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OPA OPUS A collection of work

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“Die Sitte, das zum Leben Nothwendige mit Anmuth zu zieren, ist so alt wie die Menschheit... Dem kindlichen Menschen ist es notwendig, all sein Thun mit Anmuth zu zieren, jedem Geräth ein Ornament zu verbinden, das ein Ausdruck seiner Lust und Phantasie ist und das Geräth aus der Sphäre des rohen Bedürfnisses heraushebt. Es ist ihm so nothwendig, wie das Bild in der Rede, wie Poesie und Gesang neben der Prosa, wie Gemüth und Phantasie neben dem Verstand, es ist wahrhaft menschlich, unter den Anforderungen des Bedürfnisses nicht die Freiheit und den Schwung des inneren Lebens ersterben zu lassen.” Aus: Geräthe und Broncen im Alten Museum, dargestellt von Dr. C. Friederichs, Professor an der Universität und Director am Antiquarium des Königl. Museums in Berlin. Düsseldorf, Verlagshandlung von Julius Buddeus, 1871.

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Heron head, juniper, 17cm

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Einleitung

Der künstlerische Impuls ist uralt: schon unsere Steinzeit-Vorfahren hatten das Bedürfnis, Gemälde und Kunstgegenstände zu erschaffen. Ausdrucksstarke Tier- und Frauenfiguren zeugen von dem ästhetischen Empfinden der Ur-Künstler, die unzählige Stunden mit primitivsten Werkzeugen handschmeichelnde Formen aus Elfenbein und Stein herausarbeiteten. Genau so ausdauernd wie seine Steinzeit-Vorgänger hat Detlef Bieger seit Jahrzehnten an verschiedenen kunstvollen Gegenständen gearbeitet, mit Messern schnitzend und mit Schleifpapier beharrlich reibend, in stiller Selbstreflexion oder im tiefgründigen Gespräch mit Freunden und Familie. Holz, Stein, Ton und Knochen, gelegentlich auch eigens gegerbtes Elchleder: diverse Medien regen ihn zum Schaffen an. Stets ist sein Bedürfnis, aus den Rohgegenständen herauszuarbeiten, was er bereits in ihnen sieht, nicht, ihnen eine künstliche Form zu erzwingen. Die verwachsenen Wurzeln eines jahrhundertealten Wachholderstrauchs enthalten einen Vogel, oder ein Instrument, oder ein Ornament; ein Stück Seifenstein birgt eine Zwerg-Frau; in einem auf Reisen aufgelesenen Stück Holz befindet sich ein Fabelwesen; ein Fragment eines gefundenen Walknochens ergibt eine Schneebrille. Steinzeitliche Kunstmotive und -formen sowie die Kunst von noch existierenden Kulturen (z.B. der kanadischen und australischen Ureinwohner) sind in Detlefs Arbeit unverkennbar. Es wäre aber ungerecht, von einer “Appropriation” zu sprechen, da Detlef selbst seit frühester Kindheit von diesen Kulturen fasziniert ist und seine Arbeiten auf eine Bemühung deuten, an diese Ur-Traditionen anzuknüpfen und darin seine eigenen Sprache zu finden. Jeder der aufwendig erarbeiteten Gegenstände ist Ausdruck von Detlefs Kreativität und zeugt von einem fortwährenden künstlerischen Impuls, der fruchtbar ist und ein Leben füllen kann. Wer diese Kunst in die Hand nimmt, fühlt, warum sie entstanden ist.

Introduction Back in the Stone Age our ancestors were already exhibiting a need to create art. Graceful animal figurines and voluptuous female statuettes attest to the aesthetic vision of ancient artists who, in countless hours and with the most primitive tools, fashioned objects out of stone and ivory that pleased their hand and eye. Like his Stone Age ancestors, Detlef Bieger has been creating artful objects for decades, carving with simple tools and patiently sanding with scraps of sandpaper, both in contemplative solitude and in thoughtful conversation with friends and family. Wood, stone, clay, bone, moosehide, and other materials inspire him. His prime motive is always to reveal what is already present in the raw materials, not to impose an artificial form. The contorted roots of a centuries-old juniper may give birth to a bird, or an instrument, or an ornament; a piece of soapstone hides a gnome; a fragment of wood brought back from a trip gives rise to a letter-opener; a section of whale bone gleaned on the beach contains snow goggles. Prehistoric motifs and shapes as well as themes from extant cultures (for example, Canadian or Australian aboriginals) are unmistakable. To call this “appropriation” seems unjust, as Detlef, who has been drawn to Stone Age cultures since childhood, seeks to understand them and find his own language within them. Each patiently crafted object is an expression of Detlef’s creativity and a demonstration of his continuing artistic impulse, which is fruitful and fulfilling. When you take this art in your hand, you can feel why it was made.

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Geburt

1939

Kindheitsprägungen auf plattdeutschem Dorf: Feld, Wald, Kuhlen, Ostseestrand, Landleute, Gutsleben, Flüchtlinge; Kriegsniederlage

Schulzeit in der Stadt: bündische Jugend, Zeichen- und Musikunterricht, Fahrten, Jazzmusik; Natur beobachten; Sammeln von Vogelfedern

1939-1951

1951-1959

Werden eines Gingunganz (von Knickebuehl gen Entenbrecht)

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Studienzeit: Amateurjazzer; Naturwissenschaft/ Medizin, Vorgeschichtsspurensuche, neolithische Funde

1959-1965

Frühe wissenschaftliche Laufbahn: “Homo-faber”-Forschungen im Pharmakologielabor, eigenes Familienleben, Auswanderung in Neue Welt; archäologische Streifzüge, Gitarrenspiel (Frühbarock, Laute)

1965-1969


Spätere Phasen und Einflüsse: archäologische FeldwanSchnitzen von Wan- derungen, Freundschaft derstöcken, Hölzern mit Henry Godfrey (Kunsund Knochen - ein thandwerker, Maler, Jäger, Wachhalten von Schamane), Gebrauchskunst frühen Erinnerungs- der Dorsets; Ethnologien; bildern; Holzlöffel Schnitzwerkerei; steinzeitliche Wandmalerei, Skulptur, Werkzeuge; Idole; Mesolithikum als Leitgedanke Vinlandsagas 1970 1980

Repertoire erweitert auf Lehm, Ton, Talkstein, Walbein, Wurzeln, Knollen; Löffel, Masken, Statuetten, Rumpfe, Köpfe und versteckte Naturformen

1990

Andauernde Beweggründe: Anwallungen von Machenwollen verstärkt durch nachlassende musikalische Übung und melancholische Tendenzen

2000

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Anfänge

Detlefs Kindheit auf dem kleinen Dorf Schmoel in Norddeutschland war stark von den überwältigenden Ereignissen der Kriegs- und Nachkriegszeit geprägt. Aber ein Stück Landidylle hat er sich daraus bewahrt. Seine Streifzüge über Felder, durch Wälder und am Strand entlang haben für sein ganzes Leben den Ton angegeben. Das früheste Foto von Detlef zeigt ihn neben der Mutter, im Spielhöschen, einen großen Wanderstab in der Hand - Beweis einer lebenslänglichen Beschäftigung mit Handstöcken. Detlefs kindische Beobachtungen und Sammlungen entsprangen einer Faszination für die Urzeit, die früh zur Nachahmung der Kunst der Urmenschen führte. Schon damals sammelte er Pfeilspitzen und machte sich einen Spaß daraus, andere mit eigenen Anfertigungen hereinzulegen. Schon damals zeichnete er Gegenstände und Masken aus dem ethnologischen Museum und schuf eigene Figuren und Gefäße aus Ton und Stein. Und schon damals sammelte er Federn und ungewöhnliche Fundstücke aus der Natur.

Clay bowl, 5cm

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Clay pouch, Conception Bay Cambrian mud, 7cm

Clay bowl, Schmoel clay, 6cm


Female figurine, clay, 12cm

Beginnings

Detlef’s childhood in the northern German seaside village of Schmoel was strongly overshadowed by the events of World War II and its aftermath. Nevertheless, the fields, woods and beaches that Detlef explored during his formative years created a nostalgic backdrop for the rest of his life. The earliest photo of Detlef shows him beside his mother, wearing a romper and holding an oversized walking stick - proof of a lifetime affinity for canes.

Female torso, lignite, 5cm

From childhood, Detlef was fascinated with the prehistoric world and began to draw creative inspiration from the Stone Age. He enjoyed finding arrowheads and stone implements and occasionally creating fake artefacts in order to fool friends and family members. Visits to the local ethnological museum inspired him to make sketches in a notebook and to create his own clay figurines and vessels. And from earliest childhood he collected feathers and other natural artefacts.

Small head collection, wood and clay, 7-8cm

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Walking stick collection


Ceremonial staff (detail), sperm whale jaw, 95cm

Gehstock Der Schlangenstock (unten links), Wanderstock Nr.1, stammt aus Killaloe, Ontario, wo Detlef ihn in den frühen 70er Jahren mit seinem langjährigen Freund Henry Godfrey aufgrund seiner Biolumineszenz (Hallimasch-Befalls) entdeckte. Der gefährliche Schlangenkopf mit weit aufgerissenem Mund und großen scharfen Zähnen, mit dem Taschenmesser geschnitzt, erinnert an Wikingerkunst. Der Schlangenstock begleitete unsere Kindheit. Jeden Sonntag war er im Einsatz, wenn wir in Illinois den obligatorischen Spaziergang durch Wald und Feld machten. Mit dem Stock legte unser Vater Wege von Poison Ivy und anderen Hindernissen frei, stöcherte er in Löchern, stöberte er nach Pilzen, wendete er interessante Steine. Der Stock war wie

ein drittes Bein, ein Elefantenrüssel, und zur Not eine Waffe gegen wilde Tiere. Und er war stets Detlefs besonderes Kennzeichen. Nach unserer Ankunft in Neufundland war der Schlangenstock noch eine Zeitlang auf Strand-, Moor- und Felswanderungen im Einsatz, doch bei jedem Spaziergang entdeckte Detlef weitere robuste und schöne Äste, die ihn ansprachen. Weil er mehr Zeit zum Schnitzen und Schleifen hatte, entwarf er eine ganze Kollektion. Jeder Stock hat seinen eigenen kunstvollen Schliff. Zu jedem Stock gibt es eine Geschichte: wo, wann, wie, mit wem er gefunden wurde. Und jeder Stock ist mal Streckenbegleiter von Detlef gewesen.

Cane head (detail), withrod

Walking Stick

The snake stick (bottom left), Walking Stick No.1, comes from Killaloe, Ontario, and was collected in the early ‘70s, when Detlef and his friend Henry Godfrey (artist, hunter, and shaman) spotted it due to its infection with a bioluminescent fungus (Armillaria sp.). Carved with a pocketknife, the snake head with its gaping mouth and sharp fangs is reminiscent of Viking art. The snake stick accompanied our childhood. It was in use every Sunday on the obligatory walk through the forests and fields of Illinois, where our father used it to clear paths of poison ivy and other obstacles, to prod interesting holes, to poke about for mushrooms, to turn over interesting stones. The stick was used as a third leg, an elephant’s trunk, and an emergency weapon

Proto cane (detail), hop hornbeam

against wild animals. And it was always his distinguishing feature. After our arrival in Newfoundland the snake stick enjoyed continued use on beach, bog and upland hikes, but on every excursion our father discovered other robust and beautiful branches that appealed to him. Having more time for carving and sanding, he began to amass a collection of walking sticks. Each stick has its own polished personality. Each stick has a story: how, when, where, with whom it was found. And each was a companion for a while on Detlef’s journeys.

Royal head, whale jaw walking cane head (detail), 8cm

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Large tripod, cherry, 120cm


Tripod candle holders: ground juniper, maple, apple, 11-25cm

Animal double candle holder, pyrophyllite, 12cm

Forked candle holder, elder, 27cm

Outhouse lamp holder, willow, 24cm

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Spoons: apple, birch, cherry, maple, poplar, nanny berry, swamp oak, 19-63cm

Löffel Detlefs erster selbstgeschnitzter Löffel entstand in den 50er Jahren auf einer Pfadfinderexkursion an die Aller (Sachsen) und wurde zum Essen benutzt. Der nächste entstand in den Siebzigern bei einem Campingausflug mit Detlefs Frau Mette und war für die Haferbreizubereitung am Feuer bestimmt. Dieser Löffel bekam anschließend einen festen Platz in der Küche und wurde, trotz Brandspuren und Stielkrümmung, noch

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viele Morgen eingesetzt. Angespornt durch diesen Erfolg kreierte Detlef weitere nützliche Löffel, die mit der Zeit immer spezialisierter wurden, z.B. die Kelle für eine Einzelportion Haferflocken und der Schnabellöffel zum Abschmecken von Soßen (beide abgebildet). Dieser Trend gipfelt in Löffeln von hoher Ästhetik, aber dubiosem Gebrauchswert: eindeutig Kunst.


Letter openers, Baja ironwood, 21cm

Spoonarama, lilac, 10 cm base

Spoons Detlef’s first carved spoon, created in the 1950s during a Pfadfinder (Boy Scout) expedition along the Aller in Saxony, was a primitive eating and serving utensil. His next spoon was created during a camping excursion with wife Mette in the ‘70s when the need arose for a campfire porridge-stirring implement. This spoon, despite scorch marks and a rather warped handle, continued to serve honorably for many mornings in the kitchen. Inspired by this artisanal triumph, Detlef embarked on a series of spoons which became increasingly specialized. Notable implements are a ladle for the measurement of a single serving of rolled oats and a beaked spoon for sampling sauces (both illustrated). The culmination of Detlef’s work are spoons whose aesthetic value transcends their utility: unquestionably art.

Ladle, pin cherry, 31cm

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Surfer, sycamore root on cherry, 25cm

Ist es eine alte Frau, eine Innu-Oma, die uns da entgegenblickt? Ihre hohen Wangen und flache Nase deuten auf solche Abstammung. Warum steht sie denn im Neoprenanzug auf einem Surfbrett? Ist es vielleicht doch ein junger Mensch? Oder vielleicht eine Totem-Figur? Dieses kleine Schnitzwerk aus den frühen 70er Jahren besitzt viele typischen Merkmale eines Detlef-Oeuvres, nämlich: Besonderer Holzfund aus der Natur: hier eine zusammengewachsene Zweigkreuzung Hervorheben der Holzeigenschaften: Rinde und Maserung sind beide wichtig Kombination von zwei Komponenten, die zueinander “gefunden” haben Liebe zum Detail: hier ein daumengroßes Gesicht mit ausgeprägter Physiognomie Prähistorisches Anmuten: der Gegenstand erinnert an eine Totemfigur Verspieltheit: die Figur erscheint “zufällig” und regt die Fantasie an

Is this an ancient Innu woman smiling at us? Her high cheekbones and flattened nose suggest such an ancestry. Why is she wearing a neoprene suit and balancing on a surfboard? Perhaps it is an androgynous young person after all? Or a totem figure? This small art piece, created in the early ‘70s from a piece of wood collected along the Sangamon River, perfectly exemplifies a number of the characteristics of Detlef’s work, namely:

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Unique found piece of natural wood: here a fused branch crossing Highlighting of natural wood surfaces: bark and wood grain are both important Combination of two different pieces that have “found” each other Attention to detail: here, the one-inch face has distinctive features Prehistoric appearance: the object is reminiscent of a totem figure Playfulness: the figure seems impromptu and inspires the viewer’s own imagination


Pfeifen Früher hatte Detlef noch Freude daran, ab und zu eine Pfeife zu rauchen. Daher lag der Gedanke nahe, aus schönen Holzstücken Pfeifen herzustellen. Detlefs charakteristische Materialkombinationen (Holz, Horn, Metall) sowie eigene Innovationen zur Kühlung (Holey pipe) sind bemerkenswert. Gebraucht wurden die abgebildeten Pfeifen selten: sie sind eher zeremonieller Natur.

Holey pipe, pyrophyllite, 17cm

Pipe: apple, deer antler, copper, 43cm

Pipes

Back in the ‘60s and early ‘70s, Detlef still occasionally enjoyed smoking a pipe, so the idea of turning an attractive piece of wood into a smoking implement was obvious. Noteworthy features of Detlef’s pipes are their interesting combinations of materials (wood, antler, metal), as well as innovations such as cooling technology (holey pipe). In general, these pipes enjoyed limited use and are more of a ceremonial nature.

Pipe: apple, juniper, 23cm

Pipe: deer antler, beech, 17cm

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Catfish, pyrophyllite, 15cm

Specksteingegenstände Falcon, pyrophyllite, 7cm

Auf Wochenend-Spaziergängen in den frühen 80er Jahren erkundete Detlef mit Familie eine Talkgrube. Mit Geduld fand man dort apfelgrüne Stücke Pyrophyllit, die solide genug waren, dass man daraus Tiere und andere Wesen schnitzen konnte. Die Specksteinphase endete, als die Grube weniger zugänglich wurde.

Soapstone Objects

On weekend walks in the early ‘80s, Detlef and family enjoyed exploring the talc mines in Conception Bay South. With a bit of luck one could find attractive green-coloured pieces of pyrophyllite that were solid enough to carve into animals and mythical creatures. The soapstone phase ended when access to the mine became difficult.

Schiff geladen candle holder, pyrophyllite, 34cm

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Chukar partridge, pyrophyllite on apple wood, 15cm


Toad man, pyrophyllite, 4cm

Hermit and Simplicissimus, pyrophyllite, 27cm

Gnome dame, pyrophyllite, 21cm

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Kunst aus Walknochen Im Laufe der Jahre hat Detlef einige Wal-Kieferknochen vom Strand aufgelesen. So entstanden unter anderem Werkzeuge, Bär, Wal, Walross und Beluga. Die Tiere beäugen uns mit vorwurfsvollem Blick. Ist es “Appropriation”, wenn ein Nicht-Eingeborener die künstlerische Sprache der Eingeborenen lernt und ausübt? Oder ist es gut, dass die Kunst der Ureinwohner Kanadas noch Einfluss hat? Auf jeden Fall ist hier nicht ein bloße Nachahmung der einheimischen Kunst, sondern ein Dialog des Künstlers mit den Ureinwohnern unverkennbar (Introspective X-Section).

Komboloi, whale bone, 15cm diameter

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Walrus, sperm whale jaw, 5cm

Beluga, sperm whale jaw, 10cm

Hooks, whale jaw, 8cm

Pothead beater, whale jaw, 32cm


Pendant, whale jaw, 12cm

Whale Bone Art

Bear, sperm whale jaw, 10cm

Over the years Detlef has retrieved several whale jawbones from the beaches of Newfoundland. Various art pieces, including bear, beluga, walrus, and whale are products of these finds. The animals have a reproachful gaze. Have they been “appropriated” because they were created by a non-indigenous person who has tried to learn the language of the natives? Or could one celebrate that the art of indigenous Canadians continues to inspire? In any case, Detlef’s whale bone art is clearly not mere reproduction of “commercial” art, but an artistic dialogue with indigenous themes (Introspective X-section).

Inukshuk family, sperm whale jaw, 7-11cm

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Salmon jumping hook sinker, whale jaw, 5cm

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Snow goggles: whale jaw and caribou antler, 12-14cm


Introspective X-section, sperm whale jaw with mirror, 11cm

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Ribbed grampus pencil holder, tamarack, 34cm

Foot massagers: maple, laburnum, tamarack, 28-41cm

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Fluted pencil holder, tamarack, 18cm


Twisted roots, ground juniper, 27cm

Verdrehtes

Air plant holder, ground juniper, 24cm

Pendulum II, juniper with dolphin osseous labyrinth, 24cm

TWISTED tHINGS

Twisted trough, birch and tropical wood, 12X28 cm

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Pendulum I, juniper with crystal on beech and gum, 48cm

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Eggy owl, ocotillo, 23cm

Owls, willow, 30cm

Ugly birds, starrigan, 8cm

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Wood and bone flutes: elder, Okavango, gull, eagle, mesquite 9-26cm

Ugly stick: birch, moose bell, bells, 200cm

Instrumente

Monochord, ground juniper, 34cm

28 Bird call, dogberry and red alder, 18cm

Seit der Urzeit haben die Menschen Gegenstände genutzt, um Klänge zu erzeugen. Auch der Musiker Detlef (Gitarreund Klarinettenspieler, Jazz-Liebhaber) hat die Idee des klingenden Holz aufgegriffen. Die hier abgebildeten Instrumente zeigen diverse Ideen, wie man dem Holz einen Ton entlocken kann. Flöten aus Holz und Knochen entstammen einer langen Ur-Tradition, die Elch-Lock-Hörner ähneln antiken Vorbildern aus Muscheln und Hörnern. Der Vogellocker mit quietschender Drehscheibe ist eine Detlef-typische Kombination zweier Gegenstände, die gemeinsam einen neuen, nicht unbedingt anfangs vorgesehenen Sinn haben. Der Ugly Stick ist eine Variante des neufundländischen Traditionsinstruments, das normalerweise ein mit Kronkorken und Schuh ausgerüsteter Besenstiel ist. Und der Monochord ist eine echte Detlef-Erfindung: das primitivste Saiteninstrument der Welt. Zu all diesen Instrumenten steht eines fest: wenige außer Detlef sind in der Lage, die verschiedenen Instrumente zu spielen, der Künstler selbst kann aber erkennbare und sogar schöne Melodien erzeugen.


Instruments Moose caller I, tamarack, 33cm

Since the Stone Age, humans have used objects to make sounds. As a musician (guitar and clarinet player, jazz aficionado) Detlef too has occupied himself with the idea of making wood “sing”. The instruments pictured here illustrate a variety of means by which wood can be given a voice. Wood and bone flutes are derived from an ancient tradition, while the moose callers are reminiscent of antique instruments made of seashells or animal horns. The bird caller with its squeaking twistable ring is a typical Detlef creation, in which two separately crafted objects “find” each other. The ugly stick is a fancy version of the traditional Newfoundland instrument usually made of a broomstick decked out with bottle caps and a shoe. And the monochord, the world’s most primitive stringed instrument, is a prototypical Detlef innovation.

Moose caller II, tamarack, sterigan, 37cm

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Scotian woods ear, maple, 22cm


Watchful cyclops, beech, 9cm

DIE BÄume Horchen

Stump face, willow, 18cm diameter

Eyed thumb, withered, 18cm

Während wir die Natur betrachten, hört und sieht uns auch die stumme Natur. Es gibt Augen und Ohren in den Bäumen, es gibt Gesichter in Baumscheiben, und manchmal gibt es sogar Daumen mit Augen. Solche Dinge erkennen wir schon als Kinder, und die Tatsache, dass Detlef solche Fundstücke ständig sammelt und poliert, beweist, dass er nach wie vor kindische Freude an seiner Kunst hat.

THE hills have eyes While we observe nature, Nature is also watching and listening to us. There are eyes and ears in the trees, faces in tree stumps, and sometimes even thumbs with eyes. These things are apparent to children, and the fact that Detlef still collects and polishes such pieces found in nature proves that he continues to have childish pleasure in his artistic endeavours.

Gargoyle, willow, 14cm

Beaked troll, tamarack, 22cm

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mehrdeutiges

Owlfish, starrigan, 20cm

Mit jedem Fundstück ist verschiedenes machbar: der Künstler trifft Entscheidungen und engt dadurch die Sichtweise ein. Aber wenn Detlef viele anregende Eigenschaften im Holz sieht, wie Buckel, verrottete Stellen, oder merkwürdige Maserung (nach Detlef “Krummheiten”), dann will er sie oft möglichst alle nutzen, um die endgültige Form zu erhalten. Die hier abgebildeten Stücke, entstanden über Jahrzehnte, verdeutlichen, wie Detlefs künstlerischer Blick stets mit dem Holz in Wechselwirkung ist und dabei vielfältige Motive ans Licht gebracht werden. Ob die Tiere und Fabelwesen, wie Detlef oft behauptet, im Holz “verborgen” waren oder ein Produkt von seiner Fantasie sind, bleibt ein Rätsel. Das Schaffen empfindet Detlef stets als erfüllend, denn ist der Gegenstand fertig, ist er tot. Man kann ihn dann noch ausstellen, aber er beschäftigt einen nicht mehr. Schöner ist es wenn man ihn immer wieder in die Hand nehmen kann und daran weiterarbeitet.

Shape shifter figurine, Pacific briar, 21cm

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Tundra fruit/limicole, tamarack, 7cm

Multi-motif bird figure, Namibian mopane wood, 7cm

Multi-motif Figures

Every found object has a variety of interpretations; the artist chooses which aspect to highlight and thus determines what we see. But when Detlef finds wood that has a number of interesting features such as bumps, rotten sections, or intriguing grain, he often decides that all of them are worth preserving and showcasing in the final product. The objects shown here, created over a number of decades, demonstrate how Detlef’s artistic vision engages in a dialogue with the wood. The material influences him as he tries to shape it, generating multiple motifs. It remains a mystery whether, as he claims, the animals and mythical creatures preexisted in the wood and he only brought them to life, or whether they are actually the product of his imagination. To Detlef, this creative work is fulfilling, as once an object is finished, it is dead. The piece can be put on display, but it is no longer a source of (pre-)occupation. It’s more satisfying when you can keep picking it up and working on it.

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Elchleder 1976, in Illinois, war Detlefs erster Gerbversuch. Damals war es eine Büffelhaut, die mit verschiedenen Salben, teils durch Kinderfüße eingestampft, haltbar gemacht werden sollte. Leider schlug der Versuch fehl, die Haut stank und verrottete. 2010 gelang es Detlef, Teile eines Elchfells nach der Jagd zu bergen und auf althergebrachte Weise zu Leder zu verarbeiten. So ging sein Traum endlich in Erfüllung, wie die Urmenschen Kleidung aus Tierfell zu machen. Schnitzschürze, Tonbandgerät-Täschchen, Zipfelmütze und Staubwedel zeigen ungewöhnliche und verspielte Verwendungen von diesem sehr steifen Medium.

Moose Hide Back in 1976 in Illinois, Detlef made his first attempt at tanning a buffalo hide. Various lotions and potions were massaged into the hide, partly by means of children’s feet, in the hopes of preservation. Alas, the hide stank and rotted away. In 2010 Detlef salvaged some moose hide from a hunting expedition and tanned it successfully using a more conventional method. At last his dream of making clothing out of animal skins, as the cave people had done, could be realized! A carver’s apron, pouch (for his sound recording device), peaked cap, and moose-hair duster are the unusual and playful outcome of his labor with this tough medium. Carver’s apron, moose hide

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Peaked cap and pouch, moose hide, 17cm

Duster, withrod, moose withers, brass, 45cm


Neptuna, willow stump, 32cm

Urtegriet, pyrophyllite, 9cm

Maori ornament, pyrophyllite

Red bill, alder 15cm Juvenile Moai, willow, 48cm

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Echo aus Oseberg

Schon als Kind war Detlef von Wikingern fasziniert, und seine jüngsten Werke (2017) beschäftigen sich erneut mit dieser Kultur. Fundstücke aus den Schiffsgräbern in Oseberg und Haithabu dienten als Vorlage für Viking Prowhead und Oseberg Decorations. Hier hat sich Detlef selbst herausgefordert, denn die Schnitzkunst der Wikinger war auf hohem Niveau. Seine nachempfundenen Werke, etwas kleiner als die Originale und mit historischer Farbgebung, strahlen viel Kraft aus. Beim Nachschnitzen der Wikinger-Gegenstände trat Detlef

ins gedankliche Gespräch mit den ursprünglichen Künstlern: was überlegten sie bei jedem Schnitt ins Holz, was bedeuten diese Darstellungen? Wie war es, in jener Zeit zu leben? Die Tatsache, dass bei den Wikingern “Spazierstöcke von stets einfacher, meist zufälliger Formgebung zumindest im 11. Jahrhundert allgemein verwendet worden zu sein scheinen” (laut Ausstellungskatalog zu Oseberg) lässt uns hellhörig werden. Vielleicht empfindet sich der stets mit Gehstock wandernde Detlef als Wikinger und übt mit seiner Holz-, Knochen- und Steinkunst die Tradition seiner Vorväter aus.

Viking prowhead, maple, 33cm

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Echoes of Oseberg As a child Detlef was fascinated by Vikings, and his most recent (2017) pieces return to this culture. Viking Prowhead and Oseberg Decorations are modeled on objects found in the ship graves at Oseberg and Hedeby. These pieces represent a personal challenge to Detlef, as Viking wood carving is considered to be very accomplished. Detlef’s replicas, somewhat smaller than the originals and with historically informed paint colours, are vibrant. During the process of carving these pieces, Detlef enjoyed mentally communing with the original artists. What do these scenes represent? What thought accompanied each cut into the wood? How was life in Viking times? According to an Oseberg exhibition catalogue, “walking sticks of simple, usually chance design seem to have been in general use during the eleventh century,� and dragon, snake and other animal heads were popular themes. Perhaps Detlef, with his walking sticks and his inborn passion for carving wood, bone and stone, is continuing the tradition of his Viking ancestors.

Oseberg decorations, 82x19cm

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Sulawesi head: clay, moose hide, sea snail, 22cm

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Monk head, clay, 30cm

Puuseidonn, clay, 28cm

Porter, poplar, 16cm

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OPAS MAGNUS

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O PA S M A G N U S Über Jahrzehnte wurde Detlefs Fantasie hauptsächlich von Fundstücken aus der Natur angeregt: die Astgabel gab vor, wie das Kunstwerk aussehen konnte. 2010 kam ein Paradigmenwechsel. Aus einem Stück Weidenstamm schnitzte Detlef einen großen Kopf und stellte ihn ins Fenster von seiner Laube. Bald folgten Dutzende von großen Köpfen und Masken, die alle frei aus Detlefs Gedankenwelt hervor gesprossen sind. Das Studium der Physiognomie hat Detlef schon zeitlebens beschäftigt, wie frühere Werke in Ton (small head collection, Puuseidonn, monk head) belegen. Und Detlefs Handwerk - wie sein Werkzeug - ist inzwischen auf dem Niveau, dass er alles darstellen kann, was ihm vorschwebt. So entstehen in der “Opas Magnus” Serie nicht fragmentarische steinzeitliche Menschen, nicht Wesen, die aufgrund von Holzeigenschaften unförmig sind, sondern große und vollständige Gesichter von Menschen aus aller Welt und aus allen möglichen Zeiten -- die frech, nachdenklich, böse, erstaunt, besorgt oder verträumt in die Welt schauen.

For decades, Detlef’s creativity was mostly inspired by nature: an appealing fork in a branch dictated what shape of art he created. In 2010 there was a paradigm shift. Detlef took a piece of willow stump and carved it into a large head, which he placed in the window of his adobe shed. Inspired, he continued to create dozens of further heads and masks, all the products of his uninhibited imagination. Detlef has in fact been intrigued by physiognomy for most of his life, as early works in clay (small head collection, Puuseidonn, monk head) demonstrate. And by now, Detlef’s wood working skills, not to mention his tool assortment, are at such a level that he can create any face that he sees in his mind’s eye. The faces in the “Opas Magnus” series are no longer limited to the Stone Age, nor are they misshapen due to features preexisting in the wood, but they are large, full faces of people from all over the world and from all ages -- expressing sadness, hostility, surprise, anxiety, audacity, thoughtfulness, and many other emotions.

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Wu Xi, willow, 41cm

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Manchoo mask, alder, 27cm

Joey Sr., alder, 27cm

Geoffroy mask, willow, 33cm


Baucis, maple, 34cm

Buurvagt, willow, 30cm

Philemon, poplar, 29cm

Saucy, willow, 20cm

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Joey Jr., willow, 18cm

Gaston, willow, 52cm

Grootknecht, willow, 20cm

Cazique, alder, 18cm


Jester, alder, 23cm

Lipman, apple, 12.5cm

Arctic administrator, willow, 22cm

Segesmund, willow, 30cm

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Fools gallery

Installations Selbstverständlich ist es eine Kunst, Kunst zu inszenieren. Bei Detlef geschieht die Inszenierung ganz beiläufig. Fertige Gegenstände werden meistens im Wohnzimmer so platziert, dass sie am besten zur Geltung kommen in Bezug auf Beleuchtung, Balancieren, und Zusammenspiel mit anderen Objekten. Wenn kein Platz mehr da ist, müssen ältere Gegenstände weichen. Wer durch den Bieger-Garten wandert, stellt fest, dass einige der schönsten Installationen draußen sind, wo sie uns einladen, an Detlefs Dialog mit der Natur teilzunehmen.

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Elf: ground juniper, whale vertebral disks, fishing net, 50cm

Of course there is an art to showing art. In Detlef’s case, the “show” is impromptu. Finished works are generally placed in the living room in such a way that they are optimally presented with regard to lighting, balancing, and juxtaposition with other objects. If there is no room, older objects are exiled to expanding gallery space in other areas of the house. Anyone who saunters through the Bieger property becomes aware that some of the most interesting art pieces are outdoors, where they invite us to take part in Detlef’s dialogue with nature.


Half boat installation

Bird bath, slate

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Furniture, poplar, 130cm

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Pfahlgรถtze: dogberry, tin, stone, 170cm


Kunstwerk

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Vernissage  
Vernissage  
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