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Einzelverkaufspreis: Fr. 4.00

Spektrum l idea

Nr. 41

13. Oktober 2010

G 7405

Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt

Was ist denn christlich an

ÂŤCalaspiaÂť?

Suresh und Jyoti Guptara Ăźber den dritten Band ihrer Fantasy-Trilogie Seite 8: ÂŤLausanne IIIÂť

Ungerechtigkeit beim Schweizer Delegation Berner Konferenz-Mahl mit grosser Erwartung Seite 9: Evangelisation

Seite 24: Religionen

42 Tage leben fĂźr die Freunde und fĂźr Jesus

Ist der Islam gut fĂźr unsere eigene Kultur?

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Seite 7: StopArmut

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Schützenhilfe mit Fantasy

biblisch

Manchmal bekommt das Evangelium von unerwarteter Seite Schützenhilfe. Und sie wird dann auch nicht ohne weiteres wahrgenommen. Dieser Tage fand in einem mondänen Raum nahe der Zürcher Bahnhofstrasse eine Buchvernissage der besonderen Art statt. 21-jährige Zwillinge präsentierten den dritten Band ihrer Fantasy-Trilogie mit dem Namen «Calaspia». Calaspia ist eine von den beiden Brüdern kreierte Welt, in der sich Dramatisches abspielt.

«Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die schrift sagt, von dessen leib werden ströme lebendigen Wassers fliessen.»

Die zwei Jugendlichen mit Wurzeln in Indien und England und Wohnsitz im Thurgau hatten ihr Ziel erreicht, eine durch die grossen Schriftsteller George MacDonald, C.S. Lewis und John R. R. Tolkien begründete literarische Gattung fortzusetzen. Die Fachwelt ist versucht, sie wegen ihres jugendlichen Alters zu wenig ernst zu nehmen. Das gilt sowohl für die Welt der Literatur wie jene der Kirchen. Wenn die jugendlichen Autoren aber innerhalb von vier Jahren den dritten Band herausgeben und dieser in einem renommierten deutschen Verlag erscheint, ist es ratsam, genauer hinzusehen. Das soll auch mit dem Interview auf Seite 4 geschehen. Die beiden jungen Männer hatten bereits als Teenager den Entschluss gefasst, den grossen Vorbildern der Gattung Fantasy nachzueifern. Sie haben auch sehr bewusst philosophische und religiöse Grundfragen in ihre Geschichte eingewoben und sie für ein breites Publikum interessant gemacht. Sie haben immer wieder christliche Grundfragen, bibFrontbild: Joel Waldvogel

lische Typologien und zentrale Wahrheiten in das Epos eingearbeitet, um so die Lesenden in philosophische und apologetische Fragestellungen zu verwickeln. Das ist schon deshalb mutig, als Menschen des postmodernen Zeitalters eigentlich wenig Verständnis für die Auseinandersetzung mit Weltbildern und absoluter Wahrheit aufbringen. Selbst Studierende sind oft mehr an der Lösung ihrer ganz praktischen Lebens- und Studienprobleme interessiert als an der Auseinandersetzung mit Wahrheit und Zeitgeist. Vielleicht stehen wir aber an einer Trendwende. Gerade die Angriffe der neuen Atheisten auf die Religion zeigen, dass man sich wieder über Wahrheit und Weltbilder streiten kann. Vielleicht kann die «Calaspia»Trilogie der Brüder Suresh und Jyoti Guptara hier anknüpfen. Die beiden Autoren verzichten bemerkenswerterweise auf die simple Unterscheidung in böse und gute Charaktere und versuchen zu zeigen, wie sehr gute Motive manchmal mit schlechtem Handeln verbunden sind. Eine Beobachtung, mit der bekanntlich die modernen Gottesleugner gegen die Christen kämpfen. Dass sich «Calaspia» solch komplexen Realitäten stellt, obwohl dies einem einfachen Erfolgsrezept widerspricht, gibt den Büchern eine hohe Legitimität und Attraktivität. Sie leisten somit einen echten Beitrag zur Vermittlung des Evangeliums in unserer Zeit. Dem jugendlichen Autorenduo ist daher viel Erfolg zu wünschen. FriTz iMhOF

Ein Lieblingsbibelwor t von Thomas bachofner, Pfarrer, Leiter des «Tecum - Zentrum für Spiritualität, Bildung und Gemeindebau», Kar tause Ittingen, War th TG:

(Johannes 7,37 und 38) «Früher hiess für mich Christ-sein vor allem: Ärmel hochkrempeln und aktiv werden. Auch die Bibel redet an vielen Stellen von Menschen, die ihren Glauben in die Tat umsetzten. Davon bin ich immer noch überzeugt, dass Glauben nicht heisst, zu Hause zu sitzen und Däumchen zu drehen. Im Verlauf meiner über 15-jährigen Tätigkeit als Pfarrer machte ich eine ergänzende Er fahrung: Die wesentlichen Dinge im Glauben sind nicht menschlich machbar, sondern göttliche Geschenke. Dass Konfirmanden ihr Herz für Gott öffnen, hat nur bedingt etwas mit mir zu tun. Davon spricht Jesus in Johannes 7: Angeschlossen an der göttlichen Quelle werde ich selber zur Quelle. Das finde ich ungemein entlastend und befreiend. Ich dar f mich Jesus anver trauen und darauf zählen, dass seine Lebenskraft durch mich zu andern fliesst.»

WÖrTlich «Was ist gefährlicher – ein Mensch oder ein raubtier?» – «Der Mensch. Natürlich nicht jeder, aber das Potenzial im Menschen ist grösser, weil er planmässig vorgeht, über mehr Möglichkeiten verfügt und sich verstellen kann.» Frank Urbaniok, Chef des PsychiatrischPsychologischen Dienstes des Zürcher Amtes für Justizvollzug, der seit zwei Jahrzehnten gefährliche Gewalttäter untersucht, in der «NZZ am Sonntag».

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BRENNPUNKT

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Jyoti und Suresh Guptara über den dritten Band ihrer Fantasy-Trilogie

«Fantasy ist von Christen erfunden worden» Kaum 18-jährig, stellten sie 2006 in Zürich den ersten Band der Fantasy-Trilogie «Calaspia» vor. Nun haben die Thurgauer Zwillinge Jyoti und Suresh Guptara den dritten Band publiziert. Ein Gespräch über Fantasy, Glauben, Gut und Böse. Und über die erhofften Wirkungen der Trilogie.

«Spektrum»: Jyoti, was hat Sie und Ihren Bruder bereits als Kinder zum Schreiben animiert? Jyoti Guptara: Wir wurden von unsern beiden älteren Geschwistern gefördert und haben mit drei Jahren lesen und schreiben gelernt. Mit vier Jahren besuchten wir die erste Klasse und spielten mit Kameraden und Cousins eigene Theaterstücke. Wir lasen viel, spielten das Gelesene und stellten dazu auch Skizzen und Landkarten her. Mit elf Jahren packte uns der Ehrgeiz, ein eigenes Buch zu schreiben. Daraus entstand bald eine Vorläuferversion des ersten Bandes der heutigen Trilogie «Calaspia». In den folgenden sechs Jahren überarbeiteten und erweiterten wir das Buch, bis endlich ein Verlag anbiss. Sie schreiben Ihre Bücher gemeinsam. Wie geht das? Suresh: Selbstverständlich tragen

«Die Bibel ist die Wahrheit»: Suresh (links) und Jyoti Guptara möchten, dass die Menschen im Denken weiterkommen.

wir als Brüder sonst auch unsere Reibungen aus. Bei der Arbeit für «Calaspia» haben wir uns aber immer sehr gut verstanden, weil wir dabei Differenzen zurückstellen konnten.

Wie funktioniert dieses gemeinsame Schreiben? Suresh: Wir tun es wie schon als Kinder, indem wir Figuren erschaffen und uns Geschichten erzählen. Wir diskutieren dann darüber und entwickeln die Figuren weiter. Dann teilen wir auf, wer worüber schreibt und lassen die Stellen dann vom andern bearbeiten. In Ihren Büchern spielt das Böse und das Gute eine

zentrale Rolle, oft aber auch vermischt. Weshalb? Jyoti: Der «Wahnsinn» in «Calaspia», eines der fünf Elemente der Magie, steckt in jedem Menschen. Er verkehrt das Gute ins Böse und kann mit dem biblischen Begriff «Sünde» umschrieben werden. Diesen «Wahnsinn» können die Menschen nicht aus eigener Kraft bekämpfen. Im dritten Band von «Calaspia» entdeckt der Held, wie der «Wahnsinn» überwunden werden kann, und dass dies die Voraussetzung ist, um die andern Probleme zu lösen. Gut und Böse kommen in «Calaspia» nicht in Reinkultur vor, obwohl dieses Schwarz-

Das ist die Geschichte von «Calaspia» Im ersten Band («Die Verschwörung») hat der junge Held der Familie Bellyset ein Imperium geerbt: «Calaspia». Um nicht ver wöhnt zu werden, muss er in der Ferne aufwachsen. Als er schliesslich in sein Heimatdor f zurückkehrt, wird dieses von den «Ostentum» (Monstern) über fallen, die eigentlich längst ausgestorben waren. Man befürchtet einen neuen Krieg, denn ihr Meister Nequam ist ein «Meister des Wahnsinns». Der Junge Bellyset zieht in die Hauptstadt, um dort den Regenten vor den Ostentum zu warnen. Es stellt sich aber heraus, dass die Monster nicht die eigentlichen Bösewichte sind. Das Problem ist das Böse im Menschen. Im zweiten Band suchen «Br yn», der Held, und seine Freunde nach Bild: Fritz Imhof

den Hintergründen der Verschwörung. Dabei entdeckt er immer mehr über das eigene Wesen und das seiner Freunde. Schliesslich wird er mit dem Familiengeheimnis konfrontiert und entscheidet sich, seinen eigenen Weg zu gehen. Nun werden seine Freunde zu seinen Feinden. Im dritten Band steht die «apheristische Kirche» im Zentrum, eine Kirche, die der katholischen Kirche im Mittelalter gleicht. Der «Apherist» gleicht den Figuren von Mose und David. Er hat einst den «Wahnsinn» in «Calaspia» besiegt. Doch das Geheimnis, wie dies heute geschehen soll, ist verloren gegangen. Br yn muss es herausfinden. Durch das Forschen in Archiven, durch Gebet und Suchen. Der Schluss sei nicht verraten.

Der dritte Band: Guptara Jyoti und Suresh, «Calaspia. Das Erbe der Apheristen», rororo, Oktober 2010, Hardcover, 784 Seiten. CHF 29.90. ISBN 3-499-21455-5

weiss-Schema in der Fantasy ein Erfolgsrezept ist. Suresh: Wir wollten dieses klassische Schema vermeiden. Der «Wahnsinn» steckt in jedem, alle sind fehlerhaft und damit Teil des Problems. Nur Gott allein ist wirklich gut. Jyoti: Oft entdecken wir: Dieser Mensch ist nicht nur ein Bösewicht. Diese Erfahrung wird im dritten Band öfters gemacht. Wir hinterfragen die Motive des Handelns und entdecken Überraschendes. Oft haben diejenigen, die böse Dinge taten, sogar gute Absichten und meinen, das Richtige zu tun. So wie es auch im normalen Leben geschieht. Soll dieses Konzept letztlich das Unterscheidungsvermögen der Leser fördern? Suresh: Wir haben das bewusst versucht, manchmal auch unbewusst. Wir wollen die Leser anregen, sich ihre Gedanken über die Charaktere in der Geschichte zu machen und über ihr eigenes Verhalten und ihre persönlichen Motive nachzudenken. Die Magie in der Fantasy-Literatur ist für viele Christen ein Problem. Wie unterscheidet sich die Magie in «Calaspia» von jener bei «Harry Potter»? Jyoti: Bei «Harry Potter» ist Magie eher etwas Mystisches, während sie bei uns einen wissenschaftlichen Bezug hat. Wir haben dazu griechisch klingende Begriffe wie Ergeomorphismus und Psychalaismus eingeführt. Wir unterscheiden fünf Formen von Magie, von denen zwei verboten sind: Hexerei und «Wahnsinn». Die andern drei sind wissenschaftlich unterlegt, aber nicht auf unsere Welt übertragbar, weil «Calaspia» ganz anders aufgebaut ist. Es gibt dort zum Beispiel eine Gedankenkontrolle über Elemente, das heisst, Magier können in «Calaspia» auch Materie formen. Eine gute Art von «Magie» in «Calaspia» ist die Haushalterschaft: Gott hat die Erde den Menschen zur Verwaltung anvertraut. Tolkien hatte die «Mittelerde» geschaffen. Er sprach in «Herr der Ringe» von den Menschen als «subcreators» (Mitschaffende) und meinte da-


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mit schöpferische Menschen, wie er selbst es war.

Soll die Trilogie die Leser auf Elemente des christlichen Glaubens hinweisen? Jyoti: Es gibt viele Dialoge um Sinn und Realität. Grundfragen der Weltanschauung spielen in «Calaspia» eine grosse Rolle. Auch die Auseinandersetzung mit indischen Konzepten, welche Wissenschaft und Kultur behindern. Die biblische Weltanschauung hat den Segen Abrahams nach Europa und in die USA gebracht. Durch die Reformation haben Wissenschaft und Kultur grosse Fortschritte gemacht, während grosse Kulturen der Welt wegen ihrer Weltanschauung stagnierten. Solche Themen werden in Dialogen in «Calaspia» bewegt und reflektiert. Gibt es eine Figur, die typologisch auf Christus hinweist? Jyoti: Nicht direkt. Es gibt aber viele biblische Zitate in den drei Bänden. In Analogie zur Bibel wird im dritten Band das im zweiten Band wieder aufgefundene «Buch der Zeiten» angewendet. Darin wird auch der Schlüssel zum Friedensschluss gefunden. Es bildet die Grundlage dafür, dass sich die «Monster» wieder mit der Menschheit versöhnen können. Gibt es eine Erlöserfigur? In einer Szene geht es um die Bereitschaft des Helden zu sterben, um den «Wahnsinn» zu überwinden. Jyoti: Es gibt den Opfergedanken, aber eher im alttestamentlichen Sinne. Im Alten Testament gibt es zwar die Typologien für Jesus. Typologien, die mehrmals erfüllt werden, schliesslich von Jesus. Etliche auch erst mit dem zweiten Kommen von Jesus! Es gibt auch negative christliche Beispiele, etwa einen unglaubwürdigen Bischof. Weshalb gerade ein Bischof? Jyoti: Er ist auch eine Figur, die meint, Gottes Willen zu tun, indem er das Schicksal von «Calaspia» in seine eigenen Hände nimmt, und das konnte nur schief gehen. Doch am Ende des Tages greift Gott ein und führt die Sache zum Guten. Tolkien sprach in diesem Zusammenhang von «Eukatastrophen», Katastrophen, die schliesslich ins Gute münden.

Sehen Sie Ihre literarischen Vorbilder in C.S. Lewis und Tolkien? Jyoti: Ja, nebst anderen. Zu ihnen gehört vor allem George MacDonald, der seinerseits Vorbild für Lewis und Tolkien war. Sie haben vieles vorbereitet, das wir für die Fantasy verwenden. Die Leute sind oft überrascht, wenn sie hören, dass Fantasy von Christen erfunden worden ist! George MacDonald war ja ein schottischer Pfarrer. Diese Autoren kannten unsere Wurzeln, die wir nur zu gerne abschneiden, obwohl sie faszinierend sind. Da gibt es noch vieles zu entdecken. Kann Fantasy das Weltbild von Menschen verändern? Suresh: Ich will nicht behaupten, dass wir das wirklich tun, aber es ist unser Ziel. Wir wollen nicht predigen, sondern mit Geschichten und authentischen Figuren etwas vermitteln. Echte Personen mit echten Fragen sind besser als alle vorgefertigten Argumente. Welches Feedback aus der Leserschaft wäre für Sie ein Traum? Jyoti: Wir möchten, dass Menschen ein paar Schritte im Denken über Grundfragen wie die «Realität» oder den «Wahnsinn» weiterkommen und dass sie auch neue Fragen stellen. Ich habe viele Weltanschauungen studiert, und je mehr ich forsche, desto überzeugter bin ich, dass die Bibel die Wahrheit ist. Christen sollten sich nicht vor Magie in der Fantasy-Literatur fürchten. Wenn sie überzeugter wären, die Wahrheit zu haben, könnten sie feststellen, dass Gott sich sogar durch Sternbilder offenbart wie bei Abraham. Es gibt biblische Wahrheiten auch im Hinduismus, wo Jesus sogar deutlicher prophezeit wird als in der jüdischen Tradition. Jesus hat übrigens nicht nur den alten Bund erfüllt, sondern auch viele Hoffnungen in den Religionen der Welt, die letztlich auf ihn hinweisen. Suresh: Solche Themen möchten wir auch in Zukunft aufgreifen. C.S. Lewis sagte einmal: «Man muss zuerst ein guter Heide sein, damit man ein guter Christ werden kann.» Wie wird der «Wahnsinn» in «Calaspia» überwunden? Jyoti: Es gibt einen Dialog mit Gott. Bryn erlebt eine eigene

Die Zwillinge Jyoti und Suresh Guptara, 21, haben eine englische Mutter und einen indischen Vater und leben seit ihrem siebten Lebensjahr im Thurgau, zuerst in Kreuzlingen und heute in Weinfelden. Die Zwillinge haben mit elf Jahren begonnen, einen Entwur f der späteren Trilogie «Calaspia» zu schreiben und das Manuskript in den folgenden Jahren weiterentwickelt, bis sich 2006 der indische Verlag Tara Press entschloss, den ersten Band (auf Englisch) zu publizieren. Er wurde auf Deutsch, Italienisch und Holländisch übersetzt. Die beiden ersten Bücher sind über 100 000 Mal verkauft worden. Heute können die Brüder aus den Tantiemen der Buchverkäufe und von Lesungen leben. http://twins.guptara.net/

Glaubensgeschichte als Mitglied der «Apostel des Verstehens». Sein Glaube ist aber sehr philosophisch und theoretisch. Er wird dann mit dem Schlechten konfrontiert und steht vor der Frage, weshalb Gott das Böse zulässt. Sein Glaube wird geprüft und entwickelt sich zu einer Beziehung mit Gott, hat aber auch weiterhin eine theologische Tiefe. Auf dem Höhepunkt der Geschichte kämpft er mit dem obersten Dämon, der sogar sein Schwert dämonisch infiziert hat. Das «Magnarion», das Schwert, welches das Gute verkörpert, bleibt unbenutzbar. So kommt es zum Dialog von Bryn mit Gott. Schliesslich entdeckt sein theologisch völlig unbedarfter Freund, dass Gottes Kraft nur fliessen kann, wenn die Kraft des «Wahnsinns» besiegt ist. Und das ist nur durch eine direkte Beziehung zu Gott möglich.

Möchten Sie als Fantasy-Autoren berühmt werden wie C.S. Lewis oder J. K. Rowling? Jyoti: Klar hätten wir gerne Millionenauflagen und viele Leute, die auf das nächste Buch warten. Wenn es geschehen sollte, gehe ich davon aus, dass wir darauf vorbereitet worden sind. Wir möchten auch den US-Markt erobern und die Filmbranche für unsere Bücher gewinnen. So könnten wir viel Gutes weitergeben. Gott kennt dafür den richtigen Zeitpunkt. Inter view: FRITZ IMHOF

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Herbstzeit Nach drei Wochen Herbstsession mit den Bundesratsersatzwahlen und zahlreichen anderen wichtigen Geschäften und Vorlagen bin ich sehr froh, nun einige freie Tage vor mir zu haben. Die langen Arbeitstage während der Session mit vielen verschiedenen Aufgaben und einem vollen Terminkalender mit Fraktions-, Büro- und Kommissionssitzungen sind sehr interessant, aber auch anstrengend. Wie schön sind da die Aussicht und die Vorfreude, bald ins herbstliche Unterengadin zu reisen und die goldgefärbten Lärchen und die frische Luft in den Bergen zu geniessen! Schon liegen die Wanderkleider und der Rucksack bereit. Körper und Geist werden die herrlichen Berge, die kühlen Winde und die milden Sonnenstrahlen geniessen. Die von den langen Sitzungen mitgenommenen und verspannten Muskeln werden sich entspannen. Dann habe ich auch Zeit und Raum zu danken für das abwechslungsreiche und spannende Leben, das mir Gott schenkt. Zeit zu danken für meinen Partner, für meine Familie, für meine Heimat und für meine Aufgabe als Nationalrätin, die ich mit Freude und grosser Motivation nun schon seit sieben Jahren machen darf. Bei diesen langen Wanderungen kommen die Gebete so leicht und aus tiefstem Herzen, und sie tun einfach gut. Der Herbst ist für mich überhaupt die schönste Jahreszeit. Die heisse und grelle Sonne des Sommers zeigt sich jetzt als weiches und sanftes Licht, die geheimnisvollen Morgennebel schleichen über die Felder, und die farbigen Blätter führen fröhliche Tänze auf. Im Garten wird die Farbenpracht der Blumen täglich etwas weniger, und den grossen Sonnenschirm haben wir auch schon im Gartenhaus verstaut. Abends wird es früher dunkel, und das liebliche Licht der Kerze auf dem Tisch weckt schon die Vorfreude auf die Weihnachtszeit, die ich wie jedes Jahr fast nicht erwarten kann! BRIGITTE HÄBERLI Die Autorin ist Nationalrätin und stellvertretende Fraktionspräsidentin der CVP in Bern. Sie wohnt in Bichelsee TG.


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TAGESSCHAU

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JOURNAL

«StopArmut»-Konferenz: Armut bekämpfen als Jahrhundertaufgabe

Ehen stärken

Grosse Augen am «Weltbankett»

Ein «Trendthema» sieht der Präsident der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA), Wilf Gasser, in der Stärkung von Ehen und Familien. Die kommende «Marriage Week» vom 7. bis 14. Februar 2011 soll daher stärker als bisher präsent sein. Kirchen- und Gemeindeverantwortliche müssten mit der Thematisierung von Partnerschaft und Ehe nicht nur eine Kernkompetenz vermitteln, sondern auch Brücken zur Gesellschaft schlagen. (idea)

Neue «Viertelstunde»

Auf Weihnachten erscheint die 13. Gratiszeitschrift «Viertelstunde für den Glauben». Sie will die Weihnachtsbotschaft ab 15. November in 400 000 Haushaltungen bringen. Mit sogenannten Dorfpatenschaften können Interessierte ihre Wohngemeinde mit dem Produkt bedienen. Koordination dieser Aktionen: Schweizerische Evangelische Allianz, Telefon 043 344 72 00. (idea)

Abschluss der Dekade

Die vor zehn Jahren vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) weltweit ausgerufene «Dekade zur Überwindung von Gewalt» nähert sich ihrem Ende. Als Abschluss der Dekade 2001 bis 2010 finden im Zeitraum von Oktober bis November weltweit Gottesdienste statt. Eine ökumenische Arbeitsgruppe der beiden Thurgauer Landeskirchen hat hierzu die Liturgie «Achtsam Schritte tun» ausgearbeitet. (idea)

Vertrag mit Muslimen?

Auf ihrer Nahostreise hat die Delegation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) soeben auch in Jordanien Halt gemacht. Die von Ratspräsident Thomas Wipf am Open Forum Davos präsentierte Idee eines Grundkonsenses der Religionen fand ein Echo in Prinz Ghazi bin Muhammads Vorschlag eines Gesellschaftsvertrags mit den Muslimen. Der Vorschlag soll an der Konferenz des Weltkirchenrats vom 1. November in Genf vorgestellt werden. (sek)

Für Preis nominiert

«Open Doors», ein Hilfswerk für verfolgte Christen, ist für den Sacharow-Preis des EU-Parlaments nominiert worden. Damit werden Personen und Organisationen geehrt, die sich für Demokratie und die Menschenrechte einsetzen. Die Preisverleihung findet am 15. Dezember in Strassburg statt. (idea) www.marriageweek.ch www.viertelstunde.ch www.iner.org Bild: Marlies Reutimann

Die meisten Menschen auf diesem Planeten leben in Armut und haben kaum das Nötigste für ein würdiges Leben. Die UNO definierte im Jahr 2000 acht Millenniumsentwicklungsziele, die bis in fünf Jahren erreicht werden sollen. Mehr als 200 Menschen fanden sich am Samstag zur «StopArmut»-Konferenz in der Stadtmission Bern ein. Das facettenreiche Programm versprach Vorträge von hochkarätigen Referenten, Workshops und ein Tanztheater. Die aktuelle Frage lautet: Wie können die Millenniumsziele erreicht werden? «Die Schweiz investiert bereits einiges in die internationale Entwicklungshilfe. Eine wichtige Rolle dabei nehmen die Kirchen und christlichen Hilfswerke ein. Die gegenseitige Zusammenarbeit muss von beiden Seiten gefördert werden», hielt Deza-Direktor Martin Dahinden in seiner Eröffnungsrede fest. Die Überwindung von Armut und Elend sei eine Jahrtausendaufgabe. Professor Thomas Schirrmacher beleuchtete den integralen Missionsgedanken.

Podium und Workshops

In der Gesprächsrunde erläuterten die Referenten ihre Standpunkte. Die Workshops zu den Ursachen der Armut machten Zusammenhänge klar. Bernhard Herold von der Max-HavelaarStiftung erörterte, was gerechter Handel sein kann: Nur gerade 0,5 Prozent der importierten Kakaobohnen stammen aus FairTrade-Produktionen. «Hier besteht Handlungsbedarf, um die Bedingungen der Kakaobauern zu verbessern», erklärte er.

Einladung zum «Weltbankett»

Bei der Registrierung durfte jede Person aus vier verschiedenen Farbpunkten einen auswählen. Diese ergaben die Tischordnung beim Mittagessen. Zuerst durften 14 Leute an einer perfekt gedeckten Tafel Platz nehmen. Es fehlte an nichts: Besteck für einen Dreigänger, Wasser- und Weinglas und eine ansprechende Tischdekoration mit Blumen und Kerzen. Die zweite, etwas grössere Gruppe,

Die «Armen» bekamen in Bern immerhin etwas trockenen Reis.

durfte sich an einen separaten Tisch setzen. Auch dieser war gedeckt, wenn auch weniger aufwändig. Für die dritte Gruppe, mit rund 90 Gästen, standen Stühle bereit, aber keine Tische. Die vierte Gruppe fand auf dem Fussboden Platz. Kellnerinnen und Kellner servierten den 14 Gästen an der Tafel ein perfekt angerichtetes Menü, schenkten Wein ein und bewirteten die Gäste erstklassig. Den Gästen am separaten Tisch wurde ein Menü serviert, Wein und Dessert fehlten. Das Staunen war gross, als die Leute der dritten Gruppe aufgefordert wurden, sich einzureihen, um ein Schüsselchen Reis in Empfang zu nehmen. «Ohne Sauce», wie eine Frau enttäuscht bemerkte. Für die Unglücklichen am Fussboden blieb ein Glas verdünnte Milch als Mahlzeit übrig. Mehr sei nicht zu haben. Im Hintergrund zitierte eine Stimme aus der Seligpreisung. Die Moderatorin Sarah Waehly erklärte, die Menschen seien Gäste beim «Weltbankett». Die Zahlen (siehe Kasten) seien auf die rund 200 Anwesenden berechnet worden, um die Realität bildhaft umzusetzen.

Mehr als genug

Danach feierte «Reich und Arm»

Die Gewinner Das Komitee hat beim StopArmut-Preis folgende Preisträger nominiert: • «Persönlichkeits-Preis»: Catherine Mourtada, Schweizer Lehrerin im Libanon • «Predigt»: Simon Häseli, International Christian Fellowship (ICF) Mittelland • «Kreativ»: Video-Clip der Künstlergruppe «Together We Create» des ICF Zürich • «Projekt»: Schweizerische Pfingstmission für eine BiogasAnlage in Lesotho

gemeinsam das Abendmahl. Am Schluss der Veranstaltung meinte Elisabeth Frei von der Heilsarmee: «Ich fühlte mich am Tisch der ‹Superreichen› deplatziert. Von oben sieht man auf Menschen hinunter, die mangelhaft zu essen haben.» Ihre Mitschwester Heidi Braun fügte hinzu: «Wir leben sehr privilegiert und nehmen das oft nicht wahr.» Wie privilegiert die Menschen in diesem Land tatsächlich sind, zeigte sich nachher: Jeder bekam so viel Reis und Fleisch wie er wollte... MARLIES REUTIMANN

Das «Weltbankett» in Zahlen: 30 Prozent hungern Sässen alle am gleichen Tisch, würde sich folgendes Bild eines «Weltbanketts» ergeben: 1. 30 Prozent Hungernde: 2,1 Milliarden Menschen mit maximal 1,7 Dollar Einkommen pro Tag, 51 Dollar pro Monat 2. 46 Prozent Arme: 3,2 Milliarden Menschen mit maximal 4 Dollar pro Tag, 120 Dollar pro Monat

3. 16 Prozent Mittelschicht: 1,1 Milliarden Menschen mit maximal 80 Dollar pro Tag, 2400 Dollar pro Monat 4. 8 Prozent Reiche: 600 Millionen Menschen in verschiedenen Entwicklungsländern mit über 80 Dollar Einkommen pro Tag bezeihungsweise über 2400 Dollar pro Monat


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«Lausanne III» will aus Kapstadt Impulse für die Weltevangelisation senden

Auftrieb aus dem Süden – auch für die Schweiz? Das Lausanner Komitee für Weltevangelisation (LCWE) erneuert in Kapstadt seine Vision: Den Auftrag zur Weltevangelisation entschlossen wahrnehmen. Die Schweizer Delegation besteht aus 22 Personen. Vom 16. bis 25. Oktober treffen sich 4000 Missions- und Gemeindeleiter aus 200 Ländern in Kapstadt. Hauptthema: «Herausforderung und Chancen in der Weltevangelisation».

Grosse Erwartungen: Die Schweizer Delegation.

Grosse Erwartungen

Verändertes Umfeld

Die Teilnehmenden wurden aufgrund ihres Alters, Berufs, Geschlechts, ihrer Kompetenzen und der Zugehörigkeit zu Organisationen oder Gemeindeverbänden eingeladen. Debora Sommer ist eine der fünf Frauen im Schweizer Team. Sie sagt: «Das Eintauchen in eine globale Dimension des christlichen Glaubens und in die globalen Nöte fordert mich heraus.» Mit Nöten meint sie unter anderem Christenverfolgung, Missbrauch, Menschenhandel, Gewalt, HIV/Aids oder Armut. «Ich erwarte von ‹Lausanne III› wegweisende Impulse für die Zukunft der Evangelikalen in der Schweiz und weltweit, aber auch für mein persönliches Leben.»

Im Vergleich zu 1974 ergebe sich heute ein ganz anderes Bild, stellt der Direktor des LCWE, S. Douglas Birdsall, fest. Er nennt dem Christentum gegenüber zunehmend feindselig eingestellte Weltanschauungen, Terrorismus, Seuchen und die neuen Technologien. «Neue globale Herausforderungen verlangen nach wohlüberlegten globalen Lösungen. Wir beten, dass ‹Lausanne III› dazu dient, die Gemeinde Christi zu einigen und mit einer neuen Vision auszurüsten, um den Auftrag mit erneuerter Entschlossenheit wahrzunehmen.»

200-jährige Vision

1910 fand in Edinburgh eine

Konferenz für Weltevangelisation statt. Diese ging auf eine Vision von William Carey, dem Begründer der modernen Missionsbewegung, vor 200 Jahren zurück. 1974 hat Billy Graham den ersten Kongress für Weltevangelisation mit 2700 Personen aus 150 Ländern initiiert. Die «Lausanner Verpflichtung» definierte die Grundsätze für eine «bewusste und gemeinsame Weltevangelisation». 1989 nahmen 3600 Christen aus 190 Ländern an «Lausanne II» in Manila teil. Sie verabschiedeten den Aufruf, «Jesus Christus zu verkündigen, bis er wieder kommt». 2004 begannen mit dem Forum für Weltevangelisation in Thailand die Vorbereitungen für «Lausanne

III». Und 2006 versammelten sich 500 Christen aus 120 Ländern in Malaysia zum Treffen junger Lausanner Leiter. «Lausanne III» will mit Referaten, Workshops, Erlebnisberichten und Gruppengesprächen speziell auch den Gemeinden Afrikas Impulse und Ermutigung geben. Sie scheinen bereit: Einheimische Christen haben angeboten, fast die Hälfte der Teilnehmenden in ihren Wohnungen zu beherbergen. THOMAS FEUZ

Die CH-Delegation Leiter der Schweizer Delegation ist der Romand Christian Kuhn (Estavayer-le-Lac). Die weiteren Mitglieder: Anne-Christine Bataillard, Joel Blunier, Olivier Fleur y, Wilf Gasser, David Hausmann, Paul Hemes, Marc Jost, Olivier Keshavjee, Paul Kleiner, Johannes Mueller, Michael Mutzner, Jürg Pfister, Susanna Rychiger, Urs Schmid, Timo Schuster, Debora Sommer, Matthias Spiess, Rachel Stoessel, Norbert Valley, Benedikt Walker, Regula Zurschmiede. www.capetown2010.com www.lausanne.org www.each.ch

EMK Davos begeht 75-Jahr-Jubiläum mit verschiedenen Anlässen

Die Methodisten feiern dank einer mutigen Irin Seit 75 Jahren gibt es die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) in Davos. Ein Grund zum Feiern, übers Jahr verteilt und unter dem Motto «Feiern, Begegnen, Hinausgehen», mit diversen Anlässen. Als erstes lud Pfarrer Matthias Bünger im Juni die Mitglieder der AKiD (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Davos) zum jährlichen Treffen in die gemeindeeigene Pauluskirche ein, wo er die Geschichte der EMK Davos vorstellte und anschliessend Begegnungen bei einem festlichen Essen stattfanden. Die Vertreter der verschiedenen KirchgemeinBild: zvg

den hatten zuvor im Garten eine junge Birke mit einer Widmung einpflanzen lassen. Dies will die Gemeinde daran erinnern, «lebendig zu sein und weiter zu wachsen wie dieser Baum». Auch die Tagung des Distrikts Nordostschweiz der EMK im August fand anlässlich des Jubiläums in Davos statt. Es wurden sechs Thesen für die Gemeinden und ihr Missionsverständnis erarbeitet, die Bünger im folgenden Gottesdienst formulierte. Die Tagung schloss mit einem Grillplausch im Garten der Kirche ab. Weiter folgte im September ein Angebot als Zeit zum Feiern. «Time to celebrate» hiess der Auftritt des

Pantomimen Carlos Martinez im evangelischen Kirchgemeindehaus, zu dem die EMK zusammen mit der Kunstgesellschaft Davos eingeladen hatte. Der Apero bot wiederum Gelegenheit für Begegnungen, auch mit der Bevölkerung.

Ein Fest für alle

Das letzte Jubiläumsangebot fand übers erste Oktober-Wochenende statt. Vor ihrer Kirche offerierte die EMK Kaffee, Tee und Kuchen als Dank an die Bevölkerung und als Angebot der Begegnung. Für das Jubiläum wurden T-Shirts bedruckt. Die Feierlichkeiten nahmen ihren Abschluss am Sonntag bei einem Dank- und Festgottes-

dienst. Pfarrer Matthias Bünger wies auf den Mut der Irin Eliza Anna Langmesser-Crothers hin, die Pionierin der EMK in Davos. Sie habe als alleinstehende ausländische Frau ihr Anliegen, eine Gemeinde zu gründen, mutig durchgesetzt. Der Gottesdienst wurde mit verschiedenen Musikdarbietungen umrahmt. «Mit Mut, Dankbarkeit und Gottvertrauen wollen wir in die nächsten 75 Jahre schauen», forderte Bünger seine Gemeinde auf. Zur EMK Davos zählen 28 Mitglieder, 40 Freunde und 25 Kinder. MARINA RACINE www.emk-davos.ch


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Kirche im Prisma stösst mit neuer Kampagne auf grosses Interesse

ÄXGÜSI

In Scharen kommen sie zu «Alphalive»

Pace e bene

«42 Tage leben für meine Freunde»: Mit dieser Kampagne will die Rapperswiler Kirche im Prisma Menschen «für den grossartigen Auftrag Gottes gewinnen und ganz praktisch zurüsten». Erste Auswirkung: Über 100 Menschen kommen zum AlphaliveKurs. Die FEG Schweiz will die neue Kampagne nun breit propagieren. «Wir haben uns überlegt, wie wir den evangelistischen Wert in unserer Kirche erhöhen können», erklärt Christina Küng, 44-jährige Leiterin des Ressorts Kleingruppen und Projektleiterin in der Kirche im Prisma. «Wir wollten vor allem jene 95 Prozent erreichen, die meinen, sie könnten ohnehin nicht evangelisieren.» Da wurde die Idee geboren: «42 Tage leben für meine Freunde», eine Gemeindekampagne für alle, vom Kidstreff bis zu den Senioren. Alle sollen auf praktische Art lernen, «wie sie ein abenteuerliches Christsein für ihre Freunde leben können».

Sechs evangelistische Werte

Zur Kampagne gehören sechs Gottesdienste zu evangelistischen Werten, sechs vertiefende Kursabende und sechs Lektionen für den Kindergottesdienst. Die Kids sollten am Mittagstisch über das Gleiche reden können wie die Eltern. Die sechs Werte: • Gewinne eine starke Überzeugung • Entdecke deinen Stil • Investiere – aber richtig! • Zeige Interesse – aber wie?

«Viele bewegende Sachen»: Christina Küng leitet das Projekt «42 Tage leben für meine Freunde» der Kirche im Prisma.

• Kommuniziere – damit es ankommt! • Lade ein – wie du zum Türöffner werden kannst Die «Prisma»-Pastoren erarbeiteten die einzelnen Inhalte. Ein Projektteam unter der Leitung von Christina Küng sorgte für die Umsetzung. Letztes Jahr wurde die Kampagne erstmals in der Kirche im Prisma durchgeführt. 250 Gemeindemitglieder nahmen an den praktischen Trainings der Kleingruppen teil.

Befreit für die Evangelisation

Nach der ersten Auswertung zeigt sich Projektleiterin Christina Küng begeistert: «Wir als Kirche und jeder einzelne Teilnehmer wurden neu befreit für das Abenteuer der Evangelisation. Das alte Bild der Evangelisation mit dem ‹Ich muss, aber ich kann nicht›

Von der FEG Schweiz empfohlen Sigi Nüesch, Vorsitzender der FEG Schweiz, meint zur Kampagne «42 Tage für meine Freunde»: «Die Kampagne ist ein neuer Ansatz zur Evangelisation, der den heutigen Bedürfnissen entgegenkommt, indem er die Beziehungsebene anspricht. Dies hat sich bei der Erprobung in Rapperswil auch dank dem guten Begleitmaterial bewährt. Die Gemeinde wird so auf eine überzeugende Art motiviert, andere Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Darum haben wir in Bild: Annemarie Ritzmann

der Leitung der FEG Schweiz beschlossen, diese Kampagne in alle unsere Arbeitszweige einfliessen zu lassen und den Gemeinden zur Anwendung zu empfehlen. In der Gemeindearbeit soll diese Kampagne in den nächsten drei Jahren die evangelistische Hauptstossrichtung sein. Damit wollen wir den missionarischen Auftrag vermehrt erfüllen und nach aussen wirken.» Nächste Ausgabe: Schwerpunkt zum 100-Jahr-Jubiläum des Bundes FEG Schweiz

hat bei vielen Menschen Druck ausgelöst. Nun sind viele bewegende Sachen passiert.» Einzelne Zahlen belegen es: Nach diesem Kurs beteiligten sich letzten Herbst 85 Personen an einem Alphalive-Kurs. In diesem Jahr sind es gar über 100 Teilnehmer. «Es kommen viele Menschen zum Glauben», freut sich die Projektleiterin. Inzwischen wurde umfassendes Material für diese Kampagne geschaffen: Kursheft, Gottesdienstideen, Theatervorlagen, Impulsheft für die Stille Zeit. Mit diesen praktischen Hilfsmitteln kann der Kurs auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden.

Trainingstage für Interessierte

Für interessierte Gemeinden bietet die Kirche im Prisma neu Trainingstage zu «42 Tage leben für meine Freunde» an, erstmals am 3. Dezember. Bereits wurden 23 Lizenzen für die Kampagne verkauft. Abnehmer sind bisher Gemeinden von Chrischona, FEG, Pfingstmission und auch der evangelischen Landeskirche. Kürzlich hat die Bundesleitung der FEG Schweiz beschlossen, den Kurs landesweit zu propagieren (siehe Kasten).

Gemeinde begeistern

Was braucht es denn, um sich an die neue Kampagne zu wagen? «Es braucht eine überzeugte Gemeindeleitung, die den evangelistischen Wert ganz neu gewichten möchte», betont Christina Küng. «Freunde sollten nicht einfach als Bekehrungsobjekte gesehen werden, sondern als Menschen, die ohne Gott verloren sind.» Rund 800 Erwachsene und Kinder besuchen jedes Wochenende die dem Bund FEG angeschlossene Kirche im Prisma. Christina Küng träumt davon, dass es noch viel mehr werden: «Mein Traum ist es, dass die ganze Region zu Jesus findet und dass die Menschen einander in Liebe dienen. Wir sind beschenkte Menschen und wollen darum auch andere mit der frohen Botschaft von Jesus beschenken.» ANDREA VONLANTHEN Infos und Anmeldung für Trainingstage: www.42tage.ch

Seit einiger Zeit setze ich mich mit dem Leben und Werk von Franz von Assisi auseinander. Alle seine Schriften sowie viele Berichte habe ich gelesen. Als vorläufiger Höhepunkt verbrachte ich eine Woche in einem Kapuzinerkloster. Viel Stille war da angesagt – aber nicht nur! Natürlich hege ich im Blick auf meine Forschungen Hintergedanken. Unter anderem möchte ich Texte verfassen, die anschliessend von einem Komponisten für Orchester, Chor und Solisten umgesetzt werden. Das ist eine spannende Angelegenheit. Vielleicht gibt es Leute, die sich fragen, wie ein evangelischer Pastor dazu kommt, etwas über diesen Franz von Assisi zu schreiben. Ich bin der Überzeugung, dass das Leben dieses Mannes für Christen verschiedenster Schattierungen vorbildlich ist. Auch heute, vielleicht gerade heute, ist der Friedensgruss «Pace e bene» des Franziskus, also Friede und Gutes (Heil), eine Botschaft, die ganz neu und mit einem grossen Herzen verkündigt werden sollte. Pace e bene unserem Land mit seinen Bewohnern. Pace e bene unserem neu zusammengestellten Bundesrat. Pace e bene aber auch über die Landesgrenzen und unsern Kontinent hinaus. Was wollte Franz von Assisi überhaupt? Thomas von Celano, der nach dem Tod von Franziskus mit der Herausgabe von dessen Biographie beauftragt wurde, schrieb dazu: «Sein höchstes Ziel, seine grösste Sehnsucht und sein wichtigster Wunsch war es, sich in allem und durch alles an das heilige Evangelium zu halten, der Lehre unseres Herrn Jesus Christus zu folgen und mit grösster Wachsamkeit und ganzem Eifer, mit aller Sehnsucht seiner Seele und Glut seines Herzens vollkommen in seinen Fussspuren zu gehen.» Diese Radikalität gefällt mir. Pace e bene! THOMAS PRELICZ Der Autor ist Pastor in Arth.


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PublirePortage

Hoffnungsnetz –

Zukunft durch Wiederaufbau Wir blenden zurück: Padang, Indonesien, 20. September 2009, 17:16 Uhr Ortszeit. Ein Erdbeben der Magnitude 7,6 erschüttert die Gegend der 900‘000 Einwohner zählenden Stadt Padang im Süden Sumatras. Sofort wird klar, die Auswirkungen für die Einwohner sind schlimm. Der Bürgermeister ruft nach externer Hilfe. Heute liegen die offiziellen Zahlen vor: 1300 Menschen kamen ums Leben und 3000 wurden verletzt. 135‘000 Gebäude, meist Wohnhäuser, wurden zerstört oder schwer beschädigt, 144‘000 weitere erlitten mittlere oder leichtere Schäden.

Die Antwort auf Gebete

„Ohne die Hilfe von Menschen aus der Schweiz, welche uns nicht einmal kennen, hätte unsere Familie für lange Zeit in einem Schuppen aus Abfallholz und Plastikplanen leben müssen“, erklärt der 43-jährige Sumino im Dorf Lubuk Minturun. „Ich verdiene als Suppenverkäufer mit meinem mobilen Verkaufsstand im Durchschnitt 700‘000 Rupiah (ca. CHF 80.–) im Monat. Wie könnten wir damit je ein Haus bauen? Wir hatten auch keine Aussicht, von irgend jemandem Hilfe zu erhalten. Alles was wir tun konnten, war beten. Das Wunder geschah! Dank der Hilfe vom HOFFNUNGSNETZ besitzen wir jetzt wieder ein schönes Zuhause. Wir sind überglücklich!“

Schnelle Nothilfe

Kurze Zeit nach dem Beben treffen die ersten Helfer vom HOFFNUNGSNETZ vor Ort ein und beginnen mit der Verteilung von Nothilferationen. Gleichzeitig verschafft sich der Einsatzleiter während der ersten Tage den Überblick, um die längerfristige Hilfe zu organisieren. Das bestehende Netz der christlichen Gemeinden in der Gegend erweist sich in dieser Phase als äusserst wertvoll.

Kosten der Hilfsaktion in Padang

Wirkungsvoller Wiederaufbau

Seit dem Abschluss der Nothilfephase Mitte November 2009 ist ein 15-köpfiges HOFFNUNGSNETZ-Team mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Die Leitung hat die 30-jährige Ibu Wahyu, welche auf diesem Gebiet sehr erfahren ist. Sie hatte für das HOFFNUNGSNETZ bereits die örtliche Leitung des mit Unterstützung der „Glückskette“ durchgeführten Tsunami-Aufbauprojektes. Für 50 mittellose Familien werden seither schlichte Wohnhäuser in guter Qualität gebaut. Die Konstruktion ist erdbebensicher. Zum Haus gehören Toilette/ Dusche und Septiktank für das Abwasser. Nebst dem Wohnungsbau leistet das HOFFNUNGSNETZ Mithilfe am Wiederaufbau oder der Reparatur von beschädigten oder zerstörten Gotteshäu-

sern in Form von zur Verfügung gestelltem Baumaterial. Leider erweisen sich die lokalen Behörden sehr unkooperativ, wenn es um den Wiederaufbau von zerstörten Gemeindehäusern geht. Selbst alteingesessene christliche Kirchen haben grosse Schwierigkeiten, die dafür notwendige Baubewilligung zu erhalten. Dies obschon die Gemeinden, besonders bei der Bewältigung von Katastrophen, eine wichtige Rolle spielen. So zeigt es sich auch in Padang, dass viele Menschen in ihrem Glauben und der Gemeinschaft von Gleichgesinnten ihren Halt und die Unterstützung für die Verarbeitung der erlittenen Traumata erhalten.

Nothilfe: Bau von 50 Wohnhäusern: Baumaterial für neun Gemeindhäuser: Total:

CHF

29‘100.–

CHF 283‘200.– CHF 76‘200.– CHF 388‘500.–

Fünf christliche Hilfswerke arbeiten zur Katastrophenhilfe im HOFFNUNGSNETZ zusammen: AVC, Christliche Ostmission, HMK Hilfe für Mensch und Kirche, Intermission Schweiz und Licht im Osten

www.hoffnungsnetz.ch Im Moment nehmen wir gerne Spenden für die Hilfe nach den Überschwemmungen in Pakistan entgegen:

PC 46-7906-0 Hoffnungsnetz Postfach 312 3076 Worb BE Vermerk: „Pakistan“


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WirTsCHAFT

LeserBrieFe

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synergie

Erfolgreicher Geschäftsalltag mit «PGH» Vor 25 Jahren kam ein Oesterreicher in die Schweiz und machte zusammen mit Heinz Hertig zahlreiche Seminare «Management by Holy Spirit» für die Geschäftswelt. Seine These: «Geisterfüllte Unternehmer leisten exzellente Arbeit. Das hat seinen Preis. Verkaufe deine Dienstleistungen nicht unter dem Wert. Gewinne sind nötig, um gut bezahlte Arbeitsplätze zu halten. Und ein sehr gut gehender Betrieb kann wieder viel investieren.» Einige grosse christliche Medienunternehmen in der Schweiz gibt es nur dank florierenden Unternehmungen, die treu und unscheinbar grosse Summen sponsern. Ihre Freigebigkeit beruht auf der Freiheit, einen grossen Anteil des Erwirtschafteten in die Reich-Gottes-Arbeit zu investieren. Winfried Fuchs, der damalige Seminarspre-

Die Alternative zur EVP «idea Spektrum» Nr. 40 – «EDU ist unnötig» Im Nachgang zu einem «Spektrum»Beitrag über «EDU, EVP und die Liebe» reitet EVP-Leser Marcel Zirngast eine plumpe Attacke gegen unsere EDU, die ich als Mitbegründer und alt Nationalrat um der Wahrheit willen zurückweisen muss. Zirngast versucht, die christliche Partei EDU als unglaubwürdig und unnötig abzulehnen. Dies ist nicht nur eine unbrüderliche Provokation, sondern eine Unglaublichkeit! Als krasse Lüge behaupt er, die EDU sei der EVP einst davon gelaufen. Ich habe das Geschehen 1975 selbst erlebt. Es ist alles aktenkundlich festgehalten. Der eigentliche Grund, mit andern Gleichgesinnten eine starke, auf die biblischen Wahrheiten ausgerichtete Partei zu gründen, war die nötige Alternative zur damaligen und leider noch heute existierenden «Wischi-waschi-Politik» der EVP. Dazu kam ihre für uns zu oekumenefreundliche Ausrichtung gegenüber den Bestrebungen des politischen Katholizismus. Zirngast betitelt die EDU verleumderisch als unnötigen und kontraproduktiven Selbstläufer und nennt sie mehr eine kirchenähnliche Bekenntnisvereinigung als eine politische Partei. Er negiert die Tatsache, dass wir in den 35 Jahren seit der

cher, plädierte leidenschaftlich für eine «positive Glaubenshaltung», kurz «PGH», und erklärte, wie man sie erleben kann. Seit den 80er-Jahren haben sich die Rahmenbedingungen stark verändert. Mit dem Internet haben wir als kleine Bürger den Weltmarkt vor unseren Füssen. Wir können nach den günstigsten Häppchen Ausschau halten und 250 Visitkarten für einen Fünfliber oder gar gratis bestellen. Am besten machen wir uns keine Gedanken darüber, wie es möglich ist und welches die Motive sind, vom anderen Ende der Welt so billig Ware zu kriegen. Anders die Chinesen: Sie sind Strategen und denken in Generationen und nicht: Wie kann ich heute und wo am günstigsten...?! Stellt man diese Entwicklung in langfristige Zusammenhänge, schwindet bei uns die Arbeitsleistung Gründung stets eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung erleben durften, auf allen politischen Ebenen als Partei anerkannt sind und flächenmässig fast das ganze Land erfassen konnten. Dass eine zweite christliche Partei evangelischer Ausrichtung keine bedauerliche Angelegenheit ist, wie er orakelt, zeigt die grosse Wertschätzung und Unterstützung für eine Mehrthemenpartei christlicher Thematik und Sicht. Es gibt schliesslich auch über zwanzig Kirchen und Freikirchen, die aus verschiedenen Gründen tätig sind, und es käme uns nicht in den Sinn, ihnen die Berechtigung böswillig abzusprechen. Der Empfehlung, «nach Hause» in seine EVP zurückzukehren, wird die EDU sicher nicht folgen. Auf dem politischen Parkett sind wir zunehmend bei vielen Menschen die

Eine andere Politik als die EVP betrieb die EDU auch im Zusammenhang mit der Minarett-Initiative.

rapid. Die Kosten steigen zuerst in der Produktion und später im Sozialwesen, wenn Fabrikationsstätten geschlossen werden. In Spanien sollen unter den 18- bis 24-Jährigen 40 Prozent arbeitslos sein. Die Folgen: Protest hier, Demo da, Streik überall. Unter welchen Bedingungen in Fernost oder in der ehemaligen DDR mit Grenzgängern billig produziert wird, ist fragwürdig. China hat die höchste Selbstmordrate am Arbeitsplatz. Miserable Umweltbedingungen in vielen Ländern. Sozialnetze nicht existent. Die Schwierigkeit, die diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen zwischen Fernost und der Schweiz mit sich bringen, ist die eingeschränkte Preis-Perspektive. Alles dreht sich im globalen Markt ums Geld. Natürlich müssen die Preise stimmen. Aber die Kriterien der Sozialverträglichkeit, der ökologischen Nachhaltigkeit und klare erste Wahl für eine wahrheitsgetreue, christlich ausgerichtete Politik. Wie viele Abstimmungsresultate der Vergangenheit gezeigt haben, betreibt die EDU in wichtigen Punkten eine andere Politik als die EVP. Letztere verbandelt sich immer mehr mit den Grünen, welche in ihren Programmen unter anderem Empfehlungen abgeben, welche Gott ein Gräuel sind. Weiter liiert sich die EVP im Bundesparlament und in Kantonen auch mit der katholischen CVP. Die EDU wird ihre Unabhängigkeit behalten, einen Beitritt zur EU ablehnen und im christlichen Glauben «des Landes Bestes suchen». Werner sCHerrer, alt Nationalrat EDU, Thun

Besser Vielfalt als Einfalt Der Leserbrief «EDU ist unnötig» verursachte bei mir ein leises Schmunzeln. Eine alte Frau musste ihr Wasser mühsam mit zwei Gefässen am Schulterjoch heimtragen. Das eine Gefäss war neu und verlor kein Wasser, das andere war alt und brüchig. Nur noch die Hälfte des Wassers erreichte das Haus der alten Frau. Die Nachbarn fragten, warum die Frau das Gefäss nicht auswechsle. Ihre Antwort war: «Schaut nach auf meinem Weg von der Quelle zu meinem Haus. Rechts, wo das defekte Gefäss ist, spriessen die Blumen, ich habe sie

der Wirtschaftlichkeit müssen im Gleichgewicht sein. Zu leichtfertig drücken wir ein Auge zu, weil es ums Geld geht. Dass wir gute Verwalter sein müssen, wird jeweils als Entschuldigung formuliert. Als ob die Verwalterschaft nur mit Zahlen gemessen würde! Diese Herausforderungen führen mich zurück zu «PGH». Allein schaffe ich das nie. Ich will mich vom Heiligen Geist als ständigem Begleiter inspirieren lassen, welche Felder zu pflügen sind, welche Türen offen sind und welche Menschen uns als Kunden helfen, viele gute Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen. BrUnO JOrDi Der Autor ist Leiter des Jordi Medienhauses in Belp und Präsident der Christlichen Geschäftsleute Schweiz (CGS).

getränkt! Auf der linken Seite nur ‹Wüste›, die Farbenpracht konnte sich nicht entfalten!» Vielfalt ist besser als Einfalt. Dem Leserbriefschreiber gefällt wohl das Zweite besser! CHrisTiAn WABer, als Nationalrat EDU, Wasen

Je länger desto nötiger Herr Zirngast empörte sich lang und breit über die EDU. Er findet die Partei unnötig und würde es begrüssen, wenn sie sich der EVP anschliessen würde. Aber: Es braucht die EDU je länger desto nötiger. Sie ist ein notwendiger Kontrapunkt im politischen Einheitsbrei. Die Kundgebung «Marsch für s Läbe» wurde auf politischer Ebene einzig von der EDU mitgetragen. Im Kanton Zürich ist es die EDU, die mit zwei Volksinitiativen gegen Sterbetourismus und Suizidhilfe kämpft. Es war die EDU, welche die christliche Bevölkerung für das Minarettverbot gewinnen konnte. Es ist die EDU, die verlangt, dass in der Schule die Schöpfungslehre gleichwertig neben der Evolutionstheorie behandelt wird. Es ist die EDU, die ohne Wenn und Aber auf die gesellschaftlichen Gefahren von Gender Mainstreaming oder Homosexualität hinweist. Wer eine Zukunft mit christlichen Werten will, wählt logischerweise die EDU. DAnieL sUTer, Geschäftsführer EDU Kanton Zürich, Winterthur


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«Aktion Verzicht» macht durch Fasten in ukrainischen Suppenküchen Menschen satt

Mit zwei Franken eine Mahlzeit ermöglichen Der bewusste Verzicht auf Kleinigkeiten ermöglicht bedürftigen jüdischen Menschen eine tägliche Mahlzeit. Der Verein «Aktion Verzicht» ruft für den Monat November dazu auf. Mit dem gespendeten Geld werden Suppenküchen unterstützt. «Wir wollen in unserer von Wohlstand und Freiheit gezeichneten Lebenssituation durch bewussten Verzicht armen und bedrängten jüdischen Menschen helfen»: So das Motto des Vereins «Aktion Verzicht». Jeweils im November lanciert er eine «Verzichtsaktion». Jährlich werden 20 000 bis 30 000 Franken generiert, die zur Nothilfe weitergeleitet werden. Geschäftsführer Daniel Hess erzählt: «Eine WG lebte während des ganzen Monats von ihren Vorräten. Eine Frau legte jedes Mal, wenn sie auf eine Tas-

Impressum Idea Schweiz Herausgeber: Idea Information AG, 4410 Liestal Verwaltungsrat: Heiner Henny, Präsident; Sam Moser, Stellvertreter; Paul Beyeler, Hans Lendi, Hansjörg Leutwyler, Hanspeter Schmutz Ideelle Trägerschaft: Schweizerische Evangelische Allianz (SEA), Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden (VFG), Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Missionen (AEM) Redaktion: Josefstr. 32, 8005 Zürich, Tel. 044 444 16 44, Fax 044 444 16 49 E-Mail: redaktion@ideaschweiz.ch Internet: www.ideaschweiz.ch Chefredaktor: Andrea Vonlanthen Büro: Bahnhofstr. 65, 9320 Arbon Tel. 071 446 70 02, Fax 071 446 74 88 E-Mail: andrea.vonlanthen@ideaschweiz.ch Redaktor: Thomas Feuz Er weitertes Team: Esther Reutimann, David Sommerhalder, Thomas Hanimann, Iris Muhl, Sibylle Zambon, Christian Bachmann, Mirjam Fisch-Köhler, Marlies Reutimann Praktikum: Stefanie Niederhäuser Inserateservice: Jordi AG – das Medienhaus, Roland Rösti, Belpbergstr. 15, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 25, Fax. 031 819 38 54 E-Mail: inserate@ideaschweiz.ch Aboservice: Jordi AG – das Medienhaus, Ursula Seifried Jordi, Belpbergstr. 15, 3123 Belp, Tel. 031 818 01 20, Fax. 031 819 38 54 E-Mail: abo@ideaschweiz.ch Abopreise: Jahresabo Fr. 145.–, Seniorenabo Fr. 117.–, Halbjahresabo Fr. 77.–. Das Abo ist unter Einhaltung einer vierwöchigen Frist jeweils zum Bezugsende kündbar. Konto: PC-Konto 40-788586-4 Idea Information AG, 4410 Liestal Layout/Druck/Versand: Jordi AG – das Medienhaus, Belpbergstr. 15, 3123 Belp, www.jordibelp.ch

Bild: zvg

lich, über die Verbindung des jüdischen und christlichen Glaubens zu reden. Und so werde immer wieder einzelnen Besuchern klar, dass Jesus der von ihnen erwartete Messias sei.

Staat hilft nicht

Essen und menschliche Wärme: Bedürftige in einer Suppenküche.

se Kaffee verzichtete, fünf Franken in ein Kässeli. Jemand ging nur zwei statt drei Wochen in die Ferien, andere fasteten oder assen nur einmal pro Tag.» Das so gesparte Geld überwiesen sie an den Verein «Aktion Verzicht», der sich um bedürftige Juden in Ländern der ehemaligen Sowjetunion kümmert. «Diese Menschen leben in unbeschreiblicher Armut, zum Teil haben sie kaum Möbel», berichtet Hess.

Engagiert für Juden

Während eines Aufenthalts in Russland sah Ursula Währer die grosse Not von Jüdinnen und Juden. Zusammen mit Ruth Hirt gründete sie vor 15 Jahren das Hilfswerk «Aktion Verzicht». Es wurden Hilfsgüter gesammelt und in die Ukraine transportiert. Ursula Währer und Ruth Hirt knüpften Kontakte zu Kirchen und Hilfswerken im Land und arbeiten seither eng mit ihnen zusammen. Auch ein Kinderheim wird unterstützt. Mit der Zeit entstanden 15 Sammelstellen in der ganzen Schweiz, wo vor allem Kleider und Schuhe willkommen sind.

Das «tägliche» Brot

MIR ist ein christliches ukrainisches Hilfswerk, das auch in der Landwirtschaft tätig ist. Jeden Tag werden einige der vielen Arbeitssuchenden auf dem Hof beschäftigt, so dass sie abwechslungsweise etwas Geld verdienen

können. Und mit dem selber angebauten Getreide wird die Bäckerei betrieben, die von «Aktion Verzicht» in der Schweiz gekauft und nach Ozenino geliefert wurde. Jede Nacht backen Angestellte von MIR 2500 Brote. Ein Teil davon wird gratis an Suppenküchen geliefert, der andere Teil wird verkauft und finanziert so die Löhne der Mitarbeitenden. Täglich erhalten 650 Personen in einer der landesweiten Suppenküchen eine warme Mahlzeit. «Es geht um mehr als ums Essen. Wenn die Menschen zum Essen kommen, erleben sie auch Gemeinschaft», erläutert Daniel Hess. «Wo es keine Suppenküche gibt, erhalten die Menschen Lebensmittelpakete.»

Kummer wegtanzen

Etliche der Suppenküchen werden von messianischen Gemeinden betrieben. Sie halten Bibelstunden und singen mit den Anwesenden. Und wo Musik ertönt, werde auch getanzt. Dies bringe Licht und Freude in den Alltag, Menschen tanzten sich ihre Sorgen von der Seele. Die Hilfe von Christen aus dem Inund Ausland löse immer wieder Fragen aus bei den Beschenkten. «Wir Christen haben dank euch Juden die Bibel bekommen», wird das Engagement begründet. Dafür seien Christen sehr dankbar. «Diese Erklärung löst grosse Freude aus», erklärt Daniel Hess. Auf dieser Basis sei es auch mög-

Die Altersrente von rund 100 Dollar reicht kaum fürs Allernötigste, Hunger ist oft brutale Wirklichkeit. In den letzten Jahren haben sich die Lebensmittelpreise zum Teil verdreifacht. Vom Staat sei keine Hilfe zu erwarten, so Daniel Hess. Im Gegenteil: «Wenn alte Menschen sterben, muss der Staat keine Rente mehr bezahlen.» Junge Leute versuchten auszuwandern. Einige von ihnen unterstützten ihre Angehörigen, doch längst nicht alle. Zum körperlichen Hunger komme deshalb auch die seelische Not. Daher werde es sehr geschätzt, wenn sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hilfswerke auch Zeit für Besuche bei den Leuten zu Hause nähmen. Eine alte Frau erschien eines Tages nicht in der Suppenküche. Nach dem Grund ihres Fernbleibens befragt, erklärte sie: «Wir haben nur ein Paar Schuhe. An diesem Tag hat sie meine Tochter gebraucht.» MIRJAM FISCH-KÖHLER

Verzicht macht satt Der Verein «Aktion Verzicht» fordert dazu auf, durch bewussten Verzicht bedrängten jüdischen Menschen zu helfen. Mit einem breiten Beziehungsnetz unterstützt er Suppenküchen, Kinder- und Waisenhäuser oder Kindergärten. Geld- und Materialspenden werden durch zuverlässige Verbindungsleute direkt zu Notleidenden gebracht. Aktuelle Anlässe mit Alexander Berenson, Leiter der Suppenküchen in der Ukraine: 15. Oktober, 19 Uhr, EGW Bern, Nägeligasse 7–9 16. Oktober, 10 Uhr, Thomaskirche Basel, Hegenheimerstrasse 227 16. Oktober, 14.15 Uhr, EMK Zürich, Zeltweg 10 www.aktion-verzicht.ch


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INSERATE

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TAGESSCHAU

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Jeanette Macchi macht sich stark für Behinder te in Armutsgebieten

Als der zehnjährige Isaac wieder sehen konnte Jeanette Macchi hat Projekte der Christoffel Blindenmission (CBM) in Uganda besucht. Die Begegnungen und Erlebnisse haben sie beeindruckt. Als CBM-Botschafterin setzt sie sich für Menschen mit Behinderung in den Entwicklungsgebieten ein. «Ich möchte die Leute bewegen, aktiv für die Ärmsten der Armen zu werden», begründet Jeanette Macchi ihr Engagement als CBMBotschafterin in der Schweiz. «Sie sollen die christliche Nächstenliebe weitertragen.» Ende September besuchte die Moderator des «Fensters zum Sonntag» in Uganda CBM-Projekte für Behinderte.

An den Rand gedrängt

In den Entwicklungsgebieten fristen die meisten dieser Bedürftigen ein Dasein am Rande der Gesellschaft und in tiefster Armut. Jeanette Macchi lernte die Arbeit der CBM in einem Augenspital, einer Rehabilitationseinrichtung, einer Gehörlosenschule und einer orthopädischen Klinik nahe der Hauptstadt Kampala kennen. Dabei begegnete sie auch dem zehn-

kose 180 Franken. Mit einfachen Mitteln und für uns wenig Geld wird ein unglaublicher Unterschied im Leben eines solchen Kindes erzielt.» Noch warten Viele auf Hilfe: «In den Armutsgebieten sind Millionen Menschen am Grauen Star erblindet, darunter Zehntausende Kinder. Auch sie sollen das Augenlicht zurückerhalten. Dafür setze ich mich ein.» NICOLE LEHNHERR

Hautnah dabei: Jeanette Macchi bei der Untersuchung von Isaac.

jährigen Isaac, der vor über sieben Jahren am Grauen Star erblindet war. Er konnte weder zur Schule gehen noch mit seinen Freunden spielen. Durch einen Ausseneinsatz des Mengo-Augenspitals in seinem Dorf erfuhr die Familie von der Möglichkeit der Operation. Der Untersuch ergab, dass Isaac an beiden Augen am Grauen Star erblindet war. Die dabei trüb gewordenen Augenlinsen können operativ durch künstliche ersetzt werden. Mehr als 600 000 solche rettenden Eingriffe führen die CBM-geförderten Kliniken weltweit jährlich durch.

Erfolgreiche Operation

Ein paar Tage später wurde auch Isaac unter Vollnarkose an beiden Augen operiert – im Beisein von Jeanette Macchi. Tags darauf war sie dabei, als der Verband abgenommen wurde. Nach Jahren konnte der Junge nun erstmals wieder sehen. «Es war ergreifend zu erleben, wie der kleine Isaac zunehmend aufblühte und plötzlich fröhlich lachte», schildert Jeanette Macchi. «Kaum zu glauben: Dieses Geschenk für ein selbständiges Leben dauert gerade mal 15 Minuten und kostet durchschnittlich 50 Franken, bei Kindern mit Vollnar-

Engagiert für die Armen Die Christoffel Blindenmission (CBM) ist ein unabhängiges christliches Hilfswerk und weltweit in Entwicklungsgebieten tätig. Seit über 100 Jahren setzt sich die CBM für blinde und anders behinderte Menschen ein – ohne Ansehen von Nation, Ethnie, Geschlecht oder Religion. Die neun Ländervereine fördern in rund 100 Ländern mehr als 800 Entwicklungsprojekte. Die CBM ermöglicht das Verhüten und Heilen von Blindheit sowie anderen Behinderungen und bildet einheimische Fachkräfte aus. Sie führt das Zewo-Gütesiegel. www.cbmswiss.ch

Theologisch-Diakonisches Seminar Aarau prüft Nachdiplomkurs für Sozialpädagogen

Offene Stellen warten auf offene Herzen Sie sind in der Katechetik oder Sozialdiakonie engagiert oder arbeiten als Gemeindehelferin, Jugendarbeiterin oder CoPastor: Abgängerinnen und Abgänger des TheologischDiakonischen Seminars (TDS) Aarau haben viele Chancen. Menschen, die das vierjährige Studium am TDS abgeschlossen haben, steht die christliche Welt offen. Zurzeit können viele offene Stellen kaum besetzt werden. Bis im nächsten Frühjahr beschliesst der Vorstand des TDS, ob ein zusätzlicher Nachdiplomkurs für Diakonie angeboten werden soll.

Ostschweizer Modell

Die reformierte Kirche St. Gallen, die St. Galler Fachhochschule für Angewandte Wissenschaften und Bilder: zvg

wollen. Mit dem Beizug der Fachhochschule ist der CAS staatlich anerkannt. Auch in Zürich wird ein CAS durchgeführt. Das Angebot richtet sich an Mitarbeitende in der Sozialarbeit, die sich kirchlichtheologisch weiterbilden wollen. Der Kurs wird seit 2005 mit staatlicher Anerkennung durchgeführt. Will Zertifikat prüfen: TDSRektor Paul Kleiner.

die Caritas St. Gallen starten im September 2011 den neuen Zertifikatslehrgang «Diakonieanimation». Zielpublikum des «Certificate of Advanced Studies» (CAS) sind Mitarbeitende im kirchlichen Bereich, die ihre diakonischen Kompetenzen erweitern

Neues Angebot ab 2012?

In diesem Umfeld sieht sich das TDS herausgefordert. Falls ein eigenständiges Modul entwickelt wird, geht es um eine Ergänzung des CAS-Angebots von Zürich. Der Rektor des TDS, Paul Kleiner, erklärt: «Wir wollen Doppelspurigkeiten vermeiden und keine direkte Konkurrenz machen. Befürwortet der Vorstand des TDS ein eigenständiges Angebot, dann mit

einem klar anderen Profil als in Zürich.» Nebst der Definition des Profils sollen auch eine Marktanalyse vorgenommen und kirchenpolitische Fragen geklärt werden. Diesen Fragen will man genügend Zeit einräumen, Vor- und Nachteile gründlich abwägen. «Uns geht es auch um die Einheit im Reich Gottes», hält Kleiner fest. Wird ein neuer Nachdiplomkurs eingeführt, dann frühestens ab 2012. Das TDS setzt hauptsächlich auf die bewährte Diplomausbildung, welche die beiden Bereiche sozialfachliche und kirchlichtheologische Qualifizierung abdeckt. Diese gibt es seit 1960. Sie ist seit 1997 offiziell von den Landeskirchen anerkannt. THOMAS FEUZ www.tdsaarau.ch


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Darf man Islam & Christentum gleichsetzen? ISLAM-DEBATTE Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff hat mit seiner Äußerung, der Islam gehöre wie das Christen- und Judentum zu Deutschland, eine hoch kontroverse Diskussion in Politik und Kirchen angestoßen.

W

ährend der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und muslimische Verbände das deutsche Staatsoberhaupt loben, sind die Meinungen in Kirchen und Parteien geteilt. Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), bezeichnete Wulffs Äußerungen als „nüchterne, sachliche und gelassene Beschreibung“ der deutschen Wirklichkeit. Kritischer äußerte sich Schneiders Vorgänger im Amt des Ratsvorsitzenden, Bischof i. R. Wolfgang Huber (Berlin): Man müsse mit den Muslimen in Deutschland offen darüber diskutieren, welche Gestalt ein Islam haben soll, der auf Dauer zu Deutschland gehören könnte. Toleranz gegenüber dem Islam höre auf, „wenn wir blind sind denen gegenüber, die die Voraussetzungen der Toleranz aufheben, weil sie selber nicht die gleichen Rechte für Menschen anderer Überzeugungen anerkennen“. Der Islambeauftragte der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof HansJochen Jaschke (Hamburg), erklärte, die Deutschland prägende christliche Kultur dürfe nicht preisgegeben werden. Auch Jaschkes Kölner Amtskollege Heiner Koch warnte vor einer Gleichsetzung von Christentum und Islam. Im Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung steht die Frage, ob der Islam für Deutschland inzwischen dieselbe Bedeutung hat wie Christentum und Judentum.

Foto: PR

Große Unterschiede in der CDU In der Union wird dies weitgehend verneint – im Gegensatz zu Wulff. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, in Deutschland sei das auf dem christlich-jüdischen Fundament beruhende Grundgesetz maßgeblich „und nicht das islamische Recht, die Scharia“. Der Vorsitzende der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, lehnte es ebenfalls ab, den Islam als Wertefundament der deutschen Gesellschaft zu bezeichnen. CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich forderte, dass sich in

ideaSpektrum 41.2010

Deutschland alle Menschen in die christlich-jüdische Leitkultur integrieren müssen. Anderer Auffassung ist Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Der Bundespräsident habe „richtig formuliert“. Der Islam sei nicht auf eine Stufe mit dem christlich-jüdischen Kulturverständnis gestellt, aber zu Recht als Teil Deutschlands dargestellt worden. Einwände gegen die Wulff-Kritiker erhob Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Das historische und kulturelle Fundament des Kontinents bestehe aus klassisch-griechisch-römischen Einflüssen und dem christlichen Erbe sowie dem Islam.

SPD/Grüne/Linke: Der Islam braucht eine faire Chance In der SPD wird Wulffs Rede als Aufforderung gesehen, dass der Staat den Islam als Religionsgemeinschaft anerkenne. „Der Islam braucht eine faire Chance in Deutschland“, so der innenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz. Ähnlich äußerten sich auch Sprecher der Grünen-Fraktion und der Links-Partei.

Historiker: Wulff liegt falsch Der Historiker Hans-Ulrich Wehler (Biele-

feld) hält Wulffs Aussage für falsch. Der Islam sei über Jahrhunderte hinweg ein Gegner Europas gewesen und kein Teil der Kultur in Deutschland geworden, egal ob man das Recht, die Politik oder das Verfassungsdenken ansehe.

2/3 lehnen Wulffs Ansicht ab Einer von „Bild“ in Auftrag gegebenen repräsentativen Internet-Umfrage zufolge lehnen zwei Drittel der Bürger Wulffs Äußerung zum Islam ab. 24 % der 1.008 Befragten stimmten dem Staatsoberhaupt zu. Laut einer weiteren Emnid-Umfrage gehen 59 % der Deutschen davon aus, dass die große Mehrheit der Muslime nicht bereit sei, das Grundgesetz für sich persönlich zu akzeptieren. Dies wird durch einen Bericht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), untermauert. Sie prangerte bei jungen Muslimen eine Deutschenfeindlichkeit an Berliner Schulen und gegenüber Polizisten an. P

b Die Rede des Bundespräsidenten steht im Internet unter www.bundespraesident.de

Links: Der Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Udo Reiter (Leipzig), bekam wegen der folgenden Botschaft im Internet viel Ärger. Daraufhin entschuldigte er sich: „War nur als Joke gemeint“. (Das Foto rechts wurde von idea hineinmontiert). Rechts daneben: Diese Schlagzeilen zeigen unterschiedliche Aspekte der Debatte um die Äußerungen Wulffs am Nationalfeiertag.

Einheitstag 2030: Bundespräsident Mohammed Mustafa ruft die Muslime auf, die Rechte der Deutschen Minderheit zu wahren. PGUUHLWHU

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N AC H R IC H T E N

Hat der Rohrstock bei Evangelikalen Konjunktur? PRÜGELSTRAFE Schwere Vorwürfe gegen evangelikale Christen erhebt die „Süddeutsche Zeitung“.

K

indererziehung mit dem Rohrstock hat in „fundamentalchristlichen Kreisen“ wie „evangelikalen Freikirchen“ oder den Zeugen Jehovas Konjunktur. Diesen Vorwurf erhebt die „Süddeutsche Zeitung“ (München) in dem Artikel „Liebe Deinen Nächsten – auch mit der Rute!“. Ihm zufolge gibt es „unter strenggläubigen Christen eine heimliche Kultur des Prügelns“. Dabei würde man sich auf die Bibel berufen. So heißt es in Sprüche 13,24: „Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn, wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn bald.“ In ihrem Artikel zitiert das linksliberale Blatt einen anonymen Aussteiger, der Zeuge von Kindesmisshandlungen geworden sei. Ihm zufolge ist das Schlagen von Kindern „in den evangelikalen Freikirchen weitgehend akzeptiert“ und finde sogar „immer größeres Interesse, auch wenn das nach außen vertuscht wird“. Anleitungen zur Züchtigung fänden Evangelikale in zwei Erziehungsratgebern, so die „Süddeutsche“. So empfehle das Buch „Wie man einen Knaben gewöhnt“ von Michael und Debbi Pearl (Europäische Missionspresse, Heidelberg) Schläge auf die nackte Haut als „Instrumente der Liebe“. Das Buch sei

inzwischen von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Index gesetzt worden. Solche Medien dürfen weder beworben noch an Kinder und Jugendliche verkauft werden. Auch das im 3L Verlag (Waldems bei Frankfurt/Main) erschienene Buch „Eltern – Hirten der Herzen“ des US-Pastors Tedd Tripp enthalte Aufforderungen zur Disziplinierung mit der Rute. Auch in diesem Fall werde eine Indizierung geprüft, so die „Süddeutsche“.

Evangelikale: Züchtigung nicht gerechtfertigt In dem Beitrag kommen auch Vertreter evangelikaler Organisationen zu Wort. So meint Helmut Wegner, Leiter des Kinderheims Elisabethstift in Berlin, einer den Evangelikalen nahestehenden Jugendhilfeeinrichtung: „Der ‚Geist‘ des Neuen Testamentes rechtfertigt meines Ermessens nach keinerlei körperliche Züchtigung!“ (siehe auch Seite 3). P

b www.sueddeutsche.de

Die Überschrift des Artikels

l

idea Fernseh- und Hörfunk-Tipps

16. Oktober – 22. Oktober

FE R NSE H E N Samstag, 16. Oktober

Sonntag, 17. Oktober

Donnerstag, 21. Oktober

18.45–18.50 Glaubwürdig: Die 79-jährige Diakonisse Edith Haufe aus Dresden blickt zurück auf ihr Leben

Das Vierte 9.00–9.30 Bibelstunde mit Pastor Bayless Conley

11.00–12.00 Evangelischer Gottesdienst aus Dortmund mit Pfarrer Ingo Maxeiner

17.00–17.30 Die Physik des Glaubens. Mit Wissenschaftler Albrecht Kellner

20.15–21.15 An der Schwelle zum Jenseits. Dokumentation über Nahtod-Erfahrungen

9.30–10.00 „Das Lamm, das der Welt Sünde trägt“, mit Pastor Christian Wegert

13.40–14.10 Sind nach 50 Jahren Ehe noch Frühlingsgefühle da?

17.30–18.00 Ein Pater zwischen Kirche und Missbrauchsopfern

22.35–23.00 Der Mut der Anständigen. Zivilcourage im DDR-Alltag

HÖRFUNK Sonntag, 17. Oktober

Mittwoch, 20. Oktober

8.30–9.00 Religion und Entwicklungszusammenarbeit

9.45–10.00 Ev.-ref. Predigt mit Pfarrerin Käser-Huber, Burgdorf

NDR Kultur 8.40–9.00 Über die Inszenierung des Rücktritts in der Kirche

MDR Figaro 10.00–11.00 Gottesdienst aus der Ev. Brüdergemeine in BautzenKleinwelka mit Pfarrerin Christine Welschen

10.05–11.00 Evangelischer Gottesdienst aus Düsseldorf mit Pfarrer Ralf Breitkreutz NDR Info 17.05–17.30 Erinnerungen an das religiöse Leben in Konzentrationslagern

BR 2 9.05–10.00 Der Talmud. Das Heilige Buch der Juden.

Donnerstag, 21. Oktober 20.00–21.00 Bilanz: „Übrigens ...“ – Die ehemalige EKD-Synodale Brigitte Babbe im Gespräch mit Pastor Horst Marquardt

19.42-19.58 Brachte Paulus eine neue Botschaft?

Wer reagieren möchte, kann dies unter folgenden Rufnummern tun: ARD: 089/5900-3344 | Bibel.TV: 040/4450660 | Das Vierte: 0180/5843783 Deutschlandfunk und Deutschlandradio: 0221/345-1831 | DRS 2: (0)848/808080 | ERF: 06441/957-0 | Hessischer Rundkfunk (TV): 069/1555111 Kabel 1: 0180/5011150 | Luth. Stunde: 04264/2436 | MDR: 0341/300-5401 | NDR: 0511/988-2393 | NBC-Europe: 0211/9300-665 | Phoenix: 0180/28213 SF 2: (0)62/2059050 | SR 2: (0)681/6022222 | Südwest: 07221/929-0 | WDR (Radio): 0221/5678-333 | WDR (TV): 0221/5678888 | ZDF: 06131/702164 ideaSpektrum 41.2010


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Obama: Ich bin Christ per Entscheidung USA Nach Spekulationen hat sich US-Präsident Barack Obama öffentlich zum christlichen Glauben bekannt.

E

r sei durch eigene Entscheidung Christ geworden, sagte Obama beim Besuch einer Familie in Albuquerque (Bundesstaat Neu Mexiko). Ende August hatten sich in den USA Vermutungen verstärkt, dass Obama nicht Protestant, sondern Muslim sei. Bei einer Umfrage des Pew-Forschungsinstituts (Washington) äußerten 18 % diese Meinung, 11 % mehr als im März 2009. Der 49-jährige Sohn eines muslimischen Kenianers und einer US-amerikanischen Mutter ist vom 6. bis 10. Lebensjahr im überwiegend muslimischen Indonesien aufgewachsen. Seine Eltern seien nicht jede Woche in die Kirche gegangen, sagte Obama jetzt, aber seine Mutter sei „eine der geistlichsten Frauen“ gewesen, die er gekannt habe. Später im Leben habe er sich von den Lehren Christi angesprochen gefühlt. Dazu gehöre, dass er „meines Bruders und meiner Schwester Hüter“ sein wolle. Dass Christus für seine – Obamas – Sünden gestorben sei, sei eine Erkenntnis, die für alle Menschen gelte: „Wir sind sündig und mit Fehlern behaftet; das Heil erreichen wir durch Gottes Gnade.“

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Abtreibung: „Sicher, legal, rar“ Er betrachte seinen politischen Dienst auch als Ausdruck seines Glaubens, sagte der Präsident. Gleichzeitig hob er hervor, dass Religionsfreiheit zu den Grundlagen der Vereinigten Staaten gehöre. Sie stehe Menschen jeglichen Glaubens ebenso zu wie den Bürgern, die nicht gläubig seien. Obama wurde auch zu seiner Haltung zur Abtreibung befragt. Er tritt für das Recht der Frau auf Schwangerschaftsabbruch ein; dieser solle „sicher, legal und rar“ sein, sagte er. Obama schloss sich als junger Erwachsener der evangelischen Dreifaltigkeits-Gemeinde in Chicago an. In Washington gehörten Obama und seine Familie bisher keiner Kirchengemeinde an. Gottesdienste besucht er vor allem auf dem Landsitz Camp David. P

ideaSpektrum

Die Parlamentarische Versammlung des Europarates stimmte für die Gewissensfreiheit.

Christen atmen auf: Europarat schützt die Gewissensfreiheit EUROPARAT Ärzte, Pflegekräfte und Hebammen mussten befürchten, dass ihnen das Recht genommen werden sollte, ihre Mitwirkung bei Abtreibungen zu verweigern. Doch es kam anders: Der Europarat schützt ihre Gewissenfreiheit.

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hristen können aufatmen: Der Europarat hat mit knapper Mehrheit das Recht bekräftigt, die Mitwirkung bei Abtreibungen, Euthanasie oder Sterbehilfe aus Gewissensgründen zu verweigern. 56 Mitglieder der Parlamentarischen Versammlung stimmten am 7. Oktober in Straßburg für eine entsprechende Resolution, 51 waren dagegen und vier enthielten sich. Verworfen wurde ein von der Politikerin der sozialistischen Labour-Partei, Christine McCafferty (London), eingebrachter Bericht, der die Gesundheitsdienste verpflichten wollte, allen Frauen uneingeschränkten Zugang zu allen in einem Land erlaubten medizinischen Dienstleistungen zu gewähren. Dabei dürften religiöse oder ethische Bedenken keine Rolle spielen, etwa im Blick auf Schwangerschaftsabbrüche, Euthanasie und Beihilfe zum Selbstmord. Diese Empfehlung hätte Christen gezwungen, gegen ihr Gewissen bei Abtreibungen mitzuwirken. Dagegen hatten unter anderem die Deutsche Evangelische Allianz, die Christdemokraten für das Leben (CDL) und die Organisation „Ärzte für das Leben“ protestiert.

Klare Regeln für Gewissensverweigerung In der jetzt verabschiedeten Resolution des Europarates heißt es, keine Person, kein Krankenhaus oder sonstige Einrichtung dürfe zur Mitwirkung an Handlungen gezwungen werden, die den Tod eines menschlichen Embryos oder Fötus herbeiführen. Die Parlamentarische Versammlung betonte aber gleichzeitig, dass die Mitgliedsstaaten den „rechtzeitigen Zugang zu legaler medizinischer Versorgung“ gewährleisten müssten. In den meisten der 47 Mitgliedsstaaten (des Europarates, zu dem auch viele Nicht-EU-Staaten gehören) seien die Rahmenbedingungen für Gewissensverweigerung klar geregelt. Geschützt und gewährleistet werden müsse aber auch das Recht der Bürger, medizinische Dienste in Anspruch zu nehmen. Von der Verweigerung aus Gewissensgründen müssten Patienten rechtzeitig informiert und gegebenenfalls an andere Anbieter überwiesen werden. Dafür seien klare Regeln in allen Staaten nötig.

Resolutionen als Orientierungshilfen Von den 318 Mitgliedern der Parlamentarischen Versammlung stammen 18 aus Deutschland und je 6 aus der Schweiz und Österreich. Insgesamt stimmten 111 Abgeordnete über die Resolution pro Gewissensfreiheit ab. Aus Deutschland votierten eine Parlamentarierin dagegen und einer dafür. Ein Schweizer stimmte mit Ja und fünf mit Nein. Aus Österreich waren drei dafür und einer dagegen. P

b www.assembly.coe.int


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Liberale Theologie hat ein schlechtes Image EVANGELISCHER BUND Welchen Auftrag hat die liberale Theologie im 21. Jahrhundert? Darüber diskutierte der deutsche Evangelische Bund.

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iberale Theologie hat weithin ein schlechtes Image. Weder Fromme noch Nichtchristen können etwas mit ihr anfangen. Diese Ansicht vertrat der Theologieprofessor Wilhelm Gräb (Berlin) auf der Generalversammlung des Evangelischen Bundes in Berlin. Gräb zufolge wird der liberalen Theologie häufig vorgeworfen, sich dem Zeitgeist anzupassen und eine „Wischi-Waschi-Religion“ zu sein, die nicht mehr zu sagen habe, als sich ein Mensch selbst sagen könne. Oft werde sie wahrgenommen als „harmloses HumanitätsChristentum“, das weder Glaubensernst noch Trost biete.

Liberale Theologie setzte sich an den Universitäten durch Zwar habe sich die liberale Theologie an den Theologischen Fakultäten in Deutschland durchgesetzt, „zumeist freilich nicht mit gutem Gewissen“, so Gräb. Liberalen Theologen fehle es an Mut, zu ihrer Sache zu stehen. Bis heute traue sich kaum jemand zu sagen, dass er ein liberaler

Theologe sei. Gräb: „Ich mach’s und kriege dafür immer Prügel.“ Ziel liberaler Theologie sei es, Humanität und Christentum zusammenhalten und mit der Gegenwart zu versöhnen. Man bemühe sich darum, traditionelle Lehrbestände christlicher Theologie so umzuformen, dass ihre orientierende Kraft hervortrete. So müsse man dem liberalen Theologen Adolf von Harnack (1851-1930) zufolge altkirchliche Dogmen wie die Trinitätslehre der Kritik unterziehen und prüfen, ob sie auf heutige Fragen Antwort geben können. Gräb: „Wer heute auf breiterer Front missionarisch erfolgreich sein will, also nicht nur die schon Bekehrten bekehren will, braucht die liberale Theologie.“ Der 1886 gegründete Evangelische Bund ist Träger des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim bei Darmstadt und ein ökumenisches Arbeitswerk der EKD. Ihm gehören rund 6.000 Mitglieder aus allen Landeskirchen an. P

b www.evangelischer-bund.de Tel. 06251-8433-0

USA: Empörung über gekreuzigten Frosch AUKTION Katholiken protestieren gegen Werk eines deutschen Künstlers.

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in gekreuzigter Frosch sorgt für Empörung unter US-Katholiken. Das Auktionshaus Sotheby’s stellt seit 30. September in einer New Yorker Ausstellung rund 80 Kunstwerke aus. Darunter befindet sich das Werk „Zuerst die Füße“ des deutschen Künstlers Martin Kippenberger (1953-1997). Es zeigt einen ans Kreuz geschlagenen grünen Frosch mit einem Bierkrug und einem Ei. Der Präsident der Katholischen Liga, Bill Donohue (New York), protestiert gegen das Werk; es sei „entwürdigend, beleidigend und grob anstößig“. Auch Papst Benedikt XVI. hat schon Kritik geübt: Der gekreuzigte Frosch verletze die Gefühle vieler Menschen, „die im Kreuz das Symbol der Liebe Gottes und unserer Erlösung sehen“. Die New Yorker Ausstellung schließt am 19. Oktober. P

NOTIERT Durchbruch: Aus für embryonale Stammzellforschung? Positiver, überraschender Durchbruch in der Stammzellforschung. Er könnte die ethisch fragwürdige Forschung mit embryonalen Stammzellen überflüssig machen. Dabei werden menschliche Embryonen getötet. Das ist bei sogenannten „adulten Stammzellen“, also von bereits geborenen Menschen, nicht nötig. Von einer Therapie mit Stammzellen versprechen sich Mediziner die Heilung schwerer Krankheiten wie Parkinson oder Diabetes. Verheißungsvoll erwies sich eine 2007 von Japanern und US-Amerikanern entwickelte Methode zur Umwandlung von Hautzellen in Stammzellen, sogenannte „induzierte pluripotente Stammzellen“ (iPS). Doch dazu waren zunächst Viren nötig, die Krebs erregen können; außerdem war der Prozess langsam und wenig wirksam. Jetzt haben Forscher an der Harvard-Universität (Boston/USA) eine neue Methode entwickelt – ohne diese Nebenwirkung und wirksamer. Die Christliche Mediziner-Vereinigung in den USA begrüßte den Durchbruch: Er mache die embryonale Stammzellforschung und damit die Zerstörung ungeborener Menschen überflüssig. Es gebe auch keinen Grund mehr, Steuergelder in die embryonale Stammzellforschung zu pumpen.

Malawi: Muslime zerreißen Bibeln Im südostafrikanischen Malawi haben einige muslimische Eltern Bibeln zerrissen, die vom evangelikalen Gideonbund an Schüler verschenkt wurden. Wie die Ökumenische Nachrichtenagentur (ENI) berichtet, ereignete sich der Vorfall in der überwiegend von Muslimen bewohnten Ortschaft Mangochi, südlich der 585.000 Einwohner zählenden Stadt Blantyre. Die Aktion sei in Zusammenarbeit mit der Bibelgesellschaft Malawis durchgeführt worden. Das Komitee für öffentliche Angelegenheiten (PAC) – eine interreligiöse Organisation – habe die Entweihung der Heiligen Schrift verurteilt, teilte deren Vorsitzender, Pfarrer MacDonald Kadawati, der Zeitung „Nation“ (Blantyre) mit. Etwa 80 % der 14 Millionen Einwohner Malawis bekennen sich zum Christentum, 12 % zum Islam.

Foto: AP

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Protest in Bozen/Südtirol, als dort 2008 der Frosch ausgestellt wurde. ideaSpektrum 41.2010


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Die Sehnsucht nach Ritualen wächst GEISTLICHES LEBEN Rituale leben wieder auf: Während feste Formen besonders im Protestantismus lange als überholt und verstaubt angesehen wurden, ist in jüngster Zeit eine wachsende Sehnsucht nach ihnen spürbar.

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ber diese Beobachtung berichten Theologen in der Zeitschrift des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes. „In den letzten Jahren empfinden zunehmend mehr Menschen den Verlust an Ritualen als Verarmung“, schreibt der Leiter des Geistlichen Zentrums Kloster Bursfelde, Pastor Klaus Dettke (Hannoversch Münden). In der Sehnsucht nach Ritualen drücke sich der Wunsch aus, Übergänge des Lebens angemessen zu gestalten. So erfreuten sich Gottesdienste für Schulanfänger zunehmender Beliebtheit. Vielen Eltern sei es wichtig, dass ihre Kinder zu Beginn der Schulzeit dem Schutz Gottes anvertraut werden.

Der Beziehung zu Christus helfen z. B. feste Gebetszeiten Manager gingen ins Kloster und entdeckten „den heilsamen Rhythmus von Tagzeitengebeten“. Sie spürten, „wie wichtig die bewusst gestaltete Unterbrechung

der Arbeit ist“. Dettke empfiehlt Christen, sich an feste Gebetszeiten zu halten und zum Beispiel am Morgen oder Abend einen Psalm zu beten: „Unsere Beziehung zu Christus braucht ein Ritual, das wiederholbar, verlässlich und zugleich persönlich ist.“ Er schildert ferner ein Silvester-Ritual, das er mit seiner Familie entwickelt hat: eine Erinnerungsstunde. „Alle sitzen um einen Tisch. In der Mitte brennt ein Kerze, Symbol für das Licht der Welt, Christus. An einem Tischende steht ein Korb mit verschieden großen Kieselsteinen und an dem anderen ein Korb mit Teelichtern. Für Schönes im vergangenen Jahr wird ein Teelicht entzündet, für Schweres ein Stein gelegt.“ So könne man Dank oder Klage ausdrücken, wenn das Formulieren von Worten schwerfalle.

„Immer haargenau das Gleiche“ Die Kulturbeauftragte des Rates der EKD, Petra Bahr (Berlin), schreibt: „Wer sich jeden Morgen mit Gott zum Beten

Ein hilfreiches Ritual: Die Mutter segnet ihre Tochter vor Schulbeginn.

verabredet, dem geht diese Geste in Fleisch und Blut über.“ Eine Mahlzeit beginne anders, wenn ein gemeinsames Gebet angestimmt werde. Für Kinder seien Einschlafrituale von großer Bedeutung: „Eine Geschichte, ein Lied, ein Gebet, am liebsten immer haargenau das gleiche. Dann noch ein Kuss, erst Papa, dann Mama, und das Kind kann getröstet den Weg in die unbekannte Nacht wagen.“ Für den Theologieprofessor Manfred Seitz (Bubenreuth bei Erlangen) haben Rituale einen entlastenden Charakter. Sie seien wiederholbare Handlungen, die man nicht ständig neu erfinden müsse. P

Für Kleinkinder sind Kindertagesstätten äußerst belastend FORSCHUNG Eine Studie der Uni Wien belegt negative Folgen einer außerhäuslichen Betreuung bei ganz Jungen.

Foto: kna

K

indertagesstätten sind für Kleinkinder äußerst belastend. Untersuchungen der Hormone haben ergeben, dass ihr Körper bereits nach zehn Wochen Stresssymptome aufweist, stellt eine Studie der Universität Wien fest. Je jünger ein Kind sei, desto empfindlicher reagiere es auf Stress, so das Zwischenergebnis einer bis 2012 laufenden Untersuchung der Entwicklungspsychologin Prof. Lieselotte Ahnert. Danach blieben auch Kinder, die eine große emotionale Nähe zur Erzieherin hätten, nicht von Stress verschont. „Die sichere Bindung in der Krippe ist etwas anderes als das Zuhause“, zitiert die „Frankfurter Rundschau“ die Diplom-Psychologin Tina Eckstein. Der Studie zufolge stellt sich bei Kindern, die einen engen Kontakt zur Erzieherin haben, die

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ungünstige Stressverarbeitung vier Monate nach dem Einstieg in die Krippe ein. Bei anderen Kindern zeigten sich die Symptome bereits nach zwei Monaten. Nach Ansicht der Forscher lassen sich die Belastungen verringern, wenn die äußerhäusliche Betreuung nicht zu lang dauert und ein optimaler Betreuungsschlüssel vorliegt. Am besten wäre eine Erzieherin für fünf Kinder.

Mutterliebe schützt vor Stress Nach einer Studie der Duke-Universität Durham (US-Bundesstaat Nord Carolina)

hilft Mutterliebe, im späteren Leben Stress zu verkraften. Wer als Baby liebevoll von der Mutter umsorgt werde, könne als Erwachsener besser mit belastenden Situationen umgehen, so das Ergebnis laut der „Apotheken-Umschau“. Wissenschaftler hatten die Bindung zwischen 482 Müttern und ihren Babys bewertet und rund 30 Jahre später die psychische Verfassung der Erwachsenen überprüft. P

b www.univie.ac.at www.apotheken-umschau.de

Schlagzeile in der linksorientierten Zeitung vom 5.10.


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P RO & KON T R A

Tut der Islam Deutschland gut? ISLAM Nach der Rede von Bundespräsident Christian Wulff diskutiert Deutschland über das Verhältnis zum Islam. Ist der Islam eine Bereicherung, eine Herausforderung oder eine Bedrohung?

PRO 

In Deutschland leben etwa vier Millionen Muslime. Der Islam gehört damit inzwischen auch zu Deutschland, wie es Bundespräsident Wulff ausgedrückt hat. Für Muslime spielt der Wert der Familie und der Solidarität gegenüber dem Mitmenschen eine zentrale Rolle. Hier gibt es große Übereinstimmungen mit dem Christentum. Ja, der Islam tut Deutschland gut, die Muslime tun Deutschland gut. Damit meine ich jene, die sich als Teil dieser Gesellschaft sehen. Jene Muslime, die ihr Handeln ganz selbstverständlich nach dem Grundgesetz ausrichten. Nicht jene Gruppe, die den Islam als politische Ideologie missbraucht und zur Rechtfertigung von extremistischem Gedankengut und islamistischen Terroranschlägen benützt. Wichtig ist: Es gibt nicht den Islam. Die Ausprägungen des Islam sind sehr unterschiedlich. Es gibt den Islam, der den säkularen Staat bejaht und Religionsfreiheit als wichtiges Moment der islamischen Werteord-

„Wahrscheinlich ist der Islam eher als ein Unglück zu betrachten.“

KONTRA 

Der Islam in Deutschland ist eine Tatsache, sein Verschwinden ist unvorstellbar. Natürlich genießen Muslime in Deutschland (anders als Christen in muslimischen Staaten) alle in der Religionsfreiheit beschlossenen Rechte. Jedem einzelnen Muslim sollen wir so gastlich begegnen, wie es die Bibel fordert gegenüber dem „Fremdling, der in deinen Mauern weilt“ (5. Mose 31,12). Eine ganz andere Frage ist, ob man den Eintritt des Islam in unseren Kulturkreis als Gewinn betrachtet. Ihn vorbehaltlos als willkommen anzusehen, würde ein hohes Maß an politisch korrekter Heuchelei erfordern. Wahrscheinlich ist er eher als ein Unglück zu betrachten – was in Deutschland zwar viele denken, was auszusprechen sich bekanntlich aber nicht empfiehlt. Lamentieren hilft in dieser Situation so wenig, wie die Lage schönzureden. Wir müssen den Islam als Tatsache akzeptieren – in freundlicher, aber bestimmter Gesinnung.

Bülent Arslan (Düsseldorf), Muslim und Vorsitzender des Deutsch-Türkischen Forums der CDU in Nordrhein-Westfalen

nung begreift. In den meisten islamischen Ländern ist dies jedoch nicht der Fall. Dies ist jedoch politisch begründet und nicht religiös. Die Auseinandersetzung mit dem Islam ist das große Thema des vor uns liegenden Jahrhunderts. In Deutschland gibt es sehr gute Voraussetzungen, dass das Zusammenleben mit dem Islam gelingt. Er ist hierzulande in großen Teilen von einem türkischen Islam geprägt. Er hat sich im Vergleich zu anderen Ländern am ehesten mit dem säkularen Staat auseinandergesetzt. Dieser Islam wird weiterhin zeigen können, dass er mit der Demokratie zu vereinbaren ist, ohne seine eigenen religiösen Werte zu missachten. Dies ist eine große Chance für den Islam, aber auch für Deutschland. Der in Deutschland gelebte Islam wird eine beispielhafte Erfolgsgeschichte werden, die Vorbild für viele Länder werden kann. P

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Axel von Campenhausen (Hannover), von 1969 bis 2008 Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Der Einbruch archaischer Lebensformen in die deutsche Gesellschaft ist natürlich eine Belastung. Der Zustrom von Menschen, die weder deutsch sprechen noch ohne weiteres einen sie ernährenden Beruf aufnehmen können, kann man schlecht als für Deutschland willkommen ansehen. Man wird der Situation aber nur Herr werden, wenn man die Tatsache ohne feindliche Grundeinstellung annimmt – bei klarer Ablehnung des islamischen Rechtes, der Scharia, und seiner nach dem Grundgesetz unzulässigen Folgerungen. Wir müssen die bedrohliche Herausforderung des Islam annehmen – ohne Angst, mit Gottvertrauen. An unseren Schulen sollten ohne falsche Angst vor deutschem Nationalismus die jungen Einwanderer mit deutscher Sprache und deutscher Staatsbürgergesinnung vertraut gemacht werden. Das bedeutet ein unverkrampftes Eintreten für die deutsche Leitkultur. P

Fotos: Arslan/privat; Campenhausen/idea

„Der in Deutschland gelebte Islam wird eine beispielhafte Erfolgsgeschichte werden.“

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BUC H M E SSE

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Welche Bücher Christen gerade lesen UMFRAGE Aus Anlass der weltgrößten Bücherschau – der Frankfurter Buchmesse – fragte idea sieben evangelische Christen in Deutschland und der Schweiz, welche Bücher sie gerade lesen. Das Buch stand lange auf der Bestsellerliste der New York Times. Jetzt ist es auch bei uns zu haben. Zum Glück. „Warum Gott?“ (Brunnen-Verlag) ist eine außergewöhnlich kluge und kurzweilige Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen und Zweifeln. Und es macht Lust auf den Glauben. Der Autor, Timothy Keller, ist Professor für Praktische Theologie und Pastor einer großen Gemeinde in Manhattan. Ein Buch zum Weitergeben. Und zum Selberlesen. Denn nur, wer seinen Glauben durchdacht hat, kann ihn mit anderen teilen. Jürgen Werth (Wetzlar), Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz

Fotos: PR

Ich lese „Making Ideas Happen” (Wie man Ideen verwirklicht) von Scott Belsky (Verlag Portfolio). In diesem Buch geht es darum, als Unternehmer und Kreativ-Schaffender zu lernen, Ideen effektiv umzusetzen. Ein Freund hat es mir unlängst zum Geburtstag geschenkt, und ich fand das Thema sehr spannend, daher habe ich gleich begonnen, es zu lesen. In der Regel lese ich mehrere Bücher parallel. Sarah Kaiser (Berlin), Sängerin Zur Zeit liegt auf meinem Nachttisch eine Art Reisegutschein. Das Buch „Eine Kindheit in der Provence“ von Marcel Pagnol (Verlag Piper). Die Erinnerungen an seine Kindheit verströmen tatsächlich den Duft von Rosma-

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rin und Lavendel. Die Zikaden höre ich zirpen. Und das einmalige Licht im immerwährenden Sommer der Provence wärmt und beglückt mich und lässt zwischendurch authentische und lebendige Bilder, Düfte und Klänge meiner eigenen Kindheit in mir aufsteigen. Ein wundervolles Buch für die Seele. Marianne StreiffFeller (Oberwangen, Schweiz), Nationalrätin Ich lese gerade „Was wollen wir?“ von Ingo Schulze (Berlin Verlag). Es ist eine Art Werkgeschichte Schulzes – eine Sammlung aus Essays, Reden und Skizzen. Das Buch gibt einen Einblick in die Entstehung seiner literarischen Stoffe. Sein Thema ist die Differenz zwischen Ost und West, die er als vorzüglicher Beobachter detailreich aufspürt. Ingo Schulze ist für mich ein literarischer Porträtist Ostdeutschlands. Mich interessiert, wie ein Literat die gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen reflektiert, wenn er beschreibt, wie sich Werte und Regeln verändern. Ilse Junkermann (Magdeburg), Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland Ich las während der letzten Tage zwei Bücher parallel, weil Romano Guardinis „Vom Sinn der Schwermut“ (Matthias Grünewald-Verlag) derart anspruchsvoll war, dass ich noch etwas Lockeres und Ermutigendes brauchte. Dies fand ich in „Deeply rooted“, ei-

nem neuen Buch von Jeff Fountain (Verlag: Das Schuman-Zentrum für Europastudien) über den französischen Politiker Robert Schuman, der als „Vater Europas“ in die Geschichte einging. Es war ihm klar, dass „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ auch für das kriegszerstörte Europa Gültigkeit haben musste. Es ermutigt mich, dass christliche Werte Europa in allen Gesellschaftsbereichen geprägt haben, und sie auch heute noch das gleiche Potential zur Veränderung haben. Wilf Gasser (Zürich), Präsident der Schweizerischen Evangelischen Allianz Ich lese zur Zeit „On Kingdom Business: Tra nsfor m ing Missions Through Entrepreneurial Strategies“ (Reich Gottes Wirtschaft: Transformierende Mission durch unternehmerische Strategien) von Tetsunao Yamamori und Kenneth A. Eldred (Verlag: Crossway Books). Dort berichten Geschäftsleute, wie es ihnen gelungen ist, Wirtschaft und Mission zu verbinden. Ein wichtiges Thema für mich, denn als Pastor in Ostdeutschland lerne ich oft Menschen kennen, die mit Arbeits- und Perspektivlosigkeit zu kämpfen haben. Als Gemeinde wollen wir ihnen ganzheitlich helfen – vielleicht irgendwann durch die Gründung eines eigenen Betriebs. Tim Dyck, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Radeberg (bei Dresden)


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Ist der Islam gut für uns? ISLAM Die Aussagen von Bundespräsident Christian Wulff am deutschen Nationalfeiertag zum Islam haben eine große Debatte ausgelöst. Dazu ein Beitrag der Islamwissenschaftlerin Prof. Christine Schirrmacher (Bonn). Sie ist Leiterin des Instituts für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz.

Religionen haben unterschiedliche Werte Doch ganz so einfach ist es nicht. Zwar ist es ein positives Signal, wenn ein Staatsoberhaupt Muslimen die Hand reicht. Und dennoch: Ernsthafte Auseinandersetzungen über die Grundlagen der Kulturen sind notwendig, um zu verstehen, wo es um Religion und wo es um politische Ansprüche geht, die die Grundwerte unserer Geschichte, Kultur und Gesellschaft gerade in Frage stellen.

Der fundamentale Unterschied Es ist unstreitig, dass der Koran ein Gottes- und Menschenbild entwirft, das sich fundamental von der jüdisch-christlichen Botschaft unterscheidet. Islam bedeutet „Unterwerfung, Hingabe“. Unterwerfung unter Allah und sein Gesetz ist die erste Glaubenspflicht des Islam. Muhammad war bekanntlich nicht nur Verkündiger, sondern ab 622 n. Chr. in Medina auch Gesetzgeber und Feldherr. Auch nach der Kalifenherrschaft 661 n. Chr. blieb das Ideal der weltlichen und geistlichen Herrschaft in einer Hand lebendig. Im 10. Jahrhundert gewann das religiös begründete Gesetz,

die Scharia Gestalt, die gerade keine Trennung in weltliche und geistliche Belange kennt. Weder Aufklärung noch Religionskritik noch eine kritische Aufarbeitung der islamischen Geschichte gibt es in islamischen Gesellschaften bisher. Ein Euro-Islam oder „Islam light“ ist zwar in den Schriften mancher Menschen- und Frauenrechtler auszumachen. Aber sein Einfluss auf die offizielle Lehre ist gering. Reformdenker werden im Nahen Osten verfolgt.

Das islamische Recht bietet keine Freiheit Der in Europa in Verbänden und Dachverbänden organisierte Islam ist vor allem ein politischer Islam, der gerade diesen ganzheitlichen Herrschaftsanspruch des Islam befürwortet und als Minderheit die Deutungshoheit über die gesamte islamsche Gemeinschaft in Europa beansprucht. Sämtliche in Europa ansässigen islamischen Ausbildungsinstitute für Theologen lehren einen solchen Scharia-Islam. Mit dem Festhalten an der Scharia kann es jedoch keine Begründung für ungeteilte Menschen- und Freiheitsrechte, für Religionsfreiheit sowie Frauen- und Minderheitenrechte geben. Ein solcher Islam ist nicht grundgesetzkompatibel und ein solcher Islam gehört keinesfalls zu Deutschland. Unser Grundgesetz baut auf einem jüdisch-christlichen Wertekanon von der Verantwortung, Würde und Freiheit aller Menschen unabhängig von Geschlecht, Religion und Herkunft auf.

Es gibt keinen islamischen Rechtsstaat Durch diesen Wertekanon im Verbund mit Religionskritik und Aufklärung entstand die Trennung von Kirche und Staat, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit, das Gewaltmonopol des Staates sowie Religions-, Meinungs- und politische Freiheitsrechte. Wenn der politische Islam auf Mitbestimmung pocht, dann gerade nicht, weil er Andersdenkenden diese Rechte dauerhaft einräumen würde. Die Kairoer Menschenrechtserklärung etwa, die sich 57 islamische Staaten zu eigen gemacht haben, gewährt nur demjenigen Menschenrechte, der als praktizierender Muslim nach den Regeln der Scharia lebt. Wollte der Bundespräsident nun sagen: Bisher haben das Juden- und Christentum Deutschland geprägt, aber nun darf es auch der Islam sein. Das wäre fatal, denn die schariabefürwortende Variante des Islam kann die Werte und Freiheiten unserer Gesellschaft nicht begründen. Diese Rechte befürworten kann nur ein unpolitischer Islam, ein spiritueller Glaube, der sich von

Foto: privat

Der Bundespräsident sagte am 3. Oktober in Bremen: „Zuallererst brauchen wir eine klare Haltung … Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ Wie ist dieser Satz zu verstehen? Wollte der Bundespräsident lediglich die Tatsache betonen, dass der Islam unumkehrbar Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden ist? Eine nette Geste – und inhaltlich nicht zu diskutieren. Allerdings hat sich Bundespräsident Wulff mit dieser Aussage nicht zu den Muslimen in Deutschland bekannt, sondern zum Islam. Dass er „zu Deutschland gehört“, kann auch als Anspruch verstanden werden – so wie es der „Zentralrat der Muslime“ in Deutschland gleich freudig mit neuen Forderungen an die Politik tat: Nach diesem Verständnis hätte „der Islam“ das Recht auf politische Mitgestaltung, so wie das Judentum und Christentum die Grundlagen und Werte unserer Kultur geprägt haben. Manche werden sagen: Ist das denn falsch? Gibt es denn nicht in diesen drei Religionen ähnliche Vorstellungen von dem einen Gott, den guten Werken im Diesseits und einen friedensstiftenden Auftrag?

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jeglichem politischen Anspruchsdenken losgesagt hat. Einem solchen Islam mag man zustimmen oder nicht, er hat in einem Land mit Religionsfreiheit Existenzberechtigung wie alle anderen Religionsgemeinschaften auch. Er ist jedenfalls nicht unvereinbar mit dem Grundgesetz, weil er sich allein auf den Bereich der persönlichen Glaubensüberzeugungen beschränkt. Ein solcher Islam wird von vielen Muslimen bei uns gelebt, aber als strukturell organisierter Islam ist er derzeit nicht existent. Er kann auch nicht aus den Gesellschaften des Nahen Ostens zu uns kommen, denn kein islamisch geprägter Staat dort ist ein Rechtsstaat, keiner bietet wirkliche Freiheits-, Frauen- oder Menschenrechte, keiner kennt die Gewaltenteilung, keiner ist eine Demokratie. Es scheint schwer vorstellbar, dass das angesichts der Berufung aller arabischen Verfassungen auf die Scharia als Gottesgesetz und eines immer noch beträchtlichen Einflusses der muslimischen Gelehrtenwelt auf Gesellschaft und Politik im Nahen Osten bloßer Zufall ist.

Warum der Islam nicht „anerkannt“ werden kann Häufig wird die Klage erhoben, der Islam werde vom deutschen Staat nicht anerkannt – dies sei aber die Grundlage allen gleichberechtigten Miteinanders. Diese Aussage basiert auf einem grundlegenden Missverständnis: Der Staat kann keine Religion anerkennen, er erkennt auch weder das Juden- noch das Christentum an. Er kann aber mit verfassten, grundgesetz-loyalen und auf Dauer und Repräsentanz angelegten Religionsgemeinschaften in ein Vertragsverhältnis treten, von dem beide Seiten profitieren. Der Staat geht bei der Verleihung des Körperschaftsstatus davon aus, dass die verfassten Religionsgemeinschaften den Werteerhalt im Sinne des Grundgesetzes fördern. Darin unterstützen ihn die Religionsgemeinschaften. Auch der Islam kann Religionsgemeinschaft werden, wenn er die Voraussetzungen dazu erfüllt, was bisher nicht der Fall ist. Es wäre fatal, wenn der Staat kleine islamische Dachverbände, die nur eine Minderheit der Muslime als Mitglieder repräsentieren und zugleich dem politischen Anspruch der Scharia keine Absage erteilen, zu Religionsgemeinschaften erklären würde. Da liegen die Verhältnisse bei der islamverwandten Gemeinschaft der Aleviten schon anders, die sich grundsätzlich von der Gültigkeit des Schariarechts distanzieren und Frauen volle Gleichberechtigung zubilligen. Dass es bisher nicht zu einer Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft gekommen ist, ist also keine Verweigerung eines Status, der Muslimen längst zustünde, wie oft impliziert wird, sondern liegt in der mangelhaften Erfüllung der Voraussetzungen auf dem Weg zur Religionsgemeinschaft begründet.

Für offene Diskussionen – zur Not auch unbequem Ja, Deutschland ist längst multi-kulturell und multi-religiös. Christen sind dazu aufgerufen, allen Menschen gleiideaSpektrum 41.2010

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Muslime in Deutschland In Deutschland leben rund 4 Millionen Menschen muslimischen Glaubens Herkunftsregion Angaben in Prozent Südosteuropa 13,6 8,1 Türkei

6,9

63,2

Naher Osten Nordafrika 4,6 Süd-/Südostasien 1,7 Iran 1,5 sonstiges Afrika 0,4 Zentralasien/GUS

Religösität (eigene Einschätzung) sehr stark gläubig

Männer Frauen

41 % 54 47

eher gläubig 10 9

eher nicht gläubig gar nicht gläubig

32 %

4 4 © lideaGrafik; Quelle: Bundesamt für Migration (Befragung, 2008)

chermaßen mit Achtung und Wertschätzung zu begegnen. Aber andererseits darf unter dem drohenden Vorwurf des Rassismus die notwendige inhaltliche Auseinandersetzung mit den Werten eines schariageprägten Islam nicht abgewürgt werden. Respektvoller Umgang ja – aber weder Meinungs- noch Freiheitsrechte dürfen mit Rücksicht auf muslimische Befindlichkeiten eingeschränkt werden. Sich der eigenen Wurzeln zu versichern, bedeutet noch keine Arroganz. Zu wissen, was die unaufgebbaren Schätze der eigenen Tradition sind, macht erst fähig zur Begegnung und zum Dialog. Daran festzuhalten, dass aus den eigenen Grundlagen Werte wie Gleichberechtigung, Religionsfreiheit, Freiheitsrechte und die Trennung von Kirche und Staat hervorgingen und diese Grundlagen auch zu benennen, hindert nicht daran, Menschen aus anderen Kulturkreisen wertzuschätzen und offen aufzunehmen.

Gegen eine ungute Gleichmacherei Es hindert aber an einer unguten Gleichmacherei zwischen grundsätzlich unterschiedlichen Wertesystemen. Es ist nach 50 Jahren Migrationsgeschichte an der Zeit, nicht nur bei Äußerlichkeiten stehen zu bleiben, sondern auch die weltanschaulichen Grundlagen der Religionen zu thematisieren sowie die Werte, die sie hervorbringen. Das mag nicht allen gleichermaßen gefallen. Trotzdem sollten wir an dieser Aufgabe festhalten, um Klarheit über hiesige und aus anderen Kulturen stammende Wertegerüste zu gewinnen. Bundespräsident Wulff sagte dazu: „ ‚Deutschland, einges Vaterland’, das heißt, unsere Verfassung und die in ihr festgeschriebenen Werte zu achten und zu schützen“ – dem ist nichts hinzuzufügen. P


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P I E T I SM US I N DE U T SC H L A N D

Zum Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband gehören: 38 16 11 11 8 6

regionale Gemeinschaftsverbände Diakonissen-Mutterhäuser Werke (wie Blaues Kreuz, Deutsche Zeltmission, mission, Evangelischer Sängerbund, EC) theologische Ausbildungsstätten Missionsgesellschaften Jugendverbände

Die Zentrale des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes in Kassel

Erstmals erfasst: Fast 200.000 Pietisten treffen sich in 4.500 Gemeinschaften und Verbänden PIETISMUS Seit Ende des 19. Jahrhunderts versammeln sich Christen mit pietistischer Prägung nicht nur in Gemeinden, sondern darüber hinaus noch in Gemeinschaften. Bisher fehlten statistische Erhebungen über die Größe dieser Erneuerungsbewegung innerhalb der Volkskirche. Wie stark ist sie und in welche Richtung entwickelt sie sich? Ein Bericht von Christian Starke. glieder und regelmäßige Besucher. Sie treffen sich in rund 4.500 Gemeinschaften, die von 1.100 hauptamtlichen Mitarbeitern in der Verkündigung betreut werden. Damit ist allerdings noch nicht die gesamte Gemeinschaftsbewegung erfasst. Es fehlen noch diejenigen Christen, die sich in den übrigen 42 Mitgliedswerken versammeln oder engagieren, ohne dass genaue Zahlen darüber vorliegen.

Zahl der Pietisten hat zugenommen Dazu gehören zum Beispiel der Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC), Ausbildungsstätten, Missionswerke, diakonisch tätige Verbände, der Evangelische Sängerbund und der Gnadauer Posaunenbund. Hier kann man keine präzisen Angaben machen, weil viele Pietisten zwei oder mehr Verbänden angehören. Der seit einem Jahr amtierende Präses Michael Diener schätzt, dass die Verbände mit speziellem Auftrag mindestens weitere 60.000 Personen erreichen. Man kann also davon ausgehen, dass „Gnadau“ heute insgesamt 180.000 bis 200.000 Christen repräsentiert. Erfreulich für die Gemeinschaftsbewegung: Sie ist zahlenmäßig stabil. Während die Landeskirchen und fast alle Freikirchen seit Jahren schrumpfen, hat „Gnadau“ leicht zugelegt. Im Jahre 2000 hatten die Gemeinschaftsverbände nach eigenen Angaben rund 116.000 Mitglieder und regelmäßige Besucher in ihren Reihen; heute sind es knapp 5 % mehr. Die Steigerung im neuen Jahrtausend hängt vor allem damit Diener

Fotos: Zentrale/PR; Diener/idea/Kretschel

Der Pietismus ist eine tragende Säule des Protestantismus in Deutschland. Kirchenleitungen schätzen die Arbeit dieser Bewegung wegen ihrer geistlichen Impulse. Bibellesen, Gebet, Mission und diakonisches Handeln liegen den Pietisten besonders am Herzen. Sie sorgen dafür, dass die geistlichen Inhalte in der Volkskirche nicht zu kurz kommen – wie es in Grußworten von Kirchenleitern immer wieder heißt. Ein großer Teil der Pietisten engagiert sich in Landeskirchlichen Gemeinschaften. Ihre Dachorganisation ist der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband, der als größte Laienbewegung in der evangelischen Kirche gilt. Doch wie groß ist eigentlich die seit 1888 bestehende Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften? Die Lexikonreihe „Religion in Geschichte und Gegenwart“ spricht von 300.000 Mitgliedern. Die führenden Repräsentanten „Gnadaus“ haben diese Zahl immer für zu hoch gehalten, aber keine eigenen veröffentlicht. Die Evangelische Nachrichtenagentur idea wollte es deshalb genau wissen und startete eine Umfrage unter den 38 Gemeinschaftsverbänden „Gnadaus“, zu denen auch drei kleinere in Österreich und den Niederlanden gehören. Dazu war viel Geduld erforderlich: Während die beiden großen Kirchen und die Freikirchen meist jährlich Mitgliederstatistiken erstellen, ist dies bei den „Stillen im Lande“ eher unüblich. Teilweise dauerte es Wochen und Monate, bis die Zahlen auf den Tisch gelegt wurden. Ergebnis der Recherchen: Die Gemeinschaftsbewegung ist kleiner als bisher angenommen. Die Gemeinschaftsverbände haben heute nach eigenen Angaben über 120.000 Mit-

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zusammen, dass der Liebenzeller Gemeinschaftsverband zulegen konnte.

Die „Hochburgen“ liegen im Südwesten und in Sachsen Der Südwesten ist nach wie vor die „Hochburg“ der Gemeinschaftsverbände. Zu ihnen gehören im „Ländle“ rund 46.000 Christen. Nimmt man die pfälzischen und bayerischen Verbände noch hinzu, so ergibt sich, dass die Hälfte der Gemeinschaftsleute im Süden der Republik lebt. Ein weiterer Schwerpunkt ist Sachsen. Der dortige wachsende Gemeinschaftsverband ist mit 12.400 Mitgliedern und regelmäßigen Besuchern der drittgrößte nach den Apis (Altpietisten) in Württemberg (13.000). Zahlenmäßig stabil sind auch der Süddeutsche Gemeinschaftsverband (10.000), das Chrischona-Gemeinschaftswerk in Deutschland (6.500) und der Landeskirchliche Gemeinschaftsverband in Bayern (6.000). Nicht zu „Gnadau“ gehören die Chrischona-Gemeinden in der Schweiz, die dort eine Freikirche bilden. Die meisten Verbände in der Dachorganisation melden rückläufige Mitgliederzahlen, aber oft gleichbleibende oder steigende Besucherzahlen. Dies hängt mit dem allgemeinen Trend abnehmender Verbindlichkeit zusammen. Auffällig sind die gewaltigen Größenunterschiede der Gemeinschaftsverbände: Der kleinste – Linker Niederrhein – hat gerade einmal 140 Mitglieder und Besucher. Im größten – dem Liebenzeller Gemeinschaftsverband – versammeln sich Woche für Woche rund 19.000 Christen. Angesichts von zahlreichen Verbänden in Deutschland mit weniger als 1.000 Mitgliedern stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, größere Einheiten zu bilden, um die Kräfte besser zu bündeln.

Die Gnadauer Modelle Die Gemeinschaften arbeiten offiziell nach drei Modellen: Die einen verstehen sich als Ergänzung zu einer Kirchengemeinde, indem sie etwa Bibelstunden anbieten (Modell 1). Beim Modell 2 nehmen Prediger im kirchlichen Auftrag auch Amtshandlungen vor: Taufen, Trauungen, Beerdigungen. Bei Modell 3 wird eine Gemeinschaft zu einer Gemeinde der Landeskirche mit vollem geistlichen Programm (Personalgemeinde). In manchen Verbänden gibt es auch Gemeinden, die außerhalb der Volkskirche arbeiten, weil sie sich davon eine größere missionarische Wirkung versprechen. Sie bezeichnen diese Arbeit selbst als „Modell 4“.

Foto: idea

Kaum Austritte aus den Gemeinschaften Christoph Morgner – er stand 20 Jahre bis 2009 an der Spitze „Gnadaus“ – ist nicht überrascht, „dass sich unsere Zahlenlage stabil gehalten hat“. Wo Gemeinschaften heute schrumpften, habe dies ausschließlich biologische Gründe: „Es gibt keine Austrittsbewegung aus den Gemeinschaften.“ Die Zahl von 300.000 Mitgliedern hatte laut Morgner bis nach dem Zwei- Morgner

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P I E T I SM US I N DE U T SC H L A N D

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Asstrid Eichler

miteinander Gott suchen M a n fred Paagel gel Dieter Eg ggauthentische ers Referenten Renattee P Pannen annen lebensnahe Themen Reeen R nate E Eg ggers gg freundschaftlich f freundschaf r e u ndschaft und persönlich Johannes Pannen Christian A. Schwarz Tagung für Singles

„Gott vertrauen, aber wie?“ 29.10. - 31.10.2010 ‡ Wie können wir Gott wirklich vertrauen? ‡ Warum können wir Gott vertrauen und warum nicht? ‡ Wie kann ich neu anfangen, wenn ich mein Vertrauen verloren habe?

mit Astrid

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„Gute Ehen besser machen“ 19.11. - 21.11.2010 ‡ Sich und dem Partner etwas Gutes tun n ‡ Gehaltvolle lebenspraktische Impulse mit Renate + Dieter ‡ Zeit zum Entspannen, Zeit zum Reden Eggers und Zeit für etwas Besonderes, WegGemeinschaft Cuxhaven z. B. Candlelight-Dinner

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„Weihnachten auf dem DÜNENHOF““ 20.12. - 27.12.2010 (Mo. - Mo.) ‡ Stimmungsvoll Weihnachten erleben ‡ Zeit für Begegnungen und Unternehmungen en ‡ Dem begegnen, der Weihnachten als Mensch zu uns kam ‡ Verlängerung über Silvester möglich

„Gemeinsam ins neue Jahr“ 20.12. - 27.12.2010 (Mo. - Mo.)

mit Renate und Johannes Pannen Arbeitstherapeutin, ehem. päd.

Leiter Lobetalarbeit, Celle ‡ Das alte Jahr in Gemeinschaft ausklingen lassen ‡ Silvester an der Nordsee ‡ Perspektiven für das neue Jahr gewinnen ‡ Zeit für Begegnungen und gemeinsame Unternehmungen

Anmeldungen, Infos und weitere Tagungen: In den Dünen 2-4 27476 Cuxhaven

www.duenenhof.org tagungen@duenenhof.org Tel.: 0 47 23 / 71 23-45


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P I E T I SM US I N DE U T SC H L A N D

ten Weltkrieg ihre Berechtigung. Aus den deutschen Ostgebieten seien viele Flüchtlinge in die Bundesrepublik und in die DDR gekommen, die zuvor zu den „starken Gemeinschaften“ in ihrer Heimat gehört hätten: „Das sorgte für einen kräftigen Schub.“ Dass die Pietisten in den letzten Jahrzehnten die Erhebung von Mitgliederzahlen vernachlässigt haben, begründet Morgner mit ihrem gebrochenen Verhältnis zu Statistiken: „Bei uns zählt mehr das Innere, das Geistliche. Mit Zahlen halten wir uns nicht gerne auf.“ Diese Haltung führe mitunter „zum Negieren des Faktischen, ja zur Schönfärberei“. Morgner zufolge gehört es aber auch zum Wesen der Gemeinschaftsbewegung, dass sie sich nicht genau statistisch erfassen lasse. Dies gelte vor allem für die Zahl derjenigen, die durch die diakonische Arbeit erreicht werden.

Verbände mit Mitglieder- und Besucherzahlen 2000

2010

Liebenzeller Gemeinschaftsverband

15.000

19.000

Die Apis – Evangelischer Gemeinschaftsverband Württemberg

13.000

13.000

9.250

12.400

10.000

10.000

Chrischona-Gemeinschaftswerk

6.500

6.500

Evangelische Gesellschaft für Deutschland

6.500

6.000

Landeskirchlicher Gemeinschaftsverband in Bayern

6.000

6.000

Hannoverscher Verband Landeskirchlicher Gemeinschaften

5.600

5.350

Am stärksten wachsen pietistische Gemeinden

Hensoltshöher Gemeinschaftsverband

4.500

5.000

Nach Einschätzung Morgners wachsen vor allem die Gemeinschaften, die sich als eigenständige Gemeinden in der Volkskirche verstehen: „Die Zahl derer, die sich vor Ort in Kirchengemeinde und Gemeinschaft engagieren, nimmt ab.“ Dies bedeute aber nicht, dass sich „Gnadau“ hin zu einer Freikirche entwickle. Morgner: „Wer in einer Gemeinschaft mitarbeitet, tut damit etwas für die evangelische Kirche. Denn wir verstehen uns als Kirche in Form des freien Werkes.“ Damit stimme man mit den meisten Verantwortlichen in den Landeskirchen überein. Im Blick auf die Zukunft empfiehlt Morgner den Gemeinschaften, gute Traditionen zu pflegen und offen für Neues zu sein, etwa was Gottesdienstgestaltung, Liedgut und missionarische Konzepte betrifft. Eine Mischung von Tradition und Moderne spreche auch Jugendliche und junge Erwachsene an.

Evangelischer Gemeinschaftsverband Siegerland-Wittgenstein

4.400

4.200

Württembergischer Brüderbund

4.000

4.000

Evangelischer Gemeinschaftsverband Pfalz

3.500

3.500

Verband der Gemeinschaften in der Ev. Kirche in Schleswig-Holstein

3.250

3.250

Gemeinschaftsverband Sachsen-Anhalt

2.240

2.760

Westfälischer Gemeinschaftsverband

2.800

2.730

Evangelischer Gemeinschaftsverband Hessen-Nassau

2.800

2.000

Gemeinschaftswerk Berlin-Brandenburg

1.770

1.950

Hessischer Gemeinschaftsverband

1.750

1.840

Westdeutscher Gemeinschaftsverband

1.400

1.400

Ohofer Gemeinschaftsverband

1.480

1.270

Mecklenburgischer Gemeinschaftsverband

1.200

1.200

Südwestdeutscher Gemeinschaftsverband

950

1.000

Thüringer Gemeinschaftsverband

1.330

1.150

Evangelischer Gemeinschaftsverband Herborn

3.150

2.330

Starkenburger Gemeinschaftsverband

750

750

1.200

600

Ostfriesischer Gemeinschaftsverband

500

600

Gnadauer Arbeitskreis Hamburg

310

410

Elbingeröder Gemeinschaftsverband

360*

350*

330*

Landesverband evangelischer Gemeinschaften Vorpommern

270*

300*

Gemeinschafts-Diakonieverband Berlin

200*

200*

Präses: Gemeinschaftsbewegung braucht Freiräume Ähnlich äußert sich der neue Präses Diener, der – wie er sagt – im ersten Amtsjahr als „Hörender“ in den Gemeinschaften unterwegs war. Sie wachsen nach seiner Beobachtung dort, wo sie eine einladende, christuszentrierte Verkündigung im Gottesdienst mit spezifischen Gruppenangeboten verbinden, etwa für Kinder, Jugendliche und Familien. Überrascht zeigt sich der Präses davon, dass dies in allen drei Gnadauer Modellen möglich ist. Es sei unerheblich, in welchem dieser Modelle sich die inhaltliche Arbeit einer Gemeinschaft vollziehe – sofern sie ihren Auftrag tatkräftig umsetzt. Im Blick auf den künftigen Kurs der pietistischen Dachorganisation sagt Diener: „Wir werden in Gesprächen mit allen kirchenleitenden Ebenen weiter deutlich machen, dass die Kirchen ihren Wirkungsgrad mit einer innerkirchlich, aber weithin selbstständig arbeitenden Gemeinschaftsbewegung erweitern könnten. Voraussetzung ist, dass wir die entsprechenden Freiräume haben, um unserem geistlichen Auftrag gerecht zu werden.“ P

b www.gnadauer.de, Tel. 0561-20799-0

Landesverband Landeskirchlicher Gemeinschaften Sachsen Süddeutscher Gemeinschaftsverband

Lippischer Gemeinschaftsbund

Stadtmissionsverband Frankfurt

Gemeinschaftsverband Linker Niederrhein

180 140 116.040 121.610

* nur Mitglieder, ansonsten Mitglieder und Besucher Keine Angaben zu Mitgliedszahlen: Berliner Stadtmission, Nederlandse Christelijke Gemeenschapsbond, Oberbergischer Gemeinschaftsverband, Scharnsteiner Bibelkreis

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net F O R U M F Ü R JU N G E C H R I S T EN

Luther und die Geister REFORMATIONSTAG Während evangelische Christen sich am 31. Oktober an den Thesenanschlag Martin Luthers (1483-1546) vor 493 Jahren erinnern, feiern immer mehr das Gruselfest Halloween. Dank des reißenden Absatzes von Kostümen, Spielwaren und Süßigkeiten wurden 2009 rund 200 Mio. Euro umgesetzt. Diskotheken, Kinos u. a. laden besonders junge Leute zu schaurigen Veranstaltungen ein. Doch es gibt auch Alternativen, über die Tobias-Benjamin Ottmar informiert.

F

ür manche Kinder ist Halloween die wichtigste Süßigkeiten-Einnahmequelle des Jahres – neben Karneval. Während der Nachwuchs durch die Straßen zieht und mit dem Spruch „Süßes oder Saures“ bei fremden Leuten bettelt, gibt es auch immer mehr Angebote für die anderen Generationen. So lockt beispielsweise der Movie-Park in Bottrop (Ruhrgebiet) bereits seit Anfang Oktober mit speziellen Aktionstagen bis zu 30.000 Parkbesucher täglich an. In vier Horror-Labyrinthen sollen über 200 Monster-Darsteller die Leute schocken. Im Stadtbad von Leipzig gibt es am Vorabend von Halloween eine GruselParty. Und selbst im sonst für christliche Veranstaltungen prinzipiell sehr offenen Europa-Park in Rust bei Freiburg locken Schocker-Angebote für Groß und Klein.

Wie alles begann… Zur Erinnerung: Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Luther in Wittenberg seine 95 Thesen zur Reform der Kirche. In der Folge entstehen die evangelischen Kirchen. Im Jahr 1667 wird dieses Ereignis zum Feiertag erklärt. Das direkt darauffolgende Fest „Allerheiligen“ am 1. November wurde bereits im Jahr 837 von Papst Gregor IV. als Gedenktag für die christlichen Märtyrer – als „Tag aller Heiligen“ – festgelegt. Damit wollte die katholische Kirche die christianisierten Völker von ihren heidnischen Bräuchen wegbringen. Damals fürchteten die Menschen, dass ihre verstorbenen Angehörigen in der Nacht zum 1. November – dem Vorabend von Allerheiligen („All Hallows’ Eve“, heute umgangssprachlich: Halloween) – in Tiergestalt zurückkehren

könnten. Mit „Gegenmitteln“ wie Feuer oder Masken wollten sie diese Geister vertreiben. Die Angst machenden Gruselmasken und leuchtenden Kürbisfratzen haben bis heute Bestand – auch wenn die meisten Partywütigen die eigentlichen Hintergründe wohl nicht mehr kennen.

Eine gute Alternative zu Halloween:

KirchenNacht lockt 100.000 Leute Doch es gibt mittlerweile auch Alternativangebote: So hat das Evangelische Jugendwerk in Württemberg 2006 die „ChurchNight“ (Kirchennacht) ins Leben gerufen. Während sich im ersten Jahr rund 200 Orte in Württemberg daran beteiligten, machen in diesem Jahr rund 1.000 Veranstalter in Deutschland, der Schweiz und Österreich mit. Insgesamt werden rund 100.000 Besucher erwartet. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen steht das Gleichnis „Vom Schatz im Acker“ (Matthäus 13,44). Das Angebot ist vielfältig: In Ditzingen (bei Stuttgart) können die Gäste nachts in einer Sporthalle auf Klettertour gehen sowie drei Kurzgottesdienste der benachbarten Kirchengemeinde besuchen. In Selters/Westerwald gibt es einen Jugendgottesdienst in einem Fitnessstudio. Auf Initiative der Nordelbischen Kirche werden Bonbons und Kekse mit dem Konterfei des Reformators vertrieben. Wer andere über die Hintergründe von Halloween aufklären will, bekommt bei evangelistischen Initiativen wie „Aktion: In Jedes Haus“, dem Missionswerk Werner Heukelbach oder der Stiftung Marburger Medien entsprechende Infomaterial. P

Lutherbonbons (Tüte ab 1,75 Euro) oder – kekse (Rolle 1,50 Euro), jeweils Staffelpreise: Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche, 0431/55779285, vertrieb@lutherischeverlag.de, www.lutherbonbon.de Evangelistische Faltblätter zu Halloween (kostenlos, Spende erbeten): Aktion: In Jedes Haus, 02195-91560, www.ajh-info.de Missionswerk Werner Heukelbach, 022619450, www.missionswerk-heukelbach.de Stiftung Marburger Medien, Tel.: 0642118090, www.marburger-medien.de

Infos zur „Churchnight“ Evangelisches Jugendwerk in Württemberg, 0711/9781235, churchnight@ejwue.de, www.ejwue.de/churchnight

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Horror-Kostüme – wie diese – werden sogar bei renommierten Kaufhäusern angeboten.


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C H R I ST & BE RU F

Wo Advent im Oktober beginnt WEIHNACHTSBÄCKEREI Für Bäcker in einigen Regionen Deutschlands – besonders in Sachsen – fängt die Weihnachtszeit bereits im Oktober an. Dann beginnen sie damit, die traditionellen Christstollen zu backen. Matthias Pankau und Thomas Kretschel (Fotos) haben einen von ihnen besucht.

Stollen werden erstmals 1329 in Naumburg/Saale erwähnt Jeder Bäcker schwört auf sein eigenes Rezept. Auch Thomas Solbrig bäckt seine Christstollen nach uralten Familienrezepten. Die Geschichte der Bäckerei „Kirchbäck“ in Burgstädt (bei Chemnitz) reicht zurück bis ins Jahr 1578. Noch älter ist allerdings die des Christstollens. Erstmals wird das Gebäck 1329 in Naumburg an der Saale erwähnt. Urkunden aus dieser Zeit belegen die Zinsabgabe der Bäcker an Bischof Heinrich in Form von Christstollen. „Stollen in der Art, wie wir sie heute kennen, gibt es aber erst seit etwas mehr als hundert Jahren“, erklärt der Bäckermeister. „Denn die feinen Zutaten und Gewürze stehen erst seit Ende des 19. Jahrhunderts in ausreichender Menge zur Verfügung.“ Nachdem der Teig durchgezogen ist, kann er geformt werden. Die Backstube verwandelt sich in eine kleine Manufaktur. Ein Mitarbeiter wiegt die einzelnen Teigstücke ab, der nächste formt sie und ein dritter legt sie auf speziell dafür gefertigte Backbleche. Anschließend werden die Stollen eine Stunde lang bei exakt 200 Grad im Steinofen gebacken. Danach lesen die Bäcker die dunklen Sultaninen von den Stollen ab, damit sie den Geschmack nicht verderben. Ist das geschehen, geht´s an die Versiegelung: Das Gebäck wird mit flüssiger Butter eingestrichen und mit Kristallzucker bestiebt. Das schützt vorm Austrocknen. Dass Bäcker wie Thomas Solbrig bereits Anfang Oktober O Oktob mit dem

Stollenbacken beginnen, ist vor allem dem Erfolg des Gebäcks geschuldet. Früher wurde der Stollen der Bedeutung gemäß – er soll nämlich das in Windeln gewickelte Christkind symbolisieren – erst am Weihnachtstag angeschnitten.

Das letzte Stück am Ostermorgen „Und das letzte Stück wurde für den Ostermorgen aufgehoben. So spannte sich der Bogen zwischen Weihnachts- und Osterzeit, zwischen Geburt, Tod und Auferstehung Jesu“, erklärt der bekennende Christ. Heute wird der Stollen fast überall am ersten Advent angeschnitten.

Weltweit begehrt – probiert wird aber erst im Advent Doch nicht nur die Deutschen haben Geschmack an der sächsischen Spezialität gefunden. Längst ist der Christstollen auch im Ausland begehrt – vor allem in den USA. „Viele Kunden verschicken die Stollen per Schiff an Freunde und Verwandte“, sagt Solbrig. Und damit sie pünktlich zum 1. Advent dort sind, müssen sie spätestens Ende Oktober versandt werden. Für Ehefrau Cornelia, die das Geschäft mit leitet, ist es aber befremdlich, schon vor der Adventszeit Weihnachtsgebäck zu essen. Und sie ermuntert die Kunden, das immer früher einsetzende Weihnachtsgeschäft mit ihrem Kaufverhalten zu steuern: „Wenn im September und Oktober kaum Weihnachtssachen gekauft würden, kämen sie im nächsten Jahr auch erst später in die Geschäfte.“ Und noch ein Anliegen hat das Bäckerpaar, das sich nicht nur in der Kirchgemeinde, sondern auch in der Christlichen Bäcker- und Konditorenvereinigung engagiert. Es möchte seinen Kunden etwas über den Inhalt von Advent und Weihnachten vermitteln. Deshalb gibt es jedes Jahr eine „Kundenzeitung zur Weihnachtszeit“, die kostenlos abgegeben wird. – Auch wenn man jetzt schon Stollen bäckt – gegessen wird er noch nicht. Solbrig: „Bei uns gibt’s das erste Stück am Samstag vor dem ersten Advent nach dem Posaunenblasen auf dem Marktplatz.“ P

Leipzig

A13

A14

Sachsen

Bäckermeister Solbrig muss bereits Anfang Oktober mit dem Stollenbacken in seiner Bäckerei in Burgstädt beginnen.

Burgstädt Chemnitz

A4 A72

Dresden A17

Foto: idea/Kretschel

Behutsam tragen Bäckermeister Thomas Solbrig und seine Mitarbeiter die Zutaten zusammen – Weizenmehl, Butter, Mandeln, feines Zitronat und Orangeat, Gewürze und Sultaninen, die 24 Stunden zuvor in Rum eingelegt wurden. Nach und nach werden alle Zutaten in eine Schüssel gegeben und von einer ebenso riesigen Rührmaschine durchgeknetet. Dann wird die Schüssel zugedeckt. Jetzt muss der Teig nämlich erst einmal durchziehen, damit sich die Aromen richtig entfalten.

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PORTRÄT

„Ich will Zeuge sein von Gottes Gnade“ ENTSCHEIDUNG Wie aus einem spielsüchtigen Moslem ein überzeugter Christ wurde. Ein Bericht von Stefanie Niederhäuser. Das Leben von Yusuf Engin aus dem schweizerischen Wattwil (Kanton St. Gallen) hat eine radikale Kehrtwende genommen: Aus dem spielsüchtigen Moslem wurde ein überzeugter Christ, der Gemeinschaft mit türkischsprachigen Christen pflegt. Doch der Weg dahin war steinig und lang.

Der Tod als letzter Ausweg In der Türkei geboren, wächst Engin als Moslem auf. Als Jugendlicher zieht er mit seinen Eltern in die Schweiz. Mit 25 heiratet er die Schweizerin Christine. Bald belasten Geldsorgen die junge Ehe. Um an Geld zu kommen, flüchtet Yusuf ins Glücksspiel. „Ich kam nur zum Schlafen und Essen nach Hause, den Rest der Zeit verbrachte ich mit Arbeiten und dem Glücksspiel.“ Während er Tag für Tag neue Schulden auf sich lädt, verändert sich auch seine Frau: Sie hat sich bei einer Evangelisation für ein Leben als Christ entschieden. Davon weiß ihr Mann aber nichts. Als die Schuldenlast ihn zu erdrücken scheint, sieht er keinen anderen Ausweg als den Tod. Am Abend bevor er sich das Leben nehmen will, kommt ihm in den Sinn, was er vom Islam kennt: „Ein Mensch darf sich nicht töten.“ Er betet zu Al-

lah: „Selbstmord ist meine einzige Lösung. Bitte vergib mir.“

Veränderung über Nacht Als Yusuf am Morgen aufwacht, ist er verändert: „Die Suizidgedanken waren weg.“ Auch seine Frau bemerkt die Veränderung. Als er ihr erzählt, dass er gebetet hat, sagt sie: „Yusuf, das kann nicht Allah gewesen sein. So kann nur Jesus helfen.“ Von Jesus weiß Yusuf bis dahin nichts. Doch er willigt ein, mit ihr zu beten, geht sogar mit zu einem Glaubensseminar – ihr zuliebe. Bei einem Gespräch mit Freunden über den Glauben bleibt Yusuf an dem Vers aus Johannes 10,30 hängen: Ich und der Vater sind eins. „Dieses Wort Jesu drang in mein Herz, und ich konnte akzeptieren, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist“, erinnert er sich. An diesem Tag betet Yusuf erstmals zu Jesus. Fortan will er bewusst als Christ leben. Die Familie findet Anschluss in der Chrischona-Gemeinde in Romanshorn. „Meine neuen Freunde rieten mir, nicht mehr in das Restaurant zu gehen, wo ich spielte. Doch ich dachte: Ich bin stark mit Jesus, ich falle nicht in das alte Leben zurück.“ Eines Tages spielt er kurz für einen Kollegen. „Plötzlich war die Sucht wieder da.“ Spielautomaten, Spielkasinos prägen

fortan seine Nächte – schlimmer als vor der Bekehrung. „Sonntags ging ich zur Gemeinde, mittwochabends zur Bibelstunde, die anderen Abende verbrachte ich mit Glücksspiel.“ Die meisten geben die Hoffnung auf. Seine Frau aber betet mit Freunden beharrlich für ihn. In einer Fastenwoche bittet auch er Jesus um Befreiung von seinen Süchten. „Nach dem Gebet hat Christus mich befreit vom Zigarettengenuss und der Spielsucht.“ Das war Anfang der 90er Jahre.

Reich beschenkt Seitdem hat sich Yusuf Engins Leben komplett geändert. Er führe heute ein glückliches Familienleben, sagt der 56-Jährige. Auch seine vier Kinder seien Christen geworden. Der Gruppenleiter in dem sozialdiakonischen Werk „Wendepunkt“ erlebte Gottes Hilfe auch ganz praktisch: „Meine Frau erhielt die Verheißung, dass wir alles zurückerhalten, was uns durch meine Spielsucht geraubt wurde – das wäre heute ein Betrag in der Höhe von etwa 150.000 Franken (112.000 Euro). Es traf ein!“ P

DAS WORT DER WOCHE » Man darf Muslimen nicht vorwerfen, dass sie mit leuchtenden Augen über ihren Glauben sprechen, wir aber nicht in der Lage sind, mit noch leuchtenderen Augen von unserem Glauben zu reden ... Sprechen Sie mit fröhlichem Herzen vom ‚C’! « Die Vorsitzende der CDU, Bundeskanzlerin Angela Merkel, bei einer Regionalkonferenz ihrer Partei am 6. Oktober in Wiesbaden ideaSpektrum 41.2010


DI E K LE I N E K A NZ E L

»Aber an den meisten von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie wurden in der Wüste erschlagen.«

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Pastor Uwe Holmer (Serrahn/Mecklenburg), bis 1991 Leiter der Diakonischen Anstalten Lobetal (bei Berlin). Weltbekannt wurde er, als er den 1990 obdachlos gewordenen ExDDR-Staatsratsvorsitzenden Honecker und dessen Frau aufnahm.

Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth (10,5)

Foto: idea/Kretschel

Ein warnendes Beispiel – auch für heute! Ein merkwürdiger Bibeltext! Noch nie habe ich eine Predigt darüber gehört. Und doch ist dieses Bibelwort wichtig. Denn es ist der Schlüsselvers zum Verständnis des ganzen Abschnittes im 10. Kapitel des ersten Korintherbriefes. In ihm lenkt der Apostel Paulus den Blick auf die Israeliten in der Wüste. Die Korinther sollen in ihnen ein warnendes Beispiel erkennen. Paulus führt ihnen mit tödlichem Ernst vor Augen: Man kann verloren gehen, obgleich man zum Volk Gottes gehört, man kann „erschlagen“ werden, obgleich man getauft ist. Mit „tödlichem Ernst“? Ja, denn es geht hier um Leben und Tod, um die Vollendung unseres Lebens in seliger Gemeinschaft mit Gott oder um ein Vegetieren in selbstverschuldeter, ewiger Gottesferne. Offenbar hatte der Apostel bei etlichen Christen von Korinth eine gefährliche Selbstsicherheit bemerkt. Sie nannten sich zwar Christen, aber ihr

Herz war weit weg von Christus. Ihre Theologie war liberal, liberal gegenüber der Sünde. Sie brachten es fertig, so ziemlich jede Gottlosigkeit zu rechtfertigen mit einer selbsterteilten billigen Gnade und mit dem Bild von einem Gott, der alles erlaubt.

Ich will aber viel lieber zu dem alten Gott gehören Paulus schreibt: Die Götzendiener, die Unzucht treibenden, die Murrenden und Meckerer „wurden umgebracht durch den Verderber. Solches widerfuhr jenen als ein Vorbild. Es ist aber geschrieben uns zur Warnung“. Vielleicht kam sich die Gruppe in Korinth, um die Paulus hier ringt, sehr modern vor. Sie passten ja tatsächlich viel besser in ihre Zeit und in ihre zuchtlose Umwelt. Ich will aber viel lieber zu dem alten Gott gehören, der auch heute hochmodern ist. Ich will mich von dem Apostel warnen lassen. P

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Spektrum l idea

Nr. 41

13. Oktober 2010

G 7405

Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt

Was ist denn christlich an

ÂŤCalaspiaÂť?

Suresh und Jyoti Guptara Ăźber den dritten Band ihrer Fantasy-Trilogie Seite 8: ÂŤLausanne IIIÂť

Ungerechtigkeit beim Schweizer Delegation Berner Konferenz-Mahl mit grosser Erwartung Seite 9: Evangelisation

Seite 24: Religionen

42 Tage leben fĂźr die Freunde und fĂźr Jesus

Ist der Islam gut fĂźr unsere eigene Kultur?

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Seite 7: StopArmut

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