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Spektrum l idea

Nr. 3

19. Janaur 2011

G 7405

Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt

Gemeinschaft bringt Hoffnung

Andreas Walker über seine Studie zum Thema „Hoffnung 2011“ Seite 4 Seite 7: Engagement

Seite 8: Evangelisation

Sie bleiben Gott auch als Senior verfügbar

15 000 wollten in Thun „Zweifeln und Staunen“

Ihre

Seite 9: Medien

Seite 24: Gesellschaft

Das Internet hilft bei der Suche nach Gott

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Nr. 1

6. Januar 2011

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Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt

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Seite 4

Seite 7: „PriseCamp10“

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Seite 13: Weltmission

Seite 24: Theologie

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ideaSchweiz l 03/2011

grÜezi

Menschen der Hoffnung? In einem hoffnungsvollen Interview mit dem Basler Zukunftsforscher Andreas Walker wird in dieser Ausgabe die umfangreiche Studie «Hoffnung 2011» zu Hoffnungen und Hoffnungsträgern in der Schweiz vorgestellt (siehe Seite 4). Hoffnung ist ein schillernder Begriff. Die Hoffnung, dass Tante Auguste in Frieden sterben kann, und die Hoffnung, dass ich dann endlich erbe, die Hoffnung auf das Erstarken des Euro und die Hoffnung auf eine rasche Wiederkunft Jesu Christi, die Hoffnung auf den Erhalt meiner eigenen Gesundheit und die Wahl oder Nichtwahl von N.N. in ein Exekutivamt: Immer wird das gleiche Wort verwendet. Und darum stehen als Hoffnungsträger 2011 Gott, Barak Obama, «ich selber», Roger de Weck und Ueli Maurer neben einander zur Auswahl (was dazu führt, dass bei den Resultaten Simonetta Sommaruga zwischen Jesus Christus und dem Dalai Lama zu stehen kommt). Worauf hoffen nun die Schweizer? Ich fasse es in einem Satz zusammen. Die meisten Schweizer sagen: «Solange ich selber Einfluss nehmen kann, hoffe ich.» Darum bringen Unternehmer, Geschäftsleitungsmitglieder, aber auch alleinerziehende Eltern mehr Hoffnung auf als Rentnerinnen und Rentner, als Angestellte und Befehlsempfänger. Und aus dem gleichen Grund ist die Hoffnung für die Schweizer Wirtschaft grösser als jene für die Welt. Denn: «Immerhin kann ich noch etwas bewirken, verändern, ich kann agieren und muss nicht bloss reagieren oder Frontbild: iStockphoto

erleiden.» Deshalb, ganz folgerichtig, der Satz: «Ich setze meine Hoffnung auf mich selbst. Ich, der Hoffnungsträger Nummer eins!» Völlig daneben - bin ich versucht, auszurufen. Und doch ist die Aussage ehrlich und klar. Wenn ich keinen Höheren, Besseren kenne, der sich an meinem Schicksal interessiert – wem sollte ich trauen ausser mir selber? Bei einer bunten Auswahl, welches Zitat am ehesten dem Verständnis von Hoffnung entspricht, wählen 18 Prozent «Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln» und 13 Prozent «Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen». Das sind wesentlich weniger als zum Beispiel für «I have a dream» oder «Yes, we can». Und trotzdem sind diese Zahlen Grund für Hoffnung. Wir Christen müssen nur weiterfahren, laut über unsere Hoffnung nachzudenken. Wir sind aufgefordert, anderen zu erzählen, weshalb es sich lohnt, die Hoffnung auf Gott und nicht auf sich selber zu setzen. Unsere Hoffnung hat einen Namen. Paulus spricht die römischen Christen als «Menschen der Hoffnung» an. Und von sich selber sagt er: «Weil ich eine so grosse Hoffnung habe, kann ich frei und offen auftreten.» Es liegt an uns, ob wir in der Schweiz ein Klima der Hoffnung schaffen, das über billige Sprüche hinausgeht. Wir haben Grund für Hoffnung: Das darf man ruhig laut sagen!

3 biblisch Ein Lieblingsbibelwor t von Matthias Kuhn, Leiter des Aussendungshauses und der Gemeinde postmoderner Christen (GPMC) in Thun:

«ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe.» (Johannes 15,16) «Bewerbungen schreiben ist ja auch immer verbunden mit Stress: Kann ich mich gut verkaufen? Welchen Bereich soll ich speziell betonen? Kann ich die Anforderungen er füllen? Und vieles mehr. Für die höchste Berufung, ein Bürger des Himmels zu werden, braucht es keine Bewerbung, sondern Jesus, der uns leidenschaftlich gesucht und er wählt hat. Diese Tatsache haut mich aus den Socken und lässt mich gerne zu dieser Er wählung ‹Ja› sagen. Dabei bin ich nicht nur er wählt worden, ein Teil der Familie Gottes zu werden, sondern kriege die gewaltige Bestimmung, für sein Reich fruchtbringend zu wirken. Damit dies geschehen kann, ist das Wor t ‹hingeht› entscheidend. Und genau das will ich als Er wählter, entspannt und er war tungsvoll leben.»

WÖrTlich «Man hat das sprechen über den glauben lange den evangelikalen überlassen. heute kann man über das reden, was man glaubt, auch in frommen Worten. Das zeigen mir die briefe, die ich erhalte. Was sie ausdrücken, bewegt mich zutiefst. Oft wird von der Fürbitte gesprochen, die mich begleitet. Dafür bin ich dankbar.» ruedi reich, reformier ter Zürcher Kirchenratspräsident, an einem Tumor im Rückenmark erkrankt und heute auf den Rollstuhl angewiesen, in der evangelisch-reformierten Zeitung «reformier t». Reklame

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BRENNPUNKT

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Andreas Walker über seine Studie zum Thema «Hoffnung 2011» und wie man Hoffen lernt

«Das Alleinsein fördert die Hoffnungslosigkeit» Wie lässt sich das Ergebnis Ihrer Studie kühn in einem Merksatz zusammenfassen? «Yes, we hope!» … Als wir 2009 das Projekt starteten, kam bald der Einwand: Das ist doch ein völlig veralteter Begriff! Unterdessen haben wir eine andere Erkenntnis gewonnen: Hoffnung ist für den heutigen Menschen ein wichtiges Thema! Es ist ein Thema, das die Forschung und auch das Christentum unterschätzen.

Das Thema Hoffnung wird von der Forschung und auch vom Christentum unterschätzt. Das meint der Basler Zukunftsforscher Andreas Walker. Darum hat er eine grosse Umfrage zu Schweizer Hoffnungsträgern und Hoffnungen durchgeführt. Mit teils verblüffenden Ergebnissen.

«idea Spektrum»: Wer macht Ihnen mehr Hoffnung: Bundes­ rätin Simonetta Sommaruga oder Papst Benedikt? Andreas Walker: Wenn ich die Originaltexte des Papstes lese, kommen mir viele wertvolle Aussagen entgegen. Natürlich ist mir der Machtanspruch des Vatikans sehr fremd. Doch Papst Benedikt hat mit der «Spe salvi» eine theologische Enzyklika über Hoffnung geschrieben, mit der er auch uns Evangelische positiv herausfordert. Im Ringen um das Christentum, die abendländischen Werte oder die Familie spielt der Papst eine wichtige Rolle. Doch im Rahmen unserer Umfrage hat nur gerade ein Prozent den Papst als Hoffnungsträger genannt, 13 Prozent hingegen Frau Sommaruga. Von ihr kenne ich aber noch keine Rede zum Thema Hoffnung.

verbinden wir viel mehr mit Angst – Angst vor einem Besitzstandverlust, vor einer Energiekrise, vor der Islamisierung. Das ist in christlichen Kreisen nicht anders. Doch die Bibel verbindet die Zukunft mit Hoffnung und nicht mit Angst. Mein Blick als Fachmann und mein Blick als Christ haben sich nun verdichtet auf das Thema Hoffnung. Gerade in der Fachwelt stelle ich fest, dass sich fast niemand mit «Hoffnung» beschäftigt. Zusammen mit befreundeten Fachleuten bin ich zum Schluss gekommen, dass wir ein Gegenzeichen setzen wollen zu all den Angst- und Sorgenbarometern.

Wie kommen Sie dazu, eine Studie zu Hoffnungen und Hoffnungsträgern in der Schweiz durchzuführen? Ich beschäftige mich als Forscher schon zwanzig Jahre mit dem Thema Zukunft. Dabei ist mir aufgefallen, dass «Hoffnung» in Mitteleuropa ein stark vernachlässigtes Thema ist. Die Zukunft

Warum braucht der Mensch Hoffnung? Die Definitionen und das Verständnis von Hoffnung sind nicht eindeutig. Hoffnung ist in der Fachwelt ein vergessener Begriff. Oft gilt Hoffnung nur als diffuses Gefühl. Ihre Bedeutung und Kraft wird unterschätzt. Ich würde sagen: Hoffnung ist die Zuversicht,

Zur Person

«Hoffnung 2011»

Dr. Andreas M. Walker, 46, verheiratet, vier Kinder, wohnhaft in Basel. Beschäftigt sich seit seinem Studium als Geograf und Historiker mit strategischer Früherkennung und zukünftigen Veränderungen. Als Co-Präsident von Swissfuture, der Schweizerischen Vereinigung für Zukunftsforschung, und als Gründer und Leiter des Think Tanks «weiterdenken.ch» begründete er 2009 die Hoffnungsforschung. Mail: walker@swissfuture.ch

Bild: idea/av

Hoffnungsvoller Typ: Andreas Walker, Leiter der neuen Studie.

Im letzten November beteiligten sich 6193 Personen an der Internet-Umfrage zu «Hoffnung 2011» von «weiterdenken.ch» und von Swissfuture. Dabei wurde die Bevölkerung nicht nach ihren Ängsten, Kummer und Sorgen für das nächste Jahr gefragt, sondern in der Umfrage standen die konkreten Hoffnungen, Hoffnungsträger und Grundlagen der Hoffnung im Zentrum. Unter der Leitung von Andreas M. Walker beschäftigt sich ein interdisziplinäres Team

dass die Zukunft besser wird als die Gegenwart. Hoffnung ist damit der Lebenswille, das Morgen erleben zu wollen. Psychotherapeuten sagen deutlich: Es ist zutiefst lebensfeindlich, wenn jemand die Hoffnung aufgibt. Hoffnung ist eine der positiven Urkräfte, die uns am Leben erhalten.

Was ist Hoffnung nicht? Eine Hoffnung ist keine Utopie. Bei der Utopie wagst du einen grossen Wurf, bist dir aber bewusst, dass es Träumerei sein kann. Bei der Hoffnung glaubst du daran, dass sie in Erfüllung geht. Sie ist ernsthafter und realistischer, auch wenn sie grosse Anstrengungen und Geduld von mir verlangen kann. Hoffnungen sind verbindlicher als Wünsche. Hoffnung ist nicht einfach Optimismus nach dem Motto «Es wird schon gut kommen». Hoffnung ist die Selbstkompetenz zum Lebenswillen. Hoffnung beinhaltet die Bereitschaft, selbst auch den entsprechenden Lebensweg zu gehen. von Freunden aus dem Umfeld des Think Tanks von «weiterdenken.ch» (ein Ökonom und Fachmann für Sozialpsychologie von Organisationen und für Gesundheitsmanagement, ein Logotherapeut und Existenzanalytiker, ein Psychoanalytiker, ein Religionssoziologe, ein Theologe, ein Medienfachmann) ehrenamtlich mit der Fragestellung, was Hoffnung für die Schweiz bedeutet. Die Studie soll jährlich durchgeführt werden. www.swissfuture.ch, www.weiterdenken.ch

Was hat Sie überrascht am Ergebnis zu Ihrer Studie? Wir hatten zum Beispiel gemeint, Hoffnung sei primär mit unserer Jugend verbunden. Das ist nicht so. Ich frage mich: Haben wir heute eine No-hope-Generation? Unsere Jugend macht sich nur wenig grosse Hoffnungen. Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass die freie Natur als Ort der Hoffnung einen so hohen Wert hat. Zwei Drittel der Teilnehmer geben an, dass sie Hoffnung in der freien Natur finden. Schon Paulus sagte, der Glaube könne auch aus der Schöpfung kommen. Letztlich machen viele Leute in der Natur eine Art hoffnungsstiftende Gotteserfahrung. Nur ein Fünftel sucht die Hoffnung in der Kirche. Sind deshalb Alpmessen so wertvoll? Erstaunt hat mich auch die Bedeutung alter protestantischer Werte wie Eigenverantwortung, Leistung und Ausdauer für das Hoffnungsverständnis in der Schweiz. Wie stark kommen Kirche und Glaube als Hoffnungsspender vor? Die Höhe der religiösen Werte hat mich überrascht. 21 Prozent der Befragten sagen, Gott sei ihr grösster Hoffnungsträger. 25 Prozent sagen, sie würden beten, um Hoffnung zu bekommen. 21 Prozent meinen, Pfarrer und Priester sollten in schwierigen Zeiten Hoffnung vermitteln und ermutigen. Wer hofft mehr: Jugendliche oder Senioren? Das «Prinzip Hoffnung» scheint heute in der Jugend wenig zu gelten. Die höchsten Werte finden wir bei den 40- bis 64-Jährigen. Gegen das Lebensende nehmen die Werte deutlich ab. Hoffnung


BRENNPUNKT

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scheint im Alter weniger eine Rolle zu spielen. Hat Hoffnung nur eine Bedeutung fürs Leben und nicht fürs Sterben?

Welche Schweizer eignen sich am besten als Hoffnungsträger? Aufgrund der Studie lässt sich sagen, dass die Schweizer ihre Hoffnungen nicht auf grosse Idole setzen. In unserer letztjährigen Umfrage schwang der amerikanische Präsident Obama hoch obenaus. Jetzt lautet die Antwort in vielleicht typischer Schweizer Manier: Ich selber und meine nächsten Bezugspersonen sind meine Hoffnungen. Die Nähe zählt. Dadurch kann ich auch besser abschätzen, ob es jemand wert ist, mein Hoffnungsträger zu sein. Sind Eltern also starke Hoff­ nungsträger? Sie spielen eine ganz grosse Rolle! 41 Prozent aller Teilnehmenden und 61 Prozent der jugendlichen Teilnehmenden sagen, die Eltern sollen Hoffnung verbreiten und ermutigen. Unsere Studie zeigt klar: Neben Freunden und Lebenspartnern haben Eltern den höchsten Wert, um die Grundkompetenz der Hoffnung zu vermitteln. Lehrer haben hier einen viel tieferen Wert. Daraus schliesse ich: Die Erziehung gehört ins Elternhaus, die Bildung in die Schule. Um unsere Zukunft sicherzustellen, gilt es hier, die Aufgabenteilung zwischen Familie und Staat zu klären. In der Schule wird offensicht­ lich wenig Hoffnung vermittelt. Schon Ernst Bloch sagte: «Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen.» Die Schule hat hier eine wichtige Aufgabe, doch in erster Linie muss die Kompetenz der Hoffnung im sozialen und emotionalen Umfeld der Familie vermittelt werden. Es ist offensichtlich, dass das Elternhaus diese Aufgabe nicht ernst genug nimmt und die Schule nicht in der Lage ist, dieses Manko zu füllen. Zeichnen Sie das Profil eines hoffnungsvollen Menschen! Der erste Hoffnungstyp hat erkannt, wie Erfolgserlebnisse und Hoffnung zusammenhängen. Er hat gelernt, realistische Hoffnungen zu haben, die auch erfüllt werden. Er kann unterscheiden zwischen Hoffnung und Illusion. Erfolgreiche Leute haben meist eine hohe Hoffnungskompetenz.

Man predigt über Angst statt über Hoffnung Was möchten Sie Gottes Bodenpersonal in den Kirchen und Kapellen nach Ihrer Studie ans Herz legen? Andreas Walker: Die biblische Tugend heisst Hoffnung und nicht Angst! Hoffnung ist neben Glaube und Liebe eine der grossen christlichen Tugenden. In Predigten und christlichen Büchern kommt das Thema Angst viel häufiger vor als die Hoffnung. Das macht mich

skeptisch: Glauben diese Leute an Gott, weil sie auf den Himmel hoffen oder weil sie Angst vor der Hölle haben? Hoffen sie auf Gottes Liebe oder fürchten sie den Teufel? Das Hoffnungs-Renommee der Pfarrer und Priester ist laut Studie immer noch besser als jenes von Politikern, Lehrern, Journalisten und Managern. Doch die Kirche muss ihre Hoffnungskompetenz glaubwürdig leben.

Der zweite Typ schöpft Hoffnung aus den sozialen Beziehungen. Hoffnung und Beziehungsnetz sind stark miteinander verbunden. Der dritte Typ setzt auf die Aspekte des Religiösen. Er hofft auf Gottes Hilfe, er glaubt und betet. Dabei gibt es natürlich auch Mischtypen.

Muslimen oder Buddhisten? Eine Unterscheidung dieser Art kann ich nicht bieten. Doch ich kann sagen, dass Menschen mit einer religiösen Komponente und einer hohen Spiritualität grundsätzlich höhere Hoffnungswerte haben. Für einen Atheisten ist Hoffnung kein Lebenskonzept.

Was fördert die Hoffnungs­ losigkeit am meisten? Ganz eindeutig: das Alleinsein! Wer niemanden hat, der ihn begleitet, tröstet und ermutigt, verliert die Hoffnung. Nur ganz wenige Menschen können sich selbst immer wieder motivieren oder einfach fromm sagen: «Ich hoffe auf Gott, er ist mein Gegenüber.» Wer sich allein gelassen fühlt, kommt mit der Zeit in eine depressive Schlaufe, in eine Abwärtsspirale.

Sind Leute aus Freikirchen hoffnungsvoller? Nein, das sind sie nicht. Viele Freikirchler sind im Vergleich eher angstorientiert und weltfremd. Ob Freikirche oder Landeskirche oder gar keine Kirche: Je spiritueller ein Mensch lebt, desto verantwortungsbewusster beteiligt er sich am sozialen Leben. Eine Freikirche ist keine Garantie auf ein hoffnungsvolles Leben.

Im Bundesrat sitzen offenbar kaum Hoffnungsträger. Was sagt das über unsere Regie­ rung? Das zeigt, dass wir in der Schweiz keine grossen Staatsleute haben, die wir als Idole der Hoffnung verehren. Trotzdem sind die Politiker als Hoffnungsträger immer noch wichtiger als die Wirtschaftsführer. In der aktuellen Wirtschaftskrise ist die Enttäuschung über sie gross. Noch vor wenigen Jahren galten Manager und Banker als die Helden, die uns die Welt erklären. Was müsste die Politik daraus lernen? Die Politik sollte weniger angstdominiert sein. Unsere Studie zeigt, dass es Alternativen der Hoffnung gibt. Unsere Studie zeigt aber auch, wie wichtig es ist, dass wir in der Politik charakterstarke Persönlichkeiten haben, die ihre sozialen Beziehungen aktiv leben. Wo findet sich am meisten Hoffnung: Unter Christen,

Wie kann man hoffen lernen? Indem man Beziehungen lebt und Naturerfahrungen und körperliche Bewegung sucht. Oder anders herum: Bleib nicht allein vor dem PC sitzen! Vielleicht war früher der Kirchgang so wertvoll, weil er mit dem Sonntagsspaziergang verbunden war. «Gemeinschaftspflege» war immer ein wichtiger Teil der kirchlichen Arbeit. Was machen Sie selbst, damit sich Ihre Hoffnungen erfüllen? Ich betreibe eben Hoffnungsforschung … Und ich teile mein Leben bewusst mit meiner Frau, meinen Kindern, meinen Freunden. Und ich teile es auch mit Gott. Für mich ist das die Grundlage einer Hoffnung im christlichen Sinne: Ich glaube, dass es einen Gott gibt, der uns liebt. Welches Bibelwort stärkt Ihre Hoffnung besonders? Römer 5,4: «Geduld aber bringt Erfahrung; Erfahrung aber bringt Hoffnung.» Inter view: ANDREA VONLANTHEN

5 PODIUM

Saubere Energie Elektrischer Strom ist unsichtbar. Es kann aber lebensgefährlich werden, wenn man damit in Berührung kommt. Trotz dieser unsichtbaren Gefahr nutzt der Mensch diese Energie täglich. Ohne Strom läuft auf dieser Erde fast gar nichts mehr. Bei uns wird die Elektrizität hauptsächlich mit Wasserkraft hergestellt. Riesige Wasserturbinen produzieren in Flüssen und Stauseen 60 Prozent unseres Energiebedarfes. 40 Prozent werden in Atomkraftwerken im In- und Ausland hergestellt. Nur 0,1 Prozent wird mit Windrädern und Sonnenenergie produziert. In unserem Land ist es äusserst schwierig, Strom aus Wind und Sonne zu gewinnen. Das heisst aber nicht, dass es nicht auch sinnvoll sein kann, hier und dort Kollektoren und Windräder zu montieren. Das Bewilligungsverfahren für solche Anlagen ist in unserem dicht besiedelten Land jedoch beschwerlich. Der Stromkonsum nimmt trotz grossen Sparanstrengungen zu. Vielfach werden alte Oelheizungen durch eine umweltfreundliche, elektrische Wärmepumpe ersetzt. Auch Verbrennungsmotoren weichen hier und dort den sauberen Elektromotoren. Dazu kommt der moderne Haushalt, der mehr und mehr elektrisch aufgerüstet wird. Nicht zu vergessen die Zunahme der Bevölkerung durch die starke Einwanderung. All das bewegt mich, den Ersatz der in die Jahre gekommenen Atomkraftwerke durch neue, saubere und sichere Kraftwerke zu unterstützen. Selbstverständlich können wir uns gerade auch als Christen ohne schlechtes Gewissen für neue Atomkraftwerke einsetzen. Gott hat den Menschen die nötige Intelligenz und Fähigkeiten geschenkt, um herauszufinden, wie mit der Kernspaltung Strom produziert werden kann. Sollte dies nicht nach dem Willen Gottes sein, wäre eine solche Stromproduktion gar nicht möglich. ANDREAS BRÖNNIMANN Der Autor ist Nationalrat der EDU und Unternehmer. Er wohnt in Belp BE.


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Sie haben einiges bewegt und werden auch im vorgerückten Alter nicht müde

Auch mit 70 oder 80 sind ihre Dienste geschätzt Sie sitzen seit mehr als 20 Jahren im Parlament und denken selbst im fortgeschrittenen Alter nicht an einen Rücktritt: Zahlreiche Nationalräte haben Lust auf mehr. Auch prominente Christen denken nicht ans Aufhören. Ihre Dienste bleiben gefragt. Der amtsälteste Parlamentarier, Paul Rechsteiner (58, SP/SG), will nach 25 Jahren am 23. Oktober erneut für den Nationalrat kandidieren. Ständerat Maximilian Reimann (68, SVP/AG) kandidiert im Herbst für den Nationalrat. Ständerat Hans Rudolf Gysin (70, FDP/BL) und Nationalrat Eugen David (65, CVP/SG) lassen die Kandidatur offen. Das älteste Parlamentsmitglied, der Waadtländer Jacques Neirynck (79, CVP), will erneut kandidieren, während sich André Reymond (71, SVP/GE) und Edi Engelberger (70, FDP/ NW) noch nicht definitiv entschieden haben.

Aktive christliche Senioren

Auch Senioren aus dem «frommen» Lager zählen sich mit 70 und mehr Jahren noch lange nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil: Sie möchten in diesem Jahr weitere Projekte voranbringen. Und sie haben auch noch das eine oder andere Eisen im Feuer.

Zweiter Frühling

Werner Scherrer war während 51 Jahren glücklich verheiratet. Mit

Werner Scherrer: Führt im Frühling zum 79. Mal eine Reisegruppe nach Israel. Bilder: zvg

79 hat der Witwer letztes Jahr noch einmal geheiratet. Erlebt er zurzeit einen zweiten Frühling? Scherrer lacht: «Ich fühle mich tatsächlich gut. Meine neue ‹Gehilfin› empfinde ich als ein Gottesgeschenk.» 2005 übernahm Scherrer das Präsidium des Schweizerischen Bundes Aktiver Protestanten (SBAP). Eine Erfolgsstory sind die Hiob-Brockenstuben, wo er als Ehrenpräsident und Berater aktiv ist. Nach 20 Jahren aktiver Politik steht er der von ihm mitgegründeten EDU noch als Referent zur Verfügung. Die finanzielle und administrative Verantwortung von Pro Israel hat er abgegeben. Die Organisation der nationalen Pro-Israel-Tagung sowie der Reformationstagung des SBAP liegen nach wie vor in seinen Händen. Im Frühling führt er die 79. Reisegruppe nach Israel. Herausgefordert ist er auch als Chairman (Vorsitzender) der 20 Israel-freundlichen Organisationen in der Schweiz. Seitdem er die Konferenz für Evangelisation mitgegründet hat, war er jedes Jahr im «Ländli» dabei. Kraft findet er im täglichen Bibelstudium und Gebet, auch gemeinsam mit seiner Gattin Julia.

Standortbestimmung

Verena Näf leitete 20 Jahre lang ein Kinderheim. Als «Hausmutter» hat sie stellvertretende Mutterschaft gelebt. Dann war sie in einem VCH-Hotel in der Gästebegleitung aktiv und arbeitete Teilzeit als Nachtwache in einem Altersheim. Nach wie vor tritt Näf als Referentin bei den Frauenfrühstückstreffen auf. In ihrem ersten Vortrag sprach sie übers «Loslassen». Immer wieder hat sie festgestellt, wie wichtig loslassen (können) ist – für die Betreffenden, wie auch für ihr Umfeld. Unterdessen ist Verena Näf 70 geworden. Sie hält weiter Vorträge, ist in der Seelsorge aktiv und pflegt Kontakte zu ehemaligen «Kindern», die heute zum Teil selber Familie haben. Jetzt beschäftigt sie sich persönlich mit dem Thema «Loslassen». «Das ist nicht etwas, das man einfach kann, wenns dann soweit ist. Meistens geht es um prozesshafte Wege, um eine neue, bewusste Auseinandersetzung.» Sie macht eine Standortbe-

Verena Näf ist nach wie vor als Referentin unterwegs, macht aber in diesem Jahr eine Standortbestimmung.

stimmung und fragt sich: «Was lasse ich los? Wo engagiere ich mich zukünftig?» Dabei will sie nicht bedürfnisorientiert entscheiden, denn solche Möglichkeiten gäbs viele! Ihr Anliegen: «Ich möchte in der Beziehung zu Jesus wachsen und aus dem Hören heraus aktiv werden.»

Im Sinne von «AHV»

Ernst Tanner, Gründer der Helimission in Trogen, empfängt die Anfrage des «idea»-Redaktors in

(«idea Spektrum» berichtete). Nach seiner Heimkehr am Sonntag stehen in dieser Woche weitere Vorträge an: Am Montag und Dienstag sprach Tanner im Berner Oberland, heute Mittwoch in Bülach. Letztes Jahr hielt er rund 100 Vorträge über die Helimission – «nach dem Prinzip AHV: Alte helfen vergebens!». Er weiss die Geschäftsführung bei Sohn Simon in guten Händen. Im Mai wird Tanner 84-jährig. «Es geht mir gesundheitlich gut. Das ist Gnade!» Wir beenden das Gespräch, damit der quirlige Senior rechtzeitig den Bus zum nächsten touristischen Highlight erreicht.

Alle machen sie Mut

Die aktive Lebensphase ist mit der Pensionierung nicht abgeschlossen. Ein Senior, der namentlich nicht erwähnt werden möchte, sagt: «Nach den intensiven Phasen versuche ich nun, für das Unerwartete verfügbar zu sein.» Er will mehr und mehr «einfach da sein», da sein für die Familie, die Gemeinde, sein Umfeld. Einfach «sein»? Natürlich! Denn: Er muss nicht mehr der nimmermüde, aktive Mensch sein, der zahllosen Projekten nachjagt. Er gehöre ja schon bald zur Spezies der Dinosaurier, meint er schmunzelnd. Er sei Gott dankbar, dass er in seiner aktuellen Lebensphase noch ‹Stunden auf Erden zählen› und einfach das machen dürfe, was ihm zufalle. Mit den «anvertrauten Pfunden» verantwortlich umzugehen, bleibt lebenslang eine Herausforderung. Unsere Interviewpartner zeigen, dass sie gelingen kann. THOMAS FEUZ

Es bleibt spannend

Ernst Tanner: Hält pro Woche immer noch rund zwei Vorträge.

seinen «Ferien» auf den Kanarischen Inseln. Er freut sich über den Anruf und erzählt von seinem Auftritt bei 4000 Jugendlichen am Praise Camp. Hier hat er die Silvesterpredigt gehalten

Die befragte christliche Seniorin und die beiden Senioren zeigen auf, wie ein Leben auch im dritten Lebensabschnitt inhaltsreich gestaltet werden kann. Sie machen jüngeren Menschen Mut, entsprechende Weichenstellungen vorzunehmen. Wer alt ist, gehört nicht zum «alten Eisen». Er oder sie hat heute Gelegenheiten wie nie zuvor, selber noch das eine oder andere Eisen zu schmieden.


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TAGESSCHAU

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JOURNAL

Positive Bilanz zur Veranstaltungsreihe «Zweifeln und Staunen» in Thun

CFA-Leiter verstorben

15 000 Menschen erlebten «ProChrist»

Daniel Blaser (62), Chrischona-Absolvent und langjähriger Leiter des Missionswerks «Christus für alle», ist am Samstag nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Er hat sich von den Folgen einer Operation nicht erholt. Wie die CFA-Leitung mitteilt, wird das Werk weiterhin vom Sekretariat in Turbenthal ZH aus geleitet. (idea)

ZH: Sterbehilfe legal? Der Zürcher Kantonsrat hat die EDU-Volksinitiative «Nein zum Sterbetourismus im Kanton Zürich!» am Montag mit 123 zu 36 Stimmen abgelehnt. Unterstützung erhielt die EDU von EVP und SVP. Die Ratsmehrheit ist der Meinung, eine Regelung sei auf Bundesebene nötig. Die Volksabstimmung findet voraussichtlich am 15. Mai statt. (idea)

Hilfe mit Bedingungen Die CVP will bei jenen Ländern intervenieren, die Anschläge auf Christen dulden. Sie schlägt gemäss «NZZ am Sonntag» vor, die Entwicklungshilfe an Bedingungen zu knüpfen. Bundesrat und Parlament sollten zuerst klären, «welche Länder systematisch Christen diskriminieren und verfolgen». Erst danach sollten Zahlungen für die Entwicklungshilfe geleistet werden. (idea)

Vom 8. bis 16. Januar waren jeden Abend bis zu 2400 Personen bei den Vorträgen von Ulrich Parzany zu Gast. Veranstalter und Referent ziehen ein positives Fazit. Die Thuner Organisatoren sind überzeugt, dass es auch in Zukunft solche gemeinsamen Grossanlässe braucht. 15 000 Besucher verzeichnete die  einwöchige  Veranstaltungsreihe  «ProChrist»  der  Evangelischen  Allianz  Region  Thun  (EARTH)  in der Expo-Halle. Zählt man die  Gäste der vorangegangenen «Music Night» mit Carmen Fenk und  Katharina  Michel  mit,  waren  es  sogar  noch  mehr.  Unter  dem  Motto  «Zweifeln  und  Staunen.  Weil  das  Leben  Fragen  stellt.»  gestalteten  verschiedene  Musiker  und  Künstler  den  Rahmen  für  die  Interviews  und  Vorträge.  Am  Sonntagmorgen  bauten  die  Pastoren und Pfarrer der verschiedenen  Kirchen  und  Gemeinden  symbolisch  einen  Leuchtturm  als Zeichen dafür, dass das Licht  des Evangeliums weiterhin in die  Gesellschaft hinein leuchten soll.

Alle sind zufrieden

Ulrich Parzany zieht eine positive  Bilanz: «Ich bin beeindruckt, mit 

bewegt:  «Ich  bin  beeindruckt,  wie  jede  und  jeder  der  270  Freiwilligen an seinem Ort mit Liebe  zum Detail gewirkt hat.»

Und die Zukunft?

Ulrich Parzany sprach in Thun.

welcher Intensität Menschen ihre  Freunde mitgebracht haben. Und  ich  habe  mich  gefreut,  wie  viele  Besucher  sich  dem  christlichen  Glauben  erstmals  zugewandt  haben.  Echt  überrascht  hat  mich  auch,  wie  viele  Jugendliche  und  junge  Menschen  unter  den  Gästen  waren.»  Eventmanager  Timo  Schuster hat die Anlässe operativ  verantwortet. Auch er zeigte sich 

Das war «ProChrist» Bei «Zweifeln und Staunen. Weil das Leben Fragen stellt.» haben sich 270 Personen ehrenamtlich engagiert. Die zehn Veranstaltungen wurden von 15 000 Menschen besucht, am letzten Samstagabend allein von 2400 Gästen. Immer wieder sassen auch viele

Marc  Jost,  Kontaktmann  für  die  Medien, ist überzeugt, dass es weitere  solche  Grossanlässe  braucht.  «In  bestimmten  Abständen  muss  der Fokus auf gemeinsame Anlässe  im  grösseren  Stil  gerichtet  werden. Es reicht nicht, das christliche  Zeugnis  auf  persönliche  Beziehungen  oder  Aktionen  einzelner  Gemeinden zu reduzieren.» Zurzeit  ist  offen,  in  welchem  Zeitrahmen  das der Fall sein könnte. Ist Marc  Jost  bei  einem  weiteren  Anlass  auch  wieder  dabei?  «Eindeutig»,  antwortet er ohne zu zögern. «Ich  würde es wieder machen!» THOMAS FEUZ www.pro-christ.ch, www.allianz-thun.ch

junge Leute im Publikum. Das Angebot zum seelsorgerlichen Gespräch wurde rege benutzt. Wie viele haben einen Neuanfang mit Jesus Christus gemacht? Die Zahlen werden vertraulich behandelt. «Wir wissen es nicht», lautet die Antwort. Denn: Es dürften (noch) mehr als die offizielle Zahl sein.

BE: Zu wenig Pfarrer?

«StopArmut» sensibilisier t mit dem Kursbuch «Just People?»

Eine Werbekampagne soll die Freude am Pfarrberuf wecken. Bis 2013 stehen jährlich 38 000 Franken zur Verfügung. Ab 2018 droht der Evangelisch-Reformierten Berner Kirche gemäss «Berner Zeitung» ein massiver Pfarrermangel. Zurzeit studieren 376 Personen in Bern Theologie. Pro Jahrgang würden sich nur 15 bis 20 Masterstudierende für ein Vikariat melden. (idea)

Für Arme kämpfen kann jedermann

Seelsorge: Gute Noten Patienten sind mit der Qualität der Seelsorge in Deutschschweizer Krankenhäusern zufrieden. Das geht aus einer Doppelstudie des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts und der Universität Bern her vor. Die Stationsleitungen betrachten vor allem die Sterbe- und Trauerbegleitung als sehr wichtig. (idea) Bilder: zvg

Die Kampagne «StopArmut» bietet Unterlagen für den Kurs «Just People?» an. Damit werden Teilnehmer über Armut in der Welt informiert und motiviert, sich für Arme und Gerechtigkeit einzusetzen. Kompakt, klar und auch einfach  durchzuführen:  Das  ist  «Just  People?»,  der  Kurs,  den  es  seit  kurzem  auf  Deutsch  gibt.  Das  Grundkonzept stammt von TearFund  UK.  Zusammen  mit  der  deutschen  Micha-Initiative  übersetzte «StopArmut» den Kurs ins  Deutsche und erweiterte ihn.  «Im  Zentrum  der  Kurseinheiten  steht  jeweils  ein  Referat  mit  Diskussionsteilen»,  so  Stefan 

Hochstrasser, Mitautor von «Just  People?». Die ersten drei Kurseinheiten bilden die Grundlage. Die  Armutsproblematik  wird  aus  gesellschaftlicher und aus biblischtheologischer Sicht aufgearbeitet.  Die  letzten  drei  Kurseinheiten  bieten  konkrete  Handlungsperspektiven.  «In  einer  kleinen  Aktion wird am Ende das Gelernte  und Diskutierte praktisch umgesetzt.  Man  wagt  als  Kursgruppe  einen  kreativen  Vorstoss  in  Sachen Armutsbekämpfung.» 

Selbsterklärend

Der neue Kurs vertritt ein ganzheitliches  Missionsverständnis.  «Nebst  der  Verkündigung  des  Evangeliums gehört dessen prak-

tische Umsetzung – gerade in der  Armutsbekämpfung – unbedingt  dazu», erklärt Hochstrasser. Weiter beschäftigt sich der Kurs mit  Thesen wie  «Geht hin! – Gesunde  Gemeinden  wirken  nach  aussen»  oder  «Zu  kurz  gekommen  –  Gerechtigkeit  spielt  in  vielen  Gemeinden  nur  eine  Nebenrolle».  «Durch  das  selbsterklärende,  multifunktionale Kursbuch kann   jeder  einen  solchen  Kurs  durchführen», sagt Hochstrasser. «StopArmut»  wird  aber  regelmässig  Schulungen  für  Kursleitende  anbieten, die noch mehr Informationen und Tipps möchten. STEFANIE NIEDERHÄUSER Kursbuch und Infos: www.just-people.net


TAGESSCHAU

ideaSchweiz l 03/2011

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Neue Kommunikationsmittel fordern die Kirchen heraus

ÄXGÜSI

Gott im Internet – Chance oder Gefahr?

Preis der Hingabe

Soll der Gottesdienstbesuch bald von Internetpredigten abgelöst werden? Und das persönliche Gespräch von SMSSeelsorge? Kirchen müssen sich mit den neuen Kommunikationsmitteln auseinandersetzen, um einen sinnvollen Umgang damit zu finden. Der Einsiedler Abt Martin Werlen ist begeisterter «Twitterer». Täglich veröffentlicht er auf der Internetplattform «Twitter» mehrere Kurzbotschaften, die von Hunderten Menschen gelesen werden. «Ich kann die Vielfalt meiner Arbeit aufzeigen und das Klischee vom weltfremden Abt hinter Klostermauern widerlegen», erklärte er gegenüber der Zeitschrift «reformiert.aargau». Er informiere seine Twitter-Gemeinschaft auch über längere Aufenthalte am Bahnhof. «So ass ich kürzlich in Bern mit zwei Informatikern zu Mittag und trank in Basel mit einem Studenten und einem arbeitslosen Migranten Kaffee. Viele dieser Leute würde ich ohne Twitter nie kennenlernen.» Abt Martin Werlen ist zusammen mit Hans Peter Murbach, Leiter der SMS-Seelsorge, Gast einer Gesprächsrunde im «Stapferhaus Lenzburg». Im Rahmen der Ausstellung «Home. Willkommen im digitalen Leben» diskutieren sie über das Potenzial von SMSSeelsorge, Online-Predigten und twitternden Priestern.

Nahe bei den Menschen

Für Matthias Langhans, Leiter der Plattform Gottkennen.ch, ist klar: «Gott ist sich nicht zu schade für Internet und Co.» Im Gegenteil. Langhans ist überzeugt, dass Gott die neuen Medien bereits nutzt und dass sie für die Verbreitung des Evangeliums grosse Chancen bieten. «Jesus ist mein Vorbild. Er war und ist dort, wo die Men-

Talk im «Stapferhaus»

Montag, 24. Januar, 17 Uhr, «Stapferhaus», Lenzburg: Einführung in die Ausstellung «Home». 18 bis 19 Uhr Talk mit Abt Martin Werlen und Hans Peter Murbach, Leiter der SMS-Seelsorge. www.stapferhaus.ch

Bild: Campus Generation Ministry

schen sind. Waren sie früher auf den Marktplätzen zu finden, sind viele Menschen heute eben in der digitalen Welt anzutreffen.» Über soziale Medien sei es einfach, Kontakte zu knüpfen und dies für das Evangelium zu nutzen, findet auch Max Schläpfer, Präsident des Verbandes evangelischer Freikirchen und Gemeinden (VFG). Und die Menschen können sich über Internet viel einfacher und schneller auf die Sinnsuche begeben. Die Anonymität schützt sie und macht sie deshalb mutiger, persönliche Fragen zu stellen, beobachtet Langhans. «Ich staune

auf einen Kaffee zu treffen, wenn dies gewünscht wird. Schläpfer ist allerdings der Ansicht, dass Seelsorge nur in der persönlichen Begegnung stattfinden könne: «Seelsorge braucht ein geschütztes Umfeld, man muss aufeinander eingehen können. Kein Kommunikationsmittel kann den Wert einer persönlichen Begegnung ersetzen.» Genauso gelte dies für Gottesdienste, findet der 59-Jährige.

Miteinbeziehen

Unterschätzt wird oft der grosse Zeitaufwand, den die sozialen Me-

Gott gebraucht das Internet: Anna Cuka stiess nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes auf «Gottkennen.ch». Sie wurde dann von einem E-Coach begleitet und hatte eines Nachts vor dem Laptop eine eindrückliche Begegnung mit Jesus Christus.

über die Tiefe, die in ‹Gesprächen› zwischen unseren Internet-Beratern, den E-Coaches, und Suchenden entsteht und zwar in kürzester Zeit. Keiner der beiden kann sich durch Äusseres ablenken lassen. Es geht nur um die Gesprächsinhalte.»

Vom Virtuellen ins Reale

Sowohl Schläpfer als auch Langhans betonen aber: Soziale Kontakte in der virtuellen Welt können und dürfen soziale Kontakte von Angesicht zu Angesicht nicht ersetzen. «Sinnvolle Online-Angebote von Gemeinden und Werken zeigen deshalb Möglichkeiten auf, wie eine direkte Kontaktaufnahme ausserhalb des Digitalen möglich ist», so Langhans. Bei den E-Coaches werde darauf geachtet, dass sie mit Menschen in Kontakt stehen, die in der Nähe wohnen. So besteht die Möglichkeit, sich auch mal

dien verursachen können, warnt Schläpfer. Und Langhans machte die Erfahrung: «Unverbindlichkeit kann eine Chance sein, hat aber auch ihren Nachteil: So schnell und einfach wie die Leute aufspringen, können sie auch wieder abspringen und weiter ‹surfen›.» Umso mehr sei man gefordert, starke Inhalte zu bieten und die Besucher nicht nur zu informieren, sondern durch Diskussionsanstösse aktiv miteinzubeziehen. Langhans ist überzeugt, dass soziale Medien und mobile Webnutzung je länger je mehr an Bedeutung gewinnen. Es sei deshalb wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. «Die neuen Möglichkeiten sollten weder ausgeklammert werden, noch Konkurrenz oder Ersatz herkömmlicher Angebote und Anlässe sein. Wenn sie das Bestehende ergänzen und vertiefen, werden sie zum Segen.» STEFANIE NIEDERHÄUSER

Im nordafrikanischen Tunis herrscht das Chaos. Tunesien zeigt sich als bedrohlich instabiles Land. Daneben Algerien, das gerade mit einer anderen Geschichte auf sich aufmerksam macht. Ein «Überraschungserfolg» war für die Filmkritik in Cannes der Beitrag «Von Menschen und Göttern». Überraschend und unglaublich euphorisch die Rezeption in einem durch und durch als säkularisiert geltenden Frankreich. Wie kommt das? Ich wollte das genauer verstehen. Auch mich bewegt, wie sich mitten in der Woche in einer von interessanten Angeboten übersäten Stadt wie dem südwestdeutschen Freiburg schon eine halbe Stunde vor Einlass grosse Schlangen vor dem Kino bilden. Merkwürdig. Ist Hollywood etwa am Ende, kippt da etwas in der Unterhaltungsindustrie? Da wird eine Story in grosser Gemächlichkeit und Ruhe, sehr schlicht und beinahe spröde erzählt. Mönchische Tugenden wie Gelassenheit, Einfachheit, Respekt werden filmisch inszeniert, Spiritualität und Heiligkeit inmitten einer profanen Welt sensibel eingefangen. Die Idylle mönchischer Abgeschiedenheit ist bedroht. Algerien wurde in den 90-ern immer wieder von islamisierten Terroristen überfallen. Die kleine Gemeinschaft muss entscheiden, ob sie das Dorf und die ihnen Anvertrauten verlässt. Sie bleibt und stirbt den Märtyrertod. Das wird nicht sentimental abgehandelt. In ernsthaften Dialogen werden auf radikale Weise die Fragen nach dem Preis der Hingabe an Jesus gestellt. «Schau», sagt Bruder Christian einem verzagten Mitbruder, «als du beschlossen hast, ins Kloster zu gehen und dem Ruf zu folgen, da hast du beschlossen, alles hinter dir zu lassen. Sogar den Anspruch auf dein eigenes Leben.» Sehr eindringlich und bewegend. Ein Film, über den man sprechen muss. DOROTHEA GEBAUER Die Autorin ist Mediensprecherin und Leiterin Public Relations der Pilgermission St. Chrischona in Bettingen BS.


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INSERATE

ideaSchweiz l 03/2011

ver채ndern sie

das leben

eines kindes

im namen jesu

und sie beginnen,

die welt

tel 0800 784 773

zu ver채ndern

Jesus im Zentrum - Kinder im FoKus - Gemeinden als Basis w w w.c om pas sio n.ch/idea


FORUM

ideaSchweiz l 01/2011

LESERBRIEFE

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SYNERGIE

Auf zu neuen Horizonten! Unter dem Motto «Auf zu neuen Horizonten!» verlässt das JordiMedienhaus nach 104 Jahren das Gebäude an der Belpbergstrasse in Belp, in dem vor allem die ersten vier Generationen Geschichte geschrieben haben. Von einer Produktionsstätte auf vier Ebenen in eine weitsichtige Halle zu ziehen, ist ein einmaliges Ereignis, das uns als Belegschaft beglückt. Auch wenn die «Züglete» zwei Tage vor Weihnachten sehr gut und in Rekordzeit über die Bühne ging, verlangt die Produktionsaufnahme am neuen Ort viel Beharrlichkeit, um alle Prozesse rechtzeitig und effizient in den Griff zu bekommen. Vielleicht geht es Ihnen wie mir: Ich bin zwar gerne unterwegs zu neuen Horizonten, aber ich tue mich schwer, nicht alles unter Kontrolle zu haben und vielen unbekannten Einflussgrössen ausgesetzt zu sein. Und nicht zu wissen, wo genau ich am Abend sein werde, wenn es

Unbiblische Theologie «idea Spektrum» Nr. 1 – «Das alles macht ‹Taizé› möglich» In den Büchern von Roger Schutz, dem Gründer von Taizé, fällt auf, dass manche biblischen Themen gar nicht angesprochen werden. So fehlt völlig die biblische Einordnung des Menschen als Sünder. Da nach Roger Schutz Christus in jedem Menschen wohnt und auch jeder Mensch den Heiligen Geist hat, auch wenn er das selber nicht weiss, erscheint der Mensch eigentlich als gut und in der Lage, durch Kontemplation und gute Werke sich selbst zu erlösen. Von Busse und gläubiger Annahme des stellvertretenden Sühnopfers Jesu steht kein Ton in den Schriften von Schutz. Auch vom Zorn Gottes oder der Ge-

Tausende von Jugendlichen erlebten den Jahreswechsel am Taizé-Jugendtreffen in Rotterdam.

dunkel wird. In der Nacht sind die Distanzen bis zum Horizont kurz. Ohne Licht geht nichts. Wo die Lichtquellen zu finden sind, muss hier nicht wiederholt werden. Er, Gott der Allmächtige, leuchtet mit seinem Licht in die dunkle Zukunft, so dass es um uns taghell wird und sich ein weiter Horizont auftut. Mit dieser Perspektive gehen in einem Unternehmen die Lichter nicht aus, ob es nun Tag oder Nacht ist. Für die kommenden Monate wünsche ich mir intime Momente mit Gott. Momente, in denen der Vorhang plötzlich aufgeht, Staunen und Begeisterung sich breitmachen. Momente, in denen wir als Geschäftsleute aufstehen, neue Kraft empfangen und aufrecht vorwärtsstreben dürfen. Momente, in denen wir den Weg klar erkennen und so täglich im Kleinen wie im Grossen Gottes Zeugen seiner Spuren sein dürfen. Was heisst das konkret? rechtigkeit Gottes, welche auch zu Strafen führen können, ist nie die Rede. Das Gottesbild des Roger Schutz ist durch diese Verkürzung eine Verstümmelung des Gottes der Bibel. Der doppelte Ausgang, also ewige Hölle oder ewiger Himmel, welchen die Bibel für den Menschen lehrt, findet sich bei Schutz nicht. Da sein Gott nicht straft, sondern nur Liebe ist, führt seine Theologie zur Allversöhnung. Ohnehin richtet sich sein Augenmerk auf die jetzige Welt. Die erst notwendige Versöhnung mit Gott übersieht er völlig oder setzt sie fälschlicherweise für alle Menschen voraus. Diese unbiblische Soteriologie und das verkürzte Gottesbild sind die Quellen, aus denen die ökumenische Theologie von Taizé gespeist wird. Dazu kommt noch, dass Schutz schon früh die katholische Lehre der Eucharistie und der Marienverehrung annahm. Aus biblisch reformatorischer Sicht ist dies ein Irrweg, der schlussendlich zur allversöhnenden ökumenischen Welteinheitsreligion von Offenbarung 17 und 18 führt. Natürlich meinen es die Brüder gut, und ihr soziales Engagement ist bewundernswert. Aber wer so konsequent die Bibel ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn er einer antichristlichen Bewegung Vorschub leistet. WALTER EDELMANN, Neftenbach

Die moderne Produktionsstätte des Jordi Medienhauses in Belp.

Visionen nehmen Konturen an. Sie werden zur Mission. Unbezwingbares wird überwunden. Denn am Horizont, wo wir die eigenen Grenzen berühren, begegnet uns der HerrGott. Er verpasst die Termine mit uns nicht. Er ist total lösungsorientiert. Du kannst dir den Kopf zerbrechen über die Trennung von einem Mitarbeiter, und plötzlich macht er dir einen Vorschlag. Du suchst jemanden fürs Internetmarketing, und nach einer überraschenden telefonischen Begegnung ist drei Tage später der Arbeitsvertrag unterschrieben. Das tönt so einfach. Gott sei Dank,

dass es immer wieder vorkommt! Solche Fügungen machen die Lasten, die wir im Geschäftsalltag tragen müssen, leichter. Weil es um einen Aufbruch zu neuen Horizonten, um einen langen Marsch ins Unbekannte geht, nehme ich dieses Angebot gerne an. «Synergie 2011!»

Kaum etwas zu lachen

der Retter wiederkommt». Umkehr zu Gott ist deshalb heute mehr denn je immer auch als Umkehr bezüglich des Lebensstils zu verstehen. Wir müssen endlich auch in christlichen Kreisen begreiflich machen, dass ein starker Zusammenhang zwischen der weltweiten Not, verursacht durch Schöpfungsveränderungen (Umweltkatastrophen), und dem überbordenden Lebensstil vieler Menschen – auch Christen – besteht. Dass ein bekehrter Mensch nicht mehr seinen Alkohol- und Tabaksüchten frönen soll, ist den meisten Christen klar. Aber wann merken auch Leute wie Matthies, dass es nicht um die Verhinderung des Weltuntergangs geht, sondern schlicht und einfach um einen Lebensstil, welcher nicht auf Kosten anderer geht? Ein solcher Lebensstil wird sich an den von Gott gegebenen natürlichen Grenzen orientieren und überbordenden Konsum von umweltschädigenden Vergnügen, Reisen und Materialismus meiden. Es würde mich doch freuen, einmal etwas zu einem solchen evangeliumsgemässen Lebensstil zu lesen, statt Artikel, welche sich über die Effekthascherei der Tagespresse lustig machen. WERNER HÄSSIG, Dr. Ing., Präsident der Arbeitsgruppe Klima, Energie, Umwelt der Schweizerischen Evangelischen Allianz, Uster

«idea Spektrum» Nr. 1 – «Aber der Herr lacht ihrer» Helmut Matthies erweckt den Anschein, er wolle sich aus der Verantwortung eines ökologischen Umbaus unserer Gesellschaft stehlen, wenn er versucht, den Ruf zur Umkehr zu Gott gegen einen schöpfungsverträglichen Lebensstil auszuspielen. Dass am Stammtisch der Klimawandel aufgrund eisiger Aussentemperaturen in Frage gestellt wird, kann ich nachvollziehen. Das ist aber wissenschaftlich unhaltbar. Denn Klimaveränderungen sind immer mindestens über mehrere Jahrzehnte zu betrachten, da jährliche Schwankungen beträchtlich sind. (Einen besseren Indikator für Veränderungen sind die Gletscher, und diese schmelzen trotz kaltem Winter weiter. Ein anderer Indikator ist der CO2-Gehalt der Luft.) Solange sich viele christliche Gemeinden angesichts der von Menschen gemachten Schöpfungszerstörung so unbetroffen verhalten, gibt es wohl kaum etwas zu lachen. Viele Menschen betrachten die Christen gar als die ökologischen Schlusslichter der Gesellschaft. Dies ist keine gute Voraussetzung, um das Evangelium von Jesus Christus zu verbreiten. Als Christen haben wir auch einen klaren Auftrag zur Verwalterschaft der Schöpfung «… bis

BRUNO JORDI Der Autor ist Leiter des Jordi Medienhauses in Belp und Präsident der Christlichen Geschäftsleute Schweiz (CGS).


WIRTSCHAFT

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ideaSchweiz l 03/2011

Die Drogerie Frehner in Bettlach SO hat sich als Kräuterhaus einen Namen gemacht

«Gottes Apotheke überrascht immer wieder neu» Apotheken und Drogerien haben Hochkonjunktur. Die alljährliche Grippewelle und sonstige Unpässlichkeiten machen vielen zu schaffen. Gegen viele jahreszeitliche Erkrankungen ist auch manches heilende Kraut gewachsen. Die Natur, «die Apotheke Gottes», hält viel Überraschendes bereit. Eine Entdeckung ist dabei das «Kräuterhaus» der Drogerie Frehner am Jurasüdfuss. Kurt Frehner führt in Bettlach SO eine Drogerie mit Pflanzensortiment. Er stellt verschiedenste Heilmittel her – individuell nach persönlichen Bedürfnissen der vielschichtigen Kundschaft.

Vom See an die Aare

Nach der Lehre am Zürichsee setzte sich Kurt Frehner das Ziel, im Beruf voranzukommen. Er absolvierte die Fachschule in

Impressum Idea Schweiz Herausgeber: Idea Information AG, 4410 Liestal Verwaltungsrat: Heiner Henny, Präsident; Sam Moser, Stellvertreter; Paul Beyeler, Hans Lendi, Hansjörg Leutwyler, Hanspeter Schmutz Ideelle Trägerschaft: Schweizerische Evangelische Allianz (SEA), Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden (VFG), Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Missionen (AEM) Redaktion: Josefstr. 32, 8005 Zürich, Tel. 044 444 16 44, Fax 044 444 16 49 E-Mail: redaktion@ideaschweiz.ch Internet: www.ideaschweiz.ch Chefredaktor: Andrea Vonlanthen Büro: Bahnhofstr. 65, 9320 Arbon Tel. 071 446 70 02, Fax 071 446 74 88 E-Mail: andrea.vonlanthen@ideaschweiz.ch Redaktor: Thomas Feuz Er weitertes Team: Esther Reutimann, David Sommerhalder, Thomas Hanimann, Iris Muhl, Sibylle Zambon, Christian Bachmann, Mirjam Fisch-Köhler, Marlies Reutimann Praktikum: Stefanie Niederhäuser Inserateservice: Jordi AG – das Medienhaus, Roland Rösti, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 25, Fax 031 819 38 54 E-Mail: inserate@ideaschweiz.ch Aboservice: Jordi AG – das Medienhaus, Ursula Seifried Jordi, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 20, Fax 031 819 38 54 E-Mail: abo@ideaschweiz.ch Abopreise: Jahresabo Fr. 145.–, Seniorenabo Fr. 117.–, Halbjahresabo Fr. 77.–. Das Abo ist unter Einhaltung einer vierwöchigen Frist jeweils zum Bezugsende kündbar. Konto: PC-Konto 40-788586-4 Idea Information AG, 4410 Liestal Layout/Druck/Versand: Jordi AG – das Medienhaus, Aemmenmattstr. 22, 3123 Belp www.jordibelp.ch

Bild: idea/tf

ren seit jeher in eine Drogerie. Sie enthalten natürliche Wirkstoffe und beinhalten jahrhundertealtes Wissen.» Davor hat er grossen Respekt. Im Gegensatz zur Chemie, die öfters mit Nebenwirkungen behaftet ist, haben Kräuter natürliche Wirkstoffe und daher nur selten Nebenwirkungen. Grundbestandteil seiner individuell hergestellten Tropfen sind 30 KräuterTinkturen. «Pflanzentinkturen sind einfacher einzunehmen als Tee», erklärt der Fachmann. Kurt Frehner ist Spezialist für natürliche Heilmittel.

Neuenburg und schloss diese mit der Meisterprüfung ab. Seinen Wurzeln folgend nahm er für viereinhalb Jahre eine Stelle als Geschäftsführer einer Drogerie im Appenzellerland an. Am Jurasüdfuss fand er dann mit einer eigenen Drogerie sein neues Wirkungsfeld. «Wir leben in einer sehr schönen Gegend. Es gibt Berge, aber auch Fluss und See.» Frehner bewegt sich als Velofahrer viel in der intakten Natur.

Schwieriger Einstieg

Seit rund 27 Jahren führt Kurt Frehner nun die Drogerie. Die Anfangsjahre waren nicht einfach, und es kostete ihn Mut, gewisse Praktiken seines Vorgängers nicht weiterzuführen. «Ich bemühte mich um eine klare Linie und wollte gegenüber allen fair sein. Es leuchtete mir nicht ein, warum eine vielköpfige Familie den vollen Preis bezahlen musste, während gewisse ‹bessere Leute› auf alle Produkte zehn Prozent Rabatt bekommen sollten.» Wegen seiner konsequenten Haltung verlor er ein paar gute Kunden. Wichtiger für ihn war, vor Gott und vor Menschen gerade hinstehen zu können. Und das ist ihm gelungen. Noch immer wirft die Drogerie so viel ab, dass es gut für den Lebensunterhalt reicht.

Und der Grenzbereich?

Von Anfang an hat sich Kurt Frehner zu seinem Christsein bekannt. Nachdem er in einem Werbemailing eine Weihnachtsgeschichte mit Tiefgang integriert hatte, stiess dies jedoch nicht nur auf Begeisterung. Wie hält er es mit Homöopathie

und Esoterik? Frehner führt einige Produkte von Similisan und Dr. Vogel. Gegenüber der Esoterik grenzt er sich deutlich ab. Homöopatische Präparate mit niedrigen Potenzen kann Frehner befürworten: «Erwiesenermassen werden Schmetterlinge von Duftstoffen bis zur Verdünnung von D12 angelockt. Warum sollten solche Verdünnungen nicht auch Auswirkungen auf Menschen haben?» Die Ungleichbehandlung von Ärzten und Naturheilpraktikern stört ihn. «Ich verstehe nicht, dass viele Christen gegenüber den Ärzten unkritisch sind, hinter jeder alternativen Methode aber gleich den Teufel sehen. Auch ein Arzt kann Esoteriker sein und Praktiken betreiben, die der Patient ablehnen würde. Gott hat noch viele Geheimnisse. Die Wissenschaft hat noch lange nicht alles erforscht», ist Frehner überzeugt.

Selten Nebenwirkungen

Frehner setzt vor allem auf die Phytotherapie. Sein Kräuterhaus bietet verschiedenste Mittel für oder gegen etwas. «Kräuter gehö-

Gegen den Winterkoller

Wer einige Grundsätze befolgt, muss sich wegen der vielen «Käfer» keine Sorgen machen: • Bewegung an der frischen Luft • Abhärtung: nicht zu viel heizen, da trockene Luft anfälliger macht, Idealtemperatur: 20 – 21 Grad • Nach der warmen Dusche kurz kalt duschen • Gesunde, ausgewogene Ernährung: Viel Gemüse, viele Früchte

Ehrlich bleiben

Worin besteht der Unterschied zu anderen Mitbewerbern? «Vielleicht darin: Ich will ehrlich sein. Ehrlich in der Beratung, ehrlich beim Preis.» Die Beratung bringe es mit sich, dass einem Kunden schnell etwas aufgeschwatzt wird, was dieser gar nicht will. Was zählt, ist bei Frehner nicht primär das Geld in der Kasse, sondern die ehrliche Beratung seiner Kundschaft. Die Drogerie/Apotheke als Vorstufe zum Arztbesuch macht Sinn, ist Frehner überzeugt. «Banale Erkrankungen können vom Fachkundigen erkannt und auf einfache Art behandelt werden. Vieles lässt sich auf natürliche Weise behandeln, ohne dass die Krankenkasse belastet wird.» Behandeln mit der Kraft aus Pflanzen, die Phytotherapie, ist für ihn «das Natürlichste der Welt». Und: «Das hat gar nichts mit Homöopathie zu tun.» Frehner bleibt auch da klar, ehrlich eben. Als die Türglocke erneut klingelt, verabschiede ich mich. Vor dem nächsten Termin bleibt kurz Zeit für etwas Bewegung an der frischen Luft. THOMAS FEUZ

(so erübrigen sich zusätzliche Vitaminpräparate), nicht zu viel Fleisch • Für gesunde Verdauung sorgen (genügend Ballaststoffe) • Prävention: abwehrstärkende Echinacea-Tropfen (Sonnenhut). Und wenns trotzdem soweit ist, helfen eine grössere Dosierung Echinacea, viel (Husten-)Tee, Inhalieren, Einreiben oder der Gang zum Arzt.


ideaSchweiz l 03/2011

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TAGESSCHAU

Giancarlo Voellmy am Männer tag der Freien Missionsgemeinden in Strengelbach AG

Männer sollen mutig leben – und auch geniessen 200 Männer liessen sich am Samstag zum Thema «Mutig leben» herausfordern. Das Lebensbild von Abraham hat sie dabei begleitet. Gesang und interaktive Momente rundeten den Männertag der Vereinigung Freier Missionsgemeinden in Strengelbach AG ab. «Verloren auf hoher See»: Der Einstiegsfilm zeigt ein hochmodernes Rettungsschiff, eine grosse Besatzung und genügend Rettungsboote. Im Sturm kämpfen Menschen um ihr Leben und könnten gerettet werden. Doch das Schiff läuft nicht aus. Stattdessen feiert die Mannschaft ihre Party. Der Kurzfilm hat aufgerüttelt.

Abraham – ein Held?

Giancarlo Voellmy ist Lehrer für Altes Testament am Seminar für biblische Theologie Beatenberg. Er machte sich Gedanken zum Thema «Abraham – der mutige Glaubensheld». War Abraham wirklich ein Held? War er echt mutig? «Abraham lachte, als ihm Gott ein Kind versprach, noch bevor

Giancarlo Voellmy (links) mit Moderator Jovan Vontobel.

Sara im Zelt lachte, wie einige Kapitel später beschrieben wird. Er glaubte Gottes Verheissung nicht und zeugte ein Kind mit Hagar, obwohl Gott ihm ein Kind von Sara versprochen hatte!» Abraham hatte eine derart klare Verheissung von Gott, wie sie sich manch einer im Saal gewünscht hätte. Voellmy machte den Anwesenden klar: «Abraham war Mensch wie du und ich. Er lebte nicht mutiger als wir. Auch er musste lernen, Gott zu vertrauen.» Interessant ist, dass ab 1. Mose 20 von einem viel mutigeren Abraham zu lesen ist. Zum Beispiel, wie Abraham bereit

gewesen wäre, seinen Sohn als Opfer hinzugeben.

«Ihr seid erwählt!»

«Abraham war ein erwählter Mann. Auch ihr seid erwählte Männer», rief Giancarlo Voellmy den Männern zu. So sollte es uns eigentlich nicht mehr schwer fallen, mutig zu leben, denn Mut bedeutet, Gott ganz zu vertrauen. Durch diese Gewissheit können wir unsere Berufungen mutig leben – in unserem Beruf und in unseren Aufgaben. Was können wir Gott als Schöpfer und Bevollmächtiger denn geben? «Das einzige, was wir Gott zurück-

geben können, ist Dankbarkeit. Ich mache euch Mut, im Unspektakulären und Alltäglichen euren Glauben zu leben und ein unerschütterlicher Zeuge Gottes zu sein.» Der Aufruf zu Dankbarkeit und Zufriedenheit zog sich durch den Nachmittag. Denn: «Wer dankbar und zufrieden ist, muss nicht nur in der Vergangenheit leben oder in der Zukunft suchen. Er kann seine Gegenwart, seine Gaben und Gottes Schöpfung in vollen Zügen geniessen.»

Gott mutig vertrauen

Das Vorbereitungsteam präsentierte ein motivierendes Programm. Dazu gehörten auch interaktive Momente zum Thema «Meine Lebensaufgabe» und die Suche nach einem «Genuss-Gleichgesinnten» im Raum sowie ein feines Mittagessen und viele spannende Gespräche untereinander. Viel wichtiger aber: Die Männer bekamen Mut, mutiger zu leben, Gott mehr zu vertrauen, Erwählung und Gaben dankbar anzunehmen – und auch mal geniessen zu können. ANDI GROSSMANN

Was am «PraiseCamp» begann, lebt in den Gemeinden weiter

Ergreift die Revolution der Liebe die Schweiz? Das «PraiseCamp» ist Vergangenheit. Doch sein Thema – die ReLOVEution – lebt weiter. Sie erfasst Gruppe um Gruppe, Gemeinde um Gemeinde und macht die Kraft der Liebe Gottes sichtbar. Daniel Nüesch von Campus Generation Ministry zieht ein klares Fazit zum «PraiseCamp10»: «Es war das bisher beste.» Als Grund dafür nennt er Dichte und Qualität der Inputs und das Thema, das sich als roter Faden durch das Camp zog. «Die ReLOVEution war das richtige Thema zur richtigen Zeit. Die Teilnehmer konnten viel von dem Gehörten mitnehmen.»

Liebe leben

«Im Camp haben wir die geistliche Basis für eine Revolution der Liebe Gottes gelegt. Wir haben eine Bewegung ins Leben gerufen, die Bilder: Frank Vornheder, zvg

weit über das Camp hinausgehen soll.» Sie betreffe auch Leute, die nicht dort waren. Das Konzept der Love-Revolution ist einfach, aber wirkungsvoll. Die Idee stammt aus einer Kirche in Australien. «Jede Woche schalten wir ein Kurzvideo mit dem Thema der Woche auf. Darin ermutigen wir zu einer Liebestat», erklärt Nüesch. So lautete eine Aufforderung «Ermutige einen Entmutigten». «Verschiedene Gruppen schrieben Bibelverse und ermutigende Sätze auf Post-

Weitere Nacharbeit «Wir haben noch nie so viel in die Nacharbeit investiert», sagt Daniel Nüesch. Neben der Love-Revolution bietet das «PraiseCamp»-Team deshalb weitere Inspirationen für zu Hause an: Eine Sondernummer der Bibellesehilfe «Pur» mit Themen des «PraiseCamps»,

it’s und verteilte sie in ihren Städten», erzählt der 26-Jährige.

Gemeinsam dranbleiben

Die Liebestaten werden auf einer Internetseite registriert. «Die Zahl der Liebestaten in der Schweiz wächst von Minute zu Minute.» Ziel dieser Plattform sei, dass sich die Teilnehmenden gegenseitig motivieren und sehen, dass sie nicht alleine aktiv sind. Egal ob Einzelpersonen, Jugendgruppen, Kirchgemeinden oder Allianzzwölf Vertiefungen zum Thema für Kleingruppen im «TeensMag» und Unterstützung durch das «PraiseCamp»-Teams für Regionen beim Organisieren einer evangelistischen Veranstaltung (reLOVEution-Tour). www.campusgeneration.ch www.loveisourweapon.com

gruppen – sie alle können Teil der Bewegung sein und ab einem beliebigen Zeitpunkt mit den Liebestaten starten. «Wir wünschen uns, dass diese Revolution unseren Lebensstil verändert. Menschen sollen uns daran erkennen, dass wir Liebe haben und weitergeben. Dass wir Hoffnungsträger sind», erklärt Nüesch. «Wir sind gut im Reden. Aber noch nicht so gut im Tun.» Das soll sich mit der ReLOVEution ändern. Nachhaltig. «Wir staunen, was die Kraft der Liebe Gottes bewirkt!» STEFANIE NIEDERHÄUSER


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INSERATE

AGENDA

ideaSchweiz l 03/2011

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AGENDA JANUAR 2011

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20. Januar, 20 Uhr, Warum brauchen Christen die Freiheit in Christus? mit Dr. Neil T. Anderson. Freie Christengemeinde Buttikon, Buttikon SZ, www.fcgb-buttikon.ch

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Appell: Für mehr Anstand in der Politik in den USA OFFENER BRIEF Führende – meist linksorientierte – Christen, Juden und Muslime mahnen Kongressabgeordnete

I

n den USA haben mehr als 50 führende Repräsentanten von Christen, Juden und Muslimen mehr Anstand im politischen Umgang angemahnt. In einem Offenen Brief an die Kongressabgeordneten rufen sie die Politiker auf, in sich zu gehen und Gewissenserforschung zu betreiben. Nach dem Attentat auf die demokratische Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords am 8. Januar in Tucson (Bundesstaat Arizona), bei dem der psychisch labile Jared Lee Loughner (22) sechs Menschen erschoss und 14 – darunter Giffords – schwer verletzte, war scharfe Kritik am Stil der politischen Auseinandersetzung aufgekommen. Vor allem konservative Medien und Politiker wie die frühere Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner und Anführerin der „Tea Party“, Sarah Palin, wurden beschuldigt, durch

hasserfülltes Reden das gesellschaftliche Klima zu vergiften. In dem Offenen Brief, der von der Organisation „Glaube im öffentlichen Leben“ (Washington) in einer Zeitungsanzeige publiziert wurde, regen politisch eher links orientierte religiöse Führungspersonen einen nationalen Dialog über die politische Kultur an.

„Im Geist amerikanischer Werte“ Groll, Drohungen und Grobheit in öffentlichen Debatten seien alltäglich geworden. Es gelte aber, „im Geist gemeinsamer amerikanischer Werte“ mit politischen Gegnern umzugehen. „In unseren Kirchen, Moscheen und Synagogen kommen wir nicht als Anhänger einer bestimmten politischen Ideologie oder Partei zusammen, sondern als Kinder Gottes und Bürger, die zum Bau einer

besseren Gemeinschaft aufgerufen sind. Wir beten, dass Sie das auch tun“, heißt es in dem Offenen Brief an die Kongressabgeordneten.

Einige Unterzeichner des Briefes Peg Chemberlin, Präsidentin des Nationalen Kirchenrats (New York) Richard Cizik, Präsident der Evangelikalen Neuen Partnerschaft für das Gemeinwohl (Washington) Jim Wallis, Leiter der Kommunität Sojourners (Gäste) (Washington) Nathan J. Diament, Union Orthodoxer Jüdischer Gemeinden Amerikas (New York) Zahid H. Burkhari, Präsident des Islamischen Zirkels von Nordamerika (Jamaica/Bundesstaat New York) P

b

www.faithinpubliclife.org

Ägypten: Er suchte ein Kreuz und schoss CHRISTENVERFOLGUNG Weiterer blutiger Überfall in Ägypten, Zusammenstöße in Nigeria und Inhaftierungen im Iran

Foto: Reuters

A

nschläge auf Christen, blutige Auseinandersetzungen mit Muslimen und Verhaftungen aus Glaubensgründen halten in mehreren Ländern an. Nach dem weltweit beachteten Selbstmordattentat mit 23 Toten und fast 100 Verletzten in der Neujahrsnacht vor einer koptisch-orthodoxen Kirche im nordägyptischen Alexandria ist am 11. Januar ein Kopte in Oberägypten gezielt wegen seines Glaubens erschossen worden; fünf weitere Christen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Bluttat ereignete sich in einem Zug in der Provinz Minya, etwa 250 Kilometer südlich von Kairo. Nach Augenzeugenberichten bestieg der Täter – ein Polizist außer Dienst – in Samalout den Zug und ging durch die Wagen. Dabei habe er nach Kreuz-Tätowierungen Ausschau gehalten, die viele koptisch-orthodoxe Christen am Handgelenk tragen. Er habe muslimische Gebete rezitiert und „Allah ist groß“ gerufen. Dann habe er das Feuer auf den 71-jährigen Fathy Ghattas eröffnet.

ideaSpektrum 3.2011

Dessen Ehefrau sowie vier weitere Kopten seien schwer verletzt worden. Bahnpassagiere überwältigten den Todesschützen und übergaben ihn der Polizei.

38 Tote in Nigeria In Zentralnigeria sind bei religiös motivierten Zusammenstößen Anfang des Jahres mindestens 38 Christen und Mus-

lime getötet worden. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) appellierte an die Regierung, die Täter zu ermitteln und vor Gericht zu stellen. Die meisten Morde ereigneten sich im Umkreis der Stadt Jos. Bewaffnete Muslime vom Stamm der Fulani griffen am 11. Januar mit Gewehren und Macheten die christlichen Bewohner des Dorfs Kuru Wareng an. Am selben Tag gab es in der Ortschaft Barakin Ladi fünf Tote.

Festnahmen im Iran verurteilt

Das Zentrum der Gewalt gegen Christen in Nigeria ist die Stadt Jos. Bei einer Bombenexplosion starben 30 Menschen.

Gegen die Festnahme von Christen im Iran protestiert der Direktor der Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz, Godfrey Yogarajah (Colombo/Sri Lanka). Seit Weihnachten seien Sicherheitskräfte in Häuser von Christen muslimischer Herkunft eingedrungen. Sie hätten mindestens 40 festgenommen und verhört. Im Iran steht sowohl auf den Abfall vom Islam als auch auf nicht-islamische Mission für Männer die Todesstrafe. P


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N AC H R IC H T E N

US-AUTOR Kirchen müssen mehr tun, um „verlorene Schafe“ zurückzugewinnen

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arum wenden sich manche Christen von ihrem Glauben ab? Antworten auf diese Fragen hat der US-amerikanische Publizist Drew Dyck in Interviews mit rund 100 Betroffenen gesucht. Sie sind christlich aufgewachsen, haben aber als junge Erwachsene ihrem Glauben den Rücken gekehrt. In seinem Buch „Generation ExChristian“ (Generation Ex-Christen) unterscheidet Dyck mehrere Kategorien. Zu den „Zurückgeschreckten“ gehören Menschen, die in jungen Jahren schmerzhafte Erfahrungen in Familie oder Gemeinde gemacht haben. Zum Beispiel fühlten sie sich geistlichem Missbrauch oder übergroßem Druck ausgesetzt. Die Folgen könnten einen Menschen ein Leben lang verfolgen,

so der Autor. Meist scheuten sich die Betroffenen, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Eine weitere Gruppe bezeichnet er als „Neuheiden“. Sie hätten sich einer nichtchristlichen Religion zugewandt. Als „Herumtreiber“ bezeichnet Dyck Ex-Christen, deren Glaube niemals sehr tief verwurzelt gewesen sei und die sich allmählich davon gelöst hätten. Schließlich gebe es auch noch „Rebellen“, die sich gegen den Glauben ihrer Kindheit auflehnen. Man dürfe nicht glauben, dass Ex-Christen allein den Weg zu Christus zurückfänden. Gemeinden müssten viel mehr tun, um „verlorene Schafe“ zurückzugewinnen. P

b

www.drewdyck.com

„Soldaten für Christus“ verändern das Militär KAMBODSCHA Wie ein Offizier die Unmoral seiner Kameraden bekämpft.

I

n den Streitkräften Kambodschas steigt die Zahl der Christen. Sie sind überzeugt, dass christliche Werte ihre Kameraden positiv beeinflussen. Deshalb verbreiten sie die Bibel unter den Soldaten des buddhistisch geprägten südostasiatischen Landes, so der „Bibelreport“ der Deutschen Bibelgesellschaft. Als ein Beispiel wird Oberleutnant Chea Sovan aus der Provinz Banteay Meanchey im Nordwesten Kambodschas angeführt. Er wurde 2007 Christ durch ein Neues Testament, das er von der kambodschanischen Bibelgesellschaft bekam. Seither sorge er sich um das unmoralische Leben seiner Kameraden und erzähle ihnen, wie die biblische Botschaft ihn und seine Familie verändert habe: „Ich möchte, dass andere so gesegnet werden, wie ich es bin.“ Als „Soldat für Christus“ spreche er ohne Furcht über seinen Glauben. Wie es weiter heißt, stehe die Armee Kambodschas im Ruf, ihre Macht zu missbrauchen und die Bevölkerung zu terrorisieren. Die Bibelgesellschaft in Phnom Penh bemühe sich, Soldaten christliche Literatur preiswert zur Verfügung zu stellen. P

b

www.dbg.de

LAOS

THAILAND

Provinz Banteay Meanchey

K AM B OD S C H A PHNOM PENH HAUPTSTADT

VIETNAM

Soldat für Christus: Oberleutnant Sovan

NOTIERT US-Bestseller-Pastor: Rick Warren will abspecken US-Pastor Rick Warren will binnen eines Jahres 40 Kilogramm abnehmen. Der schwergewichtige Geistliche zählt zu den bekanntesten Rick Warren Kirchenleuten der Vereinigten Staaten. In den 30 Jahren seines Dienstes in der Saddleback-Gemeinde in Lake Forest (Kalifornien) habe er pro Jahr im Schnitt annähernd drei Pfund zugelegt, gab er zu. Der 56-Jährige – auch bekannt als Autor der Buchs „Leben mit Vision“ mit einer Auflage von über 52 Millionen – will den rund 22.000 Gemeindemitgliedern mit gutem Beispiel vorangehen. Seine Abnehmaktion ist Teil der Fitnesskampagne „Daniel-Plan“, die am 15. Januar startete. Bisher haben sich etwa 6.000 Personen dafür angemeldet. Monatlich sollen die Erfolge überprüft werden. Statistiken zufolge sind 76 % aller Amerikaner zu dick. Mit dem DanielPlan will man körperlich und geistlich fit werden. Der Plan ist nach dem alttestamentlichen Propheten Daniel benannt, der durch gesunde Ernährung sein Leben am Hof des Königs von Babylon rettete.

Missionswerk Operation Mobilisation: Neuer Europaleiter Der deutsche Theologe Frank Hinkelmann (Petzenkirchen/Niederösterreich) ist neuer Europaleiter des evangelikalen Missionswerks Operation Mobilisation (OM). Der 43-Jährige war bisher für die Arbeit des Werkes Hinkelmann in Österreich und Zentraleuropa verantwortlich. In einer Strukturreform hat OM seine bisher selbstständigen Regionen West-, Zentral- und Nordeuropa zusammengelegt. Die Missionsgesellschaft ist mit rund 780 Mitarbeitern in 30 Ländern Europas tätig. Weltweit hat das Werk etwa 5.500 Mitarbeiter in über 110 Staaten. Hinkelmann ist auch ehrenamtlicher Vorsitzender der Österreichischen Evangelischen Allianz.

Fotos: PR

Warum wenden sich Christen vom Glauben ab?

ideaSpektrum 3.2011


N AC H R IC H T E N

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Der Atheismus in der Leitung der EU „schreit zum Himmel“ EUROPÄISCHE UNION Über drei Millionen Schüler haben von der EU kostenlos einen Kalender erhalten, in dem alle christlichen Feiertage fehlen, obwohl ca. 65 % aller Bürger Mitglieder einer Kirche sind.

H

eftige Proteste hat ein Schülerkalender ausgelöst, in dem Weihnachten, Ostern und Pfingsten nicht verzeichnet sind – wohl aber die wichtigsten jüdischen, muslimischen und hinduistischen Feiertage. Nach Angaben der Leitung der EU – der EU-Kommission – wurde der Kalender mit einer Auflage von fast 3,3 Millionen Exemplaren – davon 500.000 in Deutschland – an über 21.000 Schulen in den 27 EU-Mitgliedsstaaten verteilt. Die Kosten betrugen fünf Millionen Euro. Europaabgeordnete von CDU und CSU reagierten empört. „Der kämpferische Atheismus im Apparat der EU-Kommission ist untragbar. Er braucht eine klare christliche Antwort. Diese Willkür schreit zum Himmel“, erklärte der CSUParlamentarier Martin Kastler (Nürnberg). Er glaubt nicht an ein Versehen. Jede Publikation, die die EU-Kommission verlasse, werde eingehend geprüft. Der hessische CDU-Abgeordnete Thomas Mann (Schwalbach am Taunus) verlangt von der Kommission „einen detaillierten Bericht, wie es zu diesem schlimmen Fauxpas kommen

konnte“. Mann bat die Lehrer, den Schülern zu erklären, dass es sich um einen gravierenden Fehler der EU-Kommission handele, der aufgeklärt werden müsse. Er ist für zahlreiche Bildungsthemen Berichterstatter des Europäischen Parlaments. Auch der Evangelische Arbeitskreis der CDU/CSU zeigte sich befremdet. Der Vorfall offenbare eine „erschreckende Entfremdung einer führenden europäischen Arbeitsebene von den eigenen christlichabendländischen Wurzeln“. Nur ein Europa, das sein religiöses und kulturelles Erbe bewahre und seine christliche Quellen nicht verachte, könne eine Zukunft haben.

EU-Kommissar entschuldigt sich Der für den Kalender zuständige EUKommissar John Dalli hat sich inzwischen in einem Schreiben an die (katholische) Bischofskonferenz des EU-Raums für die Fehler entschuldigt. Die katholische Kirche hatte bei Dalli angefragt, weshalb keine christlichen Feiertage genannt seien, obwohl ca. 65 % der annähernd 500

Millionen EU-Bürger Kirchenmitglieder seien. Die Pressestelle der EU-Kommission bedauerte den Fehler: „Wir hätten den Kalender ordentlich abnehmen müssen.“ P

Historiker: Evangelikale sorgten maßgeblich für Ende der Sklaverei GESCHICHTE Großes Lob für die evangelikale Bewegung gab es von einem Geschichtsprofessor an der Universität Rostock in einem zweiseitigen Beitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“

Foto: PR

D

er Kampf gegen die Sklaverei in England und Amerika wurde seit dem 17. Jahrhundert „maßgeblich von evangelikalen Strömungen“ geführt. Dabei waren Freikirchen die „stärkste Triebkraft“ für die Abschaffung der Sklaverei. Diese Ansicht äußerte der Professor für Alte Geschichte an der Universität Rostock, Egon Flaig, in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (8. Januar). Erfolge dieses Engagements hätten sich nach einem Jahrhundert eingestellt. Dann habe die Verfassung Ein misshandelter Sklave des amerikanischen Staats Vermont in Louisiana (1863) 1777 der Sklaverei ein Ende gesetzt. Pennsylvania, Connecticut und Rhode Island seien gefolgt. Groß-

ideaSpektrum 3.2011

britannien schaffte die Sklaverei erst 1833 ab. Flaig bezeichnet den Kampf für die Abschaffung der Sklaverei als ein einzigartiges welthistorisches Phänomen. Er entstamme der westlichen Kultur: „In sämtlichen anderen Hochkulturen fehlt davon jegliche Spur.“

Islam: Kein grundsätzliches Nein zur Sklaverei In der islamischen Welt existiere nach Auskunft des englischen Wirtschaftshistorikers William Gervase Clarence-Smith bis heute keine maßgebliche Fatwa (Rechtsgutachten), die grundsätzlich die Sklaverei untersagt habe, stattdessen gelte sie als vorläufig nicht praktizierbar. In China hatten laut Flaig die Kaiser bis zum 18. Jahrhundert die Sklaverei de facto zum Verschwinden gebracht. Sie hätten dies freilich mit rein administrativen Maßnahmen getan – ohne prinzipielle Begründung. Aber nur eine solche Begründung könne ein für allemal verhindern, „dass ein überwundenes Übel lautlos zurückkehrt“. Flaig ist Autor des 2009 erschienenen Buchs „Weltgeschichte der Sklaverei“ (Verlag C.H. Beck/München). P


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A LL I A N ZG E BE T S WO C H E

Berlin: die Polizisten Andreas Jahn (l.) und Thomas Ackerschewski

Wetzlar: OB Wolfram Dette (FDP, rechts), links daneben Pastor Thomas Schech von der Freien evangelischen Gemeinde in Wetzlar

Gemeinsam beten und dienen ALLIANZGEBETSWOCHE 2011 Rund 344.000 Christen aus Landes- und Freikirchen beteiligten sich 2011

Berlin: „Eine Wohltat für uns Polizisten“

Wetzlar: Der OB nennt die Gebetsanliegen

Der Polizeialltag wird durch Gebet erträglicher

Christen interessiert an Stadtpolitik

„Von den Gebeten für uns werden wir weitererzählen!“ Die Polizisten Thomas Ackerschewski und Andreas Jahn waren begeistert von der Anteilnahme beim Gebetsabend am 10. Januar während der Allianzgebetswoche in der Friedenskirche Berlin-Charlottenburg, einer Baptistengemeinde im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Beide sind Hauptkommissare des Berliner Landeskriminalamtes und zudem engagierte Mitglieder der Christlichen Polizeivereinigung. Beim Gebetsabend berichteten sie von den Herausforderungen im Polizeidienst. Ungewohnt für die Beamten war: Sie wurden zur Gebetswoche eingeladen. Denn zu den meisten Einsätzen kommt die Polizei unangemeldet. Jahn und Ackerschewski erzählten den rund 40 Mitbetern aus ihrem Polizeialltag: über die erhöhte Terrorgefahr in Deutschland, die von Linksautonomen in Brand gesetzten Autos in Berlin und den mangelnden Respekt vieler Berliner gegenüber Polizisten. Ackerschewski: „Wir kommen in Situationen, die die meisten nur aus dem Fernsehen kennen: vernachlässigte Kinder in vermüllten Wohnungen, übel zugerichtete Opfer nach Gewaltdelikten, das Überbringen von Todesnachrichten. Hier wird der Polizeibeamte oft als Helfer erwartet, obwohl ihm selbst zum Heulen zumute ist.“ Auf die Frage, was Christen für die Polizei tun können, war seine Antwort: „Beten! Segnet die Beamten im vorbeifahrenden Polizeiauto, betet für die ungewisse Situation, in die sie nun kommen!“ Sein Fazit am Ende des Abends: „Die vielen Fragen zu unserer Arbeit und die Gebete waren eine Wohltat.“ Hendrik Kissel

Allianzgebetsabende in Rathäusern sind keine Seltenheit mehr. Doch dass ein Stadtoberhaupt daran teilnimmt und Gebetsanliegen benennt, dürfte die Ausnahme sein. Der Oberbürgermeister der mittelhessischen 52.000-Einwohner-Stadt Wetzlar, Wolfram Dette (FDP), ist sogar schon im zweiten Jahr beim Allianzgebet im Sitzungssaal des Stadtparlamentes dabei. Er ist an diesem Abend mit 100 Teilnehmern bis auf den letzten Platz gefüllt. Dette ist erfreut über den großen Zuspruch, zeige er doch, dass viele Christen an den Fragen der Stadtpolitik Anteil nähmen. Nach Einschätzung der Vorsitzenden der örtlichen Evangelischen Allianz, Pastorin Sabine Bockel, ist der Besuch höher als an den übrigen Veranstaltungen der Gebetswoche, die in Gemeindehäusern stattfi nden. Pastoren aus Landes- und Freikirchen sind da. Auch einige Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind gekommen. Dette sagt zur Begrüßung, er glaube, dass ein solcher Gebetsabend den Mitarbeitern im Rathaus und allen Verantwortlichen der Stadt Kraft geben könne und ihnen weiterhelfe, den Menschen zu dienen. Nach seinen Worten ist alles menschliche Streben vergeblich ohne Gottes Segen. Der Oberbürgermeister nennt konkrete Anliegen für das Gebet, etwa den wirtschaftlichen Aufschwung in der Stadt oder das Landesfest „Hessentag“, das 2012 in der Stadt durchgeführt wird und zu dem eine Million Besucher erwartet wird. Zudem erwähnt er Bauvorhaben wie den Bahnhof der Stadt, der zu diesem Anlass völlig neu gestaltet wird. Er sei dankbar, wenn für diese Projekte um Gottes Segen gebetet werde. Eckhard Nickig

Fotois: Berlin/PR; Wetzlar/idea/Rösler

an der ältesten und größten Gebetsinitiative im deutschsprachigen Europa. Von vier der rund 1.500 Gebetsorte berichtet idea im Folgenden:

ideaSpektrum 3.2011


A LL I A N ZG E BE T S WO C H E

München: In diesem Kirchturm wurde 50 Stunden lang gebetet.

Biel: ein buntes Programm beim Abschlussgottesdienst

München: 50-Stunden-Gebetskette

Biel (Schweiz): „Dein Wille geschehe“

Christen beten in „hoher“ Position für ihre Stadt

Ein Gebetsabend für Führungskräfte

Eine außergewöhnliche Aktion stellte die Evangelische Allianz München an den Anfang ihrer Gebetswoche: 50 Stunden lang bildeten Münchener Christen im Turm der evangelisch-lutherischen Matthäuskirche eine Gebetskette für ihre Stadt und andere Anliegen. Die Kirche liegt im Münchener Stadtzentrum und aus dem Turmzimmer bietet sich ein weiter Blick in die Umgebung. An jedem ersten Freitag im Monat treffen sich hier die Pastoren der Gemeinden, die der Allianz nahestehen, zum „Turmgebet“. Dabei erlebten sie, dass dieser Blick über München ihre Gebete für die Stadt inspirierte, berichtete der Allianzvorsitzende Pastor Siegfried Winkler. So entstand die Idee für eine Gebetskette im Turmzimmer: Auch andere Christen sollten von dort aus ihre Stadt München besser in den Blick bekommen als hinter ihren „frommen Gemeindemauern“ – und dann für sie beten.

Zum zweiten Mal hat die Evangelische Allianz Biel und Umgebung im Rahmen der Allianz-Woche einen Gebetsabend für Geschäftsleute und Führungskräfte durchgeführt. Dabei wurde den Anwesenden bewusst, wie direkt das „Vaterunser“ in ihren Berufsalltag spricht – und dass Gott wirkt, ganz praktisch und überraschend. „Unser Ziel ist es, einerseits die Vernetzung der christlichen Geschäftsleute und das Gebet für die Wirtschaft in der Region zu fördern. Andererseits soll der Leib Christi den Dienst in der Wirtschaft und am Arbeitsplatz bewusster wahrnehmen“, so Thomas Kunz, Organisator des Abends. Gemeinsames Gebet, sich kennenlernen, die Betrachtung des „Vaterunser“ und der Austausch von persönlichen Erlebnissen und Anliegen füllten den Abend.

Anbetung nach Mitternacht

Fotos: PR

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Winkler lud beim Eröffnungsgottesdienst der Allianzgebetswoche die knapp 500 Besucher zum Turmgebet ein. Dabei erläuterte er dieses Gebet mit den Worten: „Einige gehen in den Turm, dann wird abgeschlossen und in 50 Stunden machen wir wieder auf.“ Um dann schnell zu ergänzen, dass der Ablauf natürlich ein anderer sein werde: Gebetsgruppenleiter aus den der Allianz verbundenen Gemeinden gestalteten abwechselnd ein jeweils einstündiges Gebetstreffen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden sollte dabei die Anbetung Gottes im Mittelpunkt stehen. Zu manchen Zeiten beteten Gruppen von fünf Teilnehmern miteinander, manchmal waren es 35. Damit war dann der kleine Raum im Kirchturm bis auf den letzten Platz gefüllt. Insgesamt beteiligten sich rund 250 Münchener Christen an der Gebetskette. Jeder konnte so lange mitbeten, wie er wollte. Den Abschluss bildete ein Gebetsgottesdienst im Hauptschiff der Matthäus-Kirche. Achim Halfmann

ideaSpektrum 3.2011

Gott ist der Versorger Das „Vaterunser“ spricht sehr direkt in den Berufsalltag der Geschäftsleute hinein und umfasst die ganze Wirtschaft. Wichtig wurde den Anwesenden „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“. Es ist den Geschäftsleuten ein Anliegen, in den „vorbereiteten Werken“ (Eph. 2,10) den Willen Gottes an ihrem Platz in der Wirtschaft zu erfüllen. Gott als Versorger zeigt der Vers „Unser tägliches Brot gib uns heute“. Gott prüft das Vertrauen in ihn. Jeder gibt sein Bestes, aber er ist es, der die Arbeit gelingen lässt und die richtigen Aufträge bringt, das wurde an dem Abend deutlich. Im Vers „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ kam klar zum Ausdruck, dass die christlichen Geschäftsleute mit der Vergebung einen aktiven Beitrag leisten können und müssen. Nur so bleibt die enge Beziehung zu Gott bestehen. Dieser Vers ist der Schlüssel für Konfliktsituationen und den Umgang mit Menschen beruflich und privat. Der Buchbinder Matthias Grimm erzählte, dass ihm eine ältere Druckmaschine kaputtgegangen sei. „Ersatzteile gab es keine mehr. Ich überlegte darum, ganz mit Drucken aufzuhören. Doch am selben Tag rief ein Kollege an, der gerade seine Werkstatt räumte, und bot mir genau diese Maschine als Geschenk an!“ Rosmarie Saner


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IN T ERV IEW

Der Fürst und die Kirche EINE DRAMATISCHE GESCHICHTE Verlässt das Oberhaupt des ältesten evangelischen Adelsgeschlechtes in Bayern die lutherische Landeskirche? Dieses Gerücht sorgte jüngst in den höchsten Kirchenkreisen für Unruhe. Denn Albrecht Fürst zu Castell-Castell hat in weiten Kreisen des evangelisch geprägten Frankens eine Art „Meinungsführerschaft“, wie es ein ranghoher Politiker ausdrückte. Die Geschichte der Familie lässt sich bis 1057 zurückverfolgen. Die Castell-Unternehmensgruppe beschäftigt über 300 Mitarbeiter, davon rund 270 in der Castell-Bank, der ältesten Bank Bayerns. Die anderen sind im Weingut und Wald tätig. Der Fürst ist 12 Jahre Synodaler der Landeskirche gewesen und gehörte 1968 zu den Vätern der charismatischen Bewegung im deutschsprachigen Raum – zusammen mit seiner Gattin Marie-Louise. Mit ihm sprach Helmut Matthies.

Warum sind Sie dagegen? Weil die Schöpfung Gottes verletzt wird: dass Mann und Frau zusammengehören und nicht Mann und Mann oder Frau und Frau. Für mich hat diee Kirchenleitung durch diesen Beschluss Sünde legitiegitimiert. Von daher habe ich das Vertrauen in n die Führung meiner Landeskirche verloren. Aber es geht nicht nur um mich. Die ganze Landeskirche hat nach dieser Entscheidung keine Glaubwürdigkeit mehr, lebt sie doch nicht mehr das, was sie zu verkündigen hat.

kann. Das ist geschehen. Dabei hat mir ein Satz des bibeltreuen Theologieprofessors Reinhard Slenczka aus Erlangen geholfen, der sagte: „Aus der Kirche als der durch die Taufe begründeten Gemeinschaft des Leibes Christi kann man nur abfallen, jedoch nicht austreten.“ So wie ich in meine Familie ohne mein Zutun hineingeboren wurde, bin ich ja auch in meine Kirche hineingetauft worden, und da wurde mir klar, dass ich nicht austreten kann.

Keine Kirchensteuer mehr an die Landeskirche? Bleibt für Sie der Vertrauensverlust ohne Konsequenzen? Ich suche eine Lösung, wie ich meine Kirchensteuern jetzt meiner Kirchengemeinde Castell zukommen lassen kann, aber nicht weiter der Landeskirche insgesamt. Vor allem aber habe ic ich einen Gesprächskreis mit Freunden und Bekannten zu mir eingeladen, und wir haben gemeinsam darüber darübe nachgedacht, was zu tun ist. Ich habe beschlossen, an a die Leitung der Landeskirche sieben Fragen zu z stellen (siehe Kasten). Ziel ist, dass alle, die jetzt verunsichert oder bedrückt sind über je die Entwicklung unserer Kirche, erfahren sollen, dass es eine große Zahl von Mitgliedern gibt, die unverändert an der Heiligen Schrift als Wort Gottes festhalten.

Wollen Sie eine neue Bewegung gründen? W Nein, aber ich wünsche mir, dass von vielen N Wenn ich kein Vertrauen mehr habe ... Mitgliedern und Kirchenvorständen an die LeiMitg tung der bayerischen Landeskirche die Wenn ich kein Vertrauen mehr in Ihre Bankk habe, Das Familienwappen Grundsatzfrage gestellt wird: Gilt das überdann kündige ich bei ihr mein Konto und gehe zu eilieferte Wort Gottes noch oder eine zeitbedingte Auslener anderen. Was wollen Sie jetzt machen? Als ich die Nachricht las, war ich entschlossen, aus der Kir- gung beim Thema praktizierte Homosexualität? che auszutreten. Doch ein Übertritt in eine Freikirche oder die katholische Kirche kam für mich nicht infrage. Ich habe Können Sie durch Fragen wirklich etwas erreichen? dann viel darüber gebetet, ja den Heiligen Geist geradezu Immerhin hat die Landessynode beschlossen, dass in allen angefleht, mich so zu leiten, dass ich wieder klar denken Kirchenkreisen jetzt Informationsgespräche zu diesem The-

Fotos: Pia Vogel

idea: Fürst Castell, Sie sind das Oberhaupt eines alten Adelsgeschlechtes in Bayern, das seit der Reformationszeit treu zur evangelischen Kirche steht. Jetzt haben Sie mitgeteilt, Sie seien über die Entwicklung Ihrer Kirche verzagt wie nie zuvor. Warum? Castell: In meiner großen Familie sind Leben, Glauben und Kirche eine Einheit gewesen. Durch das Vorbild meines Vaters hatte ich auch immer ein Grundvertrauen zum himmlischen Vater. Nun aber ist mein Vertrauen in meine Landeskirche erschüttert, weil unser Landeskirchenrat zusammen mit dem Landesbischof beschlossen hat, auch bei uns das Leben von homophil zusammenlebenden Paaren im Pfarrhaus zu erlauben.

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IN T ERV IEW

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Die fürstliche Familie: in der Mitte Albrecht Fürst zu Castell-Castell und seine Gattin Marie-Louise, links Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell (45), der vom Vater als eines der acht Kinder die Leitung der Castell-Unternehmensgruppe übernommen hat.

ma angeboten werden. Und genau dafür möchte ich den vielen verunsicherten Christen Argumente an die Hand geben, damit die Diskussion eine biblische Basis hat. Im Übrigen stehe ich ja nicht allein. Es gibt etwa 15 Gruppen innerhalb der bayerischen Landeskirche, die gegen den Beschluss der Kirchenleitung Stellung genommen haben. Und das Ziel Ihrer Initiative? Ich wünschte natürlich, die Kirchenleitung nähme ihren Beschluss zurück. Doch mein Regionalbischof Christian Schmidt aus Ansbach hat mir erklärt, die Entscheidung sei unumkehrbar, nachdem der Landeskirchenrat sie einstimmig getroffen hat.

Wenn der Bischof zurückträte Dann ist Ihre Initiative doch schon vor dem Start aussichtslos ... Wir beten für die Möglichkeit, dass der Landesbischof diesen Beschluss als Irrtum erkennt und sein Amt zur Verfügung stellt. Das würde ein Signal sein, das weit über die Grenzen unserer Landeskirche große Beachtung fände. Und selbst wenn das nicht geschehen sollte, bin ich überzeugt, dass sich aufgrund der jetzigen Entwicklung wie im Dritten Reich der Widerstand in Form einer Art Bekennenden Kirche bilden wird. Doch selbst wenn der Landesbischof zurücktreten würde: Alle drei nominierten Kandidaten für seine ohnehin anstehende Nachfolge tragen den Beschluss pro homophile Paare im Pfarrhaus mit. Ein Rücktritt würde also nichts ändern. Das sehe ich anders: Ein solcher Schritt hätte eine so große Signalwirkung, dass dann sicher auch noch ein andersdenkender Kandidat aufgestellt werden würde.

Ein Neffe ist homosexuell: Was nun? Sie haben acht Kinder, von denen zwei gestorben sind, und 31 Enkel. Wenn jetzt eines Ihrer Kinder oder einer Ihrer Enkel zu Ihnen käme und sagen würde: „Ich bin Christ, aber gleichgeideaSpektrum 3.2011

schlechtlich veranlagt – und alle Therapien haben mir daraus nicht herausgeholfen.“ Wie gehen Sie damit um? Wir treffen uns als Großfamilie immer wieder einmal. Einer meiner Neffen lebt in einer homophilen Verbindung. Als ich ihn zu einem Familienfest eingeladen habe, fragte er, warum sein Freund nicht auch eingeladen wurde. Da habe ich meinem Neffen geschrieben, er wäre mir immer willkommen, aber ich möchte nicht, dass zwei Männer als Paar bei mir im Hause zusammenwohnen. Daraufhin ist er leider nicht gekommen. Auch wenn ich grundsätzlich gegen praktizierte Homosexualität bin, möchte ich doch allen Homosexuellen so begegnen, wie Jesus das gefordert hat: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Mein Wunsch ist, dass in unserer Landeskirche eine Stelle für die Seelsorge an homophilen Menschen geschaffen wird. Es ist für mich völlig unverständlich, dass es eine solche Beauftragung angesichts der vielen sonstigen übergemeindlichen Stellen nicht gibt. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine große Zahl gleichgeschlechtlich empfindender Menschen von ihrer Neigung befreit werden möchte. Und ich bin dankbar, dass sich wenigstens freie Initiativen wie „Wüstenstrom“, die Offensive Junger Christen (OJC) und der Christustreff in Marburg um sie kümmern.

Wann kommt ein „Jahr der Buße“ in der Kirche? Zu einem ganz anderen Thema: Sie haben bereits vor Ihrer jetzigen Initiative 2009 dazu aufgerufen, dass die EKD 2010 als ein „Jahr der Buße“ durchführen solle. Ist denn da irgendetwas daraus geworden? Der damalige Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, hat mir gesagt, er wolle meine Überlegungen in den Reformprozess der EKD einbringen. Doch ob das passiert ist, davon habe ich nie etwas gehört. Aber ich halte ganz allgemein das Thema Buße für dringend geboten, weil Buße etwas unglaublich Hilfreiches ist: Ich erkenne dabei, wo ich von meinem Weg mit Gott abgekommen bin, erfahre Vergebung und kann mich ganz neu ausrichten.


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IN T ERV IEW

Schloss Castell, der Stammsitz der Familie in Franken

Wo sollte denn nun aber eine Volkskirche insgesamt Buße tun? Buße ist immer erst einmal eine Frage an mich persönlich: Ich selbst muss immer wieder zu Gott umkehren! Im Blick auf die Kirchen als Ganzes: Sie sollten vor allem Buße tun über ihre große Zersplitterung. Nach dem Neuen Testament ist fehlende Einheit unter Christen eine Sünde. Es fehlt mir an ernsthaften Bestrebungen sowohl von evangelischer als auch von katholischer Seite, zu mehr Einheit zu kommen. idea: Aber die katholische Seite erkennt ja die evangelischen Kirchen nicht mal als „Kirche“ an. Ich freue mich zu hören, dass man sich verstärkt mit Luthers Schriften beschäftigt und ihn wohl auch bald als Glaubensvater anerkennen könnte.

Für ein gemeinsames Abendmahl aller Kirchen Wollen Sie eine Einheitskirche? Nein, sie ist auch gar nicht nötig. Mein Wunsch ist, dass alle Christen gemeinsam miteinander das Abendmahl feiern können. Das ist nach dem Neuen Testament die höchste Form von Einheit. Und hier muss man nicht zuvor in allen theologischen Fragen übereinstimmen. Das Vorbild des Abendmahls ist ja das Mahl am Gründonnerstag, zu dem Jesus seine Jünger ohne jede Bedingung eingeladen hat. Er reichte allen Brot und Wein – also auch den Jüngern, die kurz zuvor noch miteinander gestritten hatten, und sogar Judas, dem Verräter. Also sollte es auch unter all denen, die Jesus Christus als Herrn und Heiland ann erkennen, keinen Grund geben, das Abendmahl e nicht gemeinsam zu feiern. Ein gemeinsames Mahl n

Schweinfurt

Würzburg Wü Würz ü

Castell

Bamberg

Sie gehören auch zu den Initiatoren für ein neues „Konzil in Jerusalem“ – nach dem ersten vor fast 2.000 Jahren. Warum? Beim ersten Jerusalemer Konzil um 48 nach Christus hatte die junge Kirche die volle Gleichberechtigung zwischen Christen jüdischen und heidnischen Ursprungs beschlossen. Diese Gleichberechtigung gibt es für die messianischen Juden, die an Jesus Christus als Herrn und Heiland glauben, leider nicht mehr. Sie sind auch in unserer Landeskirche nicht wirklich willkommen, geschweige denn gleichberechtigt. Leider gehen die Leitungen aller deutschen Kirchen diesem Thema aus dem Weg aus Angst, das traditionelle Judentum könnte darüber verärgert sein. Brauchen auch Juden Jesus, um in den Himmel zu kommen? Genau wie alle Menschen. Der Weg in die Ewigkeit führt nach Jesu eigenen Worten allein über ihn, hat er doch gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Johannes 14,6). Die erste christliche Gemeinde bestand ja ausnahmslos aus Juden, und es ist schlimm, dass man in der EKD jetzt so tut, als ob Juden einen eigenen Heilsweg – am Juden Jesus vorbei – hätten. idea: Wann wird dieses Konzil stattfinden? Wenn sich die Kirchen wieder auf ihre Ursprünge zurückbesinnen. Noch ist es ja so, dass messianische Juden keinerlei Unterstützung durch die großen Kirchen erhalten. Hier ist also die Christenheit schlimmer dran als vor fast 2.000 Jahren.

Wie ich Christ wurde A3

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A7

Ulm

Wenn die Kirche Judenchristen diskriminiert

Nürnberg

Wie sind Sie eigentlich Christ geworden? Dem Namen nach wurde ich Christ durch meine Säuglingstaufe. Aber das hat mir in einer schweren Ehekrise nicht geholfen. Meine Frau und ich haben vor 60 Jahren ge-

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Franken

wäre für alle Christen und vor allen Nichtchristen ein großes Zeugnis. Danach ist es kein Problem, wenn wir wieder in unsere vertraute katholische, lutherische oder baptistische Kirche zurückgehen.

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Die Fragen von FĂźrst zu Castell-Castell an die Leitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern 1. Ist Ihnen bewusst, dass homophile Prägungen, Neigungen und gelebte sexuelle Praxis schĂśpfungswidrig, das heiĂ&#x;t nicht schriftgemäĂ&#x; sind? 2. FĂźhlen sich Kirchenleitung und Theologielehrer durch den Zeitgeist berechtigt zu der Behauptung, dass ho-mophile Lebensformen mit Gottesgebot zu vereinbaren sind? Im dritten Buch Mose 18/22 sagt Gott unter der Ăœberschrift „Verbot geschlechtlicher Verirrungen“: „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau, es ist ein Gräuel.“ Der bayerische Landesbischof Dr. Johannes Friedrich lässt aber Ăśffentlich verlauten: „Pfarrer mĂźssen ihre Homosexualität friedlich und frĂśhlich leben.“ 3. Wie soll ein schwules Paar im Pfarrhaus erklären, dass die Ehe das Leitbild der evangelischen Kirche sein soll? 4. Wie lange werden die jetzt geltenden Genehmigungen oder Zustimmungserklärungen von Kirchenvorstand, Dekan und Regionalbischof GĂźltigkeit behalten? (Ă„hnliche Bestimmungen zum Theologinnengesetz wurden nach wenigen Jahren ersatzlos auĂ&#x;er Kraft gesetzt.) 5. Warum wurden fĂźr die wenigen Fälle nicht Verwendungen in auĂ&#x;ergemeindlichen Aufgaben gefunden, damit das Hirtenamt der Gemeindeleitung von Männern und Frauen wahrgenommen wird, die in ehelicher Gemeinschaft leben? 6. Mit welcher Erwartung werden in Zukunft Ă–kumenegespräche gefĂźhrt (Amtsfrage und gemeinsames Herrenmahl)? 7. Welche Ăœberlegungen gibt es, dem Austrittsbegehren derjenigen entgegenzuwirken, die im veränderten Schriftverständnis keine Grundlage ihres Glaubens in der evangelischen Kirche mehr sehen?

heiratet und geglaubt, unsere Ehe wĂźrde gut laufen, stimmten wir doch in entscheidenden Dingen Ăźberein. Wir sind aber dennoch schon bald in eine Krise geraten, aus der wir selber nicht herauskamen. Wir haben dann an einer Tagung der missionarischen Seelsorgebewegung „Marburger Kreis“ teilgenommen. Dort hĂśrten wir etwas, was uns in der Volkskirche nie gesagt worden ist: 1. Du kannst dein Leben durch eine Willensentscheidung Jesus Christus Ăźbergeben, etwa mit den Worten: „Jesus, du sollst ab sofort der Herr meines Lebens sein.“ 2. Auch der evangelische Christ kommt in Situationen, wo er in einer Einzelbeichte – also einem Gespräch mit einem Seelsorger – SĂźnde bekennen und um Vergebung bitten sollte, damit ein Neuanfang mĂśglich wird. Wir haben beide Schritte getan, also gebeichtet und unser Leben Christus Ăźbergeben. Es ist fĂźr uns das grĂśĂ&#x;te Geschenk unseres Lebens, dass unsere Ehe dadurch gerettet wurde und wir in diesem Jahr – so Gott will – die Diamantene Hochzeit feiern kĂśnnen. Herzlichen Segenswunsch! P

Âť Angesichts dessen, dass wir aus der letzten Weltwirtschaftskrise noch kaum Konsequenzen gezogen haben, freue ich mich, dass der Kongress christlicher FĂźhrungskräfte unter dem Motto „Mit Werten in FĂźhrung gehen“ vom 24. bis 26. Februar in NĂźrnberg stattfindet. Ich hoffe, dass viele dort teilnehmen, um sich zu orientieren.ÂŤ Albrecht FĂźrst zu Castell-Castell

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Infos zum Kongress: www.christlicher-kongress.de

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INTERNET

10 Jahre Wikipedia: Nicht nur eine Erfolgsgeschichte INTERNET Am 15. Januar 2001 ging das Lexikon www.wikipedia.org online. Inzwischen verzeichnet das angeblich „größte Werk der Menschen“ (so „DIE ZEIT“) weltweit über 16 Millionen Einträge. Doch nicht jedem Nutzer – und schon gar nicht jedem Christen – ist zum Feiern zumute. Die Enzyklopädie hat sich Dr. Gerrit Hohage, Pfarrer der Bonhoeffergemeinde Hemsbach bei Mannheim, genauer angeschaut. Dienstagnachmittag. In wenigen Minuten habe ich den Gemeindekreis zu halten. Thema: Johann Hinrich Wichern und das Rauhe Haus. Meine Literatur ist lückenhaft. In der Hand halte ich die altehrwürdige „RGG“ („Die Religion in Geschichte und Gegenwart“) – ein halbmeterstarkes, meist staubbedecktes Handwörterbuch, unter uns Pfarrern wohlbekannt. Und (zu) alt. Ich brauche mehr und aktuellere Informationen, und zwar sofort. In der Welt des Internet kein Problem: Rasch http:// de.wikipedia.org getippt, schon finde ich mich wieder in der Welt des Wissens. Wikipedia: Eine Online-Enzyklopädie, gegründet von Jimmy Wales mit der Vision, dass Wissen für jeden frei zugänglich sein sollte – und es jedem möglich sein sollte, am Wissen der Menschheit mitzuarbeiten. Seitdem beteiligen sich Hunderttausende freiwillige Autoren rund um den Globus an diesem Projekt.

Jeder kann mitschreiben In meinem Handwörterbuch hatte noch jeder Artikel einen Autor. Die Herausgeber und der Verlag verantworteten den Inhalt. Streng genommen gibt das Buch also deren Wissen wieder – und zwar zum Zeitpunkt der Drucklegung. Ein Wikipedia-Artikel dagegen hat (theoretisch) unbegrenzt viele Autoren. Ein Klick auf die „Versionsgeschichte“ eines Artikels bringt die Autoren und ihren jeweiligen Anteil

zum Vorschein. Auf diese Weise sammelt sich das Wissen n von vielen Menschen unterschiedlichster Couleur. Und wenn ich etwas dazu beitrage, dann kommt auch mein n Wissen dazu: Der Leser ist der Autor! Jeder kann (theore-tisch) jeden Artikel fortschreiben, wenn auch die Wirklich-keit manchmal etwas anders aussieht. Freies Wissen istt Wissen im Fluss, der immerwährenden Entstehung und Veränderung unterworfen. Ein Wikipedia-Artikel ist nie-mals fertig. Das ist der Hauptunterschied zu herkömmli-chen Enzyklopädien, und er hat die Kultur des Wissens in n unserer Informationsgesellschaft in den letzten Jahren tief-greifend verändert. Die Wikipedia macht Wissen aus allen denkbaren Be-reichen in Sekundenschnelle jedem zugänglich, der einen n Computer oder auch nur ein internetfähiges Handy hat. Fast 1,2 Millionen Artikel wurden von knapp 100.000 frei-willigen Autoren in der deutschsprachigen Wikipedia verfasst. Nur die englischsprachige Wikipedia enthält mit 3,5 Millionen noch mehr Artikel. Über 270 Sprachen sind an der Verbreitung freien Wissens beteiligt. Studien bescheinigen den Artikeln im Ganzen eine Qualität, die es mit den Traditionsenzyklopädien von Brockhaus und Meyer aufnehmen kann, auch wenn es zwischen den Beiträgen starke qualitative Schwankungen gibt.

Wissen ist Macht. Aber wer hat die Macht? Inzwischen ist die Wikipedia fester Bestandteil des politischen und kulturellen Lebens. Schüler, Studenten, Journalisten – fast jeder nutzt sie zur Recherche. Denn ihr Inhalt ist sekundenschnell verfügbar und kostenlos, im Gegensatz zu den meisten Archiven. Auch Politiker informieren sich in ihr – in mehreren Fällen wurde sogar politisches Vorgehen nachweislich durch den Inhalt von WikipediaArtikeln bestimmt. Wissen ist Macht. Wissen machen ist Macht. Welches Wissen aber wird hier gemacht? Die Wikipedia als Enzyklopädie sammelt nicht jedes, sondern nur „gesichertes Wissen“. Alles, was ein Autor in einen Artikel hineinschreibt, muss mit „reputablen“ Quellen (wissenschaftliche Literatur, Medienrecherchen) belegt werden. Das ist eine wichtige Einschränkung. Abgebildet ideaSpektrum 3.2011


Foto: PR

INTERNET

wird also nicht die Welt, wie sie ist, sondern die in (möglichst) wissenschaftlicher Literatur belegte Welt. Was sich in dieser nicht fi ndet, fi ndet als „Theoriefi ndung“ keine Aufnahme in die Wikipedia – selbst wenn es richtig wäre! Wenn man etwas Unbelegtes einfügt, wird es „revertiert“ – d. h. die Änderung wird von einem anderen Autor gelöscht. Wiederum gehört es zum Schwierigsten, etwas zu löschen, was zwar falsch, aber irgendwo belegt ist. Das kann bisweilen groteske Blüten treiben. Irgendein Spaßvogel fügte z. B. zu den zehn Vornamen von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in dessen Artikel unbemerkt einen elften hinzu ��� just zu einem Zeitpunkt, als Journalisten verschiedener Tageszeitungen über ihn recherchierten (natürlich in der Wikipedia). Als ein richtig informierter Autor dort den falschen Vornamen bemerkte und löschte, war er bereits in mehreren Tageszeitungen erschienen. Seine Löschung wurde daraufhin rückgängig gemacht: Der Name sei doch durch mehrere Zeitungen belegt. Es dauerte geraume Zeit, bis der entstandene (falsche) Informationszirkel behoben werden konnte. Doch nicht immer gelingt das: Irrtümer in Literatur (die es natürlich gibt) können sich darum in der Wikipedia fortpflanzen und werden in die Gedankenkonstruktion, die die Öffentlichkeit für

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die Wirklichkeit hält, übernommen. Gestärkt wird dadurch vor allem der „Mainstream“ der Meinungsmacher.

Wikipedia-Artikel muss man kritisch lesen! Das zeigt: Wikipedia-Artikel müssen kritisch gelesen werden. Man kann ihnen keineswegs blindlings vertrauen. Ein Artikel ist nur so gut wie die Freiwilligen, die daran gearbeitet haben. Für eine Falschinformation steht niemand gerade. Wie genau manche Passagen zustande kamen, lässt sich manchmal nur schwer nachvollziehen. Wer sich auskennt, findet jedoch in der Versionsgeschichte der Artikel Hinweise. Das Projekt „Wiki-watch.de“ – eine Internet-Seite der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder – arbeitet sie technisch auf und macht sie transparent, etwa anhand der Qualität der Belege und der Zahl der beteiligten Autoren. So gelten sogenannte „Edit-Kriege“ (mehrfaches Hin- und Hereditieren) oder Artikelsperren als Zeichen für die Umstrittenheit (und damit auch inhaltliche Unsicherheit) von Beiträgen. Eine Bewertung nach einem 10-PunkteSystem zeigt, wie weit den Informationen Vertrauen entgegengebracht werden kann. Mithilfe von „Wiki-Trust“ lässt sich per Mausklick ermitteln, wann und von wem umstrittene Passagen in den Artikel eingefügt wurden.


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INTERNET

Hinter manchen Artikeln stecken schwere Konflikte Hinter manchen Artikeln stecken jahrelange schwere Konflikte zwischen Autoren mit unterschiedlichen Auffassungen. Die Informationen sollten zwar stets aus einem „neutralen Standpunkt“ heraus (im Wiki-Jargon: NPOV, für engl.: neutral point of view) dargestellt werden. Tatsächlich bringt aber jeder Autor seinen eigenen Standpunkt mit ein. Idealerweise bildet sich die Neutralität eines Artikels im Diskurs mit anderen Autoren heraus. Faktisch kommt es hier mitunter zu verbissenen Kämpfen – z. B. im Artikel „Neoliberalismus“, über den die alternative „tageszeitung“ (taz, Berlin) unlängst berichtete. Eine gesamtgesellschaftliche Debatte spiegelte sich in der Diskussion, ob dieses Wort ein negativ besetzter Kampfbegriff für Sozialabbau ist oder eine sachliche Benennung für ein Wirtschaftskonzept einer politischen Partei. Die erbitterte Auseinandersetzung führte zu Artikel- und Benutzersperren und zu hitzigen Wortgefechten auf der Diskussionsseite, die alle im Volltext archiviert werden und so lange nachlesbar sind, wie es die Wikipedia gibt (!). Rund um den Kontext „evangelikal“ gibt es ähnliche Szenarien. Hier wird die Frage, wer das Wissen macht, brisant: Welche Ansicht setzt sich im Zweifelsfall durch, erhält also den Status einer Quelle für die gesellschaftliche Konstruktion von Wirklichkeit?

Nur wenige entscheiden, was reinkommt In dieser Hinsicht hat das basisdemokratisch-romantische Bild des freien, von jedem mitgestaltbaren Wissens tiefe Risse erhalten. In der Wikipedia lässt sich beobachten, wie „herrschaftsfreie Diskurse“ von selbst zu Machtstrukturen führen, die in Oligarchie (die Herrschaft von Wenigen) münden. Für Soziologen ist die Autorengemeinschaft darum längst zum Forschungsobjekt geworden: Das soziale System produziert Über- und Untergeordnete, „Meinungsmacher“ und „Outlaws“ (Ausgeschlossene), sogar standardisierte „Störenfriede“. Über den Gehalt eines Artikels entscheiden letztlich vergleichsweise wenige Wikipedia-Autoren – diejenigen, die sich z. B. aufgrund ihrer intensiven Beteiligung eine starke Stellung erarbeitet haben.

Die Mehrheit denkt linksliberal Eine besondere Rolle kommt dabei den ca. 300 Administratoren zu – von den Wikipedia-Autoren gewählte Freiwillige,

die für die Einhaltung der Regeln sorgen. Sie entscheiden im Konfliktfall über Artikel- und Autorensperrungen und darum mittelbar über das, was hinterher in einem Beitrag zu lesen ist. „Wiki-Watch“ fand in einer (allerdings nicht repräsentativen) Umfrage heraus, dass die Mehrheit der Administratoren männlich ist und linksliberal denkt. Und auch wenn der einzelne Administrator mit seiner Einzelfallentscheidung in der Masse verschwindet, lässt sich statistisch dennoch eine „mentale Richtung“ ablesen. Im Pool des freien Wissens darf daher die christliche Stimme nicht fehlen. Die Wikipedia ist wie ein antiker Marktplatz (vgl. Apostelgeschichte 17,16ff.). Viele Perspektiven der Wirklichkeit kommen hier zur Sprache. Wenn das Wissen der Christenheit hier nicht eingebracht wird, läuft sie Gefahr, in der Informationsgesellschaft unterzugehen! Wir werden dann schlicht nicht mehr zur Kenntnis genommen, geschweige denn in unseren Anliegen verstanden. Es sind aber nach wie vor nur wenige Christen als Autoren in der Wikipedia aktiv.

… und wo sind die Christen, die mitschreiben? Besonders Christen mit wissenschaftlichen Kompetenzen (aber nicht nur sie) können und sollten hier einen wichtigen Dienst für unsere Gesellschaft leisten, indem sie sich als (kostenfreie) Benutzer anmelden und an der Bearbeitung von Artikeln mitwirken. Sie könnten beispielweise die Ergebnisse von Fachliteratur mit christlichem Standpunkt einbringen, Fehler korrigieren und negative Wertungen (die sich etwa im evangelikalen Kontext immer wieder finden) zur Neutralität hin verändern. Auch in der Sozialgemeinschaft der Wikipedianer sollte man uns Christen erkennen als das, was wir sind: besonnene Nachfolger Jesu, angetrieben von seiner Liebe. P

Fakten zu Wikipedia Wikipedia-Gründer Jimmy Wales (Saint Petersburg, Florida/USA)

1. Die deutschsprachige Wikipedia umfasst derzeit 1.175.610 Artikel. Zum Vergleich: Der 30-bändige Brockhaus zählt 300.000 Einträge. 2. Die deutschsprachige Wikipedia wird täglich rund 32 Millionen Mal angeklickt. 3. In den Monaten November und Dezember 2010 spendeten 70.000 Deutsche rund zwei Millionen Euro für die Gratisenzyklopädie. 4. Im Dezember 2010 umfasste Wikipedia weltweit 16,68 Millionen Artikel in 273 Sprachen und Dialekten.

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JA H R DE R TAU F E

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Warum die Säuglingstaufe sachgemäß ist JAHR DER TAUFE Die EKD begeht 2011 das „Jahr der Taufe“. Letzte Woche druckte idea einen Beitrag von dem baptistischen Pastor Dr. Stefan Jung (Gundelfingen/ Freiburg) pro Erwachsenentaufe aus. Jetzt erwidert die evangelische Kirchenhistorikerin Prof. Dorothea Wendebourg von der Humboldt-Universität zu Berlin. Taufe und Glaube gehören zusammen. Doch der Täufling wird nicht auf seinen Glauben getauft. Vielmehr empfängt sein Glaube, was ihm in der Taufe vermittelt wird. Dabei ist das Eigentümliche der Taufe gegenüber mündlicher Verkündigung und Abendmahl, dass sich Christus hier ein für allemal mit dem Empfänger verbindet, ihn unwiderruflich zu seinem Glied macht. Deshalb kann sie nicht rückgängig gemacht werden und wird sie nur einmal im Leben vollzogen. So liegt sie dem Glauben lebenslang als fester Bezugspunkt voraus. Und wo der Glaube verlorengeht, wartet Christus darauf, dass der Getaufte zu dieser seiner Basis zurückkehrt. Wie kommt es dazu, dass jemand getauft wird? In einer missionarischen Situation, in der ein Mensch erst als mehr oder weniger selbstständige Person auf das Evangelium stößt, begehrt er die Taufe selbst. Durch das Hören des Wortes Gottes gläubig geworden, entscheidet er sich, um die Taufe zu bitten. Doch bestätigt die Taufe dann nicht nur die Christusgemeinschaft, die der Taufbewerber im Glauben an Gottes Wort schon hat. Vielmehr macht Christus in der Taufe daraus die lebenslange, von seiner Seite nicht mehr auflösbare Selbstbindung an den Täufling.

Fotos: Wendebourg/PR; Taufe/istockphoto.com

Die Eltern sind Zeugen Christi Wird ein Mensch in eine christliche Familie hineingeboren, kommt das Taufbegehren meist von den Eltern. Aufnahme in die lebenslange Gemeinschaft mit Christus und Beginn des Glaubenslebens fallen hier zusammen. Sachgerecht ist dieses Vorgehen nur, wo die Taufe den Ausgangspunkt für eine kontinuierliche, dem jeweiligen Alter gemäße Verkündigung des Evangeliums und Integration in die christliche Gemeinde darstellt; ihr entspricht die Entwicklung des Glaubens zu altersgemäßem, schließlich auch das eigene Reflektieren und Bekennen einschließenden Gestalten. Dann ist es aber auch sachgerecht. Denn dem Säugling ist die seiner Lebensphase entsprechende Form des Glaubens ebensowenig zu bestreiten. Kann doch das Entscheidende am Glauben gerade ihm keineswegs abgesprochen werden: das Vertrauen zu Christus, der dem kleinen Kind in der Bezeugung durch die Eltern oder andere Bezugspersonen begegnet. Bester Beleg ist das Verhalten Jesu, der Kinder in die Gemeinschaft mit sich zog und sie als Vorbilder im Glauben hinstellte (Markus 10,13ff.). So bringt die Taufe gleich zu Beginn des Lebens auch in besonderer Weise zur Geltung, dass Anfang und Basis des Glaubens Christi eigenes Gnadenhandeln ist, auf das sich der Christ immer nur beziehen und verlassen kann.

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Keine Taufe ist Garantie Offensichtlich ist die Taufe von Säuglingen aus christlichen Familien keine Garantie dafür, dass sie später dem Christentum treu bleiben. Tun sie es nicht, ist zu beten und dafür zu arbeiten, dass sie zu dem Christus zurückkehren, der sich durch die Taufe an sie gebunden hat. Aber dasselbe gilt, wenn ein Mensch später getauft wird – wie die Erfahrung lehrt, bleibt auch ein als Jugendlicher oder Erwachsener Getaufter nicht notwendigerweise dem Glauben treu. Auch in diesem Fall wird die Taufe nicht erneut vollzogen. Das tun auch Kirchen nicht, die die Säuglingstaufe ablehnen. Insofern gehen offenbar auch sie davon aus, dass der Getaufte nicht auf seinen eigenen Glauben getauft, sondern dass etwas an ihm geschehen ist, auf das er sich, wenn er nach einer Phase der Glaubensschwäche oder Abkehr zurückkehrt, wieder beziehen kann. Kurz, würde die Taufe auf den Glauben begründet, „es würde ein ewiges Taufen und kein Aufhören daraus“ (Luther). Der Sachgemäßheit der Säuglingstaufe entspricht es, dass ihr das Neue Testament nirgends widerspricht. Da sich in ihm die missionarische Situation der frühen Kirche spiegelt, erstaunt es nicht, dass hier nirgends explizit von Kindertaufen die Rede ist – wobei nicht ausgeschlossen werden kann, dass die „Taufe mit dem ganzen Haus“ bereits die Kinder umfasste. Als offenbar bereits vertraute Praxis ausdrücklich belegt ist sie um das Jahr 200, wie die dem Bischof Hippolyt zugeschriebene Gemeindeordnung zeigt. Hier wird nicht nur vorgeschrieben, dass die Täuflinge bei der Taufe Fragen zu ihrem Glauben beantworten sollen. Sondern dann heißt es: „Für die, die nicht für sich sprechen können, sollen die Eltern sprechen oder ein anderes Familienmitglied.“ P


net F O R UM F Ü R JUN G E C H R I S T EN

Zivis weg! Wer fährt nun den Uropa zum Arzt? BUNDESFREIWILLIGENDIENST Mehr als 50 Jahre lang waren „Zivis“ unverzichtbar in Krankenhäusern, Altenheimen oder Jugendherbergen. Doch die Bundesregierung hat die Wehrpflicht zum 1. Januar 2011 ausgesetzt – und den Zivildienst als Alternative dazu gleich mit. Welche Probleme das Ende dieser Ära mit sich bringt und was für Alternativen es zum neuen Bundesfreiwilligendienst gibt, zeigt Christian Jung (24), Masterstudent der Politikwissenschaften in Gießen. m 3. Januar wurden die letzten Wehrpflichtigen eingezogen, zum nächsten und letzten Termin im März werden nur noch Freiwillige verpflichtet. Danach ist die über fünfzigjährige Geschichte der Zivildienstleistenden in Deutschland vorbei. Die Jugendherbergen müssen sich nach anderen umschauen, die Tee ausschenken, die Altenheime überlegen, wer Oma und Opa zum Arzt fährt, und die Krankenhäuser brauchen mehr Personal für die Versorgung und Betreuung der Patienten. Die sozialen Einrichtungen in Deutschland werden es ab jetzt wesentlich schwerer haben. Einige Arbeiten, die bisher von Zivis verrichtet wurden, müssen in Zukunft besser bezahlte Arbeitskräfte übernehmen. Anderes wird einfach wegfallen. Ein Zivi ist weniger eingebunden in die Hektik des Arbeitsalltags, kann sich intensiver um die Menschen kümmern oder ihnen einfach zuhören. Sobald diese Arbeit nun von voll bezahlten Kräften übernommen wird, nimmt der Druck – immer effizienter zu arbeiten – deutlich zu.

Jetzt gibt es keine Zeit mehr, seine Begabungen zu entdecken Leiden werden darunter die Patienten in den Krankenhäusern, die Senioren in den Altenheimen, die behinderten Kinder in den Schulen. Aber auch die Jugendlichen selbst gehören zu den Leidtragenden dieser Entscheidung. Natürlich haben die jungen Männer jetzt mehr Zeit, müssen nicht

mehr wie bisher sechs oder wie noch vor kurzem neun Monate ihres Lebens für den Dienst an der Waffe oder am Menschen opfern. Stattdessen reihen sie sich erneut ein, laufen im Marschschritt und ohne Verschnaufpause auf den modularisierten Hochschulabschluss zu. Dabei könnten sie nach der Schule ein Jahr oder ein paar Monate Freiraum gut gebrauchen, um sich selbst und ihren Weg in die Zukunft zu finden. Wie viele Jugendliche wissen denn heute schon, was genau sie nach dem Schulabschluss machen wollen? Wie sollen sie ihre Begabung für den Umgang mit Menschen entdecken, die sie zu einem Studium der Sozialpädagogik, des Lehramtes oder einer Ausbildung als Krankenpfleger bringen könnte, wenn sie keine Zeit mehr haben, um sich auszuprobieren?

62.475 Zivis sind nicht ersetzbar Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) weiß, dass man die gut 60.000 Zivis nicht ersetzen kann. Sie hofft, dass sich für den neu geschaffenen Bundesfreiwilligendienst zumindest 35.000 Freiwillige finden, die die sozialen Einrichtungen im Land vor dem völligen Verlust ihrer Helfer bewahren. Immerhin muss man nicht AnZivildienstleistende 2010 im Durchschnitt 62.475 Die von der Politik erhoffte Anzahl der Freiwilligen für den Bundesfreiwilligendienst 35.000

fang 20, durchtrainiert und allergiefrei sein, um in den Freiwilligendienst, der ab dem 1. Juli starten soll, zu kommen. Schröder sieht keine Altersgrenzen vor: Auch Rentner können sich für ein gesellschaftliches Engagement verpflichten. Zwischen 6 und 24 Monate sollen die Einsätze dauern. Die Rahmenbedingungen sind jedoch noch nicht fixiert, der Bundesrat muss dem Gesetzesentwurf erst noch zustimmen.

Vom Freiwilligen Jahr profitieren Schulabgänger haben neben dem Bundesfreiwilligendienst weiterhin die Möglichkeit, in einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder einem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) ein wenig ihrer Zeit für die Bedürftigen zu geben. Dabei profitieren sie selbst am meisten. Denn FSJ und FÖJ bieten nicht nur die Chance zu persönlicher und beruflicher Orientierung. In einigen Bereichen zählt der Einsatz sogar als berufsbildendes Praktikum: So kann man sich ein FSJ in einem Krankenhaus beispielsweise für eine Pflegeausbildung anrechnen lassen oder mit dem Freiwilligen Jahr Wartesemester überbrücken. Denn dass die Hochschulen und Universitäten in den kommenden Jahren aufgrund doppelter Abiturjahrgänge durch die Umstellung auf das „Turbo-Abi“ sowie das Ende des Zivildienstes völlig überfüllt sein werden, ist so gut wie sicher.

b Infos zum Freiwilligen Jahr: www.zivil.de oder www.bundes-freiwilligendienst.de

Fotos: Jung/privat; Titel/Bundesamt für Zivildienst

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JUGENDPLUS-KONGRESS

Ein Standardwerk mit deutlichen Schwächen KATECHISMUS Ende 2010 wurde der überarbeitete Evangelische Erwachsenenkatechismus vorgestellt. Hält der Untertitel „suchen – glauben – leben“, was er verspricht?, fragt Dr. Andreas Fincke, Pfarrer der Evangelischen Kirche BerlinBrandenburg-schlesische Oberlausitz.

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er neu bearbeitete Evangelische Erwachsenenkatechismus der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) gibt nach den Worten ihres Leitenden Bischofs, Johannes Friedrich, „Auskunft darüber, wie wir uns als evangelische Christen heute verstehen … und woran wir uns orientieren“ (S. 9). Bei der Vorstellung der nunmehr 8. Auflage sagte Friedrich, der Erwachsenenkatechismus verstehe sich als „Navigationshilfe“ und als „Kursbuch des Glaubens“; er sei ein „Standardwerk“, das sich als eigene Marke etabliert habe, den evangelischen Glauben „für Menschen unserer Zeit verständlich darzulegen und lebensnah zu bezeugen“. In der Tat beeindruckt das Werk auf den ersten Blick. Der von einer großen Autorengruppe erarbeitete Katechismus umfasst mehr als 1.000 Seiten und präsentiert eine Fülle nützlicher Informationen.

Kompliziert, ungenau, mutlos Doch leider erschließen sich zahlreiche Passagen erst nach geduldiger Meditation nach dem Motto: Was könnten die Autoren wohl meinen? Das wird einem Katechismus nicht gerecht. Statt mit einfachen Antworten wird der Leser mit seitenlangen Erörterungen über unnötige Spezialfragen konfrontiert. Völlig ratlos etwa macht mich ein Satz wie: „Schwierig ist freilich, je konkrete Ereignisse des Lebens dem Handeln Gottes zuzuschreiben; denn wir kennen kein Kriterium, nach dem das möglich wäre.“ (S. 87) Doch!, möchte man ausrufen, natürlich kennt die Heilige Schrift Kriterien! Wie kann ausgerechnet ein Katechismus der VELKD eine Positionen vertreten, die praktisch die Auflösung der Christenheit bedeutet? Auch die Kapitel zur Sexualität gehen an der Lebenswirklichkeit in Seelsorge und Beratung vorbei: Da wird die Geschichte der Verhütung entfaltet, aber eine klare Aussage dazu vermieden; auch über Abtreibung und Selbstmord fehlen konkrete evangelische Standpunkte. Dem Zusammenhang von Sexualität und Sünde, einem ideaSpektrum 3.2011

bedeutenden Thema, widmet man nur wenige Zeilen. Auch zum Verhältnis von Sünde und Krankheit ist kaum etwas zu finden– dabei fragen schwer Erkrankte häufig verzweifelt nach ihrer Schuld. In den letzten Jahren wenden sich viele Menschen von den großen Kirchen ab. Eine Ursache liegt zweifellos im Verlust jeglichen Profils. Das illustriert – in erschreckender Klarheit – der vorliegende Katechismus! Das Werk ist mutlos – und hinterlässt den Ratsuchenden ratlos. Dem Evangelischen Erwachsenenkatechismus fehlt schließlich eine redaktionelle Korrektur. Nicht nur hätte man sich Dutzende Seiten sparen können: Bei einer kritischen Durchsicht wären vielleicht auch offensichtliche (!) Fehler aufgefallen wie etwa, dass „in der Bundesrepublik (…) der Religionsunterricht an allen öffentlichen Schulen ein im Grundgesetz verankertes ordentliches Lehrfach“ sei (S. 477). Das ist schlicht falsch, wie bereits eine Seite weiter zutreffend erläutert wird. Vermutlich wird es in einigen Jahren eine weitere Neuauflage geben. Schön wäre, wenn der Redaktionskreis sich dann fragt: Was wollen Menschen heute wissen? Was unterscheidet den christlichen Glauben von allgemeinen ethischen Regeln? Mein Tipp: Nehmen Sie Luthers Katechismus zur Hand, der nach fast 500 Jahren noch immer aktuell ist. Warum wohl? Weil er kurz und prägnant ist – und weil er klar Position bezieht. P

b Evangelischer Erwachsenenkatechismus. Suchen – glauben – leben, im Auftrag der Kirchenleitung der VELKD herausgegeben von Andreas Brummer, Manfred Kießig und Martin Rothgangel, 8., neu bearbeitete und ergänzte Auflage, Gütersloh 2010, 1020 Seiten, 29,99 € (incl. CD-ROM)

MINDTHE

GAP 6. – 8. MAI 2011

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B UAR J 31. ANGEBÜHR.

IGE GÜNST ONLINE JETZT

DEN! ANMEL

Rob Bell Torsten Hebel Christine Caine Darren Whitehead Matt Lundgren + Planetshakers BURG-WÄCHTER CASTELLO DÜSSELDORF Mind the gap! Achte auf den Spalt!! Wer W mit offenen Augen und Herzen durch unsere Welt geht, sieht sofor ort, dass in unserer Gesellschaft imm mer mehr Lücken klaffen: Zwischen Menschen, Generationen, Völkern, Arm rm und Reich, Mensch und Umwelt, Wort W und Tat, Kirche und Gesellsch haft ... Nehmen wir diese Lücken waahr? Wie überwinden wir sie? Was heißt he das in unserem Alltag als Christen en? Was will Jesus mit uns verändern?? D Das sind Fragen, die wir auf diesem Kongress Ko bewegen. Ehrlich. Kritisch. Kon nkret.

JUGENDPLUS-KONGRESS.DE Für Jug ugend und junge Erwachsene. Der ju junge Kongress mit Inspiration fürr Mitarbeitende in Jugendarbeit und G Gemeinde.


N AC H R IC H T E N

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Herzlichen Glückwunsch den Gewinnern des idea-Weihnachtsrätsels 2010! Über 1.300 idea-Leser nahmen teil! „KOMMET IHR HIRTEN“ – so lautete die richtige Lösung des letztjährigen ideaWeihnachtsrätsels. Wir freuen uns über die große Resonanz und bedanken uns herzlich bei allen, die mitgemacht haben! Folgende Gewinner wurden ermittelt:

Die Strandpromenade der korsischen Hauptstadt Ajaccio Michael Buck

1. Preis (Eine Korsika-Reise für 2 Personen gewann): Michael Buck, 72250 Freudenstadt 2. Preis (Teilnahme an der idea-Freundeskreisreise nach Brandenburg an der Havel): Dagmar Waldow, 24768 Rendsburg 3. Preis (Ein Gutschein für den Kongress christlicher Führungskräfte 2011 in Nürnberg): Familie Peters, 44797 Bochum Anzeige

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4. Preis (Eine Studienbibel): Gottfried Neubert, 09648 Mittweida 5. Preis (Ein magnetisches Holzspiel): Marlies Am Ende, 19089 Crivitz 6. Preis (Ein ADAC-Weltatlas): Evelin Prussak, 01768 Glashütte-Schlottwitz 7. Preis (Eine hochwertige Armbanduhr): Andre Weinmann, 91587 Adelshofen 8. Preis (Ein Aral-Tankgutschein 25 EUR): Klaus-Dieter Passon, 40237 Düsseldorf 9. Preis (Ein Aral-Tankgutschein 15 EUR): Irmtraud Helsper, 35708 Haiger 10. Preis (Ein DVD Film: Treffpunkt Gipfelkreuz): Astrid & Heini Schaffner, 8212 Neuhausen am Rheinfall/Schweiz Außerdem wurden drei Exemplare des Buches „Kreuz und quer gerätselt“ von Hanno Nell verlost an Hildegard Vollmer (BerlinSteglitz), Gudrun Ebinger (Esslingen) und Christl und Alfred Waimer (Birkenfeld).

idea Fernseh- und Hörfunk-Tipps

23. Januar – 27. Januar

FE R NSE H E N Sonntag, 23. Januar Das Vierte 9.30–10.00 „Liebe oder Triebe?“ mit Pastor Wolfgang Wegert und Pastor Andreas Mertin

SF 1 10.00–10.45 Ökumenischer Gottesdienst aus Winterthur mit Pfarrerin Maria Schneebeli

9.30–10.15 Evangelischer Gottesdienst aus Berlin mit Pastor Hendrik Kissel

11.00–12.00 Ev.-methodistischer Gottesdienst aus Neuenhain mit Pastorin Cornelia Trick

12.40–13.10 Über Menschen, die trotz Schwierigkeiten mutig ihre Chancen packen 19.15–20.00 Die verborgene Macht. Der Geheimbund der Freimaurer

Mittwoch, 26. Januar

Donnerstag, 27. Januar

16.30–17.15 Warum lässt Gott uns leiden? – Wie ist das Leiden der Menschen mit einem liebenden Gott in Einklang zu bringen? Aus Sicht vieler kritischer Geister ist Gott nur dann zu entschuldigen, wenn er nicht existiert

20.15–21.00 Maria auch evangelisch? – Was bedeuet Maria den evangelischen Christen? Die Dokumentation begibt sich auf die Suche nach den Spuren der Mutter Jesu in der Bibel und der evangelischen Glaubenstradition

HÖRFUNK WDR 3 8.30–9.00 Unser Wissen weitertragen. Nachkommen von Holocaust-Überlebenden als neue Zeitzeugen 8.35–8.50 Auch „Schmuddelkinder“ haben Träume

Montag, 24. Januar 9.45–10.00 Evangelisch-reformierte Predigt mit Pfarrer Ruedi Heinzer aus Spiez

MDR Figaro 10.00–11.00 Evangelisch-freikirchlicher Gottesdienst aus Jena mit Pastor Stefan Keil

NDR Info 10.00–11.00 Evangelischer Gottesdienst aus Lüchow mit Pastorin Jeanette Kantuser

HR 2 11.30–12.00 Religion – Liebe – Missbrauch (Teil 4): Scham – ein heiliges Empfinden

21.30–22.00 Die Jugend von Wendi Kaiser, ehemalige Sängerin der „Rez Band“, prägten Alkohol- und Sexprobleme des Vaters. Später erlebte die Pastorentochter innere Heilung. Heute wohnt sie mit 500 Christen in einem Hochhaus in Chicago

Donnerstag, 27. Januar 20.00–21.00 Bilanz: Immer der Zukunft zugewandt. Fritz Laubach, der die Deutsche Evangelische Allianz über Jahre geprägt hat, im Gespräch mit Pastor Horst Marquardt. Am 31. Januar wird Laubach 85 Jahre alt

Wer reagieren möchte, kann dies unter folgenden Rufnummern tun: ARD: 089/5900-3344 | Bibel.TV: 040/4450660 | Das Vierte: 0180/5843783 Deutschlandfunk und Deutschlandradio: 0221/345-1831 | DRS 2: (0)848/808080 | ERF: 06441/957-0 | HR (TV): 069/1555111 | Kabel 1: 0180/5011150 KiKa: 0180/2151514 | Luth. Stunde: 04264/2436 | MDR: 0341/300-5401 | NDR: 0511/988-2393 | Phoenix: 0180/28213 | RBB: 030/97993-2171 SF 2: (0)62/2059050 | SR 2: (0)681/6022222 | SWR: 07221/929-0 | WDR (Radio): 0221/5678-333 | WDR (TV): 0221/5678888 | ZDF: 06131/702164

Fotos: Korsika/PR; Buck/privat

Sonntag, 23. Januar

ideaSpektrum 3.2011


DI E K LE I N E K A NZ E L

» Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. «

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Manfred Müller (Uhldingen am Bodensee) ist Missionsleiter von HMK – Hilfe für verfolgte Christen (Hilfsaktion Märtyrerkirche) und Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Markusevangelium 8,34

Foto: privat

Gehört Verfolgung zum Christsein? Die Medien haben Christenverfolgung als Thema entdeckt. Das ist gut! Aber täuschen wir uns nicht. Bibelfeste Christen wissen: Christenverfolgung wird es immer geben. Und sie wird zunehmen, darauf sollten wir uns einstellen. Die ZEIT schrieb nach dem Anschlag in Ägypten: Maryouma Fekry, eine in der Silvesternacht in Alexandria ermordete Koptin, sei zur Märtyrerin „wider Willen“ geworden. Natürlich wider Willen! Christen suchen doch nicht das Martyrium. Christen sind Zeugen – für das, was sie gehört und gesehen haben von Jesus Christus. Dieses Zeugnis geben sie weiter. Martyrium ist das, was ihnen auf diesem Weg geschehen kann. Der Aufschrei jetzt in der Presse ist – zu Recht! – groß. Aber: Erinnern wir uns noch an die Vorwürfe in den Medien gegen die ermordeten deutschen Bibelschülerinnen im Jemen? Ihr Engagement wurde als „christlicher Extremismus“ verunglimpft, mit

muslimischem Extremismus gleichgesetzt. Daran merken wir: Die Solidarität hat ihre Grenzen. Die Hoffnung des Evangeliums führt Christen zu den Menschen. Weil Menschen Jesus brauchen. Jesus sagt: „Ich bin der Weg.“ Daran stoßen sich nicht nur Muslime. Auch in unseren Breiten stößt dieses Zeugnis auf Widerspruch. Es erhält keine oder nur sehr selten Unterstützung durch Leitartikel. Und täuschen wir uns nicht: Dieses Zeugnis hat auch bei uns seinen Preis. Sind wir bereit, ihn zu bezahlen? Die verfolgten Christen erinnern uns daran, dass Leid zur Nachfolge gehört. Das ist ein Skandal. Gegen diesen Skandal laufen die Medien Sturm. Doch es ist der Skandal des Kreuzes, von dem Jesus uns aber sagt: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Wer dies tut, erlebt nicht nur Verfolgung, sondern auch Gottes Segen – allem Widerstand zum Trotz. P

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ideaSpektrum 3.2011evangelische Wochenmagazin Das aktuelle

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PORTRÄT

Ein Ermutiger für angefochtene Christen SIBIRIEN Im Ruhestand hat sich Otto Schaude (66) einer neuen Herausforderung gestellt. Der schwäbische Pietist ist Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Ural, in Sibirien und dem Fernen Osten geworden. Doch wie wird man als Pensionär eigentlich geistliches Oberhaupt für Gemeinden, die – wie Wladiwostok – bis zu 8.400 Kilometer Luftlinie vom Heimatort Reutlingen entfernt sind? idea-Mitarbeiter Klaus Rösler hakte nach. Otto Schaude ist bibelfest. Obwohl er von Haus aus Pädagoge – also Lehrer – ist, bescheinigte ihm der württembergische Altbischof Theo Sorg einmal, dass sein Umgang mit biblischen Texten häufig genauer sei als bei vielen Theologen. Und so kam es, dass er im Ruhestand eine Bitte von der Liebenzeller Mission erhielt. Er sollte die von dem Missionswerk jenseits des Urals entsandten Mitarbeiter besuchen und deren Gemeinden stärken. Denn die dortigen Christen haben es nicht leicht: Die meisten Gemeinden sind klein, viele Mitglieder haben das Land verlassen und leben jetzt als Aussiedler in Deutschland. Die Anfrage an Schaude kam nicht von ungefähr. Denn man traute ihm zu, angefochtenen Christen Mut zu machen. Schließlich ist er ein erfahrener Pietist. Bis 2008 leitete er 17 Jahre lang den württembergischen Altpietistischen Gemeinschaftsverband mit 540 örtlichen Gemeinschaften. Zuvor hatte er sich um junge Menschen gekümmert – als einer der Pioniere der evangelikal orientierten Bekenntnis-

schulen in Deutschland. 1973 war er Mitbegründer und von 1975 bis 1991 Rektor der Freien Evangelischen Schule in Reutlingen. In Sibirien hatte er dann die Gelegenheit, nicht nur in den Gemeinden zu sprechen, sondern auch vor der Synode im Omsk. Das hatte Folgen. Denn er erhielt eine ihn überraschende Anfrage, sich für das Bischofsamt zur Verfügung zu stellen. Er und seine Frau Brigitte waren sich einig: „Wenn wir helfen können, sollten wird es auch tun.“ Im Oktober 2010 wurde er einstimmig gewählt und gleich ordiniert.

Das größte Bistum weltweit Er ist nun zuständig für das flächenmäßig größte evangelische Bistum weltweit. Es reicht vom Ural bis zum Pazifik und erstreckt sich über sieben Zeitzonen. Die Wege dort sind weit. Zusammen mit nur 14 hauptamtlichen Pastoren und 50 offiziellen Laienpredigern betreut Schaude rund 4.000 Christen in 150 Gemeinden und Hauskreisen: „Manche Gemeinden haben gerade 10 bis 20 Mitglieder und der Pfarrer kann – oft auch wegen der

riesigen Entfernungen – nur zwei- bis viermal im Jahr kommen. Trotzdem fällt sonntags kein Gottesdienst aus.“ Denn die Kirche wird weitgehend von Laien getragen. Am 22. Januar wird das Ehepaar in Schwäbisch Gmünd offiziell ausgesandt, gemeinsam von der württembergischen Landeskirche, den Altpietisten und der Liebenzeller Mission. Mitte Februar geht der Flug nach Sibirien. Schaude erwarten viele Aufgaben. Er will ehrenamtliche Mitarbeiter gewinnen und weiterbilden, Pastoren schulen, die ursprünglich deutschsprachige Kirche in eine auch russischsprachige umwandeln und eine Diakonie aufbauen – vor allem Hilfen für Straßenkinder, Alkoholabhängige und Arbeitslose. Als Deutscher braucht Schaude ein Visum. 180 Tage im Jahr darf er im Land bleiben, davon 90 Tage am Stück. Deshalb muss er regelmäßig nach Württemberg zurückkehren. Dann will er über die Arbeit informieren und die Partner um weitere Unterstützung bitten. Wie lange er Bischof bleiben wird, ist nicht geregelt. Das gibt ihm, wie er sagt, eine große Freiheit und Gelassenheit. P

DAS WORT DER WOCHE » Christen, die sich für ihre Kommune engagieren, sind das Salz für die Stadt. Was es für Städte bedeutet, wenn sie kein Salz mehr haben, haben wir in den vergangenen Schnee- und Eis-Wochen gesehen. « Der Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Wetzlar, Thomas Schech, beim Gebetsabend während der Gebetswoche der Evangelischen Allianz im Rathaus der hessischen Stadt. ideaSpektrum 3.2011


Idea Spektrum Schweiz 03/2011