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Hogrefe Case-Study

Schulungskonzept für zukünftige Ergotherapeut*innen: anwendungsorientiert, zielgruppenfokussiert und nachhaltig


HOGREFE CASE-STUDY: TESTDIAGNOSTIK IM BEREICH DER ERGOTHERAPIE

„Die Schulung war für mich wirklich hilfreich. Besonders nützlich war die Vorbereitung des FEW-JE, diesen haben wir super detailliert kennengelernt und geübt. Wenn ich im Praktikum die Gelegenheit dazu bekomme, könnte ich mir gut vorstellen, den Test selbstständig durchzuführen, weil ich mich echt gut vorbereitet fühle.“ Teilnehmerin der Schulung im März 2021

Hintergrund Ergotherapeut*innen sind auf ihrem Gebiet Expert*innen, die eigenverantwortlich und selbstständig in komplexen und sich verändernden Tätigkeitsfeldern arbeiten. An ihre Arbeit werden hohe Ansprüche gestellt. Sie entwickeln zusammen mit den Klient*innen Ziele und ergotherapeutische Therapiekonzepte. Als Informationsgrundlage für eine gewissenhafte Planung dient eine ausführliche Diagnostik. Diese legt damit einen wichtigen Grundstein für die Therapieentwicklung. Eine gute diagnostische Abklärung ist essentieller Bestandteil einer hochwertigen Versorgung der Klient*innen durch Ergotherapeut*innen. Im Rahmen dieser Diagnostik werden häufig standardisierte Test verwendet, deren Anwendung jedoch im Vorfeld geübt sein muss. In diesem Fall ist von Testdiagnostik die Rede. Es ist also kaum verwunderlich, dass auf Seiten der Ergotherapeut*innen eine hohe Nachfrage nach Schulung- und Fortbildungsangeboten zu Testverfahren und Diagnostik besteht. Vorhandene Angebote richten sich allerdings häufig nur an Ergotherapeut*innen, die ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben. Hier setzt der Hogrefe Verlag an: mit einer Schulung, die an den Lernund Wissensstand der Ergotherapieschüler*innen angepasst ist, wird bereits in der Ausbildung zum/zur Ergotherapeut*in Sicherheit mit diesem diagnostischen Prozess vermittelt. So soll den zukünftigen Ergotherapeut*innen der Übergang in die Praxisphasen der Ausbildung und langfristig auch der Einstieg in das Berufsleben erleichtert werden. Schulung Die Schulung beinhaltet Grundlagen der psychologischen Testdiagnostik und praktische Einführungen in Testverfahren, die für Ergotherapeut*innen relevant sind. In Blockterminen werden die Testverfahren vorgestellt und Fallbeispiele bearbeitet. Zusätzlich wird den Schüler*innen Material zur Verfügung gestellt, um die Durchführung untereinander zu üben, sodass sie das Testverfahren sowohl aus der Perspektive der Testleitung als auch der Perspektive der Testperson kennenlernen. Durch eine spannende Verknüpfung von Theorie und Praxis versprechen die Schulungstage eine angenehme Unterrichtsatmosphäre, in denen die Teilnehmer*innen offen Fragen stellen dürfen und ihre Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit psychologischen Testverfahren üben und sichern können. Zusätzlich werden Termine zur Nachbesprechung angeboten, um die Kenntnisse der Schüler*innen zu festigen und Erfahrungen aus Praxisphasen der Ausbildung zu reflektieren. Auch eine Online-Umsetzung der Schulung ist möglich. Der Aufbau der Online-Schulung orientiert sich dabei stark an den Schulungen in Präsenz.

Evaluation Bereits seit März 2020 nehmen Schüler*innen der Ergotherapieschule Lippoldsberg regelmäßig an diesen Schulungen teil. Im Rahmen dieser Kooperation wurde das Schulungskonzept evaluiert. Betrachtet wurde eine Schulung im März 2021, die eine Nachbesprechung des Zahlen-VerbindungsTests (ZVT) und eine Einführung in Frostigs Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung (FEW-JE) beinhaltete. Ziel dabei war es zu überprüfen, ob die Selbstsicherheit der Auszubildenden im Umgang mit psychologischen Testverfahren und ihr Interesse für die Thematik gesteigert wurde. Die Selbstsicherheit einer Person spiegelt sich in ihrer Selbstwirksamkeitserwartung wider. Steigt die Selbstwirksamkeitserwartung nimmt auch das Interesse für ein Gebiet zu. Evaluiert wurde neben dem aktuellen Zustand des “Interessiertseins” auch das Flow-Erleben, was sich in vielen Aspekten mit Merkmalen des Interesses ähnelt.

Selbstwirksamkeitserwartung Darunter versteht man die Überzeugung einer Person, ihr gestellte Aufgaben erfolgreich ausführen zu können. Wenn Aufgaben selbst gewählt werden, hängt auch die Art der Aufgaben und das gezeigte Durchhaltevermögen bei der Bearbeitung von der Selbstwirksamkeitserwartung ab. Personen mit hoher Selbstwirksamkeitserwartung wählen dabei herausfordernde Aufgaben und suchen bei Schwierigkeiten proaktiver nach einer Lösung. Das spielt im Berufsleben von Ergotherapeut*innen eine wichtige Rolle. Bei hoher Selbstwirksamkeitserwartung sind Ergotherpeut*innen offener für die Anwendung komplexer Testverfahren und können ihren Klient*innen so auch in schwierigen Fällen bestmögliche Diagnostik bieten.


HOGREFE CASE-STUDY: TESTDIAGNOSTIK IM BEREICH DER ERGOTHERAPIE

Das Flow-Erleben äußert sich in einer positiven Erlebnisqualität während einer Tätigkeit. Je stärker die Schüler*innen den Flow während der Arbeit mit den Testverfahren erleben, desto flüssiger und störungsfreier scheint die Umsetzung der Testverfahren abzulaufen. Zudem kommt ein starkes Gefühl von Kontrolle und eine verzerrte Zeitwahrnehmung hinzu. Schüler*innen, die also von einem starken Flow-Erleben während der Schulung berichten, sind tief in die Testverfahren involviert.

Ergebnisse Um Veränderungen in der Selbstwirksamkeit und dem Interesse für die Thematik durch die Schulung sichtbar zu machen, wurden die Teilnehmer*innen vor und nach der Schulung mittels Online-Fragebögen um eine Selbsteinschätzung gebeten. Zudem wurden Interviews geführt, die von unabhängigen Beurteiler*innen bewertet wurden. Nach der Schulung können Verbesserungen in der berufsbezogenen Selbstwirksamkeitserwartung um durchschnittlich 3,3 % nachgewiesen werden. Die genauen Veränderungen der einzelnen Schüler*innen sind in der nachstehenden Grafik dargestellt.

Veränderung der berufsbezogenen Selbstwirksamkeit im Zeitverlauf Einschätzung Selbstwirksamkeit

Interesse für die Thematik der Testdiagnostik ist wichtig, da auch der Einsatz von Testverfahren einem ständigen Wandel unterliegt. Eine optimal an die zu behandelnde Person angepasste Diagnostik kann nur dann erfolgen, wenn Interesse – und damit auch die Bereitschaft – besteht, sich in immer wieder neu erscheinende Testverfahren einzuarbeiten und diese anzuwenden. Entwickeln oder steigern die zukünftigen Ergotherapeut*innen also ihr Interesse für Testverfahren, steigt auch ihre Lernbereitschaft. Ein durch die Schulung entwickeltes Interesse würde so als unmittelbarer Motivator fungieren und das Engagement einer Person aufrechterhalten.

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Zeitpunkt

In den Interviews wird deutlich, dass obwohl die Schüler*innen in der Anwendung psychologischer Testverfahren in der klinischen Praxis noch immer eine Herausforderung sehen, ihnen vor allem der hohe praktische Anteil der Schulung geholfen hat, selbstsicherer zu werden. Sie sind nach der Schulung zuversichtlich auch komplexe, psychologische Testverfahren erfolgreich anwenden zu können und für etwaige Probleme oder Schwierigkeiten schnell Lösungen zu entwickeln. Diese Selbstsicherheit wird auch durch die Beurteiler*innen der Interviews wahrgenommen: Sie schätzen die Überzeugung der Teilnehmer*innen, psychologische Testverfahren erfolgreich anwenden zu können, mit 74,55 % ein. Die Einstellung der Teilnehmenden auch komplexeren Testverfahren positiv gegenüber zu stehen, wurde von den Beurteiler*innen sogar mit 81,15 % bewertet. Auch hinsichtlich des Interesses zeichnet sich eine positive Entwicklung ab. Nach der Schulung gaben die Schüler*innen an, dass ihr Interesse für die Thematik der Testdiagnostik um durchschnittlich 20 % gestiegen ist. Die genauen Entwicklungen der einzelnen Schüler*innen im zeitlichen Verlauf sind im Folgenden dargestellt. Drei von vier Teilnehmer*innen gaben außerdem an, ihre Unsicherheiten in der Auswertung und Interpretation von psychologischen Testverfahren reduziert zu haben. Drei Viertel der Teilnehmer*innen stimmte der Aussage zu, dass die Schulung ihre Neugier geweckt habe, sich zukünftig mit weiteren Testverfahren auseinander zu setzen.


Selbsteinschätzung Interesse

Veränderung des Interesses im Zeitverlauf 10

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Fazit Besonders durch den hohen Praxisanteil der Schulung, der von den Schüler*innen hochgeschätzt wird, konnte die berufsbezogene Selbstwirksamkeitserwartung und das Interesse für psychologische Testverfahren nachweislich gesteigert werden. Die Schüler*innen berichten mit Freude von ihren Erlebnissen, was für eine sehr hohe Akzeptanz der Schulung spricht. Durch die Schulung erleben sie nachhaltige Motivation und blicken voller Zuversicht in anstehende Praxisphasen.

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Person 4 Prä (03.03.)

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Zeitpunkt

Das Flow-Erleben während der Veranstaltung variiert innerhalb der Teilnehmer*innen. Dies lässt sich auf die unterschiedlichen Fähigkeiten der Teilnehmer*innen zurückführen, da das Erleben eines Flow-Zustands zu einem Großteil mit der optimalen Passung zwischen Anforderungsniveau und Sachverstand zusammenhängt. Während zwei Teilnehmer*innen ihr Flow-Erleben auf einer siebenstufigen Skala mit durchschnittlich 4,8 bewerten, schätzen die anderen beiden Teilnehmer*innen ihren erlebten Flow auf 3,5 bis 4,8.

Bei einer Integration dieses Konzepts in das Curriculum Ihrer Ausbildungsstätte profitieren Ihre Schüler*innen von zukunftsorientierten Fortbildungsmöglichkeiten und Ihre Schule kann sich durch fortschrittliche handlungs- und praxisbezogene Ausbildungselemente auszeichnen. Planung und Umsetzung Diese Case-Study wurde von Elisabeth Wißmach und Annemarie Hartung in Zusammenarbeit mit der Hogrefe Academy unter der Leitung von Theresa Streit und Martin Aßmann geplant und durchgeführt.

Flow-Werte Niedrige Werte (3,95) des Flow-Erleben werden in Entspannungsphasen gemessen, mittlere Werte (4,8) bei der Körperpflege und hohe Werte (5,69) beim Sport.

Bitte richten Sie Ihre Fragen an

Hogrefe Academy

Theresa Streit, M.Sc. Martin Aßmann, M.Sc.-Psych. +49 551 999 50 732

Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG Merkelstraße 3 37085 Göttingen Deutschland Tel. +49 551 999 50 732 Fax +49 551 999 50 111 www.hogrefe.com/de/academy

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