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| HK-Gebäudetechnik 6/18 |

Energie | Wärme | Strom |

Das durchlässige Datennutzungskonzept für die Gebäudeplanung – Building Information Modeling (BIM) – nimmt auch die Photovoltaik ins Boot. Als Bauteil für die Gebäudeintegration einerseits und als Element für die Stromversorgung andererseits werden Photovoltaik-Module in die digitale Kommunikation zwischen allen Gewerken einbezogen. Die Integration von Modulen führt zu zahlreichen Schnittstellen, deren Handhabung mit BIM leichter erfolgen sollte als bisher. Planer mit BIM-Pra is werden somit auch einfacher gebäudeintegrierte Photovoltaik-Anlagen realisieren können. Während in der Schweiz die frei stehende Anordnung von PhotovoltaikAnlagen kein reales Thema mehr darstellt, sind solche Installationen in Ländern mit grossem Platzangebot eine zunehmende Pra is. Dabei werden auch einachsige Nachführungsständer (Tracker) eingesetzt, um den Ertrag der Solarproduktion zu erhöhen. Strompreise von nur noch 2 Rappen pro kWh scheinen auf diese Weise erreichbar zu sein.

Zellen- und Modulentwicklungen – Wirkungsgrad als Knacknuss

Die 16. PV-Tagung in Bern hat sich verständlicherweise nicht primär auf die Zellen- und Modulentwicklung konzentriert, denn im Gegensatz zur dynamischen Marktveränderung ist jene eher evolutionär. Dennoch wurde über Neues berichtet. Silizium dominiert die Entwicklung wieder klar. Der Herstellprozess ist einfach und etabliert, durch die Massenproduktion konnten Kosten gesenkt werden und modifizierte, leistungsstärkere Schneidtechniken unterstützen die Produktion. Standard-Solarzellen weisen einen Wirkungsgrad von rund 2 Prozent auf. Eine Steigerung wird selbstverständlich weltweit von allen Forschungsgruppen angestrebt. Es hat sich gezeigt, dass zusätzliche Potenziale in einer veränderten Rückseitengestaltung der Solarzellen zu finden sind. Die PERCTechnologie (Passivated Emitter Rear Cell) ermöglicht einen additiven Rückseitenertrag durch einen Refle ionseffekt. Herkömmliche Silizium-Zellen weisen einen vollflächigen Aluminium-

Rückkontakt auf, der die Strahlung absorbiert. Mit der PERC-Technologie kann der Wirkungsgrad erhöht werden, indem eine zusätzliche dielektrische Schicht das Licht in die Zelle reflektiert. Dadurch erzeugen die Photonen mehr Strom. Die PERC-Solarzelle ist dafür mit einer verspiegelten und passivierten Rückseite ausgestattet. Wohl limitiert die Physik von Silizium den theoretischen Wirkungsgrad auf 29,4 Prozent. Mit Tandem- und TripelZellen lässt sich dieser Wert überwinden und über 3 Prozent realisieren. Eine weitere Entwicklung findet bei der Heterojunction-Zellentechnologie statt, in der auch beidseitige Beschichtungen durchgeführt werden, die zu einem Ertrag von beiden Seiten her führen. Sie verknüpft die Vorzüge der kristallinen Silizium-Zellen mit den besonderen Eigenschaften von amorphem Silizium, welches in der Dünnschicht-Technologie genutzt wird. Schliesslich bieten unterschiedliche Farbgebungsverfahren eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten und eine beinahe freie Fassaden- bzw. Dachintegration. Die Photovoltaik ist endgültig zum wählbaren Bauteil avanciert. Somit besteht kein Grund mehr, auf die Solarstromproduktion zu verzichten. Für Neubauten wird sie in Zukunft auch durch die MuKEn verlangt. Jenseits des Wechselrichters lauern indes Gefahren und Chancen zugleich. Mit dem Eigenverbrauch und entsprechenden Gemeinschaftsmodellen ergeben sich aber neue Aspekte für die Branche. ■ Informationen – Swissolar, Schweizerischer Fachverband für Sonnenenergie: www.swissolar.ch

Die Photovoltaik-Anlage ist erst der Anfang, die Solarwirtschaft wird mit unterschiedlichen Kompetenzen am Bau konfrontiert. (Bild: Adrian Kottmann / BE Netz AG)

– Leitfaden Eigenverbrauch: www.swissolar.ch/zev

Der Solarstrom-Ertrag ist in den Alpen vor allem im Winterhalbjahr deutlich grösser als im Mittelland. Die Akzeptanz für grosse Anlagen im alpinen Raum dürfte jedoch fehlen. (Bild: Jürg Rohrer / ZHAW)

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Heft 06 2018  

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