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Themenheft von Hochparterre, September 2021

Alle Fäden in der Hand

b + p Baurealisation sorgt dafür, dass Projektkosten und Termine eingehalten werden und die Qualität stimmt. So haben Architekturbüros und Bauherrschaften den Rücken frei.

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Basel: Neubau für das Amt für Umwelt und Energie.

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Editorial

Inhalt

4 Baumanager bleiben im Hintergrund Heute lagern Architekturbüros komplexe Bauaufgaben an Spezialisten aus.

10 Persönlich Vanessa Furrer, Projekt- und Bauleitung ; Markus Jauss, Bauherrenberater und -vertreter ; Almir Lelić, Gesamtleiter.

14 Projektschau Forschungshochhaus, Hotelsanierung, Spitalneubau, Kunsthauserweiterung und viele mehr.

2 0 « Datenbanken sind unser Kapital für die Zukunft » Gespräch mit Firmengründer Max Bosshard, VR-Mitglied Peter Zwick und Geschäftsleiter Marco Bertolini.

Cover:  Geschäftshaus Brannhof, Zürich, 2023 Bauherrschaft: Oscar Weber, c / o Swiss Life, Zürich Architektur:  SPPA Architekten, Zürich Leistungen b + p: Gesamtleitung, Projekt- und Baumanagement

Koordination wird immer wichtiger « S orgt unbedingt dafür, dass ihr im Planungs- und Bauprozess immer alle Fäden in der Hand haltet », das bläuten uns die Professoren im Entwurfsunterricht an der ETH immer und immer wieder ein. Das war vor über dreissig Jahren, und schon damals war die Rolle des Architekten als Generalist längst nicht mehr so unangetastet wie einst. Seither haben die bautechnische Entwicklung, die immer komplizierter werdenden Vorschriften und nicht zuletzt die wachsenden Aufgaben die Spezialisierung im Planungs- und Bauprozess vorangetrieben. Viele Architektinnen und Architekten und Bauherrschaften stützen sich heute ganz selbstverständlich auf die Leistungen eines Baumanagementbüros ab. Früh hat Architekt Max Bosshard diese Zeichen der Zeit erkannt und ein Büro für Planung und Realisierung von Hochbauten gegründet. Vor 25 Jahren spaltete er das Büro in zwei Aktiengesellschaften auf und legte damit den Grundstein für die heutige b + p Baurealisation. Dieses Heft wirft einen Blick auf die vielfältigen Tätigkeitsbereiche des Unternehmens anhand ausgewählter Beispiele. In einem längeren Beitrag zeichnet Reto Westermann nach, wie sich die Bedeutung der Baumanager von den Anfängen in den 1960er-Jahren bis heute entwickelt hat und wie wichtig die Fachleute sind, die die Fäden im Hintergrund zusammenhalten. Karin Salm hat eine Frau und zwei Männer porträtiert, die mitten in spannenden Projekten stecken. Und schliesslich werfen im Gespräch am Schluss des Heftes drei Generationen den Blick zurück auf die Anfänge, sprechen über die Herausforderungen der Gegenwart und wagen einen Blick in die Zukunft. Der Zürcher Fotograf Jonas Weibel hat die wichtigen Baustellen in eindrücklichen Bildern in Szene gesetzt und auch die drei Protagonistinnen und Protagonisten in feinfühligen Aufnahmen porträtiert.  Werner Huber

Seiten 2, 24:  Amt für Umwelt und Energie, Basel, 2021 Bauherrschaft:  Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt Architektur: Jessenvollenweider Architektur, Basel Leistungen b + p: Kostenund Terminmanagement, Baumanagement und Bauleitung

Impressum Verlag  Hochparterre AG  Adressen  Ausstellungsstrasse 25, CH - 8005 Zürich, Telefon + 41 44 444 28 88, www.hochparterre.ch, verlag @ hochparterre.ch, redaktion @ hochparterre.ch Verleger  Köbi Gantenbein  Geschäftsleitung  Andres Herzog, Werner Huber, Agnes Schmid  Verlagsleiterin  Susanne von Arx  Konzept und Redaktion  Werner Huber  Fotografie  Jonas Weibel, www.jonasweibel.ch  Art Direction  Antje Reineck  Layout  Sara Sidler  Produktion  René Hornung  Korrektorat  Lorena Nipkow, Dominik Süess  Lithografie  Team media, Gurtnellen  Druck  Stämpfli AG, Bern Herausgeber  Hochparterre in Zusammenarbeit mit b + p baurealisation ag, Zürich, bp-baurealisation.ch Bestellen  shop.hochparterre.ch, Fr. 15.—, € 12.—

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Baumanager bleiben im Hintergrund 4

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Sporthalle Wehntal, Niederweningen, 2021 Bauherrschaft:  Schulgemeinde Wehntal Architektur: E2A, Piet Eckert und Wim Eckert Architekten, Zürich Leistungen b + p: Baumana­ gement, Kostenplanung, Terminplanung, Submission konventionelle Realisierung, Bauleitung, Garantiearbeiten

Architekturbüros lagern die Realisierung komplexer Aufgaben an professionelle Baumanagementfirmen aus. Diese sind zu willkommenen Partnern geworden. Text: Reto Westermann

Hut, Mantel, Anzug und Krawatte, Zigarette oder Zigarre in der Hand – der Architekt war in den ersten Nachkriegsjahren noch ein Mann von Welt und ein Hansdampf in allen Gassen: Auf der Baustelle war er mit dem Doppelmeter in der Hand unterwegs, am Zeichentisch mit Bleistift und Skizzenrolle und dazwischen am Verhandeln mit der Bauherrschaft. Die Bauvorschriften waren überschaubar, die Auswahl an Baumaterialien ebenso und die beauftragten Firmen bewährt. Die Kostenplanung war rudimentär, und Bauphysik war kein grosses Thema. Ein erfahrener Architekt hatte den gesamten Planungs- und Bauprozess im Griff, zur Hand gingen ihm höchstens der Bauingenieur und der Landschaftsarchitekt. Doch mit dem raschen wirtschaftlichen Wachstum und den rasanten bautechnischen Entwicklungen ab den 1960er-Jahren veränderten sich auch die Anforderungen an die Architekten. Die ersten Generalunternehmer begannen, immer stärker ins angestammte Terrain des Architekten vorzudringen. Dessen Kompetenz wurde bei grossen und komplexen Projekten zum Teil infrage gestellt. So bauten etwa die aus dem Mutterhaus ausgegliederte Oerlikon-Bührle Immobilien ( heute Allreal ) oder die Ernst Göhner ( heute Implenia ) ab den 1970er-Jahren längst nicht mehr nur fürs eigene Portfolio, sondern auch für Dritte. Dabei trumpften sie mit einer hohen Kompetenz bei der Kostenermittlung und der Realisierung auf. Parallel dazu wurden die Ansprüche ans Bauen laufend komplexer. Die Haustechnik wurde immer anspruchsvoller, die Regeldichte nahm zu, die Auswahl an Bautechniken und Materialien wurde immer grösser, und die Auftraggeber verlangten genauere Kostenprognosen. Die blosse Schätzung über Kubikmeterpreise genügte nicht mehr. Immer mehr Anforderungen und Vorschriften Während der Architekt in seiner Domäne, dem Entwurf, weiterhin punkten konnte, war er den Herausforderungen bei der Kosten- und Bauplanung, der Auftragsvergabe und der Realisierung auf der Baustelle immer weniger gewachsen. Zudem erforderten die immer grösser werdenden Projekte einen kaum mehr zu bewältigenden Spagat zwischen der Entwurfsarbeit am Zeichentisch und der Leitungsaufgabe draussen auf der Baustelle. Eine Aufteilung der Arbeiten und damit eine Spezialisie→ rung bahnte sich an.

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Niederweningen: eine neue Doppelturnhalle für die Schulgemeinde Wehntal. Themenheft von Hochparterre, September 2021 —  Alle Fäden in der Hand — Baumanager bleiben im Hintergrund

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Zürich: Neubau für die Wasserschutzpolizei.

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Wasserschutzpolizei Mythenquai, Zürich, 2022 Bauherrschaft: Stadt Zürich, Amt für Hochbauten Architektur: E2A, Piet Eckert und Wim Eckert Architekten, Zürich Leistungen b + p:  Baumanagement und Bauleitung, Projektund Kostenmanagement

→ « Das Aufkommen von Baumanagementbüros war auch eine Folge der neuen Herausforderungen und des damit verbundenen Aufwands für die Leitung des gesamten Prozesses », sagt Sacha Menz, Professor für Architektur und Bauprozess am Architekturdepartement der ETH Zürich. Nach seinen Beobachtungen spielte aber nicht nur die zunehmende Komplexität eine wichtige Rolle, sondern auch der Wunsch der Architektinnen und Architekten, sich wieder mehr auf die Qualität – sprich die Entwurfsarbeit – zu konzentrieren. Der Baumanager als Partner des Entwurfsarchitekten war geboren. Er nannte sich damals noch nicht so, sondern verkaufte seine Dienstleistung meist unter dem Label ‹ Bauleiter ›. In den 1970er-Jahren entsteht die Spezialisierung Zu den Pionieren zählte hierzulande der Architekt Max Bosshard mit seinem Büro in Zürich-Oerlikon. Er erkannte bereits früh den Bedarf und gliederte 1973 sein zwei Jahre zuvor gegründetes Architekturbüro in je einen Bereich für die Planung und die Realisierung auf. Mit dem Bereich ‹ mb-Realisierung › bot Bosshard seine Dienstleistungen von Beginn weg anderen Architekturbüros an. Daraus ist die heutige b + p Baurealisation entstanden. Die Gründung eines separaten Baumanagementbüros war nicht zuletzt ein psychologischer Schachzug Bosshards, denn viele Architekturbüros wollten die Realisierung ihrer Bauten nicht einem anderen Architekten übergeben. Sie betrauten damit allenfalls ein spezialisiertes Büro ohne Entwurfsabteilung. Neben Bosshard erkannten in den frühen 1970er-Jahren auch andere Baufachleute die Zeichen der Zeit und gründeten eigene Büros für die Baurealisierung. Einige der heutigen grossen Player im Baumanagement haben ihre Wurzeln in der damaligen Zeit. Auch in der Ausbildung wurden diese damals neuen Tendenzen aufgenommen und gefördert. Die Schweizerische Bauschule Aarau beispielsweise baute ihr Angebot aus und bot ab 1986 eine höhere Fachprüfung für Bauleiter an. An der ETH und den Fachhochschulen hingegen verschob sich der Schwerpunkt der Ausbildung immer stärker in Richtung des Entwurfs – daran hat sich nichts geändert. « In der klassischen Ausbildung der Architekten wird das eigentliche Realisieren heute nicht im Einzelnen gefördert », sagt Sacha Menz. Immer mehr Aufgaben für das Baumanagement Das Angebot der ersten auf Baurealisation spezialisierten Büros fand rasch Anklang – nicht zuletzt auch als Gegenpol zu den stärker werdenden Generalunternehmen. Die Vorteile lagen auf der Hand: Die Architekten konnten sich wieder verstärkt auf die Wettbewerbs- und Entwurfsarbeit konzentrieren, die Ausführungsqualität stimmte, und dank des Vieraugenprinzips war die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt. Anfänglich übernahmen die Spezialisten vor allem die Bauleitung. Heute ist das

Spektrum ihres Angebots wesentlich breiter und umfasst alle für die Ausführung notwendigen Arbeiten, bei grossen Büros auch die gesamte Kostenplanung durch spezialisierte Bauökonomen. In der Regel steigen die Baumanager bereits in der Vorprojektphase mit ein und kümmern sich um die Ermittlung der Baukosten sowie die Realisierbarkeit komplexer Bauteile. Ab der SIA-Phase 4 übernehmen sie meistens den Lead und einen Grossteil der Arbeit bis zur Fertigstellung und Übergabe des Gebäudes. Auch bei Architekturwettbewerben sind die Baumanager oft dabei: Geht es im Konkurrenzverfahren nur um den Entwurf, bleiben sie meist beratend im Hintergrund. Geht es hingegen um Gesamtleistungswettbewerbe, in denen auch Aussagen zu den Kosten und zur Ausführung gefordert sind, bilden die Baumanager einen festen Teil des Teams. Waren es in den frühen 1970er-Jahren nur vereinzelte Architekturbüros, die auf Unterstützung externer Fachleute für die Ausführung zählten, ist dies heute für viele Architekten Alltag: « Wir arbeiten seit vielen Jahren mit Baumanagern zusammen und sind mit dieser Lösung sehr zufrieden », sagt beispielsweise Architekt Samuel Bünzli, Mitinhaber von Bünzli & Courvoisier Architekten, Zürich. Ihren ersten Kontakt mit dem Baumanagement hatten die Architekten, als sie kurz nach dem Studium 1992 den Wettbewerb für das Berufsschulhaus Schütze in Zürich gewannen. « Die Unterstützung durch Max Bosshard bei der Ausführung verhalf uns damals als jungen Architekten gegenüber dem Kanton als Auftraggeber zur nötigen Glaubwürdigkeit », erinnert sich Samuel Bünzli. Bis heute arbeitet das Büro, das seine Aufträge vor allem über Wettbewerbe holt, bei allen Bauaufgaben für die Ausführung mit externen Fachleuten zusammen: « Das hat es uns ermöglicht, klein zu bleiben und uns auf den Entwurf als Kernkompetenz zu konzentrieren. » Aufs Vertrauen kommt es an Wichtig für eine fruchtbare Zusammenarbeit sind gemäss Bünzli gegenseitiges Vertrauen und eine klare Aufteilung der Verantwortung. « In der Regel führen wir das Projekt bis und mit Kostenvoranschlag », sagt der Architekt, « danach übernimmt der Projektleiter vom Baumanagement den Lead. » Auch für Sacha Menz ist die klare Abgrenzung der Leistungen zwischen Architekt und Baumanagement sehr wichtig und im Voraus zu klären, ebenso die Art der Zusammenarbeit: « Das Miteinander sowie das gemeinsame Verständnis für die Bauaufgabe und die damit verbundene Baukultur sind eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung. » Ein Schlüssel dazu ist die vertragliche Form der Zusammenarbeit zwischen Architektur- und Baumanagementbüro. Oft wird dafür die Form der Arbeitsgemeinschaft gewählt. Dabei bilden beide Partner eine einfache Gesellschaft, die den Vertrag mit der Bauherrschaft →

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Ersatzneubau Wohnsiedlung Herzogenmühle, Zürich, 2027 Bauherrschaft: Milchbuck Baugenossenschaft, Birmensdorf Architektur: Zimmermann Sutter Architekten, Zürich Leistungen b + p:  Projekt- und Baumanagement, Kostenplanung, Terminplanung

Zürich-Schwamendingen: Baustelle für die Wohnsiedlung Herzogenmühle.

→ abschliesst und so auch rechtlich die Verantwortung trägt. Denkbar ist aber auch die gemeinsame Übernahme eines Generalplanermandats – dies wird insbesondere bei den grossen Projekten vonseiten der Bauherrschaft heute immer öfter gefordert.

Bauleitung. Ergänzt wird diese Basis einerseits mit viel Arbeit in der Praxis, andererseits mit Weiterbildungen – etwa im Bereich Projektmanagement oder in der Gesamtleitung von Bauten. Verschiedene Hochschulen, darunter die ZHAW und die ETH, bieten entsprechende Weiterbildungen auf Stufe CAS oder MAS an. So führt der Lehrstuhl Fachleute mit Verständnis fürs Ganze von Sacha Menz an der ETH regelmässig einen MAS für In den Pionierjahren prägten vor allem erfahrene die Gesamtprojektleitung von Bauten durch. EntscheiEinzelkämpfer das Baumanagement. Sie erledigten alle dend ist aber in der Regel die Erfahrung. Deshalb haben Arbeiten von der Kostenplanung über die Devisierung, die meisten Projektleiter in Baumanagementbüros ihren die Vergabe bis zur Bauleitung und Abrechnung selbst. vierzigsten Geburtstag schon hinter sich. Mit der Nachfrage wuchsen die Büros und die Zahl der Ein Job im Hintergrund Fachleute. Heute sind Baumanagementfirmen professioNeben Erfahrung und passender Ausbildung müssen nelle Dienstleister mit Mitarbeitenden aus verschiedenen Bereichen der Realisation: Bauökonominnen gehören sie – wie alle Mitarbeitenden eines Baumanagementunterebenso dazu wie Mitarbeitende im Backoffice, Bauleiter nehmens – bereit sein für einen Job, bei dem sie nicht im oder Spezialistinnen für die Ausführungsplanung. Rampenlicht stehen, sondern meist still im Hintergrund Begleitet wird die Arbeit über alle Phasen hinweg in wirken. Das zeigt sich jeweils bei der Übergabe des ferder Regel von einem Projektleiter. Er ist der direkte An- tigen Werks: Dort haben meist nur die Architektinnen sprechpartner des Architekten und koordiniert alle Mit- oder Architekten einen grossen Auftritt. Nicht unbedingt arbeitenden des Baumanagements. Eine anspruchsvol- weil diese sich in den Vordergrund drängen würden, sonle Aufgabe für versierte Fachleute: « Für dieses Metier dern weil die Öffentlichkeit ein Bauwerk in der Regel dem braucht es ein Verständnis fürs Ganze, eine hohe Sozial- Architekten zuschreibt. Damit können die Mitarbeitenkompetenz, Erfahrung im Lösen von Konflikten, aber auch den der Baumanagementbüros aber gut leben. Denn sie Wissen in den Bereichen Ausführung, Tragwerk, Bauphy- wissen, dass das in den Köpfen verankerte Bild des Archisik oder Konstruktion », stellt Sacha Menz fest. tekten als Generalist in den meisten Fällen falsch ist. Ob Das nötige Rüstzeug holen sich die Projektleiter so- mit oder ohne Hut, Mantel und Anzug: Der Architekt steht wohl in der Theorie als auch in der Praxis. Meist verfügen heute selten auf der Baustelle, die Projektleiterin des Bausie über eine Grundausbildung im Baubereich – etwa ein managementbüros hingegen umso häufiger – mit Helm, Architekturstudium oder einen Fachabschluss im Bereich Leuchtweste und in Sicherheitsschuhen. 

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Zürich: Aus einem ehemaligen Warenhaus an der Bahnhofstrasse 75 wird das Geschäftshaus Brannhof. Themenheft von Hochparterre, September 2021 —  Alle Fäden in der Hand — Baumanager bleiben im Hintergrund

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Persönlich Porträts aufgezeichnet von Karin Salm

Vanessa Furrer, Projekt- und Bauleiterin Dipl. Technikerin HF Hochbau

« Eigentlich ist meine ganze Woche jeweils klar geplant, mit Sitzungen, Qualitätskontrollen, Abrechnungen und Besuchen auf der Baustelle – trotzdem sieht jeder Arbeitstag dann ganz anders aus als vorgesehen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Bauen immer noch – und zum Glück – Handwerk ist. Weil Menschen am Werk sind, passieren immer wieder unvorhergesehene Dinge, und diese kleineren und grösseren Probleme kommen dann zur Bauprojektleitung. Wir begleiten den Bau vom Aushub bis zur Schlüsselübergabe. Der Klassiker ist der Wasserschaden. An eine Herausforderung erinnere ich mich besonders gut. Das war beim letzten Baufeld im Zellweger-Park in Uster, einer Überbauung mit 133 Mietwohnungen und einer Kunsthalle. Das Projekt realisierten wir gestaffelt in vier Etappen. Als während der Bauphase sowohl die Stahlbaufirma als auch der Fensterbauer in Konkurs gingen, mussten wir alles daransetzen, einen Baustopp zu vermeiden. In solchen Augenblicken ist es als Bauprojektleiterin wichtig, ruhig zu bleiben und schnell nach Lösungen zu suchen. Die Schlüsselübergabe war dann ein doppeltes Geschenk: Der Bau wurde termingerecht fertig, und die Mieterinnen und Mieter waren zufrieden. – Mein Ar­ beits­t ag beginnt um sieben Uhr. Ich habe mir angewöhnt, zuerst E-Mails zu beantworten und Pendenzen zu erledigen, denn während des Tages komme ich kaum noch

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dazu. Pro Woche bin ich zwei bis drei Tage auf meinen Baustellen. Zurzeit leite ich das Projekt des Ersatzneubaus für die Wasserschutzpolizei am Mythenquai in Zürich. Der Neubau ist kein riesiges Volumen, aber trotzdem herausfordernd, weil er direkt am Wasser realisiert wird und die Sicherheitsanforderungen der Polizei sehr hoch sind. Das macht den Bauprozess komplex. Zudem sind die Vorgaben des Naturschutzes streng, wir müssen auf Vögel und Fische Rücksicht nehmen. Ich arbeite seit Sommer 2018 bei b + p Baurealisation. Während meiner Lehre als Hochbauzeichnerin in einem kleineren Architekturbüro durfte ich regelmässig mit den Bauleitern mit auf die Baustellen. Das hat mir gezeigt, wie wichtig gute Pläne für die Arbeiten auf der Baustelle sind. Während der Planung wurde ich vermehrt mit den Aufgaben der Bauleitung konfrontiert. So bin ich in die Bauleitung hineingewachsen. Dass ich als 27-Jährige im Beruf mit Bausummen arbeite, die mit meinem privaten Leben nichts zu tun haben, hat mich zu Beginn ein bisschen eingeschüchtert. Unterdessen habe ich mich an solche Zahlen gewöhnt. Ob ich die Bauprojektleitung für ein grosses oder kleines Projekt mache, spielt keine Rolle. Natürlich ist die Baulogistik bei einem grösseren Projekt komplexer. Aber am Schluss muss alles stimmen: die Kosten, die Termine und die Qualität. »

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Markus Jauss, Bauherrenberater und -vertreter Architekt HTL / FH

« B auen ist ein komplexes Geschäft. Das beginnt mit der Wahl des Grundstücks und des Architekten, geht über Baugesetze, Submissionsverordnungen, Realisierung, Controllings und Dokumentation und endet mit der Schlussabrechnung. Immer mehr Unternehmen und Private delegieren daher die Aufgaben der Bauherrschaft an Profis, da Bauen nicht zu ihrer Kernkompetenz gehört. Allerdings ist klar: Entscheiden kann letztlich nur die Bauherrschaft. Als Bauherrenvertreter bereite ich die Grundlagen vor und gebe eine Empfehlung ab. Wichtig ist auch, dass die Bauherrschaft genau weiss, was sie will. Eine präzise und umfassende Bestellung ist das Wichtigste. Nachträgliche Änderungen verkomplizieren den Ablauf und erhöhen den Aufwand für alle Projektbeteiligten. Meine Aufgabe besteht darin, für die Bauherrschaft die ganzen Prozesse und Abläufe so zu steuern, dass die drei genannten Schlüsselfaktoren stimmen: Kosten, Termine und Qualität. Zwischendurch bin ich Coach und Vermittler. Wenn sich die Bauherrschaft wundert, wieso nun ein IT-Konzept erarbeitet oder freigegeben werden muss, bevor überhaupt etwas betoniert ist, erkläre ich ihr, was alles an dieser Entscheidung hängt, welche Vorlaufarbeiten erforderlich sind, und schaffe so das Verständnis dafür. In der Schlussphase eines Bauprojekts, bei Abnahmen und der Dokumentation gilt es, kritisch und pingelig zu

sein. Bis ein Bauwerk frei von Mängeln ist und die letzten Pläne und Unterlagen abgegeben werden können, braucht es Geduld, Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen. Bevor ich zu b + p Baurealisation kam, habe ich 18 Jahre als Architekt in der Funktion eines Projektleiters bei zwei Büros gearbeitet. Vor dreieinhalb Jahren habe ich dann die Seite gewechselt und hier als Bauherrenvertreter angefangen. Geblieben sind die Freude an guter Architektur und der Wunsch, diese zu ermöglichen. Es ist sehr erfüllend und befriedigend zu sehen, wie aus einer Idee, einigen Strichen und vielen Sitzungen etwas entsteht, Form annimmt und am Schluss funktioniert. Aktuell bin ich Bauherrenvertreter in fünf Projekten, unter anderem für den Neubau eines Pflegezentrums mit 136 Plätzen in Volketswil und für einen eventuellen Ersatzneubau einer kleinen Wohnbaugenossenschaft am Friesenberg in Zürich. Das sind zwei ganz unterschiedliche Aufgaben und zwei ganz verschiedene Auftraggeber. Der Vorstand der Wohnbaugenossenschaft ist ehrenamtlich tätig. Das heisst: Die Bauherrensitzungen finden nach den Bürozeiten statt. Das macht mir nichts aus, weil ich gerne am Abend arbeite. Durchschnittlich habe ich jeden zweiten Tag ein Meeting, mit entsprechender Vor- und Nachbereitung. Dazwischen erledige ich die administrativen Arbeiten und steure die Projekte. »

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Kantonsspital Uri, 2023 Bauherrschaft:  Kanton Uri Architektur: Darlington Meier Architekten, Zürich Leistungen b + p: Baumana­gement und Bauleitung, Kosten- und Projektmanagement, GP Leitung in Arge mit Architekt

Almir Lelić, Gesamtleiter Executive MBA-Ing. FH

« Ich mag Innovation und schlanke Prozesse. Darum hat mir das Bauprojekt ‹ Atmos › zwischen Förrlibuck- und Hardturmstrasse in Zürich so grossen Spass gemacht. Beide Themen spielen dort eine wichtige Rolle. Das Architekturbüro EM2N hat mit BIM gearbeitet. So hatten wir nicht nur ein virtuelles 3-D-Modell des Gebäudekomplexes, sondern auch eine umfassende Sammlung von Daten über Gebäudeteile wie Fenster, Türen, Wände, Bodenflächen und vieles mehr. Die BIM-Daten haben wir dafür verwendet, die ganze Planung mit unserem innovativen Terminplanungstool zu berechnen. Das führte zu präziseren Ausschreibungen, einem optimierten Bauprozess und generell zu einer angenehmen Stimmung, weil die Unternehmen ohne unnötige Verzögerungen arbeiten konnten. BIM und Terminplanung zu kombinieren, war für mich und mein Team eine interessante Erfahrung. Wir haben damit ein tolles Werkzeug, um Kosten und Termine im Griff zu haben. Das Experiment hat sich gelohnt: Wir konnten den Mietern den Bau bereits im Dezember 2020 statt im März 2021 übergeben. Wir hatten einen wirklich tollen Drive ! Ich sitze viel am Computer, um Termine und Kosten zu kontrollieren, strategische Entscheidungen zu treffen und Informationen an meine vier Bauleiter weiterzugeben. Da ich quasi die Schnittstelle zwischen Bauleitung,

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Architekten, Bauherr, Planung und den Unternehmen bin, habe ich täglich auch zahlreiche Sitzungen. Vor allem wenn der Termindruck gross ist, kommt es zu Unstimmigkeiten. Hier im grossen Sitzungsraum haben einige Eskalationssitzungen stattgefunden. Oft musste ich als ‹ bad cop › auftreten. Gerade dann war die Terminplanung mit den glasklaren Infos und Vorgaben aufgrund von BIM äusserst hilfreich. Dass wir unsere Büros auf dem Parkdeck des Parkhauses gleich gegenüber der Baustelle haben, ist toll. So sind wir immer nahe dran, haben aber trotzdem genug Distanz. Mir war es wichtig, dass die provisorischen Bauleitungsbüros geräumig und angenehm sind, dass wir eine Dusche und eine Küche haben. Immerhin arbeitet das Kernteam vier Jahre hier. Wie gesagt: Ich schätze schlanke Prozesse. Darum leite ich bei b + p Baurealisation eine Arbeitsgruppe zum Thema Lean Management. Mich interessiert dieser Ansatz, um Prozesse kontinuierlich zu optimieren und in der eigenen Arbeit Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. Ziel ist es, Abläufe ohne Verschwendung und Umwege zu schaffen. Das ist kundenorientiert, senkt die Kosten und führt letztlich zu einem besseren Arbeitsgefühl. Ich bin überzeugt, dass ein schlankes Management zu mehr Engagement führt. » 

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Altdorf: Neubau für das Kantonsspital Uri. Themenheft von Hochparterre, September 2021 —  Alle Fäden in der Hand — Persönlich

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Projektschau Hochhaus für die Forschung

Als Haus voller Technik bietet das Biozentrum der Universität Basel auch Orte der Begegnung an.

Das Biozentrum in Basel ist ein Generationen­ bauwerk. Der erste Baustein des neuen Univer­ sitätscampus auf dem Schällenmätteli bietet auf 23 400 Quadratmetern Nutzfläche Platz für rund 400 Forschende aus aller Welt. Das 72 Meter hohe Laborhaus beherbergt zahlreiche hoch­ komplexe Einrichtungen: von der Imaging Tech­ nologieplattform über Kernspinresonanzspektro­ skope bis hin zu etlichen Speziallabors für verschiedene Gefahrenstufen. Die vielen techni­ schen Installationen stellen sehr unterschiedli­ che Anforderungen etwa an Raumtemperatur, Lüftung, Druckverhältnisse, Raumklima, Schwin­ gungsfreiheit oder Biosicherheit. Was bedeuten diese komplexen Vorgaben für die Planung, Projektierung und Projektleitung ? « Zuerst einmal, dass so ein Haus ein sehr um­ fangreiches Bau- und Fachplanerteam mit sich bringt », erklärt Arnoud Kerkhof, seit dreieinhalb Jahren Leiter des Generalplanerteams. Das gros­ se Planerteam und die vielen Gewerke mit den Ansprüchen und Wünschen der Nutzer und der Bauherrschaft unter einen Hut zu bringen, war seine Aufgabe. « Teilweise gab es Sitzungen mit zwanzig Beteiligten », erinnert sich Kerkhof. Im Laufe der zehnjährigen Projektierungs- und Rea­ lisierungszeit gab es etliche Hürden zu nehmen, weil die Bauvorschriften im Laufe des Projekts änderten oder wegen der umfangreichen Ge­ bäudeautomation – alle Maschinen und Instal­ lationen im Haus haben eigene Sensoren. Mehr als 30 000 Datenpunkte galt es zu koordinieren. Den hohen technischen und organisatorischen Anforderungen stellt der Baumanager die Men­ schen gegenüber: « Entscheidend für den Erfolg eines Projekts dieser Art sind gute und verlässli­ che Fachplaner und Bauleiter, die von Anfang bis Ende dabei sind, Termine und Kosten einhalten und ihre Pendenzen abarbeiten. » Die acht Tests, die das Biozentrum vor der Übergabe an die Uni­ versität durchlaufen musste, hat es bestanden. Anfang 2021 wurde das Forschungshochhaus an die Universität übergeben.  Roderick Hönig, Fotos: Daisuke Hirabayashi

Regelgeschoss

Biozentrum der Universität Basel, 2021 Spital- / Pestalozzistrasse, Basel Bauherrschaft:  Kantone Basel-Stadt und BaselLandschaft, vertreten durch das Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt Architektur:  Ilg Santer, Zürich Leistungen b + p, Basel:  Baumanagement und Bauleitung, Kosten- und Projektmanagement, GP-Leiter Kosten:  ca. Fr. 400 Mio.

Mit Chromstahl verkleidete Kastenfenster.

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Hotelumbau in Rekordzeit Hotel Hof Weissbad in Appenzell-Innerrhoden.

In Rekordzeit wurden sämtliche Zimmer und die Eingangshalle renoviert.

Die Bäder wurden neu gefliest.

Das Hotel Hof Weissbad in Appenzell-Innerrho­ den wurde innerhalb kürzester Zeit entkernt und bis unters Dach neu gebaut. Baubeginn war am 2. Januar 2018 mittags. Schon am 23. Februar war der Umbau fertig: Nur sieben Wochen hat die 15 Millionen Franken teure Sanierung gedauert. Dafür ist im Normalfall ein knappes Jahr nötig. Wie war das möglich ? Dank exakter Pla­ nung, die mit dem Bau eines Musterzimmers be­ gann. Darin wurde jedes Detail im Massstab 1 : 1 bestimmt und gebaut. Gleichzeitig wurde auf die Minute genau festgehalten, wie lange es dauert, bis ein Teil um- oder eingebaut, eine Wand ge­ gipst oder ein Fenster angeschlagen ist. Diese Daten bildeten die Basis, auf der die b + p-Mit­ arbeitenden hochrechneten, wie viel Zeit der ge­ samte Umbau in Anspruch nehmen wird. « Bei der Datenanalyse wurde uns sofort klar, dass wir vie­ le Elemente vorfabrizieren müssen », sagt Roland Breu, der das Projekt als Standortleiter St. Gal­ len begleitet hat. Im Anschluss daran entstand ein Zeitplan und dabei die Erkenntnis, dass ein derart ambitioniertes Vorhaben nur zu schaffen ist, wenn an fünf Tagen jeweils zehn Stunden ge­ arbeitet wird. Ein Jahr dauerte die Planung, dann startete der generalstabsmässig durchgetaktete Umbau. Roland Breu wusste zum Beispiel, dass an einem bestimmten Montag um 15 Uhr drei Gipser in einem bestimmten Zimmer an einer bestimmten Wand arbeiten und dass sie um 16 Uhr fertig sein werden. Täglich waren 250 Handwerker auf der Bau­ stelle, die von vier Bauleitern koordiniert wurden. Jeden Mittag um 12 Uhr und abends um 18 Uhr erfolgte ein Planungscheck. Bei Verzug muss­ ten Überstunden geleistet werden. « Das klingt nach Drill », sagt Roland Breu, « doch die Hand­ werker empfanden es nicht so. Sie waren viel­ mehr froh, klare Verhältnisse vorzufinden. » Die Plattenleger beispielsweise konnten gleich los­ legen, da das Material auf den Quadratzenti­ meter genau bestellt bei den Bädern bereitlag. Dort allerdings erwartete sie ein Mammutprogramm. Die Wände wurden mit zentimeterklei­ nen Mosaikplättchen ausgekleidet. Und so wa­ ren im Durchschnitt täglich 26 Plattenleger da­ mit beschäftigt, die rund 18 Millionen Plättchen zu verlegen und zu fugen. Blickt Roland Breu heute zurück, kann er nur wiederholen, was sich während der sieben Wochen im Winter 2018 be­ stätigt hat: « Mit guter Planung, perfekter Logistik und einem professionellen Baumanagement kann man ein Hotel in so kurzer Zeit umbauen. »  Marco Guetg, Fotos: Hotel Hof Weissbad Hotel Hof Weissbad, 2018 Im Park 1, Weissbad AI Bauherrschaft:  Hotel Hof Weissbad, Weissbad Innenarchitektur:  Grego Architektur, Zürich Leistungen b + p, St. Gallen:  Baumanagement und Bauleitung, Kosten- und Projektmanagement, Gesamtleitung Kosten:  ca. Fr. 15 Mio.

Grosszügige Zimmer für die Hotelgäste. Themenheft von Hochparterre, September 2021 —  Alle Fäden in der Hand — Projektschau

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Mitten im Spitalareal

Patientenzimmer im neuen Theodor-Kocher-Haus auf dem Areal des Berner Inselspitals.

Situation

Bettengeschoss

Im Juni 2018 nahm das Inselspital Bern nach rund vierjähriger Planungs- und Bauzeit das TheodorKocher-Haus in Betrieb. Der fünfstöckige Neu­ bau beherbergt vorübergehend die Frauenklinik und die Neonatologie. Später kehrt diese Klinik an ihren früheren, sanierten Standort zurück, und das Theodor-Kocher-Haus wird zum Organ- und Tumorzentrum, zu dem auch ein neu erstellter, unterirdischer Zwischenbau gehört. Der Neubau ist gross: Mit den 95 000 Ku­ bikmetern und einer Gesamtgeschossfläche von 31 000 Quadratmetern ist er für die Mitarbeiten­ den von b + p Baurealisation ein Leuchtturmpro­ jekt, allerdings eines mit grossen Herausforde­ rungen. Denn der Bau steht mitten im Spitalareal. Dies schränkte ein und erforderte Rücksicht. La­ gerplätze konnten nicht direkt auf dem Areal ein­ gerichtet werden. Die Ambulanz musste jederzeit hindernisfrei fahren können, die Flugschneise des Rettungshelikopters musste frei bleiben. Eine im Operationsgebäude installierte elektronische Schlauchwaage registrierte allfällige Erschütte­ rungen oder Senkungen, damit notfalls sofort re­ agiert werden konnte. Das Gebäude war perma­ nent geodätisch und geotechnisch überwacht. Damit sich alle Beteiligten vorweg ein rea­ listisches Bild über die Funktion des Hauses, die Abläufe und die Materialisierung einzelner Räu­ me machen konnten, richtete das Baumanage­ ment zwei massstabsgetreue Musterzimmer ein. Da kontrollierten die Fachleute, ob auch funktio­ niert, was im Büro entworfen wurde. Um Zeit zu gewinnen, wurden beim TheodorKocher-Haus drei Bauphasen parallel in Angriff genommen – eine logistische Herausforderung. Bauleiterin Marie Portmann-Poffet stellt denn auch fest: « Ein Spital dieser Grösse baut man in der Regel nicht in so kurzer Zeit. Aber es ist uns gelungen, und – besonders erfreulich – wir hat­ ten keine Unfälle  ! » Sie erinnert sich auch an eine spitalspezifische Besonderheit: « Anfänglich habe ich die Sprache der Spitalplaner und Techniker schlicht nicht verstanden. » Marie Portmann re­ cherchierte und notierte sich die Wörter. Danach traf man sie auf der Baustelle nicht mehr ohne ihren Spickzettel an.  Marco Guetg, Fotos: Kuster Frey Inselspital Bern, Theodor-Kocher-Haus, 2018 Friedbühlstrasse 19, Bern Bauherrschaft:  Inselspital, Universitätsspital Bern Architektur:  Schneider & Schneider, Aarau Leistungen b + p, Bern:  Baumanagement und Bauleitung, Kosten- und Projektmanagement, GPLeitung ( Ausführung ) Kosten:  Fr. 159,25 Mio.

Der Neubau beherbergt vorübergehend die Frauenklinik. Später wird das Haus zum Organ- und Tumorzentrum.

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Technik hinter Eleganz versteckt

Der Erweiterungsbau des Zürcher Kunsthauses am Heimplatz.

Schnitt mit der unterirdischen Verbindung zwischen Altbau und Neubau rechts.

Grundriss

« Eigentlich ist das neue Kunsthaus auch nur ein Betonhaus mit Flachdach. » So sehen das Chris­ tian Gruober und Lena Ackermann, die seit 2015 Teil der vierköpfigen Bauleitung waren. Tatsäch­ lich war vieles normal: Es ging um Kosten, Termi­ ne und Qualität. « Trotzdem war hier alles anders », sagen sie: « Die Grösse, die Zahl der Beteiligten, die vielen Schnittstellen. » Die Crux war, im Team den Überblick zu behalten. In den Pausen, beim Znüni und Zvieri, koordinierten sich die vier. Ein 200-Millionen-Projekt muss man auch baulich aufteilen: in viele Betonieretappen und beim Aus­ bau in fünf Zonen, in denen die Gewerke spiral­ förmig und geschossweise aufeinanderfolgten. Die Besonderheiten begannen schon beim Aushub: Weil die alte Stadtmauer mitten durch die Baustelle lief, musste man den Tiefbau um die Arbeiten der Archäologie organisieren. An­ schliessend die Baumeister: Scharfkantige Sicht­ betonwände mit sechs Metern Höhe, durch das Foyer fliegende Brücken und Zwischengeschos­ se, deren Stirnseiten man nicht sehen sollte, sind alles andere als normal. Die Haustechnik: eher wie in einem Labor als wie in einem Bürobau und dennoch unsichtbar. Die Liste des Ausser­ gewöhnlichen ist schier endlos. « Allein zum Mes­ sing hatten wir etwa zehn Sitzungen », sagt Lena Ackermann. Lift-, Tür- und Messingbauer muss­ ten ihre Werkpläne bis auf den Millimeter genau abstimmen, das Material von demselben Her­ steller beziehen und es gleich bearbeiten. Und erst die Türen: 800 Stück, fast jede verschieden. « Darunter waren einige Diven, vermutlich 200 », sagt Ackermann, « das allein beschäftigte uns etwa zwei Jahre. » Was erstaunt: Kosten und Termine sind ein­ gehalten. Weil man die Qualitätsansprüche von Anfang an einrechnete und genügend Reserve eingeplant hatte – die man vor allem im Tiefbau, bei den Baumeisterarbeiten und der Haustechnik auch brauchte. Und die Qualität ? « Erreicht », lobt Gruober. Das Geheimnis ist die Zusammenarbeit: Das Kunsthaus ist konventionell ausgeführt, mit zahllosen Einzelverträgen. b + p Baurealisation waren als Subplaner unter den Architekten. Bei­ des ist bei Grossprojekten ungewöhnlich. Und dass die Architekten in Berlin sassen ? « Sie waren jede Woche auf dem Bau », sagt Gruober, « und schon bald war Vertrauen da. Mehr sogar: Die Wertschätzung der Stararchitekten für uns Bau­ leiter hat mich wirklich überrascht. »  Palle Petersen, Fotos: Noshe Erweiterungsbau Kunsthaus Zürich, 2021 Heimplatz, Zürich Bauherrschaft:  Einfache Gesellschaft Kunsthaus-Erweiterung: Stadt Zürich, Zürcher Kunstgesellschaft, Stiftung Zürcher Kunsthaus Architektur:  David Chipperfield Architects, Berlin Leistungen b + p, Zürich:  Baumanagement, Bauleitung, Kostenmanagement Kosten:  ca. Fr. 200 Mio.

Edle Ausstellungsräume.

Die hohe Halle mit Treppen und Balkonen. Themenheft von Hochparterre, September 2021 —  Alle Fäden in der Hand — Projektschau

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Schulsporthalle, Grafstal ZH, 2005 Architektur:  Giuliani Hönger, Zürich Leistungen b + p:  Baumanagement und Bauleitung, Kosten- und Projektmanagement

Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, Reinach BL, 2005 Architektur:  Neff Neumann Architekten, Zürich Leistungen b + p: Projektmanagement

Berufsbildungszentrum Bruggerstrasse, Baden AG, 2006 Architektur:  Burkard Meyer Architekten, Baden Leistungen b + p:  örtliche Bauleitung

Revitalisierung Dock B, Flughafen Zürich, 2011 Architektur:  Burckhardt + Partner, Zürich Leistungen b + p:  Baumanagement und Bauleitung, Abbruch Dock B, Kostenmanagement Vorprojektphase

Bezirksgebäude, Bülach ZH, 2012 Architektur:  Bünzli & Courvoisier Architekten, Zürich Leistungen b + p:  Baumanagement und Bauleitung, Kostenmanagement

Kreisgebäude 3, Zürich, 2011 Architektur:  Nik Biedermann, Zürich Leistungen b + p:  Baumanagement und Bauleitung, Kostenmanagement

Blickpunkt Töpferei, Embrach ZH, 2015 Architektur:  Peter Kunz Architektur, Winterthur Leistungen b + p:  Baumanagement und Bauleitung, Kostenmanagement

Wohnüberbauung Muniwies, Weiningen ZH, 2016 Architektur:  Ken Architekten, Zürich Leistungen b + p: Wettbewerbsbeurteilung Wirtschaftlichkeit Neubau

Schulhaus In der Höh, Volketswil ZH, 2004 Architektur:  Horisberger Wagen Architekten, Zürich Leistungen b + p:  Baumanagement und Bauleitung, Kostenmanagement, Gesamtleitung

Büro- und Produktionsgebäude Siemens, Zug, 2018 Architektur:  Burckhardt + Partner, Zürich Leistungen b + p:  Kosten- und Terminmanagement, Phasen Wettbewerb und Vorprojekt

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Alterswohnungen Erikastrasse, Zürich, 2019 Architektur:  Zita Cotti Architekten, Zürich Leistungen b + p:  Wettbewerbsprüfung, Wirtschaftlichkeit

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Festsaal Pentorama, Amriswil TG, 2007 Architektur:  Müller Sigrist Architekten, Zürich Leistungen b + p: Kostenmanagement

Schulhaus Eichmatt, Hünenberg ZG, 2009 Architektur:  Bünzli & Courvoisier Architekten, Zürich Leistungen b + p:  Baumanagement und Bauleitung, Kosten- und Projektmanagement

Wohnüberbauung Katzenbach II, Zürich, 2010 Architektur:  Zita Cotti Architekten, Zürich Leistungen b + p:  Baumanagement und Bauleitung, Kosten- und Projektmanagement

Schulhaus Mühlenmatt, Lenzburg AG, 2012 Architektur:  Nord Architekten, Basel Leistungen b + p:  Baumanagement und Bauleitung, Kosten- und Projektmanagement

Blutspendezentrum, St. Gallen, 2013 Architektur:  Bruno Clerici, St. Gallen Leistungen b + p:  bauherrenseitiges Controlling der Abschluss- und Abnahmephase Neubau

Wohnüberbauung Baufeld 12, Bern-Brünnen, 2014 Architektur:  Steib Gmür Geschwentner Kyburz Partner, Zürich Leistungen b + p:  Baumanagement und Bauleitung, Kostenmanagement

Europaallee Baufeld F, Zürich, 2019 Architektur:  Boltshauser Architekten, Zürich Leistungen b + p: bauherrenseitige Qualitätssicherung Bau und Bauökonomie

Bildungs- und Forschungszentrum Agrovet-Strickhof, Eschikon ( Lindau ) ZH, 2018 Architektur:  Stücheli Architekten, Zürich Leistungen b + p: Gesamtleitung, Ausschreibung, Bauleitung ab Phase 4

Schulanlage Gubel, Zürich, 2021 Architektur:  Nik Biedermann, Zürich Leistungen b + p:  Baumanagement und Bauleitung, Kosten- und Projektmanagement, Gesamtleitung Realisierung, Qualitätskontrolle Minergie-Eco-Umbau Alterszentrum Suhrhard, Buchs AG, 2018 Architektur:  Meyer Gadient Architekten, Luzern Leistungen b + p:  Plausibilisierung Kostenschätzung Vorprojekt

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Altdorf: Neubau für das Kantonsspital Uri.

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Themenheft von Hochparterre, September 2021 —  Alle Fäden in der Hand — « Datenbanken sind unser Kapital für die Zukunft »

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Marco Bertolini, Peter Zwick und Max Bosshard im Gespräch. Foto: Markus Lamprecht

« Datenbanken sind unser Kapital für die Zukunft » Firmengründer Max Bosshard und die beiden Geschäftsleitungsmitglieder Peter Zwick und Marco Bertolini blicken zurück und fragen sich, was auf die Planung und den Bau zukommt. Interview: Reto Westermann

Herr Bosshard, vor fünfzig Jahren haben Sie als junger Architekt das Büro gegründet, aus dem die heutige b + p Baurealisation hervorgegangen ist. Was war damals der Anlass für Ihren Schritt in die Selbstständigkeit ? Max Bosshard: Ende der 1960er-Jahre herrschte Hochkonjunktur, und es bestand ein grosser Nachholbedarf bei öffentlichen Bauten wie etwa Hallenbädern. Auch die Gemeinde Zumikon plante damals mit dem Zürcher Architekturbüro de Stoutz und Adam ein Hallen- und Freibad. Ich hatte zu der Zeit meine Ausbildung beendet und den Wunsch, mich selbstständig zu machen. Jacques de Stoutz, den ich persönlich gut kannte, gab mir den Auftrag für die Bauleitung des Projekts in Zumikon. So landete ich gleich zu Beginn im Bereich Realisation und hatte Freude daran. Durch das Projekt, an dem übrigens auch die spätere Bundesrätin Elisabeth Kopp als Gemeinderätin beteiligt war, konnte ich weitere Kontakte knüpfen. Gleichzeitig lernte ich dabei viel über den Hallenbadbau. Aus all dem ergaben sich in der Folge weitere Aufträge, schwergewichtig in der Ausführung, und das Büro begann zu wachsen. Der Schritt in die Baurealisation war also eher zufällig, und dennoch stellte sich der Erfolg schnell ein. Wie präsentiert sich für b + p heute der Markt bei der Realisation von Bauten ? Peter Zwick: Max hatte es als Pionier sicher einfacher, als wir es heute haben. Inzwischen bieten viele Büros Baumanagement-Dienstleistungen an. Das Marktumfeld ist entsprechend härter geworden. Max Bosshard: Nur schon die Honorarsituation war zu meinen Pionierzeiten eine ganz andere. Wir konnten einfach nach den Vorgaben des SIA die Honorare berechnen, und die wurden anstandslos bezahlt.

Marco Bertolini: Verschärft wird die Situation heute durch die Tatsache, dass auch Total- und Generalunter­nehmer neben ihrem Kerngeschäft Baumanagement-Dienstleistungen anbieten. Max Bosshard: Seit der Firmenübergabe 2009 bin ich ja aussenstehender Beobachter. Und aus dieser Warte stelle ich fest, dass man heute viel früher als damals bei den Architekten anklopfen muss, um Aufträge zu akquirieren – oft ist man bereits bei den Wettbewerben mit dabei. Peter Zwick: Das ist in der Tat so. Es gibt zudem immer mehr Generalplanerwettbewerbe, bei denen die Auftraggeber von Beginn weg das ganze Team dabeihaben wollen. Dazu gehören dann auch Kostenplaner und Baumanager. Welche Wichtigkeit hat die Kostenplanung heute in Ihrem Unternehmen und bei der Akquisition ? Peter Zwick: Die Bauökonomie ist für uns ein Schlüsselelement. In diesem Punkt unterscheiden wir uns von manch einem ‹ normalen › Bauleitungsbüro. Wir haben dank der entsprechenden Fachleute nicht nur die Bauleitung, sondern auch die Kosten- und Ausführungsplanung im Griff. Und gerade die Ökonomie ist heute schon früh entscheidend in einem Projekt. In diesem Feld haben wir ganz klar einen Wissensvorsprung. Aber das alleine genügt vermutlich nicht, um genügend Aufträge für ein Unternehmen mit vier Standorten generieren zu können ? Peter Zwick:  Nein, man muss natürlich auch innovativ sein. So haben wir bereits vor fünf Jahren reagiert, als BIM in der Schweiz aufkam. Damals dachten viele, das sei nur etwas für die Planung und nichts fürs Baumanagement. Uns war aber rasch klar, wohin der Weg führt, und wir haben Zeit so→ wie Ressourcen investiert, um uns vorzubereiten.

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Marco Bertolini ( 49 ) Der Geschäftsleiter und Verwaltungsrat von b + p Baurealisation lernte Hochbauzeichner, ist eidg. diplomierter Bauleiter und diplomierter Projektmanager VSGU sowie Bauökonom AEC.

Peter Zwick ( 59 ) Er ist Geschäftsleitungsmitglied und Verwaltungsrat von b + p Baurealisation und leitet die Spezialbereiche. Er lernte Hochbauzeichner und ist eidg. diplomierter Bauleiter, Bauökonom AEC / MRICS sowie SIA-Mitglied. Er unterrichtet an der ZHAW Winterthur.

→ Und hat es sich ausgezahlt ? Peter Zwick: Tatsächlich konnten wir seitdem schon zwölf Projekte mithilfe von BIM realisieren. Ich glaube, das frühzeitige Erkennen von neuen Entwicklungen und der Wille zur Innovation sind ein wesentliches Element, um uns von Mitbewerbern abheben zu können. Marco Bertolini: Für mich gehören dazu ebenfalls unsere Datenbanken. Die sind unser Kapital für die Zukunft. Dabei denke ich nicht nur an die Baukosten, sondern auch an Terminkennwerte – also etwa Zahlen zum Zeitbedarf von Planungs- oder Ausführungsschritten. Das ermöglicht uns eine präzise Planung, und dies wird von den Architekten sehr geschätzt. Dank unserer Daten können wir ihnen rasch einen realistischen Planungsablauf entlang der Zeitachse skizzieren. Eine weitere Spezialität von b + p ist das Vertragswesen. Hier übernehmen wir auf Wunsch den Lead und sorgen für faire Vertragsverhältnisse. Geschätzt wird von unseren Planungspartnern zudem auch, dass wir inhouse das gesamte Controlling und Rechnungswesen eines Projekts übernehmen. Peter Zwick:  Nicht vergessen darf man schliesslich unsere interne Wissensdatenbank. Dank dieser können alle Mitarbeitenden vom gesammelten Know-how profitieren. Diese Erfahrung kommt dann weiteren Projekten und deren Auftraggebern zugute. Welchen Stellenwert hatten das Antizipieren von Entwicklungen und das vorausschauende Handeln zu Ihrer Zeit, Herr Bosshard ? Max Bosshard: Vermutlich bin ich ein Stück weit der Vater dieser Denkweise in der Firma. Mir war es schon früh ein Anliegen, immer auf dem aktuellen Stand der Technik zu sein und neue Entwicklungen zu erkennen. So waren wir 1985 eines der ersten Büros in Zürich, die Computer

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eingeführt hatten. Damals kauften wir die ersten grossen Kisten von Olivetti. Davor wurden Devis mit der Schreibmaschine auf ‹ S chnapsmatrizen › geschrieben und anschliessend vervielfältigt. Mit der Einführung der Computer haben wir begonnen, möglichst viel zu digitalisieren. So entwickelten wir mit dem Softwareanbieter Messerli die ersten Programme für die Bau- und Kostenplanung. Peter Zwick: Diese Kultur, die Max Bosshard vorgelebt hat, ist weiterhin Teil unserer DNA. Noch heute kreieren wir mit Informatikern zusammen eigene Softwareprodukte, die uns den Alltag erleichtern. Denn oft finden wir auf dem Markt nicht das, was wir brauchen. Ein Beispiel dafür ist das ‹ smino ›-Werkzeugtool, das wir als Erstkunde massgeblich mitgestaltet haben. Die Digitalisierung hat die Bauwelt stark verändert. Welche anderen grossen Unterschiede sehen Sie gegenüber früher ? Max Bosshard:  Ganz klar die Spezialisierung. Früher war der Architekt der Alleskönner auf dem Bau, heute liegt sein Fokus vor allem auf dem Entwurf. Marco Bertolini: Die Gesamtleitung von Bauten ist ein Bereich, der sich ebenfalls massiv verändert hat. Wer heute all die Fachleute und Spezialisten in einem Bauprojekt führen will, braucht ganz andere Fähigkeiten als noch vor fünfzehn oder zwanzig Jahren. Peter Zwick:  Die von Max Bosshard angesprochene Spezialisierung ist eine Folge der stark gestiegenen Anforderungen an ein Gebäude. Wenn man schaut, was es heute alles an Vorgaben gibt – sei es bauphysikalisch, brandschutztechnisch oder ökonomisch –, wird schnell klar, wie komplex die Sache geworden ist. Und je mehr Personen beteiligt sind, desto mehr steigen auch die Ansprüche an die Führungsqualität des Planerteams.

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Die immer höheren Ansprüche verlangen auch bei b + p nach passenden Fachleuten. Sind diese einfach zu finden ? Marco Bertolini:  Nein. Es herrscht ganz klar ein Fachkräftemangel in unserer Branche. Das macht es einerseits für uns als Firma schwer, Personal zu finden. Andererseits leiden auch unsere Mitarbeitenden an der Front darunter. Wenn man es dort als Projekt- oder Bauleiter mit unerfahrenen Fachplanern von externen Firmen zu tun hat, ist die Arbeit mühsam. Kommt dazu, dass auch bei den ausführenden Unternehmen versierte Fachleute oder der Wille, gute Arbeit zu leisten, nicht mehr immer vorhanden sind. Peter Zwick: Ein Grund für den Fachkräftemangel ist sicher, dass ein Teil der Leute sich dem Arbeitsdruck im Baumanagement nicht aussetzen will. Einen Einfluss hat aber auch die Art, wie wir heute manchmal im Berufsalltag miteinander umgehen. Niemand will mehr Verantwortung übernehmen, schiebt Fehler oft dem anderen in die Schuhe. Wir vom Baumanagement sind dann die Letzten in dieser Beschuldigungskette. Da gäbe es Lösungen in optimierten Zusammenarbeitsmodellen. Aber eigentlich ist ein Job in unserer Branche extrem spannend und bietet die Möglichkeit, schon in jungen Jahren sehr viel Verantwortung zu übernehmen. Wenn aber dann jemand überrollt wird und am Schluss der Blödmann ist, dann steigen viele wieder aus. Hier muss sich die Bauwirtschaft überlegen, wie sie diesem Problem begegnen will. Was kann man als Unternehmen selbst gegen den Fachkräftemangel tun ? Marco Bertolini:  Dazu braucht es ein Engagement, das über die eigene Firma hinausgeht. Schon Max Bosshard hat durch seine Lehrtätigkeit unzählige junge Menschen ausgebildet, und Peter Zwick führt dies an verschiedenen Schulen weiter. Zugleich bietet die Unterrichtstätigkeit die Chance, jungen Leuten unser Unternehmen näherzubringen. Wir investieren aber auch selbst viel in die Ausbildung der Mitarbeitenden – sowohl zeitlich als auch finanziell. Dazu kommen noch interne Weiterbildungsprogramme. Dass ehemalige b + p-Mitarbeitende bis heute sechs eigene Firmen gegründet haben, zeigt, dass sie bei uns das nötige Rüstzeug mitnehmen konnten. Peter Zwick:  Wir bei b + p haben das Glück, sehr viele spannende Bauten realisieren zu dürfen. Das macht einen Job bei uns im Vergleich zu anderen Büros attraktiv. Zugleich ist der Stolz auf Projekte eine Motivation, gute Arbeit zu leisten. Das alleine genügt aber nicht. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, stellen wir jedes Jahr auch mehrere junge Bauleiterinnen und Bauleiter frisch ab den Schulen ein. Unter den Fittichen einer erfahrenen Fachperson und bei einem Projekt passender Grösse machen sie dann bei uns quasi ihre Lehre. Max Bosshard: Weiterbildung und Motivation waren schon zu meiner Zeit ein Thema. So haben wir an speziellen Bürotagen unser Wissen intern ausgetauscht. Und zur Motivation unternahmen wir Büroreisen, etwa nach New York oder Berlin. Das hat das Team zusammengeschweisst und die Leistungsbereitschaft gefördert. Was hat Sie drei selbst motiviert, über lange Zeit dabeizubleiben, und was gibt Ihnen heute noch den nötigen Kick ? Peter Zwick:  Unsere spannenden Projekte sind für mich persönlich eine grosse Motivation. Es macht mich beispielsweise stolz, durch die Masoala-Halle im Zoo oder durch das Kunsthaus Zürich zu gehen und zu wissen, dass diese Bauten auch dank uns gut herausgekommen sind. Marco Bertolini: Ich besass in meiner Anfangszeit bei b + p noch ein eigenes kleines Architekturbüro. Irgendwann musste ich mich dann entscheiden zwischen dem Ent-

werfen von Einfamilienhäusern und den grossen Projekten hier bei b + p. Für mich war rasch klar, wofür mein Herz schlägt, und das ist bis heute so geblieben. Max Bosshard: Bei mir war die Motivation damals vor allem der Aufbau des eigenen Büros. Und heute kann ich mit Stolz von aussen schauen, was sich daraus entwickelt hat. Der Fachkräftemangel ist eine Herausforderung für die Branche. Was wird Sie in den nächsten Jahren sonst noch beschäftigen ? Peter Zwick:  Ganz klar die Art der Zusammenarbeit, die ich bereits erwähnt habe. So, wie es jetzt läuft, ist es meist nicht angenehm, und so kann es nicht weitergehen. Mein Ziel ist es, ein Projekt in einer neuen Zusammenarbeitsform umzusetzen. Beispielsweise als Projektbündnis oder IPD ( Integrated Project Delivery / Integrierte Projektabwicklung ), wie es im angelsächsischen Raum genannt wird. In solchen kooperativen Modellen sehe ich die Zukunft. Kürzlich haben Sie die Integration in die WSP-Gruppe kommuniziert. Was hat Sie zu dieser Lösung bewogen ? Marco Bertolini:  Wir haben schon länger Optionen für den Ausbau unseres Angebots sowie für die Nachfolgeregelung geprüft. Doch für eine Erweiterung der Geschäftsfelder fehlten uns Ressourcen und Geld. Verschiedene Unternehmen hatten uns schon Übernahmeangebote gemacht. Doch erst bei WSP hat es jetzt gestimmt. Die Firma verfügt über eine komplementäre Kompetenz und pflegt eine ähnliche Kultur. Zudem kennen wir WSP aus der Zusammenarbeit bei verschiedenen Projekten. Durch die Fusion können wir Fähigkeiten und Erfahrungen bündeln. So lassen sich Leistungen weiterentwickeln. Gleichzeitig erhalten unsere Mitarbeitenden neue Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten. Wie lange bleibt die jetzige Führungscrew noch an Bord ? Peter Zwick:  Grundsätzlich bleibt b + p eigenständig, nur das Aktionariat ändert. Marco und ich bleiben die nächsten drei bis fünf Jahre noch dabei. In dieser Zeit werden wir uns kontinuierlich aus unseren Führungsfunktionen zurückziehen. Parallel dazu übernehmen Mitglieder des bestehenden Kaders das Management. Marco Bertolini:  Dank Pionierleistung und Markterschliessung hat b + p nun schon seit 25 Jahren Bestand. Mit dem Schritt, Mitglied von WSP zu sein, wurde ein weiterer, erfolgreicher Meilenstein erreicht. 

b + p baurealisation ag im Zeitraffer 1971: Gründung des Büros ‹ mb-Realisierung › für die Planung und Realisierung von Hochbauten durch Max Bosshard in Zürich-Oerlikon 1973: Aufgliederung des Büros in je einen Bereich für Planung und Realisierung 1983: Erste GU-Submission 1985: Übernahme des Architekturbüros de Stoutz und Adam, Gründung des Zweigbüros Kreuzbühlstrasse, Zürich 1993: Gründung des Arbeitsteams Baurealisation 1996: Gründung von zwei Aktiengesellschaften, eine für das Architekturbüro, die andere für die Baurealisation 1999: Zusammenzug aller Büros in ZürichOerlikon 2005: Umbenennung in b + p baurealisation ag 2009: Übergabe von Max Bosshard an die neue Geschäftsleitung, Eröffnung der Niederlassung St. Gallen 2010: Eröffnung der Niederlassung Basel 2013: Aufbau der Bereiche Bauherrendienstleistung und Gesamtleitungen 2015: Eröffnung der Niederlassung Bern

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Alle Fäden in der Hand Viele Architektinnen und Architekten und Bauherrschaften stützen sich heute ganz selbst­ verständlich auf die Leistungen eines Bau­ managementbüros ab. Früh hat Architekt Max Bosshard dies erkannt und ein Büro für Planung und Realisierung von Hochbauten gegrün­ det. Er legte damit den Grundstein für die heutige b + p Baurealisation. Dieses Heft wirft einen Blick auf die vielfältigen Tätigkeitsbereiche des Unternehmens und zeigt anhand aus­ gewählter Beispiele, wie sich die Bedeutung der Baumanager seit den 1960er-Jahren bis heu­ te entwickelt hat und wie wichtig die Fachleute sind, die die Fäden im Hintergrund zusammen­ halten. www.bp-baurealisation.ch

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