundheitsorganisation WHO gegeben, welche die Bereiche Spiritualität und Religion in ihren Katalog für Lebensqualität aufgenommen habe. Spiritu-

Medizinisches Handeln muss auf Evidenz und Fakten beruhen. Davon geht auch Carrel aus. Gerade dies verpflichte aber die Medizin, den Zusammenhang von Spiritualität und Heilung besser wahrzunehmen. Carrel beobachtet auch in offiziellen Publikationen der Schulmedizin eine Trendwende. Allerdings setze dieser Bereich bei der Ärzteschaft eine spezielle Wahrnehmungsfähigkeit voraus. Carrels Forderung: «Die Spiritualität gehört in die Anamnese» (Erfassung der Leidensgeschichte). Die spirituellen Bedürfnisse und die entsprechende Vergangenheit des Patienten müssten beim Spitaleintritt erfasst werden. Carrel arbeitet darauf hin, dass dies in seiner Abteilung zum Standart wird. Er hofft auf die vorgesehenen elektronischen Krankendossiers, welche es erlauben würden, die Anamnese gründlicher zu machen.

Im Angesicht des Todes

Ärzte im Hightech-Bereich müssten sich heute oft der «Warum-

Frage» der Patienten stellen. Es sei für Ärzte in der Herzchirurgie schwierig, wenn sie nicht selbst Antworten hätten, besonders im Angesicht des Todes. «Wenn wir im Tod nicht in die Hände eines Gottes oder einer höheren Macht fallen, fallen wir ins Nichts!» Für Carrel ist klar: «Lebensführung und Todeserleben haben einen Zusammenhang.» Wie wir das Leben ausgerichtet hätten, bestimme, «ob wir leichter oder schwer sterben». Viele Sterbende litten darunter, dass sie «mit Menschen oder Schöpfung nicht ausgesöhnt sind». FRITZ IMHOF

Kraft schöpfen Unter «Spiritualität» verstehen viele Menschen heute eine tolerante, lebensdienliche und gesundheitsfördernde Form der Religiosität. Für Thierry Carrel bedeutet sie, «dass Menschen aus dem religiösen Glauben Kraft schöpfen». Es gelte für Ärzte und Patienten, die Endlichkeit zu akzeptieren, sich von übertriebenen Erwartungen zu entlasten sowie Leben und Gesundheit als Geschenk zu betrachten. Persönlich holt sich Carrel die Kraft dazu mit Aufenthalten im Kloster Haute Rive im Kanton Freiburg.

«Interaction» nimmt in Bern zwei weitere Mitglieder auf

Bereits 18 Hilfswerke mit 50 Millionen Ertrag Der Verband Interaction hat an seiner Mitgliederversammlung in Bern auch die Hilfswerke Agape International und Christliche Ostmission aufgenommen. Geschäftsführer Marc Jost spricht von einer «dynamischen Entwicklung». Im Jahre 2008 gegründet, zählt «Interaction» 18 Hilfs- und Missionswerke in der West- und Deutschschweiz. Dieser Arbeitsgemeinschaft der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) gehören nun auch «Agape International» und «Christliche Ostmission» an. Damit umfassen die Erträge, die vor allem aus Bild: Fritz Imhof

privaten Spenden bestehen, gut 50 Millionen Franken. Die Mitgliedwerke sind vorwiegend in Afrika, Asien, Südamerika und Osteuropa in Entwicklungszusammenarbeit und Nothilfe tätig. Laut Geschäftsführer Marc Jost interessieren sich weitere Werke für einen Beitritt. Dieser setzt ein starkes Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit und die Identifikation mit den Werten der SEA voraus.

Nationalräte im Rating

Die Gespräche mit der Berner Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) wurden 2010 weitergeführt und mög-

liche Formen der Zusammenarbeit diskutiert. Laut Jost geht es nicht zuletzt um die Kriterien für eine finanzielle Unterstützung. Wichtig ist dem Verband die Sensibilisierungsarbeit. Die Kampagne «StopArmut», von Interaction verantwortet, bilanziert etliche Zwischenerfolge. So erhöht der Bund die öffentliche Entwicklungshilfe bis 2015 auf 0,5 Prozent des BIP. «StopArmut» hatte 0,7 Prozent gefordert. Weiter konnten der Kleingruppenkurs «Just people?» in deutscher Sprache fertiggestellt und bereits 500 Exemplare verkauft werden. Nächste Schwerpunkte sind die «StopArmut»-Konferenz vom

22. Oktober in Winterthur zum Thema «Der Markt ist FAIRänderbar» und ein Rating der amtierenden Nationalräte bezüglich Millenniumsziele der UNO. Der Verband hat nun auch eine eigene Homepage aufgeschaltet. Marc Jost, seit Oktober 2010 in Thun zu 50 Prozent Geschäftsführer, spricht von einer «sehr dynamischen Entwicklung» des Verbandes. «Die Zusammenarbeit der verschiedenen Werke ist für die einzelnen Werke, vor allem aber auch für die Bekämpfung der Armut sehr verheissungsvoll.» ANDREA VONLANTHEN www.interaction-schweiz.ch www.stoparmut.ch


TAGESSCHAU

ideaSchweiz l 20/2011

9

Grosse Enttäuschung beim Pächter, Betroffenheit im Chrischona-Mutterhaus

ÄXGÜSI

«Sunnebad»: So kam es zur Schliessung

23 lange Jahre

Die Hoffnung war von kurzer Dauer: Nach dem Neustart im letzten Herbst schloss das «Schweizer Hotel Sunnebad» per sofort seine Türen. Die Zukunft des ehemaligen «Haus der Stille» ist ungewiss. Viele gute Ideen und viel frischer Wind machen noch keinen Frühling: So lautet das Fazit nach einem halben Jahr des «Schweizer Hotels Sunnebad» in der 300 Einwohner zählenden Gemeinde Sternenberg im Zürcher Oberland. Trotz Verhandlungen blieb offensichtlich keine andere Option offen als die Schliessung des Betriebs.

Umsatz stieg ständig

Joachim Ernst, seit dem 1. Oktober 2010 Pächter des «Schweizer Hotels Sunnebad», bedauert: «Leider mussten wir den Betrieb Anfang Mai mit sofortiger Wirkung schliessen. Nach einem halben Jahr Aufbauarbeit ist uns das Geld für den Aufbau ausgegangen. Bis zum letzten Augenblick hofften wir auf eine Einigung mit der Eigentümerin.» Die Pächterfamilie war mit viel Enthusiasmus und der Vision gestartet, das ehemalige «Haus der Stille» aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Der 51-jährige Joachim Ernst sagt: «Positive Rückmeldungen und steigende Umsatzzahlen bestätigten unseren Weg. Die Vision eines Seminarhotels mit Feinschmeckerrestaurant zu erschwinglichen Preisen begann Früchte zu tragen. Diesen Monat hätten wir zum ersten Mal schwarze Zahlen geschrieben.»

Hoffnung nicht erfüllt

«Für uns war von Anfang an klar: Wir wollen und können nicht

Wie geht es weiter?

Eigentümerin wie Pächter familie wünschen sich einen «sauberen Abschluss». Das Diakonissenmutterhaus St. Chrischona favorisiert einen Seminar- oder Heimbetrieb und prüft einen Verkauf der Liegenschaft. Für die achtköpfige Familie Ernst ist der weitere Weg zurzeit völlig offen. Bild: zvg

Nach Jubeltönen kehrt im «Sunnebad» vorerst wieder die Stille ein.

mehr investieren», betont Schwester Iris Neu, Oberin des Diakonissen-Mutterhauses St. Chrischona in Bettingen BS. «Wir hatten die Liegenschaft mit grosser Hoffnung in Herrn Ernst verpachtet. Die operative Betriebsführung stand stets in seiner Verantwortung.» Nach den Vorgänger-Ehepaaren Vreni und Dieter Theobald – Gründer des vormaligen «Haus der Stille» – und Susanna und Ernst Oppliger schien ein «dritter Frühling» in Sicht. Doch diese Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Hatte der neue Pächter Chancen und Risiko falsch eingeschätzt? Er verneint: «Natürlich liegt das Hotel nicht an einer Hauptstrasse. Aber mit einer ausgezeichneten Küche und einem gepflegten Service verfolgten wir ein gutes Konzept.» Noch vor Antritt der Pacht renovierte er ein ganzes Stockwerk – «sehr schön und äusserst geschmackvoll», wie Gemeindepräsidentin Sabine Sieber anerkennt.

Verworrene Situation

Hätte das Fiasko abgewendet werden können? Nach grossen Investitionen des Pächters waren die für den weiteren Aufbau nötigen Finanzen nicht mehr vorhanden. «Ich baute von Anfang an auf ein partnerschaftliches Verhältnis, auf Offenheit und Transparenz», schaut Ernst zurück. «Ich bekam innert weniger Tage Zusagen für Privatdarlehen von mehreren 10 000 Franken. Leider wurden uns die nötigen Sicherheiten, zum Beispiel ein langfristiger Pachtvertrag oder ein Vorkaufs-

recht, nicht eingeräumt. Schliesslich mussten wir Buchungen von rund 250 000 Franken absagen.» «Wir taten unser Möglichstes», erklärt Schwester Iris Neu. Das Mutterhaus wollte die Liegenschaft aber nicht mit einer Hypothek belasten. Dass Joachim Ernst die Bilanz deponiert und somit den Betrieb eingestellt hat, wurde in Bettingen mit Betroffenheit zur Kenntnis genommen. Gemeindepräsidentin Sabine Sieber würde es begrüssen, wenn es im «Sunnebad» bald wieder Leben gäbe. «Seit dem Weggang des Ehepaars Theobald fehlt die Seele des Hauses», ist die SP-Politikerin überzeugt. Und auch, dass für ein Seminarhaus auf christlicher Grundlage ein Markt vorhanden ist. Die Gemeinde könne sich aber finanziell nicht engagieren.

Lob – trotz allem

«Was Herr Ernst auf die Füsse gebracht hat, war enorm. Auch der Einsatz der Familie war beträchtlich», anerkennt Schwester Iris. Sie bedauert sehr, dass die Vision von Joachim Ernst – er spricht von «einem Auftrag von Gott her» – nicht bestätigt worden ist. Was bleibt nach knapp sieben Monaten «Schweizer Hotel Sunnebad»? Für Familie Ernst ist trotz allem klar: «Wir waren überzeugt, dass dieses Ding zum Laufen kommt. Wir danken allen Gästen, die wir verwöhnen durften. Es war eine schöne Zeit mit vielen wertvollen Begegnungen.» Alles andere ist zurzeit in der Schwebe. THOMAS FEUZ

Erholsame Momente in meinem Rebberg. Regi, meine Frau, und ich bekämpfen das Unkraut, wässern die jungen Bäume. Plötzlich ein Anruf auf meinem Handy. Stört die Idylle. Jolanda, unsere ehemalige Hausbesitzerin, ist dran. 82-jährig unterdessen. Wir hatten nicht bloss einfache Zeiten miteinander. Im Gegenteil, sie hatte mir immer wieder schlaflose Nächte beschert. Uns oft kritisiert, auch beschimpft. Mich, meinen Glauben, mein öffentliches Engagement. Meine sozialen Tätigkeiten, die Aufnahme von gefährdeten Jugendlichen, meine Nächstenliebe überhaupt, waren immer wieder Ziel ihrer bösen Tiraden. Seit einigen Jahren wohnt sie nicht mehr im Dorf. Ich habe sie schon länger nicht mehr gesehen. Und nun ruft sie mich auf mein Handy an. Sie habe eben die letzten Ausgaben der Regionalzeitschrift «Gletscherpost» gelesen. Auch meine Beiträge und die Berichte, aus denen klar wird, dass ich mich noch immer für das Wohl des Tales einsetze. Sie wolle mir einfach danken dafür. Ich sei «ein absoluter Segen und Gewinn für das Tal». Mit mir sei sogar der wirtschaftliche Aufschwung ins Bergtal gekommen. Und deshalb habe sie mich nun einfach einmal anrufen müssen. Ich bin perplex. Völlig überrascht. Als sie dann noch erzählt, dass wir zwei schliesslich eine göttliche, ewige Perspektive hätten, dass dieses Leben mit allem Leid nicht das Letzte sei, sondern dass wir mit Jesus in einer neuen Welt sein werden, da bin ich überwältigt. Natürlich hatten wir viele Gespräche geführt, auch über den Glauben. Immer wieder hatte sie auch Veranstaltungen von uns besucht. Aber jetzt, nach 23 Jahren, erkenne ich in ihr einen neuen Menschen, ein Gotteskind. Zeit, Liebe, Jahre, das Leben für andere zu investieren: Echte Nächstenliebe kennt keine Abkürzungen. Aber sie lohnt sich. CHRISTOPH GYSEL Der Autor ist Pastor und TourismusFachmann in Saas Grund.


10

PublirePortage

ideaSchweiz l 20/2011

«Mir ist gegeben alle Gewalt …!»

youthnet spm – international vernetzt «Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden!» – Diese Zusage gab Jesus seinen Jüngern, bevor er sie zu den Völkern sandte mit dem Auftrag, diese zu Jüngern zu machen. Darum gehen wir in alle Welt und entwickeln Menschen zu Jüngern. Youthnet spm – mission arbeitet vernetzt mit den nationalen Bereichen der Jungen Erwachsenen, Jugendlichen und den Royal Rangers-Leitern auf dem Missionsfeld zusammen. Wir helfen Gemeinden oder Jugendverbänden im Ausland, ihre Kinder- und Jugendarbeit aufzubauen und weiterzuentwickeln. Durch Jugend-Seminare, «On the job» – Leiterschulungen in Kindercamps und der Verbreitung von Leiterschaftsliteratur verhelfen wir Partnergemeinden zu gemeindeintegrativen, nachhaltigen und selbsttragenden Kinder- und Jugendarbeiten. Im Gespräch versuchen wir, mit der Leiterschaft vor Ort gemeinsame Synergien zu erkennen und Ressourcen optimal zu nutzen. Darin

Das isch cool!

Der VFG Zum Verband «VFG – Freikirchen Schweiz» gehören 14 freikirchliche Körperschaften mit über 700 lokalen Gemeinden, vorwiegend in der deutschen Schweiz. Wir berichten auf dieser Seite über Entwicklungen und Aktualitäten aus den Schweizer Freikirchen, unter anderem über interessante Projekte und Entwicklungen in den Mitgliedsverbänden. Diese Seite wurde von der Schweizerischen Pfingstmission (SPM) als Publireportage in eigener Verantwortung geschrieben. Mit der Form der Publireportage unterstützt der VFG auch die Arbeit von «idea schweiz». Teamarbeit und Förderung nach Geist, Seele und Leib stehen im Vordergrund. erkennen wir oft, dass Jesus weltweit seine wunderbare Hand über seiner Gemeinde hat. Ihm ist nicht nur alle Gewalt gegeben, er übt sie auch aus – gerade zugunsten der heranwachsenden Generation. Wir dienen einander in Liebe und Freundschaft mit der Gabe, welche uns von Gott gegeben ist. So werden wir dem Ukrainer ein Ukrainer, dem Rumänen ein Rumäne, dem Slowenen ein Slowene und dem Afrikaner ein Afrikaner. Das heisst, dass sie für uns auch Schweizer werden und unsere Denkmuster verstehen lernen. Darin erkennen wir, dass wir Jünger des einen Herrn sind: Jesus Christus und somit auch einer grossen, über-kulturellen, über-nationalen Nation angehören – dem Reich Gottes.

Royal Rangers Ukraine helfen, ihre nationale Arbeit aufzubauen und auszuweiten. Kinderheim Slavjansk – Ukraine 2005–2011 Mittels finanzieller und personeller Unterstützung ermöglichten wir den Kindern im Kinderheim den Besuch in Kinderlagern der Royal Rangers. Weitere Unterstützung konnten wir zum Erwerb von Gütern für das tägliche Leben und zum Bau eines Spielplatzes geben. Zur Zeit haben wir eine Missionarin vor Ort, welche mittlerweile als Ehefrau und rechte Hand des Direktors ihre Arbeit als Lehrerin und Erzieherin wahrnimmt.

Ukraine 1999–2009 Durch Leiterschaftsschulungen und finanzielle Unterstützung für Literatur und Ausrüstung konnten wir den

Rumänien 2008–2011 Mit einer Leiterschaftsschulung «On the Job» für 30 Leiter wurden parallel 70 Kinder in einem Camp betreut. 2010 führten die Leiter vor Ort ihre Kinderlager bereits selbständig durch.

Begrüssung einer Delegation von «lumière et flambeaux» (Scout-Gruppe) in Bangui (RCA)

Bibelerlebnis mittels Erlebnispädagogik hier die drei Weisen aus dem Morgenland

youthnet spm Sekretariat Riedstrasse 3 8953 Dietikon Tel. 044 366 65 95 sekretariat@youthnet.ch www.youthnet.ch

www.freikirchen.ch www.pfingstmission.ch Die Investition erfolgte dann vor allem in Form von einwöchigen Schulungen für die Leitenden. Daraus sind ebenfalls mehrere Stammposten für Kinder entstanden. Slowenien 2009–2011 Zusammen mit dem Jugendverband der Pfingstgemeinden in Slowenien durften wir die Royal Rangers Arbeit aufbauen. In vier Kursen und Kinderlagern konnten wir mehr als 60 Leiter ausbilden, dienten mehrmals über 100 Kindern und bauten drei Stammposten auf, in welchen sich die Kinder nun jeden zweiten Samstag zu ihren Treffen zusammenfinden. Über Ostern 2011 fand nun die erste INTENSIV-Jugendleiterschulung statt, an welcher Jugend- und Royal Rangers-Leiter teilnahmen. Republik Zentralafrika (RCA) 2008/2011 Mit zweiwöchigen Einsätzen schulten wir mehr als 80 Jugendleiter, welche in rund 300 Gemeinden mit 200–300 Mitgliedern Jugendgruppen leiten. Somit werden in dieser Bewegung rund 60 000 junge Menschen erreicht. 2012 ist eine Schulung von je einem Ausbilderkader pro Region geplant. Diese Leiter sollen dann in ihren Regionen das Gelernte weitergeben und die Mitarbeiter vor Ort für die Kinderund Jugendarbeit fördern. Markus Hediger, Präsident «youthnet spm»


FORUM

ideaSchweiz l 20/2011

LESERBRIEFE

11

SYNERGIE

Einfach aus dem Leben gegriffen In meiner letzten Kolumne erzählte ich von der einen Firmenübernahme zum «göttlichen Preis». Nun gehört uns diese Firma schon bald drei Monate, und nicht nur der Preis war «göttlich», auch die Zahlen entwickeln sich richtig himmlisch! Ich bin ob dieser Entwicklung etwas sprachlos. Denn so viel haben wir noch gar nicht mitgewirkt. Diese Übernahme scheint also wirklich im Sinne des grossen Chefs zu sein! Auch in der Unternehmung haben wir drei spannende und erfreuliche Monate hinter uns. Die Jahre 2009 und 2010 waren für uns ein einziger beschwerlicher Weg durch ein dunkles Tal. Die Ergebnisse waren oft nicht so, wie wir uns das wünschten. Viele Momente des Zweifelns an mir, meinen Fähigkeiten, meinem Geschäftsmodell und überhaupt an

Himmel und Hölle «idea Spektrum» Nr. 18 – Zum Buch «Das letzte Wort hat die Liebe» Der Artikel über das Buch von Rob Bell offenbart die Sehnsucht der Christen nach einer alternativen oder abgemilderten Lehre von der Hölle. Ich gehe mit dem Autor einig, dass die Alternative von Bell keine wirkliche ist. Sie hat einfach keinen soliden Grund. Als Bibellehrer, der in praktisch allen Denominationen der Schweiz tätig ist, habe ich es vor einiger Zeit gewagt, in einem Vortrag Hinweise zu geben auf eine Alternative, die ich für glaubwürdiger halte. Ich lade die Leser ein, diese Alternative zu prüfen und mir gerne die eine oder andere Rückmeldung zu geben. Ich versuche, sechs Thesen zu begründen und weise dabei besonders auf These 4 hin, umstritten, aber zumindest echt erwägenswert: 1. Es gibt ein letztes grosses Gericht Gottes über alle Menschen, welches zwei und nur zwei Ausgänge hat: Hölle und Himmel. Diese Lehre stammt vor allem von Jesus selbst! 2. Die Lehre von der Hölle als ein Ort der Qual nach dem letzten Gericht ist eine der gut bezeugten Lehren des Neuen Testaments. 3. Es wird in der Bibel keine Perspektive hinter Hölle und Himmel oder nach der Hölle und dem Himmel geschildert. 4. Der Himmel ist grösser, als wir denken, und die Hölle ist kleiner, als wir denken. Die «Himmelsbe-

allem waren an der Tagesordnung. Oft erwachte ich in der Nacht und sann geschäftlichen Themen nach. Obwohl ich von finanziellen Sorgen verschont blieb, nagte der Misserfolg an meinem Selbstwert. Wenn ich jetzt schreibe, die letzten Monate seien erfreulich verlaufen, so hat das damit zu tun, dass die Bemühungen der letzten zwei Jahre erst jetzt anfangen, Früchte zu tragen. Bei einigen Themen, welche seit 24 Monaten Dauerbrenner waren, bewegte sich nichts in die richtige Richtung. Oft schon wollte ich fast resignieren. Doch jetzt veränderten sich viele dieser Punkte, und erst noch schnell. Es kommt mir fast so vor, als hätte Gott die Luke über unseren Unternehmungen geöffnet. Ob sie in den letzten zwei Jahren zu war, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden wohner» beschränken sich nicht auf die Bewohner des neuen Jerusalems! 5. Die Hölle ist ein Ausdruck der Liebe Gottes. Später werden wir verstehen. 6. Die Hölle ist kein Stör faktor in der neuen Welt Gottes. Zum Hören des Vortrags einfach bei Google eingeben: «Gedanken zu Hölle Kaldewey» oder auf meine Webseite gehen und suchen unter «Predigt und Vorträge zum Hören». www.jenskaldewey.ch JENS KALDEWEY, Pfarrer, Riehen

Retter oder Richter?

«idea Spektrum» Nr. 18 – «Kommen am Ende alle in den Himmel?» Im Bericht über das Buch von Rob Bell über Himmel und Hölle wird an vielen Beispielen vor allem aus der Offenbarung und aus Bekenntnissen belegt, was «richtig» ist, dass nämlich die ewige Bestrafung dem Endgericht folgt, welches das Leben eines jeden bewertet und entspre-

Fall durfte ich in den letzten Tagen einige Erfolgsmeldungen verkünden, und das löst Glücksgefühle aus und auch Dankbarkeit. Warum erzähle ich Ihnen das? Ein Sprichwort sagt: «Geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid ist halbes Leid.» In den zwei Jahren, in welchen ich für meinen Geschmack untendurch musste, fiel es mir schwer, mich andern Menschen offen mitzuteilen. Wir Männer haben da wohl so ein Gen in uns, welches uns sagt, wir sollten keine Schwäche zeigen. Wenn man Männern zuhört, dann reden sie meistens von den Erfolgen. Was in die Hosen ging, darüber schweigt «mann» lieber. Ich denke, gerade wir Männer haben es dringend nötig, einen offenen und authentischen Dialog zu führen. Ist dabei noch eine gehörige Portion Nächstenliebe im Spiel, kann wirklich nichts schief chend Himmel oder Hölle zuordnet, für ewig. Was als Interpretation der Bibel dagegen steht, die Allversöhnungslehre, der Universalismus, wird mit Bell zusammen wortreich demontiert. Da wird ebenso selektiv zitiert wie Bell vorgewor fen wird, er wähle die Textstellen aus, die ihm passen. Ich würde mir nicht anmassen, zu beurteilen, wer recht hat, aber alle zusammen blenden die für mich wichtigste Botschaft Jesu aus. Niemand redet von der Gnade. Sie steht über all unseren vermessenen Endzeittheorien. Es kommt alles anders, als wir in unserer Beschränktheit denken. Die Ersten werden die Letzten sein, und die Letzten die Ersten! Und dem Schwerverbrecher, der mit Jesus am Kreuz hängt, ruft Jesus zu: «Heute wirst du mit mir im Paradiese sein!» Das ist die Botschaft. Jesus hat übrigens nur selten über das Gericht und die Verdammnis geredet, oft aber über das Reich Gottes. Das gibt mir mehr Leitplanken für mein Leben als die Drohung, es gebe dann noch die ewige Hölle. MAJA INGOLD, Winterthur

Die Hauptschuldigen

Stark umstritten: Bestseller von Rob Bell über Himmel und Hölle.

«idea Spektrum» Nr. 19 – Leserbrief «Alle sind schuldig» Mit der Anklage «Die Juden haben Jesus getötet» und damit «Gottesmord» betrieben, haben Christen selbstgerecht Juden verurteilt und ver folgt. Demgegenüber sagt die Bibel (und das Vatikanische Kon-

gehen. Also nur Mut: Erzähle deinem Kollegen im Geschäft oder in der Kleingruppe mal einige Episoden, wo du dich als Verlierer oder als Versager siehst. Du wirst staunen, was für Diskussionen plötzlich möglich werden. Du wirst lernen, dass du mit deinem Versagen oder Misserfolg nicht allein bist. Gemeinsam den Weg gehen heisst auch, gemeinsam Misserfolge teilen. Und über all dem dürfen wir getrost sein, dass unser himmlischer Vater jede Situation bestens kennt. Darum kann ich nur an das Bibelwort aus 1. Petrus 5,7 erinnern: «Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.» DANIEL SCHÖNI Der Autor ist Inhaber der SCHOENI.CH HOLDING in Oberbipp. www.schoeni.ch E-Mail: daniel.schoeni@schoeni.ch

zil) klar: «Wir alle haben gesündigt», Christen nicht weniger als Juden. Etwas anderes ist die Frage nach der historischen Schuld am Tod Jesu. Besonders evangelische Theologen neigen dazu, als «Freundlichkeitsgeste» gegenüber den Juden die Hauptschuld auf die Römer (welche die ganze Menschheit repräsentieren) abzuschieben, entgegen der klaren biblischen Aussage und historischen Evidenz (Johannes 19,11; Apostelgeschichte 2,23; 3,13). Die Hauptschuldigen sind die Repräsentanten des jüdischen Volkes: der amtierende Hohepriester Kajafas (Johannes 11,49f), unterstützt vom Hohen Rat, von den Priestern, Pharisäern, Schriftgelehrten und vom angeheuerten Pöbel (Freunde des Aufrührers Barabbas). Sie vertreten vor Gott das «ganze (jüdische) Volk» (Matthäus 27,20+ 25). Mit dieser klaren Sicht wird weder der Tod Jesu als bedauerlicher Irrtum, noch die Verantwortung des erwählten Volkes und der Menschheit abgewertet. Gott hat durch Jesus diese uns alle belastende Schuld in eine «felix culpa», eine «glückselige Schuld», umgewandelt, zum Segen für die Menschheit und zur «Verherrlichung seines Volkes Israel», das «Demonstrationsvolk» Gottes im Guten wie im Bösen. Dies hat der Papst in seinem Jesusbuch übersehen. TILBERT MOSER, Kapuzinerkloster, Olten


WIRTSCHAFT

12

ideaSchweiz l 20/2011

«Hine Adon»: Christlich geführ tes Hotel mit beinahe voller Auslastung

«Service nach Mass», Gottes Segen inklusive Das jüngste Mitglied des Verbands Christlicher Hotels (VCH) ist das Hotel «Hine Adon» in Fribourg. Und es ist ein Exot unter den VCH-Hotels. Nicht nur weil es in der Westschweiz liegt, sondern auch durch die Art der Zimmer und durch die Aufenthaltsdauer der Gäste. Im Herzen der Altstadt von Fribourg, in einer ruhigen, kopfsteingepflasterten Nebengasse, liegt das Hotel «Hine Adon». Dazu gehört auch die gleichnamige Bäckerei. An einem ihrer drei Bistrotischchen lehnt Hartmut Richter, der hochgewachsene Direktor, und erzählt: «Ich wollte reich werden.» Zusammen mit einem Freund hatte sich der Deutsche mit 21 Jahren als Immobilienmakler selbständig gemacht. Die Geschäfte liefen gut, die erste Million war mit 30 Jahren erwirtschaftet. «Mein Plan

Impressum Idea Schweiz Herausgeber: Idea Information AG, 4410 Liestal Verwaltungsrat: Heiner Henny, Präsident; Sam Moser, Stellvertreter; Paul Beyeler, Hans Lendi, Hansjörg Leutwyler, Hanspeter Schmutz Ideelle Trägerschaft: Schweizerische Evangelische Allianz (SEA), Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden (VFG), Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Missionen (AEM) Redaktion: Josefstr. 32, 8005 Zürich, Tel. 044 444 16 44, Fax 044 444 16 49 E-Mail: redaktion@ideaschweiz.ch Internet: www.ideaschweiz.ch Chefredaktor: Andrea Vonlanthen Büro: Bahnhofstr. 65, 9320 Arbon Tel. 071 446 70 02, Fax 071 446 74 88 E-Mail: andrea.vonlanthen@ideaschweiz.ch Redaktor: Thomas Feuz Er weitertes Team: Esther Reutimann, Sibylle Zambon, Christian Bachmann, Mirjam Fisch-Köhler, Marlies Reutimann Praktikum: Benjamin Fisch Inserateservice: Jordi AG – das Medienhaus, Roland Rösti, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 25, Fax 031 819 38 54 E-Mail: inserate@ideaschweiz.ch Aboservice: Jordi AG – das Medienhaus, Ursula Seifried Jordi, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 20, Fax 031 819 38 54 E-Mail: abo@ideaschweiz.ch Abopreise: Jahresabo Fr. 145.–, Seniorenabo Fr. 117.–, Halbjahresabo Fr. 77.–. Das Abo ist unter Einhaltung einer vierwöchigen Frist jeweils zum Bezugsende kündbar. Konto: PC-Konto 40-788586-4 Idea Information AG, 4410 Liestal Layout/Druck/Versand: Jordi AG – das Medienhaus, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp www.jordibelp.ch

Bild: idea/bf

Ein offenes Ohr für die Gäste: Hoteldirektor Hartmut Richter und Hélène Kebaili, Bäckereiverkäuferin und Allraounderin.

war, mit Vierzig in den Ruhestand zu gehen», erklärt Richter. Doch es kam anders. «Wenn man mit verschiedenen Partnern diverse Firmen besitzt, kann man nicht so einfach aussteigen, und so arbeitete ich weiter.» Doch beim Wirtschaftscrash 2002 verlor der 47-Jährige fast über Nacht sein ganzes Vermögen. An Karfreitag verliess ihn seine Frau mit den vier Kindern. In der folgenden Woche versagte sein Körper. Er wurde mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Spital eingewiesen. Man fand nichts. «Als ich aus dem Spital entlassen wurde, hatte ich nichts mehr: Familie weg, Haus weg und über fünf Millionen Euro Schulden.»

Weg vom Profit

«Nach einem verzweifelten Gebet im Spital und dem Besuch bei befreundeten Christen lernte ich Jesus kennen.» Dieser Wendepunkt in seinem Leben gab ihm die Kraft, die Trümmerhaufen seiner Geschäfte abzuarbeiten. 2003 heiratete Hartmut Richter seine heutige Frau Dorica, eine Stewardess. In einem Haus in der Schweiz, in dem sie gratis leben durften, liessen sie immer wieder Freunde und «Fremde» in einem Teil des Hauses wohnen und teilten mit ihnen Garten und Gemeinschaft. «Es gefiel mir sehr, Gastgeber zu sein.» Auf der Suche nach einer neuen beruflichen Perspektive lernte er Gottes Sicht von Wirtschaft kennen. «Es geht bei ihm nicht hauptsächlich um Profit, sondern um die Beziehung mit Menschen! Langsam sickerte diese Erkenntnis vom Kopf ins Herz», sagt der heute bald 56-Jährige.

«Schritt für Schritt»

Im Sommer 2007 fing er an, nach geeigneten Häusern für ein Hotel zu suchen. Dabei stiessen Richters auf ein 400-jähriges Doppelhaus in Fribourg, das als Stundenhotel und später als Unterkunft für Obdachlose gedient hatte. «Es war schrecklich heruntergekommen, vieles mutwillig zerstört, eine halbe Ruine.» Obwohl die Finanzen fehlten, hatte Richter den Eindruck, es entspreche Gottes Willen, daraus einen Ort der Ankunft, der Begegnung, des Willkommens in Fribourg zu machen. Aber wie sollte das zustande kommen? «Schritt für Schritt», lautete Gottes Antwort im Gebet. Es wurde möglich, das unter Denkmalschutz stehende Haus zu kaufen. Ab Dezember 2008 wurde der Umbau zum Teil als Sozialprojekt mit Arbeitslosen durchgeführt. Es kostete den werdenden Hotelier viele schlaflose Nächte: «Es gab Monate, in denen ich nicht wusste, wie ich die Rechnungen bezahlen sollte. Erneut hätte ich alles verlieren können.» Im Gebet wurde ihm klar, dass ihm jedoch das Wichtigste bleiben würde: Die Beziehung zu Gott.

Sensationelle Auslastung

Sechs Wochen nach der Eröffnung 2010 ist das Hotel zu fast 100 Prozent ausgebucht. «Bis auf wenige Nächte ist das bis heute so geblieben.» Doch Richter schreibt nicht sich, sondern Gott den Erfolg zu. «Ich glaube, dass Gott uns die Gäste schickt. In Werbung habe ich nichts investiert.» Durch das verwinkelte Treppenhaus erreicht man zwölf grosszügige, individuell einge-

richtete Appartements. Seine Gäste sollen sich «wie zu Hause» fühlen, betont der ehemalige Makler. Die Zimmer sind mit den Namen der zwölf Stämme Israels statt mit Zahlen bezeichnet. Wie beim Hotelnamen «Hine Adon», was heisst «Gott ist hier», orientierte sich Richter an Hesekiel 48. Menschen aller Schichten und Religionen waren schon zu Gast. Jedes Mal, wenn jemand kommt oder geht, soll er Gottes Segen empfangen. Deshalb haben die Zimmer die Namen der Tore der Stadt Jerusalem, die Namen der Stämme Jakobs. Durch die meist längere Aufenthaltsdauer entsteht eine Beziehung zueinander. «Fast jedes Mal wird nach der Bedeutung des Hotelnamens gefragt. Die Reaktionen sind sehr häufig positiv, und es entwickeln sich deswegen oft gute Gespräche über den Glauben.» Durch die zufriedenen Gäste gewinnt sein Hotel immer mehr an Bekanntheit. Auch das Umfunktionieren von kleineren Hotels bei Generationswechsel in «Wohnen mit Service nach Mass» stösst auf Interesse. Hartmut Richter sieht hier viele Möglichkeiten bei anderen Immobilien. «Wenn es an der Zeit ist, wird Gott mir die nötigen Anstösse und Mittel geben. Es gibt schon einige gute Zuhörer in der Hotelbranche.» BENJAMIN FISCH

Boardinghouse Das Hotel «Hine Adon» kann auch als Boardinghouse verstanden werden. Solche befinden sich meist im Stadtzentrum und werden von Geschäftsreisenden wie auch von Urlaubern besucht. Der Aufenthalt dauert von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten. Im «Hine Adon» gehören zu jedem «Zimmer» (1- bis 2,5-Zimmer-Appartements) eine kleine Küche, Briefkasten und eigene Türklingel sowie die gewohnten Hoteldienste wie Wäscherei, Shuttledienst oder Konferenzraum. Die Bäckerei bietet unter anderem Frühstück, jeden Mittag ein einfaches, günstiges Menü und diverse Sandwiches an. www.hineadon.ch


INSERATE

ideaSchweiz l 20/2011

13

AGENDA

Top-Internetadressen

AGENDA

Ferien

MAI 2011

Mission

21. Mai, Wycliffe von innen: Unsere Arbeit kennen lernen 9 bis 16 Uhr, Poststrasse 16, Biel de.wycliffe.ch/schnuppertag

auch als ePaper

Ferien und Seminare mit Weitblick www.ferienzentrum-aeschiried.ch Tel: 033 654 18 10

Das aktuelle evangelische Wochenmagazin

www.hoffnungsnetz.ch

www.ideaschweiz.ch

Kinderpatenschaft - Indien idea_epaper2011.inddFr. 1 1.– pro Tag 17.01.11 www.fcg-lenzburg.ch/mission/indien

Top-Internet-Inserat.indd 1

Theologische Ausbildung

DIE MEISTER

format: 75 mm

e suberi Sach

3604 Thun www.daellenbach.ch Tel/Fax 033 336 83 30 / 29

www.ISTL.net

direktkurier.ch

Für kluge Köpfe Führungsseminare www.swisscg.ch

Musikseminar

80_scg_inserate_banner.indd 7

Kontrollen, Audits, Kurse, Shop

büsslivermietung.ch

weininger-keramik.ch

eifach guet!

04.11.10 16:02

Noch Plätze frei!

persönliche Geschenke

JUNI 2011 14:04 1. bis 3. Juni, ICCC Konferenz Beatenberg,

Zurüstung von Geschäftsleuten für eine neue Reformation. Im Stb. Beatenberg.. Infos und Anmeldung: www.iccc.ch

20.12.10 11:51

Gipserei und Malerei

Dienstleistungen

W. DÄllenbach AG

Ausbildung

21. Mai, LEAD'11 - Evangelistischer Gemeindebau, Rapperswil-Jona, Telefon 043 399 12 34 www.swiss-e-motion.ch

2. bis 4. Juni, Leben in Freiheit, Schulungskonfrerenz mit Mike and Cindy Riches (USA) in Weinfelden, Infos und Anmeldung: www.lebeninfreiheit.ch 2. bis 4. Juni, Musikseminar Niedernberg Kontakt-Tel.: +4906028 80700 www.bibel-mission.de

JULI 2011

CONFISERIE

für Musikdienstleiter u. -mitarbeiter, Pastoren, Prediger, Gemeindemitarbeiter, Interessenten...

1. bis 4. Juni, Heilung für die Nationen, Internationale Heilungskonfrerenz in Lausanne, Infos und Anmeldung: conference.laguerison.org

Ehepaar Obrist zu Fuss www.martin-magenbrot.ch von Basel nach Jerusalem NEU_Top-Internet_2011.indd 1 01.02.11 08:54 www.BaselJerusalem.info Ihr Spezialist für Softice & Confiseriespezialitäten

30. Juli bis 6. August, Konferenz für geistliche Erneuerung. Pilgermission St. Chrischona. Infos und Anmeldung: www.kge.chrischona.org

Anmeldung: http://musikseminar.bibel-mission.de Herzliche Einladung! Auch Tagesgäste willkommen! (Tagesbeitrag: 15,- EUR)

Unbenannt-1 1

09.05.11 15:00

STH BASEL

2. - 4. Juni 2011

Theologie an der STH Basel studieren!

www.sthbasel.ch Ev. - Freik. Gemeinde info@sthbasel.ch www.cgs-net.ch 061 646 80 80 (Baptisten) e.V. yourlovech_2009-2010.indd 1 05.10.2009 07:57:25 Der Online-Einkaufsführer 63843 Niedernberg Bibeltreues Studium auf universitärem Niveau für Christen. Römerstr. 79

Ronald E. Hawkins (D.Min., Ed.D.) Prof. für Seelsorge & Praktische Theologie

Kleininserat 2010.indd 1

Dr. Vernon Whaley Leiter des Center for Worship und weitere Lehrkräfte der Liberty University www.edu-schweiz.ch Bibel-Mission e.V. | Liebigstr. 1 | 63843 Niedernberg Tel. 06028 8070-0 | musikseminar@bibel-mission.de

Christliche Werte stärken!

Inserat_edu_idea-2011-01-03.indd 1

WERBEN AUCH SIE!

19.02.2010 14:49:07

INFORMATIONEN UNTER: E-Mail Web

inserate@ideaschweiz.ch www.ideaschweiz.ch

Werben_in_idea45x63.indd 1 03.01.2011 14:11:42

16.05.11 13:41


14

PUBLIREPORTAGE

ideaSchweiz l 20/2011

Mit der Bibel auf der Sommerwiese Die „summer school“ bietet Theologie für alle (8.-19. August 2011)

Gehen Sie auf virtuelle Tour!

Wirkungsvoll leben

Paulus, einen Strategen der Bibel kennenlernen Theologie, Strategie und Spuren des grossen Apostels

St. Chrischona ist der höchstgelegene Ort des Kantons Basel-Stadt (Schweiz). Der Blick vom Kirchturm der Chrischona-Kirche zeigt den trinationalen Charakter der Umgebung im Herzen Europas. Sehen und erleben Sie es selbst. Auf unserer virtuellen Tour unter: www.chrischona.org

Der tsc Campus bietet Studentenwohnungen mit Internetanschluss, Aufenthaltsräume, Gebets- und Studienzimmer, Sporthalle, Fussballplatz, Cafeteria sowie eine Fachbibliothek mit 75 000 Bänden.

“Paulus“ – was löst dieser Name nicht alles aus! Von Missionsstrategen bewundert, von Theologen oft angegriffen und in Frage gestellt, von den Juden gehasst. Selten hat ein Mensch so polarisiert – und gleichzeitig so viel erreicht wie der berühmte Völkerapostel. geWir würden Paulus nicht ge Serecht, wollten wir in diesem Se minar nicht auch die Linien zu uns ziehen: Wie bekommt mein

Leben eine grössere Wirkung? Wie kann das Potential der ersten Christen in meinem Leben sichtbar werden? Stimmen meine Prioritäten mit Gottes Plan überein? Könnte ich die mir (noch) zur Verfügung stehenden Zeit effektiver nutzen? Karl Albietz hat in vielen Reisen „Paulus“ besucht, auf den Originalschauplätzen seine Spuren erforscht, sich mit den Texten der Bibel auseinandergesetzt und versucht, Strategien des Paulus für unsere heutige Situation nutzbar zu machen. Der Referent war von 19912001 Direktor der Pilgermission St. Chrischona.

er ol

„Ich leide Gott, und du?“ Wenn Gottes Liebe zur Debatte steht. In der Bibel finden wir es, heute erleben wir es: Die Übel und das Leiden in dieser Welt erschüttern den Glauben an einen allmächtigen und allgütigen Gott. „Leid ist der Fels des Atheismus.“ Diese Feststellung

Psychologie und Seelsorge Seelsorge umfasst ein breites Spektrum von Problemfeldern und Lebenssituationen, in denen Menschen Hilfe suchen. Das Modul soll in die biblischen Grundlagen und die Geschichte der Seelsorge einführen. Es vermittelt Grundkenntnisse in enger Anlehnung an den täglichen Dienst des Seelsorgers. Darüber hinaus zeigt es den Wert und die Grenzen psychologischer Instrumente. Auch die Grenzen der eigenen Fähigkeiten als Seelsorgers werden reflektiert. mit Lic. phil. Ruth E. Kohli; Christoph Ehrat, Seelsorger

8. - 19. August sum mer... Mehr Sommer school

201 1 8 - hool 19Mehr Sommer... Sommer ... summer school 2011.rsc . Au a.ch/summe on

tsc.chrisch

chona

nar St. Chris

ches Semi

Theologis

summer school 2011

m m o s u ch s

Gott ist nicht harmlos: „Kleine” Propheten mit grosser Wirkung. Von Hosea bis Maleachi. Jesus Christus als Herr der Gemeinde ist König, Priester und Prophet. Daher hat Gott schon König David und dann allen weiteren Königen Propheten zur Seite gestellt. Für die geistliche Begleitung seines Volkes hat Gott sehr unterschiedliche Männer berufen. Allen gemeinsam war jedoch eine kompromisslose Liebe zu Gott und seinem Volk. Gott sprach durch sie in die Tagespolitik der damaligen Zeit und vermittelte tiefe Einblicke in die Zukunft. Es lohnt sich, auf diese Worte zu achten und von der Art ihrer Verkündigung zu lernen. mit Raymond Timm Dozent am tsc

8. - 19. August

Meh

Theologisches Seminar St. Chrischona

The

ologis

che

s Sem min ina arr St.

Chrisc hon a

gust

er mm l su hoo sc

Der Campus des theologischen Seminars auf St. Chrischona bietet im August viele Sonnenplätze. Ob in idyllisch gelegener schöner Kirche oder auf den weitläufigen Waldpfaden: Der Berg St. Chrischona bietet das ideale setting, um die Beziehung zu Gott zu vertiefen und Urlaub zu geniessen. Das erlauben ebenfalls die Kulturstädten Basel und Lörrach mit ihren charmanten Ecken und Strassencafés. Die summer school hat folgende Module im Angebot:

von Georg Büchner hat nichts an Aktualität eingebüsst. Und auch Christen tun sich schwer, Gottes Liebe mit dem Leid der Menschen in Einklang zu bringen. In diesem Modul trifft Dogmatik auf Dramatik. Es geht darum, die Leidproblematik offen wahrzunehmen. Zur Debatte steht, ob Gott angesichts des Leids gerechtfertigt werden kann (Theodizee). mit Dr. Andreas Loos Dozent am tsc

ugust

8. - 19. A

er m l m oo s u ch s

Die Sommerwiese für Christen, die es im Urlaub genauer wissen wollen. Ausklinken, auffrischen, begegnen, weiterbilden - für ein oder zwei Wochen.

su s c mm ho er ol

ol 2011

ho summer sc

tsc.chrischona.ch/summerschool

r So mm tsc.ch er... risch ona.c Mehr Sommer Sommer... h/su m mers

choo

Theologisches Seminar St. Chrischona

tsc.chrischona.ch/summerschool

l

Gott in Szene gesetzt! Spiel- und Theaterpädagogik Dieses Modul fördert und entwickelt die ästhetische Bildung der Studierenden mit theaterpädagogischen Mitteln. Dazu werden sowohl Teamfähigkeit wie auch individuelle Fähigkeiten wie Phantasie, Mitgefühl, Einfühlungsvermögen, Wahrnehmung und Beobachtung, Entspannung und Konzentration geschult. Die praktischen und theoretischen Kompetenzen befähigen sie zudem, theaterpädagogische Projekte in Schule und Gemeinde zu planen, durchzuführen und zu reflektieren. Ziel ist die Beschäftigung mit vielfältigen Verfahren des Szenischen Spiels (wie Rollenbiografie, Standbilder und szenisches Lesen) und der inhalts- und zielorientierten Planung, Durchführung und Auswertung von Spielsituationen und Spielprozessen. mit Bettina Förster Mehr Infos & Anmeldung: www.tsc.chrischona.ch/ summerschool/ Theologisches Seminar St. Chrischona Chrischonarain 200 4126 Bettingen/BS Tel. + 41 (0)61 64 64 426 tsc@chrischona.ch

Theologisches Seminar St. Chrischona


15

TAGESSCHAU

ideaSchweiz l 20/2011

Zürich lehnt die Initiativen «Nein zum Sterbetourismus» und «Stopp der Suizidhilfe» ab

EDU und EVP wollen auf Bundesebene dranbleiben Die beiden Volksinitiativen der EDU sind letzten Sonntag klar abgelehnt worden. EDU und EVP führen das Engagement für den Schutz des Lebens nun auf nationaler Ebene weiter. Mit 78,4 Prozent Nein-Stimmen zu «Nein zum Sterbetourismus» und noch deutlicheren 84,5 Prozent negativen Stimmzetteln zur Initiative «Stopp der Suizidhilfe» fiel das Ergebnis der Abstimmungen im Kanton Zürich zumindest für diese beiden Initiativen sehr ernüchternd aus.

Ein Fünftel sagte Ja

«Die EDU wertet es positiv, dass mit den beiden Initiativen die bisher teilweise tabuisierte Frage

Wie geht es weiter? Mit der Abstimmung vom 15. Mai im Kanton Zürich ist für die beiden evangelischen Parteien der Einsatz für einen umfassenden Lebensschutz noch nicht abgeschlossen. «Die EDU wird sich weiterhin für den Schutz des Menschen vom Mutterleib bis zum natürlichen Tod einsetzen», ist Kyburz überzeugt. Zollinger meint: «Wir bleiben dran. Wir werden mit Gleichgesinnten auf Bundesebene für unsere Anliegen weiterkämpfen.»

auf Bundesebene. Es wird zu klären sein, ob es ein Ja zur Sterbehilfe war oder mehrheitlich ein Nein zu staatlichen Regelungen.»

Mögliche Gründe

Zürich hat entschieden: EDU und EVP hatten nicht «den Hauch einer Chance».

der Beihilfe zum Suizid öffentlich diskutiert wurde. Wir konnten darlegen, dass mit Palliative Care hinreichende Alternativen zur Suizid-Beihilfe bestehen. Dass angesichts der massiven Nein-Front aller Parteien inklusive Regierung und der reformierten Landeskirche sowie der Medien trotzdem ein Ja-Stimmenanteil von 21,6 Prozent erreicht werden konnte, werten wir als positiv», erklärt die EDU Kanton Zürich. Der Zürcher EVP-Präsident Johannes Zollinger kommentiert: «Die Ablehnung der beiden Volksinitiativen habe ich in dieser Deutlichkeit nicht erwartet. Das ist ein fatales Signal für die künftige politische Diskussion dieses Themas

Auf die Frage, wie es zu diesem Resultat kam, antwortet der EVPPräsident: «Wir sind eine InstantSoft-Gesellschaft geworden. Alles muss sofort her, darf möglichst nichts kosten und muss leicht verdaulich geniessbar sein. Dazu gehört offenbar auch das selbstbestimmte Sterben.» Heinz Kyburz, Vizepräsident der EDU Kanton Zürich, ergänzt: «Letztlich setzten sich bei der SVP wie bei der CVP die liberalen Kräfte durch, so dass die Initiativen nur noch von den kleinen Parteien getragen wurden. Ob der sehr liberale Kanton Zürich auch für den Bund wegweisend ist, wird sich zeigen. Im eidgenössischen Parlament werden SVP und CVP auch darlegen müssen, ob sie sich einem werteorientierten, konservativen Gedankengut verpflichtet sehen oder dies in gesellschaftspolitischen, ethischen Fragen der EDU und EVP überlassen.»

Und die Konsequenzen?

Mit welchen Konsequenzen rechnen die Vertreter der beiden EParteien? «Verloren hat in dieser

Abstimmung der Respekt und die Achtung vor dem Leben als Gabe Gottes. Es kommt nicht überraschend, dass nach der Beschränkung der Lebensrechte ungeborener Kinder nun auch das absolute Lebensrecht von Kranken und Betagten zur Disposition gestellt wird», sagt Kyburz. Zollinger meint: «Es wird die politische Diskussion zu diesen Themen beeinflussen und wahrscheinlich zu einer sehr liberalen gesetzlichen Regelung führen. Der Druck auf alte, pflegebedürftige Menschen wird zunehmen. Für sie wird es schwieriger, in Würde, in Freiheit und selbstbestimmt zu entscheiden.»

Vornehme Zurückhaltung

Einflussreiche christliche Kreise wie zum Beispiel der reformierte Zürcher Kirchenrat verzichteten auf die Unterstützung der Initiativen. Dies sorgte bei Initianten und Befürwortern für einiges Unverständnis: «Sie haben sich mehrheitlich dem Mainstream angepasst», fasst Zollinger zusammen. Für Kyburz steht fest: «Die ablehnende Haltung des Kirchenrats kam für uns nicht überraschend. Erfreulich ist hingegen, dass sich die katholische Kirche klar gegen die Suizidhilfe ausgesprochen hat.» BENJAMIN FISCH

Frauenkonferenz der «Schleife» Winter thur begeister te mit Workshops und Musical

Standing ovations für «Melodie des Lebens» Wie können Frauen ihre Einzigartigkeit entdecken? Die Frauenkonferenz «Melodie des Lebens» machte den Teilnehmerinnen am letzten Wochenende Mut, ihre Eigenarten zu kultivieren und zu geniessen. Anstösse, Ermutigung und Beispiele, wie Frauen ihre Einzigartigkeit entdecken, kultivieren und geniessen können: Das vermittelte die Frauenkonferenz vom 14. und 15. Mai in der «Schleife» in Winterthur. Ergänzt wurden die Referate mit Workshops zu Themen wie «Meine Gebetsmelodie finden», «Gottes Stimme im Alltag hören», «Stärke täglich Deinen Geist», «GeBilder: idea, zvg

ten ihre Begeisterung mit nicht enden wollenden «standing ovations» aus. THOMAS FEUZ

Fördern, unterstützen

Frauenpower pur: Das Musical «Melodie des Lebens» begeisterte in Winterthur auch das anwesende männliche Publikum.

stalten mit Blumen», «Schreibwerkstatt» und «Trauminterpretation».

Berührt und begeistert

«Melodie des Lebens» nimmt Be-

zug auf eine wahre Begebenheit. Die Produktion brachten das Publikum zum Staunen, zum Weinen und auch zum Lachen. Die rund 1200 Frauen und Männer drück-

Die «Stiftung Schleife» arbeitet überkonfessionell und trägt das Gütezeichen Ehrenkodex SEA. Sie wurde 1992 vom reformierten Pfarrer Geri und seiner Frau Lilo Keller gegründet. Die Stiftung will kirchliche Gemeinden aller Denominationen, christliche Werke sowie andere Gruppierungen in ihrer praktischen und geistlichen Entwicklung fördern und unterstützen. www.schleife.ch


16

PUBLIREPORTAGE PUBLIREPORTAGE

ideaSchweiz l 20/2011

Überquerung eines Ozeans

Südsudan unterwegs in eine neue Zukunft Am 9. Juli wird der jüngste Staat Afrikas und der ganzen Welt aus der Taufe gehoben, die Republik Südsudan. Nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg und Vernachlässigung sind die Herausforderungen riesig. Bischof Alapayo aus Rumbek erzählte von einem Vergleich eines Freundes: „Das Referendum im Januar kommt der Überquerung eines Flusses gleich, der Aufbau der neuen Nation hingegen ist mit der Überquerung eines Ozeans zu vergleichen.“ Sie, liebe Leserin, lieber Leser können sich heute an diesem grossen Vorhaben beteiligen. Schreiben wir gemeinsam Geschichte! Während dem jahrzehntelangen Bürgerkrieg war die Bevölkerung des Südsudan stark von Nahrungsmittelhilfe abhängig. Viele der jungen Menschen haben somit nie gelernt, sich selber zu versorgen. Armut und Not sind gross. Hier bringen Projekte von TearFund zur Einkommensförderung und Bildung wichtige Impulse. Ganze Kirchen und Kommunen werden gefördert. Trotz Armut und Not ist Hoffnung berechtigt und notwendig. Ein Grund dafür sind die Menschen selber, ihr Vertrauen in die Zukunft und in einen versorgenden Gott. Hoffnungsträger Deng Deng Ajak, Agronom und Mitarbeiter der TearFund-Partnerorganisation Across, ist ein Beispiel dafür: “Ich bin einer der wenigen Südsudanesen, der im Ausland ein Studium abschliessen konnte. Nun bin ich zurück und möchte mein Wissen in meinem Land investieren.” Er ist verantwortlich für Ernährungssicherung und Landwirtschaft und engagiert sich in der Schulung von Selbsthilfegruppen in ländlichen Gegenden. Die Teilnehmenden lernen beispielsweise, Gemüsefelder anzulegen - ein wichtiger Schritt in die Selbstständigkeit. Auch Schulungen zu Mikrokrediten sowie deren Vergabe sind ein Teil der Arbeit.

Engagiert: Deng Ajak erläutert seinen Kollegen die Herausforderungen der Bewässerung.

Zukunft durch Bildung: In einem 4-jährigen Programm kann der Stoff der Primarschule nachgeholt werden. Für viele der erste Schulbesuch überhaupt. Menschen wie Deng geben berechtigten Anlass zur Hoffnung, dass dem Südsudan die Überquerung des Ozeans gelingen wird. Sie sind bereit, das Ruder in die Hand zu nehmen. Unterstützen wir sie dabei! www.tearfund.ch/suedsudan TearFund ist ein Hilfswerk der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA). Zusammen mit lokalen, christlichen Partnerorganisationen in Ländern des Südens fördert und stärkt TearFund benachteiligte Menschen durch Bildung, Basisgesundheit und Einkommensförderung. TearFund Schweiz | Josefstrasse 34 | 8005 Zürich 044 447 44 00 | info@tearfund.ch | www.tearfund.ch PC-Konto: 80-43143-0

Neugierig: Was wird ihnen ihre Zukunft bringen?


N AC H R IC H T E N

17

Warum steht Israel am Pranger und nicht auch die USA? TERRORBEKÄMPFUNG Während Israel bei Tötungen von Terroristen stets kritisiert wird, erntete die US-Regierung weithin Lob für die Eliminierung bin Ladens. Diese Kritik wird in der „Jüdischen Allgemeinen“ geübt.

E

in renommierter US-Rechtsexperte hat der internationalen Gemeinschaft vorgeworfen, bei gezielten Tötungen von Terroristen mit zweierlei Maß zu messen. Während Israel für den Einsatz dieses Mittels heftig kritisiert werde, hätten die USA Lob für die Tötung Osama bin Ladens erhalten, so der Harvard-Professor Alan M. Dershowitz in einem Beitrag für die Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“ (Berlin). Er erinnerte daran, dass etwa die Außenminister Großbritanniens und Italiens, aber auch die Europäische Union und die Vereinten Nationen in der Vergangenheit solche gezielten Attentate abgelehnt hätten. „Dennoch hat keine dieser Nationen, Organisationen oder Einzelpersonen Kritik an der gezielten Tötung Osama bin Ladens durch die USA geübt.“ Der Grund liege auf der Hand: „All die erwähnten Verdammungen waren gegen Israel gerichtet.“ Jerusalem habe die Idee der gezielten Tötung entwickelt und „gegen die Osama bin Ladens der Hamas, die Terrorangriffe

gegen israelische Zivilisten verübten, wirkungsvoll zum Einsatz gebracht“. Dem jüdischen Staat sei es gelungen, Islamistenführer zu eliminieren. Dies habe die internationale Gemeinschaft prompt zum Anlass genommen, diese Vorgehensweise für illegal und unmoralisch zu erklären – mit Ausnahme der USA. „Jetzt, da dieses Mittel gegen einen angewendet wurde, der auch Europas Feind war, klingt das alles ganz anders. Plötzlich ist diese Art, den Gegner auszuschalten, nicht nur legal und moralisch, sondern auch lobenswert“, so Dershowitz.

jegliche richterliche Überprüfung. Dershowitz: „Die Welt sollte aufhören, mit zweierlei Maß zu messen und anfangen, die Vor- und Nachteile von gezielten Tötungen abzuwägen. Sie können – wohlüberlegt gegen tatsächliche militärische Ziele eingesetzt – ein wirksames, legales und moralisches Instrument im Krieg gegen den Terror sein.“ P

Nicht mit zweierlei Maß messen Nach seinen Worten unterliegen gezielte Anschläge durch Israel den strengen Vorschriften des Obersten Gerichtshofs: „Sie sind ausschließlich zulässig gegen Terroristen, die aktiv an Attentaten beteiligt waren.“ In den USA werde die Entscheidung für eine solche Maßnahme ausschließlich durch den Präsidenten getroffen – ohne

Erstmals in China: Christen wenden sich an den Volkskongress DISKRIMINIERUNG Die vielen evangelikalen (nicht staatlich anerkannten) Hausgemeinden fordern Freiheit.

Foto: Reuters

Z

um ersten Mal in der über 60-jährigen Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas richten Christen eine Petition für Religionsfreiheit an den Nationalen Volkskongress. Anlass sind die Auseinandersetzungen um die staatlich nicht anerkannte Shouwang-Gemeinde in Peking. Mehrfach wurden bis zu 170 der rund 1.000 Gemeindemitglieder festgenommen, als sie versuchten, Gottesdienste im Freien abzuhalten. Sie tut dies, weil ihnen verboten worden war, ihre bisher gemieteten Räume in einem Restaurant weiter zu nutzen. Auch ist es ihnen nicht erlaubt, ein Gebäude zu erwerben. In der Volksrepublik versammeln sich die meisten der auf bis zu 130 Millionen geschätzten Christen in staatlich nicht anerkannten, meist evangelikalen

ideaSpektrum 20.2011

Hausgemeinden, weil sie sich der Kontrolle des Regimes nicht unterwerfen wollen.

49 Gemeindeleiter verhaftet Die Petition wurde bereits laut dem Hilfswerk China Aid (Midland/USA) von Dutzenden Leitern nicht registrierter Hauskirchen unterzeichnet. Sie bitten um eine Garantie der Religionsfreiheit für Hausgemeinden und eine Lösung des Konflikts mit der Shouwang-Gemeinde. Der Volkskongress ist das offizielle „Parlament“ der Volksrepublik. Nach Ansicht des Präsidenten von China Aid, Bob Fu, gibt die christliche Bürgerpetition der Volksvertretung die Chance, ein neues Kapitel aufzuschlagen: Entweder werde die in der Verfassung garantierte freie Religionsausübung auch praktisch um-

gesetzt, oder es käme zu neuen Kollisionen zwischen Staat und Kirche. Unterdessen hat die Polizei im Kreis Weishi (Provinz Henan) 49 Leiter von staatlich nicht anerkannten Gemeinden in einem Ausbildungsseminar festgenommen. P

b www.chinaaid.org

Peking: Verhaftete Christen der ShouwangGemeinde werden abtransportiert.


N AC H R IC H T E N

42 Millionen Besucher in 40 Jahren OPERATION MOBILISATION Missionsschiffe kreuzen auf den Weltmeeren.

S

eit 40 Jahren bringen Schiffe der Missionsgesellschaft Operation Mobilisation (OM) die christliche Botschaft in die ganze Welt. Am 18. Februar 1971 fuhr das erste OM-Schiff „Logos“ (Wort) von Rotterdam nach London. Seither haben mehr als 42 Millionen Personen in 164 Ländern die vier Schiffe besucht: die „Logos“ (bis 1988), die „Doulos“ (Knecht/1977-2010) und das derzeitige Schiff, die „Logos Hope“ (seit 2009). Die meisten Besucher kamen nach Angaben von OM Deutschland (Mosbach bei Heidelberg), um Sach- und Fachbücher sowie christliche Literatur zu kaufen. Über 35 Millionen Bücher seien in den schwimmenden Buchhandlungen verkauft worden. Darüber hinaus habe man unzählige Bücher an Universitäten, Schulen und Büchereien einiger besonders armer Länder gespendet. Außerdem verteilten die Besatzungsmitglieder 50

Millionen Bibeln und Bibelteile. „Der Stapellauf der ersten Logos stand für Jahre des Träumens, Betens und der Arbeit, um etwas zu tun, was es in dieser Art vorher noch nicht gab“, sagte OM-Gründer George Verwer (72). Er hatte 1964 erstmals von der Vision einer OM-Schiffsarbeit gesprochen. Der Direktor von OM Ships International, Peter Nicoll, erklärte, durch die Arbeit seien Gemeinden und Initiativen entstanden. Zur Besatzung des jetzigen OM-Schiffs „Logos Hope“ gehören rund 400 Männer und Frauen aus 45 Ländern. Sie sind auf Spendenbasis angestellt. P

b www.d.om.org

VERFOLGUNG idea-Leser hatten bei der Regierung protestiert. m Iran sind drei Christen aus der Haft entlassen worden. Das berichtet das kanadische Hilfswerk „Die Stimme der Märtyrer“ (Mississauga, Provinz Ontario). Bei den Freigelassenen handelt es sich um das Ehepaar Arash Kermajani und Arezo Teymouri sowie Sonia Keshish Avanessian. Deren Ehemann – Pastor Vahik Abramian – ist aber nach wie vor inhaftiert. Die Freigelassenen waren 239 Tage im Gefängnis. Die Behörden warfen ihnen u. a. vor, den christlichen Glauben verbreitet und Kontakt zu

Wieder frei (v. l.): Das Ehepaar Arezo Teymouri und Arash Kermajani sowie Sonia Keshish Avanessian

Nazareth: Israel investiert in die Heimatstadt Jesu Die israelische Regierung investiert 2,4 Millionen Euro in Nazareth, um den Tourismus in der Heimatstadt Jesu zu fördern. Wie die Zeitung „Jerusalem Post“ berichtet, will man die rund 65.000 Einwohner zählende Stadt im Norden Israels noch attraktiver für christliche Reisende machen. Mehr als 40 % aller ausländischen Touristen kommen nach Nazareth. Der von Juden, Christen und Muslimen bewohnte Ort hat den größten arabischen Bevölkerungsanteil in Israel. Vor allem arabische Kleinunternehmer sollen gefördert werden. Wer ein touristisches Geschäft eröffnet, kann bis zu 30 % der Kosten als Zuschuss erhalten. Der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Israel. Im vorigen Jahr bescherte er dem Land Einnahmen von rund drei Milliarden Euro. 2010 besuchten 3,45 Millionen Reisende das Heilige Land; das waren rund 700.000 mehr als 2009. Rund 69 % waren Christen.

Kuba: Baptist nach Misshandlungen gestorben

Iran: „Gefangene des Monats“ entlassen

I

NOTIERT

Oppositionellen im Ausland unterhalten zu haben. „Die Stimme der Märtyrer“, die mit der deutschen Hilfsaktion Märtyrerkirche (Berlin) verbunden ist, rief Christen auf, weiter für den inhaftierten Pastor zu beten. Es sei noch unklar, ob die Anklagen gegen die vier Christen fallengelassen werden. Sie waren am 4. September in der westiranischen Stadt Hamadan verhaftet worden. Die ersten 40 Tage mussten sie in Einzelhaft verbringen. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea hatten die Christen im Februar als „Gefangene des Monats“ benannt und dazu aufgerufen, in Briefen an die iranische Regierung um deren Freilassung zu bitten. Wie idea berichtet wurde, sind zahlreiche Leser dem Aufruf gefolgt. Von den 74,2 Millionen Einwohnern Irans sind 99 % Muslime. P

Nach Misshandlungen durch kubanische Sicherheitsbeamte ist ein regimekritischer Baptist gestorben. Polizisten hätten Juan Wilfredo Soto am 5. Mai in einem Park der zentralkubanischen Stadt Santa Clara brutal zusammengeschlagen, teilte die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main mit. Am 6. Mai wurde Soto wegen unerträglicher Schmerzen im Magen in die Intensivstation des Krankenhauses eingeliefert, wo er am 8. Mai starb. „Alle der IGFM vorliegenden Informationen deuten darauf hin, dass Wilfredo Sotos schneller Tod letztlich auf die Schläge der Polizei zurückzuführen ist“, sagte IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin. Er forderte von der kubanischen Regierung eine „lückenlose Aufklärung und Bestrafung dieser Aggressoren in Uniform“. Die Repressalien gegen Bürgerrechtler und regimekritische Kubaner dauerten unvermindert an. Von den 11,4 Millionen Bürgern Kubas sind 50 % Spiritisten, 35 % Atheisten, 7,5 % Katholiken und 2,6 % Protestanten.

Fotos: PR

18

ideaSpektrum 20.2011


N AC H R IC H T E N

19

Europa ist ein „geistliches Notstandsgebiet“ MISSIONSTAGUNG Auf der Südhalbkugel ereignen sich dagegen in vielen Ländern geistliche Aufbrüche.

E

uropa ist ein „geistliches Notstandsgebiet“. Das hat der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM), Missionsdirektor Detlef Blöcher (Sinsheim bei Heidelberg), festgestellt. Um-

fragen belegten, dass die Säkularisierung in Europa schnell voranschreite und immer weniger Menschen an einen persönlichen Gott glaubten, so Blöcher in seinem Jahresbericht für die AEM-Mitgliederversammlung in Essen. Beim Anteil evangelikaler Christen sei Europa mit 2,5 % im Vergleich der Kontinente inzwischen das Schlusslicht. Deutschland liege mit 2,1 % noch darunter. Blöcher bezieht sich auf Angaben der Enzyklopädie „Operation World“. Sie belege, dass sich weltweit die Zahl der Evangelikalen in den letzten 20 Jahren auf rund 600 Millionen verdoppelt habe. Der Säkularisierung in Europa stünden „kraftvolle geistliche Aufbrüche“ in vielen Ländern der Südhalbkugel gegenüber.

Missionare im Ausland Evangelikale: 4.354 (AEM: 3.907; APCM: ca. 450) Katholische Kirche: 2.392 Evangelische Kirchen (EMW): 650 AEM Schweiz: 931 AEM Österreich: 85 AEM: Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen EMW: Evangelisches Missionswerk APCM: Arbeitsgemeinschaft PfingstlichCharismatischer Missionen

Die zehn größten protestantischen Missionswerke in Deutschland

Evangelikale helfen weltweit Blöcher begrüßte, dass die dortigen Christen verstärkt Missionare nach Europa senden. Ferner ging er auf die zahlreichen Naturkatastrophen 2010 und 2011 ein, darunter die Erdbeben in Haiti und Japan. Viele evangelikale Werke hätten den Opfern großzügig geholfen, meist in Zusammenarbeit mit Partnerkirchen vor Ort. Oft hätten Missionswerke, die schon lange in den betroffenen Ländern tätig sind, die Koordination der Hilfe übernommen: „Unter ihrer Schirmherrschaft leisteten viele

nach der Zahl der ausgesandten Missionare, in Klammern Platz im Vorjahr 1. (1) Deutsche Missionsgemeinschaft 309 2. (2) Operation Mobilisation 296 3. (9) DIGUNA – Die gute Nachricht 267 4. (4) Vereinigte Dt. Missionshilfe 235 5. (3) Liebenzeller Mission 217 6. (5) Kontaktmission 183 7. (6) Allianzmission 178 8. (-) Campus für Christus 150 9. (7) Wycliff – Bibelübersetzer 145 10. (-) To all Nations 141

Anteil evangelikaler Christen an der Weltbevölkerung: in Europa: in der Schweiz: in Deutschland: in Österreich:

8,7 % 2,5 % 4,4 % 2,1 % 0,5 %

weitere Werke Not- und Aufbauhilfe und halfen bei der Trauma-Verarbeitung.“

Über 5 % mehr Missionare aus D Die Mitgliederversammlung nahm vier weitere Werke in die AEM auf: die Missionsgemeinschaft Fackelträger (Obernhof bei Koblenz), das Bibelseminar Bonn, die MB Mission Europa (MB steht für Mennonitische Brüdergemeinden) und den Verein „educare“ (Trossingen), der in Brasilien Notleidenden hilft. Damit umfasst die AEM jetzt 103 Mitgliedswerke. Sie ist mit Abstand der größte Missionsdachverband in Deutschland. Für die Mitgliedswerke der AEM waren 2010 3.907 Missionare im Einsatz (5,2 % mehr als 2009). Die Steigerung ist laut Blöcher vor allem auf den Einsatz von Kurzzeitmissionaren zurückzuführen, die in der Regel jeweils etwa ein Jahr tätig sind. P Detlef Blöcher Anzeigen

Die Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM): 3.907 3.713

b www.aem.de 0711 34218160

Ihr freundliches christliches Medienhaus

3.186 2.839 2.871

K Kawohl-Verlag Blumenkamper Weg 16 46485 Wesel Tel. 0281/96299-0 • Fax -100

2.916

2.434

www.kawohl.de

2.408 2.190

Schauen Sie doch mal rein!

Geschenke, Bildbände, Kalender, Poster, Karten, Tassen, Schmuck, Kerzen, Musik, u.v.m.

1.717 1.388

1.207 Foto: Markus Pletz

987

Missionswerke 61

650

31

35

43

47

51

70

76

82

89

90

91

99

103

© lideaGrafik

Missionare

1969 1975 1980 1985 1991 1999 2000 2001 2002 2004 2005 2007 2009 2011

ideaSpektrum 20.2011

Wir organisieren Ihre Gruppenund Gemeindereise ndereise nach Israel Bitte fordern Sie ie Ihr Angebot bei uns an Israel-Inforeise vom 30.01. 30.01.2012 1.220122 – 06.02.2012 06.02.20112 enplanerr und u dV Veran ntw twortliche he Für Pfarrer, Gruppenplaner Verantwortliche ruppennreise nr e. zur Planung einer eigenenn Gr Gruppenreise. Schechinger-Tours · Walter lter Schec Schechinger echinnger Im Kloster 33 · 72218 Wildberg-Sulz Wildberg-Sullz am EEck ck 8044 Tel. 07054-5287 · Fax 07054-78 07054-7804 info@schechingertours.de de · www www.schechinger-tours.de w.scchechin inger in g r-to -tours -to to ours rs.de .d .de de


20

KOM M E N TA R

Warum Selbstmord eine Sünde ist ETHIK Der Selbstmord des Deutsch-Schweizers Gunter Sachs hat zu bedenklichen Reaktionen geführt, gab es doch viel Verständnis dafür, dass er sich das Leben genommen hat. Ich habe ihn kennengelernt Aus zwei Gründen erschüttert mich der Freitod von Gunter Sachs, den ich in den späten fünfziger Jahren an der Côte d’Azur kennengelernt hatte. Ich beklage das Ende eines vormals lebensfrohen Mannes, der auf seine mondäne Weise eine Ikone der deutschfranzösischen Versöhnung war, so wie auf wesentlich höherem Niveau das politische Zweigespann Konrad Adenauer und Charles de Gaulle. Der Unterschied lag darin, dass die beiden Staatsmänner nach dem christlichen Liebesgebot handelten, während Sachs, wie seine spätere Kurzehe mit Brigitte Bardot zeigte, eine andere Art der Liebe trieb; sympathisch war er gleichwohl.

Konnte ihm keiner Gottes Liebe vermitteln? Die Nachricht, dass er sich am 7. Mai – nachdem er stundenlang mit Freunden telefoniert hatte – mit 78 Jahren wegen seiner „ausweglosen Alzheimer-Krankheit“ erschoss, macht mir eine Gänsehaut. War unter diesen Freunden, von denen ich einige kenne, wirklich keiner, der ihm vermitteln konnte, was der Theologe und Gegner des nationalsozialistischen Regimes, Dietrich Bonhoeffer, treffend formulierte: „Gott allein hat sich das Recht über das Ende des Lebens vorbehalten, weil nur er weiß, zu welchem Ziel er das Leben führen will“? War da keiner, der ihm klarmachen konnte, dass bei Gott nichts ausweglos ist?

Zustimmung zum Selbstmord schreit zum Himmel Zweitens erschreckt mich noch mehr die Reaktion meiner Landsleute auf diese Kunde. Zornerfüllt verfolge ich aus der Fremde die Leserblogs in den Online-Ausgaben deutscher Zeitungen. Sie zeugen oft von dem verlogenen Bedürfnis vieler Deutscher, „progressiv“ und „vernünftig“ zu wirken. Dabei glaube ich ihnen kein Wort.

Leserreaktionen: „Hut ab vor Gunter Sachs“ Hier ein paar Beispiele aus Leserkommentaren der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Hut ab vor Gunter Sachs, der Mann hatte Stil bis zum Schluss“; „hoffentlich habe auch ich … den Mut, in einer solch ausweglosen Situation die Weltbühne so würdevoll … zu verlassen“; „mein Respekt vor seiner persönlichen Entschei-

Gott allein hat sich das Recht über das Ende des (irdischen) Lebens vorbehalten.

dung!“ Ein ganz Schlauer zitierte Friedrich Nietzsche: „Die Selbsttötung ist … eine naheliegende Handlung, welche als ein Sieg der Vernunft billigerweise Ehrfurcht wecken sollte.“

Gott allein entscheidet über Leben und Tod Ehrfurcht? Ich verurteile Gunter Sachs nicht; dies ist weder mein Amt noch mein Recht. Zwar ist „mit der Freiheit zum Tode dem Menschen eine unvergleichliche Macht gegeben“, wie Bonhoeffer schrieb, aber in ihrer Verblendung übersieht die Mehrheit der Blogschreiber geflissentlich diese Einsicht des großen Märtyrers: „Weil ein lebendiger Gott ist, darum ist der Selbstmord verwerflich als Sünde des Unglaubens. Unglaube ist keine moralische Verfehlung … rechnet aber im Guten wie im Schlechten nicht mit dem lebendigen Gott. Das ist die Sünde.“ P

Der Autor, Dr. Uwe Siemon-Netto, ist gebürtiger Leipziger. Er leitet das „Zentrum für Lutherische Theologie und Öffentliches Leben“ an der Concordia-Universität in Irvine (Kalifornien), wo er zugleich einen Lehrauftrag für Journalistik hat.

ideaSpektrum 20.2011


Das Bild der Woche NATURWUNDER

Das Tote Meer soll eines der „7 neuen Wunder der Natur“ werden. Es zählt zu den beliebtesten Zielen von Besuchern des Heiligen Landes. Israel beteiligt sich jetzt an einem Wettbewerb, mit dem eine private Stiftung die Naturwunder dieser Welt bis zum 11. November unter 28 Kandidaten auswählen will. Das Bild zeigt Salzformationen, die sich im Wasser des Sees bilden; er ist aus der Bibel auch als „Salzmeer“ bekannt. Heute hat der 67 Kilometer lange und 18 Kilometer breite See einen durchschnittlichen Salzgehalt von 28 % (Mittelmeer: 3,8 %). Aufgrund der hohen Dichte können Menschen nicht im Wasser versinken. Das Tote Meer wird vom Jordan gespeist, hat aber keinen Abfluss. Es liegt etwa 420 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit die tiefste Landstelle der Erde. Wegen der Wasserentnahme für Anbauflächen am Oberlauf des Jordan und der hohen Verdunstung durch extreme Hitze schrumpft die Wasserfläche. Große Flächen im Süden – im kleinen Satellitenbild grün gekennzeichnet – sind bereits verlandet. In der Nähe des Toten Meers befinden sich auch für Bibelleser interessante Stätten. Dazu zählen vor allem die Höhlen in der Nähe der Ruinen-Stätte Qumran. Dort waren 1947 Schriftrollen mit den ältesten Bibeltexten gefunden worden.

SYRIEN

LIBANON

Mittelmeer

Westjordanland JERUSALEM Gaza- (Hauptstadt) streifen ÄGYP TEN

ideaSpektrum 20.2011

ISRAEL

Totes Meer

JORDANIEN


22

P RO & KON T R A

Soll sich die evangelische Kirche von Luthers Behauptung „Papst = Antichrist“ distanzieren? ÖKUMENE Der katholische Bischof Müller forderte jetzt: „Es ist an der Zeit, dass man sich auf evangelischer Seite ganz offiziell von der Behauptung Luthers distanziert, dass der Papst der Antichrist sei.“

PRO 

In diesem Jahr dürfen wir den Heiligen Vater, Papst Benedikt XVI., zum dritten Mal in seiner deutschen Heimat begrüßen. Dass ein Schwerpunkt der Dialog zwischen katholischer und evangelischer Theologie und Kirche sein wird, ist der besonderen Situation im Land der Reformation geschuldet. Es liegt daher nahe – wenn wir einen ernsten Diskurs führen wollen –, nicht nur oberflächlich Freundlichkeiten auszutauschen, die entscheidenden theologischen und historischen Themen, die den Mangel an der sichtbaren Einheit der Kirche Jesu noch schmerzhaft erfahren lassen, aber auszublenden. Wenn Ökumene sich nach dem Willen und dem Auftrag des Herrn richtet, dann müssen wir darum ringen, d. h. eine grundsätzliche Erneuerung aller Christen in Jesus Christus anstreben. Erst dann wird Ökumene als Dienst an der einen Kirche Jesu Christi wahrgenommen. Wem nützt die Einstellung: „Ihr macht es, wie ihr wollt, und wir bleiben

»Die evangelisch-lutherische Kirche ist dankbar, dass auch Päpste das Evangelium verkünden.«

KONTRA 

Die Bezeichnung des Papstes als „Antichrist“ ist eine polemische Äußerung der Reformationszeit, die schon von Zeitgenossen Luthers, auch von anderen Reformatoren, als unangemessen kritisiert wurde. Vor allem aber ist zu beachten, dass 1984 die erste Bilaterale Arbeitsgruppe der VELKD und der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz erklärt hat: „Die evangelisch-lutherische Kirche kann nur in Dankbarkeit anerkennen, dass auch Päpste das Evangelium verkünden, Inhaber des Amtes, von dem die Reformatoren dies nicht mehr erwartet hatten. Auch Aussagen der Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, die von solcher Überzeugung geprägt sind (der Papst sei der Antichrist), dürfen heute auf das Papsttum in der Fülle seiner geschichtlichen Erscheinungen oder einzelne Inhaber dieses Amtes nicht mehr angewandt werden, sie sollten auch das Verhältnis un-

Prof. Dr. Gerhard Ludwig Müller ist (katholischer) Bischof von Regensburg und Leiter der Ökumene-Kommission der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz.

bei unseren Positionen und können dennoch gemeinsam Eucharistie feiern.“ Es geht um gegensätzliche Interpretationen der Lehre über die Kirche und über die Sakramente und auch um eine historische Bewertung der Gestalt Luthers und einiger seiner Polemiken, die belasten und trennen. Im ökumenischen Dialog geht es eben darum, diese Elemente aufzuarbeiten, wie es in der Wissenschaft und in den bilateralen Gesprächen stattfindet. Deshalb plädiere ich für eine Ökumene, die – in Verantwortung vor der gemeinsamen Überzeugung, dass alles Heil für den Menschen von Christus, dem Sohn Gottes, kommt – das theologisch und historisch Trennende als Beweggrund nimmt für den Weg zur vollen Gemeinschaft in der einen sichtbaren Kirche Christi. Die radikale Christozentrik Luthers, die ebenso die katholische Theologie prägt, kann uns dabei helfen, das Evangelium in eine gott-entfremdete, aber nach ihm suchende Welt hineinzutragen. P

Prof. Dr. Friedrich Weber (Wolfenbüttel) ist Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig und CatholicaBeauftragter der Vereinigten EvangelischLutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

serer Kirchen zueinander nicht präjudizieren“. Kurze Zeit später hat sich die Kirchenleitung der VELKD diese Stellungnahme zu eigen gemacht. In der deutschsprachigen Ausgabe der evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften wird ausdrücklich auf diesen Sachstand verwiesen. Damit ist aus evangelischer Sicht dieses Thema erledigt. Nicht erledigt ist hingegen die Frage nach dem Papstamt im Allgemeinen: Hier haben die evangelischen Kirchen weiterhin Anfragen vor allem an die beiden Dogmen des 1. Vatikanischen Konzils zum universalen Jurisdiktionsprimat und zur Unfehlbarkeit des Papstes. Gott sei Dank sind unsere beiden Kirchen heute in einem so intensiven und vertrauensvollen Dialog, dass wir diese Fragen offen ansprechen und gemeinsam um Antworten ringen können. Der jüngste wichtige Versuch ist das Dokument „Gemeinschaft der Kirchen und Petrusamt“ der Gruppe von Farfa Sabina. P

Fotos: Müller/idea/Bannach; Weber/ELKB

»Wir müssen eine grundsätzliche Erneuerung aller Christen in Jesus Christus anstreben.«

ideaSpektrum 20.2001


IN T ERV IEW

23

Wie kann man eine Gemeinde gut leiten? GEISTLICH LEITEN Wie kann Gemeindearbeit verbessert werden? Wie lassen sich Sitzungen effektiver gestalten? Und welche neuen Ideen sollte die Kirche ausprobieren? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Peter Böhlemann. Der 47-Jährige leitet in Schwerte (bei Dortmund) das Gemeinsame Pastoralkolleg, eine Weiterbildungseinrichtung von vier Landeskirchen: der rheinischen, der westfälischen, der lippischen sowie der Evangelisch-reformierten Kirche. Mit Prof. Michael Herbst, Direktor des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung in Greifswald, schrieb er das jetzt erschienene Buch „Geistlich leiten“. Mit Böhlemann sprach Karsten Huhn. idea: Herr Böhlemann, braucht es einen starken Leiter, damit eine Kirchengemeinde wächst? Peter Böhlemann: Sie braucht vor allem viele Mitarbeiter! Früher hatte man das Ideal, dass eine Gemeinde einen starken Leiter braucht. Das stimmt aber nicht! Wir brauchen ein Leitungsteam. Je mehr Menschen in der Gemeindeleitung mitarbeiten, desto besser – das gilt für landes- wie freikirchliche Gemeinden. Wie kommen Sie gerade auf freikirchliche Gemeinden? In vielen freikirchlichen Gemeinden wird so getan, als gebe es eine geistgeführte Leitung. Tatsächlich wird die Leitung jedoch oft sehr massiv von einzelnen charismatischen Leitungspersönlichkeiten ausgeübt, die sagen, wo es langgeht. Und das geht oft schief! Wie soll eine Gemeinde reagieren, wenn ihr Leiter sagt: „Der Heilige Geist hat mir gesagt …“? Es gibt drei Prüfsteine: 1. Der Leiter muss sich selbst fragen, ob er nur eine persönliche Überzeugung vertritt oder ob er seine Erkenntnis im Gebet von Gott geschenkt bekommen hat. 2. Was sagen die anderen Mitglieder des Leitungsteams zu dieser Erkenntnis? 3. Hat diese Erkenntnis gegenüber der Bibel Bestand?

„Auf jedem Schiff, das dampft und segelt …“ Was ist die wichtigste Empfehlung der Bibel in Sachen Gemeindeleitung? „Wer unter euch der Erste sein will, der sei aller Diener“ (Matthäus 23,11). Zugleich gilt aber auch: „Ich gebe euch die Macht, zu binden und zu lösen“ (Matthäus 18,18). Ein guter Leiter leistet beides: Er ist Diener und er übt zugleich Macht aus. Der scheidende FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle sagte zur Machtausübung: „Auf jedem Schiff, das ideaSpektrum 20.2011

dampft und segelt, ist einer, der die Sache regelt. Und das bin ich.“ Das entspricht der Führungstheorie des 20. Jahrhunderts: jemand, der meint, mit patriarchalischem Selbstverständnis die Führung allein übernehmen zu können. Die Früchte eines solchen Führungsverständnisses erntet Westerwelle gerade. Gute Führung bewegt sich jedoch immer zwischen zwei Polen: der Ausübung und dem Teilen von Macht. Man darf die Verantwortung für die Ausübung von Macht nicht kleinreden, muss aber ständig prüfen, ob es sich wirklich um eine den anderen dienende Machtausübung handelt. Zugleich müssen wir die Verantwortung auf möglichst viele Schultern verteilen. Jesus hat seine Jünger nie allein, sondern immer in Teams losgeschickt. Die Urkirche kennt keine Führung durch den Einzelnen! Ihr Modell setzt voraus, dass Sie eine genügend hohe Zahl an Ehrenamtlichen gewinnen – das fällt vielen Gemeinden schwer. Das glaube ich nicht! Wir haben für unsere Prädikantenkurse (Kurse für Hilfsprediger) lange Wartelisten – es gibt also


IN T ERV IEW

viele, die ehrenamtlich in der Kirche arbeiten wollen. Gute Leiterinnen und Leiter finden schnell Mitarbeitende. Allerdings wird es für die Kirche zunehmend schwerer, Leitungsämter zu besetzen. In Zeiten von Stellenstreichungen, Fusionen und Sparauflagen macht es eben wenig Freude zu leiten.

Worunter viele Pfarrer leiden … Viele Pfarrer urteilen negativ über ihre Kirchenleitung. Sie kritisieren vor allem die mangelnde Kommunikation – ist das auch Ihre Beobachtung? Eine aktuelle Studie in der zukünftigen Nordkirche kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Viele Pfarrer leiden unter mangelnder Teamarbeit, zu wenig Kommunikation mit der Führungsetage und zunehmender Arbeitsverdichtung. Die Kirchen fangen gerade erst an, regelmäßige Mitarbeitendengespräche zu führen und Unterstützungssysteme auszubauen. Hinzu kommt, dass Pfarrerinnen und Pfarrer zunehmend Verwaltungsaufgaben wahrnehmen müssen und zu wenig Zeit für Theologie und Spiritualität haben. Was empfehlen Sie Pfarrern, um Zeit freizuschaufeln? Ganz klar: Prioritäten setzen! Pfarrer müssen nicht nur lernen, zu bestimmten Aufgaben „Nein“ zu sagen, sondern vor allem zu dem, was ihnen wichtig ist, „Ja“ zu sagen. Nur: Was ist wirklich wichtig? 1. Eine lebendige eigene Frömmigkeit und ein gutes Familienleben. 2. Das Verfolgen der Vision, die man für die Gemeinde hat, beispielsweise in einem Neubaugebiet Menschen ohne kirchliche Bindung zu erreichen. Zudem müssen Pfarrer um die Grenze ihres Berufes wissen: Es gibt immer noch mehr, was man Gutes tun könnte, aber nicht schafft. Das zu wissen und auszuhalten, gehört zu den Kernkompetenzen eines Pfarrers. Man darf nicht darunter leiden, dass man nicht jedem helfen kann, der vielleicht Hilfe bräuchte.

Eine wachsende Verliebtheit in den Talar

spiel für das gemeinsame Essen. Ein zweiter bereitet den geistlichen Austausch über die Bibel vor – also möglichst nicht nur das Verlesen der Tageslosung und ein kurzes Gebet. Ein dritter bereitet die Tagesordnung vor – dazu gehören zum Beispiel eine Zeitleiste und Beschlussvorschläge für die anstehenden Entscheidungen. Das alles gehört für mich zum „geistlichen Leiten“.

„Tod durch Sitzungen“ in Gemeinden und Kirchen In Ihrem Buch beklagen Sie den „Tod durch Sitzungen“ – also durch unnötige, überlange Beratungen. Oh ja, damit habe ich leidvolle Erfahrungen gemacht! Ich würde mir wünschen, nur in Ausschüssen sitzen zu müssen, in denen ich wirklich gebraucht werde. Es besteht die Gefahr, dass wir aus einer gehenden Kirche, die unterwegs zu anderen Menschen ist, zu einer sitzenden Kirche werden, die sich in Gremienarbeit und Sitzungen erschöpft. Bevor man eine Sitzung einberuft, sollte man sich immer fragen: „Ist diese Sitzung wirklich nötig?“ In kirchlichen Leitungsgremien beobachten Sie eine „gewisse Gebetsarmut“: „Entweder beten nur die ‚Profis’, also Pfarrerinnen und Prediger, oder es werden ausschließlich vorformulierte liturgische Gebete abgelesen, oder das gemeinsame Gebet reduziert sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, nämlich Vaterunser und Segen.“ Wobei sich das in den letzten zehn Jahren eher zum Positiven verändert. In den 80er Jahren diskutierten Pfarrer darüber, ob man eine Weiterbildung mit einem Gottesdienst beenden muss. Heute feiern wir bei Weiterbildungen dreimal täglich liturgische Andachten. Wir merken zunehmend, dass Pfarrerinnen und Pfarrer beten wollen. Das Beten ist nicht mehr allein eine Sache der besonders Frommen. Allerdings liegt das persönliche, freie Gebet nicht jedem. Im Theologiestudium lernt man das Beten jedenfalls nicht.

In dem von Michael Herbst und Ihnen herausgegebenen Buch „Geistlich leiten“ heißt es: „Merkwürdigerweise breitet sich nach unserer Beobachtung eine gewisse Verliebtheit in den Talar und ein damit einhergehendes pfarrherrliches Selbstbewusstsein gerade unter jüngeren Pfarrern zurzeit wie ein Virus aus.“ In der Tat eifern manche jüngere Kollegen einem Pfarrbild nach, das eigentlich ins ausgehende 19. Jahrhundert gehört – dem Pfarrer, der alles in der Hand hält, alles entscheidet. Ich vermute, das hängt damit zusammen, dass heute viele Theologiestudenten nur mit wenig Berührungspunkten zur Kirche aufgewachsen sind. Da kann es dazu kommen, dass ein verzerrtes Bild vom Pfarrberuf entsteht.

Wie professionell leiten Bischöfe?

Wie sieht gute Zusammenarbeit in der Leitung praktisch aus? Gute geistliche Leitung verteilt zum Beispiel bei Sitzungen die Leitungsaufgaben den Kompetenzen entsprechend: Einer ist für den äußeren Rahmen zuständig – also zum Bei-

Sorgen bereitet Ihnen die Praxis der Visitation der Gemeinden, also des regelmäßigen Besuches durch ein Mitglied der Kirchenleitung oder durch einen Superintendenten, um zu sehen, ob alles vor Ort gut läuft. Diese Bestandsaufnahme mache „al-

Wie professionell leiten die Bischöfe die Kirchen? Die Kirchenverfassungen sehen die Leitung durch ein Team vor. Die öffentliche Wahrnehmung reduziert sich allerdings oft auf eine einzelne Person wie den EKD-Ratsvorsitzenden oder den jeweiligen Landesbischof. Bei der Ausübung von Leitung wünschte ich mir manchmal, dass die Kirchenmitglieder bei Entscheidungen stärker einbezogen werden. Eine theologisch versierte, zukunftsweisende Entscheidung nutzt wenig, wenn die Mehrheit das Gefühl hat, nicht mitreden zu dürfen.

Wenn kontrolliert wird: Visitationen

Karikatur (S.15): Waldemar Mandzel; Foto (S.17): privat

24

ideaSpektrum 20.2011


IN T ERV IEW

len Beteiligten viel Mühe und erscheint zuweilen eher als bürokratischer Kraftakt denn als geschwisterliche Gemeinschaft“. Dabei ist die Visitation eines der schönsten geistlichen Leitungsinstrumente, die die Kirche hat! Wir brauchen die professionelle Außensicht und das gegenseitige Besuchen und Wahrnehmen. Normale Gottesdienstbesucher sagen „Das hat mir gefallen“, ein Experte wird dagegen ins Detail gehen und zum Beispiel darauf hinweisen, wo ein Pfarrer überzeugend wirkt oder auch zu lange Sätze verwendet oder in seiner Körperhaltung unsicher wirkt. Dabei darf nur nicht der Eindruck entstehen, dass man nur kommt, um zu messen, ob ein Pfarrer gut oder schlecht ist. Leider haben Visitatoren oft einen so dichten Terminkalender, dass es für alle Beteiligten nur Stress ist. Am Ende wird ein Stapel Papier produziert, der die Betroffenen mehr verärgert als erfreut. Wie würden Sie eine Visitation vornehmen? Entscheidend ist, Fragen zu stellen und die Situation vor Ort kennenzulernen. Diesen Prozess bezeichnen wir als „wertschätzende Erkundung“. Man verändert Menschen nicht dadurch, dass man sie kritisiert, sondern man muss ihre Stärken stärken. Der Schwerpunkt sollte daher auf der Frage liegen: Was läuft hier gut? Es geht darum, die Schätze der Gemeinde zu heben, nicht Fehler zu finden. Wenn ich also mit einer positiven Absicht komme, dann kann ich auch Missstände ansprechen, die einer guten Gemeindeentwicklung entgegenstehen.

Was ist eigentlich mit den Reformen? 2006 stellte die EKD das Reformpapier „Kirche der Freiheit“ vor, u. a. mit dem Ziel, die Zahl der Gottesdienstbesucher von 3,9% auf 10% der Mitgliedschaft im Jahr 2030 zu erhöhen. Inzwischen hat man das Gefühl, dass die Reformbereitschaft wieder erlahmt. Die Veränderungsbereitschaft der Kirche besteht weiterhin. Allerdings erleben wir inzwischen einen gewissen

25

Zur Person: Peter Böhlemann ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er studierte in Marburg und Bielefeld, promovierte in Bethel über die Theologie des Lukas und war mehrere Jahre als Gemeindepfarrer in Deuz (bei Siegen) tätig.

Peter Böhlemann, Michael Herbst

Geistlich leiten

Ein Handbuch, 239 Seiten Verlag Vandenhoeck & Ruprecht ISBN 978-3-525-57014-2 EUR 24,95 / SFr 37.90

Stillstand, weil die Kirchensteuereinnahmen wieder etwas stärker fließen, als während der Wirtschaftskrise erwartet wurde. Wenn die Einnahmen stärker zurückgehen würden, gäbe es auch schneller Reformen. Welche Veränderungen wünschen Sie sich? Wir müssen zum Beispiel neben den traditionellen Angeboten neue Formen finden, die den Menschen des 21. Jahrhunderts entsprechen. Wir haben in der Kirche zwar eine in der Regel gut funktionierende Bürokratie, aber keine Veränderungsabteilung, die sich mit Innovation beschäftigt und neue Ideen ausprobiert. Ich würde mir zum Beispiel wünschen, dass wir 20 % unserer Finanzen für innovative Projekte einsetzen, etwa für Gemeindegründungen. Die Kirche braucht Gemeindegründer und Evangelisten! Eine Innovationsabteilung in jedem Landeskirchenamt – das würde ich mir von den Kirchenleitungen wünschen. Vielen Dank für das Gespräch!

P Anzeige

ideaSpektrum 20.2011


26

T H E OLO GI E

Ohne Gott läuft gar nichts GLAUBE Matthias Matussek (57) ist einer der bekanntesten Journalisten. Für den „Spiegel“ arbeitete er in New York, Berlin, Rio de Janeiro und London. Von 2005 bis 2008 leitete er in Hamburg das Kultur-Ressort. Sein Videoblog ist legendär. Aus dem neuen Buch des Spiegel-Redakteurs – „Das katholische Abenteuer. Eine Provokation“ – druckt idea Auszüge.

Löffelverbiegen ja, Jungfrauengeburt nein Man muss nur einen Blick auf die Fankurve der Atheisten werfen, die sich den Glaubenstrotteln und Gottessuchern so unendlich überlegen fühlen. Er fällt ernüchternd aus. Denn was tun all die Dschungelcamp-Bewohner mit ihrer stolzen Vernunftfreiheit, nachdem sie endlich die „Bevormundung der Religion“ abgeschüttelt haben, was tun sie so mit dem Rest ihrer Zeit? Erfreuen sich ihrer stolzen Glaubenslosigkeit? Nicht die Bohne. Sie stecken den Daumen in den Mund und staunen über die neuesten Stars und

»Die bequemere der christlichen Konfessionen ist derzeit eindeutig die protestantische. Ihre Bekenntnisse tropfen ins gesellschaftliche Gewebe in homöopathischen und jederzeit gut verträglichen Verdünnungen. Sie ist fortschrittlicher Mainstream und ihre Lebenshaltung gutbürgerlich. Ihre Pastoren laufen mit der Zeit, sie heiraten und lassen sich scheiden, sie fahren ab und zu betrunken Auto, nichts, was irgendeinen groß aufregen würde, im Gegenteil, sie werden geliebt dafür, dass sie sind wie alle.«

»Ich glaube, dass die Kirchenkrise in Wahrheit eine Glaubens-

krise, eine Gotteskrise ist. Christi Himmelfahrt ist bei uns der freie Tag, an dem sich Väter am Baggersee besaufen. Doch gerade deshalb sollte Kirche erkennbare Gegenwelt bleiben mit zölibatären Priestern und Heiligenlitanei und dem Mut, der Moderne ein Ärgernis zu sein.«

Sternchen und Torschützenkönige und Kinoprinzessinnen der Herzen. Jeden Monat liefert uns die Star-Industrie neue Götzen, neue Idole, neue Himmelswesen, die wir anbeten in Gedanken, Worten und Werken, so weit der Illustriertenteppich reicht. Ja, unsere Tage sind markiert durch ein steigendes Anbetungsbedürfnis, und tatsächlich ist unsere Medienwelt bevölkerter als ein indischer Tempelfries. Wir glauben, wir beten an, wahlweise das Geld, den Erfolg oder Lady Gaga. Offenbar gibt es in der Zeit nach aller Religiosität immer noch ein triviales Glaubensbedürfnis, das gewissermaßen leer weiterarbeitet und ständig für billigen Nachschub sorgt. Ohne Glauben geht es offenbar nicht, und wenn es der an die Magie von Kristallen ist. Mir persönlich war immer schleierhaft, warum unsere Zeitgenossen so große Probleme damit haben, an die Jungfrauengeburt zu glauben, aber überhaupt keines damit, dass jemand behauptet, durch Geisteskraft Löffel zu verbiegen. Glauben ist eine anthropologische Konstante.

Wenn man sich für einen Apfel hält Ohne Glauben läuft nichts, schon gar nicht im Alltag. Zunächst mal glaube ich, dass es mich gibt. Dass es überhaupt ein „Ich“ gibt. Es gibt keine Beweise dafür. Jüngere neurologische Erkenntnisse belehren mich darüber, dass das, was ich „Ich“ nenne, nur ein zufälliger neuronaler Zustand ist, eine labile Mischung aus Prägungen und Gewohnheiten und molekularen Dispositionen. Das beweisen auch die wunderbaren Fallgeschichten des Neurologen und Schriftstellers Oliver Sacks, der von hirngeschädigten Patienten berichtet, die sich für einen Apfel hielten und ihre Ehefrauen mit einem Hut verwechselten. Unsere Welt ist voll von Tücken und optischen Tricks und philosophischen Hypothesen und lebensgeschichtlichen Halluzinationen.

Ohne kindliches Urvertrauen geht es nicht Ständig ist unser Gehirn damit beschäftigt, das, was wir sehen, zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzufügen und Fehlstellen zu ergänzen. Wir konstruieren. Wir vertrauen. Wir glauben. Ohne Glauben geht es nicht. Nun aber weiter. Ein Kind glaubt, dass es von seinen Eltern geliebt wird. Man nennt so etwas Urvertrauen. Fehlt dieses Urvertrauen, wird unser Sprössling später womöglich auf der Couch eines Analytikers liegen – wenn er es bis dahin ge-

Foto: Markus Pletz

Ich habe überhaupt kein Verständnis für Leute, die an gar nichts glauben. Nicht dass ich sie nicht tolerieren würde. Viele finde ich sogar nett. Einige liebe ich geradezu. Ich verstehe sie nur nicht. Denn meiner Ansicht nach spricht alles für den Glauben. Zu den Tollheiten unserer Tage gehört für mich die Anstrengung von Intellektuellen zur Selbstentzauberung. Viele Kollegen sind darunter, auch in der „Spiegel“-Redaktion. Die scharfsinnigsten Geister halten es für erstrebenswert, unsere und ihre eigene geistige Existenz auf das Spiel von Proteinen und Enzymketten und Genen herunterzurechnen. Garantiert glaubensfrei. Tatsächlich entsteht dabei ein geradezu rührendes Mischlicht aus Anmaßung und Bescheidenheit nach der Maßgabe: „Ich bin nichts als schiere Materie, nichts als purer Stoffwechsel, aber ist es nicht genial, wie spritzig ich das bewiesen habe?“

ideaSpektrum 20.2011


T H E OLO GI E

schafft hat und nicht vorher Amok gelaufen ist oder einen Weltkrieg angefangen hat. Mit diesem Urvertrauen kommen wir dem religiösen Glaubenserlebnis schon sehr nahe, nur daraus resultiert die Kühnheit, dass wir Christen den Schöpfergott mit „Vater“ anreden.

Wie die Welt ohne Christus aussähe Von Heinrich Böll stammen die Worte: „Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: Krüppel und Kranke, Alte und Schwache; und mehr noch als Raum gab es für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen.“ Und dann, um seinen Worten Nachdringlichkeit zu verleihen: „Ich empfehle es der Nachdenklichkeit und Vorstellungskraft der Zeitgenossen, sich eine Welt vorzustellen, auf der es Christus nicht gegeben hätte.“ Das war 1957. Mittlerweile, lieber Heinrich Böll, haben die Zeitgenossen erhebliche Fortschritte darin gemacht, sich eine Welt ohne Christus vorzustellen, mehr noch, sich darin einzurichten.

Schöpfergott ist die Hauptfigur einer großen Menschheitserzählung. Die meisten von uns – nach der jüngsten Bertelsmann-Religionsstudie rund 70 % der Bevölkerung – glauben an einen Schöpfer, der Himmel und Erde gemacht hat. Wir sind aufgewachsen mit dem Glauben, dass es einen himmlischen Vater gibt, der uns liebt und trägt. Dieser Kinderglaube überdauert nicht immer. Doch selbst diejenigen, die aus dem Glauben gefallen sind, lesen ihren Kindern Teile dieser großen Erzählung aus der Kinderbibel vor. Wir lesen uns die Geschichten vor, weil wir ahnen, dass eine Gesellschaft ohne christlichen Glauben, ohne Ehrfurcht vor dem Höchsten und dem Mitmenschen und dem Wunder der Schöpfung, dehumanisiert. Ohne Glauben geht es nicht. P

Das Wunder der Schöpfung Ich bin mit der Vorstellung von einem Schöpfergott groß geworden, der alles lenkt und leitet und richtet. Dieser

l

27

Matthias Matussek: Das katholische Abenteuer Eine Provokation. Ein SPIEGEL-Buch 368 Seiten, mit Abbildungen Verlag: DVA Sachbuch ISBN: 978-3-421-04514-0 EUR 19,99 / SFr 30.90

idea Fernseh- und Hörfunk-Tipps

21. Mai – 27. Mai

FE R NSE H E N Sonnabend, 21. Mai

Sonntag, 22. Mai

Montag, 23. Mai

Dienstag, 24. Mai

Donnerstag, 26. Mai

ERF 1 15.30–16.00 Wert(h)e Gäste mit Dr. Michael Diener, Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes

10.00–10.45 Evangelisch-reformierter Gottesdienst aus Baden mit Pfarrerin Dietlind Mus

21.15–21.45 Kongress christlicher Führungskräfte Nürnberg 2011: Was zeichnet christliche Führungskräfte aus und wie soll man mit Erfolg und Niederlagen umgehen? Eine Frage, der die Pfarrerin und Autorin Astrid Eichler nachgeht.

ERF 1 18.00–18.30 C. S. Lewis: Leben und Glauben (Teil 2: 27. 5., 15.30)

16.30–17.00 Größer als meine Träume. Gespräch mit LYDIA-Herausgeberin Elisabeth Mittelstädt

20.15–20.00 Themenabend Somalia: Illegale Giftmüllentsorgung aus der „1. Welt“, die krank macht; Mogadischu, Hauptstadt in Trümmern.

20.15–21.15 Nahtod-Erfahrungen – Himmlische Vision oder realer Blick durchs Schlüsselloch in die Ewigkeit? Dokumentation

17.15–12.45 Aus Vernunft wurde Liebe – wie die Bibel eine Ehe komplett veränderte

ERF 1 10.30–12.00 Laudate omnes gentes, danach Gottesdienst aus der ev. Martinskirche Öschingen

HÖRFUNK Sonntag, 22. Mai

Dienstag, 24. Mai

8.30–9.00 Die Vertrauens- und Wertekrise als Chance und Herausforderung

10.00–11.00 Gottesdienst aus der Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit Görlitz, Superintendent Dr. Koppehl

9.45–10.00 Evangelisch-reformierte Predigt von Theologe Ralph Kunz aus Zürich

10.00–11.00 Gottesdienst aus der Heilandskirche Hamburg mit Pastor Michael Ellendorff

12.05–13.00 Gutenbergs Welt: Gretchenfrage, u. a. mit Matthias Matussek über sein neues Buch (s. S. 20) 22.35–23.05 Geistliche Suchbewegungen: Der Liedermacher Bob Dylan und die Religion

10.10–11.00 Journal am Vormittag: Sprechstunde zur seelischen Gesundheit 21.30–22.00 … da wird auch dein Herz sein. Zum Motto des Kirchentags in Dresden: Ramona Eibach fragt nach.

Donnerstag, 26. Mai Kultur 19.30–20.00 Jugendsexualität zwischen der Sehnsucht nach Familie und Pornografie 20.00–21.00 Bilanz: Ein Schriftsetzer wird Verleger. Horst Marquardt interviewt Karlheinz Kern

Wer reagieren möchte, kann dies unter folgenden Rufnummern tun: ARD: 089/5900-3344 | Bibel.TV: 040/4450660 | Das Vierte: 0180/5843783 Deutschlandfunk und Deutschlandradio: 0221/345-1831 | DRS 2: (0)848/808080 | ERF: 06441/957-0 | HR (TV): 069/1555111 | Kabel 1: 0180/5011150 KiKa: 0180/2151514 | Luth. Stunde: 04264/2436 | MDR: 0341/300-5401 | NDR: 0511/988-2393 | Phoenix: 0180/28213 | RBB: 030/97993-2171 SF 2: (0)62/2059050 | SR 2: (0)681/6022222 | SWR: 07221/929-0 | WDR (Radio): 0221/5678-333 | WDR (TV): 0221/5678888 | ZDF: 06131/7012164

ideaSpektrum 20.2011


28

BI BL I SC H E S N E U E R Z Ä H LT

„Ich sage dir, steh auf!“ UM-DENKEN Für Jesus ist immer das menschliche Leid von zentraler Bedeutung. Der Bestsellerautor Titus Müller hat für idea eine besonders anrührende Geschichte nacherzählt: wie Jesus eine Beerdigung mächtig durcheinanderbrachte.

Thaddäus verlangsamte seine Schritte. Er ließ die anderen vorgehen und mit Jesus debattieren, ihm war heute nicht danach. Seit Stunden liefen sie an abgeernteten Stoppelfeldern vorüber, das stimmte ihn melancholisch. Jetzt leuchteten auch noch weißgewaschene steinerne Grabtüren in den Hügelhängen. Der Anblick der verschlossenen Grabhöhlen senkte die Schwermut tief in sein Herz. Was nützte es, so viel von Jesus zu lernen? Auch auf sie wartete der Tod. Wie das Wasser unaufhörlich den Jordan hinabfloss, zerrann ihre Lebenszeit.

Die Sadduzäer hatten recht: Wer starb, war endgültig tot Die Sadduzäer hatten recht, man musste nüchtern sein, es gab keine Auferstehung. Das waren Märchen. Wer starb, war endgültig fort. Der Tod währte ewig. Jesus drehte sich um und sah nach ihm. Der fragende Blick des Meisters rührte ihn an. Wie es Jesus immer gelang, die Stimmungen anderer zu erspüren! Der Meister lächelte aufmunternd und wandte sich dann wieder dem Gespräch mit den anderen zu. Seltsam, dass hier keiner mit einem Ochsengespann über den Acker fuhr, um die Stoppeln unterzupflügen. Auch die Weinberge waren menschenleer. Feierte man eine große Hochzeit in Nain? Warum arbeiteten die Menschen nicht? Eine neue Ortschaft zu betreten, war jedes Mal spannungsreich. Wie würde man sie hier empfangen? Nicht weit entfernt, in Nazareth, hatte die Bevölkerung versucht, Jesus umzubringen. Das war gewesen, bevor er Schüler gehabt hatte, die Geschichte kannte jeder. Was, wenn es wieder zu einem solchen Aufruhr kam? Petrus besaß ein Schwert, die beiden Donnersöhne feste Wanderstecken. Aber zu dritt würden sie den Meister wohl kaum verteidigen können.

Falls es schwierig werden würde, flohen sie am besten zur großen Überlandstraße von Ägypten nach Damaskus, die nördlich hinter Nain durch die Ebene führte. Philippus zeigte fröhlich auf die Gärten am Ortsrand. „Granatäpfel“, rief er, „und Feigen!“ Thaddäus stutzte. War das Trauergesang? Tatsächlich: Wo die Dorfstraße das dichte Gedränge der Häuser verließ, zog eine Trauergemeinschaft hinaus, ihnen entgegen. Die Flötenklänge und das Schreien und Weinen der angeheuerten Klageweiber zerrten an seiner Brust. Immer näher kam der Trauerzug. Die Frauen gingen vorneweg, hinter ihnen folgten die Männer. Vier Männer spielten auf ihren Flöten ein schwermütiges Lied. Der Tote, den seine Freunde und Verwandten auf einer Bahre trugen, war noch jung, er war in Thaddäus’ Alter. Neben der Bahre lief eine Frau, die Mutter wohl. Sie sah unablässig hinauf und hatte die Hand an den Arm des Toten gelegt, als wollte sie ihn nicht loslassen.

Die Mutter war anders: Sie schrie nicht Sie schrie nicht, wie es sich gehörte, sie zerriss nicht ihr Gewand und warf sich keinen Sand in die Haare. In keiner Weise erfüllte sie die gesellschaftlichen Erwartungen. Selbst wenn sie den Verstorbenen nicht vermisste, selbst wenn sie keine Trauer verspürte – lautes Schreien und Weinen waren das Mindeste, das sie ihm schuldete. Und sie trauerte doch! Das sah man deutlich, ihr liefen die Tränen über das Gesicht, während sie blass und stumm neben der Bahre herging. So werde ich auch einmal getragen, dachte Thaddäus. Wer weiß, wie viel Zeit mir bis dahin bleibt? Hände und Füße des Toten waren mit Leinentüchern umwickelt, und das Leichenhemd reichte ihm bis zu den Knien. Er sah abgehärmt aus, sicher war er an einer Krankheit gestorben. Er duftete kräftig nach Nardenöl. Die Mutter hatte keine Kosten gescheut, wenn sie schon nicht laut schrie, immerhin hatte sie den Toten mit teurem Öl bestrichen. Judas und Andreas machten Platz, auch die anderen traten beiseite, um die Prozession vorüberzulassen. Bis auf Jesus. Unverschämt blieb er auf dem Weg stehen. Die Träger sahen ihn verwirrt an, sie blieben stehen. Jesus trat auf die trauernde Frau zu. Er wollte sie doch nicht etwa ansprechen? „Weine nicht“, sagte Jesus. Die Flötenmusik verstummte. Einer der Männer, die den Toten trugen, rügte ihn: „Wie kannst du so etwas zu ihr sagen!“ Ein anderer ergänzte: „Sie ist Witwe, er war ihr einziger Sohn. Da soll sie nicht trauern?“

Foto: privat

Und es begab sich danach, dass er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge. Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr. Und als sie der Herr sah, jammerte sie ihn und er sprach zu ihr: Weine nicht! Und er trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter. Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein Volk besucht. Und diese Kunde von ihm erscholl in ganz Judäa und im ganzen umliegenden Land. (Lukas 7,11–17)

ideaSpektrum 21.2011


BI BL I SC H E S N E U E R Z Ä H LT

29

„Die Auferweckung zu Nain“: So stellte sie sich der französisch-englische Maler James Jacques Tissot (1836–1902) vor.

Jesus achtete gar nicht darauf. Er sah der Frau ins tränennasse Gesicht, voller Mitleid, und wiederholte: „Weine nicht.“ Er berührte ihren Arm. Thaddäus hielt die Luft an. Was wagte Jesus! Diese Frau hatte niemanden mehr. Frauen erbten weder vom Vater noch vom Ehemann. Mit dem Tod ihres Sohnes war sie wirtschaftlich am Ende. Wer sollte sie versorgen? Selbst wenn sie zu Hause Wolle gesponnen und sich mit dem Nebenverdienst etwas angespart hatte, viel würde das nicht sein. Die Frau seufzte. „Das haben sie mir monatelang gesagt, weine nicht, hab doch Gottvertrauen. Bitte ihn und glaube fest, dann wird er deinen Sohn gesund machen. Das habe ich getan, Tag und Nacht, und Gott hat ihn doch nicht verschont.“

Foto: akg-images

Jesus sagte nichts Jesus sagte nichts. Er nickte nur. „Mein einziger Sohn! Mein Ein und Alles! Und du sagst zu mir, ich soll nicht weinen? Ich hab ihn zu den Ärzten gebracht, und als er zu schwach war, habe ich die Ärzte angefleht, zu ihm zu kommen. Sie haben mich arm gemacht, aber meinen Sohn konnten sie nicht retten. Ich habe heilendes Wasser von Dekarim gekauft. Ich habe ihn zum Baden in die warmen Quellen gebracht. Ich habe auf ein Stück Papyrus schreiben lassen: ‚Ich werde dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe, denn ich bin der Herr, der dich heilt‘, und habe die Schrift an seine Stirn gedrückt, obwohl man es mir verboten hatte, weil es Aberglauben ist. Nichts hat geholfen!“ Sie hätten eher nach Nain kommen müssen. Jesus hatte bereits etliche Kranke gesund gemacht, vielleicht hätte er auch diesem jungen Mann helfen können. Nun war es zu spät.

ideaSpektrum 21.2011

Jesus sah zum Toten und sagte: „Setzt ihn ab!“ Die Träger zuckten zusammen. Aber es lag so viel Autorität in seiner Stimme, dass sie gehorchten. Sie setzten die Trage auf dem Boden ab. Was tat Jesus da? In der ganzen Gegend würde sich herumsprechen, wie er die Beerdigung gestört hatte. „Steh auf!“, sagte Jesus. Stille. Entsetzt sahen sie ihn an, die Träger, die Witwe, die Klageweiber, die Männer mit den Flöten. Auch die Jünger erbleichten. Da schlug der Tote die Augen auf. Er nahm einen tiefen Atemzug. Seine Wangen bekamen Farbe, und er setzte sich auf. „Mutter“, sagte er und wickelte sich die Leinentücher von den Händen und Füßen, „es geht mir besser!“ Er erhob sich und umarmte sie.

Die Trauernden waren entgeistert Die Mitglieder der Trauergesellschaft starrten entgeistert auf die leere Trage und den lebendigen jungen Mann. Thaddäus konnte nicht fassen, was er eben gesehen hatte. Der Mann war doch tot gewesen! Jesus drehte sich zu ihm um, als habe er seine Gedanken gelesen. Er sagte nichts, sah ihn nur an. Seine Augen strahlten Lebendigkeit aus und Freude über das, was er gerade getan hatte. Eine solche Euphorie lag darin, dass Thaddäus den Eindruck bekam, Jesus würde am liebsten zu den umliegenden Grabhöhlen gehen und auch dorthin das Leben bringen. Ich muss umdenken, dachte Thaddäus, völlig umdenken. Er lächelte. P


net F O R UM F Ü R JUN G E C H R I S T EN

Gott begegnen GEISTLICHES LEBEN Unser Glaube lebt von der Beziehung zu Gott. Doch im Alltag fehlt uns häufig die Motivation, uns Zeit für Gott zu nehmen. Da kann es helfen, einfach mal aus dem gewohnten Trott herauszutreten und Neues auszuprobieren. Denn so vielfältig die Menschen sind, so vielfältig sind auch ihre Wege, Gott zu begegnen. Die Theologiestudentin Nikita Goseberg (22, Essen) hat Ideen dazu gesammelt:

Menschen, die gerne mit Worten umgehen, lassen sich manchmal eher dafür begeistern, Gedanken oder Gebete aufzuschreiben (vielleicht sogar in Gedichtform), statt ausschließlich mit Gott zu reden. Andere sind künstlerisch begabt und begegnen Gott, indem sie z. B. Bilder malen oder mit Ton arbeiten. Das kann auch helfen, zur Ruhe zu kommen und den Alltag hinter sich zu lassen.

2. Liturgisch Insbesondere in den meisten Freikirchen ist viel an liturgischen Handlungen verloren gegangen. Dennoch gibt es auch dort Mitglieder, die ihren Zugang zu Gott über Symbole, Gesten und Rituale finden. Eine Möglichkeit ist es,

eine kleine Nische im eigenen Zimmer einzurichten, in der sich lediglich eine Kerze, eine Bibel und ein Stein befinden. Zu Beginn seiner Zeit mit Gott kann man sich dort hinknien, sich vielleicht bekreuzigen und ein Teelicht anzünden. So etwas kann unserem Inneren helfen, zur Ruhe zu kommen.

3. Gemeinschaftlich Andere finden ihren Zugang zu Gott eher in der Gemeinschaft. Dann ist es vielleicht d dran, sich regelmäßig mit Menschen zu ttreffen, mit denen man gemeinsam die Bibel lesen, sich über Gottes Wirken austaub sschen und beten kann. Und auch hier kann man neue Formen ausprobieren. Vielleicht m nehmt Ihr mal einen aus der Gruppe in die n Mitte, legt ihm die Hände auf und segnet M iihn. Oder Ihr sucht Euch einen Text aus d der Bibel, jeder von Euch übernimmt eine RRolle (der Optimist, der Kritiker, der Emottionale, der Historiker, der Visionär …) u und verteidigt die Meinung der entsprecchenden Rolle zu diesem Bibeltext. Es ist eerstaunlich, wie unterschiedlich so ein TText wahrgenommen werden kann.

4. Natürlich 4 W Wieder andere begegnen Gott besonders gerne in der Natur. Dort, wo alles irgendg wie ursprünglich oder unberührt wirkt. w LLass Dich von Gott einladen, Dich mit Deiner Bibel oder einem Gebetstagebuch D iin den Wald, auf ein Feld oder an einen B Bach zu setzen.

5. Hörend Ob in der Natur, zu Hause, in der Kirche oder auf dem Balkon: Eine Möglichkeit, Gott zu begegnen, ist es, einfach mal nichts zu tun. Statt sich krampfhaft abzumühen, noch ein Kapitel der Bibel zu lesen oder die richtigen Worte fürs Gebet zu finden, ist es manchmal an der Zeit, nur zuzuhören, was Gott sagen könnte. Denn unsere Beziehung zu Gott wäre keine Beziehung, wenn nur wir reden würden. Weil wir es nicht gewohnt sind, Stille auszuhalten, fällt das vielen schwer. Es ist eine Herausforderung, die sich lohnt. Denn wenn Gott spricht, dann verändert das unser Leben.

6. Fürbittend Wem sein Dorf oder seine Stadt auf dem Herzen liegt, der kann es mit einem Gebetsspaziergang versuchen. Einfach durch die Straßen gehen und für die Menschen in den Häusern oder für die städtischen und kirchlichen Einrichtungen beten. Für das Dorf oder die Stadt lässt sich besonders gut von der höchsten Stelle des Ortes oder von einem Aussichtsturm aus beten. Oder man fährt mit dem Bus oder der S-Bahn durch die Stadt und betet für die Orte, an denen man vorbeikommt. Das sind nur einige ausgewählte Ideen aus einem riesigen Repertoire an Möglichkeiten, das wir haben, um Gott zu begegnen. Das Wichtigste ist, dass wir es tun! P

Fotos: Mädchen/dpa, Töpfer/imago

1. Kreativ

ideaSpektrum 20.2011


DI E K LE I N E K A NZ E L

» Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm. «

31

Hans Stiegler ist Dekan der EvangelischLutherischen Kirche in Bayern im Dekanatsbezirk Ansbach und Pfarrer an der Ansbacher St.-Johannis-Kirche sowie Mitglied der bayerischen Landessynode.

Psalm 98,1 zum Sonntag „Kantate“ (22. Mai)

Singet dem Herrn ein neues Lied! Was ist ein neues Lied? Das Lied der jungen Menschen? Sind das die Lieder aus der „Feiert Jesus“Reihe – im Gegensatz zu jenen aus dem Gesangbuch? Was meint der Psalmist mit „neuem Lied“: die Melodie, den Text, das Arrangement? Der Psalmbeter geht tiefer. Ihm geht es nicht um die musikalisch-künstlerische Qualität. Er fragt nach der Einstellung, nach dem Bewusstsein, wie und wem wir Menschen unsere Lieder singen. Die Beziehung zu Gott stellt er in den Mittelpunkt seiner Gedanken, unser ganzes Leben mit seinen Höhen und Tiefen. Wir alle kennen die Situationen im Leben, in denen uns das Singen zum Lob Gottes leichtfällt: wenn alles im Leben gut läuft und gelingt, wenn sich Hoffnungen und Erwartungen erfüllen. Wichtig ist in diesen Zeiten, dass wir das Danken nicht vergessen! Mir fällt auf, dass unsere Mentalität schnell dazu neigt, zuerst die Defizite zu sehen: Wenn die Hälfte aus einem Glas getrunken ist, heißt es: „Jetzt ist es schon halb leer“ – obwohl doch noch die Hälfte

drin ist! Wir klagen sehr rasch über das, was uns fehlt. Wir müssen nicht lange überlegen, was wir alles gern noch hätten: den Jackpot im Lotto oder zumindest ein neues Auto, und natürlich immerwährende Gesundheit. Dabei übersehen wir allzu leicht, wie gut es den meisten von uns geht.

Wofür ich alles dankbar sein kann Es ist heilsam, sich in einer ruhigen Stunde einmal zu vergegenwärtigen, wofür ich dankbar sein kann: für meinen Ehepartner, meine Kinder, die Familie, das tägliche Auskommen, Haus oder Wohnung, die medizinische Versorgung. Und nicht vergessen: auch für das Leben in der Kirchengemeinde und in einem Land, in dem man ohne Angst seinen Glauben praktizieren kann! Sicher kann man anmerken, das sei doch alles nichts Besonderes. Aber gerade im sogenannten „Normalen“ liegen genügend Gründe zur Dankbarkeit: um dem Herrn wieder einmal ein neues Lied – des Dankes – zu singen! P

Ja, auch ich abonniere Impuls-Abo 12 Ausgaben für nur Fr. 25.– Jahres-Abo für Fr. 2.96 pro Ausgabe oder Fr. 145.– pro Jahr Halbjahres-Abo für Fr. 3.01 pro Ausgabe oder Fr. 77.– pro Jahr Geschenk-Abo für Fr. 2.96 pro Ausgabe oder Fr. 145.– pro Jahr Abo 66 für Rentner nur Fr. 2.39 pro Ausgabe oder Fr. 117.– pro Jahr Studenten-Abo für nur Fr. 1.48 pro Ausgabe oder Fr. 72.50 pro Jahr (Alle Preise inkl. Portokosten. Das Abonnement ist unter Einhaltung einer vierwöchigen Frist jeweils zum Bezugsende kündbar.)

Adresse für Geschenk-Abo Name Vorname Adresse PLZ/Ort

eisst…! lese. w t h c i n s, was du«idea Spektrum» a w t e s s i Ich we Weil ich

Telefon E-Mail

Mein Abo / Meine Adresse (Rechnungsadresse) Name Vorname Adresse PLZ/Ort Telefon E-Mail

ideaSpektrum 20.2011evangelische Wochenmagazin Das aktuelle

Einsenden an: Jordi AG - das Medienhaus, Aemmenmattstrasse 22, 3123 Belp Tel. 031 818 01 20, Fax 031 819 38 54, E-Mail: abo@ideaschweiz.ch


PORTRÄT

„Eine völlig andere Einstellung“ MEDIEN Er ist Hauptstadtkorrespondent für den größten Sender Europas, das ZDF: Nick Leifert. Wie kam es, dass er Christ wurde? idea-Redakteur Karsten Huhn hat ihn gefragt.

Eine Bibel, schwer wie ein Ziegelstein 2003 trennt sich Leiferts Frau von ihm, die zwei gemeinsamen Söhne bleiben bei ihr. Plötzlich ist Leifert allein. Wie

soll es jetzt weitergehen? Eine amerikanische Freundin schenkt ihm eine Studienbibel, „schwer wie ein Ziegelstein“. Dazu liest Leifert den Ratgeber „Leben mit Vision“ des US-Baptistenpastors Rick Warren: „Ich war mit vielem überhaupt nicht einverstanden“, erinnert sich Leifert. „Ich habe das Buch vollgeschrieben mit meinen Fragen, Widersprüchen und meiner Empörung. Zugleich habe ich mich geschämt, wie wenig Ahnung ich von der Bibel hatte.“

Taufe – Konfirmation – Desinteresse Als Baby wurde Leifert getauft, als Jugendlicher konfirmiert, danach kam nur noch Desinteresse. Aus der evangelischen Kirche austreten wollte er dennoch nicht. „Gott meine Mitgliedschaft vor die Füße schmeißen, nur um Kirchensteuer zu sparen? Das gehörte sich nicht!“ Bei einem Aufenthalt in Boston (USA) besucht er einen Gottesdienst. „Es war brechend voll – mit vielen Leuten in meinem Alter. Die Band hätte auch in den Charts spielen können, und bei der Predigt hatte ich das Gefühl: ‚Der redet mit mir, der meint mich!’. Ich war total begeistert!“

Was sich geändert hat? „Alles“ Zurück in Bremen, schließt sich Leifert der landeskirchlichen AbrahamGemeinde an. Als er 2009 nach Berlin zieht, macht er sich mit seiner zweiten Ehefrau und dem gemeinsamen Sohn erneut auf Gemeindesuche. „Die meisten Gottesdienste waren langweilig und schwermütig, mit Pastoren, die nicht mehr wissen, was sie predigen sollen, wenn man ihnen die Kladde wegnimmt – völlig abtörnende Erlebnisse.“ Leifert zieht seinen Suchradius immer größer, letztlich schließt er sich der freikirchlichen Lukas-Gemeinde an, die zum Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden gehört. Was sich geändert hat, seitdem er Christ ist? „Alles“, sagt Nick Leifert. Ist das nicht übertrieben? „Nein, denn meine Einstellung ist eine völlig andere geworden. Zu wissen, dass ich nicht alleine bin, dass ich von Gott getragen werde und dass ich das Licht der Welt bin – das ist Verantwortung und Glück zugleich.“ P

Foto: privat

Er ist ein Nachrichtenjunkie, der abends vor dem Schlafengehen schnell noch mal ins Internet schaut. Er berichtet über den Rücktritt von Verteidigungsminister zu Guttenberg, die Islamkonferenz und über Angela Merkels Kurswechsel in Sachen Atomenergie. Er ist als ZDF-Hauptstadtkorrespondent und Mitglied der Bundespressekonferenz ganz nah dran an den Ereignissen: Nick Leifert (48). So abwechslungsreich wie die Politik ist auch sein eigenes Leben: In Frankfurt/Main studiert er Sportwissenschaften und Amerikanistik. Leifert will Sportreporter werden, für Privatradiosender berichtet er über Fußball, Eishockey und Tennis. Als ihm der Sport zu langweilig wird, wechselt Leifert zum damaligen Südwestfunk in Baden-Baden, dann zu Deutsche Welle TV in Berlin, anschließend zum Privatsender VOX in Köln, schließlich geht er zum ZDF. Erst berichtet er aus Mainz, später aus Bonn, dann aus Bremen.

DAS WORT DER WOCHE » Muslime gehören zu Deutschland, der Islam nicht. Was zu uns gehört, muss prägend sein, identitätsstiftend. Das ist der Islam nicht … Als Christ gibt es für mich das Böse in der Welt. Osama war böse. Und man darf sich als Christ freuen, wenn es weniger Böses auf der Welt gibt.« Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (Berlin), im „Spiegel“-Interview ideaSpektrum 20.2011


Idea Spektrum Schweiz 20/2011  

Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt mit Fokus auf die Schweiz und Deutschland.

Advertisement
Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you