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STADT ASCH AFFEN BU RG PLANGUTACHTEN MAINUFER


STADT ASCHAFFENBURG

PLANGUTACHTEN MAINUFER

Auftraggeber: Stadt Aschaffenburg Dalbergstr. 15 63739 Aschaffenburg Auftragnehmer: Planergruppe HTWW Mühlstraße 43 63741 Aschaffenburg

Bearbeitung: Dipl.-Ing. Rainer Tropp Dipl.-Ing. Babette Reimitz-Tropp Dipl.-Ing. Anne Fache

Oktober 2010


STADT ASCHAFFENBURG

PLANGUTACHTEN MAINUFER

Zur Aufgabe Es gibt keine größere Stadt am Main, bei welcher der natürlich gebliebene Flussbereich sich mit einer historisch gewachsenen Stadtsilhouette dergestalt vereinigt, wie Aschaffenburg - diese Qualität gilt es langzeitlich zu schützen und sensibel zu gestalten. Ein eigens für diese Aufgabenstellung gegründeter “Schlossterrassenbeirat” formuliert in seiner Präambel zu Konkretisierung von Planungsideen die Grundlage der Gestaltung und Nutzung. Vorliegende Arbeit untersucht den Bereich von Pompejanum bis Willigisbrücke, bindet ihn in das Konzept “Mainuferpark” ein und zoniert die einzelnen Flächen nach ihren landschaftlichen, städtebaulichen, historischen und funktionalen Anforderungen. Das Plangutachten versteht sich als informeller und gestalterischer Ideengeber, ist in sich funktional verklammert und dennoch in Stufen realisierbar. Wir hoffen, der einzigartigen und stadtgestalterisch überaus wertvollen Situation eine unterstützende und den Bürgern und Besuchern der Stadt Aschaffenbug gerecht werdene Lösung erarbeitet zu haben. 3


STADT ASCHAFFENBURG Präambel Diese Präambel benennt die Ausgangspositionen, die städtebauliche Bedeutung sowie die Perspektiven des Planungsraums. - Die Flusspartie mit Schloss und Pompejanum am Mainknie bildet neben dem Stift den historischen und städtebaulichen Höhepunkt Aschaffenburgs. Der auf dem Hochufer liegende Übergang zur Altstadt ist ein wesentlicher Teil ihrer Stadtlandschaft. - Diese Werte zu pflegen, sollte gemeinsames Ziel aller Bürger sein. Die gute Stube der Stadt mit ihren landschaftlichen und kulturellen Aspekten muss auf hohem Niveau entwickelt werden. Eingeführte Funktionen und aktuelle Sachzwänge dürfen eine solche Entwicklung nicht verhindern. Wie wichtig die Planungsaufgabe der Aktivierung und Wiedergewinnung der Uferbereiche für viele Städte ist, zeigen Beispiele aus dem Rhein-Main-Gebiet und anderer Städte im In- und Ausland. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Aschaffenburg an beiden Ufern des Flusses kaum Bebauung zeigt. Außerdem ermöglicht das Hochufer auf der Stadtseite weite Ausblicke in die Landschaft. Gebäude, die für eine ständige Belebung des Geländes unterhalb der Wappenmauer gesorgt haben, wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und aufgegeben. - Die Identifikation der Stadt mit dem Mainensemble und damit einem Jahrhunderte alten Erbe verdient eine vorrangige Würdigung. Gleichwohl sind die derzeit bestehenden Interessen für eine Nutzung als Parkplatz ernst zu nehmen. Ihnen ist mit der Suche nach alternativen Lösungen Rechnung zu tragen (Verlagerung, Verkleinerung, kostengünstige Betriebsmodelle in vorhandenen Parkhäusern). - Alle Planungsüberlegungen sollen von dem Grundsatz ausgehen, dass die Mainterrassen unterhalb des Schlosses eine nachhaltige und auf Dauer angelegte Lösung erfordern, die jedoch in Abschnitten realisiert werden kann. Es gilt für Nutzung und Gestaltung in den nächsten Jahrzehnten Weichen zu stellen und Grundlagen zu schaffen. - Das Schlossvorfeld am Fluss kann den Rahmen bieten für Erlebnisse und einen Raum, der mit hochwertiger Gestaltung den Aufenthalt der Bürger und Besucher begünstigt. Das heutige Erscheinungsbild ist

PLANGUTACHTEN MAINUFER demgegenüber vor allem Ergebnis der Mainkorrektur und der aktuellen Parkplatznutzung und ist insgesamt landschaftsgestalterisch unbefriedigend. - Das Projekt "Schlossplatz/Mainterrassen" will im definierten Gebiet Potentiale aufspüren und neue langfristige Qualitäten schaffen. Die erarbeiteten und durchdachten Planungskonzepte sollen diese Ziele untersuchen und das Gesamtprojekt voranbringen. Die Varianten sollen nutzungsbezogene, verkehrliche, denkmalpflegerische, stadträumliche und stadtgestalterische Aussagen enthalten. Sie sollen historische Anknüpfungspunkte berücksichtigen, aber auch zukunftsträchtige Ergänzungen entwickeln. - Eine Nutzungsvorgabe ist die Unterbringung des letzten erhaltenen bayerischen Kettenschleppschiffes. Der ca. 50 m lange Schiffskörper soll, nach denkmalgerechter Restaurierung, dauerhaft an Land gelegt werden. Als Standort ist der ufernahe Bereich oberhalb des "PerthInch" im Bereich des ehemaligen Kutscherhofes oder die Fläche zwischen Theoderichstor und der historischen Hafenterrasse vorgesehen. Das Nutzungskonzept besteht aus einer Kombination aus musealer und gastronomischer Nutzung. Die Funktionsräume der Gaststätte sowie ein Anteil Gasträume sollen außerhalb des Schiffs in einem "Ergänzungsgebäude" untergebracht werden. Im Inneren des Schiffsrumpfs soll die Kettenschleppschifffahrt dargestellt werden. Das Schiffsdeck soll als Gastronomieterrasse dienen. Der "Määkuh” ist ein Kontingent von etwa 40 Stellplätzen zuzuordnen. - Als Aufgaben stellen sich Aufwertung, Belebung und Ordnung des Planungsraumes am Fluss und zur Altstadt. Besonderes Augenmerk verlangen die bislang unzulängliche Verknüpfung von Oberstadt und Mainufer und die Perspektiven, die Passanten bei Annäherung an die Sehenswürdigkeiten erleben. Das Interesse muss zudem den Anschlusspunkten des Untersuchungsgebiets an die Oberstadt und an die benachbarten Abschnitte Floßhafen und Mörswiese gelten. Aufgestellt durch die Redaktionsgruppe Schlossterrassenbeirat/Stadtentwicklungsreferat im Juni 2009 und ergänzt im April 2010 4


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PLANGUTACHTEN MAINUFER

Beschreibung:

Grundsätze der Gestaltung

Rechtes Mainufer, ehem. Prallhang, heute Aufteilung in ruhiges Hafenbecken und Fluss

> Erhalt der naturräumlichen Kontinuität "Mainuferpark" > Schutz und Aufwertung der historisch gewachsenen Stadtsilhouette, deutliche Präsentation der Solitäre > Schutz wertvoller Bepflanzung > Klare Wegeführung > Schaffung zusammenhängender Räume mit klarer Funktionszuordnung > Keine Überfrachtung der Freibereiche > Offenhalten wichtiger Blickbeziehungen > Dezentes Beleuchtungskonzept > Funktionale/ raumsparende Unterbringung des ruhenden Verkehrs +

- Parterre - Mainlände/-ufer - Grünbereich - Terrassen - ehem. Weinterrassen - Oberbereich Altstadt mit Solitärbauten - Schloss Pompejanum - "Frühstückstempel" - Kirchtürme - Nutzung Mainufer - Grün - Erholungsbereich mit temporären Aktivitäten - gastronomische Nutzung, Parkplatz

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Übersichtsplan Landschaftliche und Städtebauliche Einbindung - “Mainauen” 6


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Gesamtplan mit Schnitten (im A3-Format in der Anlage) 7


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PLANGUTACHTEN MAINUFER M 1:500

Neuer Zugang zum Schlossgarten mit langer Bank

Bereich I: "Miskolc-Plateau" - Zusammenhängende Wiese unterhalb Pompejanumsfelsen und Frühstückstempel (Spielen, Liegen, Kunstausstellung) - Neuer Konturenweg entlang Stützmauern und Felsen (Trennung von Fuß- und Radweg) - Neuer Zugang zum Schlossgarten - Blick zum Schloss

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Bereich II: "Lände" am Theoderichstor - gefasster Funktionsbereich vor Boot-slip-Anlage - Liege- und Sitzdecks am Ufer - sommerzeitlicher Biergarten mit Funktionsgebäude und öffentlichem WC - ca. 200 Sitzplätze. Geländeabgrabung (Vergrößerung Retentionsraum) - Kleine naturnah ausgebaute KFZ-Stellplatzanlage an Straße Schloßberg (20 Stp.), Bereich ehem. Scheune - Fähranlegestelle vom westlichen Mainufer (Volksfestplatz/ Stadtbad/ Schulzentrum)

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Bereich III: "Kranichwiese" - Sanierung und Freilegung historische Kranichmauer / obenliegender Rosengarten, auch zur Vermeidung eines Geländers (Absturzsicherung) - Zitatgebäude "Alter Kranen" mit Stadtinfo - schlossmauerparalleler Wasserlauf / Kanal mit Wasserspiel, beleuchtet (Zitat Mühlbach) zur Flächeneinfassung - Befahrbare Wiesenfläche - Freilichtbühne an der Schloßtreppe (temporäre Bestuhlung / Stadtfest o.ä.) - Radweg auf Suicardusstraße - Kastanie als Solitärbaum an historischem Standort

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Bereich IV: "Perth - Inch" -

Große Liege- und Spielwiese (analog Bestand) Zurücknahme der Böschung in Teilbereichen Liege- und Sitzdecks am Ufer Trennung von Fuß- und Radweg Bodengleiche Beleuchtung unter den Holzdecks (Lichtlinie)

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Bereich V: Parkplatz unterhalb Suicardusstraße - Obere Parkstandreihe direkt von Suicardusstraße aus, durch Gabionen gestützt (72 Stp.) - Untere Parkstände in Doppelerschließung (wasserdurchlässiger Belag) (79 Stp.) - Radweg auf Böschungskante - Heckeneingrünung unter Bäumen - Erhalt des Kinderspielplatzes 12


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Bereich VI: “Altstadtterrasse” - Aufzugsverbindung Suicardusstraße - Schloßplatz - Aussichtsplateau (Halbrondell) an oberem Aufzugszugang - Stichweg mit Bänken unterhalb "Kornhäuschen" (ca. 30 m Länge) - (Lavendelgarten, evtl. Weinstöcke) - Freischneiden von Bäumen zur Verbesserung der Sichtverhältnisse - Einrichtung eines kleinen Bier- oder Weingartens im Bereich Spielplatz Webergasse; Verkleinerung Spielfläche - Stadtmodell in Bronze (Stiftung)

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Bereich VII: “Brückenkopf” - Willigisbrücke 14


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PLANGUTACHTEN MAINUFER Bereich VII: “Brückenkopf”- Willigisbrücke

Zustand nach Neubau der Mainbrücke und Anlage des Foßhafens 1890

Zustand seit Korrektur 1972

historische Bebauung an der Willigisbrücke: (ehem. Bassenheimer Hof, Osteiner Hof sowie Schlachtschirne) Quelle: Aschaffenburger Häuserbuch nach Alois Grimm

- Entfernung der Brückenrampe aus Richtung Mainufer Herstellung einer neuen Verkehrskreuzung (Kreisverkehr) Dalbergstraße / Löhergraben / Willigisbrücke / Abfahrt zum Mainufer - Freilegung, Sanierung und Ergänzung der Stützmauer an der Suicardusstraße - Kleine Stellplatzanlage - Neubebauung "Brückenkopf" anstelle ehem. "Ostheimer-Hof" - Schaffung einer Platzfläche "Heumarkt" - Erweiterungsbau nach Süden - Nutzungsvorschlag (durch empfohlenen Hochbauwettbewerb zu konkretisieren): - Jugendhotel - Künstlerappartements sowie - 1 - 2-geschossiger Gebäuderiegel parallel zum Ufer Funktionsbau für Jugendhotel Servicebau für Terrassengaststätte - Määkuh - Einrichtung einer Terrassengaststätte unterhalb historischer Stützmauer mit Pavillons - Schloßblick - Disposition von Määkuh, das ehemalige Kettenschiff kann somit auch von oben, d.h. von der Mainbrücke aus betrachtet werden. - Torstaffage an Suicardusstraße, Widmung für Clemens von Brentano. - Schaffung von Reisebus-Haltestelle in Verbund mit einer öffentlichen WC-Anlage unter der Brücke

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Bereich VIII: "Westliches Mainufer / Vogelinsel" - Fähranleger am nördlichen Ende des Volksfestplatzes: Fährverbindung zum Theoderichstor - Innenstadt - Kleiner Aussichtspavillon in Ost-West-Achse des Volksfestplatzes mit Erläuterung der Stadtsilhouette - in Volksfestkonzept / Festzeltaußenbereich integrierbar - Freischneiden von Sichtachsen im Bewuchs der "Vogelinsel" - Standort "Begrüßungsplastik" für Schiffe 16


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PLANGUTACHTEN MAINUFER

Materialien und Möblierung - Geh- und Radwege - Mastix-Asphalt sandfarben - wassergebundene Decke (im Wiesenbereich bzw. Altstadtterrassen) - Randeinfassung mit großformatigem Basaltläufer - Suicardusstraße - Fahrbahn b = 5 m, aufgehellter Asphalt - Seitenstreifen Basaltgroßpflaster in Reihe - Rinnen 3-zeilig Großbasalt

Radweg: Mastix-Asphalt, Randeinfassung: Basaltläufer

Gehweg: Wassergebundene Decke mit Basaltläufer

Fahrbahn: heller Asphalt

Stellplatzbefestigung:Gabionen

Biergarten

Gastgarten

- Stellplätze - Großbasalt mit breiten Rasenfugen - Fahrbahn Asphalt aufgehellt - "Lände-Platzbereich" am Theoderichstor - aufgehellter Asphalt - Randeinfassung Großbasalt - Stellplatzbefestigung an der Suicardusstraße - Gabionen mit Sandsteinfüllung - Biergarten - wassergebundene Decke - Solitärbaum an historischem Standort - Kastanie - Hecken - Hainbuche Hainbuchenhecke

Kastanie

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PLANGUTACHTEN MAINUFER

- Bühne an Schlosstreppe - Stahlkonstruktion mit Lärchenholzauflagen - Holzdecks am Mainufer - Stahlkonstruktion mit Lärchenholzauflagen - "Sitzquadrate" - Betonunterbau mit Lärchenholzauflagen Holzdecks am Mainufer

“Sitzquadrat”

Lange Sitzbank

Sitzmauer

- Sitzbänke - Pag-holz/ Metall oder Holz-Metall - Wasserkanal unter Schlossmauer - Naturstein - Sandstein oder roter Granit - Notwendige Geländer - Metall anthrazit beschichtet DB 703 (einfache Schmiedearbeiten) - Beleuchtung (keine Mastaufsatzleuchten) - Unterflurbeleuchtung bei Holzdecks am Mainufer - Aufzug - Altstadtterrasse - Stahl-/ Glaskonstruktion oder reine Stahlkonstruktion Empfehlung: Beschränkter Wettbewerb

Wasserkanal

Glasaufzug

Stahlkonstruktion 18


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- Gebäude am "Brückenkopf" (Jugendhotel o.ä.) - Architektenwettbewerb - Servicegebäude der Biergärten "Kran-i-Punkt" - Holzbau - Plattenverkleidung oder Schalung Farbe immer dunkelgrün Funktionsgebäude in Holzarchitektur mit waagerechter Gliederung

... ansonsten Bewahrung der landschaftlichen Kontinuität im Rahmen der Zielansprache “Mainauen” Aschaffenburg 19


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PLANGUTACHTEN MAINUFER

DEM JOHANNES SEI WERMCHE Zwä Bube angele am Mä´ Am erste Brückebouge Da, wo des Schlachthausblut ´rein lääft Da wer´n viel Fisch´ gezooge. Der ä, der hot e Hütche uff Mit ausgefranste Zacke, De anner ´n blanke Schtiftekopp Un ´n ganz dicke Backe. Uff ämol ruft es von de Brück´, "0 jesses, o Gewidder! Was hawwese mim Johannes gemacht, Was hot dann der scho´ widder? Hannes! Du host ja e ganz dick G´sicht! Hoste Hieb´ kriegt? Wors e Schnacke? Wie kammer nor da angele Mit sou ´m dicke Backe?" Da ruft de Bu´ mit halber Stimm´, Bringts Maul kaum ausenanner: "Da hab´ ich ja mei´ Wermche drin, Sunst nimmt mer se de Anner!

Quelle: “Ascheberger Sprüch” von Gustav Trockenbrodt

Aschaffenburg, Oktober 2010 gez. Rainer Tropp 20


Mainufer Aschaffenburg  

Plangutachten

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