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erische Zeit“ ten Paul Dalquen (1893–1975) einen gemeinsamen Haushalt. 1914 trat er auch mit dem WhK Magnus Hirschfelds in Kontakt. In ihm engagierte er sich in den Folgejahren maßgeblich, und 1921 wurde er Leiter der Frankfurter Ortsgruppe des WhK. In den 1920er Jahren waren Weber und Dalquen ebenfalls Mitglieder im Nerother Wandervogel, der als reiner Jungenbund gegründet worden war. Auf den Fahrten der Nerother lernten die beiden einen 12-Jährigen kennen, den sie um 1929 in ihren Haushalt aufnahmen. Später adoptierte Paul Dalquen ihn auch aus erbrechtlichen Überlegungen heraus, und nachdem Walter Dalquen (1917– 1998) sein Ingenieurexamen abgelegt hatte, wurde er Teilhaber im Geschäft seinen beiden „Väter“. Die generationenübergreifende Beziehung war vermutlich platonischer Natur. 1949 war Walter Dalquen verheiratet und hatte eine dreijährige Tochter. Stolz schrieb Hermann Weber an den befreundeten Kurt Hiller: „Sehen Sie, lieber Freund, das sind Resultate des verfemten Magnesen“ – wobei mit letzterem Magnus Hirschfeld gemeint war. In der Familie Dalquen soll die Beziehung zwischen Hermann Weber und Paul Dalquen im Übrigen als etwas „ganz Normales“ angesehen worden sein, und von ihrer „Enkelin“ wurden die beiden Männer stets als „Onkel Paul“ und „Onkel Hermann“ tituliert. Sie erinnert sich ihrer auch im Alter von 70 Jahren noch gern. Paul Dalquen übernahm nach dem Tod seines Vaters 1931 den

väterlichen Eisenkonstruktionsbetrieb im hessischen Frankfurt und baute ihn beträchtlich aus. Sein Lebenspartner Hermann Weber wurde für die Buchhaltung in der Firma zuständig. Die Geschäfte gingen für die beiden Männer bis weit in die Kriegsjahre hinein gut, und auch den Terror der Nazi-Zeit scheinen Weber, Dalquen und ihr Pflegesohn glimpflich überstanden zu haben. Jedoch ist über ihren Lebenswandel zwischen 1933 und 1945 so gut wie nichts bekannt. In Briefen an Kurt Hiller aus der unmittelbaren Nachkriegszeit erzählte Hermann Weber nur wenig über sein Leben während des Nationalsozialismus. Nur einmal bekundete er, Paul Dalquen und er seien einst „wie durch ein Wunder“ der Verhaftung entgangen. Bei einer Hausdurchsuchung habe die Gestapo alle „einschlägigen“ Bücher konfisziert, darunter sämtliche Jahresberichte des WhK sowie die Bücher Kurt Hillers und Peter Martin Lampels. Mit Lampel (1894–1965) war Weber ebenfalls persönlich befreundet. Kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner seien dann auch die Namen Dalquen und Weber auf eine Liste der zu Verhaftenden gesetzt worden.

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LAMBDA-Nachrichten 4.2016  
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