Issuu on Google+

Hufspu ren

Juli / August 2011

Das Magazin für‘s Pferdeglück

1


Inhalt

Pferdeglück Gebisslos glücklich Ein Tröpfchen hier, ein Kügelchen da... Fit im Sattel - Ein Selbstversuch (Teil2) Safari durch den Trainerdschungel (Teil 2) Wenn Gras Stress hat, wird es brenzlig...

Seite 4 Seite 16 Seite 20 Seite 40 Seite 54

Nachgedacht

Reitsport vs. Reitkunst Abschied

Seite 23 Seite 70

Hufspuren Das Pferd - Seelenverwandter, Freund und Krafttier Verloren in den Weiten der nordfriesischen Marsch Bella Einmal mein Leben - Geschichte eines Fohlens

Seite 26 Seite 58 Seite 66 Seite 73

Portrait Babette Teschen und ihre Wege zum Pferd Stallgeflüster Geschichten vom Pferd: Die Neue Szenen aus dem Pferdeleben: Das Huch-Mampf

Seite 28

Seite 15 Seite 51

Bastelecke Insektenschutz zum selbermachen

Seite 57

Suchen & Finden

Seite 75

Termine

Seite 76

Impressum

Seite 83

Die andere Art mit Pferden zu kommunizieren... * Geben Sie Ihrem Pferd die Möglichkeit Ihre Wünsche zu verstehen und gönnen Sie ihm eine Seelentherapie! * psychologische Therapie • Betreuung bei Problemen • Bodenarbeit nach Klaus Ferdinand Hepfling • energetische Ausgleichsbehandlung * Gabriele Stern, Leipzig Tel.: 0177 731 701 9 wild_horse1@web.de www.gabrielestern-horsepsychology.de


Editorial Liebe Pferdefreunde, seit wir im Mai mit unserer ersten Ausgabe online gegangen sind, haben schon weit über tausend Besucher in den Hufspuren gestöbert und wir haben viele Reaktionen erhalten. Wir hätten nicht zu träumen gewagt, dass unser kleines Magazin so schnell bekannt werden würde, aber es scheint als spräche unsere Philosphie vielen Pferdefreunden aus dem Herzen. Das motiviert und bestärkt uns natürlich in unserer Arbeit und deshalb geben wir auch in dieser Ausgabe wieder unser Bestes für Euch und Eure Vierbeiner. Natürlich bleibt es bei kontroversen Themen nie aus, dass es auch viele Diskussionen gibt, so zum Beispiel anlässlich des Mounted Games Artikels in der letzten Ausgabe, wo die aktiven Spieler sich nun zu fragen beginnen, was der Einzelne unter „grob“ und „fein“ versteht und wie die Schiedsrichter damit umgehen könnten. Das ist fantastisch, denn gerade durch derartigen Meinungsausstausch gelangt man ja zu neuen Blickwinkeln und Erkenntnissen - fühlt Euch also jederzeit frei Eure Meinung zu sagen und sie uns auch gerne mitzuteilen. Übrigens wurde im Rahmen dieser Diskussionen festgestellt, dass unsere Beiträge „einem idealisierten Bild der Reiterei“ folgen würden. Selbstverständlich tun sie das, denn auch wenn wir wissen, dass niemand von uns perfekt ist, heißt das doch nicht, dass wir nicht danach streben dürfen. In diesem Sinne hoffen wir, auch mit den aktuellen Beiträgen wieder dazu beitragen zu können dass Pferdefreunde aller Reitweisen sich rege austauschen und weiter nach ihren Pferde-Träumen greifen.

Maritres Hötger und das Team der „Hufspuren“

Foto oben: © Renée Hawk Titelfoto: © Nina Walther

3


Gebisslos Glücklich

Schon seit einigen Dekaden lässt sich beobachten, dass gerade unter Freizeitreitern immer mehr pferdefreundliches, zwangloses Reiten gewünscht und gefordert wird. Horsemanship und Gewaltfreiheit sind die Schlagworte einer Generation von Reitern, die ihre Pferde nicht beherrschen sonder partnerschaftlich mit Ihnen umgehen möchte. Von diesem Ideal getrieben, suchen viele Reiter nach einer Alternative zum oftmals als störend 4

© Nina Walther

Pferdeglück

oder gar schmerzhaft empfundenen Gebiss im Pferdemaul und steigen auf gebisslose Zäumungen um. So traumhaft und pferdefreundlich das auch klingen mag, gebissloses Reiten bedeutet nicht automatisch auch harmonisches und zwangloses Reiten. Genau wie bei Trensen- und Kandarenzäumungen kommt es auch bei den gebisslosen Alternativen weniger darauf an womit man reitet, als viel-


Pferdeglück mehr darauf, wie man damit umgeht. Man kann tatsächlich mit einer Kandare so fein auf ein Pferd einwirken, dass nur ein Signal ohne Schmerzreiz wahrgenommen wird, aber genauso gut kann man einem Pferd auch mit der der weichsten gebisslosen Zäumung starke Schmerzen bereiten und ihm seinen Willen aufzwingen. Jede Zäumung kann immer nur so pferdefreundlich sein wie unsere Hilfengebung. Doch was bringt uns der Verzicht aufs Gebiss, wenn er nicht automatisch den Zwang ausschließt? Ich persönlich habe viele Pferde kennengelernt, die die Druckimpulse auf Nasenbein und Genick (bzw. je nach Zäumung auch auf den Unterkiefer) als weniger störend empfinden als die Druckimpulse auf Zunge und Laden vom Gebiss, die in der Regel auch noch mit Druck auf Nasenbein, Genick und Kieferknochen einhergehen. Sie liefen entspannter, suchten schneller die Dehnungshaltung und waren insgesamt motivierter und leistungsfähiger. Wer das nicht nachvollziehen kann, der möge sich einmal einen Löffel in den Mund stecken, damit eine Runde Joggen gehen und hinterher seine Schlüsse daraus ziehen. Darüber hinaus ist das gebisslose Reiten auch eine hervorragende Möglichkeit, Pferde, die durch zu starke Handeinwirkung im Maul abgestumpft sind, wieder mit feinen Hilfen zu reiten und ihnen das Vertrauen in die Reiterhand wiederzugeben.

Dennoch gibt es auch Pferde, die sich mit gebisslosen Zäumungen unwohl fühlen, zum Beispiel wenn sie sehr druckempfindlich sind, denn das Nasenbein ist eine der empfindlichsten Stellen des Pferdes. Gerade bei Pferden die schlechte Erfahrungen mit sehr scharfen gebisslosen Zäumungen gemacht haben, kann ein Gebiss unter Umständen die bessere Alternative sein.

„Ist das nicht gefährlich?“ Oftmals hört man von Gegnern des gebisslosen Reitens das Argument, das Pferd wäre ohne Gebiss nicht richtig kontrollierbar, man würde fahrlässig handeln und keine Versicherung würde das Risiko tragen. Das stimmt schlicht und einfach nicht. Wenn man weiß wie man seine Zäumung korrekt handhabt, hat man ebenso viel Einwirkung wie mit Gebiss, unter Umständen sogar mehr, da sich das Pferd nicht „festbeißen“ kann. Einzig bei Pferden mit sehr stark ausgeprägter Halsmuskulatur, z.B. bei Kaltblütern oder Kutschpferden, ist das Risiko geringfügig höher, da sie sich aufgrund der Kraft im Hals auch stärkeren seitwärtsweisenden Zügelhilfen widersetzen könnten. Wer aber schon einmal mit Trense auf einem durchgehenden Pferd saß, der weiß dass das Gebiss in so einer Situation meist ebenfalls völlig wirkungslos ist. Trotzdem empfiehlt es sich natürlich die ersten Versuche erstmal auf einem umzäunten Platz oder in der Halle zu 5


Pferdeglück machen, bevor man sich ins Gelände wagt. Mittlerweile haben sich auch viele Versicherungen darauf eingestellt, dass viele Reiter gebisslose Alternativen bevorzugen, und nehmen das explizit in ihre Policen mit auf. Trotzdem sollte man das sowohl mit der Haftpflicht als auch mit Unfallversicherung voher abklären.

„Damit kann man doch nicht arbeiten!“ Ein weiteres Argument, das ich oft zu hören bekomme, ist die Behauptung, dass man ein Pferd ohne Gebiss nicht vernünftig gymnastizieren könnte. Das ist ausgemachter Blödsinn. Es gibt gebisslose Zäumungen mit denen ich mein Pferd in dressurmäßiger Anlehnung reiten kann, Zäumungen die präzise und fein wie eine Kandarenzäumung bis zur hohen Schule einsetzbar sind und Zäumungen die eine entspannte Selbsthaltung des Pferdes für die Gymnastizierung erfordern. Natürlich ist nicht jede Zäumung für jeden Zweck gleich gut geeignet, aber jeder Reiter hat die Wahl diejenige zu wählen, die am besten für sein Pferd und die gemeinsamen Ziele geeignet ist. Allerdings ist der Markt ivoll von den verschiedensten Arten gebissloser Zäumungen und häufig sind die Verkäufer in den Reitsportgeschäften wenig oder gar nicht vertraut mit deren Wirkungsweisen. Deshalb findet Ihr 6

hier einen kleinen Überblick über die zur Zeit gängigsten Varianten und ihre Einsatzmöglichkeiten. Für alle Zäumungen gilt grundsätzlich: • Kein Stück der Zäumung darf irgendwo drücken, scheuern oder in die Augen rutschen. Das Jochbein ist meist besonders gefährdet durch Ringe oder Schnallen malträtiert zu werden. • Nasenriemen oder Bänder sollten immer auf dem harten Teil des Nasenbeins liegen um den empfindlichen Nasenknorpel nicht zu schädigen und die Atmung nicht zu beeinträchtigen. Als Faustregel gilt, dass der Nasenriemen ca,. 2-3 Fingerbreit unterhalb der Jochbeins liegen sollte. • Je breiter Nasenband und Genickriemen, desto sanfter ist die Wirkung. • Alle beschriebenen Zügelhilfen stehen selbstverständlich nicht für sich allein, sondern sind nur eine Unterstützung der Gewichts- und Schenkelhilfen.

Das Lindel Diese ursprünglich von Linda Tellington-Jones entwickelte Zäumung ist mein persönlicher Favorit. Das Lindel sieht fast so aus, als hätte man beim Englischen Reithalfter das Gebiss vergessen und im Prinzip wirkt es auch so. Es wirkt hauptsächlich aufs


Pferdeglück Nasenbein und ein wenig aufs Genick des Pferdes. Wenn das lederne Nasenband sehr breit und weich ist und ohne zu rutschen anliegt, ist das Lindel auch zum Reiten in Anlehnung geeignet, grundsätzlich gilt: je breiter das Band, desto weicher die Wirkung. Mit Hilfe des Kinnriemens lässt sich regulieren wie eng das Nasenband anliegt, hier gilt wie beim Englischen Reithalfter auch, dass ungefähr 2 Finger zwischen Riemen und Kiefer passen sollten. Besonders sollte man darauf achten, dass die Backenstücke nicht in die Augen rutschen können. Viele Lindel sind deshalb heutzutage mit einem Ganaschenriemen ausgestattet, der das Ganze ein wenig stabilisiert. Diese Zäumung wirkt in der Regel sehr weich und ist für alle Reitweisen geeignet.

Das Sidepull Diese typische Westernzäumung ist der Vorläufer des Lindels. Es liegt jedoch nicht so fest an und das Nasenband besteht meist aus ein oder zwei Strängen Rohhaut oder Seil. Da diese Materialien leicht scheuern können, ist das Sidepull nicht zum Reiten mit ständigem Zügelkontakt geeignet, sondern auf das Signalreiten ausgelegt. Die Möglichkeiten der direkten Einwirkung sind ein wenig beschränkter, für einseitige Hilfengebung ist ein Seitwärtsführen des Zügels notwendig, da das Nasenband bei klassischem, einseitigem Annehmen verrutschen würde. Es eignet sich sehr gut für Pferde die im Neckreining geritten werden können, aber gelegentlich noch etwas deutlichere seitwärtsweisende Hilfen benötigen.

© Gentle Horse Ranch

Das Glücksrad / Der LG-Zaum

Am Lindel auf dem Weg in die Selbsthaltung - auch Jungpferde können gebisslos trainiert werden.

Seit ein paar Jahren macht der von Monika Lehmenkühler entwickelte LG-Zaum, auch „Glücksrad“ genannt, von sich reden. Grundsätzlich ist er dem Lindel sehr ähnlich, allerding ist er an den Seiten nicht mit einfachen Ringen sondern mit einem Rad mit 6 Speichen versehen. Diese Speichen ermöglichen es, die Zügel in unterschiedlichen Positionen anzubringen und damit Unterschiede in der Stärke der Einwirkung zu erzielen. Wird der Zügel beispielsweise hinter dem Kinnriemen verschnallt ist die Wirkung am weichsten, ähnlich wie beim Lindel, verschnallt man den Zügel vor 7


Pferdeglück dem Kinnriemen, entsteht durch den Druck auf die Speiche eine Hebelwirkung die den Druck auf das Nasenbein und das Genick verstärkt und der Kinnriemen wirkt, wie bei einer Kandarenzäumung, auf den Unterkiefer. Durch diese Variationsmöglichkeiten, und auch weil der Nasenriemen individuell verstellt werden kann, lässt sich mit dem LG-Zaum etwas präziser, aber auch deutlich schärfer einwirken, zumal er auch mit Kinnketten und Anzügen versehen werden kann. In entsprechender Ausstattung kann der LG-Zaum sogar schärfer wirken als eine englische Hackamore (siehe weiter unten), da der Nasenriemen meist dünner und weniger gepolstert ist. Von daher ist es unabdingbar sich immer genau bewusst zu machen, © Susett Queisert

Das Glücksrad ist vielseitig verwendbar und könnte in ein paar Jahren vielleicht auf Turnieren zugelassen werden.

8

welche Wirkung man bei welchem Einsatz erzielt. Der LG-Zaum eignet sich für alle Reitweisen, bei empfindlichen Pferden kann der Druck des Rades bei seitwärtsweisenden Zügelhilfen allerdings als unangenehm und störend empfunden werden. Bei der Anpassung des Zaum muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Räder nicht auf das Jochbein drücken und der Nasenriemen trotzdem nicht zu tief liegt. Gegenwärtig prüft die FN, ob sie den diese Zäumung künftig auf Turnieren zulassen wird, in Frankreich ist es bereits gestattet Pferde mit dem Glücksrad vorzustellen.

Das Merothische Reithalfter Das von Erwin Meroth entwickelte Reithalfter ähnelt von Grundaufbau ebenfalls dem Lindel, allerdings werden hier zwei Riemen hinter dem Kinnriemen eingeschnallt, die die Zügel über Kreuz miteinander verbinden. Beim Annehmen des Zügels schließen sich diese Kreuzriemen und auch der Nasenriemen enger um das Pferdemaul und erzeugen so einen stärkeren Druck, dem das Pferd nachgeben soll. Folgt es dem Impuls, soll der Druck unmittelbar nachlassen. Bei schlecht gefertigten Ausführungen kann es allerdings passieren, dass sich die Riemen nicht von allein wieder lösen und der Druck bestehen bleibt. Wer also mit dem merothischen Reithalfter arbeiten möchte, sollte unbedingt kontrollieren, ob es sich beim Nachgeben auch wieder löst.


Pferdeglück Das Bitless Bridle Das vom amerikanischen Tierarzt Robert Cook entwickelte Bitless Bridle (wörtlich „gebisslose Zäumung“) ist der Wirkungsweise des Merothischen Reithalfters sehr ähnlich, allerdings bezieht die Kreuzverbindung hier den Kehlriemen mit ein und verstärkt dadurch auch den Druck auf das Genick. Prinzipiell ist diese Zäumung daher für das Pferd leichter zu verstehen und wird durch die Verteilung der Druckpunkte weniger Einwirkung bei gleichem Effekt benötigt. Allerdings gibt es auch Pferde, die den Druck im Genick als unangenehm empfinden, in solchen Fällen kann die merothische Variante hilfreicher sein. Grundsätzlich sollte man aber bei Pferden die schon bei geringem Druck in diesem Bereich empfindlich reagieren, abklären lassen ob evtl. gesundheitliche Probleme, zum Beispiel im Atlasbereich, vorliegen. Auch bei dieser Zäumung muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Riemen der Kreuzverbindung sich beim Nachgeben von allein lösen.

über das Anlegen des Zügel am Hals gegeben werden, eine verständliche Einwirkung an der Zäumung selbst ist nur bei beidseitigem Annehmen zum Verlangsamen oder zum Beeinflussen der Kopfhaltung möglich. Aber auch beim Reiten mit seitlich in Ringen befestigten Zügeln sind richtungsweisende Hilfen über die Zäumung oftmals sehr undeutlich, da das Knotenhalfter leicht verrutschen kann. Hinzu kommt, dass die Halfter aufgrund der meist recht dünnen Riemen sehr scharf auf Genick und Nasenbein wirken. Daher sind Knotenhalfter nur dann sinnvolle Zäumungen, wenn das Pferd sehr gut auf Gewicht, Schenkel und Neckreining reagiert, so dass sie quasi nur noch zum befestigen der Zügel dienen und diese nur in Notfällen abgenommen werden.

Das Knotenhalfter Um das Knotenhalfter als Zäumung zu verwenden, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Zum einen können in die seitlichen Knoten Ringe eingearbeitet werden, an denen sich Zügel befestigen lassen, die Zügel oder eine Bodenleine können aber auch an der Schlaufe für den Führstrick befestigt werden. Bei dieser Variante können seitliche Zügelhilfen ausschließlich

© Two Crows Ranch / Salzburg (Austria)

Entspanntes Arbeiten am Knotenhalfter bei so feiner Hand-Einwirkung ein harmonisches Bild.

9


Pferdeglück Das Bändele Das von Fred Rai entwickelte Bändele ist dem Knotenhalfter in seiner Wirkungsweise sehr ähnlich, allerdings ist es noch deutlich schärfer, da Nasenund Genickriemen in der Regel nur aus einem dünnen Nylonband bestehen, während sie beim Knotenhalfter aus zwei Strängen gebunden sind. Auch das Neckreining funktioniert damit nur bei sensiblen Pferden, da auch die Zügel meist nur aus einem dünnen Strang gearbeitet sind. Es wurde für das sogenannte „Rai-Reiten“ entwickelt, bei dem man, wenn es korrekt praktiziert wird, nahezu ohne Zügeleinwirkung auskommt Daher ist es, wie das Knotenhalfter auch, nur dann zu empfehlen wenn Pferd und Reiter sich auch ohne Zügel verständigen können.

Das Stallhalfter Korrekt angepasst können gewöhnliche Stallhalfter zu den sanftesten der gebisslosen Zäumungen gezählt werden, allerdings lässt sich nicht jedes auch so anpassen wie es für eine verständliche Einwirkung nötig ist. Um das Stallhalfter wie ein Lindel oder Sidepull nutzen zu können, muss es möglich sein den Nasen- oder Kinnriemen so anzupassen, dass er mit ca. zwei bis drei fingerbreit Luft am Pferdekopf anliegt und ca. zwei Finger breit vom Jochbein entefrnt liegt. Zudem muss der Genickriemen gut sitzen ohne zu verrutschen, da hier der Stirnriemen fehlt, der ein Zurückrut10

schen verhindert. Ist das Halfter nicht ganz so gut anpassbar kann es aber auch zur Zügelbefestigung für das Neckreining oder als „Notbremse“ verwendet werden, dabei gelten dann die gleichen Maßstäbe wie beim Reiten mit dem Knotenhalfter, der Druck auf Nasenbein und Genick wird allerdings als weniger stark empfunden, da er sich durch die breiteren Riemen besser verteilt.

Kappzäume Kappzäume sind die Klassiker unter den gebisslosen Zäumungen. Meist sieht man sie heute nur noch an der Longe oder bei Freunden der klassischen Reitkünste am Langzügel im Einsatz. Sie bestehen in der Regel aus einem Lederhalfter mit einem ledergepolsterten Naseneisen mit mehreren Ringen, in denen Zügel und Longe nach Bedarf angebracht werden können. Je nach Ausführung und Tradition des jeweiligen Kappzaums sind die Naseneisen unterschiedlich gearbeitet. Der klassische schwere Kappzaum zum Beispiel besteht aus einem 2 bis 3cm breiten, dreigeteilten Eisen mit Unterpolsterung, das sich dem Nasenbein des Pferds recht gut anpasst und eine klare Einwirkung mit gut verteiltem Druck erlaubt. Diese Variante wirkt aufgrund der Breite und ihrer Polsterung auf viele Pferdefreunde sehr wuchtig und daher abschreckend, ist aber eine der sanftesten Form des Kappzaums. Einzig das französische Pluvinel, das gänzlich ohne metallene Verstärkung im Na-


Pferdeglück senband auskommt wirkt weicher, jedoch neigen die Ringe hier aufgrund der fehlenden Stabilität dazu sich zu verdrehen und die Einwirkung wird weniger Präzise.

geringem Druck große Schmerzen zufügen kann. Grundsätzlich eignen sich auch Kappzäume zum Reiten und werden sehr gern in der klassischen Pferdeausbildung eingesetzt, aber für reine Freizeitreiter, sofern sie nicht nach den Lektionen der hohen Schule streben, sind leichtere gebisslose Zäumunge ohne Metallverstärkungen, einfacher zu handhaben.

Das ebenfalls französische Caveçon ist deutlich schmaler und weniger wuchtig als der schwere Kappzaum, aber auch entsprechend schärfer. Das Naseneisen besteht aus einer lederummantelten Kette. Dadurch passt es sich dem Nasenbein zwar besser an, erzeugt durch die Kettenglieder aber auch mehr Druckpunkte.

Bosal / Kalifornische Hackamore

Als schärfste Variante des Kappzaums gilt die iberische Serreta, bei der das Naseneisen aus einem Metallbügel besteht der häufig mit Metallspitzen versehen ist und dem Pferd schon bei

Die kalifornische Hackamore, den meisten eher als Bosal bekannt, stammt in ihrer Ursprungsform aus Arabien, ist aber heute im klassisch-kalifornischen Westernreiten beheima-

© Two Crows Ranch / Salzburg (Austria)

Echte Cowgirls wissen mit dem Bosal umzugehen...

11


Pferdeglück

Das Bosal ist nicht zum Reiten mit ständiger Verbindung geschaffen da der Druck der relativ harten Rohhaut auf den empfindlichen Nerven viel zu stark wäre. Daher eignet es sich nur für Signalreitweisen, bei denen sich das Annehmen der Zügel auf einen kurzen Impuls beschränkt und das Pferd ansonsten über Gewicht, Schenkel und Neckreining kontrolliert wird. Damit das Bosal gut am Pferdkopf anliegt muss es mit Hilfe einer speziellen Einspannvorrichtung vorgeformt werden, hierfür sollte man einen Experten zu Rate ziehen.

Die Mechanische Hackamore Die mechanische Hackamore ist eine der schärfsten gebisslosen Zäumungen und gehört daher nur in sehr feine und erfahrene Hände. Sie besteht 12

aus einem, in den milderen Varianten gepolsterten, Nasenband mit Anzügen, über die starker Druck auf Nasenbein, Genick und Kieferknochen ausgeübt werden kann, es soll sogar schon Fälle gegeben haben, in denen Pferden damit das Nasenbein gebrochen wurde. Bei einzelnen Anzügen ohne Verbindung ist eine geringfügige einseitige Einwirkung möglich, Hackamores deren Anzüge mit einer Querstange auf Abstand gehalten werden, sollten aber nur einhändig geritten werden, da sie sich sonst verkanten und dem Pferd massive Schmerzen zufügen könnten. Diese Zäumung wurde ursprünglich entwickelt um Pferde zu korrigieren, die im Maul so abgestumpft waren, dass sie sich anders nicht mehr korrigieren ließen, heute ist sie in Springprüfungen ab Klasse M gestattet und hält auch Einzug in den Freizeitbereich.

© Susett Queisert

tet und wird gern zur Jungpferdeausbildung und zur Turniervorstellung genutzt. Sie besteht aus einem aus Rohhaut geflochtenen Nasenring, an dem eine sogenannte Mecate als Zügel befestigt wird. Dieses spezielle Seil besteht traditionell aus geflochtenem Rosshaar mit einzelnen herausstehenden Haaren, die durch ein leichtes „“pieksen“ am Hals den Impuls des angelegten Zügels beim Neckreining verstärken. Heutzutage trifft man auch häufig Reiter an, die die klassische Mecate gegen Leder-, Kunststoffoder Hanfseile eingetauscht haben, weil sie für den Reiter angenehmer zu handhaben sind.

Nicht nur die Handeinwirkung ist zu stark, diese Englische Hackamore ist auch zu tief verschnallt und drückt auf die Atemwege.


Pferdeglück Die mildeste und unter Freizeitreitern verbreitetste Variante ist die englische Hackamore mit einem breiten, gepolsterten Nasenband und kurzen gebogenen Anzügen. Aber auch diese bedarf einer sehr feinen Hand und sollte meiner Meinung nach bei dem breitgefächerten Angebote gebissloser Alternativen trotzdem lieber aus der Freizeit-Sattelkammer fern bleiben.

Der Halsring Genaugenommen ist ein Halsring natürlich keine Zäumung, aber da er von vielen Freunden des gebisslosen

Reitens gern genutzt wird, möchte ich seine Wirkungsweise hier auch kurz vorstellen. Korrekt angewendet, wirkt der Halsring wie die Zügel beim Neckreining, er gibt also durch ein seitliches Anlegen am Hals dem Pferd das Signal der Berührung in die andere Richtung auszuweichen und wird dabei von Gewicht und Schenkel unterstützt. Das Durchparieren erfolgt durch Stimm- und Gewichtshilfen. Leider sieht man den Halsring auch häufig in anderer Form im Einsatz, nämlich als Haltegriff oder Bremse. Das Problem hierbei ist allerdings, dass der Ring immer wieder gegen die vordere Partie des Halses, und damit auch gegen die empfindliche Luftröhre des Pferdes gezogen wird. Es gibt sogar einige selbsternannte Trainer die behaupten zum Durchparieren müsse man den Ring gegen den Kehlkopf des Pferdes ziehen – eine grausige Vorstellung. Mit Gefühl und Pferdeverstand eingesetzt ist der Halsring aber ein tolles Mittel um die Durchlässigkeit des Pferdes und die Qualität der eigenen Hilfengebung zu überprüfen – und auch um einfach ein wenig Spaß zu haben.

Die Umstellung

© Two Crows Ranch / Salzburg (Austria)

Diese Reiterin zeigt vorbildlich, wie fein der Halsring angewendet wird.

Ist der Entschluss für den Verzicht aufs Gebiss gefallen, stellt sich für viele Reiter die Frage, wie man das Pferd auf eine gebisslose Zäumung umstellt, wenn es zuvor das Gebiss gewöhnt war. 13


Pferdeglück Tatsächlich ist die Umstellung für das Pferd meist viel einfacher als für den Reiter. Das Pferd soll auch ohne Gebiss einfach einem Druckimpuls nachgeben. Dass dieser Druck nicht mehr exakt an der gleichen Stelle erfolgt ist dabei nebensächlich, da die Hilfe bei einer korrekt verschnallten Zäumung leicht verständlich ist. Für den Reiter ist es ein wenig komplizierter. Eins der Hauptprobleme ist für viele, dass sie fürchten ohne Gebiss weniger Kontrolle zu haben. Das ist aber reine Kopfsache, sofern man das Pferd auch mit Gebiss mit feinen Hilfen geritten ist. Schwierig wird es allerdings, wenn man auf eine Zäumung umstellt, die eine andere Art der Hilfengebung erfordert, also beispielsweise seitwärtsweisende Zügelhilfen oder Neckreining, wenn man zuvor das einseitige Annehmen des Zügels gewöhnt war. In so einem Fall ist es ratsam sich einen Trainer dazu zu holen der mit den jeweiligen Hilfen vertraut ist. Sofern man aber in der gewohnten Reitweise weiterarbeiten möchte, ist es das einfachste und sinn-

vollste eine Zäumung zu wählen, bei der die gewohnten Hilfen beibehalten werden können. Grundsätzlich gilt aber natürlich auch beim Reiten ohne Gebiss, dass Gewichts- und Schenkelhilfen vorherrschen sollten. Je besser Pferd und Reiter darauf eingestellt sind, desto leichter fällt die Kommunikation. Mein persönlicher Geheimtipp für Pferde die sich anfangs doch mal schwertun dem Impuls am Kopf nachzugeben: Ich lege die äußere Hand seitlich an den Hals und gebe damit einen zusätzlich Druckimpuls, den ich – wie alle Druckimpulse – sofort beende wenn das Pferd die gewünschte Reaktion zeigt. Maritres Hötger Anmerkung der Redaktion: Als die Pegasus mit dem gleichen Titelthema erschien, hatten wir diesen Artikel bereits angekündigt und da die Inhalte sich doch sehr von einander unterscheiden haben wir beschlossen, ihn trotz der Überschneidung zu veröffentlichen.

Maritres Hötger ist Trainer B / Breitensport und hat sich auf harmonisches Pferdetraining und pferdegerechte Ausbildung im Breitensport spezialisiert. Sie ist in allen Sätteln zu Hause und arbeitet am liebsten gebisslos. Dabei vereint sie klassische Reitlehre, moderne Erkenntnisse der Biomechanik und die Prinzipien der Horsemanship mit der ganzheitlichen Betrachtung von Mensch und Pferd um beide einander näher zu bringen. www.reiten-ohne-zwang.de

14


Stallgeflüster

Geschichten vom Pferd: Die Neue

Als ich hörte, dass eine neue Stute kommen sollte, habe ich sie gebeten, sie doch freundlich zu begrüßen und es ihr einfach zu machen. Ein Blick von ihr, der Bände sprach. Ich sollte mich doch bitte nicht in Dinge einmischen, von denen ich überhaupt keine Ahnung hätte. Sie ist, um es vorweg zu nehmen, sehr direkt. Gut, da sah ich nun diese kleine, etwas pummelige Schimmelstute, die am Eingang des großen Paddocks stand und von der selbsternannten Torwächterin Cantara immer wieder zurückgescheucht wurde. Nochmals bat ich sie, die Neue doch auch mal dazu zu lassen. Diesmal kam nur ein Blick, denn sie wiederholt sich nicht gern. Ich gab auf und beobachtete das Treiben einige Tage. Es wurde immer deutlicher, dass die

neue Stute anfing, allen, die sanft mit ihr umgingen, auf der Nase herum zu tanzen, nicht böse, aber mit, wie Cantara es nannte, nerviger Hingabe. Sie hatte also Recht. Von Anfang an hatte sie es schon durchschaut und hat bis heute ihre Ruhe. Ich habe mich anschließend bei Cantara entschuldigt und erntete ein: Das nächste Mal hörst Du gleich auf mich! Das beherzige ich bis heute und wenn mir dann doch so etwas herausrutscht, hänge ich immer noch den Satz an: ...aber Du weißt es ja am Besten. Esther Naeter

© Angela Kraft

Wer kennt es nicht, die Herde ist schön homogen und was passiert? Es kommt ein neues Pferd. Gut denken sich die meisten, wird schon gut gehen. Ist ja auch meistens so. Aber es ist doch ein sehr viel komplexerer Vorgang, den die meisten von uns völlig verkennen. Cantara, meine Traberstute, die hier eigentlich selbst schreiben würde, wären die Tasten nicht zu klein, hat mir das auf ihre eigene, sehr charmante Art zu verstehen gegeben.

15


Pferdeglück

Ein Tröpfchen hier, ein Kügelchen da Wichtiges zum Umgang mit der

Homöopathie

„Damit kann man ja nichts falsch machen...“ Wer kennt nicht die Aussage, man könne mit homöopathischen Mitteln keinen Schaden anrichten? Das stimmt leider nicht. In diesem Artikel möchte ich kurz auf die wesentlichen Gefahren und Probleme bei der Selbstmedikation mit Homöopathika eingehen.

ermuntern homöopathisch zu behandeln. Es ist fast schon zur Mode geworden seinem Tier bei den kleinsten Anzeichen mit Globuli (Zuckerkügelchen) zu behandeln, ohne sich darüber im Klaren zu sein, was dadurch eigentlich bewirkt wird.

Mein Anliegen ist es, etwas zur Aufklärung über die Anwendung und den viel zu leichtfertigen Umgang mit diesen Mitteln beizutragen und ich möchte an dieser Stelle davor warnen, gut gemeinte Tipps von Freunden und Bekannten, aus Foren oder Laienliteratur usw. einfach zu übernehmen und auszuprobieren.

Hier ein kleines Beispiel: Ich lernte eine Pferdebesitzerin kennen die immer sehr besorgt um ihr Pferd war, weil ihre Stute so „anfällig“ und „empfindlich“ war. Staunend stellte ich fest, dass sie nicht nur die Pferdefibel-Schüsslersalze auswendig kannte und benutzte, nein, sondern auch für jedes kleinste Symptom ein passendes homöopathisches Mittel zur Hand hatte. Jetzt war mir klar, dass Pferd musste täglich Krankheitssymptome haben. Angefangen von auftretendem Fieber, Muskelzittern, angelaufe-

Leider gibt es immer mehr Broschüren oder Webseiten mit Mittelempfehlungen die den Tierbesitzer und Laien dazu

16


Pferdeglück nen Beinen, bis hin zu Ödemen, Koliken, Muskelverhärtungen, umfallen im Stehen (eine Art Narkolepsie) usw. Auch der Besuch des Tierarztes und Aufenthalte in der Tierklinik waren häufig an der Tagesordnung. Was niemand wusste war, dass dieses Pferd permanent eine Arzneimittelprüfung durchmachte, weil die Gabe der homöopatischen Mittel meist nicht so hoch bewertet und deshalb häufig nicht erwähnt wird. Nachdem ich mit ihr darüber gesprochen hatte bat ich sie ihre Stute für ein paar Monate in Ruhe zu lassen. Ein glücklicher Umstand hat zusätzlich nachgeholfen. Durch eine Weiterbildung der Besitzerin musste die Stute in die elterliche Obhut aufs Land zurück. Dort hätte auch niemand die „alternative“ Behandlung weiterführen können. Nach ein paar Wochen war die Stute symptomfrei und erfreut sich seither bester Gesundheit. Dies ist ein Beispiel wie eine leichtfertige oder eigene homöopathische Behandlung ablaufen kann. Um diese Wirkungsweise zu verstehen, müssen wir uns nun erst einmal die Frage stellen:

Was ist Homöopathie? Wird sie korrekt und von erfahrenen Therapeuten angewandt , ist die Homöopathie eine sanfte und heilende Therapiemethode. Die Grundlage ist das Ähnlichkeitsgesetz. "Similia similibus curentur", "Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden", das heißt, eine

Krankheit wird mit einem Medikament geheilt, das ähnliche Symptome bei einem Gesunden erzeugt, weil es den Körper zur Verstärkung des Selbstheilungsprozessen anregt. Ein bestimmtes Mittel für eine bestimmte Krankheit gibt in diesem Sinne nicht. Es ist also die exakte Beschreibung und Auflistung der Symptome notwendig um das passende Mittel zu finden, dass möglichst ähnliche Symptome hervorruft. Wird das falsche Mittel mehrfach einem kranken Tier gegeben, erzeugt es neben den bereits vorhandenen Krankheitszeichen noch weitere Symptome, statt eine Linderung zu bringen. Bei der korrekten Wahl des Mittels kommt es immer erst zu einer sogenannten Erstverschlimmerung, weil die Symptome verstärkt werden, bevor die Heilung einsetzen kann. Ein Mittel, dass keine Symptome erzeugt, ist kein homöopathisches Arzneimittel.

Unterschiede in der Homöopathie Ziel der Homöopathie ist es die Krankheitsursache zu beheben und nicht nur Symptome zu unterdrücken. Es ist aber auch mit homöopathischen Mitteln möglich Krankheitssymptome nur zu unterdrücken, wenn die Verabreichung nicht klassisch, gemäß den Erkenntnissen des Begründers der Homöopathie, Dr. Samuel Hahnemann, erfolgt. Dies ist bei der klinischen Homöopathie oder auch der Anwendung von Komplexmitteln der Fall, die sich aus der klassischen Homöopathie entwickelten, sich aber rein auf die Symptomunterdrückung

17


Pferdeglück im einzelnen konzentrieren und nicht auf die Gesamtheit und deren Heilung. Ein guter Therapeut, der mit Homöopathika arbeitet sollte also auf Nachfrage auf die „klassische Homöopathie“ nach Hahnemann verweisen.

Was sind Komplexmittel? Bei Komplexmitteln handelt es sich um eine Mischung von bis zu 15 einzelnen homöopathischen Arzneien in verschiedenen Potenzen. Ihre Gabe wird auch Schrotschussmethode (eines wird schon passen) genannt und wird nach feststehender Indikation (medizinische Krankheitsbezeichnung) und mit feststehenden, meist mehrmals täglichen

Dosierungen nach schulmedizinischen Regeln verordnet. Dies ist nicht die klassische Homöopathie und wird gern in der Schulmedizin als Alternativlösung angeboten. Kurioser Weise wirken manche einzelne Inhaltsstoffe zueinander antidot, dass heißt sie heben ihre Wirkung gegenseitig auf. Komplexmittel haben mit klassischer Homöopathie nichts zu tun!

Tips für den Laien Haben Sie etwas Geduld wenn sie sich an einen Homöopathen wenden. Er muss die Gesamtheit des Tieres und die kleinsten Details einer Veränderung erst einmal erfassen und in eine so genann-

Für eine erfolgreiche homöopathische Behandlung muss das Pferd ganzheitlich betrachtet und genau beobachtet werden.

18


Pferdeglück te Hierarchie bringen, um das passende Mittel zu wählen. Bei Pferden ist die nicht ganz so einfach, da der Besitzer es nicht so permanent beobachten kann wie z.B. ein Hundebesitzer. Kleine wichtige Details wie z.B. genaue Zeitangaben fehlen da oft. Lassen Sie sich über den Verlauf nach einer Mittelgabe aufklären und führen Sie eine Symptomtabelle mit Zeitangaben. Es lässt den Homöopathen die Wirksamkeit des Mittels oder auch überdeckte Krankheiten aus vorangegangenen Zeit erkennen. Man hört oft, dass die sogenannten „Potenzen“ den Grad der Verdünnung des Wirkstoffes angeben. Das führt aber gerade beim Laien oftmals zur Wahl einer falschen Potenz, da das Mittel tatsächlich um so wirksamer ist, je höher der Verdünnungsgrad ist. Diese scheinbar paradoxe Tatsache kommt daher, dass das Mittel nach jedem Verdünnen „aufgeklopft“ wird, wodurch die Wirkung verstärkt wird. Das heißt also, je höher die Zahl der Verdünnungen, desto stärker ist der Wirkstoff.

Die geringste Dosierung haben Mittel mit einem D in der Potenzangabe, alles was darüber hinaus geht sollte für den Laien Tabu sein. Wenn Sie als Laie ein Homöopathikum geben, dann nie höher als eine D 6 Potenz ! Ihre Information geht nicht so tief und hält nicht so lange an. Bei CPotenzen ist es wichtig zu wissen, dass die Wirkung über Wochen anhält. Sollte in diesem Zeitraum ein anders Mittel hinzu gegeben werden, kann man schlecht erkennen wodurch neue Symptome auftauchen, bzw. welches Mittel geholfen hat . Grundsätzlich gilt: Heilkunde gehört in die Hand von ausgebildeten Fachleuten. Beim Menschen ist eine medizinische Ausbildung Voraussetzung. Bei den Tieren leider nicht, da Tiere gesetzlich als „Sachgegenstand“ gelten. Dadurch gibt es leider bei der Behandlung von Tieren in der Alternativheilkunde bisher nur geringe gesetzlichen Auflagen. Dies sollte man immer beachten. Fragen sie ruhig ihren Heilpraktiker ob er nach den Gesetzen Hahnemanns und dem „Organon“ arbeitet. Wenn er gut ausgebildet ist, wird ihn diese Frage erfreuen .

Gabriele Stern

Gabriele Stern ist ausgebildetete Tierheilpraktikerin und psychologische Pferdetherapeutin. Neben der energetischen Therapie konzentriert sie sich speziell auf die von der Ethologie vorgegebenen Psychologie Verhaltensweise und individuellen Charaktere der Pferde . Augenmerk ist die Förderung der gemeinsamen Kommunikation und das Vertiefen des Vertrauensverhältnisses zwischen Mensch und Tier durch Bodenarbeit und Körpersprache nach Klaus Ferdinand Hempfling.

www.gabrielestern-horsepsychology.de 19


Pferdeglück

Fit im Sattel - Ein Selbstversuch - „Was hab ich mir da bloss vorgenommen...“ Susett Queisert testet, wie sich Ausgleichssport auf Reitersitz, Koordination und Kondition auswirkt... Drei Monate sind mittlerweile vergangen, seit ich meinen Selbstversuch gestartet habe. Ich hatte mir vorgenommen, mit Hilfe von drei verschiedenen Sportarten meinen Reitersitz zu verbessern. Joggen, Bauchtanz und Capoeira sollten nun jeweils mindestens einmal die Woche auf meinem Trainingsplan stehen, doch es kam alles anders, als geplant. Meine erste Capoeira-Trainingseinheit ließ mich schnell erahnen, was ich mir da eigentlich vorgenommen hatte. Bewusst habe ich mich für die ursprünglichere Capoeira Angola-Variante entschieden, die weniger Sprünge und Bewegungen über der Erde beinhalten sollte. Und anstatt mich mit Kicks und Flops durch die Lüfte zu schwingen hieß es hier, sich nah über dem Boden zu bewegen. Beim Capoeira Angola hat man zudem immer die Hände auf dem Boden, bewegt sich allgemein in eher geduckter Form und muss den Handstand beherrschen. Und schon war es da, mein größtes Problem. Um ein Sixpack Limonade in den fünften Stock zu tragen, dafür reicht meine Muskelkraft in den Armen noch aus, aber mein eigenes Gewicht 20

in die Höhe zu stemmen, dafür waren die nun wirklich nicht konzipiert. Aber zum Glück hatte mein Trainer Mitleid mit mir und weiteren Kursteilnehmer und ließ uns dafür vereinfachte Übungen machen. Bewegungen wie Cocorinha, Negativa, Meia Lua und Ginga sollten aus mir eine Capoeirista machen. „Leicht unterschätzt“ hatte ich wohl die Bedeutung von Körperspannung und Beweglichkeit, die bei dieser Art der Kampfkunst unbedingt notwendig sind. Viele Bewegungen beruhen auf der stützenden Tätigkeit von Arme und Schultern, weshalb mir schon nach ein paar Minuten der Schweiß lief. Leider konnte ich den Kurs aufgrund beruflicher Gründe nicht weiter fortführen, was ich schon sehr schade finde. Nichtsdestotrotz haben mir die wenigen Einheiten dieser Kampfsportart gezeigt, wie wichtig es – nicht nur fürs Reiten – ist, ein gewisses Maß an Körperspannung zu trainieren und abrufen zu können. Ich hoffe, in naher Zukunft an die einzelnen Übungen anknüpfen zu können, wenn sich wieder mehr Zeit findet. Leider konnte ich aufgrund der wenigen Trainingseinheiten keine Verbesserung meines Reitersitzes ausmachen. Ich hoffe aber, durch das heimische Trainieren einiger Bewegungen in den nächsten Wochen doch noch eine spürbare


Pferdeglück Änderung erfahren zu können. Die nächste Sportart auf meinem Plan war Bauchtanz. Über zwanzig Kursteilnehmer drängten sich auf engstem Raum vor einem Spiegel, um Hüftkreise, Schlangenarme und Drop-Kicks zu üben. Angefangen hat alles mit einfachen Bewegungen wie Wippe und Kippe, aus denen sich dann der Hüftkreis entwickelte. Hinzu kamen Hüftacht, Chimmi und lustige Bezeich-

nungen wie „Ente“ und „Banane“. Ich merkte sehr schnell, wie unbeweglich ich in der Hüfte bin. Bis ein Hüftkreis auch wirklich rund war, vergingen einige Übungseinheiten. Deutlich spürte ich auch, wie meine Blockade im Ilio-Sacral-Gelenk mal mehr, mal weniger weh tat, was wohl vor allem durch die ungewohnte Bewegung und daraus resultierende Beweglichkeit kam. Was mir nach einigen Kurseinheiten Bauchtanz sofort beim Reiten auffiel, war, dass ich viel besser Leichttraben konnte. Zwar hielt dies noch nicht lange an (was wohl auch der noch man-

Bauchtanz mobilisiert das Becken und den Schultergürtel, mit der Zeit werden die Bewegungen am Boden und auch auf dem Pferd flüssiger.

21


Pferdeglück gelnden Ausdauer geschuldet war), aber ich merkte doch deutlich, dass ich nicht mehr die Absätze hochzog und sozusagen im Leichtraben „Fahrrad fuhr“. Eine erste kleine Verbesserung hat sich also schon eingestellt. Auch hier bedarf es aber noch weiterer Übung, um wohl auch noch die letzten Blockaden und Verkrampfungen in meiner Hüfte zu lockern. Letztendlich hatte ich vor, regelmäßig joggen zu gehen. Leider ließ sich dies aufgrund fehlender Laufschuhe erst recht spät verwirklichen. So zog ich es vor, hin und wieder auf den mittlerweile eingestaubten Crosstrainer zu steigen und dort ein wenig meine Ausdauer zu trainieren. Eine deutliche Besserung in Bezug auf die Ausdauer beim Reiten konnte ich leider noch nicht feststellen. Hier gehe ich aber davon aus, dass diese langsam gestiegen ist und mir so nicht als deutliche Veränderung vorkam. Im Großen und Ganzen kann ich also schon positiv vermerken, dass ich in der Hüfte etwas lockerer geworden bin und meine Ausdauer sich ein wenig gesteigert hat. An den Problemen von Schulter, Kopf und missmutig

dreinblickendem Gesichtsausdruck arbeite ich weiter und werde euch in der nächsten Ausgabe berichten, welche Ergebnisse und Verbesserung mein halbjährlicher Selbstversuch gebracht hat. Susett Queisert

Susett Queisert ist Hobbyfotografin und angehende Juristin. Sie nennt einen 23-jährigen Trakehner-‘Wallach ihr Eigen, der ihr nach einem Unfall die Augen für einen pferdegerechten Umgang und schonendes Reiten geöffnet hat und beschäftigt sich nun vorrangig mit dem Training und der Gesunderhaltung älterer Pferde.

www.settiphotos.de

„Der moderne Mensch leidet an Bewegungsmangel. Manche halten eine Wanderniere bereits für eine ausreichende körperliche Betätigung. Piet Vlanders

22


Nachgedach t

Reitsport vs. Reitkunst Im Grunde beruhen und berufen sich sowohl der moderne Dressursport wie auch die „klassische Reitkunst“ auf den selben Wurzeln – auf den Lehren des königlichen Reitmeisters Ludwig des XV., François Robichon de la Guérinière. In den letzten Jahrzehnten jedoch begann der kommerzielle Sport leider von dem künstlerischen Reiten abzudriften. Früher gültige „eiserne“ Regeln in der Ausbildung von Pferd und Reier scheinen plötzlich nicht mehr zu gelten. Nicht, dass wir gern den „Kasernenhofton“ zurück hätten, aber „früher“ ließ man sich vorallem deutlich mehr Zeit für die Ausbildung der Pferde. Natürlich darf man nicht außer Acht lassen, dass die Pferde damals auch wahrlich kein einfaches Leben hatten. Sie mussten schwere, oft unfähige „Reiter“ durch die Gegend schleppen, wurden wie „Geräte“ behandelt, hatten keinen Auslauf, aber man hatte dennoch eine andere Grundeinstellung, nicht zuletzt weil man in allen Lebensbereichen auf das Pferd angewiesen war. Heutzutage aber sind die meisten Pferde entweder Freizeitpartner, Sportler, oder im schlimmsten Fall Sportgeräte. Im Reitsport können Pferde gemäß dem Regelwerk der FN bereits 3jährig auf nationalen Turnieren vorgestellt werden (international gemäß FEI 4-jährig), was bedeutet, dass diese bereits vorher angeritten und teilwei-

se ausgebildet sein müssen, um diese Aufgaben überhaupt bewältigen zu können. Wenn man sich nun vor Augen führt, dass laut FN JEDES Pferd zum 1.1. eines neuen Jahres ein Jahr älter wird, wird man feststellen, dass einige Pferde, die ja in der Regel im April/Mai oder gar erst im Juni geboren werden – schon mit etwas über 2,5 Jahren auf Turnieren geprüft werden (können). Züchter investieren in den ersten 3 Lebensjahren eine Menge Geld in die Fohlen. In der Regel können sie sie selbst nicht einreiten bzw. ausbilden, also muss neben den Unterhaltskosten noch einmal Geld in einen professionellen Bereiter investiert werden. Dieser bekommt eine Frist gesetzt, in der der Züchter das junge Pferd ausgebildet bzw. bereits auf ersten Turnieren vorgestellt haben will. Und die Dauer des Beritts bestimmt im Regelfall das Portemonnaie des Züchters. Und danach sollte das Pferd „Einträge“ im „Scheckheft“ haben, damit der Züchter so mehr Gewinn beim Verkauf an turniersportorientierte Käufer erzielen kann. Der Bereiter, der von seinem Beruf leben muss, wird vielleicht wissen, dass es schädlich ist, ein Pferd in so kurzer Zeit so intensiv zu reiten und auszubilden, aber wenn er es ablehnt, wird eben ein anderer eingestellt – also stimmt er meist zähneknirschend zu. Der Käufer bekommt so leider oft ein Sportpferd, das bereits in jungen Jahren schwerwiegende Schäden aufgrund des zu frühen und zu inten23


Nachgedach t siven Einsatzes im Sport an Knochen sowie am Bänder- und Sehnenapparat erlitten hat. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines modernen Sportpferdes beträgt gemäß einer vor einigen Jahren durch die TiHo Hannover erstellten Studie gerade einmal 8 Jahre – und das bei einer eigentlichen Lebenserwartung von mindesten 25-30 Jahren! Die klassische Reitkunst hingegen hat sich zur Aufgabe gemacht, die Pferde nicht als Sportler sondern als eigenständige Künstler zu fördern. Im Großen und Ganzen ist es so, dass sich diese „Fraktion“ der meist Freizeitreiter als „Künstler“ versteht, die auf die Mitarbeit ihrer Pferde angewiesen ist, um ihr Reiten auch tatsächlich als Kunst ausüben können. Den Pferden soll mehr Zeit und „Mitspracherecht“ gegeben werden. Es wird auf „freiwillige“ Mitarbeit Wert gelegt, nicht auf Zwang und Unterdrückung, was im Reitsport immer wieder zu – mittlerweile glücklicherweise auch immer mehr öffentlicher! – Kritik führt. Das Pferd wird am Boden auf seine Arbeit unter dem Reiter sehr gründlich vorbereitet. So genannte „Hand- oder Bodenarbeit, Longen-, Doppellongenarbeit sowie die Arbeit am Langen Zügel mit Kappzaum zur Schonung des sensiblen Pferdemauls gehören zur Grundausbildung eines nach klassischen Regeln ausgebildeten Pferdes, bevor es geritten wird. Auch das Anreiten erfolgt zunächst mit Kappzaum. Interessanterweise wird in alten Lehrbüchern zur Pfer24

deausbildung das Vorgehen exakt so geschildert. Die heute gängige Praxis sieht aber leider anders aus. Die jungen Pferde werden direkt mit Sattel und Trense „überfallen“ und dann meist auch noch „verschnürt“, unter der Behauptung, dem Pferd so „den Weg in die Tiefe zu weisen“. Ein korrekt und schonend nach klassischen Regeln ausgebildetes Pferd findet jedoch sein Gleichgewicht und geht „von allein“ in diese Haltung. In der Reitkunst versucht man mit so wenig Ausrüstung wie möglich im Laufe der Jahre höchstmögliche Lektionen zu reiten – und muß sich dabei auf die Mitarbeit des Pferdes verlassen können. Der Dank für eine so gründliche und schonende Ausbildung ist – sofern fachmännisch ausgeführt! – ein sehr zuverlässiges, freudig mitarbeitendes Pferd, das „stolz“ zu sein scheint, sein Können präsentieren zu dürfen. Viele Reitkünstler demonstrieren diese Freiwilligkeit auch gern mit gebißlosen Zäumungen und/oder durchhängenden Zügeln. Natürlich gibt es sowohl in der Reitkunst als auch im Reitsport immer wieder löbliche wie weniger löbliche Ausnahmen. Es gibt auch Turnierreiter, die ihre Pferde schonend und ohne Zwangsmittel ausbilden und ein hohes Ausbildungsniveau erreichen. Diese Pferde erscheinen dann meist nur nicht so „spektakulär“ wie es auf vielen Turnieren gern gesehen wird. Und bei den „Reitkünstlern“ stehen wiederum viele Showreiter zurecht in der Kritik, es im Grunde nicht besser zu machen als die „Reitsportler“ – Erfolg um jeden Preis. Sei er nun erzielt mittels einer immer makabrer anmu-


Nachgedach t tender Auswahl unterschiedlichster Hilfszügel, Schraubzwingen-Reiterei oder via schmerzhafter Serreta-Quälereien. Es muss immer irgendwie „schnell“ gehen, denn Zeit ist Geld... Der Verlierer ist leider hier wie dort immer das Pferd...

Hampeln“ nicht mit frenetischem Applaus sondern demonstrativem Abwenden quittiert - sondern stattdessen der sehr schön gelungenen, unspektakulären Vorstellung viel Applaus spendet? Diana Kampmann

Der fachkundige Zuschauer muss sich deshalb die Frage stellen, wieso denn nun viele Richter und Verantwortliche dieser Turniere und Shows die wichtigsten Grundregeln außer Acht lassen und genau diese Pferde hoch „dekorieren“, die ganz offensichtlich eine schlechte und pferdeschädigende „Ausbildung“ hinter sich haben, wo selbst die klare Vorgaben setzende „Skala der Ausbildung“ ganz eindeutig missachtet wird. Wo ist denn der Takt geblieben? Wo die Durchlässigkeit? Wo die korrekte (!) Versammlung? Die Frage ist: Wo fängt man an? Wer ist „der Schuldige“ bzw. wer kann überhaupt das Ruder herumwerfen? Der Richter, der korrekt richtet – und dann (aufgrund des unsinnigen „Einladungsverfahrens“, das jedem Reitverein als Veranstalter freistellt, ihre Richter ein- bzw. eben nicht mehr einzuladen) einfach nicht mehr „eingeladen“ wird – also seinen Job nicht mehr ausüben darf? Die Reiter, die einfach mal „korrekt“ reiten – aber dann eben in Kauf nehmen müssen, „keinen Blumentopf mehr zu gewinnen“? Oder der Zuschauer, der Spanntritte und gebrochene Diagonalen und fehlenden Takt beim „Auf-der-Stelle-

Diana Kampmanns Bestreben ist es, Pferden ein glückliches Leben in Kooperation mit dem Menschen zu bieten und den Menschen kompetenter im Umgang mit dem Pferd zu machen sowie ihm den Spaß daran zu vermitteln! Eine gut durchdachte, professionelle Trainingsmethode, individuelle Arbeit sowie eine ruhige und freundliche Arbeitsatmosphäre ermöglichen gute Lernerfolge. Durch ihre sehr umfangreichen und vielseitigen Aus- und Weiterbildungen konnte sie viele hilfreiche Erkenntnisse sammeln und kann somit auch in schwierigen Fällen oftmals andere Ansätze anbieten, die zur Lösung der Probleme führen.

www.hands4horses.de

25


Hufspuren

Das Pferd Seelenverwandter, Freund und Krafttier

© Angela Kraft

Auf einer schamanischen Reise begegnete ich einem Pferd. Ich war auf der Suche nach einem Krafttier für einen Menschen, der mich um Hilfe bat. Das Pferd, ein wunderschöner schwarzer Hengst, stand auf einer Wiese mit hohem Gras. Er war umgeben von seiner Herde. Pferde jeder Rasse und Farbe waren vertreten. Sie luden mich ein, mich in ihre Mitte zu begeben und ganz in ihre Energie einzutauchen. Ein Gefühl von Geborgenheit und Stärke stieg in mir auf und Urvertrauen war kein leeres Wort oder frommer Wunsch mehr.

26

Der Hengst bat mich zu ihm zu kommen. Mit großem Respekt näherte ich mich und setzte mich vor ihn auf die Erde. Er legte sich ab, ebenso und zur gleichen Zeit die ganze Herde. Ich fragte ihn, was das Pferd für uns als Krafttier bedeutet und was sie uns lehren möchten. Er antwortete:“ Wir sind da, um euch zu zeigen, dass alles eins ist. In unserer Herde wissen wir und fühlen wir, jeder ist mit dem anderen verbunden, wir müssen es nicht erst mit Gedanken und Denken belasten. Das habt ihr verloren, die meisten


Hufspuren

Wenn einer von uns mitkommt und für einen von euch als Krafttier ein Wegbegleiter ist, dann kann es für den Einzelnen immer etwas anderes bedeuten, je nachdem, wo er sich im Leben, Fühlen und auch Denken befindet. Wir zeigen euch, dass ihr euch auch tragen lassen dürft, Hilfe annehmen solltet. Oder dass ihr keine Angst haben sollt, wenn ihr in der ersten Reihe steht und die Führung übernehmt. Wir führen zurück in getrennte Familien und stärken das Urvertrauen, wo immer wir können. Das Ziel ist immer das Gleiche, nur der Weg unterscheidet sich. Begegnen wir euch in eurem Leben als Pferd aus Fleisch und Blut wünschen wir uns, dass ihr euch öffnet. Wir tragen euch gern und arbeiten mit euch, aber seht auch in unsere Seele, nehmt uns mit allen Sinnen wahr. Riechen, Fühlen, Hören. Begrüßt uns, wie wir es unter uns tun, bewegt euch in unserer Herde, gehört einfach dazu. Lasst euch auf diese Erfahrungen ein und ihr werdet eine Welt sehen, die ihr nicht erwartet habt. Wenn wir euch unsere Seele zeigen, dann habt ihr unser volles Vertrauen und unseren Respekt, für immer. Seht über den

Körper hinweg der uns zu trennen scheint. Wir sind eins.“ Ich dankte ihm sehr und nahm ein Pferd aus der Herde als Krafttier mit, das ich auf dieser Reise finden sollte. Die Herde löste sich auf und um mich herum war es neblig, voll positiver Energie. Diese Reise hat vieles verändert. Ich arbeitete und arbeite nun so, wie er es mir sagte und durfte Erfahrungen machen, die ich nicht für möglich hielt. Vielen Dank! Esther Naeter

Esther Naeter arbeitet seit 2007 als Tierheilpraktikerin mit dem Schwerpunkt Pferde in Hamburg, im nördlichen Niedersachen und Schleswig-Holstein. 2008 folgten Ausbildungen in Tierkommunikation nach Penelope Smith und schamanischen Heilmethoden, die in ihrer Praxis häufige Anwendung finden. Eine wichtige Lehrerin war und ist ihre Traberstute Cantara, die in ihrer Nähe steht und einen großen Einfluß auf ihre Arbeit mit Pferden hat.

© Angela Kraft

von euch. Wir wollen eure Herzen öffnen für die Schönheit und das Wertvolle eurer eigenen Spezies. Wenn ihr euch in Liebe verbindet, sind auch alle anderen Wesen mit euch verbunden und ihr findet zurück in das Gefühl von Gemeinsamkeit und Vertrauen.

www.tierkommunikation-naeter.de

27


Portrait

„Wege zum Pferd“ - Babette Teschen im Interview Babette Teschen ist erfolgreiche Autorin und Seminarleiterin und immer auf der Suche nach neuen, freundlichen Wegen zum Pferd. Im Interview erzählt sie von ihrer Philosophie, ihren Erfahrungen und ihrem eigenen Weg zum Pferd. © Babette Teschen

Hufspuren: Wie würdest Du Deine Philosophie in ein, zwei Sätzen zusammenfassen? Babette: Das geht ja gleich gut los, gleich die schwierigen Fragen vorweg… Also, im Prinzip geht es uns darum, Alternativen pferdefreundlichen Umgangs zu finden. Unser Motto ist ja „Es geht auch anders“, und genau das drückt es für mich eigentlich aus. Einer meiner Lieblingssprüche ist ja: „Wo die Kunst aufhört, beginnt die Gewalt.“ Das heißt immer da, wo es irgendwo in einen unfreundlichen Weg geht, innezuhalten und zu gucken „Wie geht es anders? Gibt es nicht auch einen schöneren Weg?“

Du hast ja in Deinem letzten Artikel sehr schön geschrieben, dass Du auch, wie die meisten von uns, durch die klassische Reitschule gegangen bist und auch beigebracht bekommen hast, dass man das Pferd kontrollieren muss; dass man es beherrschen muss. Und daher 28

würde es mich und sicher auch unsere Leser interessieren, ob es ein besonderes Erlebnis gab, das für Dich der Auslöser war zu sagen: „So nicht mehr!“ Also ein spezielles ist jetzt schwer zu sagen… es waren mehrere. Es war ein langer Weg, ein langsamer Entwicklungsweg und mir haben verschiedene Pferde gezeigt, dass der Weg in Sackgassen führt. Ich hab immer, mehr oder weniger, wenn etwas nicht geklappt hat gesagt: „Das Pferd ist halt nicht das Richtige für mich.“ Der sensible Araber hat mich in die Angst gebracht und ich hab versucht „aufzurüsten“, mit schärferen Gebissen, mit Hilfszügeln, mit Dominanz-Geschichten. Ich hab mit ihm dann Kommunikationsarbeit, Round-Pen-Arbeit und Sogenanntes, angelehnt ans Join-Up gemacht, um sein Vertrauen zu gewinnen – mit dem Effekt dass es immer schlimmer wurde, dass wir uns überhaupt nicht mehr vertraut haben und dass das Verhältnis, was vorher


Portrait wenigstens am Boden noch gut war, dann auch in die Hose gegangen ist. Dann habe ich versucht einen dreijährigen Friesen auszubilden. Wie es halt gemacht wird, Hilfszügel dran, Longe dran, Pferd läuft aber nicht. Dann rauf gesetzt und er ging keinen Meter. Und dann immer massiver – am Ende saß ich auf einem frisch eingerittenen Pferd mit Sporen und hab versucht ihn vorwärts zu kriegen und er lief überhaupt nicht mehr… also die Pferde mussten mit mir schon einiges durchmachen. Aber es fühlte sich nicht gut an und es führte nicht zu einem schönen Weg. Und dann habe ich angefangen mich immer mehr mit alternativen Geschichten zu beschäftigen und zu fragen: „Kann man es dem Pferd nicht kleinschrittiger erklären, kann man es nicht besser vorbereiten? Und ist es wirklich angenehm für ein Pferd vorne einen Hilfszügel einzuschnallen und hinten zu treiben?“ Und so fühlte sich das für mich immer falscher an und ich habe gedacht: „Das muss doch auch irgendwie anders gehen.“ Und dann habe ich mir viele Ausbilder und Alternativen angeguckt.

Was würdest Du sagen, wer hat Dich da besonders geprägt? Mmmh… Also ich habe mir viel anguckt. Michael Geitner, halt die Dualaktivierung, Bent Branderup habe ich mir viel angeguckt und hab mich an einigen klassischen Ausbildern orientiert, Philippe Karl zum Beispiel, aber bei dem hatte ich nicht persönlich Unterricht. Das waren so die Wichtigsten würde ich denken.

Und wie bist Du von da zum Clickertraining gekommen? Ich habe schon lange mit Futterlob gearbeitet, und auch lange schon mit Lobwort. Wie ich darauf gekommen bin… das weiß ich gar nicht mehr. Also mit Futterlob arbeite ich wie gesagt schon sehr lange. Ich habe Zirkuslektionen bei Peter Deike gelernt, der arbeitet mit Futterlob. Und um da nicht in diese Bettelschiene reinzukommen habe ich recht schnell mit Lobwort gearbeitet. Das Clickern… ich glaube da bin ich erst durch eine bei uns im Forum richtig hingekommen. Und das ich wirklich ins clickern reingekommen bin, das ist eigentlich über den Umweg entstanden. Es waren auch mehr so schleichende Übergänge, es ist nichts wo ich sage: „Da war ich auf einem Seminar und seit dem habe ich es gemacht“, sondern es waren immer Entwicklungsprozesse. Mir war schon klar, dass ich mit positiver Verstärkung arbeiten will und dass Futterlob, finde ich, eine sehr positive Sache ist, die einfach gut funktioniert, aber dass ich mich richtig mit dem Clickern auseinandergesetzt habe, das kam erst durch unser Forum, dass ich jetzt mehr in die Richtung gehe.

Wenn Du sagst Du arbeitest auf jeden Fall mit positiver Verstärkung, wie stehst Du dann zu negativer Verstärkung im Sinne von Druck aufbauen und Druck nachlassen?

29


Portrait Im Prinzip funktioniert die gesamte Pferdeausbildung so. Es ist ja illusorisch zu sagen: „Wir arbeiten nicht mit negativer Verstärkung.“ Das ganze Reitprinzip basiert auf dem Prinzip der negativen Verstärkung. Wenn ich den Schenkel anlege und das Pferd reagiert in dem es antritt und ich dann den Schenkel Druck wegnehme, dann ist das für mich ein komplett richtiger Umgang mit negativer Verstärkung. Negative Verstärkung an sich ist für mich nichts negatives. Wenn ich aber nur „Druck weglassen“ als Lob verstehe, das funktioniert für mich nicht. In vielen Ausbildungsrichtungen wird ja das Nachlassen des Drucks als Lob gesehen und das finde ich ein bisschen arm. Wenn ich Pferde nur dadurch loben würde, dass ich aufhöre Druck zu machen, das wäre für mich nicht ausreichend, nicht motivierend. Das ist für mich kein positives Verstärken sondern eben nur „ich hör auf was Unangenehmes zu machen. Und der Druck sollte nicht in der Form ausgeübt werden, dass er vom Pferd als negativ empfunden wird. Nur weil es „negative Verstärkung“ heißt, soll es für das Pferd ja nicht negativ rüberkommen. Ich kann Druck so oder so verstehen. Es wird ja auch oft gefragt: „Wie viel Druck darf man denn anwenden?“ Für mich gilt da die Richtlinie: Ich kann den Druck so lange erhöhen, wie die positive Lernatmosphäre nichtgestört wird. Solange es für das Pferd nicht massiv unangenehm wird, so dass es in Stress gerät, dass es Angst vor Strafe bekommt, dass es blockiert weil mein Druck zu stark wird. Da will ich nicht hin. Dass heißt ich kann zum Beispiel 30

schon mal mehr drücken damit die Hinterhand rumgeht. Wenn das aber so wird, dass sich das Pferd dadurch gestraft fühlt, gestresst fühlt, Angst bekommt, dann kann es nicht mehr lernen. Und dann ist es für mich keine positive negative Verstärkung mehr.

Nun ist es ja so, dass wir gerade in den alternativen Richtungen häufig die klassischen Reiter, nicht im Sinne von klassisch ausgebildet, sondern im Sinne von fest verwurzelt in der Arbeit mit Gebiss, Hilfszügel, Gerte, Sporen und ohne geht’s nicht, antreffen, die gerne sagen, dass sei Blödsinn, wir würden unsere Pferde verhätscheln, so könnte man nicht weiterkommen… Wie gehst Du damit um, außer selbst als positives Beispiel voranzugehen? Ich diskutiere sehr gern. Ich führe gern Gespräche, ich versuche ihnen zu sagen was ich mir persönlich vom Umgang mit Pferden erhoffe, oder wie ich mir den Umgang mit Pferden vorstelle. Ich sehe es nicht als Sportgerät das funktionieren muss, sondern mir persönlich ist es wichtig wie die Beziehung ist. Das finde ich viel, viel spannender als die Frage ob ich jetzt ein Schleifchen kriege oder nicht. Und ich versuche von mir zu reden, wie es mir damit geht und nicht zu sagen: „Du machst es falsch!“ oder „Deine Meinung ist nicht richtig!“ Ich versuche die anderen Meinungen zu akzeptieren, auch wenn es mir manchmal schwerfällt. Aber ich kann sie ja nicht ändern. Ich kann ja nur bei mir bleiben und von mir erzählen, was mir wichtig


Portrait

Š Babette Teschen

31


Portrait ist und wie meine Prioritäten im Umgang mit Pferden sind. Und ich versuche Aufklärungsarbeit zu machen, den Blick einfach zu schulen und immer wieder zu sagen: „Guck doch mal rein, wie fühlt sich das Pferd, wie geht es dem denn und ist es das wert, wenn Du das Gefühl hast, dass es Deinem Pferd nicht gut geht?“

Gab es Momente, in denen Du an Deinem Weg gezweifelt hast, wo Du gedacht hast es geht vielleicht auf die andere Art doch besser, einfacher? Nein. Im Gegenteil, ich werde immer mehr darin bestärkt, dass ich eigentlich immer noch viel zu grobschlächtig bin, dass ich immer noch denke: „Es geht bestimmt noch ganz anders.“. Denn wenn ich sehe wie jetzt die Entwicklung geht, wenn ich mir angucke wie ich vor zwei Jahren noch mit Pferden umgegangen bin und gearbeitet habe, im Gegensatz zu heute, und mir alte Videos angucke oder alte BlogBeiträge von mir lese, dann denke ich: „Die muss ich alle umschreiben!“, „Die Videos muss ich noch mal neu aufnehmen!“ Und diese Entwicklung empfinde ich als super positiv, denn es funktioniert immer besser, es wird immer schöner. Von daher zweifele ich da überhaupt nicht dran, denn es fühlt sich für mich wirklich gut an. Denn wenn ich dann sehe wie andere noch versuchen sich über Kraft, Dominanz oder Zwangsmaßnahmen den Pferden gegenüber zu behaupten, dann fühlt sich das für mich einfach nicht richtig an. 32

Was hat Dich dazu bewegt den „Longenkurs“ zu entwickeln? Es gibt ja viele Wege Pferde zu trainieren, warum gerade an der Longe? Es war eher so, dass sich das so entwickelt hat. Ich habe ja schon bevor ich den Longenkurs rausgebracht habe viele Kurse gegeben. Und ich hatte angefangen ein Buch zu schreiben, das nannte sich „Das Longenspiel“. Da ging es um eine Kombination von Bodenarbeit und Longenarbeit. Also dass man sich nicht vornimmt: „Ich mach jetzt eine Einheit Bodenarbeit und eine Einheit Longenarbeit“, sondern dass es einfach super ist auch zwischen der Hindernisarbeit die Pferde wieder laufen zu lassen und wenn man vielleicht sieht dass das Pferd spannig läuft, zum Beispiel über klassische Handarbeit das Pferd wieder ein bisschen lösen. So war das im Prinzip. Ich habe das mit vielen im Kurs gemacht und viele haben gesagt: „Kannst Du das nicht mal aufschreiben?“ Und das hatte ich angefangen und dann habe ich Tania kennengelernt. Ich hatte mich im Schreiben ziemlich verzettelt. Ich bin da von Pontius zu Pilatus gekommen und irgendwann hatte ich dann drei Bücher in einem. Es war so, dass ich meinen roten Faden im Prinzip verloren hatte. Da habe ich Tania dann drauf gucken lassen, habe ihr das gezeigt und sie meinte: „Ja, super, wir müssen das nur ein bisschen trennen und strukturierter kriegen und dann ist das klasse.“ Dadurch ist dann noch ein Kurs entstanden. Es kam also eigentlich durch die Bitte von vielen


Portrait Schülern die gesagt haben: „Kannst Du das nicht Mal aufschreiben, damit wir das nachvollziehen können?“ Und so hat sich das ergeben.

Die FN sagt ja ganz strikt und klar: Longieren ohne Hilfszügel und ohne Peitsche ist vollkommen sinnlos und funktioniert nicht. Wie erklärst Du den FN-Vertretern, dass es doch funktioniert? Das kann ich denen ja zeigen. Ich könnte jetzt ganz viele Bilder nehmen und den Bereich wo man sieht ob das Pferd Hilfszügel hat oder nicht retouchieren und dann sollen sie mir anhand der Bilder sagen ob das Pferd jetzt Hilfszügel hat, ja oder nein. Ich bin sicher dass viele in dem Moment sagen würden…ja. Es funktioniert einfach. Die Pferde bauen die Muskulatur auf die wir brauchen.

Fotos aus Deinen Kursen zeigen die Pferde ja auch in Dehnungshaltung, zeigen korrekte Stellung… Ja, genau. Sie tragen sich in wunderschöner Selbsthaltung. Ich kann verschiedene Arbeitshaltungen erarbeiten. Natürlich ist es ein bisschen schwieriger die Pferde dann wirklich in eine gute Aufrichtung zu bekommen, da muss man dann schon Schulterherein oder Travers können, Übergänge nutzen… aber für mich ist das halt reell. Während das was sehr häufig mit Hilfszügeln zu sehen ist ich will das nicht pauschalisieren, es gibt ja sehr gut laufende Pferde mit Hilfszügel – aber der Großteil dessen

was ich mit Hilfszügeln sehe ist eben nicht reell. Die Pferde sind durch die Hilfszügel nur in eine gewisse Haltung gezwungen und machen dadurch einiges was ich sehen möchte eben nicht. Ich habe das im Kurs zu zeigen versucht, zum Beispiel wenn man den Honduras sieht, mit Hilfszügeln, ohne Hilfszügel. Wenn man sich da Standbilder aus dem Film herauszieht, kann man sehr gut erkennen, wann er das Becken praktisch nach hinten rausstellt und wann er abkippt, wann die Phase wo das Hinterbein nach vorne tritt, also die Tragzeit, länger ist als die Schubzeit und wann das Pferd stärker mit der Fessel durchtritt und wann es sich höher tragen kann. Oder wann der Widerrist höher ist und wann das Becken höher ist, also ob diese Linie eher bergauf oder bergab läuft. Das sind ja Punkte die ich sehen kann um zu beurteilen ob sich das Pferd in einer guten Selbsthaltung mit aktiver Hinterhand befindet, oder eben nicht. Und wenn ich mir Bilder mit Hilfszügeln angucke sehe ich einfach sehr häufig, dass zwar Kopf und Hals so positioniert sind wie der Mensch es sehen möchte, aber der Rücken nach unten geht und die Hinterhand eher wegschiebt, also nicht wirklich weit nach vorne kommt, so dass das Becken rausgestellt ist, dass die Pferde nicht so tief runter kommen, oft dass die Nase hinter die Senkrechte kommt, dass die Stellung nicht da ist – viele Hilfszügel verhindern eine korrekte Stellung, es gibt ganz wenige die das ermöglichen und auch nur wenn mit Kappzaum longiert wird - … Und wenn ich die Punkte sehe, da sage ich: „Das 33


Portrait ist nicht das, was ich als Zielbild haben möchte“. Mein Zielbild ist, dass das Pferd sich wirklich in einer korrekten Manier bewegt. Und ich habe bisher von noch keinem kompetenten Pferdemenschen, der bekannt ist, der irgendwie Rang und Namen hat, das Feedback bekommen, dass das was wir machen nicht gut ist. Von nicht einem einzigen. Es ist nicht ein einziger bekannter Pferdeausbilder der sagt: „Das ist Schrott wie Ihre Pferde laufen“, sondern nur Positives. Und das von wirklich sehr vielen, sehr guten Leuten. Da sind Grand-Prix Reiter, Bea Borelle hat zum Beispiel auch gesagt, dass sie den Kurs sehr toll findet, Stodulka, es wird mittlerweile an Physiotherapie-Schulen unterrichtet, es werden Kurse nur für Tierärzte gegeben…

Also wäre es eigentlich an der Zeit an Herrn Hess und Herrn Kaspareit heranzutreten und zu sagen: „Denken Sie doch mal drüber nach ob man die Richtlinien Band 6 vielleicht mal neu gestalten müsste.“ Ja, auf jeden Fall. Ich finde es definitiv wesentlich gesünder und auch das Ergebnis wesentlich überzeugender, wenn ich sehe wie die Pferde laufen. Die laufen leise, federnd, sie bewegen die Muskeln gut – sie können die Muskulatur so bewegen wie sie’s brauchen. Der Muskel kann sich verändern, er kann sich anspannen und entspannen, so wie er es braucht um optimal arbeiten zu können. Und das verhindern leider sehr viele Hilfszügel. Wenn sie so lang sind, dass der Mus34

kel sich wirklich dehnen kann, dann kann man sie auch weglassen. Also wenn die Nase des Pferdes beim Dreieckszügel in der Dehnungshaltung vor der Senkrechten sein kann, wo hat er dann noch eine Wirkung? Das ist ja das, was mir ganz viele immer sagen: „Der Hilfszügel ermöglicht ja das korrekte ‚Nase vor der Senkrechten‘“, aber ermöglicht er auch die Dehnung, die das Pferd ja immer wieder einnehmen muss um die Muskulatur wirklich zu entspannen? Wenn der Hilfszügel die Nase hinter die Senkrechte zieht, komme ich in eine falsche Biomechanik, das steht in jeder Reitlehre: Die Nase des Pferdes muss vor der Senkrechten sein. Und man muss einfach wissen, was braucht ein Muskel, wie muss er arbeiten können. Der Muskel muss maximal an- und entspannen können um wirklich in der Entspannung mit Sauerstoff versorgt zu werden, um mit Blut versorgt zu werden, die Schlacken abtransportieren zu können. Wenn ein Hilfszügel das verhindert weil der Muskel nur in einem bestimmten Rahmen arbeiten kann, dann komme ich nie in diesen Bereich rein, wo er sich wirklich erholen kann. Dadurch kommt es sehr schnell dazu, dass der Muskel sich immer mehr verspannt, in die Übersäuerungsphase geht. Das ist so als wenn wir irgendwo ins Fitness-Center gehen, an die Beinpresse gehen und nach 20 Wiederholungen eben nicht aufhören dürfen um uns zu erholen, sondern ohne Pause weitermachen müssen. Irgendwann werden wir gucken wie wir es anders machen können, so dass es nicht mehr so weh tut und anfan-


Portrait gen Ausweichbewegungsmuster zu finden – und das machen die Pferde halt auch.

Zusätzlich zu Deinen Seminaren und Deiner Autorentätigkeit steckst Du gemeinsam mit Tania Konnerth sehr viel Liebe und Energie in die Plattform „Wege zum Pferd“. Wie seid Ihr dazu gekommen diese zu schaffen? Die Idee ist entstanden, als wir gemerkt haben, dass wir beide die gleiche Vorstellung und die gleichen Idealbilder im Umgang mit dem Pferd haben. Sie hatte mit ihrem Mann zusammen schon eine Seite für Menschen gemacht, „Zeit zu leben“, und schreibt dafür und ist sehr gut im Schreiben. Und nachdem sie mein Manuskript gelesen hatte, hat sie gesagt: „Du kannst auch schreiben. Du erreichst die Leute. Du holst sie dort ab wo sie sind und nimmst sie mit und hast einfach eine gute Art die Leute anzuschreiben.“ Die Idee, ob wir nicht so eine Seite machen wollen, kam von ihr. Sie wollte Pferde für sich eigentlich immer nur als Hobby haben und eigentlich hatte sie mir vorgeschlagen, ob ich nicht sowas machen will. Da habe ich gesagt: „Lust habe ich dazu, aber ich mache das nur wenn Du mitmachst, alleine mach ich das nicht.“ Und dann hat sie drüber nachgedacht und gesagt: „Na gut, dann machen wir das.“ Und so ist im Prinzip unser Projekt entstanden.

Ihr habt ja seit Kurzem das Ganze auch als E-Book im Angebot. Sind

da für die Leute die den Blog regelmäßig lesen auch neue Erkenntnisse drin oder ist das einfach eine Zusammenfassung zum Nachschlagen? Das E-Book ist eigentlich nur eine Zusammenfassung mit wichtigen Themen, zwischendrin sind auch Texte, die sonst nur für unsere NewsletterAbonnenten waren, die also in den Blogs nicht zu finden sind. Im Prinzip ist das E-Book dadurch entstanden, dass viele gesagt haben: „Wir finden uns im Inhaltsverzeichnis nicht mehr zu recht, könnt Ihr nicht mal was zusammenfassen?“ So dass wir das dann also sortiert haben. Aber die großen Texte sind alle kostenfrei im Blog, es muss sich das keiner kaufen um die Texte lesen zu können. Aber für den der sagt: „Ich möchte das gern sortiert haben, ich habe keine Lust im Inhaltsverzeichnis zu suchen, mir ist das zu unübersichtlich, ich finde die Themen nicht…“, der hat das dann halt sortiert, strukturiert, so dass es aufeinander aufbaut. Wir haben zum Beispiel ein Kapitel „Umgang mit Pferden“ und das haben wir eben so strukturiert, dass da ein roter Faden drin ist, während die Texte im Blog immer nur einzeln zu finden sind und keinen roten Faden haben. So findet man sich im E-Book besser zurecht, weil man Kapitel hat, Hauptthemen und die aneinander gebunden sind, mit schönen Anregungen zum Nachdenken und auch noch mit Sprüchen, Zitaten oder auch Checklisten. Es sind also ein paar „Bonbons“ drin.

35


Portrait Es gibt auch noch ein zweites Buch von Euch, zum Thema angstfrei Reiten… Ja, wir haben erst noch den Aufbaukurs rausgebracht, also wie bringe ich den Longenkurs in Kombination mit dem weiteren Training, und im AntiAngst-Kurs geht es darum: „Wie gehe ich mit den Ängsten des Menschen um, also mit meiner Angst?“ Aber auch: „Wie gehe ich mit den Ängsten des Pferdes um, was mache ich also, wenn das Pferd Angst bekommt? Welche Methoden sind wirklich dazu geeignet Vertrauen aufzubauen?“ Weil wir gemerkt haben, dass fast immer der Mensch in die Gewalt geht, in den Einsatz von scharfen Gebissen, Sporen, Hilfszügeln, wenn die Angst dazu kommt. Angst vor Kontrollverlust… „Das Pferd geht immer durch!“ – „Schnall ein scharfes Gebiss ein!“ Und da sagen wir: „Das ist nicht unser Ansatz.“ Wir würden vorher empfehlen viele Spaziergänge zu machen, kleine Spaziergänge, erstmal eine Minute, mit einem sicheren Begleitpferd, wo Ihr nebenher gehen könnt, dann geht Ihr Zwei-Minuten-Runden, drei Minuten… Wie kann man diese Sachen wirklich auf eine zuverlässige Vertrauensebene bringen, anstatt immer kribbeligere Geschichten auszuprobieren. Für uns entsteht Angstfreiheit durch eine solide Ausbildung und Vertrauensbasis. Und diese Anleitung bietet der Anti-Angst-Kurs. Und in Kürze kommt dann noch ein Buch raus: Besser Pferde fotografieren. Also eine Anleitung für Laien, für Spaß- und Hobby-Fotografen. Jeder hat ja seine 36

1.000.000 Bilder von seinen Pferden in der Schublade liegen und wie viele sind davon wirklich schön? Tania fotografiert unheimlich gerne und das ist ihr Kurs.

Gibt es Pferde von denen Du sagst, dass sie Dich in Deinem Leben und auf Deinem Weg besonders beeinflusst haben? Auf jeden Fall. Da ist erst mal meine Britta. Da war meine erste Reitbeteiligung, mein erstes Pony. Ein sehr, sehr tolles und sehr lehrreiches Pferd. Sie sollte eigentlich geschlachtet werden, weil sie auf zwei Beinen auf uns Kinder losgegangen ist und uns von der Weide gejagt hat. Also die hatte richtig die Faxen dicke. Ich war damals auf einem Internat und dort hatten sie die Ponies und Britta war die, vor der alle Angst hatten. Dann habe ich aber Veto eingelegt und dann haben sie gesagt: „Gut, dann nimm Du die halt als Pflegepony.“ Und damit fing dann meine Pferdelaufbahn an, mit diesem Pferd. Ich habe sie dann auch nach meiner Internatszeit gekauft und bis zu ihrem Lebensende gehabt und hatte mir aber, weil sie dann schon Arthrose hatte und schon weit über 20 war, den Persico dazugeholt, einen Anglo-Araber. Der hat mich sehr geprägt weil ich vorher nie Angst vor Pferden gehabt hatte und er mir innerhalb von zwei Jahren so eine Angst gemacht hat, dass ich dachte: „Okay, ich hör auf damit.“ Dadurch bin ich aber dann zu der Tellington-Jones Geschichte und Centered Riding gekommen. Mit Persico habe ich die ganze


Portrait negative Schiene durch, mit Hilfszügeln, scharfen Gebissen, Kandaren und so, um ihn irgendwie vom Durchgehen und Bocken abzubringen, aber es wurde immer schlimmer, es wurde immer gefährlicher mit uns. So wurde ich dann durch ihn sehr geprägt, andere Wege zu suchen. Ich musste ihn dann aber verkaufen, es ging gar nicht mehr, ich hatte nur noch Angst und danach habe ich dann gemerkt: „Hm, Pferd ist weg, Angst noch da.“ Und dann ging es halt weiter. Dann habe ich gemerkt dass ich echt jedes Pferd zum Durchgehen brachte, egal wo ich mich raufgesetzt habe. Und da fing eigentlich meine Zeit des richtig Lernens erst richtig an. Da habe ich dann auch die richtigen Lehrer gefunden, die mir da raus geholfen haben und Seminare besucht, die mich weitergebracht haben. Auch mit diesen ganzen Alternativen, mit Atmung, mit Bildern und mit NLP-Techniken habe ich mich auseinandergesetzt und so kam dann erst der andere Weg, den ich jetzt immer noch gehe.

Würdest Du sagen es gibt auch Menschen oder Trainer und Ausbilder, die Du als Mentoren oder Vorbilder betrachtest? Eigentlich ja. Sie waren alle zu ihrer Zeit für mich sehr wichtig. Leider habe ich dann im Nachhinein irgendwann gemerkt: Sie sind es nicht mehr. Es hat sich so auseinander entwickelt, dass ich sie nicht mehr empfehlen kann. Es sind einfach so viele unschöne Sachen vorgefallen wo ich gedacht habe: „Okay, entweder bin ich jetzt so ext-

rem geworden, oder…“ Das heißt also, Menschen, die ich früher als sehr pferdefreundlich angesehen habe, würde ich heute überhaupt nicht mehr so einstufen. Das ist ganz schwer und ein bisschen traurig, weil so ganz viele meiner Vorbilder zerplatzt sind. Das ist super schade. Es gab wirklich Lehrer die habe ich hier noch zum Seminar eingeladen und habe sie auch meinen Schülern empfohlen und dann sind hier Szenen passiert wo ich dann gedacht habe: „Nein, das kann er nicht tun, so kann man nicht mit Pferden umgehen!“ Und ich habe sie dann doch wieder gefunden in diesem „Pferd muss funktionieren“ und „darf nicht“ und „kriegt dann halt eine gewatscht“ und ich habe dann gesagt: „Ich kann mich damit jetzt nicht mehr identifizieren.“ Das heißt es sind kaum noch Vorbilder übrig. Die, die ich jetzt noch als Ideale habe, kenne ich nicht persönlich und habe sie nicht persönlich arbeiten sehen, deswegen weiß ich nicht…

Magst Du die, die Du noch als Ideale hast trotzdem nennen? Bea Borelle, Lorenzo, Frédéric Pignon, Marlitt Wendt…Wer ein großes Vorbild von mir ist, ist der verstorbene Freddy Knie Senior. Alles was ich von ihm gesehen und gelesen habe liebe ich sehr. Seine Bücher kann ich mir stundenlang durchlesen und seine Videos ansehen, ohne dass ich Bauchschmerzen kriege. Selbst wenn es zu Konflikten kam, kann ich mir das angucken ohne zu denken… ein Pferd ist ja nun mal nicht immer nur rosa und er wur37


Portrait de auch von einem Hengst angegriffen, aber wie er da reagiert ist einfach nicht ungerecht oder nachtretend. Er geht da einfach völlig ruhig und gelassen mit um und korrigiert das Pferd und in der nächsten Sekund hat er wieder Zucker reingeschoben. Und ich dachte: „Wow, wenn ich so souverän mit solchen Situationen umgehen kann, so klar, so… toll.“ Also das wären meine Vorbilder.

Was für Pläne hast Du für die Zukunft, was dürfen wir noch von Dir erwarten oder erhoffen? Ich werde wohl auf jeden Fall weiter schreiben, das macht mir wahnsinnig viel Spaß. Ich habe noch relativ viele Themen im Kopf über die ich gerne schreiben möchte, auch ausführlich und mehr in Kursform. Auf jeden Fall das Thema Umgang mit Pferden, das wird immer Hauptinhalt sein und das Reisen werde ich auch auf jeden Fall weitermachen, also das Seminare geben. Das sollen wohl in den nächsten Jahren meine Schwerpunkte sein, Schreiben und Seminare geben.

Was würdest Du unseren Lesern mit auf den Weg geben wollen? Dass sie nicht einen Tunnelblick kriegen, dass sie rechts und links gucken was es gibt und für sich entscheiden müssen: „Was fühlt sich gut und richtig an? Ist das ein schöner Weg?“ Und immer zu gucken Zwang, Gewalt, ist das das, was für sie die Basis einer Beziehung ist? Was wollen sie mit dem Pferd? Wollen sie einen funktionierenden Sklaven, oder… Also ich denke mal jeder, der irgendwie mit 38

Pferden umgeht, hatte ja meist schon als Kind irgendwie diese „Fury-Idee“ im Kopf: Man geht am Strand, pfeift, das Pferd kommt angaloppiert, legt sich vor einem hin, sagt: „Bitte, lieber Mensch steig auf und wir galoppieren in den Sonnenuntergang.“ Diese Freiwilligkeit, dieses Idealbild haben wir ja eigentlich alle. Wenn das Pferd dieses nicht bietet ist der Mensch frustriert und denkt: „Das muss doch aber funktionieren!“ und geht dann in diese Zwanggeschichte. Er versucht sich das zu erzwingen. „Du hast mich aber zu lieben!“ Und das funktioniert für mich einfach nicht. Wir müssen uns fragen: „Was kann ich machen, damit das Pferd wirklich gerne mit mir zusammen ist?“ Hingucken: „Wie geht es dem Pferd?“ Ins Gesicht gucken, reinspüren. Egal ob ich jetzt mit dem Pferd Bodenarbeit mache, ob ich verlade, ob ich reite, immer wieder reinspüren: „Wie geht es ihm?“ Für mich ist ein wichtiger Spruch: „Zu lieben heißt zu gucken, dass es dem anderen gut geht.“ Und wir behaupten ja alle unsere Pferde zu lieben. Wir müssen dieses Gucken lernen. Gucken lernen: „Sagt das Pferd ja zum Sattel, ja zum geritten werden, ja zum Hilfszügel, ja zu dem Gebiss das ich gerade auswähle?“ Die Leute lesen: „Das und das Gebiss ist das tollste, neueste“ – es wird gekauft und reingemacht. Keiner macht sich die Mühe wirklich mal zu gucken: „Und was sagst Du dazu?“ Der Sattler sagt Sattel passt, also muss er passen egal was das Pferd dazu sagt. Mit der Haltungsform zu gucken. Ich habe ja auch Offenstallhaltung, ich kenne aber Pferde, für die ist Offenstallhaltung in der Herde nur Stress. Die gucken immer nur, trauen sich nicht sich


Portrait hinzulegen, kommen mit so einer großen Gruppe nicht klar. Die legen sich hin und schnaufen durch wenn sie nachts ihre Einzelhaltung haben. Es gibt nicht für jedes Pferd „So ist richtig,“, sondern man muss lernen reinzuspüren. Und es kann nicht richtig sein, ein Pferd 24 Stunden am Tag in der Box im Knast zu halten. Man muss sich einfach Gedanken machen: „Wo sind die Bedürfnisse des Pferdes? Kann ich die so erfüllen, dass es meinem Pferd damit gut geht? Welche Arbeiten machen meinem Pferd Spaß? Kann ich ihm ermöglichen, dass er mehr davon kriegt was ihm Spaß macht?“ Es ist ja auch unsere Verantwortung, unseren Pferden ein qualitativ schönes Leben zu machen, denke ich. Und es sollte ihm dabei einfach nicht schlecht gehen. Es soll weder körperlich schlechter werden, also gesundheitlich, noch psychisch. Und da immer wieder hinzugucken: „Hm, was kann ich denn heute tun, dass es meinem Pferd ein bisschen besser geht, dass ihm das Leben Spaß macht, dass es sich wohler

fühlt, dass es seine Bedürfnisse ausleben kann?“ Zu gucken, dass es dem anderen gut geht.

© Babette Teschen

Das Interview führte Maritres Hötger

Babette Teschen betreibt seit 1996 den Pferdehof Teschen. Sie ist ausgebildete Tierheilpraktikerin und arbeitet im Unterricht und Seminaren nach Linda Tellington-Jones, Sally Swift und Moshé Feldenkrais. Sie hat einen pferdegerechten „Longenkurs“ entwickelt und zusammen mit Tania Konnerth die Internet-Plattform „Wege zum Pferd“ ins Leben gerufen, auf der die beiden regelmäßig über ihre Arbeit mit Mensch und Tier berichten und Pferdefreunden neue Anregungen für das tägliche Training geben. www.pferdehof-teschen.de • www.wege-zum-pferd.de 39


Pferdeglück

„Wer macht was und was mach ich?“

Illustration: Nina Walther

- Safari durch den Trainerdschungel Teil 2-

Nachdem wir uns auf dem ersten Teil unserer Safari eingehend damit beschäftigt haben, welche fachlichen und menschlichen Eigenschaften ein guter Trainer haben sollte, bleibt noch die Frage zu klären aus welcher der unzähligen Trainingsphilosophien man sich nun die eigene wählen sollte. Ich selbst bin kein Freund davon mich einem einzigen Guru zu verschreiben und seine Methoden 1 zu 1 zu übernehmen. Ich versuche vielmehr mir ei40

nen möglichst umfassenden Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen und daraus jeweils das zu wählen, was augenblicklich für Pferd und Reiter den meisten Erfolg und die größte Zufriedenheit bei allen Beteiligten verspricht. Wer nun versucht sich einen Überblick zu verschaffen, der wird von der Fülle der Methoden, Ideen und Philosophien erst einmal regelrecht erschlagen. Darum lade ich Euch ein, mich auf meiner kleinen Safari durch den


Pferdeglück Trainerdschungel zu begleiten um einen ersten Blick auf die wilde Artenvielfalt zu werfen. Dabei erhebe ich selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, hoffe aber dass unser kleiner Exkurs als Basis für Eure eigenen Expeditionen dienen kann. Ziel einer jeden Großwild-Safari sind die „Big Five“. In unserem Fall sind das: • • • • •

„Die Offiziellen“ „Die Künstler“ „Die Alternativen“ „Die Gesund-Reiter“ und „Die Menschenflüsterer“

Die Grenzen zwischen diesen Spezies können durchaus verschwimmen, da es häufig zu Kreuzungen unter den Arten kommt. Manche lassen sich auch nicht eindeutig kategorisieren und unterliegen dem konstanten Wandel der Evolution, aber das soll uns nicht davon abhalten uns in die Wildnis vor zu wagen.

Die Offiziellen Bekanntlich gibt es in unserem schönen Land ja für fast alles feste Vorgaben und die Trainerausbildung ist da keine Ausnahme. Folgen wir den vorgefertigten Dschungelpfaden, treffen wir auf den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), sowie ihre Anschlussverbände. Sie regeln und organisieren das offizielle Ausbildungs- und Prüfungssystem für Trainer im Pferdesport. Neben den professionellen Pferdewir-

ten und Pferdewirtschaftsmeistern, die sich auch Berufsreitlehrer nennen dürfen, gibt es die sogenannten „Amateurausbilder“. Bei den Amateurausbildern unterscheidet man grundsätzlich drei Stufen: Den Trainer C, den Trainer B und den Trainer A. Der Trainer C ist die erste Stufe der Ausbildung und bescheinigt dem Lizenzinhaber die grundlegenden Kenntnisse und Fähigkeiten zur Ausbildung und Förderung von Pferd und Reiter. Wer den Trainer C bestanden hat und mindestens ein Jahr als Ausbilder tätig war, kann sich zum Trainer B fortbilden. Dabei spezialisiert man sich auf einen bestimmten Bereich des Fachgebietes und erwirbt zudem erweiterte Kenntnisse. Das Theoretische Wissen eines Trainer B ist in etwa mit dem eines Pferdewirtes vergleichbar, die praktischen Fähigkeiten können je nach Schwerpunkt variieren. Die höchste Stufe ist der Trainer A, in dem Fähigkeiten und Kenntnisse auf dem höchsten Niveau des jeweiligen Fachgebietes verlangt werden, vergleichbar mit den Anforderungen an einen Pferdewirtschaftsmeister. Dieses System findet derzeit in den Bereichen Reiten (FN), Voltigieren (FN), Fahren (FN), Westernreiten (EWU), Distanzreiten (VDD), Gangreiten (IGV) und klassisch-barocke Reiterei (BfkbR) Anwendung, wobei bei den reinen FN-Fachrichtungen zwischen Basis- und Leistungssport unterschieden wird. Der Trainer im Leistungssport ist insbesondere auf die Bedürfnisse der Turniersportler 41


Pferdeglück spezialisiert, der Trainer im Basissport auf Einsteiger und Breitensportler. Neben normalem Unterricht sind die Ausbilder auch berechtigt, Abzeichenlehrgänge durchzuführen, ab dem Trainer B dürfen auch Motivationsabzeichen geprüft werden. Amateurausbilder müssen regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen um Ihre DOSB-Lizenz zu verlängern. So soll gewährleistet werden, dass ihre Fähigkeiten und Kenntnisse möglichst immer auf dem neuesten Stand sind. Zudem können die Ausbilder Zusatzqualifikationen wie zum Beispiel „Reiten im Gesundheitssport“ oder „Schulsport“ erwerben. Pferdewirte und Pferdewirtschaftsmeister nutzen die C, B und A Lizenzen übrigens häufig als Zusatzqualifikation, da in dieser Ausbildung Pädagogik, Methodik und Didaktik einen höheren Stellenwert einnehmen als bei der reinen Berufsausbildung. Am Wegesrand der offiziellen Pfade treffen wir auf die Vereinigung der

© Two Crows Ranch / Salzburg (Austria)

Auch im Westernreiten gilt das offizielle Trainer-System des DOSB.

42

Freizeitreiter und – fahrer (VFD) und das FS Reit-Zentrum Reken, die sich in ihrer Arbeit ganz dem Freizeitbereich verschrieben haben. Die VFD bildet über Lehrgänge und Prüfungen Übungsleiter für die Bereiche Reiten, Wanderreiten und Fahren mit möglichen Zusatzqualifikationen aus. Die Übungsleiter vermitteln in der Regel das Basiswissen, das für Breitensportler im jeweiligen Bereich notwendig ist. Das Reitzentrum bietet eine zweijährige private Berufsausbildung zum Reken-Reitlehrer an, in der ähnlich wie bei den offiziellen Amateurausbilderlehrgängen, nicht nur Unterrichtserteilung und Reitlehre im Breitensport, sondern auch Pferdehaltung, -gesundheit und –ausbildung gelehrt werden.

Die Künstler Wo immer es feste Regeln gibt, gibt es auch Freigeister, die ihre eigenen Wege einschlagen und sich von FN und DOSB emanzipieren. Entfernen wir uns auf unserer Safari ein wenig vom gestrengen Reiseleiter, treffen wir an einer Weggabelung die „Reitkünstler“. Für sie ist das Reiten weder ein Sport noch ein simples Hobby, sondern eine Kunst in der nach Ästhetik und Perfektion – ohne Kraft oder gar Gewalt - gestrebt wird. Diese Spezies trifft man besonders häufig in den verschiedenen klassischen Schulen an. Vom klassischen Barock über die französische Légèrté bis hin zur iberischen Doma Vaquera und dem altkalifornischen Westernreiten erstreckt sich ihr Lebensraum.


Pferdeglück Doch wo es Künstler gibt, gibt es auch Wünstler. Da Kunst aber bekanntlich von Können und nicht von Wollen kommt, gilt es hier bei der Trainerwahl genauer hinzusehen. Viele selbsternannte Ausbilder bezeichnen sich als Schüler dieses oder jenen großen Reitmeisters, dabei haben sie ihn vielleicht einmal auf einer Messe 20 Minuten beobachten können. Natürlich kann jeder für sich beanspruchen nach den Werten und Traditionen dieser oder jener Schule zu unterrichten, wer als Schüler eines Reitmeisters gelten will, sollte aber auch dort gelernt haben.

in deren Namen sie sich auf die Suche nach der Kunst machen und andere darin unterrichten sollen. Philippe Karl, der momentan wohl bekannteste Vertreter der Légèreté, lässt seine angehenden Ausbilder ein dreijähriges Ausbildungsprogramm und jährliche Fortbildungen durchlaufen, womit sie sich dann als „Reitlehrer/in nach Philippe Karl“ bezeichnen dürfen. Claus Penquitt, der Begründer der Freizeitreiter-Akademie, bildet autorisierte „Penquitt-Trainer“ aus, die auf anspruchsvolles „Freizeitreiten nach alt-

© Diana Kampmann

Der Nachwuchs auf den Spuren Bent Branderups

© Sybille Wiemer

Derzeit gibt es unter den bekanntesten Reitkünstlern drei, die jeder ihr eigenes System der Trainerausbildung entwickelt haben. Bent Branderup, seines Zeichens Vertreter der akademischen Reitkunst, macht diejenigen seiner Schüler, die die Basiselemente dieser Schule beherrschen und dies in einer Prüfung unter Beweis stellen, zu „Wappenträgern“ der akademischen Reitkunst und beruft sie in seine „Ritterschaft“,

Das Erarbeiten der Traversale mit feinen Hilfen gemäß der Schule der Légèrté

43


Pferdeglück klassischen, altkalifornischen und iberischen Vorbildern“ spezialisiert sind. Neben diesen Namen, dürfen aber auch die Vertreter Xenophons nicht unerwähnt bleiben. Der Verein „Xenophon e.V.“ unter dem Vorsitz von Klaus Balkenhol hat es sich zur Aufgabe gemacht die „klassische Reitkultur“ zu bewahren und eine Brücke zwischen Reitkunst und Reitsport zu schlagen, in dem er für die Bewahrung der klassischen Werte im modernen Reitsport eintritt. Der Verein hat in den letzten Jahren einige Ausbilder die diesen Idealen besonders gerecht wurden geprüft und zum „Xenophon-Trainer“ ernannt, aufgrund des hohen organisatorischen Aufwands musste diese Praxis aber leider bis auf Weiteres eingestellt werden. Darüber hinaus gibt es auch viele Reitmeister, die zwar ihre eigenen Lehren und Philosophien entwickelten, aber keine Trainer ausbilden oder ausbildeten, wie z.B. Manolo Oliva und dereinst Nuno Oliveira oder Jean Claude Racinet, oder die lang Verstorbenen Guérinière, Pluvinel oder Steinbrecht. Wer auf ihren Spuren wandeln möchte ist gut beraten ihre Schriften zu studieren und gemeinsam mit anderen Reitern die Wege zu ergründen und so von anderen Suchenden mehr zu lernen als von denen die sich wissend wähnen.

Die Alternativen Haben wir uns mit den Künstlern noch auf Nebenpfaden des Dschun44

gels bewegt, ist es jetzt an der Zeit sich ins Dickicht zu schlagen. Begeben wir uns auf die Suche nach den sogenannten „alternativen Trainingsmethoden“ geraten wir in eine schier undurchdringbare Wildnis. Hier gibt es keine Jahrhunderte alten Schriften oder moderne Regelwerke, hier zählen Beobachtungsgabe, Intuition und das Recht des Stärkeren – oder desjenigen mit dem größten Mundwerk. Den Meisten dürfte beim Gedanken an alternative Ausbildungsmethoden als erstes das Bild des typischen „Pferdeflüsterers“ in den Sinn kommen, der ein Pferd mit Seil und Körpersprache scheinbar gewaltfrei und wie von Zauberhand durch ein Round Pen dirigiert. Ohne Frage haben Medien und Marketing diese Bild in den letzten Jahrzehnten zum Inbegriff eines „neuen“ Pferdetrainings gemacht und die selbsternannten Pferdeflüsterer schießen wie die Pilze aus dem Boden. Doch es ist nicht alles so magisch wie es scheint. Prinzipiell gibt es im alternativen Pferdetraining zwei grundlegende Ansätze. Der eine basiert auf dem Dominanzprinzip und der Annahme der Mensch müsse zu Herdenchef werden um dem Pferd Halt und Vertrauen zu geben; der andere zielt darauf ab durch positive Verstärkung, also das Belohnungsprinzip, das Pferde zum Freund und motivierten Partner zu machen. Nur wenige Trainingsmethoden lassen sich komplett auf einen der beiden Ansätze beschränken, bei den meisten handelt es sich um Mischformen mit unter-


Pferdeglück schiedlich ausgeprägten Tendenzen in die eine oder andere Richtung. Das Dominanzprinzip wird in der Regel damit erklärt, dass der Mensch die Körpersprach der Pferde imitiert und sich damit die ranghöhere Position erarbeitet. Obwohl natürlich manche Haltungen und Gesten bedrohlicher auf das Pferd wirken als andere, macht das aber nur einen geringen Teil der Funktionsweise aus. Tatsächlich wird das Pferd über die sogenannte negative Verstärkung konditioniert. „Negative Verstärkung“ bedeutet, dass das Pferd lernt, dass ein (unangenehmer) Reiz oder Impuls sofort nachlässt wenn es diesem weicht. Methoden wie das typische Round Pen Training, also ein „lauf, wenn ich das Seil werfe“, aber auch die gewöhnlichen Reiterhilfen, wie „beweg Dich wenn ich mit dem Schenkel drücke“ basieren auf diesem Prinzip.

auch ein Futterlob bekommt, wenn es eine gewünschte Aktion ausführt und somit einen Anreiz erhält, den Wünschen des Menschen weiter nachzukommen. Um ein Pferd jedoch ohne Druck-Impulse, selbst wenn sie kaum spürbar sein sollten, dazu zu bewegen, bedarf es besonders viel Geduld, daher arbeiten auch die Anhänger der positiven Verstärkung meist zumindest mit einem geringen Maß an negativer Verstärkung. Faustregel ist hier, dass es nicht als unangenehm gilt, solange es dem Pferd keinen Stress verursacht.

Das Belohnungsprinzip arbeitet mit positiver Verstärkung, was wiederum heißt dass das Pferd etwas positives, also ein Lobwort, ein Streicheln oder

Der Großteil der populären Pferdetrainer, von Monty Roberts über Pat Parelli bis hin zu Michael Geitner arbeitet vorrangig nach dem Dominanzprinzip, jedoch in unterschiedlichen Formen und Abstufungen. Stellen wir uns eine Skala vor, auf der ganz links das reine Dominanzprinzip und ganz rechts das reine Belohnungsprinzip stehen, befinden sich Monty Roberts und seine Schüler ziemlich nah am linken Rand. Der Führungssanspruch des Menschen wird über das Scheuchen und das Join-Up eingefordert

© Diana Kampmann

© Nina Walther

Dualaktivierung nach Michael Geitner Die farbigen Hindernisse fördern die neuronale Vernetzung im Pferdehirn

Bodenarbeit nach Klaus Ferdinand Hempfling

45


Pferdeglück und das Pferd wird für sein Nachgeben mit Ruhepausen und Stimmlob belohnt. Ebenfalls im Dominanzbereich, wenn auch an völlig unterschiedlichen Positionen, stehen andere große Namen wie Honza Bláha, Alfonso Aguilar, Heinz Welz, Peter Pfister, GaWaNi, Klaus Peter Hempfling, Peter Kreinberg und Michael Geitner, die ihr Training auch auf der Hierachie aufbauen - wobei Michael Geitner unter Ihnen noch eine Sonderstellung einnimmt, da die Dualaktivierung die neuronale Vernetzung im Pferdehirn fördern soll. GaWaNi und auch Hempfling stechen dadurch heraus, dass sie neben dem Führungsprinzip eine sehr enge emotionale und mentale Bindung zum Pferd anstreben; Hempfling bezeichnet seine Arbeit sogar als „Horse Meditation“. Kreinberg und Geitner bilden beide eigene Trainer aus, Geitner in der Dualaktivierung, Kreinberg in der „The Gentle Touch“ (wörtlich: „sanfte Berührung“) Methode. Die Trainer in der Dualaktivierung absolvieren drei Seminarblöcke oder bei entsprechender Vorqualifikation ein Aufbauseminar und dürfen sich dann „Trainer DualAktivierung“ nennen. Kreinbergs TGTTrainer ist in drei Stufen gegliedert: Bodenschule, Reiten I und Reiten II. Reiten I ist dabei auf die Basisausbildung von Pferd und Reiter ausgelegt, Reiten II auf die weiterführende Arbeit. TGT-Trainer müssen sich jährlich fortbilden um ihre Lizenz zu behalten. Ziemlich weit rechts auf der Skala finden wir die Anhänger des Clickertrainings und bekannte Namen wie 46

Verhaltensbiologin Marlitt Wendt, Longenkurs-Erfinderin Babette Teschen und natürlich Pferdetrainerin Nathalie Penquitt, die maßgeblich zur Etablierung der bewussten positiven Verstärkung in der Pferdeausbildung beigetragen hat. Hier befinden wir uns in einem Bereich, in dem die Mitarbeit der Pferde aus Spaß an der Sache und nicht auf „Befehl von oben“ erfolgen soll. Zurecht fragt sich der aufmerksame Leser nun, welche Position Pat Parelli auf der Skala einnimmt. Hier muss tatsächlich, wie bei vielen anderen Trainern auch, zwischen Parelli selbst und seinen Anhängern unterschieden werden. Parellis ursprünglicher Ansatz beruht zwar auch auf einer klaren Rangordnung, trotzdem ist er aber in der Lage von Pferd zu Pferd differenziert zu betrachten, welches Verhältnis von Bestimmen und Freiwilligkeit für ein erfolgreiches Training notwendig ist. Damit befindet er selbst sich ziemlich mittig auf der Skala.

© Gentle Horse Ranch

Parelli Natural Horsemanship - Der orange „Carrot Stick“ dient zu Beginn als Signalgeber


Pferdeglück Der Großteil der Parelli-Instruktoren und Anhänger legt aber den Schwerpunkt der Arbeit darauf, dass das Pferd lernt Druck zu weichen und nachzugeben und befindet sich damit deutlich weiter im Dominanzbereich. Gerade Parellis „7 Spiele“ verleiten oft dazu zu glauben es handele sich hier um reinen Spaß und damit um das Belohnungsprinzip. Wer hier aber einmal die Mimik und Körpersprache des Pferdes betrachtet, sieht weit häufiger Droh- und Abwehrgesten als ein typisches Spielgesicht. Daran lässt sich sehr gut ablesen, ob das Pferd eher gedrillt oder motiviert wurde. Parelli bildet seine Instruktoren in den USA selbst aus und ein Sternesystem gibt Aufschluss darüber, wie weit die Ausbilder selbst in ihrer Ausbildung fortgeschritten sind. Die Skala reicht von einem Stern, der für die Grundlagenausbildung steht, bis hin zum 5-Sterne Instructor, der alle handwerklichen Bereiche der Ausbildung beherrschen und auch vermitteln können sollte. Ganz gleich ob man sich einen Trainer aus dem Dominanz- oder aus dem Belohnungsbereich wählt, sollte man immer darauf achten, ein gutes, ausgeglichenes Verhältnis zu seinem Pferd zu wahren. Wenn das Pferd nur noch aus Angst vor dem Druck mitarbeitet oder aber glaubt sich alles erlauben zu können weil sowieso jede Handlung mit Leckerlis belohnt wird, dann wird es höchste Zeit zu hinterfragen, ob das wirklich noch dem Anspruch des pferdegerechten Trainings genügt.

Die Gesund-Reiter Irgendwo in den Wipfeln der Bäume unseres Trainderdschungels, von wo aus sie alle Reitweisen im Blick haben können, sitzen die Freunde der Biomechanik. Biomechanik ist ein Schlagwort das spätestens seit Gerd Heuschmanns „Finger in der Wunde“ in aller Munde ist, aber auch schon die Reitmeister der vergangenen Jahrhunderte bewegte und eine zentrale Rolle in ihren Reitlehren einnahm. In Zeiten in denen immer mehr Reiter nach gesundheitsfördernden und pferdegerechten Trainingsmethoden suchen, sind die Erkenntnisse über den Bewegungsapparat des Pferdes und die Frage welchen Einfluss der Mensch am Boden und auf dem Pferderücken darauf hat, für viele Pferdefreunde nicht mehr aus der täglichen Arbeit wegzudenken. Gerd Heuschmann, seines Zeichens Tierarzt und Pferdewirt, ist wohl einer der populärsten Vertreter die ein Reiten fordern, dass der Anatomie des Pferdes gerecht wird und ihm ermöglicht seinen Reiter ohne dauerhafte Schäden zu tragen. Besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit ist hierbei, die Schäden die durch Hyperflexion (Rollkur), „Low Deep and Round“ (der von der FEI genehmigten kleinen Schwester der Rollkur) und grobe und fehlerhafte reiterliche Einwirkung entstehen aufzuzeigen. Auch Karin Kattwinkel, die Gründerin von „Equo Vadis“ („mit den Pfer47


Pferdeglück den gehen“), setzt sich mit ihrer Arbeit und ihren Kursen für ein Reiten ein, dass das Pferd ganzheitlich betrachtet und seinen physiologischen Besonderheiten Rechnung trägt. Sabine Bruns ist Begründerin des „Physio Riding“, einer Verbindung von Physiotherapie und Reitlehre. Sie bietet für geprüfte Pferdephysiotherapeuten die Fortbildung zum „Physio Riding Coach“ an, der das Zusammenspiel von Pferd und Reiter nach anatomischen und reitlehrespezifischen Gesichtspunkten analysiert und sie darin unterstützt die Kommunikation so zu verfeinern, dass das Pferd seine naturgegebenen Bewegungseigenschaften möglichst optimal und ohne Verspannungen unter dem Reiter entfalten kann, damit die beidem zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen. Eine Sonderstellung innerhalb dieser Spezies nimmt Linda Tellington-Jones ein, die mit sanften Massage-Berührungen, sogenannten TTouches, in Kombination mit gezielter Bodenarbeit (TTEAM), das Wohlbefinden des Pferdes steigern möchte. Sie bildet zudem TTEAM-Practitioner aus, die ihr Wissen in Seminaren und Unterricht an interessierte Pferdefreunde weitergeben. Die Practitioner werden in drei Stufen ausgebildet und ihr Level, von 1-3, richtet sich nach Erfahrungen und Fachwissen. Nicht von der Biomechanik des Pferdes, sondern von der des Menschen geht Sportpädagoge und Bewegungstrainer Eckart Meyners aus. In seinen Seminaren und Büchern ver48

mittelt er die Grundlagen für einen losgelassenen Reitersitz, der es dem Menschen ermöglicht, sich auf die Bewegung des Pferdes einzulassen und diese geschmeidig aufzunehmen, so dass er den Bewegungsablauf des Pferdes so wenig wie möglich stört und aus dieser Position heraus feine und verständliche Hilfen geben kann. Eckart Meyners bildet Berufsreitlehrer zum „Bewegungstrainer EM“ aus, damit sie auch ihren Reitschülern zu einem losgelassenen Sitz und einer feineren Einwirkung verhelfen können. Leider können bisher nur Berufsreiter diese Qualifikation erwerben, es gibt aber mittlerweile zahlreiche Trainer, die regelmäßig die Vorträge von Herrn Meyners besuchen und seine Erkenntnisse in ihren Unterricht einfließen lassen.

Die Menschenflüsterer Natürlich braucht jedes Dschungelvolk auch Schamanen. Lassen wir unsere Blicke ein wenig schweifen und betrachten nicht nur die Pfade der Reitlehren und des Pferdetrainings, treffen wir auf einige Persönlichkeiten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben erst einmal mit dem Menschen zu arbeiten, damit der Mensch mit dem Pferd arbeiten kann. Während die eher anatomisch orientierten Trainer wie Meyners und auch die Reken-Reitlehrer, die menschlichen Probleme sehr funktionell angehen, gibt es auch Ausbilder, die den Menschen ganzheitlich betrachten und nicht nur die Bewegungsabläu-


Pferdeglück fe, sondern auch die innere Einstellung und die seelische Verfassung der Reiter in ihre Arbeit einbeziehen. Mittlerweile gibt es gerade in den alternativen Bereichen viele Trainer die sich diese Arbeitweisen zum Vorbild nehmen und sie mit ihrer eigenen Arbeit verknüpfen. Unsere Safari führt uns aber in die Lebensräume derer, die die Basis dafür bilden. Zu den bekanntesten ganzheitlichen Trainern zählt wohl Sally Swift. Die Begründerin des „Centered Riding“ lehrt nicht nur Körperbewusstsein, sondern

auch Innenschau und Konzentration („centering“), sowie die bewusste Visualisierung der Trainingselemente und erreicht dadurch eine feinere und konzentriertere Kommunikation zwischen Pferd und Reiter. Zudem bildet sie „Centered Riding Instructors“ aus. Das Ausbildungssystem umfasst hier 4 Stufen, sogenannte Level, bei denen der erste den Grundlagen dient, der zweite der weiterführenden Arbeit und der dritte der Spezialisierung. Der vierte Level bescheinigt, dass man in der Lage ist, Trainer zu trainieren.

© Ulrike Hacker

Gezieltes Körpertraining für den Reiter schafft mehr Harmonie in der Bewegung.

49


Pferdeglück Ein weiterer sehr beliebter Ansatz um den Reiter in seiner Gesamtheit weiterzubringen, ist die Feldenkrais Methode. Begründer Moshé Feldenkrais ging davon aus, dass menschliches Denken, Fühlen, Wahrnehmen und Bewegen untrennbar miteinander Verbunden sind und entwickelte darauf basierend Übungen, die alle vier in Einklang bringen und damit dem Menschen zu einem besseren Körperbewusstsein verhelfen sollen. Diese Methode wurde jedoch nicht speziell für das Reiten entwickelt. Es gibt einige Reitlehrer, die sie in ihre Arbeit einfließen lassen, ebenso wie Feldenkrais-Lehrer die mit Pferden und Reitern arbeiten, offiziell ausgebildete „Feldenkrais-Reitlehrer“ gibt es bisher jedoch nicht. Gleiches gilt für die sogenannte Alexandertechnik, die auf ähnlichen Grundlagen basiert.

Die Survival-Ausrüstung Auch wenn der eine oder andere nun glauben mag, die Vielfalt dieser

Wildnis erfasst zu haben, so kann er doch gewiss sein, dass hinter so manchem Gebüsch noch Überraschungen lauern werden. Als kleinen Tipp aus meinem DschungelSurvival-Koffer möchte ich Euch daher mit auf den Weg geben: Eine Trainerlizenz oder eine Qualifikation geben nur Aufschluss darüber, ob der Inhaber das für die Prüfung geforderte Handwerk beherrscht. Ob er auch über Einfühlungsvermögen, Geduld, Pferdeverstand oder andere wünschenswerte Eigenschaften verfügt, darüber gibt ein Titel keine Auskunft. Ich kenne viele Ausbilder mit Qualifikation, aber auch viele ohne, die hervorragende Arbeit leisten. Genauso gut kenne ich aber auch aus beiden Bereichen Menschen, die ich nicht auf 10 Meter an meine Pferde heranlassen würde. Ganz gleich auf welchen Pfaden wir uns in diesem Dschungel bewegen, unsere Liebe zum Pferd, unser eigenes Urteilsvermögen und auch unser Bauchgefühl sollten uns hier der Kompass sein, der uns den Weg weist. Maritres Hötger

● Kompetente Beratung & Service Wir beraten in allen Fragen rund um Fütterung, artgerechte Haltung, Tierschutz, Betriebsgründung & -führung, Pferdekauf und mehr...

● auSBildungS

auS

lieBe

zum

pferd

Wir bieten mobilen Unterricht, Training, Ausbildung & Beritt für alle Reitweisen, sowie individuelle Seminare & Lehrgänge nach Ihren Wünschen Schierhorner Straße 44 • 21271 Dierkshausen • Tel. 04184-850833 • www.gentle-horse-ranch.de

50


Stallgeflüster

Szenen aus dem Pferdeleben Heute: Das Huch-Mampf Auf dem Reitplatz. Reiter sitzt sehr entspannt auf dem Pferd und reitet Runde um Runde auf dem Hufschlag. Immer gleiche Richtung, immer gleiches Tempo. Pferd schläft fast, da zu Tode gelangweilt. Runde 10, Ecke 2, ein Gänseblümchen wiegt sich sanft im Wind. Pferd erschreckt sich über diese plötzliche Bewegung so sehr, dass es seitlich zur Mitte springt:

R: Boah, biste bekloppt? Da is nix, was springst Du so?

Versucht, das Herzrasen unter Kontrolle zu bringen. P: Boah, biste bekloppt? Was schreist Du so, hast Du das Huchmampf nicht gesehen?

Versucht, das Herzrasen unter Kontrolle zu bringen.

Illustration: Nina Walther

51


Stallgeflüster R: Da ist nichts!! Hör auf zu spinnen. Wir reiten jetzt noch eine Runde und Du benimmst Dich.

R: Es wird Dich nicht fressen, jetzt guck!

Pferd guckt und stellt fest: da iss ja nix. Eine Runde später, gleiche Ecke… *hops* R: Verdammt, was soll das? DA IST NICHTS!!! P: Ich weiß genau, dass es da noch lauert. R: Da lauert nichts, da sind Gras, Sand und Ameisen. KEIN HUCHMAMPF

R: Siehste, habe ich Dir doch gesagt, da ist nichts. Hier ein Leckerchen, weil Du so mutig warst. P: Ein Leckerchen??? Die Nummer ist bestimmt ausbaufähig.

Nächste Runde, gleiche Ecke... *hops*

Eine Runde später, gleiche Ecke...

R: Also noch mal, da ist nichts, Gar nichts, nothing, nixibaldi. Guck hin!

*hops*

Pferd guckt

R: Jetzt habe ich aber langsam genug. Los guck hin, da ist nichts.

R: Feeeeein, hier ein Leckerchen, weil Du so mutig bist.

Lenkt Pferd an den Rand, damit es gucken kann.

Nächste Runde, gleiche Ecke… *ausweich*

P: Und ob da was ist, was gaaaanz Schreckliches. Es wird mich fressen, ganz bestimmt. Ich kann nicht hingucken.

R: Na siehste, geht schon viiiiiiel besser

…und schmeißt das nächste Leckerchen ein….

wendet den Kopf ab Nächste Runde, gleiche Ecke… R: Gucken sollst Du, damit Du merkst, dass da nichts ist P: Und wenn es mich frisst?

52

*ein bischen ausweich* R: Braves Pferd, das wird, Du bist der Allerallermutigste, Du bist mein Held!


Stallgeflüster

….und schmeißt ein Leckerchen ein… R: Für heute ist Schluss, Du warst sooooo toll, ich kann kaum abwarten, den Anderen zu erzählen, wie mutig Du bist.

Reiter herzt und küsst das Pferd, mehrere Leckerchen wechseln den Besitzer und beide verlassen hochzufrieden den Reitplatz.

Der Reiter schaut noch mal zurück: R: Ach was freue ich mich auf das nächste Mal, da geht er dann ganz bestimmt ohne Probleme vorbei. Das Pferd schaut noch mal zurück: P: Ach was freue ich mich auf das nächste Mal, wenn ich es geschickt anstelle bekomme ich doppelt so viele Leckerchen... Birgit Feldt

Illustration: Nina Walther

53


Pferdeglück

Wenn Gras Stress hat, wird es brenzlig für anfällige Vor einiger Zeit habe ich über die hohe Gefährdung geschrieben, die für verfettete Pferde besteht, an Stoffwechselkrankheiten wie EMS oder dem Cushing Syndrom zu erkranken. Unter anderem habe ich dabei den Rat gegeben, besonders dann sehr vorsichtig mit Weidegang für gefährdete Pferde zu sein, wenn der Fruktangehalt im Gras hoch ist und das Gras gestresst ist. Nur: Wann ist der Fruktangehalt im Gras hoch? Und was macht dem Gras Stress? Diese Fragen möchte ich in diesem Beitrag zu beantworten versuchen, doch dazu müssen wir erstmal klären, was Fruktan eigentlich ist.

Was ist Fruktan? Fruktan ist ein spezieller Zucker, der im Gras (Heu) zu finden ist. Das Gras speichert Energie, welche es zum Wachsen benötigt, als Fruktan im Stängel. Wie hoch der Fruktangehalt im Gras ist, hängt von äußeren Faktoren ab, wie Sonnenscheindauer, Temperatur, Feuchtigkeit usw. Wenn das Gras wächst, verbraucht es Fruktan. Unterschiedliche Grassorten haben einen unterschiedlichen Gehalt an Fruktan. Das auf unseren Pferdeweiden weit verbreitete Weidelgras hat z.B. einen hohen Gehalt an Fruktan. Fruktan gilt als Auslöser von futterbedingter Hufrehe. Früher wurde angenommen, dass fütterungsbedingte Hufrehe durch zu viel

54

Pferde

Eiweiß ausgelöst wird. Heute weiß man, dass Fruktan der Übeltäter ist. Grundsätzlich ist jedes Pferd gefährdet, an einer durch Fruktan ausgelösten Hufrehe zu erkranken, aber besonders gefährdet sind solche Pferderassen, die von ihrer Ursprungsheimat auf karge Vegetation ausgelegt sind, wie z.B. Isländer, Shetlandponys oder auch z.B. Peruanische Pasos und natürlich Pferde, die bereits unter einer Stoffwechselerkrankung leiden. Der Fruktangehalt des Grases ist vor allem immer dann besonders hoch, wenn das Gras “Stress” hat. Stress hat Gras dann, wenn es die Energie nicht verbrauchen (also in Wachstum umwandeln) kann, also z.B. bei Niederschlagsmangel (wie es gerade in den letzten Wochen bei uns ja sehr ausgeprägt der Fall war). Wie hoch der Fruktangehalt im Gras ist, ist von verschiedenen Faktoren abhängig: • • • • •

Jahreszeit Tageszeit Witterung Beweidung Düngung

Jahreszeitliche Schwankungen Besonders reich an Fruktan ist das erste Gras im Jahr (Mitte bis Ende April und Mai), also genau dann, wenn die Pferde in der Regel angeweidet werden. So ha-


Pferdeglück ben die Tierärzte auch hier die meisten Rehepferde als Patienten und die Kliniken sind leider gut besucht mit Pferden, die in Hufverbänden stehen bzw. liegen. Aber auch im Herbst (Oktober und November) kann die Gefährdung durch Erhöhung des Fruktangehaltes im Gras wieder mehr werden.

Tageszeitliche Schwankungen Auch tageszeitlich gibt es starke Schwankungen des Fruktangehaltes im Gras. So ist besonders an sonnigen Nachmittagen, Abendenden vor kalten Nächten und in den ersten Morgenstunden nach kalten Nächten (wenn vielleicht sogar Reif auf dem Gras liegt) ein sehr hoher Gehalt von Fruktan im Grasstengel zu finden. An solchen Tagen sollten Sie Ihr Pferd erst gegen Mittag auf die Weide lassen und vorher mit Heu versorgen und eventuell auch rechtzeitig am Nachmittag wieder die Weidezeit beenden, bevor der Fruktangehalt zum Abend bzw. zur Nacht wieder zu stark ansteigt. Wenn die Tagestemperatur nicht über 6°C ansteigt, sollte der Weidegang für gefährdete Pferde ganz vermieden werden. Generell gilt: Steigende Temperaturen senken den Fruktangehalt im Gras, während fallende Temparaturen zum Anstieg des Fruktangehalts führen.

Witterungseinflüsse In Zeiten von Niederschlagsmangel kommt es auch zur Erhöhung des Fruk-

tangehalts im Gras. Dem Gras fehlt die Feuchtigkeit, die es zum Wachsen benötigt. Seine Speicher im Stängel sind voll mit Energie, die nicht umgewandelt werden kann. Bei kaltem Temparaturen wächst Gras langsamer und so speichert das Gras mehr Fruktan im Stängel ein. Damit besteht bei kalten Wetter (und erst recht bei Nachtfrost) und Sonnenschein eine hohe Gefährdung für Pferde an Hufrehe zu erkranken, wenn sie auf das gestresste Gras gelassen werden.

Starker Verbiss Gras, welches besonders kurz gefressen wurde oder welches häufig kurz gemäht wird, ist stark gestresst. In den Stängeln von kurz runtergefressenem bzw. abgemähtem Gras, befindet sich wesentlich mehr Fruktan als in langem, überständigen Grasstängeln und in den Blättern.

Ein gefährlicher Irrglaube Viele Halter rehegefährdeter Pferde stellen ihre Pferde auf Paddocks, auf denen das Gras stark abgefressen ist und glauben so, auf der sicheren Seite zu sein, da ja “so gut wie nichts” an Gras auf dem Paddock steht. Doch genau hier liegt die erhöhte Gefahr! So ist es in der Regel ungefährlicher, das gefährdete Pferd, eventuell auch mit einer Fressbremse versehen, begrenzte Zeit auf langes, blattreiches, am besten schon überständiges Gras zu stellen, als auf ein stark abgefressenes oder abgemähtes Stück Weide. Wenn Sie Ihr Pferd also auf ein “Magerpaddock” stellen, sollte darauf wirklich kein Gras wachsen.

55


Pferdeglück Düngung Weiden, die mit Stickstoff gedüngt werden, weisen einen höheren Gehalt an Fruktan in Gras auf.

Fruktangehalt im Heu Auch beim Heu gibt es starke Unterschiede, was den Fruktangehalt angeht. So spielt hier der Schnittpunkt des Heus eine wesentliche Rolle. Das Heu für gefährdete Pferde sollte jahreszeitlich besser spät gemäht werden, am besten nach der Blüte, ca. Mitte Juni und es sollte auch nicht gerade am frühen Morgen nach einer kalten Nacht geschnitten werden und auch nicht am Abend vor einer kalten Nacht. Wenn Sie einem an Hufrehe, EMS oder Cushing Syndrom erkrankten Pferd Heu füttern, können Sie den Fruktangehalt des Heus verringern, indem Sie das Heu waschen. Dazu müssen Sie es mindestens eine Stunde gut in Wasser einweichen (Hinweis: bitte nehmen Sie immer neues, sauberes Wasser zum Waschen).

Welche Pferde sind besonders gefährdet? Viele Pferdebesitzer von z.B. Warm- oder Vollblütern machen sich wenig Gedanken wegen dieser Gefahren, gilt doch die Hufrehe als die typische Erkrankung moppeliger Ponys, die als Rasenmäher hinter dem Haus geparkt werden und an Bewegungsmangel leiden.

beispielsweise ein sportlicher Hannoveraner, aber es ist kein Pferd, egal welcher Rasse, vollkommen ungefährdet. So kenne ich leider genügend Beispiele von Rehepferden, von denen ich selber das nie erwartet hätte. Egal ob Traber, Hannoveraner, Friese, Araber oder Isländer- bei allen Pferden müssen Sie gut beobachten (denken Sie an die Alarmzeichen wie Fettpolster!) und Vorsicht walten lassen. Wirklich pingelig achtsam müssen Sie bei Pferden sein, die schon vorerkrankt sind, besonders wenn es sich um Stoffwechselerkrankungen wie EMS oder das Cushing Syndrom handelt und natürlich, wenn Ihr Pferd schon mal eine Hufrehe hatte.

Es ist kompliziert… Sicherlich gibt es zu diesem Thema noch sehr viel mehr, was ich selber noch nicht weiß. Ich muss gestehen, dass ich bei der Recherche zu diesem Beitrag auf viele sich widersprechende Aussagen gestoßen bin, die mich teilweise recht stark verwirrt haben.

Darum meine Bitte: Korrigiert mich, wenn nötig, ergänzt mich, teilt Euer Wissen und Eure Erfahrungen mit uns. Bitte schreibt auf www. wege-zum-pferd.de viele Kommentare mit mehr Infos zum Thema: Fruktan im Gras/Heu und wie wir noch besser auf diese Gefährdung reagieren können, zum Wohle unserer Lieben

Babette Teschen Es ist sicher richtig, dass viele leichtfuttrige Ponyrassen stärker gefährdet sind als

56


Bastelecke

Insektenschutz zum Selbermachen Ihr braucht: Jojobaöl (10 ml) Zedernöl (3Tropfen) Zirbelkiefer (3 Tropfen) Lemongras (5 Tropfen) Geranie (2 Tropfen) Lavendel (5 Tropfen) Die ätherischen Öle in eine Sprühflasche geben und mit dem Jojobaöl auffüllen (bei größeren Mengen dann entsprechend die ätherischen Öle höher dosieren). Vor Gebrauch gut durchschütteln und je nach Pferd direkt aufs Fell sprühen oder aber auf ein Tuch und damit das Pferd abreiben. Sehr gut bewährt hat sich auch, Fliegendecken, -mützen, Halfter, Holzinneneinrichtung, die nicht angeknabbert wird etc. mit dem Öl zu besprühen, das hält die Insekten dann ebenfalls fern. Durch das Jojobaöl ist das Öl auch ausgesprochen pflegend und wirkt ebenfalls beim Menschen.

nach Insekt) helfen. Hier sollte jedoch immer ein klassisch ausgebildeter Homöopath um Rat gefragt werden, welches Mittel angebracht ist. Schüßler Salze helfen ebenfalls, das Blut weniger „lecker“ für Insekten zu machen. Günstigstenfalls macht man im Frühjahr und Herbst jeweils eine „Entgiftungskur“ – während der Insektenzeit kann das Salz No. 2 in Kombination mit 9 ebenfalls Insekten fernhalten. Nach Stichen hilft eine Auflage des folgenden „Schüßler-Salze-Breis“ gegen die Schmerzen, das Jucken sowie die Schwellung der Einstichstelle: 2, 3, 4 & 8. Einfach einige Tabletten zermörsern und mit ein wenig Wasser zu einem Brei verarbeiten, auftragen, evtl. noch mit einem feuchten Lappen oder einer Folie umwickeln und wirken lassen. Auf eine insektenstichfreie Sommerund Herbstzeit! Diana Kampmann

Bitte unbedingt darauf achten – egal, ob bei Mensch oder Tier! -, dass kein Öl in Augen, Ohren oder Mund/Maul gerät! Sollte ein Stich bereits erfolgt sein, hilft eine frisch aufgeschnittene Zwiebel auf den Einstich gelegt gegen den Juckreiz und die Entzündung, homöopathisch könnten Ledum oder Apis (je 57


Hufspuren

Verloren in den Weiten der Nordfriesischen Marsch 1. Teil der Erzählung Katastrophenalarm an der nordfriesischen Küste. Neumond. Orkanböen, eisiger, nasser, kalter Wind und Regen aus gefrorener Luft und Eis fegen wie Rasierklingen gnadenlos übers Land. Auf dem Meer türmen sich die Wellen meterhoch gen Himmel. Das aufgeschäumte wilde Wasser der Nordsee bahnt sich unaufhaltsam seinen Weg den schützenden Deich zur Krone und darüber hinaus empor. Das Brausen und Rauschen des Wassers klingt wie ein Donnern von Kanonen, die den schützenden Deich beschießen, um einen Angriff auf das dahinterliegende Land vorzubereiten. Und er wird kommen. Der Angriff. Der Angriff der Nordsee auf Nordfriesland. Wie bei jeder schweren Sturmflut. Der alte, Jahrtausende andauernde, ewige Kampf Mensch gegen Natur, Mensch gegen das Meer. Auch in dieser Nacht sollte dieser ungleiche Kampf weitergehen... Schon seit dem frühen Nachmittag jenen Tages war das Wasser der Nordsee langsam aber dennoch unaufhaltsam gestiegen. Schwere Winde von Westen her hatten ein Abfließen des Mittagshochwassers zuerst erschwert, dann verzögert und schließlich mit dem am frühen Abend aufkommenden Orkan verhindert. Das Ergebnis war eine schwere Sturmflut, die nun nicht nur die nordfriesischen Inseln vor der schleswig-holsteinischen Küste bedrohte, sondern auch das gesamte nordfriesische Hinterland 58

von Niebüll bis nach Friedrichskoog. Es sollte eine der Nächte werden, die Theodor Storm am Ende seiner weltberühmten Novelle „Der Schimmelreiter“ eindrucksvoll beschrieben hatte... Die Menschen in Nordfriesland sind jedoch hart und zäh. Im Geben wie im Nehmen gleichermaßen. Schon seit Jahrhunderten, wenn nicht gar seit Anbeginn der Zeit in SchleswigHolstein, stellen sie sich wieder und immer wieder dem ungleichen und niemals zu gewinnenden, erbarmungs- und gnadenlosen Kampf mit den Kräften der Natur. Für einen Außenstehenden, und erst recht einen Fremden, ist dieses Verhalten nicht nachzuvollziehen. Erst wenn man diesen Kampf mit eigenen Augen gesehen oder miterlebt hat, oder - so wie ich - an ihm teilnehmen musste und am Ende sogar noch ein Teil davon wurde, der kann diese Menschen vielleicht verstehen. Alle anderen werden aber auch weiterhin bei den Bildern einer Sturmflut entsetzt mit dem Kopf schütteln. Während die tapferen Helfer des THW, der Bundeswehr und des Katastrophenschutzes für ihren unermüdlichen, gefährlichen und heldenhaften Einsatz zum Schutze des Landes und seiner Bevölkerung vor den gewaltsamen Fluten von den unzähligen armen Unwissenden vor ihren


Hufspuren Fernsehern lauthals Ruhm und Ehre erhalten, hat der gemeine und unwissende Fernsehkonsument in seinem vermeintlich sicheren zu Hause für die Menschen, die mit diesem ewigen Kampf leben, in den meisten Fällen nur geheucheltes Mitleid und arrogante Verständnislosigkeit übrig. Schon als am Nachmittag jenes verhängnisvollen Tages die Meldungen eines entstehenden Orkans von den zivilen, militärischen und britischen Wetterwarten im KatastrophenschutzLagezentrum in Husum eintrafen, war allen Betroffenen, Beteiligten und Verantwortlichen vom ersten Eintreffen dieser Meldungen an klar, dass der nun kommende Abend und die sich anschließende Nacht nicht nur eine weitere Materialschlacht, ein weiterer Kampf gegen die Elemente, sondern wohl auch ein gnadenloser Kampf auf Leben und Tod werden sollte. Zumindest für die Helfer des Technischen Zuges des THW Ortsverbandes Faldera sollte diese Befürchtung des Katastrophenschutz-Stabes in dieser Nacht real werden... Als am frühen Abend die ersten Vorboten des sich unaufhaltsam nährenden Orkans auch über die nordfriesische Küste hinüberzogen, und die vorgelagerten Inseln im Wattenmeer allesamt schon längst „Land unter“ gemeldet hatten, wurde für den gesamten Kreis Nordfriesland Katastrophenalarm gegeben. Eine Entscheidung, die zur Folge hatte, dass alle Ortsverbände des Technischen Hilfswerks in ganz Schleswig-Holstein in Alarmbereitschaft versetzt wurden.

Gegen 18.30 Uhr war es dann soweit: Die ersten Deiche entlang der Küste drohten zu brechen. An vielen Stellen war das Wasser bereits über den aufgeweichten und brüchigen Deich getreten. Die örtlichen THW-Einheiten kamen schon lange nicht mehr alleine gegen die aufgeweichten und brüchigen Stellen an, und so wurden nun auch die Ortsverbände Bad Segeberg, Kaltenkirchen, Wahlstedt und Faldera vom Katastrophenschutz-Stab als Verstärkung für ihre Kameraden im Kreis Nordfriesland angefordert. Schon eine halbe Stunde später rückten dann die ersten Einheiten aus. Ich, Dr. Timmy Falkner, gehörte damals zur 2. Bergung des Technischen Zuges des Ortsverbands Faldera. Sandsäcke schleppen! So lautete unser Auftrag. Sandsäcke schleppen! Die lange Fahrt durch die dunkle Nacht zu unserem Einsatzort verging, zumindest mir, wie im Flug. Während der Fahrt redeten wir kaum ein Wort miteinander, während aus dem Radio Gunther Gabriel mit: „Hey Boss ich brauch’ mehr Geld!“ klang. Sandsäcke schleppen. Der so ziemlich mieseste und beschissenste Auftrag den es wohl gibt. Ich glaube, dass uns allen während der Fahrt solche Gedanken durch die Köpfe schossen. Obwohl ich es bis zu dieser Nacht noch nie in einem scharfen Einsatz gemacht hatte, so wusste ich es doch von den Erzählungen meiner altgedienten Kameraden und Ausbilder.

59


Hufspuren Irgendwann so gegen 20:00 Uhr erreichten wir dann endlich unseren Einsatzort, einen dünn besiedelten Koog. Wir setzten ab und gingen vor den Geländekraftwagen in Aufstellung. Ich sah mich skeptisch um. Hier also sollten wir nun den aufgeweichten Deich mit Sandsäcken verstärken, erhöhen und kleine Löcher stopfen. So lautete zumindest der Befehl. Die benötigten Sandsäcke waren wohl schon lange vor unserem Eintreffen von der Bundeswehr herangeschafft worden, zumindest standen schon mehrere mannshohe Paletten mit Sandsäcken um uns herum. Bevor Helge, unser Zugführer, uns die genauen Anweisungen zu unserem Auftrag gab, meinte Michi, der Kraftfahrer der 1. Bergung, mit einem breiten, dreckigen Grinsen noch zu mir: «So Timmy, nun wirst du auch mal erleben was THW wirklich ist!» Ich grinste zurück und zeigte ihm den Mittelfinger. Helge gab nun die letzten Anweisungen und teilte uns ein. Ich wurde als Melder eingeteilt, da ich der jüngste Helfer des Technischen Zuges war. Das hatte jedoch nichts mit meinem Alter zu tun. Wenn es nur danach gegangen wäre, dann wäre ich sogar einer der Ältesten gewesen. Der jüngste Helfer ist immer der jenige, mit der geringsten Dienst- und Einsatzerfahrung, und da ich mich erst im Februar zum THW gemeldet hatte , war ich nicht nur der jüngste Helfer, sondern auch noch das „Küken“ des Technischen Zuges. Das Wasser im Koog war schon bis zu den Knöcheln angestiegen. Es 60

stammte aber wohl mehr aus den zahlreichen Entwässerungsgräben, deren Sieltore geschlossen worden waren, weshalb das Wasser aus dem Koog nun nicht mehr abfließen konnte. Hinzu kam noch, dass mehr und mehr Wasser über die Deichkrone schwappte. Im fahlen Licht der Scheinwerfer erblickte ich die Löcher im Deich, die mit jeder Welle, die gegen den Deich schlug, größer wurden. Der Deich drohte zu brechen. Das war auch mir als Neuling klar. Vorsichtig marschierte ich den aufgeweichten Deich entlang. Mit einem unguten Gefühl betrachte ich meine Kameraden. Ich hatte ein schlechtes Gewissen: Während sie sich am Deich und im Koog mit den Sandsäcken abrackerten, stand ich eigentlich nur dumm herum und wartete darauf, dass einer von den Gruppen- oder Truppführern mir eine Meldung zum Übermitteln brachte. Ein scheiß Gefühl nicht mithelfen zu können. Nicht das ich wirklich scharf darauf gewesen wäre in der nassen Kälte, dem Wind und den Orkanböen, Sandsäcke zu schleppen, doch wenn ich zu diesem Zeitpunkt gewusste hätte, was ich in dieser Nacht durchmachen und erleben sollte, ich hätte lieber jeden der unzähligen Sandsäcke einzeln zum Deich geschleppt... Ich wollte mich gerade in einen wunderschönen Tagtraum flüchten, da kam Mark, der Gruppenführer der 1. Bergung aufgeregt auf mich zu gelaufen. «Timmy, du musst sofort zu Helge hinlaufen und ihm sagen, dass wir das Sieltor öffnen müssen, sonst bricht


Hufspuren uns hier der Deich durch!», sagte Mark völlig außer Atem zu mir. Ich nickte nur und rannte los. Atemlos kam ich am Meldepunkt an. Helge stand zusammen mit Michi vor dem GKW und drehte nervös am Funkgerät rum. Er ließ vom Funkgerät ab und sah mich besorgt an. «Timmy, was ist los?», fragte er mich. «Lagemeldung von Mark: 1. Bergung muss Sieltor öffnen, um Deichbruch abzuwehren!», antwortete ich erschöpft. «O.K.», sagte er und rieb sich nachdenklich das Kinn. «Ist irgendwas?», fragte ich neugierig. «Ja... die Funkverbindungen sind hier irgendwie unterbrochen. Ich bekomm’ keine Verbindung zum Stab und zur Einsatzleitung mehr... schöne Scheiße...», antwortete Helge mir. «Und was bedeutet das?», fragte ich weiter. «Das bedeutet, dass wir hier nun erst einmal auf uns allein gestellt sind», war seine Antwort. «Gib das bitte auch an die Gruppen- und Truppführer weiter.» Ich nickte und lief wieder zurück. Das Wasser war mittlerweile fast bis auf Kniehöhe angestiegen, so dass mir das Laufen merklich schwer fiel. Die Reaktion auf die Nachricht, dass die Kommunikationsverbindungen unterbrochen waren, klang bei allen Führern und Kameraden eigentlich gleich: «Na toll! Jetzt sitzen wir hier erst einmal fest!» Ich zuckte nur mit den Schultern. Mark öffnete über eine Not-Winde das schwere Sieltor. Der vom Küstenschutz zuständige Schleusenwart war aus Sicherheitsgründen schon lange nicht mehr im Koog, sondern bei der für unseren Abschnitt zuständigen Einsatzleitung. Diese war ja nicht zu

erreichen, und so durften und mussten Mark und Helge jetzt eigenmächtig Entscheidungen treffen. Ich half Mark unaufgefordert das schwere Tor zu öffnen. Das Wasser der Nordsee drücke von außen gegen das Tor. Das massive genietete Stahltor ächzte und knarrte, als wir es langsam hochkurbelten. Schon nach wenigen Zentimetern spritzte uns das eisige Nordseewasser in einem gewaltigen Sprudel entgegen. Es fiel uns sichtlich schwer das Tor hochzukurbeln, doch es gelang uns schließlich. Erschöpft und keuchend, aber doch zufrieden, betrachteten wir, wie das Wasser der Nordsee in den Entwässerungsgraben strömte. Unsere Freude war allerdings nur von kurzer Dauer: Zwar wurde der Deich durch das kontrollierte Ablassen des Nordseewassers in den Koog etwas entlastet; der Orkan drückte aber nun immer stärker und immer mehr Wasser gegen den aufgeweichten Deich, so dass er nun zunehmend brüchiger wurde. Wir lauschten gerade dem wilden Sprudeln des Wassers, als wir plötzlich ein gewaltiges, schlammiges Platschen vernahmen. Erschrocken schauten wir zum Deich. Ein großes Stück war aus dem Deich herausgebrochen und in den Koog gerutscht. Mark rannte los, um die Schadenslage zu beurteilen. Schnell wurde klar; wir standen nun endgültig vor einer Katastrophe: Nicht nur das nun auch noch an immer mehr Stellen Stücke aus dem aufgeweichten Deich herausbrachen, auch die Sandsäcke gingen allmählich zur Neige. 61


Hufspuren Das Wasser stand uns auch hier mittlerweile bis zu den Knien, als Mark wieder zu mir zurückgelaufen kam. «Timmy, du sollst dich sofort bei Helge melden!», befahl er mirvöllig außer Atem. «Schnell, schnell!» Ich rannte sofort los. Das heißt, ich versuchte zu rennen. Durch die Höhe des Wassers war nur noch ein schnelles Gehen möglich, ohne zu stürzen und ins Wasser zu fallen. Der Weg zum Meldepunkt am GKW kam mir wie eine Ewigkeit vor. Endlich erreicht ich ihn. Ich keuchte. Der Schweiß rann mir von der Stirn. Helge kam mir aufgeregt entgegen gelaufen: «Timmy, endlich bist du da! Wir hängen hier ziemlich in der Scheiße: Der Deich ist hier total aufgeweicht und immer mehr Wasser dringt ein. Wir können den Deich nicht mehr abdichten. Wir sind einfach zu wenige und Sandsäcke haben wir auch nicht mehr wirklich viele. Jemand von uns muss aus dem Koog raus, Verstärkung anfordern und holen. Sonst wird der Deich hier in absehbarer Zeit brechen und wir ersaufen wie die Ratten!» Ich schaute Helge verwirrt und fragend an. «Und... und wer von uns soll sich nun auf den Weg machen?», fragte ich mit zittriger Stimme, wobei ich es im Geheimen schon ahnte, dass ich es wohl sein sollte, doch wollte ich es mir nicht eingestehen. «Timmy... gut 50 Meter von hier entfernt ist ein Bauernhof. Der Bauer hat auch Pferde... Ich war vorhin da und habe mit ihm gesprochen und ihm die Lage hier erklärt. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich hier einen Helfer habe, der reiten kann... Der Bauer 62

würde dir eines von seinen Pferden geben... Du könntest dann versuchen nach Husum zu reiten und dort beim Luftwaffen-Versorgungsregiment Verstärkung holen...» Helge war sichtlich angespannt und nervös, als er dies sagte. Es fiel ihm nicht leicht mir diesen Befehl zu geben, dass spürte ich und das sah man ihm auch an. Er wusste ganz genau was er da von mir verlangte, und auch das ich diesen Befehl nicht verweigern würde. Ich nickte nur und erwiderte ein zittriges: «O.K. klar mach’ ich das... kein Problem...» «Gut...!», sagte Helge sichtlich erleichtert. «Dann komm mal mit!» Wir gingen zusammen zu dem Bauernhof, der auf einer kleinen Anhöhe, einer Warft, lag und gingen in den Stall. Der Bauer wartete schon auf uns. Er führte uns zu einer der Pferdeboxen und holte ein Pferd heraus: Es war ein wunderschöner, dunkelbrauner Wallach mit einer weißen Blesse, schwarzen Knopfaugen, einer langen schwarzen Mähne und vier weißen Fesseln. «Das ist Floyd», sagte der Bauer zu uns während er das Pferd auf der Stallgasse festband. «Er kennt das Land hier und wird Sie sicher nach Husum tragen.» Ich nickte und begann Floyd vorsichtig zu berühren. Zuerst hob ich meine Hand an seine samtweiche Nase damit er mich vorsichtig beschnuppern konnte. Dann begann ich vorsichtig seinen warmen, weichen Hals zu streicheln. Während ich Floyd weiter streichelte um so sein Vertrauen zu, gewinnen gab Helge mir noch zwei Zettel. Auf dem einen standen die Koordinaten unserer Position, der andere war ein Meldezettel mit unserer Lage und der Anforde-


Hufspuren rung nach Verstärkung. Der Bauer kam mit einem Sattel und einer Trense zu uns zurück. Schweigend legte er Floyd den Sattel auf und trenste ihn. Dann führte er ihn hinaus. Helge und ich folgten ihm schweigend. Draußen, wieder im Sturm und im Regen angekommen, stieg ich auf. Helge klopfte mir vorher aber noch einmal auf die Schulter und wünschte mir viel Glück. «Er wird es nicht schaffen...», hörte ich den Bauern zu Helge sagen, als ich mit Floyd langsam im Schritt vom Hof ritt. «Wer weiß... Die Hoffnung stirbt ja zuletzt...», hörte ich Helge noch, bevor ich nun mit Floyd in der kalten und dunklen Nacht verschwand... Ich war nervös und zitterte, als ich mit Floyd den Hof verließ. Ein ungewisser, langer und beschwerlicher Weg lag nun vor uns. Den Weg nach Husum kannte ich nur ganz grob. Richtung Süden, das wusste ich. Mehr aber auch nicht. Natürlich hatte ich das Helge nicht gesagt. Ich wollte ihn ja nicht enttäuschen, doch jetzt bekam ich immer mehr Angst. So ritt ich nun einsam und allein zuerst einmal in Richtung Süden. Der schwere, kalte Regen peitschte mir unentwegt ins Gesicht und der Wind war scharf wie Rasierklingen. Ich kniff immer wieder die Augen zu und klammerte mich an der Mähne fest, um nicht von den Orkanböen aus dem Sattel gehoben zu werden. Mein einsamer Weg durch die dunkle Nacht entwickelte sich immer mehr zu einem Ritt auf gut Glück, denn das Wasser im Koog reichte mittlerweile auch Floyd bis zu seinen Sprunggelenken. Das

alleine wäre ja noch nicht so schlimm gewesen, doch hatte der Wasserstand zur Folge, dass sämtliche Straßen und Wege im Koog schon lange nicht mehr zu erkennen waren, geschweige bei der Dunkelheit noch zu erahnen. Der ganze Koog, soweit ich ihn noch mehr oder weniger überblicken konnte, war nur noch eine einzige schwarze, spiegelglatte Fläche. Ein Schauder lief mir bei diesem fast schon mystischem Anblick über den Rücken. Ich begann vorsichtig und zögernd zu traben. Das aufgewirbelte, schwere Wasser klatschte Floyd wie eine Peitsche unter dem Bauch, doch sicher und souverän trabte er vorwärts durch das kalte Wasser, und mit jedem Tritt wich auch meine Angst ein wenig mehr. Das Rauschen und die Wellen, die durch Floyds Tritte entstanden, wirkten irgendwie beruhigend auf mich. Mein Herzschlag ging im Rhythmus der Tritte und mein Atem ruhiger und gleichmäßiger. Eine gewisse Anspannung blieb jedoch. Denn je länger ich mit Floyd durch die dunkle Nacht und das kalte Wasser voran kam, desto schwerer fiel es Floyd zu traben. Ein sicheres Zeichen, dass das Wasser immer tiefer wurde. Hinzu kam nun auch noch, dass die Orkanböen in immer kürzeren Abständen auftraten. Ich musste mich zeitweise auf Floyds warmen, weichen Hals legen, um nicht vom Sturm aus dem Sattel gehoben zu werden. Zu allem Überfluss kam nun auch noch der nasse, kalte Regen aus allen Richtungen. Irgendwann war der Sturm und der Regen dann aber doch so stark geworden, dass es für mich und 63


Hufspuren vor allem aber für Floyd eine große Qual wurde noch weiter zu traben. Ich musste meinen Weg also im Schritt fortsetzen... und da kam sie wieder auf: die Angst und die Ungewissheit. Ein scheiß Gefühl. «Befehl ist Befehl!», dachte ich! Wenn ich zu diesem Zeitpunkt allerdings schon gewusst hätte, wo diese Einstellung einen Menschen in seinem Handeln hinführen kann, ich glaube heute noch, ich hätte den Auftrag nicht angenommen. Je länger ich nun mit Floyd weiter durch die dunkle, einsame Nacht ritt, so größer wurde meine Angst und stärker meine Unsicherheit. Angst! Ein scheiß Gefühl. Angst kann man nicht lernen, Angst hat man. Ob man will oder nicht. Je mehr man versucht sie zu verdrängen, desto stärker wird sie. Dennoch versuchte auch ich meine Angst auf irgendeine Art und Weise zu verdrängen. Ich summte mehrere Lieder vor mir her. Mal komplett, mal nur Teile, doch bei einem Lied begann ich dann leise mit zu singen. Warum gerade bei diesem Lied weiß ich bis heute nicht. Es war zu diesem Zeitpunkt nicht einmal eines meiner Lieblingslieder: «They came for him one winter’s night. Arrested, he was bound ...», begann ich in die schwarze Nacht und gegen den Sturm zu singen. Es waren die ersten Zeilen von „Over the hills and far away“ von Gary Moore. Mein Herz begann zu rasen. Meine Stimme wurde immer stärker und lauter. Ich ballte meine Hand zur Faust und schrie in die dunkle Nacht hinaus: «One day he’ll know the taste of freedom. Over 64

the hills and far away, she prays he will return one day. As sure as the rivers reach the seas, back in her arms he swears she’ll be. Over the hills and far away!» Es war jedoch eine trügerische Sicherheit, die mir das Singen brachte, denn mit einem Mal blieb Floyd ohne einen für mich ersichtlichen Grund, völlig überraschend und unerwartet, stehen. Ich erschrak als Floyd so plötzlich ustehen blieb. Mein lautstarker Gesang verstummte. Ängstlich und verunsichert schaute ich mich um. Ich wollte den Grund herausfinden, warum Floyd auf einmal stehen geblieben war, doch außer einer schwarzen, mattglänzenden Fläche war nichts zu sehen. Floyd streckte den Kopf und den Hals, und spitzte aufgeregt die Ohren nach vorne. Nervös flüstere ich Floyd zu: «Was ist denn da?», und versuchte ihn wieder anzutreiben. Er bewegte sich kein Stück vorwärts. «Nun mach schon!», schrie ich ihn an. Keine Regung! Immer stärker trieb ich ihn mit meinen Beinen, doch je stärker mein Treiben nun wurde, desto mehr verweigerte er sich mir, und umso nervöser und ängstlicher wurde ich. Floyd begann schließlich zu tänzeln, je mehr ich ihn in meiner Verzweifelung und Angst voran zu treiben versuchte. Vergeblich! Floyd bewegte sich keinen Meter vorwärts. «Floyd!» schrie ich ihn verzweifelt und mit Tränen in den Augen an. «Floyd! Bitte! Nun geh’ doch endlich weiter! Bitte...!»


Hufspuren

Ich begann zu weinen und rechnete damit jeden Moment in das eisige Wasser zu fallen. Verzweifelt versuchte ich Floyd wieder und wieder anzutreiben. Vergeblich. Ich begann vor Anstrengung zu schwitzen und zu verkrampfen. Irgendwann nahm ich schließlich die Zügel in eine Hand und die Gerte in die andere. In meiner Verzweifelung schlug ich Floyd dann mit voller Wucht auf den Hintern, um ihn endlich vorwärts zu bekommen. Dieser Schlag tat mir mehr weh als ihm, denn ich hasste es einem Tier Schmerzen zufügen zu müssen. Aber ich sah in dieser Situation leider kei-

nen anderen Ausweg mehr. Tatsächlich machte Floyd daraufhin, sichtlich widerwillig, einen riesigen Satz nach vorne. Die Freude, dass es nun wohl endlich weiter gehen würde dauerte jedoch nur den Bruchteil einer Sekunde, dann spürte ich, dass der Sprung im wahrsten Sinne des Wortes ins Leere gegangen war. Ich erschrak als ich merkte das Floyd zusammen mit mir zu versinken schien. «Ein Graben!», schoss es mir noch durch den Kopf, bevor auch ich unter Wasser gezogen wurde...

Fortsetzung folgt... Marc Amelsberg

65


Hufspuren

Bella - Ein Fallbericht Bella war vom Fohlenalter an in der Familie und immer sehr „betüddelt“, aber leider nicht korrekt pferdegemäß erzogen worden. Zu mir kam sie dann, weil die Besitzerin an einem Punkt angekommen war, an dem sie Angst hatte mit dem Pferd umzugehen oder sie gar zu reiten. Sie dachte sogar darüber nach, das Pferd abzugeben.

gehe voraus, sie rempelt mich weder an noch latscht mir in die Hacken sondern hält Abstand und stoppt umgehend, wenn ich stehenbleibe, ohne auf mich „aufzulaufen“. Im Grunde also einfach nur Grundlagenarbeit. Außerdem ritt meine damals 12-jährige Tochter Bella zwei Mal in der Woche; sie ist nicht ängstlich und kam gut mit der Stute klar.

Die Besitzerin kam mit Bella zunächst in meine Reitstunde. Dort fiel mir auf, dass sie selbst sehr ängstlich und Bella sehr unsicher waren. Diese Kombination kann unter Umständen sehr gefährlich werden. Daher versuchte ich zunächst Entspannung in die Sache hineinzubekommen mit viel Ruhe und vor allem Konsequenz. Es war absolut nicht spektakulär, aber eben so Dinge wie – „Stehenbleiben“ – Sobald sie den Platz verließ, stellte ich sie umgehend wieder emotionslos zurück an ihren Platz – immer wieder, bis ich sie schließlich unangebunden „abstellen“ konnte, ohne, dass sie versuchte, sich von ihrem Platz zu entfernen. Auf dem Reitplatz dasselbe – ich „parkte“ sie an einem bestimmten Platz, legte das Leitseil über ihren Hals und entfernte mich Stück für Stück immer weiter von ihr. Wenn sie brav stehenblieb, wurde sie gelobt, wenn sie den Platz verließ ohne Kommentar wieder zurück an den alten Platz gestellt. Oder: Ich

Nach und nach zog sich die Besitzerin immer mehr zurück. Sie hatte immer andere Ausreden, nicht am Unterricht teilzunehmen, in Wirklichkeit war sie aber mit ihrem Pferd überfordert und musste sich zudem auch noch „dumme Sprüche“ anderer anhören, die alles „besser“ wussten.

66

Als meine Tochter Bella nur noch allein und nur zwei Mal in der Woche ritt, weil die Besitzerin sie nicht wie vorgesehen mindestens der Mal die Woche reiten oder longieren wolllte, bekam auch sie Probleme mit der Stute. Nach einer Weile rief die Besitzerin mich an, sie wollte mir das Pferd schenken. Ich habe mit ihr geredet, wir sind überein gekommen, dass ich mit Bella arbeite und sie sich aber ebenfalls einbringen wird. Anfangs habe ich drei Mal die Woche mit ihr gearbeitet, zunächst nur


Hufspuren vom Boden aus. Ich hatte schnell das Gefühl, dass sie nur darauf gewartet hatte, dass ihr jemand sagt, was sie tun soll. Probleme gab es von Anfang an nicht. Nachdem sich die Besitzerin weiterhin zurückgehalten hatte, habe ich sie aufgefordert, sich einzubringen und ihr gesagt, dass wir auch vom Boden aus beginnen, dass sie erst mal nicht zu reiten brauche. Ihre Antwort: „Vom Boden aus habe ich kein Problem“ – ok, wenn es kein Problem ist, dass ihr Pferd sie umrennt, keine Sekunde stehenbleibt - weder beim Putzen noch beim Aufsitzen geschweige denn unter dem Reiter-, ihr auf den Füßen herum trampelt, sie an Strick und Longe hinter sich her zerrt… dann hat sie tatsächlich kein Problem… ich persönlich sehe anders. Sie stellte dann fest, dass man nach meiner Vorarbeit schon viel besser mit Bella umgehen konnte, wunderte sich, dass sie beim Putzen still stand, machte unter meiner Anleitung Führübungen und longierte ihr Pferd sogar selbst. Allerdings war auffällig – auch für die Besitzerin – dass Bella sich auch dann immer an mir orientierte, mich sozusagen immer „fragte“, bevor sie etwas ausführte. Aber es wurde immer besser, zumal wir parallel an der Beziehung der Besitzerin zum Pferd arbeiteten. Nun ging es ans Reiten - Die angebotene „Tellington-Trense“ schlug ich aus, da ich ein Pferd nicht mittels mechanischer Zwangsmittel zur Mitarbeit zwingen möchte, und nahm stattdessen –

wie es sich schon beim Führtraining und an der Longe sehr gut bewährt hatte – das Dually Halfter oder ein Caveçon. Da beide Zäumungen gebißlos waren, hatte Bella auch nicht mehr den Druck im Maul, auf den sie mit dem panischen Rennen reagierte. Die Besitzerin hatte nämlich immer versucht, mit dem scharfen Gebiß mit Hebelwirkung und ihrem „vollen Körpereinsatz“ das Pferd zu „bremsen“. Beim Führtraining hatte ich als erstes auf das ruhige Stehen geachtet. Auch jetzt führte ich sie herum, ließ sie anhalten und stehen, wieder antreten usw. Ich führte sie schließlich zur Aufsitzhilfe und übte dort ebenfalls das „Parken“, bis sie ruhig stehenblieb, während ich langsam um sie herumging. Ich kletterte auf die Aufsitzhilfe und Bella stand. Ich belastete einen Bügel – sie stand noch immer. Auch beim Nachgurten stand sie nach wie vor still, die Ohren zu mir gerichtet. Ich konnte aufsitzen, ohne dass sie auch nur den Versuch unternahm loszurennen. Sie wurde gelobt, ich saß wieder ab. Beim nächsten Mal ritt ich einige Runden im Schritt am hingegebenen Zügel – ohne irgendwelche Probleme. Unter dem Sattel konnte ich sie am hingegebenen Zügel ruhig im Schritt reiten. Auffällig war ihre schlechte Balance, besonders auf gebogenen Linien. Man hatte das Gefühl, auf einem Motorrad zu sitzen. Also begann ich mit Dual Aktivierungs-Training nach Michael Geitner. Elemente hiervon hatte ich bereits beim Führ- und 67


Hufspuren Longiertraining eingebaut. Bella ließ sich nun – nach nur 2 Wochen intensiven Trainings – führen, putzen, longieren und reiten, ohne panisch wegzulaufen. Meines Erachtens nach war dieses Pferd zuvor einfach sehr verunsichert gewesen. Sie ist zwar relativ dominant auf der Koppel, aber kein „geborener Führer“. Sie ist kein ranghohes Tier, wurde jedoch in diese Rolle gezwungen, weil die Besitzerin nicht in der Lage war, diese Rolle kompetent und pferdegerecht auszufüllen. Und Bellas Übernahme der Führungsrolle wiederum verursachte Unsicherheit bei der Besitzerin. Bei diesem „Fall“ sieht man überdeutlich den „Spiegel“ der das Verhalten des Pferdes für das des Menschen ist! Die Besitzerin hatte mittlerweile auch wieder auf Bella gesessen und war begeistert, dass sie sie nur mit Gewicht lenken und auch anhalten konnte. Leider folgte eine lange „Winterpause“, weil dieser Winter ungewöhnlich lang und hart war. Sehr viel Schnee und Eis zwangen mich zu einer Pause. Als ich dann wieder begann, konnte ich erstaunlicherweise dort weitermachen, wo wir gezwungenermaßen aufhören mussten. Sehr schnell ging es vom Boden wieder in den Sattel; nach einer osteopathischen Behandlung, die die offenkundige Ilio-Sacral-Blockade sowie einige übereinanderstehende Knochenplatten im Stirn- und Brustbe68

reich gelöst hatte, lief sie auch nicht mehr ganz so steif. Die DualAktivierung tat ihr übriges, das Pferd besser auszubalancieren. Und wenn man selbst die Führung klar übernahm, fühlte sie sich nicht in die Rolle hineingedrängt und machte keine Probleme. Nun war es meine Aufgabe, die Besitzerin davon zu überzeugen, sich ihrem Pferd regelmäßig zu nähern und konsequent mit ihr zu arbeiten. Ich arbeitete auch sehr viel nach Parelli mit Bella, da sie darauf hervorragend reagierte. Ich hatte sie mit auf ein Seminar nehmen dürfen, bei dem sie sich hervorragend präsentierte – ein nettes, freundliches, aufmerksames und lernbegieriges Pferd! Sie war der „Hingucker“ des Lehrganges – und das nicht allein wegen ihrer Farbe (Schecke). Das Podest – anfangs ihr größtes Trauma – wurde zu ihrer Lieblingsübung. Ich bin sie dort auch erstmalig nur mit Knotenhalfter und nur einem Leitseil geritten – und es hat hervorragend funktioniert! Inmitten von drei fremden Pferde! Und das, obwohl wir bislang immer nur allein auf dem Platz geübt hatten! Bella kam mir mittlerweile auf der Koppel schon freudig brummelnd entgegen gelaufen und lief nicht mehr weg, sobald sie das Halfter erspähte. Dann saß sogar die 10jährige Tochter der Besitzerin erstmalig seit über ei-


Hufspuren nem halben Jahr mal wieder auf Bella- auch nur mit Knotenhalfter und Leitseil (allerdings zu einem „Zügel“ verknotet) – und Bella benahm sich auch unter ihr ganz artig und ruhig. Wir mussten nun deutlich an der Bemuskelung sowie der Balance arbeiten – wobei das eine natürlich mit dem anderen zusammenhängt. Die Balance versuchte ich mittels DualAktivierung nach Michael Geitner sowie viel Geländetraining – zunächst an der Hand und dann als Handpferd zu erreichen. Danach folgten Schrittausritte in Begleitung eines braven, zuverlässigen Begleitpferdes. Priorität war, sie ruhig und entspannt draußen reiten zu können, denn wenn sie bisher mit ins Gelände genommen wurde, sind die Jugendlichen mit ihr und den anderen Pferden nur „geheizt“, was natürlich bei einem derart unausbalancierten Pferd sehr gefährlich für alle Beteiligten war! Das entspannte Reiten gelang aber so gut, dass sich die Besitzerin sogar zutraute, in der Herde

zum neuen Stall zu reiten! Bis heute hat sich die Balance enorm verbessert, das Pferd ist psychisch nicht mehr wiederzuerkennen und hat sich auch muskulär hervorragend entwickelt. Die „Zusammenführung“ von Mensch und Pferd ist ebenfalls durch die Kombination Pferdeverhaltenstherapie – Physiotherapie – Trainingskonzept geglückt. Es macht mir immer wieder große Freude zu sehen, wie sich derart unsichere, ja, verängstigte, mißtrauische Pferde während meines Trainings zu ihrem Vorteil verändern und zu freundlichen, freudig mitarbeitenden, eifrigen und neugierigen Partnern werden, die dem Menschen wieder Vertrauen schenken. Wenn mich ein Pferd, das ich mit resignierten, traurigen Augen kennenlernte, nun mit neugierigem, freudigen Blick begrüßt, dann weiß ich, wofür ich jahrelang gelernt habe und immer noch weiterlerne.

Diana Kampmann

69


Nachgedach t

Abschied Wenn ein Tier in unseren Haushalt einzieht, dann freuen wir uns auf das gemeinsame Leben. Wir feiern seinen Geburtstag, wir versorgen, füttern und umsorgen es. Wir pflegen es, wenn es krank ist und irgendwann kommt der Tag, an dem wir uns von ihm trennen müssen. Manchmal geht es ganz schnell. Am Morgen wirft man einen Blick in den Stall oder auf den Paddock und da liegt unser Liebling. Es erschüttert uns. Wir sind traurig und unser Leben gerät aus den Fugen. Manchmal ist es absehbar: Das Pferd ist krank, der Tierarzt kommt, der Tierheilpraktiker kommt und man ahnt schon, dass wohl bald das Ende naht. Und manchmal stirbt das Tier dann von allein. Sehr viel häufiger steht man aber selbst vor der Entscheidung, ob man sein Tier vom Tierarzt oder vom Schlachter erlösen lassen sollte. Wie schwer so eine Entscheidung ist, sieht man an den unzähligen Anzeigen, wo ein Käufer für ein Gnadenbrotpferd gesucht

70

wird. Da werden dann Zeitmangel, Geldprobleme oder Umorientierung angegeben, als Grund dafür, dass man dieses oft alte und nicht mehr reitbare Tier verkaufen oder verschenken möchte. Solche Anzeigen werden nur selten aufgegeben, weil man mitleidlos den nutzlosen Reitpartner loswerden möchte, sondern sehr viel häufiger weil man sich vor der Entscheidung der Euthanasie fürchtet. Doch der Besitz eines Tieres bedeutet nicht nur die Entscheidungsgewalt über Futter und Unterkunft, sondern auch über Leben und Tod.

“Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen“, sagte der Fuchs. „Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ Antoine de Saint-Exupéry, „Der kleine Prinz“

Ich stehe gerade vor so einer Entscheidung. Unsere ersten Kinderponys sind jetzt alt. Niemand weiß genau wie alt, aber wohl deutlich über 20 Jahre. Der Bennie,


Nachgedach t der Jüngere der Beiden, leidet schon länger unter chronischer Bronchitis. Jedes Jahr muss er im Frühjahr und im Herbst auf dem Paddock bleiben, weil ihm sonst Hufrehe droht. Sein Fell lockt sich aufgrund des Cushing. Im letzten Jahr ging er fünf Monate lahm. Ich liebe meine Tiere, aber ich bin mir auch der Verantwortung bewusst, die ich trage. Auch wenn man dem Wallach tagsüber auf der Koppel nichts ansieht, so weiß ich doch, dass er sehr krank ist. Es wäre eigentlich im letzten Jahr an der Zeit gewesen ihn zum Schlachter zu bringen. Ich habe die Entscheidung vor mir hergeschoben. Ich habe ihn behandelt und behandeln lassen. Und schließlich war er zumindest lahmfrei. Doch im Winter hatte er wieder diesen fast lautlosen kleinen Husten von der COB (Chronische Obstruktive Bronchitis). Wenn er auch nur wenige Minuten mit den anderen Wallachen tobt, ist er schweißgebadet vor Anstrengung und Atemproblemen. Und ich hatte wieder unzählige Ausreden, warum ich meine Verantwortung nicht übernehmen wollte. Wann ist es also so weit, dass man sich trennen muss und Abschied nehmen sollte? Manche Pferdebesitzer haben ihr Pferd vom Schlachthof geholt. Sie standen dort, weil sie lahm waren, verrückt im Kopf, nicht mehr unterhalten werden konnten oder niemand wusste wohin mit ihnen. Und so einige dieser Schlachtpferde sind wieder gesund geworden, sind erzogen worden, haben einen Platz bekommen und können wieder genutzt werden. Haben die Besitzer, die diese Pferde zum Schlachter gegeben haben, versagt? Haben sie die falsche Entscheidung getroffen? Und dann denke ich an den Skandal von den Haflinger Pferden, die monatelang unversorgt im Stall vor sich hin vegetiert ha-

ben. Der Besitzer konnte die Entscheidung nicht treffen. Nach der Rettung wurden einige der Tiere eingeschläfert und einige der Tiere wieder aufgepäppelt. Die Entscheidung traf dann der Tierschutz für ihn. In anderen Fällen geben Menschen viel Geld aus für Behandlungen und vor allem Schmerzmittel, um ihr Pferd noch möglichst lange am Leben zu erhalten. Oder sie ignorieren offensichtliche Probleme und behandeln ihr Pferd trotz Lahmheit, Abmagerung oder anderen gesundheitlichen Schwierigkeiten wie vorher. Sollte hier nicht längst die Entscheidung für den Tod gefällt werden? Für diese schwere Entscheidung gibt es keinen Ratgeber. Es gibt keinen Leitfaden, an dem man sich entlang hangeln kann. Die Entscheidung über Leben oder Tod des geliebten Tieres ist immer einzigartig und sie ist immer schwierig. Sie hängt immer zusammen mit der Leidensfähigkeit des Besitzers und des Pferdes, mit dem Geld und mit der Umgebung, in der man sich befindet. Mein Pony steht im Offenstall hinter dem Haus. Niemandem würde es auffallen, wenn ich ein lahmes, krankes Pferd dort stehen lassen würde. Und auch die Kosten, wenn ich es nicht behandeln würde, würden sich in Grenzen halten. Würden meine Ponys in einem teuren Reitstall stehen, in dem die Pferde für ihr Heu arbeiten müssten, dann würde meine „lahme Krücke“ sicher zu mehr oder weniger bösen Bemerkungen der anderen Pferdebesitzer und eventuell auch des Stallbetreibers führen. Vermutlich würde mir jeder einen anderen Ratschlag über Behandlung oder Euthanasie geben und irgendwann würde meine Box vermutlich gekündigt werden, weil der Stallbetreiber um seinen Ruf fürchtet. Oder mir würde aufgrund der Behandlungen und der Boxenmiete das Geld ausge-

71


Nachgedach t hen. Vielleicht hätte ich auch einfach nur genug von all den Besserwissern. Ganz gleich, was der Auslöser am Ende ist, irgendwann ist der Leidensdruck des Pferdebesitzers groß genug, so dass er sich zu einer Entscheidung durchringen muss. Sicherlich sind Ignoranz oder Verkauf keine wirklich guten Entscheidungen. Gleichzeitig ist man als Besitzer emotional stark eingebunden, so dass man sich zwischen den Möglichkeiten hin- und hergerissen fühlt. Das schlechte Gewissen den Partner im Stich zu lassen oder die Angst eine falsche Entscheidung zu treffen kann einen lähmen. Da ist es gut, wenn man sich schon lange vor dem Ereignis einen Fahrplan zurechtgelegt hat, was denn passieren soll, wenn es so weit ist. Dieser Fahrplan sollte einige Entscheidungen enthalten, an denen man sich orientieren kann, wenn das Pferd krank oder alt wird. Welche Fragen sollten bis dahin geklärt sein? Bin ich grundsätzlich bereit die Kosten für ein unreitbares Pferd zu tragen? Wo liegt meine persönliche Schmerzgrenze für die Behandlungskosten bei meinem Pferd? Soll mein Pferd zum Schlachter oder vom Tierarzt erlöst werden? Was soll nach dem Tod mit meinem Pferd passieren? Ab welchem Zeitpunkt quält sich ein Pferd? Wer kann mich in diesen Fällen gut beraten?

Welche Freunde stehen mir ohne Vorwürfe zur Seite? Über den Tod und seine Folgen nachzudenken redet ihn nicht herbei. Schweigen und Missachtung gegenüber dem Ende des Lebens lassen es nicht verschwinden. Es ist gut und wichtig sich rechtzeitig Gedanken darüber zu machen. Wenn der Zeitpunkt dann gekommen ist, dann darf man sich auch noch einmal anders entscheiden. Diese Entscheidung fällt leichter, wenn man schon mal darüber nachgedacht hat. Ich habe übrigens mein Bennie-Pony gefragt, was es vom Sterben hält. Aber er wusste mit den Worten Tod und Sterben nichts anzufangen. Für ihn ist es nur ein Übergang in eine andere Form und in keiner Weise mit Angst besetzt. Er hat es nicht eilig zu sterben, aber er meinte, es wäre jetzt in Ordnung. Nun muss es noch für mich und meine Familie in Ordnung sein. Die Entscheidung, dass er zum Schlachter geht, habe ich schon lange vorher getroffen. Ich bin dankbar, dass wir so viel Zeit haben, um uns zu verabschieden. Und ich hoffe, ich habe eine gute Entscheidung getroffen.

Katharina Gruhle

Katharina Gruhle ist seit 1993 Inhaberin eines Großhandels mit Arzneimitteln und Medizinprodukten für Tierheilpraktiker und Tierärzte in Mecklenburg-Vorpommern. Zusätzlich zu ihrer kaufmännischen Ausbildung hat sie eine Ausbildung als Tierheilpraktikerin bei der ATM absolviert. Seit 2006 züchtet sie in ihrer Freizeit originale Shetlandponys. www.thp-bedarf.de 72


Hufspuren

„Einmal mein Leben...“ - Geschichte eines Fohlens - In einer stürmischen Nacht -

Hallo, mein Name ist Finn und ich erzähle euch meine Geschichte... In der Nacht als der 29. April 2008 begann, wurde es sehr kalt und ich wurde in eine Welt geboren wo mir nur eine Wärme und Geborgenheit geben konnte. Ich lag auf dem Boden. Es war nass und sehr kalt. Es roch so wie ich es noch nie zuvor gerochen hatte. Ich versuchte mit meiner Nase etwas zu finden was mir vertraut war, dessen Geruch ich kannte, dessen Gefühl mir Sicherheit gab. Doch ich fand nichts, nur den nassen sehr kalten Boden und etwas was mich ständig stach. Doch auf einmal war es ganz anders, es war mir vertraut. Ich spürte ein warmes Pusten, ich drehte meinen Kopf und ich wusste, ich bin

nicht allein, es ist jemand bei mir der mich in dieser kalten Welt begleiten wird. Das warme Pusten tat mir sehr gut und gab mir ein Gefühl von Sicherheit und es roch nach etwas was ich kannte, Es war die weiche Nase meiner Mama. Meine Mama begann mich abzulecken. Sie leckte mir die Nase, die Augen und die Ohren frei. Nun konnte ich in ihre großen braunen Augen schauen und ihr liebevolles leisen blubbern hören. Ich war erleichtert und die kalte Welt wurde langsam warm. Ich fühlte mich immer noch sehr schwach und es dauerte eine Weile bis ich endlich

73


Hufspuren auf die Beine kam. Meine Beine, die mich von nun an durch mein Leben tragen sollten. Sie waren sehr wackelig, und der nasse kalte Boden ließ mich immer wieder hin fallen. Meine Mama hatte sehr viel Geduld und half mir immer wieder auf die Beine. Als ich endlich stand wusste ich, dass ich trinken musste damit ich zu Kräften komme. Meine Mama war genauso schwach wie ich so legte Sie sich hin als ich mit dem Trinken fertig war. Sie legte sich auf den nassen sehr kalten Boden und ich legte mich zu ihr.

Nun verging die Nacht in dieser nassen sehr kalten Welt, doch meine Mama war bei mir und ich wusste. Alles wird gut. So schloss ich meine Augen.

Wenn wir uns das nächste Mal treffen, erzähle ich Euch von meiner ersten Begegnung mit den komischen Zweibeinern... Für Finn aufgeschrieben von Nina Walther

Nina Walther reitet seit ihrem 6. Lebensjahr. Als ausgebildete Physiotherapeutin stimmt sie ihr Pferdetraining auf die muskulären Bedürfnisse des Pferdes ab und steht auch anderen mit Rat und Tat in Gesundheits- und Motivationsfragen zur Seite. Seit 2 Jahren bildet sie ihren Eddi gebisslos aus. Zudem fotografiert und zeichnet sie wann immer Sie Zeit dazu findet. Von Ihr stammen auch die Cartoons im Magazin. http://blitzlicht.d-complex.de

© Susett Queisert

Es sind noch nicht ganz seine Glieder. Eher ist es umgekehrt: Das zerbechlich Quartett der Beine hat ein winzig kleines Pferd. Mit fest aufgestemmten Hufen kann man eine Weile stehn: Zusehn, wie die Wolken gehn, nach des Windes Wehn und Rufen lauschend seine Ohren drehn. Einmal werdet ihr es sehen: pfeilschnell, in gestrecktem Lauf hügelab und hügelauf, leichten Hufes wie beim Tanze. Heute übt es noch das Gehen. Denn das schwerste ist Balance. Christine Koller

74

74


Such en & Finden

Suchen & Finden Mehr Spass zu Pferd

Nur in Gute Hände Immer wieder erreichen mich Hilferufe von Pferdefreunden, die dringend Pferde in gute Hände vermitteln möchten. Diese Rubrik soll eine Plattform für diese Notfallpferdchen sein. Damit hier nicht plötzlich die professionellen Verkaufsanzeiegn auftauchen, darf die Schutzgebühr für die vorgestellten Pferde 2000,- € nicht übersteigen. Wenn Ihr Pferde kennt die dringend ein neues zu Hause suchen, dann schickt uns bitte eine Kurzbeschreibung mit Foto, Name, Alter, Rasse, Größe, Geschlecht, Ausbildungs- und Gesundheitszustand, Grund der Abgabe und bekannten Problemen und Vorzügen, sowie Höhe der Schutzgebühr und Kontaktdaten an:

pferde@meine-hufspuren.de

Wie Ihr seht ist die Rubrik „Suchen & Finden“ noch etwas unterbesetzt, es liegt an Euch das zu ändern...Schickt uns Eure privaten Kleinanzeigen, wir haben Platz für Reitbeteiligungen (Mensch und Pferd), Praktikumsplätze, Stellenangebote und -gesuche, Pferdegesuche, Unterrichtsgesuche, Stellplatzgesuche, Verkauf von gebrauchten Reitsachen und allem was Euch sonst noch so einfällt. anzeigen@meine-hufspuren.de

75


Termine • Termine • Termine

Weeks of the Horsemen -Das Wunder von Mansbach„Das Wunder von Mansbach“, so nennt man es seit mehreren Jahren, was in einem Kleinen Ort in der Rhön stattfindet. Jedes Jahr aufs Neue treffen sich im Spätsommer Pferdetrainer und Reitlehrer aus allen Ländern der Welt und geben ihr Wissen an begeisterte Kursteilnehmer und Zuschauer weiter. Worin das Wunder liegt? Im Zusammentreffen der verschiedenen Systeme des Reitsport. ArhönA als Pferdekommunikationszentrum hat sich auf die Fahnen geschrieben, seine seit Jahren erfolgreich Praktizierte Philosophie des Natural Horsemanship mit

76

den Reitweisen der Klassischen Reiterei zu vereinen um gemeinsam nach besseren, pferdegerechteren Wegen in der Ausbildung zu suchen. So treffen sich in Mansbach Trainer des Natural Horsmanship, des klassisch Barocken Reitens, des Springsports , Zirkustrainer und Westernreiter um gemeinsam zu arbeiten und zu diskutieren - und das Ganze in einer lockeren Campatmos-phäre. Am 13. August 2011 fällt der Startschuß für die vierten Weeks of the Horsemen. Von Sommer bis Herbst zeigen Euch die besten nationalen und internationalen Pferdetrainer ihr


Termine • Termine • Termine

Können. Natural Horsemanship in all seinen verschiedenen Facetten bildet dabei natürlich wieder den Schwerpunkt. Alte Bekannte und neue Gesichter sind diesmal dabei, zum Beispiel: • • • • • • • • • •

Honza Bláha Alfonso Aguilar Michael Geitner Peer Classen und Jenny Wild Silke Vallentin Thomas Günther Hakan Alp Markus Eschbach Marina Perner Pettra Engeländer

Dieses Event ist auch nach vier Jahren bundesweit immer noch einmalig und einzigartig und in seinem Aufgebot an Pferdemenschen und Trainingsmethoden unerreicht. Hier zeigt sich, was Vielfalt im Pferdesport wirklich bedeutet - und dass die Liebe zum Pferd uns alle verbindet. Alle weiteren Informationen zu den Trainern und dem Event, die Seminartermine und Möglichkeiten zum Anmelden findet Ihr unter:

www.weeksofthehorsemen.de oder www.arhoena.de

und viele andere und vieles mehr.

77


Termine • Termine • Termine

Termine • Termine • Termine Juli 23.07. 2011

„Arbeit an der Hand für Einsteiger“ beim Team Légèreté, Reitstall Wüstenkate, Info und Anmeldung: team-legerete@gmx.de

24568 Nützen

18. - 19.07. 2011 Round Pen & Pferdekommunikation & 25. -26.07. 2011 mit Markus Eschbach www.eschbach-horsemanship.com Info & Anmeldung: info@eschbach-horsemanship.com

Kleindöttingen (Schweiz)

18. - 21.07. 2011 Feines Reiten und Horsemanship & 25. - 28.07.2011 mit Markus & Andrea Eschbach www.eschbach-horsemanship.com Info & Anmeldung: info@eschbach-horsemanship.com

Kleindöttingen (Schweiz)

23. -24.07. 2011

„Grundlegendes zur Handarbeit“ mit Sindy Rieger www.equitabilis.de Info & Anmeldung: info@equitabilis.de

04821 Polenz

23. -24.07. 2011

Doppellonge mit Markus & Andrea Eschbach www.eschbach-horsemanship.com Info & Anmeldung: info@eschbach-horsemanship.com

Kleindöttingen (Schweiz)

26.07. 2011

„Die Gänge des Pferdes“ mit David Lichman www.davidlichman.com Info & Anmeldung: info@farmersplace.ch

Kleindöttingen (Schweiz)

27.07. 2011

„The Rhythm of the Ride“ mit David Lichman www.davidlichman.com Info & Anmeldung: info@farmersplace.ch

Kleindöttingen (Schweiz)

29.07. 2011

Stammtisch: „EM - Effektive Mikroorganismen in der Pferdehaltung“ Info & Anmeldung: reiten-mit-gefuehl@gmx.de

25712 Burg , im „Kamin“

78


Termine • Termine • Termine August 31.07. - 05.08. 2011 Kindercamp mit Markus & Andrea Eschbach www.eschbach-horsemanship.com Info & Anmeldung: info@eschbach-horsemanship.com

Kleindöttingen (Schweiz)

04. - 07.08 2011

„Tiere – subtile Akteure und sensible Partner“ mit Marlitt Wendt und Marion Mangelsdorf Infos & Anmeldung: http://www.pferdsein.de

nahe 79098 Freiburg

07.08. 2011

„Einführung Pferdemassage: - Anatomie, Muskelfunktion, Massage -“ mit PHYSIO RIDING Coach Cornelia Höger http://www.physio-riding-coach.de/ Infos & Anmeldung: info@cornelia-hoeger.de

21220 Seevetal

09. - 10.08. 2011

Seilarbeit mit Markus & Andrea Eschbach www.eschbach-horsemanship.com Info & Anmeldung: info@eschbach-horsemanship.com

Kleindöttingen (Schweiz)

09. - 12.08. 2011

Feines Reiten und Horsemanship mit Markus & Andrea Eschbach www.eschbach-horsemanship.com Info & Anmeldung: info@eschbach-horsemanship.com

Kleindöttingen (Schweiz)

10. - 11.08. 2011

Dualaktivierung nach Geitner mit Markus & Andrea Eschbach www.eschbach-horsemanship.com Info & Anmeldung: info@eschbach-horsemanship.com

Kleindöttingen (Schweiz)

11.08. 2011

Unterricht nach den Grundsätzen der Légèreté mit Annika Schnittke www.Annika-Schnittke.de Info & Anmeldung: reiten-mit-gefuehl@gmx.de

25729 Windbergen

13. - 14.08. 2011

“Kommunikation über positive Verstärkung Training in Anlehnung an das Clickertraining “ mit Babette Teschen http://www.wege-zum-pferd.de/ Info und Anmeldung : wolter.renate@yahoo.de

25541 Brunsbüttel

79


Termine • Termine • Termine August 13. - 14.08. 2011

Beginn der „Jahresausbildung Bodenarbeit“ mit Markus & Andrea Eschbach www.eschbach-horsemanship.com Info & Anmeldung: info@eschbach-horsemanship.com

Kleindöttingen (Schweiz)

13.08. - 01.09. 2011 Weeks of the Horsemen 2011 Horsemanship in allen Facetten, - siehe Bericht auf Seite 76Info & Anmeldung: www.weeksofthehorsemen.de

36284 Mansbach

15. - 17.08. 2011

Jungpferdetraining mit Alfonso Aguilar www.aguilarnaturalconcepts.com Info & Anmeldung: info@farmersplace.ch

Kleindöttingen (Schweiz)

20.08. 2011

“Die Bedeutung von Piaffe und Passage im System der klassisch-barocken Reiterei” mit Richard Hinrichs Info und Anmeldung: www.bfkbr.de

30938 BurgwedelFuhrberg

20. - 21.08 2011

Landesbreitensporttunier in Schleswig-Holstein Infos & Ausschreibung: www.pferdesportverband-sh.de

23795 Bad Segeberg

27. - 28.08 2011

Aufbaukurs zum Longenkurs mit Babette Teschen http://www.wege-zum-pferd.de/ Info & Anmeldung: tanzmauslisa@gmx.de

15838 Saalow

28.08. 2011

„Bewegungsübungen für Ihr Pferd: Muskelfunktion, Warm-up-/ Cool-Down-Massage, Bodenarbeitslektionen“ mit PHYSIO RIDING Coach Cornelia Höger http://www.physio-riding-coach.de/ Infos & Anmeldung: info@cornelia-hoeger.de

21220 Seevetal

September 10. - 11.09. 2011

80

Longenkurs mit Babette Teschen http://www.wege-zum-pferd.de/ Info & Anmeldung: info@pferdefreunde-kirchheimerhof.de

69124 Heidelberg


Termine • Termine • Termine September 10. - 11.09. 2011

Humanship Workshop mit Ian Benson www.truehumanship.com Info & Anmeldung: info@farmersplace.ch

Kleindöttingen (Schweiz)

11.09. 2011

„Zirkuslektionen für Freizeitpferde“ mit Marlitt Wendt www.pferdsein.de Info & Anmeldung: www.molbath.de

29562 Suhlendorf

12. - 13.09. 2011, Round Pen & Pferdekommunikation 22. - 23.09. 2011 mit Markus Eschbach & 26. - 27.09. 2011 www.eschbach-horsemanship.com Info & Anmeldung: info@eschbach-horsemanship.com

Kleindöttingen (Schweiz)

12. - 15.09. 2011 Feines Reiten & Horsemanship & 26. - 29.09. 2011 mit Markus und Andrea Eschbach www.eschbach-horsemanship.com Info & Anmeldung: info@eschbach-horsemanship.com

Kleindöttingen (Schweiz)

15.09. 2011

Die nächsten Hufspuren erscheinen! Die Top Themen im September & Oktober : Wie funktioniert eigentlich „Verstärkung“? Die Eilkrankheit Pferdetraining in Mexiko ... und vieles mehr...

17.09. 2011

“Wege zum Lösen und Versammeln – Anwendbarkeit barocker Ausbildungselemente” mit Richard Hinrichs Info und Anmeldung: www.bfkbr.de

30938 Burgwedel

17.-18.09. 2011

Aufbaukurs zum Longenkurs mit Babette Teschen http://www.wege-zum-pferd.de/ Info & Anmeldung: wolter.renate@yahoo.de

25541 Brunsbüttel

17.-18.09. 2011

„Positives Pferdetraining“ mit Marlitt Wendt Info & Anmeldung: www.pferdsein.de

Buschdorf (Luxemburg)

17. - 18.09. 2011

Dualaktivierung nach Geitner mit Markus & Andrea Eschbach www.eschbach-horsemanship.com Info & Anmeldung: info@eschbach-horsemanship.com

Kleindöttingen (Schweiz)

81


Termine • Termine • Termine September 18.09. 2011

Tag der offenen Tür im Reitstall Wüstenkate mit buntem Showprogramm

24568 Nützen

20. - 21.09. 2011

Trickreiten mit Peter Pfister www.peterpfister-schade.de Info & Anmeldung: info@farmersplace.ch

Kleindöttingen (Schweiz)

23. - 24.09. 2011

Longenkurs mit Babette Teschen http://www.wege-zum-pferd.de/ Info & Anmeldung: rpn_pferde@hotmail.com

Wegestetten (Schweiz)

24. - 25.09. 2011

Positionskurs mit Michael Geitner www.pferde-ausbildung.de Info & Anmeldung: info@farmersplace.ch

Kleindöttingen (Schweiz)

25. - 26.09. 2011

Aufbaukurs zum Longenkurs mit Babette Teschen http://www.wege-zum-pferd.de/ Info & Anmeldung: rpn_pferde@hotmail.com

Wegestetten (Schweiz)

26.09. 2011

Unterricht nach den Grundsätzen der Légèreté mit Petra Koepcke www.Petra-Koepcke.de Info & Anmeldung: reiten-mit-gefuehl@gmx.de

25729 Windbergen

26. -29.09. 2011

Guidance 1-4 mit Alfonso Aguilar http://www.aguilarnaturalconcepts.com Info & Anmeldung: info@farmersplace.ch

Kleindöttingen (Schweiz)

30.09. 2011

Stammtisch zum Thema Gangpferde Info & Anmeldung: reiten-mit-gefuehl@gmx.de

25712 Burg , im „Kamin“

30.09. - 01.10. 2011 Cow Workshop mit Alfonso Aguilar http://www.aguilarnaturalconcepts.com Info & Anmeldung: info@farmersplace.ch

Kleindöttingen (Schweiz)

30.09. - 02.10. 2011 Longenkurs mit Babette Teschen http://www.wege-zum-pferd.de/ Info & Anmeldung: info@seminART.at

Niederösterreich

Irrtum und Änderungen vorbehalten.

82


du Pfer nd Freude

Termine • Termine • Termine

Das Pferdefest des Nordens

20./ 21. August 2011 Bad Segeberg

PSH Marienstraße15 23795 Bad Segeberg T 04551/88 920

Deutsches QuaDrillenchampionat 2011

16. Landesbreitensportturnier www.pferdesportverband-sh.de

Impressum Hufspuren - Das Magazin für‘s Pferdeglück Herausgeber / Redaktion: Maritres Hötger Schierhorner Straße 44 21271 Dierkshausen info@meine-hufspuren.de Tel.: 04184/889866 Text- & Bildbeiträge in dieser Ausgabe: Birgit Feldt, Marc Fenrir, Katharina Gruhle, Maritres Hötger, Diana Kampmann, Angela Kraft, Esther Naeter, Susett Queisert, Gabriele Stern, Babette Teschen, Nina Walther, Sybille Wiemer; Gentle Horse Ranch, Two Crows Ranch Salzburg, ArhönA Grafik & Layout: Maritres Hötger Titel-Schriftbild: Joebob Graphics http://www.joebob.nl/ Anzeigen / Präsentationen: anzeigen@meine-hufspuren.de Private Kleinanzeigen sind kostenlos, die Präsentationen der Angebote unserer Autoren sowie Empfehlungen der Redaktion erfolgt ebenfalls kostenlos.

Auflage & Verbreitung: Das Magazin ist derzeit ausschließlich online zu beziehen. Bezugspreis: Das Magazin steht im Internet kostenlos zum Lesen und zum Download bereit. Internet: www.meine-hufspuren.de Die Rechte am veröffentlichten Material liegen beim jeweiligen Urheber, eine Verwendung über private Zwecke hinaus bedarf der schriftlichen Genehmigung des Urhebers. Die Redaktion behält sich vor Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen. Für unverlangt eingesandtes Material wird keine Haftung übernommen. Mit der Einsendung von Beiträgen überträgt der Urheber dem Magazin das Recht der Nutzung, ein Anspruch auf Vergütung besteht nicht. Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. Das Magazin erzielt keine Einnahmen und zahlt keine Vergütungen. Es dient ausschließlich als Informationsportal.


Liebe Pferdefreu nde, die „Hufspuren“ sollen allen Pferdefreu nden kostenlos zur Verfügu ng steh en. Das h eißt Ih r dürft sie kopieren, weiterleiten, ausdrucken u nd im Reiterstübch en auslegen u nd auch gern als Arbeitsmaterialien verwenden. Trotzdem u nterliegen alle Beiträge dem deutsch en Urh eberrech t. Dah er ist es nur getstattet Texte u nd Bilder ganz oder auszugsweise zu verwenden, wenn Ih r Qu elle u nd Autor angebt. Eine komm erzielle Verwendu ng der Beiträge sowie ein Abdruck oh ne Qu ellenangabe sind nich t gestattet. Bitte haltet Euch daran, damit die „Hufspuren“ auch in Zuku nft Freude bereiten u nd Hilfestellu ng geben können. Danke, Eu er „Hufspuren“-Team.


Hufspuren - Das Magazin für's Pferdeglück Juli / August 2011