Page 3

Pfalz-Echo – Echolot

07 - 11.02.2013

Seite 3

Heino will Freude bereiten

UNTER VIER AUGEN: Der Sänger über seine neue CD, einen Badeurlaub in Rimini und Begegnungen auf der Autobahn Im Moment ist es eigentlich nicht möglich, den Tag zu überstehen, ohne mit Heino konfrontiert zu werden. Alle Radiosender spielen seine neuen Hits. Ja, alle. Alle Zeitungen befassen sich mit dem „neuen“ Heino. Die CD „Mit freundlichen Grüßen“ wird von tausenden Experten auseinandergenommen, gelobt, kritisiert und vor allem verkauft sie sich sensationell gut. Nach dem ersten Verkaufswochenende waren bereits alle Rekorde gebrochen. Dahinter steckt ein einfaches Rezept: Der 74-jährige Sänger Heino, der bisher vor allem Volkslieder und klassische Stücke gesungen hat, widmet sich deutschen Rockund Popsongs. Damit erreicht er seine treuen Fans genauso wie alle Ärzte-, Rammstein- und Nena-Fans. Ob einem die Sache dann gefällt oder nicht, ist zunächst zweitrangig. Heino ist in aller Munde und er freut sich ganz offensichtlich über so viel Interesse. Anne Burk und Markus Eisel vom PFALZ-ECHO trafen den Sänger, der neuerdings Lederjacke und Totenkopfring trägt, in Mainz.

3 Jeans

39,99 .

1

KAUF

BLUE

S

Wie ist die Idee denn überhaupt bisschen mit einem ironischen Zwinkern? entstanden? Heino: Die Idee hatte ich schon Heino: Nicht wirklich. Klar, die Kollange. Ich finde es schön, auch legen haben das wahrscheinlich ein junges Publikum zu erreiironisch gemeint – die Ärzte zum chen. Wenn bei einem SchlagerBeispiel – ich nicht! Für mich ist Festival in der Arena auf Schalke das eine Tatsache: „Wie du wieder 35.000 Menschen singen „Außer aussiehst!“ – das kann ich aus meiner Perspektive doch gar Heino können alle gehen!“, dann nicht ironisch meinen. macht mich das stolz und ich stelle fest, dass die schon auch merken, was Qualität ist. Mit der Gerade die Ärzte haben sich ja neuen Platte habe ich nun auch auch kritisch geäußert zu der Veröffentlichung. Müssten dieses Publikum ins Auge die sich nicht freuen? gefasst. Meine PlatE LAGER Die kassieren doch tenfirma hat mich R V jetzt auch mit, ganz am Anfang TO oder nicht? des Projekts Heino: Na klar, gefragt: die Komponis„Welche ten und AutoZielgruppe ren der Lieder möchtest du bekommen denn damit jetzt auch Geld. erreichen?“, und ich meinAber wenn sie ein nd r st el te: „Nun ja. Im Problem damit ha• G a rt e n Grunde weiß ich ben, können sie den das auch nicht. Aber Gewinn auch gerne an ich bin mir sicher, dass es ein Krankenhäuser oder Altenheime Medienspektakel gibt.“ Dass es spenden – oder mir geben, das so groß werden würde, habe ich wäre auch in Ordnung. (lacht) allerdings nicht geahnt. Besonders der Manager von den Ärzten hat sich sehr aufgeregt. Die denken alle, sie hätten die (Er zeigt stolz die aktuellen DownMusik erfunden, dabei gibt es load-Zahlen.) das, was sie machen schon seit Hatten Sie keine Angst, ihre FanJahrhunderten. Sie sprechen alle gemeinde mit den neuen Liedern immer von Toleranz und Respekt, zu verschrecken? aber genau das haben sie vermissen lassen. Heino: Ganz und gar nicht. Die können jetzt mit Stolz sagen: „Mein Sänger ist in den Charts ganz Machen Sie eine Tour mit dem oben.“ Sie wurden jahrelang ge- neuen Programm? hänselt für ihren Geschmack und Heino: Zuerst gehe ich noch auf eine volkstümliche Tour, gejetzt liegt man mit mir total im meinsam mit Florian SilbereiTrend. Mich hat das im Übrigen sen: Ich bin der Stargast beim nie gestört, dass man sich über Frühlingsfest der Volksmusik. mich lustig gemacht hat. Wenn Aber es haben sich schon ein ich weiter so gehänselt werde und ich verkaufe noch mal 50 paar Veranstalter gemeldet, die Millionen Platten, ist das doch gerne mit mir die Rock-Sachen machen würden.

ER

War das eine Intension von Ihnen als sie Ihr neues Album gemacht haben? Junge Leute zu erreichen und sie zu sensibilisieren? Heino: Ach, nein! Mir macht das vor allem viel Spaß! Ich will Freude bereiten. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass diese Lieder die Volkslieder der Zukunft sind. Musikalisch ist es für mich keine Herausforderung, die Melodien bewegen sich alle innerhalb einer Oktave. Der Enzian ist da eine ganz andere Hausnummer! Es ist auch egal, ob ich singe „Junge,

Selbst das Auto passt ins neue Bild – Heino unterwegs durch Deutschland.

Ka

Ist es für Sie anstrengend, die vielen Termine im Moment wahrzunehmen und diesem ganzen Medienrummel gerecht zu werden? Heino: Nein. Ich hatte schon immer sehr viele Termine, das hält mich jung und fit und ich bin auch ganz froh, dass es so ist. Andere Kollegen in meinem Alter wünschten sich, dass sie so etwas noch mal erleben könnten. Mir macht das unheimlich viel Spaß. Ich bin sehr gerne mit jungen Menschen zusammen. Es wurde ja oft behauptet, ich sänge nur für alte Leute – das stimmt so gar nicht! Es kommen mehr junge Leute zu meinen Konzerten als man sich das vorstellt. Ich bin schließlich kein Schunkelsänger, sondern habe angefangen mit einem Repertoire aus alten Volksliedern. Das sind Lieder, die das System kritisieren. Die sagen das gleiche aus wie Rock- und Popsongs heute, nur haben sie einen anderen musikalischen Hintergrund. Viele, die mich kritisieren, kennen den geschichtlichen Rahmen gar nicht. Wenn Oomph! mir jetzt vorwirft, dass ich „es steht ein Soldat am Wolgastrand“ gesungen habe, dann sollten sie sich erstmal informieren, was das für ein Lied ist. Es stammt aus einer Operette von Franz Lehár aus dem Jahr 1927.

Haben Sie für die neuen Stücke eine andere Band als für die volkstümlichen Lieder? Heino: Nein. Das sind die gleichen Musiker. Das sind ja alles Profis und für die ist es ein Leichtes, „Sonne“ von Rammstein zu spielen.

Beim Interview in Mainz: Dem Rummel um seine Person begegnet der Sänger entspannt.

komm bald wieder!“ oder „Junge, warum hast du nichts gelernt?“. Es geht immer darum, dass man der Mutter nicht das Herz bricht. Oder nehmen Sie „Sonne“ von Rammstein – ich habe vor 40 Jahren schon über die Sonne gesungen.

-Foto: eis

super! Ich will Musik machen und Freude bereiten. Wem das nicht gefällt, was ich mache, der muss meine Musik ja nicht hören. Es gibt schließlich genug Alternativen in Deutschland. Sehen Sie die neue CD auch ein

Wie schaffen Sie es denn, so fit zu bleiben? Heino: Man muss diszipliniert leben. Ich würde natürlich niemals eine Flasche Whiskey am Tag leeren. Ich mache Karate und Aikido schon seit den 70er Jahren, habe den schwarzen Gürtel und beherrsche immer noch viele Übungen, die ich jeden Tag mache. Auch Gesangsübungen sind ganz wichtig, Stimmbänder sind schließlich auch Muskeln, die trainiert und fit gehalten werden müssen. Dann haben Sie vermutlich auch nicht vor, in den nächsten Jahren in Rente zu gehen?

-Foto: abu

Heino: Ich bekomme seit knapp zehn Jahren monatlich meine Rente überwiesen: 1.635 Euro. Das ist nicht besonders viel, aber es gibt sicherlich Familien in Deutschland, die über solch eine Summe sehr glücklich wären. Mein Produzent hat das für mich aber schon immer so eingerichtet, dass ich abgesichert bin. Ich hatte nach meinem ersten Hit ganz schnell ein Angebot für einen 10-Jahres-Vertrag bei der Plattenfirma. Das habe ich natürlich dankend angenommen. Sie haben in Ihrer Karriere über 1.500 Lieder gesungen. Haben Sie trotzdem so etwas wie ein Lieblingslied? Heino: Im Grunde genommen sind alle meine Lieblingslieder. Man kann etwas nur glaubwürdig rüberbringen, wenn man es selbst mag! Auch auf meiner neuen Platte sind richtig tolle Lieder. „Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller – das gefällt mir von Tag zu Tag besser! (singt) Wunderschön! Da geht mir das Herz auf! Da sind schon tolle Kompositionen dabei, das gebe ich auch gerne zu. Klar, hatte ich am Anfang meine Probleme – was ist denn eine „Chillout-Area“? Jetzt weiß ich es. Das sind eben moderne Worte, das ist doch toll! Haben Sie die Songs selbst ausgesucht? Heino: Ich hatte Hilfe von Leuten, die sich da besser auskennen. Natürlich kenne ich die großen der Popszene wie Grönemeyer, Nena, die Ärzte und Rammstein natürlich, auch von den Sportfreunden Stiller hatte ich schon mal gehört, aber dann hörte es auch schon so langsam auf. Das war für mich aber kein Problem. Wenn ich ein Mal die Noten gesehen habe, kann ich das nachsingen – dann ist der Fisch gefuttert. Ich muss mich nicht zwei Wochen einschließen, um das zu üben. Singen Sie denn trotzdem weiterhin noch Klassik? Heino: Ja, klar! Ich mache weiterhin meine Kirchenkonzerte mit klassischen Stücken von Schubert, Brahms, Mozart, Tschaikowski … Das ist schon eine riesige Bandbreite von Schubert zu Rammstein. Heino: Ich habe alles gesungen, ja. Seemannslieder, Volkslieder, Fahrtenlieder, Heidelieder. Irgendwie hat mir Gott etwas mit auf den Weg gegeben, das mich dazu befähigt, bei den Leuten gut anzukommen. Wollten Sie schon immer Berufsmusiker werden? Heino: Ich habe mich für Musik interessiert, aber meine Familie konnte es sich erstmal nicht leisten, mir Musikunterricht zu bezahlen. Deshalb habe ich eine

Lehre als Bäcker und danach noch als Konditor gemacht. Aber ich habe schnell gemerkt, dass mich das nicht erfüllt und habe angefangen, Musik zu studieren. Ich komme auch durchaus aus einer musikalischen Familie, meine Mutter konnte wunderschön singen. So habe ich einfach mein Hobby zum Beruf gemacht. Waren Sie sehr ehrgeizig? Wollten Sie denn berühmt werden?

. Sa. + So

Heino: Nein, das war nie mein Streben. Ich war eher jemand, der Angst hatte. Als ich damals entdeckt wurde, war ich noch Teil eines Trios. Ich konnte es gar nicht glauben, dass man auf mich aufmerksam wurde. Ich dachte, die Kollegen könnten das viel besser. Aber man hat mich ausgewählt und ich habe meine erste Platte gemacht. Das war im Januar oder Februar 1966. Ich war nach den Aufnahmen total unglücklich, weil ich das Gefühl hatte, dass das alles gar nicht geklappt hatte. Im Sommer war ich dann mit meiner damaligen Frau im Urlaub in Rimini und bin dort am Strand spazieren gegangen. Ich wurde auf eine Gruppe Jugendlicher aufmerksam, die alle um ein Radio herumsaßen und plötzlich erkannte ich, dass mein Lied „Jenseits des Tales“ lief. Am nächsten Tag habe ich sofort bei der Plattenfirma angerufen und die waren schon völlig aus dem Häuschen, ich müsse sofort zurückkommen, meine Platte sei in allen Hitparaden die Nummer Eins. Ich bin dann nach Hause gefahren und seitdem hat der Rummel nie mehr wieder aufgehört. Welche Komplimente freuen Sie denn nach so langer Zeit noch besonders? Heino: Vor wenigen Tagen sind auf der Autobahn ein paar junge Leute an uns vorbeigefahren. Sie haben das Auto erkannt, die Daumen hochgehalten und meine neue CD gezeigt – die gab gerade mal zwei Tage zu kaufen. Ich war richtig aufgeregt deswegen.

3. z . 0 1 + . 9 Marktplat

VERKAUFSOFFENER

SONNTAG

13.00 - 18.00

10.3.

Autos • Fahrräder • Wohnwagen Vorführungen • Informationen Die Autohäuser:

Bohlender , Kandel : Kunisch , Kandel :

Service

Hamm , Wörth : Müller Automobile , Hatzenbühl: Service

Service

Fritz Walter , Steinweiler: Stoltmann , Hördt:

Tretter Automobile , Kandel: Friedmann , Steinfeld: Frey , Minfeld: www.tretter-automobile.de

Hoffmann , Hatzenbühl:

Service

KCS Messinger , Kandel: Wohnwagen Radhaus Rödel , Kandel: Fahrräder Bi-Ka-Ge | Die Rheinpfalz | VHG Kandel Schirmherr: Stadtbürgermeister Günther Tielebörger mit freundlicher Unterstützung durch

Pfalz-Echo 07/2013  

Wir sind für Sie vor Ort.

Pfalz-Echo 07/2013  

Wir sind für Sie vor Ort.

Advertisement