Page 15

Februar 2014

Menschen an der Hochschule: Carlos Melches

Fachübersetzen ist mehr, als zwei Sprachen zu beherrschen Prof. Dr. Carlos Melches ist gebürtiger Spanier und begann seine Tätigkeit an der Hochschule Magdeburg-Stendal 1996. Zwei Jahre später wurde er zum Professor am Fachbereich Kommunikation und Medien berufen und lehrt seitdem „Grundlagen des Interkulturellen Handels“. Mit treffpunkt campus sprach er unter anderem über deutsch-spanische Unterschiede. Foto: Katharina Remiorz

den sollen Texte nicht Wort für Wort transferieren, wie es teilweise Literaturübersetzer tun. Fachübersetzen heißt hingegen, Material so zu übersetzen, dass Menschen es einfach gebrauchen können; es wird sozusagen für das aktuelle Verständnis der Bevölkerungsgruppe aufgearbeitet. Dafür müssen sich die Studierenden mit den Unterschieden zwischen Menschen beschäftigen und interkulturell kompetent sein. Darüber hinaus verlangt die Tätigkeit des Fachübersetzers oder -dolmetschers auch mediale Fertigkeiten, beispielsweise wenn ein Bündel spanisches Material für einen deutschen Flyer oder eine Homepage aufbereitet werden soll.

Herr Prof. Melches, Sie sind Experte für den Austausch von Spaniern und Deutschen. Warum reicht es dafür nicht, beide Sprachen sprechen zu können? Das wäre in der Tat ein bisschen wenig, um professionell zu übersetzen. Menschen verschiedener Länder unterscheiden sich ja nicht nur durch ihre Sprache, sondern auch in ihren Gesten , ihrer Mentalität und ihrem Weltbild. Fachübersetzer und Dolmetscher müssen das Wissen darüber in ihre Arbeit einfließen lassen. Und wie ebnen Sie den Studierenden dafür den Weg? In der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Übersetzen. Unsere Studieren-

Sind die Menschen denn so unterschiedlich? Worin unterscheiden sich Deutsche und Spanier? Die Deutschen sind sehr tiefgründig und ernst, wenn es um Herausforderungen geht. Sie suchen ihre Probleme schon fast. Die Spanier sind etwas leichtlebiger und nicht so genau bei Problemen – haben aber auch weniger. Dennoch sind die internationalen Beziehungen gut und beide Länder hätten gern ein bisschen vom anderen. Und dafür sind Sie nach Deutschland und schließlich an die Hochschule gekommen? Nein, dass hatte mit meinem Studium zu tun. Als Philosophie-Student war es üblich, sich vor Ort mit deutscher Philosophie auseinander zu setzen. In Köln habe

ich 1982 mein Studium abgeschlossen, dann promoviert und anschließend unter anderem in Luxemburg als Sprachlehrer für EU-Abgeordnete gearbeitet. Darüber hinaus habe ich über meine Familie väterlicherseits Beziehungen nach Deutschland. Zur Hochschule bin ich wegen einer ausgeschriebenen Professur gekommen. Und wie gefällt ihnen die Tätigkeit hier? Sehr. Zum Beispiel kann ich mich mit meiner Heimat beschäftigen und auch philosophische Fragen diskutieren. Auf der praktischen Seite habe ich mittlerweile viel Erfahrung im Lehren, bin älter geworden und das prägt die Beziehung zu den Studierenden positiv. Gleichzeitig wird einem das Altern im Lehrberuf leichter gemacht als anderswo. Man muss allerdings aufpassen: Die Hochschule ist eine kleine Welt, in deren Bürokratie man sich gern verliert. Darum engagiere ich mich auch außerhalb. Im Verein „Sprache und Medien Magdeburg“ – kurz SUMMA e. V. – beispielsweise, in dem Austauschschüler betreut werden aber auch immer Platz ist für studentische Projekte. Daneben forsche ich am Deutsch-Arabischen-Dialog, der sich aus dem Arabischen Frühling entwickelte. Hier begleite ich den Austausch öffentlicher Akteure aus Arabien und Deutschland, die zukünftig zusammenarbeiten wollen. Das Interview führte NICO PFEIL

Erhöhung des Semesterbeitrags

Studierende zahlen 20 Prozent mehr als 2013 Der Semesterbeitrag wird zum Sommersemester 2014 angehoben. Während die Magdeburger Verkehrsbetriebe den Semesterticketpreis von 27 auf 31,28 Euro erhöht haben, steht beim Studentenwerksbeitrag in Magdeburg ein Zuschlag von 10 Euro an. Dies sei erforderlich, da die Landesregierung ihren Zuschuss auf 900.000 Euro halbiert hat und damit nur noch rund 7 Prozent

der Gesamtfinanzierung trägt. Die Mensapreise und die Wohnheimmieten würden jedoch stabil bleiben, so das Studentenwerk. Für den Standort Stendal beläuft sich der Semesterbeitrag nun auf 51 Euro, Magdeburger Studierende zahlen 91,28 Euro. Innerhalb eines Jahres ist der Beitrag in Magdeburg damit um 20 Prozent gestiegen. PM

15

Profile for Hochschule Magdeburg-Stendal

treffpunkt campus 76 (Februar 2014)  

#76, Magazin der Hochschule Magdeburg-Stendal

treffpunkt campus 76 (Februar 2014)  

#76, Magazin der Hochschule Magdeburg-Stendal

Advertisement