Page 1

h

03 / 2013

Kolumne / Seite 9

Der Spuk des Klassengeistes Maturitätsarbeit / Seite 12–13

info

Wie viel Vitamin C steckt im Brokkoli? Projekte / Seite 14–15

Urban Farming an der KSH

hottingen w i rt s c h a f t s g y m n a s i u m handels– und informatikmittelschule

Projekte / Seite 16

Ein Werbefilm für die KSH Kurzgeschichte / Seite 17

Eisweiher öko-logisch! / Seite 20

Aktion «Saubere Schule»

termine

14 / 11 / 2013

Forum KSH «Mobilität»: Verkehr

19 / 12 / 2013

Weihnachtskonzert R

L

21 / 01 / 2014

Forum KSH «Mobilität»: Migration

Diese Jugend! «Ach» und «Wow» editorial interview freifächer vorbereitungskurs

seite seite seite seite

2 4–5 6–7 8

Hottingen ist die Wirtschaftsschule mit innovativem und praxisbezogenem Bildungsangebot im Raum Zürich.


h info 03 / 2013 editorial

Ach, die heutige Jugend... Liebe Leserin, lieber Leser

von sandra nussbaumer «Elias! Nehmen Sie diese elenden Stöpsel aus Ihren Ohren!» – «Aber Siiiiie, das isch Pink Floyd. Das fühled Sie sicher au.» Ich muss lächeln, denn ich bin im ersten Moment geschmeichelt. Offensichtlich geht der junge Mann davon aus, dass ich seinen eigenartigen Soziolekt verstehe. Im nächsten Augenblick schon weicht dieses Hochgefühl der Empörung; nämlich darüber, dass er – ebenso offensichtlich – glaubt, ich würde die Musik von Pink Floyd kennen, sie stamme vielleicht sogar aus meiner Generation. Ich möchte hier anmerken: Dem ist nicht so! Und dennoch komme ich nicht umhin, mir einzugestehen: Ich bin alt. Noch älter allerdings fühle ich mich, als ich mich dabei ertappe, wie ich denke: «Ach, die heutige Jugend...» und dabei innerlich tief seufze. Ich muss gestehen, dass ich das nicht zum ersten Mal dachte. Nein, ich denke das eigentlich immer mal wieder. Das umgangssprachliche «Hallo», mit dem mich ein Schüler in der E-Mail anredet, das lässige, aber keinesfalls entschuldigende Schulterzucken bei der Kontrolle der Hausaufgaben, die ratlos fragenden Augen des Zu-spät-Kommenden. All dies lässt mich innerlich tief seufzen: «Ach, die heutige Jugend...». Der Blick auf die eigene Vergangenheit wird dann stets bis zur Unkenntlichkeit

verklärt, Tatsachen – «Another brick in the wall» gehörte auch zu den Hymnen meiner Jugend – werden ausgeblendet. In solchen Momenten steht für mich jeweils fest: They DO need education! Bevor meine Irritation allerdings einem allgemeinen Lamento über den Untergang der Kultur weichen kann, holt mich stets ein erfreuliches Erlebnis in die Realität zurück. In diesem Fall war es derselbe Schüler, der schon Minuten später in einer Diskussion ein so klares Bild unserer individualistischen Gesellschaft und der Probleme und Chancen derselben zeichnet, dass meine Lippen statt des resignierenden «Ach» ein bewunderndes «Wow» formen. Vielleicht ergeht es Ihnen bei der Lektüre dieser Ausgabe der h info ebenso: Die beiden Schülerinnen Luisa Lichtenberger und Gisèle Truong erklären, warum sie sich nicht nur in der Schülerorganisation der Kantonsschule Hottingen, sondern auch im nationalen Dachverband USO engagieren. Die Umfrage zu den Freifächern zeigt Jugendliche, die sich von zusätzlichem Aufwand nicht abschrecken lassen, sondern mit der Wahl der Freifächer ihre eigene Zukunfts- und Karriereplanung verfolgen. Das gilt auch für die angehenden Wirtschaftsstudenten, die den Vorbereitungskurs für die Assessmentstufe der Wirtschaftswissenschaften besuchen, den unsere Schule dieses Jahr zum ersten Mal anbietet. Sie wollen ihr Studium bestmöglich vorbereitet in Angriff nehmen und drücken deshalb am Samstagmorgen wieder die Schulbank. Um die heutige Jugend ist es also doch nicht so schlecht bestellt. Die Jugendlichen haben sogar einiges auf dem Kasten – But they still need a little education.

2

Redaktion Bild oben: Barbara Ingold Bild unten: Sandra Nussbaumer

David Helm G3e, Schuljahr 12/13 Trompe-l̕oeil Schablonendruck


h info 03 / 2013 interview

Wenn Arbeit Spass macht

Präsidentin und Vizepräsidentin der Schülerorganisation KSH im Interview

von sandra nussbaumer Luisa Lichtenberger und Gisèle Truong, Präsidentin und Vizepräsidentin der Schülerorganisation der Kantonsschule Hottingen, sprechen im Interview darüber, was sie antreibt und warum sich ein ehrenamtliches Engagement lohnt. h info: Luisa, Sie scheinen eine unerschöpfliche Quelle an Energie zu haben. Sie sind Präsidentin der Schülerorganisation der Kantonsschule Hottingen (SO) und Vizepräsidentin der Union der Schülerorganisationen (USO), des nationalen Dachverbandes. Mit der SO haben Sie gerade das traditionelle Gartenfest unserer Schule mitorganisiert, die nächsten Events stehen bereits an – und nebenbei sind Sie auch noch Schülerin. Luisa Lichtenberger (lacht): Ja, ich tanze auf (fast) allen Hochzeiten. h info: Was treibt Sie an? Luisa Lichtenberger: In erster Linie möchte ich anderen etwas weitergeben und ihnen etwas ermöglichen, das mir selbst einmal weitergegeben beziehungsweise ermöglicht wurde. Ein anderer Faktor, der mein Engagement beeinflusst, ist, dass die SO der Schule, an der ich vorher war, nicht gut funktionierte und bei der Schulleitung und der Lehrerschaft nicht akzeptiert war. Das fand ich schwierig. Zu guter Letzt bereitet mir das, was ich tue, Freude, und ich lerne unheimlich viel dabei – mehr als in der Schule. Ich lerne für das Leben. h info: Gisèle, auch Sie engagieren sich in der SO der Kantonsschule Hottingen. Warum? Gisèle Truong: Aus demselben Grund wie Luisa: Ich lerne sehr viel dabei. Es ist schon Arbeit, klar, aber das, was man bekommt, ist mehr, als man investiert. h info: Und was ist das beispielsweise? Luisa Lichtenberger: Das Wichtigste ist für mich das Gefühl, gemeinsam etwas bewegen zu können. Daneben sind es verschie-

4

Die Schülerorganisation der Kantonsschule Hottingen Hintere Reihe von links nach rechts: Xenia Donadel (H2a), Anabel Wörner (G3a), Jelena Sierotzki (G3a), Yann Wirz (G2a) Vordere Reihe von links nach rechts: Patrizia Fierz (G4a), Luisa Lichtenberger (Präsidentin, G3a), Gisèle Truong (Vizepräsidentin, G3f) Fehlt auf dem Bild: Sebastian Suter (G4a)

«Das, was ich tue,

bereitet mir Freude, und ich lerne unheimlich viel dabei, mehr als in der Schule.» dene Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ich mir aneigne: Ich lerne, mich zu organisieren und mir meine Zeit einzuteilen, Sitzungen zu leiten, vor Leuten aufzutreten und zu sprechen, mit den unterschiedlichsten Leuten zusammenzuarbeiten oder Erwachsenen auf Augenhöhe zu begegnen, so dass sie einen ernst nehmen. Ausserdem schliesse ich viele Kontakte, die mir vielleicht später einmal hilfreich sein werden. Gisèle Truong: Zu dem, was Luisa gesagt hat, kommt für mich noch mehr hinzu: Das Organisieren von Events, beispielsweise. Man lernt auch, Sitzungen zu leiten, Entscheidungen zu treffen, sich an gewisse Regeln und Abläufe zu halten,

sich auch einmal unterzuordnen. Ich finde, die Erfahrungen, die man sammelt, und das Wissen, das man gewinnt, das ist viel mehr wert als Geld. h info: Wer ist denn die Schülerorganisation der Kanti Hottingen? Luisa Lichtenberger: Unsere SO zählt derzeit sieben Mitglieder. Das sind Xenia Donadel aus der Klasse H2a, Yann Wirz aus der G2a, Gisèle Truong aus der G3f, Patrizia Fierz und Sebastian Suter aus der G4a sowie Jelena Sierotzki, Anabel Wörner und ich aus der G3a. Wie man sieht, sind momentan die Frauen, aber auch Schülerinnen und Schüler aus der Akzentklasse Ethik/Ökologie etwas übervertreten. h info: Die Akzentklasse Ethik/Ökologie spricht mit ihrem Akzent und dem Sozialeinsatz junge Menschen an, die sich gerne engagieren. Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen dieser Profilwahl und der Mitarbeit in der SO? Luisa Lichtenberger: Nein, nicht direkt. Vielmehr scheinen mir persönliche Kontakte ausschlaggebend zu sein. Es ist allerdings so, dass man in der Akzentklasse Ethik/Ökologie früher und öfter als in anderen Klassen Kontakt zu Schülerinnen

und Schülern der oberen Klassen hat. Das ist systembedingt. Und wahrscheinlich spielt auch Kathrin Trüb, die die SO betreut, eine entscheidende Rolle, da sie häufig Akzentklassen unterrichtet. Bei mir war das jedenfalls so, dass sie mich angesprochen und gefragt hat, ob ich nicht in der SO mitarbeiten wolle. Ich möchte hier jedoch betonen, dass man nicht auserwählt werden muss, um bei uns mitzumachen. Wenn es jemanden gibt, der dieses Interview liest und Interesse hat, sich bei uns zu engagieren, soll er/sie sich ungeniert melden. h info: Und wie erklären Sie sich den hohen Frauenanteil? Luisa Lichtenberger: Wir haben festgestellt, dass die Männer an unserer Schule recht ökonomisch denken und eher auf einen kurzfristigen Nutzen aus sind, denn schon oft habe ich den Kommentar gehört: «Ich bekomme ja nichts dafür.» Sie wollen ihre Zeit lieber anders nutzen als für eine ehrenamtliche Tätigkeit. Es ist richtig, es gibt keine finanzielle Entschädigung für das, was wir tun, dafür aber eine in Form von Anerkennung, Erfahrung, Wissen und Kompetenzen. Vielleicht sind Frauen diese Aspekte einfach wichtiger als Männern.


h info 03 / 2013 interview

infobox

Kathrin Trüb Gisèle Truong: Man muss schon sehen, dass ein Engagement in der SO nicht nur Spass bedeutet, sondern wirklich Arbeit ist. Das schreckt viele ab. h info: Wie viel Zeit investieren Sie in die Arbeit für die SO? Gisèle Truong: Das variiert sehr stark. Wenn ein Event bevorsteht, ist es wesentlich mehr als im normalen Alltag, wo es nur die wöchentliche Sitzung gibt. Luisa Lichtenberger: Für das Gartenfest beispielsweise haben wir sehr viel Zeit investiert: Ein zweitägiges Planungswochenende bei Frau Trüb, verschiedene Koordinationssitzungen, zwei Tage Aufbau, ein Tag Abbau. h info: Würden Sie die Arbeiten rund um das Gartenfest noch etwas ausführen? Luisa Lichtenberger: Also, für das Gartenfest mussten wir wegen des Zelts anfragen, das Essen, die Getränke und das Eis für die Getränke organisieren beziehungsweise bestellen, dann bei Securitas anfragen und diese Leute buchen, für den Alkoholausschank verschiedenfarbige Bändeli besorgen, die Dekoration organisieren, das musikalische Rahmenprogramm koordinieren, den Einsatzplan für die freiwilligen Helfer erstellen... Die Liste ginge noch endlos weiter. Auch arbeiten wir eng mit dem Hausdienst zusammen, für den Auf- und Abbau, die Stromversorgung, aber auch für die Platzierung der Werbung im Schulhaus. Sie sehen, es ist ein riesiger organisatorischer Aufwand... h info: ... der sich lohnt? Luisa Lichtenberger: Ja, wenn am Fest selber alles rund läuft, wir die zufriedenen Gesichter sehen und positives Feedback bekommen, dann lohnt sich das allemal! h info: Sie haben das zwar schon angedeutet, ich frage trotzdem noch einmal: Wofür steht die SO der Kantonsschule Hottingen? Luisa Lichtenberger: Wir sorgen dafür, dass die Schülerinnen und Schüler sich an der Schule wohlfühlen. In erster Linie bedeutet das, dass wir die Schülerschaft in ihren Anliegen vor der Schulleitung und der Lehrerschaft vertreten. Die Stimme der SO hat mehr Gewicht als die eines einzelnen Schülers. An der Delegiertenversammlung der SO, an der jede Klasse mit ein bis zwei Vertretern teilnimmt, aber auch immer wieder in persönlichen Gesprächen können wir den Puls fühlen und herausfinden, was die Schülerinnen und Schüler beschäftigt. Gisèle Truong: Daneben organisieren wir verschiedene Events, vom Röslitag über die Ostereiersuche oder den Samichlaus-Tag bis hin zu grösseren Festen, wie dem Gartenfest oder der Semesterparty, manchmal auch zusammen mit anderen Schulen.

h info: Welche Erfolge konnten Sie bereits verbuchen? Luisa Lichtenberger: Da gibt es verschiedene Dinge zu nennen, beispielsweise die Diskussion um die Abschaffung der Studien- beziehungsweise Matur-/Diplomreisen, wo wir uns im Lehrerkonvent dafür starkgemacht haben, dass diese Reise nicht abgeschafft wird. Ich denke schon, dass unsere Stimme in dieser Diskussion wichtig war. Jedenfalls sind im Anschluss an den Konvent verschiedene Lehrpersonen auf uns zugekommen und haben sich für unseren Einsatz bedankt. Ein anderes Beispiel ist das Liegestuhlprojekt. Aus der Schülerschaft kam die Idee, Liegestühle anzuschaffen, um in den wärmeren Jahreszeiten die schöne Parkanlage der Schule bequem nutzen zu können. Nach einer Probephase wird jetzt überlegt, Liegestühle fest anzuschaffen. Gisèle Truong: Eine solche Idee sollte allerdings auch von einem grossen Teil der Schülerschaft aktiv mitgetragen werden, damit sie umgesetzt werden kann. Das bedeutet in diesem Fall zum Beispiel, dass die Liegestühle nach Gebrauch wieder verräumt werden, nicht dass der Hausdienst dies auch noch tun muss. h info: Fühlen Sie sich von der Schulleitung und der Lehrerschaft gehört? Gisèle Truong: Von der Schulleitung sehr, ja. Herr Suter steht voll hinter uns und unterstützt uns in allem, was wir tun. Dafür sind wir extrem dankbar. Auch ist er sehr kulant, was Absenzen anbelangt. (schmunzelt) Da fallen bei uns SO-Mitgliedern ja einige an. Luisa Lichtenberger: Aber auch im Lehrerkonvent werden wir gehört. Es ist nicht so, als wären wir einfach auch noch da. Ich denke, wir werden respektiert und man fragt uns nach unserer Meinung, wie beispielsweise als kürzlich über den Maturstreich diskutiert wurde. h info: Wie stark engagiert sich die SO in schulpolitischen Belangen? Gisèle Truong: Was Schulinterna anbelangt, werden diese selbstverständlich in der SO diskutiert. Ein paar Beispiele haben wir ja gerade genannt. Bildungspolitische Inhalte allerdings werden vor allem im nationalen Dachverband, der USO, behandelt. Luisa Lichtenberger: Die USO ist ja schliesslich die Stimme der Schülerinnen und Schüler in der Politik. Momentan sind Schülerrechte ein Thema, und der Lehrplan 21. Ein Thema, das mir da persönlich am Herzen liegt, ist das der Nachhaltigkeit. Ich finde es wichtig, dass das Thema Nachhaltigkeit schon früh im Unterricht behandelt wird, so dass nachhaltiges Denken selbstverständlich und nichts Aussergewöhnliches mehr ist. In der Arbeitsgruppe «Schul- und Bildungspolitik», die ich in der USO leite, kann ich mich da gut einbringen.

h info: Sie sind jetzt beide noch eineinhalb Jahre an dieser Schule. Was sind Ihre Ziele für die SO? Luisa Lichtenberger: Mein Ziel ist vor allem, dass ich eine gut funktionierende SO übergebe, wenn ich zurücktrete, dass die Finanzen klar ersichtlich sind und ein guter Teamgeist herrscht. Darüber hinaus wäre es natürlich schön, wenn wir mehr Gewinn machen würden bei den Events, aber das können wir sowieso nicht alleine beeinflussen. Wir können einfach unsere Arbeit gut machen, unser Bestes geben – und das tun wir. h info: Also, nicht viel Neues ins Leben rufen, sondern das, was ist, stärken. Luisa Lichtenberger: Genau. Gisèle Truong: Wir versuchen beispielsweise die Semesterparty auszubauen. Dies war ja früher die Probezeitparty. Die einsemestrige Probezeit bietet für uns nun die Chance, diesen Event zu erweitern, eine grössere Party zu organisieren. Wir erhoffen uns, dass sich dadurch mehr Leute angesprochen fühlen. h info: Was sind Ihre Ziele, Gisèle? Gisèle Truong: Mein primäres Ziel ist ebenfalls, den Zusammenhalt der SO zu stärken, dieses Auf und Ab, das den SOs eigen zu sein scheint, etwas auszubalancieren, das wäre toll. Wir achten darauf, dass immer alle informiert sind, dabei sind und mitarbeiten. Gute Kommunikation ist das A und O. Ich denke, wenn das gegeben ist, dann steht einem Gelingen nichts mehr im Wege. Die SO ist eine gute Sache, und es ist mein Wunsch, dass andere das auch erleben können. h info: Wo werden Sie sich nach der SO engagieren? Gisèle Truong: USO! Luisa Lichtenberger: USO! In der USO kann man noch bis drei Jahre nach der Matura mitarbeiten. h info: Und Sie sind überzeugt, dass Sie das dann noch interessieren wird? Stehen Sie dann nicht vielleicht an einem anderen Punkt in Ihrem Leben oder gibt es nicht andere Organisationen, in denen sich ein Engagement lohnen würde? Luisa Lichtenberger: Es ist ja so, dass wir in der USO mit anderen Organisationen zusammenarbeiten, insofern glaube ich, wird diese Arbeit für mich schon interessant bleiben. Ausserdem kann ich bei der USO Wissen weitergeben, in Kursen oder Workshop anderen etwas beibringen, das ich selber einmal bekommen habe. Das finde ich etwas sehr Schönes. Gisèle Truong: Man kann ja trotzdem in einer anderen Organisation einsteigen, sich an der Uni engagieren. Vielleicht gibt es einen fliessenden Übergang, das wäre gut.»

Die Schülerorganisation aus der Sicht ihrer Beraterin Als Beraterin unterstütze ich den SOVorstand bei der Umsetzung von Ideen und Aufgaben. Darum nehme ich an den wöchentlichen Sitzungen des SO-Vorstandes teil. Ausserdem verwalte ich die SO-Kasse, welche jährlich von zwei Revisoren aus der Schülerschaft geprüft wird. Diese Aufgabe gefällt mir sehr, ermöglicht sie doch eine optimale Vernetzung zwischen Schülerschaft, Lehrpersonen und Schulleitung einerseits und zwischen Unterricht und Schüleranliegen andererseits. Der Schülerorganisation (SO) der Kanti Hottingen gehören alle Schülerinnen und Schüler an, und nicht nur die von der Delegiertenversammlung gewählten Vorstandsmitglieder. Zwar ist in erster Linie der SO-Vorstand für das Wohl der Schüler zuständig, ist das Sammelbecken für Anregungen aus der Schülerschaft, kanalisiert auf sachliche Art Anregungen und Wünsche zuhanden der Schulleitung, organisiert Anlässe und vertritt die Schülerschaft im Lehrerkonvent, aber sich aktiv einbringen, das dürfen und sollen alle. Gelegenheit dazu bietet etwa die Delegiertenversammlung. Deshalb, liebe Schülerinnen und Schüler, werden Sie aktiv, teilen Sie dem SO-Vorstand Ihre Wünsche mit, geben Sie Anstösse und Rückmeldungen. Nur so kann der SO-Vorstand auch im Sinne der Schülerschaft handeln. Kontaktieren Sie den SO-Vorstand persönlich oder über Ihre Klassendelegierten, bringen Sie Ihre Anliegen vor die DV oder schreiben Sie eine Mail (so@ksh.ch). Dem SO-Vorstand danke ich für die gut funktionierende Zusammenarbeit.

5


h info 03 / 2013 freifächer

Maschinenschreiben und Stenografie war gestern.

Kantonsschülern von heute steht eine breite Palette von Freifächern offen, um ihr fachspezifisches, künstlerisches und soziales Kompetenzspektrum zu erweitern.

Chor

von barbara ingold «Sing dich frei!» könnte der Werbeslogan für unseren Hottingen-Chor lauten. Doch Chorleiterin Brigitte Wothke braucht keine Werbung zu machen für ihren Freiwilligenchor – sie ist die Werbung, und so kann unsere Kanti Jahr für Jahr mit einem stattlichen Gesangstrupp aufwarten, dem nebst Schülerinnen und Schülern immer auch Lehrpersonen angehören. Desgleichen gilt für das Orchester, wobei dort der Freiwilligkeit Gerüchten zufolge manchmal auch mit Zwangsrekrutierungen etwas nachgeholfen wird, verständlicherweise, sind zum Beispiel Trompeter doch eher dünn gesät. Während ein Chor sofort fast jedes Lied einstudieren kann, müssen für ein niveaumässig heterogenes Orchester mit Zufallsinstrumentalisierung die Stücke erst speziell arrangiert werden – eine Herausforderung, die Orchesterleiter Angelo d’Amelio souverän meistert. Der Besuch von Freifächern ist für SuS gratis. Wenn man bedenkt, was Theaterunterricht, Lateinstunden, ein SIZ- oder Cambridge-Zertifikatskurs im wirklichen, also postgymnasialen Leben kosten, eigentlich eine einmalige Chance! Da unsere SuS ihre Hobbys aber selten aus eigener Tasche bestreiten, sind monetäre Erwägungen wohl nicht ausschlaggebend für die Entscheidung, das Unterrichtspensum freiwillig um einige Stunden zu erhöhen. Es gibt sogar Schülerinnen, seltener Jungs, die über Jahre hinweg gleich mehrere Freifächer parallel besuchen und so gut und gerne auf acht zusätzliche Stunden kommen. (Wer jetzt denkt, das seien die hobbylosen Mauerblümchen, irrt gewaltig. Im Gegenteil treiben die oft noch Sport, spielen ein Instrument, sind in der Pfadi und haben Freunde...)

6

Die Beweggründe für die Freifachwahl sind unterschiedlich. Zum einen gibt es Freifächer, deren Belegung erwartet wird; so gehört Wirtschaftsenglisch für die SuS der HMS und IMS (im Gegensatz zu den Cambridge-Diplomkursen) quasi zum Pflichtprogramm. Kurse wie Personalwirtschaft wiederum sind eigentliche Klassenrenner und sind fast ausschliesslich von SuS derselben Klasse belegt. Da scheint also das Charisma des jeweiligen Anbieters ausschlaggebend zu sein, der die Klasse auch regulär unterrichtet. Seit meiner Schulzeit hat sich die Freifachpalette gewaltig erweitert. Wir konnten gerade mal zwischen Chor, Orchester und Maschinenschreiben wählen. Das heutige Angebot ist da ungemein vielfältiger. Meist werden zusätzliche Fremdsprachen wie Spanisch, Italienisch oder auch Russisch angeboten, Diplomkurse in obligatorischen Sprachfächern (DELF für Französisch, BEC, FCE und CAE im Englisch) oder Latein inklusive universitär anerkanntem Abschluss. Daneben figurieren aber auch Kurse, die man vielleicht weniger erwarten würde: Abacus klingt nach Zauberei, ist aber ein Buchhaltungsprogramm, fit für die Stellensuche macht das Fach Personalwirtschaft, den bühnenreifen Auftritt übt man im Freifach Theater. In diesem Herbstsemester war neben erwähnten Freifächern erstmals auch das Freifach Salsatanz mit Diana Wyder geplant. Leider konnte es trotz grossem Interesse aus Platzmangel nicht durchgeführt werden. Wir hoffen jedoch, dass es im Frühlingssemester klappen wird: «Tanz dich frei!» an der KSH – ganz ohne Krawall.

franca keller-hoehl, g3a «Ich habe das Freifach Chor gewählt, weil mir Musik Spass macht. Ausserdem hat mich Frau Wothke dazu motiviert. Der Unterricht ist locker, gemeinsames Einwärmen, dann alle Lieder durchsingen. Es macht Spass, dass immer so viele motivierte Leute kommen und wir gemeinsam etwas aufbauen. Frau Wothke unterrichtet das Fach mit grosser Leidenschaft, was sich auf uns alle überträgt, und so machen wir grosse Fortschritte.»

Excel ramon hasenböhler, g3f «Ich habe das Freifach Excel besucht, da ich den Umgang mit Excel erlernen wollte und in vielen Berufen Kenntnisse von Excel erwartet werden. Ein zusätzlicher Ansporn war auch, dass ich das Informatik-Anwender-Diplom II erwerben konnte. Das erste Diplom hatte ich ja bereits aus dem obligatorischen Informatikunterricht. Der Kurs erfüllte meine Erwartungen vollumfänglich: Ich verstehe Excel, kann es anwenden und habe das zweite Diplom bestanden!»


h info 03 / 2013 freifächer

Theater florian huber, 3a

Latein joyce otazo, g3a

Theater maxim wyrsch, g2d «Ich habe mich fürs Theater angemeldet, weil ich mich für Film interessiere und gerne eines Tages beruflich etwas in diese Richtung machen möchte. Es ist jedoch schwer, Möglichkeiten zu finden, ein wenig praktische Erfahrung zu sammeln, ganz zu schweigen von Arbeitsstellen... Um meinem Berufswunsch dennoch einige Schritte näher zu kommen, habe ich mich also für das Freifach Theater angemeldet. Ich hatte schon in der Hohen Promenade das Freifach Theater besucht, doch gefiel es mir dort nicht sehr. Der Kurs an dieser Schule dagegen übertraf meine Erwartungen bei weitem! Positiv überrascht hat mich zum Beispiel, dass uns nicht ein fertiges Stück vorgelegt wurde, sondern man uns fragte, was wir spielen wollen und in welche Richtung das Stück denn gehen soll – das war ein gemeinsamer Prozess. Oder die Lockerheit im Umgang untereinander und mit der Theaterpädagogin – in der Hopro wäre das so nicht möglich gewesen. Bis jetzt bin ich rundum zufrieden, jedoch steht uns eine stressige – aber auch interessante – Phase noch bevor, nämlich die Proben fürs Stück, das wir einstudiert haben.»

«Ich besuche das Freifach Latein, um später an der Uni eventuell eine Sprache studieren zu können. Viele sagen, das Latinum an der Uni zu absolvieren sei mit enormem Zeitaufwand und sehr viel Stress verbunden – diesen Stress will ich mir möglichst ersparen. Da ich bereits das Untergymnasium besucht habe, musste ich anfangs nur die Prüfungen ablegen, solange ich einen 5er-Schnitt halten konnte. Den Unterricht besuche ich erst seit einem Semester in reduziertem Umfang, denn ein Teil ist immer noch Wiederholung, was sehr angenehm ist. Das jährliche Highlight des Lateinjahres ist jeweils die Lateinexkursion. Diese interessante und lehrreiche Reise macht immer grossen Spass.»

«Ich hatte schon immer eine Vorliebe fürs «Theöterlä» und als mein älterer Bruder in seiner Schule ein tolles Theater aufgeführt hatte, da dachte ich mir: «Hey, das kann ich auch!» Meine Erwartungen gingen nicht über einen amüsanten, anstrengungsfreien Freitagnachmittag hinaus. Zudem hoffte ich, dass die anderen Freifachteilnehmer alle sehr extrovertierte Persönlichkeiten sein würden. Der Theaterkurs hat meine Erwartungen dann in allen Punkten übertroffen: Ich habe schnell gemerkt, Theater erfordert extreme Aufmerksamkeit und Kreativität, die spontan abgerufen werden muss, meist bei Improvisationsübungen. (Also nichts mit lockerem Freitagnachmittag!) Die anderen Freifachteilnehmer waren tatsächlich alle sehr offen – bis auf einige Ausnahmen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie so krass aus sich herausgehen können. Der Kurs hat mich auch überrascht, denn ich wusste auch von mir selber nicht, dass ich plötzlich nicht mehr ich sein, sondern in einem anderen Medium versinke würde. Nebst dem Theater besuche ich auch den Chor unter der Leitung von Brigitte Wothke. Auch eine sehr bereichernde Erfahrung.»

Personalwirtschaft marc fritschi, g4b «Ich besuchte dieses Freifach, um mehr über das noch relativ junge Fach HRM (Human Resource Management) zu erfahren. Dank der vielen Gastreferenten bot das Fach eine Chance, mehr über das reale Leben in der Schweizer Wirtschaft zu lernen. Auch hoffte ich, durch praktische Übungen ideal für die ersten Schritte auf dem Arbeitsmarkt vorbereitet zu werden. Der Kurs war auch tatsächlich spannend und es wurde ein guter Mix zwischen Theorie und Praxisbeispielen gefunden. Leider musste man wegen der vielen Ausfällen dieses Semester auch einige Abstriche hinnehmen.»

Orchester laura zehnder, g3c

Abacus kevin nije, g2d «Ich habe Abacus gewählt, da es gut zu meinem Akzent Entrepreneurship passt, der mit diesem wirtschaftlichen Freifach ergänzt wird, und ich ein weiteres Zertifikat erwerben möchte. Ich erwarte, dass es mir bei der Gründung der Mini-Unternehmung im 3. Jahr irgendwie helfen wird. Im nächsten Semester werde ich auch den Kurs Personalwirtschaft belegen, denn ich möchte das wirtschaftsorientierte Angebot dieser Schule möglichst ausschöpfen.»

Wirtschaftsenglisch andrin ruob, h3b «Ich habe das Freifach Wirtschaftsenglisch genommen, um das BEC zu erwerben, das einem bei der Praktikumssuche sicher weiterhilft. Ausserdem wollte ich auf diesem Weg mein Englisch verbessern. Ich hatte erwartet, dass wir wirtschaftsspezifisches Vokabular lernen und auf die Prüfung vorbereitet werden. Der Kurs erfüllte in dieser Hinsich meine Erwartungen.»

«Mir gefällt es sehr im Orchester; es ist einfach lässig, mit anderen zu musizieren, vor allem mit Leuten, die man kennt. Man kommt im Freifach Orchester mit verschiedensten Schülern in Kontakt, vor allem im Orchesterlager lernt man einander gut kennen. Ich finde es auch gut, dass jeder mitmachen darf, egal wie gut er spielt. Auch die Stücke sind vielfältig und gut dem Niveau der Schüler angepasst. Die Proben sind manchmal zwar recht chaotisch, aber bei Auftritten reissen sich immer alle zusammen. Für meine zwei Instrumentallehrer muss ich viel üben – im Orchester steht eher der Spass im Vordergrund, denn die Stücke sind (für mich wenigstens) ziemlich einfach.»

7


h info 03 / 2013 vorbereitungskurs

Bestmöglich vorbereitet

Gaius d’Uscio und Stephan Amstutz, Wirtschaftslehrer der Kantonsschule Hottingen, haben zusammen mit Studenten der Wirtschaftswissenschaften erstmals einen Vorbereitungskurs für die Assessmentstufe des Wirtschaftsstudiums angeboten.

von sandra nussbaumer Sechzehn Teilnehmer sitzen an diesem Samstagmorgen im Zimmer 309 der Kantonsschule Hottingen. Stephan Amstutz hat ein Dossier zum heutigen Thema Finanzbuchhaltung ausgehändigt und führt die Teilnehmer durch die Aufgaben. Die angehenden Studierenden hören aufmerksam zu und arbeiten konzentriert mit. Stephan Amstutz fragt nach einem Beispiel für ein langfristiges Fremdkapitalkonto. «Hypothek» gibt jemand zur Antwort. Dies ist der Vorbereitungskurs für die Assessmentstufe des Wirtschaftsstudiums, den die Kantonsschule Hottingen dieses Jahr zum ersten Mal anbietet. «Das Angebot ist einmalig in der Schweiz», erklärt Gaius d’Uscio, jedenfalls sei ihm kein vergleichbares Angebot bekannt. Der Vorbereitungskurs soll die angehenden Studierenden mittels Repetition der wichtigsten Themen – neben Finanzbuchhaltung werden noch Mikroökonomie, Finanzierung, Geldflussrechnung und Investitionsrechnung behandelt – optimal auf das Wirtschaftsstudium vorbereiten, denn die Durchfallquoten sind bekanntlich hoch. In gewissen Fächern liegen sie bei 40%, im Fach Finanzbuchhaltung ungefähr bei

8

30%. Stephan Amstutz betont: «Wir vermitteln keinen Unistoff, sondern machen lediglich ein Update auf Maturaniveau. Das Eintrittsticket an die Hochschule ist die Matur – und das soll so bleiben.» Amstutz sieht den Kurs auch als eine Antwort auf die Kritik der Universitäten, die Maturanden würden von den Mittelschulen nicht ausreichend auf ein Hochschulstudium vorbereitet. «Unser Angebot ist also ganz im Sinne des Projektes HSGYM, das die Schnittstelle zwischen Hochschulen und Gymnasien bearbeiten soll.» «Babystoff», flüstert Dina Taslimi. Es geht um Bilanzen. «Summe der Aktiven gleich Summe der Passiven», referiert Amstutz, und Dina erklärt mir, das hätten sie in der Probezeit gehabt. Dies tut der Aufmerksamkeit und Konzentration der Gruppe allerdings keinen Abbruch. Auch Dina arbeitet engagiert mit. Die junge Frau wird in ein paar Wochen in Lausanne ihr Wirtschaftsstudium beginnen. «Es kann nicht schaden, mit einer soliden Basis ins Studium zu starten. Es wird vieles neu sein und das Studium auf Französisch sicherlich eine Herausforderung, da ist es gut, wenn ich in den ersten Wochen zumindest inhaltlich sattelfest bin.» Einige der Teilnehmer haben im Sommer die Schule beendet und möchten hier unter fachkundiger Leitung noch einmal die wichtigsten Inhalte im Fach Wirtschaft repetieren, allenfalls sogar noch ein paar Lücken schliessen. Andere dagegen haben ein Zwischenjahr gemacht. «Ursprünglich haben wir den Kurs als Brückenangebot geplant, ausgerichtet auf diejenigen also, die nach der Matura ein bis zwei Jahre Pause gemacht haben», erklärt Amstutz

Caroline Haldimann beispielsweise hat nach der Matura ein Jahr in den USA verbracht und wird nun in Zürich studieren. Für sie erfüllt der Kurs die Erwartungen vollumfänglich. Schliesslich gibt es unter den Teilnehmern eine dritte Gruppe, nämlich diejenigen, die keine Wirtschaftsmatur gemacht haben. Michelle Mach etwa hat an der Kantonsschule Oerlikon (heute KZN) das Gymnasium mit altsprachlichem Profil besucht. Ein Semester lang hatte sie Wirtschaft, ein Semester lang Recht. Das meiste, was sie hier hört, ist ihr bekannt, allerdings eher als passives Wissen denn als aktives. Sie beteiligt sich deshalb auch nicht so rege am Kurs wie andere, hört stattdessen aufmerksam zu und schreibt mit. Sven Hottinger, Basil Leimbacher und Gianluca De Nard sind die drei Studenten, die diesen Vorbereitungskurs mitleiten. Alle drei haben im August 2010 die Matura an der Kanti Hottingen absolviert und studieren Wirtschaftswissenschaften in Zürich. Sie sind in diesem Kurs für den Erfahrungsbericht zuständig. «Mathematik ist eminent wichtig für das Wirtschaftsstudium, sie ist eure Basis», schärft Basil den Teilnehmern ein. «Ohne Mathe läuft nichts.» Heute geben sie praktische Tipps zur allgemeinen Orientierung an der Uni und der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sowie zur Organisation des Studiums: Welche Vorlesungen und Übungen soll man besuchen? Welche Professoren unterrichten wie? Welche Kurse sind besonders anspruchsvoll oder arbeitsintensiv? Welche Bücher lohnt es sich zu kaufen? Welche nicht? «Besucht die Übungen. Immer. Ohne den Besuch der

Übungen seid ihr verloren», rät Basil weiter. «Und lehnt euch nicht zurück, weil ihr denkt, ihr könnt das eh alles schon», fügt Gianluca hinzu. «Gebt Gas.» Kornelia Hügli und Milan Pejicic überzeugt dieser Kurs vor allem auch wegen dieser Mischung aus Repetition der wichtigsten Inhalte und Erfahrungsbericht von Studenten. Milan wird in Zürich studieren, er findet die praktischen Tipps sehr hilfreich und hat sich alles notiert. Kornelia wird ihr Studium zwar in St. Gallen beginnen, doch auch für sie waren einige hilfreiche Tipps dabei. Wie die anderen Teilnehmer sind sie sich sehr wohl bewusst, dass sie Gas geben müssen, denn das Tempo ist hoch. Der Stoff von zwei Jahren Gymnasium wird innerhalb weniger Monate durchgepeitscht. Jetzt sind sie allerdings ausgestattet mit dem besten Fahrgestell und den besten Reifen. Den Sieg oder zumindest einen Podestplatz haben sie auf sicher.


h info 03 / 2013 kolumne

Der Spuk des Klassengeistes Von Alphatierchen und Betabuben

von barbara ingold Wie entscheidend ist eigentlich die Klassenzuteilung für die Schulkarriere? Diese geschieht ja mehr oder weniger zufällig und entsprechend bunt gemischt fallen die Zwangsaggregate denn auch aus. Statistisch betrachtet sollte es zwar keine relevanten Unterschiede geben und doch variieren Klassenklima, Arbeitshaltung und Entwicklung sowohl in individueller wie auch kollektiver Hinsicht bei vermeintlich gleichem Umfeld und Input oft beträchtlich. Die zufällig assortierten Individuen passen sich einerseits dem Kollektiv an, beeinflussen dieses aber auch mit. Und so laufen in einem Klassenverband – ähnlich wie im Chemielabor – spannende Prozesse ab. Wir beobachten da instabile Clusterbildungen, feste Molekularverbindungen, freie Radikale mit enormer Sprengkraft, hoch reaktive Aggregate, Kettenreaktionen, aber auch Klassen, die in ihrer Trägheit fast zur Inertia neigen. Im Laufe der Schulzeit verändert sich diese Chemie durch Ab- und Neuzugänge, aber auch durch die allgemeine Reifung der Beteiligten nach überstandener Hochpubertät. Idealerweise sollte auch der Einfluss der Lehrpersonen eine Rolle spielen, doch weist die psychosoziale Laborsituation bisweilen eine erstaunliche Resilienz gegen gutgemeinte pädagogische Einwirkungen auf. In Problemklassen wird der Störfaktor Lehrperson gar erfolgreich ausgeblendet um den Status quo einer Klassendynamik aufrecht zu erhalten, bis ein katalytisches Ereignis wie ein einigendes Klassenlager oder ein reinigender Notenkonvent die Situation grundlegend verändert. Der sogenannte Klassengeist offenbart sich meist schon nach wenigen Wochen. Ähnlich wie bei der Wäsche gibt es die Kategorien pflegeleicht und Sonderbehandlung. Die Analogie hinkt vielleicht,

da es im Unterricht ja eher darum geht, dass etwas hängenbleibt, doch während in der einen Klasse ein sportlicher Kurzwaschgang völlig ausreicht, ist das Ergebnis didaktischer Bemühungen in anderen Klassen auch nach mehrmaligen Waschgängen und nervenaufreibenden Bügelversuchen unbefriedigend: Verfärbt, verzogen und voller loser Fäden... Das Rätsel bleibt: Weshalb läuft der Unterricht in der einen Klasse locker beschwingt und in der anderen eher harzig? Da drängt sich die Genderfrage auf, nämlich inwiefern etwa der Mädchen- respektive Bubenanteil am Gesamtpacket das Klassenklima beeinflussen könnte. Es fällt immer wieder auf, dass Jungs in einer Gruppe eine stärkere Tendenz zur Hierarchiebildung aufweisen als Mädchen. Letztere gewichten nämlich ihre Beliebtheit im Kleingrüppchen bester Freundinnen stärker als ihren Status innerhalb des Klassenverbandes. Dominante Jungs hingegen sind stark auf die Anerkennung der Gruppe als Ganzes angewiesen. Wobei Status auf unterschiedlichste Weise erlangt werden kann: Ob mit Humor und Schlagfertigkeit, Spott und Schlagkraft, Stilbewusstsein und Designerklamotten oder Grundgegroove und Rebellenaura – Hauptsache, man fällt auf und weckt Bewunderung. Nicht jeder kann und will sich exponieren, und wer es wagt, beweist zumindest Mut, erntet bestenfalls Beifall. Zur Statussicherung wiederum braucht es Gefolgschaft, und um diese buhlen die Anwärter auf Alphaposition vor allem während der Probezeit. Nach ungefähr drei Monaten sind die Klassenhierarchien in der Regel ausgejasst und bleiben meist

erstaunlich stabil. Auch wenn die Alphatierchen per se nicht alleinverantwortlich sind für das Klassenklima, beeinflussen sie es je nach individueller Ausrichtung jedoch stark. Was an sich noch nicht problematisch sein muss. Schwieriger wird es, wenn interne Machtkämpfe entstehen unter sich rivalisierenden Hammeln und ihrer jeweiligen Entourage und sich die Beta-Buben nicht entscheiden können, wo sie hingehören. Dann zieht das öffentliche Buhlen um Aufmerksamkeit sich in kräfteraubendem Hickhack in die Länge und den Notenschnitt nicht selten in die Tiefe. Gerade Jungs scheinen Statusspielchen ziemlich ausgeliefert zu sein, spielen munter mit und werden so – nicht immer ganz freiwillig – zu Mitläufern der selbsternannten Leithammel. Das Ganze funktioniert ähnlich wie das Paradox der Unsichtbaren Hand: Der Begriff beschreibt (u.a.) eine nicht-intendierte kausale Konsequenz aus intentionalen, finalen Handlungen unter einer bestimmten Maxime, in unserem Fall der Sicherung der Gruppenzugehörigkeit. Jeder huldigt dem vermeintlich populären Alphatier, um ja nicht von denen ausgegrenzt zu werden, die dasselbe tun. Die nicht-intendierte Konsequenz daraus ist die Festigung der hierarchischen Strukturen, unter denen aber unter Umständen sowohl der Mitläufer selbst als auch das Klassenklima als Ganzes leidet. Mädchen sind da vielleicht in der komfortableren Situation als Jungs. Sie durchschauen aufgrund ihres etwas ausgeprägteren Empathievermögens solche Mechanismen tendenziell schneller und können sich ihnen dank ihrer Kleingruppenorientierung wiederum besser entziehen.

Daraus nun zu schliessen, dass eine Korrelation zwischen Bubenanteil und Stresspotential bestünde, ist sicher nicht ganz abwegig, aber auch nicht ganz korrekt. Ich habe schon reine Bubenklassen erlebt, die nach kurzer, heftiger Unruhephase zu stabilen Strukturen sowie einem phänomenalen und durchaus produktiven Klassenklima gefunden haben. Und Mädchen wiederum sind ja auch nicht immer alle integrativ aktive und karitativ beseelte Streberinnen – sie können mit ihrem Freundinnen-Grüppchen-Kult und Hang zur Intrige fiese kalte Kleinkriege führen, die jedes Klassenklima vergiften. Verallgemeinern lässt sich das Genderstereotyp also nicht, es kommt immer auf die jeweilige Mixtur an. Das Ideal einer hierarchielosen, egalitären, basisdemokratischen und alleine auf das Gemeinwohl ausgerichteten Gruppe ist eine reine Illusion, von deren Scheitern jeder 80er-Kommunarde ein Liedchen singen kann. Unterbinden lassen sich die natürlichen und instinktiv verankerten Prozesse von oben auch nicht, höchstens etwas eindämmen. Im Grossen und Ganzen bleibt ein Klassenverband letztlich selbstregulierend, auch wenn die SuS sich dessen oft gar nicht bewusst sind. Sie nehmen Gegebenheiten meist mit grosser Schicksalsergebenheit hin und man staunt, wie wenig Einzelne sich gegen ihre Kollegen zur Wehr setzen. Da wäre bisweilen etwas mehr Zivilcourage und im Gegenzug mehr Verantwortungsgefühl der Gemeinschaft gegenüber wünschenswert. Beides sind ja zentrale Sozialkompetenzen, die zu entwickeln so eine Klassengemeinschaft ein geradezu ideales Trainingsfeld bietet. Den Klassencharakter aktiv und positiv mitzugestalten, ist eine Chance, die nicht ungenutzt bleiben sollte. Oder glaubt noch jemand an Geister?

9


«Paper-Toys» / Von der Fläche in den Raum

Fach Bildnerisches Gestalten Die Schülerinnen und Schüler der ersten Klassen des Gymnasiums gestalteten im Frühlingssemester mittels selbst entworfenen Abwicklungen Kopfformen für eine Papierfigur. Sie übten sich darin, ein Volumen von der Fläche aus zu konstruieren und trainierten dabei ihr räumliches Vorstellungsvermögen.


h info 03 / 2013 maturitätsarbeit

kommentar

Vielfalt an Themen

Klare Resultate

Oliver Jaussi ist es in seiner Maturarbeit besonders schön gelungen, einer Frage aus dem Alltag nachzugehen und zu einem gut dokumentierten, klaren Ergebnis zu gelangen. Einleitung

Reflexion

von markus lerchi, chemielehrer

von oliver jaussi

Für viele Leserinnen und Leser der h-Info ist es wohl noch immer ungewohnt, dass die heutigen Maturanden eine Maturitätsarbeit schreiben. An der KSH findet dies im Herbstsemester der vierten Klasse statt, nachdem gegen Ende der dritten Klasse Thema und betreuende Lehrperson gefunden werden mussten. Mitte Dezember ist dann Abgabetermin der schriftlichen Arbeit und unmittelbar vor den Sportferien die mündliche Präsentation. Eine Gruppe Drittklässler sind als Publikum dabei und können so von den Erfahrungen ihrer Vorgänger profitieren, denn sie sind ja als nächste dran. Die Bandbreite der gewählten Themen ist unglaublich vielfältig, verteilt über alle Fachgebiete. Die hier vorgestellte sehr gute Arbeit wurde im Fach Chemie gemacht. Mir als Betreuer ist es immer wichtig, dass das Experimentieren im Labor ein wesentlicher Teil ausmacht. Oliver Jaussi ist es besonders schön gelungen, einer Frage aus dem Alltag nachzugehen und zu einem gut dokumentierten, klaren Ergebnis zu gelangen. Natürlich ist er nicht der erste, der den Vitamin-CGehalt in Brokkoli untersucht hat oder der aufzeigen konnte, dass sich das Molekül beim Kochen nicht zersetzt. Wirklich neue wissenschaftliche Erkenntnisse sind aber auch gar nicht das Ziel einer solchen Arbeit. Vielmehr geht es darum, eine konkrete Fragestellung zu bearbeiten und dabei mit wissenschaftlichen Methoden vorzugehen. Was unsere Maturandinnen und Maturanden dabei einmal sozusagen im Kleinen durchspielen, werden sie später auf höherem Niveau und in grösserem Umfang immer wieder machen. Daher ist diese vor gut 10 Jahren eingeführte Neuerung ein wertvoller Teil zur Vorbereitung aufs Studium. Auch wenn Oliver kein Chemie- oder Lebensmittelwissenschafts-Studium beginnt, sondern Maschinenbau.

Alles begann im Frühling 2012, als ich mir Gedanken zu meiner Maturitätsarbeit machte. Es war eine grosse Aufgabe, selbständig ein Thema zu suchen, welches mich über ein Jahr lang begleiten und mich über die ganze Zeit interessieren sollte. Ich überlegte mir, welche Fächer mich bis zu diesem Zeitpunkt interessiert hatten und mit welchen Lehrpersonen ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen könnte. Ich entschied mich für das Fach Chemie mit dem Betreuer Herrn Dr. M. Lerchi. In einem Gespräch zeigte er mir auf, was meine Vorgänger bereits für Fragestellungen untersucht hatten und was mit den vorhandenen Mitteln überhaupt möglich wäre. Zuhause beim Kochen erinnerte ich mich dass Herr Lerchi auch das Thema Vitamine angesprochen hatte. So erkannte ich, dass ich meine Leidenschaft Kochen mit meiner Maturitätsarbeit verbinden könnte. Diese Verbindung zwischen Hobby und schulischer Aufgabe war im Nachhinein eine der besten Entscheidungen. In meiner Arbeit wollte ich nachweisen, mit welcher Kochtechnik man das Gemüse am vitaminschonendsten zubereitet. Vor den Sommerferien hatte ich dann den Titel «Wie viel Vitamin C steckt im Brokkoli auf unserem Teller?» bestimmt und mich mit Fachliteratur eingedeckt. Im Literaturstudium kam ich das erste Mal in Kontakt mit wissenschaftlichen Arbeiten. Ich wusste, dass mir ein guter Aufbau meiner Arbeit viel erleichtern würde. Deshalb analysierte ich den Aufbau verschiedener Dissertationen. Am meisten Zeit verbrachte ich dann aber im Labor. Es war für mich neu, selbstständig Experimente zu planen, durchzuführen und anschliessend auszuwerten. Die Laborarbeit bereitete mir immer Spass und war Grundlage meiner schriftlichen Arbeit. Dort ging es dann darum, theoretische Aspekte und meine Labor-Experimente zu erläutern. Es war mir wichtig,

12

Die Erkenntnisse sollten direkt ins tägliche Leben mit einfliessen von monika risel, lebensmittelchemikerin, dozentin im studiengang lebensmittelwissenschaft, eth zürich

dass die schriftliche Arbeit für alle verständlich zu lesen ist, ohne auf die nötige Sachlichkeit zu verzichten. Wie bei allen schriftlichen Arbeiten war die ordnungsgemässe Angabe der Quellen nicht einfach. Jedoch hatte ich auf Grund meines grossen praktischen Anteils an Laborarbeit vergleichsweise wenig Quellen. Im Januar 2013 ging es um die Vorbereitung der Präsentation. Die grösste Herausforderung war, einen guten Mix zwischen allgemein verständlichen Inhalten und komplexeren chemischen Vorgängen zu erreichen. Dass die Mikrowelle als beste Kochtechnik hervorging, mag viele erstaunen. Grundsätzlich gilt die Regel: Möglichst wenig Flüssigkeit zum Kochen von Gemüse verwenden und möglichst kurz kochen. Mit der Präsentation war für mich das Projekt Maturitätsarbeit noch nicht abgeschlossen. Ich hatte mich an der ETH zur Ausstellung der Maturitätsarbeiten im Bereich Naturwissenschaften und Technik angemeldet. Für diese Ausstellung musste ich ein Plakat zu meiner Arbeit gestalten. Mit grosser Unterstützung von Herrn Haas gelang es, ein schönes informatives Plakat zu erstellen, welches als Grundlage für ein sehr interessantes Fachgespräch mit Frau Risel von der ETH diente. Zum Schluss möchte ich einen herzlichen Dank an folgende Personen richten. Herr Dr. M. Lerchi hat mich gut betreut, aber auch viel selbstständig arbeiten lassen. Frau von Ow-Paoletti war bei der experimentellen Arbeit im Labor mit Rat und Tat hilfreich zur Seite. Sie hatte mir nach misslungenen Experimenten Mut gemacht und mit mir zusammen nach einer Lösung gesucht. Für das Gestalten des Plakates möchte ich Herrn Haas besonders danken. Er hat in kürzester Zeit meine Vorstellungen professionell umgesetzt und das nebenstehende Plakat erstellt.

Jedes Jahr freue ich mich auf die Ausstellung der Maturaarbeiten an unserer Hochschule und bin begeistert, welch interessante Themen von den Schülern ausgewählt und mit viel Sachkenntnis untersucht werden. Die vorliegende Arbeit zeigt, wie mit guter Überlegung und ohne grossen technologischen Aufwand in einem alltäglichen Lebensmittel ein sehr interessantes, vieldiskutiertes Thema aufgegriffen und bearbeitet werden kann: Der Gehalt an Vitamin C in Gemüse – vor allem während des Verarbeitungsprozesses – gibt bekanntermassen immer wieder Anlass zur Diskussion. Dank verschiedener Untersuchungen im Brokkoli wurde die alte Mär von der Zersetzung des Vitamin C während des Kochprozesses widerlegt und dabei sehr schön gezeigt, wohin das Vitamin wandert – eben ins Kochwasser. Ausserdem konnte die schonendste Kochtechnik herauskristallisiert werden, nämlich die zu Unrecht oft verpönte Zubereitung in der Mikrowelle. Diese klaren Resultate können nicht deutlich genug betont werden. Die Erkenntnisse aus der Arbeit können – oder sollten sogar – direkt ins tägliche Leben mit einfliessen – für mich ein Paradebeispiel praktischer Lebensmittelchemie!


h info 03 / 2013 maturitätsarbeit

MATURITÄTSARBEIT

OLIVER JAUSSI G4c / 2012

WIE VIEL VITAMIN C STECKT IM BROKKOLI ? Cl

OH

HO

+ O

Das Wichtigste in Kürze

Vitamin C-Analytik Für die Vitamin C-Analytik gibt es zahlreiche Verfahren. In dieser Arbeit wurde ein titrimetrisches Verfahren angewendet. Bei dieser Titration nützt man das Redoxsystem der Ascorbinsäure aus. Es wird 2.6 Dichlorindophenol (DCIP) beigegeben, das mit der Ascorbinsäure reagiert. DCIP wird solange beigegeben bis es zu einem Farbumschlag von durchsichtig zu rosa kommt. In der Abbildung 1 ist die Reaktion zwischen Ascorbinsäure und 2.6-Dichlorindophenol zu sehen. Es handelt sich um eine Redoxreaktion. Die Reaktion soll solange dauern, bis alle Ascorbinsäuremoleküle (Menge = M 1) in Dehydro-L-Ascorbinsäure umgewandelt sind. Die Menge an DCIP die es braucht um den Äquivalenzpunkt zu erreichen, ist V 1. Um den Vitamin C-Gehalt zu bestimmen, wird zuerst ein Probeversuch, mit einer Lösung mit einer bekannten Menge an Vitamin C (M 2), durchgeführt. Beim Farbumschlag wird die Titration sofort gestoppt und man kann das Volumen (V 2) des benötigten DCIP ablesen. Für die Berechnung der Menge an Vitamin C der Probe (M 1) wird die folgende Formel verwendet: M 2   M 1 = V 2 × V 1

O

OH

OH

+

O

+ O

HO

OH

O

HO

OH

Cl

OH

H N

Cl

+

Oxidation:   2 C +I OH—›  2 C +II + 2 e -I  O O Reduktion:   2 C +II + 2 e -I  —›  2 C +I

Abb. 1

OH

Cl

OH

H N

Cl

O

O

OH

Cl

OH

O

N

OH

O

O

OH

Cl

OH

O

N Cl

Einfluss der Kochtechnik Betrachtet man das untenstehende Diagramm (Abb. 2), so stellt man fest, dass beim Brokkoli der in der Mikrowelle gegart wurde, am meisten Ascorbinsäure im Kochgut nachgewiesen werden konnte. 9.4 mg Ascorbinsäure entspricht ca. 50 mg Vitamin C pro 100 g gekochtes Gemüse. Verteilung des Vitamin C-Gehalts in Kochgut und Kochwasser

7.2

3.4

Sieden

Einfluss der Kochzeit Bei Betrachtung des Diagrammes «Verlauf des Vitamin C-Anteils» (Abb. 3) ist leicht ersichtlich, dass sich die Menge an Vitamin C mit der Dauer des Garprozesses verändert. Mit zunehmender Garzeit sinkt der Gehalt an Vitamin C im Kochgut. Dies ist nicht erstaunlich, denn je länger der Brokkoli gekocht wird, desto länger wäscht das Kochwasser das Vitamin C heraus. Verlauf des Vitamin C-Anteils 20 18 16

Vitamin c in mg

Mit dieser Arbeit wird aufgezeigt, mit welcher Kochtechnik Gemüse in Bezug auf Vitamin C am schonendsten zubereitet wird. Als Gemüse wurde Brokkoli ausgewählt, da er einen sehr hohen Vitamin C-Gehalt aufweist. Im Labor wurde der Brokkoli im Wasser, im Dampfkochtopf unter Überdruck, in der Pfanne unter Normaldruck und in der Mikrowelle zubereitet. Mit Hilfe einer Redox-Titration wurde jeweils vom Kochgut sowie vom Kochwasser eine quantitative Bestimmung des Vitamins C durchgeführt. In einer zweiten Versuchsreihe wurde der Vitamin C-Anteil im Wasser in Abhängigkeit von der Kochzeit untersucht. Die schonendste Kochtechnik ist die Mikrowelle. Es folgen die Kochtechniken mit Dampf und am Schluss steht das Kochen im Wasser. Bei den Dampftechniken schneidet der Dampfkochtopf besser ab, als die normale Pfanne. Dies ist auf den erhöhten Druck zurückzuführen. Dieser erlaubt eine höhere Temperatur, weswegen das Gemüse weniger lang garen muss. Der Versuch den Brokkoli im siedenden Wasser zu kochen erbrachte mit Abstand das schlechteste Ergebnis. Das Kochwasser kann bei dieser Technik, auf Grund der langen Kochzeit, das Vitamin C sehr lange auswaschen. Es befindet sich schlussendlich im Wasser und nicht mehr im Gemüse. Beim Kochen wird kein Vitamin C abgebaut, es wandert lediglich vom Kochgut ins Kochwasser. Beim Kochen von Gemüse ist also zu beachten, dass die Kochzeit möglichst kurz ist und das Kochgut mit möglichst wenig Kochwasser zubereitet wird.

O

HO

gross wie der bei der Mikrowelle oder der beim Sieden. Dies zeigt, dass auch beim Dämpfen alle Ascorbigene zu Ascorbinsäure umgewandelt werden. Trotz einem grösseren Vitamin C-Anteil im Kochgut beim Dämpfen ist der Dampfkochtopf die schonendere Technik. Die noch nicht umgewandelte Ascorbinsäure kann vom Menschen im Körper bei der Verdauung umgewandelt werden. Das heisst, der Vitamin C-Anteil der Brokkoliportion aus dem Dampfkochtopf beträgt nicht 7.1 mg beziehungsweise 6.7 mg Ascorbinsäure, nein er fällt höher aus.

14 12 10 8

Dampfstufe 2

7.1

Dampfstufe 1

6.7

2.0

Kochgut

2

4.0

0

1.7

6.0

8.0

[min] 10

0

Kochgut

0.4

9.4

Mikrowelle

0.0

4

0.8

7.8

Dämpfen

6

0.4

10.0

20

Kochwasser

30

Total

Abb. 3 [mg] 12.0

Kochwasser

Abb. 2

Es ist nicht erstaunlich, dass die Probe welche im Wasser gekocht wird (Sieden), am schlechtesten abschneidet. Die Ascorbinsäure wird durch das Kochwasser ausgewaschen. Dies zeigt auch die mit Abstand grösste Menge an Vitamin C im Kochwasser. Auffallend ist, dass beide Zubereitungsarten im Dampfkochtopf ähnliche Auswirkungen auf den Brokkoli haben. Die gegenüber anderen Zubereitungsarten auftretenden Unterschiede könnten mit den unterschiedlichen Temperaturen zu tun haben, jedoch nur indirekt. Da die Temperaturen bei Dampfstufe 2 höher sind als bei Dampfstufe 1, braucht der Brokkoli weniger lange um gar zu werden. Die Ascorbinsäure ist in rohem Brokkoli in Ascorbigen A und B geteilt [17]. Es wird erst während des Garprozesses zu L-Ascorbinsäure und 3-Hydroxyindol umgewandelt. Die Unterschiede könnten sich aufgrund der verkürzten Umwandlungsphase bei kürzerer Kochzeit ergeben. Beim Brokkoli, welcher in Dampf ohne Überdruck gegart wurde, kann ein höherer Anteil an Vitamin C nachgewiesen werden, als bei demjenigen, der mit Überdruck gedämpft wurde. Der Anteil im Kochwasser (1.7 mg) ist mehr als doppelt so gross wie bei der Dampfstufe 1 oder 2. Der gesamte Vitamin C-Anteil beim Dämpfen ist ähnlich

Dies hat zur Folge, dass der Vitamin C-Gehalt im Kochwasser steigt. Bei genauer Betrachtung der Kurven, stellt man fest, dass pro 10 Minuten Kochzeit 1.6 mg Ascorbinsäure von 30 g Brokkoli ins Kochwasser übergeht. Aus dem Diagramm ist herauszulesen, dass der totale Vitamin C-Gehalt mit verlängerter Kochzeit ansteigt. Dies ist sehr unwahrscheinlich und lässt auf einen Messfehler schliessen. Die beiden anderen Kurven sollten linear verlaufen, da es keine bekannten Gründe für den gemessenen Kurvenverlauf gibt. Die graue Fläche zeigt eine Abweichung von 1 mg der Messungen. Es ist also ersichtlich, dass der letzte Totalwert tiefer ausfallen könnte. In diesem Fall würde die totale Menge an Vitamin C nicht mehr zunehmen, was auch zu erwarten ist. Diese Stagnation zeigt auch, dass es keinen Vitamin C-Verlust gibt. Daraus lässt sich folgern: Es wird kein Vitamin C zerstört. Die Aussage, dass Vitamin C beim Kochen verloren geht oder zerstört wird ist falsch ! Es gibt nur eine Verschiebung des Vitamins C vom Kochgut ins Kochwasser.

Plakat Maturarbeit Olivier Jaussi

13


h info 03 / 2013 projekte

Urban Farming an der KSH Urban Farming ist im Trend, auch in der Stadt Zürich

«Dieses Projekt macht mir bisher sehr viel Spass, da alle motiviert mitmachen, um ein möglichst gutes Resultat zu erzielen. Die sozialen Aspekte werden gefördert und jeder muss mitdenken. Es ist eine gute Abwechslung zu den anderen Fächern in der Schule und man lernt viel über das Urban Farming und kann dies auch später anwenden.» sol-aisha graffunder, h3a

von leonhard rüegg, h3a Urban Farming ist im Trend, auch in der Stadt Zürich. In ungenutzten Innenhöfen und Arealen, auf Verkehrsinseln oder neben Parkplätzen werden mobile Hochbeete eingerichtet. Die Projekte stossen bei einem Grossteil der Bevölkerung auf Sympathie. Viele Stimmen fordern, dass Urban Farming im grossen Stil und auch von der Stadtgärtnerei Zürich betrieben werden solle. Auch an der Kantonsschule Hottingen hat sich dieser Trend durchgesetzt. Bei dem Projekt «Urban Farming» geht es darum, das Gärtnern einmal hautnah zu erleben. Wir sollten erfahren, wie es ist, unser Essen selbst anzupflanzen und nicht im Laden einzukaufen. Wir sollten erfahren, wie es ist, unsere Hände in Erde zu tauchen, um einen geeigneten Boden für unsere Pflanzen zu schaffen. Und wir sollten erfahren, wie es sich anfühlt, wenn die ersten Samen aufkeimen und die Sprossen aus dem Boden schiessen.

Für dieses Vorhaben bekam jede Gruppe einen Einkaufswagen, welchen sie mit einem alten Getreidesack aus Jute, frischen Zweigen und Häckselgut, sowie mit schuleigenem Kompost von unterschiedlicher Reife in ein mobiles Hochbeet verwandelte. Als Nächstes galt es, auf dem Markt das Saatgut unserer Wahl einzukaufen und danach im Einkaufswagen anzupflanzen. Wir entschieden uns hauptsächlich für Gemüse wie Tomaten, Zwiebeln oder Karotten. Denn das Ziel war es, die Früchte – oder eben Gemüse – unserer Arbeit am Ende des Semesters in einem Abschlussessen gemeinsam zu verspeisen.

Flyer Urban Farming

«Um den relativ kleinen Platz im Einkaufswagen möglichst gewinnbringend auszunutzen, informierten wir uns über Mischkulturen. Mischkulturen sparen Platz. Es muss aber darauf geachtet werden, dass nur jene Arten gemischt werden, welche sich ergänzen und somit mehr Erträge bringen. Mit Mischkulturen können auch Schädlinge fern gehalten werden.» chantal walz, h3a

14


h info 03 / 2013 projekte

Ein Werbefilm für die KSH

Werbefilm KSH

Arbeitswoche G1c zum Thema Kommunikation

von stephan amstutz Im Rahmen der Arbeitswoche zum Thema Kommunikation nahm sich die Klasse G1c vor, einen neuen Werbefilm für die Kantonsschule Hottingen zu produzieren. Unser Auftrag war, einen Werbespot in englischer und französischer Sprache zu drehen. Ein sehr ambitiöses Ziel! Am Dienstagmorgen – nach dem Kickoff – entwarfen wir in einer angeregten Diskussion das Drehbuch. Zudem begannen wir mit Filmaufnahmen des Sportunterrichts: Trampolin, Unihockey und Klettern. Am Mittwochmorgen standen die Interviews mit dem Rektor Peter Stalder und dem Prorektor Daniel Zahno auf dem Programm. Beide hatten vorgängig dieselben drei Leitfragen erhalten und waren über unser Projekt informiert worden. Dennoch waren sie sichtlich über unser professionelles Equipment überrascht: Anstatt mit einer Handkamera das Ganze zu filmen – wie Herr Stalder dies erwartet hatte – glich das Rektorenzimmer vielmehr einer Hollywood-Produktion: vier Stative, vier Kameras, drei Scheinwerfer und zwei Mikrophone rückten die Exponenten ins beste Licht … Unterdessen waren schon einige von uns daran, das vorhandene Filmmaterial zu schneiden und den Text ins Französische und Englische zu übersetzen. Am Nachmittag drehten wir einige Schulszenen in den Fächern Chemie, Wirtschaft und Englisch. Es war eine grosse Herausforderung, das Mikrofon vor unseren drei Kameras so gut als möglich zu verstecken. Endlich durften wir an die frische Luft: Das Kamerateam drehte mehrere Schulwegsequenzen, die wir in unserem Film als Intro und Outro benutzten: am Grossmünster, am Bellevue, am Paradeplatz, an der Uni/ETH und an der ZHAW. Leider waren die Wetterbedingungen und die Lichtverhältnisse suboptimal, dazu ka-

16

men einige Missverständnisse beim Konzept. Die Schneider leisteten gute Arbeit, mussten aber aufgrund der grossen Menge an Filmmaterial noch einige Überstunden leisten. Begonnen wurde Tag drei mit der Aufnahme der Französischlektion; erst die vierte Klappe gelang, weil ein Versprecher eines Schülers ganz am Schluss mit einem Kraftwort quittiert wurde. Dann nahmen wir die Off-Stimmen in beiden Sprachen auf. Cyrill und Ilona (obwohl erkältet) erledigten das als Muttersprachige problemlos; die beiden Sprecher fürs Englisch, Michèle und Oliver, mussten schwierigere Aussprachehürden meistern – taten dies aber mit Bravour. Die Sprecher übersetzten das Interview von den beiden Schulleitern und fügten sie mithilfe von Untertiteln in den Film ein. Zum Mittagessen grillierten wir unter der Laube. Dabei spielte Herr Amstutz gekonnt und routiniert den Grillmeister. Wir hatten selbstgemachte Salate mitgebracht. Herr D‘Amelio hatte einen Bärenhunger und ass ganze drei Cervelats. Die am Mittwoch falsch oder fehlerhaft gedrehten Filmaufnahmen wurden am Donnerstagnachmittag bei besseren Wetterverhältnissen nochmals neu gedreht. Auch Rückschläge gehören zu einem Projekt. Am Freitag kam der Höhepunkt unserer Arbeitswoche: Der Besuch des Tonstudios von «Jingle Jungle» am Schaffhauserplatz. Jingle Jungle ist ein führendes Unternehmen, das Tonaufnahmen für Filme, Radio- und TV-Werbungen erstellt und unter anderem aktuell an einem Grossprojekt für Rivella mitarbeitet. Zwei junge Mitarbeiter führten uns in die Kunst der Tontechnik ein. Sie erklärten uns, dass sie auch bei Animationsfilmen gebeten werden, das gesamte Audio zu erstellen. Oft müssen sie dafür neue Geräusche (z.B. Öffnen einer Chipspackung, Laufen im Kies, Schneiden von Gemüse) kreieren und im Studio neu aufnehmen. Häufig machen sie Gebrauch von Samplern, vor allem bei Aufnahmen von Musikinstrumenten, die sie in der Zukunft noch brauchen werden. Plötzlich bekamen wir einen Anruf von Herrn D’Amelio, der uns mitteilte, dass die Tonaufnahmen donnerstags durch

ein Rauschen gestört wurden. Daraufhin schlug uns der Gregor vor, die Tonaufnahmen in ihrem Studio erneut aufzuzeichnen. Hocherfreut nahmen wir den Vorschlag an und machten uns an die Arbeit. Dabei entschieden wir, den Text zusätzlich auf Deutsch zu sprechen. Frau Rampone bat Philippe, diesen Part zu übernehmen. Es war ein lustiges, aber auch merkwürdiges Gefühl im schalldichten Aufnahmestudio zu sein. Man war per Mikrofon und Kopfhörer mit dem Tontechniker verbunden, der einem professionelle Ratschläge gab. Michèle musste zu ihrer EnglischSprecherinnenrolle noch den Text von Ilona sprechen, da sie krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte. Der hilfsbereite Tontechniker brannte zuletzt die verschiedenen Tondateien auf ein portables Speichermedium. Als Dank für seine professionelle Unterstützung schenkten wir ihm einen guten Tropfen Wein sowie eine Schachtel ausgezeichneter Pralinen. An dieser Stelle möchte sich die Klasse auch bei ihren Lehrpersonen Amstutz, d’Amelio, Rampone und Schmid bedanken, welche mit sehr grossem Engagement ihren Teil zum Gelingen dieser Woche beigetragen haben. Ein besonderer Dank gilt dabei unserem Musiklehrer Herr d’Amelio, welcher – unterstützt von unserem Klassenlehrer Herr Amstutz – in zig Stunden Zusatzarbeit im Anschluss an unsere Arbeitswoche das Produkt noch fertig gestellt hat, quasi den Feinschliff erledigt hat. Während dieser Arbeitswoche haben wir gelernt, flexibel zu sein und trotz Planung mit Unvorhergesehenem umzugehen. Dabei ist klare Kommunikation für die Zusammenarbeit wichtig. Obschon wir auch Rückschläge einstecken mussten und wir unsere Schwächen und/oder Grenzen erkannt haben, hatten wie eine Menge Spass und das Resultat am Ende dieser viertägigen Arbeitswoche lässt sich mehr als nur sehen! Überzeugen Sie sich doch am besten selbst und besuchen Sie unsere Homepage www.ksh.ch – dort finden Sie alle drei Filme!


h info 03 / 2013 kurzgeschichte

elisas buchtipp

Eisweiher

Kurzgeschichte aus dem Projekt literarisches Schreiben

Elisa Sosa Liu, G2a

Erebos Von Ursula Poznanski Jugendthriller

von elisa sosa-liu Marie bückt sich und schnürt sich eilig die Schlittschuhe zu. Die Finger sind klamm von der Winterkälte, ihr Atem bildet kleine weisse Wolken. Sie wischt mit den Handschuhen über die alten Schlittschuhe, versucht, den letzten Schmutz wegzukriegen. Schliesslich sind sie Maries wertvollster Besitz. Sie wirft einen letzten Blick über die Schulter zum Haus. Es ist alt und marode, ein Fensterladen liegt zwischen Flaschenscherben im Garten, vom letzten Sturm hinuntergefegt. Die Schindeln blättern langsam ab, die Farbe hat der Regen längst abgewaschen. Doch das Haus ist ruhig, niemand ruft wütend nach ihr, niemand hat ihr Wegschleichen bemerkt. Das Nachbarhaus ist nur noch eine Ruine, der Krieg prägt das ganze Dorf mitsamt seinen Bewohnern. Dennoch, erst als sie wieder den Weiher vor sich sieht, ist sie ganz beruhigt und ein Lächeln stiehlt sich auf ihr Gesicht. Endlich, endlich kann sie wieder Schlittschuh laufen. Ein Jahr warten ist genug.

Die ersten Schritte sind noch unsicher und Marie hält sich zur Sicherheit noch an den überhängenden Ästen fest. Doch schon bald geht es besser, ihr Körper erinnert sich, weiss wieder, wie man die Balance hält. Marie wird sicherer und wagemutiger, gleitet in grossen Kreisen über das Eis. Sie breitet die Arme aus und lacht. Sie dreht sich im Kreis, wird schneller und schneller, immer auf der gleichen Stelle in der Mitte des Weihers. Marie legt den Kopf in den Nacken, lacht, weil sich die ganze Welt um sie dreht und sie, die unscheinbare Marie, steht im Zentrum. Sie vergisst die Welt um sich herum, vergisst, wie sie auseinanderbricht. Das Eis unter ihr gibt nach, blitzschnell bricht sie ein, nimmt erst jetzt das Krachen um sich herum wahr. Marie fällt. Plötzlich ist alles schwarz und kalt. Ihr Mantel saugt sich mit Wasser voll, zieht sie unerbittlich nach unten. Da wird alles klar. Marie atmet aus und wieder ein. Schliesst die Augen, breitet die Arme aus, legt den Kopf in den Nacken. Wärme breitet sich in ihr aus, vertreibt die Kälte. Marie ist erfüllt von Freude. Und lacht.

An Nicks Schule wird ein mysteriöses Computerspiel herumgegeben. Die Spieler von «Erebos», erkennbar an ihren übernächtigten Gesichtern, schweigen sich über den Inhalt aus und tauschen höchstens vielsagende Blicke. Schliesslich gelangt eine Kopie zu Nick, der sich umgehend an den Computer setzt und mit dem Spiel beginnt. Seine Spielfigur kommt in eine neue, finstere Welt, muss Aufträge erfüllen und Wesen der Fantasiewelt bekämpfen. Doch dann gibt Erebos Nick einen Auftrag für die reale Welt. Das Spiel scheint alles über ihn zu wissen und das Computerspiel wird zunehmend unheimlich. Doch halt! Dies ist kein normaler GamerRoman mit der üblichen Moral, sondern ein Buch, das einen von Anfang an packt und bis zum Schluss nicht mehr loslässt. Ursula Poznanski schreibt rasant, führt auch Laien geduldig in die Welt der Computergames ein. So ist es also durchaus auch ein Buch für das weibliche Geschlecht!

17


h info 03 / 2013 wort des rektors

732 Schülerinnen und Schüler

Noch nie, seit ich in diesem Hause ein und aus gehe, hatten wir eine so hohe Schülerzahl! von dr. peter stalder, rektor Zu Beginn des neuen Schuljahres zeigte der Zähler im Information Manager 732 Schülerinnen und Schüler. Noch nie, seit ich in diesem Hause ein und aus gehe, hatten wir eine so hohe Schülerzahl! Einerseits – so sagen es mindestens die Wirtschaftsmenschen – ist es schön zu wachsen, andererseits aber auch besorgniserregend. Kurzfristig mussten wir nämlich unseren Imbissraum zum Schulzimmer umfunktionieren. Wir versuchen verzweifelt, in der Umgebung unseres Schulhauses in irgendwelchen Liegenschaften Schulraum zu finden; das Unterfangen scheint nicht ganz einfach. Erstmals waren auch die Klassen des Wirtschaftsgymnasiums gegenüber denjenigen der HMS und der IMS in der Unterzahl. «Quo vadis KSH?» fragten sich deshalb die Fachvorstände an ihrer alljährlichen Tagung in Baden mit Recht. Bleiben wir ein Gymnasium oder mutieren wir langsam zur Berufsschule? Natürlich haben wir ein Leitbild, natürlich haben wir auch eine mittelfristige Strategie. Trotzdem sind unterwegs zur Zielerreichung gewisse Korrekturen anzubringen oder Steuermechanismen spielen zu lassen. Auf eine kurze Formel gebracht, haben wir beschlossen: HMS/IMS ≤ Gymnasium! Schon seit einiger Zeit ist der Lehrplan des Gymnasiums nicht mehr up to date. Eine Projektgruppe nimmt sich deshalb seit dem Frühsommer dieser Sache an. Die Welt rund um die Schule ändert sich sehr dynamisch und rasch, die öffentlichen Schulen selbst sind aber relativ schwerfällige Gebilde. Namentlich der Unterschied zwischen Wahlpflichtund Ergänzungsfächern bedarf im Gymnasium einer Schärfung. Der Unterschied kann nicht nur in der Anzahl Wochenstunden liegen. Jetzt besteht die Chance, ganz klare Unterschiede beispielsweise in der Arbeitsmethodik zu definieren. Der neue Lehrplan soll aufs Schuljahr 14/15 in Kraft treten. Nach zehnjähriger Aufbauarbeit hat Sabine Kappeler die Leitung der Akzentklasse Ethik/ Ökologie an Simon Tscharner übergeben. Mittlerweile zeichnet die Idee der Akzentklasse unsere

18

Dr. Peter Stalder, Rektor

Schule aus, denn hier werden Gedanken aus unserem Leitbild beispielhaft umgesetzt. Wir bieten den Schülerinnen und Schülern Vertiefungsmöglichkeiten in verschiedensten Bereichen. Mit dem Akzent Entrepreneurship vertiefen wir Kenntnisse in unserem Kerngeschäft Wirtschaft & Recht. Die Klasse G3c hat nach den Sommerferien unter der Leitung ihres Wirtschaftslehrers drei Unternehmungen gegründet und an der Züspa erste Verkaufserfahrungen gesammelt. «Wir sind in der Realität angekommen!» war der Tenor in der Klasse. Mit der Arbeitswoche vor den Herbstferien konnten in St. Gallen – neben dem Besuch der Universität – in einer Marktforschungsbefragung auf der Strasse neue Erkenntnisse zur Feinjustierung der Produkte gesammelt werden; schliesslich steht das Weihnachtsgeschäft vor der Tür. Die Lehrpersonen, welche die Immersionsklasse in englischer Sprache unterrichten, haben ihre jährliche Weiterbildung in England absolviert. «Die beste Weiterbildung meines Lebens!» war im Lehrerzimmer zu hören. In einer englischen Schulklasse vor deren Lehrpersonen und den eigenen Kolleginnen und Kollegen unterrichten zu müssen, ist nicht jedermanns Sache. Das Bildungsangebot im Wirtschaftsgymnasium zu steuern, bleibt anspruchsvoll und herausfordernd – ich bleibe dran, um unseren Schülerinnen und Schülern optimale Voraussetzungen für ihr Studium zu schaffen. •


h info 03 / 2013 gedankensplitter

agenda

Gerechtigkeit

November 2013

Das Thema Gerechtigkeit ist uralt, und immer wieder hat die Diskussion darüber reale Veränderungen bzw. Ausblicke auf Möglichkeiten der Veränderung nach sich gezogen. Einige allgemeine Denkanstösse:

14. Forum KSH «Mobilität»: Verkehr, Aula, 10.30–12.00 Uhr

19. Orientierungsabend Gymnasium und HMS, Aula, 19.30 Uhr

22. Weiterbildung Lehrerschaft

27. Schnuppertag Sekundarschüler und Übertreter

Dezember 2013 13. Erzählnacht Aula, 19.00–22.00 Uhr

von rufus butz John Rawls, einem der bekanntesten Philosophen des 20. Jahrhunderts, der den Mut hatte, zum Thema Gerechtigkeit sich der herrschenden utilitaristischen Modeströmung der damaligen Philosophiezunft mit einem anderen, Kant verpflichteten Ansatz entgegenzustellen, verdanken wir ein wichtiges Gedankenexperiment, das meines Erachtens heute noch in vielen Diskussionen Klarheit bringen kann. Auf die Frage nach einer gerechten Gesellschaftsordnung, nach einer gerechten Verteilung der Grundgüter antwortet er mit folgendem Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor, Sie (und alle anderen Menschen, die dereinst im selben Staat S leben werden) befinden sich in einem Urzustand, Sie stehen also gewissermassen vor der Geburt in den Staat S. Sie wissen auch nicht, wie begabt Sie sind, welchen sozialen Status Sie einnehmen werden, welches Vermögen Sie erben werden, wie gut Ihre Eltern Sie erziehen, etc. – kurz, Sie befinden sich unter dem sogenannten Schleier des Nichtwissens (veil of ignorance). Nun haben Sie zu wählen, welche Gesellschaftsordnung für Staat S die gerechteste ist. Dabei gehen Sie, das ist die Pointe Rawls’, zwar streng rationalegoistisch vor, werden aber dennoch eine gerechte, ja die für alle beste Option wählen, denn Sie versetzen sich ja durch den Schleier des Nichtwissens gewissermassen an die Position eines universalen, allgemeinen, nicht-individuellen Subjekts. Da Sie ja «überall in der Gesellschaft» landen könnten, an jeder Position, wählen Sie Gesellschaftsordnung, in der Sie sowohl als Vermögender als auch insbesondere als (eher) schlecht Verdienender am liebsten leben wollen. Sie werden folglich die Gesellschaft wählen, in der die schlechtest denkbare Situation am besten ist, also die minimale Situation maximieren (sogenannte Maximin-Strategie; natürlich würden Gamer und Zocker andere Strategien unter Unsicherheit vorschlagen!) Das führt John Rawls zu den berühmten zwei Gerechtigkeitsgrundsätzen für jede

Gesellschaftsordnung, namentlich zu seinem Differenzprinzip, wonach «soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten folgendermaßen beschaffen sein müssen: «(a) sie müssen […] den am wenigsten Begünstigten den größtmöglichen Vorteil bieten, und (b) sie müssen mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die allen gemäß fairer Chancengleichheit offen stehen.» (Rawls, Theorie der Gerechtigkeit). Mit den Worten Rawls’: «Wer von der Natur begünstigt ist, sei es, wer es wolle, der darf sich der Früchte nur so weit erfreuen, wie das auch die Lage der Benachteiligten verbessert. Die von der Natur Bevorzugten dürfen keine Vorteile haben, bloß weil sie begabter sind, sondern nur zur Deckung der Kosten ihrer Ausbildung und zu solcher Verwendung ihrer Gaben, dass auch den weniger Begünstigten geholfen wird. Niemand hat seine besseren natürlichen Fähigkeiten oder einen besseren Startplatz in der Gesellschaft verdient.» Rawls’ liberale Position ist selbstverständlich nicht unwidersprochen geblieben, ja, sein Werk hat eine äusserst rege Diskussion ausgelöst. Eine Kritik möchte ich anfügen: Der Libertarist Robert Nozick kritisiert, dass der Staat keine ausgleichende Funktion à la Differenzprinzip zu übernehmen habe. Solange Reichtum sowie Eigentum nicht unrechtmässig erworben seien, sei an ihnen nichts auszusetzen. Der Staat müsse ein Minimalstaat sein, der möglichst wenig in den Markt und die Interessen sowie die Privat-, Eigentumssphäre der Individuen eingreift. Welcher Position man auch immer angehören mag, ich denke, Rawls’ Idee des Schleiers der Unwissenheit ist äusserst wichtig: Wenn immer Entscheidungen anstehen, lohnt es sich zu versuchen, einen (möglichst) universalen Standpunkt einzunehmen und zu fragen, was wäre, wenn ich nicht der bin, der ich bin, sondern ein anderer, und wieder ein anderer. Dann kann man (eventuell) rationaler, weniger ich-, statusbezogen und gerechter, auch am Gemeinwohl orientierter entscheiden.

19. Weihnachtskonzert Aula, 18.30 Uhr

23. Weihnachtsferien

Januar 2014

6. Schulbeginn

21. Forum KSH «Mobilität»: Migration, Aula, 10.30–12.00 Uhr 23. Theateraufführung, Premiere, Aula 25./26. Theateraufführung, Aula

28. Ende Probezeit

Februar 2014

4./5. Präsentation Maturarbeiten

10. Sportferien

24. Schulbeginn

März 2014

6./7. Besuchstage

10./11. Aufnahmeprüfung

impressum Redaktionsschluss Nr. 1/2014: 31. Januar 2014 Redaktion: Barbara Ingold (b.ingold@ksh.ch), Sandra Nussbaumer (s.nussbaumer@ksh.ch) Mitwirkende an dieser Nummer: Stephan Amstutz, Rufus Butz, Barbara Ingold, Oliver Jaussi, Markus Lerchi, Christoph Meier, Sandra Nussbaumer, Monika Risel, Leonhard Rüegg, Elisa Sosa-Liu, Peter Stalder, Kathrin Trüb Fotografien: Simon Haas, Sandra Nussbaumer, Kathrin Trüb, Stefan Kubli Gestaltung: gyselroth™ – Agentur für Brand Identity und Digital Media, Simon Haas (BG-Seite) Druck: Bühler Druck AG, Schwerzenbach

19


h info 03 / 2013 öko-logisch!

Aktion «Saubere Schule»

Die Sauberkeit des Schulhauses ist eine Visitenkarte unserer Schule. Seit den Sommerferien versuchen Lehrende und Lernende deshalb gemeinsam, das Schulhaus sauber zu halten.

von christoph meier Frage: Wie wird Rom in einer Stunde sauber? – Antwort: Indem jede(r) vor seiner Haustüre wischt. Die Lösung scheint einfach. Nun muss nur noch der zusammengewischte Dreck abgeführt werden. Aber was hat Rom mit unserer Schule zu tun? Viele Leute benützen die Kantonsschule Hottingen: allen voran die Schülerinnen und Schüler, die Lehrpersonen und anderen Angestellten der Schule, ausserdem weitere Gruppen, die einzelne Zimmer an den Abenden und Wochenenden mieten sowie Besucher. Alle diese Personen – auch die Schülerinnen und Schüler – wünschen sich ein sauberes Schulhaus, kein dreckiges. Der Sauberkeit abträglich ist einerseits das Herumliegen von Abfall und andererseits das Verschreiben von Tischen. Beides macht, wenn vorhanden, einen schmuddeligen Eindruck und hinterlässt kein gutes Bild. Deshalb wurde auf dieses Schuljahr hin die Aktion «Saubere Schule» ins Leben gerufen. Sie soll die Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Erwachsenen in punkto Sauberkeit im Schulhaus stärken und umfasst drei Punkte: die Tische in den Schulzimmern, den Abfall in den Schulzimmern und den Abfall auf den Gängen.

Den Startschuss gab die Bänke-SchleifAktion am letzten Tag vor den Sommerferien, bei der (fast) alle anwesenden Schülerinnen und Schüler unter tatkräftiger Mitwirkung der Lehrerschaft alle Bänke aus den Schulzimmer auf die Sportwiese hinaustrugen und dort soweit abschliffen, dass keine «Verzierungen» mehr zu sehen waren. Danach wurden die Bänke in die Zimmer zurückgestellt und in den Sommerferien vom Hausdienst geölt. Jedem Schulzimmer ist nun eine Lehrperson zugeteilt, welche in besonderem Masse auf die Sauberkeit der Tische achtet und bei Bedarf entweder selbst einen Tisch mithilfe des bereitliegenden Schleifsets reinigt oder den beim Verschreiben in flagranti erwischten Schüler dazu anleitet. Bis jetzt sind die Tische in den meisten Zimmern noch fast unversehrt. Offensichtlich braucht es mehr Überwindung, einen sauberen Tisch neu zu verschreiben als einen schon verschmierten. Ausserdem wird die Sauberkeit in den Schulzimmern dadurch erhöht, dass die Schülerinnen und Schüler dazu ermuntert werden, ihren Abfall zu Beginn oder am Ende einer Schulstunde im «Ökomöbel» getrennt zu entsorgen, statt liegen zu lassen. Dessen einzelne Fächer sind farbig und klarer beschriftet worden, damit beispielsweise Papier oder Petflaschen besser vom restlichen Müll getrennt werden.

Viele unserer Schülerinnen und Schüler verpflegen sich über Mittag, indem sie ihr Mittagessen in den umliegenden Geschäften kaufen und dann in der Schule – meist an den Tischen in den Gängen – essen. Das führt dazu, dass es manchmal nach der Mittagszeit um diese Tische herum aussieht wie auf einem Schlachtfeld. Um dem entgegenzuwirken, wurden einerseits mehr (mobile) Abfallsammelstellen bereitgestellt und andererseits unterstützen die Schülerinnen und Schüler den Hausdienst nach der Mittagspause aktiv beim Aufräumen. Jede Woche ist eine Klasse (das reicht ziemlich genau für ein Schuljahr) unter Leitung der Klassenlehrperson dafür zuständig, dass der liegengebliebene Abfall nach der Mittagspause eingesammelt wird. Bis jetzt haben wir gute Erfahrungen mit der Aktion «Saubere Schule» gemacht, denn es leuchtet jedem ein: Was zu Hause stört, stört auch in der Schule!

h Info 3/2013  

«Diese Jugend» Kantonsschule Hottingen

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you