Issuu on Google+

Sicherer Realschulabschluss f체r M채dchen im M채dchentreff Kirchdorf-S체d

Curriculum

Ausserschulische und berufsorientierte Jugendbildung an Freizeitorten Modell-Projekt EDU-NET


Mädchentreff Kirchdorf Süd

1. Lernort Mädchentreff

Curriculum: Sicherer Realschulabschluss für Mädchen

Der Lernort Mädchentreff soll es den Mädchen ermöglichen, sich unter sich und in kleinen Gruppen ohne Notendruck auf ihren Realschulabschluss vorzubereiten. Im Vordergrund steht dabei, daß die Mädchen eine realistische Wahrnehmung und Einschätzung ihrer Kompetenzen und Schwächen durch eine Stärken/Schwächenanalyse gewinnen und selbst erkennen, wo sie stehen. Mit Unterstützung der Kursleiter und Betreuerinnen werden sie daraus Ansprüche an sich selbst ableiten und Ziele formulieren, die deutlich sagen, wo sie hin wollen. Dabei möchten wir als ein unterstützendes Begleitmaterial die Self-Assessment-Materialien für Jugendliche einsetzen, die im Rahmen des BMBF-Projektes „Lernende Region“ vom Dienstleistungsnetzwerk Bildung und Lernkultur (DBL/Projekt der Hamburger Volkshochschule) entwickelt wurden. Alle angebotenen Lernkurse sollen den Mädchen Spaß machen, ihre Fachkompetenz verbessern, ihre Sicherheit erhöhen und ihr Selbstbewusstsein stärken. Von großer Bedeutung ist dabei gleichzeitig die besondere Funktion der Referentinnen und Betreuerinnen: Sie fungieren als Identifikationspersonen, die in ihrer Vorbildfunktion den Mädchen direkt und indirekt Orientierungshilfe und Entwicklungsanstöße geben. Die Kurse werden realitätsnah aufgebaut, d.h. die Mädchen bringen sich und ihr Leben mit dem Thema in Verbindung. Inhalte und Tempo der Kurse bestimmen die Mädchen mit. Ängste werden ausund angesprochen, und es wird individuell und in der Gruppe nach Lösungen gesucht. Dazu gehören auch der Umgang mit Ängsten und Methoden des Angstabbaus. Störungen haben Vorrang und werden thematisiert. Auch dadurch soll das Vertrauen zu den Kursleiterinnen aufgebaut werden. Wichtig für uns ist es, daß die Mädchen begreifen, daß die Lernkurse in ihrem Interesse liegen und für sie hilfreich sind. Sie müssen sich selbstständig

Ausserschulische und berufsorientierte Jugendbildung an Freizeitorten - Modellprojekt EDU-NET

Seite 2


Mädchentreff Kirchdorf Süd

Curriculum: Sicherer Realschulabschluss für Mädchen

einen Überblick über den Klausurenplan ihres Jahrganges beschaffen und sich mit Unterstützung der Kursleiterinnen daraus einen eigenen Arbeitsplan erstellen. Großes Gewicht wird auf folgende Regeln gelegt, die in Vereinbarungen schriftlich festgelegt und von den Mädchen unterschrieben werden: •

Pünktlich erscheinen,

Regelmäßig kommen, bzw. absagen,

Unterlagen dabei haben.

Mit Hilfe kursbegleitender Lernberatung wird erarbeitet, wie „Mädchen“ es schafft, diese Regeln einzuhalten.

Ausserschulische und berufsorientierte Jugendbildung an Freizeitorten - Modellprojekt EDU-NET

Seite 3


Mädchentreff Kirchdorf Süd

2. Kooperation mit der Schule

Curriculum: Sicherer Realschulabschluss für Mädchen

Die Einschätzung über die Mädchen erhalten wir schriftlich von den Lehrern. Sie teilen uns mit, wo die Mädchen Lücken haben und wo sie Hilfe brauchen. Die Stoffverteilungspläne sowie Bücher und Unterrichtsmaterialien erhalten wir von der Schule. Wir führen regelmäßige Gespräche mit der Abteilungsleiterin der Schule, die für die Mädchen zuständig ist, und sind auf dem aktuellen Stand, falls es Veränderungen gibt. Bei Problemen wenden wir uns direkt an den jeweilig involvierten Lehrer. Die Ausarbeitung über unsere Inhalte und Methoden geben wir an die Schule weiter, um Diskussionnen und evtl. methodische Veränderungen oder eine Veränderung der Sichtweisen auf die Schülerinnen bei den Lehrer/-innen anzuregen. Vor den ersten Halbjahreszeugnissen erarbeiten wir Fragen an die Lehrer/-innen, die von der Abteilungsleiterin in die Zeugniskonferenz hineingetragen und von den Lehrern beantwortet werden. Außerdem schreibt jede/r Lehrer/-in einen ausführlichen Bericht über den Leistungsstand des Mädchens, dessen Namen wir angegeben haben.

Ausserschulische und berufsorientierte Jugendbildung an Freizeitorten - Modellprojekt EDU-NET

Seite 4


Mädchentreff Kirchdorf Süd

3. Inhalte und Methoden 3.0 Lernen lernen

Curriculum: Sicherer Realschulabschluss für Mädchen

Wir stellen häufig fest, daß viele Mädchen dazu neigen, fast in letzter Minute große Textpassagen einfach auswendig zu lernen – oft ohne die Inhalte zu verstehen und unter Vernachlässigung wichtiger Zusammenhänge. Damit unsere Kurse zum Erfolg führen ist es wichtig, den Mädchen beizubringen, wie sie am effektivsten lernen können. Deswegen planen wir zu beginn der Kurse Einheiten, die den Teilnehmerinnen dazu verhelfen sollen, ihren Lerntyp festzustellen, die individuell beste Lernumgebung zu schaffen, Situationen nachzuspüren, in denen ihnen das Lernen leicht fiel und die Gründe herauszufinden, warum das so war. Es werden Lernprobleme lokalisiert und Lösungen gesucht. „Welcher Lerntyp bin ich, wie nehme ich am besten Lernstoff auf?”, „Welche Sinnesorgane machen es mir am leichtesten?“ Handelt es sich um das Gehör, dann gibt es z.B. die Möglichkeit, Kassetten mit dem Lernstoff zu besprechen und abzuhören. Sind es die Augen, dann ist es sinnvoll mit Bildern zu arbeiten oder schwierige Vokabeln auf Zettel zu schreiben und diese dann z.B. an den Kühlschrank zu kleben. Viele Menschen lernen am besten, wenn sie den Lernstoff durch Sprechen oder Schreiben wiedergeben. „Wie muß die optimale Lernumgebung für mich beschaffen sein?” Die Mädchen werden feststellen, wann sie am besten lernen können (morgens, mittags oder abends), wo (in der Schule, im Mädchentreff, im Bett, auf dem Klo) und wie (im Sitzen, liegend, umherlaufend, etc.). „Gibt es Lernhemmnisse und wie kann ich sie bewältigen?” Stress kann das Lernen behindern. Die Mädchen tauschen sich über ihre Methoden aus und erarbeiten sich ihren Weg als bewusst einsetzbares Tool, ihn abzubauen, z.B. Haare waschen, in die Badewanne gehen, Entspannungs- und Atemübungen, etc. Hunger kann sich störend auswirken: Genügend Pausenbrote, Obst anstelle von Chips können da Wunder wirken.

Ausserschulische und berufsorientierte Jugendbildung an Freizeitorten - Modellprojekt EDU-NET

Seite 5


Mädchentreff Kirchdorf Süd

Curriculum: Sicherer Realschulabschluss für Mädchen

Verschiedene Arten von Diskriminierung („Das schaffst Du ja doch nicht!”, etc.) wirken sich unter Umständen ebenfalls lernbehindernd aus. Die Zusammenarbeit mit von den Mädchen ausgesuchten Lernpartnerinnen kann das u.U. auffangen. Die Lernpartnerinnen unterstützen dabei im optimalen Fall auch den Abbau von Ängsten und leiten unbewusst den Prozess eines positiven Reframings ein. Damit sich die Mädchen auch sicher fühlen, wenn ihre Lernpartnerinnen ausfallen, suchen sie sich zusätzlich eine Ersatzpartnerin. Weitere Lernschwierigkeiten können sich durch den vermittelten und zu lernenden Unterrichtsstoff oder durch die Methode der Stoffvermittlung ergeben. Hier sind Fragen zu Affinitäten zu stellen und nach der Bevorzugung von aktiven oder passiven Lernformen. Die anderen Lernerinnen werden auch hier als Ko-Tutoren einbezogen, weil vielleicht ihre Erklärungen und Methoden der Wissensaneignung von den einzelnen Mädchen besser verstanden werden als die des Unterrichtenden. Zum Beginn der Kurse werden wir Lernverträge mit den Mädchen abschließen, in denen sie sich zu bestimmten Zielen bekennen. Die letzten 10 Minuten jeder Lerneinheit dienen der individuellen Lernbilanz durch die Mädchen: „Was war für mich interessant?”, „Was habe ich gelernt?”, „Was hat mich behindert?”, „Fiel mir das Lernen heute schwer - kenne ich die Gründe?” und weitere Fragen, mit denen die Mädchen arbeiten können um ihren Ist-Zustand zu überprüfen. Sie werden sich die Lernmethoden ins Bewußtsein rufen und ihre Erkenntnisse untereinander austauschen – vielleicht lassen sich ja einige erfolgreiche darunter auch voneinander übernehmen. Unser Ziel dabei ist es, daß die Mädchen zunehmend Sicherheit darüber gewinnen, welche die ihnen angemessenen Mittel sind, mit denen sie ihr eigenes Lernen selbst steuern können. Sie entdecken ihre individuellen Zugänge und Mittel, machen sie sich bewußt und setzen sie dann im Lernprozeß gezielt ein. Ausserschulische und berufsorientierte Jugendbildung an Freizeitorten - Modellprojekt EDU-NET

Seite 6


Mädchentreff Kirchdorf Süd

Curriculum: Sicherer Realschulabschluss für Mädchen

3.1 Lernkurs Deutsch 3.1.1 Materialien

Zeitschriften, Spiele, Bücher aus unserer Bibliothek, Unterrichtsmaterialien, Internetrecherche, Lexika.

3.1.2 Inhalte

Rechtschreibung, Diktate, Worterklärungen, Großund Kleinschreibung, Inhaltsangabe, Interpretation, Briefe schreiben. „Warum ist es für mich wichtig zu interpretieren, was habe ich davon?“, „Ist doch egal, ob es groß oder klein geschrieben wird.” Literatur und Sachtexte: Kurzgeschichten, Erzählungen, Zeitungsartikel. Schreiben: Inhaltsangabe, Interpretation, Zusammenfassung / Nacherzählung, Diktate schreiben (und in Texten selbst Fehler herausfinden), Briefe schreiben. Sprechen: miteinander reden, sich mitteilen, argumentieren, klären, Kurzvorträge. Grammatik: Zeitformen, die 4 Fälle, bestimmter und unbestimmter Artikel, unregelmäßige Verben, Wortformen, Konjugation, Kommasetzung. Im Fach Deutsch wird auch das Thema Politik Platz haben.

3.1.3 Methoden

Eine erste Einschätzung über die Mädchen erhalten wir von den Lehrern. Eine Selbsteinschätzung soll über Grammatik-Tests und schriftliche Übungen erfolgen. Dabei ist wichtig, dass die Mädchen sich in der Umgebung „Mädchentreff” trauen Fehler zu machen, sie zu thematisieren, nach eigenen Lösungsansätzen zu suchen, Lösungen anderer kennen lernen, um so aus den Fehlern zu lernen. Im ersten Halbjahr, in dem es darum geht Lücken zu schließen, lesen wir Kurzgeschichten und Ausschnitte aus Büchern von weiblichen Autoren und mit weiblichen Hauptfiguren mit dem Ziel, den Mädchen positive Beispiele von Frauen zu vermitteln und sie

Ausserschulische und berufsorientierte Jugendbildung an Freizeitorten - Modellprojekt EDU-NET

Seite 7


Mädchentreff Kirchdorf Süd

Curriculum: Sicherer Realschulabschluss für Mädchen

eventuell zu motivieren, einzelne Bücher selbst weiterzulesen. Die Mädchen sollen über die Texte diskutieren und sich bei auftauchenden Fragen gegenseitig helfen. Außerdem sollen anhand dieser Texte Inhaltsangaben, Aufsatzformen, Interpretation und Charakteristik geübt werden. Freie Aufsätze, Texte und Briefe, die die Mädchen selbst verfassen, haben einen direkten Bezug zu ihren Lebensumständen. Z.B. sollen sie über Berufswünsche, Lieblingsstars, Hobbys etc. schreiben. An herausgelösten Textteilen werden exemplarisch Rechtschreibung, Ausdruck und Grammatik trainiert. In jeder Kursstunde sind ein paar Minuten für Grammatik reserviert, die dann auch kontinuierlich wiederholt wird, um jedem einzelnen Mädchen immer vor Augen zu führen: „Was kann ich schon, was muss ich noch üben?” Um den Ausdruck und das freie Sprechen zu üben, spielen wir Worterklärungsspiele (z.B. Tabu). Auch für die Charakteristik sind solche Übungen hilfreich (Beschreiben bekannter Persönlichkeiten, der besten Freundin etc.). Sind die Grundsteine gelegt, wagen wir uns an schwierigere Texte, wie Zeitungsartikel, heran. Hier soll gelernt werden: - Wie lese ich so einen Text, wenn ich doch so viele Worte nicht verstehe? - Was hab ich davon, wenn ich weiß, was in der Welt passiert? - Welche Auswirkungen hat dieses Ereignis? - Welche Meinung habe ich dazu? - Was bedeutet das für mich? Die Mädchen erkennen, was sie und andere motiviert und lernen im optimalen Fall, wie sie sich motivieren können. Außerdem sollen anhand solcher Texte Zusammenfassungen, Nacherzählungen und Kurzvorträge eingeübt werden. Im zweiten Halbjahr orientieren wir uns dann mehr am Unterrichtsstoff der Mädchen, um sie so bei ihren Prüfungen zu unterstützen. Im Vordergrund stehen dann die Fragen: „Wie bewahre ich einen kühlen Kopf?“, „Wie bereite ich mich auf eine Präsentation vor?“, etc. Ausserschulische und berufsorientierte Jugendbildung an Freizeitorten - Modellprojekt EDU-NET

Seite 8


Mädchentreff Kirchdorf Süd

Curriculum: Sicherer Realschulabschluss für Mädchen

3.2 Lernkurs Mathematik 3.2.1 Materialien

Mathematik-Buch aus der GSK, eigene Materialien, Lernhilfen in Form von CD-ROMs und Büchern, Materialien der Kursteilnehmerinnen aus ihrem Unterricht.

3.2.2 Inhalte

Mathematisches Grundwissen zu schaffen ist ein Hauptziel dieses Kurses. Die Abneigung bzw. „Angst” vor Zahlen und dem Rechnen zu mindern ist das zweite. Vor allem müssen die Mädchen die Grundrechenarten (Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren, Dividieren), die Bruchrechnung und die Prozentrechnung beherrschen. Außerdem sollen sie lernen Textaufgaben zu verstehen, zu bearbeiten und zu lösen sowie mathematische Begriffe richtig anzuwenden. Auch im Mathematikunterricht muß auf das freie und richtige Sprechen in vollständigen Sätzen geachtet werden. Unverständlich gebliebene Hausaufgaben werden erläutert. Weitere Inhalte: - Geometrie (alle Arten von Körpern) - lineare und quadratische Gleichungen. - Potenzrechnen - Mathematik im Alltag (Zinsrechnungen, rechnerische Beurteilung von Anbietern einer Leistung, wie z.B. verschiedenen Telefonanschlussanbietern ).

3.2.3 Methoden

Bei den Mädchen ist meist schon ein gewisses Grundwissen vorhanden. Dennoch tauchen schon gleich bei den Grundrechenarten Probleme auf. Hierauf wird eingegangen durch Erklären, Kopfrechentests, Austausch von Informationen untereinander und das Vorrechnen von Aufgaben für die anderen Kursteilnehmerinnen. Außerdem möchten wir gerne das im Rahmen des EQUAL 1 Projekts „Entwicklungspartnerschaft Elbinsel“ erstellte Material „Durchblick - Fit fürs Rechnen am Arbeitsplatz“ einsetzen.

Ausserschulische und berufsorientierte Jugendbildung an Freizeitorten - Modellprojekt EDU-NET

Seite 9


Mädchentreff Kirchdorf Süd

Curriculum: Sicherer Realschulabschluss für Mädchen

Im Bereich Geometrie werden Formeln gelernt, Körper gezeichnet und gebastelt, um Lösungswege besser veranschaulichen zu können. Exaktes Zeichnen in Koordinatensystemen und das Ablesen von Werten schulen die Fähigkeit Diagramme zu nutzen. Im Bereich Mathematik im Alltag ist es den Mädchen freigestellt, eigene Materialien, wie z.B. Rechnungen mitzubringen, um sie im Kurs zu bearbeiten. Durch eigenständiges Suchen von Lösungen mit Hilfe von Taschenrechnern und Computern lernen die Mädchen das Umgehen mit diesen Hilfsmitteln. Am wichtigsten ist es für die Mädchen, eigenständig zu erkennen, was sie nicht verstanden haben und dann zu wissen, wo und wie sie suchen müssen, um zu ihrer Antwort zu kommen. Die Auswahl des Kursstoffes orientiert sich am SchulUnterricht, damit intensiver auf spezielle Fragen und Defizite der Mädchen eingegangen werden kann. Auch im Mathematikunterricht lernen sie durch die Zusammenstellung von Merkzetteln, zum Teil von der Kursleiterin und zum Teil von den Mädchen selbst, das Setzen von Schwerpunkten und die Trennung von wichtigen und unwichtigen Details. Durch die ständige Wiederholung des bereits Gelerntem wird auch hier das Gedächtnis trainiert. Kurzreferate und das gegenseitige Erklären von Aufgaben fördern das freie Sprechen. Da auch im Mathematikunterricht die Erarbeitung von Lösungen in Kleingruppen und deren präsentation gefragt ist, wird die Teamfähigkeit auch hier gefördert.

Ausserschulische und berufsorientierte Jugendbildung an Freizeitorten - Modellprojekt EDU-NET

Seite 10


Mädchentreff Kirchdorf Süd

3.3 Lernkurs Biologie, Chemie, Physik

Curriculum: Sicherer Realschulabschluss für Mädchen

Gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern sind Mädchen sehr oft benachteiligt und werden nicht explizit angesprochen. Die Fächer werden häufig von männlichen Lehrkräften unterrichtet und im Unterricht sind die Jungen mit ihrem eher technischen Verstand sehr dominant. Mädchen trauen sich meistens nicht etwas zu sagen, sind unsicher und fürchten ausgelacht zu werden. Der Mädchentreff bietet einen geschützten Lernraum, der diese Negativbeeinflussung und Beeinträchtigung des Lernens und Lernprozesses ausschließt. Hier können sie Versuch und Irrtum „leben“ ohne Angst haben zu müssen, daß sie ausgelacht werden. Sie bekommen Anerkennung für ihre Lösungsversuche und können sich durch gegenseitiges Helfen und Loben stützen und stärken.

3.3.1 Materialien

Materialien der Einrichtung, Lehrbücher und Lexika, Materialien der Kursteilnehmerinnen aus ihrem Unterricht.

3.3.2 Inhalte

In BioIogie werden allgemein die Themen behandelt, die in den 10. Jahrgängen Unterrichtsstoff sind. Den größten Themenabschnitt bildet dabei die Cytologie. Dazu gehören: Aufbau und Funktion der menschlichen (tierischen) und pflanzlichen Zellen, Zellatmung, Photosyntese, Zellteilung, Struktur der DNA und die dazugehörigen Begrifflichkeiten. Hinzu kommen die Themenbereiche Bakteriologie und Krankheitsbilder. In Chemie werden genauso wie in Biologie zum größten Teil die Unterrichtsthemen des Jahrgangs 10 behandelt. Diese sind u.a. Indikatoren, pH-Werte, Säuren, Laugen, Salze und Neutralisation. Da wir kaum Versuche machen können, werden diese Themen theoretisch behandelt. Dennoch werden die Aufgaben, die bei Versuchen erledigt werden müssen, behandelt und eingeübt, wie z.B. Protokolle führen. Die Themenschwerpunkte des Physik - Lernkurses sind: Atom- und Kernphysik, Aufbau der Atome, Radioaktivität und die Strahlungsarten. Neben dem da-

Ausserschulische und berufsorientierte Jugendbildung an Freizeitorten - Modellprojekt EDU-NET

Seite 11


Mädchentreff Kirchdorf Süd

Curriculum: Sicherer Realschulabschluss für Mädchen

mit verbundenen Aufbau der chemischen Elemente (z.B. Bezug zum Periodensystem) werden auch der Nutzen und die Gefahren der Kernspaltung (Energiegewinnung contra Bombe) und die Gefahren von radioaktiven Strahlungen behandelt: z.B. Auswirkungen auf lebende Organismen, Belastung der Umwelt durch sehr lange Halbwertszeiten von Spaltungsprodukten, Akkumulation strahlender Materie im Körper etc.

3.3.3 Methoden

In allen drei Fächern wird überaus viel Wert darauf gelegt, daß das Interesse der Mädchen in diesen Bereichen geweckt wird. Durch Leitfragen wie „Welche Nährstoffe muss ich in meinen Körper aufnehmen und wie werden diese von meinem Körper bearbeitet?“, „Was hat es mit dem weiblichen Zyklus auf sich?” etc. wird versucht, den Mädchen zu vermitteln, daß die chemischen, biologischen und physikalischen Vorgänge auch etwas mit ihnen selbst, ihrem eigenen Körper und ihrem Leben zu tun haben. Durch graphische Darstellungen können sich die Mädchen einige Vorgänge leichter aneignen und diese besser behalten. Auch im naturwissenschaftlichen Bereich sollen die Mädchen soweit kommen, besser einschätzen zu können, was sie gut und nicht so gut wissen, was sie verstanden und nicht verstanden haben, wie sie dazu die richtigen Fragestellungen konstruieren und wie sie sich selbst helfen können. Durch kleine Zwischentests, die sie sich selbst in der Gruppe erstellen und durchführen, erhalten sie Rückmeldung darüber, ob ihre Selbsteinschätzung realistisch ist.

Ausserschulische und berufsorientierte Jugendbildung an Freizeitorten - Modellprojekt EDU-NET

Seite 12


Mädchentreff Kirchdorf Süd

Curriculum: Sicherer Realschulabschluss für Mädchen

3.4 Lernkurs Englisch 3.4.1 Materialien

Englische Jugendzeitschriften, verschiedene Spiele, bekannte Songs, Gedichte aus dem Internet, Internetbekanntschaften, verschiedene Bücher.

3.4.2 Inhalte

Lesen von Zeitungsartikeln, richtige Aussprache, Sätze bilden, freies Sprechen, Vokabeln wiederholen, sich gegenseitig abfragen, Grammatik üben, kleine Geschichten schreiben, verschiedene Spiele ausprobieren, Diskussionen anregen über mädchenspezifische Themen wie z.B. Liebe, Schule, Eltern etc.

3.4.3 Methoden

Es wird sehr darauf geachtet, daß die Inhalte sich an Mädchenbedürfnissen orientieren. Es werden z.B. kleine Zeitungsartikel gelesen (englische Bravo) und übersetzt. Außerdem entwickeln wir mit ihnen Fotostories - natürlich auf Englisch. Die Songs, die sie auch sonst immer singen aber nicht verstehen, lernen sie richtig auszusprechen und zu übersetzen. Da der Mädchentreff einen Internetanschluss hat, bietet es sich an, diesen für anwendungsbezogene Realsituationen wie z.B. den Aufbau und die Pflege von Internetbekanntschaften durch in englischer Sprache verfasste E-Mails zu nutzen. Außerdem schreiben die Mädchen Briefe auf Englisch und führen Interviews in englischer Sprache durch. Auch diese Aktivitäten orientieren sich stark am Lehrplan der Schule. Da für viele Mädchen Englisch ein Horrorfach ist, wird versucht herauszufinden, woran das liegt und wie man dies mit ihnen gemeinsam abbauen kann. Der Unterricht wird so aufgebaut, daß die Mädchen immer mit kleinen Erfolgserlebnissen nach Hause gehen. Die Tests werden individuell gestaltet.

Ausserschulische und berufsorientierte Jugendbildung an Freizeitorten - Modellprojekt EDU-NET

Seite 13


Dolle Deerns Curriculum