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SO M M E R 2 012

AUF ACHSE PFERDETRANSPORT NACHGEFRAGT LOB UND STRAFE NEU ÜBERARBEITET HORSEATHLON EXTREM REITEN IN DEN ALPEN

TEAM-WORK IN DER RUSSMATT GILLES NGOVAN UND SILVAN FLURY

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Sun Shower Die Sun Shower ist die perfekte Wahl, wenn andere Outdoor – Decken bei wärmeren Temperaturen zu warm und schwer sind.

Liebe Leserin, lieber Leser Kennen Sie das Gefühl, mit Ihrem Pferd eine neue Aufgabe zum ersten Mal erfolgreich absolviert zu haben? Aufregung, Freude und die Erleichterung über das Erreichte paaren sich mit einer frisch aufkommenden Erwartung und einer wachsenden Spannung, was noch möglich sein kann.

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So ähnlich ging es unserem Redaktions-Team nach der erfolgreichen Lancierung von PASSION im Frühling. Die Resonanz auf die erste Ausgabe von PASSION war gross. Viele Leser zeigten sich erfreut, endlich wieder ein echtes Schweizer Reitmagazin in den Händen zu halten und gaben Anregungen zu Themen oder platzierten gar konkrete Ideen zu möglichen Inhalten. Auch verschiedenste Fachleute äusserten sich positiv und sicherten uns spontan ihre Mitarbeit zu.

SPASS UND ZUSPRUCH

Ja es macht Spass, von einer solchen Welle des Zuspruchs getragen, weiter zu machen, Neues zu schaffen und noch nicht ganz Gelungenes weiter zu verbessern. Eines scheint uns jedenfalls sicher: Die Pferdeszene der Schweiz ist überaus lebendig. Eine Vielfalt an Themen rund ums Reiten, Erfahrungen, Probleme und Freuden mit Pferden wurde in den vergangenen Wochen an uns heran getragen. Einen grossen Teil davon haben wir für Sie in unsere neue Ausgabe integriert.

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Lesen Sie beispielsweise, wer dem weitum bekannten Dressurreiter Gilles Ngovan im heimischen Stall den Rücken frei hält. Oder was die Schweizer Herdebuchführerin Anita Hettich über den Import von Pferden reiner Spanischer Rasse PRE denkt. Wissen Sie über die Strassenverkehrsordnung, Anhängelast und Maximalgewicht Ihres Transportfahrzeuges Bescheid? Oder wie halten Sie es mit Konsequenz, Lob und Strafe im Umgang mit Ihrem Pferd? Es gibt in der Sommerausgabe von PASSION wieder viel zu entdecken. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen liebe Leserin, lieber Leser, ganz viel Freude mit der zweiten Ausgabe von PASSION – Das Schweizer Reitmagazin.

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Mit reiterlichen Grüssen

Bucas Ltd, Cork, Ireland. www.bucas.com

Thomas Bryner, Leitender Redaktor

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Vertretung Schweiz RILEWA AG, CH-5737 MENZIKEN www.rilewa.ch

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I N H A LT

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SOMMER 2012 RUBRIKEN 1

Editorial

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Inhalt

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Veranstaltungstipps im Sommer

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Pinnwand

42

Stallgespräch. Jasmin Gambirasio

48

Marktplatz

55

Die ironische Kolumne von Karin Rohrer

64

Shopping Frühling 2012

65

Seitenblick

70

Prominent im Sattel: Peter Sauber

79

Rätsel

80

Impressum/Vorschau

R E P O R TA G E N 4

Das Heu auf der gleichen Bühne. Porträt von Silvan Flury und Gilles Ngovan

26

Mit dem Pferd auf Achse

32

Natural Horsemanship mit Linda Parelli

36

Dynamisches Reiten

40

Sprechen ohne Worte

44

Dieser Weg kann ein weiter sein

50

Fit für die Alpen

56

Pferdeparadies Les Dannes

60

Zuckerbrot und Peitsche

66

Foundation Appaloosa

72

Horseathlon

76

Medizin. Prävention statt Therapie und Rehabilitation

PA S S I O N S P E Z I A L 11

Haut & Haar. Ich habe die Haare schön

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Haut & Haar. Sommerekzem und Mauke

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Haut & Haar. Shopping

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Haut & Haar. Richtig ist wichtig!

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Haut & Haar. Die Haut

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PFLEGEL SPE ZI A

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Das

HEU auf der gleichen Bühne

Silvan Flury und Gilles Ngovan sind PferdeMenschen durch und durch. Der eine brilliert im Dressursattel und reitet von Erfolg zu Erfolg. Der andere hat ein Händchen für die Zucht und liebt die Landwirtschaft. Zusammen bilden sie ein eingespieltes Team im Pferdesportzentrum Russmatt in Deitingen. PASSION hat die zwei Rösseler besucht und auch etwas hinter die Kulissen geblickt. 4

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Text und Fotos: Karin Rohrer

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Silvan Flury und Gilles Ngovan haben den Zuchthengst «Dream of Night Fluswiss CH» in ihrer Mitte.

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ngefangen hat alles mit einem Schweinestall. Dieser wurde im Jahr 2000 zum Pferdestall umgebaut, und kurz darauf begann der Reithallenbau in Deitingen durch Urs und Ruth Flury. In der Russmatt entstanden nach und nach mehr Boxen, bewohnt von eigenen Pferden, aber auch von Handelspferden. Im Januar 2011 hat Sohn Silvan den Betrieb übernommen, da sein Vater Urs ein paar Jahre zuvor eine Hirnblutung erlitt und sich fortan Mutter Ruth grösstenteils um die Pferde kümmerte, was aber keine dauerhafte Lösung war. «Vater ist aber fast täglich auf dem Hof und schaut zum Rechten» lacht der 29-jährige Silvan, welcher ursprünglich Schreiner gelernt hatte und nach der Lehre weitere sechs Jahre auf diesem Beruf tätig war. Mit dem zusätzlich erworbenen Landwirt-Diplom hat er seine Berufung gefunden und konnte sein Hobby zum Beruf machen. LEIDENSCHAFT FÜR LANDWIRTSCHAFT «Das Pferdesportzentrum Russmatt ist ein Landwirtschaftsbetrieb und es gehören

knapp 30 Hektaren Land dazu, eigenes wie auch Pachtland», erklärt Silvan, und man merkt ihm seine Begeisterung an. Weiden mulchen, Zäune in Schuss halten, Bewässerung und Bewirtschaftung des Landes sind seine Hauptaufgaben. Aber grundsätzlich macht Silvan alles rund um den Betrieb und schaut auch in den Ställen, dass alles seine Ordnung hat. Zurzeit sind zwei Männer, eine Pferdepflegerin und eine Praktikantin für die Pflege der rund 70 Pferde angestellt auf der grosszügigen Infrastruktur. AUCH DRESSURPFERDE ERHALTEN SPRINGTRAINING Silvans Freundin, Christiane Schroeder, ist FN-Pferdewirtschaftsmeisterin und hat im deutschen Warendorf die Meisterprüfung abgelegt. Sie sorgt für Abwechslung im Dressurstall, da sie ihre Stute und auch die Jungpferde von Flurys in Springprüfungen vorstellt. Zudem ist Emil Näf einmal die Woche im Pferdesportzentrum und bietet Springstunden an, was ebenfalls einem Bedürfnis entspricht. Silvan Flury reitet selber nicht und wüsste auch gar nicht, wie er das auch noch unter einen Hut brinPA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

gen könnte. «Von Juni bis September läuft hier sehr viel auf dem Betrieb, und wenn ich nicht gerade mit Christiane auf Concours bin, sind wir hier anzutreffen», schmunzelt er. Nur schon das Weide-Management gilt es zu organisieren. Flurys Pferde geniessen bei entsprechendem Wetter täglichen Weidegang und ansonsten stehen Allwetter-Paddocks zur Verfügung. «Wir beginnen die Weide-Saison vielleicht etwas später als andere, dafür dürfen die Pferde dann bis spät in den Herbst hinein die Grasweiden geniessen», erklärt Silvan Flury. Auf der Fohlenweide sind die 1- bis 3-jährigen Pferde zusammen, und ein paar Senioren gehören ebenso in die kleine Herde. «Wir haben gute Erfahrungen gemacht, wenn die Jungen von den Älteren lernen können, und die Senioren blühen beim Spiel mit den Fohlen wieder richtig auf», betont Silvan die Vorteile für das Sozialverhalten in einer gemischten Herde. DIE JUNGPFERDE STETS IM AUGE Beim Besuch auf der Fohlenweide zeigen sich die Youngsters zutraulich und neugierig. Noch so gerne erhaschen sie von Silvan 5


Flury Streicheleinheiten. «Mehrmals täglich werden die Fohlen und Jährlinge gefüttert und betreut. Mir ist wichtig, dass die Jungtiere viel Platz haben zum Spielen, Toben oder Entspannen und zudem unter steter Kontrolle sind», betont er. Momentan grasen auf den Weiden rund 25 Pferde im Besitz der Familie Flury, plus einige Ausbildungspferde. Und in einem separaten Stall sind 14 Pensions-Pferde beheimatet, welche dressur- oder freizeitmässig geritten werden. «Wir haben im nahen Wald ein schönes Ausreitgebiet, und mit Longierzirkel, Führanlage, einem Aussenviereck von 30 x 70 m sowie einer Reithalle von 26 x 62 m können wir unserer Kundschaft eine praktische Infrastruktur anbieten», freut sich Silvan Flury. Aber er möchte eigentlich mehr . . . «Unser Wunschziel wäre es, eine zweite Reithalle zu bauen, um unseren Pensionären noch mehr zu bieten. Auch würden wir gerne zusätzliche Turniere oder Anlässe auf der Anlage durchführen, da Deitingen zentral liegt und nahe der Autobahn ist», sinniert der initiative Silvan Flury. Aber seitens Gemeinde kommen immer wieder Verbote, oder Bewilligungen werden nicht genehmigt – kurz, jedes Bauvorhaben ist eine Zangengeburt und eine Geduldsprobe für die Familie Flury. DREAM OF NIGHT, EIN TÄNZER AUF HUFEN Da spricht der junge Geschäftsmann lieber über die Pferdezucht. Von Klaus Zimmermann erstanden Flurys vor Jahren die Stute «Rubiroseanne KZI», welche den Grundstein für eine erfolgreiche Zuchtgeschichte legte. Die dunkelbraune, 15-jährige CHWarmblut-Stute stammt von Rubinstein I x Weltmeyer ab und ist die Mutter des Paradepferdes der Russmatt, nämlich vom Zucht- und Dressurhengst «Dream of Night Fluswiss». Den erst 10-jährigen Rappen braucht man wahrlich nicht gross vorzustellen, und die Liste seiner Klassierungen und Siege im Dressursport ist lang. Beim Fototermin zeigt sich der Charmeur von seiner besten Seite und ist auf den Mann

an seiner Seite fixiert, der normalerweise im Sattel sitzt, Gilles Ngovan. VIELE STUNDEN IM SATTEL Der eidg. dipl. Reitlehrer ist selbstständig und betreut im Reitsportzentrum Russmatt um die 20 Pferde, welche von seiner Kundschaft hier eingestellt sind. Wie sieht denn so ein ganz normaler Arbeitstag des 43-jährigen Gilles Ngovan in Deitingen aus? Um 6 Uhr klingelt der Wecker zu Hause in Grasswil, und nach dem Frühstück sitzt er so gegen 7 Uhr auf dem ersten Pferd. Bis am Mittag ist dann das Aus- und Weiterbilden von Pferden angesagt. «Dann freue ich mich schon auf das feine Mittagessen. Wir werden nämlich jeden Tag von Ruth Flury bekocht, und zwar vom Feinsten», betont Ngovan, für den diese traditionelle Mittagspause ein Ruhepol und gleichzeitig ein Ort zum Auftanken ist. Am Nachmittag kommen dann die Kunden zum Unterricht, und weitere Trainingseinheiten stehen auf dem Programm. «Kein Tag ist jedoch wie der andere», resümiert der Reitlehrer, und genau das macht diesen Beruf ja so interessant. «Jedes Pferd hat so seine Knacknüsse und Herausforderungen, da kommt nie Langeweile auf», erklärt Ngovan.

dazu. Oder sein Oldtimer, den er mit Freunden gemeinsam restauriert, das macht Gilles Freude und hat eindeutig mit mehr als nur einem PS zu tun. VIA VOLTIGE ZUR DRESSUR Aber kommen wir zurück auf die Dressurpferde, die sein Leben dominieren. Zu den schönsten Momente gehörten für den Trainer und Reitlehrer sicher die Stunden im Sattel junger Pferde. «Diese zu arbeiten und zu fördern ist einfach herrlich. Aber auch spezielle Momente und Erlebnisse an Turnieren bleiben in schöner Erinnerung», sinniert er. Wie zum Beispiel an einem Turnier in Gossau, wo Gilles Ngovan mit der Stute Fee, die er schon seit 5-jährig reitet, eine S-Prüfung gewonnen hat. Ngovan kam über das Voltigieren zum Pferd und war in seiner Jugendzeit Mitglied einer Voltigiermannschaft. «Mein erstes eigenes Pferd hiess Flingar und ich bekam es zur Meisterprüfung von meiner Mutter geschenkt», erinnert sich der Reiter. Auf Flingar lernte er sehr viel und bildete ihn selber bis Grandprix aus, nahm auch an

FAMILIENMENSCH DURCH UND DURCH «Wann immer ich Zeit habe, verbringe ich diese mit meiner Familie und meiner älteren Tochter Meilin, die übrigens auch reitet», erklärt Gilles, dessen Vater aus Vietnam stammt. Gilles’ Frau Melanie Hofmann ist ebenfalls eine erfolgreiche Dressurreiterin, und so ergeben sich immer wieder Momente im Pferdesportzentrum, wo Gilles Ngovan und seine Frau mit der kleinen Tochter Leana auf dem Rasen umhertollen und spielen. «Viel Zeit für andere Hobbys neben dem Reiten bleibt nicht, aber meine Familie und mein Beruf sind meine Hobbys», bringt er es auf den Punkt. Aber so ab und zu ein Grillieren, zusammen mit guten Freunden, ja, das macht natürlich Spass und gehört schon

Zuchtstute «Rubiroseanne KZI» mit ihrem Fohlen «Quanta Fluswiss», links Christiane Schroeder und rechts Silvan Flury.

Zeit für die Familie: Gilles Ngovan mit Ehefrau Melanie Hofmann und Tochter Leana.

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Täglich schaut Silvan Flury nach den Jungpferden in der gemischten Herde. PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2


(Foto: Valeria Streun)

«UNSER WUNSCHZIEL WÄRE ES, EINE ZWEITE REITHALLE ZU BAUEN, UM UNSEREN PENSIONÄREN NOCH MEHR ZU BIETEN.» SILVAN FLURY

Gilles Ngovan auf «Dream of Night Fluswiss CH» am Final in Avenches 2011.

Turnieren teil. Zur Dressur kam er durch seinen Lehrmeister und sein grosses Vorbild, Hans Staub. «Bei ihm habe ich zehn Jahre gelernt und verdanke ihm sehr, sehr viel» erklärt Gilles und ist dankbar für diese überaus wertvollen Jahre mit seinem Mentor. GELASSENHEIT DURCH MENTALES TRAINING Man könnte meinen, nach so unzähligen Starts in Dressurprüfungen sei Gilles Ngovan gegen Nervosität immun, und viele Zuschauer bewundern seine Ruhe vor Betreten des Sandvierecks. «Ein wenig nervös bin ich immer vor dem Turnier, auch wenn man es mir vielleicht halt nicht ansieht», schmunzelt er. Mit Hilfe von mentalem Training bekommt er die Situation wunderbar in den Griff, geht für sich Schritt für Schritt das Programm durch und überlegt sich, auf was er wo achten muss. Auf die Frage, welches berühmte Pferd er gerne mal reiten würde, kommt die Antwort ohne grosses Überlegen. «Den Wunderhengst Totilas würde ich sehr gerne mal reiten. Das ist ein richtiges Hammerpferd und seine Piaffen und Passagen sind vom Besten, was ich je gesehen habe», kommt PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

der Dressurreiter ins Schwärmen. Seine eigenen reiterlichen Ziele hat er sich aber auch gesteckt. Gilles Ngovan möchte einmal für die Schweiz an einem grossen Championnat teilnehmen und er hofft, dies mit einem seiner tollen Nachwuchspferde zu erreichen. AUF DEM NEUSTEN STAND DER DINGE Gilles Ngovan informiert sich regelmässig über die aktuellen Geschehnisse im grossen Dressursport, und er will immer auf dem Laufenden sein. «Ich sehe die Entwicklung sehr positiv. Es kommen immer neue Pferde und Reiter an die Spitze, und das macht Hoffnung.» Auch findet er es gut, dass in der Dressur wieder mehr Wert auf Losgelassenheit und Harmonie gelegt wird, was hoffentlich so bleibt, oder gar noch zunimmt. Gilles Ngovan und Silvan Flury harmonieren so gut, da sie sehr unterschiedliche Aufgabenbereiche im Betrieb haben und «das Heu auf der gleichen Bühne haben», wie Ngovan schmunzelnd hinzufügt. Schon die Zusammenarbeit mit Silvans Eltern war gut, und auch die Zusammensetzung Silvan/Gilles funktioniert, weil beide das gleiche Ziel vor Augen haben, nämlich die optimale Betreuung von Pferd und Reiter im Reitsportzentrum Russmatt. www.russmatt.ch 7


V E R A N S TA LT U N G E N I M S O M M E R Auf diesen Seiten empfiehlt Passion einige Veranstaltungen. Ihren Event, der in den Monaten November, Dezember und erste Hälfte Januar zur Austragung kommt, können Sie uns für die Herbstausgabe von PASSION bis am 31. August melden.

Eine Auswahl Ihrer Einsendungen werden wir veröffentlichen. Da es sich aber um eine Gratisrubrik handelt, wird kein Gut zum Druck gegeben und die Veröffentlichung der Termine kann nicht garantiert werden. redaktion@prosell.ch

AUSSTELLUNG «PURE BLOOD REFLECTIONS» BIS 30. NOVEMBER 2012 Das Museum des Landes Glarus, im Freulerpalast in Näfels, zeigt die Ausstellung «Pure Blood Reflections» mit Werken des Fotografen Peter Müller Peter, Madrid. Die Fotografien gefallen und bewegen, da es Peter Müller Peter gelingt, mit seiner Kamera die Seele der Andalusischen Pferde zu offenbaren. Von Mitte Juli bis Mit-

te September ist Peter Müller Peter auch selbst anwesend und erklärt Interessierten seine Arbeit. Die Ausstellung kann bis zum 15. September, jeweils Dienstag bis Sonntag, 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr, besucht werden. Montags geschlossen.

Weitere Informationen: www.purebloodreflections.com und www.freulerpalast.ch Telefon +41 (0)55 612 13 78 und info@freulerpalast.ch

Bild vom Making-Off.

SCHWEIZERMEISTERSCHAFT DER PONY MOUNTED GAMES 7. OKTOBER 2012

OBLIGATORISCHE KURSE BVET UND MORGENARBEIT BEI FREDY KNIE 15. BIS 18. AUGUST UND 20. AUGUST 2012 Der Ethologe Andreas Kurtz begeistert mit seinem Team die Teilnehmer der obligatorischen Kurse nach BVET mit dem Neusten aus der Pferdewelt und den vorgeschriebenen Inhalten, im Nationalen Pferdezentrum Bern. Die Frist dieser obligatorischen Kur-

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se läuft im Jahr 2013 ab. Anlässlich dieser Kurse wird auch der in Bern gastierende Zirkus Knie am 20. August besucht und es bietet sich die Gelegenheit, die Morgenarbeit von Fredy Knie zu beobachten. Die Teilnehmer erhalten dann, in Beisein von Fredy Knie und Corinna Gerhäuser, Leiterin NPZ, auch ihre Zertifikate zur erfolgreich abgeschlossenen Weiterbildung nach BVET in der Zirkus-Manege. Weitere Informationen www.ethologieschule.ch

Am Finale der Schweizer Meisterschaft der Reitsportart «Pony Mounted Games» in Inwil nehmen fast 40 Mannschaften in 9 Kategorien aus der ganzen Schweiz teil. Pony Mounted Games haben bereits vor einigen Jahren erfolgreich in der französischen Schweiz Fuss gefasst, sind in der Deutschschweiz jedoch noch relativ unbekannt. Die Spiele werden grob in Schnelligkeits-, Geschicklichkeits- sowie die besonders spektakulären Aufspringspiele aufgeteilt, bei denen geübte Spieler im Galopp vom und wieder auf das Pony springen, um eine Aufgabe zu erledigen. Pony Mounted Games bieten Spass für Jung und Alt, sei es als Spieler oder Zuschauer. Auch Nichtreiter lassen sich vom leicht verständlichen Geschehen schnell mitreissen.

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Mehr Information: www.mountedgames-luzern.com www.ponys.ch www.pony-games.ch


MARCHÉ CONCOURS IN SAIGNELÉGIER 10. BIS 12. AUGUST 2012

Wer feurige Pferde liebt, der kommt an der dritten Swiss-Paso-Fino-Classic auf seine Rechnung. Europas beste Paso Finos treffen sich zum Stelldichein in Schocherswil (TG). Die Swiss-Paso-Fino-Farm lädt wiederum als Gastgeberin ein, zusammen mit der Paso-Fino-Association-Europe. Bei südamerikanisch angehauchtem Ambiente messen sich diese Pferde mit den flinken Beinen auf der schönen Anlage im Freien, während zwei Tagen, bei rassetypischen Prüfungen. Das Turnier zählt zu den zwei grössten Anlässen Europas für Paso Finos. Eine gemütliche Festwirtschaft und eine Bar laden ein, die spekta-

OUTDOOR-SEMINAR 22. BIS 23. SEPTEMBER 2012

kulären Showklassen zu geniessen, Verkaufs- und Infostände und auch ein Ponyreiten für Kinder runden das Programm ab. Weitere Informationen: www.pasofino.ch

Dieses 2-tägige Outdoor-Seminar der besonderen Art im Reitstall und Saloon San Jon, Scuol, hat die klare Zielsetzung, den Teilnehmenden einen möglichst hohen Umsetzungsnutzen zu bringen. Das Seminar bringt dem Teilnehmer ein Erlebnis von natürlicher Autorität, Erkenntnisse über Beziehungs- und Führungsstrukturen sowie eine spürbare Verbesserung der sozialen Kompetenz. Erfahrungen im Umgang mit Pferden sind in keiner Art und Weise erforderlich.

Weitere Informationen: www.marcheconcours.ch

Weitere Informationen: Telefon 062 794 20 46 oder info@jfdtraining.ch

FREIBERGER-SYMPOSIUM MIT MESTRE DOMINIQUE BARBIER 18. AUGUST 2012 Am ersten Freiberger-Symposium in Biglen erwartet die Teilnehmer ein interessanter Kurstag mit dem kalifornischen Pferdeausbildner und Buchautor Dominique Barbier. Nach einem theoretischen Vortrag wird im praktischen Teil der Mestre die Arbeit von verschiedenen Freibergern unter dem Sattel und zu den Themen Longieren und Handarbeit erklärt und kommentiert. Weitere Informationen: Sandro Hürzeler Telefon +41 (0)79 215 80 17 pferdekurs@bluewin.ch

SHOWABEND DER KAVALLERIE BEREITERMUSIK BERN 1. SEPTEMBER 2012 Die Kavallerie Bereitermusik Bern ist ein traditionsreicher Verein mit einer über 110-jährigen Geschichte. An diesem Showabend wird eine facettenreiche Palette an musikalischen Leckerbissen – hoch zu Ross und konzertant geboten.

Programm: 1. Eröffnung durch Fanfarenbläser 2. Quadrille mit musikalischer Begleitung durch das konzertante Korps 3. Voltige-Vorführung NPZ 4. Showprogramm des berittenen Korps 5. Folkloristisches Intermezzo, 6. Schlussbild Reitermäsche mit Pauken und Fanfaren

NPZ Bern, Reitbahn 1, 20.00 Uhr, Eintritt CHF 20.–, nicht nummerierte Plätze Ticketbestellung Telefon 079 371 36 65 oder Abendkasse

Foto: KBM

Foto: Zahnd

SWISS-PASO-FINO-CLASSIC 11. UND 12. AUGUST 212

Der Kanton Solothurn präsentiert sich am Marché Concours 2012 in Saignelégier unter dem Motto «Charger pour Saignelégier». Als diesjähriger Gastkanton will sich Solothurn dem Publikum des Marché Concours – dem grössten Pferdefest der Schweiz – als vielfältiger Kanton mit einem attraktiven Programm präsentieren.

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V E R A N S TA LT U N G E N I M S O M M E R

43. BAUERNPFERDERENNEN 30. SEPTEMBER 2012

WESTERN DAY BEI FELIX BÜHLER 4. AUGUST 2012

Die Bauernpferderennen bieten viele Startmöglichkeiten für zahlreiche Pferderassen. Freiberger, Haflinger, Halbblut, Vollblüter, Ponys und Maultiere kämpfen alle um den Sieg. Höhepunkte sind immer wieder die Brückenwagen- und Römerwagen-Galopprennen! Bei schlechter Witterung werden die Rennen jeweils auf den nächsten Sonntag verschoben.

Alle Cowboys und Cowgirls aufgepasst! In den Felix Bühler Mega Stores und in den WesternShops findet an diesem Samstag, der traditionelle «Western Day» statt. Bei einem Einkauf werden Sie nach Westernart verköstigt oder Sie gewinnen bei den verschiedenen Geschicklichkeitsspielen tolle Preise. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Weitere Informationen www.bauernpferderennen.ch

Mehr Infos finden Sie unter www.felix-buehler.ch

EUROCHEVAL IN OFFENBURG 25. BIS 29. JULI 2012

KLASSISCHE DRESSUR MIT PEDRO D’ALMEIDA 25. BIS 26. AUGUST 2012

Bei der Messe Offenburg trifft sich die Pferdebranche aus ganz Europa. Es werden 40 000 Besucher und rund 400 Aussteller erwartet. Highlight der Pferdemesse ist traditionell die abendliche GalaSchau. Den Abend eröffnet die grenzüberschreitende Euroquadrille von namhaften Gestüten aus Deutschland, Schweiz und Slowenien. Es folgt die gefahrene ESSA-Kaltblüter-Quadrille aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Artistisch und international geht es weiter mit der KaltblüterGruppe Jehol aus Frankreich, der Reitergruppe von Heinz Mägli aus der Schweiz und vielen, vielen weiteren Stars.

Pedro d’Almeida, portugiesischer Reitermeister, verfügt aufgrund seiner jahrzehntelangen Tätigkeit über einen riesigen Erfahrungsschatz in der Ausbildung von Pferd und Reiter. Der Basisarbeit wird die grösste Aufmerksamkeit geschenkt. Gymnastizierung, gepaart mit dem psychischen Gleichgewicht des Pferdes, sind die Grundlagen für die weitere Ausbildung. Es gibt keine Probleme, für die Pedro d’Almeida nicht mit grosser Einfühlungsgabe eine passende Lösung parat hat. Ein freudiges Mitarbeiten des Pferdes ist das Ziel das nie aus den Augen verloren wird. Den Pferden Leistung abverlangen, ohne dass dabei die Harmonie auf der Strecke bleibt, das wird man während der drei Kurstage im Stall Suter in Küngoldingen erleben können.

Mehr über die Eurocheval in Offenburg unter www.eurocheval.de

Weitere Informationen: www.klassische-reitkunst.ch

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HAUT AU PFLEGEL SPE ZI A

HAAR AA Zu unserem Spezial-Thema haben wir Haarspalterei betrieben und sind der Frage nachgegangen,

was es braucht, um Haut und Haar unserer Pferde schön und gesund zu erhalten. Lesen Sie auf den

folgenden Seiten alles über die richtige Pflege, den Aufbau der Haut, Beauty-Tipps und aktuelle News über häufig vorkommende Erkrankungen dieses Organs. Den eines ist sicher, zur Gesunderhaltung von Haut und Haar können wir mit guter Pflege viel beitragen.

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PFLEGEL SPE ZI A

HAUT & HAAR

ICH HAB DIE HAARE SCHÖN Im Mittelalter griff man zu einem simplen Trick um die Gesundheit eines Pferdes zu testen: Man zog einfach an einem Schweifhaar. Ging es aus, wurde es als ein untrügliches Zeichen gewertet, dass das Pferd nicht gesund war. Ganz so einfach machen wir es uns heute bestimmt nicht mehr. Aber ein glänzendes Fell und der kräftige Wuchs von Mähne und Schweif, sind massgebliche Zeichen von Vitalität, Kraft und Gesundheit.

Text und Fotos: Thomas Bryner

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ie richtige Pflege trägt neben einer artgerechten Haltung und Beschäftigung wesentlich zur Gesunderhaltung des Pferdes bei. Das tägliche Putzritual unserer Pferde bezweckt zum einen die Reinigung von Haut und Haar von Staub, Schmutz und Hautabsonderungen wie Schuppen und Schweiss. Zugleich ist es aber auch eine wohltuende Massage, welche die Durchblutung der Haut, im speziellen des Unterhautfettgewebes anregt und die Hautatmung fördert. Somit fördert das Putzen auch das Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und die Widerstandskraft. In der Natur sorgen die Herdengenossen durch Knabbern, oder das Pferd selbst durch Wälzen und Scheuern für diese Pflegeeinheit. Hier könnte tägliches Putzen sogar schädlich sein, da eine gewisse Fett-

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und Staubschicht das Pferd vor Witterungseinflüssen schützt. Aber für Pferde, die in Stallhaltung leben, muss der Mensch diese Aufgabe übernehmen. Das Putzen dient auch als wichtige Kontaktaufnahme zwischen Mensch und Pferd, erhöht das Vertrauen und wirkt beruhigend. RICHTIG PUTZEN Zum täglichen Putzen holt man das Pferd am besten aus der Box, um die Einstreu nicht zu verunreinigen. Das Pferd wird an einem speziell eingerichteten Putzplatz oder im Stallgang festgebunden. Dabei empfiehlt sich, die Stricke mit Panikhaken zu versehen und es ist darauf zu achten, dass der Boden mit einer rutschfesten Unterlage ausgestattet ist. Mit einem Striegel wird das Fell zuerst in kreisenden Bewegungen aufgeraut. Dies löst den Staub und stärkere SchmutzPA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

krusten. Aber man verwendet den Striegel nur auf bemuskelten Körperteilen. Niemals an Kopf, Beinen und Hüftknochen. Diese werden mit einer Bürste gereinigt. Nach dem Durchstriegeln wird mit einer speziellen Bürste, der sogenannten Kardätsche, mit langen, ruhigen Strichen der aufgeraute Staub ausgebürstet. Nach jedem Bürstenstrich, wird die Kardätsche auf dem Striegel ausgestrichen. Der mit Staub gefüllte Striegel wird von Zeit zu Zeit ausgeklopft. Der Kopf wird mit einer weichen Bürste besonders sorgfältig gereinigt. Letzte Staubresten lassen sich auf dem Fell mit einem weichen Lappen abwischen. Mit einem separaten Schwamm wird die Unterseite der Schweifrübe und der After gewaschen. Augenwinkel, Nüstern und Maulspalte werden täglich mit einem feuchten Schwamm oder Lappen ausgewischt.


Pferde mit grossen Blessen sind sonnenbrandgefährdet, besonders die rosafarbene Haut um Nüstern und Maul. Hat ein Pferd Sonnenbrand, entstehen rote Stellen auf der Nase und es bildet sich Schorf. Diesen Pferden sollte an sonnigen Tagen die Nase mit Sonnencreme eingerieben werden. Am besten eignen sich wasserfeste Sonnencremen für Kinder. Die halten lange und sind frei von Duft- und Konservierungsstoffen.

Wiederum andere, wie etwa unsere heimische Rasse der Freiberger, tragen traditionell eine kurze Stehmähne. Allerdings sieht man durch den erfolgreichen Einsatz der Freiberger im Freizeitbereich diese ehemaligen Arbeitspferde mittlerweile mit allen Frisuren. Soll die Mähne so wie der Schweif üppig und lang bleiben, werden die Haare sorgfältig von Hand verlesen und mit speziellen Pflegesprays behandelt. Sehr lange Mähnen werden meist eingeflochten und nur zu Vorführungen offen getragen. Die Mähne des Sportpferdes wird nicht geschnitten, sondern zirka alle acht Wochen verzogen. Dazu fasst man mit einer Hand

MÄHNE UND SCHWEIF Hier gehen die Ansichten der Halter unterschiedlicher Rassen oder dem Verwendungszweck ihrer Pferde stark auseinander. Während bei Friesen, stolzen Spaniern oder Haflingern die Mähne nicht üppig und lang genug sein kann, trägt das moderne Sportpferd seine Mähne meist nur eine Handbreite kurz und nicht zu dick.

Die natürlichste Hautpflege und Wellness für das Pferd: Ausgiebiges Wälzen auf der Weide. PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

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PFLEGEL SPE ZI A

HAUT & HAAR

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1 Mit dem Striegel lassen sich Staub und stärkere Schmutzkrusten lösen. 2 Beim Ausbürsten wird die Kardätsche auf dem Striegel ausgestrichen und der Striegel ausgeklopft. 3 Styling: Die Mähne wird beim Sportpferd meist kurz gehalten. 4 Zum Abspritzen der Pferde ist eine sichere Anbindevorrichtung mit Panikhaken und ein rutschfester Bodenbelag Pflicht. 5 Der Schweif wird nicht gebürstet, sondern von Hand verlesen.

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einige lange Haare aus der unteren Mähnenschicht. Die kürzeren Deckhaare werden mit einem Kamm zurückgestossen. Nun umwickelt man mit dem Kamm die restlichen, nicht zurückgeschobenen Haare und zieht diese heraus. So wird die Mähne gekürzt und dünner. Die Stehmähne wird meist mit einer Schermaschine geschnitten. PFERDE WASCHEN Vor allem im Sommer wird das Pferd nicht nur geputzt, sondern kann auch regelmässig gewaschen werden. Der optimale Waschplatz bietet die Möglichkeit zum Anbinden des Pferdes, einen Wasseranschluss und eine Grösse von mindestens 2,5 mal 3,5 Metern. Im Idealfall steht dort nicht nur kaltes, sondern auch warmes Wasser zur Verfügung. Das Pferd wird entweder mit dem Schlauch abgespritzt oder aber mit Putzeimer und Schwamm abgewaschen. Die Reinigung mit Wasser reicht durchaus, wird zusätzlich Shampoo benötigt, empfiehlt sich, die auf dem Markt erhältlichen, speziell für Pferde entwickelte Produkte, die Fell, Langhaar und Haut reinigen und pflegen, zu verwenden. Dabei ist aber unbedingt zu beachten, dass die Shampoos abschliessend gut ausgespült werden. Neben der Reinigung ist das Abspritzen natürlich auch eine sehr gute Möglichkeit, das Pferd nach grösseren Anstrengungen zu kühlen. Besonders an den Beinen die Sehnen und Gelenke. Waschen der Sattellage, der Brust und der Gurtlage mit kaltem Wasser kräftigt die Haut und wirkt vorbeugend gegen Druck und Scheuerstellen.

BEIM GESCHORENEN PFERD KANN DIE FEUCHTIGKEIT BESSER AUS DEM FELL ENTWEICHEN, DIE GEFAHR EINER ERKRANKUNG WIRD GESENKT.

Am Ende des Waschvorganges wird das Pferdefell mit einem Schweissmesser oder Schweissabzieher abgezogen. Die Fesseln werden mit den Fingern abgestreift und mit einem Tuch abgerieben. Vorsicht beim Waschen der Mähne. Den Schopf legt man zum Waschen hinter die Pferdeohren zur Mähne. Darauf achten, dass die Haare bis zur Wurzel nass werden, aber dass kein Wasser in die empfindlichen Pferdeohren gelangt. Wenn die Mähne ausreichend nass ist, das Shampoo einmassieren. Im Anschluss an eine kurze Einwirkzeit das Shampoo mit viel klarem Wasser ausspülen und ausdrücken. Der Schweif wird auch zuerst in einem Eimer nass gemacht. Wiederum das Shampoo einmassieren, gut ausspülen und gut ausdrücken. Zum Abschluss wird der Schweif verlesen, damit er wieder locker fällt, oder zum Trocknen kann er auch eingeflochten werden. Nach dem Waschen wird das Pferd entweder trocken geführt, mit einer Decke in den Stall oder, wenn vorhanden, unter ein Solarium gestellt. Unbedingt darauf achten, dass das nasse Pferd nicht an einem zugigen Ort steht.

WANN WIRD DAS FELL GESCHOREN? Pferde, die in Offenställen in Robusthaltung leben, brauchen das lange Winterfell zum Schutz gegen Kälte und Regen. Bei der Pflege des langen Winterpelzes muss dann aber Mass gehalten werden. Das zu gründliche Striegeln stört die Isolationswirkung des Winterfells. Besser ist es, nur wirklich stark verschmutzte Stellen zu striegeln und den Rest des Fells mit einer Bürste zu glätten. Bei Sportpferden, die täglich geritten und trainiert werden, macht eine Schur absolut Sinn. Denn durch das Schwitzen sammelt sich die Feuchtigkeit an, die dann im langen Fell nur schlecht verdunstet. Dies kann zu Atemwegserkrankungen oder Pilzinfektionen führen. Beim geschorenen Pferd kann die Feuchtigkeit besser aus dem Fell entweichen, die Gefahr einer Erkrankung wird gesenkt. Auch bei der Behandlung mancher Hautkrankheiten kommt die Schermaschine zum Einsatz, dann nämlich, wenn an befallene Stellen Luft gelangen soll, damit sie abheilen. Mauke ist so ein typisches Beispiel. Pferde mit dem so genannten «Cushing-Syndrom» müssen ebenfalls geschoren werden. Bei Cushing-Pferden kringelt sich das Fell in lange dichte Locken. Cushing ist eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse, die mit bestimmten Hormonstörungen einhergeht und vor allem bei älteren Pferden auftritt. Sie verlieren auch im Sommer ihr Fell nicht mehr, schwitzen schnell und sind insgesamt schlecht bemuskelt. Diese Pferde müssen geschoren werden, weil ihre natürliche Thermoregulation nicht mehr funktioniert.

Trickbox . . . Schimmelweiss UÊ 7iˆÃÃi˜Ê ÃÈ}Ê ˆ˜ÃÊ 7>ÃV…Ü>ÃÃiÀÊ œ`iÀÊ >ÕvÊ iˆ˜i˜Ê -V…Ü>““]Ê âÕ“Ê }iâˆiÌi˜ÊiVŽi˜i˜ÌviÀ˜i˜° UÊ Ṏ}iÀiÊ-V…ˆ““iÀiˆÌiÀʎŸ˜˜i˜Ê Liˆ“Ê 7>ÃV…i˜Ê ˆ…ÀiÀÊ ÜiˆÃÃi˜Ê *viÀ`iÊ `>ÃÊ -…>“«œœÊ >ÕV…Ê “ˆÌÊ iˆ˜i“Ê -V…ÕÃÃÊ L>ÕiÊ /ˆ˜ÌiÊ >˜ÀiˆV…iÀ˜°Ê UÊ ˆ˜}ÌÊ «>À>`œÝ]Ê >LiÀÊ ÃœÊ >ÕV…Ê ܈ÀŽi˜\Ê œâŽœ…iÊ >ÕvÊ `ˆiÊ }iLi˜]Ê ÌÀœVŽi˜i˜Ê -Ìii˜Ê iˆ˜ÀiˆLi˜]Ê iˆ˜ÜˆÀŽi˜Ê >ÃÃi˜]Ê }ÕÌÊ >ÕÃLØÀÃÌi˜°

Haarwechsel UÊ *ÀœÊ/>}Êiˆ˜Ê…>LiÀʈÌiÀʈÀÃiyœVŽi˜Ê ˆ˜ÃÊ À>vÌvÕÌÌiÀ]Ê ÃœÊ `i˜Ê >>ÀÜiV…ÃiÊLiÃV…i՘ˆ}i˜° UÊ /B}ˆV…Ê £ääÊ}Ê ˆiÀ…iviÊ Liiˆ˜yÕÃÃÌÊ `ˆiÊ >À“yœÀ>Ê «œÃˆÌˆÛÊ Õ˜`Ê ÃœÀ}ÌÊ vØÀÊ iˆ˜Ê ÃV…Ÿ˜iÃ]Ê }B˜âi˜`iÃÊi° Antifliegenmittel UÊ ˆ˜Êi“ˆÃV…Êۜ˜ÊÃV…Ü>Àâi“Ê/iiÊ Õ˜`Ê "LÃÌiÃÈ}]Ê “ˆÌÊ iˆ˜iÀÊ <iÀÃÌBÕLiÀy>ÃV…iÊ >Õv}iÌÀ>}i˜]Ê ÃœÊ ˆi}i˜Ê viÀ˜…>Ìi˜°Ê ÕV…Ê Վ>Þ«ÌÕÇ]Ê iŽi˜‡Êʜ`iÀÊ>Ûi˜`iŸi]Ê Ã>}ÌÊ “>˜Ê `ˆiÃiÊ 7ˆÀŽÕ˜}Ê ˜>V…°Ê >ÃÊ <ÕvØÌÌiÀ˜Ê ۜ˜Ê ˜œL>ÕV…Ê ܏Ê iLi˜v>ÃÊ `ˆiÊ BÃ̈}i˜Ê ˜ÃiŽÌi˜ÊÛiÀÌÀiˆLi˜°

Superfellglanz UÊ ˆ˜Ê ˆŽÀœv>ÃiÀÌÕV…]Ê iˆ˜Ê i˜ÃÌiÀi`iÀʜ`iÀÊiˆ˜Ê>““viÊi˜ÌviÀ˜ÌÊ ˜>V…Ê `i“Ê *ÕÌâi˜Ê iÌâÌiÊ -Ì>ÕLÀiÃÌiÊ Õ˜`Ê BÃÃÌÊ `ˆiÊ *viÀ`iÊ }B˜âi˜°ÊÊ

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HAUT & HAAR

FA L L B E I S P I E L E A U S D E R P R A X I S

SOMMER

EKZEM

UND MAUKE Blakkur, Camaro und Cunea leiden an Sommerekzem beziehungsweise Mauke. Jahr f체r Jahr werden sie von unertr채glichem Juckreiz und schmerzhaften offenen Hautstellen gequ채lt.

Text und Fotos: HealthBalance

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Camaros Schweifansatz vor . . .

D

ie Sommerzeit hat viele schöne Seiten – doch nicht für alle ist sie ein Genuss! Mit der vermehrten UV-Strahlung und dem Aufkommen von Mücken leiden viele unserer Pferde unter Juckreiz und Ekzemen. Kaum eine andere Krankheit zerrt derart an den Nerven und an der Geduld von Besitzer und Pferd wie das Sommerekzem. Besonders zur Hauptaktivitätszeit der Mücken – in der Abenddämmerung und am frühen Morgen – sind die Pferde unruhig. Starker Juckreiz führt zu ständigem Scheuern und damit häufig zu kleinen Verletzungen und bakteriellen Sekundärinfektionen, die schliesslich nässende, eitrige chronische Ekzeme mit wulstigen Verdickungen der Haut hervorrufen. Hauptsächlich sind Mähne, Rücken, Bauch und Schweifrübe betroffen. Nachgewiesen ist mittlerweile, dass es sich beim Sommerekzem oft um eine allergische Reaktion handelt, das heisst um eine Überempfindlichkeit gegenüber Inhaltsstoffen von Mückenspeichel. Die Neigung zur allergischen Reaktion ist zum Teil vererbt und geht oftmals mit einer Störung des Stoffwechsels einher. Weitere Faktoren wie Fütterung, Haltungsform, Pflege und Mineralhaushalt können den Verlauf der Krankheit zusätzlich beeinflussen. DREI PFERDE – DREI LEIDENSGESCHICHTEN Blakkur zeigte mit 15 Jahren zum ersten Mal Anzeichen von Sommerekzem, nach-

. . . und nach der Anwendung.

dem er einen Sommer auf der Alp verbracht hatte. In den darauffolgenden Jahren litt Blakkur jeden Sommer an mehr oder weniger starken Hautausschlägen. Am stärksten betroffen waren jeweils die Bauchnaht, die Schweifrübe sowie der Mähnenkamm. Durch blutige, eitrige Hautstellen und angeschwollenes Gewebe wurde der Sommer für Blakkur zur Plage. Seine Besitzerin probierte mit verschiedenen Mitteln – von der Homöopathie bis zum Kortison – dem Sommerekzem Herr zu werden. Die Wirkung der verschiedenen Produkte war wie die Intensität des Sommerekzems in jedem Jahr anders: Was

DIE NEIGUNG ZUR ALLERGISCHEN REAKTION IST ZUM TEIL VERERBT UND GEHT OFTMALS MIT EINER STÖRUNG DES STOFFWECHSELS EINHER.

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im einen Jahr half, erwies sich im nächsten als wirkungslos. Camaro fing mit vier Jahren an, sich während des Sommers zu kratzen und zu scheuern, bis er blutige Stellen hatte. Seine Pflegerin hat alles versucht, um sein Leiden zu lindern: Sie cremte die blutigen Stellen ein, spritzte ihm Kortison und desinfizierte seine Box. Doch Besserung stellte sich leider nicht ein. Dies ging so weit, dass ihr empfohlen wurde, Camaro auf den Schlachthof zu bringen. Schliesslich erfuhren seine Besitzer, dass HealthBalance für eine Feldstudie Pferde mit Sommerekzem sucht. Cunea leidet seit jungen Jahren an fast chronischer Mauke. Mauke, medizinisch als Fesselekzem bezeichnet, ist eine entzündliche Hauterkrankung des Pferdes. Durch den Springsport, vor allem durch die Sprungbewegung, war die Haut an ihren Fesseln permanent gereizt und aufgerissen, bis die Fesseln bluteten. Es war sehr schwierig, die offenen Stellen sauber zu halten, ohne sie ganz abzudichten. Im Frühling 2011 wurde bei Cunea eine Erkrankung des Fesselträgers festgestellt, weshalb ihre Besitzer sofort auf den Springsport verzichteten. Die klassische Mauke tritt in erster Linie in der Fesselbeuge auf. Besonders betroffen sind Füsse, deren Haut unpigmentiert ist. Oftmals wird Mauke bei Pferden mit starkem Fesselbehang festgestellt – prinzipiell kann sie aber bei Pferden jeder Rasse auftreten. In und um die Fesselbeuge kommt es zur Ausbildung von Bläschen, Rissen und blutigem Schorf. Häufig ist die 17


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HAUT & HAAR

MAUKE, MEDIZINISCH ALS FESSELEKZEM BEZEICHNET, IST EINE ENTZÜNDLICHE HAUTERKRANKUNG DES PFERDES. Blakkurs Mähnenkamm vor der Anwendung . . .

Mauke infolge von Mikroverletzungen der Haut mit bakteriellen Infektionen, Milben- oder Pilzbefall verbunden. Es entsteht ein schmieriger, übelriechender Belag. Bei der Entwicklung der chronischen Mauke nimmt die Hautdicke durch Hautwucherungen zu. Feuchtigkeit und mangelnde Hygiene werden oft als Ursache genannt. Wahrscheinlichere Gründe sind jedoch eine Stoffwechselschwäche mit mangelhafter Entgiftungsfähigkeit sowie eine nicht optimale oder bedarfsgerechte Fütterung. Auch die Photosensibilität unpigmentier-

ter Haut ist eine mögliche Ursache von Mauke. DIE FELDSTUDIE VON HEALTHBALANCE In einer Feldstudie wurde ein neu entwickeltes Produktpaket, welches die Hautfunktion und Hautregeneration unterstützt, getestet. Das Produktpaket besteht aus einem Ergänzungsfuttermittel in Pelletform und einer Hautlotion. Nach Studienbeginn im April wurden Blakkurs, Camaros und Cuneas Futterrationen täglich mit den Pellets ergänzt. Kritische und

betroffene Hautstellen wurden mit der Lotion gepflegt, um offenen Hautstellen vorzubeugen. Mitte Sommer waren bei allen drei Pferden erste Erfolge sichtbar: Bei Blakkur wuchsen die Haare an den kahlen Stellen nach und auch die Bauchnaht – in den Vorjahren jeweils bis zu fünf Zentimeter dick angeschwollen – war nur leicht verkrustet und praktisch nicht geschwollen. Die empfindlichen Stellen am Mähnenkamm brachen zwar teilweise auf, schlossen sich aber jeweils schnell wieder und Infektionen konnten verhindert werden.

Die Feldstudie von HealthBalance Von April bis Oktober 2011 nahmen Blakkur, Camaro und Cunea, zusammen mit weiteren 65 Pferden, an einer Feldstudie von HealthBalance teil. Getestet haben sie das neu entwickelte Produktpaket EmendoDerm, welches die Hautfunktion und Hautregeneration unterstützt.

nen Testpferde zeigte die Anwendung der Produkte eine Verbesserung – so auch bei Blakkur, Camaro und Cunea.

Fazit der Studienleiterin «Die Ergebnisse zeigen, dass wir mit EmendoDerm ein Produktpaket entwickelt haben, welches einem

Das EmendoDerm-Produktpaket besteht aus einem Ergänzungsfuttermittel in Pelletform und einer Hautlotion. Beide Produkte sind auf Kräuterbasis aufgebaut und wurden nach der HealthBalance-Methode energetisiert. Die ausgewählten Kräuter unterstützen den Stoffwechsel und fördern die Abheilung von Ekzemen, Hautinfektionen und Wunden. Die Lotion kühlt, pflegt und beruhigt die betroffenen Hautstellen. Bei über 60 Prozent der an Sommerekzem leidenden sowie 55 Prozent der von Mauke betroffe-

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grossen Teil der getesteten Pferde mit Sommerekzem oder Mauke hilft. Für eine optimale Unterstützung bei Sommerekzem empfehlen wir, die Pellets einige Wochen vor dem ersten Weidegang bis in den Herbst hinein zuzufüttern. Die Anwendung der Lotion auf den jeweils betroffenen Hautstellen empfiehlt sich ab Aussentemperaturen von 10 bis 15 Grad Celsius. Bei Mauke sollten Pellets und Lotion mindestens bis zur sichtbaren Verbesserung angewendet werden. Begleitend zur Anwendung der EmendoDerm-Produkte raten wir dazu, die genauen Ursachen der Hautirritation mittels einer ResonanzAnalyse zu ergründen.» Die EmendoDerm-Produkte sind im Online-Shop von HealthBalance unter www.healthbalance.ch erhältlich.


CAMAROS BESITZER STELLTEN NACH DREI MONATEN EINE DEUTLICHE VERMINDERUNG DES JUCKREIZES IM VERGLEICH ZUM VORJAHR FEST. . . . und Blakkurs Mähnenkamm nach der Anwendung.

Camaros Besitzer stellten nach drei Monaten eine deutliche Verminderung des Juckreizes im Vergleich zum Vorjahr fest. Die Haut des Pferdes war nicht mehr trocken. So konnte der Teufelskreis aus Juckreiz, Scheuern und Hautentzündung vermieden werden. Lediglich zwei kleine offene Stellen an Mähne und Schweif blieben zurück – im Vergleich zum Vorjahr eine beachtliche Verbesserung des Zustandes. Bei Cunea verheilten die offenen Stellen an den Fesseln und neue Haare wuchsen nach. Cuneas linke vordere Fessel vor . . .

. . . und nach der Anwendung.

ERLEICHTERTE BESITZER Nicht nur für die Pferde, sondern auch für die Besitzer war der positive Verlauf der Feldstudie eine Erleichterung. Blakkurs Besitzerin war sehr zufrieden mit den Resultaten und den Produkten: «Die Anwendung der Produkte ist einfach, die Lotion sehr angenehm einzureiben und sie zieht gut in die Haut ein. Die Pellets frisst Blakkur problemlos. Ich bin gespannt, ob sich die Produkte im zweiten Anwendungsjahr bewähren. Ich bin davon überzeugt, dass diese Produkte die Auswirkungen des Ekzems in Grenzen halten und so die Lebensqualität der betroffenen Pferde steigern.» «Camaro vertrug die Lotion und die Pellets sehr gut. Ausgiebige Ausritte sowie Trainings im Sommer waren kein Problem mehr», freut sich Camaros Besitzer. Auch Cuneas Besitzer sind glücklich, endlich einen Weg gefunden zu haben, die Beschwerden ihres Pferdes zu lindern: «Seit wir in Besitz von Cunea sind, waren ihre Fesseln noch nie so heil wie jetzt». PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

Dr. med. vet. Karin Fantelli Die Studienleiterin Dr. med. vet. Karin Fantelli ist Tierärztin und leitet den Bereich Produktentwicklung im HealthBalance TierGesundheitsZentrum. Das HealthBalance TierGesundheitsZentrum mit seinen einzigartigen Therapie- und Trainingsanlagen ist spezialisiert auf die ganzheitliche Behandlung von Pferden und Kleintieren. Anwendung finden naturnahe Therapien in der Prävention, der Behandlung von akuten und chronischen Gesundheitsproblemen sowie in der Rehabilitation und zur Leistungsoptimierung. Das Vorgehen ist ursachenorientiert. Besonders profiliert hat sich HealthBalance in der Abklärung chronischer Erkrankungen und unklarer Krankheitsbilder sowie der Behandlung sogenannter therapieresistenter Fälle. Mittels ResonanzAnalyse, die bioenergetische Informationen des Lebewesens nutzt, ermittelt HealthBalance die passende Therapie aus Komplementär- und Schulmedizin. Ziel ist es, das Problem an der Wurzel zu packen, nicht Symptome zu bekämpfen.

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HAUT & HAAR

KELLER‘S ECHTE LEINSAMEN GEKOCHT GETROCKNET FORTSCHRITTLICH EINFACH UND GESUND GEFÜTTERT

REVITAL «KLINIKUM» PREBIOTIC Das therapeutische Müsli zum Aufbau einer gesunden Darmflora. Ursprünglich wurde Revital «Klinikum» prebiotic überaus erfolgreich bei Koliken und Kotwasser zur Darmsanierung eingesetzt. Mittlerweile empfehlen Tierärzte und Tierkliniken dieses Futter nicht mehr nur therapeutisch, sondern zunehmend auch prophylaktisch. Einige Beispiele aus dem umfangreichen Spektrum an Stoffwechselerkrankungen, bei denen die bewährte Darmsanierung durch Revital «Klinikum» prebiotic empfohlen wird: Koliken und Kotwasser, Haut-, Huf-, Fellwechselprobleme, Durchfall, Heu-Weidebauch, Resorptionsprobleme (Schwerfüttrigkeit), Hufreheprophylaxe, Stärkung des Immunsystems, Stress und Nervosität sowie metabolische Störungen jeglicher Art. Revital «Klinikum» prebiotic: Basis der präbiotischen Darmkur ist ein gesundes, verdauungsfreundliches Vollwert-Müsli, ergänzt durch die hochwirksame, innovative präbiotische Formel MBTK und probiotische Hefekulturen. Fütterungsempfehlung: ca. 1–3 kg/Tag über einen Zeitraum von mind. 6–8 Wochen, ausschliesslich zu gutem Heu. Eine detaillierte Fütterungsanleitung erhalten Sie beim Mühldorfer Pferdefutter Schweiz. www.muehldorfer-pferdefutter-schweiz.ch

Leinsamen spielen in der Pferdefütterung bei allen Pferden das ganze Jahr eine wichtige Rolle zur Erhaltung der Gesundheit sowie dem Aufbau von Knorpeln und Hufhorn und dem Schmieren der Gelenke. Neben der Verbesserung der Darmschleimhäute wirken sich die wertvollen ungesättigten Fettsäuren positiv auf Haut und Haar aus. Durch ein spezielles technisches Verfahren werden in der Schweiz seit 1989 Keller‘s echte Leinsamen gekocht/getrocknet hergestellt. Sie können dem Pferd täglich ganz einfach, sauber, problemlos, sicher und zeitsparend zusammen mit dem Kraftfutter verfüttert werden. Das aufwändige Kochen entfällt. Dieses Produkt garantiert eine 100 %-Verwertung. www.kellers-leinsamen.ch

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Dieser einzigartige Glanzspray verleiht einen bisher nie erreichten, strahlenden Glanz, ohne dass sich Fell und Langhaar künstlich oder «beschichtet» anfühlen. Das Putzen wird besonders erleichtert, die Wirkung hält garantiert über mehrere Tage an. SuperStar-Shine löst Haarknoten, Späne und Stroh beim Kämmen wie von allein – Schweif und Mähne erhalten ausserdem Sprungkraft und Volumen, Fell und Haut werden samtig weich. Sprödes, trockenes Haar wird durch den zusätzlichen Pflegefaktor erfolgreich vermieden. Die Hautfreundlichkeit ist dermatologisch mit «sehr gut» getestet, auch mehr als 30 internationale Profi-Pfleger haben das Spray an ihren Top-Pferden getestet und ebenfalls für «sehr gut» befunden. Und wie alle Effol-Produkte ist auch SuperStarShine garantiert dopingfrei. Das Effol SuperStar-Shine sowie weitere Effol-Produkte erhalten Sie im gut sortierten Reitsportfachhandel. Empfohlener VP CHF 19.50 www.schweizer-effax.com


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HAUT & HAAR

RICHTIG IST WICHTIG! MINER AL- UND WIRK S TOFF VER SORGUNG B EIM PFERD Nicht selten werden Pferde mit Energie oder Protein überfüttert, während die ausgewogene Ergänzung von Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen zu kurz kommt. Zu den Folgen gehören Gesundheitsstörungen.

Text: Simon Lepori, HYPONA-Berater, Zollikofen Fotos: zVg.

P

ferde brauchen Mineralstoffe und Vitamine für das Skelett, den Bewegungsapparat und den Stoffwechsel. Zu den lebensnotwendigen Mengenelementen zählen Calcium (Ca), Phosphor (P), Natrium (Na), Magnesium (Mg), Kalium (K), Chlor (Cl) und Schwefel (S), zu den Spurenelementen Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Zink (Zn), Selen (Se), Fluor (F), Jod (I) und Mangan (Mn). 22

Die fettlöslichen Vitamine A, D und E werden in der Regel über Mineral- beziehungsweise Ergänzungsfutter abgedeckt, die wasserlöslichen B-Vitamine können teils im Darm selbst gebildet werden. WANN IST DER BEDARF ERHÖHT? Sowohl der Mineralstoff- als auch der Vitaminbedarf hängen mit der Pferdebeanspruchung und dem Alter des Tiers zusammen. Bei hochtragenden und säugenden Stuten, Fohlen in der Wachstumsphase sowie bei intensiv beanspruchten Pferden reicht der Mineral- und Wirkstoffgehalt der Futtermittel oft nicht aus, um den Bedarf des Pferdes abzudecken. GesteiPA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

gert sollte das Angebot auch bei Krankheit, Fellwechsel oder sonstigem Stress werden. 2 :1 Das ideale Verhältnis zwischen Kalzium und Phosphor in der gesamten Ration liegt bei 1,5–2 :1. Das entspricht etwa dem Verhältnis gräserreicher Wiesenbestände. Bei Leguminosen und Kräutern ist das Ca:PVerhältnis wesentlich höher, beim ersten Wiesenaufwuchs generell enger. Nicht sichergestellt ist eine genügende Ca-Versorgung bei der traditionellen Ration mit Gras, Heu und Hafer (1:3). Geringe P-Gehalte weist altes Dürrfutter auf.


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Bei Stuten und Fohlen ist die Mineralstoffversorgung besonders wichtig.

UNSICHERE GEHALTE IM WEIDEGRAS Die Mineral- und Wirkstoffversorgung auf der Weide ist mit Unsicherheiten verbunden, können die Gehalte im Gras doch stark schwanken. Kupfer, Selen und Zink reichen im Weidefutter für eine gute Versorgung nicht immer aus. VERLUSTE MIT SCHWEISS Pferden mit körperlicher Beanspruchung und bei Weidehaltung sind insbesondere auf die Ergänzung von Natrium und Chlor angewiesen. Selbst bei leichter Arbeit verliert ein Grosspferd bis zu 1 l Schweiss pro 100 kg Körpergewicht, also bis 20 g Natrium beziehungsweise 15 bis 30 g Chlor. SPORT- UND ARBEITSPFERDE haben zudem einen erhöhten Bedarf an Vitamin E und Selen, welche für den Muskelstoffwechsel wichtig sind. In altem Heu oder Stroh ist Vitamin E besonders knapp. WACHSTUMSSCHUB BEIM FOHLEN Für Stuten wird ab dem achten Trächtigkeitsmonat eine Erhöhung des Mineralund Wirkstoffangebots empfohlen, weil Fohlen ab diesem Zeitpunkt einen Wachstums-Endspurt hinlegen. Das Ungeborene bildet fleissig Knochen, die hauptsächlich aus Kalzium und Phosphor bestehen. GENÜGT MILCH? Es gibt Untersuchungen, wonach Stutenmilch die Spurenelementversorgung des

Fohlens schon im ersten Lebensmonat nicht sicherstellen kann. Bei ungenügender Mineralstoffversorgung drohen Skeletterkrankungen, da der Körper beispielsweise das Kalziummanko aus den Knochen deckt. Eine entscheidende Rolle für den Versorgungsstatus des Fohlens spielt die Weidequalität und Häufigkeit des Weidegangs. Wegen des schwankenden Mineralstoff- und Spurenelementgehaltes im Gras ist man mit der Zufütterung von Mineralsalz auf der sicheren Seite. WELCHES PRODUKT? Um gesundheitlichen Problemen vorzubeugen, eignet sich der Einsatz eines Mineralstoff-Futtermittels. Solche Produkte sind meist mit den wichtigsten Vitaminen und Spurenelementen angereichert und einfach in der Anwendung. Die Na-Ergänzung gelingt am einfachsten mit einem permanent zur Verfügung stehenden Salzleckstein, wobei dieser für Saugfohlen nicht erreichbar sein darf. Wird zu viel Natrium gefressen, reagiert das Pferd mit einer überhöhten H2O-Aufnahme und Durchfall. HAARANALYSE? Zur Überprüfung der Mineralstoffversorgung oder bei Stoffwechselstörungen werden diverse Methoden herangezogen. Für einen breiten Einsatz bieten die zunehmend aufkommenden Haaranalysen eine PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

ungenügende Sicherheit. Zu viele Fragen sind von der Wissenschaft noch unbeantwortet. Um den Versorgungsstatus einer Tierherde zu beurteilen, empfehlen sich folgende Massnahmen: ™ B^cZgVahid[[\Z]VaiZ YZg kZgVWgZ^X]iZc Raufutter analysieren. ™ <VWZc Vc B^cZgVahid[[Zc jcY HejgZcelementen mit einem Fütterungsplan berechnen. ™ 7ZdWVX]ijc\YZgI^ZgZ# ™ BZc\ZcZaZbZciZWZ^bI^Zg^c6WhegVche mit dem Tierarzt via Urin, Blut oder Speichel messen. Spurenelemente via Blut analysieren. Um eine stichhaltige Aussage machen zu können, müssen die Analysen wiederholt werden, da es sich um eine Momentaufnahme handelt.

HYPONA H895 – das Mineralfuttermittel für Pferde.

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HAUT & HAAR

Text: Thomas Bryner Foto: Abteilung für Veterinär-Anatomie der Universität Bern

DIE HAUT EIN MULTITALENT Die Haut ist das grösste Organ des Pferdes und zwischen fünf und zehn Quadratmeter gross. Sie ist ein genialer Hitze- und Kälteschutz, bildet Fell und Langhaar und ist ein hochsensibles Sinnesorgan.

D

ie Haut ist aus drei Schichten aufgebaut. Die Oberhaut (Epidermis) ist der Schutzwall des Immunsystems, verhindert den Wasserverlust und schützt vor schädlicher UV-Belastung. Die zweite Schicht ist die Lederhaut (Dermis). Hier sitzen Blutgefässe, Schweissund Talgdrüsen, das Nervengeflecht sowie die Haarfollikel mit Haarwurzel und Haaraufrichtemuskel. Die Unterhaut ( Hypodermis) ist, wie ihr Name schon sagt, die unterste der drei Hautschichten und besteht fast ausschliesslich aus Fettzellen. Darunter lie-

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gen Muskeln, mit welchen das Pferd die Haut an Kopf, Hals, Schulter und Bauch verschieben kann, um so mit zuckenden Bewegungen beispielsweise Fliegen abzuwehren. Das Haarkleid des Pferdes besteht aus den die Farbe bestimmenden Fellhaaren, den dazwischen stehenden, kürzeren Wollhaaren und den Tast- und Langhaaren. Das Fell wird zweimal im Verlauf eines Jahres gewechselt. Davon ausgenommen die langen Haare an Schweif und Mähne, diese wachsen über mehrere Jahre. Die Fellhaare sind über die gesamte Körperoberfläche gleichmässig verteilt. Die Wuchsrichtung sowie eventuell vorhandene Haarwirbel bleiben immer gleich. An Nüstern, Ohren, an Teilen des Halses und an den Innenseiten der Schenkel liegt das Fell eng an der Haut. Am übrigen Körper ist der Austrittswinkel der Haare grösser, damit sich diese mit Hilfe des Haaraufrichtemuskels aufstellen können. Sie können so ein isolierendes Luftpolster bilden und schützen vor Zug und Kälte. Die Schweissdrüsen sind eigentliche PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

Verdunstungskanäle und können den Körper vor Überhitzung schützen. Der Talg aus den entsprechenden Drüsen hält die Haut elastisch und trocken. Pro Quadratzentimeter liegen bis zu 500 Schweiss- und Talgdrüsen in der Lederhaut. Die Farbe der Haare richtet sich nach dem Pigmentgehalt. Die Haarfärbung braucht aber nicht mit der Farbe der Haut überzueinstimmen. So haben zum Beispiel Schimmel eine dunkel pigmentierte Haut. Ganz besondere Haare sind die Tasthaare (Vibrissen). Sie wachsen an den Lippen und an den Augen. An der Ober- und Unterlippe hat das Pferd ungefähr fünfzig solcher Tasthaare. An den oberen Augenlidern finden sich zwei bis fünf davon, an den unteren Augenlidern sind es acht bis zwanzig. Tasthaare sind wichtige Sinnesorgane, mit denen das Pferd den Abstand zu Hindernissen, etwa zu Wänden oder der Krippe in seiner Boxe erfühlen kann. Werden einem Pferd diese Tasthaare aus falschen, ästhetischen Gründen abrasiert, haben sie Mühe sich zurechtzufinden und stossen sich häufiger am Kopf.


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MIT DEM PFERD AUF ACHSE Tipps und Tricks rund um das Thema Pferdeanhänger

Text: Ruth Müller Fotos: Ruth Müller, M.E./pixelio.de, aklavik.ch, zVg. Sarah Föhn

Mobilität als wesentliche Grundlage des modernen Lebens spielt für Pferdebesitzer eine grosse Rolle. Der Besuch von Turnieren und Trainings, die Fahrt in die gemeinsamen Ferien, der Umzug in einen neuen Stall oder die Überführung des kranken Vierbeiners in die Klinik – es gibt viele Gründe, ein Pferd zu transportieren. Auch wenn die grosse Unabhängigkeit lockt, bei der Anschaffung eines Pferdeanhängers gilt es, zahlreiche Dinge zu beachten, um entspannt, sicher und gesetzeskonform unterwegs zu sein.

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m Dschungel der Angebote ist es nicht einfach, den seinen Bedürfnissen entsprechenden Pferdeanhänger zu finden. Am besten geht man systematisch vor und schränkt die Auswahl der erhältlichen Modelle und Ausstattungen gezielt ein. Welche und wieviele Pferde sollen transportiert werden? Grosse Warmblüter, schwere Kaltblüter oder kleine Ponys haben unterschiedliche Ansprüche an die Platzverhältnisse. Auch ihr Gewicht spielt eine entscheidende Rolle, denn der Anhänger muss in seiner Belastbarkeit entsprechend ausgelegt sein. Es lohnt sich, das Gewicht seiner Tiere und seines Anhängers genau zu kennen, auch weil bereits geringes Überschreiten der gesetzlichen Gewichtslimiten teure Konsequenzen haben kann (siehe Kasten). Das Thema Gewicht wird zudem definiert durch die erlaubte Anhängelast des zur Verfügung stehenden Zugfahrzeugs. Um zwei 600 kg schwere Warmblutpferde in einem 2er-Vollpolyester-Anhänger zu transportieren, der ein Leergewicht von 900 kg hat, sollte die technisch zulässige Anhängelast mindestens 2200 kg (100 kg Reserve), besser jedoch 2500 kg oder mehr betragen. Diese Leistung erreichen nur starke SUV’s, Pick-Ups und Offroader. Mit einem Anhänger von leichterer Bauweise (Aluminium oder Holz mit Blachenhaube/ Polydach) lassen sich zwei- bis dreihundert Kilogramm einsparen. Für zwei grosse Pferde wird es mit «normalen» Autos trotzdem immer knapp, da ihre Zugfähigkeit höchstens 1800 kg beträgt. Ein einziges Pferd lässt sich sehr wohl mit gut motorisierten Limousinen und Kombis (vorzugsweise mit Allradantrieb und Automatikgetriebe) ziehen, wenn diese 1300 kg und mehr Anhängelast haben. In einer Notsituation, die eine Vollbremsung erfordert, ist es aber immer besser, mit den Gewichten nicht am Limit des technisch Erlaubten zu sein.

Unter freiem Himmel bietet eine Plastikhaube für Deichsel und Stützrad Schutz gegen Korrosion.

Über die vorgesehene Nutzung sollte sich der Pferdehalter genauso Gedanken machen, damit er mit Bauart und Ausstattung seines Anhängers glücklich wird. Turnierreiter schätzen eine praktische Sattelkammer und Ausklappfenster, Fahrsportler einen Aufbau für ihre Kutsche zwischen Deichsel und Pferdekabine, sensible Tiere bevorzugen einen Vorderausstieg. Im Trend, besonders in der Westernszene, sind Anhänger, die statt der herkömmlichen Heckrampe zwei seitlich schwenkbare Türen haben. Hier erfolgt der Einstieg über eine niedrige Stufe. Neue Serienmodelle kosten zwischen 4500 und 25 000 Franken. Nach oben ist die Preisskala, je nach Platzangebot und individuellen Ansprüchen, offen. Occasionen gibt es um einiges günstiger, allerdings ist beim Kauf eine seriöse Prüfung aller sicherheitsrelevanten Punkte (Boden und Wände, Achsen samt Aufhängung, Bremsen und Radaufhängung) wichtig. Der gängigste Typ ist der Zweipferdetransporter, bei dem die Pferde nebeneinander in Fahrtrichtung stehen. Bei einzelnen Modellen stehen sie schräg. Tests haben ergeben, dass Pferde, wenn sie schräg oder auch rückwärs transportiert werden, die Fahrzeugbewegungen besser ausbalancieren können. Nebst den Modellen ab Stange bietet praktisch jeder Hersteller die Möglichkeit, seinen Wunschanhänger nach den persönlichen Bedürfnissen individuell auszustatten. Wer vier Shetlandponys oder drei Islandpferde sicher transportieren möchte, braucht eine spezielle Inneneinteilung. Auch gibt es Anhänger, die bis zu vier PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

Grosspferde aufnehmen können und im vorderen Bereich zudem einen Aufenthalts- und Schlafraum für die Zweibeiner bieten. Sonderwünsche gehen immer auf Kosten von Gewicht und Geldbeutel, deren Umsetzung kann die sich bietende Unabhängigkeit mit dem Pferd jedoch perfekt machen. IN SICHERHEIT INVESTIEREN Wo sich Sparen nicht lohnt, ist beim Thema Sicherheit. «Anhänger mit Holzboden verkaufe ich keine mehr», sagt Fritz Krähenbühl aus Stäfa, einer der grössten Schweizer Händler in Sachen Pferdetransporter. «Sie bergen ein schwer einzuschätzendes Risiko, da Holzböden unter der Gummimatte nicht einsehbar verrotten und unter dem Gewicht des Pferdes plötzlich durchbrechen können.» Krähenbühl empfiehlt deshalb, sich für einen Kunststoff- oder Aluboden zu entscheiden. «Der Aufpreis von gegen 500 Franken und das Zusatzgewicht sind unwesentlich, verglichen mit dem Gewinn an beruhigender Zuverlässigkeit.» Sinn macht auch ein mit Videoüberwachung ausgestatteter Anhänger. Diese Technik ermöglicht unterwegs, im Bedarfsfall sofort zu reagieren. Was Fachleute ebenfalls empfehlen, ist das Anbringen einer Antischlingerkupplung. Eine herkömmliche Anhängerkupplung sichert einzig das Lösen des Anhängers vom Zugfahrzeug, kann aber Stabilitätsproblemen nicht entgegenwirken. Pferde stellen zudem aufgrund ihres hohen Gewichts und Schwerpunkts sowie ihres unkalkulierbaren Verhaltens eine dynamische Beladung dar. Im Anhänger sind sie ein grosser Unsicherheitsfaktor. Die Antischlingerkupplung vermindert das Risiko erheblich, dass der Anhänger sich aufschaukelt und das Gespann unkontrollierbar wird. Die Kosten von rund 500 Franken sind gut investiertes Geld. Auf deutschen Autobahnen dürfen mit Antischlingerkupplung abgenommene Anhän27


Pferde mögen Schrägverlad – hier ein für Islandpferde konfiguriertes Modell .

ger 100 km/h statt 80 km/h fahren. In der Schweiz gilt auch für diese fortschrittlich ausgestatteten Pferdeanhänger die Höchtsgeschwindigkeit 80. Erstaunlicherweise darf auf Frankreichs Autobahnen mit allen Anhängern 130 km/h gefahren werden. Bei Unfällen mit ausländischen Anhängern, die für dieses Tempo nicht zugelassen sind, muss jedoch mit Einschränkungen der Versicherungsleistung gerechnet werden. DAS FAHREN WILL GEÜBT SEIN Das Fahren eines Gespanns mit bis zu 3,5 Tonnen Gesamtgewicht ist mit dem Führerausweis der Kat. B erlaubt. Das Gewicht des Anhängers darf jedoch das Leergewicht des Zugfahrzeugs nicht übersteigen. Sonst ist, wie für das Fahren von Zugkombinationen, die insgesamt schwerer sind als 3500 kg, die Anhängerprüfung der Kat. BE zu absolvieren. Die Fahrtechnik mit Anhänger ist in vielen Punkten speziell. Aufgrund der Trägheit des Gespanns ist besonders vorausschauend zu fahren. Grundsätzlich ist sanft anzufahren und abzubremsen. Auch sollten Kurven nicht zu schnell, dafür in grossem Bogen genommen werden, damit die Pferde möglichst geringen Verzögerungs- und Fliehkräften ausgesetzt sind. Zeitdruck beim Pferdetransport muss deshalb unbedingt vermieden werden. Bei höheren Geschwindigkeiten kann das Fahrwerk ein Eigenleben entwickeln, vor allem wenn der Reifendruck zu niedrig ist oder die Stossdämpfer ausgeleiert sind. Falls der Anhänger ins Schlingern gerät,

Gut geschützt auf Reisen: Transportgamaschen schützen die empfindlichen Pferdebeine.

heisst es: Sofort das Gaspedal lösen und auf die Bremse treten. Mit etwas Glück läuft der Anhänger auf, bremst und stabilisiert sich. Besonders knifflig ist das Rückwärtsfahren, da gegengleich zur gewünschten Richtung zu lenken ist. Hier macht Übung den Meister, am besten zuerst mit dem leeren Anhänger. Es gilt, möglichst langsam und mit wenig Lenkeinschlag zu fahren. Ist der Anhänger trotzdem einmal eingeknickt, hilft nur die

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Korrektur nach vorwärts. Auch das Ankuppeln des Anhängers will geübt und mit Ruhe angegangen sein. Eine Rückfahrkamera- oder ein -spiegel kann beim Anhängen eine Erleichterung sein, um die Anhängevorrichtung genau unter die Deichsel zu platzieren. Vor allem dann, wenn man keinen Helfer zur Stelle hat, der beim Manövrieren Zeichen gibt. ANHÄNGERFAHRTEN BEDEUTEN STRESS Auch Pferde brauchen Routine, wenn es ums Unterwegssein mit dem Anhänger geht. Für sie bedeutet das Verladen ein Schritt ins Ungewisse. Durch häufiges Üben lernen die meisten Tiere, der Führperson zu vertrauen, und dass der Anhänger keine Gefahr darstellt. Ganz wichtig: Bevor das Pferd angebunden wird, ist immer zuerst die hintere Querstange zu befestigen, damit das Pferd nicht mehr nach hinten ausweichen kann. Das kann entweder eine Hilfsperson erledigen oder, in speziell ausgerüsteten Anhängern, ein technisches System, das vom beim Pferdekopf stehenden Menschen aktiviert wird. Beim Ausladen ist zuerst das Pferd loszubinden, bevor die begrenzende Querstange wieder entfernt wird. Für den Fahrkomfort und die Sicherheit der Vierbeiner sollten die Querstangen in Höhe und Länge verstellbar sein. Werden mehrere Pferde verladen, führt man zuerst das erfahrenere Pferd in den Anhänger. Die weiteren werden ihm bereitwilliger folgen. Mit dem Anbringen von möglichst hohen Transportgamaschen sowie einer den Temperaturen angepassten Decke schützt man Beine und Körper des Pferdes vor gesundheitlichen Risiken. Ein gut gefülltes, engmaschiges Heunetz macht die Reise kurzweiliger. Als angenehm werden die Fahrt die wenigsten Pferde empfinden. Die für sie nicht vorhersehbaren Fahrzeugbewegungen sowie der Lärm verursachen Stress. Tests bei Tempo 80 ergaben, dass der Geräuschpegel im Anhänger, egal von welcher Bauweise, sehr hoch ist. 100 Dezibel waren die Regel – das ist vergleichbar mit der Lautstärke, wenn man in der Disco einen Meter vom Lautsprecher entfernt steht. Die Un-


wohlseinsschwelle ist bei 120 Dezibel erreicht, die Schmerzschwelle bei 130 Dezibel. Sehr laut ist es in den immer beliebter werdenden Aluminium-Anhängern. Das Auskleiden von Boden und Wänden mit Gummimatten schafft hier Erleichterung. Lange Fahrten sind fürs Pferd besonders belastend. Studien beweisen: Je länger die Fahrt, desto höher die Werte des Stresshormons Kortisol im Blut des Pferdes. Unabhängig von der Transportdauer fällt die Kortisol-Konzentration erst zwei Stunden nach Ende der Fahrt auf den Ruhewert. Das Pferd sollte deshalb genügend Zeit haben, um sich von der Fahrt zu erholen, bevor es auf dem Turnier zum Einsatz kommt.

KONTROLLE IST BESSER Pferdeanhänger gibt es in allen Farben. Aus der Sicht der Pferde ist immer ein heller Farbton die richtige Entscheidung – damit heizt sich der Innenraum im Sommer weniger auf. Der Anhänger bleibt aussen länger schön, wenn er einen vor Witterung geschützten Parkplatz hat. Sonst bietet eine Plastikhaube für Deichsel und Stützrad Schutz gegen Korrosion. Zugfahrzeug und Anhänger sollten stets in technisch einwandfreiem Zustand sein. Während beim Auto die Serviceintervalle durch Kilometerleistung und Abgaswartung vorgegeben sind, muss die Kontrolle des Anhängers auf Eigeninitiative des Besitzers erfolgen. Regelmässig sind Boden

und Anhängevorrichtung sowie Bremsen, Bereifung und Beleuchtung zu prüfen. Auch das Strassenverkehrsamt wird den Anhänger regelmässig inspizieren. Die Prüfungsintervalle betragen 5/3/3/3/ usw. Jahre bei Anhängern bis 3,5 Tonnen, schwerere Anhänger müssen jedes Jahr vorgeführt werden. Die Strassensteuern sind abhängig von der Nutzlast des Anhängers und je nach Kanton verschieden hoch. Es lohnt sich, den Pferdeanhänger als Sachentransportanhänger im Fahrzeugausweis einzutragen. So darf man damit nicht nur Pferde, sondern auch Futtermittel oder beim Umzug die Möbel transportieren.

So fällt das Warten leichter: Pferde geniessen Licht und Luft durch das aufklappbare Seitenteil des Anhängers.

Persönliche Note: Frisch renovierter Zweier-Anhänger.

Für Mini-Pony tut es auch ein kleiner Anhänger.

Zudem registriert der Polizist 213 kg Übergewicht im Anhänger, was 16,38 Prozent entspricht, und das Bussgeld um weitere 500 Franken erhöht. Als weiterer Tatbestand kommt die Achslastüberschreitung um 16,38 Prozent hinzu. «Hier kosten die ersten 8 bis 10 Prozent 500 Franken, jedes weitere Prozent weitere 100 Franken, was in diesem Fall total 1100 Franken ergibt.» Es sei auch davon auszugehen, dass die Reifentragfähigkeit überschritten wurde, was die Busse nochmals um 1100 Franken erhöht. «Die Hersteller rüsten ihre Anhänger mit Pneus aus, die meist ziemlich genau dem erlaubten Gesamtgewicht entsprechen. Ein Code auf den Reifen gibt über die Belastbarkeit Auskunft.» Wer derart überladen unterwegs ist, führt ein Fahrzeug in nichtbetriebssicherem Zustand. Vor dem Gesetz gilt das als mittelschweres Vergehen und kommt vor den Richter. «Dieser entscheidet, wie die Strafe aussieht. Meist wird nicht der volle Bussbetrag – der in diesem Fall gegen 3000 Franken ausmachen würde – aus-

gesprochen, sondern ein Teil in einer bedingten Gefängnisstrafe. Das könnte dann so aussehen: 500 Franken Busse und 14 Tage Haft bedingt.» Zu rechnen habe der Fahrzeuglenker, nebst wesentlichen amtlichen Kosten wie Schreibgebühren, auch mit einem Führerausweisentzug zwischen einem und drei Monaten – hierüber entscheidet das Strassenverkehrsamt im Administrativverfahren. Auch aus Sicherheitsgründen empfiehlt es sich, die Gewichtslimiten nicht auszureizen. Und sogar wer sich auf der sicheren Seite wähnt, kann immer noch in Stolperfallen geraten: Werden Anhänger mit zusätzlichen Gummimatten, Schlagwänden und anderem Zubehör nachgerüstet, sind sie oft schwerer, als im Fahrzeugausweis angegeben. Wurden Modifikationen am Anhänger gemacht, sollte sein effektives Leergewicht auf einer Waage ermittelt werden. Da auch Pferde oftmals ein paar Kilos mehr wiegen als vermutet, lohnt sich mit ihnen dieser Abstecher ebenfalls. (rum)

Auf der Waage zählt jedes Gramm Auf die oft erzählte Mär von der «grosszügigen Gewichtstoleranz», welche die Polizei beim Pferdetransport gewähre, sollte man sich keinesfalls verlassen. In der Realität kann das eine böse Überraschung absetzen. Wer mit seinem Gespann der Polizei auffällt und zur Kontrolle auf die nächstgelegene Waage muss, läuft Gefahr, überladen zu haben. Rudolf Zanitti von der mobilen Einsatzpolizei der Kantonspolizei Aargau berechnete das gesetzliche Bussgeld anhand eines gängigen Beispiels: Ein Kombi mit 1500 kg Anhängelast zieht einen 580 kg schweren 1,5erAnhänger mit zulässigem Gesamtgewicht von 1300 kg. Der Zweiachser erlaubt gemäss Fahrzeugausweis Achslasten von je 650 kg. Transportiert wird ein 980 kg schweres Kaltblutpferd. Vom gesamten Zuggewicht von 1560 kg werden 3 Prozent Gerätetoleranz abgezogen, verbleibt ein massgebliches Nettogewicht von 1513 kg Anhängelast. «Die ersten 100 kg Übergewicht kosten 100 Franken Busse», sagt Zanitti.

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Text: Seraina Bertschinger Bilder: Monika Janczikowski

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Linda Parelli Den meisten Pferdebesitzern ist der US Amerikaner Pat Parelli mittlerweile ein Begriff, zählt er doch zu den Mitbegründern von Natural Horsemanship und hat diese Ausbildungsweise in den vergangenen 25 Jahren massgeblich und auf der ganzen Welt mitgeprägt. Die wenigsten wissen

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inda Parelli, deren Mutter aus der Schweiz stammt, wurde in Singapur geboren und wanderte mit ihrer Familie später nach Australien aus, wo sie schliesslich ihren zukünftigen Mann Pat Parelli während eines Kurses kennenlernte, welchen sie mit ihrem talentierten, aber kaum zu bändigendem Warmblüter «Regalo» besuchte. Die klassische Dressur hat schon immer eine grosse Faszination auf die Pferdenärrin ausgeübt; ehrgeizig wie sie war, bildete sie sich auf diesem Gebiet laufend weiter und startete auch auf Turnieren. Irgendwann musste sie sich jedoch eingestehen, dass der Umgang mit dem äusserst impulsiven «Regalo» für alle Beteiligten zu gefährlich wurde, und so war sie gezwungen, nach alternativen Ausbildungsweisen Ausschau zu halten. Per Zufall stiess sie so auf Pat Parelli, der damals noch relativ unbekannt war und für einige Kurse in Australien weilte. Äusserst kritisch, letztlich jedoch im Wissen, dass dies die letzte Chance für sie und «Regalo» sein würde, meldete sie sich zu einem der Kurs bei diesem amerikanischen «Cowboy» an, und so begann ihre Reise durch Natural Horsemanship.

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jedoch, dass er mit seiner Frau Linda eine aussergewöhnlich talentierte Pferdefrau an seiner Seite hat, welche mit ihrer feinen Herangehensweise immer mehr Pferdeliebhaber, darunter auch viele traditionelle Englischreiter, zu begeistern vermag.

Mittlerweile hat Linda Parelli das Parelli-Programm massgeblich mitgeprägt und, gemeinsam mit ihrem Mann, laufend neue Hilfs- und Lehrmittel entwickelt, welche den Parelli-Schülern auf der ganzen Welt helfen, die Bedürfnisse ihrer Pferde besser verstehen zu lernen, sodass sie in der Lage sind, eine Partnerschaft basierend auf Respekt, Vertrauen und gegenseitiger Kommunikation mit ihren Vierbeinern aufzubauen. Die Faszination fürs Dressurreiten ist bei Linda Parelli jedoch nie erloschen. Während ihr Mann Pat mit seinen Quarter Horses fast jedes Wochenende an verschiedenen Westernturnieren in den USA anzutreffen ist, hat sich Linda mit ihren Warmblütern bei den verschiedensten Persönlichkeiten aus dem Dressursport weitergebildet. So pflegt sie beispielsweise einen engen Kontakt zum spanischen Olympiateilnehmer Luis Lucio und nimmt regelmässig Unterricht bei Dressurlegende Walter Zettl, welchen sie mittlerweile zu ihren Mentoren zählt. Die Arbeit mit Walter Zettl hat ihr schlussendlich auch die Inspiration für das Konzept des «Game of Contact» geliefert, mit welchem sie fortgeschrittenen Parelli-Studenten hilft, spiePA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

lerisch mit Kontakt zu reiten, ohne dabei ihre natürlichen Grundsätze über Bord werfen zu müssen. Das Konzept von «Game of Contact» hilft dem Pferd zudem, die Trense als Hilfsmittel für Verfeinerung besser zu akzeptieren, so dass häufige Probleme wie z. B. Kopfschütteln, Schweifschlagen, Zähneknirschen oder Einrollen gar nicht erst auftreten. So können Reiter und Pferd gemeinsam eine solide Basis legen, um später wirklich erfolgreich und harmonisch mit Kontakt und Versammlung reiten zu können. Im Oktober des vergangenen Jahres weilte Linda Parelli zum ersten Mal für eine Woche in der Schweiz, um das «Game of Contact» fortgeschrittenen Parelli-Studenten und den lizenzierten Parelli-Instruktoren zu unterrichten. Dieser erste Kurs war derart erfolgreich, dass er bereits im Juni dieses Jahres eine Fortsetzung fand und um ein weiteres Kursmodul erweitert wurde. 12 Reiter und 60 Zuschauer aus ganz Europa nutzten diese einmalige Gelegenheit, und verbrachten eine unvergessliche Woche in Fehraltorf im Zürcher Oberland. Am 10. Juni fand dort zudem ein Abendseminar zum Thema «Pferdeverhalten»


Vor 500 Zuschauern gab Linda Parelli im Juni ein Seminar in Fehraltorf.

statt. Rund 500 Pferdeliebhaber aus allen Bereichen des Pferdesports liessen es sich nicht nehmen, eine der bekanntesten und talentiertesten Pferdefrauen dieser Welt live zu erleben. So war die Spannung auf der bis auf den letzten Platz gefüllten Tribüne entsprechend gross, als Linda Parelli die Arena betrat. Und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht, vermochte sie ihre Zuschauer doch vom ersten Moment an zu fesseln. Der Abend stand ganz im Zeichen der Themen Pferdeverhalten und Pferdepersönlichkeiten. Pferde haben, wie wir Menschen auch, ganz unterschiedliche Persönlichkeiten und zeigen dementsprechend individuelle Verhaltensmuster. Linda Parelli hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Studium dieser Pferdepersönlichkeiten auseinander gesetzt. Vor einiger Zeit hat sie daraus das «Horsenality» Konzept entwickelt. Dieses ermöglicht es dem Menschen, seinen Vierbeiner den vier Persönlichkeitstypen «Left Brain Extrovert», «Left Brain Introvert», «Right Brain Extro-

Die sympathische Pferdefrau mit Schweizer Wurzeln befindet sich zurzeit auf Welttournee.

vert», «Right Brain Introvert» zuzuordnen, und so besser verstehen zu lernen. Wie bei uns Menschen gibt es auch bei Pferden eher extrovertierte und eher introvertierte Typen; dazu gibt es Pferde, die eher auf der linken, denkenden Hirnhälfte sind und andere, die sich eher auf der rechten, instinktiv reagierenden Hirnhälfte bewegen. Einige Strategien für das Training dieser vier Pferdepersönlichkeiten vermittelte Linda Parelli anhand von drei verschiedenen Pferden, welche von ihren Besitzern in die Arena gebracht wurden, um mit ihnen sowohl am Boden wie auch im Sattel zu arbeiten. Schnell liessen sich die unterschiedlichen Bedürfnisse dieser verschiedenen Pferdetypen feststellen; nicht jedes Pferd benötigt die gleiche Art von Training. Manche benötigen mehr Tempo, andere mehr Wiederholungen; einige wollen mehr gefordert werden, andere suchen nach mehr Sicherheit. Es war äusserst aufschlussreich zu beobachten, wie schnell die einzelnen Pferde ihr Verhalten änderten, wenn man sie entsprechend ihrer Per-

sönlichkeit oder eben «Horsenality» behandelte. Die 2,5 Stunden Seminar waren leider viel zu schnell zu Ende, und so mancher Pferdebesitzer erlebte wohl das eine oder andere Aha-Erlebnis. Darauf angesprochen, was Natural Horsemanship für sie persönlich bedeutet, antwortete Linda Parelli lachend: «Natural Horsemanship bedeutet einfach eine natürliche Beziehung zwischen Mensch und Pferd, welche auf Zuneigung, Kommunikation und Führungsqualitäten basiert. Und das Beste daran ist, dass man dafür weder aussergewöhnliches Talent, noch extrem viel Mut oder jahrelanges Training benötigt, um Erfolg zu haben. Es braucht lediglich Herzblut, einen starken Willen und den Zugang zum richtigen Ausbildungssystem.» Es darf gehofft werden, dass Linda Parelli die Schweizer Pferdeszene auch im kommenden Jahr wieder durch einen Besuch bereichert. Weitere Informationen dazu gibt es rechtzeitig auf der Seite des Schweizer Instruktorenteams. www.parelli-instruktoren.com

Zur Autorin Seraina Bertschinger ist diplomierte Marketingfachfrau und organisiert seit 2003 Kurse und Events für die lizenzierten Parelli-Instruktoren in der Schweiz. Sie ist verheiratet, Mutter einer Tochter und besitzt einen Freiberger-WarmblutMix, mit dem sie sich zurzeit im Level 4 des Parelli-Ausbildungsprogramms weiterbildet.

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BEA/PFERD 2012

PASSION AN DER BEA/PFERD 2012 Vom 27.4. bis 6.5.2012 fand in Bern die jährliche Frßhjahrsmesse BEA/PFERD statt. PASSION war Medienpartner und mit einem eigenen Stand an der Ausstellung vertreten. Viele interessierte Besucher konnten auf diese Weise das neue Schweizer Reitmagazin kennenlernen und Anregungen und Wßnsche zu Gestaltung und Inhalt loswerden.

Auch der Galaabend am Mittwoch, organisiert vom Team Hof-Scheyenholz, stand unter dem Patronat von PASSION. Die gelungenen VorfĂźhrungen begeisterten das Publikum. Am Stand von PASSION wurde Ăźber die ganze Messedauer viel geboten. Gross und klein suchten ihr GlĂźck beim Dreh am GlĂźcksrad und fĂźllten eifrig ihre Wettbewerbstalons aus, in der Hoffnung einen der tollen Wettbewerbspreise von PASSION zu gewinnen.

Die 10 glĂźcklichen Gewinner:

Wir gratulieren ganz herzlich allen Gewinnern des 1. PASSION-FerienSpezial-Gewinnspiel:

Meret Bßrki 3600 Thun Nicole Fuhrer 3014 Bern Melanie Kunz 3215 Gempenach Stefanie Recher 3072 Ostermundigen Werner Schäubling 4207 Bretzwil Beat Schori 3073 Gßmligen Michel Studer 3078 Richigen Cornelia Vontobel 8335 Hittnau Sarah Zaugg 3077 Enggistein Luisa Zuber 3006 Bern

1. Preis: 6 Tage Cutting-Workshop in Texas, USA: Gassner Myriam 2562 Port 2. Preis: 1 Woche Ranchferien in Kanada: Monique Simonet 4500 Solothurn 3. Preis: 1 Ă&#x153;bernachtung im Reitstall San Jon, GraubĂźnden, fĂźr 2 Erwachsene & 2 Kinder: Emanuelle Sacher 8953 Dietikon 4. Preis: 1 Ă&#x153;bernachtung im 5*-Ferienhotel Lärchenhof, Tirol AT, fĂźr 2 Personen, inkl. HP: Andrea Himmelberger 8587 Oberaach

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Der Jurassische Pferdezuchtverband (FJEC) organisiert zusammen mit dem MarchĂŠConcours eine Freiberger Verkaufsausstellung.

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Ab Freitag 10. August 9h00 bis Sonntag 12. August ďŹ nden Sie im Verkaufszelt der FJEC auf dem Gelände des MarchĂŠ-Concours in SaignelĂŠgier, 24 speziell ausgewählte gut gerittene und gefahrene Freibergerpferde! Alle Verkaufspferde werden vor dem MarchĂŠ-Concours einem Gesundheitstest und je einem Test im Reiten und Fahren unterzogen. Auskunft : 34

          

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PINNWAND Haben Sie einen gelungenen Schnappschuss S von Ihrem Pferd oder Ihrem letzten Ausritt? Auf dieser Seite hat es Platz für Ihre Bilder. Hier können Sie auch Lob und Kritik zum Heft, oder einen Kommentar zu einem Artikel loswerden. Wir freuen uns auf Ihre Reaktionen und werden in jeder Ausgabe eine Auswahl hre Reaktione auf dieser Seite veröffentlichen. Ihre Fotos benötigen nötigen wir in einer Auflösung von min. 300 dpi. Ihre Mails erreichen uns unter: redaktion@prosell.ch

Rahel N., 10 Jahre

Petra Wenger, Oberkulm Tina Andersen Berchtold

FEEDBACK Auszüge aus einem offenen Leserbrief zum Beitrag «GUT gefüttert» Grundsätzlich ist alles, was Sie geschrieben haben, absolut richtig. Betreffend der Pferdefütterung bauen Sie auf der traditionellen Heu/Hafer-Fütterung auf, nennen in ein paar Stichworten die Entwicklung. Sie berichten über die Evolution, das geänderte Futterangebot und die geänderten Lebensgrundlagen und Bedingungen. Aber ist denn die traditionelle Fütterung noch den heutigen Gegebenheiten des Pferdes angepasst? Ich denke eben nicht. Für mich liegt das Problem des Kraftfutters ganz woanders. Für mich sollte die Ernährung dahin gehen, dass die Energie nach Möglichkeit nicht über Getreide abgedeckt werden sollte. Getreide ist billig zu haben, in grossen Mengen vorhanden und . . . es füttern es einfach alle. Dabei ist doch Getreide gar kein arttypischens Pferdefutter. Das Pferd ist kein Körnerfresser und auch kein Allesfresser. «Was dem Fut-

ter fehlt, fehlt dem Pferd!» sagen wir bei ST.HIPPOLYT. Von den wichtigen Vitalstoffen sprechen Sie im Artikel gar nicht. Die Vitalstoffe werden auch von der traditionellen, einseitig rentabilitätsorientierten Futtermittelindustrie schlicht und einfach «vergessen». Stellen Sie sich doch einmal vor, ein Mensch müsste 23 Stunden in einer Telefonzelle im Kreis herum drehen, und danach eine Stunde gearbeitet werden. Zum Dank bekäme dieser Mensch dann jeden Tag eine Mahlzeit im Fastfood-Restaurant. Dann beginnen die Leute mit Flickwerk, Pülverchen und ohne Konzept zu füttern. Gleichzeitig bauen die Pensionsgeber aus Kostengründen immer mehr Leistungen und damit Ernährungsqualität ab. Das ist doch in etwa brutal ausgedrückt die Realität unserer heutigen Pferdehaltung.

Gratulation zur ersten Ausgabe! Die Themenauswahl ist sehr gelungen, die Texte professionell und angenehm zu lesen – da möchte man das ganze Heft gleich auf einmal durchlesen. :-) Besonders gefallen hat mir der FütterungsText sowie der Bericht über Pius Schwizer. Dazu möchte ich auch gerne einen ersten kleinen Beitrag für die Pinnwand leisten. Er zeigt Loving Dancer bei seiner ersten Runde auf der Frühlingsweide. «Yiiiiiippppieeeee, die Weidesaison ist eröffnet!» :-) Ich habe ihn vor einem halben Jahr (mein erstes eigenes Pferd) bei Pius Schwizer gekauft und habe superviel Freude an ihm. :-)) Freundliche Grüsse Petra Wenger, Oberkulm

Christian Knupp Dipl. Futtermitteltechniker SFT ST. HIPPOLYT AG PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

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DYNAMISCHES REITEN SITZLEHRE, REITSTIL ODER LEBENSGEFÜHL? Ein Erfahrungsbericht von der Leserin Edith Rohrer. Sie ist Reitschülerin von Nirina Meyer und berichtet über ihren Weg zum dynamischen Reiten.

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Text: Edith Rohrer Fotos: Nirina Meyer

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ocker im Sattel durch Feld und Wald unterwegs sein. So habe ich mir das Reiten als Kind vorgestellt. Bei meinem ersten jugendlichen Reiterlebnis war ich mit einer Mädchengruppe unterwegs. Ich war die Einzige ohne Vorkenntnisse. Was die anderen dazu veranlasste, mir zu zeigen, wie gut sie schon im Sattel sassen. Entsprechend temporeich verlief dieser Reitausflug. Glücklicherweise bin ich nicht vom Pferd gefallen. Tags darauf schmerzte mir jedoch jeder Muskel. Aus dieser Erfahrung heraus entschloss ich mich, Reitstunden zu nehmen. Der Unterricht verlief leider nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es gab keinerlei Erklärungen der Fachbegriffe und ich hatte Mühe, die schroffen Kommandos des Reitlehrers umzusetzen. Nachdem ich auch hierbei nur knapp einem Sturz entging, war ich völlig frustriert. Auf solche Erlebnisse wollte ich künftig verzichten. Unter Tränen brach ich den Unterricht ab. Das Reiten wollte ich dennoch nicht aufgeben. Allerdings fehlte mir der Mut, mir einen neuen Lehrer zu suchen. Es ergaben sich für mich immer wieder verschiedenste Reitgelegenheiten. «Learning by Doing» lautete meine Devise. Obwohl ich nie ein eigenes Pferd hatte, lernte ich einiges. Meine Reitkenntnisse beruhten zunehmend auf Tipps anderer Reiter und Beobachtungen. Manchmal fand ich interessante Infos in Fachbüchern, die ich dann beim nächsten Ausritt ausprobierte. Es genügte, um mich als halbwegs passable Freizeitreiterin im Gelände bewegen zu können. Auf dem Pferderücken die Natur zu erleben, das genoss ich sehr. Dass mir nach dem Reiten die Beine vom Treiben wehtaten oder Arme vom Zurückhalten schmerzten, das lag meiner Ansicht nach am Typ des jeweiligen Pferdes. Als Reiter muss man das eben in Kauf nehmen. Davon war ich zu diesem Zeitpunkt fest überzeugt. Was mich später bewog, einen erneuten

Körpersprache: Zusammen Takt, Rhythmus, Einklang finden.

Beckenboden und Gesässmuskulatur rund um die Sitzknochen lösen.

Anlauf in Sachen Reitunterricht zunehmen, war der Wunsch, ausgesessen traben zu können. Reiter, die beim Traben entspannt im Sattel sitzen blieben, hatten meine volle Bewunderung. Oft genug hatte ich es selbst probiert. Mit dem Resultat, dass ich völlig durchgeschüttelt, mit Seitenstechen, in den Schritt wechselte. So sehr ich mich auch abmühte, es gelang mir nicht, locker zu bleiben. Im Gespräch mit einem Reitkollegen erzählte ich von meinem «Trab-Problem». Verständnisvoll nickend, empfahl er mir die Reitschule von Nirina Meyer. Auch als langjähriger Reiter habe er eine Menge von ihren Unterrichtsmethoden profitiert. Neugierig geworden, meldete ich mich zum Reitunterricht an.

Pferd am Strick rund um den Platz führen, hiess die erste Anweisung. «Beide auf Schulterhöhe nebeneinander. Gleichmässig atmen. Beim Losgehen einatmen, Oberkörper leicht nach vorn, Schritt.» Sicher hatte ich ein Pferd schon am Strick geführt, aber nicht so auf das Wie geachtet. «Reiter und Pferd müssen einander spüren, miteinander kommunizieren, dass findet durch Körpersprache und durch Worte statt. Wenn die Kommunikation am Boden klappt, dann funktioniert es auch im Sattel», erklärte mir meine neue Reitlehrerin. Ich lernte, auf die Körperhaltung des Pferdes zu achten, und ebenso auf meine eigene. Für mich tat sich eine neue Welt auf. Erstaunlich, was man bereits vom Boden aus bewirken kann.

KOMMUNIKATION BEGINNT AM BODEN Schon die erste Reitstunde begann mit einer komplett neuen Erfahrung, bisher kannte ich nur englische Sättel. Bei Nirina Meyer sass ich zum ersten Mal auf einem Malibaud-Sattel. Nach einer kurzen Einführung ging es auf zum Reitplatz. Meine Erwartung: Aufsitzen, Kommandos und fachliche Hinweise. Doch weit gefehlt. Das

EINSTIEG INS DYNAMISCHE REITEN Später sass ich an der Longe im Sattel. Im Schritt ging es nur darum, die Bewegungen des Pferdes zu spüren. Nie zuvor hatte ich so genau darauf geachtet. Allerdings spürte ich auf eine unangenehme Weise meine Sitzknochen. Die Anweisung, tief zu atmen und das Becken zu entspannen, half nur teilweise. Eine Weile ein weicher Ball unter einer Gesässhälfte, während das

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Balance gerade aus (links), in Balance nach links reiten (mitte), unbalanciertes nach links reiten (rechts).

Verspannter und unbalancierter Reiter: Das Pferd antwortet authentisch mit Ohren litzen, Schweifschlagen und Rücken wegdrücken.

Pferd weiter im Schritt ging, zeigte den gewünschten Erfolg. Eine zusätzliche Möglichkeit, Blockaden zu lösen, bot auch der Balimo-Stuhl von Eckart Meyners mit beweglicher Sitzfläche. Ein bewegliches Becken ist für das dynamische Reiten das A und O, denn nur so kann man den dreidimensionalen Pferdebewegungen folgen. Die nächste Stunde startete wieder mit Bodenarbeit, und dann im Sattel Entspannungsübungen für die Beine. Aus dem Steigbügel, ganzes Bein anspannen, loslassen, wiederholen. Dann kam wieder der weiche Ball zum Einsatz. Er wurde unter meinem Oberschenkel platziert. Bei jeder Bewegung des Pferdes sollte die Schenkelmuskulatur entspannt darüberrollen. Ziel war es, konstant verspannte Muskeln zu 38

Dynamisch entspannter Wasserspass – mit Mentaltraining können positive Erlebnisse aktiviert und in anderen Situationen als Ressource genutzt werden.

lockern, denn nur dann ist es möglich, selbst die feinsten Bewegungen des Pferdes wahrzunehmen. GEFÜHLTER RHYTHMUS, GEZIELTE HILFEN Ebenso wichtig ist es, die Balance immer wieder neu zu finden. Sich zu zentrieren. Grosse Mühe hatte ich beim Reiten einer Volte. Immer wieder neigte sich mein Oberkörper zu stark auf die Innenseite. Da ich gut mit inneren Bildern arbeiten kann, nutzten wir dies für den Reitunterricht. Bei der Vorstellung, in einer Manege meine Runden zu drehen und dabei in die Zuschauermenge zu lächeln, löste sich mein Haltungsproblem. Um das Ganze zu PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

unterstützen, übten wir auch mit einem Latex-Gymnastikband. Mit dieser Teamarbeit von Mensch und Pferd entwickelte ich ein zunehmend sensibleres Gespür für das gemeinsame Zusammenwirken. Was Nirina Meyer und mir dabei zu Gute kam, war, dass wir beide über Kenntnisse aus dem orientalischen Tanz verfügen und bei Beckenübungen darauf zurückgreifen konnten. Kreisen, loslassen und dabei im Gleichgewicht bleiben. Ganz allmählich näherte ich mich der Basis des dynamischen Reitens. Entspannen, zentrieren, durchlässig sein im Sinne von passivem Mitgehen der Pferdebewegung. Den Rhythmus spüren und dabei das Gefühl von Leichtigkeit gemeinsam erle-


Portrait Nirina Meyer (Ausbilderin fĂźr Mensch und Pferd, Mental-Trainerin) Dynamisches Reiten ist die Kombination von KĂśrpersprache, Bewegungslernen und mentalem Training im Reitunterricht â&#x20AC;&#x201C; fĂźr ein dynamisch-leichtes Reiten. Diese Kombination habe ich im Verlauf meines Lebens gefunden. Auf dem Bauernhof meiner Grosseltern konnte ich von Kindsbeinen an mit Pferden aufwachsen. Als Jugendliche Ritt ich Dressur- und SpringprĂźfungen mit Begeisterung. Gleichzeitig wagte ich, die damals Ăźbliche Pferdehaltung und Reitweise zu hinterfragen. Ich spĂźrte schon frĂźh, dass vieles davon nicht der Natur des Pferdes entsprach. Auf der Suche nach Alternativen hat mich mein starkes BedĂźrfnis nach einer herzlichen Beziehung mit Pferden und Leichtigkeit beim Reiten geleitet. Viel Wunderbares habe ich mit Pferden erlebt. Und wunderbare Erlebnisse mĂśchte ich fĂźr andere ermĂśglichen, an meiner seit 2001 bestehenden Reitschule. Nach der Matura (Sport und Musik) arbeitete ich vorerst in Ausbildungsställen verschiedener Reitweisen (Western, Gangpferde, Bettina SchĂźrer) und machte den Trainer C SFRV. Centered Riding und Feldenkrais-Trainings-Gruppen erweiterten mein Bewegungsverständnis. KĂśrperbewusstsein schulen: Diagonale Verbindung herstellen zwischen links-rechts-oben-unten.

ben. Es bedeutete fĂźr mich intensives Ă&#x153;ben, bevor es mir gelang, mit entspanntem KĂśrper und vorausschauender Präsenz zu reiten. Ein verspannter Reiter behindert das Pferd in seiner Bewegung. Mit dem Resultat, dass das Pferd unwillig vorwärts geht und dem Reiter vom angestrengten Treiben die Beine schmerzen. Beim dynamischen Reiten werden Anspannungen gezielt eingesetzt. Was natĂźrlich nur funktioniert, wenn die KĂśrperpartie zuvor entspannt war. Kurz und klar ändern sich dann fĂźr das Pferd die Signale, dabei gilt folgende Reihenfolge: zuerst ein Gewichtsimpuls mit dem Becken, falls nĂśtig ein Schenkeleinsatz und dann eventuell eine ZĂźgelhilfe. Gearbeitet wird mit dem Grundsatz: ÂŤSo viel wie nĂśtig, so wenig wie mĂśglich.Âť Ich stelle mir vor, dass der Impuls von meiner KĂśrpermitte auf dem PferderĂźcken Wellen auslĂśst. Wie ein Stein, der in einen Teich fällt. Aus jeder dieser Bewegungen heraus resultiert Energie, die ein GefĂźhl auslĂśst, wie bei einer Gleichung. E (Energie) plus Motion = Emotion. Ausgesessen traben kann ich inzwischen. Was allerdings noch viel wichtiger war, ist das Erkennen und Erleben, was dynamisches Reiten fĂźr mich persĂśnlich bedeutet: gegenseitiges Vertrauen, sich auf das neue KĂśrperbewusstsein einlassen und mit dem Herzen reiten.

klang herstellen kann, nimmt er auf das Pferd als Ressource mit. Deshalb beginnt dynamisches Reiten am Boden. In der gleichen Phase habe ich durch KĂśrperarbeit und Tanzunterricht bei Marlies Kataya (Bewegungspädagogin, Oriental Dance Teacher) mein KĂśrperbewusstsein und meinen Gleichgewichtssinn wiedergefunden. Mit erlebbarer Anatomie und organischem Lernen erlebte ich, wie sich Verspannungen lĂśsten. Bewegungen und Koordination der einzelnen Gliedmassen wurden harmonischer. Der KĂśrper ruht mehr in seiner Mitte, sodass die KĂśrperhaltung aufrecht und entspannt ist. Das Resultat dieses Trainings unterstĂźtzt die Leichtigkeit beim Reiten. Wir begannen, intensiv zusammen zu arbeiten, um die Arbeit am eigenen KĂśrper aufs Reiten anwenden zu kĂśnnen. Dabei entstanden die Kurse ÂŤDie dreidimensionale Beckenbewegung und SitzhilfenÂť, ÂŤLosgelassene Beine â&#x20AC;&#x201C; Schenkelhilfen im richtigen TimingÂť und ÂŤweiche Schultern â&#x20AC;&#x201C; feine HandÂť. Schnupperkurse und Seminare ďŹ nden im Raum ZĂźrich, Solothurn und St. Gallen statt. www.dynamisches-reiten.ch

Aufgrund all dieser Erfahrungen kann ich sagen, das Wesentliche beim Reiten ist: UĂ&#x160; iâÂ&#x2C6;iÂ&#x2026;Ă&#x2022;Â&#x2DC;}Ă&#x160; Ă&#x2022;Â&#x2DC;`Ă&#x160; Â&#x153;Â&#x201C;Â&#x201C;Ă&#x2022;Â&#x2DC;Â&#x2C6;Â&#x17D;>Ă&#x152;Â&#x2C6;Â&#x153;Â&#x2DC;Ă&#x160; Â&#x201C;Â&#x2C6;Ă&#x152;Ă&#x160; `iÂ&#x201C;Ă&#x160; Pferd ist rassenunabhängig. UĂ&#x160; Â&#x2C6;iĂ&#x160;ÂŤÂ&#x2026;Ă&#x17E;Ă&#x192;Â&#x2C6;Â&#x17D;>Â?Â&#x2C6;Ă&#x192;VÂ&#x2026;iÂ&#x2DC;Ă&#x160;Ă&#x2022;Â&#x2DC;`Ă&#x160;LÂ&#x2C6;Â&#x153;Â&#x201C;iVÂ&#x2026;>Â&#x2DC;Â&#x2C6;Ă&#x192;VÂ&#x2026;iÂ&#x2DC;Ă&#x160;isetze, denen die KĂśrper von Pferd und Reiter ausgesetzt sind, sind immer die Gleichen, egal welchen Hut der Reiter und welchen Sattel das Pferd trägt. UĂ&#x160; iĂ&#x160;vÂ&#x153;Ă&#x20AC;Ă&#x152;}iĂ&#x192;VÂ&#x2026;Ă&#x20AC;Â&#x2C6;Ă&#x152;Ă&#x152;iÂ&#x2DC;iĂ&#x20AC;Ă&#x160;`Â&#x2C6;iĂ&#x160;}iĂ&#x20AC;Â&#x2C6;Ă&#x152;Ă&#x152;iÂ&#x2DC;iĂ&#x160;iÂ&#x17D;Ă&#x152;Â&#x2C6;Â&#x153;Â&#x2DC;Ă&#x160;Â&#x2C6;Ă&#x192;Ă&#x152;]Ă&#x160; desto zentraler sind Balance und zĂźgelunabhängiger Sitz als Basis. UĂ&#x160; Â&#x2DC;Â&#x2DC;iĂ&#x20AC;iĂ&#x160;i`>Â&#x2DC;Â&#x17D;iÂ&#x2DC;Ă&#x160;Ă&#x2022;Â&#x2DC;`Ă&#x160; Â&#x201C;Â&#x153;Ă&#x152;Â&#x2C6;Â&#x153;Â&#x2DC;iÂ&#x2DC;Ă&#x160;`iĂ&#x192;Ă&#x160;,iÂ&#x2C6;Ă&#x152;iĂ&#x20AC;Ă&#x192;Ă&#x160; beeinďŹ&#x201A;ussen das Pferd in hohem Masse. UĂ&#x160; ,iÂ&#x2C6;Ă&#x152;iÂ&#x2DC;Ă&#x160;Â&#x2C6;Ă&#x192;Ă&#x152;Ă&#x160;,Â&#x2026;Ă&#x17E;Ă&#x152;Â&#x2026;Â&#x201C;Ă&#x2022;Ă&#x192;°Ă&#x160;,Â&#x2026;Ă&#x17E;Ă&#x152;Â&#x2026;Â&#x201C;Ă&#x2022;Ă&#x192;Ă&#x160;Â&#x2C6;Ă&#x192;Ă&#x152;Ă&#x160;iLiÂ&#x2DC;Ă&#x160;Ă&#x2022;Â&#x2DC;`Ă&#x160; Leben ist Rhythmus.

Kursdaten ÂŤDynamisches ReitenÂť 2. September 2012 ÂŤDie dreidimensionale Beckenbewegung und SitzhilfenÂť mit N. Meyer und M. Kataya in 8496 Steg 29. September 2012 ÂŤKĂśrpersprache mit dem PferdeÂť in 8127 Forch/KĂźsnacht

Nach einem Schleudertrauma konnte ich ein Jahr nicht mehr reiten, weil mein Gleichgewichtssinn beeinträchtigt war. Diese Zeit nutzte ich, um intensiv an der Kommunikation mit dem Pferd mittels KĂśrpersprache weiter zu forschen. Sich dynamisch zu bewegen, zusammen einen Rhythmus spielen, Gleichklang ďŹ nden; das ist die Sprache und das Leben der Pferde. Alles, was ein Mensch am Boden mit einem Pferd an Gleich-

30. September 2012 ÂŤDynamisches ReitenÂť in 8127 Forch/KĂźsnacht

Feinste Bewegungsmuster optimieren: Schwungvoll vorwärts dank minimalem Treiben ohne Anspannung des Beckenbodens und . . .

. . . vorwärts-abwärts als Geschenk!

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7. Oktober 2012 Schnupperkurs ÂŤDynamisches ReitenÂť, Stall Luci, 8835 Feusisberg 21. Oktober 2012 Schnupperkurs Dynamisches Reiten, Weidhof ÂŤNatur und FormÂť, 9651 EnnetbĂźhl

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Text und Fotos: Heidrun Weiss, © 2012 sensehorse AG

SPRECHEN OHNE WORTE Die Sprache der Pferde als Leitfaden für den täglichen Umgang mit unserem Partner Pferd Am meisten freut es mich, Menschen und Pferden in ihrer Entwicklung zu helfen, um gemeinsam eine bessere Performance zu erreichen. Arbeiten wir im täglichen Umgang mit Pferden in deren «Sprache», ohne Worte, mit unserer Körpersprache, so können wir auf dieser Grundlage Vertrauen aufbauen und uns so gemeinsam weiterentwickeln. Diese Form des Lernens, basierend auf einer gemeinsamen Sprache, wird dem Wesen und der Art der Pferde gerecht und gibt uns die Möglichkeit, gemeinsame Ziele zu erreichen.

chen. Arbeiten wir jedoch konsequent in der Sprache der Pferde, so können wir auf dieser Grundlage ein gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Im Rahmen dieser Serie berichte ich euch aus meiner täglichen Arbeit mit Menschen und Pferden. Es würde mich freuen, wenn ihr beim Lesen Impulse für euer eigenes Lernen mit den Pferden bekommt.

Abwechslungsreiches Training in der Sprache der Pferde gibt der 4-jährigen Stute Lil Bit Vertrauen – heute in einem Bachbett.

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m meisten freut es mich, Menschen und Pferden in ihrer Entwicklung zu helfen, um gemeinsam eine bessere Performance zu erreichen. Die Grundlage hierfür ist, dass wir beide die gleiche Sprache sprechen. Im Fall des Pferdes ist es ausschliesslich die Körpersprache, über welche die Kommunikation in der Herde funktioniert. Wir können uns ohne Worte zum Beispiel auf der Weide, beim Putzen oder auch auf dem Reitplatz bewegen, und es findet trotzdem unweigerlich durch unsere Bewegungen und unsere Körperhaltung eine Kommunikation statt. Gewollt oder ungewollt kann dies unser gegenseitiges Vertrauen festigen, aber genauso auch einmal schwä40

DAS UNBEWUSSTE BEWUSST MACHEN «Heute mache ich Bodenarbeit» – «Heute gehen wir in die Reitstunde» – Das Training und damit auch die Kommunikation mit unseren Pferden beginnt jedoch schon vorher. Ab dem Moment, wo unser Pferd uns sieht, wenn wir es aus der Box oder aus dem Offenstall holen, wird es unsere Körpersprache lesen. Es wird genau hinschauen, wie wir unsere Augen bewegen und wohin unsere Blicke gehen, wie unsere Schultern die Bewegungen des Rumpfes vorwegnehmen oder auch ob unser Puls vielleicht heute schneller schlägt als normal. Schliesslich wollen wir ja heute trainieren! Unser Körper sendet so, ohne dass uns dies oftmals bewusst ist, nonverbale Signale aus, Signale welche keine Worte sind, welche unsere Pferde aber dennoch wahrnehmen. Kann ich meinem Menschen heute vertrauen? Versteht er mich? Wir Menschen haben es heute meist verlernt, diese PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

Kein Weg ist zu schwer und kein Hindernis zu gross – im Team überqueren wir sogar abenteuerliche Brücken.

verdeckten Signale unseres Körpers wahrzunehmen und auch gezielt zu nutzen. Die Kommunikation der Pferde stützt sich aber ausschliesslich auf das Lesen und Senden von Körpersignalen ab. In jeder Situation verständigen sich Pferde so miteinander. Wollen wir also auf das natürliche Lernverhalten unserer Pferde eingehen, so müssen wir lernen in ihrer Sprache

Dokufilm «Pferdeflüstern für Manager» Das Schweizer Fernsehen SF1 strahlte 2011 eine zweiteilige Dokumentarsendung im Rahmen der Sendereihe «Tierische Freunde» über die Arbeit von sensehorse® aus. Wegen des grossen Erfolges wurde sie 2012 nochmals wiederholt.


Das Auge – es verrät sehr viel über das Empfinden unserer Pferde.

zu arbeiten. Wir müssen uns unserer eigenen Körpersprache bewusst werden. Denn wirkliches Vertrauen kann man nur lernen, wenn man die gleiche Sprache spricht. Und dieses gemeinsame Lernen beginnt bereits in der Box, im Paddock oder auf der Weide. Versucht doch selbst einmal, euer Pferd nur mit eurer Körpersprache zu bewegen. Es ist ein wunderbares Gefühl! SANFTE AUGEN SCHAFFEN VERTRAUEN Wenn du bewusst darauf achtest, wie du deinen Körper einsetzt, so merkst du schnell dass die Augen eine wichtige Rolle bei dieser lautlosen Kommunikation spielen. Die Tatsache, dass bei uns Menschen die Augen, wie übrigens bei allen Raubtieren, nicht seitlich am Kopf sondern frontal in unserem Gesicht sitzen, erleichtert uns das räumliche Wahrnehmen. Wir können den Blick schärfen, etwas was vor uns liegt, gezielt anschauen. Das Fluchttier Pferd hingegen hat ein Blickfeld von nahezu 360° Grad. Es kann die gesamte Umgebung wahrnehmen um Gefahren frühzeitig zu erkennen. Dabei nimmt es feinste Bewegung wahr, wie die unserer Augen. Für das Pferd wirken die Augen des Menschen durch ihre frontale Position

nicht gerade vertrauenerweckend. Wie ein Raubtier üben wir mit den Augen auch Druck auf das Pferd aus, indem wir es zum Beispiel fokussieren. Im Umgang ist es also besonders wichtig, dass wir die Bewegung und den Ausdruck unserer Augen steuern können. Sind sie sanft und nehmen wir mit ihnen zum Beispiel nicht nur ein bestimmtes Detail, sondern das Pferd als Ganzes wahr, so schafft dies Vertrauen. Wenn dein Pferd aus freien Zügen zu dir kommt oder dir folgt, so muss dies nicht immer ausschliesslich auf Vertrauen basieren. Vielleicht kommt es uns zu nahe und wir wollen dies gar nicht. Beruht die Partnerschaft jedoch auf der Sprache der Pferde, so können wir mit unseren Körpersignalen und mit unseren Augen ganz natürlich jederzeit die Position und die Geschwindigkeit unserer Pferde kontrollieren. Diese Form der Kommunikation ist artgerecht und fördert die natürliche Entwicklung unserer Tiere. So können wir wirklich gemeinsame Ziele erreichen! In der Herbstausgabe möchte ich den Blick auf eure Hände und die Wirkung eurer eigenen Bewegung lenken. Mit unserem Körper können wir weit mehr ausdrücken, als landläufig die Meinung ist.

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Heidrun Weiss ist Gründerin des «sensehorse® center for performance» und unterrichtet Menschen und Pferde aus der ganzen Schweiz. Ihre Trainingsphilosophie beruht auf «Führung durch Vertrauen». Als zertifizierte Monty-Roberts-Instruktorin setzt sie sich für einen gewaltfreien Umgang mit Pferden ein. sensehorse AG Postfach, 8124 Maur Telefon 044 577 07 80 info@sensehorse.com www.sensehorse.com

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S TA L L G E S P R Ä C H

JASMIN GAMBIRASIO CONCOURS COMPLET

Welches ist Ihr aktuelles Lieblingspferd und weshalb? Ich kann nicht genau sagen, welches mein Lieblingspferd sein sollte. Ich liebe alle meine Pferde. Jedes auf seine eigene Art. Natürlich habe ich zu meinem Top-Pferd Fiéro, das wir selbst gezüchtet haben, eine sehr enge Beziehung. Fiéro reite ich am längsten und hatte mit ihm auch die meisten Erfolge. Wie motivieren Sie Ihr Pferd? Da mein Sport aus drei Disziplinen besteht, ist das Training entsprechend abwechslungsreich. Meine Pferde wissen auch genau, dass sie nach einer grossen Prüfung zwei bis drei Tage eine Weidepause verdient haben.

Interview: Ruth Müller Fotos: Ruth Müller/zVg Privat

Wann und wie hatten Sie erstmals Kontakt mit Pferden? Als Dreijährige bekam ich ein Mini-Shetty namens Maika. Auf ihm habe ich mit Reiten angefangen. Was fasziniert Sie am Pferd? Ich finde es spannend und schön, dass jedes Pferd einen anderen Charakter hat und eine neue Herausforderung ist. Und dass man über die Jahre zu einem richtigen Team wird. Was haben Sie von den Pferden gelernt? Mein Pferd ist mein Partner, und ich trage eine grosse Verantwortung. Besonders im Cross ist es sehr wichtig, dass mein Pferd mir vertrauen kann und ich ihm.

Welche ist Ihre schönste, welche Ihre traurigste Erfahrung mit den Pferden? Besonders traurig war, als ich mein Sportpony Lord verkaufen musste. Er stammte aus unserer Zucht, und ich bildete ihn selber aus. Als Höhepunkt konnten wir 2006 an der Pony-EM in Saumur teilnehmen. Da ich danach zu alt war, um Ponys zu reiten, mussten wir ihn leider verkaufen. – Meine schönste Erfahrung war bis anhin der grosse Erfolg mit unserem Fiéro. 2007 begann ich, ihn an Turnieren zu reiten. Gemeinsam nahmen wir seither an zwei Junioren- und drei Junge-Reiter-Europameisterschaften teil. Mit ihm erreichte die Qualifikation bis in die 3-Sterne-Kategorie und somit den Aufstieg ins Elite-Kader.

Was ist Ihnen im Umgang mit Pferden besonders wichtig? Fairness, Geduld und Ruhe. Persönlich Welche Pferdemenschen haben Sie speziell geprägt? Am meisten hat mich meine Mutter geprägt. Sie ist Bereiterin, hat mich immer gut gefördert und unterstützt. Wieviel Zeit verbringen Sie rund ums Pferd? Nach meinem KV-Abschluss vor einem Jahr konzentriere ich mich momentan ganz auf den Reitsport. Ich verbringe eigentlich den ganzen Tag mit den Pferden. Welcher Bereich ist Ihre Passion? Das Eventing. Hauptsächlich wegen der grossen Abwechslung. Im Eventing muss man alle drei Disziplinen können und trainieren. Das ist das Spannende und Interessante in diesem Sport. Von Harmonie bis zu Geschwindigkeit, Mut, Ausdauer und Technik ist alles mit dabei. 42

Wohnort Geburtsdatum Beruf Verein Lizenz Eigene Pferde Traumpferd

Eppenberg SO 5. Oktober 1990 Kauffrau/Profireiterin KRV Aarau R-Springen Fiéro II CH, Duke of CH, Thats it, Knight life Es gibt viele tolle Pferde, die ich gerne hätte. Besonders gut gefällt mir das Pferd Rayef von Laura Collet Vorbild Dirk Schrade, Michael Jung, Marcus Ehning, Steve Guerdat Grösste Erfolge Teilnahme an sechs Europameisterschaften, Schweizer Meisterin Junioren, Silbermedaille Schweizer Meisterschaft Junge Reiter, CCI3*-Qualifikation in Boekelo (NED) 2011, Sprung vom Kader Junge Reiter direkt ins Elite-Kader Ziel Elite-EM in Malmö (SWE) 2013 Lebensmotto Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

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Import von Pferden reiner spanischer Rasse PRE Die Suche nach dem Traumpferd kann schwierig und langwierig sein. Gerade für Liebhaber von hierzulande seltenen Rassen mit wenig Nachzucht, erscheint dann der einfachste Weg, das Pferd aus dem Ursprungsland zu importieren. Doch dieser Weg kann auch ein weiter sein. Anita Hettich ist Züchterin und Herdebuchführerin von Pferden reiner spanischer Rasse PRE in der Schweiz und hat immer wieder mit enttäuschten Besitzern solcher aus Spanien importierter Pferde zu tun. Im folgenden Bericht hat sie ihre Gedanken und Erfahrungen zu diesem Thema zusammengefasst.

Text: Anita Hettich Fotos: A. Hettich, Maya Schmid

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n der Schweiz werden jährlich 12 bis 15 PRE-Fohlen geboren. Weltweit sind es ca. 18 000, davon rund 14 000 in Spanien. Einige werden im Bauch ihrer Mütter importiert, die meisten aber sind gezielte Anpaarungen, vorgenommen von den wenigen Züchtern dieser Rasse, die es in der Schweiz gibt. Die Anzahl importierter erwachsener Pferde kann nur geschätzt werden, vermutlich ca. 60 Tiere pro Jahr. Der Anteil importierter Pferde ist in jedem Fall deutlich höher als die Anzahl in der Schweiz geborener PRE-Pferde. Die Gründe dafür sind vielfältig.

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Viele Pferdebegeisterte reisen nach Spanien, sei es zum Reiturlaub oder gezielt auf der Suche nach einem Pferd reiner spanischer Rasse. Das Angebot im Ursprungsland ist sehr gross und bezieht sich auf Pferde jeden Alters und jeder erdenklichen «Lackierung», also Farbe. Das Pferd reiner spanischer Rasse besticht nicht zuletzt durch seine Schönheit auf Grund der ihm typischen runden Körperformen, dem grossen Auge und dem sehr freundlichen Wesen. Es darf also nicht erstaunen, wenn optische Anreize wie lange Mähne, Farbe sowie der stets freundliche Charakter die prägenden Kriterien des durchschnittlichen, an PRE interessierten Publikums sind. Leider wird dabei oft vergessen, dass man auf der Suche nach einem Reitpferd ist (das Pferd sollte im Normalfall dann auch geritten werden, und in der Regel

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träumt der zukünftige Reiter von höheren dressurmässigen Lektionen, für welche die Rasse ja begabt zu sein scheint). Reitpferdepunkte beziehen sich nun mal aber nicht auf die Länge der Mähne und auch nicht auf die Farbe eines Tieres. Entscheidender sind Gebäude, Gangvermögen, Charakter und sehr wichtig, der bisherige Werdegang eines Reitpferdes. Die artgerechte Aufzucht und die bisherige Ausbildung sind dabei zentrale Faktoren. Denn bekanntlich ist Korrigieren viel aufwendiger als fundierte Grundausbildung. Oben genannte Umstände und die Tatsache, dass ein Züchter und Händler sowieso immer bestrebt sein wird, nicht die besten Tiere als Erstes zu verkaufen, wird oft vergessen. Mit der Unerfahrenheit von Käufern wird nicht selten ein gutes Geschäft gemacht, denn auch beim Pferdekauf gilt: Teures ist nicht immer gut, aber Gutes immer teuer. Der Glaube an das


Traumkulissen ver채ndern die Optik.

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PRE-Geburt in der Schweiz.

«einmalige» Schnäppchen ist ein Irrglaube, trotz Wirtschaftskrise. Diese hat lediglich bewirkt, dass die Fantasiepreise, die davor erzielt wurden, nicht mehr der Tagesordnung angehören. In der Schweiz geborene PREs haben den grossen Vorteil, von klein an an die hiesigen Gegebenheiten gewohnt zu sein, mit dichtem Verkehrsaufkommen, Spaziergängern, Bikern und vielem mehr, und ihr Werdegang ist in der Regel lückenlos zurückzuverfolgen. Zudem ist ein ortsansässiger Züchter immer darauf bedacht, seine Kunden gut zu beraten, denn er bleibt als Kontaktperson erhalten. Keinerlei Probleme haben PRE-Pferde mit der Klimaveränderung. Auch in Spanien ist es in vielen Gebieten im Winter kalt und die spanische Gluthitze des Hochsommers wird von den Pferden hierzulan-

Auswahl im Ursprungsland ist gross.

de nicht wirklich vermisst. Allerdings kann man beobachten, dass PREs bei Temperaturen über 30 Grad immer noch putzmunter sind, während nordische Rassen da oft schon etwas träger werden. Ein Pferdekauf ist mit vielen, sehr persönlichen Entscheiden verbunden. Sollte man sich dazu entscheiden, ein Pferd in Spanien zu suchen, erscheint es mir sehr wichtig, sich der eigenen Fähigkeiten gut bewusst zu sein und gegebenenfalls Unterstützung in Anspruch zu nehmen (Landessprache, Erfahrung mit der Rasse). Eine Ankaufsuntersuchung macht in jedem Fall Sinn, dabei sollte nicht vergessen werden, dass veterinärmedizinische Produkte in Spanien mehr oder weniger frei zugänglich sind und auch deutlich «freizügiger» eingesetzt werden. Ist ein Pferd importiert, wird es relativ schnell kompliziert,

bei nachträglich festgestellten Problemen noch eine Veränderung am abgeschlossenen Handel zu erreichen. Aus der Sicht der Züchter macht Import von Pferden dann Sinn, wenn deren Qualität über dem Durchschnitt der bereits im Lande lebenden Tiere ist. Dies ist bei Weitem nicht immer der Fall. Finanzielle Argumente («Schnäppchenjagd») haben sehr oft kurze Beine, denn mit Import, eventueller Kastration und anderen Folgekosten bleibt der neue Pferdebesitzer selten unter dem Preis der in der Schweiz angebotenen Pferde bei vergleichbarer Qualität. Oft spielt sicher Abenteuerlust eine Rolle beim Entscheid, ein Pferd in Spanien zu suchen. Dieses Urteil kann ich mir als langjährige Züchterin dieser Rasse mit vielen besuchten Zuchtschauen und auch guten

jeweiligen Zuchtverbänden, welche in Zusammenarbeit mit der ANCCE die Fohleneintragungen überprüfen, Körungen organisieren, Deckscheine ausstellen und so weiter. Für die Schweiz ist dies der AECE (Asociation des éléveurs de chevaux espagnols) und innerhalb dieser Organistaion führe ich seit 2005 das Herdebuch für die Schweiz. Neben den korrekt registrierten Pferden gibt es in der Schweiz eine Vielzahl von Pferden, welche als Reitpferde importiert werden, bei welchen aber nie eine korrekte Handänderung vorgenommen wurde und die somit der Herdebuchstelle auch nicht gemeldet sind. Zu einem PRE gehört nebst dem spanischen Equidenpass, der das Pferd identifiziert, auch die «Carta de titularidad», die Besitzstandeskarte (obligatorisch seit 1.1.2007), welche den aktu-

ellen Besitzer über den rechtmässigen Besitz eines PRE-Pferdes ausweist. Wird ein PRE-Fohlen geboren, meldet der Züchter die Geburt der zuständigen Herdebuchstelle. Mittels DNA-Analyse per Blutprobe wird die angegebene Abstammung überprüft und das Fohlen gechipt (obligatorisch seit 2000). Es erfolgt die Eintragung in das Geburtenbuch in Spanien und das Fohlen erhält seine Originaldokumente (Pass und Besitzstandeskarte, letztere immer ausgestellt auf den aktuellen Besitzer der Mutterstute). Im Alter von 3 Jahren kann das Pferd zur Basiskörung vorgestellt werden, nur ein Fohlen aus zwei basisgekörten Elterntieren kann wiederum ins Geburtenbuch der PRE eingetragen werden. Diese Regeln gelten für alle PRE-Pferde unabhängig ihres Geburtslandes.

Das Herdebuch In der Schweiz leben rund 450 im Herdebuch eingetragene reinrassige PRE-Pferde. PRE ist die Abkürzung für «Pura Raza Española», die Rasse wird im Volksmund immer noch fälschlicherweise als «Andalusier» betitelt. Der PRE ist ein in einem geschlossenen Herdebuch gezüchtetes Pferd. Das heisst, es ist keinerlei Einkreuzung von Fremdblut gestattet. «Andalusier» ist keine geschützte Bezeichnung und somit in etwa gleichzusetzen mit «Cruzado», also einem Kreuzungsprodukt unbekannter Herkunft. Die Aufsicht über die Zucht der PRE obliegt dem spanischen Staat, welcher aktuell die private Zuchtorganisation ANCCE (Asociacion National de Criadores de Caballos Españoles) mit der Führung des Herdebuchs betraut hat. Im Ausland werden Herdebuchstellen geführt mit den

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PREs fühlen sich auch im Winter wohl.

Platzierungen mit unseren eigenen Pferden, erlauben. Nicht vergessen sollte der zukünftige Pferdebesitzer auch die unterschiedliche Mentalität im Umgang mit Pferden. Ein optimal ausgebildetes Pferd, egal welcher Ausbildungsstufe, ist sehr konsequent, aber auch liebevoll erzogen worden. Ich überlasse es dem Leser, sich Gedanken darüber zu machen, welche Auswirkungen auf die durchschnittliche Pferdeausbildung die unterschiedliche Mentalität von Zweibeinern beider Regionen hat, in idealer Kombination aber entsteht in der Regel ein sehr gut erzogenes, gelassenes, freudig mitarbeitendes Reitpferd auf lange Sicht. Weder übertriebene Härte noch inkonsequenter Umgang mit dem Wesen Pferd führen zu diesem Resultat. Viel Geduld und ein klares Ausbildungskonzept

Aufzucht in belebtem Gebiet hat auch Vorteile (z.b Verkehrssicherheit)

aber schon, und das bedeutet nur eines: Aufwand. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, welche Region eher zu welcher Tendenz neigt. Und ich kann von mir sagen, dass ich Spanien und seine Menschen über alles schätze, es ist meine zweite Heimat. Das heisst aber nicht, dass ich die Augen verschliessen muss. Ein abrupter Wechsel im Umgang überfordert Pferde im Gegensatz zum Klimawechsel deutlich mehr und führt häufig zu Problemen im Alltag. Schweizer Züchter kastrieren Hengstfohlen in der Regel mit 2 bis 2½ Jahren. Dies gibt den heranwachsenden Pferden genügend Raum für geistige und körperliche Entwicklung, erlaubt ihnen aber auch ein pferdegerechtes Leben ohne Unterbrüche in der Entwicklung des Sozialverhaltens durch durchgehende Haltung in der Gruppe. Bei der hier üblichen Pferdehaltung mit Sozialkontakt unter den Pferden, in der Mehrzahl Stuten und Wallache, oft in Pensionsställen gehalten, und Betreuern mit wenig Hengsterfahrung, ist es schwierig, Hengste so einzustellen, dass ihr von Natur aus guter Grundcharakter auch langfristig erhalten bleibt. Hengste aus Spanien, welche in der Regel ab 2 Jahren in Einzelboxen, oft ohne Freilauf und direkten Kontakt zu Artgenossen leben, und dann plötzlich gut gemeinten neuen «Kontakten» ausgesetzt werden, reagieren darauf auch schon mal sehr heftig, da ihnen ein gutes Stück «Sozialisierungsprozess» in ihrem Leben fehlt. Beim Pferdekauf ist also viel Umsicht gefragt, unabhängig davon, ob ein Tier im In- oder Ausland erworben werden soll. Zudem ist es ein grosser Vorteil, wenn Entscheide nicht schnell gefällt werden müsPA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

Anita Hettich, geboren 1965, ist Physiotherapeutin und Hippotherapeutin. Seit 1997 führt sie gemeinsam mit ihrem Partner Beat Münger den Hof Scheyenholz in Rüfenacht bei Bern. Der Hof hat sich der Zucht von Pferden reiner spanischer Rasse PRE verschrieben, ist mit fast 40 am Hof geborenen Fohlen eines der grössten Gestüte der Schweiz. Zudem widmet sich A. Hettich der Ausbildung von Pferden und Reitern nach klassischen Grundsätzen. Ihr Wissen sammelte sie unter anderem bei Linda Tellington Jones, Juan Rubio (Oberbereiter der Hofreitschule in Jerez), Alfonso Aguilar, und Dr. Stefan Wachtarz, ehem. Leiter des Reitinstituts der Egon von NeindorffStiftung in Karlsruhe. Seit vielen Jahren nimmt der Hof Scheyenholz erfolgreich mit eigenen Pferden an Zuchtschauen in ganz Spanien teil und war bereits mehrmals qualifiziert für den Final (SICAB) in Sevilla. A. Hettich ist auch seit 2005 Herdebuchführerin für PRE-Pferde in der Schweiz.

sen, sondern viel Zeit dafür bleibt. Grundsätzlich gilt: Je erfahrener der Käufer desto schneller kann er entscheiden. Zu guter Letzt ist der Transport eines in Spanien erworbenen Pferdes gut zu überdenken. Günstige Sammeltransporte sind oft tagelang unterwegs, nicht immer mit optimaler Versorgung der Tiere. Jeder Pferdebegeisterte, der sich ein PRE-Pferd kaufen will, muss selber entscheiden, welchen Weg er gehen will. Ideal ist es bei diesem Weg, den Blick genau wie bei der Beurteilung eines einzelnen Pferdes auch, von Detailaspekten auch immer wieder auf die globalen Umstände lenken zu können. Nur so wird ein umfangendes Urteil und damit eine gute Basis für den Entscheid möglich. 47


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BEGEISTERNDE REITSPORTPRODUKTE FÜR DIE GANZE WELT

Der skandinavische Reitsportausrüster, kommt seinem übergeordneten Ziel «globaler Marktführer» immer näher, und auch in der Schweiz setzt horze immer stärkere Akzente.

Text und Foto: Zvg.

Was 1982 mit der Produktion und dem Vertrieb von Trabsportartikeln unter der Marke Finn-Tack begonnen hat, ist heute ein globaler Konzern, der seine Produkte unter der weltweit bekannten Marke horze verkauft. Aktuell publiziert horze Kataloge in 16 verschiedenen Sprachen, besitzt über 30 eigene Flagshipstores, arbeitet mit mehr als 2000 Fachhändlern zusammen und bietet seine Produkte in fünf von sieben Kontinenten zum Verkauf an. horze will möglichst alle Leistungen inhouse abdecken. Dies zeigt sich für den Endkunden vor allem im ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis. Die meisten horze-Produkte werden in der eigenen Produktion in Shenzhen in China hergestellt. Die Produktionsanlage ist ein Vorzeigeprojekt, die Angestellten leben, wohnen

und arbeiten im horze-eigenen Campus. Designt und entwickelt werden die Produkte am Hauptsitz in Oslo. Am zweiten Hauptsitz in Hollola (Finnland) wird die ganze Logistik, Produktion und Distribution gesteuert und überwacht, unter anderem auch die Verteilung in die drei gossen Warenlager in Holland (Europa), St. Petersburg (Russland) und Connecticut (Amerika). horze beschäftigt aktuell rund 600 fest angestellte Mitarbeitende. Diese Zahl wächst ständig, je weiter die Expansion voranschreitet. Die Reisportkunden scheinen die horze-Produkte zu mögen, und blättert man im aktuellen Katalog, so versteht man auch, was die Unternehmung mit begeisternden Reitsportprodukten für die ganze Welt meint.

horze engagiert sich an verschiedenen Pferdesport-Anlässen, so auch am CSIO Schweiz in St.Gallen, als offizieller Ausrüster. Dazu ein Interview mit dem Country Manager von horze Schweiz, Peter Tischhauser

Wie kamen Sie zum Engagement am CSIO St. Gallen? horze hat als Marke und Unternehmung ein ganz klares Ziel: «Wir wollen der weltweit führende Anbieter von Reitsportartikeln werden.» Wir suchen daher nach Partnern, die in der gleichen Liga spielen. Das CSIO St.Gallen ist Champions League, eines der renommiertesten Reitsportturniere überhaupt, die besten Nationen der Welt messen sich hier. Ein idealer Partner also für horze.

Mit welchem Ziel sind Sie Partner des CSIO St. Gallen? Zum einen ist es für uns eine grosse Freude, dass wir diese Partnerschaft überhaupt eingehen durften. Zum andern wollen wir mit diesem Engagement die Marke stärken, die Erkennbarkeit erhöhen und den Bekanntheitsgrad erweitern. Dort, wo begeisternder Reitsport zu Hause ist, ist auch horze zu Hause. Wie eingangs bereits erwähnt, ist das CSIO daher ein idealer Partner für uns.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen dem CSIO und horze? Wir sind offizieller Ausrüster des CSIO St. Gallen. Das heisst, dass wir alle Helfer, Volunteers und die Angestellten mit unseren Reisportartikeln ausrüsten.

Unterstützen Sie weitere Veranstaltungen in der Schweiz oder im Ausland? Unter dem Label «Team-horze» werden auf der ganzen Welt Reitsportprofis unterstützt und Nachwuchstalente gefördert. In der Schweiz unterstützen wir

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neben unserer Partnerschaft mit dem CSIO St. Gallen diverse lokale Veranstaltungen. Eine letzte Frage zum Schluss: Wo kann ich in der Schweiz horze-Reitsportartikel kaufen? Beim Reitsportfachhändler – wir verkaufen unsere Produkte in der Schweiz ausschliesslich über den Reitsportfachhandel. Mit dieser Strategie sind wir bis jetzt sehr gut gefahren und wollen auch in Zukunft daran festhalten.

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FIT FÜR DIE ALPEN WIE MACHEN ES DIE PROFIS? Peter van der Gugten ist Wanderreitführer und seit bald acht Jahren mit seinen Pferden im Hochgebirge Europas unterwegs. Er gibt Wanderreitseminare und führt Touren im Engadin, in den Vogesen und im Schwarzwald. Lesen Sie, wie sich dieser Profi mit seinen Pferden auf diese Herausforderungen vorbereitet. 50

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Text und Bilder: Peter van der Gugten

B

ei Vogelgezwitscher durch nebelverhangene Täler streifen, die Sonne wirft Ihre Strahlen durch die Bäume, die weiss gezuckerten Bergspitzen grüssen am frühen Morgen. Entspannt läuft mein Pferd am losen Zügel und ich geniesse die Freiheit, ungebunden unterwegs zu sein. Wir träumen alle davon . . . Bevor es losgehen kann, stellen sich jedoch viele Fragen. Wie trainiere ich mein Pferd auf die Anstrengungen eines solchen Rittes? Welche Ausrüstung brauche ich? Wie soll die transportiert werden? Kann mein Pferd das überhaupt? Pferde sind Wandertiere. Ursprünglich bewegten sie sich 20 bis 30 km täglich gemütlich grasend durch die Steppenlandschaften. Auch heute sind Pferde, die freien Weidezugang haben, pro Nacht bis 20 km weit unterwegs. Die Distanzen, die auf einem Wanderritt normalerweise zurückgelegt werden, sind für das Pferd also nichts Ungewohntes. Was dem unerfahrenen Pferd und Reiter aber Mühe machen kann, sind die mentalen Anforderungen, die so ein Wanderritt an das Pferd stellt. MENTALE ANFORDERUNGEN? Für das Pferd, das gewohnt ist, sich ausschliesslich in seiner sicheren Umgebung zu bewegen, kann so ein Wanderritt eine richtige Herausforderung sein. All die fremden Eindrücke, Geräusche, Gerüche, die fremde Umgebung, das anders schmeckende Wasser, die fremden Kräuter und Gräser, die können ein unsicheres Pferd schwer beeindrucken. Daher ist es wichtig, dass wir unser Pferd an diese Dinge gewöhnen und es darauf vorbereiten. Wir nehmen unsere Pferde mit ins Gelände oder verlassen die gewohnten Wege und beginnen mit dem Pferd neue Gebiete zu erkunden. Dabei kommen wir immer wieder an Situationen, die für das Pferd und den Reiter schwierig sind. Die Kuhherde, die an den Zaun gerannt kommt, oder die Fa-

milie, die mit Fahrrad und buntem Anhänger gerade vor uns die Strasse kreuzt. Wenn wir jetzt richtig reagieren, lernt das Pferd, dass es uns vertrauen kann, und dass diese Dinge keine Gefahr darstellen. Ruhig bleiben, das Pferd beruhigen und der Gefahr gelassen ins Auge sehen . . . Und immer wieder an der Weide entlang gehen, bis es für das Pferd und die Kühe klar ist, dass Angst hier fehl am Platz ist. Auf unseren drei- bis vierstündigen Trainingsausritten gehen wir anfangs viel Schritt, und achten darauf, dass das Pferd in einer gesunden Selbsthaltung läuft. Auch hier können wir das Pferd an den Zügel stellen und es in Versammlung zur Abwechslung auch mal kurze Trabstrecken gehen lassen, wobei wir darauf achten, dass immer mal wieder die Hand gewechselt wird. Wir reiten kleine Volten und Achten und trainieren unserem Pferd einen zügigen Schritt an. Dabei wollen wir das Pferd nicht beständig treiben müssen, sondern wenn möglich am losen Zügel selbständig zügig ausschreiten lassen. Die Arbeiten müssen klar getrennt sein. Als Reiter gebe ich die Richtung und das Tempo vor, als Pferd achte ich auf den Weg und auf meine Hufe. Später machen wir erste Tagesritte, an denen wir dann auch mal acht Stunden unterwegs sind, bergauf und bergab im leicht Sitz traben, und setzen dabei die Hinterhand gezielt ein. Gerne übernachten wir auch schon mal in einem fremden Stall bei Bekannten. Dabei nehme ich eine 25 000-Topokarte oder ein GPS mit, sodass ich gleichzeitig lerne, mich im unbekannten Gebiet zu orientieren und Karte zu lesen. So allmählich gewöhnt sich das Pferd ans Reisen, und wir können gemeinsam die Freiheit geniessen. Bei Gelegenheit nehmen wir an einem geführten Wanderritt teil, und beginnen mit der Vorbereitung auf unseren ersten grossen Ritt. AUSRÜSTUNG, GEPÄCK UND TRANSPORT Wie wollen wir unterwegs sein? Mit Trossfahrzeug, mit Gepäcktransport, mit Handpferd oder mit dem Gepäck am eigenen Sattel? Jede dieser Lösungen hat seine Vorund Nachteile, und je nach Komfortanspruch wird die beste Lösung gewählt. Ich für meinen Teil möchte unabhängig sein, spontan entscheiden können, wo und wann ich übernachte, und das bedingt, dass ich mein Gepäck mit mir führe. Dazu verwende ich einen Westernsattel, da er mit seiner grossen Auflagefläche mein Gewicht besser auf dem Pferderücken verteilt, viele Befestigungsmöglichkeiten bietet und äusserst bequem ist für lange Ritte. Aber gleichgültig, mit welchem Sattel man PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

unterwegs ist, er muss passen, sonst ist der Satteldruck vorprogrammiert. Es gilt also, nach unseren Trainingsritten die Sattellage genau zu prüfen und uns von einem Fachmann beraten zu lassen. Dieser kann auch Ösen und Befestigungsstege am Sattel anbringen, sodass man sein Gepäck sicher verstauen kann. Wichtig dabei: Kein Gepäckstück darf direkt auf der Haut des Pferdes aufliegen. Vor allem der Rückenbereich ist gut zu polstern und zu schützen. Am Besten man legt eine Wolldecke, die gross genug ist, unter die Schabracke und probiert das Reiten mit Gepäck im Vorfeld mal aus. Überhaupt gilt, nur Erprobtes kommt auf den Wanderritt mit und je weniger man dabei hat, desto echter ist das Gefühl der Naturverbundenheit und Freiheit. Ich gönne auch meinen Pferden möglichst viel Luft am Kopf und reite mit einfacher Trense oder Knotenhalfter. Stallhalfter und Strick ist an heissen Tagen am Sattel befestigt, und wird nur zum Führen statt der Trense aufgezogen. Auf den Trainingsritten habe ich sichergestellt, dass der Hufschutz funktioniert. Egal ob mit Eisen, Kunststoffbeschlägen oder Hufschuhen, auch hier gilt, es muss passen, und darf auch nach sechs bis acht Stunden keine Beschwerden verursachen. Unterwegs gehen wir anfangs und jede Stunde mal fünf bis zehn Minuten zu Fuss, wenn wir unser Pferd eine Strasse hinunterführen. Wir tränken die Pferde bei jeder Gelegenheit und halten alle zwei Stunden für 15 bis 20 Minuten an, um sie grasen zu lassen. Auch beim Lunch lassen wir die Pferde gesattelt, es sei denn, wir haben vor, mehrere Stunden Pause zu machen. Im besten Fall lösen wir die Bauchgurte ein wenig. Zwei bis vier Kilometer vor der Übernachtungsstation steigen wir ab und führen die Pferde. Das bringt auch unseren Kreislauf wieder in Schwung und die Sattellage kann sich entspannen, bevor wir die Pferde absatteln und mit Wasser und Heu versorgen, oder auf die Weide entlassen. MIT DEM PFERD DIE ALPEN ÜBERQUEREN – DIE KÖNIGSDISZIPLIN DES WANDERREITENS Mit seinem eigenen Pferd über die Berge ans Meer. Jedes Jahr machen sich einige Wagemutige auf, um sich diesen Lebenstraum zu erfüllen. Ein solches Abenteuer will jedoch gut vorbereitet und geplant sein. Wenn wir mit unserem Pferd also schon einige Wanderritte unternommen haben und Autobahnbrücken, Lokomotiven und 40-Tönner unsere Pferde nicht mehr beeindrucken, können wir die nächsten Herausforderungen angehen. Wie gewohnt trainieren wir unsere Pferde und richten uns dabei nach deren Leistungsvermögen. Wir verladen und 51


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Pat auf ihrem Hispano-Araber Domingo und Flash auf der Höhenroute der Pyrenäen 2010.

fahren in verschiedene Regionen, die uns erlauben, unsere Pferde in unterschiedlichem Gelände zu trainieren. Dabei werden die Strecken auf mindestens 40 Kilometer und mehr ausgedehnt, sodass wir genügend konditioniert sind, auch im Gebirge grössere Distanzen zu überwinden. Wenn möglich reite ich viel bergauf und bergab, um mich und die Hinterhand meiner Pferde zu trainieren. Ich übe das Treppensteigen und das Furten von Gewässern, gehe mit dem Pferd schwimmen im See und übe, über schmale Stege und Brücken zu gehen. Auch Klettern an steilen Böschungen und das Wenden auf schmalen Bergpfaden gehört dazu. All das hilft, mein Vertrauen in die Fähigkeiten meines Pferdes zu stärken und gibt sowohl mir wie auch ihm Sicherheit. Das Pferd lernt auch in kritischen Situation nicht zu drängeln, und auf Kommando zu stehen und zu warten, und mir bedingungslos zu folgen. Jedes Jahr fahren wir nach San Jon, um in dieser herrlichen Gegend unsere Pferde für die kommende Tour zu trainieren. Hier in diesem sanften und sicheren Gelände können wir das Klettern im Berg üben und die Muskeln trainieren. Spätestens jetzt empfiehlt es sich, einen Kurs übers Wanderreiten zu absolvieren, um von den Erfahrungen, anderer Wanderreiter zu profitieren.

Dann gilt es, die Route zu planen und das Kartenmaterial zu besorgen. Ich lese alle möglichen Erfahrungsberichte, Informationen über Kultur, Geschichte, Geografie der Region, in der ich reiten will, und versuche meine Vorstellungen und Zielsetzungen da anzupassen. Google Earth und Mountainbikeportale helfen mir bei der Entscheidung über mögliche Routen, diese werden dann auf elektronischen Karten abgespeichert und auf das GPS übertragen. Es gilt zu klären, wo es mögliche Wanderreitstationen gibt, wie die Futtersituation voraussichtlich sein wird, und welche Leistungsfutter erhältlich sind. Etwa einen Monat vor der Tour beginnen wir dann, unsere Pferde an das unterschiedliche Futter zu gewöhnen, indem wir ihnen regelmässig anderes Leistungsfutter anbieten. Gerste, Hafer, Mais, Reis, Polenta, Mischfutter, alles, was erhältlich ist und in der Region vorkommen könnte, wird verabreicht, damit die entsprechenden Darmbakterien vorhanden sind, wenn wir dann unterwegs sein werden. Die Notfallapotheke reflektiert die möglichen Vorkommnisse im Gebiet und wir müssen uns auch im Klaren sein darüber, was wir in einem extremen Notfall machen würden. Da wir auf unseren Touren immer wieder kleine Schrammen abkriegen, die wir unbehandelt lassen, Honig, Schnaps und Ringelblumenöl sind da hervorragende Hilfsmittel – haben unsere Pferde ein entsprechend starkes Immunsystem und verkraften kleine Blessuren problemlos. Der grosse Tag naht und wir machen einen letzten Proberitt mit unserem Gepäck. Wir stellen sicher, dass alles selber mit dem vorhandenen Material repariert werden kann und dass die Packtaschen sicher und gut sitzen. Auf den Rücken des PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

Pferdes kommt als erstes eine dünne Wolldecke, darauf ein grosses Pad (bei mir eine Wolldecke, die in einer Schabracke eingeschlagen ist) und dann der Sattel. Die Packtaschen liegen auf dem Pad auf und sind so weg vom Pferd. Wir reiten an vier Tagen mit vollem Gepäck Strecken von 50 bis 60 Kilometer täglich und versuchen möglichst, bis 2000 Höhenmeter pro Tag zu machen. Dies geschafft, sind wir fit für das Hochgebirge, denn hier müssen wir einfach immer Reserven haben, um sicherzustellen, dass wir auch in schwierigen Situationen die Kraft haben, die notwendigen Wege zu gehen. Unsere Pferde lohnen es uns durch freudige Mitarbeit. Sie zeigen uns dass sie so viel fähiger sind, als wir uns vorstellen, und dass sie selbständig denken und ihre Probleme meist selber lösen können, wenn wir sie lassen. Wir haben gelernt, ihnen zu vertrauen.

Peter van der Gugten wohnt im Kanton Schaffhausen und ist Wanderrittführer der ASRE und der DWA. Er hat mit seiner Reiterkollegin Pat und den beiden Arabern Flash und Pachlavan Hochgebirge im Tirol, in den Schweizer Alpen und in den Pyrenäen durchwandert. Er führt regelmässig Wanderritt-Lehrgänge durch. Weitere Informationen unter www.alpentrekking.ch

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Publireportage

COOL HORSES, HOT RIDERS

Was mit Spass an sportlicher Mode mit coolen Details begann, mauserte sich innert kürzester Zeit zu einer trendigen Sportmodemarke. Die POCO-BUENO-Collection ist keine 08/15-Mode, sondern ein Label für sportliche, selbstbewusste Leute, welche erstklassige Qualität und praktischen Nutzen gleichermassen schätzen. Auffällig ist die hochwertige, freche Stickerei, welche sofort ins Auge sticht und ganz dem Motto «Auffallen, aber mit Stil» entspricht. «Wir produzieren in Portugal und die neue Kollektion ist jetzt erhältlich», erklärt die Unternehmerin Susanne Bassler, welche selber Westernreiterin ist und deren

Quarterhorse seinen Namen für das Modelabel lieferte. Mit dem neuen Online-Shop wendet sich das Unternehmen direkt an seine kleinen und grossen Outdoor-Fans und kommt mit dem Direktvertrieb über das Internet dem Wunsch vieler Kunden nach. Von Sommerhosen über Softshelljacken und Poloshirts, bis zu pfiffigen Hemden und coolen Westen, reicht die Produktepalette. Aber auch T-Shirts, Caps oder Lederjacken stehen zur Auswahl und neuerdings auch die Socken «Cool n Hot». www.pb-collection.com

5. Pferdefachtagung Donnerstag

20. September 2012 9-17 Uhr, Hotel Arte Olten Tagungsgebühr inkl. Verpflegung: CHF 200.- (Studenten 120 .-)

Pferdeausbildung/ Pferdetraining

Anmeldung: Schweizer Tierschutz STS Telefon: 061 365 99 99 sts@tierschutz.com www.tierschutz.com

DR. MED. VET. LYDIA BAUMGARTEN, TIERÄRZTLICHE BERATUNGSSTELLE SCHWEIZER TIERSCHUTZ STS, BASEL

DR. MED. VET. HANSJAKOB LEUENBERGER , VERBAND SCHWEIZER PFERDEZUCHTORGANISATIONEN VSP

DIPL. ING. AGR. ETH CHRISTA WYSS, FACHMITARBEITERIN FORSCHUNGSGRUPPE EQUITEACH, HARAS NATIONAL SUISSE

Begrüssung und Einführung

Erfolgreiche Ausbildung von Jungpferden

Bodenarbeit: wozu?

HEIDI FISCHER HECK, STALL FLURWEID, BOSWIL

DR. MED. VET. HANSPETER MEIER, PFERDEKLINIK BERN, UNIVERSITÄT BERN

ANITA TRACHSEL, WHITE HORSE RANCH, BAGGWIL, AUSBILDUNGSVERANTWORTLICHE SCHWEIZ. FREIZEITREITVERBAND

Ausbildung und Anforderungen an das Rennpferd

Ausbildung in der Freizeitreiterei

Fohlenaufzucht

Schweizer Tierschutz STS www.tierschutz.com

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DIE IRONISCHE KOLUMNE VON KARIN ROHRER

WAREN SIE SCHON MAL AN EINER PFERDEMESSE?

N

ein, damit ist selbstverrständlich kein Gottes-dienst mit Pferd gemeint. Ich spreche von den internationalen und nationalen Ausstellungen, wo das Pferd im Mittelpunkt steht. Verschiedenste Rassen werden vorgestellt, alle nötigen und unnötigen Artikel rund ums Pferd, Sport und Show, und natürlich werden dort Trends ends im Umgang mit dem Vierbeiner gesetzt. Erst richtig interessant wird ein Pferdemesse-Besuch, wenn man eine nicht reitende Person im Schlepptau hat, welche Pferde eher nur als Tiere der Gattung «vorne beissts und hinten schlägts» katalogisiert. Diese Menschen gehen den Messebesuch mit einer gewissen Skepsis an, welche auch den ab und zu «Tier-vermenschlichenden-Reitern» nicht schaden würde. Natürlich kann ein Nicht-Pferdebesitzer nicht nachvollziehen, dass man für seinen Freizeitpartner auf Hufen Ende Jahr einen Adventskalender mit Gutzis kauft. Hufglocken mit Swarovski-Steinen glitzern zwar enorm, besonders am Stand der Messe. Aber ob es nach zehn Metern auf

schlammigem Boden auf dem Anreiteplatz noch funkelt, bezweifelt meine Messebegleitung. Das Interesse geweckt hat eine neue Creme für Reiterinnen, welche einen Anti-Cellulite-Faktor aufweisen soll. Auf Wiedersehen Orangenhaut, willkommen Pfirsichblüten-Feeling in der Reithose. Beim Betrachten eines Karotten Stecken zog es meine Freundin sofort Richtung Verpflegungsstände für Zweibeiner, da sie urplötzlich Lust auf Gemüse-Dip bekam, keine Ahnung wieso. Wenn Alternativen zum Reiten gesucht werden, tun sich einem auf einer Pferdemesse schier unglaubliche neue Welten auf. Da kann man mit Pferden tanzen, flüstern oder spielen, und wenn die Profis dies live vorführen, sieht das zugegebenermassen auch ganz flott aus. Spricht also nichts dagegen, die lässigen Umgangsformen und Beschäftigungstechniken mit dem Zossen zu Hause in die Tat umzusetzen. Warum versteht mich mein Pferd im heimischen Stall dann trotzdem nicht richtig, wenn ich neuerdings Equus spreche oder mit ihm einen Salsa tanzen will?

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Von der Pionierarbeit zur Premium-Marke

LES DANNES Junge Elefanten lernen von Elefanten, Löwen von Löwen und Pferde von Pferden. Das ist Teil der Philosophie, nach der die Schweizer Familie Fuchs mit Herz und Pferdeverstand einen bemerkenswerten Pferdebetrieb aufgebaut hat. Das Besondere: Sport-, Zucht- und Freizeitpferde leben hier in gemischtaltrigen Herden. Junge Pferde lernen von älteren Artgenossen, ältere profitieren ebenfalls von den sozialen Strukturen im Herdenverband.

Text und Fotos: Sabine Heüveldop

«Z

u Beginn wurden wir mit unserem Konzept als Exoten betrachtet», erinnert sich Kurt Fuchs, der in den vergangenen Jahren nicht nur viel Überzeugungsarbeit geleistet hat, sondern auch Tagungen, sowie Fortbildungsveranstaltungen besuchte und dadurch viele persönliche Kontakte geknüpft hat. Entstanden ist ein Netzwerk namhafter Experten, die Kurt Fuchs gerne in sein ganzheitliches Konzept einbindet. Regelmässig in Les Dannes zu Gast sind Trainer, Zahnspezialisten und Hufschmiede sowie der Pferde-Osteopath Stefan Stammer. «Ich betreue die Pferde in Les Dannes seit sieben Jahren osteopathisch und physiotherapeutisch. Dabei staune ich selbst nach dieser Zeit immer wieder über die Entwicklung der einzelnen Pferde.» Vor allem die vielfältigen Bewegungsreize, die auf den Organismus wirken, sind nach Ansicht des Osteopathen essenziell. 365 Tage im Jahr, 24 Stunden täglich Bewegungsmöglichkeit in natürlichem Gelände mit Steigungen, ebenen Flächen und verschiedenen Untergründen sowie unterschiedlichen Bodenverhältnissen entsprächen einer optimalen und zielgerichteten Bewegungsstruktur des Pferdes.

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WISSENSCHAFT TRIFFT PRAXIS Experten verschiedener Fachrichtungen sind inzwischen hellhörig geworden und interessieren sich für die Auswirkungen der ungewöhnlich artgerechten Lebensbedingungen. So war Les Dannes bereits zweimal Veranstaltungsort international besetzter Tagungen zur Pferdegesundheit. Ebenso wird Kurt Fuchs eingeladen, über seine Beobachtungen und Erfahrungen zu berichten, zum Beispiel von der Stiftung Forschung für das Pferd am Tierspital Zürich, dessen Gönnerverein er von Beginn an angehört. Auch Wissenschaftler stehen dem Betrieb inzwischen sehr aufgeschlossen gegenüber. So zum Beispiel Margit Zeitler-Feicht: «Aufgrund meiner Eindrücke plane ich, Forschungsarbeiten mit Studenten der TU München-Weihenstephan in Les Dannes durchzuführen, um das Konzept der naturnahen Haltung von Pferden aller Nutzungs- und Leistungsrichtungen in gemischaltrigen Herden wissenschaftlich zu untermauern.» LEBEN IN LES DANNES Heute leben in Les Dannes etwa 250 eigene sowie Gastpferde auf über 300 Hektar Weideland. Jedes Jahr kommen hier etwa 20 Fohlen zur Welt – mit dem Zuchtziel, sich als erwachsene Pferde gesund und langlebig im Sport zu präsentieren.   Die verschiedenen Herden sind so zusammengestellt, dass die Tiere zwar nach PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

So frei wie möglich, so behütet wie nötig: Monika Fuchs überzeugt sich täglich, dass alle Pferde wohlauf sind.

Geschlecht, nicht aber nach Altergruppen getrennt sind. Jung und alt – vom Absetzer bis zum Senior – leben zusammen in einem sozialen Gefüge. Welche Bedeutung gute Sozialisierung hat, zeigt sich spätestens, wenn die jungen Pferde ausgebildet werden. «Unsere Pferde beginnen mit 4½ Jahren die Ausbildung unter dem Sattel. Dann sind sie nicht nur körperlich, sondern auch seelisch fit», erklärt Kurt Fuchs. Anfangs war es seine Überzeugung, heute, wo zahlreiche Pferde aus eigener Zucht erfolgreich im Sport gehen, gibt ihm die Erfahrung Recht und zeigt: Es geht auch anders. Denn selbstver-


Leben wie Gott in Frankreich: Viel Bewegung, frische Luft und jede Menge Artgenossen prägen das Pferdeleben in Les Dannes.

Im Winter bieten grosszügige Laufställe Schutz und Futterstellen.

Unter der Woche in der Herde, am Wochenende im Parcours: Zahlreiche sportliche Erfolge untermauern, dass die Haltung in gemischtaltrigen Herden auch für Sportpferde optimal ist.

ständlich leben auch die aktiven Sportpferde das ganze Jahr in der Herde und gehen barfuss. Sie werden nur einmal pro Woche individuell unter dem Reiter trainiert. Grundkondition und Konstitution fördert ganzjährig der tägliche Weidegang.

trieb durch die LAG (Laufstallarbeitsgemeinschaft). 2010 hat Les Dannes den CAVALLO Fairness Award in der Kategorie «Haltung» gewonnen. Ausserdem ist die Anzahl der Fohlen und Gastpferde deutlich gestiegen, und nicht zuletzt erfolgt Anerkennung durch sportliche Erfolge. Die drei erwachsenen Kinder der Familie, Janine, Stefanie und Andy, stellen eigene sowie Ausbildungspferde erfolgreich im Springsport vor. Zahlreiche Siege und Platzierungen verbuchen die für die Schweiz startenden jungen Reiter Wochenende für Wochenende. Zu den Highlights zählen der Mannschaftssieg der französischen

AUSGEZEICHNET «Natürlich freuen wir uns über die Akzeptanz, die wir inzwischen erfahren», sagt Kurt Fuchs. Lob und Bestätigung kommen aus verschiedenen Richtungen, zum Beispiel durch Preise und Auszeichnungen wie die Anerkennung als Fünf-Sterne-Be-

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Meisterschaft als Amateure sowie eine Bronzemedaille mit der Mannschaft bei den südbadischen Meisterschaften. Im Profiranking der Schweiz belegte Stefanie im Juli vergangenen Jahres Platz 46 und Janine und Andy rangieren unter den Top 150. Alle Pferde, die hier aufgewachsen sind, tragen den Namenszusatz «Les Dannes», quasi als Qualitätssiegel. Les Dannes ist zur Premium-Marke geworden und für Pferdekenner eine feste Grösse. «Wer unseren Betrieb kennenlernen möchte, kann sich gerne zu unserm Les-Dannes-Fest anmelden», lädt Kurt Fuchs interessierte Pferdeleute zum traditionellen Sommerfest mit Rahmenprogramm am 4. August ein.

Kontakt und Anmeldung zum Les-Dannes-Fest: Familie Fuchs, F-70160 St-Rémy Telefon 0033-384-911749 E-mail: lesdannes@wanadoo.fr www.lesdannes.com

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A K T UE LL ORIGINAL-SCHWEIZEREDELWEISSHEMD Mit Kragen. Langarm, durchgehend mit Knöpfen. Farben: Hellblau und Anthrazit Grössen: XS, S, M, L, XL, XXL, XXXL, 4XL und 5XL CHF 79.80 Art. 0553

ORIGINAL-SCHWEIZEREDELWEISSHEMD Ohne Kragen, Kurzarm, 1/2 geschlossen. Farben: Hellblau Grössen: XS, S, M, L, XL, XXL, XXXL, 4XL und 5XL CHF 74.90 Art. 0554

ORIGINAL-SCHWEIZEREDELWEISSHEMD Ohne Kragen, Langarm, 1/2 geschlossen. Farben: Hellblau und Anthrazit Grössen: XS, S, M, L, XL, XXL, XXXL, 4XL und 5XL CHF 79.80 Art. 0555

EDELWEISS-BLUSE FÜR DAMEN Mit Edelweiss-Knöpfen, gerundeter Kragen, Kurzarm, Knopfleiste, tailliert. Farben: Hellblau und Anthrazit Grössen: XS, S, M, L, XL, XXL und XXXL CHF 97.90 Artt. 0556

Hellblau

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Hellblau

Hellblau

Anthrazit

SCHWEIZER-EDELWEISSHEMD «COOL MAX» Edelweiss-Hemd COOL MAX für Herren, silver/marine, mit Kent-Kragen, langarm, zwei gedeckte Brusttaschen, sportlicher Schnitt. 54% Baumwolle und 46% COOL MAX Grössen: XS, S, M, L, XL und XXL CHF 109.90 Art. 0766

Anthrazit

DAMEN EDELWEISS-BLUSE «COOL MAX» Edelweiss-Hemd COOL MAX für Damen, silver/marine, mit Kent-Kragen, Ärmel zum Hochkrempeln, zwei gedeckte Brusttaschen, sportlicher Schnitt. 54% Baumwolle und 46% COOL MAX Grössen: XS, S, M, L, XL, XXL und 3XL CHF 109.90 Art. 0768

APPENZELLER GÜRTEL Traditioneller Schweizer-Folkloregürtel, mit Messing Kuh-Symbole, voll Rindsleder, schwarz, Messing-Schnalle. Längen: Gürtellänge misst sich: Bauchumfang + 15 cm 80, 85, 90 cm CHF 89.90 95, 100, 105 cm CHF 93.90 110, 115, 120 cm CHF 99.80 125, 130 cm CHF 106.90 Art. 0557

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SCHWEIZER-SOMMEREDELWEISSHEMD Sommer Edelweiss-Hemd für Herren, weiss-blau, mit Kent-Kragen, kurzarm mit Brusttasche, Knopfleiste, Innenseite nicht aufgerauht. 100% Baumwoll-Flanell, Oeko-Tex 100. Grössen: XS, S, M, L, XL und XXL CHF 84.90 Art. 0767

APPENZELLER GÜRTEL Traditioneller Schweizer-Folkloregürtel, mit Nickel Kuh-Symbole, voll Rindsleder, schwarz, NickelSchnalle speziell behandelt gegen Allergien. Längen: Gürtellänge misst sich: Bauchumfang + 15 cm 80, 85, 90 cm CHF 98.90 95, 100, 105 cm CHF 102.90 110, 115, 120 cm CHF 108.80 125, 130 cm CHF 115.80 Art. 0558

Anthrazit

DAMEN SOMMER-EDELWEISSBLUSE Sommer-Edelweiss-Bluse für Dame, kurzarm, Knopfleiste, tailliert, gerader Saum mit Seitenschlitzen, Stoff nicht aufgerauht. 100% BaumwollFlanell, Oeko-Tex 100. Grössen: XS, S, M, L, XL, XXL und 3XL CH HF 84.90 Arrt. 0769

UMHÄNGETASCHE «EDELWEISS» Vielseitige Umhängetasche mit Edelweiss-Klappe, 100% Baumwoll-Canvas, Masse 30x24x8 cm, rotes Futter, mit Handytasche, drei Fächer für Schreibuntensilien, eine praktische Innentasche für Kosmetik, Schlüsselhaken, Fach mit Reissverschluss auf der Vorderseite, rückseitig ein Fach mit Klettverschluss, Tragriemen verstellbar. Farbe: Anthrazit CHF 89.90 Art. 0770


POLO-RUGBYSHIRT SWITZERLAND von SwissBull. Langarm. Aus 100% Baumwolle in einer tollen Qualität. Gerader Bund mit Seitenschlitzen. Verschiedene Sticker und Schriftzüge geben dem Shirt eine ganz spezielle Note. Sportliche Polo-Form, mit Knopfleiste und formbeständigen, elastischen Bündchen. Farben: Schwarz, Rot und Eierschale Grössen: S, M, L, XL und XXL CHF 99.– Art. 0480

POLO-RUGBYSHIRT SWITZERLAND von SwissBull. Kurzarm. Aus 100% Baumwolle. Die sportliche Polo-Form und die verschiedene Sticker und Schriftzüge geben dem Shirt eine ganz spezielle Note. Farben: Schwarz. Rot und Eierschale Grössen: S, M, L, XL und XXL CHF 79.– Art. 0481

FLACHMANN SWITZERLAND 150 ml, Geschenkset. Bestehend aus einem Flachmann, zwei Bechern und einem Trichter. Passt in jede Tasche. Art. 0348 CHF 29.90

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ZUCKERBROT UND PEITSCHE Wie halten Sie es mit der Konsequenz gegenüber dem Pferd, und wie oder wann loben, respektive bestrafen Sie ein Pferd? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dem Pferd mitzuteilen, wann es seine Sache gut gemacht hat. Wie das im Trainingsalltag bei verschiedenen Ausbildern aussieht, dem ist PASSION auf den Grund gegangen.

Text: Karin Rohrer Fotos: Samuel Frehner, Sascha Stoll, Andrea Ulrich-Mollet, Karin Rohrer, Nino Jacusso, Heiko Rodde

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iele ReiterInnen loben ihre Pferde mit der Stimme. Ob das nun ein lang gezogenes «Feeein» oder «Braaav» ist, spielt keine wichtige Rolle, auf den Klang kommt es an. Nebst dem verbalen Loben können auch akustische Reize, wie zum Beispiel das Klickertraining eingesetzt werden. Kraulen und Streicheln am Widerrist, am Hals oder ein Streichen über die Mähne werden vom Pferd sicher gerne angenommen. Höchstens beim altbekannten Hals-Klopfen scheiden sich die Geister, ob das nicht zu viel des Guten ist, wenn ein Pferd doch sogar eine Fliege auf der Haut spürt. Gang und gäbe ist auch einen «langen Zügel geben», Druck wegnehmen, eine Pause einlegen oder auch gleich das Training beenden. Nicht zuletzt geht die Liebe mancherorts durch den Magen, und so kommen Leckerlis als Belohnung zum Einsatz. Timing ist alles: Spätestens zwei bis zwei Sekunden nach erbrachter Leistung sollte das Pferd belohnt werden, wenn dessen Verhalten bestärkt werden soll. Jungen Pferden, oder 60

bei neuen Lektionen, wird zu Beginn einer Lernphase möglichst jeder gute Versuch belohnt. Später, wenn das Tier weiss, was man von ihm will, wird das Lob entsprechend «sparsamer» eingesetzt. Welche Situationen können ein Bestrafen des Pferdes erfordern, und unter welchen Bedingungen geschieht dies? Auch hier gibt es, wie beim Belohnen, nicht nur einen richtigen und goldenen Weg, sondern ein massvolles wie faires Verhalten gegenüber dem Pferd, das im Vordergrund steht. UNSTIMMIGKEITEN IN DER KOMMUNIKATION Eveline Bodenmüller reitet erfolgreich Concours Complet, fühlt sich also im Dressur- wie auch im Springsattel zu Hause. Sie lobt viel mit der Stimme, einer bewussten Atmung und mit kleinen, feinen Berührungen am Hals. «Oftmals sind dies kleine Aufmerksamkeiten, welche man von aussen fast nicht wahrnehmen kann», erzählt sie. Eveline Bodenmüller ist der Ansicht, dass ein Pferd nicht absichtlich etwas

Eveline Bodenmüller:

«DAS SCHÖNSTE WAS EIN REITER ERLEBEN KANN IST, WENN EIN PFERD ÜBER SICH HINAUSWÄCHST.» PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

Eveline Bodenmüller reitet Concours Complet, hier mit «Raw Diamond of Toos».

falsch macht und ein «Fehler» meistens auf eine Unstimmigkeit der Kommunikation zwischen Pferd und Reiter beruht: «Deswegen strafe ich ein Pferd nie, sondern korrigiere es, denn ich bin verantwortlich dafür, dass mein Pferd die Hilfen richtig versteht.» Im Vielseitigkeitssport ist Eveline Bodenmüller darauf angewiesen, dass das Pferd «mitdenkt», sich nicht unterwirft, sondern mit der Reiterin kämpft und vielleicht auch einmal die Initiative ergreift. «Eine solche Zusammenarbeit kann aber nur über Jahre entstehen und basiert auf gegenseitigem Vertrauen», ist sich die Reiterin bewusst und ergänzt: «Das Schönste, was ein Reiter erleben kann, ist, wenn ein Pferd über sich hinauswächst.»


Ein Streicheln ist auch bei einer Rangverkündigung immer erlaubt.

Simone Reiss:

«EINE GROSSE SAMMLUNG VON ERFAHRUNGEN ÜBER DIE JAHRE HAT MIR GEZEIGT, DASS NUR DIE EHRLICHE, WAHRHAFT GLAUBWÜRDIGE ARBEIT MIT DEN PFERDEN SIE ZUM STRAHLEN BRINGT.»

Simone Reiss ist SWRA B Western-Trainerin und -Richterin.

ENTSPANNUNG IST BELOHNUNG «Da ich grundsätzlich mit positiven Impulsen im Sinne eines Spannungsaufbaus eine Lektion abfrage, besteht die Belohnung im ‹Release›, also der Entspannung», erklärt Simone Reiss, Western-Trainerin. Sie beachtet auch immer, in einer Train-

ingslektion auf einen positiven Exit zu kommen, wobei das Pferd etwas sehr gut macht und sie es dann mit Absteigen belohnen kann. Streicheleinheiten oder lobende Stimme werden eingesetzt, jedoch kommen Leckerlis in ihrem Trainings-Alltag sehr selten vor. «Damit ich den inneren Glanz und den schönen Ausdruck eines Pferdes herausholen kann, muss ich es motivieren können, mit mir als Partner zu arbeiten», betont Simone Reiss. Eine Bestrafung kommt bei ihr nur zum Tragen, wenn es ganz sicher an mangelndem Respekt gegenüber dem Menschen liegt. Aber vorher wird genau analysiert, ob das Pferd den Reiter verstanden hat oder die Frage anders formuliert werden muss. «Nach meiner Erfahrung gehören die meisten Fehlreaktionen in diese Kategorie. Für die anderen Fälle analysiere ich die Faktoren Sicherheit, Wohlbefinden/Vertrauen und Respekt», bezeichnet Simone Reiss ihr VerPA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

halten. Ihrer Meinung nach ist eine klare, konsequente Linie im Verhalten gegenüber dem Pferd die wichtigste Grundvoraussetzung für den Umgang, und somit auch für das Training. «Eine grosse Sammlung von Erfahrungen über die Jahre hat mir gezeigt, dass nur die ehrliche, wahrhaft glaubwürdige Arbeit mit den Pferden sie zum Strahlen bringt», ergänzt Simone Reiss. GRASEN AN DER HAND Wohl nirgends ist die Stimme zur Belohnung so wichtig wie im Fahrsport, da während dem Training oder in einer Prüfung nicht mit Streicheln oder Berührungen gelobt werden kann. Der Weltmeister im Gespannfahren, Werner Ulrich, setzt die Stimme um so bewusster ein, und der Ton in verschiedenen Nuancen kann beruhigen und aufmerksam machen. «Wenn ich mehrere Pferde eingespannt habe, bin ich 61


darauf angewiesen, dass ich jedes Einzelne mit seinem Namen aufrufen kann, um es zum Beispiel etwas schneller werden zu lassen», erklärt Werner Ulrich sein Vorgehen an den Fahrleinen, was natürlich viel mit Gespür zu tun hat. «Entspannung ist Belohnung, und das Pferd fühlt sich wohl», ist der routinierte Fahrer überzeugt. Er erachtet es als überaus wichtig, dass die Pferde gefordert, aber nicht überfordert werden. «Allenfalls wird das Pensum minimiert, dann sind auch keine Strafen nötig», ergänzt Werner Ulrich. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt in sei-

Werner Ulrich:

«OHNE VERTRAUEN UND RESPEKT GEHT GAR NICHTS.»

Thomas Järmann ist Springreiter, Ausbildner und erteilt Reitunterricht.

Werner Ulrich ist ist mehrfacher Weltmeister im Gespannsfahren und wohnt in Bäriswil.

Die Texanerin Karin Aguilar arbeitet mit «Natural Horsemanship Training» und gibt auch Kurse in der Schweiz.

nen Augen ist das Sicherstellen, dass ein Pferd die geforderte Aufgabe auch bewältigen kann. «Ohne Vertrauen und Respekt geht gar nichts. Ich will meine Pferde motivieren können, und Loben und Strafen sollen im Gleichgewicht sein», betont er. Die absolute Belohnung ist für Werner Ulrich das Grasen an der Hand nach dem Training oder auch auf dem Turnierplatz, was die Pferde geniessen und die gegenseitige Bindung noch mehr fördert.

Karin Aguilar:

KONSEQUENZ IST EINE GRATWANDERUNG Karin Aguilar wohnt in Texas und lehrt «Natural Horsemanship Training», wie auch ihr Ehemann, Alfonso Aguilar. Sie ist der Auffassung, dass ein sensibles oder ängstliches Pferd das gleiche Mass von Strafe oder Lob ganz anders auffassen wird, als ein selbstsicheres oder verzogenes Pferd. Karin Aguilar lobt ein Pferd, indem sie die Arbeit abbricht oder eine Pause einlegt, wenn etwas Neues gelungen ist. Auch das Übergehen zu einer neuen Aufgabe kann Belohnung sein. «Wenn das Pferd sehr nervös ist oder ich etwas mehr Animation brauche, dann nehme ich auch mal ein Leckerli zu Hilfe. Aber immer mit dem Ziel, dass es am Ende die Übungen 62

«WENN DAS PFERD SEHR NERVÖS IST ODER ICH ETWAS MEHR ANIMATION BRAUCHE, DANN NEHME ICH AUCH MAL EIN LECKERLI ZU HILFE.»

auch ohne Leckerli macht» betont die Trainerin, welche durch ein Erlebnis lernte, bei Bedarf auch Futter im Training einzusetzen. «Wenn ich die Aufgaben nicht zu schwierig stelle, dann ist ein Bestrafen nicht nötig und kommt höchstens als ‹ein nicht Abbrechen der Übung vor›», erzählt Karin Aguilar, welche überzeugt ist, dass eine Strafe das unerwünschte Verhalten momentan abbrechen kann, aber die Chance für ein wiederholtes Auftreten gross ist. «Ich versuche, das Pferd nicht zu dominieren, versichere mich aber, dass ich es gut genug erzogen habe, dass es auf mich hört, ohne Angst vor mir zu haben», bezeichnet Karin Aguilar ihr Konzept und ergänzt: «Konsequenz ist die Gratwanderung von Lob und Strafe in feinen Nuancen.» PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

LIEBER EINEN SCHRITT ZURÜCKGEHEN Nachdem die Pferde von Springreiter und Ausbilder Thomas Järmann eine Übung konzentriert ausgeführt haben, lässt er sie in einer kurzen Pause am längeren Zügel entspannen. Dazu setzt er auch seine Stimme für ein Lob ein oder streicht ihnen über den Hals. Während dem Training verzichtet Järmann bewusst auf Leckerlis, und bedient sich lieber seiner Stimme und einer Streicheleinheit für das Pferd. Aber nach dem Trainieren oder einem gerittenen Springparcours bekommen seine Pferde jedoch oft Leckerlis oder eine Handvoll Gras. «Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoller ist, einen Schritt zurückzugehen und dem Pferd noch einmal die Chance zu geben, die Aufgabe zu begreifen, anstelle es für etwas zu bestrafen, das es noch nicht verstanden hat», erklärt Thomas Järmann. Er ist der Meinung, dass Pferde ihren Reiter als Alphatier wahrnehmen sollen, da dies auf Vertrauen basiert und dazu führt, dass sich das Pferd seinem Menschen anschliesst und dessen Aufforderungen nicht infrage stellt. «Nur wenn es ein Reiter schafft, sein Pferd über die Vertrauensbasis für seine Aufgaben zu motivieren, können nachhaltige Resultate erzielt werden» ist der Springreiter überzeugt.

Thomas Järmann:

«ICH HABE DIE ERFAHRUNG GEMACHT, DASS ES SINNVOLLER IST, EINEN SCHRITT ZURÜCKZUGEHEN UND DEM PFERD NOCH EINMAL DIE CHANCE ZU GEBEN.»


Jeanne Bessire aus Küttigkofen ist Trainer B vom Schweizer Freizeitreitverband SFRV.

KEINE ANGST, SONDERN FREUDIGES MITARBEITEN Für Jeanne Bessire (Trainer B bei Schweizer Freizeitreiterverband) ist Lob eines der wichtigsten Hilfsmittel im Training, und ihre Pferde werden mit sehr viel Lob und klaren Aufgaben gearbeitet. «Das Lob mit Stimme oder Leckerli kommt unmittelbar, teils auch während dem Ausführen einer Lektion», erzählt sie. Strafe ersetzt Jeanne Bessire mit Konsequenz und Beharrlichkeit. «Ich bleibe ruhig, behalte mein Selbstvertrauen sowie meine Stärke», ergänzt sie, denn «Gewalt ist oft ein Ausdruck von Angst und nicht wissen, wie weiter». Jeanne Bessire:

«GEWALT IST OFT EIN AUSDRUCK VON ANGST UND NICHT WISSEN, WIE WEITER.» Jeanne Bessire sieht ihr Pferd als Partner und möchte nicht der Herdenboss sein, zu dem das Pferd, meist aus Angst, eine grosse Distanz hält. «Ich möchte vielmehr eine vertrauenswürdige Führerin sein, die das Pferd begleitet und mitnimmt.» Die Trainerin will bei ihrer Arbeit kein angsterfülltes Pferd sehen, sondern ein freudig mitarbeitendes Tier, welches sie fragt: «Was darf ich bitte als Nächstes tun?» Pferdetraining soll Spass machen, und zwar gegenseitig. «Das Schönste ist für mich immer der Glanz in den Augen der Pferde, und wenn sie freudig mitmachen», bekennt Jeanne Bessire. WOHLBEFINDEN IN DER PFERDEWELT Bernie Zambail ist 5-Sterne Parelli Master Instruktor. Er ist überzeugt, dass es in der Pferdewelt Strafen und Loben in unserem Sinn nicht gibt, sondern die positive und negative Verstärkung, welche unmittelbar

nach dem Geschehen passieren muss, sodass das Pferd es mit seiner Aktion in Verbindung bringen kann. «Ich versuche, meine Übungen so zu stellen, dass ich nicht negativ verstärken muss, denn die positive Verstärkung ist sehr viel effektiver als die negative», erklärt Zambail. Er weiss, dass Komfort, Wohlbefinden und Pausen für Pferde sehr wichtig sind, und so zeigt er dem Pferd, dass er mit ihm zufrieden ist, mit Streicheln und/oder Pausen geben. Bei jeder Erziehung ist Konsequenz einer der wichtigsten Punkte, denn sie stellt einen Wert dar, welcher den Pferden hilft, herauszufinden, woran sie mit uns sind. «Pferde sind natürliche Folger und suchen natürliche Führer, weshalb ich lernen muss, mich wie ein Alphapferd zu benehmen. Dies beinhaltet einen gewissen Grad an Dominanz, aber auch zu wissen, wie ein Pferd sich verhält, wie es denkt, wie es fühlt und wie es spielt», betont Berni Zambail und ergänzt: «Je besser wir den Pferden die Welt der Menschen erklären können, umso besser können sie sich darin zurechtfinden. Für mich ist das Ziel der Ausbildung, einen mitdenkenden Partner zu bekommen, der seinen Job kennt und gelegentlich unsere Unzulänglichkeit oder kleine Fehler ausgleicht.» ICH GRÜSSE DAS GÖTTLICHE IN DIR «Das Wort ‹Strafen› tönt für mich sehr negativ, und einem Pferd bewusst Schmerzen zufügen, kommt für mich nicht

Berni Zambail ist 5 Star Parelli Master Instructor & Master Horse Development Specialist.

Bernie Zambail:

«PFERDE SIND NATÜRLICHE FOLGER UND SUCHEN NATÜRLICHE FÜHRER, WESHALB ICH LERNEN MUSS, MICH WIE EIN ALPHAPFERD ZU BENEHMEN.» PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

Doris Wenger aus Trimbach ist Dressurreiterin und Richterin.

Doris Wenger:

«DAS WORT ‹STRAFEN› TÖNT FÜR MICH SEHR NEGATIV, UND EINEM PFERD BEWUSST SCHMERZEN ZUFÜGEN, KOMMT FÜR MICH NICHT INFRAGE.»

infrage», sagt Doris Wenger. Der Dressurreiterin und Richterin ist es wichtig, dass man gegenüber seinem Pferd nicht ungerecht ist und das Pferd nicht unbewusst straft, mit einer sehr unruhigen Hand oder einem Sitz, der gegen die Bewegung des Pferdes geht. Es gilt abzuwägen, ob das Pferd physisch und psychisch so weit ist, das Verlangte umzusetzen. «Und dann gibt es natürlich auch noch die bekannten ‹schlechten Tage›, an denen überhaupt nichts gelingen will. Dann geht man am besten am langen Zügel ausreiten, bevor es zu Machtkämpfen kommt», weiss Doris Wenger. Sie belohnt ihr Pferd mit einem freundlichen Wort, und am Ende des Trainings bekommt der Vierbeiner Leckerlis und Streicheleinheiten, egal ob es heute gut oder sogar perfekt gelaufen ist. «Ich würde sagen, dass ich und mein Pferd gleichwertige Partner sind, und je nach Situation eher ich die Führung übernehmen muss oder eben auch mal das Pferd ‹mitdenken› soll», erklärt Doris Wenger. Sie hat bei einem Mentaltraining gelernt, dass man seine Pferde mit den Worten «Ich grüsse das Göttliche in dir», begrüssen solle. «Diese Art von Begrüssung enthält für mich alles: Achtung, Ehrfurcht aber auch Freude über sein Dasein. Wenn wir mit dieser Überzeugung unseren Sport ausüben, dann erleben wir Harmonie und gegenseitiges Vertrauen, welches nach aussen sichtbar wird.» 63


SHOPPING SOMMER 2012 KOMPERDELL SCHUTZWESTEN FÜR ANSPRUCHSVOLLE

Komperdell, Marktführer im Bereich innovativer Rückenprotektoren mit jahrzehntelanger Erfahrung, hat sein Programm um Schutzwesten für anspruchsvolle Reiter erÜiˆÌiÀÌ°Ê ÀÃ̓>ÃÊ ÛœÀ}iÃÌiÌÊ >ÕvÊ `iÀÊ -«œ}>Ê œÀÃiÊ Ó䣣]Ê wurden diese sogleich mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Extreme Leichtigkeit, beste Schutzfunktion und enorme flexible Anpassungsfähigkeit sorgen für einen ultimativen, noch nicht dagewesenen Tragekomfort. Die aufwendige, aber bewährte Sandwichkonstruktion der besonders weichen und flexiblen Cross-Schäume sorgt dafür, `>ÃÃÊ`ˆiÊ7iÃÌi˜Ê«iÀviŽÌÊÈÌâi˜Ê՘`ʜ«Ìˆ“>ÊÃV…ØÌâi˜Ê­}i“BÃÃÊ Ê£Î£xn‡Óää™ÊiÛiÊή°Ê ÕÀV…Ê`ˆiÊŸÀ«iÀÜBÀ“iÊ«>ÃÃi˜ÊÈiÊ

sich exakt an die Kontur des Körpers an. Die grosszügige Lochung in den Schäumen führt zu maximaler Flexibilität und Atmungsaktivität bei minimalem Gewicht. Das Modell mit Frontreissverschluss bietet einen besonders bequemen Einstieg und ein integriertes Verstellsystem, bei dem der Reiter die Weite nicht selbst regulieren muss. Die Weste sitzt besonders körpernah, ohne einzuengen. Bei der VarioÜberwurfsweste lässt sich die Weite seitlich regulieren und passt sich einfach und rasch, ob im Winter oder Sommer, an jedes Outfit an. www.komperdell-reitsport.com

FUTTERAUTOMAT VON EASYHORSE ine Mit dem Futterautomat von Easyhorse wird eine nd optimale Verteilung der Tagesrationen an Heu und aGetreide gewährleistet. Auch andere trockene Manterien wie etwa Medikamente können so auf einil: fachste Weise verfüttert werden. Der grosse Vorteil: is Die Pferde erhalten wiederholt und regelmässig bis zu sechs Mal am Tag angepasste Rationen. Häufi-n ge, kleine Mahlzeiten kommen erwiesenermassen e der natürlichen Nahrungsaufnahme der Pferde am nächsten und wirken so präventiv gegen Überlagerung des Magens, Koliken und schlechte Assimilation. Dieses einfache, aber überaus wirtschaftliche Futtermanagement entlastet den Besitzer, mit einem Gewinn von Freiheit und Unabhängigkeit, da er für die Futterabgabe nicht mehr vor Ort sein muss. www.easyhorse.ch AUFSTIEGSHILFE UND CAVALETTIBLOCK, BLAU Aufstiegshilfen waren in Reiterkreisen lange Zeit «Tabu». Wer Probleme beim Aufsteigen über den Steigbügel hatte, galt als unsportlich und musste sich spöttische Kommentare gefallen lassen. Doch neueste Erkenntnisse zeigen, dass diese Denkweise falsch ist und dem Pferd sogaar gesundheitliche Schäden zufügen kann. Viele Pferde sind sehr unruhig beim Aufsteigen, da in diesem Moment eine starke einseitige Belastung auftrifft, die dem Pferd unangenehm ist. Gerade bei grossen Pferden sind die Zugkräfte, die durch das Hinaufziehen auf das Pferd entstehen, enorm.

MÜHLI CAVALLO Beim Mühli Cavallo handelt es sich um einen Heuersatz in Grosswürfelformat von 60 x 60 mm. Dieses staubfreie Futter besitzt die Eigenschaften von Heu und ist auf den Bedarf von Pferden, Ponys und Esel abgestimmt. Mühli Cavallo ist einfach in der Anwendung. Dieses gewürfelte Futter bewirkt eine lange Beschäftigung mit dem Futter, was dem natürlichen Fressverhalten der Equiden entspricht. Zusammensetzung: Rohfaserprodukte, Getreide, Getreideprodukte, Trockengrünfutter, Zuckerprodukte, Ölsaatenprodukte, Mineralstoffe. Fütterungsempfehlung: 1–1,5 kg Alleinfutter pro 100 kg/LG in Erhaltung. Für weitere Arbeit kann bspw. mit unserem Kombifutter zugefüttert werden. www.muehlescherz.ch

Dieser pfiffige Block vereint Aufstieghilfe und Cavalettiblock in einem. In den Vertiefungen können Sie Trainingsstangen einlegen, ansonsten dient der Block als trittsichere Aufstieghilfe. UÊ >ÀLi\ÊL>Õ UÊ /ÀˆÌÌÈV…iÀiÊÕvÃÌiˆ}…ˆviÊ>ÕÃÊ՘ÃÌÃ̜vv UÊ i܈V…ÌÊV>°ÊÈ°Îʎ} UÊ ÀŸÃÃiÊÈÓäÊÝÊÈÎäÊÝÊ{xäʓ“Ê­ ÝÝ® UÊ “ˆÌÊ6iÀ̈iv՘}i˜ÊvØÀÊ/À>ˆ˜ˆ˜}ÃÃÌ>˜}i˜ Empf. VK CHF 109.– Bezugsadresse: B&M Haus- und Agrotech AG ÕÀ}“>ÌÌÊÓ]ÊxäÓÈÊ i˜ÃLØÀi˜ /iivœ˜ÊäÈÓÊnÈÇʙäÊää]Ê>ÝÊäÈÓÊnÈÇʙäÊä£ www.bm-agrotech.ch, info@bm-agrotech.ch

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SEITENBLICK K O L U M N E M I T D E M ETHO LO GEN ANDREAS KURTZ An dieser Stelle macht sich der Pferdeethologe Andreas Kurtz Gedanken zu unserem Umgang mit dem Pferd. Andreas Kurtz arbeitet seit Jahren mit den renommiertesten Pferdefachmenschen der Schweiz zusammen und setzt sich für einen möglichst artgerechten Umgang mit dem Pferd ein.

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ozu halten wir uns Pferde? Pferde halten wir für uns und sperren diese Tiere dann für uns ein. Im Pferdebereich sowie auch in andern Tierhaltungen hat der direkte Kontakt zum Tier in den letzten Jahrzehnten stetig abgenommen. Tiere hat man zwar gern, aber wenn es möglich ist, Arbeitserleichterungen einzubauen, dann ist schnell entschieden, dass zum Beispiel die Fütterung automatisiert wird. Allgemein können wir feststellen, dass gerade auch in der Landwirtschaft Mensch-Tier-Kontakte weitgehend wegrationalisiert wurden. Zeitnot und Lebenswandel verlangen anscheinend diese Rationalisierungen. Zum Beispiel bei den Hühnern. Ein Zitat aus einem Referat von G. C. Brantas NL 1979: «Insgesamt stehen auf einem normalen Legehennenbetrieb (15 000 Tiere) nur 8 Minuten pro Tier und Jahr zur Verfügung. Für das Ein- und Ausstallen stehen 15 Sekunden pro Tier zur Verfügung, für Kontrolle der Tiere und das Entfernen der toten Tiere 8/100 Sek. pro Tier.» Natürlich sind es Hühner und es wäre absurd, wenn jeder Eierproduzent seine Hühner täglich streicheln würde. Er hat ja auch viele davon, in der Schweiz sind es maximal 18 000 Hühner pro Halter, die gehalten werden dürfen, in Holland oder Deutschland sind es etliche mehr! Und

doch sind es auch Tiere, und wir halten diese ausschliesslich für uns. Sehr problematisch scheint es mir, wenn man den Mensch-Tier-Kontakt als Begründung braucht, um Tiere so zu fixieren, dass man schnell in Kontakt treten kann. Das Argument der Anbindehaltung-Befürworter bei Kühen hört man viel, eine gute Mensch-Tier-Beziehung sei nur in der Anbindehaltung möglich. Eine Beziehung auf dieser Basis als gut zu beurteilen, ist doch bedenklich. Bedenklich darum, weil diese Tiere vollständig abhängig von uns gemacht werden. Die kleinen Darreichungen wie Futter geben und Mist entfernen tragen natürlich etwas zum Wohlbefinden des Tieres bei, was in dieser misslichen Lage auch dankbar angenommen wird. Aber etwas mehr Gleichberechtigung als Basis für eine Beziehung ist eigentlich Pflicht eines jeden Tierhalters. Erst dann können wir überhaupt von Beziehungen reden. Nämlich erst dann, wenn das Tier auch seine Freiheiten, die eigentlich zu den Grundbedürfnissen eines Lebewesens gehören, bekommt. Diese Freiheiten sind immer noch sehr minimal in der Gefangenschaft, aber machbar und auch finanzierbar. Oft wird leider auch das Finanzielle als Grund herangeführt, weshalb die Freiheit nicht ermöglicht werden kann. Aber das ist falsch, denn Freiheit ist in der Tierhaltung eine organisatorische Sache

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und nicht eine Frage des Geldes. Da wir dabei eher auf Fantasie angewiesen sind und kreativ werden müssen, bleibt das Ganze leider auf der Strecke. Darum sage ich: Mut zur Fantasie, Mut zur Kreativität, das sind die ersten Schritte, wenn es um die Gestaltung eines Geheges für gefangene Tiere geht. Sie werden sehen, dass es auch mit den Vorschriften dadurch viel besser funktioniert. Und als Basis für eine gute Beziehung ist diese Freiheit auch für Pferde ein Muss. Bevor Sie sich also für mehr Automation auf Ihrem Betrieb entscheiden, prüfen Sie doch auch andere Methoden, welche die Mensch-Tier-Beziehung nicht aufs unnötige strapazieren. Gerne komme ich auf Arbeitsabläufe zurück in meinen nächsten Zeilen, oder bringen Sie Ihre Gedanken mit ein.

Sie finden dazu die Ethologieschule auf Facebook unter: http://www.facebook.com/pages/ Ethologieschule/325941210791849 www.ethologieschule.ch

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Auch im Schnee perfekt getarnt: Die junge Zuchtstute DREA Bluimnaha Eagle.

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Text: Dr. med. vet. Franz Renggli Bilder: Daniela Renggli

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Die Appaloosas gelten heute gängig als «Westernpferde» und sind ihrer markanten Farbe wegen weltweit bekannt und beliebt. Aber innerhalb der Rasse gibt es einen feinen, reinen Unterschied. Nur Pferde, die nachweislich aus einer bekannten Indianer-Zuchtherde stammen, rein gezüchtet sind und somit keinen Fremdblutanteil aufweisen, erhalten das Pedigree Foundation Appaloosa.

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EINE INDIANERLEGENDE LEBT WEITER!

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m 18. und 19. Jahrhundert gab es für die Plains-Indianer Amerikas keine bessere Lebensversicherung als die Zuverlässigkeit ihrer Pferde. Schliesslich vertrauten sie ihren Pferden Tag für Tag ihr Leben an, sei es bei der Jagd, auf Erkundungsritten, auf den Kriegszügen und auch zum Transport von Familie und Hab und Gut. Ihre Pferde waren eines ihrer wertvollsten Besitztümer und es erstaunt nicht, dass die unter den «Natives of America» als beste Pferdezüchter bekannten Nez-Percé-Indianer nicht nur schöne, sondern auch speziell zuverlässige, sichere und umgängliche Tiere züchteten. Ein ideales Indianerpferd zeichnete sich durch umfangreiche und auch heute noch in

sehr vielen Situationen nützliche Eigenschaften aus: Sie mussten umgänglich, cool, leicht auszubilden, trittsicher, ausdauernd, zäh und genügsam, robust, schnell, nicht zu gross und erst noch im Gelände von Natur aus gut getarnt sein. Und sie sollten auch noch angenehme, weich auszusitzende Gangarten haben. Die Nez-Percé haben es innerhalb von wenigen Jahrzehnten geschafft, durch gezielte Anpaarungen und entsprechende konsequente Selektion all diese vielseitigen Eigenschaften in ihren damaligen Appaloosa zu vereinen. Es waren dies intelligente, gesunde, sehr menschenbezogene Lebensgefährten. Der Stamm lebte im Nordwesten der USA, in den heutigen StaaPA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

ten Idaho, Oregon und Washington. Dabei ist es wahrscheinlich, dass die Nez-Percé zur Zucht die vorhandenen, lokalen Pferde nordamerikanischen Ursprungs nutzten. Historische Hinweise und genetische Analysen zeigen, dass im 18. Jahrhundert offensichtlich auch vereinzelt Zuchttiere, die durch russische Handelsreisende per Schiff an die Westküste der USA gelangten, von den Nez-Percé zur Zucht eingesetzt wurden. Dabei sollen entweder mongolische Pferde aus der Altai-Gegend, kirgisische Pferde aus dem Ferganatal oder Achal-Theke-Vollblüter eingekreuzt worden sein. Diese Ursprünge würden auch die ausgesprochene Zähigkeit und Ausdauer der ursprünglichen Appaloosa bestens 67


Dr. med. vet. Franz Renggli mit seinem jungen Zuchthengst WAR Stardust. Daneben DREA Bluimnaha Eagle, unten eine Gruppe mit Fohlen aus vom Zuchtjahrgang 2012.

erklären. Es wird auch überliefert («The Story of the Ghost Wind Stallions» von Don LaLonde), dass die Nez-Percé Indianer von einem Stamm der Westküste schwarzweisse Tigerscheck-Hengste aus russischer Herkunft erwerben konnten und diese in ihrer Zucht erfolgreich eingesetzt haben. Heute gibt es weltweit vermutlich nur noch einige hundert Pferde, die nachweislich direkt und fast ohne Fremdblut auf diese legendären, ursprünglichen Appaloosa zurückgehen. Einige davon sind, ausser im offiziellen Zuchtbuch des Appaloosa Horse Clubs USA, im zusätzlichen Zuchtbuch des «Foundation Appaloosa Horse Club» FAHR eingetragen (Foundation Appaloosa = die Appaloosa-Pferde, die seit vielen Generationen konsequent nur unter möglichst «ursprünglichen Zuchttieren» verpaart wurden, und deren Nachkommen). Während den «Indianerkriegen» und der legendären Verfolgung der Nez-Percé durch die US-Armee im Jahr 1877, wurde eine Vielzahl ihrer wertvollen Appaloosas getötet oder in alle Windrichtungen zerstreut, sodass die Rasse Anfang des 20. Jahrhunderts fast ausgestorben war. 1938 haben ein paar enthusiastische Liebhaber des Appaloosa (um die Herren 68

Thompson und Dr. Haines) angefangen, die in den ganzen USA zerstreuten Appaloosa aufzuspüren und in einem Zuchtbuch einzutragen. Das war die Geburtsstunde des Appaloosa Horse Clubs USA, später in vielen weiteren Ländern, auch in Europa, durch lokale Klubs vertreten. Der Schweizer Tochterverband ist der «ApHC Switzerland». Da die Anzahl dieser so registrierten Appaloosas auf Dauer kaum ausreichen würde, die Rasse nachhaltig zu bewahren, und solche Appaloosaherden, die noch im Besitze von Indianern waren, den Weissen im ApHC nicht zugänglich waren, wurde die Einkreuzung einiger Rassen erlaubt und die Nachkommen dieser Kreuzungen vorbehaltlos als Appaloosa ins Zuchtbuch eingetragen, sofern sie appaloosatypische äussere Merkmale aufwiesen. Folgende Rassen wurden und sind auch noch heute erlaubt, einzukreuzen: Quarter Horse, Araber und englisches, im Jockey-Club eingetragenes, Vollblut. So ist heute die Appaloosa weltweit eine der Rassen mit mehreren Tausend registrierten Pferden, und besitzt somit eines der grössten Rasse-Zuchtbücher überhaupt. Der «moderne» Appaloosa gilt heute gängig als «Westernpferd». Dies PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

kann nicht erstaunen, da die Rasse aufgrund der Herkunft und ihrer Verwendung hauptsächlich mit Quarter Horses, die auch in Europa als Western- und ShowPferde sehr beliebt sind, über Generationen eingekreuzt wurde. Diese sogenannten «modernen Appaloosas» haben zum grössten Teil so viel Quarter-Horse-Blutanteil, dass auch (ausser den äusseren, farblichen Appaloosa-Merkmalen) fast alle Eigenschaften den heutigen Quarter Horses entsprechen, dies sowohl im positiven (perfekte Eignung für moderne WesternTurniere), wie leider auch im negativen Sinn (potentielle Prädisposition für typische Erbkrankheiten des Quarter Horse, hohe Spezialisierung für KurzstreckenSchnelligkeit). Für Turnier-Cracks sind diese positiven Eigenschaften und die Spezialisierung willkommen, und auch entsprechend wichtig und wertvoll. Um sich zur Einkreuzungspolitik abzuheben, hat der ApHC USA vor einigen Jahren das sogenannte Foundation Pedigree Designation (FPD) Programm lanciert. Es registriert diejenigen Pferde, die in den letzten fünf Generationen einen Prozentsatz von mindestens 77 Prozent offiziell registrierter Appaloosa-Ahnen aufweisen. Da aber die Einkreuzung von z. B. Quarter


Horses schon viele Jahrzehnte zuvor zu «offiziell registrierten» Nachkommen führte, kann man heute, ohne die weit dahinter bestehende Genetik studiert zu haben, nicht sagen, ob es sich bei FPD-registrierten Appaloosa um «echte Foundation Appaloosa» handelt. Damit ein FPD-Appaloosa auch ein «echter» Foundation Appaloosa (zum Beispiel FAHR-registrierbar) ist, braucht es weit mehr: So muss unter anderem in seinem Stammbaum die Mehrzahl der Vorfahren auf die «Stamm-Appaloosa» (im Zuchtbuch mit einer F-Nummer versehen), oder Appaloosa aus bekannten Zuchtherden von Indianern sowohl in Mutter- wie auch in Vaterlinie zurückgehen. Ausser der konsequenten Anpaarung von Appaloosa x Appaloosas mit fast keinem Fremdblutanteil über Generationen, dürfen diese Tiere kein Grau-Gen aufweisen, nicht aus Trägerlinien von Erbkrankheiten sein und auch keine Paint-Merkmale aufweisen. Genetische, wissenschaftliche Studien (Gala Argent and E. Gus Cothran, 2004) haben bewiesen, dass der verbreitet registrierte Appaloosa sehr nah mit den Quarter Horses verwandt ist. Nicht so der ursprüngliche, echte Foundation Appaloosa: Er hat mehr genetische Eigenschaften gemein mit den nordamerikanischen Rassen wie Rocky Mountain Horse, Tennesse Walker, Morgan Horse und American Saddlebred. Der altstämmige Foundation Appaloosa ist genetisch gesehen zum modernen Appaloosa, und somit zum Quarter Horse, nicht verwandt. Interessanterweise sind die Foundation Appaloosa, entgegen aller Vermutungen, ebensowenig mit den Iberischen Pferden nah verwandt. Der ursprüngliche Foundation Appaloosa unterscheidet sich zudem zum modernen Appaloosa in zahlreichen äusseren Merkmalen: Der FA hat für gewöhnlich grössere Hufe, dickere Knochen, mehr Kötenbehang, einen höher angesetzten Hals, weniger ausgeprägte Muskulatur, öfter und grössere weisse Farbbereiche. (Die weisse Farbmusterung ist eine Ausprägung des Leopard-Gens auf den Grundfarben schwarz, braun oder fuchs; nicht zu verwechseln mit Schimmeln und den damit verbundenen Krankheitsanfälligkeiten; Leopard-Gen-typische Merkmale und Farbmusterungen sind auf der Website des ApHC Schweiz www.appaloosa.ch nachzulesen.) Auffallend oft trifft man bei diesen kompakten Quadratpferden Gangpferde an. Diese Pferde besitzen eine vierte Gangart, den sogenannten «Indian Shuffle», einen sehr angenehm zu reitenden, schnellen 4-Takt-Trab.

Die Indianer bevorzugten die gut getarnte Tigerscheckmusterung, die sogenannten Leoparden und Near-Leoparden. Begehrt ist dabei auch heute noch die schwarze Grundfarbe. Der oft spärliche Schwanz- und Mähnenbehang wurde genetisch so gefestigt, und wird damit begründet, dass die Indianerpferde so im Unterholz und Gestrüpp weniger hängenbleiben konnten. Auch achteten die NezPercé schon darauf, keine oder nur wenig weisse Bein- und Kopfabzeichen bei ihren Pferden zu haben, da diese so gekennzeichneten Pferde anfälliger für diverse Krankheiten sind. Die Grösse variiert zwischen 142 und 162 cm Stockmass, wobei die meisten FA’s zwischen 150 und 160 cm gross sind.

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Für den anspruchsvollen Freizeitreiter und Sportreiter ist die Vielseitigkeit, Zuverlässigkeit, Ausdauer, Gesundheit, Robustheit sowie die Nervenstärke der ursprünglichen Foundation Appaloosa äusserst interessant und wertvoll. Glücklicherweise gab es vor allem in den USA immer ein paar Handvoll enthusiastischer Züchter, die diese einmalige Kombination von interessanten Eigenschaften, inklusive speziell angenehmen Gängen, weiter gezüchtet haben und zum Weiterbestehen dieser edlen Zuchtrichtung unter den Appaloosa beigetragen haben. Auch in Europa gibt es ganz wenige Züchter, die sich der Erhaltung dieser einmaligen Genetik verschrieben haben.

Da die Zuchtbasis an echten Foundation Appaloosa in Europa lange äusserst klein war, haben wir, zusätzlich zu unseren damaligen Pferden, im Jahre 2008 vier Stuten und einen Hengst, selektiert aus der Herde eines der renommiertesten Foundation Appaloosa-Züchters aus Oregon, persönlich in die Schweiz begleitet. 2010 importierten wir nochmals einen vielversprechenden Foundation-Appaloosa-Hengst aus einer namhaften Zucht in Wyoming, um unsere eigene Zuchtbasis zu ergänzen. So besitzen wir nun hier in der Schweiz auf der Double Forest Ranch, am Jura-Südfuss des Kantons Solothurn, eine ansehnliche Zuchtbasis, eine der grösseren Foundation-Appaloosa-Zuchtherden Europas. Seit das erste Foundation-Appaloosa-Fohlen bei uns das Licht der Welt erblickt hat (wohl das erste FA Fohlen in der Schweiz überhaupt), kommen bei uns nun jährlich ein paar dieser Ausnahme-Pferde im Herdenverband zur Welt. Es gibt sie also noch, die echten, legendären, farbigen Indianerpferde, sogar hier in der Schweiz. Diese wertvollen Fohlen werden gerne an Kenner in der Schweiz und ganz Europa zum Verkauf angeboten. Bereits erwachsene, schon ausgebildete Foundation Appaloosa sind zurzeit jedoch noch kaum erhältlich. Aber immer mehr Enthusiasten erkennen den Wert des echten Foundation Appaloosa! Interessierte Leser finden weitere Informationen auf Englisch unter www.foundationapp.org und www.thefablist.com, und auch die Familie Renggli gibt gerne Auskunft (www.doubleforestranch.ch).

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Die umfangreichsten und die «ältesten» bekannten Zuchtstätten sind naturgemäss in den USA, wo gemäss Schätzung der dortigen Züchter ca. 200 bis 300 Foundation Appaloosa stehen dürften, davon nur ein Teil in der Zucht stehend. In Europa gehen die Schätzungen von ungefähr 100 echten Foundation Appaloosa aus, wovon wiederum nur ein kleiner Teil auch wirklich in der Zucht steht. In der Schweiz dürften mittlerweile an die 20 bis 25 Foundation Appaloosa stehen, wovon sieben Zuchtpferde in unserer Double Forest Ranch Zucht, und ein Teil Nachkommen daraus. Aus Überzeugung über die herausragenden Eigenschaften der Foundation Appaloosa haben wir entschieden, uns (fast) ausschliesslich der Zucht dieser speziellen Richtung unter den Appaloosa zu widmen. PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

Der Tierarzt Franz Renggli (50), hier mit DREA Bluhawks Pataha, ist nebenamtlich Inhaber und Leiter des Pferdegesundheitsdienstes, einer privaten, unabhängigen Beratungsdienst-Stelle. Zusammen mit seiner Frau Daniela führt er ausserdem den landwirtschaftlichen Pferdezuchtbetrieb, der im Bericht erwähnt ist. Hauptberuflich ist Franz Renggli in einem Lebensmittelproduktions-Betrieb als Tierarzt angestellt. Mit ihren Appaloosa sind sie gelegentlich im EnduranceSport anzutreffen. Daneben waren sie auch schon vereinzelt an Horseathlons, Westernturnieren und anderen Pferdeveranstaltungen. Franz Renggli ist aktuell im Vorstand des SVPHASDC aktiv.

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P R O M I N E N T I M S AT T E L Auf dieser Seite stellen wir ihnen in jeder Ausgabe eine Persönlichkeit vor, die Sie schon länger kennen. Doch wussten Sie schon, dass dieser prominente Mensch mit Ihnen eine PASSION teilt? Die Liebe zum Pferd.

PETER SAUBER FORMEL-1-TEAMCHEF P. S. – Peter Saubers Initialen passen perfekt. Denn Pferdestärken spielen im Leben des Hinwiler Formel-1-Teambesitzers die Hauptrolle. Im Beruf dreht sich alles um Rennautos, in der Freizeit stehen Motorräder und Pferde hoch im Kurs. Seit seiner Jugend schwingt sich Peter Sauber regelmässig in den Sattel. In der Reitergruppe der Zunft Riesbach gehört er beim Umzug am Zürcher Sechseläuten zum harten Kern. Peter Sauber, wann und wie sind Sie aufs Pferd gekommen? In früher Jugend waren Pferde und Reiten kein Thema für mich. Mein Vater war in der Reitergruppe der Zürcher Zunft Riesbach aktiv. 1958, ich war damals 15, machte meine Familie auf der Nordseeinsel Borkum zwei Wochen Ferien. Ich war erkältet, konnte nicht baden und entdeckte einen Reitstall, wo ich meinen ersten Reitversuch wagte. An das Pferd erinnere ich mich genau: Eine Fuchsstute mit dem berühmtem Namen Halla. Wie ging es weiter? Die erste Reitstunde machte so viel Spass, dass ich mich entschloss, zu Hause auch Reitunterricht zu nehmen. Und zwar im Kehlhof in Stäfa, wo mein Vater ritt. Ich half mit, Pferde zu pflegen, zu füttern und Boxen auszumisten. Meine Beziehung zu Pferden ging also über das Reiten hinaus. Und ich merkte bald, dass ich auch mit schwierigen Tieren zurecht kam. Ich bin von Natur aus ein ruhiger Typ, der keine Angst hat.

Woran erinnern Sie sich speziell? An eine Woche im Jura. Es hiess früh aufstehen, Pferde putzen, füttern und den Stall misten. Ich sass den ganzen Tag im Sattel und fiel abends todmüde ins Bett. Weitere Pferdeerfahrung sammelte ich in Laax, wenn ich im Ferienhaus meiner Eltern weilte. Freunde hielten dort Islandpferde für ihre Kinder. So kam ich mit den ersten Islandpferden in Kontakt, die in der Schweiz waren. Sie faszinierten mich besonders. Weshalb? Wegen ihrer Zähigkeit, Ausdauer und natürlich den fünf Gangarten. Vor allem der Tölt, der den Reiter schweben lässt, hatte es mir so sehr angetan, dass ich beschloss, ein Islandpferd zu kaufen. So kam die frisch importierte Stute Brunka in meinen Besitz. Sie konnte wunderbar tölten. Ich pflegte sie vor und nach der Arbeit jeweils selber. Weil die Zeit zu knapp wurde, als ich 1967 mit dem Autorennsport begann, verkaufte ich die Stute wieder. Den Pferden blieben Sie dennoch verbunden? Ja, in der Reitergruppe der Zunft Riesbach reite ich seit 1959, fast ohne Ausnahme, jedes Jahr am Zürcher Sechseläuten mit. Ich habe mir das Sechseläuten quasi zur Pflicht gemacht. Da hält mich so schnell nichts davon ab. Wie oft reiten Sie? Im Schnitt schwinge ich mich einmal im Monat auf den Pferderücken. In der ReiterPA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

gruppe der Zunft Riesbach – sie hat die Reitsportanlage Neugut der Familie Widmer in Rickenbach bei Winterthur als Ausgangsbasis – geniesse und schätze ich das aussergewöhnlich gute, kollegiale Verhältnis. Was haben Sie mit der Reitergruppe besonderes erlebt? Seit mehr als 25 Jahren unternehmen wir praktisch jedes Jahr viertägige Reitferien. Wir waren schon in vielen europäischen Ländern unterwegs: Von Irland bis Polen, von Spanien bis Ungarn. Ich geniesse es, fremde Landschaften vom Pferderücken aus kennenzulernen. Diesen Herbst geht es an die Algarve in Portugal. Natürlich waren wir auch in der Schweiz unterwegs: Zum Beispiel im Engadin, im Jura, im Berner Seeland und in Maienfeld. Sind Sie auch sportlich orientiert? Anders als im Automobilrennsport kannte ich im Reitsattel nie wettkampfmässige Ziele. Als Zuschauer habe ich den Pferdesport nur in frühen Jahren verfolgt, vor allem das Springreiten. Damals haben mich Könner wie Paul Weier, Nelson Pessoa oder die Gebrüder d’Inzeo beeindruckt.

Text: Ruth Müller Foto: ZvG

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Harmonie und Vertrauen.

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BEWÄHRTES NOCH BESSER GEMACHT HORSEATHLON – MIT INNOVATIVEM REGLEMENT IM ACHTEN SPORTJAHR Horseathlon sei die Pferdesportart, «an der auch Pferde teilnehmen würden, wenn sie wählen könnten». So propagiert der Schweizer Freizeitreitverband die grossen Zuspruch findende Vielseitigkeitsprüfung. Mit einem neu überarbeiteten Reglement wurden die Kategorien leistungsgerechter strukturiert, was sich bei den ersten drei Turnieren in Klingnau, Avenches und Bülach als gute Massnahme erwiesen hat. Text: Ruth Müller Fotos: Ruth Müller, zVg.

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er Schweizer Freizeitreitverband führt dieses Jahr zum achten Mal die Schweizer Meisterschaft im Horseathlon durch. Der polyvalente Mix aus Bodenarbeit, Geländestrecke, Gelassenheitsprüfung und Trail/Dressur fasziniert immer mehr Menschen. Sie schätzen es, mit ihrem Pferd, Pony, Esel oder Maultier vielseitige Aufgaben möglichst harmonisch zu lösen und sich gleichzeitig im Wettkampf mit Gleichgesinnten zu messen. Eine Besonderheit ist auch, dass alle Rassen und pferdegerechten Reitstile willkommen sind. Wer Motivation für ein

ganzheitliches Pferdetraining sucht, ist in dieser Sportart gut aufgehoben. Zweck jedes Horseathlons soll die Freude und der Spass an der Zusammenarbeit mit dem Partner Pferd sein. Als oberstes Ziel wird formuliert, den Vierbeiner ohne Druck und Zwangsmittel zu trainieren, ihn zu seinem Wohl physisch und psychisch weiter zu bringen und mit ihm gemeinsam an den Aufgaben des Lebens zu wachsen. Das Schöne am Horseathlon ist: Es wird nicht nur bewertet, ob eine Aufgabe erfüllt wird, sondern auch wie ein Paar die Aufgaben löst. Die Richter achten vor allem auf Korrektheit und zwangloses PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

Agieren. Sie bewerten die Darbietungen nach klar definierten Gesichtspunkten. Grosses Gewicht hat die Manier des Pferdes und seine Aufmerksamkeit gegenüber den möglichst geringen Hilfen. Höhere Bewertung erreichen Paare, die im Parcours Stil an den Tag legen und die Hindernisse in angemessener Geschwindigkeit präzise absolvieren. Pro Parcours können jeweils 100 Punkte erreicht werden. Es geht auch nicht darum, die Aufgaben möglichst schnell hinter sich zu bringen, vorsichtiges Arbeiten hat deshalb keinen Punkteabzug zur Folge. Der Kreativität der Parcoursbauer, die sich in Kursen ständig 73


WIE BELIEBT HORSEATHLON VOR ALLEM BEI DEN FREIZEITREITERN IST, ZEIGTE SICH ERNEUT: DIE ANLÄSSE WAREN IM NU AUSGEBUCHT. weiterbilden, sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Stets bestrebt, die Sportart noch pferdegerechter und für die Reiter sowie Führpersonen optimaler zu gestalten, hat der SFRV das Horseathlon-Reglement auf die aktuelle Saison hin mit grundlegenden Neuerungen versehen. Die augenscheinlichste Anpassung hat bei den Kategorien stattgefunden. Neu werden die berittenen Kategorien mit D (ehemals C, B und L) bezeichnet. An den Zahlen dahinter sind die drei Schwierigkeitsgrade zu erkennen: D1 = schwer, D2 = mittel, D3 = leicht. Gleiches gilt für die geführten Prüfungen (ehemals E). Sie heissen nun F und werden neu in zwei Stufen durchgeführt: F1 steht für die Kategorie mit schweren Aufgaben, F2 bezeichnet jene mit mittleren Anforderungen. Diese Trennung ist auf vielfachen Wunsch der bewährten Teilnehmerpaare enstanden: Sie wünschten sich eine noch anspruchsvollere Herausforderung. Im Zuge der Einführung neuer Kategorien und dem Bestreben, punkto Leistungsfähigkeit ausgeglichenere Starterfelder zu gewährleisten, hat der SFRV entschieden, besonders erfolgreiche Paare in die nächsthöhere Kategorie einzustufen. Diese neue Regelung greift folgendermassen: Eine Höherstufung erfolgt für die besten Teilnehmer und bezieht sich auf die während der vorgängigen Saison erreichten SM-Qualifikationspunkte. Pferde, die jünger sind als acht Jahre, sind von dieser Regelung ausgenommen. Die Liste der «zwangsbeförderten» Paare ist auf der Horseathlon-Website www. horseathlon.ch ersichtlich. Wer nicht in die höhere Kategorie wechseln will, muss nicht, kann jedoch nur noch hors concours starten. Mit triftiger Begründung oder drei Klassierungen in den letzten

Rückwärts über die Wippe in Bülach: Uschi Regli und Freibergerstute Sabine starten in der schweren Reitkategorie.

Dreifache Schweizer Meister in der geführten Kategorie: Bettina Junker mit Mini-Shetty Namibia.

zehn Prozent der Rangliste innerhalb einer Saison, kann eine Tieferstufung für das nächste Jahr beantragt werden. Das Gegenteil ist freilich auch möglich: Es steht allen Teilnehmern frei, von sich aus in einer höheren Stufe zu starten, wenn sie sich und ihren Vierbeiner dafür befähigt halten. Als Innovation entfällt die separate Kategorie für Jugendliche. Diese dürfen nun, ihrem Ausbildungsstand entsprechend, in den Hauptkategorien starten. Der SFRV gibt lediglich ein empfohlenes Einstiegsalter vor. Dieses liegt zwischen 12 Jahren (geführt mittel) und 18 Jahren (geritten schwer). Anders als die Erwachsenen können sich Jugendliche unter 18 Jahren auch im Schwierigkeitsgrad 3 für die Schweizer Meisterschaft qualifizieren. Es gibt den Titel des Jugend-Schweizer-Meisters zu holen. Bei der Schweizer Meisterschaft im Horseathlon startberechtigt sind jene Paare, die in den Qualifikationsprüfungen am meisten Punkte gesammelt haben. Die Anzahl SM-Startplätze ist je nach Kategorie

verschieden: 15 in D1, 25 in D2, 6 in D3 für unter die unter 18-Jährigen sowie 10 in F1 und 15 in F2. Zähler gibt es jeweils bis zum zehnten Rang der Ranglisten – der Sieger jeder Kategorie erhält zehn Punkte, der Zehntplatzierte noch einen Punkt. Insgesamt fünf Turniere werden 2012 durchgeführt: Den Auftakt machten Klingnau und Avenches im Mai, gefolgt von Bülach anfang Juni. Wie beliebt Horseathlon vor allem bei den Freizeitreitern ist, zeigte sich erneut: Die Anlässe waren im Nu ausgebucht. Nach der Sommerpause finden noch die Horseathlon-Veranstaltungen in Müntschemier am 25./26. August sowie in Aarberg am 9. September statt. Uschi Regli aus dem luzernischen Wauwil amtiert beim SFRV als Vorsitzende der Technischen Kommission Horseathlon und engagierte sich stark für die Reglementsreform. «Die Neuerungen haben sich bei den ersten drei Turnieren bewährt», sagt sie. «Das Feedback der Teilnehmenden und Organisatoren war durchaus positiv.» Auch das neue Computerprogramm, das den administrativen

Pferdelandschaft. Im Mittelpunkt seines Denkens und Handelns stehen Pferd und Mensch. Das Pferd als Lebewesen mit ganz spezifischen körperlichen Eigenschaften, Verhaltensweisen und Bedürfnissen und der Mensch, der seine Verantwortung gegenüber dem Pferd mittels einer Portion Intuition sowie der erforderlichen Sozial- und Sachkompetenz erkennen und wahrnehmen will.

Langfristig möchte der SFRV das Ansehen und das Niveau der Freizeitreiterei in der Schweiz heben und die Kooperation zwischen den einzelnen Reitsparten und -vereinigungen fördern. Konkret wirkt der Verband auch in der Weiterbildung der Reiter: Mit einem vielfältigen Kursprogramm für Reiter aller Ausrichtungen und jeden Ausbildungsstandes. Im Angebot ist auch die Ausbildung zum Freizeitreitlehrer. (rum)

Der Schweizer Freizeitreitverband SFRV Menschen, die das Reiten sowie den Umgang mit Pferden als Freizeitbeschäftigung und in erster Linie ohne Turnierambitionen pflegen, haben gemeinsame Interessen und Bedürfnisse. Aus dieser Überzeugung gründeten engagierte Reiter am 25. März 2000 den Schweizer Freizeitreitverband SFRV. Der Verband versteht sich nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung zu den bestehenden Institutionen in der Schweizer

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Brav im Teich stehen: Saskia Süssli mit Tigerschecke Yllico beim Horseathlon in Klingnau.

Präzision und Leichtigkeit: Sandra Schafflützel reitet mit Fred über die Palettenbrücke in Avenches.

Aufwand verringert und auch Online-Nennungen ermöglicht, sei ein wertvoller Schritt in die Zukunft. Der SFRV sei jedoch weiterhin gefordert, wünsche er sich doch klar mehr Horseathlon-Anlässe. «Zehn bis zwölf Turniere im Jahr, zudem in verschiedenen Gebieten der Schweiz, sind unser angestrebtes Ziel.» Es sei nicht einfach, Veranstalter zu finden, die nebst dem nötigen Herzblut für die Organisation auch eine

Auf der Geländestrecke in Avenches: Helen Schneider mit Cheyenne (amtierende Schweizer Meisterin Kategorie B) und Kathrin Eichler mit Lucy (amtierende Schweizer Meisterin Kategorie C).

geeignete Infrastruktur (drei wetterfeste Plätze zu je ca. 25 x 25 Meter sowie die Möglichkeit für einen Geländeritt) zur Verfügung haben. Zwei eingeplante Turniere kamen aus verschiedenen Gründen nicht zustande. Die traditionelle Veranstaltung in Hasle bei Burgdorf fällt dieses Jahr einmalig aus, wegen der Terminkollision mit der grossen, dörflichen Gewerbeausstellung. Und das im Herbst angesetzte, erstmals im Kalender erschienene Turnier in Münsingen, machte einen Rückzieher wegen ungelöster Fragen punkto Infrastruktur. Die Organisatoren bekräftigten ihre Absicht, im kommenden Jahr einen erneuten Anlauf nehmen zu wollen. «Da es sich bei Klingnau, Bülach und Müntschemier um zweitätige Veranstaltungen handelt, mit teilweise doppelt geführten Kategorienfeldern, haben wir eigentlich insgesamt acht Turniere, welche die Möglichkeit für die SMQualifikation bieten.» Denn ein Start mit dem gleichen Pferd an zwei aufeinanderfolgenden Tagen sei möglich. Der Termin für die Schweizer Meisterschaft wurde dieses Jahr für den 21. Oktober angesetzt. Nachdem 2011 erstmals Bülach im Zürcher Unterland Schauplatz des sportlichen Saisonhöhepunkts war, kehrt das nationale Horseathlon-Championat wieder ins freiburgische Plaffeien zurück. Aufgrund der Ergebnisse unter dem Jahr und der Anzahl gesammelter Qualifikationspunkte haben sich bereits einige Paare in eine Favoritenrolle manövriert. Die Vergangenheit hat gezeigt: ÜberraPA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

schungssieger gibt es beim nationalen Championat nicht. Zwar spielen Tagesform und Wettkampfglück eine Rolle, doch weil die Anforderungen an der SM nochmals ein bisschen höher sind als unter dem Jahr, werden sich in Plaffeien abermals die erfahrensten, besten Paare durchsetzen. Um auf die Turniere bestens vorbereitet zu sein, bietet der SFRV in seinem reichen Kursangebot auch regelmässig Horseathlon-spezifische Lehrgänge an. Am 1. September findet beispielsweise ein Horseathlon-Geländetraining im freiburgischen Plaffeien statt. Naturhindernisse wie Abrutsch und Aufstieg, Wasserdurchquerung, Grat, Treppe, Baumstämme und Feuer werden Schritt für Schritt in kleinen Gruppen besprochen und trainiert. Der Kurs vermittelt Anregungen und Tipps für ein abwechslungsreiches, pferdegerechtes Training. Was ganz im Sinne aller ist, die sich dem Horseathlon verschrieben haben.

Mehr Informationen www.horseathlon – Die Website der vielseitigen Pferdesportart www.sfrv-asel.ch – Die Internetseite des Schweizer Freizeitreitverbands erfuhr dieses Frühjahr eine Rundumerneuerung. Der aktuelle Auftritt ist moderner, besser strukturiert und lädt den Benutzer ein, alles Wissenswerte über den Verband, sein Kursangebot und insbesondere die Sportart Horseathlon zu entdecken.

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MEDIZIN

PRÄVENTION STATT THERAPIE UND REHABILITATION

In der Arbeitsmedizin werden Pferde vorsorglich lich auf ihren gesundheitlichen Zustand untersucht und auf a das geforderte Leistungsvermögen getestet.

Text: Dr. vet. Claudia Graubner Fotos: zVg

Plethysmographie: Untersuchung der Lunge mit feinen Sensoren über der Brust- und Bauchwand.

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ald jeder Breitensportler lässt sich im Laufe seiner sportlichen «Karriere» einmal sportmedizinisch durchchecken. Sei dies vom Orthopäden auf dem Laufband oder vom Herzspezialisten auf dem Ergometer. Dies, um einerseits zu wissen, wo man mit seiner Kondition steht und 76

DRS: dynamische Endoskopie der oberen Atemwege während der Arbeit.

Adspektion: Begutachtung des Pferdes vorerst «aus der Ferne».

andererseits auch, um gesundheitlichen Schäden vorzubeugen. Technisch sind beim Pferd diese Untersuchungen so gut wie alle möglich. Ein gesundes, respektive gesund-geglaubtes Pferd aber tiermedizinisch untersuchen zu lassen, bevor es in die Turniersaison startet, ist keine Routine. Sinnvoll ist ein

solcher Check aber allemal. Nicht nur auf hohem Leistungsniveau. Sogenannte «subklinische» Probleme, das heisst krankhafte Veränderungen, deren klinische Symptome kaum oder noch nicht ausgeprägt sind, können im Laufe einer Turniersaison zu grösseren Problemen werden und unter Umständen dazu führen, dass die Saison

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vorzeitig beendet werden muss. Oder diese «kleinen» Probleme können der Grund sein, warum die Leistung über einen bestimmten Punkt nicht hinaus gesteigert werden kann. Bei der Arbeitsmedizin werden vor allem der Bewegungsapparat, der Atmungsapparat und das Herz-Kreislaufsystem sowie der Magen untersucht. Nebst allen Untersuchungen wird ein Beratungsgespräch mit dem Besitzer bzw. dem Trainer geführt, um den individuellen Aufbau des Pferdes auch aus tier-, bzw. sportmedizini-

EKG: Langzeit EKG-Aufnahme im Stall. Diese Untersuchung ist auch unter Belastung möglich.

scher Sicht zu optimieren. Die Untersuchung des Bewegungsapparates läuft im Prinzip ab wie eine Ankaufsuntersuchung. Das Pferd wird in Ruhe und in der Bewegung betrachtet, Beugeproben werden durchgeführt. Kleine Gangunregelmässigkeiten können heute mit feinen Sensoren und Computermessungen noch besser festgestellt werden. Je nach Befund werden Röntgen- und/oder Ultraschalluntersuchungen empfohlen. Bei der Un-tersuchung des Bewegungsapparates wird auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Hufschmied wert gelegt. Vor allem bei Ausdauerdisziplinen sind einwandfreie Atemwege sehr wichtig. Die Pferde werden zuerst in Ruhe abgehört und anschliessend belastet, um zu überprüfen, ob dabei zum Beispiel Nasenausfluss oder ein Atemgeräusch auftritt. Auch kann eine sogenannte Leistungsintoleranz («das Pferd kann aber einem gewissen Punkt nicht mehr») in Zusammenhang mit einer Erkrankung der Atemwege stehen. Die Funktion der oberen Atemwege, vor allem im Bereich des Rachens und des Kehlkopfes, kann heute mit Hilfe der «dynamischen Endoskopie» untersucht werden. Dabei wird dem Pferd während der Belastung (an der Longe, unter dem Sattel, am Wagen . . .) der Rachen-Kehlkopfbereich mit einer durch die Nüstern eingeführte Kamera (Endoskop) untersucht. Atemgeräusche können durch Schwächen im Rachen oder Kehlkopf verursacht werden und erst im Verlauf der Leistung mit zunehmender Gewebsermüdung auftreten. Die Schwächen (sehr bekannt: Kehlkopflähmung, sog. Roarer) können dann mit der dynamischen Endoskopie erkannt werden. Da die Untersuchung während der gewohnten Belastung durchgeführt wird, kann ein Zusammenhang zwischen Geräusch/Gewebsschwäche und Leistungsänderung (z. B.: keine Steigerung mehr ab diesem Moment) festgestellt werden. Zur Untersuchung der unteren Atemwege gehören die Endoskopie in Ruhe (Luftföhren-Spiegelung) mit einer Entnahme von Sekret und die Plethysmographie. Letztere kann Hinweise geben auf «versteckte» Überempfindlichkeiten der Lunge, ohne dass bereits Symptome wie Nasenausfluss oder Husten aufgetreten sind. Bei dieser Untersuchung werden die Atemwege mit Histamin (Stoff, der bei Allergien ausgeschüttet wird) gereizt und die Reaktion darauf wird mit Sensoren über der Atemmuskulatur am Brustkorb und am Bauch gemessen. Das Herz-Kreislaufsystem wird zuerst klinisch untersucht (Abhören, Puls fühlen, Venen überprüfen). Die Belastbarkeit des PA S S I O N S O M M E R 2 0 1 2

Herzens beim Pferd kann wie beim Menschen mittels Belastungs-EKG überprüft werden. Das Pferd kann normal gearbeitet werden, während das Gerät die elektrische Funktion aufnimmt. Treten vermehrt Rhythmusstörungen auf, können weitere Untersuchungen angeordnet werden (z. B. Blut- und Harnuntersuchung). Neben dem EKG wird das Herz auch mit dem Ultraschall angeschaut. Es können damit unter anderem die Grösse der beiden Vorhöfe und der beiden Herzkammern sowie die Dichtigkeit der Herzklappen beurteilt werden. Viele Pferde (in manchen Studien bis zu 80 %) haben Magengeschwüre (Entzündungen der Magenschleimhaut mit Bildung von «Löchern») und längst nicht alle zeigen auch Symptome, oder nur sehr unspezifische Anzeichen. Magengeschwüre können mit einer Magenspiegelung relativ einfach festgestellt werden. Das Pferd wird 24 h gefastet. Damit es angenehmer ist für das Pferd, wird es für diese Untersuchung sediert. Eine schlauchförmige Kamera (Gastroskop) wird durch die Nase zum Kehlkopf eingeführt, vom Pferd geschluckt und dann bis zum Magen vorgeschoben. Ein Blutbild, je nach Wunsch mit Untersuchung auf Fremdstoffe (Doping) schliesst den «Sport-Check» ab. Alle Untersuchungen können an einem Tag durchgeführt werden. Sie sind eine Momentaufnahme des Gesundheitszustandes und ersetzen keinesfalls eine durchdachte und gezielte Vorbereitung auf die Saison.  

Die Autorin Dr. vet. Claudia Graubner Die Tierärztin Claudia Graubner (30) arbeitet im Institut de Médicine Equine an der Universität Bern (ISME). Sie lebt zusammen mit Ihrem Lebenspartner auf einem Bauernhof mit Milchviehbetrieb. Claudia Graubner reitet selber seit über zwanzig Jahren, früher auch aktiv im Springsport, und hält zusammen mit ihrer Schwester vier eigene Pferde.

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BESSER FAHREN MIT PASSION PASSION bietet seinen Lesern in enger Partnerschaft mit dem Driving Center Schweiz Fahrtrainings mit Gespannen zu speziellen Konditionen.

TAGESPROGRAMM THEORIE: Fahrzeugbedienung, Technik, Physik, Vekehrssinnbildung.

Reiter und Pferdehalter müssen Ihre Tiere gelegentlich in einem Anhänger von A nach B transportieren. Da dies bei den meisten aber eher selten vorkommt, fehlt oft die Routine und Erfahrung für das Fahren mit einem Zugfahrzeug-/Anhängergespann. Das Fahrverhalten verändert sich massiv mit einem Gespann. Es gelten andere Gesetzmässigkeiten, was die Sicherheit betrifft. Im Kurs stehen die einzelnen Bedürfnisse der Teilnehmer im Vordergrund. Sie üben richtiges Manövrieren, Notbremsungen und Kurvenfahren, damit Sie immer stressfrei und sicher ans Ziel gelangen.

PRAKTISCHE ÜBUNGEN: Handling und Nachlaufverhalten bei Kurvenfahrt, Bremstechnik in Notsituationen, Erfahren des Eigenlenkverhaltens (untersteuern, neutral, übersteuern), Notbremsung auf unterschiedlichen Haftungen, Fahrdynamik mit Anhänger, Manövrieren, Notbremsen mit Ausweichen. ZIELE: 왘 Kenntnisse der fahrphysikalischen Grundlagen und Zusammenhänge bei Gespannen. 왘 Probleme erkennen, bewusster und mit mehr Reserven fahren. 왘 Sensibilisierung des Verkehrssinnes bei kritischen Situationen. 왘 Beim Gespann Stabilitätsprobleme frühzeitig erkennen und vermeiden. 왘 Entspanntes Fahren und Reisen mit Anhänger.

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KOSTEN TAGESKURS MIT EIGENEM GESPANN: CHF 350.– pro Person/Gespann (inkl. Mittagessen) (Sa und So Zuschlag von CHF 30.–) PASSION-Leser erhalten eine Vergünstigung von 100 Franken unter Angabe des Gutschein-Codes: PAS-100-ANH (Für 18- bis 29-jährige gibt es eine zusätzliche Rückvergütung aus dem Fonds für Verkehrssicherheit FVS im Wert von CHF 100.–) Kursort: Sennwald SG Weitere Infos oder Anmeldung unter www.drivingcenter.ch info@drivingcenter.ch oder Telefon 058 364 52 52

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GEWINNE EINE REGENDECKE VON IM WERT VON CHF 169.– Teilnahmebedingungen findest Du im Impressum. Teilnahme: Sende das Lösungswort per E-Mail mit Betreff RÄTSEL PASSION an i.poffa@prosell.ch oder per Post an: Prosell AG PASSION Das Schweizer Reitmagazin Gösgerstrasse 15 Postfach 170 5012 Schönenwerd Einsendeschluss ist der 30. September 2012.

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Den Preis aus unserem Frühlingsrätsel, einen «UVEX SUXXEED PAISLEY»Reithelm im Wert von CHF 590.– hat gewonnen: Vanessa Herzig, Roggliswil

Auflösung Frühlingsausgabe 2012

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V O R S C H A U PA S S I O N H E R B S T 2 0 1 2 Die Herbstausgabe von PASSION ist ab dem 23. Oktober 2012 im Handel erhältlich. Unter anderem können Sie sich auf folgende Artikel freuen:

PSYCHOLOGIE Pferdeverrückte Mädchen Was steckt eigentlich dahinter, dass sich meist weibliche Teenager in 500 kg schwere Tiere verlieben?

MODE & LIFESTYLE News und Trends für das perfekte Outfit an kälter werdenden Tagen.

PORTRAIT Im Wandel der Zeit Die ehemalige Eidgenössische Militärpferde-Anstalt (EMPFA) in Bern hat sich zum modernen Nationalen Pferdezentrum (NPZ) gemausert. Ein Blick hinter die Kulissen.

AUSBILDUNG Springreiten Die Konditionierung und das Training von Springpferden.

MILITÄR Train Und es gibt sie doch noch: Pferde in der Armee.

ABENTEUER/REISEN Eine Lesergeschichte über einen halbjährigen Aufenthalt auf einer Hacienda in Andalusien.

. . . und viele weitere, interessante Themen.

Allgemeine Teilnahmebedingungen bei Wettbewerben

Impressum

Zur Teilnahme an den Verlosungen im Magazin PASSION ist jede in der Schweiz und Liechtenstein wohnhafte Person berechtigt, unter Ausschluss der Mitarbeitenden von PASSION – Prosell AG, deren Partnerfirmen und der beauftragten Agenturen. Die Teilnahmefrist wird für jeden Wettbewerb separat definiert. Sofortgewinner werden mit Hilfe eines Zufallsalgorhythmus ausgelost und umgehend benachrichtigt. Die Ziehung des Hauptpreises erfolgt nach Ablauf der Teilnahmefrist. Nur korrekte und vollständige Angaben von Zustellungsdaten (Name, Adresse, Ort) berechtigen zur Preiszustellung. Die Preise werden den Gewinnern per Post an die angegebene Adresse zugestellt. Teilnahmemöglichkeiten: Post und E-Mail.

PASSION Das Schweizer Reitmagazin, ISSN 2235-5456; 1. Jahrgang; erscheint 4-mal jährlich; Herausgeber und Verlag: Prosell AG, Gösgerstrasse 15, 5012 Schönenwerd, Telefon 062 858 28 28, Fax 062 858 28 29; Redaktion PASSION: Lotzwilstrasse 9, 4900 Langenthal, Telefon 062 922 69 11, Fax 062 858 28 29; Verlagsleitung: Wolfgang Burkhardt (w.burkhardt@prosell.ch); Redaktionsleitung: Thomas Bryner (redaktion@prosell. ch); Inserate: Prosell AG, Schönenwerd, Theres Misar (t.misar@prosell.ch); Produktmanagement: Rebekka Theiler (r.theiler@prosell.ch); Konzept, Design und Produktionsverantwortung: Brandl & Schärer AG, Solothurnerstrasse 121, 4600 Olten, www. brandl.ch; Druck: Stämpfli Publikationen AG, Wölflistrasse 1, Postfach 8326, 3001 Bern; Aboservice: Prosell AG, Isabella Poffa, (i.poffa@prosell.ch); Jahresabonnement: CHF 29.– für ein Jahr, CHF 56.– für zwei Jahre (inkl. MwSt.); Copyright: Prosell AG, Gösgerstrasse 15, 5012 Schönenwerd; Nachdruck: nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion gestattet; www.passion-magazin.ch oder info@prosell.ch

Es ist weder eine Barauszahlung noch ein Umtausch der gewonnenen Preise möglich. Die Teilnehmer willigen ein, dass die übermittelten Daten durch PASSION und deren Partner für Marketingaktivitäten weiterverwendet werden können. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Bad hair day?

für eine ausreichende – nicht übermässige – Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Aminosäuren.

Das Fell eines Pferdes ist der Spiegel seiner Gesundheit.

Rechtzeitig Vorbeugen Ein möglicher Mangel – oder zumindest eine suboptimale Versorgung – kann natürlich nicht in wenigen Tagen vor dem Fellwechsel ausgeglichen werden. Daher ist es wichtig, mittels einer langfristigen Planung über mehrere Wochen dagegen anzugehen bzw. vorzubeugen.

Die Fellpflege ist ein wichtiger Bestandteil der Pferdepflege. Beim Putzen wird das Fell nicht nur von Schmutz und Schweissrückständen befreit, man kann das Tier gleichzeitig komplett inspizieren. Ein aufmerksamer Reiter bemerkt mögliche Verletzungen, Schwellungen, Hautveränderungen etc. Zugleich wird die Bindung und das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter vertieft. Fellwechsel Jedes Jahr im Frühjahr und im Herbst ist es soweit: Die Pferde legen ihr neues Fellkleid an. Oft beobachten Pferdebesitzer, dass ihre Pferde in dieser Zeit matt, lustlos und schlapp wirken. Sie ermüden schneller und die Erholungszeit nach erbrachter Leistung ist länger. Der Organismus der Pferde läuft zur Zeit des Fellwechsels auf Hochtouren. Während dieser Phase benötigt der Pferdekörper viel Energie und Eiweiss (Aminosäuren) um neue Haare zu bilden. Auch der Bedarf an Spurenelementen wie Zink, Kupfer und Selen steigt an. Sorgen Sie in diesen Zeiten erhöhter Belastung

Die Verabreichung von Equi-Strath®, schon wenige Wochen vor dem eigentlichen Fellwechsel, kann den Organismus optimal auf diesen vorbereiten. Bieten Sie Ihrem Tier die bestmöglichste Unterstützung in dieser anstrengenden Phase. So wird das neue Haarkleid schön und glänzend. Was ist Equi-Strath®? Equi-Strath® ist ein natürliches, vollwertiges Aufbau- und Ergänzungsfuttermittel aus Kräuterhefe, welches dem Basisfutter beigemischt wird. Dieses einzigartige Kräuterhefepräparat ist frei von synthetischen Zusatzstoffen und Konservierungsmittel. Das Aufbaumittel erhöht die Abwehrkraft, steigert die Vitalität, begünstigt den Stoffwechsel, verkürzt die Erholungsphase, hilft in Stress-Situationen und unterstützt den Fellwechsel. Erhältlich in spezialisierten Fachgeschäften.

Weitere Informationen: Bio-Strath AG, 8032 Zürich info@bio-strath.ch, www.equi-strath.ch


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