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Holger Liebknecht

Die grosse Runde Copenhagen Stories

mach-gut-verlag 5


Save Christiania MGV7

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Und wenn es nichts n端tzt, umsonst ist es nicht. Holger Liebknecht

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Vorwort Man wird es mir nicht glauben, aber ich vermisse sie: Die Dänische Demokratische Republik. Den Ossi-Charme von Copenhagen, der letzten europäischen Bastion des Sozialismus1. Prädikat: überaus erhaltenswert. Empfehlenswert. Fast erzählenswert. Irgendwie habe ich sie dann doch lieben gelernt: Die Steuerbehörden, die Autos, die hier Lada, Skoda und Hyundai heissen2, die Intershops namens Illum oder Magasin. Die disziplinierten Massen an Fahrradfahrern, die stolzesten und privilegiertesten Menschen der Welt. Die dänische Küche, die sich irgendwo zwischen Matjes und gutbürgerlich einpendelt, die orangenen Gummistiefel zum kleinen Schwarzen, die hakeligen

Fensterhäkchen

und

unlogischen

Türknaufe,

die

degenerierten

Pølserwagen3, die schwuchteligen Rundschnitte der Dänen, die perversen SevenElevens und die selbstgetöpferten, Blumenvasen gleichenden Teetassen der Dänen. Und die Copenhagenerin, im folgenden Dänöse genannt. Sie ist sehr schön. Die Dänöse ist blond, hat kräftige Wangenknochen, ist schlank und hat lange, tadellose Beine. Die Männer sehen ähnlich aus, haben aber kleinere Titten4. All das fehlt mir ein wenig. Und die dicken Titten der Dänösen. Was ich allerdings am meisten vermissen werde, ist Christiania, einen proklamierten Freistaat im unfreien Staate Dänemark. Dort gibt es ziemlich besondere Menschen, Kneipen und Toiletten. Man kann dort grosse und kleine Runden drehen oder in zwangloser Atmosphäre den Angeboten der Botanik huldigen. Von schönen dänischen Frauen und Christiania handeln daher diese Geschichten. Meistens zur gleichen Zeit. Aber auch von schönen Frauen und kleinen Wundern in Christiania. Lesen Sie wohl.

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Ich weiss, die Dinge haben sich - entsprechend ihrer Bestimmung - verändert. Aber lassen wir sie für einen Moment mal so, wie sie waren. Siehe dazu und zum dänischen Design auch I. Magic Woodstock. 2 Besonderer Liebling der Dänen ist der Hyundai Pony, ein Auto, das so aussieht, wie es heisst. Andererseits muss man diesem Land eines lassen: Besitzer deutscher Oldtimer kommen hier voll auf ihre Kosten. Wer etwa einen Kotflügel eines 72er Ford Taunus oder ähnliches sucht, ist hier bestens aufgehoben. 3 Pølser = dänische Würstchen (siehe Fussnote 4). 4 Ich habe viel Zeit damit verbracht herauszufinden, woran das liegt. Es muss an den Pølsern liegen. Die Dänen und Dänösen lieben sie gleichermassen und stopfen sie in rauhen Mengen in sich rein. Es sind also mal wieder die Östros, die die Frauen dicktittig und die Männer weibisch und schwuchtelig machen.

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Vorwort zu gänzlich überarbeiteten Ausgabe Von mir aus kann’s eigentlich schon losgehen, nur soviel noch: diese kecken Geschichten sind im Wesentlichen in den Jahren 1996-1998 erlebt und als Skizze notiert und in den folgenden Jahren (1999-2002) darnieder geschrieben und seitdem mehrfach überarbeitet worden. Trotz durchaus wohlwollender Kommentare der darin vorkommenden Protagonisten, wurden sie erstaunlichwerweise von allen deutschen Verlagen von Rang und Namen verkannt und ignoriert. Angeregt durch den finanziellen und sexuellen Grosserfolg nicht wesentlich besserer Konkurrenzprodukte aus der Musiker- und Filmszene, sehe ich mich heute herausgefordert, erneut zu versuchen, dieses, mein post-pubertäres Frühwerk einer grösseren, gänzlich unvorbereiteten Leserschaft unterbreiten zu wollen. Ich gebe zu, das Werk hat seine Längen, Wiederholungen und durchaus auch Einseitigkeiten. Man - und vor allem Frau - bedenke: wir waren jung und rauchten das Gras.

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I. Magic Woodstock Eigentlich hätte es ein ganz normaler Abend werden können. Irgendwie war er das dann auch, hängt halt davon ab, was man so normal nennt. Wir sassen im Woodstock, der ersten Station unserer schon fast zur Tradition gewordenen Runde5 durch Christiania. Um uns herum die übliche Mischung fertiger, liebenswerter Menschen und kopulierender Hunde. Vom Penner, über abgehalfterte mittelalte Damen, die uns hemmungslos schlecht anbaggerten, über resignierende besoffene Eskimos6, Althippies und sonstige Freaks war wieder alles vertreten. Das ganze ergab eine dementsprechend komische Stimmung: aggressiv und friedlich zugleich. Auf jeden Fall hatte es eine Weile gedauert, bis ich das Gefühl losgeworden war, hier sowas wie ein Fremdkörper, ein Eindringling, ein Beobachter zu sein. Mittlerweile liebte ich diese Atmosphäre; hatte sie schliesslich etwas einmaliges. Ausserdem hing über der Eingangstür das Strassenschild der Strasse, in der ich wohnte: Havnegade stand da. Neben mir hockte ein Däne mit Lappohrenmütze und Gummistiefeln, also in typischer Ausgangsuniform. Er war gerade in der Endphase eines perfekten, opulenten Joints und zwinkerte mir freundlich zu. Dazu summte er etwas aus Strauss´ Vier letzte Lieder und ich fand das sehr passend. Thomas kam mit drei Bier zurück und verlangte einen Joint. Hoss, der dritte im Bunde, zündete die erste Grastüte des Abends an und reichte sie weiter. Endlich war ich an der Reihe und gab mir einen Hammerzug. Mit dem nächsten Zug flämmte ich mir die verbleibenden Reste meines bronchialen Flimmerepithels weg und gab den Sticky zufrieden weiter. Er kam schnell und haute so richtig in die Birne. Genial. Der Hammer. Zufrieden schaute ich in die Runde. Das war schon geil hier. Um uns rum kifften alle oder soffen. Meistens aber beides. Das ganze in einer wahnwitzigen Lärm- und Dunstglocke, die Kommunikation eigentlich unmöglich machte. Aber auch unnötig. Geist und Sinne wurden schliesslich ausreichend bedient. Aber hallo. Der Däne neben mir erzählte mir gerade, dass Brecht doch gestern 100 geworden sei. Erst nach einer Weile merkte ich, dass er auf Deutsch mit mir sprach. Er holte weit aus und erzählte in epischer Breite. Ich bekam - mittlerweile in ähnlichem Zustand - nur noch die Hälfte mit, nickte gelegentlich und machte ein wichtiges Gesicht. Er entschuldigte sich für sein schlechtes Deutsch und meinte zum

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Siehe hierzu auch VII. Die kleine Runde und VIII. John.

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Abschluss, er könne besser deutsch singen. Was er dann auch tat, nämlich Brechtlieder. Und das nicht mal schlecht. Der Abend begann vielversprechend. Irgendwann schien es mir Zeit für unser Cocios, dem obligatorischen kalten Kakao zu fortgeschrittener Stunde. Kalt und dick und bitter. Das Beste aber an dem Zeug war vielleicht sogar das Design der Flasche. Das Etikett in gelb und braun. Schlicht, ein wenig im 50er Jahre Stil7. Das könnte auch DDR Design sein, stellte ich als These zur Diskussion. Ich lachte mich darüber dermassen kaputt, dass ich mich gar nicht mehr einkriegte. Thomas wieherte mit, nur Hoss - der Franzose - glotzte doof. DDR-Design sein! Wir fassten es nicht. In diesem Satz lag soviel Wahrheit und Witz, wir klopften uns auf die Schenkel. Natürlich war Dänemark der DDR in manchen Dingen ähnlich, aber das wurde uns erst jetzt klar. An diesem Produkt, an diesem Design. Dieses Wortspiel hatte es echt in sich8. Wir lebten in der Dänischen Demokratischen Republik! Wir versuchten, es Hoss auf Englisch zu erklären, aber versuch das mal. Aussichtslos. Als wir uns wieder beruhigt hatten, versuchte der Äthiopier neben mir, sich mit mir über Orpheus und Eurydice zu unterhalten. Das wurde mir aber etwas zu hart, also stand ich auf und sang ihm den einzigen Part aus Monteverdis Orpheus, der mir noch aus dem Musikunterricht im Kopf hängengeblieben war, vor: La tua bella, Euridice. La tua diletta sposa è morta. Es strahlte mich an und liess mich zur Belohnung zufrieden. Selbiges war ich dann auch und hockte mich wieder zu den anderen. Mir gegenüber sassen drei besoffene Eskimos und glotzten dümmlich zu uns rüber. Einer machte Faxen, die wohl heissen sollten: habt ihr nicht was zu kiffen für uns? Zwischendurch mimte er den Magier oder Kung-Fu Kämpfer, keine Ahnung. Auf jeden Fall schien er uns oder die Kerze zwischen uns beschwören zu wollen. Irgendwann machte er blitzschnell ein Streichholz an, blies es aus, haute mit der einen Hand die Flamme der Kerze aus und näherte die andere mit dem erloschenen Streichholz langsam der Kerze. Plötzlich sprang eine kleine Flamme von dem Streichholz auf den Docht der Kerze über. Und die Kerze brannte wieder. Zufrieden

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Mir ist auch klar, dass es sich dabei um Grönländer handelt. Aber die nennen sich nun selber - politically völlig incorrect - auch Eskimos. 7 Siehe Photo und zum Genuss und zur korrekten Aussprache desselbigen auch VII. Die kleine Runde. 8 Der schwer fassbare Witz dieses Wortspiels muss mit der Verdopplung der D’s und sign/sein zusammenhängen. Für weitere Vorschläge bin ich dankbar.

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lachte er uns aus seiner zahnlosen Fresse an und bedeutete uns, dass es dafür ja wohl was zu kiffen gäbe. Ich drehte mich zu Thomas um, der neben mir hockte. Hasse dat gesehen, brüllte ich ihn an. Meine Stimme überschlug sich. Er nickte nur. Er hatte es also auch gesehen. Gut so. Wir drehten uns gemeinsam zu Hoss um. Did you see that ? fragte ich ihn. Er guckte uns nur grinsend an: What? Er hatte es also nicht gesehen, er hatte es verpasst. Da passiert vor seinen Augen ein Wunder und er kriegt es nicht mit. Scheisse. Natürlich gab es da eine Erklärung für. Irgendein billiger Trick war das. Mir war das in dem Moment aber völlig egal. Ich fand das sehr geil. Sowas erlebte man halt nur im Woodstock. Zu Rauchen gab es trotzdem nix.

Woodstock, Christiania

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Stammtisch 1 Liebe Stammtischfreunde! Hier nochmal an alle: Ich schlage vor, dass wir den naechsten deutschsprachigen

Stammtisch

am

Donnerstag,

dem

7.5.98

um

17.15, in "Petersens Familienhave" Pile Alle 16 (Verlaengerung der Falkoner Allee) abhalten. Falls das Wetter sehr schlecht ist koennen wir ja Donnerstag Morgen per e-mail was anderes ausmachen. Torsten, Planternes Ernæring9 P.S.

Die

Liste

der

potentiellen

Teilnehmer10

hat

sich

vergroessert! Siehe Verteilerliste im Kopf dieser11 e-mail.

Vesterbro, Copenhagen

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Dänisch für: Pflanzenernährung. Der meint uns. 11 Gut so, Torsten: die Post ist und bleibt feminin. 10

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II. Das Klo Man sagt mir einen Hang zum Analen nach. Das mag sein, hat aber mit dem folgenden nix zu tun. Es geht zwar um ein Klo. Aber nicht um irgendein Klo, sondern um DAS Klo. Mein Lieblingsklo. Dass es das ist, hängt sicher auch damit zusammen, dass ich es bisher noch nie in nicht-breitem Zustand gesehen habe. Das alleine kann es aber auch nicht sein. Würde ich es mal nüchtern sehen, wäre es immer noch mein Lieblingsklo. Da bin ich mir sicher. Dazu wird es aber nicht kommen. Es gehört wohl zum Café Magnifique12, und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Aber nur fast. Man stelle sich also ein abgefucktes, öffentliches Klo vor mit allem was dazugehört: zertrümmerte Türen, ehemals weisse Kacheln, jede Menge Graffity und einem entsprechenden Gestank. Das Ambiente wird dazu von einer dieser violettschwarzen Neonröhren in ein fluoreszierendes, blaues Licht getaucht. Das hat was. Als ich es entdeckt habe, war ich alleine unterwegs. Ich sah diesen blauen Schimmer vom Café aus, wie er aus der Tür in die Nacht fiel. Und dachte mir sofort: da gehst du jetzt pissen. Und es war geil. Betritt man dieses Klo, betritt man eine neue Welt. Eine Welt, die irgendwo in New York oder so sein könnte, aber doch nicht Copenhagen! Egal. Diese Welt ist Teil von Copenhagen und das ist gut so. Ich habe lange überlegt, was nun das besondere an diesem Klo ist. Seit einiger Zeit weiss ich es: man sieht darin nur in schwarz-weiss. Natürlich nicht wirklich, aber es scheint so. Einige Dinge sind weiterhin bunt, so zum Beispiel ein paar dieser leuchtenden Graffiti. Und die Welt draussen, die man beim Pissen durch ein kleines Fenster sieht. Man schaut aus dieser beschissenen, bepissten Traumwelt in die wirkliche. Und wird unsicher, welche denn nun die eigentliche ist. Der Höhepunkt ist allerdings das Pissen selbst. Man pisst also in eine Rinne, die beschlossen hat, ein biologisches Eigenleben zu führen13. Um es kurz zu machen: man pisst in BLAU. Und das kommt gut. Irgendwann verlässt man dann dieses Klo und kehrt zurück in die künstliche, unwirkliche Welt, in der wir leben. Und wenn man sich nach rechts wendet, sieht man einen roten Hydranten. Dieser leuchtet in der Nacht wie ein lebendiger roter Phallus. Alleine dafür lohnt sich der Besuch. Ich möchte einen Film drehen in diesem Klo. Über dieses Klo. Eines dieser schlechten genialen Videos, die in Galerien und Museen bewundert werden. Mit 12 13

Siehe dazu auch VII. Die kleine Runde. Was für eine Litotes.

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unruhiger Kamera, mit schnellen Schwenks und grober Auflösung. Dogma #95, quasi. Man wird nicht wissen, ob es ein S/W- oder Farbfilm ist. Und in der Pissrinne wird ein schmieriger Latino mit weissem Anzug, weissem Hut und schmalem Oberlippenbart ein blondes Model ficken. Er wird sich die Hose zumachen, die Tusse weinend ohne eines Blickes zu würdigen in der Ecke sitzen lassen. Mit zerfetztem Slip. Er wird vor das Klo treten, vergeblich versuchen, den gröbsten Dreck vom Anzug zu klopfen, liebevoll den roten Phallus streicheln und grinsend hinaus in die Nacht schreiten. Ich habe Angst davor, dass dieses Klo eines Tages weg ist. Oder noch schlimmer, eines Tages werde ich zu meinem Klo kommen und irgendein Idiot hat beschlossen, es durch Farbe, Halogenstrahler oder Hygiene zu verschandeln. Irgend jemand wird es entweihen, bevor ich es der ganzen Welt gezeigt habe. Ich weiss, es wird so kommen14.

Netbutik, Christiania

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Es ist natürlich, wie das meiste, so gekommen: das Klo ist weg. Daher auch kein Photo. Ist vielleicht besser so, zumindest für unsere Imaginationskraft.

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Stammtisch 2 Maria15, wie im Bus abgesprochen; und alle anderen, noch einmals: Liebe Stammtischfreunde! Wie

von

Torsten

deutschsprachige

vorgeschlagen,

Stammtisch

am

soll

der

Donnerstag,

dem

naechste 7.5.98

um

17.15, in "Petersens Familienhave" Pile Alle 16 (Verlaengerung der Falkoner Allee) stattfinden. (Falls

das

Vorschlag

Wetter

zu

schlecht

weiterbringen:

ein

ist,

kann

ich

neu-renoviertes

Hans

Werners

Cafe/Wirtshaus

direkt beim "Radiohus" auf der Rosenørnsallé. Dort kann man auch drinnen muemmeln16.) Gruss Bernd Kuemmel

15 16

Wer, bitteschön, ist Maria? Kein Kommentar.

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III. Café Nemoland Eigentlich ist der Laden kein schlechter. Die Einrichtung irgendwo zwischen KorovaMilchbar und Titty-Twister. In der Ecke stehen noch ein paar Ritter in voller Montur rum, die allerdings nicht so ganz ins Ambiente passen. Musik zwischen Frank Sinatra und Techno, letzeres hätte mir vielleicht schon früher zu denken geben sollen. Egal, da liefen Titten von 10 bis 40 rum und dafür war der Schuppen auch bekannt. Hinter der Theke ein Auslaufmodell jenseits der 40 mit unglaublich spitzen Tüten und schwarzem engen Kaschmirpullover. Da drückten sich die Nippel durch, dass es eine Freude war. Dazu schlecht blondierte Haare (und das mitten in Copenhagen). Etwas zu viel Sonnenbank, etwas zu viel Make-up und etwas zu viel gewollte Jugendlichkeit. Ihr Gesicht zeigte die Spuren eines intensiven Nachtlebens. Verhärtete Züge und ein leicht verlebtes Lachen. Aber durchaus nicht hässlich. Alles in allem hatte sie in ihrer Billigkeit schon wieder Klasse. Ich verbrachte den Abend damit, herauszufinden, wie die Dame hinter der Theke es anstellte, diese Titten in Form zu halten. Will meinen, ich konnte keinen BH unter dem Kaschmir ausmachen, nicht mal den Verschluss. Von Zeit zu Zeit hüpfte die Alte wie eine Bekloppte im Rhythmus der Musik, nur um ihre Schläuche mal wieder zu präsentieren. Die hüpften dann in ihren virtuellen Schälchen, stumpfer wurden sie dadurch aber auch nicht. Noch brennender interessierte mich allerdings die Antwort auf die Frage, wie man einen ganzen Abend lang Nippel haben kann. Um der Sache auf die Spur zu kommen, ging ich rüber zu ihr, bestellte einen Cocio und schaute mit die Sache mal von nahem an. Bemerkenswert. Später nahm ich mir mal die Kids vor. Die Jungs waren ziemlich langweilig. Sie steckten

in

ähnlichen

Markenprodukten

wie

ihre

befreundeten

Primaten

schwanzloser Bauart. Von denen unterschieden sie sich im wesentlichen nur durch das Tragen von Skilatzhosen, deren Träger runtergeklappt waren und ihnen über den Arsch hingen. Das sollte wohl besonders cool aussehen, war aber nur Scheisse, wie alle Uniformen. Vor allem, weil es alle hatten. Dazu gab es dann die obligatorische Baseball-Kappe, die sich im Zustand des Verdrängtwerdens befindet. Und das von übergrossen Designer-Pudelmützen. Ob das ein Gewinn für die Menschheit ist, entscheidet die Evolution. Hoffentlich möglichst bald. Überhaupt steckten die meisten in Klamotten, die man normalerweise anhat, wenn man den Nanga Parbat erklimmen möchte. Gut, es hatte etwas geschneit und es war kalt draussen, trotzdem schienen mir die Jungs insgesamt etwas overdresst. Und

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das alles nur, weil irgend so ein bekiffter Rapper aus New York auf dem Weg zu den Aufnahmen seines neuesten Videos an einem Alpinsport-Laden vorbeigekommen war. Aber das ist ein anderes Thema. Die Mädels hatten da schon mehr zu bieten. Deutlich mehr. Die waren mir schon am Eingang aufgefallen. Da standen immer ein paar Spalier mit Plateau-Turnschuhen, schwarzer Adidas-Jogginghose, North Face-Daunenweste, bauchfreiem Top und Hüften in Höhe meiner Schultern. Das hatte etwas von Strassenstrich, mit dem Unterschied, dass die Mädels sich hier einen Dreck um einen scherten. Eine hatte es mir besonders angetan. Ihre Beine waren noch einen Meter länger als die ihrer Konkurrentinnen, ihr Arsch noch etwas runder. Minutenlang stierte ich auf diesen kleinen Arsch, der in einer dieser knallengen, schwarz glänzenden Plastikhosen steckte. Ich konnte mich gar nicht mehr abwenden von diesen zwei kleinen Kugeln. Das sich abzeichnende Höschen beflügelte meine Phantasie. Ich stellte sie mir nackt vor: die schmalen Hüften, die irre Taille, die sich abzeichnenden Rippen. Und dazu diese kreisrunden Möpse, die kompakten Arschbacken, die keine Gravitation17 kannten. Dieses zarte Fleisch vor mir, die weisse Haut, die blonden Härchen auf ihrem Arsch. Ihr kleines Arschloch, der kleine Wuschel blonder Haare, die kleine freche Möse. Feucht und rot und glänzend. Und scheisse verlockend. Irgendwann, als meine Augen schon mehrere Löcher ins Plastik ihrer Hose gebrannt hatten, drehte sie sich um. Nicht übel, die Kleine. Jung, verdammt jung. Makellose Gesichtszüge, katzenartige grüne Augen und eines dieser strahlenden Lächeln, das einem in meinem Alter echt anfängt zuzusetzen. Ich kalkulierte rasch, dass ich fast dreimal so alt war, wie sie. Ihr Gesicht war schon etwas reifer, etwas weniger kindlich, schon etwas abgefuckter als das ihrer Freundinnen. Irgendwann brüllte sie ihre Freundin an. Mit einer rauchigen, versoffenen, grölenden Stimme, und fiel ihr um den Hals. So klein und schon so billig! Plötzlich beobachtete ich aus dem Augenwinkel heraus, wie sich zwei der Jungs blitzschnell etwas zusteckten. Ich checkte die Szenerie etwas intensiver und es wurde mir schnell klar, um was es hier eigentlich ging. Der ganze Laden war der reinste Drogenumschlagplatz. Ständig kamen irgendwelche 10- bis 14-jährige rein, machten einmal die Runde und blieben dann irgendwo stehen. Dann kam jeweils einer der besonders coolen Jungs hinzu und sie laberten kurz. Und auf dem Weg 17

Mehr zu diesem zentralen Thema in IV. Traum von Stewardess, XIV. Kamerun und XV. Zwillinge.

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nach draussen tauschten sie dann mal eben Pillen gegen Kohle. Das ging rasend schnell und war einstudiert. Hinter dem Rücken, im Vorbeigehen, ganz routiniert. Jetzt wurde mir einiges klar. Ich raffte, warum der kleine Kapuzenjunge statt weisser immer grüner im Gesicht wurde und immer hektischer seine Runden drehte. Seine Synapsen hatten wohl gerade Spass an Amphetaminen und Coffein und er gab folgerichtig nur seinem Bewegungsdrang nach. Er sah nicht gut aus, der arme Idiot. Einer der einer der Jungs fiel plötzlich wie irre in den Techno-Beat ein und erstarrte dann wieder in wilden Zuckungen. Bis er merkte, dass er eigentlich Billard spielt. Und jetzt wurde mir auch klar, warum keiner der Jungs hier auf die Idee kam, eines der Mädels anzubaggern. Geilheit scheint nicht gerade unter die Nebenwirkungen von Speed zu fallen. Was gibts von dem Abend noch zu berichten? Ich habe keines dieser langbeinigen Kinder gefickt. Wenn ich an deren Ärsche denke bedauere ich das. Wenn ich an ihre chemischen Zuckungen unter mir denke, bin ich dankbar. Ich habe auch keine dieser abgetakelten

Tittenmonster

abgeschleppt.

Dazu

geht

man

auch

eher

ins

18

Woodstock . Ein paar Tage später beobachtete ich, wie sich eben jener Kretin bei seinen Zuckungen den Kopf an der Kante des Billardtisches abschlug. Seine Mitspieler wischten die Matsche gleichgültig mit ihren Händen in eines der Löcher und spielten weiter. Das stimmt zwar jetzt nicht, aber Geschichten dieser Art enden nun mal so.

Café Nemoland, Christiania 18

Siehe dazu auch I. Magic Woodstock.

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Stammtisch 3 Liebe Kolleg(inn)en! Hier der Wetterbericht vom DMI: I formiddag kommer der en overgang

lidt

regn,

men

i

eftermiddag

mest

opholdsvejr

og

mulighed for lidt sol. Temp. når op mellem 12 og 16 grader, og vinden bliver let til frisk fra sydvest. D.h.

für

heute

Nachmittag

können

wir

mit

ein

paar

"sunny

spells" rechnen, um nun wirklich ganz international zu werden. Ich schlage deshalb vor, dass wir vorläufig an 17.15 Uhr, in "Petersens

Familienhave"

Pile

Alle

16

(Verlängerung

der

Falkoner Allee) festhalten. m.v.h.19 Torsten

Interface Christianshavn-Christiania, Copenhagen

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Dänisch für „Mit freundlichen Grüssen“.

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IV. Traum von Stewardess Sie hatte mich wohl nach Feuer gefragt. Ich verstand es allerdings erst, als sie es auf Englisch wiederholt hatte: Do you have a lighter? Da lebte ich nun schon fast zwei Jahre in dieser Stadt und verstand immer noch nicht die einfachsten Sachen. Dabei sind die einfachsten Sachen manchmal die wichtigsten. Das sprach nicht gerade für mich. Oder die dänische Sprache20, je nachdem wie man es nahm. Ich suchte wie bekloppt meine Taschen ab, aber da war kein Feuer. Ich hätte mir in den Arsch beissen können. Eine der wichtigsten Sachen für Jungs über 18 ist nun mal, Feuer in Griffweite zu haben. Genau für diese Momente, egal ob man selber rauchte. But I whished I had one, versuchte ich die Scharte wieder auszubügeln. Sie lachte. Schien zu klappen. Ich ging zurück ins Terminal des Copenhagen Airports und klaute ein Streichholzbriefchen im Restaurant. Dann gab ich ihr Feuer. Sie zog tief, sagte brav Thank you und schenkte mir ein strahlendes Lächeln. Eigentlich war für mich die Sache damit erledigt. Ich stöpselte meinen Walkman in die Ohren und lauschte, was Billy Corgan mir zu sagen hatte: You love him, you love him more than me... Das war bitter, konnte mir aber nach diesem Wochenende nix anhaben. Ich kam gerade aus Geneva eingeflogen und hatte meiner dänischen Nachbarin 2 Stunden lang auf die dicken Titten geglotzt. Und das obwohl ich mit Celie ein Traumwochenende in der Schweiz verbracht hatte. Wir hatten auf einer Bergwiese in der Sonne gefickt, danach hatten wir uns in der Aare um Bern herum treiben lassen. Und so nebenbei hatte ich mir einen Job in Neuchâtel besorgt. Was wollte man mehr? Dann fiel mein Blick auf ihr Knie. Beziehungsweise auf das, was ihre Uniform und ihre blaue Strumpfhose freigaben. Nicht schlecht die Alte, dachte ich bei mir. Und schon spürte ich ein leichtes Ziehen in meinen angegriffenen Samenleitern. Das ist schon seltsam dachte ich mir, aber so sind Männer: gerade noch haben sie sich unter Tränen von ihrer Traumfrau verabschiedet, schon klopft es wieder in der Hose. Nun, Frauen sind da vielleicht anders, aber auch nicht besser. Ab und zu schielte ich zu ihr rüber. Sie roch angenehm, nach irgendeinem teuren Parfum. Und Zigaretten. Ich liebte diese Mischung. Unser Bus kam und ich setzte 20

Und die ist wirklich nicht schön. Darum ist der Däne wohl auch so frustriert, dass sie keiner lernen will. Aber er mag halt alles, was dänisch ist. Sogar seine Sprache.

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mich in die letzte Reihe21. Sie nahm die vor mir und das machte mich etwas nervös. Ich fixierte aus Spass ihre braunen Haare. In der Hoffnung, dass es half. Plötzlich stand sie auf und machte sich zum Aussteigen bereit. Schade. Als sich die Tür öffnete, drehte sie sich zu mir um und warf mir einen Blick zu, der mich elektrisierte. Mechanisch, selbstverständlich, wie ferngesteuert, griff ich mein Köfferchen und folgte ihr wortlos. Wir betraten die grelle Empfangshalle des Airport Hotel gegenüber der Haltestelle, sie liess sich einen Zimmerschlüssel geben und schon waren wir im Aufzug. Kaum hatte sich die Tür geschlossen, liess ich meine Tasche fallen und schnappte sie mir. Sie schmeckte nach Rauch und Lippenstift und küsste gut. Ich ging ihr unter den Rock und packte ihr zwischen die Beine. Ich freute mich gerade über das warme Spitzenhöschen, als sie tief lachte und mich sanft zurückstiess. Der Aufzug öffnete sich und ich musste ihr ein Gefühl für Timing attestierten. Kaum waren wir im Zimmer fielen wir über einander her. Das war schon nicht mehr feierlich. Ich zerrte ihr die Strumpfhose runter, dann den Slip und leckte ihr wie ein Irrer die Möse. Ich kniete vor ihr auf dem Fussboden zwischen ihren Schenkeln und knöpfte ihr langsam die Bluse auf. Zum Vorschein kamen zwei prachvolle Titten in goldenem Push-up. Respekt. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich noch in voller Montur inklusive Schuhe und Jacke vor ihr kniete. Ich begann mich langsam selber auszuziehen und geilte mich bei dem Anblick ihrer üppigen Titten und ihrer halbrasierten Möse auf. Oben hatte sie ihre schwarzen, dichten Schamhaare stehen lassen, aber unten konnte ich ihr bis in die Gebärmutter glotzen. Als es an meine Hose ging, richtete sie sich auf und half mir. Sie zog mir die Jeans herunter und mein Pimmel sprang ihr direkt entgegen. Sie grunzte auf, schnappte nach ihm und liess ihn in ihrem Mund verschwinden. Sie schmatze und leckte wie eine Wahnsinnige, machte also klassisch Maulfotze.22 Dann fing sie an, wie eine Irre meinen Schwanz zu wichsen So, dass ich schon bereit war, ihr jeden Moment ins Gesicht zu spritzen. Also zog ich meinen Gefährten mal zurück und entledigte mich des Restes meiner Klamotten. Sie verstand meinen Hinweis und schenkte uns was aus der Minibar ein. Während sie mir den Rücken zukehrte, musterte ich ihre Figur, die ich ja bisher nur aus der Horizontalen kannte. Respekt, die Dame konnte sich sehen lassen. Sie war bestimmt in meinem Alter, aber alles war da, wo es hingehörte. Keine Frage, die Alte

21

Mehr zur Bedeutung „der letzten Reihe“ in XIV. Kamerun. In diesem Zusammenhang ein persönlicher Tip (damals noch mit einem P) meinerseits: Sprachnudel: Wörterbuch der Jetztsprache (www.sprachnudel.de). 22

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war noch gut im Lack. Vor allem die Titten. Aber die waren ja noch eingepackt. Ich kippte den Whiskey und beschloss etwas Konversation zu machen: Ok, you are a SAS stewardess, right? Right, lachte sie mich an und kippte ebenfalls ihren Whiskey. And where did you come from today? fragte ich sie. Sehr geistreich. Don´t be so boring, antwortete sie. Rome, New York, Uppsala, does it make a difference? No, it doesn´t matter. You are right, sagte ich ihr. Und sie hatte recht. Scheissegal war das. Ich ging auf sie zu, nahm sie in die Arme und befummelte ihren Arsch. Der war echt vom feinsten. Klein und rund und fest. Dann arbeitete ich mich zum Verschluss ihres BHs vor. Das ist immer der kritische Teil der Übung. Da hat man nur einen Versuch. Ein Moment, der den Meister vom Stümper unterscheidet. Und ich hatte Glück, das Ding war wahrscheinlich auch von H&M23. Ich liess ihre Tüten langsam aus ihren Körbchen purzeln doch die Dinger dachten nicht daran, ihre Position zu ändern. Die Gravitation24 war aufgehoben. Scheisse, ich war am Ziel. Endlich hatte ich ein paar dieser prachtvollen Copenhagener Titten vor mir. Gross und rund und prall. Ich stürzte mich auf sie und leckte und lutschte und sabberte und biss. Ihr schiens zu gefallen, doch richtige Nippel kriegte sie nicht. Ich hatte es doch gewusst: je kleiner desdo erogener. Ich kniete mich vor sie hin und leckte ihr wieder die glatte Möse. Das machte Spass. Sie spreizte die Beine und ging dabei hoch und runter. Schliesslich setzte sie sich halb auf die Lehne der Couch und zog die Beine an. Ich leckte und kreiste und machte, doch so richtig feucht wurde sie nicht. Ausser von meinem Gesabber. Ich schubste ihren Oberkörper auf die Couch und nahm mir ihren Kitzler vor. Minutenlang. Dann zur Abwechslung mal die berühmte Innenseite ihrer Schenkel. Sinnlos. Sie ging nicht ab. Ich wusste es. Scheisse. Aber ich war aufgegeilt. Ich wollte jetzt ficken. Sie lag immer noch auf der Lehne der Couch, die Beine gespreizt, der Oberkörper tiefer. Ihre riesigen Titten standen wie eine Eins. Ich war am Ende, ich musste jetzt eindringen. Mein Gott, vor meinem Gesicht diese heisse, rasierte Möse. Vielleicht klappts ja beim Ficken, dachte ich bei mir. Do you want to come inside? Hörte ich sie. Mein Gott, wie kitschig, dachte ich mir. Aber mir war alles egal. Ich wollte Ficken. Jetzt und sofort. 23 24

Wird Zeit, dass die Dinger endlich genormt werden. Siehe dazu auch III. Café Nemoland, XIV. Kamerun und XV. Zwillinge. Aber Hallo.

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Also wühlte ich in meiner Tasche nach einem Pariser. Es sollte also ein schwarzer werden. Ich rollte ihn über, geschafft. Schon war ich wieder über ihr. Fiel mit ihr auf die Couch, leckte ihr alles was sie hatte. Küsste, machte und tat. Doch ich wusste, das wird nix. Dann steckte ich ihn ihr rein. Es war eng. Scheisseng. Zu eng für mich und meinen Zustand. Irgendwann war ich drin. Und ich war schon kurz davor abzuspritzen. Junge, konzentrier dich. Nach einer kleinen Kunstpause gab ich Gas. Vielleicht war sie ja ne 100% Vaginale25. Falls es sowas gab. Sie fing wieder an zu labern und zu stöhnen: Yeah...good... yeah... Das nervte. Egal, jetzt war alles egal. Ich hämmerte auf sie ein, dass es eine Freude war. Ich leckte ihre Titten, und sie schien so langsam in Fahrt zu kommen. Ich spürte ihre Hände an meinen Eiern und ihren Finger in meinem Arsch. Nicht, dass ich das nicht schätzen würde. Aber Scheisse, das war zuviel. Ich merkte ich würde es nicht mehr halten können. Ich versuchte es noch, aber zu spät. Ich fiel auf sie drauf und pulsierte minutenlang in sie rein. Scheisse, Scheisse, Scheisse. Wie ein Anfänger. Hurenkacke. Sie zog ihren Finger aus meinem Arsch. Immerhin. Ich griff mir die Tüte, zog meinen Dödel raus und wälzte mich runter. So wachte ich auf. Schweissgebadet. In meiner eigenen kalten Wichse. Scheisse, war ich froh, dass die Alte im Bus sich nicht nach mir umgedreht hatte.

Havnegade von Christianshavn, Copenhagen 25

Ich weiss, das gibt Ärger.

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Stammtisch 4 Liebe Kollegen/-in! Nicht

vergessen:

Am

Donnerstag

(4.

Juni)

haben

wir

wieder

unseren deutschsprachigen KVL26-Stammtisch. Wir treffen uns wie gewohnt um 17.15 Uhr in "Petersens Familienhave", Pile Alle 16 (Verlängerung der Falkoner Allee). Der deutschsprachige Kopenhagener Wetterbericht für Donnerstag herausgegeben vom DMI: Trocken mit Sonne. Höchste Temperaturen um 18 Grad, tiefste Temperaturen nachts um 6 Grad. Windstärke: bis frischer Wind. Falls Ihr weitere deutschsprachige Kollegen kennt, dann ladet sie bitte ein! Vi ses27 am Donnerstag! Torsten

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Königliche Veterinär- und Landwirtschaftsschule; heute Faculty of Liefe Sciences der Universität Kopenhagen. 27 Dänisch für „Wir sehen uns“.

26


V. Die dritte Frage Es war ein komischer Tag gewesen. Im Labor hatte ich als einziges Ergebnis nur die Gewissheit erhalten, dass ich eine Allergie gegen meine Pflanze28, das Objekt meiner Forschungen, habe. Das ist ungefähr so, als ob ein Bankräuber allergisch gegen Geld wäre. Oder noch besser: wenn einer mit einer Nickelallergie in einer Nickelmine arbeiten müsste. Ich war damit im Prinzip berufsunfähig. Aber das war schon länger nicht ganz unklar. Auf jeden Fall hockte ich nun auf meinem Rad und heulte mir die Augen aus. Nicht nur das, ich bekam keine Luft mehr, mir war kotzschlecht. Und zum ersten mal in meinem Leben war ich kurz davor zugeben zu müssen, dass alle Heuschnupfen-Fetischisten wahrscheinlich doch keine Simulanten waren. Endlich kam ich am Woodstock29 an und vor dem Laden hockten die Schwedöse (Verehrerin und Kollegin), Stan (ein deutscher Däne aus Jütland), und natürlich Thomas (nur Kollege, but you never know). Ich sah wohl furchtbar aus und auf den Schrecken baute Thomas erstmal einen. Vielleicht konnte man ja das eine Gras mit einem anderen austreiben. Bestimmt. Man redete auf drei Sprachen gleichzeitig und das liebte ich: Der Däne mit der Schwedin auf Dänisch-Schwedisch, Thomas, Stan und ich auf Deutsch, und jeder mit jedem auf Englisch. Normalerweise geht das nicht, aber breit, kein Problem. Was waren wir international! Nun, man kam beim Anblick Thomas´ aufgequollener Augen auf eines meiner liebsten Themen, den Alterungsprozess derselbigen. Ich outete mich und gestand, dass ich Liposomencreme benutzen würde. Das sass. Leider verwechselte ich ob meines Zustandes den Inhaltsstoff Coenzym Q10 - also ein Chinonderrivat - mit Ubiquitin. Das wird mir der geschätzte Leser mangels Background verzeihen und mit einem müden Arschrunzeln quittieren, aber in dieser erlauchten Forscher-Runde war man und frau schwer beeindruckt. Und dann kam sie. Mittendrin, überraschend, die erste Frage: Kennst du Bob Dylan? Stan auf Deutsch. Auf Dänen-Deutsch. So wie Gitte in der Hitparade, irgendwie süss. Ich war allerdings nicht vorbereitet, die Frage traf mich wie ein Dolch. Mitten in unserer Liposomen-Debatte kam Stan mit so einer Frage. Ich

28

Arabidopsis thaliana oder auch Ackerschmalwand; die Unbekannte unter den Berühmten (geklaut). 29 Siehe I. Magic Woodstock.

27


fiel vom Hocker und verstarb spontan. Nein, ich hatte keine Gelegenheit dazu, denn ein kompakter Arsch von Ami näherte sich unserem Tisch und fragte uns: Are you from Brazil? Diese zweite Frage traf uns alle wie der Blitz. Scheisse, was war denn heute los? Der Tag der Fragen, oder was? Gut, es war gerade WM, aber das war es dann auch. Man klärte den Ami über unserer Wurzeln auf und er zog mit einem Wusst-ichs-doch-Gesicht von dannen. Arme Irren.

Woodstock, Christiania

Man redete weiter, über alles Mögliche und Unmögliche. Es wurde geraucht und Pilze gereicht. Ich griff zu und wechselte den Kontinent. Ein Beispiel: Warum gibts eigentlich kein italienisch sprechendes Land in Südamerika. Ich meine, in halb Südamerika sprechen sie Spanisch und in Brasilien sprechen sie Portugiesisch. Warum sprechen sie denn in keinem Land Italienisch? Argentinien schien mir das prädestinierte Land zu sein. Das käme super hin. Die Farbe der Trikots, die Affenarme der Frauen, einfach alles. Für mich war Argentinien ab jetzt italienische Kolonie. Fertig. War ja auch nur ein Beispiel.

28


Auf dem Nachhauseweg stellten Thomas und ich fest, dass dies der Abend der Fragen gewesen war. Erst die Sache mit Bob Dylan, dann der Ami, der uns für Brasilianer gehalten hatte. Nur die dritte Frage wollte uns partout nicht mehr einfallen. Scheisse. Doch plötzlich hatte Thomas sie wieder: Gehst du eigentlich ins Sonnenstudio? Stan natürlich wieder. Lustigerweise war ich da nach meinem Kolumbien-Trip im Frühjahr dreimal gewesen. Doch das konnte doch dieser Schwachmat nicht wissen, oder? Es war kalt geworden. Vor allem auf dem Fahrrad. Und man war sich jetzt schon einig, dass es ein kalter Winter werden würde. Thomas beschloss den grossen Abend mit dem fundamentalen Satz: Ich geh nicht mehr raus. Nee, rausgehen ist nicht drinnen. Zuhause wusch ich meinen Dödel und wichste mir einen im Gedenken an all die geilen Ärsche in Spitzenhöschen, die ich heute gesehen hatte. Und wenn es nichts nützt, umsonst ist es nicht. Ihr kennt das.

Woodstock, Christiania

29


Stammtisch 5 Nicht

vergessen:

sprachigen 17.15

Uhr

Heute

haben

KVL-Stammtisch. in

"Petersens

Wir

wir

wieder

treffen

unseren

uns

wie

Familienhave",

Pile

deutsch-

gewohnt Alle

um 16

(Verlängerung der Falkoner Allee). Die

offizielle

Wettervorhersage

von

DMI:

Wenig

Regen,

teilweise mit Sonne. Höchste Temperaturen um 19 Grad, tiefste Temperaturen Nachts um 7 Grad. Windstärke bis frischer Wind. D.h. optimales Wetter zum draussen sitzen. Dann bis heute nachmittag Torsten

Pusher Street, Christiania

30


VI. AK47 Der Abend hatte eigentlich ganz normal angefangen. Man schaute im kleinen Freundeskreis in seiner geliebten Heimatstadt das Spiel um die goldene Ananas, Holland - Kroatien, freute sich über die abgewichsten Kroaten und die Tränen der Käsköppe. Danach sollte es in eine der angesagten Szene-Discotecas Düsseldorfs gehen. Um sowas zu ertragen, musste man noch einen rauchen und so wurde es gemacht. Ich fand in meinem Kästchen noch ein paar Reste und baute einen kleinen Sticky. Beim Anrauchen fiel mir auch wieder der Name des edlen Gewächses ein: AK47. Ein spritziges, fruchtiges Gras, ein Schalk im Nacken, das es aber in sich hatte. Und der Name schien auch irgendwie Programm zu sein. Irgendwann machten sich Celie und ich uns auf den Weg zur Titty-Twister-Party breit wie wir waren. Dort angelangt kam uns so einiges merkwürdig vor. So die Nobel-Karossen, die auf dem Parkplatz standen und die reichlich happigen 20 Märker Eintritt. Aber man war ja schliesslich in Düsseldorf und nicht in Copenhagen. Drinnen zischte mir Celie zu: Ey, hier sind ja nur Jugos! Ich liess meinen Blick schweifen und musste zugeben, dass sie recht hatte. Überall standen schmierige, schwarz gekleidete Zuhältertypen mit Sonnenbrille und Handy rum. Kleine Darkos und Vlatkos. Na egal, mir war es recht, ich hatte meinen Spass. Inzwischen war aber auch mir klargeworden, dass wir auf der falschen Party waren. Und das sagte ich dann auch: Celie, das ist voll der falsche Film hier. Beim Türsteher klärte sich die Sache auf, wir waren auf der Bosnien-Party gelandet. Auch nicht schlecht. Draussen angelangt lachten wir uns erst mal schlapp. Klasse. Ja, und das hatten sie auch, die drei Mädels, die uns gerade entgegen kamen. Mein Gott, alle drei in knappste Miniröckchen - ach, was sage ich - in gehauchte Andeutungen von Stoff gehüllt. Eine in hellblau, eine in rosa, eine in weiss30. Das ganze auf heissen Plateauschuhen, geil geschminkt, südländischer Typ. Dicke Hupen quollen neben den Trägern heraus. Sie zeigten alles. Und sie konnten alles. Jede für sich war genug um einen Mann zum Wahnsinn zu bringen. Die drei hier in Serie, waren aber zuviel. Zuviel um keine perversen Gedanken aufkommen zu lassen. Als die drei an mir vorbeigerauscht waren, drehte ich mich um und suchte mir eine aus. Die weisse 30

Das klingt jetzt unglaubwürdig - ich weiss - aber so war es.

31


wackelte noch einen Tick schwungvoller mit dem Arsch und hatte die heisseren Proportionen. WOW. Celie stimmte mir zu, die waren ihre 20 Märker wert. Auf dem Nachhauseweg fand ich Spass an dem Gedanken, jetzt so richtig geil mit Celie zu ficken. Statt dessen trafen wir eins dieser Pärchen aus alten Zeiten, die keiner Erzählung wert sind. Sie wollten auch zur TTP und dahin wollte ich sie auch schicken, aber Celie liess es nicht zu. Schade. So erfuhren wir immerhin, dass da ein Konzert im AK47 sei. Warum nicht? Dort angekommen durften wir einer dieser grotten-schlechten KinderPunk-Bands, namens SEK, lauschen. Sie waren laut und schlecht und jedes 2. Wort war: Bullenschweine. Egal, der Laden war abgefuckt und klasse. Prädikat absolut erhaltenswert. Meine Laune ähnlich. Später traf ich den Euler, einen Mann mit Musiksachverstand und gepflegtem Humor. Das letzte mal, das ich ihn gesehen hatte, war auf einer Hochzeit in Recklinghausen gewesen. Und da hatte ich ihn mit einem meiner netten Gräser geplättet. Und was einmal klappt, das könnte doch ein zweites mal klappen, dachte ich mir. Also zog ich meinen kleinen Sticky aus der Tasche und reichte ihn ihm. Er grinste mich an: Wat willste denn mit dem Zahnstocher hier? Dann fiel ihm wohl die Hochzeit ein: Oder ist dat wieder eines Deiner HammerGräser? Ich ging darauf nicht näher ein und grinste ihn nur an. Er nahm einen tiefen Zug und lies in ganz lange in seinen Lungen. Dann blies er aus, wartete einen Moment, verzog das Gesicht und sagte: Scheisse, wieder verloren. Das gefiel mir. Später wurde er penetrant: Dat machst Du doch selber, da in Deinem Labor, ne? Dat macht Ihr doch mit Eurer Gentechnik da. Das ist doch nicht normal. Ich stritt alles ab und beruhigte ihn damit, das das ja wohl nicht nötig sei, da noch was zu verbessern. Obwohl der Gedanke interessant war. Es wurde ein netter Abend. Ich war in meinem Element, erzählte 35-mal von der Bosnien-Party und ca. 35-tausendmal von den drei Bosnierinnen. Ich liebte das Leben, meine Heimatstadt und war glücklich, dass ich so einen Abend ausserhalb von Christiania erleben durfte.

32


Stammtisch 6 Liebe deutschsprachige Kolleginnen und Kollegen! Entsprechend

unserer

Planung

beim

letzten

Mal,

finden

die

nächsten deutschsprachigen KVL-Stammtische am Donnerstag dem 2. Juli und am Donnerstag dem 16. Juli (vormerken!!!) statt. Nach unseren schlechten Erfahrungen in Petersens Familienhave beim letzten Mal wollen wir es nun bei den Nachbarn versuchen. Wir treffen uns deshalb am 2. Juli um 17.15 Uhr in Krøgers Familienhave, Pille Allé 18 (Verlängerung der Falconer Allé). Weiss jemand schon jetzt, dass sie/er nicht kann? Ich bin vom 22. Juni bis zum 2. Juli in Malaysia (natürlich dienstlich), komme aber mit dem Flugzeug am 2. Juli morgens zurueck

und

werde

mich

hoffentlich

bis

zum

Stammtisch

wachhalten können. Viele Grüsse Torsten Müller

33


VII. Die kleine Runde Es war mal wieder soweit: wir drehten unsere Runde31. Es war ein Winter. Das hiess aber nur, dass die Touris wieder bei Mama waren und wieder Ruhe ins Paradies eingekehrt war. Ausserdem war es im Winter eh geiler: der Kontrast zwischen draussen und drinnen war grösser. Das Licht, die Temperatur und alles andere auch. Erst zogen wir uns eine Falafel und vorbei an den frierenden Jamaikanern ging es dann zu unserem Dealer rechts hinter der Pusher-Street. Da kauften wir unser Gras und waren noch niemals enttäuscht worden (und das will was heissen). In der Bude hockten immer zwei Jungs, rauchten Mörder-Bongs und sahen dabei nicht gesund aus. Beide taten nach dem Wiegen immer noch ein Schippchen drauf. Zumindest seitdem sie uns zu ihren Stammgästen zählen, denn das mussten sie nun inzwischen. Das merkte man allerdings auch nur DARAN. Ich kann mich nicht erinnern, mit einem mal über das Geschäftliche hinaus geredet zu haben32. Wozu auch? Einer war grosszügiger, aber sicher nicht der Chef. Irgendwann hockte er dann auch nicht mehr da. Vielleicht deshalb. Dann ging es in unseren ersten Laden, direkt neben der Abergrotten, das ich bis heute noch nicht verstanden habe33. Egal. Hier wurde nun erstmal in aller Ruhe die neue Ernte begutachtet. Der Laden bestand aus Sperrmüll und Siff und war dunkel und ein Gedicht. Irgendwo standen ein paar Fussball-Pokale, diffus von unzähligen Kerzen beleuchtet. Was will man mehr? Hinter der Theke hockte ein ruhiger sympathischer Kerl und auf der Theke stand das Getränkeangebot. Exemplarisch in einer Reihe. Alles in allem: ein klares ausgereiftes Konzept, schlicht, doch mit viel Liebe zum Detail. Der hintere Teil der Kaschemme war heller, hatte einen Kicker (Qualitätsmerkmal) und erinnerte etwas an eine spanische Bodega. Er, der Teil, setzt sich damit wohltuend vom Rest ab, was zu interessanten Zuständen und Verwirrungen führen konnte. Bevor ich ins Schwärmen gerate, reiten wir mal besser ins Café Nemoland ein. Dessen Biergarten hatte bei entsprechender Betrachtung etwas von einer Ranch. Aus irgendwelchen Gründen war dieser Laden immer unsere zweite Station, obwohl sein Flair etwas dubios war. Vielleicht lag es an den etwas komischen Drogengeschäften, die hier abgingen34. Zur WM war er allerdings immer erste Wahl. 31

Siehe zur Bedeutung dessen auch I. Magic Woodstock und XIII. John. Doch einmal, siehe XVI. Fullmoon. 33 Die einzige Kneipe meines Wissens, in der keine Getränke ausgeschenkt werden. 34 Siehe III. Café Nemoland. 32

34


Je nach Gras und Wetter war jetzt ein Spaziergang angesagt. Eine Zeitlang hatten wir mal ein Gras - das so genannte Bewegungsgras -, das uns schon im ersten Laden vom Hocker riss. Verdammt, das war schon speziell (wie der Schweizer sagt). In der Regel gings erst Richtung Café Magnifique35, dann am vegetarischen Restaurant vorbei. Am Anfang hatten wir uns nur bis zur Stupa36, rechts vor der mittelalterlichen Stadt, getraut. Die war noch länger, eigentlich bis kürzlich, absolutes Tabu gewesen. Doch irgendwann wurde sie von uns entweiht. Kickend. In einer lauen Sommernacht entdeckten wir auf ihr einen Fussball, und es war um sie geschehen. Heute weiss ich, dass sie Butterblume genannt wird. Schöner Name das. Der Rückweg verwirrte uns regelmässig. Beide. Warum ist der Rückweg nicht einfach nur das Gegenteil des Hinwegs? Quasi die Spiegelung? Zu meiner Freude war

Thomas

trotzdem

immer

noch

einen

Tick

desorientierter

als

ich.

Dementsprechend erstaunt sein Blick, wenn plötzlich zur rechten das Magnifique auftauchte. Dort gab es dann meistens einen Cocio37. Nicht Kotschio, oder Tschokio, wie wir anfangs dachten, sondern Kockio. Das ist wichtig, denn es gibt nur den einen. Und sein Genuss ist eine Wissenschaft. Der Kenner trinkt ihn NICHT geschüttelt. Quasi als Gradienten. Das ist selten zu bekommen, und wird vom Kellner mit einem ungläubigen Kopfschütteln quittiert. Ignorieren. Dann nahmen wir in der Regel einen göttlichen Piss im Klo. Meinem Klo38. Mehr um zu prüfen, ob die Erinnerung immer noch das hielt, was sie versprach. Die Antwort lasse ich bewusst offen. Am Fahrradladen vorbei, direkt ins Woodstock. Von dem war ja schon die Rede39. Irgendwann hätte es dort beinahe Ärger gegeben. Die Bullen hatten uns auf dem Fahrrad ohne Licht angehalten und wollten Lyspenge, also Lichtgeld. Gab es aber nicht. Darum revanchierten sie sich mit einem vielzitierten: You have to walk until the lights light. Und was hängten sie dran? Ein: It´s for your own safety40. Und zur Strafe setzte man uns die Lyspenge-Lampe auf. Und das gibt IMMER Ärger. Das wussten wir aber nicht. Nun, es ging nochmal gut. Und weil dem so war, gab es passend zum Jägermeister-Gras dann auch selbigen. Auf den Schrecken. Ein Narr, der ihn verachtet.

35

Siehe II. Das Klo. Siehe XVI. Fullmoon. 37 Zum Verständnis dieses zum Kunstobjekt geadelten, siehe I. Magic Woodstock. 38 Siehe II. Das Klo. 39 Siehe I. Magic Woodstock. 40 Das wird sich in X. Seine Hände wiederholen. 36

35


Meistens war es dann auch schon gegen 23.00 Uhr und ich drängte energisch auf den Rückweg. Nachdem wir die Pferde gefunden hatten, fielen wir dann meistens in den asigsten Seven-Eleven Copenhagens ein. Thomas zockte sich erstmal etwas Süsses und stopfte es in sich rein. Die Kassierer sahen es immer. UND? Guckten weg. Das Land der Feiglinge. Dann kam meine kulinarische Qual der Wahl. Ich tendierte in der Regel zu etwas Schokoladigem während Thomas´ Wahl meistens auf Weingummi fiel. Als sich an der Börse unser zweispuriger Fahrradweg trennte, wechselten wir regelmässig die Spuren, stiessen dabei immer zusammen und verletzten uns in der Regel schwer. Am Ende fällt mir noch ein weiterer Unterschied zwischen Männern und Frauen ein: Frauen suchen Prinzen, Männer eine Partnerin, die sich nach dem Beischlaf umgehend in einen Kasten Bier und fünf Freunde verwandelt41. Sehr lustig.

Butterblume, Christiania

41

Ist nicht von mir, sondern von Jörg Albrecht. Zitieren macht frei.

36


Stammtisch 7 Liebe Stammtischfreunde, Torsten hat leider einige Probleme am anderen Ende der Welt: Lieber Bernd! Auf dem nur drei Tage alten hypermodernen Flughafen von Kuala Lumpur ist gestern das Computersystem zusammengebrochen. Daher bleibt mir nichts anderes uebrig, als einen Tag zusaetzlich in Kuala Lumpur zu verbringen. Daher

kann

Schluchz42.

ich

leider

Trotzdem

nicht

viele

am

Gruesse

Stammtisch an

alle

teilnehmen. anderen

aus

Malaysia. Gruss Torsten Bernd K ist z.Z. in der Slovakei. Daher verschieben wir unseren Stammtisch um eine Woche (wir wollen uns die Reiseschilderungen nicht entgehen lassen!) und treffen

uns

also

am

9.

Juli

um

17.15

Uhr

in

Krøgers

Familienhave, Pille Allé 18 (Verlängerung der Falconer Allé). Bis dahin - schoene Gruesse Bernd W

42

Gar kein Kommentar.

37


VIII. Bitter Wir sassen in einem Pub. In London. Thomas und ich. Beide breit43. Wir ruhten uns von einem Meeting in Cambridge aus und ich könnte hier von grossen Forschern erzählen, die es nicht schaffen ihr Bier alleine zu bestellen. Oder wie man uns nachts mörderbreit vom kurzen Grün des St. John´s College jagte. Oder von kleinen italienischen Forscher-Töchtern mit Kindertitten, die so verlockend stehen, dass selbigem ganz anders wird. Oder einem Australier, der genauso pädophil ist wie ich und trotzdem keine Kinder fickt. Aber ich will mich mal auf diesen Pub beschränken, nicht ohne guten Grund. Wir waren gerade über einen dieser Freaky-Fucking-Hippie-Märkte, von denen es in London wahrscheinlich mehrere tausend gibt, gezogen. Aber erstens gab es da halt ein paar Millionenen Jamaikaner, die einem unbedingt was zu kiffen verkaufen wollten. Und zweitens wollten wir genau das. Wir hatten das Gras breit in der Sonne auf einem Friedhof liegend getestet und waren zufrieden. Unter und über uns die Gräser. Neben uns das Stadion von Chelsea. Über uns die Concorde. Und ganz unten die Gräber. Das hatte was. Was will man eigentlich mehr? Ich fand, dass das Forscherleben manchmal auch seine guten Seiten hatte. Nun hockten wir also leicht angeschlagen in diesem Pub und liessen ein geiles Bitter unsere geplagte Kehle herunterrinnen. Es schien ein besonders weiches, sanftes zu sein. Und es war gut zu unserem Hals. Am Nebentisch sass da eine Alte in Schwarz44. Komplett. Das einzige helle an ihr war ihre Haut, und die war extrem weiss. Das sah klasse aus. Ein toller Mund, tolle Haare, tolle Figur, tolle Frau. Sie war mit ihrem Bruder da. Was sollte eine Alte dieser Bauart sonst mit einem Bubi in diesem Alter machen. Thomas und ich waren uns einig. Und beruhigt und wandten uns wieder unserem Bitter und unseren Gedanken zu. Irgendwann bekam ich mit, wie sie ihren Oberkörper über den Tisch legte und ihn glotzen liess. Und er, was tut er, der kleine Bruder? Er glotzt. Halt! Ich springe auf, schreie, gestikuliere, interveniere, masturbiere. Krümme mich, wälze mich auf dem Boden. Würge, kotze, grinse. Mache mich also unbemerkt zum Affen und das mit recht. Denn Brüder machen sowas nicht. Glotzen.

43

Was sowas wie zum running gag zwischen uns wurde. Da manifestiert sich anscheinend was (siehe auch XII. Berliner Nippel, IX. Grüss Steffen und XIV. Kamerun). Man betrachte es als roten Faden. Die Auflösung folgt in XVI. Fullmoon. 44

38


Als ich mich wieder beruhigt hatte, diskutierten wir in unserer Runde, die aus uns zwei repräsentativen Primaten bestand, wieviel Menschen zwischen einem von uns und einem X-beliebigem Aborigine irgendwo in der Pampa45 stehen. Will meinen, über wieviel Menschen man mit diesem bekannt ist46. Ich schätze maximal 500. Ich hatte das wohl so resolut vorgetragen, dass Thomas tatsächlich begann darüber nachzudenken. Könnte was dran sein. Nicht schlecht geschätzt, sagte er. Es waren auf jeden Fall nicht 5 Millionen oder so. Da waren wir uns einig. Auch darüber, dass ein anonymer Nachbar in Düsseldorf über mehr Glieder mit uns bekannt ist als der Aborigine. Zum Schluss möchte ich die Essenz dieser kleinen Parabel zusammenfassen. Bevor es dazu kommt, möchte ich nicht unerwähnt lassen, das auf dem Friedhof auch Spatzen waren. Das ist insofern bemerkenswert, als dass ich hiermit zeitgleich auch meine letzte Fabel geschrieben habe. Also merkt Euch: Es ist NIE der Bruder. Es ist auch nie der Vater. Es ist immer der STECHER. Das ist zwar BITTER, aber hilfreich zu wissen. Erspart nämlich viel Energie und Ärger. Versucht mal, drauf aufmerksam zu werden47.

45

Ich weiss, ich weiss, das ist eher unwahrscheinlich. Heute weiss ich, dass sich diese Geschichte auch andere überlegt haben und es Six degrees of separation genannt haben. Und dass 500 viel zu hoch gegriffen ist (siehe: Stanley Milgram: Theorie des small-world Phänomens). 47 Danke, Thomas. 46

39


Stammtisch 8 Liebe deutschsprechenden KVL Kolleginnen und Kollegen! Nach einer abenteuerlichen Reise von Kutching (Ost-Malaysia) nach

Kopenhagen

eingetroffen.

bin

Sogar

ich

mit

mein

30-stündiger

Koffer

hat

Verspätung

seinen

Weg

wieder hierher

gefunden, wenn auch mit noch grösserer Verspätung. Vielen

Dank,

dass

Ihr

den

Stammtisch

verschoben

habt.

Wir

sehen uns also am Donnerstag dem 9. Juli um 17.15 Uhr in Krögers Familienhave, Pille Allé 18 (Verlängerung der Falconer Allé). Viele Grüsse, Torsten

Blick auf Copenhagen, Christiania

40


IX. Grüss Steffen Eigentlich hatte ich mich nur auf eine ruhige Rückfahrt gefreut. Das Wochenende war hart genug gewesen. Zeit also für einen kleinen Rückblick: FORTUNA hatte mal wieder in Pauli verloren. Es war wieder kalt gewesen. Aber geil. Dann standen da plötzlich diese beiden Schicksen vor mir und eine setzte sich neben mich. Warum auch nicht. Die andere verabschiedete sich mit einem Ciao Süsse und Grüss Steffen. Na, mir war es egal. Ich hatte meine ZEIT, meinen Wandermann und viel mehr braucht man eigentlich auch nicht für eine angenehme Bahnfahrt. Richtig aufmerksam wurde ich auf die Dame neben mir auch erst, als direkt nach Abfahrt der Schaffner kam und die Fahrkarten sehen wollte. Sie stand auf und kramte in ihrer Tasche im Gepäcknetz. Und die war riesig. Ich ertappte mich, wie ich auf ihren wunderschönen, wenn nicht sogar perfekten Bauchnabel starrte. Ich glitt am Rest entlang und schnalzte innerlich mit der Zunge. Scheisse, die Alte konnte alles. Sofort pfiff ich mich zurück: Hoh, Blonder. Ruhig. Nix anmerken lassen, auf sowas warten die nur. Sie sprach Englisch mit dem Schaffner und zahlte in Kronen. Die Sache war klar: eine Deutsche, die in Copenhagen wohnt. Logo. Das machte die Sache allerdings schon interessanter. Und das bot Gesprächsthemen. Später wagte ich ein paar vorsichtige Seitenblicke. Wirklich apart die Dame. Dezent geschminkt, kurze braune Haare, ohne eine eigentliche Frisur zu haben. Markante Nase und unglaublich schöne dunkle Augen. Der Hammer war aber eigentlich ihre Figur. Scheisse, die Alte neben mir musste sowas, was man gemeinhin Model nennt, sein. Da stimmte einfach alles. Lange Beine, geiler Arsch, keine Hüfte und dicke Titten. Das war selten geworden. Nun musste ich an meine Tasche und sie stand auf um mich vorbeizulassen. Das tat sie so, dass ich mich an ihr face-to-face vorbeischieben musste. Die Sau. Erst da merkte ich, dass die Alte exakt so gross war wie ich. Okay, sie hatte einiges unter den Füssen, wie ich später bemerkte, aber immerhin. Ich kann das eigentlich nicht so gut leiden, wenn Frauen so riesig sind. Die Gründe dafür sind klar und ich ärgere mich dann regelmässig über mich selbst. Und zur Strafe kann ich dann die Frauen selbst nicht mehr leiden. Teufelskreis das. Also versenkte ich mich in die ZEIT, sie in den Spiegel. Konnte sie nicht wenigstens Focus lesen? Die Ruhe war dahin. Scheisse.

41


Irgendwann wurde mein Blick magisch von einem Stück ihrer weissen Haut angezogen. Da kann man sich doch nicht konzentrieren! Ich betrachtete sie eingehender. Sie hatte ein schwarzes bauchfreies Top an und drunter hatte sie einen schwarzen BH. Überhaupt war alles an ihr schwarz. Sie trug eine dieser schwarzen Frauen-Hosen, die keine Gürtelschlaufen haben und eigentlich eine Unverschämtheit sind. Weil sie so tief geschnitten sind, das man meint, ihre Schamhaare müssten eigentlich rausgucken. Tun sie aber nicht, denn die Frau stutzt sich die Möse. Entweder wurde ihr wirklich kalt oder sie hatte die Schnauze voll von meinen Blicken, auf jeden Fall zog sie sich ein dünnes Jäckchen - natürlich schwarz - über und Schluss war mit Bauchfrei. Irgendwann kam die Passkontrolle und wir kramten unsere Ausweise heraus. Ich versuchte ihren Namen zu erhaschen. Julia. Logo. Solche Frauen heissen immer Julia. Damit war sie aber auch automatisch nicht in meinem Alter sondern so 23, 24. Na egal, war ja schon alles dran. Und auf dem Bild hatte sie lange Haare, die ihr verführerisch in den tiefen Ausschnitt fielen. Du hast ja die Haare ab, hörte ich mich sagen. Betont lässig und beiläufig. Sie schaute auf ihren Ausweis und sagte: Ja, stimmt. Mehr nicht. Scheisse. Ich hätte mir in den Arsch beissen können. Die Alte war cool. Na warte, dachte ich mir. Ich kann auch anders und setzte meinen Walkman auf. Marilyn Manson wird es schon richten. Als die Wagen auf der Fähre verladen waren, machte sie sich auf den Weg ins Innere der Fähre. Ich folgte ihr und sie strebte zielsicher auf das Restaurant zu. Darauf hatte ich keinen Bock. Aber auf ihren Arsch. Ich überlegte mir, ob ich mir einen runterholen sollte, liess es aber dann doch. Klos auf Fähren sind auch nicht gerade vom Feinsten Die nächsten zwei Stunden im Zug vergingen schnell. Ich versuchte, sie zu ignorieren. So Frauen brauchen das mal. Trotzdem bekam ich aber genau mit, dass sie ein Buch über guatemaltekische Indianer las. Auf Englisch. Respekt. Irgendwann tippte sie mir an den Oberarm und fragte, ob es hier eine Klimaanlage gäbe. Ich fummelte ein bisschen an den Knöpfen rum und brummte, dass sie das schon noch aushalten müsse. Der Typ uns gegenüber schien aber auch zu stinken, wie unser Chinese im Labor. Konnte aber auch von mir kommen, ich hatte auch mal wieder einen Ölwechsel nötig. Als wir ausstiegen wuchtete sie ihre Tasche - schwarz, richtig - herunter und es klimperte verdächtig. Ich fragte sie: Was hast Du denn da drinnen?

42


Flaschen, lachte sie. Am Bahnsteig schien sie auf jemanden zu warten und schaute sich suchend um. Tippe mal auf Steffen. Aber da war niemand. So ging ich - taktisch unklug - VOR ihr die Treppen hoch. Bevor ich zu meinem Fahrrad abbog, drehte ich mich nochmal um. Sie war direkt hinter mir und schaute mir in die Augen. Will meinen, wir schauten uns in die Augen. Lange. Und da war etwas sehr Trauriges. Ich glaub die Alte war in Ordnung. Nur viel zu schön. Zu schön, als dass sie einfach mal einer dumm anquatscht. Oder fickt. Brüder, sagt mir, was habe ich falsch gemacht?

Eingang zum Loppen, Christiania

43


Stammtisch 9 Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe keine Absagen erhalten. Daher nochmal zur Erinnerung: Heute

ist

deutschsprachiger

KVL-Stammtisch

17.15

Uhr

wie

bekannt in Krøgers Familienhave, Pille Allé 18 (Verlängerung der Falconer Allé). Tschüss bis nachher Torsten

Häuser an der „Kleinen Runde“, Christiania

44


X. Seine Hände48 Es war wie so oft: der Anfang war eigentlich besser als das Ende. Das stimmt aber nur bedingt, denn das Ende konnte sich eigentlich auch sehen lassen. Der Mittelteil dagegen ist fast immer unnötig. Ausser beim Ficken. Nun gut, man ging ins Kino, Fear and Loathing in Las Vegas. Also wollte man sich adäquat einstimmen, um dem Film auch gewachsen zu sein. Ein kleiner Sticky und ein paar Weihnachts-Bier im Apollo taten Wunder. Im wahrsten Sinne des Wortes. Auf jeden Fall wollten wir gerade gehen, getrieben von dem dummen Gefühl, schon viel zu lange hier gewesen zu sein, als ich ihn sah. Er hockte da mit seiner Gattin und stopfte irgendetwas Undefinierbares, Ekliges in sich rein. Er, mit umgebundener Schürze, das sehr an ein Lätzchen erinnerte. Und sie in weisser durchsichtiger Seidenbluse, für die sie zu alt und zu jung war. Als mein Blick auf seine Hände fiel. Die waren irgendwie komisch. Viel zu hell im Vergleich zu seinem Gesicht zum Beispiel. So, als wenn er Handschuhe anhätte. Ausserdem hantierte er vollkommen ungeschickt mit seinem Besteck. Das waren nicht seine Pfoten, das war klar. Sie waren weiss, schneeweiss und passten überhaupt nicht zu dem Rest seines Körpers. Weder die Farbe, noch das Alter. Diese Hände waren einfach locker zwanzig Jahre älter als der Rest, an dem sie baumelten. Scheisse, der Typ hatte Hände wie eine Leiche. Der Typ hatte nicht Hände WIE eine Leiche, der HATTE die Hände einer Leiche. Ich fasste es nicht. Scheisse. Ich sagte zu Thomas: Thomas, guck mal, wat der für Hände hat. Doch der verstand immer nur HEMDEN und lachte sich trotzdem scheckig. Guck auf die Hände, die sind doch viel zu weiss! brüllte ich durch den Laden. Jetzt hatte er es. Endlich. Wir standen 2 Meter von dem Pärchen entfernt und wälzten uns im Dreck. Verdammte Scheisse. Da frass einer mit den Händen einer Leiche und keiner interessierte sich dafür. Typisk. Kannn man dat eigentlich ...? Ich meine, geht dat schon ... , wollte ich gerade fragen, als der Typ sich ungeschickt das Lätzchen abband. Das war der Beweis. Die hatte er noch nicht lange. Wir torkelten aus dem Laden und keiner hatte uns bemerkt. Tarnkappe. Ihr versteht schon. Der Film war ein Ärgernis. Egal, schon wurde ich gedrängt einen zu bauen. 48

Eine kleine Geschichte, die aus gegebenem Anlass, an Bedeutung gewonnen hat. Das Leben ist schon ein rechter Schalk.

45


Die Skrupel sanken, nicht dagegen die Toleranz der Kellnerin. Wir ernteten ein: You are not allowed to smoke THESE THINGS here. Und ich wollte gerade zu einer Grundsatzdiskussion ansetzen, als sie mit It´s for your own SAFETY49, den Kracher des Abends landete. Dann ging es auf eine abgefahrene Party. Thomas (ja, heute in einer ungewohnten Doppelrolle: erst als Zeuge dann als Gastgeber50) hatte ein Buffet aufgebaut, das es in sich hatte. Verdammt. Neben Salat und Huhn lag da wie selbstverständlich der Pilz. Und zum Nachtisch lockte der Keks. Um es abzukürzen, es wurde ein schneller Abend. Sehr schnell. Es ging mit Taxis nach Christiania. Es wurde der dänische Taxifahrer (selten aber wahr) aufs Übelste beleidigt. Man war im Woodstock51, im Loppen und einem anderen Laden. Das weiss ich von den Stempeln an meinem Handgelenk. Einer fehlt mir wie gesagt noch. Überall wurde getrunken und getanzt, es war laut und rauh und gut. Irgendwann war ich wieder im Taxi unterwegs nach Hause. Da gab es Musik vom Feinsten, der Stimmung angepasst. Nicht der Tageszeit. Während wir so langsam zur Ruhe kamen, trugen die Drogen immer noch ihr Spiel in uns aus. Und trieben ihr Spiel mit uns. Ein teuflisches Spiel. Und das alles wird mir fehlen.

Appollo, Copenhagen

49

Das gabs schon mal in VII. Die kleine Runde. Das ist doch ok., zwei Abende zusammenzulegen, oder? Ich meine, das machen doch andere - richtig Grosse - auch. 51 Vergleiche auch I. Magic Woodstock. 50

46


Stammtisch 10 Liebe

Freunde

des

deusch-sprachigen

Akademiker

Stammtischs

(EURO-DAAD)! Ich bin gerade mal wieder nach vier Wochen aus Malaysia zurück gekehrt. Wir (8 daenische Lehrer) waren dort mit 50 Studenten und haben einen Feldkurs in Zusammenarbeit mit der Universität UNIMAS in Sarawak auf Borneo abgehalten. Nun ist es ja schon eine ganze Weile her seit unserem letzten Stammtisch. Mit den Treffen unter freiem Himmel dürfte es wohl vorbei sein. Ich schlage daher vor, dass wir uns am Donnerstag dem 12. November, um 17.15 Uhr in einer überdachten Kneipe (Bodega) treffen. Hans Werner hatte mal die Bodega auf der linken

Seite

in

der

Rosenørnallee

(Verlängerung

des

Rolighedsvejs) Richtung Handelshøjskole vorgeschlagen. Leider habe ich deren Namen vergessen. Hans Werner, kannst Du den Namen der Kneipe noch mal durchgeben? Wie sieht es bei Euch aus? Könnt Ihr alle kommen? Viele Grüsse aus der Pflanzenernährung! Torsten

47


XI. Laila Ich wohnte lange in einer kleinen Bude in einem Stadtteil Copenhagens namens Vesterbro. Das ist das, was man bei uns hinterm Bahnhof nennt. Zumindest taten die Eingeborenen so. Natürlich war alles harmlos. Es gab halt ein paar Sex-Shops und tatsächlich ein paar Junkies. Aber ich kann versichern: nirgends gibt es zivilisiertere Junkies als hier. Ich mochte das Viertel, weil es das war, was man gemeinhin ehrlich nennt. Ich hänge immer noch an diesem Viertel, da hier irgendwie alles anfing. Zumindest die Kifferei. Meine Kifferei. Und zwar in extenso. Ich könnte daher von breiten Nächten erzählen. Von einsamen Nächten. Von meinen ersten breiten Exkursionen. Vom Höhepunkt meiner breiten Exkursionen. Lasse es aber. Nur soviel: Brøndby spielte gegen den KSC. Und ich stand aus Versehen im Block der als Wikinger verkleideten Baadener, direkt hinter dem Tor. Hinter dem Tor, das Hässler zerstörte52. Hässler nahm Mass und setzte das Leder an die Querlatte. So hart, dass es bis Schweden schepperte. Die Latte vibriert heute noch ein wenig. Und der Ball flog bis zur Mittellinie zurück. Das glaubt mir jetzt keiner, und das ist jedermanns gutes Recht. Aber ich möchte ohnehin von Wäsche erzählen. Von Lailas Wäsche. Von Wäsche, die ich genau beschreiben kann, obwohl ich sie nie gesehen habe. Von Wäsche, die in meiner Phantasie lebt. Es war nämlich Laila´s Wohnung, in der ich wohnte. Sie war verreist und hatte sie mir überlassen. Eine hübsche kleine, hölzerne, dänische Wohnung. Komplett. Aber eben nur fast. Möbel und so waren drin, alles. Die Küche mit Esssachen und Gewürzen. Sogar Wein hatte ich gefunden, und das heisst schon was hier. Leute, ich habe die ganze Bude systematisch abgesucht, um irgendetwas zu finden. Irgend etwas Privates, das Rückschlüsse auf Laila zugelassen hätte. Keine Photos, keine Bücher, keine Platten. Noch nicht einmal ein Shampoo oder so. Nichts. Nichts, das meinen Phantasien gedient hätte. Und schon gar keine Wäsche. Was war ich geil auf Lailas Wäsche gewesen? Scheisse, ich hätte mir auf jedes beschissene Höschen einen runtergeholt. Ich war so spitz, ich wär ja schon mit einem Tampon - wohlgemerkt einem unbenutzten zufrieden gewesen. Aber nix. Das intimste, was ich fand, war das Copenhagener Telefonbuch.

52

Siehe XIV. Kamerun.

48


Ich hatte halt verdammt viel Zeit. Und verdammt viel Gras. Und der Name Laila, der liess halt einfach meine Phantasie sprudeln53. In meiner Phantasie sah sie aus, wie ein Mädel aus einem Wäschekatalog, den ich mir mal aus Italien mitgebracht hatte. Der zeigte ein 16-jähriges Mädchen, wahrscheinlich aus Venezuela, auf 20 Jahre getrimmt, in teurer Wäsche, die nicht zu ihr passte. Vielmehr zu einer prallen Europäerin, vielleicht sogar einer Dänöse. Egal, jene war kein professionelles Model, das sah man an ihrer etwas seltsamen Körperhaltung und ihrem etwas unbeholfenem Gesichtsausdruck. Aber gerade das gefiel mir, löste es doch so etwas wie einen Misereor-Effekt in mir aus. Und mir gefiel, dass man den Itakern eine Latina angedreht hatte. Und sie mussten das hinnehmen, bei den ganzen Dackelbeinen, die da rumliefen. Auf jeden Fall konnte diese Dame alles und hatte eine rasierte Möse, das sah man. Und sie hatte mir lange treue Dienste als Wichsvorlage geleistet. Und als Prothese für Lailas Wäsche. Einmal telefonierte ich mit Laila. In ihrer Wohnung. Sie war eine Tusse, klar, aber sie hatte eine gute Stimme. Tief und sexy. Wie viele Dänösen. Ich kam spontan. Ein Jahr später stand sie vor mir. Plötzlich. Im Labor. Hallo, ich bin Laila. - Ach, Hallo. Sie war eine Sekretärin. Das wusste ich. Aber sie sah auch so aus wie eine. Aber nicht wie eine Top-Sekretärin mit Klasse. Nein, sondern wie eine jämmerliche, beschissene Beamten-Tippse. Scheisse, Scheisse, Scheisse. Laila, warum hast Du das gemacht? Warum bist Du in mein Leben gekommen? Warum bist Du SO in mein Leben gekommen? Laila, Du hast Dich selber getötet. Dein Bild in mir hast Du zerstört. Es wäre besser gewesen, hätten wir uns nie kennengelernt. Besser für mich. Nun habe ich nur noch Deine Wäsche.

53

Ich verkneife mir mit Mühe ein Klischee.

49


Stammtisch 11 Hej, die 'Ăźberdachte Kneipe (Bodega)' heisst CAFESIUS und befindet sich an der Ecke RosenĂ˜rns-Alle/Worsaesvej. Das Essen ist dort gut und das Bier auch. Das Ambiente ist jedenfalls wesentlich 'unmuffiger' als in den Familienhave. Ich

habe

jedoch

keine

Zeit

am

12.11,

weil

ich

dort

eine

Exkursion habe. Vorschlag deshalb: 19.11.98, 17:15! Hans-Werner

Vesterbro, Copenhagen

50


XII. Berliner Nippel Es war eines dieser Strassenfeste. Man kennt das ja, Pseudo-Intellektuelle der Marke arbeitsloser Lehrer, Sozialarbeiter oder Akademischer Rat tun sich zu grottenschlechten Sambagruppen zusammen. Doch damit nicht genug, sie wagen es sogar, damit auf die Strasse zu gehen um sich und ihre Umwelt zu quälen. Was allerdings noch schlimmer ist, ist die Tatasache, dass sie sich toll vorkommen. Das zeigt mir ihr idiotischer Gesichtsausdruck, der sich irgendwo zwischen künstlicher Extase, verkrampfter Konzentration und totaler Erschöpfung bewegt. Letzeres geht in Ordnung, rettet die Sache aber nicht. Die Peinlichkeit des Ganzen wird ihnen ständig durch ein paar Brasilianer demonstriert, die sich zwischen diese illustre Gruppe mischen. Diese sind vielleicht nicht gut, machen aber Musik. Nun gut, das Ganze nannte sich Karneval der Kulturen und wäre keiner Erwähnung wert gewesen, wenn er erstens, nicht auf Berliner Strassen stattgefunden und zweitens, mich nicht der Herrgott für die ganzen Strapazen belohnt hätte. Es rannten also diese Horden verzückter Sambatrommler durch die Strassen, aufgelockert

durch

überdimensionierte

Sattelschlepper

mit

Techno-Mucke

einschliesslich ihrer Jünger. Deren Beweggrund, gerade diesen LKWs und dieser Wattstärke zu folgen, konnte ich nur begrenzt nachvollziehen. Nun, andere Generationen, andere Musik. Da ist Toleranz gefragt, in diesen schweren Zeiten. Einziger Blickfang waren eigentlich nur ein paar eingeflogene brasilianische Tänzerinnen, die allerdings werder gut noch oben-ohne waren. Als dann die ersten esoterischen Hausfrauen ihre Trommel- und Cellulitis-Künste zur Schau stellten, und das Bier nur noch weit und teuer war, die Sonne brannte und meine neuen coolen Sandalen drückten, schien der herumgereichte Joint gerade recht zu kommen. Und das tat er dann auch. Plötzlich schien alles etwas cooler und die Idee, Copenhagen zu entfliehen doch eine gute. Ja, und dann fiel mein Blick auf etwas sehr schönes. Und der Lärm, die Hitze, der Durst, meine geplagten Füsse und (fast) sogar die Samba-Lutscher wurden erträglich. Die Zeit blieb stehen, die Erde drehte sich langsamer, die Menschen bewegten sich wie in Zeitlupe, bei dem Anblick dieser prächtigen Nippel unter weisser Bluse. Auf der anderen Strassenseite stand ein Mädel, der die tollsten Nippel der Welt gehörten und ich durfte sie mir anschauen. Umsonst und draussen. Und das tat ich dann auch. Ich konnte mich überhaupt nicht mehr sattsehen. Freunde, was soll ich euch sagen, diese Nippel konnten alles. Die Alte war ok. Hübsch sogar.

51


Erinnerte mich in wenig an eine, die ich hätte in Kolumbien ficken können. Und vielleicht sollen. Marfe. Maria-Fernandez, aber das ist eine andere Geschichte. Gefärbte schwarze Haare, kurz mit Seitenscheitel. Schlank, schwarze Schlagbuchse und ein bisschen Piercing in der Braue. Haben sie ja jetzt alle, um meinen Vater mal zu zitieren. Und dann diese enge weisse Bluse aus den 70ern. Und dazu trug sie zwei kleine runde Titten mit den dunkelsten Nippeln, die ich je gesehen hatte. Irgendwann ging ich mal rüber, um sie mir mal von der Nähe zu betrachten, will meinen, um mir ein Bier zu holen. Natürlich hatte sie der Umwelt und mir einen BH erspart, das war klar. Aber die Pfanne hatte auch sonst nix unter dieser Bluse. Korrekt. Berlin hatte sich gelohnt. Copenhagen hat Titten, und was für welche, aber das war es dann auch. Berlin hatte Nippel. Ich kehrte auf meine Strassenseite zurück und schaute der Dame beim Posing zu. Es war eine Freude. Sie gab alles und machte das echt gut. Frauen spüren, wenn sie beobachtet werden. Und sie präsentierte sich. Sich und ihre Titten. Ihre Nippel. Ich stellte mir so vor, was man mit diesen Nippeln anstellen könnte. Wie sie über und unter mir standen wie eine Eins. Hart, klein und sehr, sehr dunkel. Eigentlich schwarz. Und ich war mir sicher, dass die Alte alles hielt, was ihre Nippel versprachen. Die Schlampe war ne Sau. Später schickte ich meinen Kumpel54, von der Ladie ein Photo zu machen. Er kam stolz zurück und meldete Vollzug. Er meinte, sie sei Italienerin. Na und, was für eine

54

Gut wenn man Kumpels hat, denn die Geschichte ging weiter. Er hatte sie natürlich wiedergetroffen, und das schrieb er mir, quasi als Geschichte in der Geschichte in der Geschichte: „Ja, genau d i e hab ich wiedergesehen, und zwar auf dem Lambkonzert, da stand sie direkt vor dem Bassisten und hat mir nachher was zu trinken gereicht. Hatte mich die ganze Zeit gefragt, ob und woher ich die kenn’, und dann beim Zurückreichen der Flasche wurde es mir schlagartig bewußt : das ist die von den Photos. Hab’ ihr dann erzählt, daß ich ein Bild von ihr habe. War mir allerdings beim genaueren Hinschauen auch nicht mehr so ganz sicher, sie hat viel längere Haare jetzt. Naja, kurz und gut: hab die Dias nochmal abgezogen, eingescannt und ihr gemailt, und sie ist´s tatsächlich. Das ist, was sie auf die Geschichte hin geschrieben hat: ich hab soo gebruellt gerade. diese geschichte ist echt das aergste was, ich jemals gelesen habe - und dann auch noch ueber meine "nippel". nein, echt, sehr amuesant!!!! vielen dank! habe das ding geforwarded. eine frage nur: wo habt ihr das bitte abgedruckt???? also resumee: nette geschichte. und endlich weiss ich was in maennerkoepfen vorgeht, wenn sie mir auf die titten starren: THANX!!! und weiter, auf meine Frage, ob sie schwäbisch ist: also schwaebisch bin ich nun ganz und gar nicht!!!! habe slawische wurzeln, lange in heidelberg gelebt, auch in barcelona, und seit 7 (?) jahren in berlin. wir haben entfernte verwandte in italien, falls das den autor etwas beruhigt - da lag er ja nicht so 100%ig daneben.

52


Information? Das Photo55 wird schlecht sein, dunkel und unscharf. Aber die Nippel, die werden so scharf sein, dass man damit Glas schneiden kann. Kaum zurück in der WG unseres Kumpels frischten wir erst mal unseren THC level auf und es wurde ein recht netter Abend. Ich war plötzlich in Laberlaune, kam aber immer

wieder

auf

diese

Nippel

zu

sprechen. Man wand ein, dass sie etwas mehr

Titten

hätte

haben

können.

Irgendwann forderte ich schliesslich zur Abstimmung auf. UND, man (und sogar meine Freundin) war sich einig, dass die Alte die geilsten und schwärzesten Nippel von Berlin, vielleicht sogar der ganzen Welt hatte. Ich war zufrieden. Nina, Berlin

Es gab noch einen anderen Grund dafür, dass diesser Tag nicht ein verlorener war. Mein Kumpel erzählte mir nämlich drei Momente, wann in seiner WG geweint werden dürfe. Erstens (und das ist trivial), wenn der Verein verloren hat. Zweitens, wenn Zwiebeln geschnitten werden. Und drittens, wenn die Freundin abgetrieben hat. Das hat mir gefallen.

also ich habe wirklich noch nie etwas derartiges gelesen. und das mit den maennerhirnen, war mir bisher noch nicht vergoennt, einen so detaillierten einblick zu bekommen. EHRLICH. man kann ja immer nur vermuten. mal ganz nebenbei: bist du schwabe? bis denne. nina Ach ja: Nina heißt sie. Wie sonst. Tja, seither schweigt sie beharrlich, nix Neues nicht. Sieht gut aus wie damals, halt südländisch, und hatte ihren Stecher im Schlepptau...“ Soweit sein und ihr Bericht. 55 Hier ist es also, das ominöse Photo; es wird auch noch in XVI. Fullmoon eine zentrale Rolle spielen. Über die optischen und literarischen Qualitäten der Dame wird man streiten können, aber die Nippel können doch einiges, oder?

53


Stammtisch 12 Hier nun der allerletzte Hinweis auf unseren deutschsprachigen Akademiker-Stammtisch

(EURO-DAAD)

am

Donnerstag

dem

26.

November (Diese Woche!!!). Wir treffen uns um 17.15 Uhr im "CAFESIUS"

(befindet

sich

an

der

Ecke

Rosenørns-Alle/

Worsaesvej). Maria kann wahrscheinlich nicht kommen56. Sie ist sozusagen bereits auf dem Sprung nach Deutschland auf57 ihre C3-Professur in Witzenhausen. Leider liegen auch alle anderen Termine an denen

Maria

koennte

sehr

unguenstig,

so

dass

wir

nun

auf

diesem Wege "farvel" und alles Gute sagen muessen. Vielleicht ergibt

sich

ja

die

Moeglichkeit

fuer

den

einen

oder

andere, Maria noch mal vor ihrer Abreise zu treffen. Also tschuess bis morgen! Torsten

56 57

54

Da läuft doch was mit Torsten und Maria... Auf die Mutti, aber doch nicht auf die Professur, Torsten.

die


XIII. John Gerade bin ich von einem unglaublichen Abend zurückgekehrt. Er war SO unglaublich, dass ich ihn vorzeitig abbrechen musste. Reizüberflutung. Limit your input. Aber alles der Reihe nach. Wir haben heute die GROSSE Runde gemacht. Nach der kleinen58 kam heute die ganz Grosse. Wir schlenderten also zu dritt bester Dinge den Wall von Christiania entlang. Thomas, mein treuer Wegbegleiter zahlloser kleiner Runden, Stan59, und meine Wenigkeit. Wir kamen an wahnwitzigen Häusern der Christianiter vorbei, die diese sich wohl vollbreit entworfen hatten. Immer am See entlang. Etwas weiter spiegelte sich das Kraftwerk mit seinen Minaretten im Wasser. Es war ein schöner lauer Juniabend. Eben hatten wir uns diese Pilze reingeworfen. Danske Swampe. Und seitdem hatten Thomas und ich Höchstspass an dem Teekesselchen Pilz/Pils. Nur unser armer dänischer Begleiter konnte da mit seinem Deutsch nicht mithalten. Egal, wir hatten unseren Spass. Als der Weg etwas schmaler und unheimlicher wurde, warf ich die Frage Gibts hier eigentlich Räuber? in die Runde. Thomas lachte sich scheckig, nur Stan antwortete: Palästinenser. Palästinenser. Wir bepissten uns. Etwas später fragte ich wieder: Was für Räuber gibts denn hier? Und was antwortete der? PKK. Ich fasste es nicht. Wenig später probierte ich es aufs neue. Diesmal waren die bösen Räuber von der RAF. Mein Gott, was hatte der eigentlich für ein Weltbild? Thomas und mir war es einerlei. Wir hauten uns auf die Schenkel und lachten uns BLÖDE. Ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben so gelacht. Ehrlich. Dann war die Idylle vorbei, wir kamen an unserer Stadt raus. An dieser unglaublichen, rund angelegten „marokkanischen Festung“60 mitten in Copenhagen. An der Stupa vorbei, rechts das Magnifique liegen lassend erreichten wir das Nemoland61. Und da sass er: John. Thomas hatte ihn mir schon den ganzen Winter zeigen wollen. Und nun trafen wir ihn hier. Klasse. Ich freute mich auf ihn, ohne ihn zu kennen. Er sah so um die 50 aus, hatte die grauen Haare nach hinten gekämmt und trug einen dunkelgrünen 58

Siehe auch VII. Die kleine Runde. Siehe auch V. Die dritte Frage. 60 Siehe VII. Die kleine Runde. 61 Siehe III. Café Nemoland. 59

55


Ledermantel. Drunter hatte er noch ein paar Jacken an, so wie viele Penner. Doch er war der Gepflegten einer. Und er war mir direkt sympathisch. Er sprach das akzentfreieste Deutsch, das ich jeh gehört hatte. Heute glaube ich, er hat es sich aus irgend einem alten Deutschbuch selber beigebracht. So mit Lautschrift. Er sprach langsam, machte keine Fehler, aber es klang irgendwie künstlich. Das beste jedoch war seine Brille. Ein Bügel fehlte und er hatte sie durch etwas Draht mit einem Korken dran ersetzt. Das machte aber nix, denn die meiste Zeit benutzte er sie als Lupe. Vor allem, wenn eine geile Alte vorbeikam. Dann schaute er ihr interessiert mit seiner Lupe hinterher, die er im Abstand von 20 Zentimetern vors Auge hielt. Wie gesagt, ich mochte ihn. Und dann eröffnete er den Abend mit drei Thesen. Einfach so. Und ich mag Thesen. Vor allem diese. These 1: Die Männer in Deutschland gefallen mir besser62. Er sagte das einfach so. Ohne Erkärung, ohne Anlass, ohne alles. These 2: Die Frauen hier, das sind alles Nutten. These 3: Die Rocker63 hier, die kriegen die besten Frauen. Ich war baff. Scheisse. Da brauchte ich ein Jahr um ähnliches herauszufinden und dachte, wenn ich das noch einem Dänen gegenüber andeutete, dann hätte ich ein Problem. Und da kommt dieser John hier her und lässt sowas los. Bevor wir - oder vielmehr ich - ihm vor Dankbarkeit um den Hals fallen konnte, holte er eine zerfledderte Zeitung heraus und begann uns zu erklären, dass das eine Ausschreibung für ein Forschungprojekt im Bereich Optik oder so sei. 100.000 Kronen gäbe es und er hätte bereits die Lösung. Er könnte sich das Geld abholen. Easy. Ich glaubte ihm. Später erfuhren wir, dass sie ihm mit 13 oder 14 das Abitur gegeben hätten. Aber das von 1848. Mit viel Religion, Mathematik, Physik. Dann holte er eine zweite Brille heraus. Die sah richtig teuer aus, in einem edlen Etui. Was schätzt ihr, was die kostet? fragt er uns. Man einigt sich auf 1.000,- Märker. 62

Dazu muss man wissen, man schätzt Deutsche hier nicht sonderlich. Meiner Meinung nach liegt es nicht an World War II Geschichten oder ihrem Kleiner-Nachbar-Komplex, nein, die Sache ist noch einfacher: uns trennen kulturelle und mentale Denkensweisen. In Skandinavien (und wie ich heute weiss, auch in der Schweiz) gilt anscheinend nicht derjenige als stark, der seine eigene Identität durchsetzt, sondern derjenige, der die Kraft hat, Prozesse zu moderieren, die allen Gruppem Kooperation für ein gemeinsames Ziel ermöglicht (aus: Kulturen des Kompromisses, Martin Greiffenhagen). Hört, hört. 63 Wir fanden etwas später heraus, dass er mit Rockern die Pseudo-Hippies in Lederjacke mit Tatoo und Blech im Gesicht meinte.

56


Und was sagte der Idiot? 50 Kronen. Und verarschte uns damit alle. Die Sau! Plötzlich labern wir dann doch wieder über Frauen. Und über These 2 und 3. Und schauten uns dabei die Barbie-Puppe vom Nebentisch an. Hellblaue knallenge glänzende Plastikhose, Plateauschuhe, gepiercter Bauchnabel, dicke Titten, Stupsnase und diese beschissene Locke im blonden Haar. Wir waren uns einig, die Alte tickt nicht ganz sauber. Aber geil war sie schon. Ich beschloss nach Hause zu gehen. Ich sagte das anscheinend auch. Später wird man mir erzählen, dass ich auf den Versuch, mich zum Bleiben zu bewegen, gesagt haben soll: Warum? Ich hab schon genug Spass gehabt. Als ich im Morgengrauen Zuhause ankomme, sitzen auf meinen Stufen besoffene Grönländer und warten auf die erste Fähre nach Schweden. Ich wünsche einen schönen Morgen und gehe Schreiben. Vorher denke ich, dass Pilze klasse sind und dass es ein selten geiler und schneller Abend war. Dass ich mit dem momentanen Kenntnisstand eigentlich mit der Forschung aufhören müsste. Weil es aber auch wirklich zu albern ist, ständig weiter zu forschen und zu merken, dass man damit doch nur eine weitere Tür aufstösst. Dass es aber auch wieder geil ist, in diesem seltsamen Business dabei zu sein. Als einer der Wenigen, der es durchschaut, und sich einen abzulachen. Doch eigentlich müsste ich meine Zeit anders verbringen. Mit Gräsern, mit Pilzen und jedem Spiel dieser WM. Keine Angst, alles wieder im Lot. Ich höre noch etwas Pumpkins - einschlafen - ich habe fertig.

57


Stammtisch 13 Liebe Kolleginnen und Kollegen! Hier

der

letzte

Hinweis

Akademiker-Stammtisch

auf

(EURO-DAAD)

unseren am

deutschsprachigen

Donnerstag

dem

26.

November (Diese Woche!!!). Wir treffen uns um 17.15 Uhr im "CAFESIUS"

(befindet

sich

an

der

Ecke

Rosenørns-

Alle/Worsaesvej). Unklar ist noch ob Maria kann (Maria, kannst Du mir mailen ob der Termin passt?). Wenn Ihr nichts mehr hört bleibt es dabei. Das Gänseessen fällt leider mangels Beteiligung aus. Vi ses am Donnerstag! Torsten

Häuser an der „Grossen Runde“, Christiania

58


XIV. Kamerun Das folgende wird missverstanden werden. Nicht, dass es missverständlich wäre, es entzieht sich vielmehr einfach nur dem Urteil der Masse64. Wenn dem aber schon so ist, dann kann man auch mit einer Binsenweissheit beginnen: Es gibt schon geile Frauen. Manche haben klasse Titten, manche korrekte Ärsche, manche beides. Andere besitzen makellose Gesichter, andere eine gewisse Ausstrahlung, manche sind purer Sex. Aber manchmal trifft man Frauen, die perfekt sind, die alles haben, die atemberaubend sind. Ich werde es nie vergessen, denn sie raubte mir wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes, den Atem. Aber mal alles der Reihe nach. Es war ein Sonntagnachmittag. In einem Mai, der schon als Sommer durchging Und ich sass im wunderschönen Parken65 in Copenhagen. Ich hockte in der vorletzten Reihe. Was noch von Bedeutung sein wird. Das Spiel - Dänequark gegen Kamerun war ganz in Ordnung Es gab Bier und bunte Trikots auf schwarzer Haut. Die Blackies präsentierten ihre Schuhe, die in den Farben ihres Trikots gehalten waren, mal in gelb, mal in rot mal in grün. Dazu zogen sie ihre Hacken bei jedem Schritt bis zur Kniekehle an, was an ihren verkürzten Sehnen liegen muss. Kamerun machte nix ausser zwei toller Tore, Schmeichel fluchte und die Welt war in Ordnung. Wenn mal nix auf dem kurzen Grün passierte, glotzte ich auf den blauen Øresund Richtung Schweden. Das einzige was nervte, war die Danöse neben mir. Es war die Freundin eines Schweizer Kollegen und, obwohl ich mich deshalb zurückhielt, merkte sie wohl, dass ich für Kamerun war. Die Irre, dabei war ich nur gegen Dänemark. Überhaupt, das nervte so langsam. Deutschland hat vielleicht Hardcore-Nazis, aber Dänemark hat 4 Millionen Nationalisten. Das kotzt einen auf Dauer auch an. Nun, die 40.000 dänischen Nazis hier im Stadion hielten dankenswerterweise ihr Maul. Dann tat ich das, was man nicht tun sollte, nämlich sich im Stadion umzudrehen. Merkt Euch das. Denn in der letzten Reihe sass eine Perle, die es in sich hatte. Und aussen dran auch. Wo soll man anfangen? Vielleicht mit dem Mund. Der war vielleicht der beste nach Anna Pfister. Und die hat nun mal den geilsten Mund der Schweiz. Aber man muss vorsichtig sein mit solchen Superlativen. Die Pfanne, um die es hier geht, hatte mit etwas schwarzem Lippenstift nachgeholfen, und das gekonnt. Dazu trug sie mittellange dunkle Haare und sah einfach klasse aus. Das,

64

Schade, dass diese Geschichte halt auch nie mit den Massen in Berührung kommen wird.

59


was ich so im Augenwinkel sah, liess erahnen, dass es sich da um eine unglaubliche Laune der Natur handelte. Eine Mutante der feineren Art. Scheisse. Die Dame trug eine hellblaue Opa-Schlachbux, tiefergelegt, die in Höhe der Klitoris endete. Und 1a Titten. Leute, da hingen, was sage ich, da standen zwei Ballermänner vom Körper ab, die über Gravitation66 nur lachen konnten. Diese beiden Exemplare wurden von einem kleinen schwarzen Top nur sehr unzureichend geschützt. Natürlich hockte sie neben so einer Dänen-Schwuchtel, an die ich mich aber kaum noch erinnern kann. Und so eine sass eine Reihe hinter mir. Was an und für sich ok. Ist. Allerdings nicht in einem Stadion. Da hat sowas nix verloren. Auch nicht bei einem Länderspiel. Auch nicht bei Dänemark-Kamerun. Aber da sass sie nun mal. Und das zeigt auch wieder deutliche Unterschiede zu meinem Heimatland67. Solche Frauen gehen bei uns nicht ins Stadion. Und das ist gut so. Denn wenn ich ins Stadion gehe, will ich Fusball sehen. Und das in Ruhe. Und wenn ich Titten sehen will, gehe ich halt in eine Tittenshow68. Klar? In der Halbzeit holte die Dame ihrem Schwachmaten ein Bier. Und ich folgte ihr. Meine Blicke klebten an ihrem Arsch, und mein Dödel wollte selbiges. Ich drängelte mich am Bierstand an sie und genoss ihren Duft. Sie roch nach Haut, nach Sex, nach Wahnsinn. Ich sog sie förmlich in mich auf, sie raubte mir den Atem und wahrscheinlich auch meinen Verstand. Jedes Haar auf ihrem Nacken elektrisierte mich. Der Fussballgott hat zum Glück verhindert, dass ich Sie anfasste. Nach dem Spiel fragte mich die Freundin meines Kollegen, ob wir noch einen kippen gehen würden. Ich sagte, mir sei kalt. Das war es auch, aber nur äusserlich. Denn erstens gewann Kamerun unverdient 2:1 und zweitens, genau, und drittens, wollte ich eigentlich nur noch diese Geschichte tippen, mir einen keulen, dabei an die Alte denken und pennen. Und das tat ich dann auch. Schlechter ist halt auch anders als besser69.

65

Stadion des F.C. København und - wahrscheinlich königliches - National-Stadion. Siehe auch XI. Laila. 66 Siehe auch III. Café Nemoland, IV. Traum von Stewardess und XV. Zwillinge. 67 The country where I come from (Thomas Jahn). 68 Dazu mehr in XVII. Pia. 69 frei nach Oskar Lafontaine.

60


Stammtisch 14 Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die

nächsten

deutschsprachigen

Stammtische

finden

am

01.

Januar und am 04. Februar 1999 statt. Wir treffen uns wie immer ab 17.15 Uhr im "CAFESIUS" (befindet sich an der Ecke Rosenørns-Alle/Worsaesvej). trotzdem

willkommen.

Dies

Wer

später

gilt

kommt

ist

insbesondere

natürlich

für

unsere 70

Biologen, die um 17.00 Uhr noch die Wasserbäder anheizen . Das Interesse am Entenessen ist nun doch grösser als zunächst angenommen. Als Termin wurde Freitag der 11. Dezember um 19.00 Uhr

im

Københavner

Cafe

(Badestuestræde)

festgelegt.

Wer

mitkommen möchte und sich noch nicht angemeldet hat, sollte mir

bis

spätestens

Montag

(30.11.)

12.00

Uhr

eine

mail

schicken.(Ehe) Partner sind ausdrücklich willkommen!!! Tschüss Torsten71

Parken, Copenhagen

70 71

Der meint schon wieder uns! Tschüss, Torsten. Mach gut.

61


XV. Zwillinge Das Wochenwerk war mal wieder erledigt. Den Zeitraum Labor-Dusche-Flughafen hatte ich in Richtung minimal optimiert. Ich sass also in meinem 9er Bus Richtung Kastrup, dem Flughafen Copenhagens. Schweissgebadet. Am Ende. Aber in Hochstimmung. Kein Wunder. Der Kontrast macht es halt. Der Walkman beschallte mein Hirn und meine Umwelt. Und das mag man hier nicht so gern. Darum ja. Marilyn Manson gab alles. Und seit ein paar Wochen war ich voll drauf. Auf Marilyn. Und auf Titten Haben Contergan. Vielleicht verstehts ja einer. Auf jeden Fall hatten er und ich anscheinend das gleiche Probleme: I don´t like drugs but the drugs like me. Ich schaute so um mich herum und verabschiedete mich bereits jetzt geistig von jeder dänischen Schwuchtel einzeln. Da hatte ich aber auch wieder ein paar Prachtexemplare erwischt. Glück muss man haben. Aber was war das? Die Schattenseite Dänequarks. Verdammte Hurenkacke. Da sassen doch 2 Mädels, die sich sehen lassen konnten. Scheisse. Die waren vom Feinsten. Lange blonde Haare, hautenge Bluejeans, wie mein Vater sagt. Es war arschkalt und die Damen trugen knappste T-Shirts. Bauchfrei und drüber offene Teddy-Mäntel, so eine Art HippiFaserpelz. Es war Winter, Copenhagener Winter. Aber das entscheidende: zum Pelz trugen sie geile Titten. Jede. Das macht zwei Paar. Und das meine ich auch so: Man konnte die addieren, multiplizieren. Immer kamen vier heraus. Und das ohne BH. Das gabs hier selten. Leute, diese beiden Damen waren hübsch. Die waren klasse, die waren billig. Purer Sex. Und die hatten Titten, die man lange suchen muss. Geile Birnen. Nicht so wie die anderen Titten, die hier so rumlaufen. Die Uniformen, die H&M-Ballermänner. Nix gegen diese, im Grunde. Die dicken Runden. Aber diese Vorzeigetitten waren doch alle nur gestützt, gefüttert oder gespritzt. Silikontitten halt. Diese beiden Mädels aber hatten sich und der Umwelt ein paar geile Birnen angetan, die hoffentlich nie einen BH, einen Chirurgen, oder einen Dänen sehen werden. Sie trotzten der Gravitation72. Richtige nette Schläuche, im positiven Sinne. Sie pressten sich gegen die Baumwolle, die sich darauf erregt spannte. Gleiches ereignete sich auch in meiner Hose. Nur, da konnte ich nicht mithalten. Und das beste, sie waren identisch. Die Besitzerinnen. Und selbige. OK, die Copenhagöse hat eh schon einen eher uniformen Phänotyp. Aber das hier kam Männerphantasien nahe. Scheisse. Mein Gott, es durchzuckte meinen geplagten

62


Schädel. Die waren geklont. Ich sollte entweder meine Finger von den Drogen lassen, oder meinen Job wechseln. Letzteres schien mir einfacher. Ein neuer Gedanke: Lesben? NEJ73. Aber normal, im Sinne klassischer Eingeborener, waren die auch nicht. Letztere sind eher schüchtern. Und diese beiden waren eher extrovertiert. Will meinen, sie waren albern. Schäkerten. Machten sich, oder weiss der Teufel, wen an. Drogen? Wogibbetdat? Watkostat74? Egal sie hatten Spass an sich an der Welt und an uns Gaffern. An mir. Das sprach gegen die Lesben-Situation. Und weil Frauen mit solchen Titten Gedanken lesen können - das ist eine ganz alte Regel - zogen sie, ohne Absprache, ihre Teddys aus. Warum? Scheisse, die wollten mich kirre machen. Sie streckten sich und posierten. Und liessen ihre Titten wippen. Plötzlich sprangen sie auf ein geheimes Zeiche auf, griffen sich ihre Teddys und verschwanden laut albernd. Ohne mich nicht eines Blickes zu würdigen75. Ja, macht mich nur wahnsinnig. Dann hole ich mir halt in der Business Class Lounge einen runter. Oder noch besser, im Flieger76. Schade. Erstens, wäre ich gerne mit ihnen geflogen. Überallhin. Zweitens, hatten sie mir

mit

ihrer

Haltestelle

erklärt,

was

sie

so

anders

machte

als

alle

Copenhagenerinnen. Sie waren in Amager ausgestiegen, dem Asi-Viertel der Stadt. Dem Garath Copenhagens. Egal. Ich liebe das Proletariat. Und deren Titten. Vermehr Euch. Kreuzt Euch, Mädels, und schickt mir Eure Töchter.

72

Hiermit beenden wir unsere Reihe aus der Serie „Gravitation“ (siehe auch III. Café Nemoland, IV. Traum von Stewardess und XIV. Kamerun). Als Strafe sah es das Schicksal vor, mich den Rest meines Lebens daran forschen zu lassen. 73 Dänisch für NEIN. 74 Rheinisch für Wo gibt es das? und Was kostet das? 75 Das sind die kleinen Formulierungen, die mich heute noch ein wenig stolz machen. 76 Meine These ist eh, dass da Kameras auf den Klos sind. Und ohne Beobachter läuft bei mir eh nix mehr.

63


Stammtisch 15 Lieber Torsten, liebe Stammtischler "resieve" sollte immer noch bitteschoen "reseive" geschrieben werden,

denn

mit

"ie"

waere

es

ja

ein

unzulaesslicher

Germanismus! Ich

werde

die

verbesserte

Version 77

Heimseite (Adresse siehe unten)

alsbaldigst

in

unsere

aufnehmen.

Ein Wermutstropfen: Meine Frau hat mich zum Malen verdonnert, nicht nach Zahlen, sondern mit DULUX. Deswegen kann ich leider heute

abend

nicht

vorbeikommen

(ich

bin

auch

p.t.

nicht

Familienhafenmaessig aufgeputzt!). Guten Sommer78. Freundliche Gruesse. Bernd K

Zwillinge, Copenhagen79 77

Heimseite, also. Hier ist sie: http://www.agsci.kvl.dk/~tomuj5. Wirklich nicht empfehlenswert. 78 Ich weiss, in Stammtisch 14 war noch Winter. 79 Ausschnitt aus dem Plattencover Dying To Say This To You von The Sounds.

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XVI. Fullmoon Das folgende sei dem (drogen)interessierten Leser als Anleitung für einen kleinen Horrortrip anbefohlen. Dem Ignoranten diene es als kleines Intermezzo. Damit er dann sein kleines borniertes Das kommt davon, selber Schuld denken kann. Manche brauchen sowas ab und zu. Eben. Thomas und ich wollten an diesem besagten Tag mal so richtig an die Grenzen gehen. Und das taten wir dann auch. Zumindest ich. Und hier sei das Rezept verraten: Man kaufe sich ein paar Pilze. In unserem Fall kosteten die 120,- DKK, also rund 40 Märker. Wohlgemerkt das Gramm. Vielleicht hätte uns das komisch vorkommen sollen. Zumindest aber der kleine schriftliche Vermerk, das eben jene erst ab 21 seien. Man machte noch Witze, ob diese vielleicht erst ab 21 Jahren geniessbar seien. Gemeint war die Lagerung. Nun gut. Man teilte brüderlich. Ich frass - wie immer - alles und sofort in mich rein. Thomas hob sich die Hälfte auf, so wird er es zu was bringen. Und das ist nicht böse gemeint. Dann mache man sich auf den Weg zu einer dieser Goa-Parties. Das soll und tut so tönen80, als wüsste ich, wovon ich rede. Wusste ich aber nicht. Schliesslich war es meine erste Goa-Party. In unserem Fall war es eine Fullmoon Stupa-Party in Christiania. Das hiess eigentlich nur, dass da genau jene Stupa, von der bereits die Rede war81, adäquat geschmückt war. Alle vier Seiten wurden von Projektoren angestrahlt, die kitschige Bhudda-Motive und ähnliches auf selbige warfen. Dazu gab

es

Räucherstäbchen

Tonnen und

Kerzen. Kerzen überall.

von natürlich Stupa, Christiania

80

Um für alle schweizer Leser und besonders Frau Berg auch mal einen kleinen Helvetismus einzubauen. 81 Siehe VII. Die kleine Runde.

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Bunte Scheinwerfer projizierten Muster in alle Richtungen und gaben dem Ganzen eine LSD-Stimmung, die es in sich hatte. Meine Klischees wurden also reichlich befriedigt. Dazu wurde Mantra-Mucke gereicht, die irgenwann in Goa überging. Mir war das Ganze allerdings von Anfang an zu heftig. Die Goa-Bässe hauten mir dermassen in den Magen, die Lichter und Farben machten mich vollkommen kirre. Also machte man es richtig und ging zum See. Legte sich ins Grass und glotzte auf die Bäume. Die waren - meinem Zustand ideal angepasst - vollkommen platt, hatten also alles 3d-Dasein aufgegeben. Ich nahm es als Zeichen des Pilzes und horchte mal in meinen Körper hinein. Was sich da abspielte war direkt so heftig, dass ich mich spontan von meinem Kumpel verabschiedete, und ihm einen schönen Abend im Woodstock82 wünschte. Und den hatte er dann auch tatsächlich. Ich schwang mich auf mein eindimensionales Fahrad und machte mich torkelnd auf den Weg durch die Scheinwerfer-Orgie Copenhagens. Eine Fahrt wie unter Flutlicht, alles neu und fremd. Aber auch nicht uninteressant. So, als wenn man unter einer Lichtdusche Fahrrad fährt. Zuhause angekommen, gewahrte ich, dass mein dänischer autistischer WG-Gefährte gerade heute, seinen Itaka-Kumpel und zwei Französen83 geladen hatte. Why? Das hiess nämlich, neben meinem Zimmer und damit mir Drogengeplagtem fand eine kleine Privatparty statt! Von genau diesen Eindrücken gibt es ein kleinen Œuvre. In Form einer Tonbandaufnahme, das im folgenden - leicht gekürzt, aber nicht geschönt - von bewegten und bewegenden Stunden berichtet. Nehme man es als Protokoll des nahenden Wahnsinns, als Liebeserklärung, als feinaufgelöstes Hörspiel, als soziale Studie, als Abschreckung, aber auch als Anregung: muss gerade mal ne ansage machen. 11.44 und ich bin sehr im arsch, muss ich sagen. kann auch mal ruhig, glaube ich, länger dauern und auch mal Licht ausmachen. boahhhh. ich weiss nicht, ob ichs gesagt habe, es ist 11:44 abends, samstag abends. es sollte DER abend in copenhagen werden. ich dachte ich geh mal - oh, jetzt hab ich die augen zu - sollte der abend und hiermit auch das protokoll des abends werden. und ich dachte, gehste auf eine dieser komischen parties. ohhh,

82 83

Siehe I. Magic Woodstock. Ist schon richtig so.

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muss mal hier abschweifen und diese bilder angucken ...84 (unverständlich, irgendwas wie bolero oder so)85 mach erstmal die augen zu. gehste auf eine von diesen, muss ja aufnehmen (pause) oh genau, ich wollte, genau, das war eigentlich der ansagende punkt, ich wollte, genau ... bin wieder zurück in der schönen welt. ich hatte gerade, komisch, ich weiss nicht mehr, in welcher sprache ich zu reden habe und ich weiss auch nicht mehr, ob ich die augen aufmachen soll oder zumachen soll. das leben hängt von so kleinen, komischen dingen ab. mach ich die augen ... boh, ich kann da gar nicht mehr drüber reden. ich glaub, (mit festerer stimme) ich bin gerade sehr angezählt. von den ereignissen, von den pilzen. sagen wirs doch ruhig, von den pilzen. aber ich, die wirkliche (lange pause, lärm) ... (leise) das war der falsche ... (mit neuem mut) da fallen schon mal ein paar sachen um, das kann passieren, das ist ganz normal. scheissegal (sehr lange pause). also, ich möchte eines dokumentieren, ganz lustige sachen, die heute passiert sind. und, jetzt fängt auch gleich wieder, - das stimmungbarometer - paar lustige sachen, die passiert sind, sind ... bohh ... keine erinnerung. sekunde, ich muss mal eben stoppen. (unterbrechung) (mit wesentlich gefassterer stimme) also, was ich unbedingt aufnehmen muss, den wahren satz des .... warum alle welt will, dass leute keine ... der fundamentale satz, die

erkenntnisse

meines

1-jährigen

schaffensdaseins

hier

in

copenhagen,

copenhagen (englische aussprache). wie folgt, nämlich ... oh, das (wort unverständlich) hat noch auf. kann das sein um 11:00, 12:00, keine ahnung ... also die fundamentale, oh, das rote lämpchen ist an, die fundamentale (Wort fehlt) zwischen drogen-nehmen und nicht-nehmen ist, tätähhh, der tusch fehlt, es ist, man erkennt das schöne, aber das ist trivial, aber wenn man das schöne erkennt, und breit ist, so wie ich (es folgen ein paar - leider - wesentliche, unverständliche worte). das schöne ist wunderschön und das scheissige ist superscheisse. die farben verändern sich alle, so bedrohend irgendwie, hölle. oh, das schöne, das schöne ist grün. ja, wenn man erstmal die ganzen sachen versteht, warum auch diese sachen immer in so beschissenem grün- und rot-quatsch gemalt sind (stimme wird weinerlicher), und eigentlich so psychedelisch gesehen ... boh, genau, ich, geil ja, aber wenn mans dann mal sieht - ja, mach die augen zu - dann verstärkt sich alles super, so schön und angenehm und bunt. grün, wenn mans erkennt als droge, dann macht man diesen geheimen codex ... oh, musik, heavy (musik aus nebenzimmer), 84 85

(...) meinen - teilweise erschreckend lange - Pausen. In Klammern befinden sich nachträglich eingefügte kurze Erläuterungen.

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die haben also quasi ... oh, scheisse, ich dreh ab, dieses bunte, dieses rot-grün, ... darum, weil (stimme sehr zittrig) ... protokoll, das ist genau der punkt, warum ich auch diese veranstaltung heute abend verlassen musste, das war dermassen viel und überzogen ... rote lampe an, absolute einzige lichtquelle. das ist eine gute beschreibung übrigens, man kann diese rote lampe, diese birne, also man kann jedes rote lämpchen, wie zum beispiel jetzt von diesem beschissenen diktiergerät, oder von dem beschissenen fernseher, der vor mir steht, von jedem photon, das da gerade ankommt kann man im grunde, erlebt man als eigene (kurze pause) welt. (mit festerer stimme) sehr verstärkt, extrem verstärkt, ich nehm das gerade so verstärkt auf, als könnte das, was ich höre, also jedes photon als gebilde, als wenn das ... boh, ich bin so bekloppt. (unverständlich) nacht hier so bekloppt, weil, boh, verfolgungsängste, filme, dämonen, engel, und jetzt seh ich alles in schönen farben. ist wirklich alles extrem und diese beschissene party da drüben, das verstärkt sich auch gerade extrem, grün und rot, schön blau und böse. man will auch nur noch haben. im haben, um darauf zurückzukommen, die sonne strahlt gerade wieder schön in grün und rot, (unverständlich) erst mal begreifen, das blaue ist böse. wenn ich die augen zumache sehe ich grün-rot, und das heisst im grunde, jedes lämpchen reicht im grunde. um genug sonne zu sein für mein leben. ich werde (oder wäre) glücklich und zufrieden. celie, das ist ein schönes protokoll eigentlich, und eine kleine liebeserklärung, die ich gerne machen würde. ja, scheisse, ich hab dich verdammt lieb (weint). und das ist auch so typisch jetzt, weil ... ja, man nimmt sich halt selten auf. ich kanns dir ja morgen nochmal, oh, das ist ja noch ellenlang. da kommen direkt die bösen farben und die bösen gespenster. ich muss jetzt zurückkommen. zu dem schönen grün und rot, grün und rot ist schön, boh, horrorfilm fahr ich hier ... wieder zurück in meine schöne grüne ... oh, () dieses muster verstärkt sich, das ist unglaublich ... ich mach die augen ... boh, ich () gerade im klo von sonem öffentlichen ... bin ja, quasi immer noch in dem ... () abend heute laufen ... ich könnte theoretisch also irgendwo in som jugendclub sein (nebengeräusche) () life-schaltung aufmachen, gerade von ... (gähnt) ich muss gähnen, das ist ja unglaublich, muss schon wieder gegen diese wand da treten ... alles zu viel, was passiert ... (unterbrechung) (dann mit klarerer stimme) also, die absolute verstärkung führt zu einer, wie man sieht, man ist ... emotionalen, auch von den ATPs86 her, um auch einmal auf die biochemie zurückzukommen. man ist ja dermassen mit ..., das ist eigentlich die 86

Adenosintriphosphate; zellulärer Energieträger.

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wahre, man ist dermassen beschäftigt mit der wahrnehmung von schönen dingen auf dieser scheiss-beschissenen, schönen erde, verstärkt, potenziert durch diese wahnsinns-droge, hab ich wieder vergessen, was los ist, oh, horror. ja, darum will die wäsche, in meinen staaten ... weil ich sonst faul werde und nichts mehr tue. Und schon kommen wieder böse wolken. böse farben. oh, jetzt hab ich gerade was neues erfunden. man kann das gleiche auch mit olivenen nebengeräuschen machen, es muss nicht immer über farben gehen. boh, alles verstärkt sich. genau. jetzt fahr ich gerade nen film da drüben mit der musik. seh hier nicht nur farben, jetzt haben wir farben und musik. darum versteh ich auch überhaupt nicht, wie man auf diese party gehen kann. das muss eigentlich nur für warnehmungs-schwachmaten sein. man muss nicht alles verstärken, wie musik und farben. ich kann mir doch alles ausmalen, da brauch ich doch nicht auf so ne komische party gehen. () ausmalerei (lacht). das geräusch, das ich gerade höre, das geräusch, das gerade ganz komisch kommt neben der musik hier, oh, haben wir gerade nen hänger drin, nehm ich auf oder nicht (knacken im gerät). also, ich hab jetzt mal die sache beendet, dieses hin und her, zwischen neuaufnehmen und blinkender wahrnehmungsdroge, die dieser (lacht) komische pilz, ja ist ... das wird alles, was man erzählen will, alle diese riesen rückblenden, nicht mehr möglich sind. hoppala, liegen ist nämlich angenehmer und schöner, schöne farben ... all diese rückblenden, um nochmal zurückzukommen auf diese wohnung, wo ich gerade bin, und diese ganze reinigungs ... ja die enttäuschung ist gross. sondern die droge ist irgendwie, oh, ich hau mich schon wieder, voll die droge, hab ich das schon gesagt? wo diese lampe gerade so schön ist, diese lampe, und diese ... oh, ja, jetzt strahlt die lampe, wirst du ja morgen alles hoeren, also morgen. ich hoffe, dass das hier gleich mal aufhört. celie, ich war, genau, ich war in der liebes... ohhh, die lampe ist wieder da. scheisse, diese beschissene lampe, boh, das ist alles verschachtelt, celie. superschwer zu begreifen. ... reality. Immer, wenn ich neue gedanken, wirre gedanken, (). wat die da an musik hören, fern von jeder droge87. das ist wirklich ganz schlecht. das kommt gerade hart, das zieht quasi die normale welt, geht weiter. während die bedrogte wahrnehmung88, oh, olek89. diese lampe, diese diode von diesem aufnahmegerät, das werde ich morgen nicht mehr nachvollziehen können. Da ist gerade meine sonne, und das wollte ich gerade erzählen. leider vergess ich immer wieder, den satz. (längere pause) 87 88

Das ist gut. Auch nicht schlecht.

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solange ich nix sage ist klar, dass ich gerade die optimale wahrnehmung ... hölle liege. So eine scheisse. celie, ich bin .... oh ... ohhhh ... ich hoffe nur das gleiche, dass echt diese ... wie lange dauert das eigentlich überhaupt, warum hau ich mich überhaupt mit dieser beschissenen droge? ... könnt ich also nie, och, celie, ich halt mal wieder ne liebeserklärung. Lass diese droge jetzt mal, oh, jetzt piepts auch noch. oh, das könnte jetzt, warte mal, da können wir mal zusammen auf die uhr gucken. du bist ja auch dabei, ich muss morgen unbedingt mal aufräumen. ich komm gerade wieder von einem aufs andere. die ganze nacht hau ich mir jetzt um die ohren, aber nein. () mehr sehen, ich kann das nicht mehr klar auflösen. das ist auch die wirkung der droge, man ist nicht nur müde, der pilz also quasi, ne? ... abzugeben, überhaupt der normale werktätige mensch. grün und rot. bohhh, jetzt hab ich das zum erstenmal in meinem leben verstanden, warum eigentlich dieses grün und dieses beschissene rot. warum eigentlich in diesem beschissenen ... liegen, genau. die wahrheit von drogennehmen heisst, ich komm gleich zurück, celie, während ich gerade diese ... während ich gerade ... oh, ich komm gerade schlecht drauf. ich hab gerade den absoluten horrorfilm, dass mein leben beeinflusst von diesem beschissenen, ooahhhh, pilz, horrorvision. (lacht) leider, zum glück, und zum glück genau kann man das nicht alles. aber ich habe dieses aufgelöste, dieses feinaufgelöste, akustische hörspiel gerade aufgenommen. Das ist gut so. wie andere vor mir. ich kauf diese pilze ... lampe ... generationen von kasernen von drogen. ich hab die in mich reingefressen ... aber wenn schön ist, ist schön. wenn schön ist brauch, ich auch keine grün-roten ...(lange pause) ja, diese prägung auf diesen schein da ... glück ... da ist ja nicht normal, bohhh, ist das anstrengend, weil ... hoffentlich ist das bald wieder vorbei, celie. horrortrip. die verschiedenen welten und bilder und alles, was ich gerade hier habe, die sich alle beeinflussen, beobachten gegenseitig, und da ist noch die akustische wahrnehmung, die ja - ich sprech ja mit dir, ne? - die gedanken sind so abstrus, dass jede beobachtung selbst wieder, so viel energie nimmt, darum muss ich ja auch dauernd gähnen, das ist nur physik, genau. jede beobachtung braucht energie, das versteh ich jetzt gerade alles. hab ich immer drüber gelacht. das rechnerische ... und darum auch immer rot und grün.

89

Saarländisch für Ausdruck des Erstaunens.

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man kann selber in dieser vertonten welt, in den roten bann gezogen werden ... genau diesen horrorfilm gerade ... in der, der roten welt da. das ist doch ein horrorfilm. ich fahr nach ... celie, wenn das morgen vorbei ist. wenn ich morgen arbeiten kann, verdammte scheisse, echt. das sind echt farbenbilder, die sind alle irgendwie (gähnt) ... ich vergess immer, dass du das alles nicht sehen kannst, diese ganzen bilder, scheisse, die ganzen ... die sind im grunde auch ... das ist ein horrorgedanke, celie. horrortrip. wenn ich die augen zumache, dann hab ich das gefühl, dass ich in dem bannstrahl von diesem roten strahl bin. das zieht einen runter. schwer zu beschreiben. ich glaub, ich schlaf jetzt mal besser. aber auch schlafen und wach sein, das ist alles so ne sache. ich meine, wann weiss man, dass man schläft. wann weiss man, dass man wach ist. boh. da sind so rote punkte. und da machen die sich alle diese roten punkte, die müssen doch abgehen. das ist eigentlich der kernpunkt. entweder, kostet das energie, das alles zu beobachten. man ist direkt wieder bei der sache, darum machen die das auch. und darum ist auch die regierung, hoppala (etwas fällt herunter), dagegen, weil alle leute nur noch diese ... klopfen wollen. die musik, die literatur, die bilder, das hören mit allen reizen und ständig. fertig. (gähnt herzhaft) der droge ist es egal90. grenzenlose einsicht. zufriedenheit. genau, und darum, dieses geräusch allein schon, bohhh ... wenn das alles nicht so anstrengend wär. das geräusch von diesem gerät hier, bohhh, das ist ein gedankengang, ein schwerer gedanke gerade, dass das geräusch, was so intensiv, dass die photonen ausreichen, ohhhhhhhh ... von diesem gerät, um die gedanken zu beeinflussen. dieses interview anders fortsetzen muss ... boh, tausendmal um die ecke gedacht. tatsache ist, - ich muss nochmal auf die uhr gucken, ein wenig licht anmachen - das ist ja der hammer hier, bin ich auch direkt wieder bei mir. (schnitt im tape) (mit brüchiger stimme) oh, celie, ich glaub ich muss jetzt gerade mal nen protokoll abgeben hier. die sind ja irre. ich fahr hier voll diese farbenfilme und da gehen die auf diese party. ich hab noch die ganze nacht vor mir. hoffentlich hört das bald mal auf. das gerät hat ne ganz andere farbe und der bannstrahl, dieser rote - komm mach mal hier - war eben angenehmer ... völlig überzogen das schöne, superhell - eben das fahradfahren, das war ja horror - das kippt auch immer so schnell (weint, pause). das kippt so schnell. entweder ist es supergeil alles, oder superscheisse ... dieses gerät irre ... bohhh ... es kippt langsam, aber ... (mit festerer stimme) um mal einen 90

Respekt.

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vergleich zu bekommen. genau. die neue droge, man vergleicht sie halt mit dem, was man sonst so hatte. um mal wieder dran anzuknüpfen, ist immer superschwer anzuknüpfen, in einem ton-protokoll, um das gehts ja eigentlich. (pause) bin wieder da. Sieben nach zwölf und ... liege kämpfend hier in meinem zimmerchen. mal hören, was da drüben so, boh, die wahnsinnigen. tausende ... jetzt hör ich gerade da drüben franzosen, die englisch reden. Zu viel für mich. Die machen hier bei mir die griechen. die griechen siechen ... ich komm mal wieder auf neue sachen. boh, es gibt so viel gedanken, echt superschnell. und darum ist ja auch der staat, weil die reaktion, und genau das ist ja auch das problem, das fertig zu machen. das ist auch die beschreibung, glaub ich. immer wenn man erklären will, vollkommen egal, wenn man auf diesem film ist, 2 filme und die kreisen umeinander. und wenn man erkären will, das ist auch das problem generell der droge. oh, genau. warum die auf diese party gehen. ich glaub, ich hab am meisten OHHHs im meinem leben gesagt. kann auch wieder den steinröder anmachen91 (lacht laut). das ist ja wohl auch das problem dieses gesprächs: immer wenn ich was lösche, nehm ich was, wie zum beispiel diese frage gerade von herrn bäumer92 ... neue ebene: musik. bohh. ja, ich komm immer wieder schneller auf die motive zurück. zwischen sehen, hören, ... das sind die drei elemente. immer drei sachen. ganz schön hart. man ist an den fundamentalen sachen. da müsste man mal drüber schreiben, warum eigentlich man ... (lärm) bemerkt und begriffen, fundamental. das grosse problem aller verrückten. dass sie am anfang nicht wissen, ... (lange pause) horror-gedanke, alles verstärkt sch gerade. boh, celie, horror. fahr gerade voll ... alleine der gedanke, echt zu spinnen, der ist schon horror ... der einzige ... sobald ich, oh ... verstärkt sich dermassen. aber was schön ist, verstärkt sich auch. da ist sehr schwer rauszukommen. immer hin-und-her ... hängen an einem und werden bekloppt. oh, jetzt bin ich wieder im bannstrahl von diesem schönen, wie in der türkei ... ja, da musste ich wieder ohne drogen, eine woche lang ... klar sehen, nicht klarsehen, das ist die frage. boh, celie. ja genau, das ist das problem zwischen ... kurz mal eben, scheisse, ... also, und wieder nett hightech. könnt ich tausendmal wiederholen, man kommt immer nur scheisse drauf. absoluten horrorfilm gerade gestoppt ... (lange pause) celie, ich muss wieder zurückkommen auf unser gespräch, (räuspert sich), meine stimme muss sich wieder fangen, dann ist alles wieder gut. die sache mit dem horror91

Reste eines Interviews auf dem Diktiergerät, die ich beim Zurückspulen während der Aufnahme hören konnte.

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trip, boh, ich lebe, darum weiss ich überhaupt nicht, wie leute das aushalten können da. wenn alles scheisse, dann ist alles scheisse. wenn alles schön, dann alles schön. super psycho-aktiv. Gefährlich, echt ... psyche beim hofgang. ich fühl mich lange nicht mehr psychoaktiv. ich fühl mich gerade ... (lange pause) ja, lass mal überlegen: alles schön ist ... da kann man irgendwo, ne kleine burg in den bergen93, die sonne scheint, und träumen. die ganze wahrheit. die droge führt eigentlich nur dazu, dass man nichts macht, dass man faul ist. das grosse problem bei der wahrheit, wenn man, dass man da liegen muss ... boh, jetzt bin ich gerade wieder bei meinem horrorfilm, weiss gar nicht, was ich machen soll, celie. glaub ich schlaf mal am besten. war ich aber auch schon. ist so schrecklich alles, horrorfilm. bohhh. weiss gar nicht, wie man da auf so ne ... (lange pause). die beobachtung, um da rauszukommen ist schwer. genau das ist das problem. aber ich habe ja die utopie ... wat hören die da überhaupt für musik? naja. das ist doch nicht normal, aber wie ich das gerade auflöse, superfratzen. das grosse problem, glaub ich, das dauert die ganze nacht und man hinkt immer hinterher. grenzenlose traurigkeit. komisch, ne? und was man überhaupt nicht (er)tragen kann, sind so irgendwelche sachen, die man genau da sieht. überall. lichtschatten. reflektionen. versteh ich nicht. genau. das ist ein horrorgedanke, da nicht mehr runterzukommen, celie, ... (band zuende). Soweit das Tape. Nach 30 Minuten war es dann wirklich zuende, das Tape. Ehrlich. Und ich bin trotzdem noch bei Euch. Den Rest des Abends - er dauerte so bis 4:00 morgens - sei im Folgenden kurz zusammengefasst. Ein paar Sachen seien noch als Erklärung hinzugefügt. Bei besagter Diode handelte es sich um die Poweranzeige des benutzten Diktiergerätes. Sie schien mir eine Art Bannstrahl zu sein, von dem ich meine Energie bezog. Dieser diente in meiner Vorstellung als meine einzige externe und essentielle Energiequelle, meine Sonne. Deren sicheres Erlöschen - nach dem Ende des Tapes oder der Batterien - hatte in meiner Vorstellung fatale Folgen. Worum meine Gedanken kreisten, und was ich die ganze Zeit eigentlich versuchte zu sagen, war die (vielleicht triviale) Erkenntnis, dass jede Beobachtung unweigerlich den

Zustand

des

Beobachteten

verändert.

Und

damit

eine

naturgetreue

Beobachtung per se unmöglich macht. Und dass umso mehr, je feiner,

92 93

Jener führte damals mit mir das Interview. Für Robby und Ulrike.

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hochaufgelöster das Medium der Beobachtung ist. Das ist nicht ganz neu, zugegebenermassen, aber in der eigenen, erlebten Erkenntnis schon heavy. Andersherum ist mir aber auch (am eigenen Leibe) klargeworden, dass jede sorgfältige Beobachtung des eigenen Ichs (mit Hilfe des Mediums Droge) Energie kostet. Biochemische Energie Die Wahrnehmung ist somit auch biochemisch teuer. Und das ist spürbar, verhindert es nämlich, wie deutlich wurde, eine sorgfältige Beobachtung. Diese minimalen Beobachtungsverschiebungen resultieren in einer Reizüberflutung, die zu einem ständigen Abgleiten hin zu anderen Gedanken führt. Man urteile selber, ob das Gesagte Sinn macht. Dann wird auch dem psychologisch unbedarftem Leser nicht entgangen sein, dass ich ein Problem mit der Endlichkeit des Lebens, gemeinhin Tod genannt, habe. Um deutlicher zu werden: irgendwann ist das Band (oder die Batterie) zuende = Ende des Lebens, sprich TOD94. Nun gut. Der Abend entwickelte sich dahingehend, dass die Abstände der Klarheit immer kürzer wurden. In den auch immer kürzer werdenden Momenten der Klarheit manifestierte sich immer mehr ein Gedanke: das hört nicht mehr auf. Der schlimmste aller Gedanken wurde immer realistischer: ich bin dabei in eine

andere Welt

abzusacken. Ein anderes Planetensystem, von dem eine Rückkehr unmöglich ist. Nennen wir es den Wahnsinn. Ich rechnete damit, bei halben Bewusstsein, schleichend und unaufhaltsam irre zu werden. Der dominante Gedanke war, dass ich meine Freundin nie mehr sehen, oder sagen wir besser, erkennen, würde. Sie würde mich natürlich irgendwann finden, als Irren in einer Klapse. In meiner Pisse, als Penner, als Wrack, als Hülle meiner selbst. Der schlimmste Gedanke, der Horror schlechthin, war jedoch, dass ich wusste, dass sie mich in diesem Stadium noch jederzeit erlösen, aus der Schleife würde holen können. Das aber nicht tun würde, da sie ja nun mal nicht von meinem Zustand wusste. Eine Berührung, ein Wort hätte genügt. Da war ich mir sicher. 94

In diesem Zusammenhang ein kleines Schmankerl: Coitus - genannt der kleine Tod (La petite mort). In diesem Zusammenhang möchte ich kurz auf die regionalen oder weltanschaulich miteinander in Zusammenhang gebrachten Parallelen zwischen Orgasmuserleben und Todesvorstellungen hinweisen. Nach Schriften des tibetischen Buddhismus durchläuft der Mensch im Orgasmus dieselben Bewusstseinsphasen wie während des Sterbens. Die im Tantra Yoga gelehrten Konzentrationstechniken basieren auf der Vorstellung von „acht Phasen der Auflösung“, die während des Orgasmus in kurzer Abfolge durchlaufen werden. Nun, und für den Japaner ist das Ganze eh dasselbe. Interessant auch, dass Einige in den neurobiologischen Vorgängen beim Orgasmus Parallelen zu Nahtod-Erlebnissen sehen, etwa sie seien auf der Schwelle zum Tod für einen kurzen Moment „aus ihrem Körper getreten“ und haben das als eindrucksvolle Glückserfahrung erlebt.

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Neben meinem Bett stand das Photo der Tusse mit den Nippeln95 neben dem meiner Freundin. Es kostete mich Milliarden von Kilojoules, aber ich musste die beiden trennen. Ich musste sie entfernen - die Schwarze, die Böse - von mir und meiner Freundin. Ich werde nie mehr über Tarotkarten und deren Leger lachen. Nun, meine Brüder, irgendwann wurden die Abstände zur nächsten Klarheit kürzer und die klaren Phasen länger96. Ich hörte die Tussen gehen, und wie schlicht besoffene Männer sind. Besoffene, enttäuschte, unbefriedigte Männer. Was für ein Quantensprung zwischen den Drogen liegt. Am nächsten Morgen wache ich auf, fühle in mich und merke, dass ich es geschafft habe. Ich bin klar. Freue mich des Lebens. Dem Teufel, dem Wahnsinn von der Schippe gesprungen zu sein. Fühle mich wie reinkarniert. Traue mich nicht, weiterzuschlafen, wieder rückfälig zu werden. Ich will den Tag geniessen. Die Sonne sehen. Die Bude sieht lecker aus. Vollgepisste Flaschen überall, Pisse am Boden. Nicht schlecht. Schwöre, nie mehr sowas zu nehmen97. Leute, es hat Tage gedauert, bis ich wieder unter Euch war. Wochen in denen ich alles Helle und Bunte gemieden habe. Tagelang war mir Kaffee und Kiffe98 zuwider. Es dauerte Monate, bis ich davon erzählen konnte. Wir haben da einen orangenen Ständer im Labor, mit dem kann ich heute noch nicht arbeiten. Irgendwann hab ich mal unseren Händler aus Christiania gefragt, wieviel man denn da so von nähme. Er lachte und sagte, dass das wohl individuell verschieden sei. Aber mit meiner Dosis könne man schon wie eine Rakete abgehen. Ich bin wie eine Rakete ins All geschossen. Und es war geil. Und der blanke Horror. Aber ich wäre beinahe nicht mehr zurückgekommen. Nie mehr.

95

Siehe dazu auch XII. Berliner Nippel und VIII. Bitter. Heute, nach etwas mehr Erfahrung und Lektüre, weiss ich, dass die sog. Halluzinationen in Wellen kommen - und vor allem auch gehen. 97 Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach. 98 Irgendwie auch lustig. 96

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Stammtisch 16 Marianne (meine Frau) kommt morgen mit zum Stammtisch, haben andere Ehegatten/innen, Kinder oder Kegel evt. ebenfalls Lust mitzukommen? Gruss Torsten PS. Peter Braun hat abgesagt, er baut gerade das Haus komplett um. Zum Kistenschleppen werden deshalb gesucht: -breite

(also

nicht

im

Sinne

von

berieselten99)

Maennerschultern nicht zum Ausweinen sondern zum Stemmen und Wuchten von Umzugskisten (wobei der Umzug als solcher nicht stattfindet

da

es

sich

hierbei

um

eine

unangemeldete

Demonstration handelt, die also verboten ist, und der Umzug nur der Einzug ist!)hinaus aus einem Moebelwagen und hinein in die neue Behausung. -auch kraeftige Frauenschultern sind natuerlich gefragt. Chiropraktorrechnungen werden leider nicht uebernommen, aber ein Handwerkeressen, ein gutes, soll es dem Vernehmen nach geben. Mann trifft sich zur gegebener Stunde in: 2500 Valby Nakskovvej 81 (oder 89) Ansonsten Gutes Wochenende. Freundliche Gruesse Med venlig hilsen Bernd Kuemmel

99

76

Daraufhin 端berlegten wir wirklich kurz, mal vorbeizuschauen.


XVII. Pia Es war einer unser letzten Abende. Eine letzte Runde. Nicht durch Christiania, sondern durch Copenhagen. Das hatte sich mein treuer Wegbegleiter so für mich überlegt. Ein letzter Höhepunkt. Zumindest fast. Es hätte sogar ein gemeinsamer werden können. Das muss man sich mal vorstellen: Thomas hatte am Tag vorher die ganze Geschichte ausbaldowert. Mit einem riesigen Weihnachtspaket seinen Vaters unter dem Arm. Mit Marzipan und Nürnberger Lebkuchen bepackt, war er durch Copenhagens kleines Rotlichtmilieu gezogen, um für uns ein paar Läden anzutesten. Wenn dass keine Liebe ist ... Nun, wir nahmen gegen unsere Gewohnheiten noch einen kleinen hektischen Sticky auf der Strasse und schon waren wir in einem dieser Läden. Waterloo hiess er und war wohl das, was man so gemeinhin ein Edel-Etablissement nennt. Ganz in Rot, ganz in Plüsch, mit Spiegelkugel und so100. Und dementsprechend nahm man erst mal einen Gin-Tonic. Der kostete locker den Jahreslohn eines vietnamesischen Reisbauern. Arschlecken. Wir hockten uns also in eine dieser roten runden Plüschbänke und warteten, was so passieren würde. Ich guckte mich mal so um, aber ausser ein paar rotgesichtigen aufgedunsenen Spesen-Chinesen101 war nicht viel los. Plötzlich standen sie vor uns. Zwei direkt. Gaben uns artig die Hand und fragten, ob sie sich setzen dürften. Die Frage war bescheuert, trotzdem duften sie. Ich hatte eine erwischt, die behauptete aus dem Iran zu sein. Und so machte man ein wenig small talk, das übliche halt. Zwischendurch fiel sie immer in mich rein mit ihren Riesen-Titten. Das war schön und nicht. Thomas hatte eine abgehalfterte Schwarze erwischt. Es schien, als hätte man uns erstmal den Abschaum geschickt. Ich wollte gerade von der Seidenstrasse anfangen, ich fand das ganz passend, als sie sich verpissten und die Show begann. Das war ganz ordentlich. Auch was die Damen da boten und wir hatten unseren Spass. Der Laden füllte sich und ich beschloss den Türsteher zu fragen, ob man hier kiffen dürfte. Durfte man nicht, aber auch die Art, wie er uns das schonend beibrachte war irgendwie nett. Auf jeden Fall aber professionell. Also wieder raus in die Kälte. Wieder drinnen angekommen, bot er uns einen Korb mit Süssigkeiten an. Ich nahm ein Bounty und das half.

100 101

Man kennt das aus dem Derrick. Das ist gut, ne?

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Wohl um uns aufzuwärmen schickte ein netter Mensch uns die besten Perlen des Ladens. Thomas verliebte sich gerade in eine aus Malaysia, die schon gestrippt hatte. Halb schwarz, halb Schlitzauge, vom Feinsten. Ich bekam es mit einer dermassen Dunklen zu tun, dass ich mich kaum an ihrer Haut sattsehen konnte. Sowas von feinpoorig, dunkel und matt hatte ich noch nie gesehen. Ihre Haut schien Licht einfach komplett zu absorbieren. Sie kam aus Antigua und unterhielt sich mit ihrer Kollegin auf französch. Wir beliessen es bei einem profanen Englisch, es hätte aber auch Creole sein können. Nun sie hatte Klasse und das wollte ich ihr eigentlich auch sagen. Aber es reichte nur zu einem: I like your tits. Das war ok. Sie lachte und es stimmte, denn die waren erste Sahne. Rund und wogend und dunkel und matt. Sie bebten in ihrem Paillettenkleid unbekannter Farbe. Und ich wollte sie anfassen, traute mich aber nicht. Das beste aber waren ihre Hände. Die waren noch dunkler und matter, aber rauh wie die von Captain Jamaika. Den hatte ich mal in Lamu102 getroffen und er wollte mir Gras verkaufen. Das hatte ich ihm nie vergessen. Zudem hatte er die rauhesten Hände der Welt. Bisher. Ich erzählte ihr die Geschichte und sie schien Spass daran zu haben. Und das wollte sie auch mit uns haben, eine Party feiern, wir vier zusammen, das übliche halt, Champagner und so, blablabla. Thomas und ich glotzen auf die Karte und merkten, dass das unser Budget sprengen würde. Ich fragte, ob man den Champagner nicht auslassen könnte. Konnte man aber nicht. Um es abzukürzen, die beiden verloren ihr Interesse an uns. Irgendwie schade. Es schien Zeit, den Ort zu wechseln. Ich schlug etwas derberes vor, um mal die untere Messlatte kennenzulernen. Also zogen wir am Joint und durchs Viertel. Club D´Amour machte auf uns einen angemessen abgefuckten Eindruck. Ein alter Sack stolperte uns im Eingang entgegen und fluchte irgendetwas. Das bestätigte uns in unserer Einschätzung. Drinnen fanden wir uns an einer Art Theke wieder, an der uns eine Mittelalte im glänzenden Jogginganzug - also quasi in Berufskleidung - die Karte erklärte. Die lag da hinter Glas in mehreren Sprachen. With the Breast kostete dasselbe wie With the Hand, nämlich 250 Kronen. With the Mouth war 50 Kronen billiger, was uns etwas erstaunte. Alles durfte aber nur 10 Minuten dauern, das war gewagt. Man konnte aber auch sein eigenens Menü zusammenstellen, für 30 Minuten. Das kostete dann halt dementsprechend mehr. Dann wurden wir Pia vorgestellt, die auch in dem Raum hockte: This is Pia. Pia is working tonight. Pia sagte artig Guten Abend und sah genauso aus wie ihre Kollegin. 102

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Besuchenswerte Stadt in Nord-Kenia.


Nicht schlecht, aber den Preisen halt angemessen. Ich prüfte meinen Samenleiter und erwog ernsthaft, mir einen runterholen zu lassen. Irgendwie schien es mir aber sicherer, das von Thomas abhängig machen. Der hatte aber keinen Bock und so verabschiedeten wir uns freundlich. Mich hatte der Laden nachhaltig beeindruckt. Alles klar und übersichtlich. Respekt. Vor allem hätte mich gereizt, etwas bleibendes Gemeinsames mit Thomas zu haben. Ihr versteht mich schon. Nun gut, wir zogen weiter, und wollten mal wieder etwas Gepflegteres antesten. Das fanden wir in einem Laden, gleich um die Ecke von ersterem. Aber Hallo. Ich suchte einen Platz DIREKT an einer Art Laufsteg aus. Und der konnte alles. Die Mädels machten ihre Verrenkungen unmittelbar vor uns und man sah sehr viel. Ehrlich. Die Damen waren vom Feinsten, vor allem eine. Die hatte ein Figur - unwahrscheinlich. Perfekt. Und wir waren verdammt nah dran. Am Ende ihrer Show steckte sie sich ein Bierglas zwischen ihre Titten und das hielt da so. Ohne Scheiss. Sah noch nicht mal nach Silikon oder so aus. Wir waren aus dem Häuschen, verdammt. Die Alte war der Hammer. Nach der Show klemmte sich so ein Fettsack am Nebentisch die Dame und würgte ihr das Höschen runter. Für eine Flasche Schampus durfte man das. Schien mir angemessen.

Waterloo, Copenhagen

Uns gegenüber, auf der anderen Seite des Laufstegs, reichten ein paar Freunde ihrem gelähmten Freund im Rolli ein neues Bier mit Strohhalm. Wir waren bester Laune, der Abend war göttlich und es wurde morgens. Irgendwann entdeckte ich, dass dieser Laden und ersterer ein und derselbe waren. Nur durch einen Gang verbunden. Und so sahen wir alle unsere Schätzchen wieder.

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Unser sabbernder Steven Hawkins machte seinen Freunden mit seinem Laserpointer am Kopf und seiner Karte auf den Knien klar, dass er ein weiteres Bier wollte und wir bepissten uns. Mein Gott, das war doch der Hammer: dieser Wahnsinnige mit seinem Laserpointer hinterm Ohr in dieser Nuttenshow. Ich hoffe nur, dass meine Freunde auch sowas f端r mich tun. Wenn es soweit ist.

Flagge von Christiania, Copenhagen

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Inhalt Vorwort Nachwort I. Magic Woostock II. Das Klo III. Cafe Nemoland IV. Traum von Stewardess V. Die Dritte Frage VI. AK47 VII. Die kleine Runde VIII. Bitter IX. Gr체ss Steffen X. Seine H채nde XI. Laila XII. Berliner Nippel XIII. John XIV. Kamerun XV. Zwillinge XVI. Fullmoon XVII. Pia

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Die Grosse Runde - Copenhagen Stories  

Was ich am meisten vermissen werde, ist Christiania, einen proklamierten Freistaat im unfreien Staate Dänemark. Dort gibt es ziemlich besond...

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