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Einzelverkaufspreis: Fr. 4.00

Spektrum l idea

Nr. 48

1. Dezember 2010

G 7405

Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt

Gelebtes Christentum in Winterthur

20 Jahre Quellenhof-Stiftung: Marcel Mettler über menschliche Not und Gottes Güte   Ihre

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Seite 7: Zeugnis

Seite 8: Projekt Fakir

„M-Budget-WG“ will Gewinn verschenken

Die Freikirchen sind noch gemeinnütziger

Seite 13: Missionstag

Seite 20: Lebenshilfe

„Check in“ für Gott, koste es, was es wolle

Wie die Ehe auf Dauer ein Abenteuer bleibt

Seite 4

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gefällt mir, weil ... viele Frauen und Männer zu Wort kommen und ich von den Glaubenserfahrungen lernen kann. ich ermutigt werde, Gott zu vertrauen, auch dann, wenn mein Glaube in die Jahre kommt. ich viele wertvolle Impulse für ein zielgerichtetes und sinnvolles Leben erhalte. mein Glaubenshorizont bereichert und erweitert wird. mit jeder neuen Nummer Jesus Christus unter die Leute gebracht wird. Samuel Moser war Präsident des Verbandes evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz.

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GRÜEZI

Dran bleiben lohnt sich Quellenhof-Stiftung heisst für mich: Gegossene Kerzen und Strassenfiguren Babs und Tobi. Quellenhof-Stiftung heisst auch: Dienstleistungen, die gemäss Kunden nicht immer aufs erste perfekt, aber immer öfter besser sind. Und Quellenhof-Stiftung heisst: Mitarbeitende, die gerne länger arbeiten und einen Fünftel weniger verdienen (siehe Interview Seite 4).

2. Austausch schafft Grundlagen für Verständnis. Offenbar kennen Politiker vor allem Grundhaltungen von Machterhalt. Dass es auch andere geben kann, davon müssen sie sich erst überzeugen können. 3. Dran bleiben und nicht auf die Politik warten. Wer Menschen helfen will, macht weiter, auch wenn die Politik ihm zuweilen noch keinen Respekt zollt.

Quellenhof-Stiftung heisst also seit 20 Jahren: Taten statt Worte. In christlichen Kreisen dafür geschätzt, stösst sie in politischen Kreisen nicht selten auch auf Skepsis. Das erstaunt? Auch ich habe erst begriffen, nachdem ich nachgefragt, innegehalten und nachgedacht habe. In politischen Kreisen gefragt, was ums Himmelswillen der Vorbehalt gegenüber christlichen Sozialwerken sei, bekam ich zur Antwort: «Die kriegen zu viel Macht!» – «Die haben hohe Erfolgsquoten! Es muss auch Nicht-Erfolg geben dürfen.» – «Vielleicht wollen sie doch missionieren.» Macht? Angst? Da scheinen zwei entgegengesetzte Grundhaltungen aufeinander zu stossen: Die von «Macht». Und die von «Dienst». Die eine scheint die andere nicht für möglich zu halten, oder noch nicht zu verstehen.

Skeptischen Politikern ihrerseits würde ich raten, gelegentlich mal zu entspannen. In Menschen, die in christlich inspirierten Sozialwerken arbeiten, kann ich mit dem besten Willen keine Bedrohung sehen. Wie ich sie kenne, wollen sie nicht Macht, sie üben Dienst. Dass unsere Gesellschaft auf solchen angewiesen ist, ist offensichtlich. Die sozialen Aufgaben sind zu gross, die Sozialausgaben zu hoch, als dass der Staat alles alleine schaffen kann. Und er kann keine Liebe geben, wie die Zürcher alt Stadträtin Monika Stocker sagt.

Für betroffene Sozialinstitutionen kann dies heissen: 1. Wer versucht, die Politik zu verstehen, kann besser mit ihr umgehen: Politik ist säkular. Sie will mit Steuergeld keine Religionen unterstützen. Öffentlich finanzierte Sozialdiakonie ist für sie primär Dienst, ist Tat. Für Evangelisation, das Wort, sieht sie andere Gefässe.

Offenbar haben der Zürcher Regierungspräsident Hans Hollenstein und die Winterthurer Gemeinderatspräsidentin Ursula Bründler mit ihren Grussbotschaften am Jubiläumsanlass der Quellenhof-Stiftung ermutigt. Damit haben sie gezeigt, was passiert, wenn sich christlich motivierte Sozialdiakonie und Politik in einer positiven Art begegnen: Beide Seiten werden gestärkt, sich weiter dafür einzusetzen, dass Hilfe für Betroffene und Entlastung für die Gesellschaft möglich wird.

3 BIBLISCH Ein Lieblingsbibelwor t von Markus Giger, Geschäftsleiter Bibellesebund Schweiz, Kirchberg SG:

«Freut euch, was auch immer geschieht; freut euch darüber, dass ihr mit dem Herrn verbunden seid! Und noch einmal sage ich: Freut euch!» (Philipper 4,4) «Sich zu freuen, was immer auch geschieht, ist gar nicht so einfach. Einiges in unserem Alltag kann uns Kummer und Sorgen bereiten - da liegt wahre Freude wirklich ferne. Aber Paulus forder t uns unmissverständlich, klar und deutlich - und das gleich zweimal - auf, uns zu freuen, ganz egal, wie die äusserlichen Lebensumstände aussehen. Der Schlüssel in diesem Vers liegt für mich im ‹verbunden sein mit dem Herrn›. Was auch geschieht, der Blick auf ein leeres Kreuz bedeutet für mich tiefe Lebensfreude, weil ich gewiss bin, dass Jesus meine Schuld getragen hat, auferstanden ist und ich mit meinem Herrn täglich verbunden sein dar f. So kann ich auch in turbulenten Zeiten von Herzen singen: ‹Hüt gits en guete Tag - Jesus Chrischtus isch do›!»

WÖRTLICH «Ich wollte einen Beruf ergreifen, bei dem es um das Wichtigste geht: die Botschaft nämlich, dass unser Glaube die Menschen zu einem guten Leben befreit. Und dass die Religion nicht nur etwas für den Sonntag ist, sondern für jeden Tag. Denken Sie nur an die Rituale … Natürlich bete ich auch heute überall vor dem Essen, auch im Restaurant.» Felix Gmür, mit 44 Jahren zum neuen Bischof von Basel gewählt, im «Blick».

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BARBARA GÜNTHARD Die Autorin ist FDP-Gemeinderätin in Winterthur und Vorstandsmitglied CISA (Christliche Institutionen Sozialer Arbeit).

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BRENNPUNKT

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20 Jahre Quellenhof: Gesamtleiter Marcel Mettler über menschliche Not und Gottes Güte

«Läck, das Leben hier in der Stiftung ist anders» Grosse menschliche Not lässt Gottes Herz nicht kalt. Darum gibt es für die Winterthurer Quellenhof-Stiftung auch keine hoffnungslosen Fälle. Gesamtleiter Marcel Mettler freut sich, dass an der Feier zum 20-Jahr-Jubiläum auch der Zürcher Regierungspräsident Gottes Güte gespürt hat.

«Spektrum»: Bei Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle. Und bei der Quellenhof-Stiftung? Marcel Mettler: Weil es für Gott keine hoffnungslosen Fälle gibt, gibt es sie auch für uns nicht! Das ist ein wichtiger Grundsatz von uns. Es freut mich am meisten, wenn ich von unsern Teilnehmern höre, dass sie das spüren. Wir haben immer wieder Leute, die das Etikett «Nicht therapierbar» mitbringen. Wir machen dann auch andere Erfahrungen mit ihnen. 22 Prozent Ihrer Ehemaligen konsumieren wieder harte Drogen, 31 Prozent der Ehemaligen haben keine Arbeit. Keine hoffnungslosen Fälle? Ich glaube daran, dass Veränderung möglich ist, solange jemand lebt. Kürzlich habe ich erfahren, dass eine Frau, die ihre Therapie bei uns abgebrochen hatte, später ohne unser Wissen in eine staatliche Therapie ging. Jetzt ist sie in der Ausbildung zur Sozialpädagogin. Doch es gibt auch das andere, wenn wir hören, dass jemand gestorben ist. Schmerzliche Erfahrungen … Ich musste lernen, auch grossen

«Durchhalten lohnt sich»: Marcel Mettler, seit 20 Jahren leitende und treibende Kraft der Quellenhof-Stiftung in Winterthur.

Schmerz auszuhalten. Solche Situationen haben mich Gottes Herz näher gebracht. Ich kann heute erahnen, wie weh es Gott tun muss, wenn ich eigene Wege gehe oder wenn ich lange brauche, bis ich checke, wie gut er es in gewissen Situationen mit mir meint.

Was würde dem Kanton Zürich fehlen ohne Ihre Stiftung? Da zitiere ich am besten Regierungspräsident Hans Hollenstein. Er sagte an der Feier zu unserem 20-jährigen Jubiläum: «Die Quellenhof-Stiftung ist eine nicht mehr wegzudenkende Institution in der Region.» Was sicher fehlen würde, ist die Ganzheitlichkeit unseres Angebots. Diese Vielfalt ist einmalig im Kanton Zürich. Sie reicht von der Drogenentzugsklinik über die einzelnen Therapiehäuser, die Arbeitsplätze in verschiedenen Bereichen bis zu den Integrationswohngruppen und Integrationsfirmen, in denen wir

Seit 1990 Schritt für Schritt gewachsen Die Quellenhof-Stiftung mit Sitz in Winterthur ist aus der evangelischen Freikirche «GvC Chile Hegi» heraus entstanden. Pastor Johannes Wirth lag die gesellschaftliche Not und besonders das Drogenelend auf dem Herzen. Seine Vision von therapeutischen Wohngemeinschaften führte 1990 zusammen mit Marcel Mettler zur Gründung der Quellenhof-Stiftung. Sie wuchs seither Schritt für Schritt. Das Jahresbudget stieg von 200 000 Franken auf 10 Millionen Franken für alle Stiftungsbereiche. Angeboten Bild: idea/av

wird heute die ganze Behandlungskette vom Entzug über spezifische Therapie-Einrichtungen bis hin zu Integrationswohngruppen für sucht- und psychisch kranke Menschen. In den Wohnbereichen werden 48 Personen betreut, in den Werkstätten arbeiten 60 Männer und Frauen, davon 18 Lernende in unterschiedlichen Berufen. Sinn und Zweck ist die Begleitung, Rehabilitation und Wiedereingliederung von Menschen in Notsituationen. www.qhs.ch (Produkte auf www.q-design.ch)

auch 18 Lehrstellen anbieten.

Welche Vision stand am Anfang Ihrer Stiftung? Es war die Vision, dass verschiedene Menschen vom Rand der Gesellschaft ein Daheim finden und merken, dass auch sie gebraucht werden. Im Miteinander der verschiedenen Generationen sollten sie auf dem Weg der Wiedereingliederung in die Gesellschaft begleitet werden. Was war entscheidend dafür, dass Sie an diese Vision glaubten? Einerseits war es die gesellschaftliche Situation mit der grossen Not und das Wissen, dass diese Not Gottes Herz nicht kalt lässt. Auf der andern Seite war es unser fester Wille, Gott ganz zu dienen. Wir haben von Gott im Gebet aber auch klare Zeichen erbeten. Ein Zeichen war, dass uns mein Vater das benötigte Land für 30 Jahre kostenlos im Baurecht zur Verfügung gestellt hat, ohne dass er von unsern Gebeten wusste. Das war der eigentliche Startschuss. Warum hat sich diese Vision so positiv entwickelt? Das haben wir unsern vielen Freunden zu verdanken, die parat waren, an unserer Vision mitzubauen und sich von der Not der Menschen berühren zu lassen. Das ist noch heute so! Sicher zeigt sich darin auch unsere feste Überzeugung, dass der Glaube praktisch werden muss, nicht nur am Sonntag. Wie haben sich die Schwer-

punkte Ihrer Arbeit in den letzten Jahren verschoben? Wir haben heute etliche Leute mehr mit psychischen Problemen. Die Suchttherapie gibt es auch heute noch, doch sie ist nicht mehr Hauptbestandteil. Durch die «Jobarena» ist der ganze Arbeitsbereich fast explosionsartig gewachsen. Wir sahen, dass unsere Leute wegen ihres schwierigen Lebenslaufes oft keine Lehrstellen fanden. Darum haben wir stark in diesen Bereich investiert. 2008 haben wir dafür den «Lehrstellenschafferpreis» der Region Winterthur bekommen. Für uns eine tolle Bestätigung von Gottes Willen! In unserm Teenagerhaus mit 15 Plätzen versuchen wir seit 2003 auch, Jugendliche, die aus den bestehenden Strukturen gefallen sind, zu stabilisieren und wieder einzugliedern. Was läuft denn falsch in unserer Wohlstandsgesellschaft? Der Druck wird immer grösser, das Leben wird komplexer. Dadurch braucht es viel weniger, bis sich Menschen am Rand der Gesellschaft wiederfinden. Früher trug die Wirtschaft schwächere Leute mit, heute ist das die Ausnahme geworden. Ich kann das gut verstehen, weil der Druck auch für die Wirtschaft so gross geworden ist. Was läuft im Sozialstaat Schweiz falsch? Der Staat versucht meiner Meinung nach zu machen, was er kann. Der Sozialstaat Schweiz ist grundsätzlich ein Segen. Doch er stösst an seine Grenzen. Der Staat kann auch nicht lieben! Hier sind wir Christen gefragt. Und sind Christen wirklich zahlreich zur Stelle, um diakonisch anzupacken? Es wird zu wenig gefragt, wie wir Christen gesellschaftlich relevant werden können. Viele Christen haben sich den Trends unserer Zeit angepasst. Nach dem Motto: Hauptsache, es stimmt für mich! Wenn wir die Gesellschaft verändern wollen, müssen wir unsere Häuser öffnen und das Leben teilen. Wenn wir Gottes Reich realisieren wollen, hat das seinen Preis.


BRENNPUNKT

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Zur Person Marcel Mettler, 48, verheiratet mit Ursula, vier Kinder (17 bis 24 Jahre), wohnhaft in Kefikon ZH. Lehre als Sportartikelverkäufer, Handelsschule. Einstieg bei Hertz-Autovermietung, dort bald Verkaufsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung. Mit der Gründung 1990 Eintritt in die Quellenhof-Stiftung in Winterthur. Bis 1999 Hauseltern im Therapiehaus Quellenhof in Gundetswil, seither Gesamtleiter. Mitglied des Ältestenrates der «GvC Chile Hegi» . Hobbys: Sport, Nachwuchstrainer beim EHC Frauenfeld, Reisen, Tanzen.

Was heisst das konkret für Sie? Wer in der Quellenhof-Stiftung angestellt ist, arbeitet 45 Stunden pro Woche und verdient 20 Prozent weniger als bei staatlichen Einrichtungen. Wir finden die notwendigen Leute trotzdem! Das motiviert auch mich immer wieder. Wer bewusst in Abhängigkeit von Gott leben will, ist herausgefordert, auch etwas zu wagen mit Gott, gerade auch bei den Finanzen. Welches ist die eigentliche Not der Menschen? Das Hauptproblem ist sicher die Vereinsamung. Immer mehr Menschen haben das Gefühl, das Leben werde ihnen zu schwer und sie seien allein. Die Bestrebungen zur Individualisierung in unserer Gesellschaft führen letztlich in die Vereinsamung. «Gelebtes Christentum» zeichne Ihre Arbeit aus, sagte der Zürcher Regierungspräsident. Wie zeigt sich das? Die staatlichen Institutionen geben uns Beiträge, weil sie wissen, dass wir kostengünstig arbeiten. Vor allem aber hören sie die Feedbacks unserer Teilnehmer. Diese melden den externen Fachleuten oft, dass sie bei uns eine andere Atmosphäre erleben. Sie erleben Gottes Liebe im Alltag. Sie spüren, wie viel Herzblut in unserer Arbeit steckt. «Sie hatten Gunst beim ganzen Volk», heisst es von den ersten Christen. Wir dürfen etwas Ähnliches erleben. Wie oft ecken Sie an mit Ihrem christlichen Gepräge? Mittlerweile geschieht das ganz selten, weil es uns gelungen ist, viel Vertrauen aufzubauen. Wir werden aber sehr genau beobachtet,

sicher mehr als Werke, die nicht so christlich ausgerichtet sind. Doch wir stellen uns diesen Beobachtungen gerne.

Wie versuchen Sie, Ihre Teilnehmer an den Glauben heranzuführen? Zuerst einmal durch die Art und Weise, wie wir mit den Menschen unterwegs sind. «Läck, das Leben hier ist anders», hören wir von Teilnehmern immer wieder. Wir bieten auch Andachten an, immer freiwillig natürlich. Etwa zwei Drittel der Teilnehmer kommen. Die Leute nehmen aber auch Angebote unserer Kirche, der «Chile Hegi», in Anspruch, etwa Alphalivekurse oder Lager. Zweimal im Jahr machen wir eine Themenwoche. Wir vertiefen uns dann jeden Tag in lebensnahe Themen wie «Ewigi Liebi» oder «Was mir Wert gibt». Hier vermitteln wir christlich-ethische Werte. Wie oft kommen Teilnehmer zum Glauben? Wir führen bewusst keine Statistik. Doch das geschieht regelmässig. Welche Botschaft wollen Sie diesen Menschen vermitteln? Da ist ein Gott, der dir Würde, Hoffnung und Perspektiven gibt! Wann waren Sie selber letztmals nahe an der Resignation? Das kommt alle halbe Jahre mal vor. Es kann sein, dass ich kräftemässig an Grenzen stosse. Ich sehe vielleicht, dass es jemand einfach nicht packt. Oder ein Todesfall löst tiefen Schmerz in mir aus. Dann kommt jeweils die Frage: Will ich mir das noch antun? Warum tun Sie «es» sich an? Weil ich weiss, dass sich das Durchhalten lohnt! Das habe ich in den letzten zwanzig Jahren immer wieder erfahren. In solchen Momenten sind mir Freundschaften ganz wichtig. Es gibt aber auch nichts Grossartigeres, als zu erleben, wie aus matten Augen plötzlich leuchtende Augen werden durch Gottes Liebe! Wo soll die Quellenhof-Stiftung in zehn Jahren stehen? Mit der «GvC-Bewegung» zusammen wollen wir neuen Wohn- und Sozialraum in kleinen Einheiten schaffen für Leute, die unter der Vereinsamung leiden. Im Arbeitsbereich wollen wir noch stärker

Brückenbauer sein zwischen unserm Sozialbereich und der Wirtschaft. Mit Partnern aus der Wirtschaft wollen wir Wege finden, wie schwächere Menschen integriert bleiben oder integriert werden.

Keine Angst vor einer Grösse, die Ihnen über den Kopf wächst? Doch, die gibt es. Wir sind im Moment daran, die Strukturen so zu vereinfachen, dass weiteres Wachstum möglich ist. Gleichzeitig wollen wir die Nachfolgeregelung lösen. Da wächst eine Generation von jungen Leuten heran, die eine klare Vision haben und bereit sind, den Preis für ein diakonisches Leben zu bezahlen. Für sie wollen wir die nötigen Voraussetzungen schaffen. Wovon träumen Sie heute, wenn Sie an die QuellenhofStiftung denken? Ich träume davon, dass Leiter und Mitarbeiter unserer Stiftung eine klare Führung durch den Heiligen Geist erleben und jeden Schritt in Gottes Tempo machen. Nicht nur bei der Bereitstellung der Infrastruktur, sondern auch in der Begleitung der Menschen können wir so noch viel effektiver arbeiten. Und wovon handeln Ihre Albträume? Auch die gibt es! Was passiert, wenn wir das Ganze nicht mehr finanzieren können? Wie verhindern wir, dass es zu unlösbaren Konflikten im Werk oder zwischen «Chile Hegi» und Stiftung kommt? Im Moment sind solche Ängste unbegründet. Nur das gute Miteinander hat es ermöglicht, dass wir heute da stehen, wo wir sind. Welches ist wohl Jesu Botschaft zu Ihrem Jubiläum? Ich glaube, dass Jesus sagt: «Ich sehe, was ihr auch im Verborgenen macht. Ich habe noch viel vor mit euch, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Ihr sollt noch mehr Wunder erleben!» Welches ist Ihre berührendste Geschichte zum Jubiläum der Quellenhof-Stiftung? An unserer Jubiläumsfeier durfte ich feststellen, dass alle Besucher Gottes Liebe und Güte gespürt haben, vom Regierungspräsidenten über unsere Teilnehmer bis zu den Angehörigen. Das hat mich sehr berührt. Inter view: ANDREA VONLANTHEN

5 PODIUM

Bauern fördern Gott hat die Erde gesegnet und fruchtbar gemacht. Aber ohne die Arbeit der Bauern bleibt unser Teller trotzdem leer. Die Lebensmittelpreise steigen weltweit an. Das Getreide als wichtiges Grundnahrungsmittel wird knapp. Viele Länder schränken bereits den Export ein, um die eigene Bevölkerung ausreichend versorgen zu können. In der Schweiz hingegen leben wir immer noch wie im Schlaraffenland. Die Regale in den Verkaufsläden sind überfüllt. Der für die reiche Schweiz günstige Lebensmittelimport aus aller Welt floriert auf höchstem Niveau. Die dunklen Wolken, welche am Horizont aufziehen, sind in unserem Land noch nicht sichtbar. Durch die grosse Konkurrenz der importierten Nahrungsmittel geraten die Preise für unsere eigenen Produkte unter grossen Druck. Viele Familienbetriebe kämpfen ums Überleben. Der Staat motiviert die Bauern mit finanziellen Anreizen, Anbauflächen zu reduzieren, um stattdessen Naturwiesen, Hecken, Ökoflächen, Bäume mit Vogelhäuschen und anderes anzupflanzen. Schweizweit werden mit grosser staatlicher Unterstützung Naturpärke erstellt. Die Schweiz wird langsam zu einem gepflegten englischen Rasen mit dem Schild «Betreten verboten». Was passiert, wenn plötzlich der Import von Nahrungsmitteln ins Stocken gerät? Wenn die Grenzen für Lebensmittel geschlossen werden? Jedes Land wird in Notzeiten zuerst für seine eigene Bevölkerung schauen müssen. Die umgenutzten Anbauflächen können dann nicht von einem Tag auf den andern wieder produktiv genutzt werden. Die Schweiz ist ein reiches Land, aber Geld und Goldbarren kann man nicht essen. Es ist höchste Zeit, dass der Staat den Bauern wieder als Lebensmittelproduzenten und nicht als Landschaftspfleger fördert. ANDREAS BRÖNNIMANN Der Autor ist Nationalrat der EDU und Unternehmer. Er wohnt in Belp BE.


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Ihre Aufgaben: Sie begleiten und fördern unsere erwachsenen Therapieteilnehmer als Bezugsperson von deren Eintritt bis zu ihrem Austritt und übernehmen die Verantwortung für die Führung, die Planung und die Umsetzung der individuell angepassten Therapie sowie Was Sie mitbringen: Sie sind eine menschenorientierte und strukturierte Person mit Lebenserfahrung, die den eine seelsorgerliche Begleitung. leisten einen Beitrag an dieSieFührung christlichen Glauben überzeugend lebt und sich Sie mit den Anliegen des MEILESTEI identifiziert. sind empa- unserer Therathisch, konfliktfähig belastbar. Sie haben eine und sozialedie oderFreizeitgestaltung therapeutische Ausbildung, vorzugsweise im Wochenende). piegruppe, dieund Alltagsbewältigung (Abendund Psychiatriebereich, die Sie in die Lage versetzt, Krankheits- und Suchtbilder und die erforderlichen Konzepte Sie leiten Gruppensitzungen sowie Schulungen zu verschiedenen Lebensthemen. zu verstehen und in die Praxis umzusetzen. Das Verfassen eines Berichts fällt Ihnen leicht. Sie haben Freude, zung der individuell angepassten Therapie sowie eine seelsorgerliche Begleitung. Sie leisten einen Beitrag an

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GESELLSCHAFT

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JoURNAL

Christliche Zürcher Wohngemeinschaft siegt im Migros-Wettbewerb

Kein Sonntagsverkauf

«M-Budget-WG» will Zeugnis sein

Am Wochenende lehnten 56,2 Prozent der Stimmenden in Genf das Gesetz gegen längere Ladenöffnungszeiten und Sonntagsverkäufe ab. Die drei Landeskirche Genfs hatten dagegen das Referendum ergriffen. Sie argumentierten, mit dem Gesetz würden das Gleichgewicht zwischen Ruhe und Arbeit, der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Aufwertung der nicht-kommerziellen Aktivitäten gefährdet. «Der Sonntag ist der Tag des Herrn und muss ein wirkliches Atemholen, einen Unterbruch im Alltag bedeuten.» (idea)

Kirche ohne Zukunft? «Wir müssen missionarische Kirche sein, oder wir werden nicht mehr Kirche sein»: Kirchenratspräsident Lukas Kundert bekannte sich an der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt am 24. November zu den Grundlagen des Evangeliums. Die Synode diskutierte den Planungsprozess «Perspektiven 15» und auch die Zukunft der kirchlichen Erwachsenenbildung. Kundert sprach diesbezüglich von einem «Paradigmenwechsel von der Volks- zur Mitgliederkirche». Das Budget 2011 weist einen Fehlbetrag von 909 000 Franken aus. (idea)

NE: Grosser Ausfall Der amerikanische Tabakkonzern Philip Morris streicht seinen Beitrag von 1,5 Millionen Franken an die drei Landeskirchen in Neuenburg rückwirkend per 2010. Für die reformierte Kirche Neuenburg resultiert ein Gabenausfall von 900 000 Franken oder zehn Prozent des Budgets. Neuenburg kennt keine obligatorischen Kirchensteuern. Philipp Morris hat die Kirchen während der letzten 30 Jahre finanziell unterstützt. (idea)

Die christliche WG 331 aus Zürich wurde zur M-BudgetWG gekürt. Der Preis: Ein Jahr lang keine Miete bezahlen. Die Bewohner tun es trotzdem und erklären, weshalb. An der Nordstrasse in Zürich reiht sich Wohnblock an Wohnblock. Doch mitten drin steht ein uraltes, freistehendes Haus, umgeben von einem grossen Garten. Ein einzigartiges, überraschendes Haus. So sind auch seine Bewohner. Hier ist die WG 331 zu Hause, seit kurzem bekannt als «die M-Budget-WG».

Reich Gottes bauen

Im Hause der Gewinner ist es ruhig. Wieder einmal. «War schon gerade etwas viel los», gesteht Tim Seefeld, einer der Bewohner, und erzählt, wie es überhaupt dazu gekommen ist. «Wir haben eine Menge kreative Leute hier – und wir wollten die Möglichkeit nutzen, als aufgestellte Christen ein Zeugnis zu sein.» Also meldete sich die WG beim Migros-Wettbewerb an und legte sich mächtig ins Zeug. Sie «m-budgetierte» die Stadt Zürich, in dem sie in kürzester Zeit verschiedene Produkte an alle möglichen und unmöglichen Stellen klebte. Sie mobilisierte ihre Freunde, verteilte Flyer und warb so um Stimmen. Mit Erfolg. «Der Sieg ist ein stückweit auch erarbeitet», so Seefeld. Trotzdem ist ihm wichtig: «Es geht hier nicht um uns. Egal, was wir tun, wo und weshalb wir präsent sind: Es geht um Jesus. Es geht um unsere persönliche Beziehung zu ihm und darum, dies auch anderen Leuten vorzuleben. Das hat Priorität.» Ein starkes Bekenntnis, das man dem Jugendarbeiter gerne glaubt. «Wir sind keine Zweck-WG. Wir

Steffisburg: EDU legt zu Die EVP bleibt mit Lorenz Kopp im Gemeinderat vertreten. Die Partei stellt neu drei (bisher fünf) Mitglieder im Grossen Gemeinderat: Margret Bachmann, Lukas Gyger und Thomas Schweizer. Um ein Mandat zulegen konnte die EDU, die neu mit Elisabeth Tschanz und den beiden Bisherigen Markus Bühler und Christian Gerber im Steffisburger Parlament vertreten ist. (idea) Bilder: Rene Ruis, idea/sn

Die «M-Budget-WG» plant immer wieder sehr kreative Aktionen.

sind eine WG, deren Anliegen es ist, Reich Gottes zu bauen.» Dazu gehört für den 31-Jährigen auch, Vorurteile abzubauen. «Wir haben Spass, manchmal verrückte Ideen und eine gute Gemeinschaft. Viele Leute denken noch immer, dass Christen verkrampft und langweilig sind. Wir wollen zeigen, dass dem nicht so sein muss.»

Krone abgelegt

Die WG plant deshalb immer wieder Aktionen mit dem Ziel, Menschen zu begegnen und dabei die Liebe Gottes auf natürliche Art weiterzugeben. So versammelte sie 70 Leute zu einer Wasserschlacht (Motto: make wet not war) in der Stadt, lud zu Punsch, zum Grillieren oder zu Sportaktionen im Garten ein – oder verteilt (wie kürzlich) M-Budget-Produkte in Zürich. Dabei wurde es auch schon mal etwas lauter als gewünscht, worauf sich Nachbarn in einem anonymen Brief beschwerten. «Da kam sofort das Argument ‹gerade ihr als Christen müsstet doch …!› Den Leuten würde ich gerne erklären, dass wir keine perfekten Menschen sind. Wir sind bloss Menschen, die ihre Krone abgelegt haben, weil wir erkannt haben: Wir schaffen es nicht alleine.»

Geld nicht das Wichtigste

Tim Seefeld posiert vor dem M-Budget-Kühlschrank.

Als klar wurde, dass die WG 331 den Wettbewerb gewinnt, mussten sie sich auch überlegen, wie sie mit dem Gewinn umgehen sollten. Ein Jahr lang übernimmt die Migros die Wohnungsmiete, zudem gibts monatlich einen Einkaufsgutschein. «Wir waren

uns nicht ganz einig, wie wir das am besten verteilen sollen.» Also setzten sich alle Bewohner nach gründlichem Nachdenken an einen Tisch, um die Sache zu diskutieren. «Das Tolle dabei war: Uns allen wurde bewusst, dass wir gesegnet sind und alles haben, was wir brauchen. Also entschieden wir uns, das Geld nicht für uns zu verwenden, sondern etwas Sinnvolles damit anzufangen. Nun zahlt jeder den Betrag, den er bis anhin als Miete aufwendete, auf ein separates Konto ein.» Was sie mit dem Geld machen wird, weiss die WG noch nicht genau. Entweder will sie es für ein super Projekt spenden, oder sie ruft selbst ein Projekt ins Leben, mit dem sie anderen dienen kann. «Wir lassen uns Zeit, um zu überlegen, was wir damit tun wollen. Das Geld sammelt sich ja nun langsam auf dem Konto. Wir wollen also nichts überstürzen – denn als erstes legen wir mal eine M-Budget-Pause ein.» STEFANIE NIEDERHÄUSER

Haus mit Geschichte Das Haus der Wohngemeinschaft gehört der Stadt Zürich, ist aber schon lange in christlicher Hand. In den 90er-Jahren war in dem Haus die Drogenentzugsklinik «Beth Shalom» der QuellenhofStiftung und Heilsarmee untergebracht. Anschliessend formierte sich eine Wohngemeinschaft um ICF-Pastor Matthias Pölsterli. Als dieser nach Genf zog, um ICF Genf zu gründen, entstand im Haus die WG 331 rund um die Familie von Rafael Siegenthaler.


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Projekt Fakir über die Leistungen der Religionsgemeinschaften

Auch Freikirchen sind gemeinnützig Freiwilligenarbeit kommt in den Freikirchen weit mehr vor als in den Landeskirchen. Landes- und Freikirchen zeigen sich aber gleichermassen zufrieden mit den Ergebnissen des Projekts «Finanzanalyse Kirchen» (Fakir). Bei der Präsentation der Ergebnisse am 23. November in Bern meinte Luzius Mader, Vizedirektor des Bundesamtes für Justiz: «Die Kirchen sind ihr Geld wert!»

556 Mio. öffentliche Gelder

Im Rahmen der Nationalfondsstudie NFP 58 hat die Firma Ecoplan die kultischen und sozialen Leistungen der beiden Landeskirchen sowie der im Verband VFG Freikirchen Schweiz vertretenen Verbände gemessen und festgestellt: Die beiden Landeskirchen erhalten mindestens 556 Millionen Franken aus der öffentlichen Hand, also vom Staat und von Un-

ternehmen. 1,3 Milliarden Franken nehmen sie mit Kirchensteuern ein. Dabei werden die Kirchensteuern natürlicher Personen als Mitgliederbeiträge taxiert und die Steuern juristischer Personen und Beiträge des Staates als öffentliche Gelder. Die Studie hat besonders die Verhältnisse in den Kantonen St. Gallen, Bern und Neuenburg erfasst. In Bern hat «Fakir» auch eine Umfrage unter der Bevölkerung gemacht, die das Ergebnis zeitigte, dass «kultische Angebote» weiterhin höher gewertet werden als soziale. Bei den Vertretern der Landeskirche ist ein Aufatmen feststellbar, so bei Theo Schaad, Geschäftsführer des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK). Jetzt könnten sie belegen, dass die öffentlichen Gelder nicht versanden. «Fakir» hat insbesondere auch Jugend- und Seniorenarbeit als soziale Tätigkeit eingestuft.

Öffentliche Gelder gut eingesetzt: 200 Interessierte aus Kirchen und Religionsgemeinschaften verfolgten die Präsentation.

Auch die Freikirchen, in Bern vertreten durch Wilf Gasser, Präsident der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) und Delegierter des VFG, stellten befriedigt fest, dass Gemeinden und Verbände jetzt offiziell ihre Gemeinnützigkeit belegen könnten. Für die Freikirchen sei dies ein Akt der Anerkennung. Gasser hofft, dass dadurch auch eine Grundlage für die Bemühungen der Freikirchen um die steuerliche Abzugsfähigkeit von Spenden geschaffen sei. Positiv nahm er auch die Würdigung der Freiwilligenarbeit in den Freikirchen entgegen, die – bezogen auf die Mitgliederzahl – weit über jener der Landeskirchen liegt.

Vom Staat unabhängig

Während die Vertreter von Juden und Muslimen Wert auf mehr öffentlich-rechtliche Anerkennung legten, ist das Interesse dafür bei den Freikirchen begrenzt. Es gehöre eben zur Identität vieler Freikirchen, vom Staat unabhängig zu sein, erklärte Gasser. Dagegen sprach sich Daniel Kosch, Zentralsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz, für die Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften aus. Dass 85 Prozent der Bevölkerung die Kirchen für wichtig halten, obwohl nur noch 70 Prozent Mitglied einer Landeskirche sind, freute Kosch. Er warnte aber vor Euphorie: «Die (noch) guten Fi-

Schläpfer: Kultische Angebote geschätzt Max Schläpfer, Präsident VFG – Freikirchen Schweiz, meint zu «Fakir»: «Aus Sicht des VFG hat das Forschungsprojekt eines deutlich gemacht: Wenn es um den gesellschaftlichen Nutzen geht, stehen Freikirchen den grossen Kirchen in nichts nach! Besonders er freulich ist, dass die Gesellschaft kultische An­ gebote wichtiger einstuft als soziale Dienstleistungen. Der Verkündigungs­ und Seelsor­ geauftrag ­ unbestrittener Fokus freikirchlicher Arbeit – stösst in der Bevölkerung auf ein Bedür f­ nis. Die Studie belegt ausser­ dem, dass Freikirchen in etwa der Hälfe ihrer Aktivitäten ge­ meinnützig tätig sind, was in Zu­ kunft hoffentlich einen Einfluss auf die steuerliche Abzugsfähig­ keit von Spenden haben wird. Trotz der günstigen Resultate für die Freikirchen müssen sich die­ se aber der Tatsache bewusst sein, dass man geistliches Le­ ben nicht auf Ökonomie reduzie­ ren dar f. Es muss immer wieder in der Kraft des Heiligen Geistes erlebt und praktiziert werden.»

nanzen erhalten die organisatorische Fassade aufrecht – während es mit dem spirituellen Fundament und der inneren Substanz alles andere als zum Besten zu stehen scheint.» Gerade der Vergleich mit den Freikirchen und ihren vielen Freiwilligen gebe zu denken. FRITZ IMHOF www.snf.ch > Medien > Medien­ mitteilungen

EVP, EDU und CVP verpassen ihr gemeinsames Ziel relativ knapp

Kein frommer Vertreter in der Thuner Regierung 300 Listenstimmen fehlten der Allianz von EVP, EDU und CVP am Sonntag für den erstmaligen Einzug in die Thuner Stadtregierung. Offenbar spielte die Solidarität unter den zahlreichen frommen Thuner Wählern zu wenig.

Thuner Regierung setzt sich aus 2 SP, 2 SVP (+1) und 1 BDP zusammen. Die FDP verliert ihren Sitz. EDU-Kandidat David Külling rechnet vor: «300 Stimmen oder 60 Listen mehr, und wir hätten den zweiten Sitz der SP als Restmandat geholt.»

Obwohl sich EVP, EDU und CVP erstmals zum lokalen Schulterschluss fanden, reichte es mit einem Stimmentotal von 13,6 Prozent nicht (EVP 5,4 Prozent, CVP 4,3, EDU 3,9). Die neue

Allianz blieb «neutral»

Bild: Fritz Imhof

Külling verhehlt seine Enttäuschung nicht, dass die Evangelische Allianz die «fromme Koalition» nicht offen unterstützt hat. «Man gab sich neutral, diente da-

mit aber niemandem.» Hätte es zu einem Mandat gereicht, wäre EVP-Grossrat Marc Jost zum Zug gekommen. Obwohl bei der EVP nur auf Platz zwei aufgeführt, erzielte er mit 969 Stimmen das klare Bestresultat (Hans Kipfer 807). Jost vermutet denn auch, dass diese personelle Gewichtung der EVP einige Stimmen gekostet hat. Unter den sechs Kandidaten für das Amt des Stadtpräsidenten landeten Hans Kipfer (EVP) und David Külling (EDU) abgeschlagen auf den letzten Plätzen.

Auch bei den Wahlen in den 40-köpfigen Stadtrat verpassten EVP und EDU ihre erklärten Ziele, nämlich je einen Sitzgewinn. Mit Jürg Dällenbach und Jonas Baumann (EVP) sowie David Külling und Markus Bieri (EDU) konnten aber die bisherigen Mandate verteidigt werden. Die EVP holte 5,2 Prozent der Stimmen (-1,2), die EDU 4,8 Prozent (-0,7). Dafür trumpften BDP (+6) und GLP (+1) als neue Konkurrenz gross auf. ANDREA VONLANTHEN


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Zahlreiche Gemeinde-Anlässe, die Weihnachtsstimmung verbreiten

ÄXGÜSI

Auf dem Märetplatz steht die Krippe

Wunscharchiv

An Weihnachten sandte Gott seinen Sohn auf die Welt – um uns zu begegnen. Für die Begegnung mit Gott bleibt heute in der Vorweihnachtszeit aber meist wenig Zeit. Auf kreative Weise führen christliche Gemeinden deshalb zum Kern des Festes zurück. Ochse und Esel, Hirten und Könige, der Kaiser, seine Soldaten und natürlich Maria, Josef und das Kind – sie alle sind am 12. Dezember in Solothurn anzutreffen. Nicht aus Stoff und Watte, nein, aus Fleisch und Blut. Die Solothurner Landes- und Freikirchen gestalten gemeinsam die Weihnachtsreise. «Verschiedene Laienschauspieler stellen Szenen der Weihnachtsgeschichte nach. Passanten können also hautnah miterleben, wie es rund um die Geburt von Jesus Christus wohl zu und her gegangen sein könnte», erklärt Urs Dummermuth, Pastor der beteiligten BewegungPlus. Da zählen Beauftragte des Königs das Volk, beim Friedhof grasen die Schafe und wachen die Hirten, die heiligen drei Könige ziehen durch die Gassen, und Herodes hält seinen Hofstaat. Auf dem Märetplatz schliesslich steht die Krippe. Hierhin werden zum Abschluss des Anlasses auch alle Stadtbesucher eingeladen, um gemeinsam in Weihnachtslieder einzustimmen (12. Dezember, ab 14.30 Uhr, rund um den Märet-

Weitere Adventsanlässe • Adelbodner Weihnachtsweg: Der Weg führt an verschiedenen Schauplätzen der Weihnachtsgeschichte vorbei, die in Ställen eingerichtet wurden. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. 28. November bis 3. Januar. www.adelbodner-wiehnachtswäg.ch • Advents-Buffet in der Quelle Kehrsatz: Festliches Brunch-Buffet, lebensnaher Input, weihnächtliche Live-Musik. 12. Dezember, 10 Uhr. www.quelleonline.ch • Adventsretraite und Adventstage im Ländli: Stille und Impulse verknüpft mit kreativem Gestalten. 3. bis 5. und 6. bis 10. Dezember. www.zentrum-laendli.ch

Bild: idea/sn

Advent: Die Zeit, bis auch die vierte Kerze brennt, gestalten christliche Gemeinden auf vielfältige Art und Weise.

«An das Christkind im Himmel» heisst es auf den vielen Briefumschlägen. In einem abgelegenen Postarchiv in der Nähe von Bern lagern Wünsche an das «Christkind» in Briefform. Jedes Jahr vor Weihnachten beantwortet ein sechsköpfiges Team der Post Tausende von Kinder-Weihnachtswünschen. Und das seit 1950. Alle paar Jahre wandern die Briefe ins Archiv. Manche Wünsche wurden inzwischen wohl erfüllt – «wär gut, wenn ich aus der Schule wär» –, andere wahrscheinlich nicht («ein Traktor und Diesel»).

platz in Solothurn. www.kirchensolothurn.ch).

Dezember, 16 Uhr, Kantonsschule Baden. www.adventklingt.ch).

Advent klingt

Raum zur Stille

Dem Kindesalter entwachse ich langsam, dem Wunsch-Alter wahrscheinlich nie. Früher wünschte ich mir zum Beispiel eine edle Lego-Ritterburg inklusive Drachen, heute unter anderem einen edlen Ritter. Meine Wunschtaktik gleicht dabei derjenigen von Jennifer: «Dieses Jahr wünsche ich mir einen Plüschtiger. Du findest ihn in der Migros in Aarau.» Wie die siebenjährige Jennifer weiss auch ich genau, wie ich meinen Wunsch erfüllt haben möchte. Ich kenne den richtigen Zeitpunkt, die besten Umstände, den Preis, die Farbe. Gewisse Freiheiten gewähre ich dem Christkind natürlich ab und zu. So wie das Mädchen, das sich ein Brüderchen wünscht, «auch wenn es erst nach Weihnachten kommt». Ja, Feinheiten überlasse ich dem Himmel gerne.

STEFANIE NIEDERHÄUSER

Und doch mag ich trotz meiner präzisen Vorstellungen auch Überraschungen. Und eigentlich wüsste ich, dass das Christkind Zeitpunkte, Umstände und Farben wild durcheinander und doch so passend mischen kann. Daraus entstehen dann auch die besten Geschenke. Sollte ich versuchen, meine Wünsche in die Obhut des himmlischen Wunscharchivs zu geben? Die Ritterburg habe ich jedenfalls bekommen. Im himmlischen Wunscharchiv werde ich aber noch manche Wunschzettel deponieren.

Gesungen wird im Advent auch an der Kantonsschule Baden. Die FEG Wettingen lädt zu Konzerten mit Anja Lehmann und Musikern aus Baden ein. «Für uns gehört es schon fast zur Tradition, dass wir im Advent aus unserer Kirche rausgehen. In dieser Zeit sind die Menschen viel offener, um über den Glauben zu sprechen und nachzudenken. Also schaffen wir Angebote dazu mit möglichst geringen Hemmschwelle», so Pastor Thomas Lorenz. Anschliessend an die Konzerte wartet ein Weihnachtsmarkt auf die Besucher. «Der Markt soll zum Verweilen einladen. Wir möchten nicht, dass die Besucher nach dem Konzert gleich nach Hause gehen, sondern dass sie die Möglichkeit haben, bei einem heissen Becher Punsch Gemeinschaft zu pflegen» (12. und 19. • Christmas praise mit der ICF Chur Band und Andreas «Boppi» Boppart: 4. Dezember, 20 Uhr, Neuwies Turnhalle Berg TG. Veranstalter: Förderverein JUWEL. • Grittibänz-Zmorge am 5. Dezember, 8 Uhr, in der FEG Sulgen. www.feg-sulgen.ch • Internationale Weihnachtsfeier: Gäste aus allen Nationen sind eingeladen, gemeinsam Weihnachten zu feiern. Am 11. Dezember, ab 18 Uhr in der GfC Steffisburg. Info-Telefon: 033 453 05 38 • Jesus-Geburtstags-Fest mit Mime Carlos Martinez. Thema: Weltreise. Kindergottesdienst, Basteln, Wettbewerb-Spiele, Zvieri und vieles mehr am 11. Dezember in der Pfingstgemeinde Wä-

Etwas ruhiger geht es in der FEG Heiden zu und her. «Wir wollen in der hektischen Adventszeit Raum schaffen zum Innehalten. Raum zur Stille, zur Ruhe, zur Begegnung mit Gott», so Pastor Daniel Vassen. Die Gemeinde greift das Thema umfassend auf: Die vier Adventsgottesdienste laufen unter dem Titel «Pssst!». Und unter der Woche öffnet die FEG an jeweils zwei Tagen ihre Räumlichkeiten zur Stille. «Wir richten verschiedene Stationen ein, die einladen zur Begegnung mit Gott. Geplant sind Gebetsstationen, besinnliche Texte, Inputs zum Nachdenken und zum Lesen der Bibel, Bibeltunes und vieles mehr» (1. bis 22. Dezember. Sonntags jeweils um 9.30 Uhr Gottesdienst. Öffnungszeiten Raum der Stille siehe www. feg-heiden.ch). denswil. www.auerehuus.ch • Kirche im Kino: Die Regionalgemeinde Riehen zieht am 19. Dezember in den Cineplex Lörrach und zeigt den Narnia Film «Die Reise auf der Morgenröte» in 3D. Anschliessend Minipredigt. Separates Kinderprogramm. Start: 10 Uhr. www.regiogemeinde.ch • Live-Konzert mit Panflötengenie Vasile Raducu und Pianist Petre Pandelescu. 12. Dezember, 16 Uhr, Chrischona Reinach. www.chrischona-reinach.ch • Musical «Stern über Bethlehem» führen am 19. Dezember, 17 Uhr, Kinder der BewegungPlus Solothurn auf, und am 12. Dezember, 9.30 Uhr und 16.30 Uhr, die Chrischona-Gemeinde Gränichen AG.

DEBORA FREIBURGHAUS Die Autorin ist Mitarbeiterin Medien und Kommunikation bei der SEA in Zürich.


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WirtsChAft

KULtUr

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synergie

Ankommen Mit grossen Schritten nähern wir uns Weihnachten und dem neuen Kalenderjahr 2011. Kirchlich gesehen haben wir mit dem letzten Sonntag bereits ein neues Jahr begonnen. Der erste Advent bildet den Start in den Weihnachtskreis, auch Adventszeit genannt. Der Beriff Advent stammt vom lateinischen «adventus» und heisst «Ankunft». Was im Deutschen so lapidar tönt wie die Ankunft eines Zuges, bezeichnete in der Antike den offiziellen Besuch eines Königs oder Kaisers nach Antritt seiner Herrschaft. Heute ist dies fast vergleichbar mit einem

Antrittsempfang eines Staatsoberhauptes, bei dessen Gelegenheit sich das Volk von der besten Seite zeigt. Um die Widersprüchlichkeit der damaligen Situation zu verdeutlichen, stelle ich mir das heute so vor: Während die Organisatoren den roten Teppich, die Blaskapelle und die Kinder mit den Blumen in Stellung gebracht haben, erreicht die Erwartungshaltung auf den neuen Herrscher den Höhepunkt. In just diesem Moment erscheint das Oberhaupt ganz anderswo in ganz anderer Form, zum Beispiel als Mittelloser in einer Notschlafstelle – mitten unter Randständigen dieser Gesellschaft.

Hatten die «Organisatoren» falsche Erwartungen? Sicher nicht! Lediglich ihre Vorstellung, wie ein Machtantritt auszusehen hat, deckte sich nicht mit dem neuen König. Hier mit Pauken und Trompeten – dort mit einem leisen Schrei in der Krippe. Wie oft ertappe ich mich mit grossen Erwartungen an Jesus und wie er in bestimmten Situationen die perfekte Lösung per Zauberspruch, pardon ich meine Gebet, in Existenz zu bringen hat. Wenn es nicht so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe, dann erkenne ich oft nach der ersten Enttäuschung, dass meine Erwartungen, sprich mein Herz, ganz anders eingestellt war.

Die Machtübernahme im Reich Gottes scheint wirklich ganz anders organisiert zu sein. Unscheinbar nimmt der neue König Besitz von meinem Herzen, wächst und geht auf mein Umfeld über. Dann fliesst er in die Arbeitswelt ein und durchdringt mit der Zeit alle Gesellschaftsbereiche. Ich wünsche allen eine gesegnete Ankunftszeit – möge der Herr zunehmend bei uns ankommen! MArC BeCK Der Autor ist Unternehmensberater bei vita perspektiv ag in Biel. www.vitaperspektiv.ch

Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee thematisieren die sieben Todsünden

Wo die Lust aufhört und das Laster beginnt Was bitte sind todsünden? Und was haben sie in einer gesellschaft, die zunehmend als moralfreie Zone verstanden wird, noch für eine Bedeutung? Diesen fragen geht eine gemeinsame Ausstellung des Kunstmuseums Bern und des Zentrums Paul Klee nach. Eine Leuchtinstallation an der Museumsfassade gibt das Ausstellungsprogramm bekannt. In grossen Neonlettern überblenden sich abwechselnd die englischen Worte für die sieben Todsünden mit ihren Pendants, den Kardinaltugenden (siehe Kasten). Eine Installation des amerikanischen Künstlers Bruce Naumann, die zeigt, dass das Thema heute noch aktuell ist.

Versteckter Voyeurismus

Zu sehen sind Werke vom 11. Jahrhundert bis in die Gegenwart, geordnet nach dem Sündenkanon. Als Einleitung wird eine Zusammenstellung ganzer Bildzyklen gezeigt, an welchen sich die Typisierung der einzelnen Laster nachvollziehen lässt. Der Hochmut ist dann eine Schöne in grosser Toilette mit Spiegel, an Waffen und wutverzerrtem Gesicht erkennt man den Zorn, die Wollust an der Nacktheit und den Geiz am ausgemergelten Körper. Trotz vieler Übereinstimmungen ist es erstaunlich, wie unterschiedBild: zvg

«Die geizige Alte»: Die Berner Ausstellung ist noch bis zum 20. Februar zu sehen.

lich Künstler mit dem Thema umgehen. So führt Peter Bränningers Zyklus von 1990 durch eine Einkaufsstrasse, wo ein Autounfall, Restaurant, Modegeschäft, Bordell, Bank, Kunstgalerie und Poststelle Konfrontationsmöglichkeiten mit dem Laster zeigen. Dass der Künstler für den Neid die Galerie und für die Trägheit die Post wählt, lässt das Publikum schmunzeln. Bedrohlich wirkt dagegen eine Reihe von Holzschnitten aus dem 19. Jahrhundert. Hier werden die Sünden – ganz in der Tradition spätmittelalterlicher Totentänze – in Begleitung des Schnitters gezeigt. Auch in den kolorierten Radierungen von James Ensor dominiert der Tod die Sünde. Anders dagegen bei Marc Chagall: Die Laster des russischjüdischen Künstlers haben etwas

Leichtes, als ob Lebensfreude die Sünde überwinden könnte. Gleich um die Ecke dann niederländische Stiche aus dem 16. Jahrhundert, die mit Monstern und Fabelwesen bevölkert sind. Sie sollten dem Publikum wohl die zu befürchtenden Höllenqualen vor Augen führen und stillten gleichzeitig dessen Sinn nach Voyeurismus. Ganz im Gegensatz dazu Paul Klees abstrakte Bleistiftzeichnungen, die eine eigentümliche Ruhe ausstrahlen.

Breites Spektrum

Häufig werden die Sünden in Abhängigkeit voneinander oder von biblischen Themen dargestellt. Etwa auf einer Darstellung aus dem 17. Jahrhundert, wo die Superbia (Hochmut) begleitet von Zwietracht und Neid auf einem Zweispänner vorfährt – im Hintergrund der Turm von Babel. In der Kunst vergangener Jahrhunderte finden sich immer wieder biblische Bezüge: Hochmut mit Babel, Völlerei mit dem Gastmahl des Belsazars, Neid mit Kain und

Die sieben Todsünden

Nach römisch-katholischem Verständnis geschieht eine Todsünde, wenn der Mensch bewusst ein wichtiges Gesetz Gottes übertritt. Im 6. Jahrhundert stellte Papst Gregor I. den Katalog der sieben Todsünden zusammen: Stolz, Völlerei, Trägheit, Zorn, Wollust,

Abel oder Saul und David, Wollust mit Lot und seinen Töchtern und Geiz mit dem Gleichnis des armen Lazarus. In der Ausstellung ist alles da: Von der mittelalterlichen Buchillustration bis zur zeitgenössischen Videokunst, vom biblischen Bezug bis zur Pornografie. Gerade hier aber müsste man auch in die Tiefe gehen und nach der Relevanz der Todsünden fragen. Welche Bedeutung hatten sie früher, welche haben sie heute in einer Zeit, in der Geiz geil ist, Völlerei eine Krankheit, Saufen ein Wochenendvergnügen, Sex vor allem safe sein muss und Trägheit (sprich Langweile) als Entschuldigung für Gewalt gilt? Eine Frage, die zwar im Booklet gestellt, von den Kuratoren aber in der Ausstellung nicht weiter verfolgt wird. So bietet die Ausstellung zwar einen umfassenden Überblick über ein tausendjähriges Sündenregister, bleibt aber die Antwort auf die gesellschaftliche Relevanz letztlich schuldig. siByLLe ZAMBOn

Neid, Geiz. Zur biblischen Rechtfertigung können 1. Korinther 5,911 und Galater 5,19-21 angefügt werden. Oft werden die Todsünden in der Kunst den Kardinaltugenden Glaube, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Weisheit und M��ssigung gegenübergestellt.


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WIRTSCHAFT

GESELLSCHAFT

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FDP-Nationalrat Werner Messmer bei der IVCG-Gruppe Thurgau über Stress und Hektik

Entspannte Menschen sind angenehmere Mitbürger Er hatte einen stressigen Tag hinter sich. Die Gewerkschaften tagten gerade und lehnten das Lohnangebot der Baumeister ab. Die Presse forderte Stellungnahmen von ihm. Trotzdem erschien Werner Messmer, Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbands, locker zum Herbsttreffen der IVCG Thurgau. Zum Thema «Den Alltag bewältigen – ohne Hektik und Stress» werde er keinen Vortrag über Zeitmanagement halten, sondern aus der Sicht eines aktiven Christen sprechen, der in seinem Alltag sehr wohl Stress-Situationen kenne, betonte Messmer gleich zu Beginn. Ans Weinfelder Treffen der Internationalen Vereinigung Christlicher Geschäftsleute waren auch der künftige Nationalratspräsident Hansjörg Walter (SVP) und einige Thurgauer Kan-

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Bild: idea/av

Andere Perspektive: Werner Messmer vor der Thurgauer IVCG.

tonsräte erschienen. «Die Gewerkschafter werden mich in nächster Zeit testen und schauen, wie ich mit Stress-Situationen umgehe», meinte Messmer. Er habe gelernt, trotz vollem Terminkalender ein Leben ohne Hektik zu führen. Das bedeute für ihn auch Lebensqualität. Druck und Hektik hätten viel mit dem Thema Zeit zu tun. Wenn man glaube, zu wenig Zeit zu haben, wenn es eng und knapp wird, führe dies zu Nervosität, Angst, Druck … zu Stress. Entscheidend seien Hilfsmittel, die Ordnung in die Zeiteinteilung bringen. Er selber benutze immer noch seinen herkömmlichen Terminkalender. Heute gebe es aber auch wertvolle technische Hilfsmittel, um dem Ziel der optimalen Zeitausnützung immer näher zu kommen.

Zeit ist Leben

Aber auch die besten Methoden allein helfen nicht. «Wir sind keine Roboter, sondern Menschen mit unterschiedlichen Gefühlen und Temperamenten», führte der Thurgauer FDP-Nationalrat aus. «In meiner Agenda sind nicht einfach Termine eingetragen, sondern eigentlich mein Leben: Zeit ist Leben, Leben ist Zeit.» Wenn wir Probleme mit der Zeit hätten, dann hätten wir auch im Leben keine Ordnung, stellte der Referent fest. Aber das entspreche nicht Gottes Plan mit uns. Gott als unser Schöpfer möchte, dass unser Leben gelinge. Deshalb sei die Bibel sein Navigator, sein GPS für ein Leben auf Kurs. «Wer an Jesus Christus glaubt, der hat das Leben.» (Johannes 3,36) «An Gott glauben bedeutet

aber nicht einfach ein wenig Religiosität. Er will unserm Leben eine andere Perspektive geben», so Messmer.

Konkrete Schritte

Folgende Schritte für ein Leben mit Qualität und ohne Hektik sind für Messmer entscheidend: • Positives Denken. Ein Pessimist werde immer Probleme mit der Zeit haben. Erfolgreiches Umgehen mit der Zeit hänge von positivem Denken ab. Sich nicht vom Negativen beeinflussen lassen. Jesus verheisse ewiges Leben. «Jetzt schon zu wissen, wohin die Lebensreise geht, das entspannt», bekannte der Referent. • Sorgen abladen. Sich zu sorgen, mache krank und löse keine Probleme. «Sorgen schaffen Stress!», betonte Messmer. «Der Zuspruch ‹Alle eure Sorgen werfet auf ihn, denn er sorgt für euch›, stimmt für mich absolut!»

• Gutes Planen. «Auch die Löcher in der Agenda müssen geplant sein!» • Prioritäten setzen. Ohne Prioritäten entstehe Unordnung. «Delegieren! Ich kann und muss nicht alles selber machen», hat Messmer erkannt. • Gesundheit und Entspannung. «Wer träge wird im Körper, verliert an mentaler Stärke», gibt der motivierte Jogger zu bedenken. «Die grösste Entspannung ist etwas Aktives. Machen Sie das, woran Sie den ‹Plausch› haben. Entspannte Menschen sind die angenehmeren Mitbürger!»

Jesus will mehr

Der gelassene 65-Jährige schlug zum Schluss den Bogen auf Weihnachten. Gott habe Jesus nicht auf die Erde geschickt, damit wir keinen Stress und keine Probleme hätten, sondern «damit wir gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen». (1. Timotheus 2,4) Gott habe uns nicht ein goldenes Paradies auf Erden versprochen, sondern ewiges Leben. «Er befreit von der Schuld. Und er hat garantiert, dass er uns in den Problemen hindurchhilft.» Der IVCG-Anlass gab auch Gelegenheit, Stress abzubauen und Hektik loszulassen. Hansjörg Messmer, Berufsmusiker und jüngster Sohn von Werner Messmer, sorgte am Klavier für Entspannung und Genuss. MARIANNE VONLANTHEN

Gespräch mit Gott

Fan des Sohnes

Er bete sehr viel im Auto, wenn er unterwegs sei, bekannte Werner Messmer. Er bespreche mit seinem himmlischen Vater das anstehende «Tagesgeschäft», bitte um Leitung bei Entscheidungen und um Weisheit bei Fragen und Problemen. «Sicher, Gott stresst mich ab und zu auch», gab er auf die entsprechende Frage von Moderator Andrea Vonlanthen zu. «Manchmal lässt er etwas gar lange auf seine Antwort oder Hilfe warten!» Er habe aber erlebt, dass ihm Gott vor einer schicksalshaften Sitzung buchstäblich in letzter Minute den wegweisenden Gedanken eingegeben hatte.

Stress ausgelöst hatte bei Familienoberhaupt Werner Messmer, als sein jüngster, heute 31-jähriger Sohn Hansjörg Berufsmusiker werden wollte. «Heute bin ich jedoch ein grosser Fan von ihm.» Er habe deshalb das Musical «Ewigi Liebi» dreimal besucht und sei begeistert davon. Hansjörg Messmer hatte auf Wunsch des Vaters zuerst als Grundausbildung eine kaufmännische Lehre gemacht, bevor er die Musikerlaufbahn einschlug. Er war Bandleader beim Musical «Ewigi Liebi» und leitet auch die Band beim Musical «Die Schweizermacher», das momentan in Zürich gespielt wird.


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TAGESSCHAU

ideaSchweiz l 48/2010

«Argentinier» lädt an der Missionskonferenz m’10 zur ganzen Hingabe ein

Mutig den Schritt aus dem Boot hinaus wagen «Check in – koste es, was es wolle!»: Die herausfordernde Einladung motivierte 400 Personen zur Teilnahme am Missionstag in Aarau. Alle zwei Jahre organisiert Mission.ch eine Konferenz, um Menschen für die Mission zu gewinnen. Das Seminar «Check your media» mit Matthias Langhans ging der Frage nach, wie Christen auch soziale Internetplattformen wie zum Beispiel Facebook für das Evangelium nutzen können. Immer häufiger suchen Menschen im Internet nach Antworten auf ihre Fragen. «Das Internet bietet die Möglichkeit, anonym Fragen zu stellen. Unsere E-Coaches beantworten diese und versuchen, mit den Suchenden im Kontakt zu bleiben», erklärte der Medienfachmann. Gott schreibe Geschichte mit diesen Menschen. Der Leaders Track forderte Pastoren, Jugendund Gemeindeleiter auf, mit der Gemeinde ganze Sache mit Jesus zu machen. Weitere Seminare behandelten Themen wie «Berufung entdecken» oder «Gottes Finanzsysteme».

Ganze Leidenschaft

Den Höhepunkt des Missionstages setzte Hauptredner Thomas

der Schweiz, aber wir leiden unter Heimweh. Meine Frau konnte sich nicht von ihren Nachbarinnen verabschieden, und die Kinder vermissen ihre Freunde. Was mit unserem Haus geschieht, wissen wir nicht.» Patrick ist weiterhin bereit, «einzuchecken» – koste es, was es wolle! Rund um die Konferenz informierte eine Ausstellung über die Arbeit von Missionswerken. MARLIES REUTIMANN

Thomas Vögelin: Leidenschaftlicher Missionar und Prediger.

Vögelin im Referat «Check in – koste es, was es wolle». Vögelin lebt seit 25 Jahren in Südamerika und leitet das christliche Schulungszentrum CEC (Centro de Entrenamiento Cristiano) in Cordoba, Argentinien. 2010 nahmen mehr als 2200 Jugendliche aus ganz Südamerika an ihrer Konferenz teil. Ziel ist eine CEC-Arbeit in jedem Land Südamerikas. In seiner mitreissenden Predigt – Vögelin wäre glatt als temperamentvoller Argentinier durchgegangen – berichtete er von Entbehrungen und harter Arbeit, aber auch von Wundern. Mit Bezug auf das Gleichnis von Petrus, der im Vertrauen auf Jesus das Boot verliess, forderte er auf, das Boot der Furcht, der Lügen des Teufels, der Religiosität und der Bequemlichkeit zu verlassen.

«Wenn Jesus ruft, dann wag den Schritt – koste es, was es wolle!»

Sofortige Ausreise

Patrick betrieb ein florierendes Geschäft, bevor er dem Ruf Gottes folgte und alles aufgab. Mit seiner Familie lebte er während elf Jahren in einem muslimischen Land Nordafrikas. «Wir fanden Anschluss zur Dorfgemeinschaft, und ich arbeitete als Touristenführer. Wir bauten sogar ein Haus, weil wir längerfristig in diesem wunderschönen Land leben wollten.» Dann traf ein Brief von höchster Stelle ein mit dem Befehl, das Land innerhalb von 24 Stunden zu verlassen. Der Grund für die Ausweisung dürfte im christlichen Glauben zu suchen sein. «Seit einigen Monaten leben wir wieder in

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Die beste Zeit Von Esra Blaser war an der Konferenz ein bewegendes Zeugnis zu hören: «Ich kam vor acht Jahren zum Glauben. Nach einem Gebet erinnerte ich mich an einen südamerikanischen Missionar, der einmal bei meinen Eltern in der Gemeinde war. Aus dem geplanten Aufenthalt von vier Wochen in CEC wurden sieben Monte – die beste Zeit meines Lebens! Ich wusste danach glasklar, dass es nur eines gibt, für das ich leben und sterben möchte: Das Evangelium von Jesus Christus!»

Zürcher EDU will Suizidhilfe verbieten und stösst dabei auf Widerstand

Die Angst des Kantonsrats vor dem Sterben Hilfe beim Sterben statt Hilfe zum Sterben – das fordert die EDU Zürich. Doch ihre Volksinitiative zum Verbot von Suizidhilfe blitzte im Kantonsrat ab. Was nun? Letzte Woche debattierte der Zürcher Kantonsrat über eine Volksinitiative der EDU. Sie verlangt, «jede Art von Verleitung und Beihilfe zum Selbstmord unter Strafe zu stellen». Die Sterbehilfe öffne Tür und Tor für die organisierte Entsorgung der schwachen Glieder der Gesellschaft, so EDU-Kantonsrat Heinz Kyburz. Als Alternative nennt er die Palliativmedizin: «Todkranke Menschen brauchen Hilfe beim Sterben statt Hilfe zum Sterben.» Dies stiess Bild: idea/mr

bei den Gegnern auf harte Kritik: «Sie wissen nicht, wovon Sie sprechen. Palliativmedizin kann nicht jedes Leiden lindern. Glauben Sie, unter Schmerzen zu sterben sei ein Zuckerschlecken? Das zu ertragen ist ein Kampf», so die Worte von Hans-Peter Portmann, Stiftungspräsident des Zürcher Sterbehospiz Lighthouse, an die Befürworter.

Rat war klar dagegen

Bei der anschliessenden Abstimmung sprach sich eine klare Mehrheit gegen die Initiative aus. Mit 133 zu 22 Stimmen empfiehlt der Rat dem Volk, die Initiative abzulehnen. Für die Initiative sprachen sich geschlossen nur die EDU und EVP aus, dazu kamen

vereinzelte Stimmen aus dem Lager der SVP. Die EDU ist vom Resultat nicht überrascht. «Die meisten Fraktionen sehen sich in dieser Frage einem liberalen Geist verpflichtet», so Kyburz. «Das Volk wird, ist es über die Möglichkeiten der Palliativmedizin gut informiert, weniger dogmatisch entscheiden», ist er überzeugt. Für die Ablehnung sieht der Politiker insbesondere zwei Gründe: Die Forderung nach der Selbstbestimmung und die Angst vor unerträglichem Leiden. «Verschiedene Politiker haben offen geäussert, dass sie beim Sterben das Recht auf Verabreichung des tödlichen Mittels haben wollen, falls sie unter un-

erträglichen Schmerzen leiden müssten.»

Was meint das Volk?

Über die Initiative wird das Zürcher Stimmvolk in einigen Monaten abstimmen – ebenso über die EDUInitiative gegen den Sterbetourismus. Kyburz ist zuversichtlich: «Ungeachtet davon, wie die Abstimmungen herauskommen: Es ist gelungen, die Frage, unter welchen Umständen todkranke Menschen die letzte Wegstrecke ihres Lebens zurücklegen, auf konstruktive Art und Weise zu thematisieren. Die Zeit der Sterbehilfeorganisationen ist vorbei – die Zukunft gehört der Palliativmedizin.» STEFANIE NIEDERHÄUSER


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30.06.2010 14:02:


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Hinduismus & Buddhismus sind nicht friedfertig RELIGION UND POLITIK Der Hinduismus und der Buddhismus sind nach Ansicht des Religionswissenschaftlers Prof. Perry Schmidt-Leukel von der Universität Münster nicht so tolerant und friedfertig wie oft angenommen

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n einer Vorlesung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Universität Münster sagte der Experte, es gebe zwischen Buddhisten und Hindus viele Spannungen. Religionsfragen spielten etwa im Bürgerkrieg zwischen hinduistischen Tamilen und buddhistischen Singhalesen in Sri Lanka eine wichtige Rolle. Die Verfassung des Inselstaates gebe dem Buddhismus eine Vorrangstellung. Dieser Anspruch sei tief in der buddhistischen Tradition Sri Lankas verwurzelt, der zufolge es dort – zum Schutz dieser Religion – nur buddhistische Regierungen geben dürfe. Mit diesem Argument werde auf buddhistischer Seite auch heute noch der Krieg gegen die mehrheitlich hinduistischen

Tamilen gerechtfertigt. Auch in anderen südasiatischen Ländern lebten Buddhisten und Hindus keineswegs immer gleichberechtigt und friedlich zusammen. So habe beispielsweise die Verfassung in Nepal bis 2006 einseitig den Hinduismus als Staatsreligion begünstigt.

Wo der Buddhismus unterging In Indien hingegen – dem Ursprungsland beider Religionen – sei der Buddhismus völlig untergegangen. Erst seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gebe es dort wieder eine kleine, streng anti-hinduistisch orientierte buddhistische Minderheit. Schmidt-Leukel: „Der Untergang des Buddhismus in Indien hängt auch mit den jahr-

hundertelangen Konflikten zwischen Hinduismus und Buddhismus zusammen, die sich zeitweise in blutigen Verfolgungen niederschlugen.“ In dem Exzellenzcluster forschen rund 200 Wissenschaftler aus 20 Disziplinen und elf Ländern. Sie untersuchen das Verhältnis zwischen Religion und Politik von der Antike bis zur Gegenwart.P

Mitglieder der wichtigsten Religionen Christentum Islam Hinduismus Buddhismus Shintoismus Judentum

2.291 Millionen 1.549 Millionen 949 Millionen 469 Millionen 106 Millionen 15 Millionen

Volksläufe: Gemeinden, lauft mit! SPORT Christliche Gemeinden sollten Sportveranstaltungen stärker als missionarische Chancen wahrnehmen

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afür plädierte der Leiter der sportmissionarischen Organisation SRS (früher: Sportler ruft Sportler), Hans-Günter Schmidts (Altenkirchen/Westerwald), bei deren Jahrestreffen in Schwäbisch Gmünd. Vor rund 350 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern warb er für mehr seelsorgerliche Begleitung von Sportlern. Viele hätten religiöse Fragen, fänden aber in ihren Vereinen weder Gesprächspartner, noch hätten sie Zeit, christliche Treffen zu besuchen: „Um Gottes und der Menschen willen sollten Gemeinden diesen besonderen Auftrag erkennen und ernst nehmen.“ Ein guter Anlass seien die immer beliebter werdenden Volksläufe. Deren Organisatoren seien in der Regel für jede Mithilfe bei der Sicherung von Strecken oder bei der Verpflegungsausgabe dankbar. Möglich seien auch Gottesdienste für Zuschauer und Andachten für die Sportler. Mitglieder von Kirchengemeinden könnten außerdem ein Läuferteam bilden und sich durch einheitliche Trikots als Christen zu erkennen geben.

Foto: PR

900 Bibeln wurden nach dem Marathon abgeholt Beim Ulmer „Einstein-Marathon“ im September hätten Gemeinden den Anmeldeunterlagen einen Gutschein für eine Bibel beigelegt. Etwa 900 Sportler hätten sich das Geschenk später abgeholt, berichtete Schmidts. SRS unterstütze Gemeinden durch Beratung sowie Bereitstellung von Werbematerial und Bibeln. Außerdem bilde die Organisation zusammen mit dem Theolo-

ideaSpektrum 48.2010

Christen beim Volkslauf in Ulm

gischen Seminar des Missionswerkes Neues Leben in zweijährigen Kursen Sportmissionare aus. SRS beschäftigt rund 40 Hauptamtliche. Die Organisation wurde 1971 unter dem Namen „Sportler ruft Sportler“ von Helmfried Riecker als Abteilung des evangelikalen Missionswerkes Neues Leben gegründet. Seit 1986 ist SRS ein eingetragener Verein, der leistungsorientierte Sportler und Menschen im Umfeld des Sports mit der christlichen Botschaft erreichen will. Das Werk betreibt seit Oktober 2009 in Altenkirchen das internationale Sport- und Seminarzentrum „Glockenspitze“. P

b

SRS e.V., Im Sportzentrum 2, 57610 Altenkirchen, 02681-94 11 50, www.srsonline.de SRS/Pro Sportler, Bernstrasse 133, CH-3613 Steffisburg, 0041-33 438 01 81, www.srs-pro-sportler.ch


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N AC H R IC H T E N

NOTIERT Pakistan: Zum Tode verurteilte Christin nicht mehr in Haft

Wenn eine Gemeinde zum „Familienunternehmen“ wird „STUNDE DER KRAFT“ Dass eine Gemeinde „pleitegeht“, ist selbst in den USA selten, wo es keine Kirchensteuern gibt. Doch in Kalifornien erklärte die „Glaskathedrale“ ihre Zahlungsunfähigkeit. Was steckt dahinter?

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ie vor 55 Jahren vom reformierten Pastor Robert H. Schuller (84) gegründete Glaskathedralen-Gemeinde ist weltbekannt, weil dort der international ausgestrahlte Fernsehgottesdienst „Hour of Power“ (Stunde der Kraft) aufgezeichnet wird. Er ist durch „positives Denken“ geprägt. Hinter der Finanzmisere steckt mehr als eine Überschuldung wegen der Finanzkrise: Die ganze Großfamilie Schuller ist mit Leitungsaufgaben betraut und erhält nach Einschätzung der Insolvenzaufsicht teilweise überhöhte Bezüge. Insgesamt summieren sie sich umgerechnet auf etwa 1,1 Millionen Euro pro Jahr. Die Gemeinde hat laut Presseberichten einen Schuldenberg von rund 45 Millionen Euro angehäuft. Doch Hauptpastorin Sheila Schuller Coleman – eine Tochter des Gründers – sieht die finanzielle Misere nur als vorübergehend an: Alle Aktivitäten einschließlich der Fernseharbeit gingen normal weiter, versichert sie.

Keine Auswirkungen auf die „Stunde der Kraft“? Das bestätigt Frank Handrich (Augsburg), Geschäftsführer des deutschen Trägervereins der „Hour of Power“. Er habe keine Veränderungen im Spendenverhalten feststellen können, sagte er auf Anfrage von idea. Die deutschsprachigen Ausstrahlungen des Fernsehgottesdienstes gingen weiter. Die Einstellung der Sendungen über Rhein-Main TV zum Ende des Jahres sei schon vor der Insolvenz beschlossen worden. Im kommenden Jahr wird die deutschsprachige „Hour of Power“ weiter über Bibel TV und Tele 5 verbreitet. Der deutsche Trägerverein sei unabhängig und seit etwa zwei Jahren nicht mehr auf Finanzhilfe aus den USA angewiesen. Drei der neun Vorstandsmitglieder des deutschen Vereins gehören freilich zur Familie Schuller. Vorsitzender ist der Internationale Direktor der „Hour of Power“, John A. Townsend. Von den 13 leitenden Angestellten der Glaskathedrale zählen 10 zur engeren Familie Schuller – neben dem Gründer Robert H. Schuller die drei Töchter und ihre Ehemänner, eine Enkelin sowie Sohn Robert A. Schuller mit seiner Ehefrau.

Sohn wollte Familienverflechtungen auflösen Nach Ansicht von Kennern der Glaskathedrale ist es auch deshalb zum Bruch zwischen dem Gründer und seinem als Nachfolger designierten ältesten Sohn gekommen, weil der heute 56-Jährige die engen familiären Verflechtungen in der Leitung des Werks auflösen wollte. Als Folge der Spannungen soll sich die Mitgliederzahl der Gemeinde von 10.000 auf etwa 3.000 verringert haben. Schwiegersohn James B. Penner (Jahresgehalt 117.564 Euro) weist den Verdacht der „Vetternwirtschaft“ zurück. Die Familienmitglieder seien aufgrund ihrer Qualifikation und ihres besonderen Engagements für die Gemeinde angestellt. P

Die wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilte pakistanische Christin Asia Bibi ist aus dem Gefängnis entlassen worden und befindet sich bei ihrer Familie. Diese hält sich aus Angst vor Anschlägen muslimischer Extremisten versteckt. Ob Pakistans Staatspräsident Asif Ali Zardari ein Gnadengesuch der zum Tod durch den Strang Verurteilten angenommen hat, ist weiter unklar. Das teilte die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt a. M. mit. Der Fall der Christin hat international starkes Aufsehen erregt; u. a. hat sich der Papst für ihre Freilassung eingesetzt. Bibi war am 19. Juni 2009 verhaftet worden. Die in einer Obstplantage Beschäftigte wurde von Arbeitskolleginnen beschuldigt, den Islam beleidigt zu haben. Im Oktober 2009 benannten die IGFM und idea Bibi als „Gefangene des Monats“ und riefen zur Unterstützung für sie auf. Am 8. November 2010 verurteilte sie das Oberste Gericht in Lahore aufgrund des Blasphemiegesetzes zum Tod. Falls sie begnadigt würde, drohten islamische Extremisten ihr mit dem Tod.

Rituale: So leben Kinder gesünder Regelmäßige Rituale, zum Beispiel das Beten, wirken sich positiv auf die Gesundheit von Kindern aus. Das hat eine Familienstudie der deutschen Gesundheitskasse AOK ergeben. Demnach sind Kinder deutlich seltener übergewichtig oder gar fettleibig, wenn sich die Eltern Zeit für sie nehmen, regelmäßig mit ihnen essen, spielen oder basteln, sie nach festen Abläufen zu Bett bringen oder mit ihnen beten. Auch eine Einschränkung des Fernsehkonsums hat der Studie zufolge einen positiven Einfluss auf die Gesundheit. Rituale können Kinder ferner vor Stressreaktionen wie wiederkehrende Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen oder Nervosität schützen. In Deutschland gelten 16 % der Kinder als übergewichtig. Das Vorbild der Eltern ist laut Studie prägender als das soziale Umfeld: „Familienroutine wirkt zunächst einmal konservativ, altbacken. Aber das ist ein Faktor, der sich bewährt hat.“ Für die Untersuchung wurden mehr als 2.000 Mütter und Väter befragt.

Fotos: PR

Die Glaskathedrale. Rechts: Robert Schuller sen. mit seinem Sohn Robert Schuller jun.

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Was denkt das Oberhaupt von 1,2 Milliarden? INTERVIEW Zum ersten Mal hat sich ein Papst ausführlich von einem Journalisten interviewen lassen.

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as sechsstündige Gespräch führte der Journalist Peter Seewald aus München. Der 56-Jährige war mit 18 aus der Kirche ausgetreten. Mit 22 wurde er Marxist, arbeitete später für „Spiegel“ und „Stern“. Nach einer ersten Begegnung 1996 mit dem damaligen Kardinal Ratzinger – dem heutigen Papst – entschied er sich, Christ zu werden. Das am 24. November erschienene Buch mit dem Interview hat zurzeit eine Auflage in Deutschland von 180.000 Exemplaren.

Protestantismus: Er hat sich von uns entfernt „Man muss tatsächlich feststellen, dass der Protestantismus Schritte getan hat, die ihn eher von uns entfernten; mit der Frauenordination, der Akzeptanz homosexueller Partnerschaften und dergleichen mehr. Es gibt auch andere ethische Stellungnahmen, andere Konformismen mit dem Geist der Gegenwart, die das Gespräch erschweren. Zugleich gibt es natürlich auch in den protestantischen Gemeinschaften Menschen, die lebhaft zur eigentlichen Substanz des Glaubens hindrängen und diese Haltung ihrer Großkirchen nicht billigen. Wir sollten deshalb sagen: Wir müssen als Christen eine gemeinsame Basis finden; wir müssen als Christen imstande sein, in dieser Zeit eine gemeinsame Stimme zu den großen Fragen zu haben und Christus als den lebendigen Gott zu bezeugen. Die volle Einheit können wir in absehbarer Zeit nicht bewerkstelligen, aber tun wir, was möglich ist, um wirklich als Christen in dieser Welt gemeinsam einen Auftrag zu erfüllen, ein Zeugnis zu geben.“

Glaube: Was ist das Eigentliche? „Worauf kommt es an? Was ist das Eigentliche, das Tragende? Warum sollte Gott nicht imstande sein, auch einer Jungfrau eine Geburt zu schenken? Warum sollte Christus nicht auferstehen können? Freilich, wenn ich selbst festlege, was sein darf und was nicht, wenn ich die Grenzen des Möglichen bestimme und niemand sonst, dann sind solche Phänomene auszuschließen. Es ist eine Arroganz des Intellekts, dass wir sagen: Das hat etwas Widersprüchliches, Unsinniges in sich, schon deshalb ist es gar nicht möglich. Aber wie viele Möglichkeiten der Kosmos birgt und sich über und in dem Kosmos verbergen – das zu entscheiden ist nicht unsere Sache. Durch die Botschaft Christi und der Kirche tritt glaubwürdig das Wissen über Gott an uns heran.“

Foto: dpa

Wie betet Papst Benedikt? „Was den Papst angeht, so ist auch er ein einfacher Bettler vor Gott – mehr noch als alle anderen Menschen. Natürlich bete ich zuallererst immer zu unserem Herrn, mit dem mich einfach sozusagen diese alte Bekanntschaft verbindet. Aber ich rufe auch die Heiligen an. Ich bin mit Augustinus, mit Bonaventura, mit Thomas von Aquin befreundet. Man sagt dann auch zu solchen Heiligen: ‚Helft mir!’ Und die Mutter Gottes ist ohnehin immer ein großer Bezugspunkt. In diesem Sinn gebe ich mich in die Gemeinschaft der Heiligen hinein. Mit ihnen, durch sie bestärkt, rede ich dann

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Benedikt XVI. beim katholischen Weltjugendtag 2005 in Köln

auch mit dem lieben Gott, vor allem bettelnd, aber auch dankend – oder ganz einfach freudig.“

Ehe: Wir können nicht manipulieren „Einerseits gibt es die Gewissheit, dass der Herr uns sagt: Die Ehe, die im Glauben geschlossen ist, ist unauflösbar. Dieses Wort können wir nicht manipulieren. Wir müssen es so stehen lassen – auch wenn es den Lebensformen widerspricht, die heute dominant sind. Es gab Epochen, in denen das Christliche so gegenwärtig war, dass die Unauflöslichkeit der Ehe die Norm war, aber in vielen Zivilisationen ist sie das nicht.“

Homosexualität: Eine große Prüfung „Wenn jemand tiefsitzende homosexuelle Neigungen hat – man weiß bislang nicht, ob sie wirklich angeboren sind oder in frühkindlicher Zeit entstehen –, wenn sie jedenfalls in ihm Macht haben, dann ist dies für ihn eine große Prüfung, so wie einen Menschen auch andere Prüfungen belasten können. Aber das bedeutet nicht, dass Homosexualität dadurch moralisch richtig wird, sondern sie bleibt etwas, das gegen das Wesen dessen steht, was Gott ursprünglich gewollt hat.“

Kondome sind nur eine Ausweichmöglichkeit „Tatsächlich ist es da so, dass, wo immer sie jemand haben will, Kondome auch zur Verfügung stehen. Aber dies allein löst eben die Frage nicht. Es muss mehr geschehen. Inzwischen hat sich gerade auch im säkularen Bereich die sogenannte ABC-Theorie entwickelt, für die ‚Abstinence – Be faithful – Condom’ steht (Enthaltsamkeit – Treue – Kondom), wobei das Kondom nur als Ausweichpunkt gemeint ist.“ P Benedikt XVI: Licht der Welt; Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit. Ein Gespräch mit Peter Seewald; Verlag Herder, 256 Seiten ISBN 978-3-451-32537-3, 19,95 €, 30.50 sFr


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N AC H R IC H T E N

DER GEFANGENE DES MONATS DEZEMBER

Iranischer Pastor wegen Übertritts zum Tode verurteilt

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der IGFM wurde Nadarkhani unter Druck gesetzt, zum Islam zurückzukehren, u. a. durch die zeitweilige Inhaftierung seiner Ehefrau. Die beiden haben einen sechs und einen acht Jahre alten Sohn. Der Pastor befindet sich in einem Gefängnis der Geheimpolizei in Lakan nahe seiner Heimatstadt Rasht. Der Kontakt zu seinem Anwalt und seiner Familie wird ihm verwehrt. Die IGFM und idea rufen dazu auf, in Briefen an die iranische Staatsführung die sofortige Aufhebung des Todesurteils und die Freilassung zu fordern. Der Iran hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rech- Iran te ratifiziert, der Religionsfreiheit 74 Millionen Bürger 99 % Muslime garantiert.

idea Fernseh- und Hörfunk-Tipps

Bitte schreiben Sie an: Botschaft der Islamischen Republik Iran Thunstrasse 68, Postfach-227 3000 Bern 6 E-Mail: ambassador@iranembassy.ch Fax: 0 31/351 08 12

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Fotos: PR

Als „Gefangenen des Monats Dezember“ haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea den iranischen Pastor Youcef Nadarkhani benannt. Der 33-Jährige wurde vor kurzem wegen „Abfalls vom wahren (islamischen) Glauben“, christlicher Aktivitäten und Protests gegen die islamische Zwangserziehung seiner Kinder zum Tode verurteilt. Die Verhandlung hatte im Landgericht der Provinz Gilan stattgefunden. Die Behörden hätten Nadarkhani mündlich mitgeteilt, dass er hingerichtet werde, so die US-Kommission für Religionsfreiheit. Er war bereits im Dezember 2006 in Haft, weil ihm Abfall vom Islam vorgeworfen wurde. Seit Oktober 2009 ist er wieder hinter Gittern. Nach Angaben

Nadarkhani

4. Dezember – 9. Dezember

FE R NSE H E N Sonnabend, 4. Dezember

Sonntag, 5. Dezember

Donnerstag, 9. Dezember

16.30–17.00 Jüdischer Aufbruch – der Zentralrat der Juden hat gewählt. Erstmals steht kein Holocaust-Überlebender, sondern ein Kind der Nachkriegszeit an der Spitze des Gremiums

9.00–9.45 Das gelobte Land der Alpen. Wie Jerusalem nach Italien kam

11.00–12.00 Evangelisch-Freikirchlicher Gottesdienst aus Siegen mit Pastor Michael Geisler

Das Vierte 9.30–10.00 „Das lebendige Wasser“ mit Pastor W.Wegert

11.50–12.20 Frauen über 80 berichten von schweren Zeiten und unfassbarem Glück

16.50–17.15 Schnitzeljagd im Heiligen Land: Die Bundeslade 21.30–22.00 Petra Sturm-Koopmann, Autorin eines Bilderbuchs zur Weihnachtsgeschichte, im Gespräch

15.05–18.00 Das Bibelrätsel – lassen sich biblische Geschichten historisch belegen? 4-teilige Dokumentaion über Mose, Adam und Eva, die Arche Noah und Jesus

HÖRFUNK Sonntag, 5. Dezember WDR 3 8.30–9.00 Über Gerechtigkeit zwischen Gemeindemännern und Kirchenfrauen 8.30–9.00 Perspektiven: Bibel und Buddha

Donnerstag, 9. Dezember 8.35–8.50 Über Gottes- und Menschenlob NDR Kultur 8.40–9.00 „Die Nacht ist vorgedrungen.“ Lieder und Leben von Jochen Klepper

9.30–10.30 Evangelisch-reformierter Gottesdienst aus Steckborn mit Pfarrerin Sabine Gäumann zum Thema „Alle Deko? – Die Bedeutung der Adventszeit jenseits der gliternden Oberfläche“

NDR Info 10.00–11.00 Evangelischer Gottesdienst aus der Thomas-Kirche in Oldenburg mit den Pastorinnen Tanja Bödecker und Aliet Jürgens sowie Pastor Jens Teuber

20.00–21.00 Bilanz: Durchs „Rote Meer“ und andere Wüsten. Erberhard Heiße, Träger des Bundesverdienstkreuzes, im Gespräch mit Horst Marquardt über den Dienst für Christus in Zeiten des SED-Regimes

Wer reagieren möchte, kann dies unter folgenden Rufnummern tun: ARD: 089/5900-3344 | Bibel.TV: 040/4450660 | Das Vierte: 0180/5843783 Deutschlandfunk und Deutschlandradio: 0221/345-1831 | DRS 2: (0)848/808080 | ERF: 06441/957-0 | HR (TV): 069/1555111 | Kabel 1: 0180/5011150 KiKa: 0180/2151514 | Luth. Stunde: 04264/2436 | MDR: 0341/300-5401 | NDR: 0511/988-2393 | Phoenix: 0180/28213 | RBB: 030/97993-2171 SF 2: (0)62/2059050 | SR 2: (0)681/6022222 | SWR: 07221/929-0 | WDR (Radio): 0221/5678-333 | WDR (TV): 0221/5678888 | ZDF: 06131/702164

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P RO & KON T R A

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Sollten Christen in der Adventszeit „stiller“ sein? GEISTLICHES LEBEN Die Adventszeit ist ursprünglich eine Fastenzeit gewesen. Sie soll vor allem zur geistlichen Vorbereitung auf die Menschwerdung Gottes – die Geburt Jesu – dienen. Doch die Wochen vor den Festtagen sind für viele längst nicht mehr so beschaulich: Jeder Fünfte verbindet die Weihnachtszeit mittlerweile mit Stress – auch viele Christen.

„Die Sprache unseres Herrn ist die Stille.“

Pastor Wolfgang Breithaupt leitet das „Haus der Stille“ der Pommerschen Evangelischen Kirche in Weitenhagen (bei Greifswald).

Advent – der letzte Monat im alten Kalenderjahr – ist ein Geschenk zu Beginn des neuen Kirchenjahres. Wir dürfen uns sammeln, zurück und nach vorn schauen. In der Stille und mit Gott, um seine Sicht der Dinge zu gewinnen. Ich strebe nach einem Lebensstil, der aus der inneren Sammlung kommt. Ich erlebe mich danach erfrischt, getröstet und neu geordnet. Und alles ohne Worte. Die Sprache unseres Herrn ist die Stille. Das erfuhr schon der Prophet Elia. Im ersten Buch der Könige wird berichtet, dass Gott erst zu ihm sprach, als er still wurde (1. Könige 19). Dann erst bekam er von Gott seinen Auftrag. Die alte Kirche wusste das und hat deshalb die Fastenzeiten vor dem Weihnachtsfest sowie vor Karfreitag eingeführt. Sie helfen dazu, sich der Bedeutung der für

die ganze Menschheit wesentlichen Heilsereignisse – Geburt, Kreuzigung und Auferstehung Jesu (Weihnachten, Karfreitag, Ostern) – wenigstens zwei Mal im Jahr neu bewusst zu werden. Schweigen kann dazu beitragen, den Blick auf das Wesentliche zu lenken. In der Adventszeit ist das der Blick auf das Kommen Gottes in diese Welt. Zu schweigen bedeutet auch, Geduld zu haben und sich bewusst für Gott zu öffnen. Worte aus diesem Schweigen heraus erhalten Tiefgang und Nachhaltigkeit. Schweigen gibt dem Wort Kraft. So können Tage in der Adventszeit zu Zeiten der Stille und des Schweigens in der Gegenwart Gottes werden. Sie können zu einer neuen vertieften Begegnung mit Gott führen, erfüllt von seiner Liebe, erfüllt von der Freude über „Christ, der Retter ist da“. P

PRO 

„Wenn wir stille sind, wer soll dann die frohe Botschaft verkünden?“

Fotos: privat

KONTRA 

Ich blicke auf das vergangene Kirchenjahr in unserer Gemeinde zurück. Viel ist passiert. Ein Höhepunkt jagte den anderen. Wir konnten z. B. die Sanierung unserer Kirche abschließen. Auch die diesjährige Ökumenische Kirchenwoche (eine Jugendwoche in See, die vor 37 Jahren aus der charismatischen Bewegung in der DDR entstand) war wieder eine gesegnete Herausforderung. Puh … Und ich denke, es müsste jetzt eigentlich mal eine Zeit geben, in der der in der Kirche übliche Aktionismus gedrosselt werden und Raum zum Durchatmen sein könnte. Sind vielleicht die kommenden Adventstage dafür geeignet? Aufatmen und in Ruhe auf die Ankunft unseres Herrn und Heiland Jesus Christus warten –„Wie soll ich dich empfangen …“? Manches spricht dafür!

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Christian Huth ist Pfarrer der Trinitatisgemeinde am See (bei Niesky, Niederschlesische Oberlausitz) in der Evangelischen Kirche BerlinBrandenburg-schlesische Oberlausitz.

Aber etwas spricht dagegen: Gott möchte nicht nur zu alt eingesessenen Gemeindegliedern kommen, sondern zu allen Menschen! Und Weihnachten ist für viele der einzig verbliebene Anknüpfungspunkt, der allerdings durch das laute Dudeln und fantastische Glitzern der Weihnachtsmärkte und Kaufhäuser fast schon vollständig überlagert ist. Christen sollten deshalb aber nicht schweigen. Denn Gott will immer noch, dass allen Menschen geholfen werde. Wenn wir Christen uns ausgerechnet in dieser Zeit in die Stille zurückziehen, wer soll den Menschen die frohe Botschaft verkünden? Die Frage nach Sinn, nach Angenommensein und Geliebtwerden und damit die Frage nach Rettung kann nicht durch den rollenden Euro beantwortet werden! Jesus will zu den Menschen. Dafür ist er gekommen. Aber er ist kein Marktschreier, der andere übertönt. P


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C H R I ST & LE BE N

In der Ehe steckt die Kunst … EHE „Die Liebe, welch lieblicher Dunst! Doch in der Ehe, da steckt die Kunst“, schrieb der Schriftsteller Theodor Storm (1817-1888). Die Gender-Mainstreaming-Bewegung, nach der es angeblich kaum Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt, verunsichert viele Paare zusätzlich. idea hat deshalb in dieser Ausgabe die Ehe zwischen Mann und Frau zum Schwerpunktthema gemacht.

Wie Ehen besser gelingen – aus der Sicht eines Mannes Von selbst leben sich Ehepartner auseinander. Meistens sind es die Frauen, die die Initiative ergreifen, um an der Ehe zu arbeiten. Dabei wäre wohl jede Frau dankbar, wenn auch mal der Mann den ersten Schritt machen würde. Deshalb einige Denkanstöße: Das Bedürfnis der Zugehörigkeit ist dem Menschen angeboren. Schon ein Baby sucht sie – zur Mutter, zum Vater, zu einer Familie. Aber der Alltag lässt diese Zugehörigkeiten schwinden. Sind es die Berufe, der Glaube, der gemeinsame Einkauf, der uns verbindet? Wird die Gartenarbeit ab und zu gemeinsam erledigt? Ab und zu sollte ein Ehepaar überprüfen, wo die Berührungspunkte im Alltag zu erkennen sind. Eine Ehe braucht Nähe. Sie entsteht durch Wahrnehmung von Ängsten, Gefühlen und Sorgen des anderen und durch das Gespräch über die Sehnsüchte des Lebens. Vor allem sind sich Ehepartner nahe, wenn sie ehrlich sind, schwach sein dürfen und sich bei Bedarf vergeben können. Das ist die Grundvoraussetzung für erfüllte körperliche Nähe. Ich erkläre Paaren an fünf Ebenen der gesunden Kommunikation, wie Nähe aufgebaut werden kann. 1. Der Smalltalk: Dazu gehören Fragen wie: Wie geht es dir? Woher kommst du? Schönes Wetter heute. So kann fast jeder kommunizieren. 2. Die „Nummer sicher“-Ebene: Es werden unproblematische Fakten erfragt: Wo warst du in Urlaub? Ist deine Arbeit noch sicher? Damit geht man noch kein Risiko ein. 3. Die Ebene des Urteilens: Man macht Aussagen über Religion und Politik oder zu heiklen ethischen Fragen. Damit riskiert man Widerspruch, aber das Gespräch bekommt Tiefe und eine Bereicherung. 4. Die emotionale Ebene: Was empfi nden wir? Was macht uns Angst? Was wäre ganz schlimm für uns? Ab dieser Ebene tun sich vor allem Männer schwer. Sie wollen oft nicht zu enge Beziehungen, weil sie bei einer Trennung wieder verletzt werden könnten. 5. Enthüllungsebene: Wir offenbaren ehrlich unsere Gedanken und Gefühle. Das können Aussagen über Sexualität, Versagen oder Glaubenszweifel sein. Wo der Schmerz ausgesperrt wird, bleibt auch die Freude an Beziehungen aus. Ich erlebe oft, dass Männer beispielsweise ihre Internetsexsucht als Geheimnis wahren und erst sehr spät merken, dass man sich nicht mehr viel mitzuteilen hat und einsam wird.

Man muss verstehen, was dem anderen wichtig ist Jeder Mensch braucht für sein Selbstwertgefühl Wertschätzung. Jemand, der zum Beispiel über den frisch geputzten Boden mit dreckigen Schuhen läuft, tut das Gegenteil. Zu dieser Wertschätzung gehört auch, dass man danach versucht, die Andersartigkeit zu verstehen. Ich denke dabei an den Gesprächsbedarf der Frau, den intensiven Kontakt zu den Kindern, zu Freunden oder Nachbarn und auch den Internetkonsum des Partners oder seine Vorliebe für Einkäufe. Wir müssen nicht alles gut finden, aber zuerst einmal sollten wir verstehen, warum das dem anderen wichtig ist. Wertschätzung drückt sich oft in vermeintlichen Kleinigkeiten aus: einer freundlichen Begrüßung, einer gebührenden Verabschiedung, aber auch in einer Ermutigung oder einer gut gemeinten Ermahnung. Auch das Lob für die passende Kleidung oder die gelungene Frisur gehört dazu. Übrigens: Menschen, die solche Mechanismen nicht von klein auf erlebt haben und mit diesen aufgewachsen sind, verlangen auch in der Beziehung stärker nach Wertschätzung.

Sich der Vergangenheit stellen Wir alle neigen dazu, unsere eigenen Erfahrungen auf andere zu übertragen. Wir legen unserer Beziehung damit Steine in den Weg. Ein Beispiel: Eine Frau wird eifersüchtig, weil ihr Mann sich so gut mit der Tochter versteht. Der Grund liegt in ihrer ganz persönlichen Vorgeschichte: Ihr eigener Vater hatte sie als Kind vernachlässigt. Oder: Ein Mann kommt mit autoritären Menschen nicht klar, weil der Großvater sehr autoritär war. Ein anderer sieht sich stets als Beschützer seiner Freundin, die sich dadurch immer wieder eingeschränkt fühlt – als Kind musste er seine Mutter vor dem Vater schützen … Was also tun? Man muss sich seiner eigenen Geschichte stellen. Nur so kann das Unterbewusste nicht mehr weiterwirken. Nur so erarbeitet man sich die Chance, seinen Partner nicht unnötig zu belasten.

Zärtlichkeit – der Jungbrunnen für die Beziehung In unserer sexualisierten Zeit ist Zärtlichkeit zum Auslaufmodell geworden. Und es ist nicht leicht, sie neu zu entdecken. Dabei ist sie etwas Wunderschönes – sie kann so etwas wie ein Jungbrunnen für die Beziehung sein. ZärtlichideaSpektrum 48.2010


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keit meint nämlich nicht unbedingt Körperlichkeit. Auch das Herz kann zärtlich sein. Schon eine aufgehaltene Tür oder die Hilfestellung beim Anziehen der Jacke können dem anderen guttun. Auch ein nettes Augenzwinkern, ein herzlicher Händedruck oder ein überraschender Blumenstrauß können Zärtlichkeit ausstrahlen. Viele sind damit nicht aufgewachsen. Oft haben die Eltern Zärtlichkeit nicht vorgelebt, weshalb sie erst erlernt werden muss. Aber es gibt keine sinnvolle Alternative, als in die Ehe zu investieren. P

Rolf Trauernicht (Ahnatal bei Kassel), Leiter des (deutschen) Evangelischen Fachverbandes für Sexualethik und Seelsorge „Weißes Kreuz“

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Zentrale des Weißen Kreuzes e.V., Weißes-Kreuz-Straße 3, 34292 Ahnatal 05609-83990, www.weisses-kreuz.de Weißes Kreuz, Lindhübelstr. 4, CH-5724 Dürrenäsch, 062 767 6000, www.wkz.ch

Wie Ehen besser gelingen – aus der Sicht einer Frau Besser gelingen? Besser als bei wem? Als die Ehe von Inga oder Markus oder Petra oder Sven, eben die Beziehungen der Freundinnen und Freunde, bei denen es nicht geklappt hat? Oder besser als so, wie es gerade jetzt bei Ihnen läuft? Und was heißt eigentlich „gelingen“? Gibt es eine Bewertungsskala für gute Ehen? Zum Glück nicht! Aber einiges, was wir uns praktisch auf die Tagesordnung schreiben können. Und mit Tagesordnung meine ich „Tages“-Ordnung. Ehen werden täglich, um nicht zu sagen alltäglich gelebt: Wir träumen vom großen Glück und landen im Alltagskram. Aber genau dort werden die kostbaren kleinen Schätze des Glücks gehoben. Hier ein paar Hinweise für das Eheleben, das uns zufrieden sein lässt:

„Der Partner ist nicht für mein Glück verantwortlich …“ Zugegeben – das klingt nicht sehr romantisch, entlastet aber jede Beziehung enorm. Oft belasten wir uns in den Beziehungen mit gegenseitigen Erwartungsdruck: „Wenn mein Mann endlich das tun oder lassen würde, dann ginge es mir gut ...“ Falsch – mein Mann ist nicht dafür verantwortlich, mich glücklich zu machen und meine Erwartungen zu erfüllen. An der Stelle sind Frauen vielleicht wirklich etwas gefährdeter als Männer: Sie haben ein bestimmtes Bild im Kopf, was er zu tun und zu lassen hat, wann und was er reden soll. Und am besten soll er das auch noch tun, ohne dass frau was sagt, denn so denkt frau gern:

tum unseres Lebens. Wir verlieren diese Grundwahrheit ganz schnell aus dem Blick. Vor lauter Alltagskram und dem Führen einer Mängelliste ist dieser Beziehungsmuskel, nämlich die Stärken und das Geschenk der Partnerschaft und des Partners wahrzunehmen, sehr untrainiert. Deshalb der Tipp erster Rangordnung:

„Sprechen Sie das Positive aus!“ Eheforscher haben eine herausfordernde Formel entdeckt: Für die Ehezufriedenheit soll es mindestens fünfmal mehr positiven als negativen Austausch geben. Sie haben richtig gelesen, meine Damen (und auch Herren und Väter und Mütter …), die Formel lautet tatsächlich 5 zu 1! Nicht zu fassen! Wie verbreitet ist unter uns dagegen der schwäbische Verbal-Geiz: „Nichts gesagt ist genug gelobt.“ Vergessen Sie es! Trainieren Sie Ihre Beobachtungsgabe und sprechen Sie es aus: „Was tut mir gut an dir?“, „Was sind die Stärken unserer Beziehung?“, „Worauf freue ich mich?“.

„Die Ehebeziehung hat Vorrang vor der Elternbeziehung“ Das hören viele Mütter gar nicht gern. Kinder bestimmen in einer bestimmten Ehephase ganz enorm den Alltag,

Eheschließungen und Ehescheidungen Deutschland

„Mein Mann muss doch merken, wie es mir geht“

Foto: idea/Kretschel

Wirklich? Frei nach dem Motto: „Viele Menschen reden, ohne sich zu verstehen. Liebende verstehen sich, ohne zu reden“? Blödsinn. Reden Sie: klar, konkret, kurz und von sich. Wir Frauen lamentieren gern und sind schnell unzufrieden. Meine Damen, kommen Sie bitte bei drei Schlüsselbegriffen auf den Punkt: Wo bitte ist das Problem? Welches Bedürfnis ist betroffen? Welche Lösung lässt sich finden?

„Was für ein Glück, dass wir uns haben!“ Wie jetzt? Ist das nicht ein Widerspruch zum eben Gesagten? Nein, die Liebe (und die Liebe zwischen Mann und Frau ist davon eine ganz besonders großartige Version), Beziehungen, Freundschaften sind der eigentliche Reich-

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Eheschließungen Ehescheidungen

516 431

419

388

377

194

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Angaben in Tausend 155

169

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1995

2000

2005

2008

47

41

40

40

42

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Schweiz

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© lideaGrafik; Quelle: Statistisches Bundesamt, BFS


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sind Reichtum und Belastung zugleich. Und wie oft stellt sich bei Paaren dann das Saure-Gurken-Zeit-Gefühl ein. Die Eltern sind ein Ehepaar – das ist das Fundament. Dieser Satz gehört ins Herz und Hirn, denn die Paarbeziehung darf nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden. Deshalb:

„Zeit zu zweit, damit die Liebe bleibt“ In jeder Phase einer Ehe brauchen wir als Partner das Gefühl, dem anderen wirklich wichtig zu sein. Deshalb sind die romantischen Stunden die Farbtupfer des Alltags und ein Festessen für die Seele. Die Liebesbeziehung braucht eine gute Pflege. Opfern Sie nicht zu schnell diese besonderen Gelegenheiten (ein ruhiges, entspanntes Gespräch, eine Wochenende ohne Kinder, ein schöner Spaziergang, ein Restaurantbesuch). Liebe Frauen, lasst doch bitte locker und los! Eure Kinder kommen auch mal ohne euch aus! Und vielleicht verabreden Sie sich dann mit Ihrem Liebsten zum Sex? Das wär’s doch, oder? Denn:

„Sex? Da war doch noch was, oder …?“ Sex in langjährigen Beziehungen ist deshalb oft nicht nur Lust, sondern auch Last, weil wir (gerade wir Frauen) ein

paar Irrtümer im Kopf haben. Hier die nachhaltigsten, die wir vertreiben sollten: 1. So viel Sex ist doch normal, oder? Ihr Sex braucht keine Statistik. Vergessen Sie doch bitte alle Koitusfrequenzen (wer, wann, wie oft), die immer wieder durch den Blätterwald geistern. 2. Sex ist immer spontan? Nee, Sie können sich tatsächlich mit Ihrem Liebsten zum Sex verabreden. Machen Sie irgendeine Regel aus. Von mir aus freitags nach den Tagesthemen. 3. Guter Sex ist immer toll? Wer sagt das? Sexualität unterliegt Schwankungen. Mal sind wir so drauf und mal so. Wie das Leben halt so spielt. Bloß kein Stress! P Claudia Filker, Jahrgang 1957, seit 32 Jahren Ehefrau, Mutter von sechs Kindern, Pastorin und Kommunikationstrainerin für Paare.

Buchtipps: Claudia Filker, 101/2 gute Gründe, immer wieder denselben Mann zu küssen. Wie Partnerschaft gelingen kann. Brunnen, 6,95€, 11,50 SFr Talk-Box Vol. 2 für Paare, (C.Filker, H. Schott), 120 Fragekarten, Neukirchener-Aussaat, 12,90 €, 21,50 SFr

Was die Gemeinde zum Gelingen der Ehe beitragen kann

Ist der Ehealltag ein „peinliches Thema“ im Gottesdienst? Eheprobleme nehmen im Gemeindealltag viel Raum ein. Aber eine Gemeindemitarbeiterin erzählte, dass der Ehealltag paradoxerweise im Gottesdienst kaum angesprochen werde, weil man niemandem zu nahe treten wolle. Sie hätte zum Beispiel ihr eigenes Ehejubiläum gerne im Rahmen der Gemeinde gefeiert, es dann aber doch verschwiegen. Geschiedene oder Singles hätten sich ja daran stoßen kön-

nen ... Schön zu sehen, dass vielerorts ein Umdenken stattfindet, und Ehevorbereitungen, Ehekurse und „Ehe-Verwöhn-Angebote“ zum Gemeindeprogramm gehören.

Ein Kontrapunkt zu Traumhochzeiten à la Hollywood Während sich auf der einen Seite die Scheidungsrate auf hohem Niveau eingependelt hat, sind auf der andern Seite Hollywood-inspirierte „Traumhochzeiten“ Sinnbild einer verführerischen Fantasiewelt. Die christliche Gemeinde kann und muss hier einen Kontrapunkt setzen, indem sie Ehe realistisch darstellt. Denn sie ist nicht die Erfüllung all meiner Träume, sondern immer ein Abenteuer: prickelnd und schön, aber auch mit Risiken und Arbeit verbunden. Sogar Sexualität kann erlernt und entwickelt werden. Als engste mögliche Beziehung ist sie die beste Werkstatt für meine persönliche Entwicklung, aber auch meine „Heiligung“. Denn nirgends zeigt sich so deutlich wie in der Ehe, ob mein Glaube wirklich trägt und Christus in mir Gestalt annimmt. P Wilf Gasser (Wabern/Bern), Arzt und Präsident der Schweizerischen Evangelischen Allianz.

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www.marriage-week.de, info@marriage-week.de, 02351-6789983 www.marriageweek.ch, wilf.g@marriageweek.ch, +41-79-6452944

Fotos: privat

Ist Ihnen vielleicht auch schon aufgefallen, dass man in oder mit der Kirche meist nur den Beginn der Ehe feiert? „Wir wollen dies ändern!“, schrieb eine evangelisch-reformierte Kirchgemeinde und lud während der Marri– ageWeek (Ehe-Woche) ins Gemeindehaus ein, um auf das Abenteuer Ehe anzustoßen. 60 Paare folgten der Einladung und feierten den Abend fröhlich, nachdenklich und zugleich sehr festlich. Die Idee stammt aus England. Die jährliche MarriageWeek kann einen Anstoß liefern und auch übers Jahr ermutigen, die Ehe in all ihren Facetten zu thematisieren. Der Sonntag während dieser speziellen „Woche der Ehepaare“ kann zum Beispiel genutzt werden für eine „Ehe-Predigt“, ermutigende Lebensberichte, das Feiern von Ehe-Jubiläen oder ein Gebet für Ehen und Familien in Not. Beim Hauskreisabend oder bei einer Einladung von Freunden können Paare erzählen, wie sie sich kennenlernten und was sie am Partner anziehend fanden.

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Auf dieser Seite schreiben zwei Christen, warum ihre Ehe gescheitert ist, und ein Paar, wie ihre Ehe gerettet wurde. Alle wollen anonym bleiben.

Eine Paartherapie hat unsere Ehe gerettet Bei uns begannen die Ehe-Probleme mit dem beruflichen Erfolg. Als Inhaber mehrerer Geschäfte verbrachten wir fast 16 Stunden täglich auf Arbeit. Um wenigstens noch etwas Zeit mit den Kindern zu haben, versuchten wir jede Woche einen Familientag zu machen. Doch für Momente zu zweit nahmen wir uns kaum Zeit. Nicht, dass es einen Streit oder gar einen Ehekrach gegeben hätte. Wir lebten uns auseinander. Der eine machte dies, der andere das. Ich flirtete mit anderen Frauen. Meine Frau traf Freundinnen. Verbrachten wir zunächst nur die Abende in der Woche getrennt, waren es bald auch die Wochenenden und schließlich sogar der Urlaub. Wie sehr meine Frau unter der Situation litt, merkte ich erst, als sie mich bat auszuziehen. Die Distanz sollte helfen, uns darüber klar zu werden, ob uns überhaupt noch

etwas an unserer Ehe liegt. In dieser Zeit lud unsere Haushälterin uns in ihre Gemeinde ein. Was ich dort erlebte, hat mich beeindruckt: Menschen, die ihre Sorgen und Nöte im Gebet vor Gott bringen. Auch wir machten das – jeder für sich. Doch das reichte nicht. Schließlich entschieden wir uns deshalb, eine Paartherapie zu besuchen. Das war ein langer Prozess. Doch dort haben wir uns zum ersten Mal seit Jahren wieder gesagt, was wir aneinander schätzen, und haben uns um Vergebung gebeten für die Verletzungen, die wir einander zugefügt haben. Seitdem leben wir unsere Ehe bewusster. P

Eine Frau: Unsere Ehe ist an unserer Sprachlosigkeit gescheitert Über alles konnten wir reden: über die Kinder, das Haus, die Praxis, Freunde und Bekannte. Ging es aber um uns, herrschte Sprachlosigkeit. Die Unfähigkeit, das auszudrücken, was uns im Innersten bewegt, begleitete uns seit Beginn unserer 18-jährigen Ehe. Was vor allem mir auf der Seele brannte, stieß in absehbarer Regelmäßigkeit auf taube Ohren. Woran das lag? Als wir geheiratet haben, war ich 23 Jahre alt. Wir kannten uns aber bereits seit Jugendtagen. Wir kommen beide aus recht engen christlichen Elternhäusern. Sowohl bei mir zu Hause als auch bei meinem Mann wurde wenig darüber gesprochen, was einen bewegt. Diese Sprachlosigkeit haben wir wohl unbewusst übernommen. Leider hat sich das auch auf unser geistliches Leben ausgewirkt: Wir haben nie

zusammen gebetet oder uns über geistliche Dinge ausgetauscht. Für ihn spielte das Materielle die wichtigere Rolle. Mich hat das massiv gestört. Auch hier ging er jeglichen Auseinandersetzungen aus dem Weg. Als ich wegen unserer finanziellen Probleme dann trotz unserer Kinder zu arbeiten anfing, sorgte die unbegründete Eifersucht meines Mannes für derart große Konflikte, dass auch eine Eheberatung, die uns die Gemeinde finanziert hat, nicht mehr half. Am Ende war die Trennung besser, weil die gegenseitigen Vorwürfe nur noch destruktiv waren. Nach außen hin haben wir das perfekte Ehepaar abgegeben. Doch dieser Schein hat uns kaputt gemacht, denn er steht für nichts – vor allem nicht für das, was eine gute Ehe ausmacht. P

Foto: dpa

Ein Mann: Auch als Christ darf ich scheitern Welche Chance hatten wir denn? Diese Frage stelle ich mir oft. Nach den ersten Monaten der Trennung wird die Sicht auf das Vergangene immer klarer – und frustrierender. Reinhold Ruthe benennt in seinem Buch „Ende der Träume“ die Fakten schonungslos: „Das Scheidungsrisiko erhöht sich um 146 % wenn beide Partner die Scheidung ihrer Eltern erlebt haben.“ War so. Kommt Untreue hinzu, erhöht es sich um 1102 %. War bei ihr so. Martina Kessler beschreibt in ihrem Buch „Eheleben – Chance zu zweit“ ein Symptom, das haargenau auf uns zutraf: „Eine in vielen Facetten gute eheliche Gemeinschaft bringt meist ein ebenso gutes Sexualleben hervor. Umgekehrt kann man von einem schlechten Sexualleben auf eine schlechte Ehe schließen.“ Ja, wir haben eine schlechte Ehe in diesem Sinne geführt. Von außen betrachtet war alles prima, aber innen war es faul. Wir haben es erkannt, wir haben viel geredet und gebetet, wir haben eine christliche Eheberatung

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aufgesucht, wir haben uns zu Tode analysiert. Wir wissen, dass unsere Persönlichkeiten so unterschiedlich wie Feuer und Wasser sind, wissen, dass unsere Herkunftsfamilien und Erfahrungen nichts gemein haben. Und Gott hat, als wir zusammen gekommen sind, keine Rolle gespielt. Auch bei der Hochzeit war er nur eine Randfigur. War das der Fehler? Hätte Gott uns mal gezeigt, dass wir nicht zusammenpassen! Doch hätten wir auch auf ihn gehört, nachdem wir die ersten Schritte schon gegangen sind? Wahrscheinlich nicht. Hatten wir also überhaupt eine Chance? Wenigstens haben wir keine Kinder, die jetzt leiden müssten. Wir haben beide gute Jobs und Freunde, die uns zur Seite stehen. Alles prima? Nein, den Makel des Scheiterns werde ich einfach nicht los. Aber auch als Christ darf ich scheitern. Aus der liebenden Hand Gottes bin ich dadurch nicht gefallen. Und das ist der einzige wahre Trost an dieser Geschichte. P


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A DV E N T SZ E I T

Chemnitz

A4

Zwickau A72

Thüringen

Sachsen Marienberg

Annaberg-Buchholz Plauen

b i r g e E r z g e

Die Türmer von St. Annen ADVENTSZEIT Keine Region im deutschsprachigen Europa ist so von der Adventszeit bestimmt wie das Erzgebirge. Von hier kommen die meisten Christstollen, Nussknacker und Räuchermännchen. Doch es gibt noch etwas, was kaum einer weiß: In der „Hauptstadt“ des pietistisch geprägten Erzgebirges im Süden Sachsens, in Annaberg-Buchholz, lebt die wahrscheinlich einzige Türmerfamilie der Welt. In 42 Metern Höhe führen Matthias, Marit und Toni Melzer trotzdem ein (fast) normales Leben. Matthias Pankau und Thomas Kretschel (Fotos) haben sie besucht.

Familie Melzer lebt im Kirchturm der St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz

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THEMA

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Der mächtige Steinbau der St. Annenkirche ist schon von weitem zu erkennen. Er ist das Wahrzeichen des 22.000 Einwohner zählenden Bergstädtchens Annaberg-Buchholz im Erzgebirge. Knapp 80 Meter ragt er in den Himmel und ermöglicht einen atemberaubenden Blick über den Ort, auf Fichtelberg und Keilberg.

Wir sind die 20. Türmerfamilie Matthias, Marit und Toni Melzer können dieses Panorama tagtäglich genießen. Denn sie wohnen hier oben – in 42 Metern Höhe, 668 Meter über Null. Die Melzers sind die Türmer von St. Annen und wohl die Einzigen überhaupt, die noch das ganze Jahr über im Turm leben. Seit seiner Fertigstellung im Jahre 1533 wird der Kirchturm von St. Annen von Türmern bewohnt. „Wir sind laut Kirchenbüchern die 20. Türmerfamilie“, sagt Matthias Melzer, der schon als Kind Türmer werden wollte. „Mit zwölf Jahren war er das erste Mal hier oben und erklärte unseren Vorgängern ganz selbstbewusst: ‚Wenn ich mal groß bin, werde ich Türmer von St. Annen’“, erzählt seine Frau Marit. Sie indes musste sich an den Gedanken, in einem Turm zu wohnen, erst gewöhnen. „Schließlich fand ich es aber doch sehr romantisch, als Matthias mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, mit ihm hier oben zu leben.“

Glockengeläut auch noch per Hand Seit elf Jahren üben die beiden ihr Amt als Türmer von Annaberg-Buchholz inzwischen aus. Jahrhundertelang gehörte es zu den Aufgaben des Türmers, nach Feinden und Angreifern Ausschau zu halten sowie nach Bränden. Das ist vorbei. „Ein Feuer würde man bei der Beleuchtung der Stadt heute gar nicht mehr rechtzeitig erkennen“, erklärt Matthias Melzer. Seine Aufgaben beschränken sich auf das Aufziehen der Turmuhr sowie die Pflege des Turmes und das Läuten der Glocken. Das geht heute per Knopfdruck. Zu hohen kirchlichen Festen und zu besonderen Anlässen, wie Taufen, Trauungen oder Beerdigungen, werden die drei Glocken aber immer noch per Hand geläutet. Bis zu 400 Mal im Jahr dringt der Klang der knapp 200 Jahre alten Glocken durch die massiven Schalltüren, die der Türmer dann je nach Wind und Wetter öffnet, nach draußen. Oft hilft ihm Sohn Toni (9) dabei.

Als es im Erzgebirge noch viel Silber gab Das mächtige Gotteshaus verdankt das beschauliche Bergstädtchen den reichen Silberfunden im Mittelalter. Damals wuchs der Ort rasant, so dass ein großer Versammlungsraum benötigt wurde. So flossen ab 1499 Gelder aus dem Bergbau und vom sächsischen Fürstenhof in den Bau von St. Annen. Die heilige Anna war Schutzheilige der Bergleute. Ihr wurde nicht nur die Kirche gewidmet. Sie wurde auch zur Namensgeberin der Stadt. Das Gotteshaus gilt als größte spätgotische Hallenkirche Sachsens und steht bis heute für den Stolz und den einstigen Wohlstand der Region. Rund ideaSpektrum 48.2010

Wer die Melzers besuchen möchte, muss 211 Stufen steigen.

150.000 Touristen kommen jedes Jahr. Für deren Betreuung ist Marit Melzer zuständig. Denn viele von ihnen wollen den Ausblick vom Turm genießen; allein im vergangenen Jahr waren es 15.000. Wer die 174 Stufen bis zur Aussichtsplattform nicht am Stück schafft, kann sich auf den Zwischenetagen über die Geschichte der Türmer informieren.

Es gibt noch 22 Turmwächter in Europa Heute kennt die europäische Zunft noch 22 Turm- und 115 Nachtwächter. Allerdings leben von ihnen nur noch die wenigsten hoch oben im Turm. Für die Melzers ist das Leben in luftiger Höhe ganz normal. Selbst die Wäsche hängt Familienvater Matthias in einer Ecke des Turmrundgangs auf. Mit etwas Glück kann man ihn dabei antreffen. Die Türmerwohnung selbst hingegen ist der Familie vorbehalten. 84 Quadratmeter, drei Zimmer, Küche, Bad „und unverbaubarer Blick“, wie Marit Melzer schmunzelnd hinzufügt. Wer meint, die Melzers müssten auf übliche Annehmlichkeiten wie Telefon oder fließend Wasser verzichten, irrt sich. „Ein Telefon gibt es hier oben seit 1879. Es war der zweite Anschluss in der Stadt nach der Polizei“, weiß der Türmer. Ähnlich ist's mit dem Wasser. „Eine Toilette mit Wasserspülung wurde 1926 installiert. Damals verfügten lediglich 3% der Annaberger Haushalte über diesen Luxus.“

Einfach rauf und runter: 211 Holzstufen Eine Klimaanlage braucht in dieser Höhe niemand. Aufgrund der 1,15 Meter dicken Mauern wird es auch im heißesten Sommer drinnen nie wärmer als 22 Grad. Schwieriger ist es im Winter. Wenn der Frost durch die Mauern kriecht – jedes Zimmer hat eine Außenwand – , stößt die Heizungsanlage mitunter an ihre Grenzen. Doch auch dafür haben die Melzers eine Lösung: Sie laufen einfach einmal die 211 Holzstufen runter und wieder hinauf. „Danach ist uns wieder warm. Und gesund ist’s obendrein.“ Ebenso pragmatisch sind die Melzers, wenn es ums Einkaufen geht. Schwere Lasten wie Getränkekisten befördern sie mit einer Seilwinde nach oben – vorbei am beeindruckenden Dreiergeläut. Alles andere tragen sie auf dem Rücken hinauf. Schrecken kann das die Melzers nicht. Wenn es nach ihnen geht, werden sie – wie die meisten ihrer Vorgänger auch – bis zu ihrem Lebensende bleiben. Denn: Ein Türmer türmt nicht. P


net F O R UM F Ü R JUN G E C H R I S T EN

Der Tanz mit dem Tod SUIZID Sie sind einsam, haben Angst vor dem Leben und spüren immer wieder große Todessehnsucht: Alle neun Stunden nimmt sich ein junger Mensch unter 30 das Leben. Der Dokumentarfilm „Hallo Jule, ich lebe noch“ widmet sich dem Tabuthema und erzählt eindrücklich die Lebensgeschichten zweier junger Mädchen. Ein Beitrag von Anne Klotz. allo. Ich halte das alles hier nicht mehr aus und beende jetzt mein Leben. Ich werde mit Sicherheit diesmal alles richtig machen. Ich werde mich gleich umbringen“, schreibt Anna in einer E-Mail an Jule. Anna ist ein junges Mädchen. Sie fühlt sich einsam, nutzlos und überflüssig. Jule hat ehrenamtlich bei der OnlineBeratungsstelle „U25“ in Freiburg gearbeitet. Junge Menschen mit Selbsttötungsgedanken können dort Hilfe suchen. Mehrere Monate begleitet Jule Anna per E-Mail, gibt ihr Halt und ermutigt sie, nicht aufzugeben. Der mit dem Deutschen Sozialpreis ausgezeichnete Dokumentarfilm „Hallo Jule, ich lebe noch“ von Heidi und Bernd Umbrecht zeigt in ruhigen Bildern den bewegenden gemeinsamen Weg der beiden aus Jules Sicht.

Alkohol und Gewalt als Auslöser Annas Mutter hat oft getrunken und war gewalttätig gegenüber ihren Kindern. Bei einem Unfall kam sie dann ums Leben. Anna geht oft zum Grab und denkt lange nach. „Ich vermisse sie so“, schreibt sie. Wenn sie sich einsam und leer fühlt, ritzt sie sich. Schon früher hat Anna das getan, meist wenn ihre Eltern stritten oder die Mutter trank. Ihr Vater war selten zu Hause. „Wenn ich mich umbringe, muss ich mich selbst nicht mehr aushalten.“ Die Sehnsucht nach dem Tod wird immer verlockender, wie eine Melodie, die sie zum Tanzen einlädt – ein Tanz mit dem Tod. Alle 47 Minuten begeht in Deutschland ein Mensch Suizid – 2009 insgesamt 9.571. Laut Statistischem Bundesamt liegt die höchste Sterberate dabei bei Men-

schen zwischen 15 und 35 Jahren. Die Schweiz hat mit 19 Fällen pro 100.000 Einwohnern eine überdurchschnittlich hohe Suizidrate. Hier sterben drei Mal mehr Menschen durch Selbsttötung als durch Verkehrsunfälle. 2008 nahmen sich 1.313 Schweizer das Leben.

Über Todessehnsüchte reden Suizidwünsche hängen meist mit Depressionen und einer verzerrten Selbstwahrnehmung zusammen. „Viele Suizidgefährdete haben das Gefühl, keine Chance mehr auf eine Rückkehr in eine lebenswerte Situation zu haben“, sagt Martin Grabe, Chefarzt der Psychotherapie in der Klinik Hohe Mark bei Frankfurt. „Sie beurteilen ihre Situation hoffnungsloser, als sie tatsächlich ist.“ Jule macht Anna Mut: „Dass du immer wieder Suizidgedanken hast, ist okay. Wichtig ist, dass du darüber redest, dass du damit nicht alleine bleibst.“ Tatsächlich sei es sehr wichtig, dass Betroffene sich einer Vertrauensperson öffneten, sagt Grabe. „Die Aussichtslosigkeit kann relativiert werden, indem ein Freund dem Betroffenen Verankerung im Leben gibt und ihm die positiven Aspekte des Lebens vor Augen führt.“ Ist der Suizidgefährdete nicht entscheidungsfähig, kann auch die Vertrauensperson wichtige Entscheidungen fällen „und die betreffende Person zum Beispiel in eine psychiatrische Institutsambulanz bringen“.

ter sich. Seit dem ersten sei kein Tag ohne Gedanken ans Sterben vergangen. „Ich hab oft darüber nachgedacht, was nach dem Tod passiert“, sagt Jule. „In den Momenten, in denen ich sehr verzweifelt war, bat ich Gott darum, mich zu erlösen – durch eine Krankheit oder einen Unfall.“ Die damalige Sozialpädagogikstudentin hat sich bei ihren Selbsttötungsversuchen nie für sogenannte „harte Methoden“ wie Erhängen oder Vom-Hochhaus-Stürzen entschieden. Sie nahm eine Überdosis Tabletten oder schnitt sich die Pulsadern auf. Und doch war bei jedem Suizidversuch ein Funke Hoffnung da, dass sie doch noch jemand rechtzeitig rettet. „Letztlich wollte ich, dass Gott entscheidet, ob ich lebe oder sterbe.“

Für das Leben entschieden Jule hat schließlich eine Therapie begonnen. „Heute mag ich mir gar nicht ausmalen, was es für meine Freunde und Familie bedeutet hätte, wenn ich auf diese Art ums Leben gekommen wäre.“ Auch Anna hat sich inzwischen ihrer älteren Schwester anvertraut. „Von Dir habe ich gelernt, dass man über das reden sollte, was einen bedrückt“, schreibt sie Jule. „Ich weiß eigentlich nicht wirklich, wie ich dir jemals dafür danken kann. Obwohl, eine Möglichkeit hätte ich, nämlich die, dass ich mich für das Leben entscheide und gegen den Tod.“ P

Gott sollte entscheiden

Den Dokumentarfilm „Hallo Jule, ich lebe noch“ kann man sich in fünf Teilen auf dem Online-Videoportal „YouTube“ ansehen.

Jule kann Annas Gedanken nachfühlen. Sie selbst hat sieben Suizidversuche hin-

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www.u25-freiburg.de

Foto: dpa

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DI E K LE I N E K A NZ E L

»Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!«

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Jochen Bohl (Dresden), Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens

Lukasevangelium 18,13

Foto: idea/Kretschek

Wir sind verantwortlich! Menschen richten Unheil an; es reicht von dem täglichen Kleinkrieg in den Familien, den Unfällen auf den Straßen bis hin zu kriegerischen Entwicklungen. Das ist die Realität, die wir oft nur beklagen können. Für uns Christenmenschen ist aber die Überzeugung zentral, dass es eine Zwangsläufigkeit des Unheils nicht gibt, und es soll sie um Gottes willen nicht geben. Denn es ist nicht so, als seien wir unfähig, das sich abzeichnende böse Ende zu verhindern. Wir werden nicht gelebt, sondern wir leben. Wir gestalten selbst, wir sind verantwortlich. – Und darum brauchen wir den kritischen Blick auf das eigene Tun und Lassen. Er ist notwendig; nicht zuletzt um der Verantwortung willen für die Gemeinschaft, der wir angehören, und damit dem Unheil gewehrt wird. Es reicht nicht aus, auf die anderen zu zeigen.

Wenn wir von Buße reden, geht es um die Infragestellung der eigenen Person, nicht um Drohungen – im Gegenteil. Vielmehr ist der Gedanke der Buße getragen von einem tiefen Vertrauen in die Veränderbarkeit des Menschen.

Buße führt zur Freiheit Buße beginnt mit einer persönlichen Anrede: Ein Mensch sieht sich vor Gott, unverstellt und schonungslos. Er stellt sich selbst infrage. Das ist ein personales Geschehen, und vielleicht liegt darin eine der anspruchsvollsten Aufgaben in einem Menschenleben. Denn es vollzieht sich für niemanden von allein. Nicht ohne Mühe mit dem eigenen Selbst kann es dazu kommen, dass ein Mensch umkehrt und von neuem anfängt. Gelingen kann der Neuanfang in dem festen Glauben, dass Gott barmherzig ist. Buße führt zur Freiheit. P

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PORTRÄT

„Das soll jeder wissen“ BEKENNTNIS Emin Diker ist Fremdenführer in Istanbul. Aus seinem christlichen Glauben macht der Türke keinen Hehl. Auch von gelegentlichen Anfeindungen lässt er sich nicht einschüchtern. Matthias Pankau hat ihn getroffen. Tag für Tag führt Emin Diker in Istanbul Touristen an die Stätten der frühen Christenheit. Für ihn eine Herzenssache. Denn der Türke ist bekennender Christ und gehört gleich zu zwei christlichen Gemeinden – der deutschen evangelischen Gemeinde und der „Protestantischen Gemeinde Istanbul“. Selbst in seinen Personalausweis hat Diker eintragen lassen, dass er Christ ist, obwohl das in der Türkei Nachteile mit sich bringen kann. „Das soll trotzdem jeder wissen“, sagt er selbstbewusst. Hätte ihm früher jemand gesagt, dass er mal Christ werden würde, hätte er ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt. Denn Diker suchte das Heil lange Zeit überall, nur nicht im Christentum.

Medizinstudium in Istanbul und Köln Der heute 62-Jährige wächst in Istanbul auf. Sein Onkel arbeitet als Ingenieur für Siemens und das Bauunternehmen HochTief in der Türkei. Dem Jungen imponiert die Arbeit – und die deutsche Sprache, die dort gesprochen wird. Er will sie auch lernen. So schicken ihn seine Eltern von 1958 bis 1966 auf die Deutsche Schule in Istanbul. Anschließend beginnt er ein Medizinstudium – zunächst in Istanbul. Doch sein Ziel ist es, in Deutschland zu studieren. Diker bewirbt sich an mehreren Universitäten. Doch nur aus Köln

bekommt er eine Zusage. Mit drei Koffern machte er sich auf den Weg „in das Land von Luther, Bach und Goethe“.

Als die Mormonen klingelten In Köln kommt er zunächst in einem Wohnheim des Johanniter-Ordens unter. Schnell findet er Kontakt, wird Mitglied einer Studentenverbindung. Drei Jahre später schließt er das Studium als einer der Besten ab. Nach zwei Assistenzarzt-Stellen wird er Stationsarzt in einer Diabetesklinik in Düsseldorf. Diker genießt das Leben in vollen Zügen: Er gibt rauschende Feste, ist Mitglied im Tennis- und im Golfclub. Doch innerlich fühlt er sich leer. „Zwar war ich als Türke Moslem. Doch ernst genommen habe ich den Glauben nie“, erzählt er. Als eines Tages zwei junge Herren in schwarzen Anzügen an seiner Tür klingeln und fragen, ob er Gott kenne, wird Emin Diker neugierig. Es sind Mormonen. Sie stillen seine geistliche Sehnsucht – zunächst. Diker wird Mitglied und steigt schnell zum Hohepriester auf.

Der Traum von der eigenen Praxis Nach seinem Wehrdienst in der Türkei möchte der junge Mann endlich eine eigene Praxis in Deutschland eröffnen. Doch das ist zu dieser Zeit schwierig, da die Türkei nicht Mitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) ist. Seine Bemü-

hungen ziehen sich über Jahre hin. In dieser Zeit arbeitet er u. a. als Militärarzt für die US-Armee in Kaiserslautern. Als er Mitte der 80er Jahre schließlich den Gerichtsbescheid erhält, dass er keine eigene Praxis in Deutschland eröffnen darf, kehrt Emin Diker enttäuscht in die Türkei zurück, arbeitet als Krankenhausarzt in Izmir. Doch er ist unzufrieden. Als dann auch noch seine Mutter stirbt, verliert er völlig den Halt. Da lädt ihn ein Freund in eine christliche Hausgemeinde ein. „Dort habe ich diesen tiefen inneren Frieden verspürt, nach dem ich mich so gesehnt habe“, erinnert er sich. „Bald wurde mir klar, dass ich mit diesem Jesus leben möchte.“ Emin Diker lässt sich taufen und schließt sich einer Gemeinde an. Den Arztberuf hat er inzwischen an den Nagel gehängt. Stattdessen erzählt er Touristen jetzt täglich von den christlichen Wurzeln Istanbuls und der Türkei, zeigt ihnen Kirchen und alte christliche Friedhöfe. Auch er weiß schon, wo er mal begraben werden möchte: auf dem deutschen protestantischen Friedhof in Istanbul – „am liebsten zu Klängen von Johann Sebastian Bach“. P

DAS WORT DER WOCHE » Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Ihnen (auf die Wiederkunft Christi) zu warten und zu eilen zur Ankunft des Herrn.« Das sagte der frisch gewählte künftige Landesbischof der mit rund drei Millionen Mitgliedern größten deutschen Landeskirche, Ralf Meister (48, bisher Berlin), unter Anspielung auf die Adventszeit und ein Bibelwort aus dem 1. Petrusbrief in einer ersten kurzen Ansprache an die Synode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. ideaSpektrum 48.2010


Idea Spektrum Schweiz 48/2010