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Lebensraum wächst

v. li.: Vorstandsdirektor Dr. Gert Heigl, Vorstandsdirektorin Mag.a Barbara Muhr, Vorstandsvorsitzender Dipl.-Ing. Wolfgang Malik

IM GESPRÄCH MIT DEM VORSTAND

Herr Vorstandsvorsitzender Malik, 2019 wird für die Holding Graz ein Jahr mit neuen Herausforderungen. In welchen Bereichen sehen Sie diese besonders? Für einen Dienstleister wie die Holding Graz bietet jeder Tag spannende Aufgaben. Es gibt, ganz im Sinne der Stadt und der Bürgerinnen und Bürger, täglich viele kleine und größere Dinge zu erledigen – in jeder Sparte, bei jeder Beteiligung. Doch zusätzlich zum laufenden Tagesgeschäft warten im Jahr 2019 Projekte auf uns, die für Graz als stark wachsenden Ballungsraum extrem wichtig sind und das Stadtbild für die kommenden Jahre und Generationen nachhaltig verändern werden. An welche Projekte denken Sie da genau? Der Zentrale Speicherkanal biegt 2019 in die Zielgerade. Ein Projekt in dieser Größenordnung und mitten in der Stadt ist eine Riesenchance für die Stadt. Speicherkanal und Murkraftwerk sind ein nachhaltiger Wirtschaftsimpuls und wichtige Umweltschutzprojekte für Graz. Gleichzeitg schaffen wir mit der Neugestaltung des Murufers in diesem Bereich und mit der im Jahr 2019 begonnenen Absenkung im Augarten einen neuen Erholungsraum für die Grazer Bervölkerung direkt am Wasser – wir holen die Mur praktisch in die Stadt. Für die Plabutschgondel zum Thalersee stehen 2019 ebenso wichtige Entscheidungen an. Nicht zu vergessen die großen Straßenbahnprojekte Richtung Reininghaus oder zur Smart City und die Pläne zur urbanen Mobilität der Zukunft. Darüber hinaus überlegen wir, ganz im Sinne eines strategischen Managements, was wir auf welche Weise in ein paar Jahren erledigen wollen. Und zwar genauso effizient und den wirtschaftlichen Herausforderungen angepasst, wie wir das heute auch tun. Dazu gehören etwa die Budgetstabilisierung und die Verstärkung der Synergieprojekte im Haus Graz.

6 | Holding Graz Integrierter Bericht 2018

In welchem Zusammenhang sehen Sie die erwähnte urbane Mobilität mit der Stadtentwicklung? Es ist sehr erfreulich, wenn sich eine Stadt wie Graz so dynamisch entwickelt. Das hat natürlich auf den Ausbau unserer Infrastrukturdienstleistungen im Gleichschritt auf allen Ebenen Auswirkungen. Beispiele zeigen sich in vielen Bereichen: Ob innovatives Recyclingcenter oder Attraktivierung unserer Freizeitangebote, alles passt sich unserer Stadtentwicklung für mehr und modernen Lebensraum an. So wird eine bedarfsorientierte urbane Mobilität auch immer mehr in den Fokus rücken. Wir haben versucht, unser Dienstleistungsmanagement in Graz immer zeitgemäß zu verfolgen und viel Innovatives zu bieten, vom Straßenbahnausbau über die E-Busse bis zur Modellregion Elektromobilität. Neue urbane Mobilität mit einem USP für Graz muss Teil des Standortmarketings einer fortschrittlichen Region sein. Wir werden daher die Chancen für innovative Leuchtturmprojekte mit neuen Systemen gerne aufgreifen.   Frau Vorstandsdirektorin Muhr, welche neuen Entwicklungen sind im Gespräch? Wir haben 2018 mit unserer App Graz Mobil ein innovatives Angebot umgesetzt. Seit Juli verzeichnen wir 7.500 Downloads und haben über die App fast 11.000 Tickets verkauft. Auch die Jahreskarte Graz bleibt mit mehr als 40.000 Besitzerinnen und Besitzern ein Renner. Hier sind die Verkaufszahlen um fast sieben Prozent gestiegen. Im Busbetrieb setzen wir auf Modernisierung und neue Antriebstechnologien. Die E-Busse sind noch erfolgreich im Fahrgastbetrieb, gemeinsam mit der TU Graz haben wir eine Machbarkeitsstudie zum Betrieb von Wasserstoffbussen durchgeführt und mit dem Anliefern von 30 weiteren EURO VI-Bussen fahren in Graz ab April 2019 nur noch Euro VI- und EEV-Busse.

Mit Vollgas in die Zukunft der Mobilität – war das das Motto im Vorjahr? Absolut. Wir haben die tim-Standorte am Lendplatz und bei der Wirtschaftskammer eröffnet und nun in Graz sieben tim-Knoten in Betrieb. Bis Ende 2018 haben wir uns über 1.000 tim-Mitglieder gefreut. Mit der Jahreskarte Graz ist jetzt automatisch eine kostenlose tim-Mitgliedschaft verbunden, das hat für einen ordentlichen Impuls gesorgt. Über REGIOtim realisieren wir hinkünftig weitere tim-Knoten in Graz und im Steirischen Zentralraum. Außerdem übertragen wir unser Erfolgskonzept tim auch nach Linz. tim-Mitglieder können die Carsharing-Angebote in Graz und Linz dann über dieselbe Karte nutzen. Vollgas haben Sie ja auch bei allen Bauvorhaben gegeben, oder? Ja, wir haben alle unsere Baustellen im geplanten Zeitraum abgeschlossen. Im Zeit- und Budgetplan sind wir auch bei den Vorgaben des Masterplans ÖV: Wir haben die Pünktlichkeitsoffensive fortgeführt, das Angebot weiter verbessert und bauen das Straßenbahnnetz weiter aus. Der Gemeinderatsbeschluss zum Anschließen der Reininghausgründe sieht Investitionen von 44 Millionen Euro vor, auch die Smart City wird an das ÖV-Netz angeschlossen werden. In weiterer Folge planen wir den Ausbau der Straßenbahnlinien 1 und 5 und die Innenstadtentflechtung durch die Neutorgasse. Erfreulicherweise fördert das Land den Straßenbahnausbau mit 40 Millionen Euro. Nun zum Freizeitbereich: Der Trend, den Urlaub zu Hause statt in der Ferne zu verbringen steigt. Wie macht sich das bemerkbar? Sehr positiv. Die Freibad-Eintritte lagen 2018 mit fünf Prozent über dem langjährigem Durchschnitt. Die Menschen verbringen ihren Urlaub gerne auch zu Hause. Der ungebremste Ansturm

auf den Schöckl und Schloßberg zeigen dies deutlich. Es freut mich sehr, dass sich auch bei den Planungen, den Plabutssch und den Thalersee aufzuwerten, so viel getan hat. Da das Interesse am Radfahren und Mountainbiken zugenommen hat, haben wir gemeinsam mit den Grundstückseigentümern am Plabutsch neue Mountainbike-Strecken und Trails festgelegt. Und in Kürze werden wir das Restaurant Thalersee umbauen und die Uferlandschaft erneuern. Herr Vorstandsdirektor Heigl, Graz wächst – was bedeutet das für Infrastruktur & Energie? Die Menschen in unserer Stadt vertrauen auf eine sichere Wasser- und Energieversorgung, sind es gewohnt, dass ihre Abwässer und Abfälle entsorgt werden, und wollen, dass Straßen, Parks und Plätze sauber, gepflegt und sicher sind. Aber der Zuzug ist enorm. Um den derzeitigen Standard zu halten, müssen wir in allen Bereichen Anpassungen und Erweiterungen vornehmen. Was tut die Holding Graz dafür? Der Zentrale Speicherkanal und das Murkraftwerk, das noch heuer in Betrieb geht, sind derzeit die größten Projekte der Sparte Infrastruktur & Energie. Die Bauarbeiten nutzen wir, um parallel die Absenkung im Augarten umzusetzen. Seit 2018 sind wir Mehrheitseigentümer der Energie Graz, mit welcher wir für das Speicherprojekt Helios den Energy Globe Styria Award erhalten haben. Im Energiebereich wollen wir den Anteil an Alternativenergie weiter steigern. Diesbezügliche Impulse haben wir 2018 mit dem Start der Detailplanung für die Abwärmenutzung der Kläranlage, dem Baubeginn der Power to Heat-Anlage in Gössendorf und der Abwärmenutzung der Karl-Franzens-Uni gesetzt. Im Abwasserbereich beschäftigen wir uns mit der Erweiterung der Kläranlage und den zukünftigen Verwertungs-

möglichkeiten des Klärschlamms. Ebenso investieren wir auch verstärkt in den Netzausbau im Bereich der Energie- und Wasserversorgung und konnten mit dem Bau eines neuen, zentralen Materiallagers eine weitere Optimierungsmaßnahme setzen. Die Abfallwirtschaft entwickelt sich rasant – welche Projekte stehen an? Wir haben mit den Umsetzungsschritten für das neue Recyclingcenter in der Sturzgasse begonnen. Nach der Fertigstellung gibt es an diesem Standort noch mehr Möglichkeiten, Abfälle umweltschonend zu entsorgen. Unsere Tochter Servus Abfall hat ihr Angebot um die gewerbliche und private Sammlung von Verpackungsmaterial erweitert, und am Neufeldweg wollen wir eine Wert- und Störstoffsortierungsanlage errichten. Wir verbessern auch den barrierefreien Zugang zu unseren Dienstleistungen.

2018 haben wir ein Pilotprojekt mit schräggestellten Abfallbehältern gestartet, im Frühjahr 2019 erstmals ein Unterflursammelsystem mit barrierefreien, platzsparenden Abfallbehältern installiert. Auch Digitalisierung ist uns wichtig. Über die App AbfallKompassGraz kann man sich bald an die Abfuhrtermine erinnern lassen, mittels digitaler Routenplanung werden wir Fahrzeugeinsatz und Touren optimieren. Wie sieht die Bilanz nach einem Jahr Sauberkeitsoffensive aus? Unser OmPutzmann kümmert sich mit einem 116-köpfigen Team um die Sauberkeit in Graz. Wir haben unsere Schau-auf-Graz-App um neue Kategorien erweitert und verzeichnen einen Zuwachs an Nutzerinnen und Nutzern. Auch der Sauberkeitswert hat sich verbessert. Baulich investieren wir im kommenden Jahr außerdem rund 1,3 Millionen Euro in unseren Stützpunkt im Stadtpark.

Holding Graz Integrierter Bericht 2018 | 7

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Holding Graz: Integrierter Bericht 2018 - Graz wächst  

Graz wächst. Das Geschäftsjahr 2018 des Konzerns Holding Graz in gedruckter Form.

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Graz wächst. Das Geschäftsjahr 2018 des Konzerns Holding Graz in gedruckter Form.