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drawing from what falls next to you HZT Berlin

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drawing from what falls next to you HZT Berlin


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Man lernt ja nicht das, was man lernen soll. Sondern eher aus dem Augenwinkel. Die Dinge, die hängen bleiben und uns prägen, geschehen auf Nebenschauplätzen, am Rand, nebenher. Im HZT wird häufig mit der Stoppuhr getimt, in Form von Aufgaben getanzt und alles immerzu moderiert. Aber dann wieder beginnt ein Semester mit einem Ritual, zu dem Steine, Konfetti, Blüten gehören, die auf dem Hof verbrannt werden. Zwanzig Kilo Brotteig werden für ein Seminar vorbereitet, um den Laib oder die Leiber zu erforschen. Eine Bürobesprechung heißt Playground, Leitgedanke ist ein Experiment mit Ratten im Drogenentzug. Und plötzlich reißt jemand voller Verzückung das Fenster auf, weil auf dem Campus im Kreis gejodelt wird.

Susanne Vincenz schaut mit frischem Blick auf das HZT. Sie ist seit 2016 Gastprofessorin.


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Die Publikation drawing from what falls next to you erscheint 2017 zum 10-jährigen Bestehen des Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (HZT).

hochschul übergreifendes zentrum tanz berlin

Das HZT Berlin wird getragen von der Universität der Künste Berlin (UdK) und der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« (HfS) in Kooperation mit TanzRaumBerlin, einem Netzwerk der professionellen Tanzszene Berlins.


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Einleitung I

drawing from what drawing from what falls next to you ist eine Sammlung von Texten und Zeichnungen, die skizzieren, was das HZT heute ausmacht und was es morgen werden könnte. Manche Texte drehen sich um ein spezielles Thema und fragen: Was kommt als nächstes? Andere geben einen Einblick in die Qualitäten und Werte, die wir nicht aus den Augen verlieren möchten. In kurzen Momentaufnahmen geben ehemalige Studierende, Lehrende oder Wegbegleiter*innen einen persönlichen Einblick ins HZT. Zwischen den Texten stößt man auf kleine Aufgaben. Inspiriert von Efva Liljas 100 Exercises for a Choreographer and Other Survivors fordern diese auf, etwas zu tun oder auszuprobieren. Die Zeichnungen des Künstlers Andreas Töpfer begleiten die formulierten Gedanken als eine Art kommentierendes Echo. Die folgenden Seiten sind eine Einladung, einzelne Texte und Zeichnungen herauszugreifen, zwischen den Seiten zu springen, kreuz und quer zu lesen und dabei zu entdecken, was einem zwischen die Finger gerät und vor die Füße fällt.


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Einleitung II what falls next

2010 erschien der Artikel Tanz studieren wie man Philosophie studiert – das Experiment HZT von Constanze Schellow auf dem Web-Portal des Goethe-Instituts. Der Text endete mit dem Satz: Man darf gespannt sein, ob das ungewöhnliche Konstrukt zwischen Hochschulen und freier Kunstszene am Ende nur als kulturpolitische Maßnahme oder als zukunftsfähiges innovatives Modell in die Geschichte deutscher Tanzausbildungen eingeht. Heute – zehn Jahre nach seiner Gründung und sieben Jahre nach Erscheinen des zitierten Artikels – gilt das HZT als eine der wichtigsten Ausbildungsinstitutionen für zeitgenössischen Tanz und Choreographie in Europa.


Welche Veränderungen kündigen sich für das Studieren von Tanz und für das Studieren an Kunst- und Musikhochschulen insgesamt an? Wie aufmerksam und beweglich muss ein Studienprogramm bleiben, wenn heute kaum absehbar ist, wie sich künstlerische Arbeitsbedingungen und Handlungsmöglichkeiten in der näheren Zukunft verändern werden? Die Theoretikerin Irit Rogoff beschreibt, dass Hochschulen heute zunehmend zu Orten kollektiver und öffentlicher Teilhabe werden. Studium und Forschung finden hier nicht mehr isoliert und zurückgezogen statt, sondern in und mit Gemeinschaften. Wie lässt sich diese Entwicklung nutzen, um das Wissen und die Fähigkeiten, die in Kunsthochschulen entstehen, breiter in der Gesellschaft zu verankern? Wie können Künstler*innen zukünftige Lebens- und Arbeitsentwürfe aus der Perspektive ihrer Praxis mitgestalten? Welche gesellschaftlichen Handlungsräume stehen Tanz und Choreographie offen und für welche muss sich diese Kunstform erst noch öffnen? Wo kann und muss ein künstlerisches Ausbildungszentrum eigene Impulse geben, um weiterhin als Teil einer Szene zu agieren und diese mitzugestalten? Wir brauchen mutige Menschen, kluge Körper und bewegliche Köpfe, die es verstehen, Tanz einen Schritt weiter zu denken und Gedanken in neue Richtungen zu spielen. Genau solche Menschen versucht das HZT auszubilden und sich dabei selbst überholen zu lassen, denn die Studierenden von heute sind die Lehrenden von morgen.

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Ort

what falls where In vielen deutschen Städten hat sich die lokale Tanzszene unter dem Einfluss einer Ausbildungsinstitution entwickelt. In Berlin verlief diese Entwicklung umgekehrt: Der Impuls zur Gründung des HZT kam aus der seit Jahrzehnten aktiven und dynamischen freien Szene. Dieser Historie und dem Weitblick der beteiligten Personen ist es zu verdanken, dass das HZT von Anfang an als Teil der Uferstudios gedacht wurde. Im denkmalgeschützten Ziegelbau-Areal der ehemaligen Zentralwerkstätten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) versammeln sich Ausbildung, künstlerische Produktion, Präsentation und Informationsangebote zu zeitgenössischem Tanz unter einem Dach. Als Teil eines der lebendigsten Tanzorte in Berlin, an dem ein ständiger Austausch zwischen Studierenden, Künstler*innen und der Öffentlichkeit stattfindet, kann das HZT beides bieten: den geschützten Raum einer künstlerischen Ausbildung und die direkte Verbindung in die Stadt und die internationale Szene.

→ 40 Kooperation → 60 Zeitraffer → 44 Berlin


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Tanz

what gets you dancing Kannst du tanzen? Egal ob du dich selbst oder andere danach fragst, wahrscheinlich hat fast jede*r ein, zwei Erinnerungen daran, wie es ist zu tanzen und sich dabei großartig zu fühlen. Manche tanzen lieber wenn sie alleine sind, andere brauchen erst mal ein Glas Wein. Manchmal bist du selbst überrascht, wie ausgelassen und fantastisch du tanzen kannst, vielleicht auf einer Hochzeit oder während dieser einen Clubnacht. Und manchmal bist du überrascht, weil du zwar Lust hättest zu tanzen, dich jedoch nicht traust, auch nur vom Stuhl aufzustehen. In seiner Medienpublikation Material for the Spine fragt der Tänzer Steve Paxton, wie es kommt, dass wir glauben, Tanzen müsse unterrichtet werden? Wie kommt es, dass wir die Fähigkeit verlieren, einfach zu tanzen, wie Kinder es tun? Was hindert uns daran zu tanzen – eine Aktivität, die uns gut tut, die sozial und gesund ist? Was müssten wir in unseren Schulen und Gesellschaften verändern, um die Freude und Neugier am Tanzen nicht zu verlieren? Und jetzt? In genau diesem Moment? Was könnte dich zum Tanzen bringen? Welcher Song? Welche Freunde?

→ 48 Öffnung → 52 Technik


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Bring zwei deiner Körperteile zusammen, die sich heute noch nicht berührt haben.

Sheena McGrandles ist in Nordirland auf dem Land aufgewachsen. Da es dort keinen Tanzunterricht gab, hat sie Musikvideos aus dem Fernsehen auf VHS aufgenommen, Moves in ihrem Zimmer geübt und Ballett aus einem Buch gelernt. Später hat sie am


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Laban Centre in London und im Masterstudiengang Solo/Dance/Authorship (SoDA) am HZT studiert. Sie ist Gastdozentin am HZT und Kodirektorin von Agora MOVE – einer Plattform für Tanz und Choreographie in Berlin-Neukölln.


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Zahlen

how many 1 Zentrum 2 Trägerhochschulen 3 Studiengänge 9 Studios 10 Studienabbrecher*innen in 10 Jahren 12 Lehrende, die sich 7 Stellen teilen 18 Mitarbeiter*innen insgesamt, 15 davon auf Teilzeitstellen 30 Studierende, die jedes Jahr beginnen und 30, die ihr Studium abschließen 49 Nationalitäten in 10 Jahren 75 öffentliche Veranstaltungen pro Jahr 76 Studierende zusammen in allen 3 Studiengängen 109 verschickte Newsletter seit 2010 133 Kooperationen in 10 Jahren 141 Gäste pro Jahr 142 Absolvent*innen in 10 Jahren 255 Studienbewerber*innen pro Jahr 3.653 Tage HZT-Aktivitäten in 10 Jahren 729.902 Webseitenaufrufe seit 2013 1.750.000 Euro jährliches Budget

→ 60 Zeitraffer


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Experiment what if

Welche Bewegungssequenz steckt in meinem morgendlichen Duschritual? Was, wenn das eine Choreographie wäre? Wie sähe ein Tanz aus, der nur aus Umarmungen besteht? Wie könnte eine Situation, die andere zum Tanzen bringt, eine Choreographie sein? Was verstehen wir unter Tanz und Choreographie, und welche neuen Formen und Herangehensweisen an diese Kunstform können wir entwickeln? Der Unterricht am HZT versucht Situationen herzustellen, in denen Studierende miteinander und im Dialog mit Lehrenden eine forschende Auseinandersetzung mit Tanz und Choreographie führen. Was war diese Kunstform zu verschiedenen Zeiten, was ist sie aktuell und wie lässt sie sich immer wieder neu erfinden? Eine künstlerische Ausbildung, die nicht nur Gegebenes und Bekanntes reproduzieren will, muss ein Umfeld für experimentelle Formen des Lernens herstellen, in dem Ideen zirkulieren und Gewissheiten ins Taumeln geraten können.

→ 54 Ablenkung → 40 Kooperation


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Ziehe ein Paar lederne Bauhandschuhe an. Im besten Fall haben die Handschuhe über die Zeit ein bisschen die Form deiner eigenen Hände angenommen. Ziehe sie jetzt aus und schmeiße sie möglichst ohne


Umdrehungen hoch in die Luft...

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Gucke ihnen dabei zu. Wenn sie ihren höchsten Punkt erreicht haben, stelle dir vor du trägst sie noch. Niels Bovri ist turntablist und construction and dance man. Mit seinem Körper, seiner Stimme, viel Handwerkszeug, Elektronik und damit erstellter Musik forscht er u. a. nach dem zeitgenössischen Handwerkerheld und dem Maximalismus. Dennoch stellt er sich in jeder Arbeit die Frage, ob außer Fantasie überhaupt noch technische Mittel notwendig sind. Er studierte von 2012 bis 2014 im Masterstudiengang Solo/Dance/Authorship (SoDA) am HZT.


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Kollaboration

what brings us together Als Kunstform, die fast nie alleine praktiziert wird, kennt Tanz die unterschiedlichsten Arten der Zusammenarbeit. Choreographie wird oft als kollaborative Praxis verstanden. Die Künstlerin und Autorin Martina Ruhsam beschreibt, wie es heute nicht allein darum geht, dass, sondern vielmehr, wie und wie unterschiedlich wir im Tanz zusammen arbeiten. In welcher Rolle sehen wir uns dabei – als Teil eines Kollektivs, als Co-Choreograph*innen, als Fellow-Researchers, als Ensemble, als Freunde oder als Kompliz*innen in einer gemeinsamen Sache? Wie können Ideen sich potenzieren und Entscheidungen getroffen werden? Im Hochschulumfeld haben Studierende die Möglichkeit, verschiedene Arbeitsweisen zu erproben, sich auszutauschen und neue Formate der Kollaboration zu entwickeln. Sich innerhalb wechselnder Projekt-Teams und als Teil einer Gemeinschaft auszuprobieren, schult Fähigkeiten, die auch gesamtgesellschaftlich von essentieller Bedeutung sind: Wer mit anderen zusammenarbeitet, lernt, die eigene Perspektive zu erkennen und zu kommunizieren, Gruppenprozesse zu ermöglichen, Konfliktsituationen zu lösen und sich immer wieder aufs Neue produktiv einzubringen.

→ 66 Bildung → 36 Diskussion


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Erfolg

changing narrations of success Studierende haben den Wunsch und das Ziel vor Augen, nach dem Studium in ihrem Bereich erfolgreich arbeiten zu können. Sie stellen sich die Frage: Wann bin ich als Tanzschaffende*r erfolgreich? Ihre Vorbilder sind häufig bekannte Künstler*innen, die durch Projektförderungen, Residenzen, Aufführungen und Gastspielreisen in der Tanzszene präsent sind. Das HZT kann auf viele ehemalige Studierende verweisen, die sich inzwischen erfolgreich im Tanz etabliert haben und nun ihrerseits zu Vorbildern für die nächste Generation von Tanzschaffenden werden. Heißt das automatisch, dass zukünftige Generationen so arbeiten werden, wie die Tänzer*innen und Choreo­ graph*innen, die heute in der Szene als erfolgreich gelten? Welche anderen Definitionen erfolgreicher Arbeit wären denkbar, und welche alternativen Erfolgsgeschichten müssten dafür im Studium und in der Tanzszene präsenter werden? Wenn man die Aktivitäten der HZT-Absolvent*innen verfolgt, findet man zahlreiche überraschende Beispiele künstlerischer Arbeit abseits der üblichen Plattformen – mit entsprechend geringer oder gar keiner Sichtbarkeit in der Tanzszene. Beispiele dafür sind choreographische Projekte in Schulen, künstlerische Arbeit mit Amateurgruppen, bis hin zu ehemaligen Studierenden mit beeindruckenden Zick-Zack-Karrieren, die Schnittmengen herstellen, beispielsweise zwischen Tanz und Medizin.

→ 66 Bildung → 48 Öffnung


Weil solche Arbeit ebenso als Leistung und wichtiger gesellschaftlicher Beitrag anzuerkennen ist, wurden diese ungewöhnlichen Projekte am HZT in der Lecture-Reihe rare tracks vorgestellt und erlangen seit 2016 eine stärkere Sichtbarkeit im Newsletter. Mit diesem ersten kleinen Schritt wollen wir ein Umdenken anstoßen, welche Leistungen wie wahrgenommen und wertgeschätzt werden.

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Zusammen mit neun anderen Studierenden nahm ich an einem einwöchigen internationalen Austauschtreffen teil. An der Wand im Eingangsbereich hing ein Plan mit den unterschiedlichen Trainingsangeboten. Wir gingen in die Klassen, für die wir uns eingetragen hatten, aber wir kamen immer wieder zurück zu diesem Plan. Mit ratlosen Gesichtern fragten wir uns, in welchem dieser Trainings wir gut aufgehoben sein könnten und uns nicht ausgeschlossen fühlen würden. Das Angebot schien weder für uns gemacht zu sein, noch waren wir in einer der Klassen in unserem Element – oder zumindest nahe dran. Nicht, dass wir es nicht versucht hätten. Nicht, dass wir uns einfach nur widersetzen wollten des Widersetzens wegen. Ich erinnere mich daran, wie ich beweisen wollte, dass ich genauso trainiert wie die anderen Studierenden bin, bis ich von einer Bewegungsfolge in den Handstand ging und mich dabei an einer Ballettstange stieß. Ich hatte es versucht. Aber ich war nicht dort, um irgendjemand etwas zu beweisen und so hoffte ich, dass niemand mich sehen würde, während ich mich beschämt davon schlich. Schnell wurde klar: der Versuch, uns in etwas einzupassen, was nicht für uns gemacht war, war zum Scheitern verurteilt. Und obwohl es auch diese gute Art zu Scheitern gibt, wie wir sie am HZT so schätzen, schien dies hier nicht der Fall zu sein. Daher überlegten wir uns, wie man diese Situation etwas weniger deprimierend und inklusiver machen könnte. Einer von uns schlug vor, in einem leeren Studio ein alternatives Training anzubieten, das auf Austausch basieren sollte. Mit

Sara Mikolai ist Performerin, Tänzerin und Choreographin mit einem Hintergrund in Bharatanatyam – einem klassischen indischen Tanzstil. In ihren Arbeiten verhandelt sie sozio-politische Fragen, wie die Sichtbarkeit des Diasporischen, Trauma und Gender. Als Künstlerin bewegt sie sich bevorzugt in Zwischenebenen und arbeitet


einem schwarzen Stift fügten wir unser Angebot dem Plan hinzu. Diese Ergänzung markierte auf eine Weise unsere Bedürfnisse und gab Raum für unsere Unterschiede. Und gleichzeitig war dieses Angebot eine Chance, um unsere persönlichen Praxen und Bedürfnisse gegenseitig kennenzulernen. In den folgenden Tagen kamen Studierende aus anderen Schulen zu unserem Angebot hinzu. Es war alles DIY und sehr spontan, aber die Hierarchien hatten sich verlagert und damit auch die Präsenz und Bedeutung unserer Körper in Bewegung.

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Mein Kommilitone führte uns durch ein langsames und sanftes Warm-up, an dessen Ende wir auf dem Rücken lagen, mit unseren Beinen und Pos in der Luft. Die nächste Anweisung lautete: „Jetzt malt bitte mit eurem Anus eure Namen in die Luft“, und sie war gefolgt von einem Kichern und konzen­ trierter Stille – tatsächlich war es nicht so einfach und erforderte Konzentration. Es war eine schöne Gelegenheit zu sehen, wie mein Kommilitone sich aufwärmt. Mitzubekommen, wie andere Menschen Kontakt zu ihrem Körper herstellen, ist eine ungewöhnliche und wertvolle Information. Nachdem andere mich darum gebeten hatten, gab ich eine Stunde Bharatanatyam. Und mehr als alles andere hat es großen Spaß gemacht, eine Gruppe mit so unterschiedlichen Hintergründen zu unterrichten. Mir wurde bewusst, wie verschieden die Herangehensweisen sein können, mit denen Menschen versuchen, diverse Aspekte dieses indischen Tanzes zu verstehen.

interdisziplinär, kollaborativ und solo. Sie studierte von 2013 bis 2016 im Bachelorstudien­ gang Tanz, Kontext, Choreographie am HZT und gründete im Anschluss zusammen mit der Künstlerin Tara Transitory das experimentelle Kollektiv und den Performance-Space e x t a n t a t i o n in Nordthailand.


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Unterschied what gets lost

Egal ob im Team, bei den Studierenden, eingeladenen Gästen oder in Kooperationen: Menschen mit verschiedenen beruflichen und persönlichen Vorerfahrungen und unterschiedlichen künstlerischen und kulturellen Hintergründen bringen eine Vielzahl an Sichtweisen mit und ein, die ein künstlerisches Umfeld bereichern. Welche spannenden Künstler*innen und Kontexte verpassen wir, weil wir sie nicht sehen? Und welchen Künstler*innen entgeht das HZT, weil sie es nicht kennen?

→ 36 Diskussion → 64 Eingang


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Künstlerische Forschung what you know from doing

In jeder Praxis steckt Wissen. Besonders im Tanz stellt sich die Frage: Wie können wir das im Tun enthaltene Wissen erkennen und artikulieren? Um welche Formen von Wissen handelt es sich dabei? Beispielsweise, zu wissen, wie ich eine beobachtete Bewegung am eigenen Körper nachvollziehen kann? Oder das Wissen und Bewusstsein davon, wie viel Platz und welche Ausrichtung mein Körper im Raum einnimmt? Was fehlt uns bislang, um das Wissen, das im künstlerischen Tun liegt, auch als solches erkennen zu können? Welche andere Aktivität als die des Sprechens und Schreibens könnte dieses Wissen lesbar und nachvollziehbar machen? Künstlerische Forschung birgt das Potenzial, dieses künstlerisch-praktische Wissen zu erfassen, für andere zugänglich zu machen und dabei die gängigen Wissensbegriffe zu erweitern. Dafür muss Künstler*innen allerdings die Möglichkeit gegeben werden, geeignete Herangehensweisen und Formate einer solchen forschenden Praxis zu entwickeln. Aus diesem Grund plant das HZT in den kommenden Jahren den Aufbau eines künstlerischen Fellowship-Programms, das es Stipendiat*innen ermöglicht, in einem

→ 20 Experiment → 38 Wirkung → 46 Wissenschaftliche Forschung


über das HZT und Berlin hinausgehendem Netzwerk künstlerische Forschungsprojekte zu realisieren. So könnten künstlerische Ansätze und Formate entwickelt werden, die dem spezifischen Praxiswissen choreographischer Arbeit gerecht werden und es für andere erfahrbar machen.

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Schulter an Schulter mit einer Studentin gehe ich die Straße zu den Uferstudios entlang. Wir laufen im Gleichschritt, ohne dass wir das vereinbart hätten. In meiner rechten Hand schwingt ein Hammer. Wir gehen zügig und bestimmt, als hätten wir ein festes Ziel vor Augen. Dabei haben wir nur die Aufgabe, schweigend zehn Minuten lang nebeneinander die Straße entlang zu gehen und dabei einen Hammer in der Hand zu halten. Diese Anweisung haben uns vor ein paar Minuten zwei Studierende des Bachelorstudiengangs Tanz, Kontext, Choreographie gegeben. Sie ist Teil einer Prüfung, die ich zusammen mit einer Kollegin abnehme. Die Studierenden hatten die Aufgabe, sich einen Gegenstand auszusuchen und zu erforschen, wie dieser den Körper oder dessen Wahrnehmung verändert. Für die Prüfung sollten sie eine Übung entwickeln, die diese Wahrnehmung für alle erfahrbar macht. Im Gehen beobachte ich die Menschen, die uns entgegenkommen. Manchmal bleiben ihre Augen einige Sekunden auf meine rechte Hand gerichtet, um wenig später meinen Blick zu suchen. Dann lächle ich ein wenig und sie lächeln zurück. Ich fokussiere meine Aufmerksamkeit auch nach innen: wie atme ich, wie setze ich die Ferse auf, wie schwingt mein Arm, wie liegt der Hammer in meiner Hand? Als wir eine Seitenstraße überqueren, fährt ein abbiegendes Auto schnell und viel zu nah vor uns vorbei. Plötzlich spüre ich deutlich das Gewicht des Hammers in meiner Hand und seine Schwungkraft. Ich fasse den Griff etwas fester, beuge


leicht den Arm, richte meine Wirbelsäule einige Millimeter weiter auf und muss den Impuls unterdrücken, auszuholen und eine Beule in die Motorhaube des Autos zu schlagen.

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Das Auto fährt vorbei, wir gehen weiter als wäre nichts passiert. „Was war das?“ frage ich mich. Wie kommt es, dass ich den Impuls und – ja, wenn ich ehrlich bin, sogar die Lust – verspürt habe, mit dem Hammer auf das Auto einzuschlagen? Während wir immer weiter gehen, beobachte ich gespannt, was der Hammer noch alles in mir auslöst. Vorbei an Schaufensterscheiben, Rücklichtern, Straßenlaternen, einem auf der Straße abgestellten Spiegel... Alles, was zerbrechlich ist, beflügelt jetzt meine Fantasie. Erstaunt und auch leicht irritiert realisiere ich, dass die Vorstellung, etwas zu zerschlagen, Genugtuung in mir auslöst. Mehr noch, der Hammer in meiner Hand ist eine potenzielle Waffe. Wenn ich wollte oder müsste, könnte ich! Ich bin beeindruckt von dem Effekt, den die Übung auf mich hat. Gleichzeitig könnte sie kaum simpler sein. Hätte mich vorab jemand gefragt, ob ich den alltäglichen Gang durch die Stadt bedrohlich finde, hätte ich sicher verneint. Mit dem Hammer in der Hand wird mir jedoch bewusst, dass sehr wohl etwas in mir das Bedürfnis hat, sich verteidigen zu können. Gegen die Stadt, die ich plötzlich als aggressiv empfinde. Gegen den Straßenlärm, den Verkehr, das Geschrei oder gegen die Menschen, die mich anrempeln. Unmittelbarer lässt sich Körpertheorie kaum erfahren. Britta Wirthmüller denkt, schreibt, plant und choreographiert am liebsten im Dialog mit anderen. Sie ist seit 2011 künstlerische Mitarbeiterin am HZT und kann mit Höhenmesser und Karte auch durch unmarkiertes Gelände navigieren.


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Diskussion

what shapes your thought Eine lebendige Diskussionskultur bietet Studierenden die Erfahrung, dass Debatten Energie fordern, aber auch freisetzen und dabei Denk- und Handlungshorizonte eröffnen können. Wie wird mir etwas klar oder wie kann ich meine Position noch einmal überprüfen? Was verstehe ich durch die Argumente anderer? Und wie macht man unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen produktiv? Fruchtbarer Austausch braucht nicht nur Zeit, sondern auch eine Diskussionskultur, die Lust darauf macht, miteinander zu sprechen. Dafür ist eine Bereitschaft notwendig, nicht nur zuzuhören, sondern auch zu verstehen, nicht nur überzeugen zu wollen, sondern sich auch von anderen überzeugen zu lassen. Eine gelungene Diskussion lässt viele und oft gegensätzliche Stimmen, Beobachtungen und Meinungen zu Wort kommen und bietet Studierenden die Erfahrung, dass es keine einheitliche Rezeption einer künstlerischen Arbeit gibt.

→ 26 Erfolg → 30 Unterschied


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Wirkung

what matters Wir müssen Duchamps Urinal zurück in die Toilette bringen, fordert die kubanische Künstlerin Tania Bruguera in ihrer Einführung zu nützlicher Kunst und meint damit, dass Kunst sich konkreter einmischen muss. Das Urinal zurück in die Toilette bringen, damit es dort von Nutzen ist und Kunst zurück zu gesellschaftlichen und politischen Realitäten führen, wo künstlerische Praxis ganz real wirksam werden kann. Kunsthochschulen können leicht zu realitätsfremden und elitären Blasen werden, in denen die betonte Unabhängigkeit von Kunst zur Rechtfertigung für Arbeiten wird, die sich nur auf sich selbst beziehen. Ausbildungsinstitutionen können aber auch genau die geschützten Umgebungen zur Verfügung stellen, in denen sich widerständige künstlerische Strategien entwickeln lassen. Das HZT möchte im Unterricht, beim Feedback und in Diskussionen die Frage ins Zentrum rücken: Wie ist das Verhältnis einer künstlerischen Arbeit und Praxis zu der Welt, die sie umgibt? Nicht, um Antworten vorzugeben, aber um Studierende herauszufordern, ihre eigene Arbeit in diesem Zusammenhang zu hinterfragen: Zwischen einer Kunst, die rein symbolisch agiert und einer Kunst, die sich ganz real einmischt – wo verorte ich meine Praxis?

→ 66 Bildung → 36 Diskussion → 48 Öffnung


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Kooperation what to share

Das klappt ja gar nicht so, wie ich dachte. In der Naturwissenschaft kündigt dieser Satz weitaus häufiger neue Erkenntnisse an als der Ausruf: Ich habs! Auch in Kooperationsprojekten kommt es immer wieder zu Situationen, in denen beide Partner zugeben müssen: Das hatten wir uns anders vorgestellt! Kooperationen sind ein Realitäts-Check für alle Beteiligten. Sie rütteln an institutionellen Routinen, entlarven unsichtbare Dogmen und entfachen notwendige Debatten. Eine der zentralen Gründungsideen des HZT war das Eingehen von Kooperationen mit der lokalen Tanzszene durch das Netzwerk TanzRaumBerlin. Kooperationen regen zum Erfahrungsaustausch und zum Nachdenken über die eigenen Arbeitsweisen an. Sie bieten Studierenden die Möglichkeit, neue Netzwerke zu erschließen und Erfahrungen in Umfeldern zu sammeln, die ihnen sonst nicht offenstehen. Außerdem verschaffen sie Zugang zu Ressourcen, über die ein Partner alleine nicht verfügt. Wie lässt sich dieses bislang hauptsächlich mit Partnern aus der Tanz- und Kulturszene erprobte Modell weiterdenken und ausweiten? Welche Institutionen wären spannende Kooperationspartner, um naheliegende, aber auch weniger offensichtliche Schnittstellen mit anderen Arbeitsfeldern und gesellschaftlichen Bereichen herzustellen?

→ 66 Bildung → 36 Diskussion


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Wenn du irgendwo ankommst, zeichne deinen Weg zu diesem Ort auf ein großes Stück Papier. Versuche, dich an die Formen, Gefühle, Gerüche, Geräusche, Gedanken und Beobachtungen zu erinnern, die


dir auf dem Weg begegnet sind. Benutze sie, um deine Zeichnung mit Erklärungen zu versehen.

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Für Sophia New sind das Leben und die Kunst nicht so einfach zu entheddern; alltägliche Handlungen sind es ihr allemal wert, diese künstlerisch zu reflektieren. So arbeiten sie und Daniel Belasco Rogers als Künstlerduo plan b seit über zehn Jahren mit der Aufzeichnung von GPS-Daten ihrer alltäglichen Wege und all ihrer Textnachrichten. Sophia New ist seit 2012 als Gastdozentin und Gastprofessorin am HZT tätig, wo sie auch das Feedback Format Makers Open entwickelt hat.


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Berlin

what stays unfinished Das HZT wäre nicht, was es ist, ohne die Berliner Tanzszene: Diese bietet nicht nur ein Umfeld, um vielfältige künstlerische Projekte zu erleben, sondern auch zahlreiche Möglichkeiten, Kooperationen einzugehen oder internationale Künstler*innen als Lehrende einzuladen. Tanzschaffende aus der ganzen Welt schätzen Berlin als Ort, an dem Ideen und Debatten rund um Tanz lebhaft zirkulieren. Nicht nur die Tanz- und Kunstszene, auch die gesamte Stadt hat sich in den letzten Jahren zunehmend internationalisiert. Vor dem Hintergrund dieses Wandels gilt es Atelier- und Studioräume zu sichern, damit Künstler*innen nicht wie in anderen europäischen Metropolen aus wirtschaftlichen Motiven aus der Stadt verdrängt werden. Hierzu Stellung zu beziehen und zusammen mit Partnern lokale Initiativen zu unterstützen, auch hierin sieht das HZT seine Aufgabe. Berlins sich ständig wandelndes künstlerisches Umfeld und die internationalen Entwicklungen sind aber vor allem eines: eine ständige Erinnerung daran, offen und unfertig zu bleiben, um auf das zu reagieren, was noch kommt.

→ 12 Ort


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Wissenschaftliche Forschung what you know about what I do

Wissenschaftliche Forschung, die den direkten Austausch mit der künstlerischen Praxis sucht, ist für ein künstlerisches Studienumfeld interessant und bereichernd. Welche Bedingungen wären ideal für eine Forschung, die sich an und in das Praxisfeld von Tanz begeben will? Wie können Synergien zwischen künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung weiter wachsen? Wissenschaftliche Arbeit kann als Untersuchung und Nachdenken über Bestehendes beschrieben werden. Manchmal ist sie auch ein Vordenken von neuen, noch nicht existierenden Szenarien, die überhaupt erst aus diesen Gedanken entstehen können. Das HZT möchte Räume schaffen für Nach- und Vordenker*innen. 2013 wurde das HZT Research-Labor eingerichtet. Es bietet assoziierten Forschungsprojekten die Möglichkeit, in unmittelbarer Nähe zur künstlerischen Praxis zu arbeiten. In den nächsten Jahren möchte das HZT neben dem Aufbau eines künstlerischen Forschungsschwerpunkts bisherige Kooperationen im Bereich der wissenschaftlichen Forschung ausbauen. Einen Fokus sollen dabei Projekte bilden, die eine direkte Verbindung zur tänzerischen oder choreographischen Praxis herstellen. Dies können sowohl tanzwissenschaftliche Forschungsprojekte sein als auch Projekte, die sich aus der Perspektive anderer Fachgebiete mit Tanz, Choreographie, Körper und Bewegung beschäftigen.

→ 32 Künstlerische Forschung → 40 Kooperation


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Art has (at least) two things in common with life, love, and politics. Sooner or later two questions will present themselves: “Now that we are here, what are we going to do?“ and, “How are we to know what is best to be done?“ One is the question of practice, the other that of theory. Jan Verwoert


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Öffnung

who’s at your dance Die Autorin eines fiktiven Artikels in einer deutschen Zeitung aus dem Jahr 2027 merkt an: Tanz hat in den letzten zehn Jahren eine beachtliche Öffnung in die Gesellschaft vollzogen, und im Gegenzug ist es gelungen, dass sich die Gesellschaft dem Tanz öffnet... Eine solche Öffnung, die in Ländern wie Belgien, den Niederlanden und England bereits real und weit vorangekommen ist, steht in Deutschland noch aus. Wenn wir es mit der gesellschaftlichen Relevanz von Tanz und Choreographie ernst meinen, müssen wir darüber nachdenken, welche Öffentlichkeit wir wie erreichen und einbinden, aber auch welche Lebenswirklichkeiten wir an unsere künstlerischen Prozesse und an uns heranlassen. Wer die etablierten Kunstorte verlässt, kann andere künstlerische Formate für Tanz und Choreographie erfinden, aber auch andere Themen aufgreifen und sich mit anderen Sichtweisen konfrontieren. Durch Projekte außerhalb der gängigen Spielorte, durch die Einladung von Gastkünstler*innen und in Kooperationen möchte das HZT zukünftig eine solche Öffnung voranbringen. Neben der Möglichkeit, performative Arbeiten für die Bühne oder Ausstellungsräume zu entwickeln, erhalten HZT-Studierende daher auch die Gelegenheit, sich außerhalb der etablierten Formate auszuprobieren. So

→ 38 Wirkung → 20 Experiment


werden die studentischen Sommerprojekte des Masterstudiengangs Choreographie 2017 erstmals im Stadtraum präsentiert. In Vorbereitung ist außerdem das HZT-Forschungsvorhaben Das Choreographische Dorf, ein Projekt, in dem Künstler*innen eingeladen werden, choreographische Arbeiten in ländlichen Gebieten zu entwickeln.

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Jedes Jahr im Juli lädt das HZT im Rahmen des UdK-Rundgangs zu studentischen Showings in die Uferstudios ein. Einmal kam ich im Anschluss dieser Präsentationen mit einer Besucherin ins Gespräch, die Bildhauerin war. Sie fragte interessiert, was das Besondere am Studium im HZT sei. Ich erzählte ihr, dass nicht alle von vorneherein das Gleiche lernen wie beispielsweise bestimmte Tanzstile und -techniken. Ein besonderer Fokus liegt dagegen darauf, dass Studierende eigene Projekte entwickeln, oft in Gruppen, und dass sie sich dann mit Unterstützung der Lehrenden das Wissen und die jeweiligen Techniken aneignen, die sie für ihr aktuelles Projekt benötigen. Die Besucherin meinte daraufhin: Jetzt verstehe ich, ihr macht das so wie im Studium der Bildhauerei. Da lerne ich auch jeweils diejenige Technik, die ich für eine nächste Skulptur ausprobieren möchte. Dann strahlten ihre Augen, als sie ergänzte: Mensch, mit meinen Händen und mit all dem, was ich als Bildhauerin über Körper weiß, – da hätte ich bei euch auch Tanz studieren können. Mir wurde durch ihre Reaktion bewusst, dass eine solche Vorgehensweise im Studium der Bildenden Kunst üblich scheint, für ein Tanzstudium aber immer noch als außergewöhnlich wahrgenommen wird. Eine HZT-Studentin hat es Jahre später sehr gut auf den Punkt gebracht, als sie meinte:


Irgendwann habe ich aufgehört, das HZT als Tanzschule zu begreifen. Es gab diesen Moment, an dem ich es für mich neu formuliert habe, als eine Kunstakademie mit einem Fokus auf den Körper.

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Nik Haffner empfand nicht sein Tanzstudium, sondern die Jahre in seinem ersten Tänzer-Job bei William Forsythe als seine eigentliche künstlerische Ausbildung. Als Leiter des HZT betrachtet er seine Arbeit weniger als Leiten, sondern vielmehr als Bauen – zum Beispiel das Bauen von Partnerschaften, Netzwerken und Werkzeugen oder einer gemeinsamen Kultur und Community im HZT.


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Technik

what triggers when you hear ‘virtuosity’ Der Science-Fiction-Film Virtuosity erhält 1996 schlechte Kritiken – er sei glatt und seine Darsteller*innen blass. Tanz wird oft mit virtuoser Darbietung assoziiert, auch wenn im zeitgenössischen Tanz seit einigen Jahren debattiert wird, ob der Begriff Virtuosität nicht überschätzt oder sogar überholt sei. Virtuosität wird häufig reduziert auf ein bis zum Extrem ausgereiztes technisches Können: tanztechnisch perfekt, aber ansonsten leer, glatt und blass. Dabei existieren heute im zeitgenössischen Tanz vielfältige Techniken, individuelle Fähigkeiten und alternative Körperbilder. Sich virtuos bewegen, virtuos denken, bis hin zu einem hohen Grad an Körperwissen, Wahrnehmungssensibilität und Offenheit für Anderes – wie können wir den Begriff des Virtuosen über das Handwerklich-Technische hinaus öffnen und erweitern?

→ 54 Ablenkung → 14 Tanz


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Ablenkung

wasting time productively Was ist unsere Aufmerksamkeit wert? Offensichtlich viel: Sobald wir ein Geschäft betreten, im Internet surfen oder durch die Stadt spazieren gehen, winkt und wedelt überall sofort etwas, das um unsere Aufmerksamkeit buhlt. Mich bei all diesen Ablenkungen auf etwas zu fokussieren, ist eine Herausforderung. Wenn ich mir den Wert meiner Aufmerksamkeit bewusst mache – kann ich dann klarer darüber entscheiden, von was und wann ich mich ablenken lasse und wann nicht? Künstlerische Studiopraxis braucht Aufmerksamkeit. Und manchmal braucht sie gezielte Ablenkung. Künstlerisch arbeiten heißt, Dingen in einem Maße Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen, wie wir es im Alltag selten tun. Egal ob ich alleine oder als Teil einer Gruppe arbeite – wie kann ich einen Raum schaffen, in dem wir uns auf etwas einlassen und neue Erfahrungen machen können? Wie viel Zeit, wie viel Aufmerksamkeit oder Ablenkung muss ich Prozessen geben, damit etwas Unerwartetes passieren kann?

→ 20 Experiment → 66 Bildung


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Geh schwimmen. Stell dich unter die Dusche und lass das Wasser verschiedene Teile deines KÜrpers treffen, während du stehst, sitzt oder liegst. Do it.


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Efva Lilja ist Choreographin, Forscherin, Autorin und Kuratorin. Sie denkt und arbeitet Ăźber Disziplinen und Grenzen hinweg, verbringt gern Zeit mit Freunden und in der Natur. Sie ist seit 2015 Mitglied des HZT-Beirats.


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Feedback

how to be frank Studierende verwenden viel Zeit und Energie auf die Entwicklung ihrer künstlerischen Arbeit und werden dabei durch Lehrende und Mentor*innen begleitet. Wie unterstützt man junge Künstler*innen darin, sich die besonderen Qualitäten und Schwächen ihrer Arbeit bewusst zu machen? Wie kann man ihnen über Feedback eine kons­ truktive und gleichzeitig herausfordernde Reibungsfläche bieten? Welche gegenseitige Aufrichtigkeit ist notwendig, damit man trotz flacher Hierarchien Tacheles reden kann und eine ehrliche Peer-Debatte über künstlerische Arbeiten im Team und mit Studierenden führt? Diskussionen und Feedback brauchen klare Vereinbarungen und Vertrauen, damit der Meinungsaustausch nicht weichgespült, sondern als ernsthafte Auseinandersetzung geführt wird, an der alle wachsen – auch die künstlerische Praxis. Seit 2014 kooperiert das HZT mit den Uferstudios im Rahmen der jährlich stattfindenden Feedback-Labore, an denen Berliner Tanzschaffende, Studierende und Lehrende des HZT sowie internationale Gäste teilnehmen. Im Unterrichtsformat Makers Open zeigen Studierende aller drei Studiengänge work-in-progress-Skizzen und geben einander Feedback.

→ 24 Kollaboration → 26 Erfolg


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Zeitraffer

what happened 2006 Das HZT startet als Pilotprojekt im Rahmen von Tanzplan Deutschland, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes zur Förderung des Tanzes. 2007 Die ersten Studierenden werden aufgenommen. 2009 Das HZT-Team macht erstmals eine mehrtägige Klausurtagung auf dem Land – die seither jährlich stattfindenden AwayDays. 2010 Die drei Studiengänge werden in den regulären Studienbetrieb der UdK Berlin und HfS »Ernst Busch« übernommen. Umzug in die Uferstudios in Berlin-Wedding.

2013 Mit dem Einzug des Masterstudiengangs Choreographie in die Uferstudios sind nun alle drei Studiengänge unter einem Dach. 2017 Das HZT feiert sein 10-jähriges Bestehen.

→ 12 Ort → 18 Zahlen → 44 Berlin


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Manchmal fallen sie mir gleich frühmorgens ins Auge: die teils verrotteten, teils nach sieben Jahren immer noch erstaunlich frisch leuchtenden Reste von grünem Klebeband an der Eingangstüre zum heutigen Büro der Uferstudios GmbH, meinem Arbeitsplatz. Fremde rätseln, welche Buchstabenfolge sich wohl ergäbe, wären die Lücken der Klebebandreste geschlossen. Ich erinnere das Wort deutlich: AFFAIRS. So hieß 2010 das Festival des neuen Studiengangs im ebenso noch neuen Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin. Die Plattform war von den Studierenden selbst organisiert, ihr Festival-Büro war Zentrum des kollektiven Planungsprozesses. Bei AFFAIRS wurden viele Ideen im Moment kreiert und manche auch sofort wieder verworfen. Unterschiedliche Hintergründe der Studierenden und die Suche nach eigenen künstlerischen Ansätzen generierten eine ästhetische Diversität und spiegelten gleichzeitig den Geist der neuen Ausbildungsinstitution wider. Mit ihren individuellen Arbeitsweisen und ohne hierarchische Reglementierung tauchten die Künstler*innen kollektiv in die AFFAIRS ein. Auch wenn die kollektive Arbeitsweise nicht ohne etwas Durcheinander und Leerlauf auskam, war es für mich ein nachdrückliches, sehr lebendiges und überraschendes künstlerisches Ereignis. Als Leiterin der Tanztage Berlin hatte ich zuvor schon viele Schulaufführungen besucht, aber dieses Festival bleibt mir spannender und lehrreicher in Erinnerung, weil es sich nicht darin erschöpfte, Gelerntes lediglich zu repräsentieren.


Wenn das HZT ohne Angst vor AFFAIRS (= Skandalen) den studierenden Künstler*innen den Freiraum und die Zeit für Verdichtung und Konfrontation künstlerischer Arbeitsweisen ermöglicht, ist dies von hohem Wert. Umso mehr wenn dies damit einhergeht, sich über den gesellschaftlichen Kontext bewusst zu werden und nach wirksamen Strategien auch für künstlerische Freiheit nach dem Ende des Studiums zu suchen. Ich hoffe, die organisierte Szene der freien Tanzschaffenden Berlins, die als Geburtshelferin für das HZT agierte, bleibt am Ball und vergisst ihre unterstützende und kritische Rolle nicht – das HZT bleibt unsere AFFAIR!

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Barbara Friedrich legt Herz und Seele in ihre Arbeit und nimmt sich dennoch oft Zeit für das Gespräch am Fenster ihres Büros. Sie ist Mit-Knüpferin des Netzwerks TanzRaumBerlin und entwickelte die Uferstudios für zeitgenössischen Tanz zu einem inspirierenden Ort, der auf Offenheit und Partizipation setzt.


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Eingang

which doors could be yours Immer noch kursiert weitläufig die Annahme, dass nur Tanz studieren kann, wer bestimmte Stile tanzt und das von Kindheit an. Egal, ob sie aus dem Hip-Hop, dem indischen Tanz oder dem Bereich physical theatre kommen, ob sie zuvor ein Soziologie- oder Mathematikstudium absolviert haben – oft sind Bewerber*innen überrascht, wenn sie einen Studienplatz angeboten bekommen. Für viele war es alles andere als naheliegend, sich überhaupt zu bewerben. Am HZT werden Menschen aufgenommen, die das künstlerische Potential mitbringen, sich mit Tanz als Kunstform und mit seinen Bezügen zu heutigen Gesellschaften auseinanderzusetzen. Alter, tanztechnische Vorkenntnisse oder körperliche Voraussetzungen sind dagegen, anders als in vielen anderen Studiengängen für Tanz, nicht ausschlaggebend. Wie können wir zukünftig mehr qualifizierte Bewerber*innen erreichen, die von selbst nicht auf die Idee kämen, sich für ein Tanz- und Choreographie-Studium zu bewerben? Wie findet man die interessanten Köpfe, die vielleicht noch nie etwas von einer derartigen Ausbildung gehört haben? Wie muss gerade in Deutschland das künstlerische Niveau tänzerischer Vorausbildung verbessert werden, damit mehr Menschen sich auf ein entsprechendes Tanzund Choreographie-Studium vorbereiten können?

→ 14 Tanz → 30 Unterschied


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Movement art – one could say rather than dance – is really about refining the intelligence of our human behaviour. Gill Clarke


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Bildung

too many or not enough 15 BA- und 15 MA-Studierende machen jedes Jahr am HZT ihren Abschluss. Sind 30 Absolvent*innen zu viele oder nicht genug? Betrachtet man ausschließlich die bislang gängigen beruflichen Perspektiven im Tanzsektor, die durch internationalen Wettbewerb und starke Konkurrenz geprägt sind, sind 30 weitere Tanzschaffende pro Jahr viel. Betrachtet man diese Zahl jedoch vor dem Hintergrund, dass Kreativität heute zu einer der wichtigsten Fähigkeiten in fast allen Berufsfeldern zählt, liegt die Antwort nahe, dass noch nicht genügend Menschen in künstlerischen Bereichen studieren. Denn verbunden mit der Frage, wie wir zukünftig arbeiten werden, stellt sich auch die Frage nach neuen Lebensentwürfen und gesellschaftlicher Teilhabe. Kollaborative Arbeitsweisen, soziale Kompetenzen, Selbstmanagement und Fragen der Vermittlung sind mittlerweile wichtige Inhalte künstlerischer Studiengänge. Daher ist die Ausbildung kreativ denkender und künstlerisch agierender Menschen für unsere sich wandelnden Gesellschaften auch jenseits der traditionellen Kunstoder Tanzberufe relevant.

→ 26 Erfolg → 24 Kollaboration


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Gib dir selbst eine Aufgabe, die dich reizt und dir gleichzeitig Angst macht und versuche, sie zu erfüllen.

Irina Demina setzt sich in ihrer choreographischen Arbeit mit Utopien, Zauberei und Fantasiewelten auseinander. Sie findet es aufregend, eigenen Ängsten zu begegnen und diese zu überwinden. Sie studierte von 2014 bis 2016 im Masterstudiengang Choreographie am HZT. Ihre Abschlussarbeit Traumlabor war ein Tanzstück für junges Publikum in Kooperation mit dem Theater Strahl Berlin.


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Index

Zeichnungen / Drawings

← 9 Einleitung I → 83 Introduction I

← 13 Ort → 87 Location

← 15 Tanz → 89 Dance


← 19 Zahlen

← 27 Erfolg

→ 93 Numbers

→ 101 Accomplishments

← 21 Experiment

← 31 Unterschied

→ 95 Experiment

→ 105 Difference

← 25 Kollaboration

← 33 Künstlerische Forschung

→ 99 Collaboration

→ 107 Artistic Research


← 37 Diskussion

← 45 Berlin

→ 111 Discussion

→ 119 Berlin

← 39 Wirkung

← 49 Öffnung

→ 113 Effect

→ 123 Opening

← 41 Kooperation

← 53 Technik

→ 115 Cooperation

→ 127 Technique


← 55 Ablenkung

← 67 Bildung

→ 129 Distraction

→ 141 Education

← 59 Feedback → 133 Feedback

← 61 Zeitraffer → 135 Time Lapse


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Referenz

Deutsch / English Efva Lilja: 100 Exercises for a Choreographer and Other Survivors, 2012 10 / 84  Constanze Schellow: Tanz studieren wie man Philosophie studiert – das Experiment HZT, 2010 11 / 85  Irit Rogoff: Fugitive Study, Infrastructure and Education, Vortrag im Rahmen der Konferenz Rethinking Art Education, 2015 14 / 88  Steve Paxton: Material for the Spine. A Movement Study, 2008 24 / 98  Martina Ruhsam: Kollaborative Praxis: Choreographie. Die Inszenierung der Zusammenarbeit und ihre Aufführung, 2011 38 / 112  Tania Bruguera: Introduction on Useful Art, 2011 47 / 121  Jan Verwoert: No new kind of duck. Would I know how to say what I do?, 2016 58 / 132  Labor zu Feedback in künstlerischen Prozessen, im Rahmen von Life Long Burning (LLB), Kulturprogramm der Europäischen Union 65 / 139  Gill Clarke in: Katrina McPherson, Simon Fildes: Energy Sculpting Part1, Videodokumentation eines Improvisations-Workshops von Kirstie Simson und Gill Clarke, 2006 8 / 82


Credits 

Impressum / Imprint Konzept / Concept: Nik Haffner, Britta Wirthmüller Herausgeber / Publisher: HZT Berlin Design: milchhof atelier: Carsten Stabenow, Andreas Töpfer Zeichnungen / Drawings: Andreas Töpfer Lektorat Deutsch / Editing German: Frank Weigand Lektorat Englisch / Editing English: Ruby Wilson Übersetzung / Translation: Christopher Langer Druck / Print: Ruksaldruck ISBN: 978-3-00-056366-9 www.hzt-berlin.de Sofern nicht anders gekennzeichnet sind alle Texte dieser Publikation in gemeinsamer Autorschaft von Nik Haffner und Britta Wirthmüller entstanden. Grundlage hierfür waren die vielen Gespräche der vergangenen zwei Jahre, die innerhalb des HZT-Teams sowie mit Studierenden, Gastlehrenden, Kooperationspartnern und dem HZT-Beirat geführt wurden.

Eine Institution wäre nicht, was sie ist, ohne die Menschen, die in

ihr und für sie wirken. Allen ehemaligen und aktuellen Studierenden, Mitarbeiter*innen, Gästen, den Partnerhochschulen, dem TanzRaumBerlin Netzwerk und allen Wegbereiter*innen und Wegbegleiter*innen, sei an dieser Stelle herzlich gedankt für die ersten zehn Jahre des HZT Berlin. Unless listed otherwise, texts in this publication were created in co-authorship by Nik Haffner and Britta Wirthmüller. Many conversations that took place in the last two years among the HZT team as well as among students, guest teachers, cooperation partners and the HZT advisory board were the basis for this project.

An institution wouldn’t be what it is without the people who work in it

and for it. All past and current students, staff, guests, partner universities, the TanzRaumBerlin network and all who have accompanied the process so far: a heartfelt thank you for the first ten years of the HZT Berlin!

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drawing from what falls next to you HZT Berlin


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You never learn what you are supposed to. Instead, you learn from what you catch in the corner of your eye. The things that stick, that continue to influence us, happen first in our periphery, at the edges, by chance. At HZT, sessions are often timed with stopwatches, choreographies are developed out of tasks and everything is constantly being facilitated by a moderator‌ And then, out of nowhere, a semester might begin with a ritual that includes rocks, confetti and blossoms being burned in the courtyard. Twenty kilograms of dough are prepared for a seminar that explores the relationship between loaves of bread and human flesh. An office meeting is called playground; the motivating concept being an experiment where cocaine addicted rats go cold turkey. And suddenly someone, full of joy, rips open a window, because people are yodelling in the courtyard.

Susanne Vincenz takes a fresh look at the HZT. She has been a guest professor since 2016.


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drawing from what falls next to you is being published in 2017 for the 10th anniversary of the Inter-University Centre for Dance Berlin (HZT).

hochschul übergreifendes zentrum tanz berlin

The Inter-University Centre for Dance Berlin is administered by the University of the Arts Berlin (UdK), Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« (HfS) in cooperation with TanzRaumBerlin, a network of Berlin’s professional dance scene.


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Introduction I drawing from what

drawing from what falls next to you is a collection of texts and images. It creates a sketch of what HZT has become, and what it could become tomorrow. Some texts touch on specific subjects relevant to HZT and ask: what next? Other texts introduce our perspective on what we consider to be the qualities and values that we do not want to lose sight of. Short snapshots from past students, teachers or other companions from various points along our path offer personal insights into HZT. You will stumble across some simple tasks among the following texts. Inspired by Efva Lilja’s 100 Exercises for a Choreographer and Other Survivors, they were written as invitations for you to do or try some things. Drawings by the artist Andreas TÜpfer echo the thoughts formulated in the texts and serve as an accompanying commentary. The following pages invite you to pick out particular texts or drawings, to jump from page to page and to read from up to down or crossways and, in doing so, discover what falls next to you.


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Introduction II what falls next

The article Studying dance like you study philosophy – the HZT experiment by Constanze Schellow was published on the Goethe-Institut web portal in 2010. The text ended with the statement: We can all ponder whether the unusual construction that exists between universities and the independent art scene will enter into the history of German dance education simply as a measure of cultural politics or as a sustainable and innovative model. Today, ten years after its founding and seven years after the above article was published, HZT is considered one of the most important educational institutions for contemporary dance and choreography in Europe.


Which changes to the study of dance – and the studying of art and music in general – are on the horizon? How alert and flexible must a study programme be if we can only barely anticipate how artistic working conditions and available courses of action for artists might change in the near future? The theoretician Irit Rogoff describes how universities today are increasingly becoming locations for collective and public participation. Studies and research no longer take place in isolation or seclusion, but rather within and alongside communities. How can we use this development to anchor the knowledge and abilities that are cultivated in art schools to a larger proportion of society? How can artists shape the ways we think about living and working in the future? What possibilities for social action already exist for dance and choreography? And which avenues for change does this art form still need to wake up to and strive to access? In which contexts is it possible and necessary for an artistic educational centre to offer impulses in order for it to continue being an influential part of the local dance scene? We need brave people, intelligent bodies and flexible minds that understand how to take dance one step further, who can move their ideas in new directions. HZT tries to educate precisely these kinds of people, and is willing to allow itself to be overtaken in the process – because today’s students are tomorrow’s teachers.

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Location

what falls where Local dance scenes in many German cities have developed under the influence of an educational institution. In Berlin, it was the other way around: the incentive to found HZT came from an independent scene that had been active and dynamic for decades. It is thanks to the independent scene and the foresight of the people involved that HZT was considered as part of the Uferstudios from the very beginning. In this landmark red-brick building, once the central garage of the Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), education, artistic production, presentation and information on contemporary dance are together under one roof. As part of one of the most vibrant dance locations in Berlin, where a constant exchange between students, artists and the public takes place, HZT offers both a protected space for an artistic education and a direct connection to the local and the international contemporary dance scene.

→ 118 Berlin → 114 Cooperation


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Dance

what gets you dancing Can you dance? If you ask yourself or anyone around you, most of us would be able to fondly recall a memory or two of dancing and feeling great while moving our bodies. Some people prefer dancing when they are alone, others need a glass of wine. Sometimes you surprise yourself with what a fantastic dancer you can be – perhaps at a wedding or on a night out. And sometimes you surprise yourself because, even though you feel like dancing, you don’t dare to get out of your chair. In his media publication Material for the Spine, the dance artist Steve Paxton asks: Why is dancing something we think needs to be taught? Why do we lose our ability to just dance around like kids do? What prevents us from dancing – an activity that does us good, that is social and healthy? What would we need to do differently in our schools and in our societies in order to maintain a natural curiosity and joyful relation to ‘just dancing around’? And right now? At precisely this moment? What could get you to dance? Which song? Which friends?

→ 122 Opening → 126 Technique


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Put two of your body parts together that haven’t yet touched today.

Sheena McGrandles grew up in the countryside of Northern Ireland. Having no access to dance classes, she recorded endless music videos from the TV onto VHS, practiced ‘moves’ in her bedroom and learned ballet from a book. She later studied at the Laban Centre


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in London and then at HZT’s MA Solo/Dance/Authorship (SoDA) programme. She is a guest teacher at HZT and the co-director of Agora MOVE, a platform for dance and performance in Berlin-Neukölln.


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Numbers how many

1 centre 2 administrating universities 3 study programmes 9 studios 10 dropouts in 10 years 12 teachers sharing 7 teaching positions 18 members of staff, 15 of which are on part-time contracts 30 new students starting and 30 students graduating every year 49 nationalities in 10 years 75 public presentations per year 76 students in total in all 3 programmes 109 newsletters since 2010 133 cooperations with local, national and internationa partners in 10 years 141 guests per year 142 graduates in 10 years 255 applicants every year 3,653 days of HZT activities in the last 10 years 729,902 web site hits since 2013 1,750,000 Euro annual budget

→ 134 Time Lapse


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Experiment what if

What movement sequences are part of my morning shower? What if it were a choreography? What would a dance that is only made up of hugs look like? How can I view choreography as a situation where I am simply getting people to dance? What do we already understand dance and choreography to be, and what new forms and approaches to this art form can we develop? Classes at HZT attempt to create situations in which students research dance and choreography with each other and as part of a dialogue with their teachers. What was this art form in different eras, what is it now and how can it be re-invented over and over again? An artistic education that endeavours to do more than just reproduce the status quo and regurgitate what is already known must create an environment for experimental forms of learning wherein ideas may circulate freely and concepts that were previously considered certainties are left reeling.

→ 128 Distraction → 114 Cooperation


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Put on a pair of leather work gloves. If possible, the ones that have already moulded to the form of your hands. Take them off now and throw them into the air with as little rotation as possible‌


Watch them.

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When they reach their highest point, imagine that you are still wearing them.

Niels Bovri is a turntablist and a construction and dance man. With his body, his voice, plenty of tools, electronics and the music he makes with them, he is on the search for modern handymen heroes and maximalism, among other things. However, in every piece of work he poses the question whether, besides fantasy, any other technical means are needed at all. He studied in the MA Solo/Dance/Authorship (SoDA) study programme at HZT from 2012 to 2014.


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Collaboration

what brings us together As an art form that is rarely practiced alone, dance itself knows an extremely wide variety of approaches to working together. Choreography is often understood to be a collaborative practice. The artist and author Martina Ruhsam describes how it is not only an issue that we work together in dance, the question is rather how and how differently. What role do we see ourselves in – as part of a collective, as co-choreographers, as fellow researchers, as an ensemble, as friends or as accomplices on a common mission? How can ideas be made potent and the right decisions reached? In the context of university, students have the possibility to test different ways of working, to communicate with one another and to develop new formats for collaboration. The exploration of what it means to work in ever changing teams on projects within a community teaches the student a skill set that is also of essential importance to society: people who work with others learn how to recognise and communicate their own perspective, enable group processes, solve conflicts and repeatedly contribute in a productive way.

→ 140 Education → 110 Discussion


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Accomplishments

changing narrations of success Students graduate with the aim of going on to work as successful professionals in their field. They ask themselves: when exactly can I call myself successful as a dance professional? Their role models are often well-known artists that are active in the dance scene thanks to receiving public funding and offers for residencies, performances and tours. Many HZT alumni have established themselves successfully in the field of dance and are now in turn becoming role models for the next generation of dance professionals. Does that automatically mean that future generations will work in the same way as dancers and choreographers who are currently seen as being successful in the scene do? What are other conceivable definitions of success, and which alternative success stories should be more widely reported in study programmes and in the dance scene so that the concept of what “success” is changed? If one examines the activities of former HZT students, one finds numerous surprising examples of artistic work beyond the usual platforms – although they are not given much recognition within the dance scene. Examples range from choreographic projects in schools and artistic work with amateur groups, to former students with careers that impressively zig-zag across various industries. These contemporary artists produce work in which two fields that normally remain separate, now collide, such as dance and medicine.

→ 140 Education → 122 Opening


As this kind of work needs to be equally recognised as an accomplishment and as important contribution to society, these unusual projects were presented at HZT in the rare tracks lecture series. They have also received more attention in the newsletter since 2016. With this first small step, we would like to initiate a shift in thinking about which accomplishments are recognised and valued and how.

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Together with nine other students, I attended a week-long international meeting for dance students. There was a timetable hanging on the hallway wall with the options for the morning classes – all were different kinds of dance training. We joined the classes we had signed up for, but repeatedly found ourselves coming back to the timetable – asking ourselves with puzzled faces where we could possibly fit in and not feel excluded. The programme didn’t seem to be meant for us, nor did any of the classes put us in our element – or even close to it. Not that we didn’t try. Not that we simply wanted to resist for the sake of resisting. I remember trying to prove that I was just as trained as the students from the other schools, until I bumped into a ballet barre while moving from a movement sequence into a handstand. I had tried – but I wasn’t here to prove anything and hoped nobody would see me while I sneaked out in shame. So, although all of us really did try, we soon realised that trying to make ourselves fit into something that did not take into account who we were and what we could possibly contribute was doomed to fail. And although there is the concept of a good kind of failure that we embrace at HZT, this situation didn’t seem to be one of those. So we started thinking about how we could turn the situation into something less ‘doomed’, something more inclusive. One of us proposed taking over an empty studio and creating an alternative training that was based on exchange. We added our proposal by writing it onto the timetable with a black marker. This supplement to the timetable somehow marked our needs and gave space to our differences, and at

Sara Mikolai is a performer, dancer and choreographer with a background in Bharatanatyam, a classic Indian dance style. In her works, she addresses the socio-political questions such as the visibility of the diaspora, trauma and gender. As an artist, she prefers to move between different levels, and works interdisciplinarily, collaborati-


the same time presented us with a new opportunity to get to know our own personal practices and desires. Over the next few days, some students from other schools joined our exchange-driven class – it was all DIY and very spontaneous – yet the hierarchies had shifted and so did the presence and meaning of our moving bodies.

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After a slow and soft warm-up, which was led by my colleague, we ended up on our backs, with legs and bottoms in the air. The next instruction, “Now, please paint your name with your anus in the air”, caused giggling, followed by a serious silence – it actually wasn’t that easy and required concentration! It was nice to see what my colleague does as a warm-up. Becoming familiar with people’s different ways of getting in touch with their bodies is quite valuable information, and information that is often hard to come by. After it had been requested of me, I gave a Bharatanatyam class. And more than anything, it was fun to teach a group that was so diverse in backgrounds and to experience the different approaches they took in trying to understand the many different aspects of this form of Indian dance.

vely and solo. She studied in the BA Dance, Context, Choreography study programme at HZT from 2013 to 2016; afterwards, alongside the artist Tara Transitory, she found­­ed the experimental art collective and performance space e x t a n t a t i o n in northern Thailand.


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Difference what gets lost

No matter whether it’s in a team, among students, invited guests or within cooperations: people with different professional and personal experiences and different artistic and cultural backgrounds offer and contribute numerous perspectives that enrich an artistic environment. Which exciting artists and points of view are we missing out on because we are unable to see them? And which artists are missing out on HZT because they don’t know about it?

→ 110 Discussion → 138 Entrance


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Artistic Research

what you know from doing Knowledge is at the heart of every kind of practice. Especially in dance, we raise the questions: how can we recognise and articulate the knowledge that is inherent in doing? What are the forms of knowledge in question? For example, the knowledge of how to reproduce an observed movement with my own body? Or the knowledge and consciousness of how much space my body takes up and in what direction my body is oriented? What are we lacking that would enable us to recognise the knowledge that lies in artistic action? What other activities besides speaking and writing could make this knowledge coherent and comprehensible? Artistic research has the potential to grasp this artistic/ practical knowledge and make it accessible to others, thus expanding standard concepts of knowledge. To do so, artists must be given the opportunity to develop suitable approaches and formats for such research practice. For this reason, HZT is planning, in the next few years, to establish an artistic fellowship programme that enables scholarship holders to realise artistic research projects in a network that goes beyond the HZT and Berlin. In this way, artistic approaches and formats can be developed that are precisely fitted to the specific knowledge of practice in choreographic work so as to make it discernible for others.

→ 94 Experiment → 112 Effect → 120 Academic Research


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Shoulder to shoulder with a student, I walk along the street to the Uferstudios. We are walking in step without having agreed to do so. A hammer is swinging from my right hand. We are moving quickly and decisively, as though we have a goal. However, we only have an assignment to walk silently along the street next to one another for ten minutes, holding a hammer. The directions were given to us a few minutes earlier by two students of the BA Dance, Context, Choreography study programme. They are part of an exam that a colleague and I are assessing. The students were given the assignment to select an object and do research on how this changes the body or our perception of the body. For the exam, they were asked to develop an exercise that makes this perception tangible to everyone. While I am walking, I observe the people who approach us. Sometimes their eyes remain focused on my right hand for a number of seconds, then they look me in the eye so I smile a bit and they smile back. I focus my attention within: how am I breathing, how do I place my heel on the ground, how is my arm swinging, what does the hammer feel like in my hand? When we cross a side street, a car makes a quick turn far too close to us. Suddenly I clearly feel the weight of the hammer in my hand and its momentum. I grab the shaft harder, bend my arm slightly, straighten my back a few millimetres and have to suppress the urge to swing and put a dent in the hood.


The car passes, we continue as though nothing had happened. “What was that?” I ask myself. Why did I feel the urge and – if I am honest, the desire – to slam the hammer down on the car?

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While we continue, I observe with curiosity what other things the hammer triggers within me. Walking past shop windows, brake lights, street lanterns, a mirror lying on the street… everything that is breakable now animates my fantasy. Amazed and slightly irritated, I realise that the idea of smashing something causes a sense of satisfaction. Moreover, the hammer in my hand is a potential weapon. If I wanted to or had to, I could! I am impressed by the effect that the exercise has on me, yet it could hardly be more simple. Had someone asked me beforehand if I find walking through the city on a daily basis menacing, I would have certainly said no. But with the hammer in my hand, I become conscious that there is something within me that very much has the need to be able to defend itself… Not just against the city that I suddenly find to be aggressive but from many things. To defend itself against the street noise, the traffic, the yelling. The people who bump into me. The theory of the body can hardly be experienced in a more direct way.

Britta Wirthmüller prefers to think, write, plan and choreograph in dialogue with others. She has been an artistic research associate at HZT since 2011 and, when equipped with an altimeter and a map, she can also navigate through unmarked territory.


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Discussion

what shapes your thought A vibrant culture of discussion gives students the chance to experience how debates demand but also release energy, and how they can expand horizons of thought and activity. How does something become clear to me? How can I calibrate my stance? What do I learn from others’ arguments? And how can we make different perspectives and experiences productive? Fruitful exchange not only requires time, but also a culture of discussion that nurtures our desire to speak with one another. To do this, a willingness to not only listen, but also to understand is necessary; to not only want to convince, but to also be open to letting yourself be convinced by others. A successful discussion allows for many different and often contradictory voices, observations and opinions, and it allows students to truly experience that there is no unified response to any given work of art.

→ 100 Accomplishments → 104 Difference


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Effect

what matters We have to put Duchamp’s urinal back in the restroom, the Columbian artist Tania Bruguera demands in her Introduction to Useful Art. What she means here is that art needs to get more concretely involved in society… returning the urinal back to the restroom so that it can be useful there, and leading art back to social and political realities where artistic practice can have a meaningful effect. Art schools often tend to become elitist bubbles that hover far from reality, where emphasis on art’s independence becomes justification for works that are completely self-referential. Yet educational institutions can also serve as protected environments wherein artistic strategies that may serve as forms of political resistance can be developed. In classes, feedbacks and discussions, HZT wishes to focus on the following question: how does artistic work and practice relate to the world that surrounds it? Not to force an answer, but rather to challenge students to question their own work in this context: between an art that is self-referential and an art that gets involved in the sociopolitical… where do I locate my practice?

→ 140 Education → 110 Discussion


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Cooperation what to share

This isn’t working anything like the way I thought it would. In the natural sciences, this sentence announces new knowledge far more often than the exclamation: I’ve got it! And in cooperative projects, there are always situations in which both partners have to admit: we envisaged that completely differently! Cooperative undertakings of any kind are a reality check for everyone involved. They shake up institutional routines, unveil invisible dogmas and initiate necessary debates. One of the central and initial ideas of HZT was to engage in cooperative projects with the local dance scene through the TanzRaumBerlin network. Cooperative projects inspire an exchange of experience, as well as meditations on one’s own work methods. They offer students the opportunity to gain access to new networks and gather experience in contexts that would otherwise be closed to them. In addition, they also give access to resources that one of the cooperating partners alone would never have. How can we further develop and expand this model, which has until now been primarily tested with partnerships within the dance and cultural scene? Which institutions, that wouldn’t necessarily immediately come to mind as potential partners, would in fact make exciting partners for cooperative projects that lead to crossovers with other industries and areas of society?

→ 104 Difference → 118 Berlin → 122 Opening


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When you arrive somewhere, draw the journey of coming to that place on a large piece of paper. Try to remember the shapes, feelings, smells, sounds, thoughts and observations you made along the way.


Use these to annotate the drawing.

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Sophia New believes that art and life are not so easy to untangle and that everyday actions are worthy of reflection within artistic production. Working together with her partner Daniel Belasco Rogers as plan b they have over a decade of GPS data of their daily whereabouts and all their text messages. Sophia New has been a guest teacher and professor at HZT since 2012, where she has also developed the feedback format Makers Open.


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Berlin

what stays unfinished HZT wouldn’t be what it is without Berlin’s dance scene. The surrounding Berlin dance scene means that the students of HZT can not only experience a diverse variety of artistic projects, but that there are numerous opportunities for cooperative endeavours and that HZT can invite international artists to be guest teachers. Dance professionals from all over the world value Berlin as a location where ideas and debates on dance can flourish. It isn’t just the dance and art scene in Berlin that has become increasingly internationalised over the last few years – the same changes have happened throughout the entire city. Given these changes, ateliers and studios need to be protected so that artists are not pushed out of the city for financial reasons, as has previously been the case in other European metropolises. HZT is committed to taking a position on this issue and actively supporting partners in local initiatives. Berlin’s constantly changing artistic environment and the international developments are, above all, one thing: a constant reminder that we must remain open and unfinished in order to be able to best react to what waits for us up ahead.

→ 86 Location


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Academic Research

what you know about what I do Academic research that seeks a direct exchange with artistic practice is interesting and enriching for artistic education. What conditions would be ideal for an academic study that wishes to be conducted in close proximity to the field of dance practice? How can synergy between artistic and academic research continue to grow? Academic work can be described as investigations and meditations on what is already there. Sometimes, however, academic work can be the catalyst that brings new, not yet existing scenarios into existence. HZT would like to create spaces for such reflecting and forward thinking. In 2013, the HZT Research Lab was established. It offers associated research projects the opportunity to work in close vicinity to artistic practice. In the next few years, HZT would like to expand on existing collaborations with academic researchers along with placing more emphasis on artistic research. A focus will be placed on projects that have a direct connection to dance or choreographic practice. They can be dance studies, research projects or projects that deal with dance, choreography, the body and movement from the perspective of other fields.

→ 106 Artistic Research → 114 Cooperation


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Art has (at least) two things in common with life, love, and politics. Sooner or later two questions will present themselves: “Now that we are here, what are we going to do?“ and, “How are we to know what is best to be done?“ One is the question of practice, the other that of theory. Jan Verwoert


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Opening

who’s at your dance The author of a fictional article in a German newspaper from 2027 comments: In the last ten years, dance has been opening itself up to society to an impressive degree; in return, it has also had success in opening up society to dance as well… Such an opening, as is already existent and even expansive in countries such as Belgium, the Netherlands and England, has yet to occur in Germany. If we are serious about the social relevance of dance and choreography, then we have to consider what public we want to reach and include – and how. But we also have to consider the extent to which our artistic processes – and we ourselves – need to be in touch with the realities of life that surround us. Those who leave established art locations open themselves up to the discovery of other artistic formats for dance and choreography; this creates opportunities to be inspired by other subjects and to be confronted with other perspectives. In the future, HZT would like to promote such openings of the genre by initiating projects outside of the usual venues, inviting guest artists and cooperating with a wide range of partners. In addition to the possibility of developing performative works for the stage or exhibition spaces, HZT students also have the opportunity to test themselves outside of established formats. Thus, student summer projects in the MA Choreography programme

→ 112 Effect → 94 Experiment


will be presented in urban space for the first time in 2017. In addition, the HZT’s research project The Choreographic Village is also being prepared: a project where artists are invited to develop choreographic works in rural areas.

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Every year in July, HZT invites the public to student showings at the Uferstudios as part of the UdK Rundgang (open day). After one such presentation was over, I started a conversation with a visitor, who told me that she is working as a sculptor. Interested, she asked what was special about studying at HZT. I told her that not everyone learns the same dance styles or techniques. On the contrary, the focus is placed on students developing their own projects, often in groups, and – with teachers’ support – they appropriate the knowledge and respective techniques they require for their current project. The visitor replied: I see, you’re doing it like they do in sculpture. There I also learn the particular techniques that I would like to try out for the next sculpture. Then her eyes shone as she added: with my hands and everything I know about bodies as a sculptor, I could have studied dance here as well. Her reaction made me realise that such an approach seems to be common in the study of visual arts; however, when studying dance, it is still perceived to be unusual. Years later, a HZT student put it in a nutshell when she said: I somehow stopped thinking about HZT as a dance school. At one point, I reformulated it for myself and began to think about it as an art academy with a focus on the body.


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Nik Haffner considers his actual artistic education not to have been his dance training, but rather the years in his first job as a dancer with William Forsythe. As HZT’s director, he sees his work less within the frame of leading as more with the intention to build – building partnerships, networks and tools as well as building a common culture and community at HZT.


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Technique

what triggers when you hear ‘virtuosity’ The science fiction film Virtuosity got bad reviews in 1996 – it was too smooth and its actors pale. Dance is often associated with expert performance, even if in the last few years a debate has been going on in the contemporary dance world about whether the concept of virtuosity is overrated or even outdated. Virtuosity is often reduced to extremely exaggerated technical abilities: perfect in terms of dance technique, but otherwise empty, smooth and pale. Meanwhile, in contemporary dance today, there are diverse techniques and a wide range of individual abilities and alternative body images. Moving virtuosically, thinking virtuosically or reaching a high level of physical awareness, perceptual sensitivity and openness for other approaches – how else can we expand the concept of virtuosity beyond skills and technique?

→ 128 Distraction → 88 Dance


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Distraction

wasting time productively What is our attention worth? Obviously a lot: as soon as we enter a store, surf the internet or walk through the city, something immediately winks or waves at us in a bid for our attention. It is a challenge to focus on something despite all this diversion. If I become aware of the value of my attention – can I then decide more clearly what I allow to distract me, when I can be distracted and when I can’t? Artistic practice in the studio requires attention, and sometimes it needs conscious diversion. Working artistically can mean giving time and attention to tasks in a manner and to an extent we in daily life rarely do. Regardless of whether I work alone or as part of a group – how can I create a space in which we can open up experience? How much time and attention – or distraction – must I give to my processes so that something unexpected is able to happen?

→ 94 Experiment → 140 Education


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Go for a swim. Get in the shower and let the spray hit different parts of your body while you stand, sit or lie under it. Do it.


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Efva Lilja is a choreographer, researcher, author and curator. She thinks across disciplines and works across borders, and likes to spend time with friends and in nature. She has been a HZT board member since 2015.


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Feedback

how to be frank Students spend a lot of time and energy developing their artistic work, and are accompanied by teachers and mentors throughout their process. How can you support young artists to make them conscious of both the particular qualities and weaknesses of their work? How can you offer them a constructive and simultaneously challenging source of friction with your feedback? What kind of reciprocal honesty is necessary to be able to speak without compromise, to engage in an honest peer to peer debate about artistic work in a team and with students? Discussions and feedback need a strong foundation of understanding and trust so that an exchange of opinions doesn’t become too precious but is rather carried out with respect and in a frank and candid manner. That way everyone grows as a result of it and the artistic practice can thrive. Since 2014, HZT has been cooperating with Uferstudios in the context of annual feedback laboratories in which Berlin dance professionals, students, HZT teachers and international guests all take part. In the Makers Open teaching format, students of all three study programmes show work-in-progress sketches and give one another feedback.

→ 98 Collaboration → 100 Accomplishments


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Time Lapse what happened

2006 HZT starts as a pilot project as part of Tanzplan Deutschland, an initiative of the German Federal Cultural Foundation to promote dance. 2007 The first students are admitted. 2009 For the first time, the HZT team meet for a retreat in the countryside – the beginning of the now annual AwayDays. 2010 The three study programmes are integrated into the regular study operations of the UdK Berlin and the HfS »Ernst Busch«. HZT moves to Uferstudios in Berlin-Wedding. 2013 With the move of the MA Choreography study programme to Uferstudios, all three study programmes are now under one roof. 2017 The HZT celebrates its 10th anniversary.

→ 86 Location → 92 Numbers → 118 Berlin


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Sometimes they catch my eye early in the morning: the part decaying, part surprisingly fresh and radiant remnants of green tape on the entrance doors to the current office of Uferstudios GmbH, my workplace. Outsiders wonder what the lettering would say if the gaps in the bits of tape were filled. I remember the word well: AFFAIRS. That was the name of the new study programme’s 2010 festival in the equally new Inter-University Centre for Dance Berlin. The platform was organised by the students on their own; their festival office was the centre for collective planning. At AFFAIRS, many ideas were created spontaneously and some were rejected just as quickly. The different student backgrounds and their search for their own artistic approaches generated an aesthetic diversity and simultaneously reflected the spirit of the new educational institution. The artists were diving collectively into AFFAIRS with their individual work methods and without institutional interference. Even if the collective way of working didn’t function totally without any degree of confusion and wasted time, to me the result was impressive, very vibrant and artistically surprising. As the former director of Tanztage Berlin, I used to attend numerous school performances, but I remember this festival as being more exciting and thought-provoking because it didn’t limit itself to simply regurgitating what had been learned by the students. HZT’s emphasis on offering student artists the free space and time for concentrating on and confronting artistic work methods without being afraid of AFFAIRS (or causing scandals), is highly valuable. Especially if this occurs alongside


students becoming aware of social contexts and searching for effective strategies to gain and maintain artistic freedom after the study programme ends. I hope the organised scene of the independent dance professionals in Berlin, who assisted in HZT’s birth, will remain on the ball and not forget their supportive and critical role in the future – HZT remains our AFFAIR!

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Barbara Friedrich puts her heart and soul into her work, but still often takes time for a chat at her office window. She is a co-weaver of the TanzRaumBerlin network and developed the Uferstudios for Contemporary Dance to be the inspiring location based on openness and participation that it is today.


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Entrance

which doors could be yours The assumption that only those people who dance certain styles – and who have done so since childhood – can study dance as further education is still omnipresent. Regardless of whether they come from Hip Hop, Indian dance or physical theatre, whether they completed sociology or math studies – applicants are often surprised when they are offered a place to study at HZT. For many, even applying was anything but obvious. People that bring with them the artistic potential to investigate dance as an art form with an important relationship with today’s society are the people that are accepted to HZT. Age, experience in dance technique or physical prerequisites are, in contrast to many other study programmes in dance, not excluding factors. How can we reach more qualified applicants who would otherwise not think of applying for a dance and choreography study programme? How can one find interesting minds that have possibly never even heard of such an education? How can the artistic quality of preliminary dance education be improved, especially in Germany, so that more people can appropriately prepare to study dance and choreography?

→ 88 Dance → 104 Difference


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Movement art – one could say rather than dance – is really about refining the intelligence of our human behaviour. Gill Clarke


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Education

too many or not enough 15 BA and 15 MA students graduate every year from HZT. Are 30 graduates too many, or too few? If one only looks at the standard career perspectives in the dance sector, which are characterised by strong international competition, 30 more dance professionals per year is a lot. But if you look at this number from the point of view that creativity now counts as one of the most important qualities in almost all career fields, then the answer logically seems to be that not enough people study art. Tied to the question of how we will all work in the future is the question of developing new life models and means of social participation. Collaborative work methods, social competence, self-management and educational approaches have become important contents for artistic study programmes. Thus, educating creative and artistically active people is relevant for our changing society – beyond the realms of traditional careers in art or dance.

→ 100 Accomplishments → 98 Collaboration


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Find a task that excites and scares you at the same time and then give it a try.

In her choreographic work, Irina Demina addresses utopias, magic and fantasy worlds. She finds it exciting to confront her own fears and to overcome them. She studied in the MA Choreography programme at HZT from 2014 to 2016. Her final project, Traumlabor, was a dance piece for a young audience in cooperation with the Theater Strahl Berlin.


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drawing from what falls next to you ist eine Sammlung von Texten und Zeichnungen, die skizzieren, was das HZT heute ausmacht und was es morgen werden könnte. drawing from what falls next to you is a collection of texts and images. It creates a sketch of what HZT has become, and what it could become tomorrow.

978–3–00–056366–9

drawing from what falls next to you – HZT BERLIN  

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