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Revitalisierung San Batrumieu Der Inn erh채lt einen Teil seiner Freiheit zur체ck.

Dokumentation des Revitalisierungsprojekts San Batrumieu


Inhaltsverzeichnis

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Vorwort Ein flussgeschichtlicher Rückblick Zweck des Projekts Bauprojekt Meilensteine des Projekts Bauleitung Ökologische Baubegleitung Vogel-Monitoring

Impressum Konzept: ecowert gmbh, domat-ems | www.ecowert.ch Gestaltung: hü7 design ag, malans | www.hue7.net Auflage: 3000 Exemplare Anlass: Broschüre für die Einweihungsfeier des Revitalisierungsprojekts San Batrumieu in Zuoz/Madulain vom 3. November 2007 Fotos: Bonorand P. Geometer (S. 4) Bott Giachem (S. 8 Mitte, 10) Dapra K. (S. 14 rechts) Gritti R. (S. 11 oben, 13 oben) Grünenfelder Jakob (Titelbild, S. 3, 5 rechts, 11 unten, 12 oben/Mitte) Hartmann Josef (S. 5 oben) Jenni David (S. 5 links, 9) Klein A. (S.14 links) Pitsch Pio (S. 8 links, 12 unten) Rey Peter (S. 13 unten) Zürcher P. (S. 14 unten) Zuoz / Madulain © 2007 swisstopo

blaue Linie: Auenobjekt Nr. 188 San Batrumieu rote Linie: Gemeindegrenze Zuoz/Madulain Hintergrundskarte ÜP 1:10 000 © 2007 ALG Graubünden


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Vorwort «Was lange währt, wird endlich gut!» Heinz Masüger Gemeindepräsident Zuoz Gian Duri Ratti Gemeindepräsident Madulain

Vor 15 Jahren wurde die Aue San Batrumieu zwischen Madulain und Zuoz als Objekt Nr. 188 ins Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen. Bereits im Folgejahr wurden erste Projektstudien zur Revitalisierung durchgeführt. Das ursprüngliche Ziel war, die Aue im Herbst 2003 zu reaktivieren. Trotz Verspätung ist die Freude heute aber umso grösser, dass wir dem Inn auf einem weiteren Teilstück seine ursprüngliche Freiheit zurückgeben konnten. «Was lange währt, wird sicher gut!» Dieses Sprichwort trifft auf die in allen Teilen gelungene Revitalisierung der Aue San Batrumieu in besonderem Masse zu. Jede Kritik am Vorhaben, jede Verzögerung und Unsicherheit in der Planung haben sich schliesslich positiv im Projekt niedergeschlagen. Die Revitalisierung der Aue San Batrumieu bedeutet neben vielen anderen positiven Auswirkungen eine Bereicherung dieses Gebiets und eine Ausdehnung des aquatischen Lebensraumes. Das Nebeneinander von sehr trockenen und nassen Flächen bietet vielen Tierund Pflanzengemeinschaften neuen Lebensraum. Pionierpflanzen und wasserabhängige Tierarten erobern die vielen neu geschaffenen Kiesflächen für sich zurück. Nur Dank der Zusammenarbeit aller Kräfte war es möglich das Projekt so zu realisieren, dass es seinen hohen Erwartungen auch gerecht werden konnte. Danken möchten wir allen Grundeigentümern und Bewirtschaftern, welche erneut Ein-

griffe auf ihrem Boden hinnehmen und teilweise Land abtreten mussten. Ihr Verständnis und ihrer Zustimmung war Voraussetzung, dass das Projekt umgesetzt werden konnte. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Gemeinden Madulain und Zuoz bewiesen mit der Genehmigung des Projektes und der Sprechung der notwendigen Kredite grosse Weitsicht und ermöglichten damit, dass neue Wege im Flussbau beschritten werden konnten. In diesen Dank einschliessen möchten wir auch die Vorstände der beiden Gemeinden. Die verantwortlichen Stellen von Bund und Kanton und insbesondere ihre involvierten Mitarbeiter haben das Projekt fachkundig begleitet und gefördert. Auch den Umweltorganisationen sei an dieser Stelle für ihren Einsatz und ihr Engagement zu Gunsten des Projektes San Batrumieu gedankt. Speziell hervorheben möchten wir das Planungsteam mit all seinen Spezialisten, der ökologischen Baubegleitung, der Bauleitung und den Arbeitern vor Ort. Sie schufen aus einer Idee die Landschaft, wie wir sie heute sehen und gaben ihr damit gleichzeitig die Grundlage und Möglichkeit zur Veränderung. Wir freuen uns darauf, zusammen mit weiteren interessierten Personen mitzuerleben, wie die Natur aus unseren Vorgaben in den kommenden Jahrzehnten die Aue San Batrumieu formen und gestalten wird.


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Revitalisierung San Batrumieu

Ein flussgeschichtlicher Rückblick «Der Inn hat eine bewegte Geschichte hinter sich.»

Giachem Bott Regionalforstingenieur Amt für Wald Gemeindevorstand Zuoz

Seit Jahrhunderten schlängelte sich der Inn durch den breiten Oberengadiner Talboden und konnte seine Kraft voll entfalten. Von beiden Talflanken und durch zahlreiche Seitentäler gesellten sich Bergbäche zum Inn und lagerten nach Belieben ihr Geschiebe ab. Es bildeten sich ausgedehnte Flussauen mit ihren typischen, inneralpinen Auenvegetationen, welche periodisch überschwemmt wurden. Bereits im 19. Jahrhundert wurden entlang des Inns Dämme erstellt, um beidseits des Flusses neues Kulturland zu gewinnen. Diese Dämme hielten aber dem Hochwasser von 1888 nicht stand und es kam zu grossen Überschwemmungen. In den Jahren 1900 bis 1904 erfolgte zwischen Madulain und Zuoz die erste eigentliche Innkorrektur mit Begradigung und Erstellung eines Kanals mit Trockenpflästerung. Der alte Flusslauf wurde abgeschnitten und der Auenwald von San Batrumieu von jeglicher Flussdynamik getrennt. Auf der linken Seite entstanden vier kleinere Feuchtgebiete, die von den Seitenbächen Ova da Vallatscha und Ova da Quatter Lains gespiesen wurden. In den Jahren 1920, 1927, 1951, 1954, 1956 und 1987 kam es zu weiteren Überschwemmungen.

Oben: Übersichtsplan der «Catastervermessung Zuoz 1892-1896». Der Inn schlängelte sich vor 1900 durch den breiten Oberengadiner Talboden Unten: Das Hochwasser im Jahre 1987 verursachte grossen Schaden: überschwemmte Ebene im Gebiet «Pundschermaun» bei Zuoz

Am 21./22. August 1954 ereignete sich ein schadenreiches Hochwasser im Oberengadin. Durch Erosion hatte sich der Auslauf des Roseggletschersees vertieft und verbreitert, worauf über 100 000m3 Seewasser ausströmten und das Val Roseg sowie die ganze Talebene von Celerina bis S-chanf überschwemmten. In den Jahren 1956 bis 1966 wurden Flaz und Inn ab Punt Muragl bis La Punt verbaut und in einen Kanal gezwängt. Zwischen Madulain und Zuoz kam es wegen zu starker Einengung des Inns zu erheblicher Tiefenerosion, welche die Dammstabilität gefährdete. Zur Unterbindung der Tiefenerosion wurden im begradigten Flussabschnitt drei Sohlschwellen eingebaut und die Trockenpflästerung mit einem vorgelagerten Blockwurf ergänzt. Dies war zur damaligen Zeit die anerkannte und empfohlene Methode, um die Dörfer, Infrastrukturen und vor allem die Landwirtschaftsflächen vor Überschwemmungsschäden zu schützen. Das Hochwasser vom 18./19. Juli 1987 verursachte grosse Schäden an den Dämmen links- und rechtsseitig des Inns im Bereich von San Batrumieu, welche in den Folgejahren provisorisch behoben werden mussten. Die Kosten einer fachgerechten Instandstellung der Schäden wurden auf über 500 000 Franken veranschlagt. Auch deshalb waren Alternativen gefragt und das Projekt zur Revitalisierung der Aue San Batrumieu nahm seinen Anfang.


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Zweck des Projektes «San Batrumieu gehört zu den naturkundlich wertvollsten Flussabschnitten im Kanton Graubünden.»

Josef Hartmann Amt für Natur und Umwelt Abteilung Natur / Landschaft , Chur

San Batrumieu wurde 1992 ins Inventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen. Das Inventar umfasst heute neben einigen Gletschervorfeldern 30 Bündner Objekte. San Batrumieu ist somit einer der naturkundlich wertvollsten Flussabschnitte im Kanton Graubünden. Eine Bestandesaufnahme im Auftrag des Kantons Graubünden von 1993 konnte dies belegen: Hier gedeiht einer der schweizweit grössten Bestände der seltenen Lorbeerweide und auch die Deutsche Tamariske, eine Charakterart der Auengebiete, kommt noch vor. Weitere spektakuläre Arten sind etwa die seltene Blaugrüne Weide und Orchideen wie das Gefleckte Knabenkraut. Allerdings war schon damals absehbar, dass der Artenreichtum nicht Bestand haben würde, da das Auengebiet durch einen Damm vom Fluss abgetrennt war. Fichten und Lärchen breiteten sich aus und von Lorbeerweide und Deutscher Tamariske waren keine Jungpflanzen zu finden. Grund dafür war das Ausbleiben von regelmässigen Überschwemmungen, die in Auengebieten offene Bodenflächen schaffen. Auf diesen können sich die typischen Auenarten ausbreiten. Zudem hatte der Inn sein Bett vertieft, was auch daran festge-

stellt werden konnte, dass die Teiche der Fischzucht im Auengebiet nicht mehr mit Wasser versorgt werden konnten. Eigentliche Auenstandorte, auf welche sich die typischen Auenarten ausbreiten, waren in San Batrumieu nur noch auf dem Schuttkegel der Ova da Quatterlains zu finden. Bereits die Studie von 1993 kam deshalb zum Schluss, dass San Batrumieu nur mit einer Revitalisierung des Auengebietes, d. h. mit einer Entfernung der linken Uferverbauung erhalten werden kann. Auenrevitalisierungen sind immer mit einer Zerstörung von Vorhandenem verbunden. In diesem Falle musste der Damm entlang des Inns abgebrochen werden. Durch Abgrabungen konnten dynamische Prozesse gefördert werden und im Schulbiotop wurden die Folienteiche durch Grundwasserteiche ersetzt. Vorübergehend wurden wertvolle Standorte beeinträchtigt und sogar einzelne Exemplare der seltenen Lorbeerweide mussten weichen. Längerfristig werden sich die Lebensbedingungen der Auenbewohner aber verbessern. Die Deutsche Tamariske wird auf den Pionierflächen neue Standorte finden, durch den höheren Grundwasserstand werden sich die Lebensbedingungen der Lorbeerweiden verbessern, auf den Kiesflächen werden Flussuferläufer und Flussregenpfeifer brüten und in den neuen Grundwasserteichen werden sich Grasfrosch und Bergmolch fortpflanzen können.

Oben: Die Deutsche Tamariske ist eine seltene Auenpflanze in San Batrumieu. Links: Der untere Teil der Aue nach der Revitalisierung. Periodisch überflutete Weiden- und Erlenbestände sind Bruthabitat für Gartengrasmücke, Distelfink und Goldammer. Rechts: Neu geschaffene Grundwasser­ teiche beim Hof Casty.


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Revitalisierung San Batrumieu

Bauprojekt «San Batrumieu wurde wieder mit dem Inn vernetzt. Gleichzeitig konnte ein angepasster Hochwasserschutz sichergestellt werden.» Andri Bischoff Leiter Wasserbau Tiefbauamt Graubünden, Chur Rolf Eichenberger Ing. Büro Eichenberger Revital, Chur

Nachdem das Gebiet San Batrumieu als Objekt Nr. 188 in das Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen worden war, konnten grosszügige Revitalisierungsmassnahmen untersucht werden. Dabei wurden verschiedene wasserbauliche Studien erarbeitet (s. Meilensteine des Projekts). Die Projektleitung lag beim Tiefbauamt Graubünden, Abt. Wasserbau, und wurde durch eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Gemeinden, lokaler Naturschutz, forst- und fischereilicher Interessenz sowie von kantonalen Ämtern (Amt für Natur und Landschaft, Amt für Jagd und Fischerei, Amt für Wald) begleitet. Das Revitalisierungsprojekt hatte zum Ziel, die vom Fluss abgeschnittene Aue wieder mit dem Inn zu vernetzen und sie mittelfristig in ihre ursprüngliche Dynamik zurückzuführen. Dieses Projektziel sollte durch möglichst naturnah ausgeführte bauliche Eingriffe erreicht werden. Dabei ist ein gegenüber dem Vorzustand gleichwertiger Hochwasserschutz zu gewährleisten, welcher die differenzierten Schutzzielen gemäss den Empfehlungen des Bundes berücksichtigt. Aus wasserbaulicher Sicht beinhaltete das Projekt Massnahmen an der linken und rechten Uferseite sowie eine Sicherung der Flusssohle:

linke Uferseite Auf ca. 1 km Länge wurde der linksufrige Hochwasserschutzdamm samt Uferschutz abgetragen und eine Gerinneaufweitung initiiert. Die endgültige Gestaltung und Verbreiterung des Flusslaufes soll der

Dynamik des Inns überlassen werden und entsprechend der Ereignisintensität und -häufigkeit durch Erosion erfolgen. Es wurde mit einer max. Breite von 40 m (geschätzte Regimebreite) gerechnet. Zur Beschleunigung des angestrebten linksufrigen Seitenerosionsprozesses wurden die beiden bestehenden Blockschwellen nur teilweise zurückgebaut. Die Ufersicherungselemente auf der linken Uferseite wurden entsprechend dem möglichen Endzustand entlang der Auenbegrenzung angeordnet. Solange der Inn diesen Raum nicht beansprucht, bleiben diese als Baumbuhnen und Blockwuhre ausgeführten Ufersicherungselemente unsichtbar. Zur Gewährleistung eines adäquaten Hochwasserschutzes wurde an der Ova da Quatter Lains linksufrig ein Rüfenleitdamm und im unteren Bereich der Aue linksufrig ein Hochwasserschutzdamm erstellt.

rechte Uferseite Aufgrund der linksufrig sehr unregelmässig initiierten Gerinneverbreiterung waren hohe Querströmungsbelastungen auf das rechte Ufer zu erwarten. Zum Schutze der parallel dazu verlaufenden Kantonsstrasse wurde die rechte Uferverbauung im Bereich des Rückführungsbauwerkes neu erstellt und oberstromseitig davon mittels Blockvorlage verstärkt. Durch eine variable Vor- und Überschüttung des rechten Ufers wurde der gestreckte Flusslauf zu mehr Eigendynamik angeregt. Baumbuhnen für verstärkten Uferschutz

Rückbau alter Uferdamm links

Uferverstärkung und unregelmässige Strukturierung Uferbereich rechts


Verstärktes Blockwuhr auf der linken Uferseite beim Einlauftrichter

Sicherung der Flusssohle Unterhalb des Rückführungsbauwerkes musste die beschädigte und stark unterkolkte Blockrampe verstärkt und mittels einer ca. 100 m langen unterstromseitigen Sohlenanreicherung durch grosse Einzelblöcke stabilisiert werden.

Projektleitung Die stark unterschiedlichen und interdisziplinären Ansprüche an ein Revitalisierungsvorhaben erforderten eine gut strukturierte und kooperative Projekterarbeitung. Ein Projektbegleitungsteam, bestehend aus Vertretern der Gemeinden Zuoz und Madulain, den kantonalen Ämtern Natur und Umwelt, Jagd und Fischerei und Wald sowie weiteren Fachspezialisten der Disziplinen Biologie und Wasserbau entwickelten in periodischen Workshops die letztendlich genehmigte Projektlösung. In Würdigung relevanter gesetzlicher Auflagen sowie ökologischer und technischer Aspekte galt es dabei vor allem eine tragfähige und finanzierbare Lösung mit der Landwirtschaft zu finden. Obwohl der Inn vor dessen Kanalisierung im Jahre 1904 wesentlich mehr Raum beanspruchte und weniger Hochwassersicherheit als die vorgesehene Projektlösung bot, stellte der Landbedarf sowie die Forderung nach einem möglichst maximalen Hochwasserschutz für das Landwirtschaftsland die zeitaufwendigste Herausforderung während der Planungs- und Projektierungsphase dar.

Rüfenleitdamm

Die bauliche Umsetzungsphase wurde in periodischen Bausitzungen mit dem Projektbegleitungsteam direkt vor Ort gesteuert und begleitet. Die Projektkonzepte konnten damit sehr einfach und schnell an vorliegende Begebenheiten angepasst und optimiert werden. Hilfreich war in dieser Phase immer wieder ein klarer Fokus auf die Projektziele. Die äusserst interessante und motivierende Möglichkeit, den kanalisierten Inn auf einer Länge von fast einem Kilometer befreien zu können, nährt die Gestaltungseuphorie oft besonders intensiv. Doch das Revitalisierungsprojekt soll lediglich Voraussetzungen schaffen, dass sich der Inn innerhalb des Auenperimeters zukünftig selbst frei entwickeln darf. Ein ausgewogener Umgang mit dieser symbiotischen Beziehung zwischen «selbst zu gestalten» und lediglich eine freie Gestaltung vorzubereiten ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für gute Renaturierungs- und Revitalisierungsvorhaben und wohl manchmal auch eine harte Geduldsprobe für die Bauherren und involvierten Fachleute.

Legende:

Neu angelegte Böschungen

Neuanlage-Fahrweg

Normalwasserstand

Wasserläufe bei Hochwasser

Damm und verstärkte Blocksteinwuhrung

Schaffung neuer Grundwasserteiche

Blockrampe verstärkt


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Revitalisierung San Batrumieu

Meilensteine des Projektes «Von der Planung bis zur Realisierung vergingen rund 15 Jahre.»

Giachem Bott Regionalforstingenieur Amt für Wald Gemeindevorstand Zuoz

1992 Aufnahme der Aue San Batrumieu in das Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung (Objekt 188).

1999 Erstellung eines Auenlehrpfads durch eine Schulklasse des

Lyceum Alpinum unter der Leitung von Dr. David Jenny. Dieser Lehrpfad sollte Einheimische wie Gäste, Jäger, Fischer, Naturfreunde, Ornithologen, Landwirte, junge und vor allem auch ältere Leute für das Revitalisierungsprojekt gewinnen. Gesuch der Gemeinde Zuoz an das Tiefbaumt Graubünden, Abt. Wasserbau für die Projektierung einer Gerinneaufweitung und Revitalisierung des Inns im Raume San Batrumieu. Einsatz einer ökologischen Begleitkommission mit Vertretern der Gemeinden Zuoz und Madulain, des Waldes, der Fischerei, der Pro Natura, des Amtes für Umwelt, des Amtes für Natur und Landschaft, des Amtes für Jagd und Fischerei und dem landwirtschaftlichen Betriebsberater.

1993 Projektstudie des Kreisforstamtes 28 mit Variantenver-

gleich, Studie Ackermann + Schlegel im Auftrag von Pro Natura, Amt für Natur und Landschaft und Fischerei- inspektorat.

1997 Flussbauliche

Diplomarbeiten Mossi+Tognacca, ETH Zürich, Abt. für Kulturtechnik und Besprechung mit PD Dr. Jäggi (ETH Zürich) und den involvierten Ämtern.

1998 Machbarkeitsstudie und Vorprojekt durch das Ingenieurbü-

ro für Fluss- und Wasserbau Hunziker, Zarn & Partner, Aarau. «Lyceum walks for future»: Mit einem 120 km Marsch von Martina bis Castasegna sammeln ca. 40 Schüler des Lyceum Alpinum Zuoz, unter der Führung der beiden Lehrer G.M. Zender und P. Frehner, Fr. 21 500 für San Batrumieu.

2000–2006

F ür diverse Rodungen wurde der Rodungsersatz zugunsten des Projekts San Batrumieu von Total Fr. 116 775 geleistet (Bau Golfplatz Sur En, Bau Mädcheninternat Lyceum Alpinum, Verbreiterung Langlaufloipe Val Greva, Bau Sessellift Chastlatsch).


Im Zentrum der Aue lag vor der Dammaufweitung ein kleiner See, auf dem auch Reiherenten brüteten (rechts: September 2004). Nach der Revitalisierung fliesst dort bei Innhochwasser ein Bächlein, der Lebensraum für Bergstelzen bietet.

2001 Informationsbroschüre an alle Haushaltungen der Gemein-

den Madulain und Zuoz (Beitrag der Stiftung Naturland des Schweizerischen Patentjäger- und Wildschutzverbandes von Fr. 20 000). Mit diesem Betrag soll auch ein Dokumentationsfilm von Martin Valär (Televisiun Rumantscha) finanziert werden («San Batrumieu vor – während – und nach der Renaturierung»).

2005 Vom Fonds Landschaft Schweiz werden Fr. 50 000.– à fonds perdu an das Renaturierungsprojekt gesprochen.

2006

Baubeginn Bauunternehmung Pirovino, Le Prese.

2007 Projektabschluss. Offizielles Einweihungsfest am 3. Novem-

ber 2007 für die Bevölkerung von Zuoz und Madulain sowie des ganzen Oberengadins.

2002 Detailprojekt Tiefbauamt Graubünden, Abt. Wasserbau

liegt vor. Vernehmlassung bei den Gemeinden Madulain und Zuoz sowie bei den kantonalen Ämtern. In Samedan wird das Projekt für die Flazverlegung mit einem Aufwand von über 28 Mio. Fr. beschlossen. Dieses Projekt fördert auch die Zustimmung in Zuoz und Madulain.

2004 Die Gemeindeversammlung Zuoz beschliesst am 30. Juni

2004 einstimmig das Projekt zu realisieren! Die zuständigen Stellen des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) und des Bundesamtes für Wasser und Geologie (BWG) sowie die Bündner Regierung genehmigen das Projekt und beschliessen die Subventionssätze.

Links:

Baumbuhne zum Schutz des Landwirtschaftslandes

Mitte: Abbruch des linken Damms im Bereich des Einlauftrichters Rechts: Flugaufnahme der Aue San Batrumieu nach der erfolgten Revitalisierung im Juni 2007


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Revitalisierung San Batrumieu

Bauleitung «Der budgetierte Kostenrahmen wurde deutlich unterschritten.»

Plebani Peter L. Ingenieurbüro, Zuoz

Am 19. April 2006 fand die Startsitzung mit der Firma Pirovino und dem Projektleiter Rolf Eichenberger statt. Am 27. April 2006 folgte eine Begehung mit den Hauptfischereiaufsehern Pio Pitsch und Reto Gritti, betreffend den Belangen der Fischerei und der ökologischen Baubegleitung, sowie am 1. Mai 2006 mit dem Amt für Wald Graubünden und dem Revierforstamt Zuoz, betreffend Rodungen.

Phase 2: Juli bis August 2006

Die Arbeiten wurden durch den Unternehmer am 1. Mai 2006 aufgenommen und in diversen Phasen ausgeführt. Da der Wasserstand zu dieser Jahreszeit schon sehr hoch war, konnten nur Arbeiten ausserhalb des Innbettes ausgeführt werden.

Phase 3: Oktober bis Dezember 2006

Phase 1: Mai bis Juni 2006 Rodungen auf der linken Innseite und Aufbereitung der Stämme für eine weitere Verwendung. Abtrag Humus für Dammschüttungen und neuer Feldweg bis Ova da Quatterlains. Antransport von Vorbausteinen aus Samedan und Bergell. Abtrag von Material bis auf die alte Verbauung und Schüttung der Dämme Quatterlains und Einlauftrichter, sowie Erstellung der Blockverbauung beim Einlauftrichter.

Nach der Heuernte wurde der neue Feldweg ab Ova da Quatterlains bis zur Einmündung im bestehenden Feldweg in Madulain erstellt. Diverse Nebenarbeiten ausserhalb des Wasserbereiches konnten ebenfalls in dieser Zeit ausgeführt werden.

Abtrag und Gestaltung des linken Innufers mit Transport auf die rechte Innseite inkl. Gestaltung des neuen Flussbettes. Im Dezember bei Niederwasserstand wurden die Arbeiten an der bestehenden Blockrampe sowie die Sohlenbefestigung unterhalb der Rampe ausgeführt.

Phase 4: März bis Juni 2007 Abbruch und Neuerstellung der alten Wuhre ab Einlauftrichter bis unterhalb der Blockrampe. Öffnung vor Einlauftrichter und Abtiefung für Hinterwasser. Erstellung von 5 Baumbuhnen zur Sicherung des Kulturlandes. Kulturerdarbeiten auf der ganzen Baustelle inkl. ansäen der beanspruchten Flächen per Ende Mai 2007. Die Abnahme des Werkes mit allen Verantwortlichen fand am 12. Juli 2007 statt.

Technische Angaben Abtrag lose Schüttung Damm Quatterlains Schüttung HWS – Damm Schüttungen linke Innseite Transporte innerhalb Baustelle Abtransport ausserhalb Baustelle Steinlieferung für Blockvorbau Verbau von vorhandenen Steinen Neuer Feldweg 2.50 m Baumbuhnen Begrünungen/Ansaaten Kostenvoranschlag Gesamtkosten - Projekt, Vermessung und Bauleitung - Landerwerb und Entschädigungen - Bauarbeiten

90 000 m3 6 000 m3 14 000 m3 55 000 m3 75 000 m3 15 000 m3 12 000 t 4 000 m3 900 m 5 Stk. 15 000 m2 ca. 1 800 000 CHF ca. 1 080 000 CHF ca. 245 000 CHF ca. 75 000 CHF ca. 765 000 CHF


Oben: Schulbiotope vor der Massnahme Unten: San Batrumieu Richtung Oberengadin ab 2007. Im unteren Bereich sind die vier neuen Grundwasserteiche erkennbar.


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Revitalisierung San Batrumieu

Ökologische Baubegleitung «Unter Anleitung des ökologischen Baubegleiters konnten die Umweltmassnahmen auf der Baustelle im Detail umgesetzt werden.»

Pio Pitsch Hauptfischereiaufseher, Müstair

Das Projektziel für die Revitalisierung der Aue San Batrumieu war vorgegeben. Ihr sollte die ursprüngliche Gestaltungskraft des Inns zurückgegeben werden, damit der Fluss wieder seine ökologischen Funktionen erfüllen kann. Der ökologische Baubegleiter war dafür verantwortlich, dass die von der interdisziplinär zusammengesetzten Begleitgruppe festgelegten Massnahmen auf der Baustelle in Zusammenarbeit mit der Bauleitung und dem Unternehmer umgesetzt werden konnten. Massgebend waren dabei die strukturrelevanten Massnahmen. Die Lenkungssporne am rechten Innufer, welche den Materialabtrag in der gegenüberliegenden Aue auslösen sollen, mussten am richtigen Ort und in einer wirksamen Grösse angelegt werden. Damit diese beim nächsten Hochwasser nicht weggetragen werden, wurden die der Strömung ausgesetzten Prallufer mit Steinen gesichert und mit Flussmaterial überdeckt. In der Absicht, die Materialabbauprozesse in der Aue linksufrig zu beschleunigen, wurden dort zusätzliche Gräben angelegt, welche nur bei Hochwasser anspringen und wirksam werden. Die im Flussraum geschütteten Kiesbänke wurden bewusst im Zustand des Rohbodens belassen, damit sich mit der Zeit eine standortgerechte Vegetationsdecke natürlich einstellen kann. Aus Rücksicht auf vorhandene Habitate für Reptilien im alten Steinwuhr des rechten Innufers verzichtete man an diesen Stellen auf eine Überschüttung mit Erdmaterial. Ausserhalb des Innbetts galt die Aufmerksamkeit den Amphibien. Für sie wurden an Stelle des mit Folien ausgestatteten «Schulbiotops» vier neue Weiher angelegt. Dabei wurde insbesondere darauf geachtet, dass die Weiher auch bei tief liegendem Grundwasserspiegel nicht austrocknen. Die besonnten Ufer der Weiher wurden als Flachwasserzone ausgebildet, welche von den Grasfröschen für die Eiablage besonders gern aufgesucht werden. Der Erfolg dieser Massnahme konnte bereits im ersten Frühling festgestellt werden. Kaum waren die Baumaschinen abgezogen, waren schon die Frösche und bald darauf auch die Bergmolche da.

Oben: Auf der linken Uferseite wurde der Damm abgetragen. Die wassernahe Böschungskante ist nun der Dynamik und der Erosionskraft des Inns ausgesetzt. Mitte: Auf der linken Uferseite wurden, um den Materialabbauprozess zu beschleunigen, Gräben angelegt, welche bei Hochwasser anspringen. Unten: Strukturierung rechter Inndamm während der Bauphase.


San Batrumieu Richtung Unterengadin Oben: vorher Juni 2006 Unten: nachher September 2007

Bauprojekt Einhergehend mit der linksufrig sehr unregelmässig injizierten Gerinneverbreiterung sind hohe Querströmungsbelastungen auf das rechte Ufer zu erwarten. Zum Schutze der parallel dazu verlaufenden Kantonsstrasse wurde die rechte Uferverbauung im Bereich des Rückführungsbauwerkes neu erstellt und oberstromseitig davon mittels Blockvorlage verstärkt. Durch eine variable Vor- und Überschüttung des rechten Ufers wird der gestreckte Flusslauf zu mehr Eigendynamik angeregt. Zur Beschleunigung des angestrebten linksufrigen Seitenerosionsprozesses wurden die beiden bestehenden Blockschwellen nur teilweise zurückgebaut. Unterhalb des Rückführungsbauwerkes wurde die beschädigte und stark unterkolkte Blockrampe verstärkt und mittels einer ca. 100 m langen unterstromseitigen Sohlenanreicherung durch grosse Einzelblöcke stabilisiert. Linksufrig wurden die Ufersicherungselemente entsprechend dem möglichen Endzustand entlang der Auenbegrenzung angeordnet. Solange der Inn diesen Raum nicht beansprucht, bleiben diese als Baumbuhnen und Blockwuhre ausgeführten Ufersicherungselemente unsichtbar. Zur Gewährleistung eines adäquaten Hochwasserschutzes wurde am Quatterlainsbach linksufrig ein Rüfenleitdamm und im unteren Bereich der Aue linksufrig ein Hochwasserschutzdamm erstellt.

Projektleitung Die stark unterschiedlichen und interdisziplinären Ansprüche an ein Renaturierungsvorhaben erfordern eine gut strukturierte und kooperative Projekterarbeitung. Ein Projektbegleitungsteam, bestehend aus Vertretern der Gemeinden Zuoz und Madulain, den kantonalen Ämtern Natur und Umwelt, Jagd und Fischerei und Wald sowie weiteren Fachspezialisten der Disziplinen Biologie und Wasserbau entwickelten in periodischen Workshops die letztendlich genehmigte Projektlösung. In Würdigung relevanter gesetzlicher Auflagen sowie ökologischer und technischer Aspekte galt es dabei vor allem eine tragfähige und finanzierbare Lösung mit der Landwirtschaft zu finden. Obwohl der Inn vor dessen Kanalisierung im Jahre 1904 wesentlich mehr Raum beanspruchte und weniger Hochwassersicherheit als die vorgesehene Projektlösung bot, stellte der Landbedarf sowie die Forderung nach einem möglichst 100-igen Hochwasserschutz für das Landwirtschaftsland die zeitaufwendigste Herausforderung während der Planungs- und Projektierungsphase

dar. Die bauliche Umsetzungsphase wurde in periodischen Bausitzungen mit dem Projektbegleitungsteam direkt vor Ort gesteuert und begleitet. Die Projektkonzepte konnten damit sehr einfach und schnell an vorliegende Begebenheiten und angepasst und optimiert werden. Hilfreich war in dieser Phase immer wieder ein klarer Fokus auf die Projektziele. Die äusserst interessante und motivierende Möglichkeit, den kanalisierter Inn auf einer Länge von fast einem Kilometer befreien zu können, nährt die Gestaltungseuphorie oft besonders intensiv. Doch das Revitalisierungsprojekt soll lediglich Voraussetzungen schaffen, dass sich der Inn innerhalb des Auenperimeters zukünftig selbst frei entwickeln darf. Ein ausgewogener Umgang mit dieser symbiotischen Beziehung zwischen selbst zu gestalten und lediglich eine freie Gestaltung vorzubereiten ist ein entscheidender Erfolgsindikator für gute Renaturierungs- und Revitalisierungsvorhaben und wohl manchmal auch eine harte Geduldsprobe für die Bauherren und involvierte Renaturierungsfachleute.


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Revitalisierung San Batrumieu

Vogel-Monitoring «Die Entwicklung der seltenen Tier- und Pflanzenarten wird weiter untersucht.»

David Jenny, Zuoz

Schlüssel zur Wahrnehmung von Habitatveränderungen Viele Vogelarten stellen spezifische Ansprüche an ihren Lebensraum. Ihr Vorkommen lässt damit Rückschlüsse auf die Lebensraumqualität insgesamt und auf Veränderungen von Habitaten zu. Daher überwacht die Schweizerische Vogelwarte Sempach die Brutvögel in San Batrumieu seit 2005. Im Rahmen eines Langfristmonitorings werden jährlich alle brütenden Vogelarten innerhalb eines Perimeters von 55 ha zwischen dem Gehöft Casty und der Innkrümmung an der Gemeindegrenze Zuoz/Madulain kartiert. Durch die Revitalisierung kam es in San Batrumieu zu teilweise erheblichen Veränderungen bezüglich Vegetation, Gewässerfläche und Auendynamik. Deshalb sind auch Veränderungen in der Avifauna zu erwarten. Die jährlichen Zählungen der brütenden Vogelarten und deren Häufigkeit, sogenannte Revierkartierungen, werden langfristig Aufschluss über den Effekt der Revitalisierung geben. Daraus können später Rückschlüsse auf die Qualität der Eingriffe gemacht und allenfalls Massnahmen zur Verbesserung der Lebensräume vorgeschlagen werden. Vor dem Eingriff war die Restaue San Batrumieu geprägt durch typische Auenvegetation (Weiden, Erlen), aber auch durch auenfremde Baumarten wie Arven und Lärchen. Der seitliche Zufluss der Ova da Quatterlains wurde durch den Inndamm gestaut und versorgte und überflutete praktisch die ganze Fläche mit reichlich Wasser. Kleine Seen im Zentrum und auch am Nordrand dienten verschiedenen Wasservogelarten als Rast- und Nahrungsstandort, ab und zu auch als Brutgewässer (Stockenten und Reiherenten). Durch die 2007 abgeschlossenen Eingriffe verschwanden die Stillgewässer innerhalb der Aue weitgehend, dafür entstanden durch den Bau kleiner Kanäle eine ganze Reihe neuer Fliessgewässer, welche von Bergstelzen und Wasseramseln besiedelt werden. Am Innufer bieten heute durch die Dammaufweitung entstandene Kies- und Schotterbänke neuen Lebensraum für den Flussuferläufer, eine anspruchsvolle Watvogelart, welche im Engadin nur sporadisch brütet.

Links: Dank Insektenreichtum sowie Hecken- und Strauchvegetation brüten seit Jahrzehnten 1 bis 2 Neuntöterpaare in San Batrumieu. Rechts: Für den Flussuferläufer gilt das Engadin schweizweit als eines der wichtigsten Brutgebiete. Unten: Die Goldammer brütet erst neuerdings im Oberengadin. Als ersten Standort hat sie die Innauen bei San Batrumieu gewählt.

Vogelarten der Hecken und Sträucher, die im nahen Umfeld auf reiche Insektennahrung angewiesen sind, finden in der dichten Weidenund Erlenvegetation nach wie vor eine sichere Lebensgrundlage. Die Gartengrasmücke gehört mit 5-6 Revieren zu den häufigsten Brutvogelarten in San Batrumieu. Zu den Besonderheiten gehört das Vorkommen der Goldammer, welche hier seit 2005 erstmals im Oberengadin erfolgreich und regelmässig brütet. Auch der wenig häufige Neuntöter brütet alljährlich mit 1-2 Paaren am Rande der Aue.


Winteraufnahme vom Perimeter im Bereich der Auen, welcher als Grundlage für die Revierkartierungen dient.

Artenliste Jahr 2005

Revierzahl Jahr 2006

Jahr 2007

Amsel Bachstelze Baumpieper Bergstelze Birkenzeisig Braunkehlchen Buchfink Distelfink Feldlerche Flussuferläufer Gartengrasmücke Girlitz Goldammer Grünfink Haubenmeise Hausrotschwanz Haussperling Klappergrasmücke Kohlmeise Misteldrossel Mönchsgrasmücke Mönchsmeise Neuntöter Rabenkrähe Reiherente Star Tannenmeise Wacholderdrossel Wasseramsel Wendehals Zaunkönig Zilpzalp

4 4 2 1 2 7 5 2 3 0 5 1 2 3 0 1 10* 0 4 1 3 1 2 0 1 1 0 0 0 0 1 1

5 3 2 0 0 6 7 1 3 1 5 0 2 1 0 2 10* 1 2 0 1 2 2 2 1 0 2 1 1 1 0 1

4 4 1 1 0 6 6 2 3 0 6 1 2 1 1 1 10* 1 4 0 3 1 2 1 0 0 3 1 1 0 0 0

Artenzahl

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Vogelart

* Schätzung; Brutkolonie beim Gehöft Casty

Das umliegende, wenig intensiv genutzte Kulturland weist für Wiesenbrüter wie Braunkehlchen, Feldlerche und Baumpieper offenbar gute Bedingungen auf. Das durch Intensivierung vielerorts gefährdete Braunkehlchen kommt mit 2,5 Paaren /10 ha hier noch relativ häufig vor. Mit dem Verschwinden der Stillgewässer sind auch die brütenden Entenarten verschwunden. Sonst lassen sich mit der erfolgten Revitalisierung noch keine Trends bei der Vogelwelt erkennen. Nach wie vor brüten zwischen 24 und 25 Vogelarten innerhalb des Perimeters. Die Baumassnahmen im Jahr 2006, die auch während der Brut­ periode erfolgten, scheinen kaum Auswirkungen auf die Brutaktivität gehabt zu haben. Auch Durchzügler wie Waldwasserläufer oder Schwarzkehlchen liessen sich nicht abhalten und nutzten die Gewässer in San Batrumieu vorübergehend als Rastplatz. Erfreulich ist, dass trotz erheblicher Eingriffe und teilweise noch wenig wiederbewachsenen Gräben und Kanälen, keine Einbusse in der Zahl der Brutvogelarten und deren Häufigkeit festzustellen ist. Allerdings wird erst die langfristige Erhebung der Vogelreviere zeigen, ob die Revitalisierungsmassnahmen in San Batrumieu für die Vögel eine Aufwertung bedeuten. Für seltene Arten wie den Flussuferläufer oder gar den Flussregenpfeifer werden in San Batrumieu seit 2007 bessere Lebensgrundlagen angeboten. Hoffen wir, dass die beiden Kiesuferbewohner die neuen Lebensräume auch entdecken und besiedeln und uns mit ihrer Präsenz erfreuen.


Die Lebensräume des wertvollen Auengebiets konnten dank der Mithilfe von vielen Beteiligten erheblich aufgewertet werden. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich die Tier- und Planzenarten aufgrund dieser Veränderungen entwickeln können und in welchem Ausmass der Inn auf der linken Uferseite weitere Gebiete beanspruchen wird. Die Revitalisierung der Aue San Batrumieu brachte auch eine beachtliche Verbesserung des Landschaftsbildes zwischen Madulain und Zuoz. Für Einheimische und Gäste konnte ein attraktives Naherholungsgebiet geschaffen werden. Dokumentation des Revitalisierungsprojekts San Batrumieu. Zu beziehen bei der Gemeinde Zuoz.

Die baulichen Massnahmen des Revitalisierungsprojekts San Batrumieu sind abgeschlossen. Im kommenden Frühjahr ist die Erstellung eines Themen- und Infopfades geplant.


Revitalisierung San Batrumieu