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GOLDENE SPENGLERARBEIT 2015

Sammlung schöner Bauten zu den Themen

Architektur Metallhülle Handwerk Verein diplomierter Spenglermeister der Schweiz


GOLDENE SPENGLERARBEIT 2015

Sammlung schöner Bauten zu den Themen

Architektur Metallhülle Handwerk Verein diplomierter Spenglermeister der Schweiz

Zum Titelbild Kindergarten Zelgli-West in Untersiggenthal mit goldener Schlangenhaut, Sieger des Wettbewerbs «Die Goldene Spenglerarbeit 2015».


Goldene Spenglerarbeit 2015

Verein diplomierter Spenglermeister der Schweiz

Neue, ansprechende metallische Gebäudehüllen an Dach und Wand Lieber Leser, liebe Leserin Sie halten unsere gebundene Publikation in den Händen mit der imposanten Sammlung aller am Wettbewerb «Goldene Spenglerarbeit 2015» beteiligten Botschafter der Thementitel ArchitekturMetallhülle-Handwerk.

• Architektur, weil die Idee, die Form, der Ausdruck und die geschickte, passende Materialisierung Architektur ist; • Metallhülle, weil wir dipl. Spenglermeister Spezialisten der metallischen Gebäudehülle sind, an der Fassade und auf dem Dach; • Handwerk, weil anspruchsvolle Projekte zwar als Skizze und Plan entstehen, dann aber bei der Ausführung gemeistert werden müssen. Hierzu und hierfür stehen wir als Träger des Spenglermeisterdiploms ein. Metallbekleidungen an Dach und Fassade haben ihren Stellenwert und ihre Güte immer wieder unter Beweis gestellt. Sie sind hinter der Hülle meistens durchlüftet, wärmegedämmt und luftdicht gebaut, also funktionell, bauphysikalisch und energietechnisch hervorragend konstruiert. Nicht umsonst werden auch auf 3000 m Höhe die Berghütten mit Blech umhüllt. Gebäudehüllen aus Metall lassen einen grossen Spielraum bei der optischen Gestaltung zu.

Bruno Käufeler. Präsident Jury

Bernard Trächsel. Sekretär Jury und Redaktion

Goldene Spenglerarbeit 2015

geführten Wettbewerbes 2014/2015. Die Jury wurde mit 28 hochkarätigen Objekten bedient. Alle eingereichten Arbeiten sind die Reflektion innovativer Ideen, gepaart mit handwerklichem Können. Sie sind neue Juwelen, die unseren Beruf facettenreich zum Ausdruck bringen. Der Sieger wurde erneut mit dem VDSS-Zehnder-Preis in der Höhe von Fr. 10 000.– geehrt, die Siegerplakette wurde im Juni 2015 feierlich mit der Gemeindepräsidentin und dem Architekten am Kindergarten Zelgli West in Untersiggenthal montiert. Liebe Leserinnen, liebe Leser, wir laden Sie einmal mehr herzlich dazu ein, die hervorragenden Leistungen unseres Spengler-Handwerkes zu erleben. Gute und anerkannte dipl. Spenglermeister werden auch künftig wieder Juwelen schaffen. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre, und auf Wiedersehen bis zur Goldigen 2018! ■ Bruno Käufeler / Bernard Trächsel

Um diese Architektur und das Handwerk mit Dünnblechen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, führt der Verein diplomierter Spenglermeister alle drei Jahre den nationalen Wettbewerb die «Goldene Spenglerarbeit» durch. Weil wir 2013 das 50. Jubiläum unseres Spenglermeister-Vereins feiern durften, ist die «Goldene Spenglerarbeit» diesmal nach vier Jahren Pause wieder da, ein Jahr später als üblich. Das aussergewöhnliche Siegerobjekt und alle übrigen am Wettbewerb beteiligten Bauten werden seit Mai dieses Jahres wieder in heimischen und internationalen Fachzeitungen vorgestellt und gewürdigt. Die vorliegende Dokumentation präsentiert alle Teilnehmenden des nun zum sechsten Mal durch-

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WER MACHT, DASS ICH AUCH IM BERUF DURCHSTARTE? Spenglerin Spengler EFZ Berufsbeschreibung Spenglerinnen und Spengler sind Fachleute für Blecharbeiten und Abdichtungen an der Gebäudehülle. Ihre Tätigkeit umfasst auch Dünnblechverarbeitung und die Montage von Blitzschutzanlagen. Wo gebaut wird, wirken die Spenglerin und der Spengler stets mit, denn Rinnen und Rohre, Blechund Fassadenbekleidungen, Abdeckungen, Metalldächer und Blitzschutzanlagen machen Gebäude erst wetterfest und dauerhaft. Spenglerinnen und Spengler fertigen die einzelnen Werkstücke in der Werkstatt, nachdem auf dem Bau genau Mass genommen wurde. Sie verwenden Bleche aus verschiedenen Materialien und manchmal auch Kunststoffe. Der Spengler und die Spenglerin gelten als Künstler unter den Handwerksberufen. Sie sind mitverantwortlich für den optischen Eindruck eines Gebäudes. Neben Gegenständen für Industrie und Gewerbe fertigen sie auch kunstgewerbliche Gegenstände wie Turmspitzen und dekorative Verkleidungen an. Viele historische wie auch moderne Bauten zeugen vom grossen gestalterischen Können der Spenglerin und des Spenglers.

Ausbildung 3-jährige berufliche Grundbildung nach der eidgenössischen Verordnung über die berufliche Grundbildung «Spenglerin EFZ / Spengler EFZ». Bildung in beruflicher Praxis Die berufliche Grundbildung erfolgt in einem Spenglereibetrieb, ergänzt durch überbetriebliche Kurse. Schulische Bildung: Die Lernenden besuchen 1 Tag pro Woche die Berufsfachschule. Der Unterricht besteht aus berufskundlichen und allgemein bildenden Fächern.

Fächer: Nachhaltigkeit, Arbeitssicherheit, Rechnen, Grundlagen Chemie und Physik, Werkstoffe, Fachzeichnen, Arbeitsvorbereitung, Befestigungs- und Montagetechnik, Baukunde, Geneigtes Dach, Flachdach, Bekleidungen und Deckungen aus Dünnblech, Brand- und Blitzschutz. Berufsmaturität Bei sehr guten schulischen Leistungen kann während oder nach der 3-jährigen beruflichen Grundbildung die Berufsmaturitätsschule besucht werden. Sie ist Bedingung für den Zugang zur Fachhochschule.

Weiterbildung Kursangebote in den Bildungszentren von suissetec, an örtlichen Berufsfachschulen und Fachschulen oder in regionalen Bildungszentren. Verkürzte Grundbildung • Lüftungsanlagebauer/in • Sanitärinstallateur/in • Dachdecker/in Berufsprüfungen (eidg. Fachausweis) • Spenglerpolier/in • Energieberater/in Gebäude • Projektleiter/-in Gebäudetechnik Höhere Fachprüfungen (eidg. Diplom) • dipl. Spenglermeister/in Höhere Fachschulen (HF) / Fachhochschulen (FH) • Studiengänge in verwandten Fachrichtungen, z.B. dipl. Techniker/in HF in Gebäudetechnik • Bachelor FH in Bautechnik, Fassaden und Metallbau • Bachelor FH of Arts, Hochschule für Gestaltung

vorteilhaft Handwerkliches Geschick Freude an der Metallbearbeitung Gute Konstitution Exakte Arbeitsweise Selbständigkeit und Zuverlässigkeit Teamfähigkeit und Kollegialität Keine übermässige Empfindlichkeit gegen Hitze, Kälte und Lärm Praktisches Organisationstalent Schwindelfreiheit Räumliches Vorstellungsvermögen

wichtig

sehr wichtig


René Fasler. Präsident VDSS

Wer ist, was will und tut der VDSS

D

er Verein diplomierter Spenglermeister der Schweiz bezweckt den Zusammenschluss der diplomierten Spenglermeister zur Wahrung und Förderung der gemeinschaftlichen Berufsinteressen. Er nimmt Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit höherer Fachprüfung auf und zählt momentan fast 500 Mitglieder aus allen Regionen des Landes. Der Verein setzt sich vor allem folgende Ziele: • Pflege der Kameradschaft und des Standesbewusstseins • Erfahrungsaustausch innerhalb des Spenglergewerbes • Pflege und Förderung des Berufsbildes des Spenglers • Förderung der Berufsinteressen auch über die Landesgrenzen • Durchführung des Wettbewerbes «Goldene Spenglerarbeit» alle drei Jahre, Wettbewerbe 1999, 2002, 2005, 2008, 2011 und nun 2015. Der Verein löst seine Aufgaben in enger Zusammenarbeit mit den Organen und Institutionen anverwandter Berufsverbände, insbesondere mit dem Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverband suissetec und mit Gebäudehülle Schweiz sowie natürlich auch mit den kompetenten Branchenpartnern, Händlern und Fabrikanten sowie international mit dem Internationalen Interessenbund Baumetalle ab.

Glänzendes Handwerk

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ie Goldene Spenglerarbeit 2015 ist ein glänzendes Beispiel für exzellentes Spenglerhandwerk. Darüber hinaus ist das Objekt ein herausragendes Beispiel für das Zusammenspiel von Form, Funktion und erfolgreicher fachübergreifender Zusammenarbeit. Es freut mich sehr, dass die bewährte Partnerschaft zwischen dem VDSS und dem Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverband suissetec die Prämierung der Goldenen Spenglerarbeit erneut möglich gemacht hat. Wie die Wettbewerbsobjekte, die in dieser Broschüre vorgestellt werden zeigen, ist das Niveau der Arbeiten qualitativ hochwertig. Die Goldene Spenglerarbeit verleiht den Werken eine Stimme über die Fachwelt hinaus, was mich nicht nur als Spengler sondern auch als Zentralpräsident von suissetec stolz macht. Nicht zuletzt für das Image der Gebäudetechnik und ihrer Berufe ist die Strahlkraft des Wettbewerbs Gold wert. Die gemeinsame Arbeit für die Zukunft unserer Branche liegt mir besonders am Herzen. Es ist von grosser Bedeutung, dass die Attraktivität unseres Handwerks immer wieder von neuem sichtbar wird und wir genau solche Geschichten, wie

sie die Goldene Spenglerarbeit erzählt, in der Öffentlichkeit verbreiten können. Das ist beste Imagewerbung und solche braucht es, um auch in Zukunft auf fähige, kompetente und innovative Fachleute zählen zu können, die in der Lage sind, solch aussergewöhnliche Bauten auch zu realisieren. Ich gratuliere der Firma Palla + Partner AG aus Kleindöttingen zur Auszeichnung «Goldene Spenglerarbeit 2015». ■ Daniel Huser

Der Verein feierte 2013 sein 50. Jubiläum. Die in einem halben Jahrhundert erlebten Aufgaben und Höhepunkte sind in einer Festschrift festgehalten. ■ René Fasler Daniel Huser. Zentralpräsident suissetec

Goldene Spenglerarbeit 2015

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Verein diplomierter Spenglermeister der Schweiz

Die «VDSS-Jury»

Jurierung

Preis und Donatoren

Die Mitglieder der Jury «Goldene Spenglerarbeit 2015» einmal alle beisammen, von links nach rechts:

Der nationale Wettbewerb «Goldene Spenglerarbeit» findet alle drei Jahre statt. Teilnahmeberechtigt sind Mitglieder des VDSS mit eidg. Meisterdiplom.

Der Sieger der «Goldenen Spenglerarbeit 2015» erhält nebst der Ehre und der Präsenz in der Fachpresse den «VDSS-Zehnder-Preis», einen Barbetrag von Franken 10 000.–. Dieser Preis wird gestiftet von Alex Zehnder, Gründungs- und Ehrenpräsident des VDSS und seiner Frau Jeannette.

• Bernard Trächsel. Wilen, dipl. Spenglermeister, Jury-Sekretär und Redaktion

• René Fasler. Suhr, VDSS-Präsident, dipl. Spenglermeister und Unternehmer

• Pierre Müller. Neuchâtel, dipl. Spenglermeister und Jury-Übersetzer

• Jürg Grunder. Bern, Architekt SIA/SWB, Professor für Architektur, heute Leiter des «Studio in:ch, architects and planners Bangalore India», für nachhaltige Architektur in Indien

Beurteilt und bewertet wurden alle korrekt eingereichten Arbeiten nach den Kriterien: • Technik: Konzept, Lösung, Innovation • Handwerk: Ausführung, Arbeitstechniken, Detaillösungen • Architektur: Gestaltung, Ausdruck, Materialisierung • Zeitgeist: Attraktivität, Nachhaltigkeit, Unterhalt • Novität: Exklusivität, bereits vielfach veröffentlichte Bauten haben eine geringere Siegeschance, weil sie schon bekannt sind Der Beschluss der Jury ist nicht anfechtbar. Alle Bauten werden in Deutsch und Französisch der nationalen und internationalen Presse zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

Jeannette und Alex Zehnder. Donatoren des Preisgeldes der «Goldenen Spenglerarbeit». Der Preis wird seit dem Wettbewerb 2008 vergeben.

• Christian Zeuch. Gossau, dipl. Spenglermeister und Unternehmer, Jury-Fotograf

• Bruno Käufeler. Wettingen, VDSS-Jury-Präsident, dipl. Spenglermeister und Unternehmer

• Rudolf Zulauf. Bäriswil, dipl. Spenglermeister, ehemals Bereichsleiter LWB/Technische Fachschule Bern

Die «VDSS-Jury».

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Goldene Spenglerarbeit 2015


Impressionen Tolle Stimmung und Emotionen bei der Vorstellung aller Bauten und Preisübergabe an der VDSS-Generalversammlung vom 17. April 2015 in Solothurn.

Preisübergabe von Ehrenpräsident Alex Zehnder an den Sieger André Zoppi.

Ankunft und Apéro bei den Wettbewerbstürmen.

Aufmerksame Zuhörer bei der Präsentation der Bauten.

Mit Prüfungsnote 5.2 – René Fasler gratuliert Patric Becker, zur Feier des Tages mit edler Fliege aus Kupferblech.

Goldene Spenglerarbeit 2015

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Dank an unsere Branchenpartner Wir danken an dieser Stelle allen Marktpartnern, die durch Inserate die ideelle und finanzielle Realisation dieser Publikation ermöglichen und dadurch ihren Stellenwert und ihre partnerschaftliche Solidarität in der Gebäudehüllenbranche bekräftigen. Der VDSS freut sich über die solide, freundschaftliche und konstruktive Zusammenarbeit mit seinen Partnern, den Verbänden, Fabrikanten und Lieferanten.

Firma

SoDruck D

SoDruck F

Händler und Lieferanten Arthur Flury AG, 4543 Deitingen

×

CAVA Halbfabrikate AG, 7130 Ilanz

×

Cupolux AG, 8853 Lachen

×

Debrunner Koenig Management AG, 9014 St. Gallen

×

×

Flumroc AG, 8890 Flums

×

×

Gabs AG, 8274 Tägerwilen

×

×

Gebrüder Spiegel AG, 8280 Kreuzlingen

×

×

Gétaz-Miauton SA, 1844 Villeneuve

×

GYSO AG, 8302 Kloten

×

×

ITW Haubold Paslode GmbH, 4452 Itingen

×

×

Jorns AG, 4932 Lotzwil

×

Kisso AG, 6213 Knutwil

×

×

MAB Amsler AG, 4512 Bellach

×

×

Ohnsorg Söhne AG, 6312 Steinhausen

×

×

PREFA Schweiz, 8800 Thalwil

×

×

Rheinzink (Schweiz) AG, 5405 Baden-Dättwil

×

×

Schlebach Maschinen GmbH, D-57520 Friedewald

×

Soba Inter AG, 5405 Baden-Dättwil

×

Soprema AG, 8957 Spreitenbach

×

Spengler Direct AG, 8564 Engwilen

×

Strub + Blaser AG, 3250 Lyss

×

Thalmann Maschinenbau AG, 8500 Frauenfeld

×

Triflex GmbH, 6260 Reiden

×

×

Umicore Strub AG, 3250 Lyss

×

×

Velux Schweiz AG, 4632 Trimbach

×

×

VM Zinc Umicore Building Products Schweiz AG, 3178 Bösingen ×

×

×

VDSS-Mitglieder und Wettbewerbsteilnehmer Casa-technica.ch, Landolt Gebäudetechnik, 8752 Näfels

×

Cofal société coopérative, 1052 Le Mont-sur-Lausanne

×

E. Deléderray toitures S.A., 1020 Renens

×

F. Betschart + Söhne AG, 6434 Illgau

×

Fasler AG, 5034 Suhr

×

Jean-Michel Sarrasin SA, 1937 Orsières

8

×

Käufeler AG, 5430 Wettingen

×

Palla + Partner AG, 5314 Kleindöttingen

×

Ramseyer und Dilger AG, 3000 Bern 22

×

StF Messerli AG, 3232 Ins

×

WAGA Spenglertechnik AG, 8370 Sirnach

×

Zeuch AG, 9200 Gossau

× Goldene Spenglerarbeit 2015


Alle anwesenden, stolzen Wettbewerbsteilnehmer mit Meisterdiplom, oben v.l.n.r.: Peter Albisser, Georg Rossi, Preisgeber Alex Zehnder, Patrick Weiss, Adrian Loretz, Sieger André Zoppi, Stefan von Rotz, Remo Wyss, André Hagen, Thomas Rütsche (verdeckt), v.l.n.r. unten: Markus Furrer, Marcel Filli, Christian Tresch, Stephan und Nicole Fankhauser, Cédric Oehen, Gregor Bless, Marc Hausheer, René Imholz und René Landolt.

Bruno Käufeler gibt den Sieger bekannt.

Teilnehmen kommt vor dem Rang: Honorierung aller Mitwirkenden.

Goldene Spenglerarbeit 2015

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Nr./Objekt

Goldene Spenglerarbeit 2015

Teilnehmer

23 15 24

21 25 30 14

31 33 29 2

18 16 32 17

26

19 27

20 12

22

3

1

4 28 13

10

34

11

Seitenzahl

1

Espace Saint-Marc, Châble / Bagnes

18

2

Büros und Werkstatt Cofal, Le Mont-sur-Lausanne

22

3

Saal / Salle del Castillo, Vevey

25

4

Turn- und Mehrzweckhalle, Haute-Nendaz

28

11 Gipfelrestaurant Weisshorn, Arosa

31

12 Treschhütte Fellital, Gurtnellen

34

13 Neubau Casa Lee-Stocker, Rancate

36

14 Neubauten EBG, Luzern

38

15 Kindergarten Zelgli West, Untersiggenthal

12

16 Villa Patumbah, Zürich

40

17 Neubau Forsthütte Chopfholz, Rüschlikon

44

18 Brauhaus am Neumarkt, Winterthur

46

19 Wohn- und Pflegeheim Lindenbaum, Züberwangen

48

20 Zweifamilienhaus, Altdorf

51

21 Erweiterungsbau Schulhaus Rudolf Steiner, Lenzburg

53

22 MFH Aquasanapark, Chur

56

23 Kantonsspital, Münsterlingen

58

24 Neubau Hofhaus, Büsserach

60

25 2 Einfamilienhäuser, Fassadensanierung, Oberwil-Lieli

62

26 Haus / Pavillon am Sarnersee, Wilen

64

27 Gartenhaus / Pergola, Schänis

66

28 La Residenza, Lugano Paradiso

68

29 Erlebnisbad Westside, Bern

70

30 Riesenameise, Sins

73

31 Neubau Spenglerei Werkstattgebäude, Ins

75

32 Neubau EFH, Zürich

78

33 Raiffeisenbank, Ittigen

80

34 Jansen Campus, Oberriet

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Goldene Spenglerarbeit 2015


Montage der Siegerplakette im Eingang des Kindergartens Zelgli West in Untersiggenthal am 9. Juni

Der Sieger und seine Gästeschar: v.l.n.r.: René Fasler, Pierre Müller, Bruno Käufeler, Preisgeber Alex Zehnder, Preisträger André Zoppi, Gemeindepräsidentin Marlène Koller, Bernard Trächsel, Rudolf Zulauf, Christian Zeuch, Jeannette Zehnder, Co-Redaktorin Elisabeth Zulauf und der Architekt Daniel Schweizer von Eglin Schweizer Architekten AG. (Foto: Patrick Lüthy)

Die Zelgli-West-Kinder empfangen die Erwachsenen in ihrem Heim. (Foto: Patrick Lüthy)

Plakettenmontage durch André Zoppi und Rudolf Zulauf, Kreator Ehrenplakette.

Nun ist der Bau auf ewig belobigt.

Goldene Spenglerarbeit 2015

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Goldene Spenglerarbeit 2015

Märchenhaft und mit goldener Schlangenhaut: der Kindergarten Zelgli West in Untersiggenthal

Die architektonische Idee ist ein echter Wurf. Bauform und Werkstoffe sind unüblich, aber perfekt gewählt. Die Umsetzung der Gebäudebekleidung durch Palla + Partner AG ist ein bemerkenswertes Beispiel von gutem Handwerk.

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S

penglermeister André Zoppi, Vorarbeiter Thomas Kohler und das Spenglerteam haben ganze Arbeit geleistet. Der Bau fasziniert von der Grundidee über die gestalterische Umsetzung bis hin zur gekonnten Umsetzung am Bau mit dem goldenen Blech Tecu Brass von KME. Objektbeschrieb laut Eingabe Schlagzeile: «Seit Februar 2012 verschlingt ein goldiges Schuppenungeheuer Kinder aus Untersiggenthal…» Die Eglin Schweizer Architekten AG haben sich beim Entwurf des neuen Kindergartens an dem Buch «Der Kleine Prinz» von Antoine de Saint-Exupéry orientiert. Die Zeichnung der Schlange, die einen Elefanten verschluckt, diente als Vorlage. Auf geistreiche Goldene Spenglerarbeit 2015


Bautafel Objekt: Neubau Kindergarten Zelgli West Konstruktion Dach: Belüftetes Doppelfalzdach Konstruktion Fassade: Belüftete Spitzrauten-Bekleidung Werkstoff Spenglerarbeiten: Dünnblech Tecu Brass, Legierung CuZn30

André Zoppi. Spenglermeister, Inhaber Palla + Partner AG, Kleindöttingen

Baubeteiligte Bauherr: Einwohnergemeinde Untersiggenthal Spengler: Palla + Partner AG, Kleindöttingen, Spenglermeister André Zoppi, Vorarbeiter Thomas Kohler und Mitarbeiter Holzbau: Max Fischer AG, Lenzburg Holzbau/Ingenieur: Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See Schreinerarbeit: Fehr AG, Turgi Architekt: Eglin Schweizer Architekten AG, Baden

Der stolze Sieger im anfänglich goldenen Gewand.

Goldene Spenglerarbeit 2015

und spielerische Art wurde sie umgesetzt. Ja, es ist ein Wurf. Der neue Kindergarten Zelgli West vervollständigt durch seine Form und Stellung die Gesamtanlage. Die Aufenthaltsräume sind nach Süden zum Spielgarten hin ausgerichtet und weisen ideale Lichtverhältnisse auf. Der Zugang zum Kindergarten erfolgt direkt von der Quartierstrasse über einen kleinen Vorplatz. In Anlehnung an den bestehenden Doppelkindergarten nimmt der neue Kindergarten Dachform und Materialien auf, interpretiert diese aber neu. Durch die Faltung des Daches und die unterschiedlichen Tiefen des Grundrisses ergibt sich eine aussergewöhnliche Form, welche der Fantasie von Gross und Klein keine Grenzen setzt. Die äussere Form erleben wir auch im Innenraum, der sich durch grosse Transparenz und Übersichtlichkeit auszeichnet. Im Hauptraum, auf der Galerie und in den angrenzenden Nebenräumen bieten sich den Kindern zahlreiche unterschiedliche Raumerlebnisse, Nischen und Zonen. Kindern und Lehrpersonen wird so ein abwechslungsreiches Bespielen der Räume ermöglicht. Im Innern verleiht der Holzbau den Räumen eine warme und angenehme Atmosphäre. Dass diese Arbeiten 2012 einen Prix LIGNUM erhielten, bestätigt wohl den Gesamtwert dieses Gebäudes. Das Gebäude verdankt seine schuppige, goldene Fassade der Grundidee, der Schlangenhaut. Die ausdrucksstarke Metallbekleidung schützt nicht nur die Holzkonstruktion optimal, sondern sieht vor

Thomas Kohler. Vorarbeiter

allem für das Auge toll aus. Die unterschiedlich hohen Fenster verleihen dem Gebäude zudem die Verspieltheit eines Kindergartens. Nicht nur pädagogisch und architektonisch, sondern auch ökologisch entspricht der neue Kindergarten dem aktuellsten Stand des Bauens. Verbaut wurde Massivholz ohne verleimte Platten, die hochwärmegedämmte Hülle hinter dem Blech besteht aus Recyclingdämmung, geheizt wird mit Fernwärme. Das und mehr machen den Bau zum Vorzeigeobjekt der Gemeinde Untersiggenthal. Der Kindergarten wird seinen goldenen Glanz nach und nach verlieren. Er wird einer natürlichen Patina weichen. Das Schuppenungeheuer wird aber den Glanz in den Kinderaugen nie verblassen lassen. Kommentar Jury Unser Jurymitglied, Architekt und Professor Jürg Grunder, sagt dazu: «Betrachtet man diesen Bau, sieht man, dass sich dieses Gebäude im Mittelteil duckt und zur Umgebung hin öffnet; ja, Kinder spielen auf diese Weise, bücken sich und springen dann auf. Die Fassade weckt die Analogie zur Haut einer Echse, eines Fisches – oder etwa eines Krokofanten? Die Fenster sind als Ausstülpungen, als Augen, als Verletzungen der Haut gestaltet. Nicht so beim Eingang, der grössten Öffnung. Dort ist die Fassade flach und glatt. Konsequent in der Strategie der Gestaltung, sensitiv die Arbeit der Gestalter, gekonnt und perfekt die Arbeit der Ausführenden.» Die Jury schliesst sich der schwärmerischen Interpretation des Architekturwurfs an. Sie freut sich 13


Das strahlende Gold weicht der natürlichen Patina.

aber insbesondere, dass die Idee eben nicht Idee blieb, sondern mit goldenem Blech perfekt umgesetzt wurde. Die Schuppen der Fassadenhaut haben eine sowohl horizontale wie auch vertikale Ausrichtung, anders gesagt, eine neutrale Orientierung. Hier wurde, in geglückter Zusammenarbeit von Gestaltenden und Ausführenden, von Architekt und Spenglermeister mit den jeweiligen Teams und der Bauherrschaft das richtige Material für die eigenständige Form und den spezifischen Ausdruck des Gebäudes und seiner Nutzung gewählt. Die Bekleidung ist spenglertechnisch perfekt: Die Einteilung stimmt, die Kanten sind perfekt, der Ortgang endet, wie es sein muss, ohne Blende, die Fenster sind integriert wie Augen, die Dacharbeiten sind in gleicher perfekter Qualität, kurz, es stimmt alles. Und dies erst noch goldig…, unterdessen mit schöner, warmer Patina. Es ist ein wahrer Genuss, die Qualität dieses Objekts als kulturellen Beitrag des Verbundes Architektur und Spenglerarbeit wahrzunehmen. Nicht zu vergessen ist, dass die Gemeinde diesen Bau für Kinder geschaffen hat. Mit Sicherheit eine gute und verantwortungsbewusste Investition. Die Gesellschaft sagt «danke schön». Und die Jury gratuliert mit der Ernennung zur «Goldenen Spenglerarbeit 2015». ■

Spenglerei / Kaminbau Suhr 14

Goldene Spenglerarbeit 2015


Goldene Spenglerarbeit 2015

Entstehungsgeschichte Die Architekten haben sich beim Entwurf des neuen Kindergartens an dem Buch «Der Kleine Prinz» von Antoine de Saint-Exupéry orientiert. Die Zeichnung der Schlange die einen Elefanten verschluckt diente als Vorlage. Auf geistreiche und spielerische Art wurde sie umgesetzt. Der kleine Prinz erzählt:

«Ich habe damals viel über die Abenteuer des Dschungels nachgedacht, und ich vollendete mit dem Farbstift meine erste Zeichnung. Meine Zeichnung Nr. 1. So sah sie aus:

Erste Umsetzungen der Architekten:

Ich habe den grossen Leuten mein Meisterwerk gezeigt und sie gefragt, ob ihnen meine Zeichnung nicht Angst mache. Sie haben geantwortet: «Warum sollen wir vor einem Hut Angst haben?» Meine Zeichnung stellte aber keinen Hut dar. Sie stellte eine Riesenschlange dar, die einen Elefanten verdaut. Ich habe dann das Innere der Boa gezeichnet, um es den grossen Leuten deutlich zu machen. Sie brauchen ja immer Erklärungen. Hier meine Zeichnung Nr. 2.

Was verbirgt sich unter dem Gebäudehut? Die nördliche Ansicht verrät nicht viel.

Die Leute haben mir geraten, mit den Zeichnungen von offenen oder geschlossenen Riesenschlangen aufzuhören und mich mehr für Geografie, Geschichte, Rechnen oder Grammatik zu interessieren. So kam es, dass ich eine grossartige Laufbahn, die eines Malers nämlich, bereits im Alter von sechs Jahren aufgab.»

Von Süden her sieht man hingegen bereits, was sich unter/hinter der Haut tut.

Analog zum Elefanten im Schlangenbauch …

… ist hier der Hauptraum der Mittelpunkt des Kindergartens.

Goldene Spenglerarbeit 2015

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Der stolze Spenglermeister André Zoppi zu Besuch in der Kinderwelt, oben beim Verteilen der Schoggi-Taler an die Kinder, rechts neben seinem Werk. (Fotos: Patrick Lüthy)

Die Rückseite des Kindergartens, ein Bau mit klaren Formen und Kanten, mit auffälligen Fensteraugen und perfekter Hülle.

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Goldene Spenglerarbeit 2015


Die neue metallische Hülle in Le Châble / Bagnes

A

m Ende des Tals von Bagnes, auf einem Plateau inmitten der Walliser Berge, glänzt die neue Mehrzweckhalle der Region um Verbier. Die Grösse und Form sowie der Glanz der metallischen Gebäudehülle verleihen dem Baukörper einen ganz speziellen Ausdruck. Baubeschrieb und Kommentar der Jury Die neue Mehrzweckhalle «Espace Saint-Marc» in Le Châble wurde im Frühjahr 2014 nach einigen Jahren der Planung und Ausführung als neues Symbol eingeweiht und als neue Infrastruktur für gesellschaftliche und kulturelle Anlässe zur Verfügung gestellt. Das multifunktionale Haus bietet neben verschiedenen Räumen für lokale Bedürfnisse auch Säle für höhere akustische Anforderungen.

Hier steht ein neues öffentliches Gebäude, das sich mit Bestimmtheit vom Üblichen abhebt. Geschaffen für Gemeinschaftsanlässe, für Feste, Bankette, Konzerte und Filmabende. Das neue Espace Saint-Marc ist im Ausdruck einzigartig und aussergewöhnlich.

«Espace Saint Marc», pompös, unkonventionell, mit langen, und unterschiedlich wirkenden Blechbahnen.

Architektonische Idee Charly Veuthey, Redaktor von Bagnes infos, schrieb vor der offiziellen Eröffnung: «Die Architekten Jean-Paul Chabbey und Sam Voltolini haben es zustande gebracht, dass sich die Besucher hier sowohl tagsüber als auch nachts wohlfühlen. Die Architekten haben eine äussere Hülle gesucht, in welcher sich die Umwelt widerspiegelt. Sie haben sich für CrNiStahl entschieden, mit dem Wunsch, dass die Oberfläche die jeweilige Jahreszeit zum Ausdruck bringen wird, grün im Sommer, gelb-rötlich im Herbst, weiss im Winter. Im Gebäudeinnern haben die Architekten bewusst auf wärmere Materialien gesetzt, die aber dank der grosszügigen Belichtung ebenfalls auf den Einfluss von aussen reagieren, damit sich auch hier die Umgebung widerspiegelt.»

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Goldene Spenglerarbeit 2015


Vom Telefonanruf zur Ausführung der Gebäudehülle Für Spenglermeister André Hagen begann die Geschichte im März 2011 mit einem Anruf des Architekten Jean-Paul Chabbey und der Frage, ob er in der Lage sei, innerhalb von drei Wochen Details und Submission für die gesamte Gebäudehülle mit CrNiStahl in Doppelfalztechnik zu erarbeiten. Als Ausgangslage stand ein kleiner Entwurf von 30 × 30 cm zur Verfügung.

Treppenaufgang zwischen Bahnenfront und Betonmauer.

Konkret legten die Architekten folgende Anforderungen fest: • Gebäudehaut mit drei verschiedenen CrNiStahlBlechen, Ugitop Ugibright und Ugibat sowie drei verschiedenen Verlegeabwicklungen mit Achsmassen 200, 390 und 490 mm. • Keine weitere sichtbare Linie am Ortgang, perfekte Einhaltung der gegebenen Linien und Kanten ohne Unterbruch. Übergang des Falzbildes vom Dach in die Fassade wie über die Dachkante gebogen. • Technische Elemente wie Aufbauten, Dunstrohre oder Schneefangrohre sollten die Dachfläche nicht zerstören. • Die Rinnen auf dem Hauptdach sollten trotz der grossen Wassermengen nicht oder wenig sichtbar sein, auch sollten keine Ablaufrohre durch den grossen Saal oder sichtbar über die Fassaden geführt werden. • Energetisch wurde ein Wärmedämmwert von 0,14 W/m2K für die Fassaden und 0,12 W/m2K für das Dach gefordert. • Schliesslich musste das Vordach, freischwebend über dem Eingang des Gebäudes, mit einer Ausladung von vier Metern konstruktiv und ausführungstechnisch gelöst werden. Nach ernsthaften Überlegungen und Aussprachen entschied sich André Hagen, diese einmalige Aufgabe zu übernehmen und zusammen mit seinem Spenglermeisterfreund Thomas Rütsche von Waga Spenglertechnik in Sirnach, spezialisiert in der Fabrikation von Blechbahnen, an die Hand zu nehmen. Darauf folgten die Erarbeitung des Leistungsverzeichnisses und die öffentliche Ausschreibung im Walliser Amtsblatt. Verhandlungen mussten geführt werden. Das ursprüngliche Budget von 850 000 Franken war für ein Industriedach berechnet worden. André Hagen lag mit dem günstigsten Angebot trotzdem um zwei Millionen Franken deutlich höher.

André Hagen. Spenglermeister, Deléderray toitures SA, Renens/Lausanne

Goldene Spenglerarbeit 2015

Thomas Rütsche. Spenglermeister, Waga Spenglertechnik, Sirnach 19


Bautafel Objekt: Mehrzweckhalle Espace Saint-Marc, Châble/Bagnes Konstruktion Dach/Fassade: Doppelfalzdach und Fassade mit Winkelfalz Werkstoff Spenglerei: Ugitop, Ugibright und Ugibat Baubeteiligte Bauherr: Gemeinde/Commune de Bagnes Bahnen und Werkstoff führen über die Dachkante in die Dachdeckung weiter. Eine grosse Zentralrinne entwässert die Dachflächen.

Spengler: E. Deléderray toitures SA, Spenglermeister André Hagen, Renens/Lausanne, in Zusammenarbeit mit Waga Spenglertechnik, Spenglermeister Thomas Rütsche, Sirnach Planung Entwässerung: Bureau AZ Ingénieurs Lausanne SA, D. Sberna

Nach einigen Streichungen und Konzeptänderungen einigte man sich auf eine Ausführung zum Pauschalpreis von 1,5 Millionen. Anfangs August 2012 begann die reale Umsetzung mit einem gemischten Team aus Deutsch sprechenden Mitarbeitern von Waga und Französisch sprechenden Mitarbeitern von E. Deléderray toitures SA. Technische Schwierigkeiten und Verantwortung Die aussergewöhnliche Konstruktion und die architektonische Wunschliste forderten von den zwei Spenglermeistern, über die Normengrundlagen hinweg adäquate Lösungen zu finden. Zur Dachentwässerung entschied man sich für eine grosse, zentral gelegene, eingelegte Rinne, damit das Wasser schnell und gezielt abgeführt werden kann. An den Lärm-

schutz wurden grosse Ansprüche gestellt. Darum kamen nur Abläufe aus Geberit Silent db 20 zum Einsatz, mit zusätzlicher WD bei den Betondurchgängen. Die WD der Fassaden liess nur begrenzte Durchmesser zu. Darum wurde die Anzahl Abläufe anforderungsgerecht verdoppelt. Dies bringt den Vorteil, dass ein Grossteil des Regenwassers verteilt entwässert und nicht erst am Ende der Rinne abgeführt wird. Entsprechend dem Wunsch der Architektur wurden einzelne Einlegerinnen partiell unter der Dachdeckung verlegt. Die Anforderungen an die UK und ihre Dichtheit wurden entsprechend sorgfältig umgesetzt: In der Nähe der Rinne erfüllt die dichte Unterdachhaut die geforderte Qualität für Flachdächer, auch wurden in diesem Bereich Z-Profile, Dicke 3 mm, anstelle von Holz-Konter-

Dachaufbau und Dachschichten • Tragende Metallkonstruktion. • Beschwerende, vorfabrizierte Betonplatten, 80 mm dick, wichtig für die Masse im Hinblick auf die Saalakustik. • Bituminöse Dampfbremse, vollständig geklebt. • Thermische Dämmung, Flumroc Para 220 mm und PU 120 mm in Bereich der eingelegten Rinne. • Dichtes Unterdach Ampatop Seal. • Doppelte Konterlattung, Höhe 120 mm (2 × 50 × 60 mm), mit Distanzschrauben Rogger befestigt. • Offene Schalung 27 × 120 mm auf die Konterlatten geschraubt. • Schalungsschutz-Trennlage Ampatop Protecta Plus. • Dachdeckung mit CrNiStahl Ugitop mit matter Oberfläche und Ugibright mit glänzender Oberfläche. • Die breiten Einlegerinnen sind mit Flachdachbahnen EPDM Resitrix SR 2,5 mm ausgeführt. 20

Architekten: Sam Voltolini und Jean-Paul Chabbey, Monthey

latten verlegt und die Schalung wurde schliesslich unterseitig mit Alublech geschützt. Da keine Elemente sichtbar sein durften, wurden die Dunstrohre in eckigen Rohrkanälen seitlich der Kastenrinnen hinausgeführt. Für die innere Lüftung der Säle haben die Planer Lüftungsräume hinter der Fassade vorgesehen. An diesen Stellen wird die Luftzufuhr durch das Verlegen einer gelochten Fassade erzielt. Verschiedene Durchdringungen wurden so fassadenseitig platziert oder zum Teil in schweren Türen integriert. Um die Fassade auch im Interieur präsent zu machen, wurden entsprechende Blechscharen auch an einer Wand beim Eingang im Untergeschoss und an der Decke des zweiten Eingangs zum Hauptsaal verlegt. Nach dem ersten Winter mussten nach Beobachtung des Verhaltens des Schnees auf den Dächern und ihren Kanten, entgegen den vorherigen Vorstellungen der Planenden, individuell entworfene Schneestopper auf die Bahnen montiert werden. Die zwei Spenglermeister und ihre Mannschaften sind glücklich und stolz, diese spezielle und anspruchsvolle Spenglerarbeit realisiert zu haben. Sie stellten auch einhellig fest, dass die Zusammenarbeit zwischen Architekten, Bauherrschaft

und übrigen Bauberufen hervorragend geklappt hatte. Auch das Zusammenwirken von Deutschschweizern und Romands war bereichernd und machte Spass. Die Jury sieht hier ein imposantes, durchaus unübliches Objekt. Die vielen Facetten und Ausdrucksformen machen den Bau interessant, aber auch gewöhnungsbedürftig. Er könnte ein Bergkristall sein. Von der Bevölkerung wird er liebevoll «l’écrin métallique / das Metall-Schmuckkästchen» genannt. Der Bau dieser Bekleidung verlangte ein grosses Wissen bezüglich Planung und Ausführung von Gebäudehüllen. Gefordert waren Kenntnisse von Statik und Physik, vom Verhalten der Werkstoffe bei wiederkehrend anfallender Feuchtigkeit, von Schutz und Entwässerung, von Fabrikation, von Logistik und Transport im korrekten Timing, von Falztechnik bei extremen Bahnlängen mit Problemen der Wellung. Die Spenglermeister und ihre Männer haben die ihnen gestellte Herausforderung angenommen und sauber umgesetzt. Konstruktion und Dichtheit im Untergrund sind gemeistert, Beulen sind gewollte Lebendigkeit, Glanz war geforderter Spiegel. Bravo für die Gebäudehüllen- und Spenglerarbeit an diesem anspruchsvollen und speziellen Bau. ■ Goldene Spenglerarbeit 2015


Schöne Sanierung der Gebäudehülle bei Cofal Gebürstetes Aluminium verzaubert den Anblick der Fassade je nach Lichteinfall. Der neue Look bei Cofal wirkt gefällig und kompetent. Die energetische Sanierung war selbstverständlich.

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in Spengler verlegt Metall. Er ist offen für bestehende und neue Technologien. Nach der Analyse des Bauzustands an ihrer Liegenschaft hat sich die Firma Cofal in Mont-sur-Lausanne dazu entschieden, die Gebäudehülle des Büround Werkstattgebäudes zu sanieren. Die Arbeitsbedingungen sollten optimiert werden können. Die energetische Sanierung sollte Kosten sparen. Nicht zuletzt wollte die Firma Cofal ihre Kompetenzen mit modernen Techniken und Werkstoffen an der eigenen Gebäudehülle zeigen.

Objektbeschrieb und Kommentar Jury Das ursprüngliche Geschäftsgebäude der Firma Cofal wurde 1979 erstellt und bestand aus einem Wohn- und Bürotrakt aus vorfabrizierten Betonelementen. Ergänzend wurde ein Metallbau mit Werkstatt angegliedert. 1986 folgte eine Aufstockung um eine Etage. 2004 folgte ein erster Sanierungsschub mit der Erneuerung der Dämmung und der Dachhaut aller Flachdächer. 2012 folgte eine weitere Sanierungsetappe mit der Erneuerung der bisher schlecht isolierten Fassaden. Die Sanierung bot zugleich die Möglichkeit, der Fassade einen neuen, modernen Look zu verleihen und die Solaranlage zeitgemäss auszubauen. Das Architekturbüro Andrès et Ferrari Architectes SA von Croix-sur-Lutry arbeitet seit Langem regelmässig bei Bauprojekten mit dem Kader von Co-

Niemand vermutet unter den gebürsteten Aluminium-Platten des neuen Cofal-Looks zwei ältere, unterschiedliche Bauten.

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Goldene Spenglerarbeit 2015


fal zusammen. Es wurde beauftragt, ein Projekt mit folgenden Zielen zu entwerfen: Deutliche Stärkung der Wärmedämmung zur Senkung des Energieaufwands und der Kosten, Sanierung der Heizung und Ausbau der Solaranlage sowie Entwurf einer neuen, hinterlüfteten, modern wirkenden Metallfassade. Früh in der Evaluation wurde man sich einig, dass grossformatige, gebürstete Aluminiumplatten dem Gebäude einen ansprechenden und attraktiven neuen Look verleihen könnten. Grossformatige Platten ermöglichen es auch, die Fassaden der Einzelbauteile zu verbinden, sodass eine neue, kompakte Einheit entstehen würde. Um in der Wirkung der gebürsteten Flächen einen Kontrast zum Ausdruck zu bringen, wurde entschieden, einzelne Platten bewusst senkrecht zur sonstigen horizontalen Montagerichtung zu verlegen.

Das Dach ist zeitgemäss mit einer grossen Solaranlage versehen.

Die Einteilung mit Rastern unterstützt und betont die länglichen Fensteröffnungen der Bereiche Büro und Werkstatt. Die dekorierenden, senkrecht verlegten Aluminiumplatten sind nach Design Planung des Architekten auf die Fassadenfläche verteilt worden. Das Aussehen und die optische Wirkung dieser Dekorelemente verändern sich je nach Betrachtungswinkel und Lichteinfall auf faszinierende Weise. Die Firma Cofal ist nun in einem Industriebau mit moderner Fassade beheimatet, deren Gesicht sich je nach Wetter und Lichteinfall verändert. Die neue Fassade bringt nebst dem attraktiven Look auch die Kompetenz der Firma im Bau von belüfteten Fassaden zur Geltung.

Marc Hausheer. Maître ferblantier Entreprise Cofal, Mont-sur-Lausanne

Ausführung und Konstruktion Im Einklang mit den planerischen Voraussetzungen, wurde die Heizung im Sommer erneuert und die Fassade im Winter. Das gab die Möglichkeit, in Zeiten schlechten Wetters mit einem Teil der Angestellten an der eigenen Fassade zu arbeiten.

Bautafel Objekt: Büros und Werkstatt Cofal, Mont-sur-Lausanne Konstruktion Dach: Flachdach mit Photovoltaik-Anlage Konstruktion Fassade: Belüftete Konstruktion, Prefa Verbundplatte, Aluminium gebürstet Baubeteiligte Bauherr: Cofal, Ferblanterie Couverture Installations sanitaires Spengler: Cofal, Ferblanterie Couverture Installations sanitaires Marc Hausheer, Spenglermeister Architekten: Andrès et Ferrari Architectes SA, La Croix-sur-Lutry

Goldene Spenglerarbeit 2015

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Übergang Fassade zu Flachdach und Mauerumrandung.

Die Unterkonstruktion musste für die vorhandenen Betonwände und Metallkassetten tauglich sein und verschiedene gefangene Fenster und Bauöffnungen überbrücken. Man entschied sich für das flexible, wärmebrückenfreie Holz-UK-System U PSI Typ F, welches nachträglich mit Dämmplatten gefüllt wird. Auf die wärmegedämmte Holz-UK folgte eine schwarze, winddichte Fas-

sadenbahn, dann die Konter- bzw. Lüftungslattung. Gleichzeitig wurden alle Fenster ersetzt und wo nötig korrekt positioniert. Damit ein wirkungsvolles, harmonisches, zum Industriebau passendes Gesamtbild entstehen konnte, wurden die senkrecht verlegten Dekorplatten nach Einteilung von Architekt Florian Ferrari vom Büro Andrès et Ferrari verlegt.

Die Befestigung der Platten gab zu denken. «Sie mechanisch zu befestigen, passte mir nicht», sagte Marc Hausheer, Spenglermeister der Firma, «das sieht dann aus wie eine Flugzeugkiste.» Und so entschied man sich nach seriösen Abklärungen und Zusicherung der Garantie durch den Lieferanten, die Platten zu verkleben. An der Südfassade mit der idealen Position für Solarenergie wurde die

bereits vorhandene PhotovoltaikAnlage um 40 m2 erweitert. Die Anlage produziert heute 30 kWh, das entspricht dem Konsum von etwa 20 Haushalten. Der U-Wert der Fassade, vorher an schlechten Stellen 1,6 W/ m2K, beträgt heute 0,15 W/m2K. Eine starke energetische Ersparnis, welche die Investition vollends legitimiert und im Übrigen dem Spengler deutlich aufzeigt, welches Potenzial im Sanierungsbau noch brach liegt. Für die Jury ist das eine gut durchdachte Sanierung. Wir haben klare, sinnvolle Zielvorgaben im Einklang mit der Nutzung und dem erwünschten Ausdruck des Gebäudes. Die Fassade ist attraktiv, individuell und lebendig durch den variablen Effekt, je nach Wetter- und Lichtverhältnissen. Sie bringt effektiv die Kompetenz der Firma Cofal im Bau von Gebäudehüllen aus Metall und Solaranlagen zum Ausdruck. Die Jury sagt: une belle élégance, félicitations. ■

Montage und Verarbeitung – Nach Bedürfnissen flexibles Fugenbild (linear oder versetzt) – Trotz heller Optik keine Spiegelung (matt) – Wartungsfrei – Lebendiges Material – Nicht sichtbare Befestigung


Neu gestaltete Kuppel und nach altem Muster restauriertes Dach in Titanzink.

Schöne Dachrenovation des Saals Del Castillo Ein neues Dach mit herkömmlichen Ornamenten und neu gestaltetem Eingangshut ziert den Marktplatz von Vevey und verbindet die Tradition des 20. Jahrhunderts mit der Moderne des 21.

D

ie Stadt Vevey hat entschieden, den Saal Del Castillo, ein historisches Monument aus dem 20. Jahrhundert, zu renovieren. Der Bau ist mit seinen klassischen Fassaden, seinem reichhaltigen Interieur, seinen imposanten Fenstern und der feinen Bedachung ein erhaltenswertes Relikt der Vergangenheit. Die Firma B. Schnider SA, Montreux, erneuerte im Zuge der Renovation die ganze Dachdeckung und Ornamentierung in Kupfer-Titanzink.

Cédric Oehen. Spenglermeister, Firma B. Schnider SA, Montreux

Goldene Spenglerarbeit 2015

Baubeschrieb und Kommentar Jury Der Saal Del Castillo, ein Prunkwerk aus dem letzten Jahrhundert, verbindet die Architektur alter Tradition mit den modernen Bedürfnissen der Gegenwart. Der Bau ziert den Marktplatz direkt am See in Vevey. Das Gebäude ist weitgehend artgerecht restauriert worden. Einzig das Kuppeldach über dem Haupteingang wurde verändert, um den heutigen Ansprüchen von Licht und Technik gerecht zu werden. Damit hielt auch der moderne Zeitgeist im architektonischen Bild Einzug. Inwendig wurde alles installiert, was heute zur Nutzung eines solchen Hauses und Saals gehört. 25


Anspruchsvolle Membrons und Gräte, originalgetreu wieder erstellt in Kombination mit Schieferplatten-Deckung.

Der Saal Del Castillo umfasst einen grossen Saal, polyvalent benutzbar und geeignet für Konzerte und akustisch anspruchsvolle Auftritte sowie drei kleinere Säle, die individuell oder ergänzend zum grossen Saal benutzt werden können. Für den Umbau wurden bauseitig ein Gerüst und Notdach zur Verfügung gestellt. So konnten die ganze Demontage der alten Materialien und die neue Dachkonstruktion witterungsgeschützt und ohne Gefahr für die Bausubstanz erfolgen. Die Schalung wurde kontrolliert, partiell optimiert, faules Holz wurde ersetzt. Darüber wurde eine dichte Unterdachfolie verlegt, darauf die Konterlattung und die Lattung zur Auflage der Naturschieferplatten. Die Eingangskuppel wurde aufgrund des grösseren Formeingriffs vollständig abgebrochen und neu erstellt. Auch wurden in diesem Dachteil die technischen Anforderungen am sanierten Bau eingebaut. Die Renovation des Hauptdaches erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den Vertretern des Denkmalschutzes. Die am Dachrand verlegten Einlegerinnen wurden einteilig ausgeführt und würden sich bei Stauung oder Behinderung des Wasserabflusses nach vorne entwässern. Das Unterdach ist bei den Membrons und Rinnen dicht angeschlossen. Die Luftein- und Austritte sind bei diesen Übergängen und oben am Kuppeldach regelgerecht eingebaut worden.

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Auch die elf Lukarnen/Ochsenaugen waren defekt. Bei ihrer Erneuerung wurde die Gelegenheit benutzt, sie masslich abzustimmen und alle gleich zu fabrizieren. Die Aussenhaut des Daches auf dem Hauptgebäude besteht aus dem spanischen Naturschiefer Samaca. Die Eingangskuppel ist mit vorbewittertem Titanzink bedeckt, Materialdicke 0,8 mm, Achsmass 530 mm, mit Doppelfalzen verbunden. Die Bahneneinteilung wurde vom Architekturbüro vorgegeben. Bei den verschiedenen An- und Abschlüssen und den Übergängen zu Fenstern oder

Dachbrüchen mussten in mehreren Sitzungen die Ansprüche der Architektur und der Falztechnik inkl. Funktion des Daches koordiniert werden. Abschliessend sagte Spenglermeister Cédric Oehen, «dass es bei der Sanierung einige Knacknüsse zu lösen gab, sich aber auch die Chance bot, bei einem ehrwürdigen Bau den Spenglerberuf in den Facetten Tradition und Moderne auszuleben».

genwillige Art und Interpretation. Die Gefälligkeit dürfte auch vom Betrachter je nach Geschmack unterschiedlich ausfallen. Unbestritten ist, dass der Spengler die Wünsche von Bauherrschaft und Architektur umzusetzen hat, was bei dieser Renovation gut gelungen ist. ■

Für die Jury respektiert die Sanierung Vergangenheit und Gegenwart. Die Form und Integration der Eingangskuppel erfolgte auf individuelle, ja ei-

Bautafel Objekt: Saal/Salle Del Castillo, Vevey Konstruktion Dach: Doppelfalzdach und klassische Ornament-Spenglerarbeit Werkstoff Dach: Spenglerarbeit in Titanzink VM, spanischer Naturschiefer Samaca Baubeteiligte Bauherr: Stadt/Ville de Vevey Spengler: B. Schnider SA, Montreux, Spenglermeister Cédric Oehen Architekt: Architectum Sàrl, 1820 Montreux

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VMZINC Ornamente – Tradition und Moderne Die Fertigung von Ornamenten aus Metall ist mehr als ein Beruf, sie erfordert ein Know-how, das erfahrene Metallarbeiter für Ornamente seit über 160 Jahren an ihre Lehrlinge weitergeben. Durch den direkten Kontakt der Lehrlinge mit kompetenten Fachleuten werden Tradition und Erfahrung vermittelt und in der tagtäglichen Arbeit angewandt. Jedes Projekt ist eine neue Herausforderung. Neue Techniken, modernstes Werkzeug und Spitzentechnologie sowie hochwertige Materialien (Zink und Kupfer). Umicore Building Products Schweiz AG Industriestrasse 25, 3178 Bösingen Tel. +41 31 747 58 68, Fax +41 31 747 58 67 info@vmzinc.ch, www.vmzinc.ch


Moderne Architektur und monumentale Bergkulisse in Haute-Nendaz

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aute-Nendaz hat nach vielen Jahren die Infrastruktur bekommen, um Sportlern und Vereinen den nötigen Spektakel anbieten zu können. Entstanden ist ein hochmoderner Bau mit klaren Linien sowie noblen und natürlichen Materialien. Entworfen wurde er von den einheimischen Architekten BFN, die Planung der anspruchsvollen Dachdeckung sicherte Gérald Déglise, Spenglermeister und Berater. Ausgeführt wurde das Objekt durch das Spenglerei-Gebäudehülle-Team von Jean-Michel Sarrasin aus Orsières.

Die Ski- und Wanderstation Haute-Nendaz hat einen über 30 Jahre alten Traum realisiert: Vor der prächtigen Naturkulisse ist eine neue Turn- und Mehrzweckhalle mit Beton-, Holz- und Titanzinkarchitektur entstanden.

Der lineare Bau und die bewegte Berglandschaft betonen sich gegenseitig.

Objektbeschrieb und Kommentar Jury Alle am Bau Beteiligten waren sich einig: «Es ist angenehm, wenn die Probleme nicht erst am Schluss auf der Baustelle gelöst werden müssen.» Und es waren recht viele beteiligt: Die heimischen Architektinnen von BFN Architectes Sàrl, mit Unterstützung von Berater Gérald Déglise von Tech-Toit, waren für die Architektur verantwortlich. Um von vornherein eine gute Planung und Ausschreibung zu erhalten, wurde die Detailplanung dem Büro Tech-Toit in Romanel-sur-Lausanne anvertraut. Nach Ausschreibung und Vergabe folgte die Ausführung durch die Firma JeanMichel Sarrasin aus Orsières. Das Dach sollte, von der Strasse her gesehen, optisch als fünfte Fassade erscheinen. Ziel war demzufolge, sämtliche An- und Abschlüsse, Übergänge und Durchdringungen vor dem Giessen des Betons so zu planen, dass das spätere Raster des Doppelfalzdaches mit der Fassadenzeichnung übereinstimmt. Gewisse Forderungen ästhetischer Natur waren den Planenden wichtig, insbesondere sollte die Dachkante optisch «blechlos» in Erscheinung treten. Die Koordination 28

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des dichten Übergangs vom Blech zum Beton musste somit hinter der Kante gemeinsam von der Baufirma und dem Spengler gelöst werden. Nach Ausschreibung und Vergabe folgte die Ausführung durch die Firma Jean-Michel Sarrasin aus Orsières. Grösste Aufgabe war vorerst, die Toleranzen des Beton-Unterbaus von 2 bis 3 cm «auszubügeln», damit das Doppelfalzdach am Schluss auf eine plane, regelmässige Unterlage verlegt werden konnte. Diese Aufgabe wurde innerhalb der dachbildenden Schichten gelöst. Eine zweite Aufgabe war die perfekte Einteilung der Bahnen, damit sie beim Anblick des Daches alle genau gleich erscheinen würden, egal welche Aus- und Aufbauten noch dazu kamen. Dies geschah dank der Planung und Positionierung der De-

Gérald Déglise. Dipl. Spenglermeister und Planer-Berater-Experte, Bureau Tech-Toit, Romanel-sur-Lausanne, mit Bau-Vorarbeiter Christian Prétôt

tails vor der Ausführung, sodass, wie bereits gesagt, die Probleme nicht erst am Schluss auf der Baustelle gelöst werden mussten. Die grossen Dachflächen des Satteldaches mit 15° und 18° sind mit Doppelfalzdeckung geschützt.

Die ausführenden Patrons von Jean-Michel Sarrasin SA, Orsières, v.l.n.r. Yannick Sarrasin, dipl. Spenglermeister, Jean-Michel Sarrasin, Johnny Sarrasin, dipl. Spenglermeister, und Serge Sarrasin, dipl. Installateurmeister

Bautafel Objekt: Turn- und Mehrzweckhalle, Haute-Nendaz Konstruktion Dach: Belüftetes Doppelfalzdach in Titanzink, 0,7 mm, mit Solaranlage Werkstoff: Rheinzink prePatina blaugrau, 0,7 mm Baubeteiligte Bauherr: Commune/Gemeinde Haute-Nendaz Planung Spenglerarbeit: Tech-Toit Sàrl, Spenglermeister Gérald Déglise, Romanel-sur-Lausanne Ausführung: Spenglerei Jean-Michel Sarrasin SA, Spenglermeister Yannick und Johnny Sarrasin, Orsières Architektinnen: BFN Architectes Sàrl, 1920 Martigny (Aude-Bornet-Fournier, Stéphanie Fornay-Farquet, Geneviève Nanchen)

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Klar bestimmte Architektur mit klaren Ansprüchen an die Baukanten und -übergänge.

Diese traditionelle Technik wird in den Bergen sowie an modernen Konstruktionen sehr geschätzt. Die Dächer, welche auch bei geringerem Gefälle erstellt werden können, sind langlebig, weitgehend unterhaltsfrei und gestatten dank der Verformungseigenschaften des Dünnblechs die Bekleidung sämtlicher Baukörperformen. Bei diesem Bau wurden die sonst frei wählbaren Bahnenlängen bewusst mit einer durchgehenden Abtreppung getrennt. Dies ermöglichte es, die Solaranlage schön und unauffällig in die Dachfläche zu integrieren. Eine eingelegte Rinne rund um das Dach und um die Solaranlage sichert den dehnungsfreien Anschluss der Dachbahnen und die gezielte Abführung des Regenwassers.

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Das Dach umfasst folgende Schichten: • Tragkonstruktion Beton; Dampfbremse PolymerBitumenbahn LL Multi GG4 Flame; Wärmedämmung mit swisspor EPS 30, Dicke 40 mm; Wärmedämmung druckfest, PU swisspor Tetto, Dicke 200 mm, mit integriertem Unterdach und dichten Stössen. • Konterlatten mit Dichtungsbändern als Nageldichtung; Schalung Fichte/Tanne 27 mm, Spalte bei Verlegung von 10 mm, strukturierte Trennlage AIR-Z von Rheinzink. • Doppelstehfalzdach Rheinzink vorbewittert blaugrau (neu «prePatina blaugrau») mit Clip-Profil und Falzhöhe von 38 mm, genau nach der Architekteneinteilung verlegt, mit sichtbarem Achsmass von 400 mm. Da der Bau auf der Bergflanke steht, müssen sich die Bahnen und ihre Befestigungen spielend aus- und rückdehnen können, gleichzeitig aber auch genügend stark gebaut sein, um Wind, Schneelast- und Schneeschub auszuhalten. Die Bedachung ist interessant, weil sie sowohl technische als auch ästhetische Forderungen stellte, welche die heimischen Architektinnen von BFN Architectes Sàrl mit Unterstützung von Berater Gérald Déglise von Tech-Toit und der Spenglermeister von Jean-Michel

Sarrasin SA sehr gut in den Griff bekamen. Klare Design-Vorstellungen der Architekten sind meistens eine Herausforderung. Im vorliegenden Fall wurden absolut klare gerade Linien bei allen Baukanten gefordert, unter anderem ein unsichtbarer Übergang von Blech zu Beton. Der Beton endet mit der Traufkante des Dachs, die dichten Übergänge befinden sich unsichtbar dahinter versteckt. Der First mit Luftaustritt ist versetzt, sodass man die Firstbelüftung gar nicht sieht. Somit endet auch der First mit einer klaren Linie. Über die Solaranlage entlastet eine Schneefangreihe die Schneemassen in den eingebauten Rinnen. Sie ist perfekt positioniert, im Einklang mit dem Bild der Abtreppung unter der Solaranlage. Das Dach widerspiegelt die Matrix, die der Planung hinterlegt wurde. Die Sanitärleitungen der Solaranlage wurden seitlich geführt und sind hinter den Blecheinfassungen versteckt und geschützt. Die Jury betrachtet das Objekt als sehr gelungen. Der Bau scheint vorerst einfach, kommt aber sauber daher. Die Gliederung der Fassaden mit den verschiedenen Öffnungen ist ansprechend. Die Silhouette des kubischen Körpers ist klar und kompromisslos, im Kontrast oder Einklang mit der Bergkette im Hintergrund. Die Bilder und Planskizzen belegen die Abwicklung und die gute Ausführung durch das Team aus Architektinnen, Berater und der Spenglerei-Gebäudehülle-Firma. Bau und Kulisse sind prächtig. Die Jury überzeugte sich vor Ort. ■

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Tolle geschuppte Aluhülle für das Gipfelrestaurant Weisshorn in Arosa Auf 2653 Metern Höhe, auf dem Weisshorn-Bergplateau, steht das neue Gipfelrestaurant, ein rhombenförmiger Monolith, eingekleidet mit einer Schuppenhaut aus Aluminiumblech.

D

ie äussere, von mehreren Dämm-, Isolations- und dichtenden Schichten gebildete Gebäudehülle sorgt dafür, dass dem Gebäude weder Eis noch Schnee, weder Regen noch Sturm, weder Sonne noch Hitze etwas anhaben können. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Das alte Bergrestaurant neben der Seilbahn, erbaut 1955, musste ersetzt werden. Nachfolger ist ein Projekt der Bündner Architektin Tilla Theus. Sie nahm Abschied vom typischen Chaletstil und setzte

einen asymmetrischen, mehrfach abgekanteten Monolithen dagegen. Die Architektin beschreibt ihre Idee so: «Das gefaltete und abgekantete Gebäude, zentral auf dem Bergplateau, wird durch seine schrägen Wände und schiefen Dachflächen zum Teil des Gesteins. Die natureloxierte Aluminiumhülle umfasst den Gesamtbaukörper als geschuppte Haut und fügt sich selbstverständlich in das felsige Farbkleid des Gesteins ein. Durch die archaische Form und die Materialisierung verwächst er mit der natürlichen Gesamtlandschaft.»

Damit erhält das Weisshorn, das mit seinem Plateau irgendwie gekappt wirkt, eine neue Spitze, weshalb das Projekt intern auch «Kappe» genannt wurde. Tilla Theus, «la Grande Dame der Architektur», wie sie von einer Schweizer Zeitschrift betitelt wurde, ist eine der wenigen Frauen, die sich international als Architektin durchgesetzt hat. Ihre Projekte zeichnen sich durch Konsequenz aus. In der Konzeption, in der Materialisierung, in jedem Detail lässt sich ihre Handschrift erkennen.

Wie ein Kristall auf dem Bergplateau: attraktive und gefällige Blechbekleidung mit Aluminium-Rauten.

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Eine geschuppte Haut, die sich einem gefalteten, mehrfach in verschiedenen Winkeln abgeschrägten Baukörper anschmiegen soll, ist eine Herausforderung. Noch dazu, wenn sie Schnee, Sturm und Kälte standhalten muss. Die Hülle darf kein Eigenleben entwickeln, sondern sie muss sich wirklich wie eine Haut um das Gebäude schmiegen. Die Schuppen durften nicht wie heimelige Schindeln wirken. Ohne sichtbare Befestigungen sollten sie in der Fläche sehr homogen wirken, was eine industrielle Vorfertigung bedingte. Mit diesen Vorgaben entwickelte Scherrer zunächst eine Matrix der geeigneten Metalle, Konstruktionen und Oberflächenbehandlungen sowie der Verlegungstechnik und der Kosten. Gemeinsam mit der Architektin entstand das letztlich realisierte Konzept der Schuppenhaut aus trapezförmigen Aluminiumble-

chen, in der Form übereinstimmend mit dem Grundriss des Gebäudes. Die Verlegungsart wurde per CAD sorgfältig geplant, um optisch und funktionell überzeugende Übergänge aus einem Guss zu erhalten. Die berechneten Positionen wurden durch Nachmessungen am Rohbau und Anpassungen bei der Montage zu 100 Prozent umgesetzt. Die Liste der wetterseitigen Herausforderungen auf dem Weisshorn ist lang: Das Dach muss einer Schneelast von 1,5 t/m2 standhalten, das entspricht insgesamt einer vier Meter hohen, total 800 Tonnen schweren Nassschneedecke. Winddruck und Windsog rütteln an der Fassade, zudem treibt der Sturm das Regen- und Stauwasser durch jede Ritze und Öffnung die Wände hoch. Eisbildung blockiert den Wasserablauf und führt zu Druck und Stau.

Futuristische Variante des Davoser Dachs: Die Scherrer Metec AG orientierte sich bei der Entwicklung am Davoser Dach, einer in alpiner Höhe nur in Davos praktizierten Form des Flachdachs. Es trotzt den Extremen mit einem «Dreifachdach» aus verschweisstem Unter- und Oberdach und der äusseren Dachdeckung. Dazwischen liegt ein grosszügig bemessener Belüftungsraum von 17 bis 97 cm. Allseitig angeordnete Belüftungspaneelen in den Wandflächen sorgen für den freien Luftaustausch zur Hinterlüftung von Fassade und

ARGE-Mitglieder: Daniel Hunziker. Spenglermeister, Mitglied Geschäftsleitung Scherrer Metec AG, Zürich Adrian Loretz. Spenglermeister, Waidacher Gebäudetechnik, Arosa Hermann Dorn. Spenglermeister, Dorn AG Gebäudehüllen, Chur

Traumhafte Silhouette in Berglandschaft.

Bautafel Objekt: Gipfelrestaurant Weisshorn, Arosa Gebäudehülle: Belüftete Konstruktion mit mehrschichtiger, dichter Dach- und Fassaden-Konstruktion, als Aussenhaut trapezförmige Rauten in Aluminium eloxiert Baubeteiligte Bauherr: Arosa Bergbahnen AG, Arosa Architektur: Tilla Theus, Zürich, GU Implenia GU AG, Chur Fassadenplanung: Reba Fassadentechnik AG, Chur Gebäudehülle: Leitung und Produktion Scherrer Metec AG, Zürich

Raute an Raute, immer mit Schneestopper. 32

Montage: ARGE Scherrer Metec AG, Zürich, Waidacher Gebäudetechnik, Arosa, Dorn AG, Gebäudehülle, Chur

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Dach. Damit keine Feuchtigkeit in das Dach eindringen kann, sind sämtliche Schichten und Durchdringungen, auch die durchdringenden Befestigungen, sorgfältig abgedichtet. Bei der dritten, äusseren Aluminiumhaut ist jede Raute mit zwei Haften und einem Schneehaken fixiert. Sämtliche Verschraubungen der Haften und Schneehaken sind mit Dichtfolie überklebt, damit das unter das Blech getriebene Wasser nirgends eindringen kann. Geplant und verlegt wurden 4500 Schindeln, 9000 Haften, 1800 Schneehaken und 30 000 Edelstahlschrauben. 57 Entlüftungsschindeln mit je 500 Löchern bilden im oberen Teil der Kappe eine Entlüftungslinie. Ein hinter diesen Entlüftungsschindeln verlegtes Blech bildet eine Wanne, fängt das vom Wind herein gepeitschte Wasser auf und leitet es durch dieselben Öffnungen wieder nach aussen.

An den beiden abfallenden Dachseiten sind beheizte Dachrinnen eingelassen. Sie münden in zwei Wasserspeier, deren Halterung aus starken Edelstahlprofilen besteht. So können sie das Gewicht der zu erwartenden Eiszapfen aufnehmen. Fenster und Türen erforderten eine detaillierte Vorplanung und Konstruktion, um die Schnittstellen und Übergänge wie die gesamte Fassade zuverlässig abzudichten. Das Bauen an so extremen Orten ist für das Handwerk und die Logistik eine Herausforderung. Das 2013 anhaltend trockene Wetter bis weit in den Herbst hinein war für die Montagegruppen der ARGE ein Glücksfall. Das im Winter danach durch die Schweiz prasselnde Sturmtief Andrea mit Orkanböen lieferte den Beweis, dass das Gebäude und seine Hülle absolut «wintergerecht und sturmtauglich» gebaut worden waren.

Die Jury fährt gerne nach Arosa, denn die dort durch Spenglerhand gefertigten Gebäudehüllen sind bezüglich Architektur und spenglertechnischer Umsetzung einmalig. Die Form des Gebäudes, die Konstruktion, die Wahl der Aussenhaut, die Planung und Führung durch Scherrer Metec AG sowie die Ausführung zusammen mit den Spenglerpartnern Waidacher und Dorn sind schlicht meisterhaft. Die unterschiedliche Wirkung der Rauten, sowohl geometrisch als auch farblich, ist faszinierend. Die zu meisternde Logistik ist ohnehin beachtenswert und bringt wohl auch zum Ausdruck, dass bei dieser Realisation eng und partnerschaftlich zusammengearbeitet wurde. Den Berg-Preis erhält dieses einmalige Objekt auf jeden Fall. ■

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Goldene Spenglerarbeit 2015

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Tresch spenglert Treschhütte ansprechend und bergtauglich

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ie Treschhütte bekam ein neues Doppelfalzdach und einen An- bzw. Ausbau mit neuer, dünner Rautenfassade aus Rheinzink prePATINA blaugrau, im ähnlichen Raster verlegt wie die bestehende Steinmauer. Eine ansprechende Gebäudehülle, bereit zur Aufnahme aller künftigen Wetterkapriolen. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Die renovierte Hütte gehört der SACSektion am Albis und wurde für 850 000 Franken erneuert. Für Architekt Daniel Schweizer von der Eglin Schweizer Architekten AG Baden, war es wichtig, dass die Ästhetik trotz Sanierung erhalten bleibt. So musste sich Spenglermeister Christian Tresch bezüglich Material, Fassadenform (Anbau), Achsmass Dach, Schneefang und Dachentwässerung an genaue Vorgaben halten. Die Beanspruchung der Materialien ist in dieser schneereichen Region gross und mit extremen Temperaturschwankungen belastet. Die Spenglerarbeiten sowie Dachund Fassadenbekleidungen müssen die temperaturbedingten Ausdehnungen aufnehmen, müssen langlebig und unterhaltsfrei sein.

Der Helikopter hebt ab, und wir tauchen ein in die Urner Bergwelt, hinauf durch das Fellital auf 1475 m zur Treschhütte. Die Hütte wurde im Sommer 2012 renoviert – durch Spenglermeister Christian Tresch aus Amsteg.

Die Linien der alten Mauern werden in der Titanzinkbekleidung des Neubaus weitergeführt.

Der Werkstoff Titanzink bot sich für diese Renovation an. Seine Farbe passt sich der felsigen Umgebung und der Steinmauer am Altbau vorzüglich an. Die Gebäudehülle dient als natürliche Fangfläche der Blitzschutzanlage. Titanzink kann 100-prozentig wiederverwertet werden. Das waren wesentliche Kriterien zur Materialwahl. Ein weiteres: Die Metallhaut ist mit ihrer natürlichen Oberfläche sehr robust und dennoch leicht. «Wenn das Baumaterial per Heli zur Hütte transportiert wird, zählt jedes Kilo», so Christian Tresch. 34

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«Die Chance, bei einer SAC-Hütte Hand anzulegen, die den gleichen Namen trägt wie ich, bietet sich nur einmal im Leben», fügt Christian Tresch hinzu. Er bekam den Auftrag und freut sich heute über ein «schönes Referenzobjekt». Das Zeitfenster für die Montage der ganzen Gebäudehülle betrug drei Wochen, von Ende Juli bis Anfang August 2012. Drei Spengler, einer davon in der Grundausbildung, waren im Einsatz. Unter der Woche schliefen sie in der bewirteten Hütte. Trotz harten und langen Arbeitstagen schätzten die Mitarbeiter den Bergeinsatz als schöne Abwechslung zum Tagesgeschäft.

Die exponierte Lage der Baustelle, die nur zu Fuss oder aus der Luft zu erreichen ist, und die hohen Heli-Transportkosten von 40 Franken pro Minute verlangten eine genaue Einschätzung der Aufgaben und eine akribische Planung. Das begann mit dem Ausmessen vor Ort, ging weiter mit der Vorfabrikation der Bauteile im Betrieb und endete beim sorgfältigen Verpacken des Materials für den Lufttransport. Fünf Helikopterflüge mit rund je 850 Kilogramm Nutzlast brauchte es schliesslich, um das gesamte Spenglermaterial zur Hütte zu fliegen. Während der Ausführung auf der abgelegenen und engen Baustelle mussten bis zu 15 Handwerker unterschiedlicher Disziplinen gleichzeitig ihre Leistungen erbringen. «Da sind alle aufeinander angewiesen und müssen sich gegenseitig helfen. Das hat hervorragend geklappt», lobt Tresch den Teamgeist, der auf der Treschhütte herrschte. Die Jury empfindet die Wahl des Werkstoffs als richtig und objektbezogen. Die Oberfläche von Rheinzink prePatina blaugrau passt optisch und durch das gewählte Rastermass zu den vorhandenen Steinmauern. Die Gebäudehülle und die An- und Abschlüsse, sowohl auf dem Doppelfalzdach wie in der feinen Rautenfassade, sind handwerklich sauber ausgeführt. Die Jury betrachtet das Objekt als sehr gelungen. ■

Klarer Fenstereinbau mit Blick in die Natur.

Christian Tresch. Spenglermeister, Amsteg

Bautafel Objekt: Treschhütte Fellital, Gurtnellen Konstruktion Dach: Belüftetes Doppelfalzdach in Rheinzink prePatina blaugrau, 0,7 mm und Schneefangvorrichtungen Konstruktion Fassade: Belüftete Rautenfassade in Rheinzink prePatina blaugrau, 0,7 mm Baubeteiligte Bauherr: SAC Sektion am Albis, 8910 Affoltern/Albis Spengler: Spenglerei Mario Tresch GmbH, 6474 Amsteg, Spenglermeister Christian Tresch Architekt: Eglin Schweizer Architekten AG, Dipl. Arch. ETH FH SIA, 5400 Baden

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Massgeschneiderte Haute Couture im Tessin: Perfekte Blechbekleidung in Titanzink Ein Kleid aus hochwertigem Metall hat die Bless AG im Sommer 2011 einem Zweifamilienhaus mit feinfühliger, situationsangepasster Architektur in Mendrisio verpasst.

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on aussen wirkt das Gebäude klar, präzise und hervorragend auf die Umgebung abgestimmt. Nur Metall, Glas und Beton sieht das Auge des Betrachters. Die Linien und Kanten sind kompromisslos durchgezogen, kein Dachrand ragt über den Beton hinaus, keine einzige Befestigung ist sichtbar, sogar das Dach des Carports ist vom schützenden Kleid aus Metall umgeben. Das Ganze ist formvollendet und bis ins kleinste Detail durchdacht. 36

Objektbeschrieb und Kommentar Jury Das Haus ruht auf einem Teppich aus Gras, Weinbergen und an einer kleinen Quartierstrasse. Das Gebäude besteht aus zwei gespiegelten Wohneinheiten. Es steht auf zwei Basen, welche jeweils den Eingangsbereich mit Garderobe und Gästezimmer beherbergen. Der Leerraum zwischen diesen beiden Volumen, ein Portico, lässt Blicke frei auf die umliegende Landschaft. Transparenz und Leichtigkeit entstehen.

Im Innern flutet das Morgenlicht über die Terrasse in den Wohnbereich und schafft so eine wohlige Wärme und einen fabelhaften Kontrast zu den bläulich lasierten Sichtbetonwänden. Die Lichteinfälle und die natürliche Bewitterung des Metalls unterstützen die Harmonie des Fassadenbilds. Das Kleid aus Metall wirkt in jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter ganz unterschiedlich. So können sich die Bewohner täglich an einer neuen, spannenden Fassade erfreuen.

Bereits drei Jahre vor der Realisation sind die renommierten Tessiner Architekten Dong Joon Lee und Melanie Stocker Lee mit dem Wunsch einer speziellen Gebäudehülle für ihr Eigenheim an die Bless AG herangetreten. Nach einigen Abklärungen, Lösungsvorschlägen und diversen weiteren Gesprächen kristallisierte sich eine Winkelstehfalzeindeckung aus Rheinzink pro blaugrau als schönste und harmonischste Lösung heraus. Um den Entscheid zu unterstützen, wurde Goldene Spenglerarbeit 2015


Gregor Bless. Spenglermeister, Bless AG Gebäudehüllen, Erstfeld

Ansprechend bei Tag und Nacht: Titanzinkhülle mit perfekten Rundungen.

in der Werkstatt der Bless AG ein Modell im Massstab 1 : 1 angefertigt, an welchem sämtliche Details entwickelt, begutachtet und begriffen werden konnten. Für die Fassade war eine genaue CAD-Planung notwendig, welche von der Bless AG ausgeführt wurde. Nur so konnte das Rastermass von 500 mm überall eingehalten werden. Die Fenster sind entweder 500 mm rasterbreit oder ein Vielfaches davon. Der Fassadenfuss ist ebenfalls rund und die Bekleidung «versinkt» optisch im Boden. Die Fassade ist durchgehend belüftet. Eine besondere Herausforderung stellten die über 250 Rundungen dar, welche unten und oben einen «runden» Abschluss oder Goldene Spenglerarbeit 2015

Übergang zum Metall- oder Flachdach herstellen. Der Radius dieser Rundungen beträgt 280 mm. Auf dem Markt vorhandene Rundbogenmaschinen lassen einen Radius von 600 mm zu. Mit Kraft und Ideenreichtum ist es der Bless AG jedoch gelungen, den fast unmöglichen Radius herzustellen, ohne dass die Teile sich verwerfen oder unnötige Makel aufweisen. In allen Querfalzen ist ein Befestigungsstreifen aus CNS 1,0 mm montiert. Sämtliche Teile sind in der Werkstatt längs und quer zugeschnitten, richtgestreckt, abgekantet, ausgeklinkt und verladen worden. Alle Fassadenteile wurden in Transportrahmen mittels LKW auf die Baustelle in den Tessin geliefert. Dort sind sie von den Mitarbeitern der Bless AG präzise montiert worden. Die äusseren Abschlüsse sind ebenfalls unsichtbar befestigt und nur gerade 52 mm hoch. So kann man an den beiden Frontseiten den Sichtbeton mit dem gradlinigen Abschlussblech bewundern. Die Jury wurde von der Bauherrin, zugleich Architektin des eigenen Hauses, zuvorkommend empfangen und über die architektonischen Spezialitäten informiert. Sie war von diesem Objekt sehr angetan. Besser kann man Blech kaum verarbeiten. Das Objekt ist vorzüglich in das schmale Grundstück integriert. Es bietet Ausblicke, verbindet sich mit der Umgebung, niemand fühlt sich gestört. Die Spenglerarbeit und Metallbekleidung ist schlicht perfekt ausgeführt. Die Einteilung, die Proportionen, die Pflege der Details, alles stimmt. Die grossartige Ausführung steht echt im Einklang mit der kreativen Architektur. Dass man durch das schmale, querliegende Wohnzimmerfenster wie auf einem Gemälde den alten Kirchturm des Dorfes sieht, rundet wie das Pünktchen auf dem i das Lob der Jury ab. Dieses Zweifamilienhaus Casa Stocker Lee ist architektonisch und handwerklich ein Bijou. ■

Perfekte Übergangsrundungen.

Bautafel Objekt: Neubau Casa Lee Stocker, Rancate, Tessin Konstruktion Dach: Belüftete Konstruktion, Doppelfalzdach in Rheinzink prePatina blaugrau, 0,7 mm Konstruktion Fassade: Belüftete Konstruktion, Winkelfalz in Rheinzink prePATINA blaugrau 0,8 mm Baubeteiligte Bauherr: Familie Lee Stocker, 6862 Rancate Spengler: Bless AG, Spenglermeister Gregor Bless, Gebäudehüllen, 6472 Erstfeld Architekt: Stocker Lee Architetti, 6850 Mendrisio

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Geneigte Dächer mit origineller und verspielter Kupferdeckung Auffallend ist die Form der geneigten Dächer, die nachhaltige Werkstoffwahl und die saubere Verarbeitung durch den Spengler.

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ier Bauten der Wohngenossenschaft EBG in Luzern wurden abgebrochen und neu gebaut, modern und doch traditionell, passend zum umliegenden Einfamilienhausquartier. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Das Bauobjekt liegt an der Dorfstrasse in der Wohnsiedlung Geissenstein der EBG in Luzern. Die bestehenden vier Mehrfamilienhäuser wurden abgebrochen und durch Neubauten ersetzt. Die Neubauten befinden sich inmitten von Wohnhäusern der Wohnbaugenossenschaft und von privaten Anstössern. Die Verantwortlichen der Genossenschaft haben seit jeher Wert auf eine gute Wohn- und Lebensqualität gelegt. Dank der in sich geschlossenen Siedlung nimmt die EBG auch wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung der Umgebung bezüglich Spiel- und Grünflächen. Davon zeugen die vielen Begegnungszonen im Quartier und das weiterhin intakte Quartierleben. Dazu trägt auch der eigene Einkaufsladen am Dorfplatz bei. 38

Das belüftete Kupferdach ist wie folgt aufgebaut: • Untergrund Ortbeton • Dampfbremse • Zweilagige Wärmedämmung aus Mineralwolle (2 × 100 mm) • Unterdach aus Weichfaserplatte 24 mm • Dicht verlegte Unterdachfolie • Konterlattung 80 mm • Holzschalung 27 mm • Trennlage • Doppelstehfalz-Deckung in Kupfer, 0,60 mm (Doppelstehfalz) Einige Daten belegen den Arbeitsumfang: Verlegt wurden 460 Meter Einlegerinnen mit Abw. 1000 mm. Auf vier Häusern wurden total 2000 m2 Blechdeckung verlegt und verfalzt. Die Jury bewertet hier eine klassische Spenglerarbeit, korrekt geplant und sauber ausgeführt. Erfreulich ist, dass im Einfamilienhausquartier – entgegen dem dominierenden Zeitgeist – die Häuser nicht mit Flachdächern, sondern mit einer attraktiven Dachform und mit Kupferblech bedeckt wurden. ■

Bautafel Objekt: Neubauten EBG, Dorfstrasse 36–39, Luzern Konstruktion Dach: Belüftetes Doppelfalzdach Werkstoff Spenglerarbeiten: Kupfer blank, Dicke 0,6 mm Baubeteiligte Bauherr: Wohngenossenschaft Geissenstein EBG Spengler: ARGE Furrer AG, dipl. Spenglermeister, Markus Furrer, Luzern, und Herzog Haustechnik, Luzern Architekt: Enzmann Fischer AG, Zürich

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Kupferdach einmal anders, gef채llige Dachform f체r vier Wohnh채user, Kupfer mit Patina.

Feine Gratkanten, fachgerechte Anund Abschl체sse samt Einfassungen.

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Markus Furrer. Spenglermeister, und Team 39


Krönender Dachkranz als Zeuge vergangener Epochen

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o etwas macht man nur einmal im Leben.» Dieser Satz charakterisiert, was alle empfanden, die an diesem Projekt beteiligt waren. Denn die Villa Patumbah ist ein ebenso eigenwilliges wie aufwendiges Gebäude aus dem vorvorigen Jahrhundert, reich an Stilen, Dekorationen und Ornamenten. Ein Traum für Restauratoren und Handwerker, die ihr Metier lieben und beherrschen.

Die Villa Patumbah thront stolz in ihrem symmetrischen Park. Viele Komponenten mussten zusammenpassen bis sie in neuem Glanz erstrahlen durfte.

Stolz wie anno dazumal: kluge Erhaltung der ansprechenden Bausubstanz unserer Vorfahren, mit imposantem Dach-Blätterkranz.

Objektbeschrieb und Kommentar Jury Das gesamte Ensemble der Villa Patumbah ist echt speziell, ein Experte nannte es gar «schräg». Die Grundkonstruktion basiert deutlich sichtbar auf dem Mitte des 19. Jahrhunderts vorherrschenden Historismus, doch der Einfluss vieler weiterer Stilrichtungen wie Gotik, Barock oder sogar italienische Renaissance sorgen für ein wildes und buntes Durcheinander. Da schieden sich die Geister und luden zu Diskussionen ein über die historische und denkmalpflegerische Bedeutung. Keine Diskussionen gab es hingegen beim Betrachten des frisch renovierten Daches mit seinem krönenden Dachkranz. Hier wurde das historische Erbe mit sehr viel Liebe zum Detail nach heutigen Möglichkeiten modernisiert. Planerische Schwierigkeiten und Lösungen Schon seit 20 Jahren wussten die Verantwortlichen von der Notwendigkeit einer Renovation der Villa. Im Jahre 2010 schien es, als ob ein Projektwettbewerb, den die Stiftung im Jahre 2007 ausgeschrieben und ju40

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riert hatte, zu Aktivitäten führen könnte. Doch das siegreiche Projekt des Architekturbüros Pfister Schiess Tropeano musste aus Kostengründen redimensioniert werden. Erst die Findung von geeigneten Nutzern des Gebäudes brachte den Durchbruch zur Sanierung. Als Eigentümerin fungierte neu die Stiftung Patumbah, deren Zweck der Erhalt der Villa ist. Gleichzeitig zog der Heimatschutz ein, verbunden mit der Auflage, den kulturellen Schatz der Villa einem interessierten Publikum näherzubringen. Damit war für Stadt, Kanton und private Sponsoren die Rechtssicherheit gegeben, für die weitere Restauration von Villa und Park die Mittel bereitzustellen. Ein Forum für Präsentationen und Schulungen sowie Büros und Archive des Heimatschutzes runden die bauliche Nutzung sinnvoll ab. Nun sind alle Akteure am passenden und geeigneten Ort.

Archiv, weshalb dieses trocken und belüftet sein musste. Damit drängte sich ein neues Dach nach altem Vorbild und heutigen Normen auf. Auf die bestehende Holzschalung des Steildachs kam ein neues Unterdach mit Konterlattung und Holzschalung für die neue Doppeldeckung aus Naturschiefer. Das rautenförmige Muster wurde von alten Fotos abgeleitet, das aus je drei mal drei grünen und schwarzen Schindeln, besteht. Eine besondere Herausforderung war die optische Symmetrie von der Mitte zu den Kanten. Dachfenster, First- und Kehlbleche, Leiterhaken und Schneefanggitter komplettierten die Arbeiten. Das Gefälle des alten Metalldachs war zu gering. Das neue Dach wurde mit einem stärkeren Gefälle von mindestens 5% neu aufgebaut und mit einem Doppelfalzdach aus 0,6 mm starken, verzinnten Kupferblechen bedeckt.

Spengler-technische Schwierigkeiten und Lösungen Bei näherer Untersuchung wurde erkannt, dass durch das Dach Feuchtigkeit ins Gebäude drang und die Substanz zerstörte. Hinzu kam eine erhöhte Nutzung des obersten Geschosses als

Ausführung nach dem alten Vorbild: Flach geneigte Blecheindeckungen, darunter Doppeldeckung mit Naturschieferplatten.

Daniel Hunziker. Spenglermeister und Mitglied der Geschäftsleitung Scherrer Metec AG

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Krönender Dachkranz, rekonstruiert nach alten Fotos Die eigentlich für später geplante Rekonstruktion des metallenen Dachkranzes konnte dank privater Sponsoren ebenfalls umgesetzt werden. Als Hürde erwies sich, dass keine genauen Dokumente vorhanden waren. Aus alten Akten waren die Proportionen erkennbar, auf deren Basis die Architekten ein Massraster zeichneten. Im Archiv der Scherrer Metec AG und der Kisso AG, fanden sich in historischen Katalogen geeignete Blechornamente, die neu gezeichnet und produziert wurden. So entstanden in enger Zusammenarbeit 385 Blätterornamente in drei Grössen, sogenannte Palmetten aus Titanzink. Der gesamte Metallaufbau mit Trägern, Schmuckelementen und Geländern ist direkt an den Stahlankern fixiert, er schwebt praktisch über dem Dach. Durch den allseitigen, 5 cm hohen Entwässerungsschlitz zwischen Dach und Aufbau kann das Regenwasser vom Metalldach ablaufen. Die

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waagrechten Stahlträger sind mit Schichtplatten und diese mit Titanzinkblech bekleidet. Sie bilden einen überkragenden Kastenaufbau, an dessen Aussenkante ein konvex/konkav ausgebildeter Kranzwulst mit profiliertem Wulststab und an dessen Oberkante die Palmetten montiert sind. Im gleichen Zug wurde auch die Blitzschutzanlage erneuert. Ihre markantesten Teile sind die an acht Ecken wie Antennen aufragenden Blitzfangstangen. Jede Stange ist in einen Sockel mit vasenförmigem Aufbau gefasst. Die Jury ist immer erfreut, wenn althergebrachtes Architektur-, Kulturund Handwerksgut erhalten bleibt. Solche Bauten sind Zeugen einer Epoche mit blühendem Kunsthandwerk, und es ist erfreulich, dass einzelne Firmen diese Kunst heute noch beherrschen. Die Lösungen zur Sanierung sind konstruktiv, handwerklich sauber und zweckdienlich gelungen. ■

Bautafel Objekt: Villa Patumbah, Zürich Konstruktion Dach: Belüftetes Dach mit dichtem Unterdach Werkstoff Spenglerarbeiten: Dach mit verzinntem Kupfer 0,6 mm dick, Ornamente, Palmetten in Titanzink blank Baubeteiligte Bauherr: Stiftung Patumbah, Zürich Spengler: Scherrer Metec AG, Zürich Lieferant und Hersteller Ornamente: Kisso AG, Kunst- und Ornamentenspenglerei, Knutwil Architekt: Pfister Schiess Tropeano + Partner Architekten AG, Zürich Kantonale Denkmalpflege Bauleitung: Heinz Aebi, Zürich

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Märchenhaftes Waldhaus in romantischer Lichtung mit lebhafter Titanzink VM anthra-Deckung Im dichten Tannenwald steht ein Forsthaus mit hohem, spitzem Dach. Auf den dunklen Blechrauten bilden sich die Schatten der Bäume ab, der Regen lässt die Rauten glänzen, im Sonnenlicht leuchten sie hell auf, ein lebendiges Dach – mitten in der Natur.

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as Forsthaus Chopfholz liegt am linken Ufer des Zürichsees, auf einer Waldlichtung am höchsten Punkt der Gemeinde Rüschlikon. Es bietet Waldspaziergängern einen überdachten Rastplatz mit Blick auf den See und kann auch für Feste gemietet werden. Das neue Waldhaus wurde von der Gemeinde als Ersatz für die im Jahre 2009 niedergebrannte Hütte in Auftrag gegeben. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Mit hohem, steilem Satteldach steht das Forsthaus zwischen den Tannen. Das Dach macht den grossen Teil der Gebäudeansicht aus. Das dunkle Titanzink VM anthra verleiht ihm ein durchgehend «schwarzes Gewand». Die Dachhaut ist an sich ein grosses

Patrik Weiss. Spenglermeister, Inhaber WEISS Gebäudetechnik AG, Rüschlikon 44

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Dachtraufe mit Rinne, origineller Lukarneneinbau.

Strickwerk von ineinander gehängten Einzelrauten. Darauf bilden sich Wetter, Licht und umliegende Natur ab. Die Farbigkeit des Waldes kontrastiert so vor allem im Herbst wunderbar mit dem Waldhaus.

Gefällige Dacheindeckung am Waldrand, mit dunklen TitanzinkRauten bedeckt.

Holzbau, Fassade und Innenbekleidung Die tragenden Innen- und Aussenwände sowie die Decken- und Dachkonstruktion des Forsthauses bestehen aus Holzelementen, welche im Werkhof vorfabriziert wurden. Zur Färbung und zum Schutz der Fassade ist das Täfer mit schwarzem Nadelholzteer (verkoktes Kiefernholz), welches tief ins Holz eindringt, wasserabweisend ist und die Fassade damit sehr alterungsbeständig macht, behandelt. Einzig die weiss umrahmten Fenster verleihen der Hütte auch aus der Ferne ein Gesicht. Zwei Giebelaugen, eine massive Eichenstütze beim Eingang, figurenhafte Kamine und eine Dachgaube schmücken die grundsätzlich zurückhaltend in Erscheinung tretende Hütte. Im Innern bietet das Waldhaus der Festgemeinschaft einen grosszügigen und hellen Saal an, der so gar nicht an eine herkömmliche Waldhütte erinnert.

Dachdeckung Die Dachhaut besteht aus einzelnen, mittels Blechschlaufen auf die Dachlattung genagelten, anthrazit-farbenen Titanzinkrauten. Die Rauten sind diagonal, von unten beginnend, verlegt. Jede Raute ist mit den vier benachbarten Rauten über Falze fest verbunden. Die gesamte Dachhaut ist somit, ähnlich einem Gewebe, ein zusammenhängendes Stück. Auch der Kamin und die Kaminhüte sind in Titanzink gehalten. Das Blech ist mit einer Beschichtung versehen, die das Auswaschen des Materials verhindert und somit den Waldboden und das Grundwasser schont. Die Entwässerung geschieht über Speier, das Regenwasser versickert also ohne Leitungen direkt im Waldboden. Die Jury stellt immer wieder fest, dass Metall sich auch mitten in der Natur, sei es hoch auf dem Berg oder mitten im Wald, als absolut natürliche, langlebige Bekleidung eignet. Die Hütte ist zweckmässig und attraktiv, die Spenglerarbeiten sind fachgerecht, gekonnt und sauber ausgeführt. Die gewählten Materialien erfüllen in ihrer Wirkung die konzeptionell und architektonisch gestellten Ansprüche. Das Feiern kann beginnen. ■

Bautafel Objekt: Neubau Forsthütte Chopfholz, Rüschlikon Konstruktion Dach: Belüftetes Rautendach Werkstoff Spenglerarbeiten: Titanzink VM Zink anthra Baubeteiligte Bauherr: Politische Gemeinde Rüschlikon Spengler: Patrick Weiss, WEISS Gebäudetechnik AG, Architekt: Roger Gerber Architekt, Zürich

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Kupferglanz im Brauhaus am Neumarkt in Winterthur Der auf den Kopf gestellte Kupferbraukessel von Gunvor Lundgard aus Hamburg und Spenglermeister Peter Betschart zeigt Design, Harmonie und Handwerk pur.

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ekoratives Spenglerhandwerk im Innenbereich lockert und wertet unseren Wettbewerb auf, zeigt es doch, wie vielfältig Dünnblech eingesetzt werden kann. Entscheidend sind zuerst immer die Idee, dann die Fähigkeit und die Bereitschaft, es zu tun. Im Gebäudeinnern stehen nicht Regen und Wind im Vordergrund, sondern Glanz und Makellosigkeit im Aussehen. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Die Brauhaus Sternen AG mit Sitz in Frauenfeld eröffnete 2014 ein Restaurant in der Winterthurer Altstadt, das «Brauhaus am Neumarkt». Bei der Gestaltung des Innenraumes orientierte sich die Hamburger Designerin Gunvor Lundgard am typischen Charakter eines auf den Kopf gestellten Kupferbraukessels. Kurz nachdem die Hamburger Designerin ihr Projekt vorgestellt hatte, dinierte der Bauleiter des Brauhauses Sternen AG zufällig im Restaurant «Union Dinner» in Basel. Der Innenraum dieses Restau-

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rants war von der Firma Betschart F. + Söhne AG mit Kupfer verkleidet worden. Der Architekt des Brauhauses am Neumarkt Christoph Janiesch kontaktierte daraufhin im Dezember 2013 den Illgauer GebäudehüllenSpezialisten. So nahm das Projekt seinen Anfang – fast wie im Roman. Visualisierung zeigt die Schwierigkeiten Im Januar 2014 erfolgte die erste Visualisierung des Architekten. Dabei wurden die Knackpunkte des Projektes bereits deutlich ersichtlich. Gefordert war eine rund einen Meter breite Decken-Wand-Verkleidung in Kupfer, mit runden Übergängen und Seitenabschlüssen, alles bündig, ohne sichtbare Befestigungspunkte, stumpf aneinandergestossen, die Teile ohne Querstösse an einem Stück gefertigt mit möglichst wenig Verwerfungen. Peter Betschart: «Wie kalkuliere ich einen Preis für etwas, von dem ich noch nicht mal weiss, wie es umgesetzt werden kann? Konventionell ist diese Aufgabe nicht zu lösen.» Goldene Spenglerarbeit 2015


Ihm wurde schnell klar: Ein derart spezielles Projekt verlangt nach speziellen Arbeitsmethoden, die über die gängigen Alltagstechniken der Spenglerei hinausgehen. Eine hochstehende Herausforderung. Der Ehrgeiz von Peter Betschart, Spenglermeister und Geschäftsleiter der Betschart F. + Söhne AG, war geweckt. Vorabklärung und Angebot Um den Zeitplan und die erforderliche Qualität einzuhalten, wurden alle Blechteile in der Werkstatt angefer-

tigt. Ziel war es, die fertigen Elemente nur noch vor Ort aufzuhängen und zu justieren. Von den ursprünglichen Varianten Messing und Kupfer, jeweils blank oder brüniert, wurde schliesslich mit Blick auf den traditionellen Braukessel Kupfer 1 mm blank gewählt. Zusammen mit dem Angebot an die Bauherrschaft liefert Peter Betschart aus eigenem Antrieb ein Modell der Kupferverkleidung samt Unterkonstruktion. Das Modell überzeugte. Innert wenig Stunden erfolgte der Zuschlag. Unterkonstruktion aus Aluminium Aufgrund der langen Lieferzeiten der

Aufgrund der langen Lieferzeiten der Kupferplatten wurden die Unterkonstruktionsteile komplett vorgefertigt, sodass am Schluss nur noch die Kupferelemente montiert werden mussten. Die UK-Fabrikation erfolgte in Handarbeit, ohne CNC-Maschine oder Laserschneider. Beim Stanzen, Fräsen, Schneiden und Schleifen von Hand war höchste Präzision gefragt. Toleranzen konnten keine akzeptiert werden. Die einzelnen UK-Teile bekamen ein zusätzliches Querprofil zur Befestigung der Beleuchtung. Gleichzeitig musste die UK auch dem Schreiner dienen, der den oberen Abschluss der Kupferelemente mit Holz zu verkleiden hat.

für Industriebetriebe her. Der untere, grosse Radius der Kupferplatten wurde hingegen mit einer Vierwalzenmaschine gerundet. Nach Variantenprüfungen erfolgte die Montage der Kupferplatten mittels Klebetechnik unter Verwendung von doppelseitigen Metallklebebändern 4646-F (Acrylschaum) des Herstellers 3M. Diese übernehmen bei seriöser Verarbeitung eine Zuglast von 7 Kilogramm pro cm2. Beim Verlegen erreicht die Haftkraft etwa 60 Prozent, die restlichen 40 Prozent kommen innert 24 Stunden dazu. Abschliessend folgte vor Ort die Lackierung durch die Winterthurer Malerei Thaler AG.

Verrundung und Verlegung der Kupferplatten Eine weitere Herausforderung stellte das Verrunden der Kupferplatten dar. Je genauer die Teile profiliert werden, desto weniger Spannung wird auf der Eindeckung erzeugt und Unebenheiten können besser ausgemerzt werden. Die Rundungen werden darum durch Steppen erstellt, nicht durch Runden. Das ermöglichte, am oberen Ende einen Abzug zur Versteifung zu integrieren. Aufgrund der Blechlängen wurde diese Arbeit extern bei Meyer Blechtechnik AG in Grosswangen in Auftrag gegeben. Meyer Blechtechnik AG stellt hauptsächlich Grossserien

Kommentar Jury Die Jury besichtigte dieses Objekt bei Kaffee. Für Bier war der Tag noch zu jung. Die Jury war begeistert. Die Arbeit ist schlicht liebhaberisch erstellt, vom Gedankengut intelligent gelöst, und unglaublich sauber und präzis hergestellt. Die Rundungen und Seitenabschlüsse, vom Glanz betont, sind harmonisch und makellos. Da hat ein junger Spenglermeister sein Können auf die Probe gestellt und sein Werk mit Erfolg abgeschlossen. Das ist eine einmalige Berufsgeschichte – fast wie im Roman. Symbolisch prämiert die Jury diese schöne Präsentation mit dem verbalen Prix Interieur. Bravo. ■

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Glanzvoll und kupferig wie ein Bierbrauerkessel präsentiert sich die Blechbekleidung im Lokal des Brauhauses.

Peter Betschart. Spenglermeister, Betschart F. + Söhne AG, Illgau

Bautafel Objekt: Brauhaus am Neumarkt, 8400 Winterthur Konstruktion: Stabile Unterkontruktion und Dekor Bekleidung Werkstoff Spenglerarbeiten: Kupfer blank, 1,0 mm, nach Produktion poliert und lackiert Baubeteiligte Bauherr: Brauhaus Sternen AG, Frauenfeld Spengler: Betschart F. + Söhne AG Spenglermeister: Peter Betschart, Illgau Brauhaus-Architekt: Christoph Janiesch Designerin Intérieur: Gunvor Lundgard, D-Hamburg Generalplaner: Oderbolzpartner AG, Frauenfeld

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Gelungene Erweiterung des Wohnheims. Auch das alte Gebäude wurde neu mit Aluminium Prefa Prefalz eingedeckt.

Neues Zuhause unter mächtigem Dach im Wohn- und Pflegeheim Lindenbaum Das idyllisch gelegene Wohnheim in Zuzwil SG wurde 2013 um 40 neue Plätze erweitert. Das neue, beide Bauten deckende Doppelfalzdach aus Aluminium verbindet den Altbau und den angegliederten neuen Teil.

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uch nach dem Ausbau gehört das sogenannte auf dem Bild ersichtliche «Türmli» mit seiner Glocke zur Geschichte des Hauses. Die Glocke läutet tagsüber um 8, 11 und 19 Uhr und macht darauf aufmerksam, dass wir Menschen «nicht alleine sind». Hier interessiert aber primär das neue grosse Doppelfalzdach, welches das alte und das neue Gebäude mit eigenwilligem Ausdruck verbindet.

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Objektbeschrieb und Kommentar Jury Für den Ausbau des beliebten, schön gelegenen Wohnheims wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Berücksichtigt wurde der Vorschlag von Detlef Schulz vom Architekturbüro Gruppe für Architektur GmbH in Zürich. Die örtliche Unterstützung für die Ausschreibung und die Bauleitung lieferte das Architekturbüro Trunz + Wirz AG. Der Neu- und Ausbau des Wohn-

heims wurde als Ergänzungsbau an das Hauptgebäude angefügt. Die Aufgabe des Verbindens von Alt und Neu wurde dem langen, mächtig wirkenden geneigten Dach übertragen. Der Erweiterungsbau ist gegenüber dem verbindenden Dachfirst leicht abgedreht. Das Dach ist beim breiteren Anbau tiefer gezogen, was dem Bau eine ganz eigenwillige, spezielle Ausstrahlung verleiht.

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Das neue Doppelfalzdach mit Farbton patina grau wirkt modern und zeitgemäss und viel leichter als die alte Ziegeldeckung. Integriert wurden natürlich auch alle Durchdringungen und Dachaccessoires, so die bestehenden vier Dachlukarnen und das kleine Eingangsdach. Die Jury betrachtet die Verbindungsart und die entstandene Dachform als speziell und recht gewagt. Die Material- und Farbkombinationen sind heiter und gefällig. Die klassische Spenglerarbeit ist sauber und fachmännisch richtig ausgeführt. Die Bewohner und Bewohnerinnen können sich freuen, sie werden unter diesem Dach in Ruhe leben können. ■

Georg Rossi. Spenglermeister, Oberbüren.

Das Dach ist nach heutigem Standard gebaut und umfasst von innen nach aussen gipsgebundene Platten, den Rost als Installationsraum, die Dampfsperre, die Sparrenlage mit 280 mm Wärmedämmung integriert, eine Schalung als Verlegehilfe und Puffer, das Unterdach für höhere Ansprüche, den Belüftungsraum mit Lattungen, 60 mm hoch, und Nageldichtungen, die Schalung mit 27 mm Nut und Kamm verlegt, eine Trennlage und schliesslich die Doppelfalzbekleidung aus Prefa Prefalz 0,7 mm in der Farbe patina grau. Um eine feine Linierung zu erzielen, wurde als Achsmass die Breite von 420 mm gewählt. Die gut dimensionierte, unten an der Traufe eingelegte Rinne sichert die Entwässerung.

Bautafel Objekt: Wohn- und Pflegeheim Lindenbaum, Züberwangen Konstruktion Dach: Belüftetes Doppelfalzdach Werkstoff: Prefa Prefalz, Farbe: patina grau Baubeteiligte Bauherr: Gemeinde Zuzwil, Roland Hardegger Spengler: Franz Rossi AG, Spenglermeister, Georg Rossi, Oberbüren Architekt: Konzept GfA Gruppe für Architektur, Detlef Schulz, Zürich Bauleitung: Trunz + Wirz AG, Henau

Blick auf die mächtige Dachfläche auf der Rückseite des Hauses, wo sich beide Dächer in gleicher Flucht und Gefälle vereinen.

Steil,- Flachbedachungen Fassadenbekleidungen Bauspenglerei Solaranlagen

www.f-betschart.ch

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Neue Kupfer-Dachlandschaft an der Nahtstelle zwischen Stadt und Land Neben dem Gemeindehausplatz, wo frei stehende Häuser mit Satteldächern das Stadtbild prägen, entstand ein grösserer Wohnbau mit einem prägnanten, aussergewöhnlichen Grundriss und attraktiver, geschuppter Kupferbekleidung.

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ie Bauherrschaft hatte vor, auf dem Grundstück ein Haus mit zwei möglichst grosszügigen Wohneinheiten zu erstellen. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Ein Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben. Das Konzept des Architekturbüros Waeber/Dickenmann aus Lachen SZ überzeugte. Die Idee versteht sich als ein Weiterbauen der Stadt, wobei der Neubau in Analogie zu den übrigen Bauten der Strasse steht. Der Baukörper und das Dach unterstreichen den Charakter eines «Anbaus». Die Betonfassaden nehmen die optische Erscheinung der verputzten Bauten der Umgebung auf, die Holzfassade nimmt Bezug zur Natur. So wird auch bei der Konstruk-

tion der Bedeutung des Gebäudes an der Nahtstelle zwischen Stadt und Land Rechnung getragen. Das Projekt hatte für die Bosshard AG eine besondere Bedeutung, denn an diesem Standort wurde 1947 die Firma gegründet. So war bekannt, dass hier föhnbedingt extreme Windverhältnisse herrschen können. Ein Staudruck von 1,4 kN/m2 und Windböen bis 130 km/h sind keine Seltenheit (der Rekord in Altdorf liegt bei 158 km/h). Dieser Umstand setzte eine genaue Planung der gesamten Konstruktion voraus. Der Berechnung für sämtliche Befestigungen kam höchste Priorität zu. Alle Spenglerarbeiten sind in Kupfer blank, Dicke 0,70 mm ausgeführt (KME Tecu® Classic). Insgesamt wurden 3,5 Tonnen verlegt.

Attraktives Kupferdach aus quadratischen Rauten.

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Zu den Dach- und Spenglerarbeiten gehörten folgende wesentlichen Positionen: • Einlegerinnen mit Kopfdilatationen, konisch gebogen, Abwicklung bis 1000 mm • Dachschalung (Spaltschalung) aus unbehandelten MassivholzBrettriemen, Dicke 30 mm • Metalldach mit handgemachten Grossrauten in der Länge von 1500 mm und variablen Breiten aufgrund der Einteilung und Rautenreihen • alle Anschlussbleche bei Traufen, Kehlen, Ort, First, Be- und Entlüftungsprofilen, Einfassungen der Dachdurchdringungen, Lamellhüten, Kaminbekleidungen und Sicherheitseinrichtungen wie Schneehalter und Absturzsicherungen • Gesimsabdeckungen (Fensterbänke) an der Fassade, konisch gebogen, mit Tiefen von 250 bis 600 mm sowie auch eine äussere Blitzschutzanlage, nach den geltenden Leitsätzen 4022:2008 Klasse 3, ausgeführt. Das Metalldach mit Grossrauten: Herausforderung und Lehrstück für den Nachwuchs Das 280 m2 grosse und gut sichtbare Hauptdach besteht aus sechs asymmetrischen Flächen. Der Architekt wünschte, dass jede Dachfläche gleich viele Rautenreihen aufweist. Die Rauten sind parallel zur Traufe verlegt und treffen bei den Übergängen auf der gleichen Höhe aufeinander. Dies unabhängig von Dachneigung und Sparrenlänge bzw. Fach-

weite. Eine der grössten Herausforderungen stellte darum das Einteilen der Dachflächen dar. Die Deckbreite beträgt zwischen 210 mm (3,17 St/m2) und 460 mm (1,45 St/m2). Die Auszubildenden der Firma waren gefordert. Sie merkten schnell, dass schulische Fächer wie Fachzeichnen, Geometrie oder Algebra auf keinen Fall blosse Theorie sind. Neben dem handwerklichen Geschick und der Vorstellungskraft braucht es viel Wissen. Das macht den guten Spengler aus. Nach der Fertigstellung wird dieses Dach nicht in Vergessenheit geraten. Mit der Bauherrschaft ist ein Unterhaltsvertrag abgeschlossen worden. Dieser beinhaltet pro Jahr eine Begehung. Dabei werden nebst der Dachkontrolle auch die Einlegerinnen vom Laub befreit. Für die Jury ist dies eine sehr gelungene und für die Firma wie für den Berufsstand repräsentative Arbeit. Planung, Einteilung, Proportionen, Wetteransprüche, Qualität und Ausführung der Details ergeben eine wahrlich gute und saubere Spenglerarbeit. Das vom Spenglermeister Dalibor Martinovic zum Wettbewerb eingereichte Dossier mit präzisen Angaben und schöner Detailbebilderung, sauber gelayoutet, bestätigt die Liebe zum Beruf. Bravo! ■

Lufteintritt an der Traufe, Rauten mit Schneestopper. 52

Dalibor Martinovic. Spenglermeister, G. Bosshard AG, Altdorf

Bautafel Objekt: Zweifamilienhaus, Altdorf Konstruktion Dach: Belüftetes Rautendach Werkstoff Spenglerarbeiten: Kupfer blank, 0,7 mm, Marke KME Tecu® Classic Baubeteiligte Bauherr: Private Bauherrschaft Spengler und UK: G. Bosshard AG, Altdorf Architekt: Waeber/Dickenmann GmbH, Lachen

Perfekter, entlüfteter Dachgrat mit durchlaufendem Rautenbild.

Goldene Spenglerarbeit 2015


Ein neues, grünes Kupferdach in Lenzburg – gewagt, farbenfroh, kinderfreundlich und individuell «Wildrose» hiess der vom Schulleiter vorgegebene Wettbewerbsname für den Erweiterungsbau der Rudolf Steiner Sonderschule Lenzburg. Entstanden ist ein fünfeckiges Gebäude, bekleidet mit grünem Kupferblech, verspielt und mit absolut individueller Ausstrahlung.

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ie an den Bau gestellten Wünsche: Schulstuben, die nicht nur das fachliche Lernen der Einrichtung widerspiegeln, sondern auch das soziale äussere Leben. Keine technischen, keimfreien Bürozimmer, keine sture Aneinanderreihung von Räumen, die Identifikation verunmöglichen. Diese Vorgaben lassen erkennen, warum diesem Bau und diesem Dach ein ganz eigenes Wesen innewohnt.

Objektbeschrieb und Kommentar Jury Bereits in der Planungsphase konsultierte das Team von Zimmermann Architekten Aarau AG die Firma Schoop + Co AG für die technische Umsetzung. Damit war der Grundstein gelegt, um die architektonischen Wünsche mit den fachtechnischen Anforderungen in Einklang zu bringen. Konisch zusammenlaufende Flächen auf horizontalen aber schiefliegenden Traufen und Firsten fordern die Handwerker immer heraus. Versetzte LignaturElemente konnten der vorgegebenen Geometrie gerecht werden.

Das Stamisol-Unterdach wurde dicht an die Rinne aus CrNiStahl angeschlossen. Bei dem freien Auslauf auf das Flachdach wurde die Abdichtung 1,2 m unter der Unterdachfolie hochgezogen. Darauf folgte eine Holzschalung Fichte/Tanne 27 mm und eine verschweisste, bituminöse Abdichtung EGV3ts. Diese übernahm die Funktionen der Bauzeitabdichtung, der Trennlage sowie partiellen Schallschutz. Vor der Verlegung der Deckung wurde zusätzlich eine Strukturmatte «Design Drain» verlegt. Die Rinne in CrNiStahl 0,5 mm bekam durch eine konische Keilkantung trotz horizontaler Traufe ein

Ein spezielles Dach für eine spezielle Schule. Die verspielte Bauform wurde mit Kupfer Patina farbenfroh bedeckt. Auch der Vorbau ist ansprechend.

Goldene Spenglerarbeit 2015

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Individuell erstelltes, perfekt in das Dach integriertes Lichtband.

kleines Gefälle. Den Normen entsprechend wurden natürlich die im Hause produzierten Rinnendilatationen «Soba» eingebaut. Rückseitig wurde das direkt abgekantete Einlaufblech bis über die Überlaufhöhe dicht unter das Unterdach geführt, das vollflächig angeklebt wurde. Frontseitig wurden dennoch zwei Notüberläufe eingebaut, damit ein kontrolliertes Überlaufen gewährleistet ist.

unten ein Haftband in CrNiSt 1,0 mm, im Oberteil in Dicke 0,40 mm. An der Fassade des Erkers wurden einfach eingehängte Längsbahnen der genauen Einteilung montiert und mit Rundecken ausgeführt. Die Beund Entlüftung sichert ein unten verlegtes, weiss lackiertes Lochblech, die Luft kann oben unter der Blende austreten. Zur Entscheidfindung wurden alle Details 1:1 bemustert.

Grünes Kupferdach und Vorbau-Bekleidung Blech eignet sich perfekt für die gewählte Volumetrie und die flach geneigten Dachflächen. Als Werkstoff wurde, im Einklang mit den philosophischen Eingangsgedanken, das grüne KME-Kupfer Patina 0,7 mm gewählt. Dieses Material ist nur in begrenzten Tafelgrössen erhältlich. Durch die lange Lieferzeit, und weil jedes Segment der Deckung ein anderes Mass aufwies, entschied man sich, das benötigte Blech in Tafelgrösse von 1000 × 3000 mm zu bestellen. Nach der Montage der Haftbänder konnten alle Bahnen einzeln gemessen werden. Dies gewährleistete eine Platteneinteilung mit dem geringstmöglichen Verschnitt. Durch die konisch zusammenlaufenden Dachscharen von firstseitig ca. 900 mm bis traufseitig ca. 200 mm muss bei einem Platzregen mit einem hohen Wasseranfall in Richtung Traufe gerechnet werden. Demzufolge wurde eine Falzhöhe von 50 mm gewählt und in der unteren Hälfte der Dachfläche eine Verdichtung der Winkelfalze mit Falzgel vorgenommen. Die Verbindungen als Winkelfalz sichern eine zwangsfreie Dehnung der Blechbahnen. Die Befestigung erfolgte mit selbstgefertigten Haftbändern,

Schoop – SOBA, Spezialist für alle Dach-Accessoires Alle Durchdringungen wie Lüftungen, Absturzsicherungshaken, Fenster usw. wurden in der Planungsphase mitten in die Dachscharen platziert und den übrigen Bauunternehmungen fix vorgegeben. Die Lüftungshüte wurden vor der Montage in der Dachfarbe lackiert. Soweit möglich wurden alle störenden Dacheinbauten in die Eindeckung integriert. Ein gutes Beispiel dafür ist die Rauchabzugszentrale, die zusammen mit der Firstentlüftung geplant und realisiert wurde. Im Brandfall öffnet sich der Deckel inkl. Kupferabdeckung senkrecht nach oben. Für Kontroll- und Unterhaltsarbeiten wurden Sicherheitsdachhaken Typ ABS DH04 der Firma Soba Inter AG dem Farbton entsprechend lackiert und fachgerecht montiert. Die Sicherung wurde als Rückhaltesystem geplant und bietet eine Sicherungsmöglichkeit für den grössten Teil der Dachfläche. Die Sicherheitshaken sind für eine 360°-Belastung zugelassen und bieten zudem die Möglichkeit für ein Einhängen von Dachleitern.

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Der direkte Einfall der Sonnenstrahlung durch das Dachfenster blendet und führt zu einer starken Wärmeent-

wicklung. Für diese nachträglich vom Bauherr gemeldete Unannehmlichkeit wurde ein auf Mass produziertes Sonnenschutzsegel aus Kupfer Patina erstellt, das dem konischen Verlauf des Daches entsprechend gekantet und gelocht wurde; dies führte zu einer Lichtreduktion von 60 %, ohne auf das Tageslicht verzichten zu müssen. Das kleine Sonnenschutzsegel bekam 66 500 Löcher à 4 mm gestanzt. Die Jury, offen für Geometrie aber auch für Qualitäten wie Klarheit, Ordnung und Disziplin, musste sich in die Denkweise der Rudolf Steiner Schule «eindenken» und «einfühlen». Fantasie und Grenzüberschreitungen bringen ungewöhnliche, unkonventionelle Lösungen, was bei dieser Gebäudehülle bis zur Materialwahl und den Farbenkombinationen zu erkennen ist. Die Ideen sind aber spenglertechnisch zielkonform und sehr sauber umgesetzt. Das grosse Reservoir an guten Ideen und Fabrikationsfähigkeiten des Betriebes tritt vor allem bei den vielen speziellen Accessoires diskret, aber für den Fachmann deutlich in Erscheinung. Wir wünschen dieser Schule und ihren Kindern viel Erfolg unter dem neuen Dach. ■

Stefan Aerni. Spenlermeister, Schooop + Co AG, Dättwil bei Baden

Bautafel Objekt: Erweiterungsbau Schulhaus Rudolf Steiner Konstruktion Dach: Belüftetes Doppelfalzdach Werkstoff Spenglerarbeiten: Kupfer Patina 0,7 mm Baubeteiligte Bauherr: Rudolf Steiner Sonderschule, M. Sutter, Lenzburg Spengler: Schoop + Co. AG, Spenglermeister Stefan Aerni, Baden-Dättwil Vorarbeiter Dach: Thomas Kobel Vorarbeiter Fassade: Othmar Trottmann Architekt: Zimmermann Architekten, Aarau, Prof. Christian Zimmermann, Frau Ruth Schmutz Bauleitung: Eichenberger Architekten GmbH, Marcel Eichenberger

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Warme Wohnungen anstatt kalter Estrich – neue Mansardendächer in altem Quartier Die traditionellen Mansardendachformen bekommen dank der Spenglerarbeiten mit modern wirkendem dunklem Blech einen zeitgemässen Ausdruck und gliedern sich perfekt in die Dachlandschaft eines ruhigen und schutzwürdigen Quartiers von Chur ein.

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er Neubau nahe dem Stadtzentrum in Chur, mitten in einem Park mit altem Baumbestand und engen Strassen, wurde vom Architekturbüro Giubbini im Einklang zu den angrenzenden älteren Liegenschaften, den örtlichen Bautraditionen und den Vorstellungen der städtischen Denkmalpflege gebaut. Die Integration ist gut gelungen. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Wir finden am neuen Haus die typischen Merkmale, die im alten Chur noch vorhanden sind. So die Dachform, die hochgezogenen Fenster oder die Unterteilung der Fassade mit Mauerbändern. Das Dachvolumen ist natürlich nicht wie früher ein kalter Estrich, sondern es ist als Wohnraum ausgebaut mit dem Cachet der schrägen Wandflächen, die dem Wohnraum eine Gemütlichkeit verleihen. Die Spenglerarbeiten in einer städtischen, eher einfach gehaltenen Dachlandschaft sind für den Handwerker tägliches Brot und Herausforderung zugleich. Ein besonderer Wert wurde bei dieser Dachform auf die fachlichen Details und die Belüftung gelegt. Nebst der zeitgemässen Verlegung von Dampfsperre, Wärmedämmung und fugenlosem Unterdach wurde ganz besonders auf den

Durchlüftungsraum zwischen Unterdach und Eindeckung geachtet. Die Dachdeckung samt Lüftungseintritt konnte zusammen mit der Kastenrinne auf dem Dachgesimse als Einheit ausgeführt werden. Eine zweiteilige Konterlattung garantiert, dass die Lüftung sowohl längs als auch quer stattfindet. Der Lufteintritt liegt oberhalb der Einlegerinne. Der belüftete Dachbruch wie auch die entsprechend konzipierten Grat- und Firstausbildungen ermöglichen zusätzliche Zu- und Abluft. Entwässerung Rinne und Ablaufrohre sind nach den Grundlagen von suissetec berechnet und wurden mit Blick auf den möglichen Laubanfall entsprechend grösser dimensioniert. Das Regenwasser der oberen Dachdeckung läuft über die Dachbruchkante und fliesst dann über die schrägen Flächen in die Einlegerinne ab. Unten, auf einem Kranz rings um das Gebäude, fängt die Rinne das Wasser auf und führt es über die in den Gebäudeecken eingebauten Rinnenkasten in die runden Ablaufrohre ab. Damit diese unauffällig mit der Fassade verschmelzen, wurden sie weiss gestrichen. Alle Blechbahnen wurden, wie es zu einer seriösen Bauplanung gehört, gemessen und in der Werkstatt bei guten Bedingungen vorgefertigt. Die Traufanschlüsse und Firstanschlüsse sind stehend und so ausgebildet wie es die Fachrichtlinien und der Stand der Technik erfordern.

Hermann und Riccardo Dorn. Spenglerei Dorn AG, Gebäudehüllen, Chur 56

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Modernes Mansardendach – die schiefergraue TitanzinkBekleidung harmoniert gut mit der weissen Fassade.

Als Dachwerkstoff wurde Rheinzink prePatina schiefergrau mit Dicke 0,7 mm eingesetzt. Die werksmässig erstellte Vorbewitterung verleiht dem Titanzink eine schöne, einheitliche, leicht mit Fasern gezeichnete Oberfläche mit einem warmen schiefergrauen Ton. Da es sich bei der Vorbewitterung nicht um eine Beschichtung handelt, werden die elementaren Eigenschaften des Zinks in keiner Weise beeinflusst. Im Laufe der Zeit setzt die Patina ein; die Oberfläche altert natürlich. Zuletzt betonen die Meister von Dorn AG die gute Zusammenarbeit zwischen dem Architekten als Designer, dem Zimmermann, der Bauleitung und dem Architekturbüro: «Wenn

Planung, Koordination und Zusammenarbeit stimmen, dann ist das Arbeiten angenehm.» Für die Jury ist dies unter Berücksichtigung von Umgebung und Tradition, verbunden mit moderner Dachtechnik, die gelungene Integrierung eines Neubaus in ein altes Quartier. Die Kombination von dunklem Dach und weissen Wänden ist vielleicht gewagt, wirkt aber heiter und kontrastreich. Die Konstruktion erfüllt sämtliche Voraussetzungen, und die Spenglerarbeiten, auch bei den vielen Details und Lukarnen, sind präzise und sauber ausgeführt. Daraus entstanden ist diese schöne, gefällige Dachlandschaft mitten in Chur. ■

Bautafel Objekt: MFH Aquasanapark, Chur Konstruktion Dach: Belüftetes Doppelfalzdach Werkstoff Spenglerarbeiten: Rheinzink prePatina schiefergrau

Schöne Dachlandschaft mit fachtechnisch sauberen Details.

Baubeteiligte Bauherr: Stweg Aquasanapark, Chur Spengler: Spenglerei Dorn AG, Gebäudehüllen, Chur Architekt: Giubbini Architekten ETH/SIA AG, Chur Bauleitung: Walter Dietsche Baumanagement AG, Chur

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Paradiesischer Innenhof mit harmonischer Fassade und passender Vegetation im Spital Münsterlingen Zielvorgabe der Renovation war, dass der Innenhof «gleich beim Hereinkommen einen guten Eindruck macht». Dies ist mehr als gelungen, der Innenhof strahlt Harmonie, Natur und Ruhe aus.

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it dem erreichten Resultat dürfen die Bauherrschaften, das Kantonale Hochbauamt Thurgau und die Spital Thurgau AG, sehr zufrieden sein. Denn die durch Staufer & Hasler Architekten AG, Frauenfeld realisierte Neugestaltung atmet einen frischen, modernen Geist,

Konische Blechpaneelen aus eloxiertem Aluminium bieten gestalterische Möglichkeiten. 58

der auch bei Patienten und Personal gut ankommt. Die von WAGA Spenglertechnik AG realisierte Fassade in eloxiertem Aluminium passt perfekt zu dieser Wahrnehmung. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Im Juni 2011 wurde im Kantonsspital Münsterlingen die Neugestaltung der Lobby, des Restaurants und des Innenhofs in Angriff genommen. Im Zuge der Innenhofsanierung wurden die Sichtsteinmauern, welche das gesamte Bild des Gebäudes prägten, neu aufgedämmt und mit einer edlen Paneelen-Fassade aus eloxiertem Aluminium bekleidet. Als besondere Herausforderung stellten sich die relativ grossen und zu alledem auch noch konischen Paneelen dar. Mit einer Höhe von knapp 4,9 m war das Handling nicht zu unterschätzen. Doch dank der sorgfältigen Planung und guten Zusammenarbeit von Architekt und ausführendem Spenglerbetrieb, wurde für alle heiklen Details eine technisch saubere Lösung gefunden. Dank guter, maschineller Infrastruktur und eigener CAD-Planung konnten sämtliche Bleche rationell und flexibel hergestellt werden. Es wur-

den rund 850 einzelne Paneelen produziert mit 30 verschiedenen Zuschnitten und Typen. Um die bauseitig bedingten Ungenauigkeiten auszugleichen, wurden im Betrieb die präzisen CAD-Abwicklungen mithilfe von CNC-gesteuerten Maschinen programmiert. Alle nötigen Ausschnitte wurden mit dem Stanzautomaten haargenau ausgenibbelt und anschliessend formgerecht gekantet. Eine genaue Kennzeichnung der Einzelteile war unerlässlich, damit nach dem Eloxieren die Montage der 750 m² Fassadenfläche speditiv erfolgen konnte. Mit einer Wärmedämmung aus Glaswolle von bis zu 200 mm wurde der Innenhof auf den heutigen Stand der Wärmedämmtechnik gebracht. Um Wärmebrücken zu vermeiden, wurde die gesamte Unterkonstruktion aus vertikalen und horizontalen Metallprofilen mit dem System Rogger (RSD Schrauben MetaLine) auf dem Klinkerstein-Untergrund befestigt. Zur Befestigung der Unterkonstruktion wurden rund 1800 Schrauben in drei verschiedenen Baulängen verbaut. Sämtliche Fassadenbleche wurden in einem speziellen, thermischen Eloxierverfahren mit der Farbe PermaGoldene Spenglerarbeit 2015


Die Blechpaneelen und die sauber eingebauten Fenster vermitteln ein ruhiges Bild und wirken sehr harmonisch.

Thomas Rütsche. Spenglermeister, Waga Spenglertechnik, Sirnach

lux 3 behandelt. Das Spiel der Farben mit dem einfallenden Sonnenlicht ist bei dieser Beschichtung besonders schön. Der Effekt wird durch die versetzten Ebenen der Stockwerke verstärkt und harmoniert wunderbar mit den vielen, unterschiedlich grossen Fensterflächen. Für die Jury ist diese Bekleidung von der Idee bis zur Ausführung perfekt gelungen. Fassade, Fenster, Innenhof und Pflanzeninseln strahlen eine wohltuende Ruhe aus. Raster und Fenstermasse sind schlicht und modern, die feinen Schrägen brechen die Lineatur. Da nach dem Eloxieren nichts mehr geändert werden konnte, musste vor der Montage perfekt geplant und fabriziert werden. Diese Präzision sieht man dem Gebäude Goldene Spenglerarbeit 2015

an. Wir sehen hier das Ergebnis einer planerischen und handwerklichen Meisterleistung bester Güte. Hätten wir einen Prix Façade, dieser Bau wäre mitten in unserem Fokus gestanden. ■

Bautafel Objekt: Kantonsspital, Münsterlingen Konstruktion: Hinterlüftete Fassade mit Steckfalz-Paneelen, verdeckt befestigt Werkstoff Fassade: Paneelen in Aluminium 1,5 mm dick, eloxiert Permalux P3 Baubeteiligte Bauherr: Kanton Hochbauamt Thurgau, 8510 Frauenfeld und Spital Thurgau AG Spengler: WAGA Spenglertechnik AG, Spenglermeister: Thomas Rütsche, Sirnach Architekt: Staufer & Hasler Architekten AG, Frauenfeld

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Kubisch, leicht und lichtdurchflutet: durchdacht bis ins letzte Detail Qualität entsteht, sobald sich Theorie und Praxis, Gestaltung und Ausführung, interdisziplinäre Kompetenzen, Kulturen und Haltungen vereinen. Das ist beim Bau eines Einfamilienhauses in Büsserach geschehen.

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ieser Bau ist ein typischer Vertreter zeitgenössischer schweizerischer Architektur: eine Kiste. Unspektakulär von aussen, intelligent, vielseitig, stets kontrolliert in der Machart, mit vielen Accessoires rund ums Haus und im Innern. Die schöne Fassade in VM Pigmento betont in ihrer Einfachheit die scharfe Abgrenzung des Kubus. Sie betont das Liegende des Volumens. Ein wichtiger Ausdruck. Aber: Es ist viel mehr als eine Kiste! Objektbeschrieb Danny-John Wanner, Architekturbüro Wanner Partner GmbH in Muttenz, schreibt dazu:

«Der im ersten Augenblick scheinbar schwer und massig anmutende Baukörper wirkt bei genauerem Beobachten durch seine lichtdurchfluteten Räume, das offene Atrium und die scheinbar schwebenden Träger wieder leicht und fast fragil. Erd- und Obergeschoss sollten bewusst aus zwei separaten, getrennten Elementen bestehen. Beim aufgesetzten Körper, der vom Erdgeschoss abzufliegen scheint, konnte wegen der freien Stützen nur auf Leichtbau gesetzt werden. Holz kam nicht in Frage, weil dieses insbesondere bei den Stützen dem Alterungsprozess unterliegen würde. Man entschied sich für eine belüftete Metallfassade. Diese Fassadenbekleidung sollte den Kubus, ähnlich wie

Schmale Bänder sowie perfekte An- und Abschlüsse bei Ecken, Baukanten und Fenstern verleihen dem Baukörper eine elegante Ausstrahlung.

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Goldene Spenglerarbeit 2015


im Einklang mit den Wertvorstellungen des Bauherrn. Zink ist für Menschen, Tiere und Pflanzen ein essenzielles Spurenelement, ohne welches ein Leben nicht möglich wäre. Zudem altert die Fassade unterhaltsfrei und trägt damit zu Ökologie und Nachhaltigkeit bei. Diverse Zusatzelemente wie die Einfassung des Rosenteichs, die Abdeckungen der Bücherregale, Blechintarsien in den Betonwänden im Garten und sämtliche Kronenabdeckungen auf dem Grundstück im Material der Fassade runden das Gesamtkonzept und die konsequente Materialanwendung ab. Perfekte Details, Fensteranschluss und Wasserbecken beim Hauseingang.

eine grosse Schachtel, mit durchlaufenden Längslinien flach erscheinen lassen. Die Bauherrschaft legte grossen Wert darauf, das Grundkonzept durch ‹Feng Shui› wirken zu lassen. Die Elemente Metall und Holz waren beim Obergeschoss schon vorhanden. Dem Element Wasser konnte durch die gegen oben freie Terrasse auch genügend Rechnung getragen werden. Damit Energie fliessen kann und nicht gefangen wird, sind viele aufgelöste Ecken mit einbezogen und konstruiert worden. Zwei prägende Einschnitte, nämlich Hof und Atrium, tragen das ihre dazu bei».

Ausführung mit Fassade in Titanzink Die Fassadenbekleidung sowie die Abdeckungen und Unterschichten wurden komplett in vorbewittertem VM Zinkblech «Pigmento», Farbe braun, Materialstärke 0,80 mm, ausgeführt. Die Blechstreifen weisen eine Breite von 120 mm auf und wurden auf die Lattung des Belüftungsraums verlegt. Die Fassadenteilung von 120 mm zieht sich durch die komplette Gebäudehülle. Auch das schiebbare Beschattungselement musste sich in das Fassadenbild einfügen. Die Natürlichkeit der gewählten Fassade ist auch

Kommentar Jury Das gestalterische Konzept ist laut Jury ein Spiel mit den Grundelementen der Architektur, mit Raum, Licht und Material. Die Gestaltung der Fassade betont in ihrer Einfachheit die scharfe Abgrenzung des Kubus. Sie betont das Liegende als wichtigen Ausdruck des Volumens. All das bestätigt die Weisheit, dass Qualität entsteht, sobald sich Theorie und Praxis, Gestaltung und Ausführung, interdisziplinäre Kompetenzen, Kulturen und Haltungen vereinen. Dies ist bei diesem Objekt offensichtlich hervorragend gelungen. Die Leistungen des Spenglermeisters, die saubere Einteilung der Fassade, die fliessenden Schnittstellen und Übergänge, die perfekten Details, die Accessoires wie die Lamellen und die passend integrierten Dekorzutaten sind im Einklang mit der Architektur. Schliesslich rundet die vom Bauherrn gewünschte Kombination mit Elementen aus Corten den Bau ab wie der Punkt auf einem i. Ein sehr schönes, gelungenes Objekt und eine tolle Gebäudehülle. ■

Bautafel Objekt: Neubau Hofhaus, Büsserach Konstruktion Fassade: Belüftete Fassade mit Horizontalpaneelen Werkstoff Spenglerarbeiten: VM Zinkblech «Pigmento» braun, 0,80 mm Baubeteiligte Bauherr: Fam. Liliane und Heiner Scherrer, Büsserach

Thomas Knubel. Spenglermeister, InduBau AG, Gunzgen

Spengler: InduBau AG, Spenglermeister Thomas Knubel, Gunzgen Architekt: Wanner Partner Architekten GmbH, Muttenz

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Zwillings-Einfamilienhäuser erhalten neue Fassadenbekleidungen in Titanzink hell und dunkel Die Faserzement-Fassaden waren in die Jahre gekommen. Architekt und Bauherren entschieden sich für eine neue Bekleidung in Kupfer-Titanzink. Um Kontrast und Identität zu verleihen, wurde das eine Haus mit Rheinzink vorbewittert blaugrau, das andere mit VM anthra bekleidet.

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rgendwann bekommen auch Bauten und Gebäudehüllen Altersspuren, so auch die EinfamilienhausZwillinge mit äusserst origineller Form in Oberwil. Die Bauherren entschieden sich, Dach und Fassaden ihrer zwei Häuser neu mit Blech zu be-

kleiden. Die Wahl fiel auf Titanzink mit zwei verschiedenen Oberflächen. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Ziel der Sanierung war es, einerseits den Charakter der damaligen Archi-

tektur zu bewahren und anderseits eine neue Wertigkeit in der Materialwahl und -alterung zu finden. In Zusammenarbeit mit Architekt Franz Studer aus Fischbach-Göslikon, und Spenglermeister Peter Albisser, entschieden sich die Bauherren für Dünn-

Schön sanierte Bauten aus den 60er-Jahren, damals architektonisch aussergewöhnlich.

Peter Albisser. Spenglermeister, Nesselnbach

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Goldene Spenglerarbeit 2015


blechbekleidungen in Titanzink. Diese wirken filigran und lassen sich den verschieden schrägen Flächen und Anschlüssen gut anpassen. Die Herstellung durch den Spenglermeister ermöglichte, dass die Bahnen individuell eingeteilt, fabriziert und montiert werden konnten. Somit entstanden Bekleidungen «à la carte», was Fachleute sofort erkennen. Die alte Fassade wurde mit Kunststofffolie und Quarzsand behandelt und mutierte so zur Unterkonstruktion mit Unterdach, bereit zur Aufnahme der neuen Bekleidung. Diese erfolgte durch Kassettenbleche, in den Stössen unsichtbar befestigt, mit filigranen An- und Abschlüssen bei allen angrenzenden Bauteilen und Durchdringungen. Um Kontrast und Identität zu erzeugen, entstand die eine Gebäudehülle in hellem Titanzink von Rheinzink, die andere in der dunklen Variante VM anthra. Die zwei Oberflächen harmonieren gut. Titanzink altert natürlich und unterhaltsfrei, auch darüber freut sich die Bauherrschaft. Die zwei Häuser sind in den 60er-JahGoldene Spenglerarbeit 2015

ren gebaut worden, damals «modern und exklusiv». Die Bauten wirken auch heute im neuen Kleid attraktiv, fast als wären sie neu entstanden. Die gewählte Lösung samt Kombination der Oberflächen gefällt der Jury. Die Arbeit ist fachkundig und schön ausgeführt, die anspruchsvollen, schrägen Details sind sauber gelöst. Die Häuser liefern den Beweis, wie mit Dünnblech spezielle Architektur elegant umgesetzt und betont werden kann. ■

Die Bekleidung aus patiniertem Titanzink verleiht dem Bau ein edles Antlitz, die Wahl von hellem und dunklem Titanzink macht die zwei Bauten zu Zwillingen

Bautafel Objekt: 2 Einfamilienhäuser, Fassadensanierung, Oberwil-Lieli Konstruktion Dach: Dach/Fassade mit Kassetten unsichtbar montiert Werkstoff Spenglerarbeiten: Titanzink Rheinzink vorbewittert, pro blaugrau, 0,70 mm Titanzink VM-Zinc vorbewittert, Anthra-Zinc, 0,70 mm Baubeteiligte Bauherr: Hans und Elisabeth Widmer-Spreng, Oberwil-Lieli Hans-Peter Huber und Esther Steinmann, Oberwil-Lieli Spengler: Peter Albisser, Spenglermeister, Nesselnbach Architekt: Franz Studer, Architekturbüro, Fischbach-Göslikon

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Fein und unscheinbar in den Hang integriert: schönes Zeltdach mit Spitzrauten aus Kupfer.

Verwachsen mit der Umgebung: ein stolzes Kupfer-Zeltdach am Sarnersee Vom See her ist es kaum zu erkennen. Das zeltförmige Dach mit umlaufender tiefer Traufkante und kupferner Dachdeckung hebt sich als Gebäude weder formal noch farblich von den übrigen Kleinbauten entlang des Ufers ab. Es schmiegt sich ins Terrain und verwächst mit der Landschaft.

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ie Uferlandschaft ist geprägt durch eine weitläufige Aufschüttung entlang des Sees. Stützmauern sichern und terrassieren den steilen Hang. Das Haus am See ist in die vorgegebene Topografie integriert. Es steht auf drei leichten Wellen im Terrain, die den offenen Raum sanft in verschiedene Nutzungsbereiche gliedern. Auf der mittleren Terrasse wird gewohnt, auf der unteren geschlafen und auf der oberen gekocht 64

und gegessen. Versteckt unter der Küche im Erdreich wird gebadet. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Über dieser künstlichen Topografie legt sich ein grosses Zeltdach behutsam über den verborgenen Innenraum. Das weite Dach taucht den Innenraum in einen Schatten, der die innere Gebäudestruktur kaum wahrnehmen und diese über der Land-

schaft schweben lässt. Die Kupferdeckung mit ihrem feinen Dachrand und den über den Grat gezogenen Spitzrauten lässt das Dach wie ein leichtes Kleid erscheinen. Zwischen Boden und Dachkante verläuft die allseitige Verglasung, die einem aus dem ganzen Raum einen prächtigen Blick zum See und zur Bergkette schenkt. Im Innern spannt sich das Zeltdach über einen einzigen, grossen Raum –

zugleich hoch und weit, offen und gefasst, schwer und leicht. Dachkonstruktion und Deckung mit Kupferrauten Das Zeltdach hat eine umlaufende Traufkante, die vier Dachflächen laufen am First in einem Punkt zusammen. Die Deckung aus Kupferrauten soll die Dachform verstärken. Die Rauten von 600 × 600 mm wurden nicht auf das Eck, sondern wie Goldene Spenglerarbeit 2015


Stefan von Rotz. Dipl. Spenglermeister, Thade Wagner AG, Kerns

Die aussergewöhnliche Rinne gibt dem Dach Charakter.

Schuppen 50 mm in die Fläche hinein gezogen. Die sichtbaren Kanten sind so zu Gunsten einer flächigen Erscheinung gebrochen.

• Holzschalung 27 mm, Nut und Kamm • Materialtrennlage/Bauzeitabdichtung Pavatex ADB

• Dachdeckung, Rauten in blankem Kupfer, Eine besondere Schwierigkeit stellte die Ausbildung der Dachgrate dar, weil sich diese nicht in Form einer Kante abzeichnen sollten. Die Gratrauten, jede eine Einzelanfertigung, sind deshalb über den Grat gezogen. Herausforderung dabei ist, die einzelnen, unterschiedlich grossen und geneigten Dachflächen ohne optische Irritation ineinanderfliessen zu lassen. In der Logik der Rautendeckung ist auch der entlüftete Firstabschluss ausgebildet.

0,6 mm Filigrane Traufe und diskret verlegte Rinne Die zurückversetzte Rinne, das sich konisch auf wenige Zentimeter verjüngende Betonvordach und die auskragende Dachhaut verleihen der mächtigen Konstruktion eine unerwartete Leichtigkeit.

Zwei Ausspeier sind aus einem Stück gebogen und in die Rautendeckung integriert. Sie wirken sehr fein und stören den Betrachter in keiner Weise. Für die Jury sind Architektur und handwerkliche Ausführung feinfühlig. Die Kupferdeckung ist sauber geplant und die Ausführung ohne Makel. Der Effekt der Schuppenhaut und die absolute Schlankheit der Traufe sind sehenswert. Der Wunsch, das Haus diskret im Hang einzupflanzen, naturgerecht und doch mit Wohnqualität, ist auf gelungene Weise erfüllt worden. Für die Jury steht hier, am Ufer des Sarnersees, ein neues Bijou. ■

Dachaufbau

• Betonkonstruktion • Dampfsperre EP4 • Wärmedämmung Flumroc Para 140, zweilagig, zweite Lage konisch

• Holz 80/100, mit Distanzschraube befestigt • Wärmedämmung Flumroc Para 100, zweilagig • Dichte Unterdachbahn Sarnafil TU 222 • Konterlatte 50/50, mit Distanzschraube befestigt

Bautafel Objekt: Haus/Pavillon am Sarnersee Konstruktion Dach: Belüftetes Dach mit Spitzrauten Werkstoff Spenglerarbeiten: Kupfer blank, 0,6 mm Baubeteiligte Bauherr: Bea International LTD, 6063 Wilen Spengler: Thade Wagner AG, Kerns, Spenglermeister Stefan von Rotz Architekt: Atelier Scheidegger Keller, Zürich

Goldene Spenglerarbeit 2015

Umicore Strub AG CH-3250 Lyss

Tel. +41 32 387 97 97 www.strubline.ch 65


Basis für Aktivsport und zugleich Wohlfühloase: Das edle Gartenhaus erfüllt alle Ansprüche Spagat zwischen Leistungssport und Erholungszeit: die neue, schiefergraue RHEINZINK-Fassade bei der Pergola von Unternehmerin, Familienfrau und Athletin Priska Trümpi-Landolt in Schänis.

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riska Trümpi-Landolt ist die Schwester von Spenglermeister René Landolt und Mitinhaberin der casa-technica.ch/Landolt Gebäudetechnik AG in Näfels. Sie wohnt in Schänis. Zusätzlich zur Aufgabe als Unternehmerin, Mutter und Hausfrau treibt sie Sport – früher Triathlon und heute Schwimmen. Das führt auch zu Erholungsbedarf. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Hier ist ein tolles Gartenhaus, kombiniert mit Garage im UG und höchst attraktiver Fassade in Rheinzink Protect schiefergrau 1,0 mm, entstanden. Präsentiert wird eine neue kleine Wohlfühloase aus Spenglerhand, realisiert mit viel Liebe und Herzblut für das optische Detail. Planung «casa-technica», Hand in Hand innerhalb und ausserhalb des Hauses Was beim Spenglermeister in Form von Skizzen und Notizen kreativ erfolgt, muss dann auch umgesetzt

werden. Für die Baupläne und die Baueingabe stand die Architektengemeinschaft Steiner + Stucki aus Schänis im Einsatz. Die Planung der eigenen hinterlüfteten Fassade und die saubere Schnittstelle zum Flachdach wurden in der eigenen Firma casatechnica.ch realisiert. Konstruktion und alle Details wurden durch René Landolt entworfen, mit der Hausherrin und mit dem erfahrenen Spenglerpolier Alois Marty besprochen und schliesslich mit CAD professionell zu Papier gebracht. Dann galt es, das auf der Planung toll aussehende Projekt in die Praxis umzusetzen. Als «optisches Entscheidungsmodell» wurde ein Fensteranschluss mit kurzen Paneelteilen realisiert. Damit wurde der Weg zur echten zu verlegenden Paneele geebnet. Edle Fassade, funktionelles Dach Der Fassadenaufbau umfasst folgende Schichten und Komponenten:

René Landolt. Spenglermeister Alois Marti. Baustellenleiter 66

• Tragkonstruktion bestehend aus Mauerwerk mit Backsteinen von 12 cm, bei den statisch anspruchsvollen Bauextremitäten aus gegossenem Beton; • Senkrecht verlegte Konstruktionslatten, 40 × 70 mm dick gehobelt, mit Distanzschrauben TopRoc verlegt, vertikal und horizontal perfekt mit Schnüren und Lasern auf die Flucht gerichtet; • Horizontalpaneele «glide-line» von casa-technica.ch in Rheinzink Protect schiefergrau, Dicke 1,0 mm, mit unterschiedlichen Breiten und versetzten Stössen, Schattenfuge 25 mm tief, 12–15 mm breit, alle Paneele in der Mitte mit Fixpunkt, sonst beidseitig frei gleitend. Alle Paneele ab Zuschnitte ab Fabrik, d. h. Tafelqualität mit Schutzfolie, selber auf 3 m CNC-Abkantmaschine in Näfels abgekantet. Bei allen An- und Abschlüssen individuell abgekantete An- und Abschlussbleche. Der Flachdachaufbau umfasst die Betondecke, im Gefälle gegossen, Innendämmung XP 120 mm, die FlachdachAbdichtung zweilagig bituminös, EP 4 und EP 5, dann eine Aussenüberdämmung mit Platten 60 mm XPS, schliesslich die Schutzschicht mit Jurakies gelb und die feine Flachdachumrandung mit verdeckten Schiebern, ebenfalls Goldene Spenglerarbeit 2015


Klein, fein und einfach schön: Mit Rheinzink-Paneelen bekleidetes neues Gartenhaus mit Pergola.

Bautafel

mit Rheinzink Protect schiefergrau, perfekt passend zum gelben Kies. Für die Jury ein «kleines und feines» Objekt. Der Baukörper wird allen Ansprüchen seiner Umgebung (Garten, Schwimmbad, Vorplatz, Garage) gerecht, ist gut integriert und wirkt verbindend. Er erscheint im Garten fein, diskret, offen und doch präsent. Die

Ausführung ist ohne Makel. Das von René Landolt im Langbericht zitierte Ziel «Ich wollte die Chance nutzen, mit einem Touch exklusiver Form und mit der Wahl der Gebäudehülle den Stolz unseres Spenglerberufs und damit verbunden die Kompetenz unseres Gebäudetechnik-Betriebs casa-tecnica.ch zum Ausdruck zu bringen…» hat er absolut erreicht. ■

Objekt: Gartenhaus/Pergola Fam. Priska Trümpi-Landolt Gebäude/Teil: Hinterlüftete Fassade und Flachdach mit Umrandung Verlegesystem: Fassade mit Horizontalpaneele «glide line» von casa-tecnica, Eigenfabrikation, verschiedene Paneelbreiten, Dicke 1,0 mm Werkstoff: Rheinzink Protect schiefergrau, 1,0 mm Baubeteiligte Spengler: casa-technica.ch/Landolt Gebäudetechnik AG, Näfels Projektleiter: René Landolt, dipl. Spenglermeister Baustellenleiter: Alois Marty, Spenglerpolier

Die Schutzschicht aus Jura-Kies und die feine Mauerumrandung schiefergrau ergeben ein schönes Bild.

Goldene Spenglerarbeit 2015

Architekt: Steiner + Stucki Architektengemeinschaft, Schänis Bauherr: Jost und Priska Trümpi-Landolt, Schänis

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Frisch und edel präsentiert sich die neue goldene Fassade im sonnigen Tessin Lugano-Paradiso hat mit einem neu erstellten goldenen Gebäude, direkt am Fuss des San Salvatore gelegen, ein neues Wahrzeichen aus Spenglerhand erhalten.

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er imposante, kubische Gebäudekomplex im Ortszentrum präsentiert sich stolz und dominant. Der von Investoren finanzierte und vom Architekturbüro Charles De Ry Architettura SA realisierte Neubau spricht seine eigene Sprache. Er verkörpert in spenglerund metallbautechnischer Hinsicht eine Menge an modernsten und innovativen Techniken sowie den Mut zur kubischen Architektur mit warmer Aussenhaut. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Hier treffen wir auf Handwerkskunst, verbunden mit Innovation und Sorgfalt. Um die geforderte ebenmässige Gebäudehülle zu realisieren, mussten wichtige Voraussetzungen erfüllt werden. Eine davon war, die Rauten von oben nach unten zu verlegen, mit entsprechender Anpassung aller Details. Sämtliche Gebäudekanten wie Aussen- und Innenecken wurden direkt mit Bekleidungsrauten ausgebildet. Die Fensterzargen wurden in eloxier-

Goldige Bekleidung der CS in Lugano-Paradiso. Das Gold ist hier real eine Kupfer-Aluminium-Legierung.

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tem Aluminium vorgefertigt. Nicht nur die verschiedenen Ausdehnungen zwischen den standard- und stockwerküberspannten Unterkonstruktionen wurden berücksichtigt, sondern auch die Ausdehnungen der nahtlos durchlaufenden Rautenbekleidung. Zusätzlich wurde durch geeignete Massnahmen verhindert, dass sogenannte «Knackgeräusche» entstehen. Trotz oder gerade wegen all dieser Herausforderungen wurde eine Lösung erarbeitet ohne ästhetische Einbussen auf das ebenmässige Erscheinungsbild der Rautenbekleidung. Die exakte Planung, das technische Verständnis sowie die innovative Arbeitsvorbereitung waren die Voraussetzungen für die handwerkliche Meisterleistung. Die Führung und das ganze Team von Ramseyer und Dilger sind stolz darauf, dass die Firma einmal mehr den Leitgedanken «Metall ohne Grenzen» mit der Realisation dieses einzigartigen Projektes umsetzen konnte.

Technisch interessante Eckpunkte zur Fassadenbekleidung Rauten-Fassade Spezielles Spitzrauten-System, von oben nach unten montiert. Als Material wurde Nordical Royal 0,5 mm, Kupfer-Aluminium-Legierung gewählt, bestellt im Tafelformat 730 × 2990 mm. Die Rauten mit sämtlichen Ausschnitten, Abkantungen und Schrägstellungen wurden in der Werkstatt in Bern produziert. Die Eckanschlüsse wurden vor Ort mit der Segmentabbiegemaschine individuell erstellt. Bearbeitet wurden acht verschiedene Rautentypen, insgesamt ca. 72 000 Rauten bzw. ca. 3050 m2.

Für die Jury einmal mehr eine «Klassearbeit». Es ist ja wohl kein Zufall, dass der Gewinner der Goldenen Spenglerarbeit 2011 auch diesmal wieder mit zwei tollen Bauten mitwirkt. Architektonisch wurde einiges gewagt: grosser Bau, kleine Raute, moderner, kubischer Bau, traditionelle Bekleidung, mal nicht in Grau, sondern leuchtend Gelb. Die Fassade wirkt, trotz der Grösse, filigran und edel. Die Fenster wirken nicht wie Löcher, sondern der Einbau ist fein und die Anordnung lässt von Weitem ein einheitliches, symmetrisches Fassadenbild erkennen. Ein schöner Bau, von Ramseyer und Dilger AG, perfekt geplant und ausgeführt. ■

Unterkonstruktion

Remo Wyss und Marcel Filli. Spenglermeister, Ramseyer und Dilger AG, Bern

3-teilige UK aus Aluminium, Verlegehilfe/Trapezblech mit Vliesbeschichtung (Schall), L-Profil 40 × 40 mm/ 60 × 40 mm, Wandkonsole inkl. Thermostopp und Verankerung, Wärmedämmung 200 mm (Glaswolle), Verlegemenge ca. 3050 m2.

Bautafel

Fensterzargen

Objekt: La Residenza, Lugano-Paradiso

• Mit und ohne Storenkasten aus

Konstruktion: Belüftete Bekleidung mit speziellen Spitzrauten

Aluminium eloxiert 2 mm

• Anfertigung mit Material in Tafelformaten

Werkstoff: Nordical Royal 0,5 mm, Kupfer-Aluminium-Legierung

• alle Fensterzargen wurden mit sämtlichen Ausschnitten, Abkantungen und Schrägstellung vorfabriziert.

Baubeteiligte Bauherr: Immobiliare San Salvatore SA, Paradiso

Endmontage vor Ort

Spengler: Ramseyer & Dilger AG, Bern

Die Eck- und langen Fenster wurden mit Stossblechen ausgebildet, es gab sieben verschiedene Fenstertypen, insgesamt 416 Fenster mit einem Umfang von 3060 m.

Spenglermeister: Remo Wyss und Marcel Filli Architekt: Charles De Ry Architettura SA, Lugano

Perfekte Linienführung der Rauten und der Fenstereinbauten.

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Ein Rohdiamant in Blech, anspruchsvoll, glanzvoll und total schräg

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er im Jahre 2009 fertiggestellte Bau von Daniel Libeskind prägt das Bild von Bern-Brünnen. Leider wurden bei der Planung der Fassade in den Bereichen des Erlebnisbades die speziellen Anforderungen an die Materialqualität zu wenig berücksichtigt. Bäderdämpfe lösten Korrosion aus, Fassadenteile wurden beschädigt. Befestigungen lösten sich. Die Sicherheit der Gäste war nicht mehr gewährleistet. Damit wurde eine Sanierung unausweichlich.

Stararchitekt Daniel Libeskind verwirklichte das Projekt Westside in Bern. Die Fassade beim Erlebnisbad musste leider infolge chemischer Korrosion erneuert werden und wurde von Ramseyer und Dilger meisterhaft saniert.

Alles schräg und doch als Ganzes harmonisch: Prunkstück von Stararchitekt Daniel Libeskind in Bern-Brünnen.

Objektbeschrieb und Kommentar Jury Ramseyer und Dilger hat bei der Instandstellung an insgesamt drei Fassadenteilen grundlegende Arbeiten vorgenommen. Auf die bestehende Wärmedämmung wurde eine neue Unterkonstruktion aus Holz montiert. Für eine optimale Entlüftung wurde der Dachrand erhöht und mit einer Spezialkonstruktion versehen. Alle An- und Abschlüsse (Traufe, Grat, Fenster und Wände) wurden ersetzt. Vorgabe: Die identische Optik musste bestehen bleiben. Eine interessante Herausforderung stellten die verschiedenen Winkel des Gebäudes dar. Der Bau weist treu der Philosophie des Architekten keinen einzigen rechten Winkel und keine senkrechten oder horizontalen Linien auf. Sanierung mit Material aus der Medizintechnik Als Material für die Erneuerung kam CrNiMoCu 25-20-5 Nr. 1.4539 zum Einsatz. Es erfüllt die Vorgaben gegen Lochfrass, ist chlor- und korrosionsbeständig. 70

Goldene Spenglerarbeit 2015


Die Verarbeitung dieses aussergewöhnlichen Materials, das normalerweise nur in der Medizintechnik verwendet wird, war eine zusätzliche Herausforderung. Einerseits durfte es nicht in Kontakt mit rostendem Material kommen (Fremdrost, Bearbeitung nur mit Werkzeugen aus nichtrostendem Werkstoff), andererseits ist CrNiMoCu sehr zäh beim Biegen, Schneiden, Falzen und Nieten. Die Zeitvorgabe für die Umsetzung war extrem eng: Innerhalb von drei Monaten mussten die Arbeiten abgeschlossen sein. Nur dank der ausserordentlichen Leistungsbereitschaft der Firmenbelegschaft konnte das Aussenbecken des Bernaqua-Bades fristgerecht eröffnet werden.

Alles schräg aber perfekt gemeistert, das zeichnet die Arbeit des Spenglermeisters aus.

Der Fall ist auch für die Jury höchst interessant und lehrreich. Die erste Bekleidung, welche die Anforderungen nicht erfüllte, ist rasch und mit hoher Sensibilität und Verantwortung gegenüber Eignung und Gestaltung ersetzt worden. Das verdient Anerkennung. Das Werk ist imponierend. Das Erlebnisbad lehrt uns, dass mit Dämpfen aus Chlor und Salz nicht zu spassen ist. Ein Besuch im Bad zeigt, dass hier an den angrenzenden und auskragenden Wänden jeden Tag gewaltige Mengen von Dämpfen die Werkstoffe beanspruchen. Die Sanierung ist gut gelungen.

Remo Wyss und Marcel Filli. Spenglermeister, Ramseyer und Dilger AG, Bern

Bautafel Objekt: Erlebnisbad Westside, 3027 Bern Konstruktion Dach: Belüftete Fassadenbekleidung mit Winkelfalze Werkstoff Spenglerarbeiten: Spezielle Legierung CrNiMoCu 25-20-5 Baubeteiligte Bauherr: Genossenschaft Migros Aare, Schönbühl Spengler: Ramseyer und Dilger AG, Bern, Remo Wyss, Geschäftsleiter und Marcel Filli, Projektleiter, beide dipl. Spenglermeister Architekt: Daniel Libeskind AG, Zürich Lieferant Sonderblech CrNiMoCu: Spengler Direct AG, Engwilen

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Konstruktion und Details

Unterkonstruktion

Bekleidung

• Unterkonstruktion bauseits ausgeführt nach Angaben

• Winkelfalzfassade mit Schrägschnitten und Abkantungen • CrNiMoCu 25-20-5 Nr. 1.4539, 0,60 mm (Speziallegierung) • Anlieferung in Rollenmaterial mit Zuschnitt 571 mm • Die Winkelfalzbahnen mit sämtlichen Ausschnitten,

• Sämtliche Verschraubungen in CrNiMoSt • Lattung 30/70 inkl. Zwischenlattung • Überbrückungen bei Fensterbänken mit Auflageblechen • Einsatz von Rogger Fastener AG RSD- Schrauben (Spezial-

von Ramseyer und Dilger AG

Abkantungen und Schrägstellungen wurden in der Werkstatt vorfabriziert • Die Eckanschlüsse wurden vor Ort mit einem speziell angefertigten Eckprofil gelöst • Weder Querstösse noch Dachrand- und Traufanschlüsse waren in einem 90°-Winkel • Bekleidet wurden ca. 876 m2

anfertigung mit zusätzlicher Zink-/Chrom-Beschichtung)

• Aufwand ca. 918 m2 Fensterzargen

• Schwertprofil, mit- und ohne Querverstrebungen, vorfabriziert

• Endmontage vor Ort • Verkleidung der Querverstrebungen • Ausbilden der Kreuzfugen • Sämtliche Fenster waren drei- oder mehreckig • Alle Fenster wurden vollflächig aufgeklebt. Die Spenglerarbeit samt den vielen Details ist technisch sehr kompetent realisiert und zeigt die Vielseitigkeit des Handwerks auf. Ramseyer und Dilger ist zu Recht stolz darauf, dass die Firma bei dieser spannenden, einzigartigen Realisation mitwirken und den Leitgedanken «Metall ohne Grenzen» wieder einmal umzusetzen wusste. ■


Tierisch, farbig, auffällig und ungiftig... Der Ursprung einer Kunstinstallation in Sins Eine Riesenameise aus Messing und Aluminium ziert die Fassade der Spenglerei Hofstetter in Sins.

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as Projekt wurde vom Nachbarn, Goldschmied Jörg Rohner aus Sins, ins Leben gerufen. Die von ihm initiierte Kunstinstallation «Ameisenstrasse» erstreckt sich vom Ursprungsort der Idee, von Sins, bis nach Augustenborg in Dänemark (www.ameisenstrasse.ch). Seit 2013 bauten 2500 Schülerinnen, Schüler, Lehrpersonen und Künstler aus 80 Schulen entlang der Achse Schweiz, Deutsch-

Goldene Go ooll d eenn e Spenglerarbeit S pe pen eenn ggle engle leerar e rrar raaarr bei bbeei e t 2015 2 001 015 1155

land, Dänemark Ameisen und Ameiseneier. Die Firma Hofstetter AG entschied sich, das Projekt zu unterstützen und fertigte eine «eigene Riesenameise» aus Messing 1,5 mm und Aluman. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Beeindruckt vom Projekt Ameisenstrasse, hat sich Spenglermeister Marcel Hofstetter spontan dazu entschieden, sich daran zu beteiligen.

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Doppelt mannshoch ist das Tier. Ein gewaltiges Unterfangen.

Marcel Hofstetter. Spenglermeister, Sins

Die Riesenameise mit ihren Eiern auf dem Dach des Firmengebäudes soll die Brutstätte der Idee symbolisieren. Das Tier hat eine Körperlänge von fünf Metern, wurde vorgängig vom Goldschmiedatelier Rohner in Miniaturform kreiert und danach vom Spengler-Team in Originalgrösse, mit viel Liebe zum Detail, hergestellt. Der Körper der Ameise besteht aus Messing, die langen Beine sind aus Aluminium. Das ganze Tier wurde mit einer Schutzgasanlage zusammengeschweisst und danach farbbeschichtet.

Bautafel

Zur Montage der ca. 300 kg schweren Ameise musste ein Lastwagenkran organisiert werden. «Der Fassadenschmuck soll nicht nur ein gelungener PR-Gag sein, sondern aufzeigen, dass ein Bauspengler mit seinen Materialien, die er Tag für Tag verarbeitet, auch kreativ tätig sein kann», so der Spenglermeister und Firmeninhaber. Die Jury freut sich über Kreativität im Beruf. Sie betrachtet das Kunstwerk als heiter und originell, verzichtet aber auf eine weitere Wertung. ■

Objekt: Riesenameise, Sins Konstruktion Objekt: Kunstkreation aus Blech Werkstoff Spenglerarbeiten: Messing 1,5 mm / Aluminium Baubeteiligte Bauherr: Hofstetter AG, Sins Spengler: Marcel Hofstetter, Spenglermeister, Sins Kreation: Jörg Rohner, Goldschmied, Sins

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Neue Fassade mit der kreativen Handschrift des Spenglermeisters.

Unternehmergeist und Herzblut in Ins – attraktive Spenglereifassade Wenn ein Handwerker für sich selber baut, zeigt er gerne seine Kompetenz. Die Unternehmer Nicole und Stefan Fankhauser, beide dipl. Spenglermeister und miteinander verheiratet, schufen eine tolle Werkstatt und einen eigenen Wohnsitz, natürlich mit einer sehr ansprechenden Blechfassade.

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er Neubau StF messerli ag ist ein kubischer Bau, der sich dezent in die Landschaft einfügt. Das Gebäude steht im seeländischen Moos auf Torfboden und verlangte deshalb eine Bodenplatte mit Pfählung. Aus Brandschutzgründen wurde der Kopfbau mit Büro, Aufenthaltsräumen und Wohnung in Massivbauweise erstellt. Die angegliederte Werkstatt ist ein Holzständerbau. Als Augenweide und Visitenkarte indessen präsentiert sich die lebendige Fassade in Rheinzink vorbewittert blaugrau. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Die Fassaden und Dächer wurden den jeweiligen Anforderungen der zwei Gebäudeteile angepasst. Beim Werk-

stattbau wurden als Fassaden- und Dachaufbau Sandwichelemente gewählt. Die Innenseiten sind als Windverband mit OSB-Holzplatten beplankt, die der Werkstatt auch als Unterkonstruktion für diverse Gestelle und Ablagen dienen. Der Hauptbau hat, entsprechend der Anforderung an ein Büro-Wohnhaus, eine stärkere Dämmung erhalten.

Stefan und Nicole Fankhauser. Beide dipl. Spenglermeister, Inhaber StF messerli AG, Ins 75


Liebe zum Detail: Der Briefkasten im selben Format wie die Fassade.

Konsequente Fassadenführung bei allen Bauteilen, auch bei Balkon und Decke.

Bautafel Objekt: Neubau Spenglerei, Werkstattgebäude, Ins Konstruktion Fassade: Belüftete Metallbekleidung, Sonder-Paneele Werkstoff Spenglerarbeiten: Titan-Zink, Rheinzink vorbewittert blaugrau Baubeteiligte Bauherr: StF messerli ag, Ins Spengler: StF messerli ag, Stefan und Nicole Fankhauser, dipl. Spenglermeister, Ins Architekt: Markus Rudin, Architekt HTL, Ins

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Grosses Augenmerk wurde bei der Gebäudehülle auf die Qualität und Optik der verarbeiteten Materialien gelegt. Im Mittelpunkt der Überlegungen stand der Wunsch, eine individuelle, gut aussehende Fassade zu realisieren, welche die Gebäudehüllenkompetenz der Firma zum Ausdruck bringt. Entworfen wurde eine Paneelen-Fassade mit Steckfalzprofil, verschieden lang, verschieden tief, mit wild versetzten, dunkel markierenden Fugen. Durch die verschiedenen Tiefen und Breiten der Steckfalzpaneelen ändert sich das Aussehen des Gebäudes bei wechselnden Lichtverhältnissen. Alle Details der Bekleidungsarbeiten, bis hin zum Briefkasten im Entree, wurden sorgfältig geplant und ausgeführt. Als Dach wurde ein begrüntes Flachdach gewählt, mit An- und Abschlüssen aus Flüssigkunststoff. Der Aufbau der Hauptfassade umfasst folgende Schichten • Mauerwerk • Swisspor Lambda Vento 160 mm (Leibungs-, Sturzabdichtung GYSO-Fasatape/ESK) • Aluwinkel 2,0 mm 30/40 (in Nut Lambda Vento verlegt) • Keilverzinkte Holzlatte 30/90 • Aussenhaut Steckfalzpaneele Rheinzink vorbewittert blaugrau Die Fassadeneinteilung der verschiedenen Profilbreiten und -stärken wurden mittels CAD willkürlich eingeteilt und mit Farbe gekennzeichnet, damit die Materialliste und das Verlegen optisch dargestellt werden konnten.

Unternehmer Stefan Fankhauser äussert sich abschliessend wie folgt: «Wenn ein Spengler einen eigenen Neubau erstellen darf, kann er sein Herz für Metallfassaden ausleben. Geplant und erzielt wurde nicht nur eine schöne Optik der Gebäudehülle, sondern auch die Energieeffizienz im Minergie-Standard. Die Liebe liegt jedoch bei solch einem Projekt im Detail. In jedem Stück Blech steckt Herzblut. Der Gesamtbetrieb konnte dank verbesserten Bedingungen und rationellerem Maschinenpark seine Leistungsfähigkeit steigern. Die Arbeitssicherheit wurde erhöht und das Arbeitsklima wurde angenehmer. Das rundet die Freude am Neubau ab, bei Meister und Meisterin und auch bei den Mitarbeitern». Für die Jury ist der einfache Kubus «ein gelungener Wurf», durch die raffinierte Fassadengestaltung und -ausführung lebendig und voller raffinierter Ausstrahlung. Baukörper und Ausdruck stimmen. Funktion, Effizienz, Individualität, gekonnte Planung und handwerkliches Können wurden geschickt vereint. Ein Jurymitglied stellte fest, dass hier die Handschrift der Spenglermeisterin und Ehefrau mit einfloss. Weibliche Ambiance ist zu spüren. Die neue Spenglerei StF messerli ag in Ins ist eine gelungene Produktionsstätte moderner Gebäudehüllen. Die Jury freut sich mit dem Vereinskassier und seiner Frau und wünscht der KMU noch viele tolle Objekte im Seeland. ■

Das Titanzink 1,0 mm vorbewittert blaugrau wurde ab Tafelmaterial, mit Zuschnitten auf die benötigte Breite bestellt. Die Länge der Bänder wurde auf 3 Laufmeter begrenzt. Um die starke Vertikallinierung zu unterbrechen, wurden die Horizontalfugen mit dunklem Titanzink hinterlegt. Dieses Unterbrechen der Vertikallinierung ergibt den speziellen Charakter der Fassade.

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Villa am Zürichberg: Anbau in völlig anderem Stil und Zeitgeist Am Zürichberg wird altes Baugut tüchtig renoviert und oft wird Konventionelles oder Traditionelles modern ergänzt. Eine ehrwürdige Villa wurde altersgerecht ausgebaut. Der neue Teil wurde mit Rauten in Rheinzink vorbewittert bekleidet.

S

o mischen sich plötzlich althergebrachte Prachtvillen mit modernen Anbauten, mit dem Ziel, das Gebäude auch im Alter noch bewohnen zu können. Lift und Treppe spielen eine grosse Rolle. Nachfolgend die Beweggründe zur Entstehung und ein Einblick in die Realisation der Spengler- und Bekleidungsarbeiten.

Blick auf die Zeit- und BauEvolution am Zürichberg Marius Leutenegger, Redaktor, in einer Sonntagszeitung vom Januar 2012: «Am Zürichberg ist in den vergangenen 120 Jahren ein Bilderbuch-Villenquartier entstanden. Herrschaftliche Gebäude aus der Gründerzeit stehen in Gärten voller Bäume, die Aussicht auf Stadt und See ist beeindruckend, die Seitenstrassen strahlen Diskretion aus. Keine Frage: Wer hier wohnt, ist privilegiert. Doch die Bauentwicklung Zürichs macht auch vor diesem Quartier nicht halt. Rund ums Dolder schreitet die Verdichtung voran. Viele Villen sind zwar inventarisiert und dürfen nicht abgerissen werden, aber immer wieder werden alte Häuser mit Umschwung durch mehrere Baukörper ersetzt. Oder in den Parks entstehen zusätzliche Gebäude.»

Der kleinen Parzelle angepasst ein Anbau mit Rauten bekleidet. 78

Neubau darf den Charakter der Liegenschaft und Umgebung nicht zerstören Der Architekt Felix Jacques Frey stand dieser Entwicklung skeptisch gegenüber. Er ist im Quartier aufgewachsen und ging daher besonders Goldene Spenglerarbeit 2015


Schöne Rautenoptik an Fassade, Dach und Aufbauten.

sorgfältig an die Aufgabe heran, im Garten einer Villa aus dem Jahr 1905 einen Anbau zu erstellen. Die Aufgabe wurde durch die besondere Form der Parzelle erschwert, zudem gelten im Quartier verschärfte Bauregeln. Am Ende blieb Frey eine Nutzungsfläche von lediglich 50 Quadratmetern und die war erst noch exakt dreieckig. Er hat demzufolge ein Gebäude entworfen, das wegen seiner besonderen Form zwar auffällt, sich aber ideal in das Umfeld einfügt. Anders als viele Neubauten hat das Haus ein Schrägdach und wie bei den alten Villen aus der Gründerzeit spielen auch Erker eine prägende Rolle. Die Gebäudehülle Der Anbau besteht aus einem Betonkern, der Rest ist in Holz vorgefertigt. Bei anspruchsvollen Bauten werden als Dach- und Fassadenlösung vermehrt Grossrauten eingesetzt, die den Baukörper wie ein geschupptes Kleid umhüllen. Die mit wählbarem Format an die Gebäudehülle verlegten Blechplatten «bekleiden» den Baukörper auf sehr flache und feinfühlige Art, ohne Falzvorsprung. Die feinen Dickendifferenzen bei den Falzeinhängungen verleihen der Fassade attraktive, sich je nach Sonnenlage verändernde Schattenwirkungen. So entsteht eine lebendige Fassade, die je nach Saison und Wetter völlig unterschiedlich wirkt. Die auf dem Titanzink entstehende Patina wirkt edel, ist selbstreinigend und somit unterhaltsfrei.

Von der Deckung bis zum Fassadenfuss durchgehend Dach und Fassade sollten eine Einheit bilden und ineinander übergehen. Beim Dach wird grundsätzlich ein dichtes Unterdach eingebaut, die Rauten werden für Dach-Ansprüche fabriziert, und die Details werden entsprechend sorgfältig erstellt. Es sind kleine Details, die wichtig sind, damit das Dach seine Funktion auch bei stürmischem Wetter erfüllt. Auf Wunsch der Bauenden nach klaren Gebäudekanten, sind die Rinnen hinter der Traufkante des Daches unsichtbar eingelegt. Die First ist durchgehend und alle An- und Abschlüsse sind so filigran wie möglich umgesetzt. Die Platten wurden wild verlegt und die Rauten versetzt montiert. Damit wirkt die Fläche lebendig. Die Kriterien des Daches wurden sinngemäss auch in der Fassade eingesetzt. So mutiert die Dachdeckung über die Dachkante zur Fassadenhaut. Das Fugenbild verleiht dem Gebäude eine Verspieltheit und die sauber eingebauten, nach dem Zeitgeist von heute in der Höhe versetzten Fenster kommen gut zur Geltung. Beurteilung der Jury Für die Jury ist der Anbau «ein mutiger Bau mit mutiger Materialkombination». Er entspricht dem modernen Zeitgeist. Das versetzte, strukturierte und doch freie Kleid verleiht Ausdruck und Leben, ohne aufdringlich zu sein. Die Spenglerarbeit ist funkti-

onell, fachlich sauber geplant und ausgeführt. «Planung, Koordination und Zusammenarbeit klappten perfekt», sagte Spenglermeister René Imholz. Diesen immensen Vorteil sieht die Jury dem Bauwerk an. ■

René Imholz. Spenglermeister Fredy Rohner. Spenglerpolier, Attenhofer Gebäudehüllen, Mönchaltorf

Bautafel Objekt: Neubau EFH Ebelstrasse 14, Zürich Gebäude/Teil: Belüftete Rautendeckung und Fassadenbekleidung mit Grossrauten Werkstoff: Rheinzink vorbewittert blaugrau, Dicke 1,0 mm Baubeteiligte Spengler: Attenhofer Gebäudehüllen AG, dipl. Spenglermeister René Imholz Spenglerpolier: Fredy Rohner, 8617 Mönchaltorf Architekt: Felix Jacques Frey, Architekt ETH/SIA, Zürich Bauherr: Georges Frey, Zürich

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Wohltuend anders in Form und Farbe – die Fassade der Raiffeisenbank in Ittigen Die neue Raiffeisenbank bereichert durch ihre Präsenz den Dorfkern von Ittigen. Farb- und Materialgestaltung sind speziell, die handwerkliche Ausführung durch die einheimische Firma ist wohltuend gelungen.

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aum Stadt-Land: Das neue Gebäude setzt die städtebauliche Struktur der Häuserzeile fort. Der strassenseitig auskragende Rundbau artikuliert den Ort an der Bahnhofskreuzung. Durch ein zurückversetztes Obergeschoss entsteht ein angemessener, lärmberuhigter seitlicher Zwischenraum. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Die Qualität des Baus unterstützt die Idee einer offenen Bank und den angestrebten Mix als Wohn- und Dienstleistungsbau. Der Bankbetrieb nutzt die Erdgeschossfläche. Der Grundriss bietet dank nicht tragender Wände eine grosse Raumflexibilität. Die hell beleuchtete Decke verbindet die Raumzonen. Mit präzis gewählten Materialien wird die nötige Atmosphäre zwischen geborgen, ruhig und professionell vermittelt. Das Gebäude ist nach Minergie-P zertifiziert. Die Bürgi Schärer Architekten AG gewann 2008 den Projektwettbewerb.

Zwischen Planer und Handwerker, der Firma Peter Künzi AG, bestand bereits während des Wettbewerbs eine gegenseitig bereichernde Zusammenarbeit. Die sehr anspruchsvolle Form des Gebäudes besteht aus zwei geraden Ostfassaden und einer teils geraden und in eine Rundung übergehende Nordfassade. West- und Südfassade gehen in einer elliptischen Rundung nahtlos ineinander über. Die Leibungen der Ostfassade sind symmetrisch um 15 Grad geöffnet, jene der Nordund Westfassade sind asymmetrisch links um 15 und rechts um 45 Grad geöffnet. Prachtvolle Fassade Die Aussenhaut der Fassade besteht aus dunkel anodisiertem Aluminiumblech in einer Materialstärke von 2,5 mm. Die unregelmässige, grossformatige Platteneinteilung respektive das Fugenbild wurden durch den Architekten vorgegeben. Die Oberfläche der Fassade sollte möglichst

flächig wirken, Rückkantungen waren unerwünscht. Die Fensterzargen sind ebenfalls in Aluminium mit einer Dicke von 4,0 mm gefertigt. Sie sind in einem Bronzeton anodisiert. Fensterbank, Leibung und Sturz stehen schwertförmig und mit sichtbaren Schnittkanten aus der Fassade vor. Die Storenschienen sind in den schräg verlaufenden Leibungsbekleidungen eingelassen. Die Befestigung sollte dezent sichtbar sein. Gewählt wurde eine rostfreie, schwarz brünierte Blindniete mit relativ kleinem Kopf. Die Dachrandabdeckung durfte nicht sichtbar sein, die Bekleidung sollte oben randlos enden. Planung Bei der Planung der Fassade waren aufgrund der Gebäudeform sowie der ästhetischen und energetischen Vorgaben mehrere Knackpunkte zu lösen. Im Grundriss besteht die Aussenhaut der Fassade aus mehreren geraden und elliptisch konvex und konkav gekrümmten Teilstücken. Die tragenden und nicht tragenden Aussenwände aus Betonscheiben und Mauerwerk machten die Aufgabe nicht einfacher. Geeignet für die Kün-

Markus und Stefan Künzi. Spenglermeister und Inhaber Peter Künzi AG, Ittigen 80

Goldene Spenglerarbeit 2015


Dachrandabschluss, Bindeglied zwischen Flachdach und Fassade.

An belebter Kreuzung in Ittigen ein schöner, gut integrierter Rundbau mit grossflächigen Alu-Platten bekleidet.

Bautafel Objekt: Raiffeisenbank, 3063 Ittigen zis, die nebst der handwerklichen auch die digitale Arbeitsweise perfekt meistern. Die energetischen Vorgaben führten zu hohen Dämmstärken und zur Wahl einer Unterkonstruktion ohne Wärmebrücken mittels GFK-Konsolen. Für die Befestigung der gekrümmten Aussenhaut wurden verformbare horizontale T-Profile aus Aluminium verwendet. Die durch die Planung vorgegebene Umrisskurve wurde mittels Tachymeter am Bau kontrolliert, mittels Umrechnung und CAD optimiert und in eine Vielzahl von Teilradien und Teilstücke aufgeteilt. Schliesslich wurden die Fensterpositionen in HöGoldene Spenglerarbeit 2015

he, Breite und Tiefe definiert. Die Herausforderung bestand darin, dass jedes Fenster im Bereich des Fensterlichtes immer die gleiche Tiefe zur Aussenkurve aufweist, die Ausschnittbreite der Zargen und die Leibungsbreiten je nach Radius der Umrisskurve aber variieren. Jede Zarge ist ein Unikat. Durch die Befestigung der Fassadenplatten mit relativ kleinen Nieten bzw. Nietenköpfen konnte die thermische Ausdehnung nicht in den Nietenlöchern aufgenommen werden. Darum wurde die ganze Fassade in ungleichförmige, verschieden grosse Dehnungszonen mit rundum lau-

Konstruktion Fassade: Hinterlüftete Fassade mit grossflächigen Metallplatten Werkstoff Spenglerarbeiten: Aluminium 2,5 und 4,0 mm, nach Fertigstellung anodisiert Baubeteiligte Bauherr: Raiffeisenbank Worb-Emmental, Ittigen Spengler: Peter Künzi AG, Spenglermeister Markus und Stefan Künzi, Ittigen Anodisierung Fassade: MAB, Max Amsler AG, Bellach Architekt: Bürgi Schärer, Architektur und Planungs AG, Bern

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fenden Dehnungsfugen aufgeteilt, in welchen die horizontale und vertikale thermische Längenausdehnung von Fassadenhaut und Unterkonstruktion zwängungsfrei aufgenommen werden kann. Nach Prüfung und Freigabe durch den Architekten und den projektbegleitenden Fassadenplaner konnten die Fabrikationslisten und -zeichnungen für alle Fassaden- und Zargenteile sowie der UK erstellt und weitergeleitet werden. Bauprogramm, Arbeitsleistung «just in time» Das Bauprogramm des Architekten war sportlich, aber einigermassen realistisch. Wegen der Termine, der sehr grossen Blechformate und des Verlangens, die Anodisation der Oberfläche aus einer Blech-Charge anzufertigen, wurde die Fabrikation der Platten der MAB, Max Amsler AG, Bellach, anvertraut. Die fertig anodisierten Teile wurden auf dem Dach deponiert und durch drei Arbeitsteams «just in time» verlegt.

Der Bau ist auch auf der Rückseite attraktiv und integriert.

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Für die Jury bietet dieses Objekt eine tolle Gebäudehüllen-Performance. Ein lebendiger und beschwingter Monolith mit attraktivem Fenstereinbau, harmonischen Farbkombinationen, perfektem Hineinziehen der Hülle als Untersicht, geistreicher Integration ins Ortsbild und in die Gartenlandschaft. Die Fassade ist perfekt geplant und ausgeführt und wie eingangs gesagt, eine Bereicherung des Ortskerns von Ittigen. Die Firma Peter Künzi AG, Titelträgerin der Goldenen Spenglerarbeit 2005 mit dem Bergrestaurant Niesen, erweist unserem Beruf und der Gebäudehülle weiterhin die Ehre. ■

Goldene Spenglerarbeit 2015


Flach im Dach, gestreckt in der Fassade – Titanzink am Bergkristall in Oberriet «Configure to Inspire». Jansen ist der Innovation verpflichtet, schreibt die Firma in ihrem Porträt. Genau dieser Haltung und Zielsetzung entspricht der neu gebaute Campus mit einer umfassenden Gebäudehülle aus Titanzink.

Gross, und doch fein wie ein Bergkristall: der neue Campus von Jansen, mit Titanzink schiefergrau umhüllt.

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Goldene Spenglerarbeit 2015


Lange Bahnen, lange Traufen, adäquate Entwässerung und Übergang zur Streckmetall-Fassade im selben Werkstoff.

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er neue Jansen Campus hebt sich durch seine Grösse vom übrigen Firmengebäude ab, und seine eigenwillige und lebendige Form ist realer Ausdruck des Tessiner Architekten Davide Macullo, Lugano. Das Dach ausgeführt haben Spenglermeister Daniel Loher und ArgePartner Georg Rossi. Objektbeschrieb und Kommentar Jury Architekt Davide Macullo hat im engen Dialog mit dem Bauherrn einen Baukörper entwickelt, der aus einer strengen Geometrie heraus definiert ist und so den Anspruch des traditionsreichen Familienunternehmens an Qualität, Präzision und Nachhaltigkeit verdeutlicht. Der Baukörper lässt sich im Grundriss bildlich als Zusammenstellung von vier präzisen Dreiecken darlegen, die schräg aufgeschnitten zum Himmel ragen. In seinem kantigen Äusseren ähnelt der Neubau einem Bergkristall, der sich vor der beeindruckenden Kulisse der nahen Alpen abzeichnet. Die mit Streckmetall-Paneelen aus Rheinzink «vorbewittert pro schiefergrau» bekleidete Fassade und die abschliessende Dachdeckung aus demselben Werkstoff mit langen Bahnen und Doppelfalzdeckung unterstreichen diesen Eindruck. Die riesigen, quadratischen und schräg eingebauten Fensteröffnungen lassen keinen Zweifel an der Nutzung des neuen Campus als Ort der Begegnung und Kommunikation.

Goldene Spenglerarbeit 2015

Dach mit langen Bahnen Die grossen, dreieckigen, schrägen Dachflächen mit unterschiedlichen Neigungen und Längen bis 25 m sind mit Falztechnik eingedeckt. Die Falztechnik ist traditionell und in den Bergen bewährt. Doppelfalzdächer sind dauerhaft und nachhaltig. Die Deckungsart eignet sich speziell für aussergewöhnliche Baukörperformen. Doppelfalzdächer konnten früher nur mit Bahnen bis 6 m produziert werden. Heute können sie mit einem geeigneten Maschinenpark, entsprechenden Transportmöglichkeiten, Befestigungs- und Verbindungstechniken auch in grossen Längen, gemäss SIA-Norm 232 bis 16 m verlegt werden. Wichtig ist, dass die Bekleidung sturmfest und gleitend befestigt wird. Die Bekleidung des neuen Daches bot die Chance, aktuelles Fachwissen einund umzusetzen. Spannend und herausfordernd.

Der Dachaufbau umfasst folgende Schichten

• Tragkonstruktion, Betondecke • Dampfbremse Bauder Therm DS 1 • Wärmedämmung Glaswolle 260 mm, Arbex 24 mm

• Dichtes Unterdach Gyso AS-300 • Konterlatten mit Nageldichtungen • Schalung Fichte/Tanne, Dicke 30 mm • Trennlage Strukturmatte AIR-Z von Rheinzink • Doppelfalzdeckung Rheinzink vorbewittert pro schiefergrau, Bandbreite 450 mm, übereinstimmend mit dem Fugenbild der Fassade Die Dachentwässerung erfolgt rund um das Dach über in der Traufe eingelegte Rinnen aus Chromnickelstahl. Die Rinnenbestimmung erfolgte mit der CD von suissetec für Dachrinnendimensionierung. Die aufgrund der grossen Dachflächen notwendigen Abläufe sind in die Fassadenwärmedämmung integriert bzw. versteckt. Unten ermöglichen ein grosszügiger Auffangkasten und ein seitlich eingebauter Notüberlauf die gezielte Regenwasserabführung, auch bei starkem Gewitter.

Daniel Loher. Spenglermeister Oberriet im Konsortium

Georg Rossi. Spenglermeister, Oberbüren 85


Lange Bahnen stellen hohe Ansprüche an die Spengler.

Die Spenglermeister und Mitarbeiter der Firmen Loher Spenglertechnik AG aus Oberriet und Franz Rossi AG aus Oberbüren deckten das Dach mit konventioneller Doppelfalztechnik. Die Verteilung der Fest- und Schiebehaften erfolgte, aufgrund des speziellen, dreieckigen Zuschnitts des Daches, gemeinsam im Gespräch mit Rheinzink Schweiz. Die An- und Abschlüsse wurden technisch-traditionell und zugleich modern durch Traufanschluss mit stehenden Falzen und Ort- bzw. Firstanschlüssen mit schräg einlaufenden Falzen ausgeführt. Die Bahnen über 16 m Länge wurden an definierten Stellen geschickt mit Querdilatationen unterteilt. So entstanden optisch lange Bahnen, die sich aber dank der gewählten Konstruktion zwangsfrei aus- und rückdehnen können.

Für die Jury ist klar: Dieser Bau ist, von den Skizzen vom Architekten, über die vielen im Haus eigens entwickelten Accessoires, über die edle Materialwahl bis hin zur Gebäudehülle aus Titanzink, eine Augenweide. Das Spiel von Dach und Wand verändert sich je nach Lichteinfall, genauso wie die Bergkette dahinter. Die Linien stimmen, auch wenn Kanten dazwischenliegen. Das Dach ist gut konstruiert, die Problematik der langen Bahnen, samt Dilatation und An- und Abschlüssen fachlich einwandfrei gelöst und verarbeitet. Eine perfekte Spenglerarbeit, welche die anspruchsvolle Architektur unterstreicht, absolut im Einklang mit der gestalteten Natur. ■

Bautafel Objekt: Jansen Campus, Oberriet Konstruktion Dach: Belüftetes Doppelfalzdach mit langen Bahnen Werkstoff Spenglerarbeiten: Rheinzink vorbewittert pro schiefergrau Baubeteiligte Bauherr: Jansen AG, 9463 Oberriet Spengler: Loher Spenglertechnik AG zusammen mit Franz Rossi AG, Spenglermeister Daniel Loher und Georg Rossi Architekt: Davide Macullo, Lugano Bauleitung: Architekten rlc ag, Rheineck Fachplaner: Fiorio Fassadentechnik GmbH, Zuzwil

Tel. 071 385 51 31 info@zeuch.ch

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Wir gratulieren dem Sieger und allen Teilnehmer der Goldenen Spenglerarbeit 2015

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Goldene Spenglerarbeit 2015


Die goldenen Spenglerarbeiten auf Reisen

Impressum Goldene Spenglerarbeit 2015 Auflage + Verbreitung

Sämtliche Objekte des Wettbewerbs 2015 werden auf drei Ausstellungstürmen vorgestellt. Die Türme präsentieren sich in Berufsschulen und können auch für Gewerbeausstellungen o. ä. angefordert werden. Die Türme wurden von Rudolf und Elisabeth Zulauf gestaltet.

12 500 Ex. Herausgeber Verein dipl. Spenglermeister der Schweiz VDSS Sekretariat VDSS, Isenrietstrasse 11a, 8617 Mönchaltorf Redaktion D: Bernard Trächsel und Elisabeth Zulauf Objektfotos Jury: Christian Zeuch, Bruno Käufeler Fach-Wertungen: Jury Goldene Spenglerarbeit 2015 Verlag AZ Fachverlage AG, Neumattstrasse 1, CH-5001 Aarau, Telefon +41 (0)58 200 56 50 Projektleitung: Jürg Rykart Layout und Gestaltung: Stefanie Lipp Anzeigen: Rolf Niederberger und Thomas Kolbeck


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