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DOC. N°11 April 2016

SCHEITERN

Magazin der Fakultät für Design


DOC. MAGAZIN N°11 – ›SCHEITERN‹ »Es gibt ja nur ›Gescheitertes‹. Indem wir wenigstens den Willen zum ›Scheitern‹ haben, kommen wir vorwärts und wir müssen in jeder Sache und in allem und jedem immer wieder wenigstens den Willen zum ›Scheitern‹ haben, wenn wir nicht schon sehr früh zugrundegehen wollen, was tatsächlich nicht die Absicht sein kann, mit welcher wir da sind.« – Thomas Bernhard

Wann habt ihr das letzte Mal das Gefühl gehabt, dass nichts funktioniert? Dass man den falschen Weg eingeschlagen hat oder sich vor Fehlern nicht mehr retten kann. Ihr seid nicht alleine. Wir alle ›scheitern‹. Selbst die Großen unter den Designern haben uns ihre Geschichten erzählt. Dafür waren wir in b e r l i n , im h o r t bei Grafik-Designer Eike König, sowie im at e l i e r s t e f f e n k e h r l e in m ü n c h e n . Um das ›Scheitern‹ mit all seinen Fassetten zu verstehen, haben wir außerdem ein Gespräch mit der Psychologin Dr. Bettina Meraner in b o z e n geführt. Ihr seht, ›Scheitern‹ betrifft einfach alle – ob Kind, Jugendlicher, Erwachsener oder Senioren. Die gesamte Menschheit hat es sich nicht selten zur Aufgabe gemacht zu versagen. Genau mit diesen Erkenntnissen haben wir uns an die neue Ausgabe des d o c . m a g a z i n s gesetzt. Jedes Kapitel beschäftigt sich mit einem ›Lebensabschnitt‹, den wir alle entweder schon durchlebt haben oder den wir noch vor uns haben.

Hierfür haben wir eine Umfrage gestartet, an was die Befragten bisher ›gescheitert‹ sind und in was sie gut sind. Wir wollen nicht nur die Schattenseiten aufzeigen, sondern auch, dass ›Scheitern‹ seine positiven Seiten hat und uns immer wieder antreibt. Mit den ›abgerissenen Seiten‹ im Heft wollen wir allen Mut machen zu experimentieren aber auch zu akzeptieren, dass nicht immer alles so läuft, wie man es sich wünscht. Denn genau diesen Weg sind auch wir gegangen. In jedem Prozess kommt es zu ›Unstimmigkeiten‹, ›Fehlern‹ oder ›Sackgassen‹. Am Ende steht unser klares Raster der freien Gestaltung (abgerissene Seiten) gegenüber und zeigt die neuen Wege und Kompromisse, die man oft gehen muss, um sein Zeil zu erreichen. Man wird immer wieder im Leben ›scheitern‹. Aber mit etwas Humor & Erfahrung kann man am Ende doch alles meistern. Euer d o c .

mag a zin

– April 2016 01


00 → 12 Jahre

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Seite 04 – 07

DR. BETTINA MERANER PSYCHOLOGIN (BOZEN)

Seite 08 – 15

EIKE KÖNIG GRAFIK-DESIGNER (BERLIN) hort.org.uk

Seite 16 – 31

STEFFEN KEHRLE INDUSTRIE-DESIGNER (MÜNCHEN) steffenkehrle.com

Seite 32 – 43

RENTNER AM ›SCHEITERN‹

Seite 44 – 51

›SCHEITERN‹ BIG TIME

Seite 52 – 59

Jahre

›SCHEITERN‹ IST SCHEISSE EINE KOLUMNE – ODER #FAIL

19 → 27 Jahre

28 → 60 Jahre

61→ 99 Jahre

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PORTRAIT ZAC & LUCAS

Seite 60 – 73

STUDENTISCHE ARBEITEN docmagazin.de

N°01 – 59

02 – 03


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12 00


↘ Mathe ↗ Reiten (10, weiblich) ↘ Lernen ↗ Computer-Spiele (11, männlich) ↘ Manchmal beim Klettern ↗ Beim Trampolin springen im Garten (4, männlich) ↘ Malen ↗ Ausmalen (5, männlich) ↘ Alles ↗ Nichts, ich bin viel besser als die Mama und die anderen Kinder (4, männlich) ↘ Singen ↗ Still sitzen (6, männlich) ↘ Deutsch sprechen ↗ Malen (6, männlich) ↘ Scheitern ↗ Erfolg

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›SCHEITERN‹ IST SCHEISSE EINE KOLUMNE – ­­ ODER AUCH #FAIL

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08:26 Uhr Was ist überhaupt eine Kolumne? g o o g l e : »Ko·lụm·ne« Substantiv (die) Bedeutung: 1… »bla« 2… »bla« 3… »regelmäßig erscheinender Meinungsbeitrag eines Journalisten in einer Zeitung oder Zeitschrift.«

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»Regelmäßig erscheinender Meinungsbeitrag…« – Heißt das dann, dass ich im nächsten d o c . m a g a z i n wieder eine Kolumne schreiben muss?

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08:31 – 14:10 Uhr Dinge, die wichtiger sind, als eine Kolumne über ›Scheitern‹ zu schreiben: 1. Durchatmen. 2. Mir erstmal Notizen machen. Gedanken sammeln. 3. Gedanken herbeizwingen. Mist, das funktioniert nicht. 4. Mich darüber ärgern, dass es nicht funktioniert. 5. Mich darüber ärgern, dass ich mich jetzt darüber ärgere, dass es nicht funktioniert und deswegen den Kopf nicht frei habe, um diese Kolumne zu schreiben. 6. Ein Interview mit Xatar auf y o u t u b e anschauen. Verdammt, der Typ ist trotz diesem ›Assislang‹ eloquent. 7. An meiner Eloquenz zweifeln. 14:11 – 21:06 Uhr So wird das nichts.

21:07 – 21:11 Uhr Ich poste eine Zeichnung auf i n s ta g r a m mit der Bildunterschrift: #procrastination and #aggression and #frustration #needtodosomethingelse But I’d rather draw #noprogress #illustration #brushtippen #fineliner #boanervtmichalles … Es hat nur sechs Likes. 22:25 Uhr Stop. Lies lieber nicht weiter, denn diese Kolumne ist jetzt schon zum ›Scheitern‹ verurteilt. Zunächst muss ich klarstellen, dass Schreiben für mich so etwas wie ›intellektueller Masochismus‹ ist. Also ich stecke mir immer erstmal zu hohe Ziele – Ziele von denen ich weiß, dass ich sie nicht oder nur schwer erreiche. Bei denen es richtig wehtun muss, um sie zu erreichen. Und gerade tut es ziemlich weh. Denn eigentlich weiß ich, dass ich nicht schreiben kann. Nein. Ich kann es

schon aber ich bin zu faul. Nein. Ich bin nicht zu faul. Ich bin nur davon besessen, dass dieser Text perfekt wird. Mit der perfekten Aussage. Perfekt. Perfektionist. #perfect . Dann muss ich auch noch klarstellen, dass es jetzt 00:18 Uhr ist. Die Nacht vor dem Abgabetermin. Wie immer. (Stell dir jetzt dramatischen Trommelwirbel vor…) Aber das ist eine gute Uhrzeit, um perfekt zu sein. Ich glaube ja man muss ganz nah am Versagen sein, um etwas Gutes zu schaffen und Perfektion gibt es gar nicht. Das ist eh ein Unwort. Dennoch gibt es 40 054 840 Fotos mit dem #perfect auf i n s ta g r a m . Zu dem #procrastination finde ich nur 889 309 Beiträge. Dabei verbringen Menschen viel mehr Zeit mit Prokrastinieren als damit perfekt zu sein.


01:02 Uhr – Spiegel einer verlogen Gesellschaft: #perfect – 40 054 840 Beiträge #notperfect – 313 862 Beiträge #progress – 10  130  396 Beiträge (Da sieht man meist Fitnessbilder) #noprogress – 12183 Beiträge (Da sieht man auch meist Fitnessbilder) #procrastination – 889 309 Beiträge #workflow – 367 016 Beiträge h a s h ta g s

An diese Zahlen kann man die bittere Realität der Leistungsgesellschaft, in der wir leben, perfekt festmachen. Wir sind alle lieber ›erfolgreich‹ als ›erfolglos‹. Und wir verspüren den Drang, alles, was gut läuft, mit der ganzen Welt zu teilen. Jeder ziegt sich, um sich in irgendeiner Art zu überhöhen. »Ich bin viel besser als du. Ich konnte mit einem halben Jahr schon laufen und mit fünf habe ich die Klaviersonate ›N°16‹ in C-Dur von Mozart im Schlaf beherrscht. Schau mich an, ich hab nur 13 % Körperfett.« 02:19 Uhr Ich werde hungrig und mache mir etwas zu Essen. Weiße Bohnen mit Paprika. 02:23 Uhr Während ich an meinem völlig überfüllten Schreibtisch sitze und mich vor meiner eigentlichen Arbeit drücke, stoße ich auf einen Artikel über Carmen Herrera im Internet. Sie ist eine Künstlerin aus m a n h at ta n . In ihren Werken spielt sie auf sehr reduzierte Art und Weise mit ›Farbkombinationen‹ und ›Farbflächen‹. Bis zu ihrem 89-ten Lebensjahr hat sie nie ein einziges ihrer Werke verkauft. Mittlerweile ist sie 100 Jahre alt, sitzt im Rollstuhl und arbeitet jeden Tag voller Energie an ihrer Kunst. Und so hat sie das wohl schon immer gemacht. Ich bewundere die Frau jetzt schon für ihre Willenskraft. Ich schaue mir den Teaser zu der Dokumentation t h e 1 0 0 y e a r s s h o w über sie an. Darin sagt sie:

There is a saying about the bus. They say:

»If you wait for the bus, the bus will come.« And I say: »Yeah, I waited 89 years for the bus to come (laughs). Nobody cared about what I did. And I don’t know why… I kept going.«

Erzielen eines gleich großen Gewinns.« Ich kann das bestätigen. 02:46 Uhr Wäre dieser Text besser geworden, wenn ich früher angefangen hätte? Warum habe ich mich eigentlich dazu bereit erklärt, das zu machen? Ist das zu verwirrend? Ich fange nicht nochmal von vorne an. Wenigstens bin ich ehrlich. Fazit dieser Kolumne 1. Ich bin müde und es war ein Kampf. 2. Prokrastination war die beste Recherche zu dem Thema. 3. Wer mich auslachen will, darf. 4. Gute Nacht. Nein. Viel Spaß auf den nächsten Seiten!

02:24 Uhr Ich bin fasziniert. Mir fehlt genau das, was diese Frau hat. Sie ist furchtlos, willensstark und lässt sich nicht von dieser von Leistung getriebenen und verängstigten Gesellschaft treiben. Dieses System ist sowieso zum ›Scheitern‹ verurteit. »Failing is not an option« bedeutet, man erlaubt keine ›Fehler‹ und genau dieser Druck fördert ›Fehler‹. Wir leben also in einem Teufelsrad angetrieben von Leistung, das nur Versager produziert. Beziehungsweise Menschen, die sich als Versager sehen. Aber nur im Geheimen. Nie in der Öffentlichkeit. 02:36 Uhr Merkst du, wie ich mich immer primitiver ausdrücke? Das liegt daran, dass ich todmüde bin. Und mein Bett starrt mich an mit seinen weichen Kissen und der kuscheligen, warmen Decke. 02:39 Uhr Im Radio habe ich diesen Satz gehört: »Menschen investieren viel mehr Energie ins Vermeiden von Verlust als ins 06 – 07


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↘ Bei Wetten verliere ich immer ↗ Im Sport (13, weiblich) ↘ An meiner Disziplin ↗ Wenn es wirklich um etwas geht, bin ich immer gut (17, männlich) ↘ Sport ↗ Reden (16, weiblich) ↘ Hände zeichnen ↗ Malen (17, männlich) ↘ Mein Zimmer aufräumen, wenn Mama das sagt ↗ ›Stunts‹ mit meinem b m x (13, männlich) ↘ Scheitern ↗ Erfolg

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Dr. Bettina Meraner praktiziert als Psychologin für den s u c h t d i e n s t b o z e n . Als Kind war sie lange bei den p fa d f i n d e r n . Ihre Haltung zum ›Scheitern‹ verbindet sie mit dem ›Pfadfindergeist‹. Dabei gehts es viel ums ›Ausprobieren‹, ›Versuchen‹ und ›sich Irren‹. Man lernt dort vor allem tolerant gegenüber ›Fehlern‹ zu sein. Im Gespräch mit uns erzählt sie sowohl aus ihrem Berufsalltag als Psychologin, als auch über den Umgang mit ›Scheitern‹ im kreativen Bereich.

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DR. BETTINA MERANER PSYCHOLOGIN (BOZEN)

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ʶ Wie kamen Sie zur ›Psychologie‹? Wieso setzten Sie Ihren Fokus auf ›Sucht‹? Wir beschäftigen uns hier vor allem mit ›Süchtigen von illegalen Substanzen‹ und ›Spielsucht‹. Das Thema ›Scheitern‹ ist für viele Patienten ein ganz zentrales Thema, denn vor allem, wenn sie auf ihrem Weg der Besserung sind und zurück denken, entsteht das ›Scheitern‹. Dabei denken sie an das, was sie eigentlich alles nicht gemacht haben, was sie verloren haben und was durch ihre Erkrankung und ihr Verhalten zerstört worden ist. Dass ich den Fokus auf ›Sucht‹ gesetzt habe, hat sich einfach so ergeben. Ich studierte ›Philosophie‹ und ›formale Logik‹. Bereits vorher wollte ich eigentlich ›Psychologie‹ studieren, was mir jedoch von Allen abgeraten wurde. In w i e n angekommen studierte ich dann trotzdem parallel ›Psychologie‹ und habe das auch abgeschlossen. Vor einem Jahr habe ich nachholend ›Philosophie‹ abgeschlossen. An dem wäre ich fast ›gescheitert‹. ʶ W  ie hat sich Ihr Studium auf das ausgerichtet? Wie kamen Sie dazu? Ich komme aus einer alten Studienordnung. Im zweiten Abschnitt wurden zwei Schwerpunktthemen gewählt, wobei ich damals als Schwerpunkt ›Arbeits- und Organisationspsychologie‹ gewählt habe, mit der Idee auch in diesem Bereich anzuknüpfen. Also ›Coaching‹ oder ›Betriebspsychologie‹. Da es Praktika ausschliesslich im klinischen Bereich gibt, wie Krankenhäuser oder ambulante Dienste, hatte ich mein erstes Praktikum in der Psychiatrie und anschliessend im Suchtdienst, was mir sehr gefallen hat. Das Thema ›Sucht‹ hatte mich bereits während des Studiums interessiert, da ich damals bereits Personen kannte, die illegale Substanzen zu sich nahmen. Ich habe mich gefragt, warum man das konsumiert und warum man damit sein eigenes Erleben chemisch verändern möchte. ʶ Gibt es Punkte, die man verallgemeinern kann? Punkte, an denen die meisten Menschen ›scheitern‹? Was war ihre Erfahrung, sei es aus dem Praktikum als auch im Berufsleben? Was bei ›Sucht‹ eigentlich im Hintergrund steht, ist ein Problem in der ›Stressbewältigung‹. Wie bei vielen anderen psychischen Problemen. Die

wahrgenommene Belastung ist größer als das, was man glaubt leisten zu können. Es gibt Zusammenhänge zwischen Substanzkonsum in der Jugend und z. B. auch Schwierigkeiten sich zu strukturieren, sich Ziele zu setzen, durchzuhalten, mit Frustrationen umzugehen und hier entsteht das Thema ›Scheitern‹. Der Substanzkonsum ist dann meistens eine Art ›Flucht‹, um sich gewissen Situationen nicht aussetzen zu müssen. Bevor man irgendetwas macht oder beginnt, wo ein Risiko zum ›Scheitern‹ besteht, mache ich von Beginn an etwas ganz anderes und ›beame‹ mich aus der Wirklichkeit. Hier fängt meist der Substanzkonsum bei Jugendlichen an.

Man kann nicht alle Faktoren so kontrollieren, dass man ganz sicher geht, nicht zu ›Scheitern‹. Man ›scheitert‹ immer an irgendwas und irgendwo. Man muss lernen, dass es kein Weltuntergang ist und im Nachhinein wieder aufstehen, nochmal probieren, etwas anderes probieren. Man muss verstehen, dass es mit dem ›Scheitern‹ nicht endet. ʶ W  as sind dabei Ihre Ermutigungen, Ratschläge? Müssen Sie für alles eine Antwort haben? Nein. Ich denke in der psychologischen Arbeit ist eine ›effektive Begleitung‹ wichtiger. Viele meiner Patienten haben die Erfahrung gemacht, dass ›Scheitern‹ damit zusammenhängt, Andere zu enttäuschen, z. B. die Erwartungen oder Hoffnungen der Eltern. Wenn das Kind in der Schule ›scheitert‹, sind die Eltern enttäuscht und das ist für das Kind etwas sehr Schlimmes. Oder sich selbst immer sehr unter Druck zu stellen – das erhöht natürlich die Wahrscheinlichkeit zu ›scheitern‹.

Um nicht Gefahr laufen zu müssen zu ›Scheitern‹, vermeidet Man spürt daman von vorn bei immer eiherein diese nen fremden Situation. Blick auf sich selbst, so dass man Angst hat, sich dem Urteil Anderer auszusetzen. In dieses Raster fällt auch der Schulabruch. Die Jugendlichen setzen sich den Leistungssituationen nicht mehr aus um nicht zu ›scheitern‹. Manchmal auch, weil es bereits Erfahrungen mit dem ›Scheitern‹ gab und sie das Gefühl hatten, nicht damit umgehen zu können.

ʶ Haben Sie selbst auch Patienten wie Schulabbrecher oder Personen mit besonderen Hintergründen? Was ist Ihr Input, was geben Sie diesen Personen mit damit sie im Leben wieder besser zurechtkommen? Aus psychologischer Sicht gibt es den Ausdruck ›Selbstwirksamkeit‹. Also das Gefühl, dass man selber was bewirken kann und dass man selbst seine Situation verändern kann, zu stärken. Dazu gehört auch den Umgang mit ›Scheitern‹ zu lernen, weil ›Scheitern‹ etwas unvermeidbares ist, das man nicht immer selbst in der Hand hat.

Und das ist die zweite Seite am ›Scheitern‹. Das Schlimme daran kann sein, dass man seine eigenen Wertmaßstäbe nicht erfüllen kann, aber das Schlimme kann auch sein, dass man den Gedanken hat andere zu enttäuschen oder von Anderen abgewertet zu werden, so dass ein ›Schamgefühl‹ entsteht. In der Psychotherapie ist es eine wichtige Erfahrung für Patienten, dass – sobald man ›scheitert‹ – der Blick vom Anderen trotzdem liebevoll bleibt und nicht kritisierend 10 – 11


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ʶ Gibts es hier Praktiken die ›Selbstwirksamkeit‹ zu fördern? Ja, die gibt es. Diese sind dann sinnvoll, wenn Menschen bereits positive Erfahrung mit ›Scheitern‹ gemacht haben. Dann können diese Menschen auch von Techniken profitieren. Das wären z. B. Ansätze in der ›kognitiven Therapie‹. Den Urteilen, die man selbst über sich hat, blickt man dabei kritisch entgegen und versucht sie selbst zu verändern. Wenn ich etwas verhaue und ich habe den automatischen Gedanken: »Bist du blöd.« Hier trainiere ich wahrzunehmen, dass ich so über mich denke, um dann diesen Gedanken zu verändern, wie z. B. der Gedanke: »Das kann jedem passieren, heute ist kein guter Tag aber morgen wird es besser klappen.« Das klingt sehr theoretisch aber je öfter und je bewusster man das anwendet, desto wirksamer ist es.

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oder abwertend. Dass ›Scheitern‹ eben etwas ganz Normales ist im Leben und nicht etwas, was jemanden weniger liebenswert macht. Das ist die Erfahrung, die vieler meiner Patienten im Hintergrund haben: »Wenn ich die Leistung nicht erbringe, bin ich nicht so liebenswert, also macht mich ›Scheitern‹ zu einem Menschen der wertlos ist.«

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Da Gedanken so schnell verfliegen, ist man sich teils nicht bewusst, was man über sich denkt und wenn ich mir jedes Mal selbst sage wie ›dumm‹ ich bin, dann bin ich irgendwann auch tief überzeugt, dass ich ›dumm‹ bin. Der erste Schritt ist also die Wahrnehmung, dass man selbst über sich so etwas denkt und der zweite Schritt wäre ein alternativer Gedanke, den man für sich selbst annehmen kann. So baut man langsam ein besseres ›Selbstwertgefühl‹ auf und man stärkt die ›Selbstwirksamkeit‹. Für manche, die aus Familien kommen, die sehr kritisch waren und aus der sehr viele negative Botschaften von Aussen kamen, ist das schwierig. Da geht es oft nur über sehr lange Beziehungserfahrung in der Therapie, indem der Patient Vertrauen zu jemand gewinnt und spürt, dass es jemand gibt, der die Sache anders als gewohnt sieht. Der Patient fängt dadurch an, anders über sich zu denken, sich nicht mehr wertlos – wie bis jetzt gedacht – zu fühlen.

ʶ Wie lang dauert das ungefähr im Durchschnitt? Suchtpatienten kommen oft aus einem ganz negativen familiären Umfeld. Entweder aus einem Umfeld, in dem viel Vernachlässigung passiert ist, oder wo viel Gewalt passiert ist.

Wenn Kinder Gewalt erleben, geht das meist mit dem Gefühl einher, wertlos zu sein.

Kinder erleben das dann so, dass sie das verdient haben. Also als richtige Bestrafung für ihr Verhalten. Das nehmen sie sich dann mit ins Erwachsenenleben. Für die ist dann ›Scheitern‹ etwas ganz Normales, da sie ja ›nichts wert‹ sind und dadurch auch ›nichts Positives‹ zustande bekommen. Das sind langwierige Therapien, die meist über viele Jahre gehen. ʶ F  inden Sie, dass die Erkenntnis des ›Scheiterns‹ zum ›Erfolg‹ führt? Doch, ich finde schon. Gerade im kreativen Bereich geht es nicht ohne. Weil man viel ausprobieren muss und viele Sachen macht, die von vornherein nicht zielführend sind. Es gibt dabei immer ein kleines ›Scheitern‹. Wenn man etwas probiert und es klappt nicht, dann probiert man etwas Anderes. Dabei probiere ich aber nur etwas Anderes, wenn das, was ich vorher gemacht habe, nicht zielführend war.


Ich glaube, dass der kreative Prozess nur übers ›Scheitern‹ funktionieren kann. Allerdings finde ich, dass ›Scheitern‹ in dieser Zeit nicht sehr populär ist. Alles läuft über ›Selbstoptimierung‹, alles muss zielführend sein und alles sollte möglich wenig kosten. Alles müsste möglichst effizient und effektiv sein und dabei ist eben wenig Platz fürs ›Scheitern‹. Das ist eine Illusion, denn die meisten Sachen gehen eigentlich über das ›Scheitern‹. ʶ Worin ›scheitern‹ Ihrer Meinung nach die meisten jugendlichen Erwachsenen und wie setzen sie sich damit auseinander? Woran viele Jugendliche ›scheitern‹ können ist z. B. die ›Schulwahl‹. Sie müssen relativ früh Entscheidungen treffen, die eigentlich schon bahnend für das Leben und Berufsleben sind. Beruf und Schule bietet sicherlich viele Möglichkeiten zum ›Scheitern‹. In diesem Alter kann man sich meistens nicht vorstellen, wie das als Erwachsener sein wird. Das Gehirn entwickelt sich bis Ende 20, Anfang 30. Gerade diese Teile des Gehirns, die sich mit Planen und Vorausschauen, mit Steuerung zu tun haben, sind jene, die sich als Letztes entwickeln und diese Entwicklung ist mit 30 – 35 Jahren abgeschlossen. Man kann sich vorstellen, ein 13 – 15-jähriger muss aus verschiedenen Schultypen entscheiden, um später einen gewissen Beruf ausüben zu können. Da kann man sicher gehen, dass es in der Hälfte aller Fälle daneben geht. Hier, denke ich, ›scheitert‹ der Großteil. Es hängt aber auch davon ab, wie die Umwelt darauf reagiert. Ist man flexibel und kann was anderes probieren oder verliert man sich in Gedanken ein Jahr verloren zu haben. Den Uniplatz verloren zu haben, weil der

Notendurchschnitt zu schlecht ist. Ich finde der Druck ist sehr hoch. Auch wegen der begrenzten Studienplätze oder dass man hohe Noten haben muss macht viel Angst. ʶ Wie setzten sich Jugendliche damit auseinander? Haben Sie Patienten in diesem Alter? Jugendliche selbst sehen wir hier eher wenige. Ich bekomme es vielmehr aus meinem Umfeld mit. Es betrifft nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern die Familien. Meistens machen sich die Eltern mehr Sorgen als die Jugendlichen. Sobald sie merken, dass die Noten nicht einem gewissen Durchschnitt entsprechen, stellen sie sich natürlich die Frage, was aus ihrem Kind wird, wenn es nicht das Abitur schafft. Als ich zur Schule ging, war das anders. Viele begannen bereits mit 14 eine Lehre und haben die Schule somit beendet. Ich denke die Entscheidung war damals viel leichter.

Ein großer Bereich des ›Scheiterns‹ in der Jugend sind Beziehungen. Die Angst zurückgewiesen zu werden, das Ausprobieren in Beziehungen. Es entsteht auch manchmal ein ›Wettkampf‹, wenn man selbst noch auf der Suche ist und der restliche Freundeskreis in Beziehungen ist. Wie steht man dann da? Das wird stark mit dem Blick von aussen verbunden. Gehöre ich noch zu dieser Gruppe, wenn ich keinen Partner oder Partnerin habe? Was muss ich machen, damit die Beziehung hält? Was ich stark bei meinen Patienten sehe aber auch so ein Thema ist, ist das Freizeitverhalten wie Sport. Sport geht heute bei Jugendlichen ganz stark in Richtung ›Leistungssport‹ und das ›Spielerische‹ geht verloren. Auch in der Schule entsteht dabei eine große Vorbereitung auf den Wettkampf. Das

selbe auch in der Musik. Es fängt bei den Leistungsabzeichen an, wobei das Spielerische und die Möglichkeit sich auszuprobieren verloren geht. Das sich aneinander Messen und die Ansprüche lassen die Jugendlichen ›scheitern‹. Für Jugendliche, die damit umgehen können, ist es eine große Möglichkeit zu lernen, dass im Leben eben etwas daneben gehen kann. Für diejenigen, die dabei empfindlicher und zerbrechlicher sind, ist das etwas schwerer. Das kann dann dazu führen im frühen Alter ›Ängste‹ zu entwickeln, Leistungssituationen zu vermeiden, Schule zu vermeiden, sich zurückzuziehen, Freundschaften zu vermeiden. ʶ Wie kann man ein größeres ›Scheitern‹ im kreativen Bereich vermeiden, ›Fehler‹ akzeptieren? Ich weiss nicht, ob man es vermeiden sollte. ›Scheitern‹ wäre in diesem Bereich effektiv nichts auszuprobieren. ›Scheitern‹ wäre, wenn ich nicht in Kauf nehme auch andere Sachen ausprobieren zu müssen. Das heisst dann, ich halte stur an einer Sache fest, die ich für die bestmögliche halte. Ich schaffe aber nicht rechtzeitig den Absprung, wenn es nicht zielführend ist. Das mögliche ›Scheitern‹ vorweg zu nehmen ist einfach Teil von allem Kreativen. Wenn ich etwas beginne, in einem Bereich, den ich noch nicht so gut kenne oder noch nicht weiß, was dabei herauskommen soll, dann kann ich nicht davon ausgehen, dass es geradlinig passiert. ʶ Spielt hier der Charakter von Personen eine Rolle? Ja ich denke, ›extrovertierte‹ Personen tun sich dabei sicher leichter. Ich denke aber auch, dass die Erziehung eine wichtige Rolle spielt. Wie also in den Familien mit Leistung umgegangen wird. Geht es nur um ›das Ergebnis‹ oder geht es um ›das Bemühen‹? Geht es nur um das Ergebnis, dann ist alles was nicht zielführend ist, etwas ›Schlechtes‹ und wird negativ beurteilt. Sobald Leistung schon das ist, sich zu bemühen, obwohl das Ergebnis dann etwas Anderes ist als man sich erwünscht hatte, dann wird ein Kind trotzdem für fleißig gehalten, weil es ja was macht. Aber wenn man sich nur auf das Ergebnis konzentriert, dann ist eben alles, was nicht dem Ergebnis entspricht, ›Scheitern‹. 12 – 13


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ʶ Wie kann man das eigene ›Scheitern‹ für sich und die eigene Zukunft ›nutzbringend‹ und ›nachhaltig‹ als ›schöpferischen Prozess‹ nutzen? Ich glaube, erstens hängt es davon ab, was man selbst unter ›Scheitern‹ versteht. Wenn ›Scheitern‹ für einen etwas ist, was negativ besetzt ist, dann wird es denjenigen blockieren und es wird Angst machen. Wenn man davon ausgeht, dass alles, was man beginnt mit Versuch und Irrtum verbunden ist, dann ist das, was nicht geklappt hat, eben ein Ansporn zu untersuchen was nicht funktioniert hat und jetzt anders probiert wird. Also eine ›Lernmöglichkeit‹.

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Es ist dann ein ›Zwischenschritt‹ in einem Prozess und ein ›Ausgangspunkt‹ für den nächsten Schritt. Ansonsten ist es ein Ende von etwas. Wenn ich das, was nicht zielführend war, als ›Scheitern‹ erlebe, dann ist das der Endpunkt von einem Prozess. Ich denke es ist hilfreich für einen selbst über den Punkt, der nicht geklappt hat, hinauszudenken. Und es als Teil eines Prozesses zu sehen und nicht als ›Abschluss‹. Ich glaube, das wäre der wichtigste Ratschlag.

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ʶ Was bedeutet für Sie ›Scheitern‹? Woran sind Sie ›gescheitert‹? Wie gehen Sie damit um? Die schmerzhaften Erfahrungen mit ›Scheitern‹ als Psychologin sind jene, wenn Therapien nicht funktioniert haben. Die extremsten Beispiele sind sicher ›Selbstmorde‹. Da ist die Gefahr sehr groß, dass man sich selber verantwortlich dafür macht. An so was kaut man dann lange. Man fragt sich was man ›falsch‹ gemacht hat und wo die Grenzen waren, von dem was man hätte machen können. Das erlebt man schon als ›Scheitern‹. In solchen Situationen ist es am besten eine ›Supervision‹ in Anspruch zu nehmen und mit Anderen darüber zu sprechen. Wir besprechen generell Engpässe und Schwierigkeiten im Team. Wir haben auch eine externe Supervision mehrmals im Jahr. ʶ Wurden Sie während Ihres Studiums oder Praktikums auf sowas vorbereitet? Die Vorbereitung ist eher theoretisch. Wenn man Glück hat, wobei ich sagen muss, dass ich sehr großes Glück hatte,

wird man bei Berufsanfang gut begleitet. Wir haben ein sehr gutes und vertrauensvolles Klima. Das macht es einem leicht, bei Schwierigkeiten mit jemandem zu sprechen, falls man das Gefühl hat verurteilt oder abgewertet zu werden. ʶ Wie reden Sie mit Ihren Patienten über das ›Scheitern‹? Meine Strategie ist jene, es umzuformulieren. Die Patienten vom Konzept des ›Scheiterns‹ wegzubringen. Das Endziel in der Therapie wäre, dass man trotz Niederlagen schafft, zu sehen, was es einem letztendlich gebracht hat. Habe ich daraus gelernt? Hätte ich vielleicht irgendetwas gar nicht erreicht, wenn das nicht passiert wäre? Also einen ›Sinn‹ in dem, was passiert ist, zu finden. Oder auch eine Begründung, dass Sachen passieren, weil vorher die Situation so oder so war. Gerade das ist bei unseren Patienten wichtig, weil man ihnen damit Verantwortung abnimmt. Man gibt ihnen zu verstehen, dass sie in ihrer Lebensgeschichte gar nicht anders handeln hätten können. Es gab keine andere Möglichkeiten. Das nimmt ihnen Verantwortung und Schuld ab. Hätte es bessere Lebensbedingungen gegeben, dann hätten sie wahrscheinlich auch andere Möglichkeiten gehabt, in dieser Situation zu reagieren. ʶ Verbindet man das auch mit ›Schicksal‹ und ›Zufall‹? Nein, das ist zum Teil sehr hilfreich. Also die Mitteilung: »Du hattest einfach mal Pech.« Manchmal ist es aber auch tatsächlich so. Ich meine, man kann sich nicht aussuchen, in was für Familien man hineingeboren wird. Manchmal sind es auch Krankheiten und Schicksalsschläge. Die hat man sich nicht ausgesucht und niemand trägt daran Schuld.

Shit happens!

ʶ Was kommt nach dem ›Scheitern‹?

Zuerst kommt das ›Wunden lecken‹. Und danach sollte man sich aufrappeln, um zu verstehen wo man jetzt steht und was man als Nächstes macht. ʶ Kann man sagen Sie verdienen Ihren Lebensunterhalt durch das ›Scheitern‹ anderer Menschen? Da kann man sagen, ja (Lacht). Wahrscheinlich schon, wobei man sagen muss, dass diejenigen, die ›gescheitert‹ sind, nicht vor mir sitzen. Denn manchmal sind diejenigen, die vor mir sitzen die Opfer vom ›Scheitern‹ Anderer. Letztendlich verdienen viele mit ihrem Beruf vom ›Scheitern‹ Anderer (Lacht). ʶ Haben Sie selbst an etwas ›scheitern‹ müssen um Ihren Patienten einen Tipp dafür geben zu können? Nehmen Sie Erfahrungen aus ihrem privaten Alltag mit in den Beruf? Ja, das mache ich. Bei bestimmten Patienten ist es angebracht von eigenen Erfahrungen zu erzählen und gerade auch vom ›Scheitern‹. Es gibt dabei zwei Arten von Modellen. Das m a s t e r - m o d e l l , also das ›Idealbild‹ und das c o p i n g - m o d e l l . Das ist das, was ›machbar‹ und ›erreichbar‹ ist. Manchmal ist es sinnvoll, wenn das c o p i n g - m o d e l l funktioniert. Man muss nicht ›perfekt‹ sein, um etwas zu schaffen. Man kann auch ›Fehler‹ machen und trotzdem kann etwas aus einem werden. Patienten haben oft die Vorstellung, sie sind ›so oder


so‹ schlecht und alles, was sie machen und gemacht haben, war immer schon schlecht. Der Anspruch das ›Richtige‹ zu machen, wäre so hoch – da der Perfektionismus so hoch wäre – dass es unmöglich ist, dahin zu kommen. Vor allem bei Personen mit ›Depressionen‹ ist das so. Es hat für sie sowieso keinen Sinn etwas zu versuchen, also bleiben sie lieber in ihrem ›Sumpf‹. Zu sehen, dass es Menschen gibt, zu den man Vertrauen hat und die auch Fehler machen, kann für die Patienten sehr hilfreich sein. Zu sehen, dass Therapeuten Beziehungsprobleme haben, ›gescheiterte‹ Beziehungen haben oder ewig lang studiert haben. Man muss dabei vorsichtig sein um keine Autorität zu verlieren. Aber wenn ich zu Patienten eine gute Beziehung habe und ausprobiert habe, dass sie mir vertrauen können, kann ich das auch vorsichtig einsetzen. ʶ Haben Sie Patienten mit b u r n o u t ? Falls ja, was sind dabei die meisten Gründe dafür? Experten streiten sich, ob es das b u r n o u t überhaupt gibt. Manche sagen b u r n o u t ist für Männer leichter zu akzeptieren als ›Depression‹. Weil b u r n o u t etwas ist, was man sich holt, indem man irrsinnig viel gearbeitet hat und ›Depression‹ ist etwas, was einen überfällt, weil man vielleicht eine genetische Veranlagung dafür hat. In gewissen Generationen ist es einfach so, dass sie so sozialisiert sind, dass sie viel machen und alles unter Kontrolle haben müssen. Hilfe zu suchen für b u r n o u t ist dann eher möglich als für ›Depression‹, weil ›Depression‹ mit ›Schwäche‹ verbunden wird und das ist nicht akzeptabel. Letztendlich ist es wohl dasselbe. Es gibt bestimmte Charaktereigenschaften, die eher das Risiko für b u r n o u t erhöhen als andere. Ich denke, nicht jeder ist dafür anfällig. In Zusammenhang mit ›Scheitern‹ sehe ich hier ›perfektionistische Haltung‹ und ›hohe Ansprüche‹ an sich selbst oder großer ›Idealismus‹. Aber besonders ›Perfektionsmus mit den Ansprüchen an sich selbst‹ hängt eben wieder mit der Angst zu ›Scheitern‹ zusammen. Das eigene ›Scheitern‹ wird sehr schwer akzeptiert. Hier verfällt man ins Grübeln und Selbstabwertung und das ist auch die Eingangspforte für ein b u r n o u t . 14 – 15


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↘ Mit einer Bekannten von mir komme ich einfach auf keinen grünen Zweig ↗ Musik nur nach Cover auswählen – bis jetzt hat mir alles gefallen (25, weiblich) ↘ Meine Zeitpläne einhalten ↗ Mir fällt immer irgendwas anders ein; meine Kreativität lässt mich nie im Stich (20, weiblich) ↘ Bewusst unbewusst leben ↗ Erlebnisse reflektieren (20, männlich) ↘ Sinnloses Gelaber aushalten ↗ Argumentieren (19, männlich) ↘ Lügen ↗ Selbstdisziplin (21, weiblich) ↘ Reden ↗ Zuhören (20, weiblich) ↘ An mir selbst ↗ Irgendwann mal (28, männlich) ↘ Durchhaltevermögen ↗ Liebe (26, weiblich) ↘ In irgendeiner Weise Ordnung zu halten ↗ In dieser Unordnung trotzdem noch alles zu finden (23, weiblich) ↘ Scheitern ↗ Erfolg

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EIKE KÖNIG GRAFIK-DESIGNER (BERLIN) hort.org.uk

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Das w a l k e r a r t c e n t e r hat den h o r t – das Büro von Eike König – als eines der ›furchtlosesten Designstudios Europas‹ bezeichnet. Nach mehr als zwei Jahrzehnten sind die Arbeiten des h o r t s zum Einen ausgelassen aber gleichzeitig auch in konzeptuellen Systemen zuhause. Durch die Musikindustrie und dem Traum nach einem kreativen Spielplatz (daher auch der Name) hat sich der h o r t zu dem multidisziplinären Designstudio in b e r l i n entwickelt, das es heute ist.

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Der Output des Studios ist nach wie vor uneingeschränkt und bindet sich nicht an Medien, Industrien oder Herangehensweisen. Vom b a u h a u s d e s s a u und anderen kulturellen Institutionen zu Sportmarken wie n i k e ; zu Unternehmensriesen wie m i c r o s o f t und führenden Publikationen wie w a l l pa p e r *, hat sich der h o r t als ein kreativer Maßstab etabliert. Eike selbst unterrichtet und gibt Workshops auf der ganzen Welt. Zur Zeit ist er Professor


für Grafikdesign und Illustration an der h f g o f f e n b a c h . Dies wird auch zurück ins Studio reflektiert und trägt so zur Entwicklung des gesamten Teams bei. Kurz vor seinem Diplom-Abschluss hat er sein Studium abgebrochen. In seinem Studio in b e r l i n haben wir uns mit Eike darüber unterhalten, wie es dazu kam. Wir haben über Gestaltung, das Studium und das Leben gesprochen.

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Gleichzeitig war der ›kalte Krieg‹ zwischen r u s s l a n d und der n at o . Meine Eltern waren sehr politisch und daher hatten wir viele Zeitschriften über Politik zuhause. Diese waren gefüllt mit Infografiken zu aktuellen Themen.

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Das heißt anhand kleiner Bilder wurde dir sehr schnell bewusst, wie schlimm es eigentlich um die Welt steht. Das fand ich unglaublich interessant. Dass so viel vermittelt werden kann mit so wenigen Mitteln. Viel, viel mehr als mit aneinandergereihten Worten, die in irgendeiner Form Informationen ergeben.

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ʶ Macht ihr im h o r t ›Infografiken‹? Nein, überhaupt nicht. Oder eher sehr selten wenn der Job es bedarf. Ich finde es immer noch total spannend, aber auch total langweilig. Es ist super, wenn das jemand gut hinbekommt. Grundsätzlich kann ich mich immer für Dinge begeistern, die andere Leute gut machen. Das heißt aber nicht, dass ich es auch gut machen kann und können will. Für mich wäre das nichts.

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ʶ Wie bist du zur ›Gestaltung‹ gekommen? Gestaltung. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Bei meinen Großeltern mussten wir immer Teppiche ›knüpfen‹ und das ist natürlich auch eine Form der Gestaltung. Wohl mehr eine Investition in Zeit oder in eine Produktion, die sehr langsam ist und ihrer Ausführung fast schon meditativ.

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ʶ Musstest du das als Kind machen? Ich musste das als Kind machen, genau. Das war so eine Art Beschäftigung. Diese ganze Handarbeitsgeschichte – eigentlich sieht man das Ganze heute kritischer. Also, dass Frauen und Kinder Handarbeit machen ›müssen‹. Das hat damals eine ganz andere Funktion gehabt: Kontrolle, Macht und Pflicht. So hab ich das auch ein bisschen empfunden. Also du musstest es tun. Die Motive waren auch vorgegeben. Die hat man ›nachgeknüpft‹ und sie hingen irgendwann an der Wand oder lagen auf dem Boden. Die Arbeit hat weh getan und es war einfach quälend langweilig.

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Es hat aber etwas mit Gestaltung zu tun, weil wir lieber denken, dass Gestaltung nur eine Art ›glücklicher Moment‹ ist oder einer, der einen zufrieden stellt. Aber an sich, wenn man ehrlich ist und gut gestalten möchte, ist es teilweise eine große Quälerei. Wenn man wirklich, wirklich gut werden will, muss man das

Aber: Ich bin ja auch ein großer Fan des ›Comics‹. Für mich ist der Comic oder das Bild, das bildnerische Erzählen, das Universellste, das Sprachübergreifendste. Man hat zwar kulturelle Referenzen, die man vielleicht nicht versteht, wenn man ein Comic aus Japan sieht.

auch tun. Mann kann nicht einfach nur einen Entwurf machen und dann ist das Ding fertig, sondern es bedarf einfach einer Beschäftigung mit einer Sache. Und manchmal ist es eine Stunde lang auf ein ›A‹ zu schauen und zu überlegen, ob das das richtige ›A‹ ist. Und daher gibt es, wenn man es heute betrachtet, eine Verknüpfung von der Arbeit bei meinen Großeltern zu meiner Profession. Dann ist natürlich mein Vater noch Architekt gewesen. Das hat auch seinen Beitrag geleistet. Der Hauptimpuls kam aber von den Schallplatten, die ich gehört habe, und deren Gestaltung ich immer im Kontext der jeweiligen Musik wahrgenommen und gelesen habe.

Aber ein weinender Mensch ist ein weinender Mensch. Den verstehen wir überall. Deswegen ist die Infografik so kraftvoll. Sie bedarf


eigentlich keiner Schriftsprache. Und dann hab ich angefangen Grafikdesign in d a r m s ta d t zu studieren. Ich hab bei Prof. Christof Gassner, einem Schweizer Typografen und bei Prof. Peter von Kornatzki, einem Schüler von Otl Aicher, studiert. Das war die Richtung, die dort gelehrt wurde – ›Schweizer Typografie‹ eben. Ich war selbst sehr unglücklich an der Universität. Es war mir zu sehr verschult. Es war zu viel nach hinten gewandt und zu wenig nach vorne gedacht. Und Schweizer Typografie kann man ganz gut lernen, das ist nicht so schwer. ›Raster‹ kann man entwickeln, das ist auch nicht so schwer. Aber eigentlich sind es am Ende doch nur ›Hilfsmittel‹ und ich dachte mir, es wäre doch viel spannender zu sehen: »Was brauchen wir jetzt?« Nicht: »Was brauchten die damals?« Warum wiederholen wir das, was die damals gemacht haben? Und Vielen bei uns ging es um so eine Wiederholung. Mit der Einstellung: »Wenn ich verstehe, was die Anderen gemacht haben, kann ich es selbst machen.« Das ist natürlich vom ›Großwerden‹ abgeschaut. Ein Baby kopiert im Prinzip deine Handlungen und überträgt es irgendwann in seine eigene Persönlichkeit. Du liest etwas und verstehst es durchs Lesen oder Analysieren und kannst es dann nachvollziehen oder nachbauen. Das hilft dir aber nicht dabei dein ›eigenes Ding‹ zu machen. ʶ Würdest du sagen, es hat dir nicht viel gebracht? Oder wie war es mit den Grundlagen? Die Grundlagen waren super. Die waren ähnlich wie bei meinem Großvater. Wie eine ›Basler Schule‹. So vier Semester lang nur Grundlagen. Auch typografische Grundlagen vier Semester. Es gab noch keine Computer. Es ging um Wiederholungen und Variationen. Thema: 10 cm Quadrat, eine Schrift und was kann man damit machen? Ein Buchstabe – hundert Momente. Dann einspaltig, zweispaltig, sieben Punkt, elf Punkt. Alles mit der Hand. Da hat man sich dann auch gedacht: »Gut, jetzt hab ich zehn

Variationen gemacht, warum soll ich nochmal 90 machen?« Und dann hatten wir natürlich noch ›Bleisatz‹ dazu. Typografie lernt man natürlich viel intensiver, wenn du wirklich mit der Hand arbeitest. Später mit dem Computer – wie ihr eingestiegen seid – gibt es ja schon Parameter, die vorgegeben sind und man erstmal unreflektiert und auch un›bewusst‹ anwendet. Und gleich sieht es aus wie ein Flattersatz, Blocksatz oder Ähnliches. In dem Moment wisst ihr eben erstmal nicht, wie das funktioniert oder warum das so ist. Das heißt mirkotypografisch müsst ihr euch vielmehr selbst aneignen. Wir haben das eigentlich gar nicht gelehrt oder erzählt bekommen, sondern beim anwenden erfahren und dadurch gelernt.

ʶ Glaubst du, dass dich das heute bei deiner jetzigen Arbeit noch begleitet und inspiriert? Also die Erkenntnis, dass du so nicht arbeiten möchtest. Du möchtest es anders machen, eben weil du damals 90 mal wiederholen musstest und dich das verrückt gemacht hat? Hat dich das vielleicht auch auf neue Wege gebracht? Na klar, sicher. Heute betrachtet, spüre ich natürlich die ganzen Grundlagen in mir, aus denen ich zehre – die sind in mir verankert. Aber auch dieses ›Variationen machen‹. Viele meiner Studenten sind eher auf der Suche nach ›dem‹ Bild oder nach ›dem‹ Moment. Ich habe immer Vergleiche gemacht. Ich konnte sagen: »Ok, ich habe zehn, die hänge ich auf und vergleiche sie dann.« So kann ich 20 – 21


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Natürlich war es auch ein ganz starker ›Moment‹, dass Gestaltung eine ›physische Geschichte‹ war. Du hast etwas mit der Hand gemacht. Es ist ein anderes Erlebnis, mit der Hand zu Gestalten. Grundsätzlich körperliches Gestalten. Man spürt den Raum viel mehr durch seine Temperatur und das Licht. Du siehst das Format immer. Du kannst das Ganze einfach drehen. Du hast direkten Kontakt und du musst andere Entscheidungen treffen. Klebst du das dort hin, dann klebst du das auch dort hin. Das heißt, du hast andere ›Momente‹ in der Gestaltung, die heute ein bisschen verkürzt sind. Und vielleicht auch gar nicht mehr als wichtige Dinge wahrgenommen werden. Zu entscheiden – zu sagen – das ist jetzt der richtig gute ›Moment‹. Das fällt vielen schwer. Einige sagen zu früh Stop. Andere kommen nie zu einem Ende, weil sie diesen Punkt überschritten haben und es immer glatter und glatter machen.

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Stärken und Schwächen erkennen und Entscheidungen treffen. Ich glaube, das kommt von damals. Später, als der Computer kam, habe ich mich auch verändert. Das war dann so: »Ah geil, da kann man alles mal so rum schieben und immer wieder rückgängig machen.«

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ʶ G  ibt es hier für dich eine Art Regel, die du befolgst? Wann fällt die Entscheidung: Ziehe ich jetzt die Reißleine? Das ist es? Das ist es nicht? Oder gehst du ganz und gar nach Bauchgefühl? Nein, Regeln hab ich keine. Ich habe ein Bauchgefühl, genau. Ich bin jetzt seit 22 Jahren im Business, da hast du irgendwann auch ein ganz gutes Gespür dafür. Und ich mag auch Dinge abschließen und dann weiter nach vorn schauen. Ich denke später nicht noch einmal darüber nach, was ich hätte besser machen können. Da würde ich viel zu viel Energie aufwenden. Aus einem anderen Wissen heraus plötzlich nach hinten zu schauen und mir zu denken, mich darüber totärgern zu müssen… Viele machen das, aber mich interessiert das gar nicht. Natürlich ist es wichtig zu reflektieren, was in einem Projekt geschehen ist, aber eigentlich ist es immer nach vorne gerichtet.

ʶ Also bringt dich die Erkenntnis eines ›Fehlers‹ in einem alten Projekt nicht zu einem Anstoß, es beim nächsten Mal besser zu machen? Naja, wenn man es schon als ›Fehler‹ definiert, dann ist es schon negativ konnotiert. Ich sag dann eher: Es ist ein ›Moment der Zeit‹ gewesen. Also ich musste es so machen, um jetzt hier zu sein. Ich sehe das vielmehr als permanenten Prozess, der auf den Erfahrungen aufbaut. Es gibt ja auch Dinge, die ich ständig wiederhole und mich immer wieder darüber ärgere. Die Woche ist dann vielleicht mal ein bisschen länger. Aber wenn man den Prozess später aus einer Vogelperspektive betrachtet, dann hat alles seine Gründe und man kann sehen, wie man von da nach da kam. Warum man plötzlich wieder auf etwas Älteres zurückgreift – und noch einmal neu macht – in einem anderen Kontext zum Beispiel. Es ist schon alles in Ordnung, wie es ist. Ich bin eben eher immer nach vorne gerichtet. ʶ D  u hast gesagt, dass heute viele beim Gestalten nicht mehr ausprobieren, sondern nur nach ›dem‹ Bild suchen. Mittlerweile unterrichtest du an der h f g o f f e n b a c h . Versuchst du deine Arbeitsweise in der Lehre umzusetzen, wenn du merkst es funktioniert nicht? Was genau unterrichtest du? Ja! Ich unterrichte Grafikdesign und Illustration. Wobei mein Fokus mehr auf einem ›forschenden Grafikdesign‹ liegt. Und eher die ›freie Illustration‹ als die ›angewandte Illustration‹. Meine Klasse selbst – wir haben so ein bisschen das Klassen-System bei uns – sind Leute aus ganz verschiedenen Bereichen: aus der Bildhauerei, aus der Malerei, aus der Fotografie, Grafikinteressierte und Illustratoren. Und dann hab ich auch die Grundsemester. Bei denen unterrichte ich mehr ›Systemisches Gestalten‹ und Freitags in der Mittagspause treffen wir uns um über ›zeitgenössisches Grafikdesign‹ zu diskutieren. Viele Studierende wissen überhaupt nicht, was im Moment gerade passiert. Junge Menschen halt. Klar, sie fangen an und hatten bisher wenig Kontakt dazu. Da muss man denen auch erst einmal zeigen, was gerade in dem Bereich aktuell ist.

ʶ W  as war das Letzte über das ihr gesprochen habt? Ein eigenes Projekt (Lacht). Klar, man versucht natürlich die Strategien, die man selbst in der Gestaltung verfolgt, in einer Form den Studierenden erst einmal klar zu machen: »Warum machen wir das so?« Das bekommen die meistens gar nicht mit. Oft sehen sie nur Endprodukte. Prozesse sind eigentlich ganz gut zum selbst lernen. Wenn man das etwas öffnet – wenn man den Prozess ein bisschen mitteilt – dann können sie auch verstehen, wo und warum welche Entscheidungen gefallen sind. Und dann sehen sie auch, dass alles nicht so einfach ist. Es ist auch wichtig, dass man sieht, dass ein Büro wie der h o r t nicht einfach nur macht, was er will, sondern dass es verdammt viel Arbeit bedarf – auch beim Kunden selbst. Überzeugen, widerreden, diskutieren. Vielleicht auch mal nicht überzeugen können und dann ein Jahr später. Es ist nicht so, dass es Kunden gibt, die sagen: »Ach, wir vertrauen euch, macht´s doch. Ihr seid die Fachleute.« Wir sind vor allem im kulturellen Sektor untergebracht, also im Zeitgenössischen – Performance und Tanz zum Beispiel – oder bildende Kunst. Der Intendant / Kurator / Direktor präsentiert einem, in diesem Bereich noch nicht unbedingt gut ausgebildetem Publikum, etwas sehr Außergewöhnliches. Es ist sozusagen auch eine Art Lehr- oder Erziehungsauftrag vorhanden. So bringen wir die Bevölkerung auch nach vorn. Indem wir sie mit Fragen konfrontieren, die sie vielleicht gerne aus ihrem Leben ausschließen würden oder vor denen sie Angst haben. Ja, das ist eigentlich der wichtigste Aspekt von solchen Häusern oder Institutionen und wir sind natürlich der Meinung, dass in dem Moment die Gestaltung auch eine ›Haltung‹ haben sollte. Sie sollte eine Position einnehmen und nicht immer nur ein Werbeformat sein, um mehr Zuschauer zu generieren. Und da höre ich öfters ein altes Argument, das aus einer ganz anderen Zeit kommt. Das von irgendwelchen ›Marketingprofis‹ entwickelt wurde: Lesbarkeit; Autos, die daran vorbeifahren; usw. Die ignorieren natürlich alle aktuellen Formate, die wir dazu addieren können.


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Heute ist das Plakat für uns eher identitätsstiftend im ›urbanen Kontext‹. Es geht nicht darum, auf eine Veranstaltung hinzuweisen. Dadurch kommt nicht einer mehr zur Aufführung. Die Leute holen sich die Informationen heutzutage aus f a c e b o o k , von der Webseite, etc. Dort hat man die Möglichkeit, alles zu vertiefen. Du musst die unterschiedlichen Formate nur identitätsstiftend miteinander sinnvoll verknüpfen. Das heißt, was du draußen findest, muss auch in irgendeiner Form online sichtbar sein. Dort hat man Ebenen, die man mit Informationen befüllen kann. Das muss nicht alles am Plakat stattfinden. Aber viele denken da immer noch anders – immer noch sehr traditionell. Das ist ein ständiger Diskurs, den ich in dem Bereich führe. Das Plakat soll dann so gestaltet sein, dass die Leute keine ›Angst‹ haben zur Aufführung zu kommen. Also, wir schüren ja wirklich keine Ängste (Alle lachen).

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Oft denken Menschen auch, dass die ›Codes‹, die sie selbst nicht verstehen, andere, junge Menschen, auch nicht lesen können. Ich finde das sehr arrogant. Man argumentiert dann, man könnte das demjenigen nicht zumuten. Ich sage ja immer, die Menschen heutzutage, die wollen, die suchen ›das Neue‹. Du bist ja in einer Flut von bildlichen und audiovisuellen Informationen. Du musst ›Momente‹ schaffen, damit Leute stehen bleiben. Damit Leute sagen: »Oh, was ist das denn hier?« Das schaffst du nicht, wenn du aussiehst wie alle anderen auch.

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Deswegen bin ich ein bisschen ein Gegner von Strömungen, die von Grafik-Designern massiv übernommen werden, sobald ein Jubelschrei ertönt in unserer Branche, weil g o o g l e das ›Flatdesign‹ in uns

reinprogrammiert. Mit ihren ›Guidelines‹, die alle auf irgendwelchen Blogs abfeiern. Ein gewisses ›Farbspektrum‹ wird vermittelt, ein gewisser Umgang mit ›Animation‹, ›Reaction‹, ›Action‹ und so Zeug halt. Wo schließlich alle anfangen genauso zu gestalten. Da fehlt mir die Vielfalt.

Wenn sich alles in eine Richtung drängt, dann fehlen mir die Ränder, die das sprengen – die das in Frage stellen. Deswegen bin ich gegen solche massive Corporations wie g o o g l e , die aufgrund ihrer Permanenz einen zu starken Einfluss nehmen. Hier kommst du nicht mehr daran vorbei und es stellt auch keiner mehr in Frage, ob etwas gut ist oder nicht. Das ist das Problem, weil es plötzlich in so einer breiten Front akzeptiert wurde – mit Jubelschrei. Und dass diejenigen, die dazu kritisch sind, vielleicht verstummen. Vielleicht haben sie ja Unrecht. Deswegen bin ich eher für eine völlig eigene Herangehensweisen an Dinge. Ich hätte auch gerne mehr ›visuelle Kultur‹. Und nicht so eine ›Mainstream Kultur‹. Das können ja auch Dinge sein, die mir persönlich gar nicht gefallen, weil es nicht in meinem ästhetischen Wohlfühlraum stattfindet. Aber das finde ich immer noch interessanter, als irgendwie an solchen Normen orientiert zu sein.

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ʶ Wie arbeitet ihr hier im h o r t ? Euer Logo selbst repräsentiert das ›Nicht-Perfekte‹, ist unproportional. Ist das euer Stil? Arbeitet ihr mit einem gewissen ›Nicht-Perfektionismus‹? In einem gewissen Bereich sind wir natürlich totale Perfektionisten. In der Konzeption versuchen wir komplett stringend zu sein. Wir versuchen alles zu vermeiden, wo man das Konzept nicht braucht.

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Zum Logo selbst: das hat v i e r 5 gestaltet. Die sind jetzt in p a r i s , ursprünglich aus f r a n k f u r t . Achim, der sich seit dem Studium mit ›Typografie‹ und ›Lesbarkeit‹ beschäftigt – von ihm sind diese Schriften, die so eine digitale Imperfektion haben: Einige Linien, die verbreitet wurden und die dann in diesen ›Bezier-Kurven‹ Kontext plötzlich so eine abstruse, digitale Form angenommen haben. Die sind schwer mit der Hand zu zeichnen, weil sie nicht den Formen entsprechen, die wir aufgrund


unserer analogen Sozialisierung gewohnt sind. Achim hatte das Alphabet damals gezeichnet und mir das Logo gemacht. Man muss sich mit Achims und Marcos Geschichte ein bisschen auseinandersetzen. Dann versteht man auch, warum sie gestalten, wie sie gestalten. Es hat einen Grund und es hat eine Geschichte und deswegen spannt sich ihre Formsprache auch von damals bis heute.

Ich hab das Unperfekte auch als ästhetischen Ausdruck gesehen. Nicht als einen Fehler, sondern eher als einen Teil der Gestaltung. Den man ›bewusst‹ einsetzen kann. Mich haben schon immer visuelle Kulturen interessiert die aus sich heraus entstehen. Der ›Punk‹, die ›Protestkunst‹, ›Fankultur‹. Aus der Sicht des gelehrten

aus der Beobachtung unserer Umwelt. Und das fand ich als Gedanken ganz interessant: ›Alle gestalten‹. Wir haben dann einfach mal mit w o r d gestaltet. Da steckt ja viel drin in der Beschränkung. Oder im ›Hacken‹ von programmierten Systemen und Möglichkeiten. Ich hab immer wieder Einfluss von anderen Menschen bekommen. Es gab diese Zeit, wo Martin Lorenz bei mir war – ein ganz starker systemischer Denker und Gestalter. Ich habe durch ihn viel über Systeme in der Gestaltung gelernt. Er hat aber gleichzeitig von mir übernommen das Perfekte an gewissen Punkten zu brechen. Eigentlich gab es immer einen Austausch mit den Menschen, mit denen ich gearbeitet habe und wo ich gewisse Dinge übernommen habe. ʶ Gibt es eine Arbeit oder ein Projekt von euch, die ihr mit ›Fehlern‹ verbindet oder aus ›Fehlern‹ entstanden ist? Oder einen ›Zufallsfaktor‹ beinhaltet? Naja, was heißt Zufall. Die Arbeit für das b a u h a u s d e s s a u entstand durch gutes Zuhören. Die Antwort hatte im Prinzip der Direktor schon geliefert: b a u h a u s ist tot. Alles, was du in die Richtung machst, was du zitierst, ist schlechter und wird zu ›romantischem Kitsch‹. Und die zweite Sache war, dass es eigentlich schon ein Logo gibt – an der Fassade des Gebäudes. Wir haben das prägnante ›A‹ in die c o u r i e r eingebaut. Wir haben uns mehr auf die Grundideen des b a u h a u s bezogen. ›Demokratisierung‹ von Design und so etwas. Was heißt ›Demokratisierung‹: Es ist zugänglich für jeden.

Mich hat ehrlich gesagt noch nie das ›Perfekte‹ wahnsinnig interessiert. Da gehe ich natürlich von mir selbst aus, weil ich nicht perfekt bin. Natürlich spricht daher zu mir auch das Imperfekte besser oder mehr als das Perfekte. So ›kleine Fehler‹ … das ist ganz interessant. Ich hatte damals ein Erlebnis mit einem Lithografen, der mir ein Raster auf einem Film zeigte. Ein Rasterpunkt war kaputt. Den hast du sofort wahrgenommen. In so einer perfekten Struktur siehst du die Fehler oder spürst sie, weil die zu dir in irgendeiner Form eher sprechen als die Funktionierenden.

Grafikdesigns eher nicht perfekt – aber meiner Meinung nach authentisch und kraftvoll gerade weil nicht geschult. Fons Hickmann hat – glaube ich – einmal gesagt, dass die da draußen eigentlich die Grafik-Designer sind und nicht wir in unseren Gestaltungsbüros. Also die kleinen Bäckereiläden zum Beispiel, die die ›3‹ umdrehen um daraus ein ›E‹ zu machen. Der ganze Umgang mit Schrift, den wir teilweise auch hier im h o r t gemacht haben, vor ein paar Jahren. Wir haben angefangen, Texte oder Schriften einfach zu ziehen oder zu zerren. Das kommt

Ich weiß noch vom Prozess: Hier im h o r t waren die Wände voll mit Ideen und Ansätzen. Das haben wir alles weggenommen. Am Ende gab es nur noch das Papier, die c o u r i e r d e s s a u und die Headline-Schrift, die a r i a l – eine digitale h e lv e t i c a sozusagen. Der Nachbau einer h e lv e t i c a aber für jeden frei zur Verfügung stehend. Und dann noch ein ganz, ganz einfaches Gestaltungssystem. Das kam wirklich alles aus Gesprächen heraus. Wir waren erst einmal sehr verängstigt, was dieses Erbe angeht. Wie geht man eigentlich damit um? Mit etwas, das besonders für d e u t s c h l a n d als wichtige Bewegung gesehen wird. Wo 24 – 25


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man natürlich zu diesen Formen und Farben sofort eine Referenz herstellt – zu dem ›Alten‹. Wir haben uns viele Dinge angeschaut. Unter anderem Künstler, die damit arbeiten. In der Kunst funktioniert das, aber im Grafikdesign wirkt es immer so wie eine billige ›Furniture Company‹ oder so. Sieht aus wie: ›Cheap‹.

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Das b a u h a u s ist auch ein ›nostalgisches Ding‹, auf das sich viele Leute beziehen. Auf diese gute alte Zeit. Heute würde b a u h a u s ganz anders aussehen. Das ist eben das Ding. b a u h a u s wäre heute viel radikaler. Viele wollen nicht sehen, dass es in einem anderen Kontext stattgefunden hat. Und zwar politisch. Was war da politisch vorher, warum bildet sich überhaupt so eine Bewegung und was sind die grundsätzlichen Ideen, die damals so radikal oder revolutionär stattgefunden haben? Was wären die eigentlich heute? So muss man eigentlich denken. Was würden die Leute heute denken oder in Frage stellen. Es ist auch schön, zum b a u h a u s zu pilgern. Da zu stehen und »Aaaah toll!« zu sagen. Dann gehst du rein und siehst, wie viel ›Scheiße‹ die gemacht haben (Alle lachen). Die Heizung da oben kurz unter der Decke; da weißt du gar nicht wie du ran kommst. Diese wahnsinnig hohen Industrie-Glasfassaden. Im Sommer ultraheiß, im Winter eiskalt. Ich habe dann auch dort geschlafen. Total spartanisch eingerichtet. Da steh ich überhaupt nicht drauf. Also ich steh schon auf Minimalismus … aber eine Gemeinschaftsdusche oder eben: Ein Tisch, ein Hocker, ein Bett … ? – Lieber nicht. Vielleicht sind die Bedürfnisse heute auch einfach anders.

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ʶ Du hast dein Studium abgebrochen. Was waren die Gründe dafür? Hast du das als ›Scheitern‹ empfunden? Du wurdest in der Uni vorgeführt, wie hast du das empfunden? Nimmst du daraus Sachen mit, die du jetzt deinen Studenten oder hier deinen Kollegen mitgibst aus dieser Zeit? Die Schule hat ja so eine Art ›formal-inhaltliches Konzept‹, was und wie Leute gestalten sollten. Damals – vielleicht macht man das heute immer noch – hatte man versucht, den Studierenenden beizubringen, ›so‹ und ›so‹ hat es auszusehen. ›Das‹ ist richtig und ›das‹ ist falsch. Ich hatte meinen großen Konflikt, weil ich zu der Zeit ein großer Fan von David Carson war. Er hat das r ay g u n m a g a z i n gestaltet. Für mich war er ein ›Punk‹, was Gestaltung angeht. Und er war absolut nicht anerkannt an unserer Hochschule. Es wurde als eine Art ›zeitgenössischer Dreck‹ angesehen. Alles was ich selber in die Richtung gemacht habe, fiel durch. Meine Arbeit wurde nicht als Grafikdesign akzeptiert.

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Ich weiß noch, dass wir für das Vordiplom ein Logo für die ö k o b a n k gestalten mussten. Ich habe darüber nachgedacht und mir gedacht: »ö k o b a n k . Das ist doch alles Quatsch. Am Ende ist es eine Bank und es geht um Kohle und das hat halt jetzt einen grünen Anstrich.« Ich hab dann Logo gezeichnet was ein wenig an Krupp erinnerte, eine Art Tresor, der aus Grobstahl sein könnte.

Wenn du da dein Geld reinbringst, dann passiert nichts (Alle Lachen). Ich habe meine Arbeit vorgestellt und die Reaktion war: »Das ist aggressiv und völlig verfehlt.« Ich hab dann gefragt, was sie erwarten: »Wahrscheinlich grün oder? Und irgendwas mit einer organischen Form, vielleicht ein Blatt oder so.« Mir war das teilweise zu offensichtlich. Vielleicht hab ich auch in dem Moment provoziert. Ich glaube, ich habe eine vier auf meinem Vordiplom bekommen. Ich bin da richtig ›abgewatscht‹ worden. Das ist echt schade. Ich dachte, in so einem kreativen Kontext müssen die Leute offener sein. Und das war überhaupt nicht so. Man wurde sehr auf ›richtig‹ oder ›falsch‹ erzogen. Es gab noch nicht mal einen Diskurs. Und ich bin, wie gesagt, öfters vorgeführt worden. Das war auch Gang und Gebe, um Macht auszuspielen. »Werd‘ lieber Metzger«, meinten sie zu mir vor 20 Leuten. Da musst du erst einmal mit umgehen können. Das waren teilweise wirklich Übertritte. Dieses Fertigmachen war grenzwertig. Vielleicht auch mit der Idee: »Der, der nicht wiederkommt, der wird es sowieso nicht schaffen.« Ein gewisses Aussortieren, ein Filtern von Leuten, von Persönlichkeiten, die vielleicht schwächer sind. Die kommen dann nicht mehr, und das hat mir auch einen schweren Dämpfer gegeben. Ich habe auch lange gedacht, dass ich kein guter Gestalter bin. Was auch immer es heißt, ein ›guter Gestalter‹ zu sein. Ich habe immer Selbstzweifel dadurch gehabt. Ich habe mich auch nur mit den Leuten gut verstanden, die ihr eigenes Ding gemacht haben und sich nicht diesem System ergaben. ʶ Hat das zum Abbruch deines Studiums geführt? Nein, gar nicht. Sicher, ich habe dann während des Studiums viel Anderes gemacht. Viele ›Techno-Flyer‹, weil ich Freunde hatte, die des öfteren Veranstaltungen organisiert haben. Und dann machte ich ein Praktikum bei l o g i c r e c o r d s . Die hatten mir danach angeboten, ›Art Director‹ zu werden. Ich brach eigentlich nur deshalb ab, weil ich dieses Angebot bekam. So ein Angebot bekommt man halt nur sehr selten. Ich habe es auch nie bereut. Also es ist nicht so, dass ich irgendwie gedacht habe: »Scheiße, hätte ich mal fertig studiert.« Das hat für mich später überhaupt keine Funktion gehabt. Es hat auch nie jemand danach gefragt. Außer als ich dann Professor wurde. Weil ich zuvor schon Gastprofessor war, war das aber auch kein Problem. Aber ich kenn auch total viele Gestalter, die kein Studium haben oder abgebrochen haben, aber super gut sind. Das hat am Ende keine wirkliche Bedeutung. Ich frag auch nicht jemanden, der sich hier bewirbt. Ich schau mir die Sachen an und treffe mich mit der Person. Dann merke ich auch, was da drin ist. Ich muss auch sagen, vieles habe ich erst später im Beruf gelernt und gar nicht im Studium. Heute versuche ich zu vermeiden,


›richtig‹ oder ›falsch‹ zu sagen. Ich will die Studierenden nicht in irgendeine Richtung drängen. Ich will Fragen stellen und sie selbst die Richtung finden lassen. Es ist natürlich alles ›Selbsterfahrung‹. Alles, was ich selbst erfahren habe, versuche ich heutzutage zu vermeiden. Das heißt, wenn mir die ›Ästhetik‹ nicht gefällt, versuche ich mich davon zu trennen und zu fragen: »Was ist das Konzept?« Wenn man das ›Konzept‹ versteht, dann ist die ›Ästhetik‹ auch subjektiv und die kann ich dann anders bewerten. Ich versuche viel individueller zu unterrichten. Vielmehr zu schauen, woher die Person kommt. Was braucht sie jetzt. Ich bin natürlich nicht fehlerfrei. Ich habe ja auch Studierende, die ich mehr oder weniger mag. Das ist menschlich. Aber ich versuche mehr darauf zu achten, wie ich eine Persönlichkeit unterstützen kann und nicht, wie ich einen Klon von mir erstelle. Da ist vielleicht dieses ganze ›Scheitern‹. Im Sinne von: da ist ein System, ein Schulsystem, ein Unisystem, das nicht unbedingt meiner Persönlichkeit entsprochen hat und ich in Situationen kam, in denen Andere sagen würden: »Das war ›Scheitern‹.« Da muss ich sagen, das hat mich natürlich auch total motiviert. Ich hab ja irgendwann auch gesagt: »So, ich zeige es euch!« ʶ Hast du später Reaktionen gehabt von den Professoren, die dich unterrichtet haben? Prof. Christof Gassner hab ich einmal getroffen bei so einer ›deutsch-chinesichen Biennale‹, an der wir beide teilgenommen haben. Er konnte sich an mich nicht mehr erinnern (Alle lachen). Das ist auch in Ordnung. Es hat auch 18 Jahre lang gedauert, bis ich an die Hochschule eingeladen wurde, um einen Vortrag zu halten. ʶ Wie ging es dir dabei? Ich habe immer gesagt, ich gehe da ohne Einladung nicht hin. Ich biete das denen nicht an. Entweder kommen sie irgendwann und sagen: »Wir möchten, dass du einen Vortrag hältst« oder nicht. Aber es war kein Professor von damals mehr da. Ich hätte es natürlich gerne gehabt, wenn die Professorenschaft von damals noch da gewesen wäre. Dann hätte

ich denen eine ›reingeballert‹ (Alle lachen). Ich glaube der Hausmeister war noch derselbe, aber sonst niemand. Es war ein bisschen traurig dort wieder hinzugehen, aber keinen menschlichen Bezug mehr dazu zu haben. Wenn zwei oder drei von denen anwesend gewesen wären, hätte ich da was ›vom Leder‹ gezogen (Lacht). Nein, Spaß. Ich bin auch auch nicht nachtragend. Es ist auch nicht so, als hätte ich ein ›beschissenes‹ Leben gehabt. Aber es gibt einige, die auf jeden Fall so verunsichert wurden, dass sie ein ›beschisseneres‹ Leben hatten. Und ich finde das ehrlich gesagt unverantwortlich. Wir haben eine gewisse Verantwortung:

Wir sollten eher versuchen zu motivieren als zu dekonstruieren.

worden: von einer Firma aus l o s

a ng e-

l e s , für die wir eine ›Identität‹ entwickelt

haben. Die haben unsere Arbeit einfach genommen und es dann selbst gemacht und es gab keine Möglichkeit dagegen anzugehen. Auch wenn wir feststellen, wir hatten eine super Idee, haben es aber falsch präsentiert. Es gibt immer solche Momente. Aber wie gesagt, das hat mir auch viele Erkenntnisse gebracht. Auch das ›Scheitern‹ einer Liebesbeziehung hat mir immer irgendwie weitergeholfen und es hat mir auch immer wieder ganz neue Energien gegeben. ʶ Meinst du, man gestaltet am Besten, wenn es einem ›richtig gut‹ oder ›richtig schlecht‹ geht? Wenn es mir ›richtig schlecht‹ geht, dann gestalte ich gar nicht. Da hab ich kein ›Bock‹ drauf. Ich finde, man sollte sich bei der Gestaltung schon gut fühlen. Deswegen ist mir es auch sehr wichtig, wo ich gestalte, wie das aufgebaut ist, mit wem ich das mache.

Manchmal muss man den Leuten natürlich auch sagen, dass es nichts ist und man sich auf etwas Anderes konzentrieren sollte. Aber das muss man in einer Form machen, die annehmbar ist, die zu einer Erkenntnis führt, die weiterhilft. Und nicht wie ein ›Elefant‹, der einfach durchmarschiert. ʶ Gab es Momente in deinem Leben, die du als ›Scheitern‹ empfunden hast? Klar, natürlich. Auch durch meinen Beruf habe ich viele soziale Kontakte verloren. Beziehungen, die zu Bruch gingen, weil ich zu viel gearbeitet habe. Das ist schon tragisch. Oder auch die Gesundheit, die darunter leidet. Das ist nicht so einfach. Ich kann das ehrlich gesagt schwer ausbalancieren. Ich mag es ein bisschen ›extrem‹. Und daher ist es eher schwer für mich zu sagen: »Hier hab ich meine Familie und dann hab ich das und das …« Ich mag es, wenn es einfach ›brennt‹. Ich habe auch viele Dinge schmerzhaft erfahren müssen. Wir sind z. B. beklaut 26 – 27


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Ich versuche, einen idealen sozialen Raum zu schaffen, in dem man mit Menschen zusammen ist, die man schätzt und deren Meinung einem sehr wichtig ist. Wenn hier überall nur ›Arschlöcher‹ rumsitzen würden, dann wäre meine Arbeit auch voller ›Arschlöcher‹. Voller ›stinkender Elemente‹ halt. Im Studium war das bei mir so: Alle haben studiert und dann sind sie in die Werbung gegangen. Dann warst du da ein paar Jahre ›Junior Director‹, bist dann dort so ein bisschen verbrannt, hattest vielleicht die Chance ›Art Director‹ zu werden. Man hat dir unmöglichen Druck aufgebaut: Wochendend-Performance, Abend-Performance, etc. Heute gibt es viel mehr so Büros wie meins. Junge Leute sagen: »Weißt du was, wir sind zwei bis drei Kumpels, wir kennen uns gut, wir machen ein Büro auf.« Denen geht es viel mehr darum: »Wie lebe ich, während ich gestalte? Was ist mir daran wichtig?« Und ich sage auch heute noch: »Ein gutes Projekt ist nicht das Ergebnis, sondern ein gutes Projekt ist: Wie haben wir angefangen? Wie war das erste Gespräch? Wie haben wir über Zeit, Budget, usw. diskutiert? Wie war die Zusammenarbeit mit dem Kunden in der Zeit? Wie war es untereinander mit uns?« Viele sagen dann immer: »Ja, das war so und so ›scheiße‹ und sieht so und so aus.« Oder: »Sieht ›scheiße‹ aus, aber ich habe so und so viel Kohle bekommen.« Das ist für mich nicht erstrebenswert. Dafür lebe ich zu gerne und nur einmal (Lacht). Also mir sind diese Dinge einfach wichtiger. Und ich glaube, heutzutage geht es vielen jungen Menschen auch so.

Deswegen ›strugglen‹ die ganzen großen Agenturen gerade. Die haben echt Schwierigkeiten, junge Leute zu bekommen. Diese müssen ihre Strukturen ändern und den jungen Menschen andere Angebote machen. Eben nicht mehr: »Wir bluten dich hier jetzt aus und entweder schaffst du das und kriegst vielleicht noch die Kurve oder wir tauschen dich mit jemandem Anderen aus.« ʶ Arbeitest du am Wochenende? Nein. Ja doch, privat. Was heißt privat bei mir? Ich bereite am Wochenende natürlich Sachen vor für die Uni, aber ich habe einen anderen Tagesablauf. Mein Tag ist davon durchzogen, die Füße auf den Tisch zu legen. Es gibt immer wieder Momente, an denen ich mich total zurückhole und eben nicht durcharbeite. Zum Beispiel einen Mittagsschlaf zuhause zu machen – ich wohne ja hier um die Ecke. Oder so lange schlafen wie ich will. Ich bekomme meine Arbeit ja hin, ich organisiere die nur anders. Ich organisiere

diese nicht in diesen ›Rhythmen‹, die gesellschaftlich irgendwie normiert sind. Sondern so, dass die eher mit meinem Rhythmus zu tun haben. Ich suche schon nach meiner Entspannung, meinem Abschalten. Aber das kann auch am Montag sein oder am Mittwoch. Das ist dann bei mir egal. Wichtig ist nur, dass ich es habe. Und das habe ich. Ich habe mal einen Zusammenbruch gehabt mit 30 und ich war ein halbes Jahr schwer eingeschränkt was das kreative Arbeiten anging. Ich war depressiv und seitdem bin ich sehr aufmerksam, wie ich an Sachen herangehe. Das kam natürlich auch aus so einer ›Übermotivation‹ heraus. Dieses selbständig sein und alles in sehr kurzer Zeit liefern zu müssen und auch über Nacht arbeiten… Damals habe ich das oft gemacht. Dann habe ich eben festgestellt, die ›Deadlines‹ sind Quatsch. Manchmal macht man etwas und merkt nach zwei Wochen, dass immer noch nichts geschehen ist. 28 – 29


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Dann ist die Frage, wie man damit umgeht. Akzeptiere ich diese kurzen ›Deadlines‹ oder sage ich dem Kunden: »Nein, das dauert länger!« Man muss auch ein bisschen die Kunden erziehen. Wenn man denen nicht Grenzen setzt, dann ziehen sie daran. Ich will auch nicht, dass hier im h o r t jemand am Wochenende arbeitet. Das passiert ganz, ganz selten. Vielleicht zweimal im Jahr. Aber ansonsten soll hier jeder auch seine Freizeit haben. In Galerien gehen, Konzerte besuchen, Kaffee trinken.

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Wir machen hier auch gar nicht soviel (Lacht). Wir haben das Büro nicht so strukturiert, dass jeder von 09:00 – 17:00 Uhr ausschließlich arbeiten muss. Es gibt gar keine Projekte, bei denen man nur arbeitet. Es gibt immer so ›Phasen‹ und die ›Phasen‹, die können dann auch mal intensiver sein. Aber jeder organisiert das im Grunde selbst. Die sind ja alle erwachsen, kennen sich alle. Man weiß also, wie viel Zeit man brauchen wird, wie man was macht, usw. Das finde ich auch ganz angenehm, dass wir das eben nicht haben. Wir haben keine Arbeit, die einfach so abgearbeitet werden muss.

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ʶ Was kommt nach dem ›Scheitern‹? Das nächste (Alle lachen). Ich bin da jetzt total drinnen, also Bachelor, Master und so etwas. Bei uns an der Hochschule gibt es noch Diplom. Wir führen gerade Diskussionen, weil wir eine der wenigen Hochschulen sind, die noch das Diplom anbietet und ich finde dieses System ist das wesentlich bessere System, weil jeder Mensch seinen eigenen ›Rhythmus‹ hat und einfach seine Zeit braucht zu reifen. Wir haben im Diplom fünf Jahre und viele studieren sechs oder sieben Jahre. Da ist es auch möglich ein halbes Jahr lang an etwas zu forschen, das zu keinem Ergebnis führt. Beim Bachelor muss man eben so durch. Du musst dir die Unterschriften holen und wenn du die ›Credit Points‹ nicht hast, fliegst du oder bekommst kein BAföG mehr oder so etwas.

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Da ist was aufgebaut worden, dass das Experiment eigentlich unterdrückt: Das ›sich Finden‹, das ›sich Ausprobieren‹. ›Scheitern‹ ist in diesem System äußerst schmerzhaft. Dabei ist es eigentlich wichtig für ›Persönlichkeitsbildung‹. Du brauchst auch Sackgassen,

Studierende, die sagen: »Ich will jetzt raus, ich will Da beginnt man ein Sys- Webseiten gestalten und tem zu entden Leuten wickeln, wie man am bes- zeigen, wie gut ich bin!« ten funktioniert, wie man Dazu meine Aufgaben am ich: »Immer langsam!« Besten löst. Ich finde, sie Im Prinzip sind schon so wiederholst unter Druck du dann imzu performer wieder dieselbe Stra- men in dietegie und das sem ganzen Kontext. ist natürlich nicht immer förderlich, um als Persönlichkeit zu wachsen. Ich habe mit diesem Thema ja immer wieder zu tun. Junge

Erfahrungen, wo es nicht mehr weitergeht und du mit diesem ›nicht-mehr-weiterkommen‹ umgehen musst. Es gibt andere Wege damit umzugehen, anstatt einfach nicht zu funktionieren.

Schade – früher war das nicht so. Früher hatten wir nicht die Möglichkeit unsere Arbeiten zu zeigen. Hatten aber auch keine Angst etwas zu machen, was jemand Anderes schon gemacht hat. Das gab uns dann auch mehr ›innerliche Freiheit‹ sozusagen. Wir hatten dafür andere Ängste. Wir hatten einen Kunden aus den u s a , der wollte für seine Headquarter in n e w y o r k den Satz »Failing is not an option.« haben. Da habe ich nach Alternativen geschaut. Viele Agenturen hatten so einen ähnlichen Spruch in ihrem Portfolio. »Wir versuchen immer besser zu sein und ›Scheitern‹ ist keine Möglichkeit.« Klingt ja erst mal total geil für einen Kunden. Aber für Mitarbeiter ist das


natürlich die Hölle. Du gehst da jeden Tag an diesem Satz vorbei und denkst dir: »Wenn ich jetzt versage, dann blüht mir was.« Das setzt einen sehr unter Druck und das finde ich ist unmenschlich und unfair. Wir haben dann gesagt, das können wir nicht machen. Das ist eine ›grafische Folter‹, die wir an die Wand bringen sollen. Ich glaube, die haben es dann selbst gemacht.

leichter irgendwo anders hinzugehen als zu sagen: »Ach, das ist mir zu einfach.« Da bleiben sie dann lieber drei-vier Tage / Wochen in diesem: »Ach, das ist mir zu einfach aber ich habe noch keine bessere Idee.« Auch wenn es platt ist, mach es erst mal. Es muss ja nicht das Endergebnis sein.

Wir müssen ja auch als Kinder damit umgehen können, das lernen. Aber wenn wir es nie erlebt haben, dann wird es echt schwer (Lacht). Die ›Evolution‹ funktioniert ja auch so. Sie probiert alles aus. Einige Sachen funktionieren, einige Sachen funktionieren nicht. Und amerikanische Firmen machen jetzt dieses ›Try and Error‹ Ding. f a c e b o o k und so. Die probieren einfach was aus und wenn sie sehen es funktioniert nicht, fangen sie einfach neu an. Auch krass! Die arbeiten ganz anders und machen sich kein Kopf um das ›Scheitern‹. Oder zuerst lange im Kopf überlegen und dann erst zur Erkenntnis kommen: »Das könnte funktionieren.« ›Interaktion‹ z. B. ist hochkomplex. Das kannst du gar nicht durchdenken. Du kannst auch gute Konzepte nicht nur theoretisch durchdenken. Grafische Konzepte musst du anwenden. Du musst im Prinzip immer diesen Moment haben, wo du es probierst und dann reflektierst. Das ist dann eine Realität, mit der wir arbeiten können. Im Kopf ist es keine Realität, da ist es eine Konstruktion. Diese Verkörperung von Ideen, das Aufschreiben, ein Bild geben, eine Form geben, ist immer das strategisch Richtigere. Ich glaube, Otl Aicher hat gesagt: »Vor dem Denken kommt das Probieren.« Also ich mache etwas und dann reflektiere ich. Es ist ein Wechselspiel dazwischen. Oft ›scheitern‹ wir darin und oft habe ich bei Studierenden das Gefühl , dass sie nur im Kopf bleiben. Das ist langwierig, bis diese Idee eine Form bekommt. Und da meine ich: »Probiere es einfach aus! Mach erstmal und finde Ideen im gestalterischen Machen.« Dann macht man erst einmal das, dass vielleicht am nächsten ist und am einfachsten umzusetzen ist. Einfach, um reinzukommen, um drin zu sein. Einfach, um im ›Gestalten‹ zu sein, weil von dort ist es dann viel 30 – 31


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↘ An Widerstand ↗ Niederlagen wegstecken (31, männlich) ↘ Feingefühl ↗ Mutter sein (52, weiblich) ↘ Verzeihen ↗ Konsequent sein (44, weiblich) ↘ Backen ↗ Zuhören (54, weiblich) ↘ An meinem persönlichen Anspruch von Perfektion ↗ Organisation (29, männlich) ↘ Vegetarierin werden ↗ Zeichnen (29, weiblich) ↘ Smalltalk ↗ Plan umsetzen (51, männlich) ↘ Konsequent bleiben – vor allem bei meinen Kids ↗ Zuhören (45, männlich) ↘ Weniger Schimpfwörter benutzen ↗ Bei Wettkampfsituationen (35, männlich) ↘ Mit Stresssituationen umgehen ↗ Entrümpeln (45, weiblich) ↘ Alles schaffen, wenn man sich zu viel vorgenommen hat ↗ Die richtigen Worte finden (49, weiblich) ↘ Ansprüche ↗ Überleben (30, männlich) ↘ Schokolade ↗ Ehrlichkeit (37, männlich) ↘ An mir selbst ↗ Kreativität (34, männlich) ↘ Scheitern ↗ Erfolg

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STEFFEN KEHRLE INDUSTRIE-DESIGNER (MÜNCHEN) steffenkehrle.com

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Steffen Kehrle studierte Industriedesign an der u n i v e r s i tät f ü r a n g e w a n d t e k u n s t in w i e n bei Paolo Piva, Borek Šípek, Ross Lovegrove und Hartmut Esslinger. Parallel zum Studium absolvierte er Praktika bei b m w , b u s s e d e s i g n , s ta r c z e w s k i d e s i g n und bei Frédéric Dedelley. Von 2007 – 2009 war er als Designer bei Stefan Diez tätig und dabei für zahlreiche Produktentwicklungen mit verantwortlich. Seit 2009 betreibt er in m ü n c h e n das at e l i e r s t e f f e n k e h r l e mit Schwerpunkten in Produkt-, Ausstellungsund Interiordesign.

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Wir sind auf Steffen Kehrle durch sein Projekt r e j e c t e d / a c c e p t e d gestoßen. Es zeigt abgelehnte, nie veröffentlichte Arbeiten aus verschiedenen kreativen Bereichen. Ihre Qualität lohnt dennoch die Auseinandersetzung, auch mit den – häufig ökonomischen – Gründen des ›Scheiterns‹. Wir unterhielten uns über das Projekt und die Begleitung des ›Scheiterns‹ im Berufsalltag.


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Ich würde sagen, dass die Auswirkungen des ›Scheiterns‹ im Industriedesign meistens weitreichender sind als in anderen Disziplinen. Bei uns ist es Normalität an einem Projekt bis zu vier Jahre zu arbeiten. Dann ist das ›Scheitern‹ umso heftiger, denn man hat natürlich wahnsinnig viel Zeit, Kraft, Geld und Energie investiert. Das geht nicht nur mir so, sondern auch meinem Team. Aber es gibt diese Projekte, die aus irgendwelchen Gründen nichts werden. Der magische Moment, warum ich die Ausstellung r e j e c t e d /a c c e p t e d ins Leben gerufen habe, war aus so einem Grund heraus. Ein Kunde hat uns für ein Stuhlprojekt abgesagt, in das wir sehr viel Zeit investiert haben und super fanden. Allerdings wurde es trotz allem aus absurden Gründen ›gecancelt‹ obwohl wir bereits in Vorleistungen gegangen sind.

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Wir waren alle von dem Entwurf überzeugt und daher meinte ein Mitarbeiter: »Wir schicken es einfach einer anderen Firma.« Das wollte ich auf keinen Fall machen, da der Stuhl sehr spezifisch für genau diese Firma entwickelt wurde. Ich meinte dann: »Ich finde es gut wie es ist. Wir haben mittlerweile ein paar solcher ›Leichen‹ im Keller, aus denen am Ende nichts geworden ist und irgendwann machen wir aus diesen Projekten eine Ausstellung.« Und ich glaube sogar ein oder zwei Tage später hat mich die Stadt m ü n c h e n angerufen und mir eine ›Carte Blanche‹ für einen wunderbaren Raum gegeben, in dem ich eine Ausstellung realisieren konnte. Die einzige Bitte, die sie hatten, war, dass ich Kollegen aus m ü n c h e n involviere. Und dann hat es Klick gemacht und innerhalb von einem Tag war die Grundidee zu r e j e c t e d / a c c e p t e d geboren – Ich lade zehn Kollegen ein, die mir ein (bzw. das wichtigste) Projekt zur Verfügung stellen, das nicht zur Realisierung kam. Mir ging es nicht nur um Industriedesigner. Mit dabei waren auch Grafikdesigner, Fotografen, Modedesigner, Journalisten und ein Dokumentarfilmer. Ich habe ihnen meine Idee vorgeschlagen und alle waren sofort begeistert, weil sie das Thema so gut fanden. Auch weil sich noch niemand getraut hat solch eine Ausstellung ins Leben zu rufen. Es ist eben etwas ›sehr Persönliches‹. Dann


haben tatsächlich alle – bis auf eine Person – sofort zugesagt, die ich fragte. Es kam eine Dynamik in das Projekt, die sehr hilfreich war und alle Beteiligten haben mich sehr unterstützt. Für die ›Szenographie‹ wollte ich etwas eigenwilliges. Ich wollte die Objekte überspitzt ausstellen. Das Ergebnis war ein 50 cm tiefer Sarg um den eine ›Bordüre‹ angebracht war. Dahinter saß das Licht, wodurch die darin ausgestellten Objekte schattenfrei beleuchtet wurden. Es wirkte alles sehr ›mystisch‹. ʶ Wie groß dürfen wir uns die Särge genau vorstellen? Ein Sarg war zwei Meter hoch (zeigt uns Beispiele). Hier seht ihr z. B. ein ›Cocktailkleid‹ von Ayzit Bostan, hier eine ›Stiftebox‹ von Stefan Diez, hier einen Beitrag von Markus Frenzl und hier einen von Mirko Borsche und von Saskia Diez. An dem Eröffnungsabend waren glaube ich 800 Besucher da. Für mich war das schon aufregend. Als dann an dem Abend der Direktor der n e u e n s a m m l u n g zu mir kam und meinte, er findet unsere Ausstellung so gut, dass er sie gerne bei sich im Haus zeigen würde, war das ein ›Ritterschlag‹ für uns. Es ist schon lustig, dass wir mit den ›gescheiterten‹ Projekten etwas ins Leben gerufen haben und die Ausstellung eine museale Tür geöffnet hat und wir seither auch viele weitere Ausstellungen realisieren. ʶ Davor waren es nicht so viele? Nein. Aber ich meine, die Ausstellung ist jetzt schon fast vier Jahre alt und mein Büro gibt es ja erst seit sieben Jahren. Ich kann sagen, dass es uns gut geht.

Wir haben viele Projekte in Arbeit, aber eine Ausstellung in der n e u e n s a m m l u n g hat schon eine andere Dimension und ist nicht selbstverständlich. Das Thema ›Rejected‹ ist mir nach wie vor sehr wichtig.

Projekte stehen immer auf der Kippe und je länger man ein Büro hat, je mehr Projekte man macht und je bekannter man wird, desto öfter ›scheitern‹ auch Projekte. Es ist nicht einfach ein gutes Produkt auf den Markt zu bringen, eine gute Ausstellung zu machen oder eine Punktlandung beim Kunden zu erlangen. Das ist oft schwierig und deshalb ›scheitern‹ die Projekte aus den unterschiedlichsten Gründen. Oft an uns, des Öfteren auch wegen der Auftraggeber. Es ist tatsächlich oft so, dass man am Ende versteht, warum es nicht geklappt hat. Auch wenn man am Anfang sehr emotional darauf reagierte. ʶ Gibt es ein Projekt von euch, das ihr mit ›Fehlern‹ verbindet oder aus ›Fehlern‹ entstanden ist? Oder einen Zufallsfaktor beinhaltet? Zufälle gibt es in jedem Projekt. Das Produktdesign ist harte Arbeit. Man hat eine Idee und bekommt irgendwann das Gespür, dass es vorwärts geht. Aber im Laufe des Projekts passieren viele Zufälle. Es ist ja nicht so, dass ich mich hinsetzte, einen Stuhl zeichne und dann wird er genauso umgesetzt. Im Prozess ändert sich nocheinmal alles maßgeblich. Ein Beispiel ist die Garderobe, die da hinten steht. Die haben wir letzte Woche in k ö l n vorgestellt und sie hat glücklicherweise für viel Aufsehen gesorgt. Die sah am Anfang völlig anders aus – wenn nicht sogar komplett anders. In diesem Stück stecken zwei Jahre Entwicklungsarbeit. Anfangs war es nur ein Stab mit einer Krone oben und einem Fuß unten. Ein ganz anderes Konzept, als ihr es jetzt seht. Es ist ein Objekt geworden, in das man überall seine Sachen stopfen kann: einen Schal, eine Jacke, einen Regenschirm – unten ist Platz für Schuhe. Also eine Garderobe, die man komplett bespielen kann. Es spielen so viele Zufälle eine Rolle. Zum Beispiel auch, dass der Kunde zu dem ersten Entwurf »No!« gesagt hat. Das kann passieren. Ich fand das natürlich nicht lustig aber dadurch ist jetzt ein sehr spezielles Objekt entstanden. Es ist nicht so, dass man von heute auf morgen eine Idee hat und das war es dann.

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ʶ Du hast außerdem Möbeldesign und Ausstellungsarchitektur an der Kunsthochschule in k a s s e l unterrichtet. Wie waren deine Erfahrungen damit? Ja, ich habe fünf Jahre lang unterrichtet. Eigentlich vom ersten Tag an, an dem ich mich selbstständig gemacht habe, bis letztes Jahr im Sommer. Es war eine super gute und auch wahnsinnig wichtige Zeit für mich. Ein Geben und Nehmen – ein Trainingsplatz. Ich habe zu dieser Zeit nicht nur an zehn Projekten hier im Atelier gearbeitet, sondern auch an 20 – 30 Projekten der Studenten. Da hat man unglaublich viel zu tun. Das war auch sehr wichtig und ich möchte es wirklich nicht missen. Aber irgendwann habe ich mir die Frage stellen müssen, wo der Fokus liegen soll – und das war bei mir letztendlich mein Büro. Ich würde schon gerne wieder unterrichten aber ich möchte nicht wieder jede Woche an der Hochschule sein. Alle zwei oder drei Wochen wäre super. Aber jede Woche finde ich sowohl für mich, als auch für die Studenten zu viel. Diese dauernde Betreuung ist nichts für mich. Ich selbst habe an der Kunsthochschule in w i e n völlig anders studiert. Ich habe meinen Professor alle vier Wochen gesehen und das hat auch völlig gereicht – Studium ist ja nicht mehr Schule. ʶ Wie hast du deinen Studenten beigebracht ›Fehler‹ zu akzeptieren und mit ihnen umzugehen? ›Scheitern‹ war nie unbedingt Thema. Ich denke, das Wichtigste im Studium und später im Beruf ist das ›ständige Tun‹. Es gibt diese Vorstellung bei jungen Designern, dass das Wichtigste die Idee ist. Natürlich ist die Idee wichtig. Aber das Wichtigste ist, dass man im ›ständigen Schaffensprozess‹ ist. Dass man von morgens bis abends an seinen Entwürfen arbeitet. Die Vorstellung, man sitzt auf dem Sofa und wartet auf die richtige Idee ist völliger Schwachsinn. Meine Aufgabe war es, den Studenten erst einmal zu implementieren, dass wir Designer einen acht, neun, zehn Stunden Arbeitstag haben. Und wenn man bei einem Entwurf nicht weiterkommt, dann muss man recherchieren, ein Model bauen, sich einen Plan zurechtlegen. Es gilt zu verstehen, dass

auch kreative Berufe Arbeit bedeuten. Man muss auch mal lange an einem Projekt arbeiten, um sich am Ende einzugestehen: »Weißt du was? Das ist es einfach nicht.« Es ist nicht so, dass jedes Projekt ein Bestseller werden kann oder wird. Sich das einzugestehen ist völlig legitim. ʶ Im Studium ist es oft so, dass man seine Fehler überspielt. Klar, ich finde aber, man darf sich im Studium auch nicht zu sehr unter Druck setzten. Das Studium ist eine Lernphase und auch die Zeit danach, wenn man seinen ersten Assistenten Job hat.

Man muss nicht sofort ein Star sein. Dieser Irrglaube heutzutage, man könnte ein Star sein, ist totaler Schwachsinn. ʶ Wie kamst du zur Gestaltung, zum Industriedesign? Gab es auf deinem Weg dorthin Punkte, an denen du ›gescheitet‹ bist? Ja, klar! Ich bin tatsächlich ein Kind des ›Scheiterns‹. Ich bin in einem Dorf aufgewachsen und Schule war nichts für mich. Ich bin zwar gerne zur Schule gegangen, weil ich da meine Freunde getroffen habe, aber das Schulsystem war überhaupt nichts für mich. Ich habe alle ›Ehrenrunden‹ gedreht, die man nur drehen kann. Mit 18 habe ich eine Lehre als ›Großhandelskaufmann‹ gemacht. Die Lehre hatte mich eigentlich gar nicht interessiert aber ich war jeden Tag von 07:00 – 16:00 Uhr in der Arbeit. Zu der Zeit haben alle meine Freunde angefangen über ein Studium nachzudenken. Damals wusste ich noch gar nicht, wie

ein Studium aussieht. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich den Anschluss verloren habe. Dadurch bin ich dann über Umwege, die ich nicht mehr alle definieren kann, zum Produktdesign gekommen. Nach meinem Entschluss zu studieren, musste ich noch Zivildienst machen. Das hat mein Leben ziemlich umgekrempelt. Ich habe damals ein ganz junges schwerstbehindertes Kind betreut, mit dem ich mich anfreundete. Das hat mir eine neue Perspektive in meinem Leben gegeben. Danach habe ich das Abitur nachgemacht und mich an der Kunsthochschule in w i e n beworben. Die haben mich aufgenommen und dann habe ich dort Industriedesign studiert. Das war eine super Zeit. Wenn ich schon früher erfahren hätte, dass man Industriedesign studieren kann, hätte ich das sicher schon eher gemacht. ʶ Wie gehst du durch deine ganzen Erfahrungen an ein Projekt heran? Hat sich viel weiterentwickelt? Was sich hauptsächlich geändert hat, ist, dass wir unser Repertoire erweitert haben. Wir haben mittlerweile fast 100 Projekte im Laufe der letzten sieben Jahre umgesetzt. Man entwickelt ständig neue Methoden – prinzipiell gehen wir an jedes Projekt unterschiedlich heran. Klar müssen wir bei allen Projekten recherchieren, uns umschauen was es momentan auf dem Markt gibt, wo wir unsere Inspirationen herbekommen.

Was geblieben ist, ist die Angst zu versagen oder keine Idee zu finden. Was jedoch auch geblieben ist, ist, dass wir immer noch eine gute Idee gefunden haben. Außerdem geblieben ist das schöne Gefühl wenn man merkt, dass man eine Idee gefunden hat. Danach ist man glaube ich süchtig. Das ist das, was den Beruf als Designer ausmacht. Das kann man mit keinem Geld aufwiegen. 38 – 39


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ʶ Schwarz-Weiß oder Farbe? Ehrlich gesagt Schwarz-Weiß ʶ Form oder Funktion? Wenn ich mich entscheiden muss: Funktion ʶ

ikea

oder m ö b e l

mahler?

ikea

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ʶ Analog oder Digital? Digital ʶ Im Raster oder frei? Im Raster ʶ

oder c h a i r Konstantin Grcic? Beides eames chair

one

von

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ʶ Tee oder Kaffee? Kaffee ʶ Bier oder Wein? Beides ʶ Leben um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben? Leben


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ʶ Kannst du uns zum Abschluss noch ein Projekt von dir nennen, das aus irgendwelchen Gründen ›gescheitert‹ ist? Meine größte Enttäuschung war die Anfrage eines recht bekannten deutschen Möbelherstellers, einen ›Lounge Chair‹ zu entwerfen. Der Auftrag war sehr wichtig für uns, aber ich wusste bei diesem Projekt nicht genau, wie ich anfangen sollte. Also haben wir uns erst einmal mit der Entwicklungsabteilung getroffen und ihnen erklärt, wie wir arbeiten und uns gewünscht, so viel Input wie möglich von ihnen zu bekommen.

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Was ich nicht mache, ist, dass ich eine Skizze – ein schnelles Modell – anfertige, ihnen gebe und sage: »So soll es aussehen.« Das ist für mich zu willkürlich. Das Produkt bekommt so keine Tiefe.

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Der Vorschlag war also mit ihnen zusammen ein Projekt zu entwerfen. Die Idee fanden sie super und wir haben angefangen daran zu arbeiten und haben eine fundierte Recherche gemacht. Mit unserer ersten vagen Idee sind wir dann zu ihnen gefahren und auch die fanden sie super. Also haben wir ca. vier Monate daran gearbeitet und eine dreidimensionale

Skizze mit der ersten DNA erstellt und unseren Ideenpool präsentiert. In der Zeit hatte der Geschäftsführer gewechselt und Investoren kamen in das Unternehmen. Da fingen die Probleme an. Da bespricht man sich ein halbes Jahr mit jemandem, der nun nichts mehr zu sagen hat und zu dem neuen Chef habe ich einfach keinen Bezug gefunden. Diese Art, wie wir an die Entwürfe gingen, sei so gar nicht sein Ding. Da es ein wichtiger Kunde war, haben wir jedoch alles geschluckt und haben weitergemacht. Nach einer Woche habe ich dann einen Anruf bekommen: »Steffen, pass auf. Wir wollen ganz ehrlich zu dir sein. Wir glauben es macht keinen Sinn, wenn du weiter an diesem Projekt arbeitest. Wir haben uns für einen anderen ›Lounge Chair‹ entschieden.« Die hatten also verschiedene Designer auf das Projekt angesetzt und keiner wusste davon. Bis dahin hatten wir auch kein Geld oder Vertrag gesehen. Ich habe ihm gesagt, wenn das ein Pitch gewesen wäre, dann hätte ich dafür 20 000 Euro verlangt und wäre ganz anders an das Projekt herangegangen. Danach war ich zwei Wochen lang so sauer, dass meine Frau mich in den Schlaf singen musste (Alle lachen). ʶ Was hast du dann daraus mitgenommen? Ich habe gelernt, dass man alles im Vorfeld abklärt und man wachsamer sein muss. Ich werde sicherlich auch wieder in die Falle tappen, das ist nun mal so. Eine zweite große Enttäuschung kann ich euch auch gleich mal zeigen (steht auf und nimmt einen Hocker aus dem Regal). Die Idee dahinter war es, einen Hocker zu machen, der auch als ›Trittbrett‹ benutzt werden kann. Das war das erste Projekt, das so richtig für Aufsehen gesorgt hat und hinter dem auch eine Menge Investitionskosten stecken. Irgendwann ruft mich unser Auftraggeber an und meint, dass ein paar Kunden sagen: »Der Hocker kippt zu leicht.« Ich meinte zu ihm: »Ach nein, der kippelt nicht, der ist ok so.« Eine Woche später bekomme ich die Nachricht, dass der Hocker keinen t ü v bekommen würde. Ich habe ein halbes

Jahr gebraucht, um zu akzeptieren, dass ich das Ding einfach falsch entworfen habe. Die Frage war: »Was machen wir jetzt?« Es war eine Katastrophe, weil wir für den Hocker ein extra Werkzeug angefertigt hatten das viel Geld kostet. Daraufhin habe ich meinen Auftraggeber angerufen und ihm gesagt, dass er einfach Recht hatte. Und er meinte dann: »Mach es noch einmal. Dann investieren wir das Geld erneut und gehen damit zum t ü v und wickeln es ab.« Wir sind also zum t ü v und haben uns die Norm geholt. Wir haben ein neues Werkzeug gemacht und den Hocker anschließend auf der k ö l n e r m ö b e l m e s s e vorgestellt. Er ist jetzt ein wenig höher – dadurch kann man auch besser am Tisch sitzen. Er schaut auch viel besser aus und wenn man ›draufsteigt‹ fühlt man sich sicher. Man kann auf dem Ding jetzt tanzen und nichts passiert. Das war eine echte Erleichterung, da ich Angst um das Projekt hatte. Aber unser Auftraggeber war einfach so cool und sagte: »Let’s do it«, weil er an das Projekt glaubte.


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→

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↘ Wach bleiben ↗ Schlafen (64, männlich) ↘ Ich höre so schlecht ↗ Schreinern (82, männlich) ↘ Schwimmen gehen ↗ Blumen züchten (79, weiblich) ↘ An der Diplomatie ↗ Ich kann schnell das wesentliche erkennen (65, männlich) ↘ Brot backen ↗ Kuchen backen (83, weiblich) ↘ Scheitern ↗ Erfolg

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↘ 99 Luftballons ↗ Luftballons ↘ Donald Trump ↗ Water pump ↘ Helene Fischer ↗ Betonmischer ↘ Konsumverhalten ↗ Händchenhalten ↘ Erwin Rommel ↗ Erste Trommel ↘ Haferbrei ↗ Abschaffung der Sklaverei ↘ Homophobie ↗ LGBT ↘ Like Geilheit ↗ Deutsche Einheit ↘ Wassermangel ↗ Aluminiumangel ↘ Scheitern ↗ Erfolg

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›SCHEITERN‹ BIG TIME

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Um noch einmal unseren Standpunkt zu betonen, dass ›Scheitern‹ nichts Schlimmes ist und wie banal eigentlich jegliche unserer ›Ängste‹ sind, haben wir dieses Kapitel mit aufgenommen. Gleichzeitig kommen wir hier zu einem Ende unserer Auseinandersetzung mit ›Scheitern‹.

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Wie bereits im bisherigen Magazin gezeigt, ›scheitert‹ jeder Einzelne von uns. Auf einer mehr oder weniger persönlichen Ebene. Es gibt aber auch noch ein ganz anderes Level von ›Scheitern‹, das auf Aktionen der Menschheit zurückzuführen ist. Das uns alle gleichermaßen betrifft oder betreffen wird.

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Das Selbstverständlichste dieser Themen dürfte ›Klimawandel‹ sein. Steigende Meeresspiegel, Dürre, Hurricanes, Klimakriege, Hungersnöte… Die Liste ist lang.

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Mittlerweile ist die ›Agrarwirtschaft mit Zuchttieren‹ ein Hauptproduzent von Treibhausgasen. Diese macht heute mehr als alle Verkehrsmittel der Welt kombiniert aus.


In den nächsten Jahren wird uns ›künstliche Intelligenz‹ eine der größten Schwierigkeiten bereiten. Wenn eine ›Artificial Intelligence‹ weit aus klüger als ein Mensch wird, haben wir nicht mehr unbedingt die Kontrolle darüber, was geschehen wird. Um es sehr, sehr verhalten zu formulieren. Es kann aber auch einfach zu einem ›Atomkrieg‹ kommen. Get out with a bang. Warum hat es sich wohl Elon Musk mit s pa c e x zum Ziel gemacht, ein Backup der Menschheit auf einem anderen Planeten ( m a r s ) zu erstellen? So abstrakt wie diese Themen für die meisten von uns sind, haben wir auch die Umsetzung des Kapitels gewählt – ›Illustration‹. So lange man sich mal Gedanken dazu macht, ist es ja schon ein Anfang.

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PORTR A IT

Foto-, Industrie- und Kommunikationsdesign. Die einen fotografieren Vasen und nackte Menschen, die anderen illustrieren oder arbeiten mit Typografie und wieder andere designen Autos aus Clay oder Pfeffermühlen aus Holz. Wir meinen zwar zu wissen, was unsere Kommilitonen so treiben, doch welche Interessen oder Hobbys sie abseits des Studiums verfolgen, bleibt außen vor. Wer sind diese Leute? Welche Charaktere machen unsere Fakultät aus? Wir machen es uns künftig zur Aufgabe, diese stillen Talente in unserem Magazin vorzustellen und sie dadurch einer breiteren Öffentlichkeit zu zeigen. Den Anfang machen Lucas und Zac, die in zwei verschiedenen Handwerken ihrer Leidenschaft nachgehen.

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Z

A

C

Surfen, snowboarden, im Van durch neuseeland reisen und in den Tag hinein leben. Der 22-Jährige Neuseeländer, der gerade sein Erasmus-Jahr an unserer Fakultät beendet hat, kann aber auch anders. Die letzten Monate hat Zac Imhoof in der Werkstatt verbracht und an seinem Projekt, einem ›Snowsurf Board‹, gearbeitet. In die Natur zieht es ihn aber trotzdem immer wieder, um seine selbstgebauten Boards auf die Probe zu stellen. 62


Portrait

doc . m ag a z i n e : Zac, can you tell us why

you chose to study design? Zac: After school, I didn’t really know what I wanted to do, so I took a year off and went to australia. A few of my friends went to ›polytech‹, which is basically like the free or the cheap university, with lower calibre teaching. So I was going to do that and live a ›hippie life‹ or something. But then I started working in a web design company and a guy there did the same as me. He told me that while I am young, I should get the experience and learn how to draw and design in order to later decide if I want to have a corporate job or one where I can use my knowledge and my skills and have fun. So I’ve been in wellington for three years and will go back to do my bachelor, where I was thinking of doing the internal or a modular for a camper van. That’s kind of what I want to do – a few years, just living in a van and going around freelancing.

doc . m ag a z i n e : And snowboarding?

Zac: Yeah. I’ve been snowboarding for 19 years. I’ve always done that. I’m from queenstown, on the south island of new zealand, which is the Mecca for snowboarding, extreme sports and stuff like that. My mom and my dad were both snowboarders and met coming to new zealand to snowboard and then they started a company doing tourism and stuff. My dad often took me with him on the mountain. He is the one who taught me everything. So I’ve grown up snowboarding in the back country, but also did a bit of park stuff. I’ve hurt myself quite a lot and had a few broken bones. I actually hurt myself last night, trying to do some urban stuff.

doc . m ag a z i n e : Urban stuff?

Zac: Yeah, we were trying to set up a gap at olydorf. It was one story high through a normal stairway and then on to a little bank. We used a bungy back with rubber-

band which I held on to, but it didn’t have enough speed. So I hit this concrete thing, did a front-flip and landed on my back on the ground. doc . m ag a z i n e : Are you alright now?

Zac: No… (Laughs) It just happened last night. But I think it’s just bruised. And I just enjoy the process of learning to snowboard again.

doc . m ag a z i n e : Speaking of learning,

you are designing a ›Snowsurf Board‹ for a project here at university. What was your inspiration for that? Zac: There are a few companies that do similar things and they’ve all taken different routes; I guess depending on their background. The one that I based mine on is from a guy in austria, Wolfgang Nyvelt. He got ›Snowboarder of the Year‹ a few years ago so he’s a really good snowboarder. He’s also a surfer, and he wanted to introduce the feeling of surfing into snowboarding and that’s exactly what I wanted to do. doc . m ag a z i n e : How does that work?

Zac: It started with a surf board I did a few months ago with a friend and now I wanted to transfer that to powder snow and came up with the idea of a snowboard without bindings. Powder is really different from packed snow. It’s much more similar to water because it has more flow. I tried it on packed snow, but it didn’t work at all because it is too two-dimensional. My snowboard needs a few inches of snow to grab on to. When I took my board up the mountain it was quite nice. I was just hiking for ten minutes. Usually if I had my snowboard and I went for a hike, that run wouldn’t be enough. I would always want something steeper or something to jump off. With this though, a mellow gradient and nice snow is all you need. And then it’s a lot more

difficult without bindings. Normally when you’re snowboarding, you use your toes and your heels and you’re lifting and pushing, but you’re able to do that because your feet are strapped in. So without bindings you have to use your whole body to turn, instead of just your feet. When you do a turn it’s so much more satisfying, because you have to throw your body and legs into it. So that’s what’s good, it’s like a whole new learning curve. doc . m ag a z i n e : So no bindings and

powder snow… Zac: Another advantage of powder snow is you can snowboard anywhere and don’t have to share a slope with hundreds of tourists or pay for expensive passes. That’s also what got me into my project. I thought it would be nice to just catch a bus to the next local town, go for a hike anywhere in the mountains and snowboard.

doc . m ag a z i n e : Is this why you came

to m u n ich ? Zac: Yeah. I looked at all the other places I could go and I realized that munich has the ›wave‹ for surfing and then it had the alps for snowboarding and everything else. It’s the perfect location. In new zealand it’s also much harder to get all the materials and stuff like that. Here I have access to all these big pieces of foam and cheap veneers. Whereas back home you would need to ship everything from america or somewhere else, which is ridiculously expensive. Here I can experiment with all kinds of materials, as you can see on some older models I’ve made. It took me some time and failures to find the right materials to use.

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doc . m ag a z i n e : Would you say that

›failure‹ is an important part of the designing process? Zac: Sure! I think failure and experimenting go hand in hand. I’ve noticed that most of the German students here work much more on their computers before starting

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to test things and to build prototypes. The danger with that is if you end up realizing that your first idea isn’t working, you might have to start all over again. I prefer the hands on approach and try to go as fast as possible to the building part.

Usually I just make a drawing to figure out the shape and then immediately proceed to the trials and mistrials. I’ve had people tell me »Why are ›you‹ making it? You are the designer, not the craftsperson. You can always outsource it and get someone else to make it«. But I think if you want to design


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»I think, if you want to design something, you should have a really good knowledge of what the materials can and can’t do.«

something, you should have a really good knowledge of what the materials can and can’t do. doc . m ag a z i n e : Do you plan on doing

this on a professional level and selling your surf and snowboards one day?

Zac: No, not really. It’s more like a hobby for me. I will take the board back home to new zealand and have it for the next five years maybe, see what I can do with it and improve it. It’s really about always coming up with new ideas. I also tried to do an ›asymmetrical‹ board. It gives you a lot more

possibilities in the design and you can experiment a lot more. But It also means a lot more testing and fine-tuning, which I won’t have the time to do.

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doc . m ag a z i n e : Your year abroad is al-

most coming to an end, what has been the biggest difference for you between ger m a n y and n ew z e a l a n d ? Zac: The biggest problem for me is not speaking German. Usually It’s quite easy for me to start a conversation and I like 68

approaching people. But here I find it more difficult, since I often can’t find the right words. My ›workshop German‹ and ›food German‹ are the best, because they’re the only scenarios I’m forced to use it (laughs). doc . m ag a z i n e : Thank you, Zac.


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Surfing or Snowboarding? Snowboarding WeiĂ&#x;wurst or Currywurst? Currywurst Rugby or Football? Rugby Beer or Wine? Beer Radio or Television? TV mercedes

vw

or v w ?

Adele or Taylor Swift? T-Swizzle bu rton or n itro ?

nitro

n e t f li x

or

you t u be ?

youtube

Dieter Rams or Jonathan Ive? Dieter Rams 69


L

U

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Eigentlich hat sich Lucas Bergmßller der Modefotografie verschrieben. Doch abseits der Kamera bastelt der 20-Jährige als Teil eines Produzententrios auch noch an neuen Tracks und ist deutschlandweit und auch international als DJ unterwegs. Wir haben ihn gefragt, wie er es schafft, Studium und Hobby zu verbinden. 70

S


Portrait

doc . m ag a z i n : Hi Lucas! Wieso hast du dich entschieden Fotodesign zu studieren? Lucas: Das war relativ klar. Alles andere kam schon seit der Schulzeit nicht in Frage. Also blieb noch Fotografie oder Musik. Für Letzteres müsste man Noten lesen können und fotografiert habe ich schon immer unfassbar gerne und hier habe ich ein offenes Feld gefunden, in dem ich mich austoben kann. doc . m ag a z i n : Wie kamst du dazu

Musik zu machen? Lucas: Im Prinzip habe ich den klassischen Weg gewählt. Ich habe schon früh angefangen Schlagzeug zu spielen und hatte dann auch die erste Band. Relativ kurz danach habe ich dann auf House-Parties mit einem ›USB-Controller‹ aufgelegt und dann später Jens und Vincent kennengelernt und somit angefangen elektronische Musik zu produzieren!

doc . m ag a z i n : Was haben aus dein-

er Sicht Musikmachen und Fotografie gemeinsam? Lucas: In erster Linie ist für mich beides eine Ausdrucksform. Das heißt, man produziert Musik oder Fotostrecken, um sich selbst auszudrücken, um die eigene Sicht und Gefühl zu vermitteln. Das geht für mich 100 % einher. Videos oder Musik sind fast immer die Inspiration für meine Fotos. doc . m ag a z i n : Wer sind v eli x v i wo ?

Lucas: veli x viwo, dass sind Jens, Vincent und ich. Nachdem Jens und Vincent in der Indieband newandforsale zusammen spielten, gründete Jens mit mir zusammen das Projekt veli. Vincent fing etwas versetzt mit dem Projekt viwo an, elektronische Musik zu machen. Nach ca. zwei Jahren und einem Remix von viwo für

veli fanden wir wieder zueinander und machten diverse Clubsongs sowie eine ›EP‹ namens dew. Momentan arbeiten wir an einem Album. doc . m ag a z i n : Wie unterscheidet sich

eure Musik von anderen? Wie würdest du euren Stil beschreiben? Lucas: Ich denke wir sind sehr vielfältig und ich könnte uns jetzt garnicht in eine Schublade schieben. Wir spielen von ›bouncigem Sound‹ bis hin zu ›Garage-House‹. Eigentlich alles, was geil ist, aber auch ›Disco‹und ›Technotracks‹ sind fester Bestandteil unseres Repertoires.

doc . m ag a z i n : Ist es für dich einfach-

er zu dritt zu produzieren als alleine oder steht man sich dann manchmal gegenseitig im Weg? Lucas: Ich denke es macht schon einen großen Unterschied, ob man alleine oder zu dritt produziert. Es hat beides seine Vorund Nachteile. Wenn man alleine produziert, ist man zwar sein eigener Herr und niemand redet einem rein, aber man hat nicht den wichtigen Austausch. Klar gibt es Streitereien über kleinste Teile des Stückes, die dann vielleicht eh keiner hört. (Nehmen wir jetzt diese ›closed HiHat‹ oder doch lieber die andere?) Aber oftmals geben diese Diskussionen dem Track genau den Stoß in die bessere Richtung. Grundsätzlich kann man sagen, dass es bei drei Leuten ein größerer organisatorischer Aufwand ist alle zusammenzubringen. Gleichzeitig bringen aber drei Leute auch mehr Wissen, Talent, Können und Erfahrung mit.

doc . m ag a z i n : Ihr legt auch auf. Wo

kann man euch denn sehen und hören? Was war euer Lieblingsgig bisher? Lucas: Das kong war bis zur Schließung im Februar auf jeden Fall unser Wohnzimmer. Die vielschichtigen Künstler/Sets, die wir hier gehört haben und mit denen wir spielen durften, haben uns sicherlich geprägt! Aber auch im vlkova 26 in prag hatten wir zwei unfassbar spaßige Abende, aus denen sich eine ›Residency‹ entwickelt hat, mit dem Namen munic disco!

doc . m ag a z i n : Was ist das peinlichste,

was euch beim Auflegen mal passiert ist? Lucas: Das Übliche eigentlich. Herausgezogene Netzteile und das gleich mehrmals hintereinander oder aus Versehen einen neuen Track geladen und dann ist die Musik abrupt aus. Aber abseits von technischen Pannen ist mir zum Glück nichts schlimmes passiert.

doc . m ag a z i n : Macht euch das Aufle-

gen immer spaß oder müsst ihr euch manchmal dazu zwingen (z. B. fürs Geld)? Lucas: Nein, es macht immer Spaß. Sonst würden wir es ja nicht tun! doc . m ag a z i n : Was gefällt euch an der

›Münchner Clubszene‹ und was nicht? Lucas: Dass der musikbegeisterte Zuhörer eine große Auswahl an interessanten Partys hat. Das bringt aber natürlich auch eine gewisse Kommerzialisierung mit, die mal mehr, mal weniger stört.

doc . m ag a z i n : Danke Dir, Lucas.

doc . m ag a z i n : Wie lange braucht ihr,

um ein Lied zu produzieren? Lucas: Das ist komplett unterschiedlich und das kann man nie genau sagen. Es gibt produktivere und unproduktivere Tage. 71


»Videos oder Musik sind fast immer die Inspiration für meine Fotos.« 72


oder

pc oder m ac ? mac

schall i ’m schilf

i ’ m schilf ?

woods oder sch a ll

b ack to t h e

canon

ca non oder n ikon ?

a llen  & h e at h

oder pion eer ?

a llen  & h e at h

Bier oder Cocktail? fc bayern

Miley Cyrus oder Helene Fischer? Miley

Blind oder Taub? Taub

Analog oder Digital? Analog

münchen

ber li n ?

m ü nch en

›House‹ oder ›Techno‹? Beides

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Industriedesign N° 01 – 17 Kommunikationsdesign N° 18 – 42 Fotodesign N° 43 – 59

Kommunikationsdesign

STUDENTISCHE ARBEITEN

Alle Arbeiten aus diesem und aus den letzten zehn Semestern gibt es auch unter: docmagazin.de/studentische-arbeiten

Redaktionsschluss 17.02.16 11 Uhr – Alle bis dahin eingereichten Arbeiten sind abgedruckt

Beschreibungen im Anschluss


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SchamloS

Wie Tiere leckten wir uns und fanden später satt und matt mit selbiger Zunge zivil geordnete Wörter, erinander die Welt zu erklären: den Anstieg der Benzinpreise, die Mängel im Rentensystem, das Unbegreifliche der letzten Beethoven-Quartette

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Plakat am Start

Für das Abschlussprojekt in Typografie habe ich zwei Plakate zu fiktiven Ausstellungen, der bereits verstorbenen Industriedesigner Harry Bertoia und Alvar Aalto gestaltet. Dabei bin ich von den jeweils wohl bedeutendsten und signifikantesten Entwürfen der Designer, der s a v o y - v a s e und dem d i a m o n d - c h a i r ausgegangen und habe, auf Grundlage verfremdeter Darstellungen dieser Klassiker, die verschiedenen Informationsebenen ausgerichtet und angepasst. ↳ Tobias Trübenbacher 1. Semester Typografie Prof. Xuyen Dam

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Stefan Diez

Entwürfe eines Ausstellungsplakates über den Industrie-Designer Stefan Diez.

↳ Adrian Mühlbauer 1. Semester Typografie Prof. Xuyen Dam

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my special thing Für das Abschlussprojekt in Fotografie galt es, einen neuwertigen Gegenstand abzulichten, der uns begeistert. Wir entschieden uns für eine rote Kaffeemaschine der Marke  n e s p r e s s o . Diese fotografierten wir im Studio auf realistische,

dynamische und freie Weise und versuchten das Produkt hochwertig und materialgetreu zu präsentieren. ↳ Anja Lietzau Tobias Trübenbacher 1. Semester Produktfotografie Renate Gress

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zam‘gsteckt

Mit i l l u s t r at o r zeichneten wir verschiedene organische Formen, die später mit einem Lasercutter aus Holzplatten ausgeschnitten wurden. Entstanden ist somit ein Spiel aus verschiedenen zusammensteckbaren Holzteilchen, bei dem es vorrangig darum geht, nach Möglichkeit den höchsten Turm zu bauen, der frei und ohne zusätzliche Stützen im Raum steht. ↳ Jacques Zians Tobias Trübenbacher Anna Pittrich 1. Semester Interaction Design Prof. Matthias Edler-Golla

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white-woolwadding-wire In dem Projekt habe ich den Versuch unternommen, die Phänomene ›Laut und Leise‹ in abstrakte Strukturen aus Draht und gesponnener oder ungesponnener weißer Wolle zu übersetzen. Mit zunehmender Einarbeitung in das Thema entwickelten sich verstärkt Assoziationen an lebende Organismen, die ich bewusst aufgriff, vertiefte und damit spielte.

↳ Tobias Trübenbacher 1. Semester Gestaltungsgrundlagen Prof. Ben Santo

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Pfeffermühle

Diese Pfeffermühle besticht durch ein neuartiges Bedienungskonzept, in welchem der Kopf im Gegensatz zu normalen Mühlen nicht gedreht wird, sondern der Korpus. Der Kopf ist so geformt, dass er optimal in der Hand liegt und beim Umgreifen einen sicheren Halt bietet. Der Korpus der Mühle besteht aus Edelstahl, der Griff aus Birnenholz. ↳ Fynn Eckstein 3. Semester Ergonomie Prof. Marion Kießling

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Wan

›Wan‹ (chinesisch für Schale) ist eine elektrische Pfeffermühle die sich durch Kippen aktiviert. Sobald die Mühle einen bestimmten Neigungswinkel erreicht hat und sich der Pfeffer in der Nähe der Mahlzähne befindet, schaltet sich der Motor automatisch ein und man schüttet frisch gemahlenen Pfeffer aus der Mühle. Sie weist keinerlei Bedienelemente wie Schalter oder Knöpfe auf, trotzdem lässt sich ihr Funktionsprinzip durch die Schalenform schnell und einfach verstehen. Im Kontrast zu ihrem schlichten Äußeren steht ein komplexes Innenleben. ↳ Lukas Heintschel 3. Semester Ergonomie Prof. Marion Kießling

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PepperOne

Die Einfachheit des Würzens. Ein Griff zur Mühle. Ein Knopfdruck,

um das Essen auf dem Teller zu würzen. Ein tiefer Druck, um Körner nachzugeben. Einmal abstellen, um die Form wieder zu schließen. ↳ Jonas Rall 3. Semester Ergonomie Prof. Marion Kießling

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Puderzuckermühle Dieses Küchengerät macht aus grobem Kristallzucker feinen Puderzucker. Zuerst wird der Kristallzucker eingefüllt. Der Deckel wird geschlossen und die Mühle wird per Knopfdruck aktiviert. Im Inneren zerkleinern Schlagmesser mit 7000 Umdrehungen pro Minute den Kristallzucker. Nach einigen Sekunden kann der Deckel abgenommen und die Mühle umgedreht werden. Der fertige Puderzucker fällt auf das Sieb im Inneren und kann nun herausgestäubt werden. Der längliche Knopf an der Außenseite verhindert, dass der Puderzucker lästig herausgeschüttelt werden muss. Durch bequemes Drücken wird das Sieb in Schwingung versetzt und der Staubzucker rieselt zielgerichtet hindurch. Der fertige Puderzucker kann nun in der Mühle aufbewahrt werden. ↳ Carolin Kunert 3. Semester Ergonomie Prof. Marion Kießling

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Die Dosiermühle Durch Drehen des oberen Holzelements im Uhrzeigersinn bzw. Gegeneinanderbewegen von Korpus und

Drehteil wird das Mahlgut im Inneren zerkleinert und fällt in das transparente Auffangbehältnis an der Unterseite der Mühle, das mehrere Funktionen hat. Durch senkrechtes Halten der Mühle beim Mahlen kann der gemahlene Pfeffer gesammelt und die Menge eingeschätzt werden. Der geschlossene Boden der Mühle verhindert außerdem ein Verschmutzen der Unterlage durch Pfefferreste beim Abstellen und beim Gebrauch am Herd, Eindringen von feuchtem Dampf und die Bildung von Kondensat im Inneren. Der Benutzer hat außerdem die Möglichkeit, eine gewisse Menge Pfeffer auf Vorrat zu mahlen. Wird die Mühle geneigt, kann der Pfeffer direkt aus den seitlichen Schlitzen auf das Essen ausgegeben werden. ↳ Teresa Naujokat 3. Semester Ergonomie Prof. Marion Kießling

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Vogelschmaus

Ein kostengünstiges Vogelhaus, welches für die saisonale Haltbarkeit von einem halben Jahr angelegt ist und anschließend kompostiert werden kann. Daher besteht das Haus aus natürlichen, abbaubaren Werkstoffen. Die mit Bienenwachs beschichteten ›Kraftplexplatten‹ werden nach dem Steckbauprinzip zusammengefügt. Die weiß grundierten Einzelteile können durch den Kunden auf Wunsch individuell gestaltet werden. Hierzu


empfehlen sich z. B. Wachsmalkreiden. Die Herstellung der einzelnen Platten ist durch die Materialwahl einfach und kostengünstig. Zielgruppe sind alle, die Spaß daran haben, ein Vogelhaus selbst zu bauen und zu gestalten. ↳ Lukas Heintschel Anja König Carolin Kunert 3. Semester Modellbau Prof. Florian Petri

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Kabon ›Ein Vogelfutterhaus‹ Unser Ziel war es, ein Vogelfutterhaus ohne umweltschädliche Werkstoffe als Bestandteil zu entwerfen und diese langlebig mit modernen Materialien zu verbinden. Die Oberfläche erhält ihre Struktur und schwarze Farbe durch eine japanische Technik zum haltbarer machen von Holz. Das Holz wird dabei verbrannt und ist dadurch witterungsbeständig. ↳ Andreas Siegfried Leander Holz Teresa Naujokat 3. Semester Modellbau Prof. Florian Petri

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One Movement

Wie der Name schon sagt, reicht eine Bewegung, um dieses Vogelfutterhaus aus der Verpackung zu nehmen und aufzuhängen. Durch eine Schnur-Konstruktion werden zwei Holzplatten aneinander gezogen, eine Schale für Körnerfutter öffnet sich. Die einzelnen Flächen sind in verpackter Form ineinander gelegt.

↳ Alexander Uedelhoven Zac Imhoof Jonas Rall David Wunderlich 3. Semester Modellbau Prof. Florian Petri

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Sputnik (Fr)Eierfall – eine Konstruktion Die Aufgabe bestand darin, eine Konstruktion zu entwickeln mit der ein rohes Ei den Sturz aus dem vierten Stock unversehrt übersteht. Unser Ziel war es das das Ei bei ungebremsten Fall heil bleibt. Der Fokus lag auf den verwendeten Materialien. Stoßabsorbierender Schaum und ein Leitwerk werden mithilfe von 3D-gedruckten Wiederhaken zusammen gehalten. ↳ Luca Gabriel Leander Holz 3. Semester Modellbau Prof. Florian Petri

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Easy Walk

ist ein körperunterstützendes Fortbewegungsmittel, welches auf dem Prinzip eines ›Segways‹ beruht. Es bietet zwei verschiedene Fortbewegungsmodi, den Ruhemodus für längeres stehen und langsames fahren und den Aktionsmodus, bei welchem man sich ähnlich wie mit Inlineskates sich in einer Gleitbewegung fortbewegt. e asy walk

↳ Adrian KönigRannenberg 5. Semester Human Enhancement Prof. Marion Kießling

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AB-XO Jacket

Die a b - x o j a c k e t ist ein aktives Sicherheitssystem für Radsportler, das bei Unfällen und Stürzen schlimmere Konsequenzen verhindert und den Aufprall abschwächt. Derzeitige Schutzmöglichkeiten beschränken sich überwiegend auf passive Systeme, welche die Geschwindigkeit, Beweglichkeit und Freiheit des Radsportlers nicht gewährleisten. Die a b - x o j a c k e t besteht aus drei Elementen, dem ›Core Layer‹, der ›Airbag-Weste‹ und dem ›Outer Shell‹, die zusammen eine sichere Einheit bilden. ↳ Thomas Reithmeier 9. Semester Human Enhancement Prof. Marion Kießling

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Figuren im Raster Die Figuren wurden frei gezeichnet. Danach wurden sie durch diverse Raster und den Goldenen Schnitt (Proportionsverhältnis 1 : 1,618) in sich geordnet bzw. proportional harmonisiert. Am Ende wurde eine kleine Auswahl der Figuren digital ausarbeitet und 3D gedruckt.  ↳ Lorenz Noelle 7. Semester Raster/Rythmus Prof. Ben Santo

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David Shrigley

Die Broschüre handelt von dem britischen Künstler David Shrigley, der vor allem durch seine kindliche Malweise bekannt wurde. Inhaltlich erfährt der Leser einiges über seine Person, seinen Zeichenstil und seine Arbeiten. Dabei wurden einzelne Zitate optisch hervorgehoben, Fragen durch Unterstreichungen gekennzeichnet und Illustrationen inhaltlich abgestimmt. ↳ Esther Jakob 1. Semester Typografie Prof. Xuyen Dam

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Typografie

Interview mit Santiago Sierra – gesellschaftskritischer Künstler. Das Interview basiert auf seinem Kunstprojekt › n o ‹. ↳ Sophie Engert 1. Semester Typografie Prof. Xuyen Dam

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Layout eines Interviews Layout eines Interviews mit dem belgischen Illustrator Anton van Hertbruggen. Inteviewquelle: www.itsnicethat.com. Typografische Gestaltung in Text und Bild. ↳ Eva Kellner 1. Semester Typografie Prof. Xuyen Dam

Kom21 munikationsdesign

Laut und Leise

Die Abschlussarbeit beschäftigt sich mit ›Laut und Leise‹ anhand abstrakter Formen, die mittels Taschenlampe und

bemalter Folie entstanden sind. Mittels Kopiergeräuschen und der entstandenen Kopien wurde der Kopiervorgang animiert bei denen einzelne Sequenzen gezeigt werden. ↳ Esther Jakob 1. Semester Gestaltungsgrundlagen Prof. Ben Santo

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Laut und Leise durch Metamorphose Die Verfremdung der Formen von Federn durch Kopieren, Vergrößern, Überlagern und Hinzufügen. ↳ Eva Kellner 1. Semester Gestaltungsgrundlagen Prof. Ben Santo

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Laut und Leise durch Zufall und Absicht In meinem Projekt stelle ich ›Laut und Leise‹ durch zwei Methoden dar: Zufall und bewusstes Steuern. Hierfür nutzte ich einen Kohlstrunk als Stempel (zufällige Elemente) und fügte gezielt gesetzte Elemente in Form von gezeichneten Linien oder Bildbearbeitung hinzu. Hierbei sollten manche Seiten ›leise‹ gestaltet sein und andere einen ›lauten‹ Eindruck erwecken. ↳ Jennifer Oswald 1. Semester Gestaltungsgrundlagen Prof. Ben Santo

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Laut und Leise anhand zufälliger Strukturen Die zufälligen Strukturen lösen sich zu ruhigen Freiräumen auf


oder verbinden sich zu amophen Formen, welche an die Oberflächenbeschaffenheit von Planeten erinnern. Diese entstanden durch marmorieren mit schwarzer Ölfarbe und Wasser auf unterschiedlichen Papieren. ↳ Susanne Mulach 1. Semester Gestaltungsgrundlagen Prof. Ben Santo

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Fläche und Linie in Chaos und Ordnung Bei jeder Arbeit bilden Linien ein vorgegebenes Rechteck, wobei an manchen stellen diese Linien frei ausbrechen und ihre vorgegebene Laufbahn verlassen. Durch die Überschneidungen der Linien, entstehen neben der schon vorhandenen Rechteckfläche auch noch freie Flächen. Diese werden dann durch Farbe hervorgehoben, eingegrenzt oder sogar frei definiert. ↳ Yasin Ittlinger 1. Semester Gestaltungsgrundlagen Prof. Ben Santo

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Balkonverschnitt Mein Thema bei ›Laut und Leise‹ beschäftigt sich mit der Collage. Speziell dazu nahm ich Fotos von Häusern, die im o ly m p i a z e n t r u m stehen. Einige Partien von den jeweiligen Gebäuden schnitt ich aus, um sie zu neueren Formen zu stappeln. ↳ Vira Ronkina 1. Semester Gestaltungsgrundlagen Prof. Ben Santo

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Reizüberflutung

Internet. Fernsehen. Werbung. Millionen von digitalen und analogen Reizen brechen Tag für Tag auf uns herein. Unser Gehirn kann kaum noch zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen unterscheiden. Ein möglicher Lösungsansatz wäre beispielsweise ein kurzer Urlaub ohne Medien im Grünen. ↳ Maximilian Nemetz 1. Semester Gestaltungsgrundlagen Prof. Ben Santo

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Laut und Leise durch analoge und digitale Modifikation von Knete. Um das Thema ›Laut und Leise‹ visuell in meiner Semesterarbeit umzusetzen, bediente ich mich handelsüblicher Knete, welche ich mit verschiedenen Werkzeugen verformte und anschließend bei unterschiedlicher Belichtung fotografierte. Die digitale Modifikation fand ausschließlich in a d o b e p h o t o s h o p statt. ↳ Nikolai Naidenow 1. Semester Gestaltungsgrundlagen Prof. Ben Santo

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PortfolioWebsite Programmieren einer eigenen Website, die das Portfolio zeigt. ↳ Katharina Buchhauser 3. Semester Webdesign Prof. Matthias Edler-Golla

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Kachingo

ist eine Suchmaschine mit Gewinnchancen. Bei jeder Suchanfrage hat der Benutzer die Chance, den Jackpot zu knacken, der sich durch Werbeeinnahmen finanziert. Die meisten Menschen stehen Gewinnspielen skeptisch gegenüber, deshalb hilft die Kooperation mit dem etablierten Unternehmen p ay p a l Vertrauen und zu schaffen. ↳ Julien David Hoffmann Verena Pues 3. Semester Branding Manuel Trüdinger k achingo

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Nom Nom Nom

ist eine Suchmaschine, die nach Rezepten sucht. Die Suchmaschine ist für User, die nicht genau wissen, was sie essen wollen aber wissen, wie es sich anfühlen soll. Im Zentrum der Suchmaschine steht der Suchfilter. Die Suchparameter sind dabei visuell abstrahiert dargestellt, so entstehen beim Nutzer verschiedene Assoziationen. ↳ Matthias Herberg Katharina Buchhauser Hanna Braun Lisa Früchtl Veronika Grenzebach 3. Semester Branding Manuel Trüdinger nom nom nom

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Word Wide Science

world wide science

ist eine Suchmachine für wissenschaftliche

Texte. Bei der Umgestaltung war uns wichtig, dass die Seite die Zielgruppe anspricht und die Inhalte durch die Gestaltung klar strukturiert werden. Farblich haben wir uns auf eine Palette von drei Farben beschränkt, die das Wissenschaftsthema wiederspiegeln und dabei den User der Seite nicht vom eigentlichen Kontent ablenken. Das neue Logo von w o r l d w i d e s c i e n c e setzt sich aus dem Hauptschwerpunkt des Inhalts zusammen, dem wissenschaftlichen Paper. Das Logo wird von uns sowohl als Bildmarke als auch als Wortmarke genutzt. Diese Kombination ermöglicht uns ein Individuelles Bild auf Visitenkarten und dem Briefpapier von w o r l d w i d e s c i e n c e . Neben der Gestaltung der Desktopversion haben wir ein mobiles Layout entwickelt und uns dabei auf die Kernfunktionen der Suchmaschine beschränkt: ›Suchen‹ und ›Pinnen‹. ↳ Dominik Wierl Katja Niggl Marie Urbin Melanie Pfnür 3. Semester Branding Manuel Trüdinger

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Suchmaschine der Fakultätsbibliothek Die Idee ist, eine Suchmaschine für die fakultätsinterne Bibliothek zu gestalten. Was kann gesucht werden? Es ist möglich nach Titel, Schlagwort, Autor und Fachrichtung zu suchen. Dabei werden die Bücher gleichzeitig

in vier Kategorien unterteilt: Produktdesign, Grafikdesign, Fotografie und Wissenschaft. Auf der Startseite kann man neben der Suche direkt auf vorgeschlagene Listen zugreifen, u. A. ›Neuerscheinungen‹ und ›Buch des Monats‹. Bei erfolgter Suche besteht die Möglichkeit, die Suchergebnisse nochmals nach Empfehlungen der Professoren, Rubrik und Medium zu filtern. Außerdem gibt es die Möglichkeit, das Buch zu reservieren oder dieses auch über einen externen Link zu kaufen. Damit sich die Bibliothekssuche in die Fakultätsseite eingliedert, wurde das Design übernommen. ↳ Maria Bermúdez Ewelina Bialoszewska Aleksandra Desenko Max Häckl Vanessa Will 3. Semester Branding Manuel Trüdinger

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Frolic Plakat

Das gesamte Plakat ist wie ein Memoryspiel aufgebaut, bei dem der ›Ringo‹ als Lösung übrig bleibt bzw. zusammen mit dem farbigen Logo als Werbebotschaft hervorgehoben ist. ↳ Katharina Buchhauser 3. Semester Kreativitätstraining Zeljko Pezely

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Reflecting Shelter

Das r e f l e c t i n g s h e l lenkt die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf das, was wir

ter


nicht sehen wollen. Flüchtlinge und Obdachlose die auf der Straße schlafen müssen. Das ›Shelter‹ erregt Aufmerksamkeit und reflektiert dabei die Reaktion der Passanten. Es sticht aus dem konformen Stadtbild heraus. Es versteckt die Realität nicht hinter Wänden, sondern reflektiert sie auf seiner Fassade nach außen. Die Module sind leicht zu transportieren indem sie mit einem Gurt zusammengeschnallt und wie ein Rucksack getragen werden. Das ›Shelter‹ ist aus leichten und resistenten Materialien wie Holz sowie Acrylund Plastikplatten gefertigt. Die Struktur stützt sich selbst und kann zusätzlichem Gewicht ohne Problem standhalten. Das Gesamtgewicht bei einer Länge von 180 cm beläuft sich auf weniger als 7 kg. Der zügige Auf und Abbau, die leichten Materialien und die einheitlichen Module erleichtern den Transport und Umzug des ›Shelters‹. ↳ Daniel Parnitzke 7. Semester Freies Projekt design academy eindhoven

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Logo unchained 1 Thema, 3 Ansätze, 30 Studierende, 270 Logos. Intensivtraining zur Methodik der Zeichenentwicklung im Corporate-Design. Die Studierenden entwickelten in schneller Folge Logos und Wort / Bildmarken für eine selbst gewählte

humanitäre Organisation. Die Rahmenbedingungen und inhaltlichen Ausrichtungen für den potentiellen Auftraggeber änderten sich mehrfach und damit auch die Anforderungen an die Aussagekraft des Logos. Die Logoentwicklung musste für die jeweilige inhaltliche Ausrichtung in kurzer Zeit abgeschlossen werden. Pro Ausrichtung wurden drei Entwürfe entwickelt und als A 1 Plakat ausgedruckt. Somit entstanden rund 270 Logos zu den Ausrichtungen: ›Dynamik‹, ›Kontrast, ›Raster‹, ›Typografie‹, ›Labilität‹ und ›Leichtigkeit‹. ↳ 3. Semester Grundlagen der Kreativität Béla Stetzer

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Die Maske des roten Todes Die Kurzgeschichte die maske des roten t o d e s von Edgar Allan Poe handelt von einer Gesellschaft, die sich in eine Festung zurückzieht, um sich vor der Pest zu schützen. Sie feiern lange ausgelassen und vergessen beinahe das Unheil, bis sich die Pest doch einschleicht und alle sterben. ↳ L aura Mayer 5. Semester Buchillustration Susanne Straßer

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Illustration eines Märchens Es waren einmal… ein Mädchen, eine Großmutter, ein Wolf, ein Jäger mit seinem Hund und eine Geschichte, die wir alle ein bisschen anders kennen. Hat

sich das Märchen wirklich so zugetragen oder ist alles nur Jägerlatein? ↳ Pia von Miller 5. Semester Buchillustration Susanne Straßer

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Was wir nicht sagen werden irgendwem Is an editorial project I’m currently working on. At first, I had the idea to create a book full of poems that talks about tabu themes but not necessarily in a placative way. The illustration were thought to be shocking, maybe a little ugly but interesting at the same time. So I collected some poems. Whilst working on the order of the poems, I had the idea to combine the poems and generate a new story. In the end I had realized that I’m telling a love story, rather than shocking people. ↳ Leonie Brehorst 3. Semester Buchillustration Susanne Straßer

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second halves

In der Arbeit habe ich versucht meine Gedanken visuell durch abstrakte Malerei darzustellen. Wer sind wir eigentlich? Macht es Sinn? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die Arbeit in Texten und Bildern, die sich gegenseitig ergänzen. Zusätzlich ist ein Booklet mit meinen Liedtexten entstanden, deren Aussage durch je ein Bild widergespiegelt wird. ↳ L aura Mayer 5. Semester Disegno Prof. Thomas Günther

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Disegno

Am Anfang war der Raum. Von dort bin ich über ein Wohnzimmer mit Fenster, Stuhl und Holzboden in der abstrakten Räumlichkeit angekommen. ↳ Pia von Miller 5. Semester Disegno Prof. Thomas Günther

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friss kauf stirb

Wir werden täglich mit tausenden von Bilder konfrontiert, müssen diese deuten und verstehen. Meine Arbeit zeigt verschiedene Reaktionen, indem ich meine ersten Gedanken, beim Betrachten der Bilder, direkt darauf gezeichnet habe und ihnen anschließend jeweils einen Partner gegeben habe. Das Magazin zeigt eine Auswahl aller erarbeiteten Bilder. ↳ Mara Schneider 3. Semester Disegno Prof. Thomas Günther

Fotodesign

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blindsight

Day by day, we follow our daily routine, a rhythm we have become acquainted with and in which we can’t be thrown off track easily. However, we aren’t really paying attention and often ignore things that don’t concern ourselves, be the reason either our constant preoccupation, a phenomenon of the time we live in. For us as

the sighted, blindness holds a certain fascination, but at the same time seems unimaginable in a visually orientated life. Do not open your eyes only, but constantly be aware of your environment. ↳ S tefan Schopf 1. Semester Grundlagen Fotografie Hermann Ebner

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Omerta

Ziel der Aufgabe war es eine bzw. zwei Personen durch stimmungsvolle Lichtführung möglichst gut in Szene zu setzen. ↳ Florian Strigl 1. Semester Grundlagen Fotografie Hermann Ebner

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Laut und Leise in Fassaden Für dieses Abschlussprojekt habe ich mich mit Formkontrasten in Gebäudefassaden beschäftigt. Hierfür stelle ich unter dem Titel ›Laut und Leise‹ Fassaden hoher Komplexität denen mit geringer Komplexität gegenüber. Dabei finden sich, trotz auf den ersten Blick augenscheinlicher absoluter Unterschiedlichkeit, immer wieder gemeinsame Formelemente. ↳ Vilmos Veress 1. Semester Gestaltungsgrundlagen Prof. Ben Santo

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Urankörper

Die Abschlussarbeit beschäftigt sich mit dem Thema ›Laut und Leise‹ durch die


fotografische Inszenierung verfremdeter Körperteile in der Kombination mit Urbanfotografie. Ich habe die Idee aus meinem Skizzenbuch herausgenommen, dort habe ich mich schon einmal mit dem Thema Körper auseinandergesetzt. Der Aspekt mit der Urbanfotografie kam aus meinem Interesse für Architektur und Reportage im urbane Umfeld heraus. ↳ Frederic S.J.G. Rieder 1. Semester Gestaltungsgrundlagen Prof. Ben Santo

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Spannung

Meine Bilderserie beschäftigt sich mit der Abstraktion von Gesichtern. Im Vordergrund steht nicht die Wiedererkennung der Personen, sondern das Spiel zwischen harten und weichen Schatten und die Formen, die sich dadurch ergeben. Ich habe verschiedene Stoffe und Lichtsituationen probiert und habe mich letzten Endes für einen sehr feinen Stoff und nur eine Lichtquelle entschieden, um somit diesen reinen, weichen Look darstellen zu können. ↳ Max Josef Gillmeier 1. Semester Gestaltungsgrundlagen Prof. Ben Santo

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Saxophonwerkstatt Max Frei In den Musikerkreisen ist Max Frei mit seiner Saxophon Werkstatt die Adresse

schlechthin, wenn es um die Wartung und Instandsetzung der liebgewonnenen Instrumente geht. Die Werkstatt liegt mitten im Münchner w e s t e n d in der Parkstraße 4 und ist schon ein Kunstwerk ansich. Dem Besucher eröffnet sich eine beeindruckende Ansammlung an alten restaurierten Instrumenten und Einrichtungsgegenständen. Mit liebevoller Handarbeit kümmert sich Max Frei um jedes Instrument, und zerlegt es mitunter in seine Einzelteile. So bringt er mit Ruhe und Gelassenheit jedes Instrument wieder zu seiner Höchstform. Selbst der bekannte Modern Jazz Musiker und Komponist Sonny Rollins ließ sein Saxophon von Max reparieren, als dieses kurz vor einem Auftritt nicht mehr funktionierte. Als besonderen Dank signierte Sonny Rollins noch ein Foto, welches bis heute in der Werkstatt zu sehen ist. ↳ Maximilian Kühn 3. Semester Bildjournalismus Renate Niebler

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Wildnis

Im Projekt ›Wildnis‹ begab ich mich auf die Spuren meiner Heimat in den b ay e r i s c h e n w a l d . Ein Ort, den ich seit meiner Kindheit kenne und immer wieder erkundet habe. Ich habe alte Orte wiedergefunden und Neue für mich entdeckt. Das Projekt ist ein erster Zwischenstand und wird über die nächsten Jahre weitergeführt.

↳ Fabian Sommer 7. Semester Bildjournalismus Renate Niebler

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Ansichtssache

Ich habe versucht den Gegenstand durch verschiedene fotografische Mittel völlig unterschiedlich darzustellen und so stark zu verfremden, dass der Betrachter teilweise nicht erkennt, um welchen Gegenstand es sich auf den Bildern handelt. Dazu habe ich formal-ästhetisch, interessante Anschnitte und ungewöhnliche Standpunkte gewählt, extremes Licht und Farbfolien eingesetzt und das Objekt mit Hilfe eines Makro-Objektivs fotografiert. Die Bilder zeigen eine Massagekrake. ↳ Andreas Schoppel 5. Semester Ansichtssache Renate Gress

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Ansichtssache

Produkfotografie, Projekt WS 2015/2016. ↳ Ewelina Bialoszewska 5. Semester Ansichtssache Renate Gress

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Knappa

In dem Projekt Ansichtssache habe ich mich ausschließlich mit verschiedenen i k e a Lampen beschäftigt. Durch diverse fotografische Mittel, wie beispielsweise Langzeitbelichtung, ungewöhnliche Standpunkte oder Unschärfe, habe ich diese seriell in mindestens drei

Bildern unterschiedlich dargestellt und einfach mal anders in Szene gesetzt. ↳ S tefanie Heinzeller 5. Semester Ansichtssache Renate Gress

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Analoge Autofotografie Ich habe mich in diesem Semester in einem freien Projekt mit dem Thema der analogen Autofotografie beschäftigt. Da ich normalerweise in der digitalen p h o t o s h o p Welt zuhause bin, wollte ich mich hier bewusst auf die analoge Fotografie auf schwarzweiß Film beschränken. Ich nutzte eine h o r s e m a n Großbildkamera und fotografierte on location. Ich habe für jede Serie versucht, die Location kreativ in die Bildgestaltung mit einzubeziehen und so verschiedene Herangehensweisen an die Automobilfotografie auszuprobieren. ↳ Oliver Sold 7. Semester Freies Projekt Renate Gress

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strips of light

Meine dritte Serie für das Projekt ›Heartbeat Of Fashion‹ ist eine Hommage an Jens Ingvarsson. ↳ Benjamin Herchet 3. Semester Heartbeat of Fashion Hans Deumling

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Grey

Grey on grey on grey. Model: Yelda Lara Fritz Hair & Make-up: Lena Wollenweber

↳ Diego Reindel 3. Semester Heartbeat of Fashion Hans Deumling

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The definition of movement Die Modestrecke beschäftigt sich mit der Definition von Bewegung, Begriffe wie ›rhythm‹, ›form‹ oder ›elegance‹ werden als Definition erläutert und ermöglichen eine gezieltere Wahrnehmung auf die visuellen Charakterzüge der fotografierten Bewegungsabläufe. ↳ Paul Lackner 3. Semester Heartbeat of Fashion Hans Deumling

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Heartbeat

Die Strecke ›Heartbeat‹ inszeniert Mutter und Tochter in einem an Modedesigner Rick Owens angelehnten ästhetischem Konzept. Generationsunterschiede kontrastieren dabei mit Ähnlichkeiten. Die Schwere der Balken im Layout stehen einer Weichheit und Eleganz der Modelle und Kleidung gegenüber. Die Kontraste ergänzen sich zu einer zeitlos-minimalistischen Einheit. Fotografiert wurde analog auf 25 Jahre altem o r w o Film mit einer Großformatkamera. Models: Manuela & Laura Kleidung: Rick Owens, Ann Demeulemeester, Cinzia Araia,

pre ach

↳ Philipp Altheimer 5. Semester Heartbeat of Fashion Hans Deumling


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Freibad

Portraits von Menschen in einem rumänischen Schwimmbad. Man braucht keine Interkontinentalflüge um zur Ruhe zu finden. ↳ Michael Mönnich 5. Semester Freies Projekt Friedrich Ostermann

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Licht

Eine experimentelle Arbeit, in der ich versuchte mit gleicher Komposition aber verschiedenem Lichtaufbau eine abwechslungsreiche aber in sich geschlossene Serie zu schaffen. ↳ Benjamin Herchet 3. Semester Licht Hans Deumling


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DOC. N°11 April 2016

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DOC. Magazin N°11 Oktober 2016  

Das DOC ist das Studierendenmagazin der Fakultät für Design an der Hochschule München. Im April 2011 erschien die erste Ausgabe. Die Beiträg...

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Das DOC ist das Studierendenmagazin der Fakultät für Design an der Hochschule München. Im April 2011 erschien die erste Ausgabe. Die Beiträg...

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