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W I N T E R 2 013

WINTER SPE ZI A L I M I T EN

R E N EE SCH

FIT FÜR DISTANZEN DER RICHTIGE TRAININGSAUFBAU IM WINTER PRÄPARIERTE PISTEN WINTER IM JURA HOCH ZU ROSS

AUSLAUF IM WINTER VERSCHIEDENE UNTERLAGEN IM VERGLEICH AUF DEM GIPFEL STEVE GUERDAT IM PORTRÄT

CHF 8. 50


EQUITANA WELTMESSE DES PFERDESPORTS

Fotos: EQUITANA 2009, Änderungen vorbehalten

Der Vorverkauf hat begonnen!

16.-24. März 2013 MESSEGELÄNDE ESSEN

Sie online! n e h c u B – f u a k Karten Sparen Sie beim

www.equitana.com EQUITANA Team der Reed Exhibitions Deutschland GmbH

info@equitana.com


EDITORIAL

EQUITOUR Internationale Reiterreisen Die ganze Welt zu Pferd! Durch das Hochland Ecuadors ...

FREMD SEIN ... die Wüste Marokkos ...

Liebe Leser Der Soziologe Georg Simmel äusserte sich in einem seiner zahlreichen Exposés auch zum befremdlichen Empfinden jeglicher Andersartigkeit und meinte salopp: «Fremde sind wir uns selbst.» Was der gewiefte Wissenschaftler damit aufzeigte, sind die zwei Arten von fremdem Befinden: innerhalb einer Kultur und ausserhalb. Und hier beginnt seine Analyse unser Thema zu berühren. Wie viele Worte wurden schon verschwendet, um Unterschiede und Einzigartigkeiten in Reitarten, Rassenspezifikationen oder Verbandseigenheiten zu verherrlichen? Zu viele. Sie alle haben dazu beigetragen, anderen Tendenzen mit einer gebührenden Portion Abgrenzung zu begegnen. Fremdes Empfinden entsteht aus Unverständnis und der unweigerlich damit verbundenen Angst vor dem Andersartigen. Nur wenige empfinden die Berührung mit dem «Anderen» als bereichernd. Abgrenzung, Ausgrenzung und schützende Begrenzung sind die Folge. In unserer Pferdewelt sorgen diese Mechanismen für das gewohnte Nebeneinander mit deutlich zu wenig Berührungspunkten. Doch weshalb sollen wir uns selber befremdend finden? Weil das Fremde ein Element der Gruppe selbst darstellt. Will heissen: Der Reitende mit anderer Ausrichtung als ich, bewegt sich dennoch in der gleichen Gruppe, in derjenigen aller Menschen, die sich mit Pferden beschäftigen. Und schon sind wir uns selbst fremd. Unnötiger-, ja sogar unverständlicherweise; denn die Gemeinsamkeiten überwiegen in jeglicher Reitform. Der Artikel Western versus Klassisch soll aufzeigen, dass wir Reiter unweigerlich eine Schicksalsgemeinschaft sind, bei der uns viel mehr einigt, als uns trennt. Dieses Verständnis soll sich an der BEA PFERD manifestieren. PASSION präsentiert dort eine Dreiecksbeziehung zwischen Natural Horsemanship, Dressurreiten und klassischer Western-Reitweise. Drei vermeintlich verschiedene Welten, die harmonisch miteinander in die Zukunft traben. Ein Symbol für ein einheitlicheres Miteinander, denn wir Pferdemenschen sind eine grosse Familie. Beginnen wir heute, uns auch als ebensolche zu verstehen.

... oder auf Reitsafari in Afrika ...

Ein idealer Vorsatz für das Jahr 2013; in diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen mit Ihren Pferden viele schöne Stunden.

www.equitour.ch

Freundliche Grüsse

Gratis-Katalog anfordern: Tel: 061-303 31 01 Sacha Jacqueroud, Autor PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

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I N H A LT

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W I NTER 201 3 RUBRIKEN 1

Editorial

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Inhalt

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Pinnwand

10

Veranstaltungstipps im Winter

15

Martkplatz

40

Prominent im Sattel: Franco Cavegn

38

Ein Thema, zwei Meinungen

53

Stallgespräch: Cynthia Wigger

66

Die ironische Kolumne

67

Shopping Winter

78

Seitenblick

79

Rätsel

80

Impressum/Vorschau

6

Porträt Steve Guerdat

R E P O R TA G E N 30

Reisebericht Lappland

34

Rassenportät Freiberger

42

Feine Signale lesen

46

Porträt Nicola Heyser

50

Arbeiten mit dem Pferd – Holzrücken

54

Western oder Klassisch?

58

Pferdeverrückte Mädchen

60

Medizin: Boxenstopp!

68

BEA 2013 – Vorschau

70

Porträt Bernd Branderup

74

Porträt Ethologieschule

76

Andalusien: Einstieg in den Ausstieg – Porträt Hannelore Karst

12

Fütterung im Winter

16

Auslauf im Winter

20

Wintertraining – Endurance

26

Reitwege im Jura

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WINTER SPEZIAL

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PINNWAND Haben Sie einen gelungenen Schnappschuss Sc von Ihrem Pferd oder Ihrem letzten Ausritt? Auf dieser Seite hat es Platz für Ihre Bilder. Hier können Sie auch Lob und Kritik zum Heft, oder einen Kommentar zu einem Artikel loswerden. Wir freuen uns auf Ihre Reaktionen und werden in jeder Ausgabe eine Auswahl auf dieser Seite veröffentlichen. Ihre Fotos benötigen wir in einer Auflösung von min. 300 dpi. Ihre Mails erreichen uns unter: redaktion@prosell.ch ch

FEEDBACK Liebes Passion-Team, Eure Zeitschrift ist absolut der Hit! Ich bin begeistert! Macht weiter so! Vielleicht ist dieses Foto für die Pinnwand geeignet: et: «Ätsch, ich bin schon 20 Jahre alt!» Jorn du Cerisier, beim Fotoshooting 2011. Mit freundlichen Grüssen Daniela Krauer und Peter Wöll, Freienbach

EINDRÜCKE DES ERSTEN SCHNEES: DEZEMBER 2012 4

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Mit den Pferden auf Du und Du. Der Kontakt zu den Zuschauern.

Der stimmungvolle Ritt durch die Multergasse im Herzen der Gallus-Stadt.

TRADITION SEIT JAHRZEHNTEN

E

s ist in St. Gallen eine wahre «Chlausinvasion», wenn die Reiterinnen und Reiter des Husaren-Reitclubs und des Reitclubs St. Gallen in der Innenstadt eintreffen. Dieser Auftritt in der Gallus-Stadt – jeweils am 6. Dezember – hat bereits eine fast 40-jährige Tradition. Die letzte Austragung fand mit dem massiven Schneefall in einem besonders weihnachtlichen Ambiente statt. In Scharen säumen erwartungsvollen Zuschauer die Strassen und die ungeduldigen Kinder fragen ihre Eltern: «Wenn chömmeds?». Gemeint sind die rund 15 «Chläuse» auf ihren Pferden und am Ende der Zweispänner mit den beiden Schimmeln. Der Aufmarsch wird begleitet von kleinen Engeln, die Erdnüsse, Mandarinen und Schokolade verteilen.

Musikalisch wird der Anlass von einer Bläsergruppe begleitet, die mit bekannten Weihnachtsmelodien das zahlreich erschienene Publikum auf die Adventszeit und die bevorstehenden Festtage einstimmt.

DIE PFERDE BEGEISTERN Annähernd zwei Stunden bewegt sich der «Chlaus-Umzug» hoch zu Ross durch die Altstadtgassen von Platz zu Platz. An zehn verschiedenen Standorten reihen sich die berittenen «Samichläuse» auf und die Mitglieder der Bläsergruppe greifen zu ihren Instrumenten. Ob gross oder klein, Erwachsene oder Kinder – die Pferde ziehen an diesem Abend alle in ihren Bann. Mehrere «Chläuse» sind auch zu Fuss unterwegs und sorgen für die notwendige Sicherheit der Tieren und Zuschauer. Mit dem Chlausumzug kann die Stadt St.Gallen auf eine ebenso langjährige wie einzigartige Tradition verweisen. Text und Bild: Fritz Heinze, Steinach

Gute Stimmung auf dem St.Galler Chlausritt.

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REITEN MIT

HERZ STEVE GUERDAT: OLYMPIASIEGER IM SPRINGREITEN

Geboren, um zu reiten – auf Steve Guerdat trifft das vollumfänglich zu. Hoch zu Pferd fühlt er sich im Element. Dank Passion, Talent und der Unterstützung eines loyalen Teams ist ihm keine Hürde zu hoch: Mit Nino des Buissonnets sprang der Westschweizer in London zu Olympiagold und als Folge seiner beeindruckenden Erfolgsserie an die Spitze der Weltrangliste.

Text: Ruth Müller Fotos: zVg

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Ein starkes Team: Steve Guerdat und Nino des Buissonnets.

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lympiagold, Nummer eins der Welt, Sieg im höchstdotierten Grand Prix des Jahres und Rang zwei im Weltcupfinal – für Steve Guerdat wurden 2012 sämtliche sportlichen Träume wahr. Unabhängig davon lag Guerdats ganzes Glück der Erde seit jeher auf dem Rücken der Pferde. Als dreijähriger Knirps unternahm der Jurassier erste Reitversuche. Dass sein erstes Pony Olymp hiess, war wohl ein Zeichen, auch wenn sich damals die grosse Karriere nicht erahnen liess.

Im frühen Teenageralter wusste er aber: «Pferde bedeuten mir alles, sie sind meine besten Freunde. Ich möchte nichts anderes machen als Reiten.» Guerdat brach die Schule in der elften Klasse ab, um auf die Karte Springsport zu setzen. Seine Affinität wurde dem Ausnahmetalent aus Bassecourt in die Wiege gelegt: Sein Grossvater war Pferdehändler, sein Vater Philippe Guerdat war Reitstallbesitzer, zudem zweifacher Olympiateilnehmer in Los Angeles und Seoul und ist heute ein gefragter Ausbilder, der die belgische Nationalmannschaft betreut.

Als elfjähriger Junior bestand Steve Guerdat die Lizenzprüfung. Im Sattel verblüffte er mit Balance, Einfühlungsvermögen und Intuition. In den Schulferien bildete er sich jeweils bei Beat Mändli reiterlich weiter. Auch eignete er sich beim international erfolgreichen Topreiter das Rüstzeug für den Profisport an. Der Einsatz trug Früchte: Schon früh legte Guerdat seine Winner-Mentalität an den Tag und ritt von Erfolg zu Erfolg. Noch wichtiger als jeder Sieg ist ihm die gute Beziehung zu seinen Pferden. Guerdat spricht von Liebe: «Mit niemandem

Ein Pferd zwischen Genie und Wahnsinn: Unter Steve Guerdat ist Nino des Buissonnets kein Hindernis zu hoch. PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

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Dank zahlreichen Erfolgen sprang Steve Guerdat an die Spitze der Weltrangliste.

verbringe ich mehr Zeit als mit meinen Pferden. Ich habe eine ganz enge Verbindung zu ihnen. Schwierig, das zu beschreiben.» Er ist ohnehin kein Mann der grossen Worte. Zu Fuss wirkt er zurückhaltend, bisweilen schüchtern. Manche deuten seine Reserviertheit als Arroganz. Fälschlicherweise, sagen jene, die ihn besser kennen. Vielmehr sei «Steve Wonder», so sein Spitzname unter Kollegen, hilfsbereit und grosszügig. PFERDE ALS EINZIGES STECKENPFERD «Reiten hat nebst Geduld und harter Arbeit viel mit Gefühl zu tun», weiss er. Die Eigenheiten des Pferdes wollen verstanden sein. Nur wenn es zum Reiter Vertrauen hat und für ihn kämpft, stellt sich im Parcours Erfolg ein. «Wenn etwas mit dem Pferd nicht stimmt, spüre ich das sofort. Es lässt mir keine Ruhe, bis ich herausgefunden habe, 8

was ich verändern kann, damit es sich wieder wohlfühlt.» Geben und Nehmen beruht bei Steve Guerdat auf Gegenseitigkeit: «Wenn ich nicht gut drauf bin und mich auf den Pferderücken schwinge, macht es Klick, und ich bin ein glücklicher Mensch.» Fokussiert und zielstrebig war er schon immer, ein Stilist ebenso. Seine Reitweise gefällt den vielen Fans, die dem smarten Junggesellen im Parcours die Daumen drücken. Im Rütihof, hoch über der Gemeinde Herrliberg, bezog Steve Guerdat im April 2007 sein aktuelles Zuhause. Die feudale Reitanlage mit Halle, Sandplatz, Weiden und Paddockboxen bietet ihm und seinen Pferden in jeder Hinsicht beste Bedingungen. Besitzer ist Urs E. Schwarzenbach, dem auch das Zürcher Nobelhotel Dolder gehört. Als leidenschaftlicher Polospieler ist der Financier den Pferden verbunden. PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

Ihm gehört auch Guerdats Goldpferd Nino des Buissonnets. Als weitere grosse Stütze kann er auf Yves G. Piaget zählen. Der Westschweizer Uhrenfabrikant stellt ihm – in erster Linie aus Freundschaft – vierbeinige Top-Cracks wie Jalisca Solier zur Verfügung. «Einen besseren Pferdebesitzer kann sich ein Reiter nicht wünschen», sagt Guerdat, der mit den Pferden in Ruhe arbeiten und – für ihn sehr wichtig – bei einem Verkauf mitreden kann. Insgesamt trägt er die Verantwortung für dreizehn Pferde. Vier Angestellte helfen ihm, diese zu pflegen und fit zu halten. Einmal pro Woche trainiert Guerdat mit Thomas Fuchs. Mit dessen Sohn Martin, aktueller Europameister der Jungen Reiter, ist er gut befreundet. In dieser sicheren Umgebung konnte sich Steve Guerdat sportlich so gut entfalten, dass er am 1. November erstmals die


Ritt zum GP-Sieg beim Mercedes-CSI Zürich: Steve Guerdat und Nasa vor prächtiger Kulisse im Hallenstadion.

Führung in der Weltrangliste übernahm. Nach Willi Melliger, Markus Fuchs und Pius Schwizer ist er der vierte Schweizer Springreiter, dem dies gelingt. Diesem Karriere-Highlight gingen mehrere Grosserfolge voraus. Im April erreichte er mit Nino des Buissonnets den zweiten Rang beim Weltcupfinal. Und in London schrieb das Paar Geschichte – Guerdat ist der erste Schweizer Springreit-Olympiasieger seit 1924, als Alphonse Gemuseus in Paris mit Lucette zu höchsten Sportmeriten sprang. Grossen Anteil an Guerdats Triumphen haben die Pferde, allen voran der französische Wallach Nino des Buissonnets. «Er ist ein Pferd zwischen Genie und Wahnsinn», pflegt er vom temperamentvollen Braunen zu sagen. «Das Pferd kann alles, ist aber eigenwillig, bisweilen ungestüm», sagt der Romand in fliessender Mundart. Der Erfolgsstory fügten die beiden im Ok-

tober ein weiteres Kapitel hinzu. In Rio de Janeiro feierten sie im höchstdotierten Grand Prix der Welt den Sieg. Guerdat heimste beim von der Reederei-Erbin Athina Onassis organisierten Turnier am Fusse des Corcovado ein Rekord-Preisgeld von 330 000 Euro ein. Schön und gut, doch dafür reitet der Dreissigjährige nicht. Er reitet, weil es seine Leidenschaft ist. «Wenn ich etwas auf der Welt ändern könnte, würde ich alles Geld abschaffen. Weil es der Grund für viele Probleme ist. Meine Mutter sagte mir immer, so lange man keine Schulden habe, sei man reich. Ich jedenfalls möchte dereinst lieber mit vielen Medaillen um den Hals sterben, als mit einem Haufen Geld auf dem Konto.» Fette Siegerschecks sind nicht Steve Guerdats Ansporn – und daran wird sich bei allem Erfolg nichts ändern. PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

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V E R A N S TA LT U N G E N I M W I N T E R Auf diesen Seiten empfiehlt Passion einige Veranstaltungen. Ihren Event, der in den Monaten Februar, März und erste Hälfte April zur Austragung kommt, können Sie uns für die Frühlingsausgabe von PASSION bis am 15. März 2013 melden. Eine

Auswahl Ihrer Einsendungen werden wir veröffentlichen. Da es sich aber um eine Gratisrubrik handelt, wird kein Gut zum Druck gegeben und die Veröffentlichung der Termine kann nicht garantiert werden. redaktion@prosell.ch

KANADA – LEBEN IN DER WILDNIS Welcher richtige Outdoor-Fan träumt nicht von der Wildnis Kanadas! Sabrina und Markus Blum haben sich genau diesen Traum erfüllt. Inspiriert vom Weltbestseller «Das Schneekind» von Nicolas Vanier, geht die Schweizer Familie auf grosse Reise und folgt den Spuren des Schneekinds in dessen Heimat. Zusammen mit ihrer 18 Monate alten Tochter und fünf Pferden bestehen sie viele Abenteuer, bis sie die idyllische Blockhütte am Thukada-See finden. In den vergangenen Jahren hat die junge Familie zu jeder Jahreszeit in den Cassiar-Bergen in Westkanada gelebt und auch viele Monate im Blockhaus verbracht. Zu traumhaften Bildern und spannenden Filmausschnitten erzählen die Aussteiger ihre authentische Geschichte aus der einsamen Wildnis Kanadas.

Vorführungen Cham

Mi

23.01.

Lorzensaal

19.30 Uhr

Luzern

Do

24.01.

Paulusheim

19.30 Uhr

Nottwil

Fr

25.01.

Paraplegikerzentrum

19.30 Uhr

Zürich

Mo

28.01.

Volkshaus, Weisser Saal

19.30 Uhr

Winterthur

Di

29.01.

Römertor

19.30 Uhr

Zürich

Mi

30.01.

Volkshaus, Weisser Saal

19.30 Uhr

Zürich

Do

31.01.

Volkshaus, Weisser Saal

19.30 Uhr

Jona

Fr

01.02.

Kreuz

19.30 Uhr

Uster

Mo

04.02.

Wagerenhof

19.30 Uhr

Münsingen

Di

05.02.

Schlossgut

19.30 Uhr

Bern

Mi

06.02.

Hotel Jardin

19.30 Uhr

Bern

Do

07.02.

Hotel Jardin

19.30 Uhr

Interlaken

Fr

08.02.

Aula Sekundarschule

19.30 Uhr

Thun

Sa

09.02.

Burgsaal

19.30 Uhr

Spiez

Mo

11.02.

Lötschbergsaal

19.30 Uhr

Solothurn

Di

12.02.

Konzertsaal

19.30 Uhr

Lyss

Mi

13.02.

Weisses Kreuz

19.30 Uhr

Schaffhausen

Do

14.02.

Parkcasino

19.30 Uhr

Infos und Vorverkauf: www.explora.ch

MITMACHEN M ITMA UND GEWINNEN! Die Eventagentur EXPLORA EVENTS AG und PASSION verlosen 5 x 2 Tickets. Nimm am Wettbewerb teil und mit etwas Glück kannst du gratis miterleben, wie es der Schweizer Familie Blum auf ihrer Reise zur idyllischen

BADENCLASSICS OFFENBURG 31. JANUAR – 3. FEBRUAR 2013 Die Freunde des Reitsports dürfen sich wieder freuen: 2013 kommt mit den BadenClassics bereits zum sechsten Mal internationaler Spitzenspringsport auf das Offenburger Messegelände. Nur 120 km nördlich von Basel kämpfen Weltklassereiter im Südwesten Deutschlands am 2-Sterne-Hallenspringturnier um Ruhm und Ehre. Auch der Schweizer Olympiasieger Steve Guerdat wird an den Start gehen. Das Offenburger CSI hat sich über sechs Jahre hinweg inzwischen bestens etabliert und steht bei den Springreitern hoch im Kurs: Schon im Oktober gehen die Anfragen von Teilnehmern aus aller Welt ein, die in Offenburg starten möchten.

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In insgesamt 18 Springprüfungen geht es um ein Preisgeld von über CHF 100 000 und um wertvolle Punkte für das FEI-/ROLEX-Weltcupranking, die in den drei anspruchsvollsten Prüfungen über 1,45 m Hindernishöhe vergeben werden. Die BadenClassics sind bekannt für ihre einmalige Nähe zum Sport und das internationale Flair, das die über 100 Reiter aus rund 15 Nationen mitbringen. Der gesamte Event zeigt sich besonders kinderund familienfreundlich: Sonderaktionen für Familien, Ermässigungsangebote sowie Ticketverlosungen und Mitmachwettbewerbe sollen dazu beitragen, dass noch mehr grosse und kleine Pferdefreunde mit dabei PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

Blockhütte am Thukada-See in Westkanada erging. Folge den wunderschönen Bildern, den spannenden Filmausschnitten und den interessanten Erzählungen der Aussteiger über ihre Abenteuer in der einsamen Wildnis Kanadas. Sende eine E-Mail mit deiner kompletten Postanschrift und Stichwort «Thukada-See» an info@ prosell.ch und schon bist du dabei. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


PARELLI-WINTERSEMINARE 2013 Winterpause für dein Pferd – effizienter Lernpass für dich! Die Schweizer Parelli-Instruktoren organisieren auch diesen Winter wieder die beliebten Winterseminare zu den unterschiedlichsten Themen. Nutze die kalte Jahreszeit für deine persönliche Weiterbildung. Alle Pferdeliebhaber sind willkommen – mit oder ohne Parelli-Vorkenntnisse. Die Winterseminare kosten 150.– pro Person und sind sehr effizient, da an einem Tag ein Thema gezielt und detailliert vermittelt wird. Theorie, Anschauungsunterricht mit Demopferden und praktische Simulationen ohne Pferd lösen sich dabei ab. Die Teilnahme erfolgt ohne eigenes Pferd. Kurszeiten 10.00 bis 16.30 Uhr.

EQUITANA 2013. WELTWEIT GRÖSSTER TREFFPUNKT DES PFERDESPORTS

Mit mehr als 1000 Pferden verwandelt sich das Essener Messegelände im März 2013 wieder in den Mittelpunkt der Pferdewelt: Die EQUITANA, die weltweit grösste Messe des Pferdesports, öffnet zum 22. Mal ihre Tore. Seit fast vier Jahrzehnten werden hier immer wieder neue Pferderassen und Reitweisen erstmals dem Publikum präsentiert, zahlreiche Stars und Pferdeexperten schafften hier ihren internationalen Durchbruch. Und auch heute feiern Innovationen und Neuigkeiten aus der Reitsportszene auf der EQUITANA ihre Premiere. Vom 16. bis 24. März versammeln sich in den Essener Messehallen rund 1000 Pferde 40 verschiedener Rassen, 850 Aussteller aus 30 Ländern und rund 200 000 Reiter und Pferdeliebhaber. Die Besucher erleben insgesamt 1000 Stunden Programm aus Wettbewerben, Demonstrationen und Lehrstunden. In 17 Messehallen dreht sich alles nur um ein Thema: das Pferd. Im grossen Produktbereich gibt es alles, was sich Pferd und Reiter wünschen – vom Futter über Pflegemittel und Bekleidung bis hin zu Pferdetransportern und ganzen Stallbauten. Die weltgrösste

Mitmachen und Gewinnen PASSION und EQUITANA 2013 verlosen 10 x 2 Eintrittstickets. Einfach eine E-Mail mit Stichwort: EQUITANA 2013 an info@prosell.ch

Pferdemesse bietet aber nicht nur die Gelegenheit zum Einkaufen, sondern vor allem auch zum Staunen. Egal ob die Hengstschau mit den besten Zuchthengsten Deutschlands, die Lehrstunden mit Weltmeistern und Olympiasiegern oder Demonstrationen in der Dressur, im Springreiten oder Voltigieren – die EQUITANA bietet allen Pferdeliebhabern ein einmaliges Rahmenprogramm. Alle Infos und Ticketbestellung unter www.equitana.com

Sa., 19.01. «HORSENALITY – Pferdepersönlichkeiten» Grundlagen und Umsetzung im Trainingsalltag Mit Kursleiter Benjamin Gerber in Balgach SG So., 20.01. «Sitzeinwirkung – Balance – Geraderichten» Mit Kursleiter Berni Zambail in Bremgarten AG So., 10.02. «Training mit Köpfchen: Die Parelli-Patterns» Mit Kursleiterin Carmen Zulauf in Avenches VD

sein können. Auch in diesem Jahr sind die Voltigierer wieder mit dabei und bieten mit ihrem Kürwettkampf das perfekte Kontrastprogramm zum Springsport. Sechs international erfolgreiche Voltigierteams, unter ihnen die aktuellen Weltmeister aus der Schweiz, werden mit ihrer spektakulären Akrobatik auf dem galoppierenden Pferd für Beifallsstürme in den Hallen sorgen. Wer die Abende nach dem Sport gesellig ausklingen lassen will, besucht die beliebten «BCPartys».

Alle weiteren Infos unter www.baden-classics.de PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

Sa., 16.02. «Barhufe in der Praxis, Trim-Tipps, Hufpads und ihre Anwendung, Hufschuhe anpassen» Mit Kursleiter Berni Zambail in Bremgarten AG Sa., 23.02. «Anatomie & Biomechanik des Pferdes» Mit Kursleiter Adrian Heinen in Düdingen FR So., 24.02. «Problemlos Hängerverladen» Mit Kursleiter Adrian Heinen im NPZ Bern Infos & Anmeldung: Parelli-Instruktoren Team Schweiz, Tel. 081 834 49 39 www.parelli-instruktoren.com info@parelli-instruktoren.com

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WINTER SPEZIAL

Die Grundsätze der Pferdefütterung unterscheiden sich im Winter nicht wesentlich von denjenigen in anderen Jahreszeiten. Berücksichtigt werden muss jedoch die Zusammensetzung der Ration ohne Weidegras sowie der veränderte Nährstoffbedarf der Tiere durch die vermehrte Stallhaltung. Es gilt daher insbesondere in der kalten Jahreszeit einige Dinge zu beachten, will man seinen Vierbeiner gesund und gut genährt durch die Wintermonate bringen.

Text: UFA Fotos: Snake Viking 12

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as Pferd ist ursprünglich ein Steppentier. Das Nahrungsangebot in der kargen Umgebung war entsprechend bescheiden. Und so erstreckte sich die Futtersuche über weite Distanzen und nahm bis 18 zu Stunden am Tag in Anspruch. Der Verdauungstrakt unserer heutigen Pferde ist immer noch auf diese Umstände eingestellt. Für eine wirklich artgerechte Ernährung wären also häufigere, kleine Futterportionen ideal. Insbesondere wenn kein Weidegang möglich ist, sollte daher Nahrungsaufnahme auf mindestens drei Fütterungen pro Tag verteilt werden. Die Pausen zwischen den Rationen sollten maximal sechs bis sieben

Stunden am Tag und 10 Stunden in der Nacht betragen. BEDARF, GEWICHT UND MENGE Um ein Pferd richtig zu füttern, müssen der Bedarf des Tieres und die Gehalte im Futter bekannt sein. Doch auch die genauesten Bedarfszahlen und Futterwerte nützen nur wenig, wenn sie falsch angewendet werden. Eine wichtige Voraussetzung zur Bestimmung des Bedarfs ist das Gewicht des Pferdes. Ist es dem Pferdehalter nicht möglich, sein Tier irgendwo auf eine Waage zu stellen, kann das ungefähre Gewicht mit Hilfe einer einfachen Formel errechnet werden. Die Körperlänge entspricht bei dieser Berechnung der Distanz PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

vom Schultergelenk bis zum Sitzbeinhöcker (siehe Abb. 1). «Zu viel» oder «zu wenig» ist grundsätzlich ungesund. Der Nährstoffbedarf setzt sich aus dem Erhaltungsbedarf und dem Leistungsbedarf für die tägliche Arbeit/Leistung zusammen. Im Winter ist ein ausgedehnter Ausritt oder intensives Training auf dem Reitplatz aufgrund der Witterungsverhältnisse oft nicht möglich. Dies sollte unbedingt bei der Rationengestaltung entsprechend berücksichtigt werden. Für diesen Fall eignet sich beispielsweise der Ersatz des gewohnten Kraftfutters durch ein energiereduziertes Stehfutter. Das Pferd hat einen kleinen Magen und voluminöse, lange Därme. Zum reibungslosen Transport der Nah13


WINTER SPEZIAL

Abb. 1

kg = Brustumfang B (cm)2 x Körperlänge A (cm)* 11 900 *Quelle: C. Carrol und P. Huntington: Body Condition scoring and weight estimates of Horses, London 1988, Equine Veterinary Journal 20 (1), 21-45

rung sind Rohfaserteile wichtig. Deshalb ist es unentbehrlich, dass immer genügend strukturiertes Raufutter (Heu, Stroh, Haylage etc.) zur Verfügung steht. Als Faustregel gilt hier mindestens 1,5 kg Raufutter pro 100 kg Körpergewicht und Tag. Ein 500 kg schweres Pferd sollte demzufolge rund 8 kg Heu pro Tag erhalten. Ein Mangel kann rasch zu Verdauungsproblemen und Verhaltensstörungen aufgrund mangelnder Beschäftigung führen. Ausserdem kompensiert das Pferd den Rohfaserbedarf mit Stroh, sobald die Heuration zu stark eingeschränkt wird. Dies kann im Extremfall zu Anschoppungskoliken oder Kotwasser führen. Es sollte immer zuerst Raufutter und erst dann Kraftfutter verabreicht werden. Dies fördert die Speichelproduktion, die den Magen-pH-Wert stabilisiert und einer Übersäuerung vorbeugt. Zudem «stürzen» sich die Pferde dann weniger gierig auf das Kraftfutter und kauen es besser. Die Kraftfuttermenge pro Fütterung darf 0,5 kg/100 kg Körpergewicht nicht übersteigen. Mineralstoffe und Vitamine sind neben Eiweiss und Energie unerlässliche Bausteine für einen gut funktionierenden Stoffwechsel der Pferde. Insbesondere über den Fellwechsel zeigt sich ein erhöhter Bedarf 14

an Mineralstoffen. Die Menge sollte daher während dieser Zeit entsprechend erhöht werden. Bei der traditionellen Heu/Haferration ist die Calciumversorgung oft nicht ausreichend. Es empfiehlt sich deshalb der Einsatz eines Mineralsalzes mit einem hohem Calcium/Phosphor-Verhältnis (z. B. 4:1). Ausserdem ist zusätzlich auf eine ausreichende Ergänzung mit Salz zu achten. WASSER- UND FUTTERHYGIENE Pferde brauchen permanenten Zugang zu sauberem, frischem Trinkwasser. Selbsttränken müssen daher täglich kontrolliert und – speziell im Winter – allenfalls gegen Frost geschützt werden. Auch sollte vor jeder Fütterung die Qualität des angebotenen Futters und die Sauberkeit der Futtergefässe überprüft werden. Gefrorenes, stark verschmutztes oder gar schimmliges Futter ist für Pferde äusserst schädlich und kann rasch zu Koliken führen. Nicht zuletzt hat die Lagerung oft entscheidenden Einfluss auf die Futterqualität. Häufig werden grössere Mengen bezogen, da sich auf diese Weise oft günstigere Einkaufspreise erzielen lassen. Die grossen Futtervorräte bedingen aber auch eine längere Lagerdauer, was unter Umständen einen Qualitätsverlust zur Folge PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

haben kann. Der Lagerraum sollte deshalb kühl und trocken sein und zudem vor Ungeziefer und Nagern gut geschützt werden. Futter darf auf keinem Fall auf Beton gelagert werden. Beton leitet die Feuchtigkeit, die Vorräte können sehr schnell verschimmeln. FÜTTERUNG DER SENIOREN Mit zunehmendem Alter verändert sich auch der Bedarf an Nährstoffen. Schlechtere Zähne, ein höherer Energie- und Eiweissbedarf und eine abnehmende Verwertbarkeit des Futters führen oft zum Abmagern alternder Pferde. Hier gilt es, den Tieren eine möglichst gut verdauliche und fressbare Ration anzubieten. Auch eine regelmässige Zahnkontrolle ist im gesetzteren Pferdealter durchaus angezeigt. Da Winterfutter härter zu kauen ist als Sommergras, kann das Heu z. B. durch Heucobs ersetzt werden. Diese lassen sich im Extremfall auch einweichen. Gleiches gilt ebenso für das Ergänzungsfutter. Hier eignen sich Pellets besser zum Einweichen als Kombifutter (Müesli). Sind die Pferde viel draussen, empfiehlt sich die Umstellung auf ein energiereicheres Futter. Eine Decke schützt den Senior in freier Natur vor übermässigem Wärmeverlust und reduziert gleichzeitig den Energiebedarf.


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WINTER SPEZIAL

AUSLAUF IM WINTER Pferden im Winter Auslauf zu gewähren, ist vor allem bei nassen Verhältnissen in vielen Ställen ein Problem. Das neue Tierschutzgesetz verlangt ab September 2013 ganzjährig Auslauf für Pferde. Der Bau von befestigten Ausläufen ist nach den neuen Vorgaben äusserst anspruchsvoll und will wohl überlegt sein.

Text und Fotos: Sascha-Rahel Etter Daepp

Pferde mit täglichem, artgerechtem Auslauf danken es dem Reiter mit Leistungsbereitschaft und Ausgeglichenheit.

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Je nach Witterungsverhältnissen können sich die Pferde auf dem Zuchtsbetrieb «Elevage des Baumes» auf den befestigten Ausläufen oder den weitläufigen Weiden bewegen.

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m 1. September 2013 laufen die Übergangsfristen der Tierschutzgesetzesrevision aus dem Jahr 2008 ab. In diesem Zusammenhang treten auch die Änderungen hinsichtlich Auslauf und Bewegung definitiv in Kraft. Neu verlangt der Gesetzgeber unter anderem, dass jedes Pferd täglich ausreichend Bewegung erhält. Genutzte Pferde müssen an mindestens zwei Tagen pro Woche, zusätzlich zur Arbeit, je mindestens zwei Stunden freien Auslauf unter freiem Himmel erhalten. Ungenutzten Pferden, Zuchtstuten und Jungtieren ist dieser täglich zu bieten. Die Ausnahme wird bei extremen Witterungs- und Bodenverhältnissen zwischen dem 1. November und 30. April gewährt. Hier darf der Auslauf auch auf einer überdachten Fläche stattfinden. Vom Paddock wird zudem eine Mindestfläche gefordert und er darf dort, wo sich die Pferde am meisten befinden, nicht morastig sein. TÄGLICHER AUSLAUF OFT SCHWIERIG ZU REALISIEREN Für Pferdehalter, die keine Auslaufboxen mit der entsprechenden Fläche anbieten können, ist dieser tägliche Auslauf gerade im Winter oft schwierig zu realisieren. Häufig sind die Weideflächen klein und werden von vielen Pferden begangen. Damit die Vierbeiner im Frühling wieder auf einer intakten Grasfläche weiden können, müssen die Weiden in der kalten und nassen Jahreszeit entsprechend geschont werden. Zudem erlaubt das Tierschutzgesetz nicht mehr, einen kleinen Teil der Weide dem Winterauslauf zu opfern. Denn diese Flächen verwandeln sich bei entsprechender Witterung rasch in tiefen Morast. Wer

also keine sehr grosse, der Anzahl Tiere entsprechenden Fläche zur Verfügung hat, damit die Pferde den morastigen Stellen ausweichen können, ist gezwungen, einen befestigten Auslauf zu bauen. Die Ansprüche an einen Auslauf sind hoch. Er sollte ideale Eigenschaften für Pferde bieten. Dies beinhaltet nicht nur eine gewisse Elastizität, Gleitsicherheit, Wetter- und Wintertauglichkeit; er muss auch die Verletzungsgefahr minimieren. Daneben sollte er leicht zu reinigen sein und sich nicht zersetzen, er muss trittfest sein und darf nicht stauben. Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Anspruch der Umweltverträglichkeit. Will heissen, dass eine allfällige spätere Entsorgung möglichst unproblematisch sein sollte. Für den Auslaufbau werden im Fachhandel verschiedene, moderne Systeme und Materialien angeboten, die effizient drainieren, teils schnell und einfach verlegt werden können und für genügend Festigkeit und Rutschsicherheit sorgen. Ausläufe können aber auch nach wie vor mit herkömmlichen und natürlichen Baustoffen konstruiert werden. Am Ende entscheidet häufig das Budget über die Wahl von Art und Komponenten, die beim Bau des Auslaufs zum Einsatz kommen. DER AUFBAU IST DAS WICHTIGSTE Ganz entscheidend beim Aufbau eines Auslaufs ist die Unterlage. Hier sollte am wenigsten gespart werden. Ist diese nicht fachgerecht gemacht, wird man später immer wieder mit Wasser und Morast zu kämpfen haben. Bei den meisten Systemen wird empfohlen, die Humusschicht abzutragen und dann dem Untergrund ein zweiprozentiges Gefälle zu geben. DaPA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

durch fliesst das durchgesickerte Wasser zur Seite ab. Bei grösseren Auslaufflächen empfiehlt sich sogar, dieses Gefälle in Form eines Satteldachs anzulegen. Will man Röhren als Drainagen verlegen, so ist zu bedenken, dass dieses System spülbar sein muss, da es bei Pferdeausläufen häufig verstopft und seine Funktion verliert. Auf diesen Untergrund kommt eine 20–30 cm dicke Sickerschicht, die meist aus grobem Schotter, Recyclingasphalt oder Material mit ähnlichen Eigenschaften aufgebaut wird. Am Übergang zur Tretschicht wurde früher häufig Vlies verlegt, um eine Durchmischung der Materialien zu verhindern. Vlies hat sich jedoch auf Dauer nicht bewährt. Es hält nicht ewig und kann leicht zur Stolpergefahr werden, weil es mit der Zeit an die Oberfläche befördert wird. Es lohnt sich also, hier etwas mehr zu investieren, als Trennschicht zum Beispiel Kalksteinschotter zu verwenden. Er verdichtet recht stark und ist doch wasserdurchlässig und zudem ein Schweizer Produkt. Baufirmen verwenden hier verschiedentlich auch Mineralbeton, der allerdings deutlich teurer ist. DIE WAHL DER TRETSCHICHT Für die Tretschicht steht eine grosse Auswahl an Materialien und Systemen zur Verfügung. Bei den folgenden Beispielen geht es weniger um besser oder weniger geeignet, richtig oder falsch. Auch erhebt die Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Entscheidend für die Wahl der Tretschicht sind vielmehr die individuellen, geografischen und finanziellen Voraussetzungen. Naturboden kann nur belassen werden, wenn er leicht durchlässig ist und einen 17


WINTER SPEZIAL

Ungenutzte Pferde, Zuchtstuten und Jungpferde müssen täglich mindestens 2 Stunden Auslauf erhalten. Jungpferde müssen immer in der Gruppe gehalten werden.

hohen Sandanteil aufweist. Ausserdem muss den Pferden eine wesentlich grössere Fläche angeboten werden, damit sie morastigen Stellen ausweichen können. Nasse Verhältnisse über eine längere Zeitdauer können unter Umständen zu Hygieneproblemen führen und im schlechtesten Fall auch Krankheiten auslösen. Früher sah man auch häufig Tretschichten aus Holzschnitzeln. Ist der Rohstoff neu, wirkt er angenehm elastisch und weist eine hohe Wasserbindungskapazität auf. Einmal richtig durchtränkt, ist diese Tretschicht dann sehr schnell tief und rutschig und kann Scherkräften schlecht standhalten. Die Holzstücke zerfallen durch den mechanischen Abrieb der Pferde recht schnell. Sie werden dann morastig und schaden in diesem Zustand gar der Hornqualität. Daher muss eine Tretschicht aus Holzschnitzeln alle zwei bis drei Jahre vollständig abgetragen und ersetzt wer18

den. Sie ist umweltfreundlich und daher eher einfach zu entsorgen. Schnitzel werden aus unterschiedlichen Holzarten hergestellt. Hartholzschnitzel eignen sich hier besser, aufgrund ihrer längeren Lebensdauer. Fluss- und Quarzsand ist bezüglich mechanischem Abrieb sehr resistent und für Pferde angenehm zu begehen. Wasser kann rasch versickern. Allerdings kann der Sand Wasser nur schlecht binden. Das führt bei Trockenheit rasch zu Staubentwicklung. Im Winter ist die Tretschicht aus Sand nicht frostfrei und birgt daher durch gefrorene Unebenheiten Verletzungsgefahr für bewegungshungrige Pferde. Kies gibt es in den verschiedensten Sorten und Kornstärken. Auch dieses Material lässt Wasser leicht passieren. Die Staubbildung ist je nach Sorte und Kornstärke sehr unterschiedlich. Hier können Bauunternehmer kompetent beraten. Die VorPA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

teile beim Kies liegen insbesondere in der Stabilität, der Gleitsicherheit und der Wintertauglichkeit. Je nach Material ist die Schicht jedoch auf scharrende Pferdehufe anfällig. Kies ist zudem von Natur aus stumpf und kann den Bewegungsapparat sich austobender Pferde belasten. Für an Boxen angrenzende Ausläufe wird des Öfteren auch Asphalt eingesetzt. Seine offenporige Struktur lässt Wasser versickern, ist gleitsicher und wirkt lärmdämmend. Dem Asphalt können verschiedene Zusatzstoffe beigemischt werden, die seine Eigenschaften verändern. Die Oberfläche ist leicht zu reinigen und kann im Winter durch den Einsatz von Salz oder Sand rutschfest gehalten werden. Die Pferde können sich jedoch nur im Schritt sicher bewegen und Wälzen ist nicht möglich. Alternativ zum Asphalt kommen häufig auch die verschiedenen Verbundsteine


nach Fabrikat sind sie nicht immer ganz rutschfest. Daher ist es wichtig, die Raster mit genügend Material (Sand oder feiner Kies wird empfohlen) zu füllen und abzudecken. Das Verlegen der Raster erfordert zudem einen ebenen und befestigten Untergrund. Ist der Aufbau zu weich, können sie einsinken oder sich schräg absenken und so rasch zu Stolper- und Verletzungsfallen mutieren. Sehr gut geeignet sind Kunststoffraster zur Befestigung von stark belasteten Bereichen wie Tränken, Futterraufen und stark frequentierten Passagen wie Weideeingänge.

ˆ˜iÊ<ÕÃ>““i˜v>ÃÃ՘}Ê`iÀÊ܈V…̈}ÃÌi˜Ê Informationen ist erhältlich unter ÜÜÜ°LÛiÌ°>`“ˆ˜°V…ɘÕÌâ̈iÀiÉä{ÎÎÈÉ index.html?lang=de ÀœÃV…ØÀiÊ`iÃÊ 6 /ÊâՓÊ/…i“>Ê՘ÌiÀ www.tierschutz.com/pferde/broschuere/ broschuere_pferde.htm Die neue Tierschutzverordnung findet man ՘ÌiÀÊÜÜÜ°>`“ˆ˜°V…ÉV…É`ÉÃÀÉV{xxÚ£°…Ì“

AUSLAUF IST SEELENBALSAM Der tägliche Auslauf ist für Pferde nicht nur ein gesetzliches Muss, sondern er entspricht ihrer Natur. Er bedeutet Seelenbalsam und erhält ihren Körper und Geist im Gleichgewicht. Pferde mit genügend Auslauf sind ausgeglichener, losgelassener und bei der Arbeit besser bei der Sache. Ein

guter Boden erhöht die Qualität des Auslaufs deutlich, bietet dem Pferd die Möglichkeit, sich seinem Naturell entsprechend zu bewegen und unterstützt auf diese Weise aktiv und effizient Gesundheit und Wohlbefinden.

Auslauf ist Seelenbalsam, Pépito des Baumes geniesst sichtlich das Sonnenbad.

Eine Möglichkeit der Auslaufbefestigung sind Kunststoffraster.

Weitere Informationen ՘`iÃ>“ÌÊvØÀÊ6iÌiÀˆ˜BÀÜiÃi˜Ê­ 6 /® Schwarzenburgstrasse 155

‡ÎääÎÊ iÀ˜Ê‡ÊˆiLivi` /iivœ˜Ê³{£Ê­ä®Î£ÊÎÓÎÊÎäÊÎÎ >Ýʳ{£Ê­ä®Î£ÊÎÓÎÊnxÊÇä info@bvet.admin.ch

Foto: Sandra Suter

zum Einsatz. Sie sind jedoch im Vergleich eher teuer. Es ist ratsam, beim Kauf auf Rutschsicherheit und Verschleissresistenz wegen der Hufeisen zu achten. Ein Nachteil ist die weniger gute Sickereigenschaft. Wasser bleibt länger stehen und bei unebenem Verlegen entstehen Pfützen. Auch diese Verbundsteine sind nur im Schritt sicher zu begehen. Besser eignen sich Verbundsteine aus Gummi. Sie wirken stossdämpfend und lärmdämmend. Sind jedoch im Vergleich zu den anderen Baustoffen mit eher höheren Kosten verbunden. Sie sind weniger resistent gegen Abrieb und aufwendiger in Pflege und Unterhalt. Für freistehende Ausläufe werden seit einigen Jahren vermehrt Kunststoffraster verwendet. Diese Art der Befestigung ist recht kostspielig und wird daher eher bei kleineren Flächen eingesetzt. Die Raster sind wiederverwendbar, drainieren gut und machen die Ausläufe pflegeleicht. Je

Morastiger Boden ist im Bereich, wo sich die Pferde am meisten aufhalten, neu nicht mehr erlaubt.

Die wichtigsten Vorschriften, die hinsichtlich Auslauf und Bewegung für Pferde am 1. September 2013 mit dem neuen Tierschutzgesetz in Kraft treten. Jungpferde, ab Absetzen bis zur regelmässigen Nutzung, aber mind. bis 2½jährig:

Müssen zwingend permanent in der Gruppe gehalten werden und müssen täglich mindestens zwei Stunden freien Auslauf im Freien erhalten.

Zuchtstuten und ungenutzte Pferde:

Müssen täglich mindestens zwei Stunden Auslauf im Freien erhalten.

Genutzte Pferde:

Müssen zusätzlich zur täglichen Nutzung an mindestens zwei Tagen pro Woche je mindestens zwei Stunden Auslauf im Freien erhalten.

Mindest-Auslauffläche:

Richtet sich nach dem Stockmass, z. B. 162–175 cm: UÊÓ{ʓ2 permanent zugänglich bei Auslaufboxen. UÊÎÈʓ2 bei freistehenden Ausläufen.

Art und Beschaffenheit des Auslaufs:

UÊ ÃʓÕÃÃÊiˆ˜iÊ}>˜âB…Àˆ}ʘÕÌâL>Ài]ÊÜiÌÌiÀÌ>Õ}ˆV…iÊÕÏ>ÕvyBV…iÊ}i}iLi˜ÊÃiˆ˜°Ê UÊ ÃÊ܏i˜ÊŽiˆ˜iÊiÀ…iLˆV…i˜Ê6iÀ՘Àiˆ˜ˆ}՘}i˜Ê“ˆÌÊœÌÊ՘`Ê1Àˆ˜ÊâÕÊÃi…i˜ÊÃiˆ˜° UÊ iÀÊLiviÃ̈}ÌiÊ œ`i˜Ê܏ÊÀÕÌÃV…viÃÌÊÃiˆ˜°Ê-iˆ˜iÊ iÃV…>vvi˜…iˆÌÊ`>ÀvÊiÃ՘`…iˆÌÊ`iÀÊ Tiere nicht beeinträchtigen.

Grundsätzliches:

Auslaufboxen mit gesetzeskonformer Flächengrösse erfüllen den Anspruch an den täglichen Auslauf.

Dokumentation, Kontrolle:

Jeder Pferdehalter muss ein sogenanntes Auslaufjournal führen, das bei einer Kontrolle eingesehen werden kann.

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Zieleinlauf des 90-km-Ritts in Frauenfeld 2012.

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WINTER SPEZIAL

Text: Sylke Schulte, Fotos: Sonja Bobsin

Fit

IN DEN FRÜHLING DISTANZPFERDE IN DER WINTERPAUSE Ritte und Wettkämpfe über lange Distanzen finden fast ausnahmslos in den Som-

mermonaten statt. Sie fordern insbesondere den Pferden aussergewöhnliche Ausdauerleistungen ab. Um die körperlichen Anforderungen und Strapazen eines Endurance- oder Distanzritts ohne grössere Probleme zu verkraften, ist ein adäquater Trainingsaufbau während der Wintermonate unerlässlich. Der gesamte Bewegungsapparat wie auch das Herz- Kreislaufsystem des Pferdes müssen behutsam und mit viel Einfühlungsvermögen auf die erhöhte Belastung vorbereitet werden.

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uch wenn die Lagerfeuerromantik von tagelangen Viehtrieben oder die Geschichten rund um den legendären Ponyexpress bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüsst haben, so haben doch schnellere und bequemere Reisemöglichkeiten das Pferd als Fortbewegungsmittel ersetzt. Trotzdem gibt es eine stetig wachsende, unerschrockene Gruppe von Reitern, die schmerzenden Hinterteilen und Wind und Wetter trotzen, sich in den Sattel schwingen und beachtliche Distanzen zurücklegen: Die Rede ist von sogenannten Endurance- oder auch Distanzreitern. Pferd und Reiter wird bei diesem Sport einiges abverlangt – die Saison geht von April bis Oktober. Doch wie bringt man ein Distanzpferd gesund durch die Winterpause und fit in die nächste Saison? ENDURANCE DAMALS UND HEUTE Die Anfänge des Sports Distanzreiten gehen ins 19. Jahrhundert zurück. Natürlich gab es auch schon zuvor Wettreiten über längere Distanzen, diese Rennen hatten ihren Ursprung jedoch nicht selten in Wetten die einer Bierlaune entsprangen und waren somit wohl eher privater Natur. In Europa zählt das Rennen der preussischen und österreich-ungarischen Kavallerie von

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1892 von Berlin nach Wien bzw. Wien– Berlin, eine Strecke von 643 Kilometern, als erster offizieller Distanzritt. Die Tatsache, dass in der Vergangenheit oft wenig Rücksicht auf Leib und Leben der Pferde genommen wurde und leider auch heute – wie in fast allen equinen Disziplinen – noch Schwarze Schafe ihr Unwesen treiben, hat dem Ruf des Distanzreitens enorm geschadet. Dabei versuchen Vereine, nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa, das angeschlagene Image dieses Sports wieder gerade zu rücken. Gewinnen ist beim Distanzreiten heute nicht mehr alles und die Gesundheit und das Wohlbefinden der teilnehmenden Pferde hat oberste Priorität. Es hat sich also im Distanzreiten viel verändert. Klar, das Ziel, eine Distanz in der schnellstmöglichen Zeit zu überwinden ist geblieben, allerdings dürfen kilometerlange Galloppaden heute nicht mehr auf Kosten des Pferdes gehen und dies wird durch die tierärztlichen Nachuntersuchungen der Pferde sichergestellt. Die meisten Sportler folgen somit heute dem Motto: Ankommen ist gewonnen! WOHLVERDIENTE WINTERPAUSE Distanzreiten ist eine Ausdauersportart und erfordert als solche ein intensives und konstantes Training mit gewissenhafter

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Ausbildung, ung gymnastizierender BodenBod arbeit und aufbauenden Konditioneinheiten. Aus diesem Grund sollten die Pferde auch in der Winterpause nicht sich selbst überlassen werden. Lea Ramseier, Veterinärmedizinerin im Departement für Pferde, Abteilung Sportmedizin der VetsuisseFakultät Universität Zürich, war als Tierärztin bereits bei einigen Distanzritten im Einsatz. Ihrer Meinung nach soll die «Winterpause der Erholung des gesamten Bewegungsapparates dienen. Anspruchsvolle Distanzrennen führen unweigerlich zu Mikro-Traumata und müssen in entsprechenden Ruhephasen auskuriert werden. Zudem dient die Winterpause auch der psychischen Regeneration.» Aus diesem Grund sollte man seinem Vierbeiner in dieser Zeit nach Möglichkeit viel Abwechslung bieten. Spielen mit Artgenossen auf der Weide, ruhige Ausritte in malerischem Winterambiente, Bodenarbeit oder auch leichtes Dressur- oder Springtraining vertreiben nicht nur Langeweile, sondern halten auch fit. KONDITIONSAUFBAU UND GYMNASTIK Sonja Bobsin ist bereits seit zwölf Jahren erfolgreich national und international in der Endurance-Szene unterwegs. Mit ihrem Mann und ihrer Tochter trainiert sie


Schweizer Meisterschaft St. Agnant Frankreich (120km).

Distanz- und Rennpferde und hat sich in dieser Disziplin weit über die Schweizer Grenzen hinaus einen Namen gemacht. Sie unterscheidet in Punkto Wintervorbereitung ganz konkret: «Bei Hobbyreitern, die vielleicht ein bis zwei Distanzritte in der Saison mitreiten, werden die Pferde im Winter normal geritten, zum Beispiel im Gelände drei bis vier Mal in der Woche. Es ist wichtig, dass die Pferde gymnastiziert werden, damit sie fit bleiben, zum Beispiel durch abwechslungsreiches Training in der Halle. Auch bei den Distanzpferden gilt die Regel: Ein durchlässiges, gut gymnastiziertes Pferd bleibt länger gesund. Bei den Profis haben sich die Pferde meistens nach einer anstrengenden Sai-

Europameisterschaft in Mont le Soir (Belgien), Janine Bobsin mit Bagira.

son, 3–4 CEI1- und 2- oder sogar 3-SterneRitte (90 km/120 km/160 km), eine längere Erholungsphase auf der Weide verdient. Eisen weg und ab auf die Wiese. Nach ungefähr zwei Monaten Pause werden sie dann wieder ins Training aufgenommen, locker im Gelände geritten, gymnastiziert und nach ca. zehn bis zwölf Wochen wieder auf die neue Saison vorbereitet. Das Training muss man sich wie bei einem Marathonläufer vorstellen: Lang und in einem aeroben, also ausdauernden, einheitlichen Tempo für eine gute konditionelle Basis, und zwischendurch vereinzelte Tempoeinheiten zur Verbesserung der Spritzigkeit und Schnellkraft. Wichtig ist vor allem: Jeder Athlet bringt andere Voraussetzungen mit sich. Jedes Pferd braucht ein anderes Training, es gibt keine starren Trainingspläne. Jeden Tag sollte man sein Pferd genau beobachten: Ist es fit oder müde, frisst es oder fühlt es sich nicht wohl? Anhand seines Befindens wird dann PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

das Training angepasst. Die einen brauchen mehr Training, die anderen weniger, und jeder gute Distanzreiter sollte spüren, wenn sein Pferd an die Grenzen kommt. Weniger ist manchmal mehr. Um die Grundkondition seines Pferdes braucht man sich dabei nach einer «Winterpause» zunächst einmal keine Gedanken machen. Dr. Ramseier: «Im Gegensatz zum Menschen behält das Pferd seine Grundkondition sehr lange. Die Strukturen, die viel Zeit benötigen für den Aufbau, wie Knochen, Sehnen und Bänder, werden auch lange nicht abgebaut; was schnell abgebaut wird, zum Beispiel die Muskulatur, ist auch schneller wieder aufgebaut. Leichter Muskelabbau beginnt fünf bis sechs Wochen nach Sistieren des Trainings, wenn das Pferd danach noch leicht gearbeitet wird (keine Galopptrainings mehr und anstrengende Arbeit am Berge).» Der Konditionsaufbau im Frühjahr beansprucht – je nach Alter, Gesundheitszu23


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Vortraben während des Rennens im VetGate.

stand und Allgemeinbefinden des Pferdes zwei bis drei Monate. Jeder Sportler weiss, dass man nach einer längeren Pause nicht gleich wieder da weitermachen kann, wo man zuvor aufgehört hat. Nicht jeder Reiter hat das Glück, während der kalten Jahreszeit auf eine Halle ausweichen zu können, um das Training auch im Winter fortzuführen. Gerade für Pferde, die in dieser Zeit wenig bis gar nicht trainiert wurden und sich vielleicht sogar einen kleinen Heubauch angefuttert haben, gilt: Das Training muss langsam aufgebaut werden. Zügige Schrittausritte regen die Rückenmuskulatur an und stärken Sehnen und Bänder. Gymnastizierende Übungen – ob unter dem Sattel oder an der Hand – verbessern die Beweglichkeit, Balance und Koordination und können Versteifungen lösen. Die Arbeit mit Stangen oder Slalomreiten bringen Abwechslung ins Training und verbessern ausserdem das Grundgehorsam des Pferdes und die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter. All diese Übungen ersetzen aber natürlich nicht das Ausdauertraining im Gelände. Sobald die Sonne den Kampf gegen Frost und Schnee gewonnen hat, kann die Kondition des Pferdes mit langsamen Trabausritten wieder aufgebaut werden. Bewältigt das Pferd kürzere Strecken mühelos, kann die Stre24

ckenlänge bzw. der Schwierigkeitsgrad gesteigert und schliesslich auch das Tempo erhöht werden. Eine Überanstrengung des Pferdes ist in jedem Fall zu vermeiden, da Schäden an Sehnen, Bändern oder Gelenken sich oftmals erst spät bemerkbar machen und lange Rekonvaleszenzphasen nach sich ziehen – damit wäre die Saison bereits vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hat. FÜTTERUNG Wie bei allen Sport- und Freizeitpferden spielt auch bei Distanzpferden die richtige Fütterung eine grosse Rolle für die Gesundheit. Gerade in den für unsere Pferde oft so langweiligen Wintermonaten sollte man ihnen die Futterrationen nach Möglichkeit über den Tag verteilt anbieten. Dies verringert nicht nur die Langeweile, es kommt auch dem natürlichen Fressverhalten der Pferde entgegen, die in freier Natur den Grossteil ihres Tages damit verbringen, nach Futter zu suchen. Die Fütterung im Winter gestaltet sich in unseren Breitengraden zwangsweise anders als im Sommer. Die Weiden sind abgegrast und teilweise von Schnee bedeckt, und viele Pferde müssen leider eine lange Boxensaison einlegen. Die Ansprüche an die Nahrung hängen nicht nur von Faktoren PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

wie Alter des Pferdes, seinem Gesundheitszustand, der Rasse, der Temperatur, Ausbildung des Haarkleids oder dem täglichen Training ab, sondern vor allem auch von der Haltungsform. Dabei bietet sich dem Pferdehalter gerade im Winter die Gelegenheit, das Fressverhalten seines Pferdes einmal ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Futterrationen können abgewogen und gegebenenfalls angepasst werden. Will man dabei auf Nummer sicher gehen, empfiehlt es sich, einen Futterberater oder Tierernährungsspezialisten zu Rate zu ziehen, der auf der Basis aller Ausgangsfaktoren, inklusive des Gewichts des Pferdes, einen perfekt abgestimmten, individuellen Ernährungsplan erstellt. Eine solche Analyse und Empfehlung gibt es natürlich nicht gratis. Allerdings kann sich diese Investition am Ende auch auszahlen, indem man gegebenenfalls auf unnötige und oftmals teure Zusatzpräparate verzichten kann. Es empfiehlt sich also auch im Winter, die Fütterung genau auf den Trainingsplan abzustimmen. INDIVIDUELLE STÄRKEN UND SCHWÄCHEN ERKENNEN Für jeden Ausdauersportler sind die Grundregeln der Distanzritt-Vorbereitung nach der Winterpause also nichts Neues.


Wichtig sind wohldosiertes, abwechslungsreiches Training, die richtige Ernährung, die «artgerechte Haltung» und die Freude an der Sache. Neulinge sollten langsam und mit Bedacht an den Sport herangeführt werden. Schritt für Schritt muss das Training, am besten unter Beaufsichtigung eines erfahrenen Distanzreiters, langsam aufgebaut werden. Überforderungen sind in jeden Fall zu vermeiden, da es zu chronischen Verletzungen kommen kann und so ist es wichtig, dass der Reiter sein Pferd richtig kennenlernt. Man sollte nicht nur die Durchschnittsgeschwindigkeit und die Belastbarkeit seines Pferdes richtig einschätzen, sondern auch die individuelle Tagesform erkennen können. Beachtet man all diese Punkte, kann es fit in die neue Saison gehen, zum Beispiel am 14. April beim Frauenfelder Distanzritt – dem Schweizer Saisonauftakt für die Endurance-Szene. Diskussionen um das «perfekte Distanzpferd» sind übrigens zweitrangig. Kennt man sein Pferd gut und hat man es wäh-

Bei Vorkontrollen werden die Pferde Gesundheitschecks unterzogen.

Im VetGate werden die Pferde auch während des Rennens gekühlt.

rend der Wintermonate gut vorbereitet, kann jedes gesunde und trainierte Pferd erfolgreich an Distanzritten teilnehmen. Ein gut trainiertes Pony kann durchaus mit den Grossen mithalten, wenn es die wichtigste Voraussetzung – die Freude an der Bewegung – mitbringt. Mit dem richtigen Training kann also jedes Paar im Distanzsport glänzen. Dabei geht es nicht um

die starre Einhaltung von Trainingsplänen. Einseitiges, unzureichendes oder überanstrengendes Training kann der Gesundheit und der Psyche des Pferdes schaden und so sind in der Vorbereitung auf Distanzritte, wie im Umgang mit Pferden allgemein, vor allem Wissen, Einfühlungsvermögen, Geduld und Kreativität gefragt.

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Der Reithelm vom Schweizer +HOPSURÀHLQ]LJDUWLJ LQ3HUIRUPDQFH XQG6W\OH LQIROJHQGHQ5HLWVSRUW)DFKJHVFKlIWHQHUKlOWOLFK

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FREIBERGEN

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WINTER SPEZIAL

Wer nicht mit dem eigenen Pferd anreisen kann, hat die Gelegenheit einen Freiberger, einzige ursprüngliche Pferderasse der Schweiz, zu mieten.

Der Jura ist schon seit Jahren ein bekanntes Schweizer Ausflugsziel für Reiter. Jeden Herbst verbringen Hunderte von Sonnenhungrigen ihre Reitferien in den Franches Montagnes. Was aber viele nicht wissen, dieses Paradies ist auch im Winter bestens bereitbar, und zwar auf eigens dazu präparierten «Pisten».

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er träumt nicht davon, einmal mit seinem Pferd in einer schönen Umgebung Reitferien zu machen. In einem Gelände fernab von Strassen, Teer und Agglomerationen, auf Wegen, von denen die meisten in ihrem Alltag nur träumen können. Wer nicht schon einmal dort war, sollte sich das einmalige Angebot der Freiberge auf keinen Fall entgehen lassen. Die einzigartige, typische Landschaft eignet sich hervorragend für erholungsuchende Reiter, Wanderer und Biker. Reitferien im Jura haben sogar eine lange Tradition. Schon seit Jahren fahren jeden Herbst viele Reiter und sogar ganze Reitvereine mit ihren Pferden für ein paar Tage in die Franches Montagnes, um dort ausgedehnte Ritte über Wiesen und Weiden

zu geniessen und abends das gemütliche Zusammensein zu pflegen. Seit ein paar Jahren gibt es keine eigentliche Jurasaison mehr, sondern die Wege sind das ganze Jahr über bereitbar. Im Winter wird sogar ein Teil der Pfade mit Pistenfahrzeugen präpariert. 1999 wurde im Jura die AREF (Association pour le Réseau Equestre des FranchesMontagnes) gegründet. Dieser Verein verschrieb sich der Instandstellung der aus den 80er-Jahren übriggebliebenen Reitwege. Das Hauptziel der AREF liegt in der Entwicklung und im Betreiben eines einzigartigen Netzwerks mit gut bereit- und befahrbaren Routen. Dadurch stehen den Gästen heute rund 250 km gut unterhaltene Wege zur Verfügung. Sie führen über Witweiden durch die unverwechselbare Landschaft der Freiberge und sind mit

praktischen Toren ausgerüstet, die bequem vom Pferderücken aus geöffnet werden können. Voraussetzung für dieses einzigartige Wegenetz ist eine enge Zusammenarbeit der AREF mit Gemeinden, betroffenen Landbesitzern und Tourismusanbietern. Das Netz ist ausführlich beschildert und es wurde eine eigens dazu angepasste Karte entwickelt, welche die verschiedenen Routen und deren Verbindungen in unterschiedlichen Farben einfach verständlich illustriert. Auch werden immer wieder neue Varianten geprüft und realisiert. Die Wege werden durch den Verein unterhalten und wo nötig befestigt. REITERWEGTORE Die speziellen Reitertore wurden vom AREF-Mitglied Pascal Maître entwickelt und es wurden bisher über 170 Stück auf

Text: Sascha-Rahel Etter Daepp Fotos: AREF

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WINTER SPEZIAL

Im Winter laden die präparierten Wege zu einer Schlittenfahrt ein.

dem Wegenetz eingesetzt. Sie lassen sich vom Pferd aus leicht öffnen, haben einen schmalen Durchgang, damit das Vieh in der Weide bleibt und sie schliessen sich von selber wieder. Für Fahrer gibt es drei eigens ausgewiesene Touren zwischen zwanzig und dreissig Kilometern. Gespanne sind dabei nicht taxpflichtig, müssen aber verkehrstauglich sein, da die Routen auch an befahrenen Strassen entlangführen. Die Benützung der Reitwege kostet pro Person und Tag CHF 7.– oder CHF 100.– im

Jahresabonnement. Die entsprechenden Karten können entweder bei Juratourismus in Saignelégier, der AREF oder bei Boxen- und Pferdevermietern bezogen werden. Wer nicht mit dem eigenen Pferd anreisen kann, findet in den Franches Montagnes unzählige Vermieter von vertrauten, sicheren Pferden. Auch Gespanne werden vermietet. Hier bietet sich einem die Gelegenheit, einmal ein vielseitiges Freibergerpferd näher kennenzulernen. Die Pferde sind für die Wintersaison mit

Snowgrip und Stollen ausgerüstet. Für Familien wird das vergnügliche Abenteuer einer Planwagenreise über mehrere Tage mit verschiedenen Unterkünften angeboten. Im Winter finden Reiter rund 100 km bestens präparierte Wege und Pisten vor. Die Freiberge liegen auf über 1000 m über Meer und sind somit nebelfrei. Sonnenhungrige Pferdefreunde kommen daher auch an den kürzesten Tagen des Jahres voll auf ihre Kosten. Das Reitabenteuer im Schnee ist unbeschreiblich und wohl nir-

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Das Reitwegenetz im Winter

  

11 km, ca. 2 h 45 min 11 km, ca. 2 h 45 min 3 km, ca. 45 min 9,5 km, ca. 2 h 30 min 11 km, ca. 3 h 3,7 km, ca. 1 h 5 km, ca. 1 h 15 min 5,6 km, ca. 1 h 30 min

Die angegebenen Zeiten sind fßr Spaziergänger gerechnet.

 

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gends in der Schweiz im gleichen Rahmen wiederzuďŹ nden. DAS REITWEGENETZ IM WINTER Und fĂźr nichtreitende Familienmitglieder gilt: Der Jura bietet fĂźr jeden etwas! So stehen die präparierten Wege natĂźrlich auch Winterwanderern zur VerfĂźgung. Abseits dieser Wege ist Schneeschuhlaufen angesagt und daneben gibt es zudem diverse LanglauďŹ&#x201A;oipen. Und die Skilifte in Les Breuleux und Les Genevez sind fĂźr alpine Skitage mit der Familie bestens ge-

eignet. Ein ganz besonderes Abenteuer lässt sich in Les Noirmont buchen, wo Anouk DuďŹ&#x201A;on AusďŹ&#x201A;Ăźge mit Schlittenhunden anbietet. Zudem ďŹ nden im Winter in der Region verschiedene interessante Sportveranstaltungen statt. Vom Schlittenfahrturnier Ăźber SkijĂśring bis zu Schlittenhunderennen wird den Gästen sehr viel geboten. Das reichhaltige Angebot an UnterkĂźnften fĂźr Pferd und Reiter ist auf der Homepage von www.juratourisme.ch und www. aref.ch Ăźbersichtlich dargestellt. Hotels,







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DER HOHE NORDEN Mit dem Snowmobil durch eine traumhafte Winterlandschaft zum Eisfischen düsen, auf dem Hundeschlitten die friedliche Ruhe der verschneiten Wälder und Weiten in sich aufnehmen, sich von dem überwältigenden Eishotel beeindrucken lassen, durch den glitzernden Pulverschnee reiten um dabei Rentieren und Elchen zu begegnen und abends gemütlich im Goathi am Feuer ein typisches Abendessen geniessen bevor man sich beim Einbruch der Nacht versammelt um nach den faszinierenden Polarlichtern Ausschau zu halten – das ist das Resümee eines unvergesslichen Winterurlaubs in Lappland in Schweden.

Text und Fotos: Lara von Breidenbach

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chon unsere Ankunft ist abenteuerlich: Der Flieger landet auf einer komplett zugeschneiten Landebahn – für mich erst mal ein kleiner Schreck, bis ich merke, dass das für das Flugzeug kein Problem darstellt. Nach den ersten Schritten über den knirschenden Schnee erblicke ich auch schon Matti, der uns freudestrahlend in Empfang nimmt. Wir, das sind drei

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Schweizerinnen, eine Französin und ich, sind sehr gespannt auf das vor uns liegende Winterabenteuer und fragen Matti eifrig aus auf unserer kurzen Fahrt von Kiruna auf die Farm in Poultsa, einer beschaulichen Ansammlung von mehreren Höfen. In der Dunkelheit erreichen wir die Farm und haben sogleich das grosse Glück, Polarlichter am Himmel bestaunen zu können – wir sind begeistert! Nach einem köstlichen Abendessen, das aus Spaghetti Bolognese mit Elchfleisch, Salat und einem feinen, selbst gebackenen Kuchen besteht, werden wir nach draussen gerufen: Eine Elchkuh stibitzt genüsslich mit PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

ihren Zwillingskälbern Heu von der Heuraufe auf der Pferdekoppel – glückseliger hätte man uns an unserem ersten Tag nicht machen können! Schliesslich kuscheln wir uns in freudiger Erwartung auf den nächsten Tag in unser heimeliges Gästehaus, das auch mit einer Stube und einem Ofen ausgestattet ist. Am nächsten Morgen sollen wir entdecken, wie schön sich die Farm in die Landschaft schmiegt – auf der einen Seite ist sie von hohen Bergen umgeben, auf der anderen Seite von märchenhaften Wäldern. Es erwartet uns auch gleich ein Erlebnis der besonderen Art: Nach einem stärkenden


Frühstück, das keine Wünsche offen lässt, ziehen wir jedes Kleidungsstück an, das Wärme verspricht, und starten – jeweils zu zweit – auf Snowmobilen zu einem See, um dort Eiszufischen. Es macht grossen Spass, die verzauberte Schneelandschaft auf eine uns neue Weise zu erobern und dabei den einen oder anderen Elch sowie Rentiere scheu aus dem Unterholz hervorlugen zu sehen, anzuhalten und sie ein Weilchen zu beobachten. Die uns schon bekannte Elchmutter spaziert mit ihrem Nachwuchs sogar direkt vor unseren Gefährten vorüber! Nachdem wir eine wüstengleich schneebedeckte Gegend durchquert haben, erreichen wir unser Ziel und beginnen mit viel Kraft, Löcher in das dicke Eis zu bohren. Die nächste Stunde verbringen wir dann bequem auf einem Rentier-Fell liegend, die Aussicht geniessend und auf Fische wartend. Nur eine von uns soll allerdings Erfolg haben – aber für alle wartet ein von Matti liebevoll vorbereitetes Picknick mit Rentierfrikadellen am Feuer. Faszinierend zu beobachten, wie sich das Feuer nach und nach ins Eis frisst. Nach einer rasanten Rückfahrt erwartet uns auf der Farm nach einer Siesta unsere erste Reitstunde. Kerstin weiss sehr professionellen Unterricht zu geben und uns in dem für die Isländer typischen Tölt zu unterweisen. Ein weiterer schöner Abend vergeht mit noch mehr Polarlichtern, die wir von nun an fast jeden Abend bewundern können – mal weniger stark ausgeprägt, mal mehr. In den nächsten Tagen erhalten wir weitere Reitstunden und unternehmen verschiedene Ausritte in die Wälder und sogar übers Eis! Es sollen uns noch mehr RentierRudel über den Weg laufen und die kleine

Elchfamilie lässt sich auch noch häufiger auf der Farm blicken – entweder um sich am Heu zu bedienen oder Siesta zu halten. Die rund 20 Isländer der Farm sind alle sehr gut ausgebildet und treue und geduldige Gefährten, die wir rasch ins Herz schliessen. Gern toben sie auch auf den Koppeln, die sich direkt beim Gästehaus und den Stallungen befinden: Nicht selten können wir beobachten wie sie vor Energie strotzend in Duellen ihre Kräfte messen und sich über die Koppeln treiben. An einem Tag wartet ein weiteres grossartiges Erlebnis auf uns: Das Hundeschlittenfahren. Erst einmal dürfen wir auf der Hundefarm aber die Hunde und deren Nachwuchs kennenlernen und werden von den Vierbeinern in Streicheleinheiten verwickelt. Dann wird es turbulent: Es geht ans Anschirren. Jedes Team besteht aus einem Schlitten mit zwei Personen und fünf sibirischen Huskies, die einfach zum Knuddeln sind! Allerdings sind sie recht unruhig, zappelig und bellen vor Erregung. So haben wir unsere Mühe, ihnen das Geschirr anzulegen und sie in Reih und Glied an den Schlitten zu schnallen. Nachdem jedes Team seine Hunde schliesslich unter Kontrolle hat, kann es losgehen: Ich bin sehr aufgeregt, da ich als erstes hinten auf den Kufen des Schlittens stehe und nicht weiss, was mich erwartet. Aber nachdem wir unter Vollbremsung einen ersten Hügel hinuntergefahren sind, verläuft die Fahrt entspannt und wir jauchzen – es ist einfach einmalig, fast geräuschlos bei strahlendem Sonnenschein durch die Wälder und über offene Felder zu gleiten! Nach einer Weile machen wir an einer Art Tipi Rast – nach dem Abschirren machen wir es uns drinnen ums Feuer gemütlich

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und bekommen ein feines Mittagessen. Schnell bauen wir eine Beziehung zu unseren Hunden auf und das erneute Anschirren klappt wie am Schnürchen – auch, weil die Tiere nun nicht mehr so energiegeladen sind. Ich bin wehmütig, als wir wieder auf der Hundefarm ankommen und uns von ihnen verabschieden müssen – ein unvergessliches Abenteuer! Den letzten Nachmittag verbringen wir im weltberühmten Eishotel in Jukkasjärvi. Schon mit dem ersten Blick auf das Hotel erliegen wir seinem Zauber und erkunden freudig die unterschiedlich gestalteten Zimmer, die Kapelle und natürlich die Eisbar! Das Staunen nimmt kein Ende – mit wie viel Liebe zum Detail hier Eis und Schnee in ein unüberschaubar grosses Kunstwerk verwandelt wurden – einfach fantastisch! Im Anschluss lassen wir den Abend in einem gemütlichen Restaurant ausklingen – was für ein besonderer Urlaub es doch war, mit so vielen unbezahlbaren Eindrücken! Den letzten Morgen verbringen wir schliesslich in Kiruna, wo wir die eine oder andere Sehenswürdigkeit besichtigen, ein bisschen bummeln und Kaffee trinken. Dann heisst es auch schon Abschied nehmen, was uns absolut nicht leichtfällt. Jedenfalls haben wir in den vergangenen Tagen gelernt, dass eine verschneite Winterlandschaft für vieles dienen kann: Ob als Kulisse für eine Elchmutter und ihre Zwillingsbabies, als Grundlage für das unvergleichliche Eishotel oder als Voraussetzung für jede Menge Spass, sei es auf dem Hundeschlitten, dem Snowmobil oder beim Eisfischen und Reiten. www.reiterreisen.com/retwin.htm

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EIN THEMA, ZWEI MEINUNGEN Getreu dem Motto ÂŤes fĂźhren verschiedene Wege nach RomÂť, stellen wir auf dieser Seite in jeder Ausgabe zwei Fachpersonen eine Frage, die individuell, vielleicht sogar kontrovers beantwortet werden darf.

FRAGE IM WINTER: SCHEREN SIE IHRE PFERDE?

MEINUNG 1 Andreas Egli ist gelernter Landwirt und Säger und heute Geschäftsleiter in einer Firma der Holzbranche. Der 41-Jährige wohnt mit seiner Frau Angela und den TÜchtern Elena und Seline im luzernischen Nebikon. Andreas Egli hat die Ausbildung zum Landwirt mit Pferdehaltung absolviert und besitzt die Dressur- wie auch die Springlizenz. Er ist aktiver Springreiter, gewann 2011 und 2012 das ZKV R-Championat und wurde ZKV-TrophyFinalsieger 2012 in Luzern.

Fotos: zVg. Grundsätzlich schere ich nur die Pferde, welche ich gerade im Training habe oder fßr den Sport einsetze. Den 3-jährigen Youngster Desperado und den 21-jährigen Amas schere ich aus diesen Grßnden nicht. Der grÜsste Vorteil des Scherens aus meiner Sicht ist das rasche Trocknen der Pferde nach dem Training oder auch nach einem Konditionsausritt an einem milden Wintertag, wo die Pferde nass vom Ausritt zu32

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rßckkommen. Der Zeitaufwand, ein Pferd im Schritt trocken zu reiten ist fßr mich kaum realisierbar. Auch macht es fßr mich einen deutlichen Zeitunterschied, ob ich ein geschorenes Pferd putze und sattle oder ein Pferd mit Winterfell, welches sich auf der Weide von Kopf bis Fuss mit Erde zubetoniert hat. In den Anfängen meiner Sportreiterei musste ich die Erfahrung machen, wie wichtig es ist, ein Pferd trocken zurßck in seine Box zu bringen, damit es sich nicht erkältet und später hustet. Seitdem ich meine Sportpferde im Winter ausnahmslos schere, ist das mit dem Erkälten der Tiere kein Thema mehr fßr mich. Somit ist fßr mich der grÜsste Vorteil beim Scheren ganz klar, ein gesundes Pferd im Sport zu haben, welches sich nicht erkältet. Mitte Dezember beginne ich mit dem Training und erst zu diesem Zeitpunkt schere ich die Pferde, die im Sport laufen oder im Training sind. Somit sind meine Pferde nach einem kurzen Ausschritten schon trocken und der zeitliche Aufwand hält sich in Grenzen. Zudem ist meiner Ansicht nach ein geschorenes Pferd auch optisch viel schÜner, eleganter und sportlicher als ein ungeschoPA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

renes, das eher einem Urpferd ähnelt (ich habe auch noch nie einen Sportler im Wintermantel gesehen . . .). Mit dem Zudecken des 5-jährigen Don Carlos und der 9-jährigen Dalia beginne ich im September beim ersten Kälteeinbruch. Sie werden dann mit einer Ă&#x153;bergangsdecke versehen, und nach dem Scheren kommt eine zweite Decke dazu, da die Stallfenster bei uns auch im Winter grundsätzlich offen sind. Mein Junior und Senior im Stall werden aber im Winter nur zugedeckt, wenn es richtig frostig, also minus 10 °C oder kälter wird. Wenn Pferde nicht im Training sind, ist es mit Sicherheit das NatĂźrlichste und GesĂźndeste, wenn sie im Winterfell, ohne Decke, gehalten werden. Meine Pferde werden ganzjährig in Boxen, respektive Aussenboxen gehalten. Am Morgen sind sie jeweils im Auslauf und am Nachmittag auf der Weide, wenn es die Witterung erlaubt.


MEINUNG 2 Martina RĂśthlisberger ist Leiterin J & S Pferdesport, Vereinstrainerin und Brevetrichterin B. Die 29-jährige gelernte Floristin ist kaufmännische Angestellte und betreibt mit ihrem Lebenspartner den Sport- und Pensionsstall Chrigu in Hasle b. B. und LĂźtzelďŹ&#x201A;Ăźh. Sie besitzt die Springund Dressurlizenz. Im Jahr 2012 qualiďŹ zierte sich Martina RĂśthlisberger fĂźr den ZKV Dressur Final Youngster und holte den 3. Rang im ZKV-Final Dressurchampionat. www.stallchrigu.ch

Fotos: Anita Reinhard, Karin Rohrer Ich halte meine ungeschorenen Pferde (den 9-jährigen Wallach Solo ieri CH und das 6-jährige deutsche Sportpferd Balou MR) in Auslaufboxen, wo sie permanenten Auslauf haben, da die Tßren stets geÜffnet sind. Dadurch gleicht sich die Temperatur des Stalles der Aussentemperatur an, und ein geschorenes Pferd mßsste hier permanent eingedeckt werden. Aus Erfahrung weiss ich, wie gerne Pferde an war-

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men, sonnigen Wintertagen Energie an der Sonne tanken und dies auch sehr geniessen. Wenn sie nicht geschoren sind, kann ich die Tiere dann auch mal ein paar Stunden ohne Decke ein Sonnenbad nehmen lassen, falls es die Temperaturen zulassen. Und auch ich geniesse es, im Winter ohne zusätzliche Ausreitdecke durchs Gelände zu streifen. Pferden, die sich oft im Freien aufhalten, bietet das Fell den natĂźrlichsten Schutz, und die Haut ist weniger empďŹ ndlich als auf geschorenen Stellen. Ich trainiere in der kälteren Jahreszeit im Gelände und in der Reithalle und ab Januar besuche ich jeweils Wintertrainings. FĂźr mich ist es sehr wichtig, dass meine Pferde durchs ganze Jahr hindurch ein vielseitiges, abwechslungsreiches Training haben, wobei das Reiten im Gelände nie zu kurz kommen sollte. Der Trainingsablauf ist fĂźr mich der gleiche, ob das Pferd geschoren ist oder nicht. Den einzigen Unterschied macht das Zeitmanagement aus, da ich bei einem ungeschorenen Pferd genĂźgend Zeit fĂźr die Auslaufphase einplanen muss, und natĂźrlich gehĂśrt bei Bedarf eine Abschwitzdecke ins Gepäck. PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

Ich habe das GefĂźhl, dass bei vielen Reitern heute der Zeitdruck ein Thema ist und deshalb fĂźr sie ein geschorenes Pferd praktischer und weniger zeitaufwendig ist. Im Winter verordne ich mir und den Pferden eine Turnierpause, fĂźr mich ein zusätzlicher Grund, die Pferde nicht zu scheren. Damit meine Pferde mĂśglichst wenig Winterhaare bekommen, beginne ich bereits im September mit dem Eindecken, je nach Temperatur natĂźrlich vorerst nur nachtsĂźber. Eine alte Regel sagt: ÂŤDecke dein Pferd in den Monaten in denen sich ein â&#x20AC;šrâ&#x20AC;ş beďŹ ndetÂť. Hier darf das Pferd einfach nicht vermenschlicht werden, also sobald der Mensch friert, nicht gleich das Pferd mit zwei oder gar drei Decken zupacken. Ich bin absolut kein Gegner des Scherens und hatte einen älteren Wallach, der MĂźhe mit dem Fellwechsel hatte, und bei dem das Scheren Sinn machte. Ich achte darauf, meine Pferde neben dem Sport mĂśglichst naturgetreu zu halten und bin Ăźberzeugt, dass das physische und psychische WohlbeďŹ nden eine grosse Wirkung auf die Leistungsbereitschaft der Pferde hat. 33


RASSENPORTRÄT Ein typischer moderner Freibergerhengst im Marché-Concours in Saignelégier.

Foto: Martin Rindlisbacher

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Vielseitig, gesellig, ruhig. Ursprünglich für landund forstwirtschaftliche Arbeiten gezüchtet, entwickelte sich der Freiberger in den letzten Jahrzehnten immer mehr zum beliebtesten Freizeit- und Sportpferd und steht heute in allen Bereichen und Disziplinen erfolgreich im Einsatz. Mit seinem Ursprung in den Höhenzügen des Jura ist er ein «echter Schweizer». Die hohen Anforderungen des Schweizerischen Zuchtverbandes SFZV sorgen dafür, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Text: Schweizer Freibergerzuchtverband

DER FREIBERGER PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

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Das Fohlen liegt geborgen unter seiner Mutter.

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er Freiberger ist das letzte «echte» Schweizer Pferd. Gezüchtet seit fast 200 Jahren, gilt er als der letzte Vertreter des leichten Zugpferdes in Westeuropa (Typ Karrossenpferd). Seine Wiege befindet sich auf dem Hochplateau der Freiberge im Jura, an der nordwestlichen Grenze unseres Landes. Hier findet auch alljährlich der «Marché-Concours» statt. Das beliebte Treffen der Freibergerfreunde begeistert das zahlreiche Publikum in Saignelégier mit den verschiedensten Vorführungen und Wettkämpfen. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn um 1850 sank die Bedeutung des Pferdes auf der Strasse enorm. Die Reit- und Wagenpferde

im Warmbluttyp der Rassen Ormont, Erlenbacher, Schwyzer und Einsiedler wurden zusehends seltener. Man suchte nach einem gängigen Pferd, das sich für die damalige Landwirtschaft eignete. Stuten des Juras wurden mit ausländischen Hengsten, vor allem aus der Normandie, belegt, um diese Rasse zu verbessern. Die Zuchtprodukte fanden eine überzeugte Käuferschaft aus der ganzen Schweiz. Das Jurapferd, der heutige Freiberger, entsprach den Bedürfnissen dieser Zeit. Bei einem durchschnittlichen Stockmass von 150 bis 160 cm liegt sein Gewicht zwischen 550 und 650 kg. Er ist in der Regel hauptsächlich braun oder fuchsfarben mit wenig Abzeichen.

Ursprünglich aus dem Schweizer Jura stammend, wird der Freiberger heute in der ganzen Schweiz und seit einigen Jahren auch im angrenzenden Ausland

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Zahlen und Fakten

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Foto: Camille Jeanne Poncet

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Foto: Christa Graf

Besonders geeignet ist die Haltung im Freilaufstall oder zusammen mit seinen Artgenossen auf der Weide.

Das Freibergerpferd kann gut springen (hier an der Finale 2012 der Sport & Freizeitpr端fungen SFZV in Avenches). PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

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Foto: Bernadette Odiet

Die wichtigsten Freiberger-Events in der Schweiz 11.–20. Jan. 2013: Nationale Hengstselektion In Glovelier/JU werden seit über 50 Jahren jeweils rund 60 Freiberger Hengstanwärter von den Rasserichtern des SFZV (Schweizerischer Freibergerzuchtverband) beurteilt. 2. März 2013: Freiberger Hengstkörung Im Nationalgestüt in Avenches/VD werden die zukünftigen Freiberger Zuchthengste, die an der nationalen Hengstselektion in Glovelier qualifiziert wurden und die klinische Untersuchung bestanden haben, gekürt. Hierzu müssen sie aber vorgängig den anspruchsvollen, 40 Tage dauernden Stationstest erfolgreich absolvieren. 9.–11. Aug. 2013: Marché-Concours Das grossartige, urtümliche Volksfest in Saignelégier/JU, im Ursprungsgebiet des Freibergerpferdes. 13.–15. Sept. 2013: National FM Der nationale Final der Freibergerrasse findet alljährlich in Avenches/VD statt und ist ein wichtiger Ort des Austausches für die Züchter und Nutzer des Freibergers. Gleichzeitig treffen sich hier im Rahmen der EQUUS HELVETICUS auch die CH-Sportpferde zur Austragung der Schweizer Meisterschaften mit zahlreichen Prüfungen in den wichtigsten gefahrenen und gerittenen Disziplinen. Mehr Informationen unter www.freiberger.ch

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(Frankreich, Belgien, Deutschland) gezüchtet. Seit über 100 Jahren selektionieren die Züchter der Pferdezuchtgenossenschaften (Mitglieder des Schweizerischen Freibergerzuchtverbandes) diese Rasse. Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Arbeitsgefährte unserer Vorfahren zum modernen und vielseitigen Pferd. Ob beim Reiten oder im Fahrsport, der Freiberger gilt als leistungsfähiger und furchtloser Sportler. Sein zuverlässiges und ausgeglichenes Wesen ist zudem ideale Voraussetzung für den Einsatz als Therapiepferd. Der Freiberger ist ein sicheres, geselliges und ruhiges Pferd. Dank seinem ausgeprägten Lernvermögen und seinem Willen kann er unterschiedlichste Situationen meistern. Bei zwanglosen Vergnügungen agiert der Freiberger zugleich harmonisch und zutraulich. Da er robust, frühreif und genügsam ist, bleibt auch der Aufwand für seinen Unterhalt vergleichsweise bescheiden. Besonders geeignet ist seine Haltung im Freilaufstall oder zusammen mit seinen Artgenossen auf der Weide. Gezüchtet wird ein ausdrucksvolles, rassetypisches, mittelrahmiges, korrektes, leistungsstarkes, umgängliches und marktgerechtes Pferd im mittelschweren Typ mit schwungvollen, elastischen, korPA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

rekten Bewegungen und trittsicheren Gängen. Aufgrund seines hervorragenden Charakters, seiner Leistungsbereitschaft, Fahr- und Reiteignung ist der Freiberger ein typisches Fahr- und Reitpferd für Freizeit, Landwirtschaft und Armee. Seine Robustheit, Leichtfuttrigkeit, Fruchtbarkeit und Frühreife machen ihn äusserst umgänglich. Früher wurde der Freiberger vor allem in der Land- und Forstwirtschaft und beim leichten Zug eingesetzt. Die Train-Truppen der Armee beluden ihn, um Lasten in die Berge und unwegsames Gelände zu transportieren. Heute hat er sich zu einem ausgezeichneten Freizeitpferd entwickelt und eignet sich fürs Fahren wie auch fürs Wanderreiten bestens. Mit seinen angenehmen Charakter ist er nicht zuletzt bei Anfängern besonders beliebt. Aufgrund seiner Vielseitigkeit wird der Freiberger aber auch in der Reittherapie oder beim Westernreiten geschätzt. Unter dem Sattel springt er schön und bringt hervorragende Leistungen in der Dressur. Zahlreiche Siege in unterschiedlichsten Disziplinen sind selbstredend für die nahezu unbegrenzten Einsatzmöglichkeiten dieses aussergewöhnlichen «Familienpferdes».

Fotos: Karin Rohrer

Stute und Fohlen im selben Rhythmus.


Der Freiberger: ein polyvalentes Pferd mit gutem Charakter; hier im Gymkhana (oben) und in CH-Promotionspr端fung Fahren (unten).

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P R O M I N E N T I M S AT T E L Auf dieser Seite stellen wir ihnen in jeder Ausgabe eine Persönlichkeit vor, die Sie schon länger kennen. Doch wussten Sie schon, dass dieser prominente Mensch mit Ihnen eine PASSION teilt? Die Liebe zum Pferd.

FRANCO CAVEGN EX-SKIRENNFAHRER

Wo haben Sie ihre reiterliche Ausbildung absolviert? Am Anfang betrieb ich vor allem Waldund Wiesenreiterei, Hauptsache schnell. Richtige Reitstunden nahm ich erst viel später bei meiner Frau Denise. Besitzen Sie ein eigenes Pferd? Ja. Seit Shapiro pensioniert ist, reite ich auf unserem Oldenburger Baju. Wie würden Sie Ihre Beziehung zu ihm beschreiben? Sehr eng. Vor vier Jahren litt er an einem Zystoid. Er war stocklahm. Eine Woche lang führten wir ihn nur, danach waren alle Symptome weg. Aber sie kamen wieder. Das ging fast zwei Jahre lang so. Schliesslich war es Dr. Theo Tschanz, der die Symptome richtig deutete und Baju operierte. Auch danach mussten wir ihn lange führen. Das stärkt die Beziehung. Und ich glaube, Baju ist uns dankbar. Jedenfalls gibt er uns seither noch mehr als zuvor. Was ist Ihnen im Umgang mit den Pferden wichtig? Fairness. Das gilt übrigens auch für den Umgang mit Konkurrenten. 40

Sie bevorzugen die Disziplin Springreiten. Was fasziniert Sie an dieser Sportart? Die Ähnlichkeit zum Skifahren. Bei beiden Sportarten geht es darum, die ideale Linie zu finden. Schon das Ablaufen des Parcours macht mir unheimlichen Spass. Gibt es weitere Parallelen zwischen Skifahren und Reiten? Sowohl der Skisport als auch der Springsport sind technischer geworden. Mittlerweile geht es auch da um Hundertstelsekunden. Talent allein reicht nicht aus. Nur wer diszipliniert arbeitet, kann gewinnen. Und: Beides macht sehr viel Spass. Nehmen Sie regelmässig an Wettkämpfen teil? Ich habe erst letztes Jahr die Lizenz gemacht. Seither bin ich ca. 20 Mal gestartet, mit Höhen und Tiefen. Das Schöne ist, dass ich die Leidenschaft fürs Springen mit meiner Frau teile. Sie startet allerdings meistens an höheren Prüfungen als ich. Was möchten Sie im Sattel erreichen? Verfolgen Sie konkrete Ziele im Reitsport? Ich möchte einfach Spass haben. Meine Challenge besteht darin, besser zu werden. Heute bieten Sie exklusive Events an. Ihr Terminkalender ist bestimmt sehr voll. Wie viel Zeit bleibt ihnen zum Reiten? Das Unternehmen habe ich vor sechs Jahren gegründet. Inzwischen habe ich eine PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

Stammkundschaft und mehr Routine bei der Arbeit. Deshalb bleibt mir im Sommer genug Zeit, jeden Tag zu reiten. Im Winter kommt das Skifahren dazu, da reicht es nur noch für einen Ritt pro Woche. Reiten Sie auch zum blossen Vergnügen? Natürlich. Ausreiten hilft, den Kopf zu lüften. Sowohl mir als auch dem Pferd. Allerdings ist für mich auch das Training Vergnügen. Haben sie noch einen Pferdetraum, den Sie sich erfüllen möchten? Ziele habe ich mir früher im Sport schon genug gesetzt. Jetzt bin ich zufrieden so, wie es läuft.

Franco Cavegn Bis 2003 sauste Franco Cavegn über die Pisten, die die Welt bedeuten: drei Mal nahm er an den Olympischen Winterspielen teil, sieben Mal an den alpinen Ski-Weltmeisterschaften, und an Weltcuprennen erreichte er 35 Platzierungen in den Top 10. Zwei Mal stand er nach einem Abfahrtsrennen auf dem Podest, und im Abfahrts-weltcup 2002 dicht daneben. Ein Kreuzbandriss, den er sich mit 35 Jahren beim Super-G in Beaver Creek zuzog, läutete das Ende seiner Karriere ein. Der heute 42-Jährige bietet exklusive Events auf hohem Niveau mit grossem Erlebniswert an. Er ist mit der Springreiterin Denise Cavegn verheiratet und hat eine Tochter. www.francocavegn.ch

Foto: ZvG

Herr Cavegn, seit wann reiten Sie? Ich habe mit neun oder zehn Jahren angefangen. Damals nahm ich an Ski-Trainings in der Jugendorganisation des Skiclubs Dagens Vella teil. Der Trainer besass Pferde. Eines Tages nahm er mich mit in den Stall, und so begann ich mit dem Reiten.


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«Ihr könnt ruhig und sicher weiterfressen» – obwohl in der Ferne etwas interessant scheint, kaut dieses Pferd sein Gras und signalisiert den anderen damit, dass keine Gefahr droht.

Die Sprache der Pferde als Leitfaden für den täglichen Umgang mit unserem Partner Pferd

FEINE SIGNALE LESEN In der Natur hat sich die Sprache und damit die Kommunikation der Pferde so entwickelt, dass sie keinerlei Worte braucht. Unsere Pferde können sich somit unabhängig von ihrer Rasse, ihrer Grösse oder ihrer Herkunft miteinander verständigen. Diese nonverbale Sprache ist damit universal, das heisst, sie ist immer und überall einsetzbar. Es ist eine sehr feine, diskrete Art, wie Pferde miteinander kommunizieren. Dabei greifen sie auf ihr von Natur aus gegebenes Repertoire von unzähligen und für ihre Artgenossen stets eindeutigen Bewegungsmuster zurück. Dies macht ihr Verhalten für uns vorhersehbar! Text und Fotos: Heidrun Weiss, © 2012 sensehorse AG

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icherlich hast du inzwischen einmal probiert, wie unterschiedlich dein Pferd auf deine Körperbewegungen reagiert. Wenn du konsequent an dir arbeitest, wirst du auch garantiert schnell Fortschritte machen und auch das Training macht so viel mehr Spass. Gibt es doch nichts Schöneres, als wenn wir einen unmittelbaren Erfolg unserer Arbeit sehen. Bei aller Konzentration auf deinen Körper, seine Position und seine Haltung, musst du zeitgleich auch in der Lage sein, die Reaktion des Pferdes zu lesen. Dies geht nicht von einem Tag auf den anderen. Bevor du dies in der Bewegung im Roundpen versuchst, beobachte

Wie ein Radar zeigen die Ohren dir die Richtung an, in welche die Aufmerksamkeit deines Pferdes geht.

dein Pferd doch mal auf der Weide. Es sind unzählige Signale, welche die Pferde entsenden, während sie mit ihren Artgenossen kommunizieren, ob in Ruhe oder in der Bewegung, beim Fressen oder während eines Galopps über die Weiden. Viele davon zeigen sie dir dann später zum Beispiel auch im Training. PFERDE SENDEN STÄNDIG SIGNALE AUS; WIR MÜSSEN SIE NUR LESEN Die meisten davon bleiben unserer Wahrnehmung jedoch verborgen. Entweder weil sie kaum wahrnehmbar sind oder aber auch, weil wir nicht gelernt haben, darauf zu achten. Die Wahrnehmung des Menschen vereinfacht zudem viele Reize, die auf uns einströmen, damit unser Gehirn nicht in einer Informationsflut ertrinkt. Dein Pferd muss jedoch jede noch so feine Veränderung in seiner Umgebung wahrnehmen, beurteilen und die Information an seine Herde weitergeben – könnte es doch etwas sein was seine Ruhe und Sicherheit stört. Einen «Fehlalarm» kann man sich in der Herde genauso wenig leis-

ten, wie wenn die ganze Umgebung durch auffallende Signale «unterhalten» wird. Daher erfolgt die Kommunikation kontinuierlich und nonverbal. Auch wenn wir mit unseren Ohren nichts hören, ist das vermeintliche Geheimnis hinter ihrer Kommunikation gar keines. Wenn du aufmerksam beobachtest, kannst du lernen, diese feinen Signale zu erkennen. Das Ohrenspiel kennt eigentlich jeder. Es zeigt ganz klar, wohin der Blick und damit ihre Aufmerksamkeit geht. Je nach dem Grad der Attraktion sind sie mal aufgestellt oder verweilen langsam rotierend in einer neutralen Position. Dieses leichte Ohrenspiel ist das, worauf wir auch im Training achten müssen. Es zeigt uns, ob das Pferd mit seiner Aufmerksamkeit bei uns ist und ob es sich wohl fühlt. Siehst du mal ein Pferd mit angelegten Ohren, so ist dies eventuell ein Signal von Unbehagen oder manchmal gar von Abwehr. Wir müssen dies erkennen können, damit wir uns gemeinsam weiterentwickeln können. JEDE BEWEGUNG, JEDER MUSKEL HAT SEINE BEDEUTUNG Für das Überleben des Menschen war es in der Evolution nicht so wichtig, dass wir auf die feinen Muskelbewegungen unseres Gegenübers achten. Diese Muskelbewegungen dringen oft kaum in unser Bewusstsein durch, weshalb wir uns extrem schwer tun, diese zum Beispiel in einem Gespräch zu steuern. Für das Pferd in freier Wildbahn wäre dies nicht denkbar. Und auch unsere domestizierten Pferde verfügen noch über diese hochkomplexe Fähigkeit, mit feinsten Bewegungsmustern untereinander zu kommunizieren. Je nach «Dringlichkeit» kann es seine Signale sogar verstärken, miteinander kombinieren oder aber auch mal für seine Umgebung kaum wahrnehmbar machen. Das Repertoire von Signalen und von Kombinationen daraus ist riesig. Viele werden wir wahrscheinlich nie entschlüsseln. Jede Bewegung, jeder Muskel wird herangezogen, um sich untereinander auszutauschen. Fühlt dein Pferd sich wohl und will es dir dies mitteilen, wird es ruhig an deiner Schulter stehen, der Kopf ist gesenkt, die Ohren bewegen sich wie ein langsames Radar ab und an mal vor und zurück, sämtliche Muskeln entspannen sich. Selbst die Position der Füsse verrät uns noch etwas über den Grad der Entspannung oder im umgekehrten Fall über seine Fluchtbereitschaft. Für mich ist dies ein Kosmos von Signalen, auf deren Entschlüsselung ich mich jeden Tag freue. Und die Pferde danken es PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

einem bereits, wenn man nur bereit ist, sie zu verstehen. Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen, denn am meisten freut es mich, Menschen und Pferden in ihrer Entwicklung zu helfen, um gemeinsam eine bessere Performance zu erreichen. Arbeiten wir im täglichen Umgang mit Pferden in deren «Sprache», ohne Worte, mit unserer Körpersprache, so können wir auf dieser Grundlage Vertrauen aufbauen und uns so gemeinsam weiterentwickeln. Diese Form des Lernens, basierend auf einer gemeinsamen Sprache, wird dem Wesen und der Art der Pferde gerecht und gibt uns die Möglichkeit, gemeinsame Ziele zu erreichen.

Jedes Mitglied in der Herde kennt die unzähligen Bewegungsmuster und ihre Bedeutung. Lernen wir sie zu verstehen, sind ihre Reaktionen für uns vorhersehbar.

Heidrun Weiss ist Gründerin des «sensehorse® center for performance» und unterrichtet Menschen und Pferde aus der ganzen Schweiz. Ihre Trainingsphilosophie beruht auf «Führung durch Vertrauen». Als zertifizierte Monty-Roberts-Instruktorin setzt sie sich für einen gewaltfreien Umgang mit Pferden ein. sensehorse AG Postfach, 8124 Maur Telefon 044 577 07 80 info@sensehorse.com www.sensehorse.com

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ZURÜCK INS

LEBEN Man kennt heute gemeinhin die Symptome einer physischen und psychischen Überbelastung. Unser Körper reagiert und will uns unsere individuellen Grenzen aufzeigen. Häufig versucht man, das körpereigene Warnsystem zu überlisten. Meist erfolglos. Lesen Sie die dramatische Lebensgeschichte der bekannten Dressurreiterin Nicola Heyser Burger und wie sie nach schwerer Krankheit den Weg zurück ins Leben fand.

Text: Sascha-Rahel Etter Daepp, Fotos: zVg.

Nicola Heyser Burger auf U.S. Latina CH, eine durch sie höchst erfolgreich ausgebildete Stute aus der Schweizer Warmblutzucht.

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leissig dreht der hochbeinige Fuchs seine Runden in der Halle. In seinem Sattel eine grosse Blondine. Sofort ist zu erkennen, dass es sich hier um eine professionelle Dressurreiterin handelt. Wer die beiden dahinschweben sieht, kann sich nicht vorstellen, was noch vor kurzem die Realität dieser bekannten Pferdefachfrau war. Nicola Heyser Burger mischte anfangs dieses Jahrtausends die Schweizer Dressurszene auf. Sie siegte und plazierte bis in die höchsten Klassen und erreichte auch unzählige Erfolge mit Jungpferden. 46

Die gebürtige Hamburgerin wuchs in einer pferdebegeisterten Familie auf. Der Vater Georg Otto Heyser, Reitmeister und bekannter Dressurtrainer in Deutschland, ritt selber sehr erfolgreich international. Er gewann je dreimal das deutsche und schwedische Dressurderby, hatte einen grossen Stall mit 120 Pferden und wurde auch dreifacher deutscher Dressurmeister sowie zweifacher Vizemeister. Als Trainer verhalf er der schwedischen Mannschaft zu Olympia-Bronze in Seoul und war auch mit Italien und Mexiko erfolgreich unterwegs. PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

Die Mutter, Ärztin von Beruf, ritt Springprüfungen bis zur Deutschen Meisterschaft. Sie gab den Sport aber zugunsten der Kinder auf. DER EINSTIEG Nicola und ihre Geschwister ritten schon früh. Mit 9 Jahren bestritt sie ihr erstes Turnier auf einem Pony in der Führzügelklasse. Mit 14 stieg sie dann aufs Grosspferd um. Das Reiten musste damals vor allem Spass machen. Springen war das Grösste. Die Mutter bedingte sich allerdings aus, dass für jedes Springturnier eine


bildung. Mit ihm siegte sie bis in die Kategorie Intermediaire I. An den Promotionsprüfungen und dem Finale war der Name Heyser immer oben mit dabei und auch verschiedene Reiter wurden durch sie zum Erfolg geführt. Mit U.S. Latina konnte sie ein weiteres Pferd aus der Schweizer Warmblutzucht bis an die Weltmeisterschaften der jungen Pferde bringen und klassierte sie dort sogar auf dem zweiten Platz im kleinen Finale. Mit ihr feierte sie in der Schweiz unzählige Siege und Platzierungen bis in die Kategorie M und Promotion CH. Nicht zu vergessen auch ihr eigenes Pferd Rubens, das im Schweizer Dressursport in dieser Zeit ebenfalls bestens bekannt war. Er wurde als Seriensieger im Intermediaire II gefeiert und klassierte sich mehrfach im Grand Prix. Mit viel Fleiss und Engagement betrieb die Dressurreiterin aus Deutschlands Norden ihren Stall. Sie bildete die Reitgymnasiasten und die Bereiterlehrlinge des NPZ aus, beritt Pferde, bestritt und organisierte Turniere und betreute die Dressurkunden. Die Tage waren lang, aber sie entsprachen ihrer Passion. Und doch wunderte es niemanden, als sie bereits 1999 immer mehr unter Erschöpfung litt. Lange nahm sie die Signale des Körpers nicht ernst, zwang sich, im selben Rhythmus weiterzufahren. Ärzte und Kollegen rieten ihr kürzer zu treten, sie sei einfach zu sehr belastet. Ihr wurde Meditation und Mentaltraining empfohlen und sollte lernen, mit dem Druck und der Belastung besser umzugehen.

Ratzinger heisst ihr aktuelles Erfolgspferd mit dem sie in der kommenden Saison wieder in S Prüfungen starten wird.

Dressurprüfung geritten werden musste. Mit 18 Jahren beschloss Nicola, die Schule abzubrechen und ihr Leben vollends den Pferden zu widmen. Sie trat im Dressurstall von Wiger de Boer die Bereiterlehre an. Sportlich war sie jedoch nach wie vor in erster Linie in Springprüfungen unterwegs. Nach der Lehre wechselte sie auf den Hof ihres Vaters, wo sie freiberuflich während 5 Jahren Pferde und Reiter ausbildete. Springprüfungen ritt sie in der Zeit bis zur schweren M-Klasse. Recht schnell gewann sie dann auch ihre erste S-Dressurprüfung.

Es folgten etliche weitere Erfolge in dieser Disziplin. 1997 kam sie durch einen Schweizer Kunden ins NPZ in Bern. Sie wurde als Leiterin des Dressurstalls mit dem Auftrag für Spitzensport angestellt. In der ersten Zeit standen ihr dazu nur die vorhandenen Armeepferde zur Verfügung. Recht bald sah man ein, dass noch besseres Pferdematerial her musste. So wurde der Wallach Pik Harry CH, mit dem sie sich später bis Grand Prix klassierte und bei der Zucht-WM ins Finale kam, eingekauft. Auch in dieser Zeit kam der durch sie bekannt gewordene Poet zu ihr in AusPA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

DIE WENDE Im Herbst 2000 hatte sie dann ein Schlüsselerlebnis, dass sie zum Handeln bewegte. Sie sollte in eine S-Prüfung einreiten, litt aber unter derart akuter Atemnot, dass dies fast nicht mehr möglich war. Sie beschloss, sich von einem Sportmediziner untersuchen zu lassen. Der Schreck sass tief, als ihr dieser mitteilte, dass er aufgrund der Untersuchungsresultate nichts für sie tun könne. Dass sie sich in die Behandlung eines Kardiologen (Herzspezialisten) begeben müsse. Er stellte eine bereits fortgeschrittene Herzinsuffizienz (Herzleistungsschwäche) fest, an der sie nun schon gut 2 Jahre herumlaborierte. Sie wurde durch die Ärzte nur noch teilweise arbeitsfähig geschrieben. Im Herbst 2004 wurde ihr vom NPZ wegen Umstrukturierung gekündigt. Sie blieb jedoch vor Ort, mietete sich einen Stalltrakt und arbeitete selbstständig mit ihren Kunden weiter. Sie hatte viel zu tun und fuhr, trotz gesundheitlicher Beschwerden, in ihrer umtriebigen Art und Weise weiter. > 47


Mit Rubens feierte sie etliche S Klassierungen in den vordersten Rängen. Den grössten Erfolg erzielten sie am Nürnburger Burgpokal, wo sie im Finale 5. wurden.

Nicola mit U.S. Latina CH an den Weltmeisterschaften der Jungen Pferde im Jahr 2009.

Zwischenzeitlich kam im Januar 2004 noch ihre Tochter zur Welt. Nach der Schwangerschaft konnte Nicola Heyser sich dann kräftemässig gar nicht mehr erholen. Das Reiten empfand sie immer mehr als Qual. Jeden Tag kämpfte sie sich trotz Atemnot und Schwäche in den Stall. Es erschütterte sie sehr, dass sie keine Lust mehr empfand, hinzufahren. Der Pferdesport, ihre Leidenschaft, verlor für sie die Bedeutung, die er mal hatte. Ihr Lebensinhalt schien ihr zu entgleiten. 2006 wurde wegen der zunehmenden Verschlechterung eine Herzklappenoperation vorgenommen. Danach fühlte sie sich zwar besser, aber es ging nur langsam bergauf. Wenn sie vor der Operation noch drei Pferde reiten konnte, waren nun nur noch eins bis zwei möglich. Im September 2008 waren die Untersuchungsresultate, zur Freude aller Beteiligten, so gut, dass man meinte, sie sei über dem Berg. Im Winter ging es aber wieder

Tochter Anna Paula spielt eine zentrale Rolle im Leben der passionierten Dressurreiterin.

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«Ein ausgefüllter Organspenderausweis kann Leben retten.» Nicola Heyser Burger

Mutter und Tochter freuen sich ihre Leidenschaft für Pferde teilen zu können.

schlechter. Nicola ritt weiter, aber ihr Zustand verschlimmerte sich schleichend, fast unmerklich. Und nur ein Jahr später, im November 2009, betrug die Herzpumpleistung lediglich noch 25 %. Von da an ging es sehr schnell abwärts, sodass im Januar ein Defibrillator eingesetzt werden musste. Reiterlich war nun ihr einziges Ziel, ihre restliche Kondition zu erhalten. Es waren nur noch zwei bis drei Runden Leichttraben möglich. Sie ritt ihre täglichen 10 Minuten deshalb in erster Linie im Schritt. Vor allem litt sie unter dem ständigen Husten, den das zunehmende Lungenödem (umgangssprachlich: Wasserlunge) verursachte. Im Februar 2010 erfolgten die ersten Abklärungen für die Herztransplantation, bei denen Veränderungen auf der Lunge festgestellt wurden. Im März wurde sie nach einer Lungenbiopsie (Entnahme von Lungengewebe) in kritischem Zustand und mit einer Herzleistung von nur noch 15 % auf die Intensivstation verlegt. Hier wurde ihr auf einmal bewusst: «Jetzt wird es nicht mehr gut.» Wieder zu Hause war sie in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Es ging kaum mehr was. Einkaufen war fast unmöglich, mit

den Hunden Gassi gehen ging nur noch mit einem Elektromobil. Die einstige Spitzensportlerin war nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die kleine Anna Paula forderte sie in dieser Zeit stark. Zum Glück, sagt Nicola, denn dadurch konnte sie sich nicht fallen lassen. Ihr Zustand verbesserte sich nicht mehr. Aus diesem Grund kam sie im April 2010 auf die Transplantationsliste. Im August erfolgte dann die ersehnte Herztransplantation. Dabei kam es noch zu einem Nierenversagen, von dem sie sich zum Glück wieder erholte. Als es ihr wieder besser ging, träumte sie plötzlich jede Nacht von Pferden, Reiten und Turnieren, auf denen sie mit ihren Kunden unterwegs war. Es sei eine grosse Erleichterung für sie gewesen, zu spüren, dass die Leidenschaft doch noch vorhanden war. Erst jetzt begriff sie, dass ihr Körper sie zu diesem emotionalen Rückzug gezwungen hatte, damals, als es zunehmend um Leben oder Tod ging. Sie freute sich umso mehr, Schritt für Schritt wieder in ihr altes Leben zurückkehren zu dürfen. Wundheilungsstörungen und die Einstellung das Immunsystem unterdrückender Medikamente zwangen sie noch weitere sechs Monate, auf den Kontakt mit Pferden zu verzichten. Sie wusste, dass dies nötig war und konnte diesen Anforderungen mit Vernunft Folge leisten. Aber es sei eine harte Zeit gewesen, die Tochter mit dem Auto zum Stall zu fahren und nicht aussteigen zu dürfen; die Pferde nur aus der Ferne betrachten zu dürfen. ZURÜCK IM LEBEN Im Mai 2011 sass sie zum ersten Mal wieder auf einem Pferd. Ihr Zustand hatte sich so sehr verbessert, dass es ihr von Anfang an möglich war, zwei- bis dreimal wöchentlich mit einem Pferd normal zu arbeiten. Das Reiten war keine Qual mehr. Das einzige, was ihr fehlte, war die fürs Reiten spezifische Muskulatur, welche Nicola sich in den nächsten Monaten wieder antrainierte. Ab September ritt sie wieder ein Pferd täglich in einem normalen Rahmen, wie früher. PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

In der Saison 2012 stieg Nicola Heyser wieder in den Wettkampfsport ein. Sie konnte dabei den 7-jährigen Fuchswallach Ratzinger M platzieren und förderte ihn auf St. Georg Reife. Aktuell sind die nächsten Starts daher in der Kategorie S geplant. Daneben ist sie, eingemietet im Reitsportzentrum Gümligenfeld AG in Bern, selbstständig als Dressurausbildnerin von Pferd und Reitern tätig. Für die Zukunft wünscht sie sich noch ein bis zwei gute Pferde in Beritt, um wieder Grand-Prix-Sport betreiben zu können. Als Fernziel möchte die frisch eingebürgerte Schweizerin unser Land an einer WM und Olympiade vertreten. Die Krankheit habe ihr Leben verändert. Sie lebe bewusster, setze ihre Prioritäten anders, Kleinigkeiten würden sie weniger aufregen. Das Leben sei nicht leichter geworden, aber wenn sich Probleme oder Stress anbahnten, gehe sie gelassener damit um. Denn zu leben sei eigentlich wichtiger als alles andere. Diese entspannte Haltung wirke sich sicher positiv auf ihre Reiterei und auch auf die Pferde aus.

Nicola Heyser Burger Die Geschichte von Nicola Heyser Burger geht unter die Haut. Sie möchte darauf aufmerksam machen, dass es jeden treffen kann und dass es nicht selbstverständlich ist ein passendes Organ zu erhalten, da es nach wie vor zu wenig Spenderorgane gibt. «Wenn man gesund ist, kann man sich nicht vorstellen, wie schnell alles anders sein kann. Das Spenderherz hat mir ein neues Leben geschenkt. Heutzutage sollte sich jeder aktiv mit dem Thema Organspende und Transplantation auseinandersetzen und sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden. Ein ausgefüllter Organspenderausweis kann Leben retten» sagt Nicola Heyser. Weitere Informationen zum Thema Organspende erhält man unter: Swisstransplant Laupenstrasse 37 CH-3008 Bern Telefon +41 31 380 81 30 Telefax +41 31 380 81 32 info@swisstransplant.org www.swisstransplant.org

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Text: Theres Misar Fotos: Wohlwend und Co.

Holz R Ü C K E N Oftmals hört man sie schon von weitem, die schweren Maschinen bei ihrer täglichen Arbeit in den Schweizer Wäldern. Doch es gibt auch heute noch Orte und Situationen, die den Einsatz von «Rückepferden» erfordern. Und dabei handelt es sich eindeutig nicht um nostalgische Versuche, diese Art der Holzbringung aus der Vergangenheit zu reanimieren.

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ückepferde gelangen immer dann zum Einsatz, wenn Baumstämme aus schwierigem Waldgelände geholt werden müssen. Hierbei kann es entweder von der Topografie erforderlich sein, da gewisse Waldgebiete und Regionen für Traktoren und schweres Gerät schlicht unzugänglich sind. Oder aber man setzt aus ökologischen Überlegungen auf den Einsatz «natürlicher Pferdestärken», damit der Boden geschont wird und 50

das sensible Gleichgewicht des Waldes intakt bleibt. Daher sind Werner Wohlwend aus S-chanf im Engadin oder Jürg Schenk aus dem luzernischen Buttisholz – Züchter und Ausbildner speziell geeigneter Rückepferde – auch nicht als «Nostalgiker» oder «Ewiggestrige» zu bezeichnen, nur weil sie sich der Arbeit im Wald mit dem Pferd verschrieben haben. «Es muss Sinn machen, und das Pferd braucht den Vergleich mit den Maschinen nicht zu scheuen», sagt Revierförster Jon PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

Andri Bisaz aus Celerina. «In Gelände mit dichtem Baumbestand, kluftigem Boden oder Wassergräben sind die Pferde deutlich effektiver. Es gibt aber auch Wälder, in denen der Traktor die bessere Alternative darstellt.» Zudem fände generell in der Forstwirtschaft ein Umdenken statt und die Vorteile der Pferde würden zunehmend wiederentdeckt. Entsprechend sei das Holzrücken mit Pferden heute bereits wieder Bestandteil in der Ausbildung Forstwartlernender.


Mango freut sich auf seine Arbeit im Winterwald und strotzt vor Kraft, Motivation und Energie.

DIE BESTEN RASSEN Welche Pferderassen sind denn nun für diese Arbeit besonders geeignet? Lassen wir da die beiden Experten sprechen: «Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob man Holzrücken lediglich als Sportdisziplin oder als Arbeit im Wald betreibt», so Jürg Schenk. «Im Wald sind besonders schwere Freiberger, Noriker, das wiedergeborene Burgdorferpferd sowie französische und belgische Ardenner ideal. Das Pferd braucht ein Eigengewicht von min-

destens 700 kg, um die schweren Stämme bewegen zu können.» Das Burgdorferpferd ist eine Kreuzung zwischen Freibergerstute und Ardennenhengst. Diese Rasse war in den sechziger Jahren bereits ausgestorben und wird aktuell vom Burgdorferpferde-Zuchtverein mit Erfolg wieder ins Leben gerufen. Des Weiteren werden eigene Zuchtversuche zwischen einem Comtois-Hengst und einer Noriker-Stute (beide bereits bei Werner Wohlwend im Einsatz) unternomPA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

men. Wobei die Comtois-Rasse allerdings mehr mit den «Urfreibergern» verwandt ist und somit über die eigentlichen «Urgene» der Freiberger verfügt. Der Comtois bringt ein lebhaftes Wesen mit sich und ist ein williger und zäher Arbeiter. Noriker besitzen ein ausgeglichenes Temperament, sind ausdauernd, fleissig und belastbar. Beide verfügen über hohe Trittsicherheit und Wendigkeit. All dies macht eine Kombination aus beidem zu einem sehr interessanten und vielseitig einsetzbaren Pferd. 51


auch nie geschoren. Lässt man der Natur ihren Lauf, bildet sich eine dichte Unterwolle, welche die Feuchtigkeit vom Körper weg an die langen Deckhaare leitet. Nur ganz selten muss Wohlwend ein nassgeschwitztes Pferd zusätzlich mit einer Wolldecke schützen. DER VERGLEICH Im Gegensatz zu Maschinen, die zeitweise witterungsbedingt ihre Arbeit einstellen müssen, kann mit Pferden praktisch immer gerückt werden. Kühle Temperaturen sind ideal. An heissen Sommertagen ist die Belastungsgrenze der Tiere zwar schneller erreicht. Aber trotz allem bringen sie viele Vorteile mit sich. Das Pferd hat als leistungsfähiges Arbeitstier bei der Waldarbeit längst nicht ausgedient. «Trotz hoch technisierter Holzgewinnung hat die Arbeit mit Pferden im Wald und in den

Langholzbringung.

Werner Wohlwend hat speziell trainierte und ausgebildete Pferde. «Besonders wichtig sind Gelassenheit und ein klarer Kopf. Diese Eigenschaften zeigen sich bereits beim jungen Pferd. Man sieht sehr schnell, ob sich eine Remonte für die Arbeit im Wald eignet», sagt «Wohli», wie er unter Freunden genannt wird. Kaltblutrassen sind «Spätzünder». Das heisst, die Pferde werden nicht vor dem 6. Lebensjahr voll belastet, um Gelenke und Sehnen nicht vorzeitig zu verschleissen. Die Jungpferde werden bereits als Fohlen an Maschinen und Geräusche gewöhnt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist ausgeprägte Konditionierung der Pferde auf die Stimme. Sie müssen immer die gleichen Kommandos erhalten. Die Arbeit im Wald setzt zudem ein hohes Mass an Selbstständigkeit der Pferde voraus. « Sie müssen mitdenken können», sagt Wohlwend. Dabei hält er einen Rhythmus von drei Stunden Arbeit und drei Stunden 52

Geduldig wartet Mango auf die Kommandos von Wohli.

Ruhepause strikt ein. «Eben gerade wegen der Kopfarbeit, die an die Substanz der Pferde geht. Aber auch der Führer braucht ein hohes Mass an Kondition und Konzentration», erklärt Wohlwend. Seine beiden Pferde, Noriker Moritz (900 kg) und Ardenner Mango (800 kg) haben relativ kurze Beine und ihr Körper scheint aus lauter Muskeln zu bestehen. Als hätten sie Zahnstocher an der Kette, ziehen sie die schweren, langen Baumstämme zur Strasse. «Es sind tolle Pferde», sagt Wohlwend, «ich brauche sie kaum zu führen, sie finden den besten Weg aus dem Unterholz praktisch alleine». Sie sind in der Lage, für kurze Zeit ihr eigenes Gewicht zu ziehen, also annähernd eine Tonne. Entsprechend gross ist der Energiebedarf: die Pferde erhalten pro Tag 20–25 kg Heu und 10–15 Liter Kraftfutter. Sie stehen das ganze Jahr draussen auf der Weide, auch bei Kälte von bis zu –35 °Celsius. Daher werden die Pferde PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

Alpen noch heute durchaus ihre Berechtigung», ist Wohlwend überzeugt. «Immer wieder wird der ökonomische Vorteil der Maschine in die Waagschale geworfen», erklärt der bärtige Bündner. «Es geht nicht nur darum, ein Kulturgut zu erhalten. Die Arbeit mit dem Pferd ist eigentlich günstiger. Zum einen braucht es keine befestigten Waldwege oder Strassen, und zum anderen beleben sie mit ihren Hufen gleichzeitig den Boden. Mein Wunsch wäre die sinnvolle und vermehrte Zusammenarbeit zwischen Tier und Maschine, zwischen Traditionellem und Modernem.»

Alle weiteren Informationen findet man unter den folgenden Links: www.burgdorferpferd.ch www.engadin-reiten.ch


S TA L L G E S P R Ä C H

CYNTHIA WIGGER

Interview: Ruth Müller Fotos: zVg.

Welcher Bereich ist Ihre Passion? Das Springreiten fasziniert mich besonders. Dieser Sport bietet viel Abwechslung, und die Pferde müssen auch dressurmässig in Form sein, um mit ihnen gut kontrolliert einen Parcours reiten zu können. Welches ist Ihr aktuelles Lieblingspferd und weshalb? Heros du Relais – er ist ein Kämpfer und hat acht Jahre lang immer sein Bestes gegeben für mich.

Wann und wie hatten Sie erstmals Kontakt mit Pferden? Schon als ganz kleines Mädchen, sobald ich selber laufen konnte, durfte ich vorne auf dem Sattel meines Vaters mitreiten. Er war ein erfolgreicher Springreiter. Was fasziniert Sie am Pferd? Einfach alles. Besonders jedoch, dass Pferde so feinfühlig sind und viel mehr spüren, als wir denken. Was haben Sie von den Pferden gelernt? Vor allem Ruhe bewahren und Geduld haben. Zudem auch, wie man mit guten und schlechten Erlebnissen im Sport umgehen muss. Was ist Ihnen im Umgang mit Pferden besonders wichtig? Man sollte lieb und doch konsequent mit ihnen sein. Und man sollte immer versuchen, das Pferd mit fairem Umgang auf seine Seite zu kriegen. Welche Pferdemenschen haben Sie speziell geprägt? Besonders der französische Springreiter Michel Robert. Mich fasziniert, wie er mit seinen Pferden umgeht. Wieviel Zeit verbringen Sie rund ums Pferd? Den ganzen Tag. Von morgens früh bis abends spät. Und ich könnte mir nichts anderes vorstellen. Wenn ich bei den Pferden bin, ist für mich die Welt in Ordnung.

Wie motivieren Sie Ihr Pferd? Ich versuche, mit ihnen gut zu arbeiten, jedoch nicht zu viel zu machen. So dass sie den Spass daran nicht verlieren Welche ist Ihre schönste, welche Ihre traurigste Erfahrung mit den Pferden? Meine schönsten Erlebnisse sind die vielen guten Resultate, die ich in den letzten Jahren erreichen konnte – das traurigste war, mein Lieblingspferd Heros du Relais in Pension gehen zu lassen.

Persönlich Wohnort Geburtsdatum Beruf Verein Lizenz Eigene Pferde Traumpferd Vorbild Grösste Erfolge

Ziel Lebensmotto

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Hochdorf 6. Juli 1989 Bereiterin Kavallerieverein Oberseetal R-Springen Heros du Relais Heros du Relais Michel Robert und Beat Mändli Teilnahme Junioren-EM, 4. Rang Junioren-SM, 6. Rang Challenge CSI Zürich, Doppelnull im YR-Nationenpreis in San Lazzaro Meine Pferde motiviert behalten und gute Resultate erreichen. Fallen ist keine Schande, aber liegen bleiben.

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WESTERN ODER KLASSISCH? Reiten ist Reiten. Oder etwa doch nicht? Wo zieht man die Grenze zwischen Westernreiten und dem klassischen Reitstil? Oder m端sste man nicht viel eher fragen: Braucht es 端berhaupt eine Abgrenzung zwischen diesen beiden Reitformen?

Text: Sacha Jacqueroud Fotos: zVg.

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ettlach: Quarterhorse-Wallach «Miles» ist fertig gebürstet. Das Pad liegt breit und rückendeckend auf dem kleinen Dunkelbraunen. Der Sattel folgt sogleich. Gurten, Brustgeschirr anschnallen, Bauchgurt lose anmachen und noch die Zügel über den Hals, bevor Miles den Kopf senkt, das Maul öffnet und die Trense nimmt. Kehlriemchen zu, nachgurten und los gehts. Bern: Die Holländer-Stute «Selma» ist vom Sägemehl der Boxe befreit. Sattel und Schabracke werden auf die langbeinige Fuchsstute hochgehievt. Die Zügel über den Hals gehängt, den Daumen in den Mundwinkel und schon sitzt die breite Wassertrense. Kehl-, Kinn- und Nasenriemen befestigen, ein wenig herumführen, nachgurten, aufsitzen und dann nochmals nachgurten. Los gehts. AUSRÜSTUNG MACHT KEINE REITART Auch wenn Miles und Selma unterschiedliche Ausrüstung tragen, auch wenn die beiden Pferde im Detail etwas anders hergemacht werden, die Ähnlichkeiten überwiegen. Ein Westernsattel macht noch kein Westernpferd. Ein Englischsattel noch kein Spring- oder Dressurpferd. Die Ausrüstung hilft nur, die Anforderungen

an Pferd und Reiter etwas zu erleichtern. Es wäre einigermassen unbequem, im Englischsattel acht Stunden Kühe zu treiben. Sowohl für den Reiter als auch für das Pferd. Der Westernsattel verteilt das Gewicht auf dem Rücken und ermöglicht so ein längeres Reiten. Es wäre aber auch sinnlos, mit einem Westernsattel grössere Sprünge anzureiten, ganz zu schweigen vom Sattelhorn, welches unweigerlich und für Männer gar schmerzlich im Wege stehen würde. Die Ausrüstung zeigt aber auf, worin die unterschiedlichen Aufgaben der beiden Reitarten bestehen. Ein klassischer Sattel hat eine lange Tradition der Militärreiterei. Die Anforderungen an ein klassisches Pferd entspringen dieser Zeit. Nun, das tun sie auch beim Westernsattel. Die Ur-Westernsättel waren nicht viel mehr als Sattelbäume. Doch haben sich diese im Laufe dreier Jahrhunderte vergrössert. Einerseits, um die langen Ritte auf den Ranches zu erleichtern, andererseits, um die Arbeiten an der Kuh erledigen und dabei genügend Material mitnehmen zu können. HORSEMANSHIP GIBT ES ÜBERALL Aber auch das Modewort «Horsemanship» ist keine Hilfe im Finden der grossen Unterschiede beider Reitarten. Von vielen PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

Westernreitern für sich beansprucht, von vielen klassischen Reitern als Schimpfwort gemieden und von vielen neuen Reitphilosophen für sich zweckentfremdet, ist es zu einem Unwort geworden. Eigentlich bezeichnet Horsemanship nur die Kommunikation zwischen Pferd und Mensch. Eine Kommunikation ist keine Diktatur, sie ist aber auch keine Liebesromanze. Horsemanship ist der Überbegriff einer funktionierenden Einheit zwischen dem Menschen als Alphatier und dem Pferd als Partner im Sinne eines Herdenmitgliedes. So gesehen ist Horsemanship keiner Reitart vorenthalten und Horseman ist jeder, der verständlich, fair und mit der richtigen Dosis Druck arbeiten kann. Lediglich der Begriff ‹Horsemanship› entspringt der traditionellen Westernreitweise und wurde vor ziemlich genau 100 Jahren erstmals verwendet. Doch kann man diesem Begriff getrost etwa denjenigen der Harmonie, wie man sie etwa in der Dressur sucht, gleichstellen. Zum Modewort ist Horsemanship geworden, weil Neu-Erfindungen von längst dagewesenem Wissen rund um Pferde oft mit diesem Wort verbunden werden. Klingt halt gut. Schon nur weils englisch ist, könnte man meinen. Diese Neuschöpfungen rund um den Begriff Horsemanship oder eben die Harmonie, sind 55


Die Arbeit an den Kühen bedarf eines dafür ausgerichteten Trainings. Dennoch sind Elemente wie etwa Hinterhand stärken Voraussetzungen, die in jeder Reitart wichtig sind.

meist nur ein Schatten dessen, was alte Reitmeister wissen oder Vaqueros auf den Ranches beherrschen. DAS ZIEL UNTERSCHEIDET Aber es gibt sie, die Abgrenzung zwischen Western und Klassisch. Sie hat jedoch weder mit Ausrüstung noch mit der Kommunikation zu tun. Der Unterschied beider Reitarten liegt in den unterschiedlichen Anforderungen ans Pferd. Damit Miles Kühe treiben kann, muss er lernen, selbstständig zu arbeiten, er muss einen Job erledigen. Selma hingegen sollte möglichst fehlerfrei springen können. Und hierfür ist sie auf die Hilfe des Reiters angewiesen. Reitet man den Sprung unmöglich an, können selbst die langen Beine der Holländerstute keine Wunder mehr vollbringen. Miles dagegen ist besser beraten, wenn er die Kuh eigenständig arbeitet, denn bis der Reiter ein Signal gibt, ist die Kuh schon lange weg. Diese Fallbeispiele verdeutlichen den vielleicht grössten Unterschied zwischen Western und Klassisch. Ein Westernpferd erhält ein Signal. Reagiert das Pferd korrekt auf dieses Signal, löst der Reiter den Druck und macht dem Pferd die Situation 56

so angenehm wie möglich. Das Pferd macht so lange dasselbe, bis der Reiter ein neues Signal gibt. Ein Westernpferd wird also weniger unterstützt, es muss nach mehr Eigenverantwortung suchen. Die Cowboys sprechen bei Reitern, die den Druck nie lösen, von Babysittern, weil sie das Pferd eben nie selber denken lassen. Ein Westernpferd darf in der Ausbildung Fehler machen. Die Philosophie ist aber die, dass der Reiter dem Pferd das Richtige angenehm gestaltet und das Falsche unangenehm. Dies nicht im Sinne einer Korrektur, sondern im Sinne eines Mehraufwandes. Machen wir hierzu ein Beispiel: ist ein Pferd zu stürmisch, würde der klassische Reiter in der Regel das Pferd etwas mehr begrenzen. Der Cowboy macht das Gegenteil: Er treibt das Pferd noch mehr an. Bis es ermüdet und darüber hinaus. Beim nächsten Mal wird sich das Pferd vermutlich etwas weniger beeilen, der Reiter macht ihm diese Entscheidung angenehm und hilft ihm zu verstehen, dass diese Idee die bessere ist. Wenn wir nochmals den QuarterhorseWallach Miles als Gedankenstütze heranziehen, wird dieser lernen, dass er schneller zur Pause gelangt, wenn er die Kuh sofort arbeitet, muss er ihr nämlich ständig hinterherlaufen, dauert die Arbeit viel länger. Die Erfahrung hilft ihm, diesen Zusammenhang zu verstehen. KEINE WERTUNG Würde man das Springpferd selbstständig arbeiten lassen, wäre das Resultat vermutlich nicht unbedingt dasjenige, welches der Reiter anstrebt. Deshalb wäre die Philosophie des Westernreitens für ein Springpferd wenig sinnvoll. Das Ziel unterPA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

scheidet also die beiden Reitarten. Und deshalb ist es wichtig, diese beiden Reitarten nicht gegeneinander auszuspielen, sondern in deren ursächlichen Zielsetzung zu verstehen. So sind nämlich die jeweiligen unterschiedlichen Herangehensweisen erklärbar. Eine positivere Bewertung der einen gegenüber der anderen zeugt grundsätzlich von Unwissen. Sowohl unter den Westernreitern als auch unter den klassischen Reitern hat es Horsemen. In mancher Reiterstube werden die Westernreiter belächelt oder die klassischen Reiter kritisiert. Das ist bedauerlich, denn wertfrei lässt sich feststellen, dass das Ziel der Partnerschaft mit dem Pferd den Weg definiert. DIE ÜBERSCHNEIDUNGEN Genauso wie die beiden Pferde Miles und Selma nur als Beispiele herhalten, ist klar, dass die beiden grossen Reitformen Western und Klassisch selber in sich sehr heterogen sind. Manch Westernreiter wird sich mit der hier angebrachten Beschreibung nicht ganz einverstanden erklären. Gleichzeitig wird sich manch klassischer Reiter in den beschriebenen arttypischen Western-Methoden wiedererkennen. Das liegt in der Natur der Sache. Historisch lassen sich auf beiden Seiten Entwicklungen aufzeigen. Sowohl positive wie auch unerfreuliche. So werden klassische Reiter das eine oder andere aus dem Westerntraining gut gebrauchen können, um ihr Pferd z. B. ruhiger zu machen oder etwas führsamer. Auf der anderen Seite braucht mancher Westernreiter etwas Schützenhilfe, um etwa einen anständigen Sitz hinzubekommen. Auch das sind wieder nur zwei kleine Beispiele. Egal wie viele Beispiele wir hier


Die Verschmelzung der Reitarten gilt natürlich nicht nur für das Training, sondern auch fürs Gelände. Obschon auch im Gelände einige Übungen und gleiche Voraussetzungen wie auf dem Reitplatz gelten sollten.

noch anfügen möchten, beide Reitarten überlappen und greifen ineinander. ZWEI ÄSTE Auch das lässt sich historisch erklären. Die Westernreiterei entspringt der klassischen Reiterei. Die ersten Cowboys in Nordamerika waren die Vaqueros, spanische Auswanderer, die im Raum des heutigen Kaliforniens Rinder hielten. Ihr Wissen stammt aus der Stierkampfarena. Im Laufe der letzten drei Jahrhunderte hat sich in Nordamerika daraus die Arbeitsreiterei entwickelt. Gleichermassen wie sich aus der einstigen Militärreiterei in Europa das klassische Reiten im heutigen Sinne entwickelt hat. Bildlich gesprochen entspringen aus dem Baum aller Reitarten zwei grosse Äste. Diese Äste haben denselben Stamm, dieselben Wurzeln, denselben Ursprung also.

Aber beide Äste verzweigen sich ja auch weiter. Aus der einstigen Arbeitsreiterei sind weitere Formen der Westernreiterei entstanden. So hat das heutige Reining mit der einstigen Arbeitsreiterei der Cowboys nur noch wenig gemeinsam. Auf dem anderen Ast sind die Verästelungen der modernen Dressur sicherlich kaum noch mit den Dragonerformationen von einst zu vergleichen. Beide Beispiele sind sicherlich wertfrei zu verstehen. Unsere Zeit hat für die Pferde Positives wie Negatives hervorgebracht. Denken wir nur an ein heute deutlich besseres Verständnis vom Pferd, welches in der Regel heutzutage mehr Sozialkontakt geniesst als noch vor 30 Jahren. Auf der anderen Seite dürfen Tendenzen von übermässigem Gebrauch und Verschleiss der Pferde im Sport und damit die unnatürliche Unterjochung sicherlich angezweifelt werden. Ein solch respektlo-

ses Benutzen der Pferde ist in den tieferen Lagen dieses Baumes sicherlich kaum zu finden. Sicher ist, dass wir alle als Reiter mehr gemein haben, als uns trennt. Mehr Respekt, mehr Austausch untereinander bringt uns alle weiter, nicht zuletzt dient es unseren Pferden. Ungesunde Auswüchse im Sinne von Missbrauch an beiden Ästen können so etwas spärlicher gedeihen. Westernreiten verfolgt also ein anderes Ziel als das klassische Reiten und bedient sich deshalb einer anderen Methode. Der Ursprung, das eigentliche Verständnis des Pferdes als Partner, verbindet uns alle, und das ist gut so. Der selbe Reiz der viele Europäer mit dem Westernreiten und verbindet, lässt sich auch in Nordamerika für das klassische Reiten finden.

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War Pippi Langstrumpf mit ihrem Tigerschecken «Kleiner Onkel» Vorreiterin der pferdeverrückten Mädchen?

Wenn ein Falbe dem Jüngling die Show stiehlt Steven Spielbergs pferdeverrückte Tochter Destry soll ihren Vater dazu bewogen haben, auch mal einen Film über Pferde zu machen. Dies jedenfalls gab der amerikanische Starregisseur in einem Interview zu seinem Werk «War Horse» zu Protokoll. Tatsächlich sind es heute vorab Mädchen, die – namentlich in der Pubertät – alles tun für pferdeartige Einhufer. Text und Fotos: Toni Rütti

Reitpädagogin Marlis Erhard: «Der Umgang mit Pferden wird zur Lebensschule und trägt zur Persönlichkeitsentwicklung bei.»

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s ist schon ein Phänomen, dass Pferde von mehr Mädchen als von Jungs geliebt werden. Was steckt eigentlich dahinter, dass sich ein Teenager in ein 500-kgTier verlieben kann? Was haben Pferde, was andere Tiere nicht haben? Für die Pferdewissenschaftlerin Michèle Feuz vermitteln Pferde mit ihrer eleganten und mächtigen Erscheinung Vertrauen und Erfolg. «Pferde striegeln zu dürfen, ihr weiches Fell zu kraulen, mit ihnen zu schmusen und ihnen Geheimnisse anzuvertrauen, das macht Pferde zu besonderen Wegbegleitern junger Mädchen. Aber nicht nur der Umgang mit den stolzen Vierbeinern ist von grosser Bedeutung vor und während der Pubertät vieler Mädchen. Auch das Zusammensein mit Gleichgesinnten, unter sich zu sein und Freundschaften zu schliessen, ist ein wichtiger Grund, warum Mädchen ihre Freizeit liebend gerne im Pferdestall verbringen.» Im Stall seien die Mädchen zwar meistens unter Aufsicht, doch müssten sie auch Verantwortung für ein Pferd und für das verwendete Material übernehmen: Mädchen helfen mit bei der Pflege der Pferde, Esel und Ponys, misten Ställe aus und putzen das Leder. «Die Freizeit im Stall ohne Eltern hilft beim Abnabelungsprozess und trägt dazu bei, dass die Jugendlichen selbständiger werden. Nicht zuletzt erhalten die Mädchen ein gesundes Selbstvertrauen, weil es ihnen gelingt, sich mit den grossen starken Tieren anzufreunden, sie zu führen und zu versorgen. Pferde sind ein Spiegel der Persönlichkeit für die Zukunft. Sie sorgen bei den Mädchen für Lebensbegeisterung und Lebenssinn, Freude und frohes Lachen», so die Pferdewissenschaftlerin aus Rubigen BE, die hofft, dass Pferde die Girls noch lange zu faszinieren vermögen. Ähnliche Erfahrungen macht auch die Reitpädagogin Marlis Erhard. Immer wieder erlebt sie, mit welch riesiger Motivation Mädchen mit Pferden in Beziehung treten: «Schönheit, Kraft, Eleganz, Grösse, Mut, Stärke, Zärtlichkeit, Gefühl, Schnelligkeit, Temperament, Leichtigkeit: Für jedes dieser Mädchen sind es wohl andere Pferdeeigenschaften, die ganz persönlich so anziehend wirken.» Die Reitpädagogin vom Hof Mungnau in Zollbrück BE glaubt, dass das Erlernen des Reitens und der Umgang mit den Pferden zur Lebensschule

So richtig «pferdeverrückt» war Rahel Fäh nie. Dafür reitet sie auch heute als Erwachsene noch oft und gerne.

Frauenpower beim Pony-Trabrennen im Aarauer Schachen: Pamela Grüter (Top Blue Yasmin) und Jessica Kessler (Sunny).

wird und zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt. MIT DEN MUTIGEN IN DEN KAMPF GEZOGEN Fast seit Menschengedenken war das Ross ein Heldentier, mit dem die Mutigen in den Kampf zogen – unerschrocken in Ritterrüstung oder uniformiert als Kavallerie. Oder – jedenfalls im Film – als unerschrockene Cowboys und andere Draufgänger. Das Pferd war ihr Stolz und Frauen kamen in dieser Welt nur zwischendurch als zarte Prinzessinnen vor, die von edlen Prinzen auf ihren Schimmeln entführt wurden. Pferde, Ponys und Esel standen traditionell nicht im Zentrum einer frauendominierten Sparte, wie es heute vielfach der Fall PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

ist. Ist das Pferd dabei, endgültig Mädchensache zu werden? Verzärtelt steht es jedenfalls im Stall, wird von Mädchenhand gestriegelt, gebürstet und shampooniert sowie mit allerlei lieblichen Kosenamen gerufen . . . Ganz zu schweigen von den Liebkosungen und Streicheleinheiten, von denen sich gewiss der eine oder andere Halbwüchsige mit Gelfrisur wünschte, die kompromisslose Zuneigung gälte ihm und nicht einem falbfarbigen Fjordpferd mit Bürstenschnittmähne. Oder, noch weniger leicht zu verkraften, weil sich der junge Mann noch deutlicher als zweibeiniger Nebenbuhler fühlt, einem tänzelnden Schimmel von edlem Geblüt, einem feingliedrigen Araber mit zum eifersüchtig werden designter Kopfform. DIE SILHOUETTE DES ZIGARETTENCOWBOYS Klischees, oder ist doch etwas dran: Ziehen Jünglinge Reitstiefel an und schwingen sich in den Sattel, dann gerne für den Wettkampf und zum Siegen, ähnlich wie diese Leinwandreiter. Vielleicht auch, je nach Stimmung, als Lonesome Rider, man sieht sie direkt vor sich, die Silhouette des Zigarettencowboys vor untergehender Sonne. Verbürgt ist, dass Kinohelden keine Stallkleider tragen und keine Mistkarren mit Pferdedung beladen. Und sollten sie doch einmal zum Striegel greifen, dann nicht ohne die coole Komponente. Ganz anders die pferdeverrückten Girls, die es der schönen Pferde wegen in den Reitstall zieht. Auch nur ein Klischee? Eine Antwort findet man beim Ponyrennen schon im Führring: fast nur Girls, die anschliessend im Rennen auch siegen wollen. Gewiss sind viele Mädchen tierliebender als ihre männlichen Altersgenossen. So hingebungsvoll können sie das Pony, das Pferd, den Esel oder das Maultier umsorgen, füttern und putzen. Da kann das eigene Zimmer noch so ein Schlachtfeld sein, der Stall mit dem Mietpferd drin (gefühlt ist es das eigene Rösslein), wird gerne ausgemistet und fein hergerichtet. Irgendwie ist das Ross mit seinem warmen Atem für eine lang anhaltende Phase quasi auch die «Bezugsperson», die einem stundenlang zuhört – und selber keine lästigen Fragen stellt, einem keine Vorhaltungen macht. Wenn das einem nicht Geborgenheit gibt und Trost verschafft! Wen wunderts, dass Mädchen 59


Bild: zVg

Pferdewissenschaftlerin Michèle Feuz: «Die Freizeit im Stall ohne Eltern hilft beim Abnabelungsprozess und trägt dazu bei, dass die Jugendlichen selbständiger werden.»

«Als Mädchen ging ich manchmal nach der Geigenstunde direkt in den Stall. Begeistert hat mich beides», erinnert sich die Freizeitreiterin Rahel Fäh heute.

und etwas weniger oft auch Buben die Beziehung zu Black Beauty & Co als etwas Einzigartig und garantiert Gegenseitiges empfinden. Doch auch das Pferd als letztes Plüschtier vor dem Erwachsenwerden bekommt mitunter im Leben von vielen jungen Menschen eine andere Rolle zugeteilt: Sorry Fanny, bye bye. LAUTER MÄNNLICHE HELDEN IM PFERDESATTEL «Daddy, wann machst du endlich mal einen Pferdefilm?» Vater und Starregisseur Steven Spielberg erfüllte Töchterchen Destry den Wunsch und inszenierte eine Geschichte auf der Basis eines Romans des

englischen Erfolgsautors Michael Morpurgo: die aussergewöhnliche Freundschaft zwischen dem Bauernbub Albert und seinem hoch im Blut stehenden Pferd Joey. (Die Hauptrolle müsse von einer Schauspielerin besetzt werden, das hatte Destry leider nicht gefordert.) Mit «War Horse» wurde ein Filmwerk des Ersten Weltkriegs geschaffen. Kritiker sagen, «Gefährten» – so der deutsche Titel des Pferde-Kriegs-Melodramas – sei für einen mitreissenden Pferde-Kinderfilm viel zu brutal und für ein ernstzunehmendes Kriegsdrama zu flach geraten. Fest steht, es gibt Pferdeszenen, die einem alters- und geschlechtsunabhängig den Atem rauben. Eigenartig,

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den Autoren all dieser Abenteuergeschichten wäre es kaum jemals in den Sinn gekommen, die per se wilden Mustangs beim gefährlichen Tanz in der Pferdekoppel von Mädchen bändigen zu lassen. Bei den Geschichten mit den Hengsten und ihren wehenden Mähnen, zum Beispiel dem American Saddlebred Horse Fury, waren es junge Männer, die den menschlichen Heldenpart übernehmen durften. Oder der widerspenstige Camargue-Hengst Crin Blanc liess sich nur vom Fischerjungen Folco zähmen. Jeder ausgewachsene Gardian, wie die Cowboys im südfranzösischen Rhonedelta heissen, hätte sich daran noch die Zähne ausgebissen. Wäre doch


nur die Szene zum Nachspann nicht so tränendrüsendrückend: der Schimmelhengst und Folco verschwinden gen Horizont, auf der Suche nach einer besseren Welt… KNABSTRUPPER MIT AUFGEMALTEN FLECKEN Ausgereizt wurde das Thema der innigen Beziehung zwischen Mensch und Tier seinerzeit in nicht enden wollenden TV-Serien. Die sorgten jeweils den halben Nachmittag lang jeweils für leere Spielplätze. Am folgenden Tag auf dem Pausenplatz, wo die deutsch-synchronisierten TV-Episoden so viel an Erzählstoff hergaben, mussten sich die Mädchen oft mit anderen, weniger spektakulären Themen begnügen. Sie taten dies, als wäre es gottgegeben, dass Ross und Reiterei Männersache sei. Nicht so bei Autorin Astrid Lindgrens Lausemädchengeschichte Pippi Langstrumpf und ihrem dänischen «Tigerschecken» – ein weiss geborener Knabstrupper mit aufgemalten Flecken. Frechdachs Pippi nennt ihn im Film, also 1969 (TV-Serie ab 1971),

Spiele, Bücher und allerlei Gadgets, die sehr junge Mädchenherzen höher schlagen lassen.

«Lilla gubben» – schwedisch für «kleiner Kerl». Daraus wurde in der deutschen Fassung «Kleiner Onkel». Konnten damalige Schulmädchen bei ihren Klassenkameradinnen punkten mit dem Ausschmücken der Heldentaten und des Schabernacks der Sommersprossen-Göre? Immerhin stemmte das Schwedenkind mit den abstehenden roten Zöpfen den «Kleinen Onkel» auch mal in die Luft oder machte seinen Rücken zum feudalen Liegestuhl. Welches Mädchen wäre nicht gerne auch so erfolgsverwöhnt und unbezwingbar? War vielleicht die Rotznase aus der Villa Kunterbunt Vorreiterin der späteren Generation an pferdeverrückten Mädchen? Hat die Titelheldin auch etwas zum Wandel in der Pferdewelt von der Männer- zur Frauendomäne beigesteuert? KEINE UNCOOL GEFLOCHTENEN LANDMÄDCHENZÖPFE Dass eine Neuorientierung stattgefunden hat, die alle Hürden der Gleichberechtigung längst übersprungen hat, daran zweifelt sicherlich niemand mehr; nur in den

Pferdezeitschriften für Mädchen – Lesestoff, bevor das «Bravo» und dergleichen interessant werden.

Disziplinen des Pferdesports treten bei olympischen Wettkämpfen übrigens Frauen direkt gegen Männer an. Man schaue nur mal bei einem Pony- und Reiterhof vorbei: Wenig Stallburschen nur, und schon gar keine Mauerblümchen mit uncool geflochtenen Landmädchenzöpfen: Lauter Girls, die sich teenagerlike geben und schwärmen, wie dies Gleichaltrige von (Frauen-)Natur aus tun – zum Verdruss mancher Eltern, denen kaum mehr Einlass ins Heiligtum Zimmer gewährt wird. Dort finden sie dann den DSDS-Gewinner Luca Hänni ebenso an die Wand gepinnt wie weiterhin unverdrossen viel Pferdeartiges – herzerweichende Fohlen, mit rehbraunen Augen, der Frühlingssonne entgegenblinzelnd, oder aber machtbesessene Alphatiere mit ihren weit geöffneten Nüstern, Angst einflössenden Pferdegebissen und einem feurigem Blick wie weiland «Blitz der schwarze Hengst». Die diversen, gerne rosafarbig aufgemachten Zeitschriften für Mädchen, wie sie regalfüllend feilgeboten werden, halten den Topf schon bei den jüngsten Leserinnen am Kochen, mit den lieblichen bis kribbeligen Storys und dem obligaten Poster (ohne Klammer) in der Heftmitte. Hinzu gesellen sich unverzichtbare Gadgets, die das Taschengeldbudget überstrapazieren. Wo ist hier der Unterschied zur traditionellen «Bravo»-Leserschaft?! Als Mädchen hantierte sie gleichermassen mit dem Geigenbogen wie mit Reitgerte oder Mistgabel: Die Solothurnerin Rahel Fäh erinnert sich an ihre einstigen Pferde-Feelings und erklärt, was Tiere heute für sie bedeuten: «Tiere haben mich immer schon fasziniert. Aber so richtig pferdeverrückt war ich nie. Dem ist wahrscheinlich zu verdanken, dass ich heute mit 34 immer noch sehr gerne reite und im Stall Hand anlege.»

Auch Ablehnung der ganzen Ponyhof-Idylle «Warum mögen so viele Frauen und Mädchen Pferde?» fragt sich nicht nur die Fachwelt. Das möchten auch ehemals «Betroffene» gerne wissen. Längst gibt es Internetforen, wo man unweigerlich auf die Kernfrage stösst: «Ist Black Beauty heute auch noch das erste Traumpferd pferdeverrückter Kinder?», will sich einer in der Jetzt- und Internetzeit aufdatieren; in der eigenen Kindheit sei er selber vom Pferdevirus infiziert worden. Nebst all den Beteuerungen zur Pferdeliebe stösst man auch auf freimütig geäusserte Ablehnung der ganzen hochstilisierten Ponyhof-Idylle, also Leute, die sich eines Tages vom Saulus zum Paulus gewandelt haben: «Haha, ich mochte Pferde auch mal sehr! Ich denke, die Begeisterung legt sich mit dem Alter…» Pferde würden in all diesen Mädchen-

zeitschriften immer als wunderbare Tiere dargestellt, die für Freiheit, Anmut und Schönheit stünden. «Naja, aber wie gesagt, ich denke, das hat mit dem Wendy- und Black-Beauty-Kram zu tun. Man könnte ja auch fragen, warum so viele kleine Jungs auf Dinos abfahren? Wie gesagt, bei mir ging die Begeisterung mit der Pubertät weg, und mittlerweile sind mir die Tiere ziemlich egal. Wobei ich diese ganz, ganz kleinen Zwergponys ja trotzdem süss finde!» Naja, endgültig abgeschlossen ist das Kapitel Ross & Reiter als doch noch nicht. Bei einem anderen Eintrag, wird auch die Furcht vor diesen 500 und mehr Kilo schweren, mit Hufeisen sowie starken Zähnen bewehrten Tieren nicht verheimlicht: «Also ich mag Pferde und ich würde gerne reiten können, allerdings hab ich auch zu viel Angst vor diesen Tieren –

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Pferde können sich im Gegensatz zu Katzen nämlich sehr wirkungsvoll wehren und ihren Trotz durchsetzen . . . sprich, das tut mörderisch weh.» Zwischenfälle bei der Pflege, beim Reiten oder Voltigieren gehen in der Tat nur in Glücksfällen harmlos an einem vorbei, sie enden immer mal wieder auch auf der Intensivstation. Da gehört dann schon eine gehörige Portion Unverdrossenheit sowie unzerstörbare Pferdeliebe dazu, nach der hoffentlich ganzheitlichen Genesung wieder zu Striegel und Mistgabel sowie Sattel und Zaumzeug zu greifen. Oder sich wieder auf den Bock zu schwingen und herzhaft «Hoch auf dem gelben Wagen, sitz‘ ich beim Kutscher vorn» zu trällern.

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MEDIZIN

Ein Aussenfenster bietet Licht, Luft und Unterhaltung.

«BOXENSTOPP» WIE DAS PFERD EINE VERLETZUNGS- ODER KRANKHEITSBEDINGTE ZWANGSPAUSE GUT ÜBERSTEHT

In der Natur der Pferde ist nicht vorgesehen, rund um die Uhr im Stall zu stehen. Schon gar nicht für mehrere Tage oder Wochen. Doch allzu schnell kann etwas passieren, was das Lauf- und Herdentier vorübergehend zur Ruhigstellung zwingt: Die akute Phase einer Hufrehe will überstanden sein, eine Fraktur verheilt oder die fragile Zeit nach einer Operation hinter sich gebracht werden. Während der Boxenruhe braucht der vierbeinige Patient besondere Betreuung, damit Körper und Psyche die Stehpause gut verkraften. Dazu gehört nebst angepasster Fütterung auch abwechslungsreiche Beschäftigung. Pferd und Besitzer bietet die unliebsame Situation die Chance, sich unter neuen Umständen kennenzulernen und die gegenseitige Beziehung zu vertiefen. 62

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Text: Ruth Müller Fotos: Ruth Müller, zVg./GTRD, zVg./Marcel Rolli

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in Fehltritt, ein Sturz, eine Darmverwicklung – und von einer Sekunde auf die andere ist nichts mehr wie bisher. Sportpferde werden aus dem vollen Training gerissen, Offenstall- und Weidepferde aus ihrer vertrauten Herde. Bedingt eine Verletzung oder Krankheit Boxenruhe, so ist das für jedes Pferd ein massiver Einschnitt. Und auch beim Besitzer machen sich Frust und Verzweiflung breit, wenn der Tierarzt diese Anweisung gibt. «Hauptindikationen dafür sind nebst Knochenbrüchen an Gliedmassen und Becken, Kolik-Operationen und Hufrehe auch komplizierte Verletzungen in Gelenknähe, bei denen durch Bewegung die Wundheilung gestört würde», sagt Veterinär Christian Czech von der renommierten, unlängst erweiterten Pferdeklinik Neugraben in Niederlenz. Seine Erfahrung habe gezeigt, dass die Pferde, abhängig von Rasse und Temperament, sehr unterschiedlich mit der Ruhigstellung umgehen. «Wie ein Pferd darauf reagiert, wie geduldig es sich in die neue Situation schickt, kann man nie wissen. Manche werden unzufrieden, unleidlich bis aggressiv. Andere resignieren und sind in sich gekehrt. Ein Vollblüter wird wohl heftiger reagieren als ein Robustpferd.» Manchmal sei Anbinden oder Verabreichung sedierender Medikamente notwendig. In jedem Falle sei die Boxenruhe so kurz wie möglich, jedoch so lange wie notwendig zu gestalten. Bei einer Fraktur, wo der Patient manchmal in einem Netz aufgehängt von seinem Gewicht entlastet wird, könne die Stehpause gut acht Wochen dauern. «Das ist vertretbar, weil die

Massnahmen lebensrettend und zeitlich begrenzt sind.» LICHT, LUFT UND ABWECHSLUNG Zu Stehpausen sei man heute kritischer eingestellt als auch schon. Pferde mit einem Sehnenschaden wurden früher einfach sechs Monate in die Box gesperrt. Meist im festen Glauben, das einzig Richtige zu tun. Bisweilen aber auch nach dem Motto: Entweder ist das Bein danach wieder heil oder nicht – immerhin hat man nicht viel Arbeit mit dem Pferd, wenn es schon nicht geritten werden kann. Von dieser Praktik ist man, zum Glück für die Pferde, wieder abgekommen. «Den besten Heilungserfolg bei Sehnenverletzungen verspricht intervallsmässige kontrollierte Bewegung im Schritt. Nur wenn eine Sehne komplett oder fast ganz gerissen ist, macht Boxenruhe im akuten Stadium Sinn», so Christian Czech. Der Besitzer kann viel dazu beitragen, um die Stehpause für das Pferd so angenehm wie möglich zu gestalten. «Auf ein gutes Stallklima ist zu achten: Das Pferd braucht Licht und frische Luft. Die meisten Pferde schätzen ein Aussenfenster, wo sie den Kopf rausstrecken und am Geschehen auf dem Hof teilhaben können. Das ist wie Fernsehen und dient der Unterhaltung.»Zählt das Pferd zu den ruhigen Genossen und steht in einer Auslaufbox mit Paddock, der nur Boxenfläche aufweist, kann es unter Aufsicht auch stundenweise in den Aussenbereich gestellt werden, etwa um Sonne zu tanken. «Werden die Pferde während der Boxenruhe vollkommen reizfrei gehalten, stumpfen sie ab.» Und die Rückkehr ins normale Leben kann sich danach schwieriger gestalten, wenn die Pferde durch den aufgestauten Stallmut schreckhafter reagieren. Es gebe aber auch Tiere, die sich aufregen, wenn sie den Betrieb beobachten können und deshalb keine Ruhe finden. Dann sei es der bessere Kompromiss, das Fenster geschlossen zu halten oder das Pferd in eine ruhiger gelegene Box umzuquartieren. HOCHWERTIGE, ENERGIEARME FÜTTERUNG Der Untätigkeit anzupassen gilt es in jedem Fall die Fütterung. «Dem Pferd sollen viele kleine Portionen Raufutter vorgelegt werden. Um es zu beschäftigen und seinen Verdauungsapparat in Schwung zu halten», rät der Tierarzt. Das Kraftfutter, insbesondere Getreide, muss auf ein Minimum reduziert, besser ganz weggelassen werden. «Vor allem, wenn das Pferd nervös oder zu dick ist.» Der Erhaltungsbedarf PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

eines 600 Kilogramm schweren Pferdes wird auf rund 70 MegaJoule/Tag beziffert. Mit acht bis neun Kilogramm gutem Heu und einer Scheibe Futterstroh ist das nicht arbeitende Pferd energetisch bereits ausreichend versorgt. Wird das Heu in einem engmaschigen Netz gereicht – am besten mit nur 3 x 3 Zentimeter Maschenweite – verlängert sich die Fresszeit erheblich. Praktisch: Im Netz lässt sich das Heu gut wiegen und bei Bedarf befeuchten. Jedoch sind Heunetze nur bei unbeschlagenen Pferden ein gefahrloses Hilfsmittel. Tragen die Tiere Hufeisen, können sie sich, etwa beim Wälzen, mit deren Schenkelenden im Netz verfangen und hängenbleiben. Deshalb gilt hier: Nicht in Bodennähe aufhängen, auch wenn so keine natürliche Fresshaltung ermöglicht wird.

Ein engmaschiges Heunetz verlängert die Fresszeit von Raufutter.

Während der Vegetationsperiode kann dem Pferd auch frisch gemähtes Gras in der Boxe gereicht werden. Das vermag über den gestrichenen Weidegang hinweg trösten. Wichtig ist auch, das Pferd nicht allein im Stall zurücklassen, wenn die anderen Tiere auf die Weide oder in den Auslauf gehen. Mindestens ein vierbeiniger Kollege sollte dem Patienten Gesellschaft leisten. Auch ein paar Karotten tun ihm gut. Und das Mineralfutter sollte so gewählt und dosiert werden, dass das rekonvaleszente Pferd möglichst optimal versorgt ist. Das kommt dem Immunsystem und dem Heilungsprozess zugute. An Muskelmasse abbauen wird der Körper dennoch. Muskeln sind in erster Linie das Resultat aus Bewegung – und wenn diese entfällt, schwindet die Muskulatur rasch. WERTVOLLE ZEIT «Ein Pferd ist auch nur ein Mensch», sagt Christian Czech. Will heissen: Patienten 63


MEDIZIN haben ein besonderes Bedürfnis nach Zuwendung. «Der persönliche Anspruch des Pferdes ist nicht zu vernachlässigen. Es ist wichtig, ihm Aufmerksamkeit zu schenken.» Ob ausgiebiges Putzen, Pflegen, Kraulen oder Massieren – die Pferde nehmen ein Wellness-Programm gerne an. Auch vom Besitzer ist Geduld gefordert, wenn der Tierarzt seinem Pferd Boxenruhe verordnet hat. Um sich und den Vierbeiner bei Laune zu halten und Abwechslung ins Spiel zu bringen, gibt es unzählige, für beide Seiten bereichernde Möglichkeiten. Es lohnt sich, die Zwangspause positiv zu nutzen, kreativ zu sein und sich an Neues zu wagen. Vielleicht wollte man etwas schon längst ausprobieren, jedoch fehlte nebst dem Reiten die Zeit dazu. Ob das Einüben von Kunststücken wie Beinekreuzen, Teppichausrollen, Apportieren, Ja- und Nein-Sagen, eventuell per Clicker-Methode, Leckerli-Gymnastik als Dehnungstraining oder Akupressur für Entspannung, Schmerzlinderung und Wohlbefinden. Man kann auch leichtes Schrecktraining machen, dem Pferd ungewohnte Dinge zeigen, es mit einer Plastikplane ausstreifen oder ihm sogar beibringen, darauf zu stehen. So lässt sich Kommunikation und Vertrauen verbessern. Spielerische Kopfarbeit wie unter Pylonen versteckte Karottenstücke finden, indem das Pferd die Hütchen umkippt, kommen ebenfalls gut an. Ideen gibt es zuhauf in Fachbüchern für Horsemanship, Bodenarbeit und Physiotherapie. Inspiration kann auch der Erfahrungsaustausch mit Leidensgenossen in einschlägigen Internet-Foren bieten. FOLGESCHÄDEN VORBEUGEN Während der Stehphase kann, in Abstimmung mit Tierarzt und Physiotherapeut, einiges unternommen werden, um Folgeschäden durch längerdauernde Boxenruhe zu vermeiden oder immerhin zu minimieren. Lymphdrainage entstaut angelaufene Beine, Massagen regen den Stoffwechsel an, passive und aktive Bewegungsübungen erhalten die Beweglichkeit. Den Heilungsverlauf positiv beeinflussen können, in Kombination mit der schulmedizinischen Behandlung, auch von ausgebildeten Fachkräften angewendete alternative Methoden wie Akupunktur und Homöopathie. Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, von Boxenruhe auf schonende Bewegung umzustellen, zeigt die Nachkontrolle. «Ultraschall und Röntgen leisten hier wertvolle Dienste», weiss Christian Czech. «Im Zweifelsfalle sind die Checks mehrfach durchzuführen. Beim 64

Zeitlich begrenzte Boxenruhe ist gemäss Christian Czech, Veterinär in der Niederlenzer Pferdeklinik, vertretbar.

Nach einem Knochenbruch wird das verletzte Pferd im Stall durch ein Entlastungsnetz unterstützt.

Abwechslung bringt das stundenweise Verbringen des Pferdes in den kleinen Aussenbereich der Auslaufbox.

Wiederaufbau lohnt sich Geduld und Sorgfalt ebenfalls.» Der behandelnde Tierarzt wird dem Besitzer einen möglichst genau einzuhaltenden Bewegungsplan aushändigen. Die Steigerung der Anforderungen wird über viele Wochen im Minutentakt erfolgen. Es lohnt sich, dem Pferd viel Zeit zu lassen, damit es seine körperliche Belastbarkeit nachhaltig wieder erlangen kann. «In vielen orthopädischen Fällen macht es Sinn, das Pferd in eine Reha zu geben, wo

ein Antrainieren und der Muskulaturaufbau Gliedmassenschonend im Aquatrainer möglich sind.» So lang und schwer der Weg für alle Beteiligten sein mag, Christian Czech hat aus Erfahrung gute Nachrichten: «Auch wenn die Zeit in der Box für alle Beteiligten hart sein kann, hat es sich gezeigt, dass sich die meisten Pferde gut von der Zwangspause erholen und dann wieder so sind wie vorher.»

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Die Stehpause sinnvoll nutzen und Neues lernen: Beine kreuzen, Pylonenspiel und Teppich ausrollen.

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DIE IRONISCHE KOLUMNE VON KARIN ROHRER

HAT IHR PFERD SCHON EIN IPAD?

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ie moderne Technik hat auch im Pferdestall längst Einzug gehalten und so gehören Webcams in Stall und Transporter schon fast zur Standard-Ausrüstung des fürsorglichen Pferdehalters. Dieser kann mit einem Mausklick herausfinden, ob Fury am Heu mümmelt, vor sich hindöst oder sich unerlaubt aus dem Stall entfernt hat. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat eine App herausgegeben, wo in einer Suchmaschine überprüft werden kann, ob die Inhaltsstoffe im Pferdefutter den gängigen Dopingregeln entsprechen. Macht sicher Sinn, denke ich, aber viel praktischer wäre es doch, könnte man ein Tablett oder iPad auf einen Haufen Pferdeäpfel legen und be-

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käme sofort die entsprechende Auswertung. Natürlich inklusive Meldung allfälliger Parasiten, die das Hottehü aktuell befallen. Spinne ich den Faden weiter, würde gleich automatisch online beim Tierarzt die richtige Wurmpaste in Bestellung gegeben. Begrüssen würde ich persönlich als Pferdehalter eine App, die einem die verlorenen Hufeisen auf der Weide ausfindig macht oder mir eine EMail schickt, wenn ein Teil des Weidezauns nicht mehr unter Strom steht. In einer weiteren App, und die gibt es wirklich, geht der Traum vom eigenen (virtuellen) Pferd in Erfüllung. Man braucht weder Stall noch Tierarzt und man kann sich um sein Pferd kümmern, wann es einem gerade so passt. Da stellen sich mir als eingePA S S I O N W H EI N RB TE ST R 2013

fleischten Rösseler die Haare im Nacken auf. Genauso, wenn ich einer Reiterin zuschaue, welche exakte Hufschlagfiguren oder einen Springparcours reitet, aber nicht mitbekommt, wenn nebenan ein Flugzeug abstürzt, da sie ihre Ohren zugestöpselt hat, den MP3-Player an der Reithose montiert. Da ist ein GPS schon wertvoller, welches bei Bedarf die Retter zum Unfallort im Gelände führt. Ausser natürlich, wenn das GPS am reiterlosen Pferd befestigt ist, welches bereits heimwärts galoppiert. Wenn mein Pferd einen iPod hätte, würde es sich wohl eher ein Hörbuch mit einer Folge von «Black Beauty» reinziehen oder doch lieber, der Rasse entsprechend, stimmige Countrymusik?


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STRICH FÜR STRICH EIN ANDENKEN VON KÜNSTLERHAND FESTGEHALTEN! Frantisek Lapsansky aufgewachsen in der Slowakei absolvierte er die Kunstschule und beendete diese mit Abschluss im Jahr 2002. Vor 6 Jahren kam er in die Schweiz, um seine grosse Leidenschaft, die Arbeit mit Tieren, vor allem mit Pferden auszuüben. Seit einiger Zeit verwöhnt er die Pferde von Ursi und Konrad Rusch, wobei sich alle sehr wohl fühlen. Immer wieder in der Freizeit griff er zu Bleistift und Papier und somit seine zweite Passion zu verwirklichen. So kam es, dass immer mehr Bilder entstanden. Zufällig wurde das künstlerische Talent wiederentdeckt und so freut sich in der Zwischenzeit nicht nur seine Chefin über ein bleibendes Andenken, sondern auch zahlreiche andere Rösseler oder Besitzer von anderen Tierarten. Ebenso kann auch mal ein sehr persönliches Portrait angefertigt werden für den Mann oder die Frau. Schauen sie auf der Hompage vorbei und fragen sie unverbindlich nach. A Alle Infos unter www.fl-art.ch

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VIELE HIGHLIGHTS AN DER NATIONALEN PFERDEMESSE Pferde, Pferde und nochmals Pferde: Während zehn Tagen, vom 3. bis am 12. Mai, dreht sich an der grössten und wichtigsten nationalen Fachmesse PFERD alles um die faszinierenden Vierbeiner. Pferdeliebhaber aus der ganzen Schweiz treffen in Bern auf über 200 Pferde verschiedener Rassen, rund 50 Aussteller und einen vielfältigen Programm-Mix aus spannenden Wettkämpfen, lehrreichen Fachveranstaltungen und unterhaltsamen Shows.

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ie in jedem Jahr erwartet die Messebesucher auch an der 24. PFERD erneut ein bunter Strauss an Shows, Vorführungen, Veranstaltungen und Fachbeiträgen. Ein äusserst attraktiver Programm-Mix verteilt über insgesamt 10 Tage und Abende, der die Herzen der Reiter und Pferdeliebhaber höher schlagen lässt. REITSPORT HOCH IM KURS Ein weiterer wichtiger Pfeiler im Konzept der PFERD ist der Sport: bewährte Wettbewerbe wie der «PFERD Super-5-Kampf», bei dem zehn Teams in fünf Disziplinen gegeneinander antreten, oder die hochdotierte Trailprüfung «BEA Superhorse» und natürlich der «Junioren-VierkampfTurnier» sorgen für spannende Unterhaltung. Es gibt in diesem Jahr aber auch Neuerungen im Bereich Sport: Erstmals findet ein spezieller Paso Fino-Day statt. Ein weiteres Highlight wird der Special Event «Western meets Dressur» unter dem Patronat des Schweizer Reitmagazins PASSION. FESTSTIMMUNG UND EINKAUFSSPASS Eine neue Bürste fürs Pony, eine trendige Schabracke oder ein paar Leckerli für den 68

vierbeinigen Liebling: Für viele Besucherinnen und Besucher der PFERD gehört das Einkaufserlebnis zu einem perfekten Messetag mit dazu. Über 50 regionale und nationale Aussteller bieten eine grosse Vielfalt an Produkten und Dienstleistungen rund ums Pferd und laden ein zum ausgedehnten Shoppingbummel. Ob gross oder klein – die PFERD ist für alle ein grosses (Messe-) Fest und nachhaltiges Erlebnis. Doch selbst wenn die Messe um 18 Uhr ihre Pforten schliesst, ist längst nicht Feierabend. An mehreren Abenden geht es weiter mit attraktiven Unterhaltungsshows. Von grossem Interesse ist hier zum Beispiel die Parelli-Horsemanship-Night. PFERD-FACHARENA «Die PFERD-Facharena ist in den beiden vergangenen Jahren gut angekommen und erfreute sich jeweils grosser Beliebtheit. Wir werden unser Fachprogramm demnach auch 2013 weiterführen», sagt Flavio Sartori, Messeleiter der nationalen Pferdemesse. Auf dieser Plattform vermitteln ausgewiesene Fachleute und Experten ihr Know-how und die neusten Erkenntnisse zu Themen wie Pferdegesundheit, Haltung, Ausbildung und Trainingsmethoden. Das vielfältige Angebot bietet diverse Referate, Workshops und Seminare rund ums Thema Pferd. «Es gibt in der PferdePA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

szene einen grossen Bedarf an gut vermitteltem Wissen – diesem Umstand wollen wir mit der Facharena erneut Rechnung tragen. Und die Beiträge werden bis auf ganz wenige Ausnahmen gratis angeboten», so der Messeleiter Flavio Sartori. Die PFERD findet gleichzeitig mit der Frühjahrsmesse BEA auf dem Messegelände in Bern statt. Besucher haben Zutritt zu beiden Messen.

Also unbedingt dick in der Agenda anstreichen: PFERD 2013 vom 3.–12. Mai, die grösste und bedeutendste nationale Fachmesse zum Thema Pferd.


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DIE NATIONALE PFERDEMESSE BERN, 3. – 12. MAI 2013

www.pferd-messe.ch Veranstalter

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PORTRÄT Interview: Bettina Hübscher Ritler Fotos: Alfons Ritler

DER LANGE WEG ZUR PERFEKTION Bereits seit drei Jahren finden in Laufen Wochenendkurse mit Bent Branderup statt. Mitte November war es wieder soweit. Eine Schar Zuschauer widerstand der beissenden Kälte und harrte aus, um vom grossen Wissen und dem pädagogischen Geschick des Reitmeisters profitieren zu können. Mit feinem Humor und viel Geduld leitete er die Reiterinnen und ihre Pferde an – damit sie auf ihrem langen Weg zu Perfektion und Schönheit des Ausdrucks ein Stück weiterkommen.

Sind Sie mit Pferden aufgewachsen? Nein, in meiner Kindheit gab es in meiner Familie keine Pferde mehr. Meine Eltern gehörten zu einer Generation, bei der die Pferde bereits der Vergangenheit angehörten. Ich bin in meiner Jugend Jagd und Military geritten, auch Kutsche gefahren, das war meine Passion. Seit meiner Kindheit habe ich in Museen nach Dokumenten über die Geschichte der Pferde gesucht, denn ich wollte eigentlich Ethnologie studieren und mich auf Pferdekultur spezialisieren. Ich reiste als junger Mensch herum und studierte verschiedene Reitkulturen. Nach der Abiturzeit bin ich nicht wirklich zum Studieren gekommen, sondern habe angefangen zu reisen. Ich habe mich auf Island mit Gangartskultur beschäftigt, ritt mit den Rindertreibern in Ungarn und erforschte die landwirtschaftliche Pferdekultur im südlichen Polen. Wie sind Sie zur akademischen Reitkunst gekommen? Ich hatte die Möglichkeit, mich während zwei Jahren an der königlichen Hofreitschule von Spanien, der «Escuela Andaluza del Arte Equestre» in Jerez, ausbilden zu lassen. Als ich dort anfing, war es einfach um mich geschehen. Ich hatte das Glück, dass der Leiter der Schule, Don Javier Garcia Romero, mein Lehrmeister wurde. Ich sprach kein Spanisch und mein Aussehen war für Spanier ja ein bisschen auffällig. Die anderen Lehrer haben alle andere Schüler gewählt, da sagte Don Javier: «Also, wenn keiner den Dänen nimmt, dann nehme ich den eben selber.» Danach habe ich verschiedene Reitmeister aufge70

sucht. In Portugal ritt ich bei Nuño Oliveira, zum Schluss kam ich zu Egon von Neindorff in Deutschland. Ich habe von allen Meistern gelernt, aber am meisten

von ihren Pferden. Am schönsten waren die Pferde von Don Javier. Sie widerspiegelten das freundliche Wesen ihres Meisters. Ist es ein wichtiges Motiv Ihrer Arbeit, die alte Kunst auf hohem Niveau zu erhalten? Es geht darum, die alte akademische Reitkunst wiederzuentdecken. In gewissem Rahmen haben wir schon viel erreicht, aber noch gibt es viel zu tun. In meiner Kindheit waren wir an einem Tiefpunkt angelangt, was das reiterliche Wissen in Europa angeht.

Bent Branderup ist einer der profiliertesten Reitmeister unserer Zeit. Er hat sich der Pflege und dem Erhalt der akademischen Reitkunst verschrieben und beschäftigt sich seit Jahren mit der Kulturgeschichte des Pferdes. Er lebt in Lindegaard, Dänemark. In der Schweiz arbeitet er mit Karin und Anja Hass vom Zentrum Zentauer in Laufen zusammen. Anja Hass ist lizenzierte Trainerin nach der Methode von Bent Branderup.

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Lernen Sie auch von Ihren Schülern? Ja, klar. Ich lerne viel von meinen Schülern, das Geben und Nehmen steht in einem guten Verhältnis. Der Reitunterricht ist wie ein gemeinsames Forschungsprojekt. Es ist wichtig, dass der Schüler mich dabei unterstützt. Wenn wir zum Beispiel eine neue Lektion erarbeiten, werden wir auch viele Fehler machen. Ich selbst kann allein nicht so viele Fehler produzieren, die notwendig wären, um mir ein komplettes Bild der Sache machen zu können. Mit Hilfe von vielen Schülern schaffe ich das eher. Zusammen finden wir heraus, was ein Fehler ist, was keiner ist. Und so bilden Sie Ihre Schülerinnen auch aus: In den Kursen eine Anregung geben und sie dann weiterschicken auf ihrem Weg. Ja, genau. Die Schüler treiben Sie auch voran in Ihrem Prozess, sich zu verfeinern?


Stéphanie Roth mit ihrem 17-jährigen IrländerWallach Bart Royale bei der Bodenarbeit.

Pferd und Reiterin in voller Konzentration. Bart Royale im Schulterherein an der Hand.

Ein gutes Team. Nadia Güdel und ihr 13-jähriger Cruzado-Wallach Héroe.

Ja, denn ich möchte ja schon ein wenig einen Vorsprung behalten. Ich habe aber gute Schüler, die mich einholen, da bin ich besonders stolz darauf. Der erfolgreiche Pädagoge hat ja manchmal auch einen Schüler, der talentierter ist, als er selber war. So habe ich einige Schülerinnen und Schüler, die gut unterwegs sind auf dem Weg zur Meisterschaft.

gibt ja auch Pferde, die einem liegen, andere, die einem nicht so liegen.

Die lange Reise heisst: Viel Selbstdisziplin, viel Selbstkritik . . . Ja, auch die Fähigkeit zur Selbstreflexion und das Bedürfnis, sich entwickeln zu wollen. Man kann aber auch zu selbstkritisch und zu analytisch werden.

Könnten Sie bitte dieses Zitat des Reitmeisters der Renaissancezeit, Antoine de Pluvinel, kommentieren: «Die Anmut eines jungen Pferdes ist wie der Duft einer Blüte, der einmal verflogen, nie wiederkehrt.» Der Duft ist der Geist des Pferdes, die Blüte selbst ist der Körper. Der Geist eines Pferdes ist etwas sehr Kostbares. Der Geist des Pferdes ist seine Intelligenz, seine Sensibilität, seine Bereitschaft zur Kooperation? Ja, sein Wesen. Es ist selten, dass der Mensch wirklich den Geist des Pferdes versteht. Das Pferd muss nicht nur körperlich ausgebildet werden, sondern sein Geist muss gefördert werden. Waren Sie jemals in der Wiener Hofreitschule? Wenn man durch die Stallungen der Wiener Hofreitschule geht und einem Schulhengst in die Augen schaut: der Hengst hat grosse, klare Augen, die sein Selbstbewusstsein widerspiegeln. Das Pferd muss auch gefördert werden als Partner des Menschen? Ja, als Individuum. Man muss das Pferd als Individuum wahrnehmen und achten. Es

Dann ist es ja auch wichtig, dass Reiter und Pferd zusammenpassen, oder? Wenn ich wirklich 20 Jahre meines Lebens mit jemandem zusammen verbringen will, dann soll es jemand sein, den ich gerne mag. Ich habe meinen Hugin (Anmerkung: sein erster Knabstrupper-Hengst) seit 25 Jahren. Es wäre ja tragisch, wenn wir uns nicht mögen würden. 25 Jahre, so lange hat mich nicht einmal meine Mutter ausgehalten! Gibt es Pferde, die sich auf Grund ihrer Anatomie oder ihres Charakters nicht fürs akademische Reiten eignen? Jedes Pferd hat die Fähigkeit, seinen Menschen zu entwickeln, aber nicht jedes Pferd kann sich zu einem Meisterpferd entwickeln. Natürlich gibt es begabtere Pferde, jedoch kaum Menschen, die dieser Begabung gerecht werden können. Also arbeitet man mit dem Pferd, das man hat, unabhängig von Rasse oder Charakter. Was kann ein durchschnittlicher Freizeitreiter von der akademischen Reitweise lernen? Ich würde einem Freizeitreiter eher empfehlen, sich mit Horsemanship und Pleasure-Riding zu beschäftigen als mit der akademischen Reitweise. Er wird mehr Spass daran haben. Wer wirklich eine lange Reise zu sich selbst unternehmen will, der kann den Weg des akademischen Reitens gehen. PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

Eine Freizeitreiterin kauft ein dreijähriges Pferd. Wie soll sie vorgehen, wenn sie es gut ausbilden lassen will? Ich würde nicht empfehlen, das junge Pferd von einem Berufsreiter im Schnellverfahren zureiten zu lassen, sondern Pferd und Reiterin zusammen auszubilden. Das dauert dann lange, ist ziemlich umständlich, aber man hat dann selbst viel gelernt. Wichtig ist, dass der Reiter Verantwortung für sein Pferd übernimmt, es respektiert und im Rahmen seiner körperlichen und mentalen Möglichkeiten fördert. www.bentbranderup.dk www.zentauer.ch

Akademische Reitkunst Die akademische Reitkunst basiert auf dem Wissen alter Reitmeister. Angefangen bei den alten Griechen über Reitmeister der Renaissancezeit, des Barock und des Klassizismus bis zu Persönlichkeiten des zwanzigsten Jahrhunderts.

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BEVOR DIE WELT ZU FLÜSTERN BEGANN Haltung und Verhalten von Pferden – das sind Themen, die Andreas Kurtz seit Jahrzehnten beschäftigen. Lange bevor man mit Pferden tanzte, flüsterte, spielte und join-upte, setzte er sich dafür ein, dass sie ein artgerechtes Leben führen können.

Text: Nadja Belviso Fotos: zVg

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Auf seinem Hof in Steg (ZH) baute Andreas Kurtz den schweizweit ersten Laufstall für Reitpferde.

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ndreas Kurtz war gerade mal 20 Jahre alt, als sein Interesse an Ethologie (siehe Box) erwachte. Damals sagte ihm der Begriff zwar noch nichts. Aber er spürte, dass mit seinem ersten eigenen Pferd etwas nicht stimmte. Es war nicht glücklich. Man riet ihm, dem Pferd genug Weidegang zu gewähren. Aber dem jungen Mann war klar, dass das nicht genügte, um seinem tierischen Freund ein pferdegerechtes Leben zu bieten. Seither beschäftigt sich Andreas Kurtz intensiv mit dem Verhalten und der Haltung von Pferden. Mit seinen Stallbaukonzepten gilt er heute als Pionier. Die Ethologieschule, die er 2004 gegründet hat, ist als einer von zehn Betrieben vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) akkreditiert, um die gesetzlich geforderten Kurse für Pferdehalter durchzuführen. ERSTER LAUFSTALL DER SCHWEIZ In Berührung mit der Ethologie als wissenschaftliche Disziplin kam Andreas Kurtz, als er in den 70er-Jahren den ersten Laufstall für Reitpferde in der Schweiz baute. Immer wieder kamen ihn Ethologieprofessoren, vor allem aus Deutschland, auf seinem Hof in Steg (ZH) besuchen. Das Interesse war gegenseitig. Kurtz begann, die internationale Ethologentagung für angewandte Nutztierhaltung im deutschen Freiburg zu besuchen und wurde bald selbst als Referent und Experte für Stallbau nach Deutschland eingeladen. In der Schweiz jedoch interessierte sich noch lange niemand für die Themen, für die Andreas Kurtz brannte. Ein bisschen änderte sich das, als Ursula Bruhns und Ewald Isenbügel in den 70er-Jahren auch in der Schweiz öffentlich für die Offenstallhaltung und einen pferdegerechten Umgang plädierten. Die Autorin der Bücher, die als Vorlage für die Immenhof-Filme dienten, und andere bekannte Pferdekenner trugen wesentlich dazu bei, das Bewusstsein der Schweizer

für eine artgerechte Haltung zu wecken. Als 1983 schliesslich die erste Berufsausbildung für Pferdepfleger ins Leben gerufen wurde, sah Kurtz die Gelegenheit, sein Spezialgebiet auch anderen zugänglich zu machen. Er begann, die Schüler in Haltung und Ethologie zu unterrichten. Doch erst mit der Tierschutzverordnung, die 2008 in Kraft trat, verbesserten sich die Bedingungen für die Pferde frappant. Die Anbindhaltung wurde verboten, Gruppenhaltung vorgeschrieben. «Es ist verrückt, aber selbst die naheliegendsten Ideen brauchen eine ganze Generation Zeit, um zu wachsen», sagt er heute. HOCHKARÄTIGE DOZENTEN Die gesetzliche Verankerung war aber für den Pferdefreund kein Grund, sich zurückzulehnen. Das Gesetz sei gut, sagt er: «Aber Menschen lernen nicht durch Gesetze, sondern mit dem Kopf.» Es sei wichtig, dass sie verstünden, warum der Staat ih-

Die Ethologie oder Verhaltensbiologie erforscht Verhalten aus biologischer Sicht und mit biologischen Methoden. Um Verhalten umfassend verstehen zu können, stellt die Ethologie drei Grundfragen: Welche kausalen Zusammenhänge steuern das Verhalten eines Tieres? Welche kausalen Mechanismen liegen der Entwicklung des Verhaltens eines Tieres zugrunde? Welche Funktionen des Verhaltens ermöglichen einem Tier, sich an seine Umwelt anzupassen? Aufgrund genetisch bedingter Verhaltensunterschiede passen sich die Individuen einer Population verschieden gut an ihre Umwelt an. Ihre Gene unterliegen also einer natürlichen Selektion. So bilden sich schliesslich neue, besser angepasste Verhaltensweisen heraus, die nicht mehr nur von Individuen, sondern von der ganzen Population gezeigt werden. Eine besondere Form der Ethologie ist die Nutztierethologie, die sich mit der Erforschung des Verhaltens von Nutztieren beschäftigt, mit dem Ziel, die Haltungsbedingungen zu optimieren. Die nächste Gelegenheit, Herrn Kurtz live zu sehen, haben Sie am nächsten Kurs vom 5. bis 9. Februar 2013 in Steg/Rapperswil.

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nen vorschreibt, wie sie ihre Tiere halten sollen. Deshalb bewarb er sich mit seiner Ethologieschule beim BVET um die Akkreditierung als Ausbildungsorganisation für die gesetzlich vorgeschriebenen Kurse für Pferdehalter. Heute bietet er jährlich zehn Kurse für den Sachkundenachweis an, den Halter von mehr als fünf Pferden erbringen müssen, und fünf Mal die fachspezifische berufsunabhängige Ausbildung, die Halter von mehr als elf gewerblich genutzten Pferden absolvieren. Dabei ist es ihm wichtig, mehr als die vorgeschriebenen Inhalte zu bieten. Neben Themen wie Gesundheit, Recht, Haltung, Fütterung und Fortpflanzung wird deshalb auch Wissen über die biologischen Hintergründe von Verhalten und Lernen vermittelt. «Um Tipps für den artgerechten Umgang mit den Pferden in jedem Moment richtig umsetzen zu können, ist es wichtig, die wissenschaftliche Grundlage zu kennen», sagt er. Dass die Teilnehmerzahl jeweils auf 15 bis 20 Personen beschränkt ist, ermöglicht eine lockere und lernförderliche Atmosphäre in den Kursen. Nicht zuletzt achtet Andreas Kurtz darauf, nur hochkarätige Pferdeprofis als Dozenten einzusetzen. Das Konzept hat sich bewährt. Koryphäen wie Freddy Knie und Ewald Isenbügel locken immer wieder auch Pferdefreunde an, die nicht vom Gesetz zur Teilnahme gezwungen werden. ZUSAMMENARBEIT MIT DEM NPZ Auch wenn Andreas Kurtz inzwischen alles erreicht hat, was er sich für die Pferdelandschaft Schweiz gewünscht hat, denkt er nicht ans Ausruhen. Zusammen mit dem Nationalen Pferdezentrum (NPZ), mit dem er von Anfang an zusammengearbeitet hat, soll sich die Ethologieschule zum FBA-Profi und zum Kompetenzzentrum für Verhaltensbiologie und Pferdehaltung etablieren. Bereits heute teilen sich die beiden Institutionen Dozenten und Gebäude. 75


PERSÖNLICH

Porträt Hannelore Karst und Lusitano Xileno

ZUSAMMEN ÜBER 100 JAHRE ALT

Anmutig und tänzerisch bewegt sich der Schimmel mit geschmeidigen Bewegungen über den Sandplatz, trotz seiner 32 Jahre. Mit gespitzten Ohren und glänzenden Augen nimmt er alles um sich herum wahr, und trotzdem gilt seine grösste Aufmerksamkeit der Frau in der Mitte. Seiner Besitzerin, der 72-jährigen Hannelore Karst.

Arbeit. Aber ich habe mich sofort in sein freundliches Gesicht verliebt», schmunzelt Hannelore Karst, welche 18 Jahre eine eigene Kleintierpraxis führte und sich den lange gehegten Wunsch nach einem eigenen Pferd, erfüllte. Der Lusitano war ihr erstes Pferd und obwohl er mit seinem hitzigen Temperament häufig über die Grenzen hinausschoss, hatte Hannelore nie Angst vor ihm und so wuchs das Vertrauen auf beiden Seiten langsam heran, aus Fehlern wurde gelernt. «Bei Schimpfen meinerseits ‹machte er sofort zu› und ich bereue noch heute jeden Druck, den ich unwissentlich auf ihn ausübte», resümiert Hannelore Karst. Mit ganz viel Ruhe und stufenweiser Steigerung war beim imposanten Schimmel mit 1,70 m Stockmass mehr zu erreichen, und so liessen sich Pferd und Reiter die notwendige Zeit.

Text und Fotos: Karin Rohrer

VOM DURCHGÄNGER ZUM ZIRKUSPFERD Bevor ein einigermassen anständiges Reiten auch nur in Erwägung gezogen werden konnte, war sehr viel Bodenarbeit angesagt mit dem temperamentvollen Xileno. Longe, Doppellonge, langer Zügel, Freiheitsdressur und lange Spaziergänge wurden somit ins Ausbildungsrepertoire aufgenommen. Danach besuchte Hannelore Karst Reitstunden sowie Kurse speziell für Barockpferde und unternahm lange, ruhige Ausritte. Vor allem Zirkustricks weckten die Aufmerksamkeit von Xileno, und so studierte Hannelore Fachliteratur, sah Filme zu diesem Thema und versuchte, die Anweisungen in die Tat umzusetzen. Der Lusitano besuchte mit 14 Jahren seinen ersten Zirkuskurs und lernte später sogar Seitengänge an der Hand wie auch die Piaffe. Seine liebste Übung wurde jedoch

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nd dabei war die gemeinsame Zukunft der beiden anfangs eher unbestimmt und stand auf wackligen Beinen. Xileno wurde 1980 in der Nähe von Lissabon geboren und mit 6 Jahren in die Schweiz importiert. Der sensible und eher schwierige Schimmel startete eine Tour-de-Suisse, war in verschiedenen Ställen «zum Ausprobieren», bevor er im Alter von 10 Jahren bei Tierärztin Hannelore Karst einen Lebensplatz fand und im zürcherischen Affoltern am Albis eine grosse Auslaufbox bezog. «Xileno war anfangs eigentlich dauernd am Davonrennen, ob unter dem Sattel oder an der Longe. Mit der Peitsche hatte er offensichtlich schlechte Erfahrungen gemacht, und er zeigte sich nicht gerade kooperativ bei der 76

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das Apportieren von diversen Plüschtieren. «Eines Tages spielte Xileno im Stall mit einem Handtuch und ich liess ihn gewähren. Alle anderen Gegenstände waren jedoch tabu für solche Spielereien. Wir nahmen das Handtuch mit auf den Sandplatz und übten das Aufheben und Loslassen, was sofort klappte». Der Wallach wurde nie frech und blieb durch die liebevolle aber konsequente Behandlung immer respektvoll dem Menschen gegenüber und kannte seine Grenzen. Mit der Zeit wurde Xileno jedoch übereifrig bei seinem neuen Hobby, und wenn Hannelore mehrere Plüschtiere auf einem Zirkel verteilte, wollte er bereits ohne Kommando loslegen und die Tierchen einsammeln. Um ihn abzulenken und zu beschäftigen, schaltete Hannelore eine andere Übung vor und forderte ihn auf, mit gekreuzten Vorderbeinen stehen zu bleiben. Auch diese Spielerei ist dem Pferd in Fleisch und Blut übergegangen und wenn seine Besitzerin ihm nicht gebührend Aufmerksamkeit schenkte, kreuzte Xileno die Beine und schaute ganz schelmisch und Beifall oder Leckerli heischend aus der Wäsche. Das natürlich mit einem Dackelblick, der Eisberge zum schmelzen bringt. LEBENDE KATZE APPORTIERT Xileno lernte, von mehreren Plüschtieren oder Tüchern nur das gewünschte Teil aufzuheben, oder auch mal zwei gleichzeitig. So verinnerlichte er auch, zuerst den Befehl abzuwarten und genau diesen auszuführen. Mit seinem Charme und ZirkusFlair mauserte sich Xileno zum Stallliebling mit seinen Kunststücken. Einzig der Stallkater hatte keinen Sinn für Zirkus. «Einmal schlenderte beim Pferdeputzen


Wenn Xileno beim gemeinsamen Üben etwas nicht kapierte, blieb er einfach regungslos stehen und beobachtete. Diesem Verhalten blieb er auch beim Geländereiten treu, wo er ein unerschrockener Partner wurde und höchstens mal ratlos stehenblieb, wenn ihm ein neuer, unbekannter Gegenstand begegnete. «Seine Ratlosigkeit im Gelände habe ich so gedeutet, als ob er nicht wüsste, welcher neue Trick ihm da gezeigt wird. Also hat er einfach mal auf ein weiteres Zeichen von mir gewartet. Und damit hatte er ja eigentlich auch absolut recht», lacht Hannelore Karst, welche mit ihrem Schimmel gerne «verrückte Dinge» in ihr sogenanntes Antischeu-Training involvierte. Tempowechsel, ruhiges Stehen, rückwärts richten und spanischer Schritt an der Doppellonge gelangen immer besser und sorgten für optimale Gymnastizierung des alternden Schimmels, welcher noch mit 25 Jahren beim Dressurunterricht dabei war. «Ich habe mich immer gefragt, ob ich es merke, wenn Xileno nicht mehr geritten werden möchte», war Hannelore unsicher, verliess sich aber auf ihr Bauchgefühl und den guten Draht zu ihrem Lusitano.

Hannelore Karst hat ihrem Xileno die verschiedensten Kunststücke beigebracht, da der Schimmel unbedingt gefordert werden wollte.

ein junger Stallkater herbei und blieb vor Xilenos Nase stehen, den Schwanz provozierend vor Xilenos Maul haltend. Das Pferd packte den Kater am Schwanz und hob ihn einen halben Meter hoch. Als dieser jämmerlich schrie, liess ihn Xileno los und hatte sofort begriffen, dass sich echte Tiere nicht zum Apportieren eignen», lacht Hannelore Karst. Das Repertoire der Kunststücke wuchs und die beiden zeigten bei kleinen Vorstellungen vor Publikum, was in Sachen Harmonie und Teamwork möglich ist. Das Publikum beeindruckten

vor allem die kombinierten Zirkustricks. So gab Xileno ein Bein zur Begrüssung und nahm gleichzeitig mit seinem Maul einen Hut von Hannelores Kopf runter. Oder er trug beim Laufen eine Plastikrose im Maul, zeigte ein Kompliment und überreichte die Rose nach dem Aufstehen. Speziell ein Auftritt im Kinderspital blieb Hannelore in Erinnerung. «Xilenos Sanftmut und Geduld waren so überzeugend, dass schlussendlich alle Kinder den Respekt vor dem weissen Riesen verloren und entweder mit ihm Ball spielten oder sich Plüschtiere apportieren liessen.» MUSKULATUR ERHALTEN MIT DOPPELLONGEN-ARBEIT Als eine sehr gute Ergänzung zum Reiten erwies sich die Arbeit an der Doppellonge. PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

TÄGLICH AUF ACHSE Sie pflegte ihren schwerkranken Mann zu Hause, während Xileno für den physischen und psychischen Ausgleich sorgte. «Nach dem Tod meines Mannes vor sechs Jahren, erwies sich Xileno als wahre Stütze und erleichterte mir meinen Weg ‹zurück ins Leben›», sinniert die aufgestellte Frau. Tägliche Spaziergänge und etwas Ingwer-Pulver gegen Arthrose hielten beide fit, auch als Xileno nicht mehr unter dem Sattel gearbeitet wurde. «An der Doppellonge liess ich ihn viel geradeauslaufen, respektierte sein Tempo und machte viele Pausen», betont Hannelore. Das Wochenprogramm der beiden war auch im gesetzeren Alter so abwechslungsreich wie zu Beginn ihrer Freundschaft. So wurde es Xileno nie langweilig und er verlor nie seine Begeisterungsfähigkeit in den gemeinsamen 22 Jahren. «Alles, was der weisse Charmeur mal gelernt hat, bot er absolut freiwillig an und überraschte mich mit immer neuen Ideen seinerseits», erzählt Hannelore Karst. So liebte der Schimmel auch im hohen Pferdealter noch die freien Spielereien auf dem Sandplatz, wo er sich wälzen durfte, Dinge apportierte, die Beine kreuzte oder mal eben einen spanischen Schritt vorführte; ein richtiger Showman eben. Vor kurzem nun musste Hannelore Karst ihren Schimmel gehenlassen, welcher 32 Jahre alt wurde und seiner Besitzerin ein treuer Freund war. 77


SEITENBLICK KO L UM N E M I T D E M ETHO LO GEN ANDREAS KURTZ An dieser Stelle macht sich der Pferdeethologe Andreas Kurtz Gedanken zu unserem Umgang mit dem Pferd. Andreas Kurtz arbeitet seit Jahren mit den renommiertesten Pferdefachleuten der Schweiz zusammen und setzt sich für einen möglichst artgerechten Umgang mit dem Pferd ein.

PEDRO

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etztens im Gespräch mit der Leiterin eines Heimes für schwer erziehbare Jugendliche: Ich erzähle ihr von einem neuen Pferd namens Pedro, das gerade bei uns integriert wird. Über Pedros Vergangenheit ist wenig bekannt. Sicher ist nur, als er bei uns ankam, hatte er eine lange Odyssee mit mehreren Besitzerwechseln hinter sich. Man sagte uns, sein Verhalten sei ungewöhnlich und auffällig. Er mache zwar alles, was von ihm verlangt werde, meide aber jeglichen Kontakt mit anderen Pferden. Die Besitzer hofften, Pedro würde auf unserem Hof lernen, Beziehungen zu Artgenossen einzugehen. In den ersten Lektionen wirkte er geistig abwesend, teilnahmslos und apathisch. Er erledigte zwar seine Aufgaben, allerdings eher mechanisch und ohne Regung. Sein Blick war leer und ausdruckslos. Dann – eher unerwartet – nach etwa zwei Wochen zeigte Pedro erste Reaktionen auf die Aussenwelt. Er wieherte plötzlich nach einem andern Pferd, als er auf den Reitplatz ging. Ja – es braucht Zeit, oftmals mehr als man meint. Ich erkläre der Heimleiterin ausführlich, dass Pedro als «Neuling» vorerst allein in seinem Stallabteil bleibt. Auf diese Weise werden erste Sozialkontakte – angeregt von seinen Artgenossen – auf eine gewisse Distanz ermöglicht. Sobald sich erste Anzeichen einer Art Beziehung zeigen, lassen wir diese Pferde zu ihm. Eine unserer Stuten – inzwischen über 20 Jahre alt – ist für derart isolierte «Fälle» wie Pedro das ideale Integrationspferd. Sie hat sich ihm sofort

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angenommen. Solche Tiere sind mit ihrem Harmonie-Bedürfnis überaus wichtig, denn Sie gehen in die aktive Rolle und nehmen den Kontakt zum «Patienten» auf. Sie schaffen Vertrauen. Pedro selbst wäre nicht imstande gewesen, den ersten Schritt zu tun. Ab diesem Moment kann sich das Pferd sozial selber aufbauen. Das muss auch zwingend so sein, erzähle ich. Nur wenn man die Pferde ihre Beziehungen in Ruhe ausloten lässt, hält diese neue Konditionierung auch dauerhaft an. Sie wird nachhaltig. Und auf diesem Fundament kann man weiter aufbauen. Es verging viel Zeit ohne erkennbare Veränderungen in Pedros Verhalten und ich hatte den Achtjährigen schon fast aufgegeben. Und dann plötzlich das erste Drohen, ein anderes Pferd aus dem Stall jagen. Ja, jetzt gehts los, und das ist gut. Pedro zeigt, dass er massiv an Selbstbewusstsein dazugewonnen hat und eigenverantwortlich für seine Bedürfnisse einsteht. Er verteidigt seinen Raum, und so erlangt er die Basis, um seinen Platz in der Herde zu finden. Wie lange ein Pferd für diesen ersten Schritt braucht, ist individuell sehr unterschiedlich und kann nicht im Voraus bestimmt werden. Die Heimleiterin folgte gebannt meinen Ausführungen und stellte am Ende erstaunt fest, dass dieses Vorgehen mit demjenigen im Heim absolut identisch sei. Auf sehr ähnliche Art und Weise werde dort versucht, isolierte Menschen wieder in Gruppen zu integrieren. Die Übereinstimmung im Vorgehen sei verblüffend PA S S I O N W I N T E R 2 0 1 3

und sie hätte sich nicht vorstellen können, dass heute mit Tieren derart sorgfältig gearbeitet werde. Für mich persönlich war am Ende die wichtigste Erkenntnis aus diesem Gespräch, dass die Unterschiede bei der sozialen Integration von verhaltensauffälligen Pferden und Menschen gar nicht so gross sind, wie man gemeinhin annehmen könnte. Wie beim Menschen wird auch beim Pferd die Fähigkeit, soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen, über ein sehr filigranes Empfindungssystem gesteuert, das durch unterschiedliche Einflüsse rasch aus dem Gleichgewicht geraten kann. Ist die Psyche eines Individuums einmal ins Wanken geraten, brauchen gerade Pferde einen geschützten Raum und in der Regel viel Zeit, um sich ihren Artgenossen wieder anzunähern. Sie müssen selbstständig herausfinden, welche die für sie wichtigen Bezugspferde sind. Der Anfang ist oft schwierig, aber umso grösser die Freude, wenn man die Wandlung aus der Nähe miterleben kann.

Sie finden dazu die Ethologieschule auf Facebook unter: www.facebook.com/pages/ Ethologieschule/325941210791849 www.ethologieschule.ch 78


RÄTSEL

GEWINNE 1 VON 5 PASSION-LEUCHTWESTEN IM WERT VON CHF 49.90 Teilnahmebedingungen findest du im Impressum. Teilnahme: Sende das Lösungswort per E-Mail mit Betreff RÄTSEL PASSION an info@prosell.ch oder per Post an: Prosell AG PASSION Das Schweizer Reitmagazin Gösgerstrasse 15 Postfach 170 5012 Schönenwerd Einsendeschluss ist der 15. März 2013

Den Preis aus unserem Herbsträtsel, je 1 Starterpaket von Pferdesnacks.ch im Wert von CHF 35.–, haben gewonnen: Gaby Dober, Rapperswil Susann Anderegg, Krinau Iris Mürner, Reichenbach

Auflösung Herbsträtsel 2012

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V O R S C H A U PA S S I O N F R Ü H L I N G 2 0 1 3 Die Frühlingsausgabe 2013 ist ab dem 11. April im Handel erhältlich. Unter anderem können Sie sich auf folgende Artikel freuen: REITER AUF REISEN Das Spezialthema der Frühlingsausgabe befasst sich mit allen interessanten Aspekten rund um die bevorstehende Reisesaison. Ob mit oder ohne eigenem Pferd. Passion zeigt die schönsten Orte für spannende Reitferien innerhalb und ausserhalb der Schweiz, wie Sie am schnellsten dorthin kommen und wo Sie die besten Angebote finden.

AUSBILDUNG Dressur meets Western Wie gross sind die Unterschiede – wie gross Einzigartigkeiten der verschiedenen Reitarten wirklich?

PFERD 2013 Die bedeutendste Schweizer Pferdeausstellung öffnet am 3. Mai ihre Pforten. PASSION berichtet ausführlich, was die interessierten Pferdeliebhaber auf dem Berner Messegelände alles erwartet.

Im zweiten Teil dieser Reportage manifestiert Passion die These, dass Reiter aller Art eine grosse «Interessensgemeinschaft» bilden und dass die weitaus mehr vereint, als sie trennt

. . . und viele weitere, interessante Themen.

Allgemeine Teilnahmebedingungen bei Wettbewerben

Impressum

Zur Teilnahme an den Verlosungen im Magazin PASSION ist jede in der Schweiz und Liechtenstein wohnhafte Person berechtigt, unter Ausschluss der Mitarbeitenden von PASSION – Prosell AG, deren Partnerfirmen und der beauftragten Agenturen. Die Teilnahmefrist wird für jeden Wettbewerb separat definiert. Sofortgewinner werden mit Hilfe eines Zufallsalgorhythmus ausgelost und umgehend benachrichtigt. Die Ziehung des Hauptpreises erfolgt nach Ablauf der Teilnahmefrist. Nur korrekte und vollständige Angaben von Zustellungsdaten (Name, Adresse, Ort) berechtigen zur Preiszustellung. Die Preise werden den Gewinnern per Post an die angegebene Adresse zugestellt. Teilnahmemöglichkeiten: Post und E-Mail.

PASSION Das Schweizer Reitmagazin, ISSN 2235-5456; 1. Jahrgang; erscheint 4-mal jährlich; Herausgeber und Verlag: Prosell AG, Gösgerstrasse 15, 5012 Schönenwerd, Telefon 062 858 28 28, Fax 062 858 28 29; Redaktion PASSION: Gösgerstrasse 15, 5012 Schönenwerd, Telefon 062 858 28 28, Fax 062 858 28 29; Verlagsleitung: Wolfgang Burkhardt (w.burkhardt@prosell.ch); Redaktionsleitung: redaktion@prosell.ch; Inserate: Prosell AG, Schönenwerd, Theres Misar (t.misar@prosell.ch); Produktmanagement: Rebekka Theiler (r.theiler@prosell.ch); Konzept, Design und Produktionsverantwortung: Brandl & Schärer AG, Solothurnerstrasse 121, 4600 Olten, www. brandl.ch; Druck: Stämpfli Publikationen AG, Wölflistrasse 1, Postfach 8326, 3001 Bern; Aboservice: Prosell AG (info@prosell.ch); Jahresabonnement: CHF 29.– für ein Jahr, CHF 56.– für zwei Jahre (inkl. MwSt.); Copyright: Prosell AG, Gösgerstrasse 15, 5012 Schönenwerd; Nachdruck: nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion gestattet; www. passion-magazin.ch oder info@prosell.ch.

Es ist weder eine Barauszahlung noch ein Umtausch der gewonnenen Preise möglich. Die Teilnehmer willigen ein, dass die übermittelten Daten durch PASSION und deren Partner für Marketingaktivitäten weiterverwendet werden können. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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www.passion-magazin.ch

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