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meilenstein StandardS bei Carmeq

Alles braucht seine Ordnung

InnovatIonen rund um dIe FahrzeugelektronIk


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Titel Zu seinem zehnjährigen Jubiläum kann AUTOSAR eine positive Zwischenbilanz ziehen: Die Idee des gemeinsamen Software-Standards hat sich in der Automotive-Industrie durchgesetzt und erfolgreich Einzug in die Serie gehalten.

Carmeq übernimmt im Auftrag der AUTOSAREntwicklungspartnerschaft sämtliche operativen Support Functions, erweitert damit das bereits seit Jahren bestehende Engagement und trägt somit die Gesamtverantwortung für die laufende Pflege und Weiterentwicklung des AUTOSAR-Standards.

Carmeq führt die Klassifizierung von Software-Tools gemäß ISO 26262 ein. Die damit einhergehende Vermeidung von Produktfehlern durch SoftwareWerkzeugfehler sorgt für mehr Sicherheit im Fahrzeug.

Carmeq setzt mit einer neuen Prozesslandschaft auf Flexibilität bei erweiterter Standardisierung. meilenstein hat mit Cornelis Treurniet und Ralf Hundeshagen über die Hintergründe und die wichtigsten Merkmale der neuen Umgebung gesprochen.

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Serie Carmeq hat das innovative Bediensystem „M Touch“ für die Spitzenklasse-Geräte der neuen Generation 6000 von Miele entwickelt und damit HMI-Technologie in die Küche gebracht.

Kontaktlose Aktivierung und animierte Bedienung zeichnen das gemeinsam mit Volkswagen Design entworfene Infotainment-System aus.


Inhalt

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Intern

Entwicklung

Jetzt für AUTOSAR Release 4.x

DC-Schnellladesäule demnächst auch bei Carmeq

Ein innovatives Konzept, das Carmeq gemeinsam mit Volkswagen entwickelt hat, ermöglicht die virtuelle Bewertung und Erprobung von Lichtassistenzsystemen im Fahrzeug.

Wie Carmeq Standortvorteile nutzt und Netzwerke ausbaut

Blick über den Tellerrand

®

Vorträge und Vernetzung

Vom Wissensaustausch profitieren alle

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tItel

R A S O T U A e r h Ja n h Ze Wie aus Standards Er

folge werden

Stefan Hendrata (links)

und Lars Didakowski.

Zum zehnjährigen Jubiläum kann AUTOSAR eine positive Zwischenbilanz ziehen: Die Idee hat sich durchgesetzt und erfolgreich Einzug in die Serie gehalten. Das 2003 als Entwicklungspartnerschaft von Automobilherstellern und Zulieferern gegründete AUTOSARKonsortium besteht aus neun Core-Mitgliedern sowie über 100 Premium, Development und Associate Members. Ihr gemeinsames Ziel ist es, das immer komplexer werdende Zusammenspiel der Steuergeräte im Fahrzeug und deren Entwicklung durch einen einheitlichen Softwarestandard zu optimieren. Durch die einheitliche Softwarearchitektur mit standardisierten Schnittstellen und die dadurch mögliche Wiederverwendung von Software sollen die Entwicklungskosten reduziert, die Qualität gesteigert sowie die Flexibilität und Skalierbarkeit der damit entwickelten Systeme erhöht werden.

Die große Zahl und die Komplexität der AUTOSARSpezifikationen erfordern zwar einen hohen Einstiegsaufwand, bieten aber mittel- und langfristig deutliche Vorteile. „AUTOSAR ist der größte Standardisierungszu-

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AUTOSAR (AUTomotive Open System ARchitecture) wurde 2003 als Partnerschaft gegründet und besteht zurzeit aus neun sogenannten Core-Partnern sowie über 100 Premium, Development und Associate Members. Ziel ist es, durch die Schaffung einer einheitlichen Softwarearchitektur den Austausch der verschiedenen Steuergeräte im Fahrzeug zu erleichtern. Derzeit liegt AUTOSAR in den Releases R3.2 und 4.1 vor. R3.2 wird im Volkswagen Konzern im Serieneinsatz genutzt. sammenschluss in der Automotive-Softwareindustrie. Das ist für alle Beteiligten von Vorteil. Die standardisierte Softwarearchitektur und das gemeinsame Konfigurationsdatenformat machen den Austausch einfacher und die Entwicklungsprozesse auch über Firmengrenzen hinweg durchgängiger“, sagt Stefan Hendrata, der seit 2003 bei Carmeq, seit 2004 in AUTOSAR-Projekten und heute als Projektleiter tätig ist. Früher haben die Zu lieferer meist Gesamtsysteme zu entsprechenden Preisen geliefert. Heute können die OEMs dank AUTOSAR die eigenen, innovativen Kundenfunktionen selbst entwickeln und die nicht kundenerlebbaren Basisfunktionen auf einem freien Markt einkaufen, da der Standard gemeinsame Schnittstellen festlegt und das Zusammenspiel der Einzelkomponenten sicherstellt. So sichert sich der OEM das wettbewerbsdifferenzierende Know-how. Außerdem können sich die Entwickler mit AUTOSAR stärker auf ihren eigenen Funktionsbereich konzentrieren, wodurch letztendlich Entwicklungszeiträume verkürzt werden und höhere Qualität entsteht.


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„Die Grundidee hinter AUTOSAR besteht in der getrennten Entwicklung von Software und Hardware. Zu diesem Zweck definiert AUTOSAR eine offene und standardi sierte Architektur für Steuergerätesoftware“, erläutert Stefan Hendrata. „Das ermöglicht, einmal implementierte Softwarefunktionen auf verschiedenen Steuergeräten und in verschiedenen Fahrzeugen wiederzuverwenden. Das Baukastenprinzip kann damit auf die Software übertragen werden. Diese Wiederverwendung resultiert dann in langfristig niedrigeren Kosten.“ Weitere Vorteile liegen in der Erhöhung der Systemzuverlässigkeit und der besseren Beherrschbarkeit von Änderungen. Als Konsequenz des Standards können Testsysteme oder die Funktionsmodellierung auch stark vereinheitlicht werden.

Carmeq ist bereits seit 2004 maßgeblich an der Konzeption, Weiterentwicklung und Serieneinführung von AUTOSAR bei Volkswagen beteiligt und treibt den Standard und dessen Nutzung mit Leidenschaft voran. Zunächst war das Unternehmen im Auftrag von Volkswagen in verschiedenen technischen Arbeitsgruppen aktiv, in denen die Grundkonzepte des heutigen AUTOSAR erarbeitet wurden. Der praktische Einsatz von AUTOSAR begann dann im Jahr 2005 im Rahmen von FlexRay- sowie Validierungsund Testprojekten. Diese Nähe zwischen Standardisierung und Anwendung von AUTOSAR ist seitdem immer eine besondere Stärke des Unternehmens gewesen, von der beide Seiten in den jeweiligen Projekten profitierten. Bereits 2007 übernahm Carmeq auch zentrale Supportfunktionen für die AUTOSAR-Entwicklungspartnerschaft (siehe hierzu auch den Artikel „Den Standard voranbringen“, Seite 6–8).

Lars Didakowski, der 2004 zu Carmeq kam und hier für die technische Leitung von AUTOSAR-basierten Softwareentwicklungsprojekten verantwortlich ist, berichtet über den Einsatz des Standards im eigenen Unter nehmen: „Wir haben schon sehr früh begonnen, Teile des AUTOSAR-Standards in die Serienentwicklung einfließen zu lassen. So können die Vorteile von AUTOSAR auch auf Nicht-AUTOSAR-Steuergeräten genutzt werden.“ Ein Beispiel, welches im Projekt Spurhalteassistenten von Volkswagen umgesetzt wurde, ist die Verwendung des Standards für die Abstimmung und Festlegung der Softwareschnittstelle. Durch die Verwendung des Standards zur Spezifikation und als

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Kommunikationssprache wurde die Abstimmung mit dem Steuergerätelieferanten und die Integration in das Steuergerät erleichtert. „Mit dem Einzug von AUTOSAR in unsere Softwareentwicklungsprojekte wurde die Entwicklungs- und Testinfrastruktur vereinheitlicht, um die Qualität und Effizienz von Softwareentwicklungen weiter zu steigern“, so Lars Didakowski weiter. Aktuell findet der AUTOSAR-Standard in fast allen Seriensoftwareprojekten bei Carmeq Anwendung. AUTOSAR wird mittlerweile bei Volkswagen und bei Carmeq aktiv in der Serienentwicklung von softwarebasierten Fahrzeugfunktionen eingesetzt. Die Entscheidung von Volkswagen, bei Steuergerätesoftware auf AUTOSAR zu setzen, fiel Anfang 2011. Erste Steuergeräte für den modularen Querbaukasten (MQB) nutzen den Standard bereits. Schon 2004/2005 wurde Audi von Carmeq bei der Definition und Absicherung des ersten FlexRay-AUTOSAR-Kommunikationsstacks für die Serie unterstützt. Aktuell sichert Carmeq die verschiedenen AUTOSAR-Implementierungen für Volkswagen ab und treibt die Anwendung des Standards im Konzern voran. Die Version 3.2 wird derzeit dort ausgerollt.

Zu den Herausforderungen in den nächsten Jahren sagt Lars Didakowski: „Während man früher für die Kommunikation zwischen den Steuergeräten nur die Bussig nale festlegte, verschiebt sich das jetzt mit AUTOSAR hin zu den Funktionsschnittstellen. Und die müssen noch weiter vereinheitlicht werden, um die Interoperabilität zwischen den Softwarekomponenten eines OEM zu gewährleisten.“ Über die Zukunft von AUTOSAR sind sich Stefan Hendrata und Lars Didakowski einig: „Der Bedarf an einer branchenweit einheitlichen Basis für Softwareentwicklungen ist groß. Carmeq trägt durch die Vernetzung der verschiedenen Disziplinen bei uns hier im Haus entscheidend dazu bei, dass die zahlreichen Optimierungspotenziale von AUTOSAR auch zum Tragen kommen, und wird die kontinuierliche Weiterentwicklung des Standards auch weiterhin federführend begleiten.“ Ansprechpartner bei Carmeq: Oliver Berger (Leiter Business Team Diagnose, Netzwerke und Architektur) Spurhalte-Assistent.

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Mario Friedrich (links) und

äch.

Frank Altheide im Gespr

n e g in r b n a r o v d r a d n Den Sta it den AU TOSA Carmeq übernimmt m

R Suppor t Functions

g die Weiterent w icklun r fü ng tu or w nt ra Ve weitreichende

Der AUTOSAR-Standard besteht aus rund 100 verbindlichen Spezifikationsdokumenten auf über 16.000 Seiten, die laufend von den zahlreichen Projektpartnern der AUTOSAR-Entwicklungspartnerschaft weiterentwickelt werden. Die Zahl der monatlichen Änderungen liegt im dreistelligen Bereich, und es kommen, um den Marktanforderungen gerecht zu werden, stetig neue Dokumente hinzu. Aufgrund der inhaltlichen Breite des Standards (Basissoftware + Methodik + Applikationsschnittstellen) und der Vielzahl von Beteiligten, die es zu koordinieren gilt,

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von AU TOSA R

sind die Aufgaben der Entwicklungspartnerschaft sehr komplex. Für das Management des Standards verfügt die Entwicklungspartnerschaft selbst nicht über die personellen Ressourcen und benötigt daher Unterstützung, die zudem ein außergewöhnlich breites Kompetenzspektrum bieten muss. Man suchte deshalb einen Dienst leister, der in der Lage ist, die sehr umfangreichen und speziellen Anforderungen zuverlässig zu erfüllen.

Carmeq unterstützte von Anfang an die Entwicklung des Standards und nimmt bereits seit 2005 zentrale Support-Aufgaben wahr. Die Mitarbeiter des Unterneh-


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mens sind führende AUTOSAR-Experten und tragen maßgeblich zur Konsistenz des Standards bei. Carmeq hatte also die besten Voraussetzungen, sämtliche Support Functions in einer Hand zu vereinen. Im Auftrag der Entwicklungspartnerschaft hat Carmeq zum 1. Juli 2013 unter der Leitung von Frank Altheide die Gesamtverantwortung für die Steuerung der Weiterentwicklung und Pflege des AUTOSAR-Standards übernommen. Die damit verbundenen Aufgaben gliedern sich in drei aufeinander auf bauende Cluster. Da ist zunächst für die strategische Projektleitung der Bereich Project Management mit Frank Altheide an der Spitze. Dann gibt es den Bereich des Specification Management, vertreten durch Mario Friedrich. Hier werden die operativen Prozesse gesteuert. Das Engineering unter der Leitung von Dr. Ingo Weisemöller ist für die erforderliche Infrastruktur zuständig.

Frank Altheide ist seit 2007 bei Carmeq. Der Einstieg in AUTOSAR war die Mitarbeit im Change Management. Von 2010 bis 2012 arbeitete er als Leiter für das Change Management und das Technical Office in AUTOSAR. Altheide übernimmt neben der Gesamt leitung der Support Functions auch das Project Management. Die Kernaufgaben dieses Bereichs liegen im Technical Management und im Quality Management, das Bernd Hörtdörfer leitet. Dieser prägt schon seit 2004 den AUTOSAR-Standard mit und ist ein erfahrener Prozessexperte. „Ich freue mich, dass ich meine langjährige Erfahrung in diese neue Herausforderung einbringen kann“, sagt Frank Altheide. „Im Project Management ist es unsere Aufgabe, die unterschiedlichen Interessen der betei-

Im AUTOSAR-Core-Team der Carmeq leiten erfahrene AUTOSAR-Experten die Weiterentwicklung des Standards.

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Driving AUTOSAR project operations Project Management Quality Management Technical Management Moderation of Management Meetings Engineering Expert Support BSW UML Model Document Tooling

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Specification Management

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Quality Assurance

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Change Management

IT Infrastructure

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Release Management

Die Bündelung der Cluster in der Hand von Carmeq sorgt für schlanke, reibungslose Prozesse und führt zu deutlichen Kosteneinsparungen.

ligten Partner zu bündeln, zu harmonisieren und das Projekt federführend voranzubringen. Das Technical Management führt die Entscheidungen der Partner zusammen, bewertet Risiken, schlägt Lösungen vor, plant in enger Abstimmung mit den Projektleitern die Releases und moderiert Management-Meetings der Entwicklungspartnerschaft. Darüber hinaus steuert das Technical Management auch die anderen Support Functions. Das Quality Management hat die Aufgabe, Frameworks für die Sicherstellung der Prozess- und Dokumentenqualität zu etablieren. Die Einrichtung dieser Funk tion trägt der Entwicklung Rechnung, dass AUTOSAR mittler weile in der Serie angekommen ist und damit die formalen Anforderungen an den Standard gestiegen sind.“

Frank Altheide Technical manager Project Lead Project Management Quality Management · Technical Management Moderation of Management Meetings

Dr. Ingo Weisemöller Manager Engineering Processes

Mario Friedrich Manager Support & Supply Processes

Engineering Expert Support BSW UML Model Document Tooling · IT Infrastructure

Specification Management Quality Assurance · Change Management Release Management

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Mario Friedrich ist seit 2012 bei Carmeq und war hier vom ersten Tag an im Change Management für AUTOSAR tätig. In seiner neuen Position als Manager Support & Supply Processes leitet er nun das Cluster Specification Management und bringt dort seine langjährige Erfahrung mit AUTOSAR-Projekten sowie sein Prozesswissen aus früheren Qualitätsmanagementprojekten ein. Er ist einer der beiden Autoren des Fachbuchs „Softwareentwicklung mit AUTOSAR“, eines Standardwerks in diesem Bereich. „Das Change Management, das zu unseren Aufgaben gehört, hat Carmeq auch bisher schon für AUTOSAR durchgeführt“, berichtet Mario Friedrich. „Wir überwachen und steuern dabei sämtliche Änderungen am Standard. Die anderen beiden Bereiche sind neu hinzugekommen: Quality Assurance und Release Management. In der Quality Assurance steuern wir den gesamten Review prozess und sichern die Qualität neu eingeführter Dokumente im Standard ab. Im Release Management führen wir die Arbeit des Change Management und der Quality Assurance zusammen, koordinieren die Zusammenstellung neuer Releases und sind für deren Veröffentlichung verantwortlich. Zusammengefasst bedeutet dies, dass auf Prozessebene die komplette Verantwortung für die Pflege und Weiterentwicklung des AUTOSAR-Standards in unsere Hände gelegt wurde.“

Dr. Ingo Weisemöller ist im Februar 2012 zu Carmeq gekommen und seither überwiegend in AUTOSARProjekte eingebunden. Er übernimmt als Manager Engineering Processes das Engineering-Cluster für AUTOSAR. Sein Aufgabenfeld beschreibt er so: „In unserem Cluster modellieren wir Inhalte der Spezifikation und schaffen die notwendigen Rahmen-

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bedingungen, damit der Ansatz der modellgetriebenen Spezifikation funktioniert. Wir tragen so wesentlich zur Konsistenz des Standards bei. In der Standardisierung sind wir für die Modellierung von standardisierten Eigenschaften der Basissoftware verantwortlich und modellieren vor allem Module, Schnittstellen und Interaktionen zwischen den Modulen. Außerdem übernehmen wir die Entwicklung, die Wartung und den Betrieb von Softwarewerkzeugen, die in der Entwicklung des AUTOSAR-Standards eingesetzt werden. Das betrifft vor allem Modellierungswerk zeuge, die zur Bearbeitung von Modellen und Generierung von Inhalten der AUTOSAR-Spezifikation aus Modellen eingesetzt werden. Mit den Bereichen Modellierung und Werkzeugbau ist Carmeq auch schon in der Vergangenheit betraut gewesen. Neu hinzugekommen ist der Bereich IT Infrastructure. Hier sorgen wir für die Bereitstellung der technischen Infrastruktur für die AUTOSAR-Entwicklung, zum Beispiel des Ticketsystems, des Versionsverwaltungssystems, der WWW-Server, der Mailinglisten, des Telefon- und Videokonferenzsystems.“

Die Übernahme der operativen Gesamtverantwortung und die reibungslose, direkte Zusammenarbeit sämtlicher Support Functions innerhalb von Carmeq kommen der Weiterentwicklung des AUTOSAR-Standards unmittelbar zugute. Abstimmungsprozesse und Wissenstransfer erfolgen Tür an Tür und sind damit sehr viel unkomplizierter und schneller als zwischen verteilten Projektpartnern. Hier gelingt die Business-Team-übergreifende Zusammenarbeit vorbildlich: Die Kunden bei AUTOSAR wissen, dass sie beim AUTOSAR-Support-Functions-Team der Carmeq immer an der richtigen Adresse sind, unabhängig davon, an wen sie sich wenden. Das Team hat dank eines gemeinsamen Projektraums die idealen Bedingungen, um die hohe Vernetzung zu gewährleisten.


Intern

Neues Poster zur Entwicklung von Funktionssoftware erhältlich – jetzt für AUTOSAR Release 4.x Für alle Entwickler von AUTOSAR-Applikationssoftware stellt Carmeq kostenlos die neue Version des Posters „Entwicklung von AUTOSAR-Funktionssoftware“ in Deutsch und Englisch (Vorder- und Rückseite) zur Verfügung. Erstmals erschien das Poster 2011. Die Überarbeitung erfolgte nun vor allem in Hinblick auf neue Inhalte aus AUTOSAR Release 4.x. Diese wurden als solche markiert und zusätzlich zu den bisherigen Inhalten aus Release 3.x aufgenommen. Mit dem neuen Poster haben die AUTOSAR-Experten von Carmeq sämtliche für AUTOSAR-Funktionsentwickler

wesentlichen Grundkonzepte und -definitionen im For mat DIN A1 zusammengefasst und visualisiert: Entwicklungsmethodik, VFB, Austauschformate, SWC-Typen, Datentypen, Sender/Receiver- und Client/Server-Kommuni kation, Internal Behavior sowie entsprechende Beispiele.

Bestellen können Sie das Poster per E-Mail an AUTOSAR@carmeq.com oder hier:

DC-Schnellladesäule demnächst auch bei Carmeq

Aktuelle Meldung

Eine der vordringlichen Herausforderungen für den Erfolg der E-Mobilität ist die Verkürzung der Ladezeit. Während konventionelle AC-Ladegeräte noch mehrere Stunden brauchen, um eine typische Elektrofahrzeugbatterie wieder vollständig zu laden, bieten Schnellladesäulen die Möglichkeit einer deutlich schnelleren Ladung. Eine dieser CombinedCharging-System-(CCS-)Schnellladesäulen steht demnächst auch in Berlin bei der Carmeq. Nach einer entsprechenden Testphase wird das System Mitarbeitern und Kunden zur Verfügung stehen. Über erste Erfahrungen von Nutzern mit der Schnellladesäule berichten wir in der nächsten Ausgabe des meilenstein.

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SerIe

Bedienung mit Smartphone-Komfort Leckere Kaffeespezialitäten kann man ganz einfach per Touchscreen auswählen.

Carmeq entwickelte die Bedienoberfläche „M Touch“ für Küchengeräte von Miele.

Auf der Kölner Küchenmesse LivingKitchen im Januar 2013 stellte Miele die Weltneuheit „M Touch“ vor, ein Touchscreen-Bedienfeld, mit dem man Küchengeräte intuitiv wie ein Smartphone bedienen kann. Die Spitzenklasse-Geräte der neuen Generation 6000 von Miele sind serienmäßig damit ausgestattet. Umgesetzt wurde die Bedienoberfläche von Carmeq.

solcher Applikationen verfügte, wenn auch aus einem anderen Anwendungsbereich. Die Anforderungen an HMIs in Fahrzeugen und Küchengeräten weisen viele Parallelen auf, etwa hinsichtlich der Software- und System anforderungen und der Herangehensweise in der Entwicklung. Eine Übertragung der Erkenntnisse war daher ohne Weiteres möglich.

Ein grafisches Human Machine Interface (HMI) mit Touch-Bedienung war vor dem Projekt noch Neuland für Miele. In Carmeq fand das Unternehmen einen Partner, der bereits über Erfahrungen mit der Entwicklung

Für Carmeq bot das Projekt zudem die Möglichkeit, im Sinne der strategischen Ausrichtung des Unternehmens seine Kompetenz in der HMI-Serienentwicklung auszuweiten und durch ein großes Projekt auch über den Automotive-Bereich hinaus unter Beweis zu stellen.

htlich und erfolgt intuitiv.

Die Bedienung ist übersic

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SerIe

hohe Transparenz im Projekt gesorgt, sowohl auf Kundenseite als auch bei uns im Team“, berichtet Frederik Charon und ergänzt: „Die Zusammenarbeit mit Miele war dabei wirklich hervorragend. Wir haben stets sehr unmittelbar Feedback bekommen, mit dem wir weiterarbeiten konnten.“

Ob Backofen, Dampfgarer oder Kaffeevollautomat – „M Touch“ bringt mehr Komfort in die Bedienung der Küchengeräte.

Der Startschuss für das Projekt fiel im Juli 2010. Miele hatte zuvor einen Flash Player von Adobe lizenziert und auf die eigene Plattform portiert, um die Voraussetzungen für das HMI zu schaffen. Die Entscheidung für Flash als Entwicklungsplattform fiel, obwohl Flash im professionellen Umfeld manchmal kritisch betrachtet wird. Projektleiter Frederik Charon: „Flash kann sehr viel und ist in den Händen von Profis ein leistungsfähiges Werkzeug, das zu hervorragenden Ergebnissen führt.“ Im ersten Schritt entwickelte Carmeq bis zum November 2010 einen Prototyp und prüfte die Vorgehensweise in dessen Entwicklung nach Automotive-SPICE®-Kriterien. Die HMI-Software wurde von Miele für Nutzertests verwendet, deren Ergebnisse dann in die Entwicklung und in die Gestaltung der Oberfläche einflossen.

Anfang 2011 konnte die Serienentwicklung beginnen. Das Carmeq-Team, bestehend aus Frederik Charon (Projektleitung), Mathias Stäbler, Paul Schmidt, Tom Schneider, Benedikt Meuthrath, Johannes Neuber sowie Thomas Müller, entschied sich für einen agilen Entwicklungsprozess nach SCRUM mit Atlassian JIRA als zentralem Tool. Der Vorteil der agilen Softwareentwicklung liegt in ihrer Flexibilität. In kürzester Zeit kann man damit auf Änderungswünsche reagieren, was gerade bei HMI-Entwicklungen eine typische Anforderung ist und auch im „M Touch“-Projekt eine große Rolle spielte. Während der gesamten Entwicklungsdauer gab es 14-tägige Zyklen, sogenannte Sprints. „Jeder Sprint hatte ein funktionales und visuelles Ergebnis, das vom Kunden ausprobiert werden konnte und auf dessen Basis neue Entscheidungen getroffen werden konnten. Um das sicherzustellen, haben wir eigens ein Test-Framework für einen automatisierten HMI-Test entwickelt, der Fehler und Seiteneffekte aufdeckt. Die Sprints haben für

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Umgekehrt zeigt sich auch der Kunde mit dem Ablauf und Erfolg des Projekts zufrieden. Detlef Niehaus, Leiter Komponentenentwicklung im Miele Werk Electronic, sagt dazu: „Wir haben Carmeq als innovativen und zuverlässigen Partner kennen- und schätzen gelernt, mit dem wir unsere ehrgeizigen Ziele reibungslos und termingenau umsetzen konnten und der uns in allen Phasen initiativ beraten hat.“ So hat Carmeq über die eigentliche Softwareentwicklung hinaus auch Impulse für das Bedienkonzept und das Screendesign gegeben und damit zu der intuitiven, eleganten Oberfläche und zur nahtlosen Integration in das hochwertige Design der Geräte beigetragen.

Mit mehr als drei Jahren Dauer war „M Touch“ eines der umfangreichsten HMI-Projekte, die Carmeq bisher durchgeführt hat. Frederik Charon fasst zusammen: „Wir haben viel Prozess-Know-how gewonnen, das wir nun bei Carmeq auch im Automotive-Bereich verankern und nutzen können.“ Der agile Entwicklungsprozess wird derzeit im Unternehmen standardisiert und in die Prozesslandkarte integriert. Auch Atlassian JIRA wird aufgrund der guten Erfahrungen nun firmenweit bei Carmeq eingesetzt werden. Ansprechpartner bei Carmeq: Julia Ahlers (Leiterin Interaktionskonzepte und Bewertung/HMI-Systementwicklung)

Mathias Stäbler, Frederik Charon, Paul Schmidt, Thomas Müller und Tom Schneider (von links) arbeiteten am Projekt „M Touch“.

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entwIcklung

t r h a f t h c a N e t r e li u im S r virt uellen Bewer Innovatives Konzept zu

tung

chtf unktionen und Er probung von Li Fahrerassistenzsysteme (FAS) machen das Autofahren heute immer komfortabler. Bevor jedoch ein solches System die Serie erreicht, muss sein Nutzen genau analysiert und ausgiebig getestet werden. Für den Bereich der Lichtfunktionen hat Carmeq gemeinsam mit Volkswagen eine Lösung entwickelt, die diesen sehr aufwendigen Prozess schneller, einfacher und sicherer gestaltet.

Die Bewertung und die Erprobung sind zwei unterschiedliche Aufgaben, die in verschiedenen Phasen der Produktentwicklung von großer Bedeutung sind. Bei der Bewertung geht es darum, schon in der Konzeptphase zu untersuchen, wie sich die geplanten Lichtfunktionen auf den Fahrer auswirken. Ein Fahrzeug mit einem

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Prototyp des Gerätes für reale Testfahrten auszustatten, ist allerdings sehr zeit- und kostenintensiv. Viele Testszenarien bein halten auch Risiken, sodass man sie nicht mit Probanden durchführen kann. Zudem sind die Ergebnisse solcher Fahrten nicht reproduzierbar. Als Alternative haben Carmeq und Volkswagen daher einen Fahr simulator für virtuelle Nachtfahrten entwickelt. Die Erprobung findet statt, wenn eine Funktion schon weitgehend fertig ist und durch intensive Tests zur Kundenreife geführt werden soll. Dazu wird eine Reihe unterschiedlicher Methoden eingesetzt. Um deren Nachteile auszugleichen und die Zahl notwendiger Testfahrten zu reduzieren, ermöglicht die Lösung von Volkswagen und Carmeq einen Video-Hardware-in-the-Loop (Video-HiL), der ohne reale Testfahrten auskommt.

Die Nutzung von Simulationen ermöglicht es, Lichtfunktionen wetterund tageszeitunabhängig sowie wiederholt zu bewerten und zu erproben.

Die Kernkomponenten des Systems sind die Fahrdynamik DYNAware von TESIS, das Simulationstool Virtual Test Drive (VTD) von Vires und das Automatic Data and Time-triggered Framework (ADTF) von Elektrobit. DYNAware simuliert das Fahrzeug, das VTD generiert die Bilddaten des virtuellen Umfeldes und das ADTF sorgt für die Anbindung der Simulation an die Steuergeräte und den Fahrsimulator. Durch eine stets gleiche Werkzeugkette und wiederverwertbare Module kann die Lösung trotz der unterschiedlichen Anforderungen als Basis sowohl für die Bewertung


entwIcklung

Virtuelle Szenerie mit Einblendung der Systemdaten.

als auch für die Erprobung verwendet werden. Das System ist für beide Anwendungen bis zur Bildgenerierung identisch aufgebaut.

Die Lösung von Carmeq und Volkswagen verbindet mit Hardware in the Loop (HiL) und Simulationen unterschiedliche Testmethoden.

Die Lichtfunktionen spielen fast ausschließlich bei Nachtfahrten eine Rolle. Um den Testpersonen im Fahrsimulator den entsprechenden Eindruck zu vermitteln und die Dunkeladaption der Augen sicherzustellen, wurde der gesamte Raum schwarz gestaltet. Die Bilddaten der Simulation werden auf eine ebenfalls schwarze Leinwand projiziert, um Störlicht und Reflexionen zu vermeiden.

Mit HiL können aufgezeichnete Bildund Fahrzeugdaten neu prozessiert und wieder in die Wahrnehmungsmodule der Lichtfunktion eingegeben werden. Diese Vorgehensweise eignet sich am besten für wiederkehrende Tests. Allerdings kann sie nicht das Gesamtsystem abbilden, da die Aktorik keinen Einfluss auf die Eingangsdaten der Sensorik nehmen kann, die durch reale Fahrten eingefahren werden müssen.

„Wir haben unterschiedliche Testfälle programmiert, zum Beispiel entgegenkommende Fahrzeuge“, beschreibt Torsten Wendler, Business Team Manager Fahrerassistenzfunktionen bei Carmeq, den Simulationsvorgang. „Die virtuelle Szenerie wird als Bewegtbild auf die Leinwand projiziert. Die Lichtfunk tion und die Reaktion des Fahrers werden erfasst. Die neuen Bilddaten werden automatisch in die Projek tion eingespeist. Das Ergebnis ist eine sehr realitätsnahe Testumgebung, alles läuft in Echtzeit ab.“

Mit Simulationen kann das Gesamtsystem reproduzierbar getestet werden, indem die gesamte Schleife von den Sensoreingangsdaten über die Wahrnehmungsmodule bis hin zur Aktorik und ihrer Rückkopplung abgebildet wird. In Verbindung mit dem HiL kann man die Vorteile von realen Fahrten und reproduzierbaren Tests nutzen, ohne deren Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

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Der Dynamic Light Assist von Volkswagen wurde mit Hilfe des Video-HiL in Serie gebracht.

zwischen der virtuellen Bewertung und der Erprobung mithilfe von HiL und Simulation. Durch ihren modularen Auf bau ist die Lösung auch für kommende Scheinwerferkonzepte und neue Assistenzfunktionen gerüstet. Torsten Wendler: „Interessant ist unser System für alle, die mit anspruchsvollen Lichtfunktionen oder anderen Features am Fahrzeug zu tun haben, die mit dem Fahrzeuglicht in Zusammenhang stehen – also zum Beispiel für Scheinwerfer- und Kamerahersteller sowie OEMs.“ Ansprechpartner bei Carmeq: Torsten Wendler (Leiter Business Team Fahrerassistenzfunktionen)

Virtuelle Szenerie wird als Bewegtbild dargestellt.

Die von Carmeq und Volkswagen entwickelte Tool-Kette bietet Synergien

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tItel XXX

Den Nagel auf , n e ff e r t u z f p o K n e d reicht nicht Carmeq führt die lassifizier ung ISO -26262-konforme K gen ein von Soft ware-Werkzeu

Stellen wir uns vor, ein Dachstuhl soll gebaut werden. Mit Hammer und Nägeln neuester Art werden die Balken miteinander verbunden. Wie groß ist dabei unser Vertrauen in das Werkzeug? Was wäre, wenn sich jeder der Nägel aufgrund eines Fehlers im Hammer derart im Holz verböge, dass die Bauelemente nicht oder nur sehr wenig verbunden wären? Äußerlich haben wir den Eindruck, das Ziel sei erreicht. Dabei ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis das Dach zusammenbricht. Ähnlich wie beim Bau des Dachstuhls spielen Werkzeuge, softwarebasiert, bei der Entwicklung von elektronischen Komponenten und Systemen eine wichtige Rolle. Um auszuschließen, dass durch den Einsatz dieser Werkzeuge Fehler in das Produkt gelangen, schreibt die ISO 26262 die Klassifizierung und, in Abhängigkeit der Klassifizierungsergebnisse, die Qualifizierung aller eingesetzten Software-Werkzeuge vor.

„Wir bei Carmeq entwickeln auch Software für sicherheitsbezogene Funktionen. Die Tool-Klassifizierung nach ISO 26262 ist daher für uns zwingend“, sagt Tina Heimer, die seit 2012 projektunabhängige Sicherheitsmanagerin im Unternehmen ist. „Unser Ziel ist eine Entwicklungsumgebung, die durch Tools verursachte Fehler möglichst vollständig ausschließt.“ Die ISO 26262 schreibt „Confidence in the Use of Tools“ vor. Das bedeutet, dass man auf die Zuverlässigkeit der eingesetzten Software-Werkzeuge vertrauen können muss. Um das zu gewährleisten, wird ein projektabhängiger Bewertungs- und Qualifizierungsprozess durchgeführt.

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tItel XXX

Zunächst muss identifiziert werden, welche Werk zeuge im Projekt zum Einsatz kommen und wie diese verwendet werden. Daraufhin wird für jedes Werkzeug in Abhängigkeit der Verwendungsszenarien ein „Tool Confidence Level“ (TCL) ermittelt. Bewertet wird dabei, ob das Werkzeug einen Einfluss auf das Endprodukt hat und wie hoch das Vertrauen ist, mögliche Fehler, die dieses Werkzeug im Produkt verursachen kann, zu entdecken.

Helko Glathe, der aufgrund seiner Erfahrung mit Werkzeugketten und Tool-Integration maßgeblich an der Einführung der Tool-Klassifizierung bei Carmeq mitwirkt, beschreibt das Vorgehen bei der Evaluierung anhand eines Beispiels: „Bei der Klassifizierung eines Pack-Tools betrachten wir zum Beispiel nur den ZIP-Teil, auch wenn das Tool vielleicht noch andere Datenformate schreiben kann, da andere Formate für das Projekt nicht relevant sind. Denkbare Fehler bei der Komprimierung und Paketierung wären im Ergebnis ein komprimiertes Dateipaket mit korrupten oder fehlenden Dateien. Das Werkzeug hat somit einen Einfluss auf das Produkt und wird mit einem TCL größer als 1 eingestuft. Mit einer Gegenmaßnahme, bei der das ZIP-File wieder entpackt und mit den Originaldateien verglichen wird, ist eine Reduzierung des TCL auf 1 möglich.“ Ist hingegen trotz Einführung von zusätzlichen Absicherungsmaßnahmen oder durch den Einsatz eines redundanten Werkzeuges eine Reduzierung des TCL auf 1 nicht möglich, wird eine Qualifizierung des Werkzeuges gemäß den Maßnahmen aus der ISO 26262 notwendig. Die Ergebnisse der Tool-Klassifizierung und -Qualifizierung haben wiederum Einfluss auf die Tool Application Guides. Das sind Anwendungsrichtlinien, die den Einsatz und die Verwendung des jeweiligen Werkzeuges im Projekt vorgeben.

1. Tool

TI 2

Zip. Contract

Tool Chain: Release Packaging

Archiv

1. Tool Error Detection

1. Tool Confidence Level

ASIL

TI 3

TI 3

TI 2

TI 2

Qualifikationsmaßnahmen (TCL 3)

TI 1

Qualifikationsmaßnahmen (TCL 2)

ToolFunktionen & Use Cases TI 1

Tool-Planungsphase

Keine Qualifikation

TI 1

Tool-Evaluation

Tool-Qualifikation

Bewertungs- und Qualifizierungsprozess nach ISO 26262.

auf, sondern beugt vor. Letztlich geht es bei der funktionalen Sicherheit im Fahrzeug um die Gesundheit und das Leben von Menschen. Insofern ist die Tool-Klassifizierung auch eine Frage der Verantwortung, der wir uns bei Carmeq gerne stellen“, betont Tina Heimer.

„Die Einführung der Tool-Klassifizierung erfolgte in Zusammenarbeit mit der Validas AG“, berichtet Tina Heimer weiter. „Validas hat den Tool Chain Analyzer entwickelt, den wir bei Carmeq zur Klassifizierung der Tools einsetzen. Damit gestaltet sich der gesamte Evaluationsprozess einfacher und transparenter. Weiterhin treten wir in den Erfahrungsaustausch mit der Audi Electronics Venture (AEV). Ziel dabei ist der Abgleich unserer Arbeit, unserer Vorgehensweisen und der Ergebnisse sowie die Etablierung eines zukünftigen gemeinsamen Vorgehens.“

Auch neuere Versionen bereits klassifizierter Tools müssen zunächst evaluiert werden, bevor sie eingesetzt werden dürfen. „Tools zu hinterfragen, hält nicht

File Tree

1. Tool Impact

Zip. Extract

Ansprechpartner bei Carmeq: Alexander Späthe (Leiter Business Team Prozess- und Methodenintegration)

File Tree

Diff. Compare

Ls. Compare

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ok?

Darstellung der Absicherungsmaßnahme zur Vermeidung von Fehlern durch die ZIP-Funktion eines Pack-Programms.

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tItel XXX

Innovatives Infotainment

esten.

ch Touch- und Wischg – direkte Bedienung dur

Erfolgreiche Annäherung Der Golf 7 wurde beim diesjährigen Genfer Autosalon von einer Fachjury zum „Car of the Year 2013“ gekürt. Dazu beigetragen hat auch das neue Infotainment-System, an dessen Entwicklung die Carmeq mitgearbeitet hat.

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SerIe XXX

Beim Automotive Interface Design gibt es zahlreiche Anforderungen zu beachten und zu integrieren, zum Beispiel die Fahraufgabe, Automobil- und Volkswagen Designrichtlinien sowie alle technischen Rahmenbedingungen. Auf dem Weg zum finalen Design sind somit oft mehrere Iterationen und Darstellungsvarianten für die verschiedenen Displaygrößen nötig.

reichen Funktionen wird dadurch wesentlich erleichtert.

Bildhafte Darstellungen von Kontaktfotos, Radio- oder Musik-Cover und hochwertige 3D-Fahrzeugdarstellungen prägen das Erscheinungsbild der Bedienoberfläche.

auf Interaktionsmöglichkeiten bekommt. Wichtige Bedienelemente und Informationen können dynamisch hervorgehoben werden. Auch das Wiederfinden von Funktionen wird durch geschickten Einsatz von Animation erleichtert. Zum Beispiel fahren Bildschirm fenster beim Schließen an die Position, wo sie

Seit 2003 arbeitet die Carmeq kontinuierlich mit Volkswagen Design zusammen und konnte das neue Infotainment-HMI als dessen Partner mitgestalten. Am Anfang des Projekts waren die Carmeq-Teams HMI-Systementwicklung (HMS) und Interaktionskonzepte und Bewertung (INT) zunächst an der Arbeit für die Features „Tele fon“ und „Adressbuch“ beteiligt, im Verlauf dann auch für weitere Funktionen und das Animationsdesign. „Das war das bisher größte und spannendste Seriendesignprojekt von Carmeq“, sagt Tobias Budzynski aus dem HMS-Team. „Wir durften bereits im frühen Stadium mit ins Boot und konnten das Projekt bis zur Serie mit betreuen. Umso mehr freuen wir uns, dass auch unsere Arbeit zum Erfolg des neuen Systems und damit auch des Golf 7 beitragen durfte“, ergänzt Sönke Petersen, ebenfalls Team HMS.

Die schon auf den ersten Blick auffälligste Innovation des Systems liegt in der Annäherungssensorik. Der Bildschirminhalt reagiert auf die näherkommenden Finger berührungslos, wobei zum Beispiel die Bedienflächen hervorgehoben werden. Das ist nicht nur im Sinne der Ästhetik, auch die Nutzung der zahl-

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Die Hauptansichten bestehen aus Kachelobjekten, die sich im Raum auf einer Art Bühne bewegen. Funktionen, die häufig verwendet werden, befinden sich auf diesen Hauptansichten, weniger häufig verwendete schnell auffindbar auf den Rückseiten. Eine Leiste am unteren Screenrand stellt die wichtigsten Funktionen für die jeweiligen Anwendungen gut erreichbar zur Verfügung.

Animationen bei der Annäherung sowie beim Betreten und Verlassen der Screens erleichtern die Bedienung des Systems, da auf diese Weise Zusammenhänge deutlicher werden und der Nutzer Hinweise

später wieder geöffnet werden können, statt einfach vom Bildschirm zu verschwinden. Gut gestaltete Animationen sind insgesamt ein entscheidender Bestandteil des Lookand-feels des Produkts.

Das Infotainment-System für den Golf 7 ist der Grundstein für kommende Systemgenerationen. Für neue Funktionen – unter anderem für Hybridfahrzeuge – soll eine neue Qualität des Bedienkomforts und der Fahrsicherheit definiert werden. Ansprechpartner bei Carmeq: Julia Ahlers (Leiterin Interaktionskonzepte und Bewertung / HMI-Systementwicklung)

· Annäherungssensorik für kontaktlose Bedienung · Direkte Bedienung von Elementen auf dem Bildschirm durch Touch- und Wischgesten · Animierte Bedienelemente und Funktionen · Gekachelte Darstellung von Objekten · Zeitloses Design mit Kacheln als Informationsträgern · Integration von Kontaktfotos, Radio- und Musik-Covers · Hochwertige 3-D-Fahrzeugdarstellungen

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Carmeq: In Berlin sind wir richtig! Wer exzellente Fachleute braucht, Austausch und Zusammenarbeit mit anderen innovativen Unternehmen und der Wissenschaft sucht und viele Kulturen dieser Welt erleben möchte, der kann in Berlin erfolgreich und glücklich werden. Das gilt für Unternehmen ebenso wie für ihre Mitarbeiter. Darum wurde für die Carmeq GmbH auch genau dieser Standort gewählt, als das Unternehmen für Elektronik- und Softwareentwicklung im Jahr 2003 gegründet wurde. Die Rechnung ist aufgegangen, das Umfeld bleibt weiterhin spannend.

Ist die zunehmend beliebte Bezeichnung „Silicon Valley“ für die Stadt – zumindest gegenwärtig – etwas hoch gegriffen, so ist das Potenzial dafür doch klar erkennbar: Bundesweit gibt es hier die meisten Firmengründungen, wobei die Kreativbranche einen wichtigen Wirtschaftsfaktor bildet, und die Stadt verfügt über das größte Arbeitskräftepotenzial. Jedes Jahr verlassen

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nicht weniger als 19.000 junge Absolventen die Berliner Hochschulen. Berlin hat vier Universitäten, vier Kunsthochschulen, sieben Hochschulen, eine internationale Business School und über 70 außeruniversitäre, öffentlich finanzierte Forschungseinrichtungen, die auch zahl reiche Kooperationen mit Partnerhochschulen in aller Welt pflegen. In Wissenschaft und Forschung investiert die Stadt jährlich rund 1,8 Milliarden Euro,


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und im Bundesvergleich werben die Berliner Universitäten die meisten Forschungsmittel ein. Von Beginn an arbeitete Carmeq mit den Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen – etwa mit der Technischen Universität, der Beuth Hochschule und dem Fraun hofer Institut. Auch durch die Betreuung von Diplomarbeiten und die Beschäftigung von Praktikanten und studentischen Mitarbeitern holt sich Carmeq aktuelles Wissen ins Haus. Im Gegenzug geben CarmeqExperten ihr Wissen an Studierende in Vorträgen und Seminaren weiter. Und angesichts der Tatsache, dass bei Carmeq mehr als 90 Prozent Akademiker arbeiten, ist das vielfältige Wissenschaftsumfeld natürlich besonders geeignet für das Recruitment erstklassiger Mitarbeiter.

Wirtschaftlich gesehen ist Berlin eine äußerst dynamische Dienstleistungs- und Technologiemetropole mit knapp 16.000 Unternehmen – ein Mix aus Zukunftstechnologien und klassischer Industrie, Traditionssowie mittelständischen und kleinen Unternehmen. Die enge Verzahnung von Forschung und Wirtschaft in Technologieparks und Gründerzentren hebt Innovationspotenziale und ermöglicht wirtschaftlichen wie technologischen Vorsprung. Vernetzung lautet hier das Stichwort, das sich auch Carmeq auf die Fahnen geschrieben hat. Die Mitarbeiter sind bereits bestens vernetzt, und für intensiveren fachlichen Austausch mit

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anderen Unternehmen arbeitet Carmeq mit der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH in den Bereichen Technologietransfer sowie Wirtschafts- und Technologieförderung zusammen. Bestes Beispiel: der Themenabend unter dem Motto „Herausforderungen zukünftiger Mobilität“ mit Experten namhafter Berliner Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen (siehe Seite 21).

Straßen, Radwege und ein weitverzweigtes öffentliches Verkehrsnetz bilden das urbane Umfeld für den intermodalen Stadtverkehr Berlins. Gerade hier werden sich immer mehr innovative Konzepte und intelligente Lösungen für mehr Flexibilität und Komfort in Sachen Mobilität entwickeln. Der Trend bewegt sich weg vom Streben nach Besitz. Man möchte die Funktion, aber nicht die Administration. „Rent a Bike“ und „car2go“ sind zwei Beispiele für moderne Sharingkonzepte auf der Basis von Internet- und Mobilfunk- bzw. Smart phonetechnologie. Wie jeder Computer werden auch Fahrzeuge künftig eigene IP-Adressen haben und über eine Cloud in Echtzeit mit der Umwelt kommunizieren. Auf diese Weise werden Fahrer, Technik und Verkehr optimal unterstützt. In diesem spannenden Umfeld bewegt sich die Carmeq GmbH mit ihren Entwicklungsteams und setzt dabei auf aktuelles Know-how, Innovationskraft und branchenübergreifende Netzwerke.

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Senatorin Yzer zu Besuch Cornelia Yzer, Berliner Senatorin für Wirtschaft, Forschung und Technologie, hat Carmeq am 3. Juli 2013 in Berlin besucht. Sie informierte sich unter anderem über Zukunftsmodelle von Intermodaltransport, Augmented Reality und Sprachbedienung. Carmeq-Geschäftsführer Peter Behrendt und Cornelia Yzer unterstrichen die Wichtigkeit des attraktiven Standorts Berlin – insbesondere auch wenn es darum geht, die besten Mitarbeiter zu gewinnen.

en … bei einem spannend Unternehmen mit ungen … innovativen Entw ickl

Cornelia Yzer stellte fest: „Mein Besuch hat mir sehr überzeugend gezeigt, dass ich bei einem spannenden Unternehmen mit motivierten Mitarbeiter innen und Mitarbeitern und innovativen Entwicklungen zur Zukunft unserer Mobilität zu Gast war. Das Wachstum von Carmeq stärkt nicht nur den Wirtschaftsstandort Berlin in besonderer Weise, sondern ist auch Beweis für die sehr guten Rahmenbedingungen in der Hauptstadt – mit der Dichte an Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen und den sich damit bietenden Vernetzungsmöglichkeiten.“

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Themenabend: Blick über den Tellerrand Unter dem Motto „Herausforderungen zukünftiger Mobilität“ hatte Carmeq gemeinsam mit der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH zu einem ungezwungenen fachlichen Austausch über „intermodalen Verkehr und neue Bedienkonzepte“ eingeladen. Die Resonanz war sehr gut: Am 4. September trafen sich 25 Experten namhafter Berliner Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen im Hause Carmeq zum Erfahrungsaustausch in entspannter Atmosphäre. Drei kurze Impulsvorträge stimmten auf das Thema ein und sorgten auch mit provokanten Thesen für Diskussionsstoff. „Hier stehen die Themen und die unterschiedlichen Blickwinkel darauf im Vordergrund, nicht die Firmen“, betont Peter Behrendt und erläutert weiter: „Berlin hat viel kreatives Potenzial. Wir wollen mit Experten anderer Bereiche ins Gespräch kommen, neue Themen sichtbar machen, Innovationen erkennen und mit Neuerungen in Verbindung setzen – sozusagen den in Silicon Valley gelebten intensiven Austausch für unsere Stadt interpretieren. Die Welt um uns herum verändert sich. Darum müssen wir unsere Fähigkeit schulen, bislang getrennte Themen miteinander zu kombinieren und die entsprechenden Köpfe zusammenzubringen.“ Der Abend war ein guter Anfang für eine neue Berlin-Brandenburgische Plattform des Austauschs auf fachlicher Ebene. Auch Thomas Meißner, Geschäftsbereichsleiter Energie & Mobilität von der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH, war mit dem Abend zufrieden: „Mit dem Themenabend hat Carmeq ein neues Veranstaltungsformat ins Leben gerufen, welches wir gern unterstützen. Carmeq ist ein wichtiger Player am Standort Berlin und hat mit Peter Behrendt den passenden Kopf für diese Initiative.“

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tItel

ne h ü B r e n e ff o f u a u a b Um r neue Carmeq setzt mit eine

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eiterter St auf Flexibilität bei er w

andardisierung

Mit den wachsenden Anforderungen durch die funktionale Sicherheit im Fahrzeug ist auch der Bedarf an Standardisierung von Prozessen gestiegen, was einen Umbau der Prozesslandschaft bei Carmeq erforderlich macht. Die bisher genutzte Umgebung genügte zwar der unternehmensweit relevanten Norm DIN EN ISO 9001:2008, nicht jedoch dem branchenverbind lichen AutomotiveSPICE®-Referenz-Modell und dem ISO-26262-Standard (Funk tionale Sicherheit) für die Softwareentwicklung. Auch der Forderung nach projektspezifischer Anpassbarkeit, dem sogenannten Tailoring, wurde die alte Prozesslandschaft nicht gerecht.

Die neue Prozesslandschaft basiert auf dem auch bei Volkswagen und Audi eingesetzten „Stages“ der Method Park Software AG. „Stages“ ist ein Tool, mit dem Prozesse aus verschiedenen Perspektiven dargestellt werden können. Es hat den Vorteil, unterschiedliche Projektvarianten abzubilden sowie dem einzelnen Mitarbeiter einen besseren Blick auf die Zusammenhänge und auf die für ihn relevanten Details zu bieten. Das datenbankgestützte Process Lifecycle Management sorgt für konsistente und realitätsnahe Prozesse

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im Unternehmen. „Stages“ ermöglicht Carmeq eine datenbankgestützte Modellierung und projektspezifische Anpassung seiner Softwareentwicklungsprozesse. Das Prozessmodell bildet verschiedene Varianten der Softwareentwicklung ab, zum Beispiel modellbasierte oder agile Entwicklung. Durch „Stages“ können alle Carmeq-Softwareentwicklungsprojekte bei ISO-Audits und Automotive-SPICE®-Assessments jederzeit ihre Anforderungsabdeckung und Konformität zu den Standards und Normen nachweisen.

Auch die Arbeitsweise in der Prozesserstellung wird sich ändern. Bei Carmeq wird mittlerweile eine verteilte Prozessverantwortung praktiziert, bei der die Anwender der Prozesse aufgrund ihrer Erfahrung und Nähe zur Praxis für deren Definition und kontinuierliche Verbesserung selbst zuständig sind. Das Qualitätsmanagement fokussiert sich dabei auf den übergreifenden Prozessrahmen sowie die Steuerung und Qualitätssicherung der Prozesserstellung und das projektspezifische Prozess-Tailoring. Die Einführung der neuen Prozesslandschaft in den Entwicklungsprozessen von Carmeq ist für Ende 2013 geplant.


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2008 Cornelis Treurniet ist seit ms Tea ess sin Leiter des Bu ierung tim -op und e alys san Prozes ktion (PAO). Er ist in dieser Fun ls und für die Einführung der Too bei Carmeq Modellierungskonzepte mung im stim sowie für die Ab wortlich. ant ver rn nze Ko n Volkswage

Ralf Hundeshagen hat die Position des Leiters Qualitätsmanagement bei Carmeq Anfang 2013 übernommen.

Spannende Aufgaben meilenstein hat mit Ralf Hundeshagen (Leiter Qualitätsmanagement) und Cornelis Treurniet (Business Team Manager Prozessanalyse und -optimierung) über die Bedeutung von Standards und die Einführung der neuen Prozesslandschaft bei Carmeq gesprochen.

Cornelis Treurniet: Wir haben bei Carmeq vermehrt mit sicherheitsrelevanten Softwareentwicklungsprojekten zu tun. Die Anforderungen in diesem Bereich werden bezüglich Nachweispflicht und Anpassbarkeit immer anspruchsvoller. Da abzusehen war, dass unsere alte Prozesslandschaft dem auf Dauer nicht genügt, war eine neue Umgebung unumgänglich. Ralf Hundeshagen: Aus der Sicht des Qualitätsmanagements ist es wichtig, einen gewissen Standard bei den Prozessen zu haben, um die Effizienz sicherzustellen und die Vergleichbarkeit sowie Qualität wiederkehrender Tätigkeiten zu gewährleisten. Mit der neuen Prozesslandschaft schaffen wir dafür verbesserte Voraussetzungen.

Ralf Hundeshagen: Da ist zunächst ISO 9001:2008. Dieser Qualitätsmanagementstandard ist für Softwareentwicklungsprojekte allerdings viel zu allgemein. Deshalb nutzen wir zusätzlich das Automotive-SPICE®Referenz-Modell, um die Standardisierung unserer Entwicklungsprozesse systematisch zu erhöhen und ihren Reifegrad mit Hilfe von Assessments nachweisen zu können.

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Cornelis Treurniet: Darüber hinaus entwickeln wir nach der ISO 26262, die eine Norm für sicherheitsrelevante elektrische/elektronische Systeme in Kraftfahrzeugen ist. Die ISO 26262 macht Vorgaben bezüglich Aktivitäten und Arbeitsprodukten sowie Methoden für die Entwicklung sicherheitsrelevanter Funktionen.

Cornelis Treurniet: Die neue Prozesslandschaft wird im Vergleich zur alten HTML-basierten, statischen Umgebung sehr intuitiv sein. Sie lässt sich an das jeweilige Projekt anpassen und bildet die Arbeit realitätsnah ab. Ralf Hundeshagen: Wir haben uns dabei für „Stages“ als Plattform entschieden, welche die Beschreibungen und Beziehungen des Prozessmodells dynamisch darstellt. Die Nutzer bekommen dadurch je nach Bedarf zum Beispiel einen phasenorientierten oder rollenspezifischen Blick auf ihr Softwareentwicklungsprojekt.

Cornelis Treurniet: Ja, wir unterstützen zum Beispiel den Volkswagen Konzern im Rahmen der Elektronikstrategie bei der Definition von Softwareentwicklungsstandards.

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Neue Herausforderungen in Prag fest im Blick Torsten Klein hat die Carmeq zum 1. Mai 2013 nach mehr als neun erfolgreichen Jahren verlassen. Seit Mai dieses Jahres ist er Geschäftsführer des tschechischen Carmeq-Tochterunternehmens e4t (electronics for transportation) in Prag und dabei insbesondere für deren fachlich-strateg ische Ausrichtung und Weiterentwicklung verantwortlich. Die im Jahr 2001 gegründete e4t entwickelt Hardwareund Softwarekomponenten für die Vernetzung und Kommunikation elektronischer Systeme im Fahrzeug und unterstützt als konzerninterner Engineering-Partner die E/E-Entwicklungsbereiche von Škoda Auto und anderen Marken des Konzerns. Torsten Klein war ab 2004 bei Carmeq, wo er zu Beginn seiner Tätigkeit das Business Team „Modellbasierte Entwicklung“ aufbaute und unter anderem für die Entwicklung der ersten modellbasiert entwickelten Seriensoftware von Carmeq verantwortlich zeichnete. In den letzten Jahren hat er den Geschäftsbereich Funktionsentwicklung für die Fahrzeugdomänen Fahrerassistenz, Komfort und elektrische Fahrzeugenergiesysteme an den Standorten der Carmeq erfolgreich auf- und ausgebaut. Die Zusammenarbeit zwischen

Carmeq und e4t hat sich in den vergangenen Jahren in einigen Themenbereichen bereits gut etabliert. Ein wichtiges Ziel von Torsten Klein ist die Erweiterung und Intensivierung dieser Zusammenarbeit sowie die Vernetzung von Škoda Auto mit den anderen Konzernmarken in Bezug auf die Elektrik-/Elektronikentwicklung. So sind für 2014 bereits viele gemeinsame Projekte geplant. „Die betreffenden Mitarbeiter von Carmeq und e4t haben sich schon gut miteinander bekannt gemacht, und beide Seiten freuen sich auf die Fortsetzung und den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit“, stellt Torsten Klein fest. Ein Stück der Kultur der Carmeq bringt er nun in das Prager Unternehmen ein. „Die Ideen und Vorgehens weisen von Carmeq haben mich sehr geprägt, und die Offenheit der ‚Carmeqianer‘ wird auch bei e4t sehr geschätzt. Diese ‚Erfolgskultur‘ des aktiven und offenen Austauschs und die Arbeit in firmenübergreifenden Projektteams für die Entwicklungsabteilungen des Konzerns werde ich auch in der neuen Umgebung pflegen.“ Neben der neuen beruflichen Herausforderung ist Torsten Klein jetzt dabei, die „Goldene Stadt“ Prag, ihre Menschen und deren Sprache kennenzulernen. Dabei stellt er fest: „Tschechisch ist eine wirklich schwierige Sprache – ich bleibe dran. S pozdravem z Praze!“

Bereich Funktionsentwicklung unter neuer Führung Am 1. September 2013 trat Henning Harbs die Leitung des Bereichs Funktionsentwicklung bei Carmeq an und übernahm damit diese Aufgabe von Torsten Klein, der seit Mai Geschäftsführer des tschechischen Carmeq-Tochterunternehmens e4t in Prag ist. Nach seinem Studium der Elektrotechnik konzentrierte sich Henning Harbs auf Softwareentwicklung und sammelte Erfahrungen bei namhaften Unternehmen der Automobilbranche, unter anderem bei VDO und Siemens, wo er Softwareprojekte für die Leistungselektronik von Hybridantrieben leitete. Ab 2002 beschäftigte er sich mit Vernetzungstechnologien bei Volkswagen in Wolfsburg, wobei die Gateway-Steuergeräteentwicklung, die Powerline-Technologie für das Laden von Elektrofahrzeugen sowie Automotive Ethernet als zukünftige Vernetzungstechnologie zu seinen Schwerpunkten zählten. In den letzten zehn Jahren hat er bereits in verschiedenen Projekten mit Carmeq zusammengearbeitet und kennt daher das Unter-

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nehmen und einen Teil seiner neuen Kollegen schon gut. Zu seinen neuen Zielen gehören vor allem die Weiterentwicklung der Fahrerassistenzsysteme sowie die Entwicklung neuer Funktionen, die das Laden von Elektrofahrzeugen noch komfortabler und kundenfreundlicher machen. Henning Harbs, verheiratet und Vater zweier Kinder, ist Fußballfan und Dauerkartenbesitzer des Vf L Wolfsburg. Er treibt aber auch selbst Sport und absolvierte kürzlich seinen ersten Volkstriathlon. Und natürlich liebt er Autos, besonders sein 89er Golf Cabrio. „Mit der Unterstützung durch Carmeq ist Volkswagen im Wettbewerb bei Fahrerassistenzsystemen führend und muss seine starke Position weiter ausbauen. Außerdem startet in diesem Jahr die Serienproduktion von Elektrofahrzeugen, bei denen die Funktionsentwicklung von Carmeq eine zentrale Rolle spielt. Für mich bieten Carmeq und Berlin die einmalige Kombination, in einer der attraktivsten Städte Europas und in dem für mich interessantesten Aufgabengebiet zu arbeiten“, erklärt Henning Harbs.


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Fahrerassistenzsysteme effizient entwickeln mit CarScope® CarScope® ist für die Visualisierung in der automobilen Forschung und Entwicklung entworfen worden. Haupteinsatzbereich ist die Entwicklung sensorbasierter Fahrzeugsysteme, in denen Messwerte der Sensoren und der fahrzeugeigenen Elektronik anfallen. CarScope® stellt diese Daten in einer virtuellen dreidimensionalen Umgebung dar. Dabei bleiben alle Längeninformationen, d. h. alle Abmessungen und Koordinaten, erhalten, sodass der Betrachter einen einfachen Zusammenhang zwischen

dem realen Umfeld und dem virtuellen Abbild herstellen kann. CarScope® besteht aus einem Softwareprogramm (Server), das auf einem Windows-PC oder -Laptop läuft und das die Aufgabe der Visualisierung übernimmt. CarScope® ist das Werkzeug für Entwickler, die mit sensorbasierten Daten im Automotive-Bereich zu tun haben. Informationen zu CarScope® erhalten Sie, wenn Sie eine E-Mail an carscope@carmeq.info senden. Ansprechpartner ist Jesko Klandt.

Porsche zu Gast bei Carmeq in Leonberg – Vorträge und Vernetzung Wie passen neun Marken und fünf Fahrzeugbaukästen zusammen? Wie vereinheitlicht man die Prozesse bei einer komplexen Tool-Landschaft? – Diese und weitere Fragen diskutierten Mitarbeiter von Porsche und Carmeq im Juli während eines gemeinsamen Abends bei Carmeq in Leonberg. Zunächst hielten Tina Heimer und Holger Schneider, beide Carmeq, Vorträge zu den Themen „Anpassung der Prozesse für die strategische Softwareeigenentwicklung im Automotive-Umfeld“ und „Regeln für Fahrzeugbaukästen im Konzern“. Anschließend

nutzten die Anwesenden bei kühlen Getränken und Gegrilltem die Möglichkeit des Austausches mitein ander. „Wir haben viele interessante Gespräche zur konzerninternen Vernetzung und zu möglichen Projekten geführt“, resümierte Thomas Ziller, Standortleiter von Carmeq in Leonberg.

e4t: schnelle Entwicklung von Prototypen und Funktionsdemonstratoren Basierend auf jahrelanger Erfahrung in der Prototypenund Messtechnikentwicklung hat das Unternehmen e4t ein modularisiertes System für schnelle Prototypen-, Messtechnik- und Demonstratorumsetzung entwickelt. Das Basismodul des Baukastens bietet sowohl Automotive-Schnittstellen wie CAN (2x) und LIN als auch Verbraucherelektronik-orientierte Schnittstellen, wie USB, RS-232 und SD-Kartenslot. Ein energiesparender Sleep-Modus sowie großzügig bemessene Rechnerleistung und Speicherkapazität ergänzen die Ausstattung. Zudem kann die Leistung des Systems mithilfe von Zusatzmodulen applikationsspezifisch gesteigert wer-

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den. So können die Zusatzmodule zum Beispiel die Kommunikationsmöglichkeiten erweitern (Bluetooth, WLAN) oder weitere Ein- und Ausgänge zur Verfügung stellen. Entsprechend dem jeweiligen Kundenbedarf entwickelt e4t weitere applikationsspezifische Module. Die Applikationseffizienz wird durch einen Satz von Softwaremodulen erreicht, von Hardwaretreibern über Kommunikationskomponenten bis hin zum Rechner. Ergänzend stehen Softwarekomponenten zur Verfügung, die zusammen mit einem Android-Tablet dem Softwareapplikationsentwickler die Kommunikation mit der Hardware ermöglichen.

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management“ mit Baraa

Seminar „Anforderungs

Derouiche.

Weiterbildung ist Unternehmenskultur Bei Carmeq wird Wissen nicht für sich behalten, sondern aktiv weitergegeben und ausgetauscht. So schulen auch Kollegen ihre Kollegen. Eine Weiterbildungsstrategie, von der alle profitieren.

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bei Carmeq Im Juli dieses Jahres fand ein internes Seminar „Anforderungsmanagement“ bei Carmeq statt. Die Moderatorin: Mitarbeiterin Baraa Derouiche aus dem Team „Prozess- und Methodenintegration“. Sie vermittelte das Thema mit Definitionen und Erklärungen, vor allem aber auch mit zahlreichen praxisorientierten Beispielen. So lernten die Kollegen, was eine Anforderung genau ist und wie man sie am besten formulieren kann, damit alle Projektbeteiligten eine klare Vorstellung der einem Anforderungsdokument zugrunde liegenden Aufgabenstellung bekommen. „Anforderungsmanagement ist die systematische Erfassung, Formulierung, Analyse und Verwaltung von Anforderungen“, wobei „eine Anforderung eine Aussage über eine zu erfüllende Eigenschaft oder eine zu erbringende Leistung eines Produktes, eines Prozesses oder der am Prozess beteiligten Personen ist.“ „Am Seminar haben Kollegen aus verschiedenen Teams teilgenommen. Das Feedback war durchweg positiv“, stellt Baraa Derouiche zufrieden fest und ergänzt: „Das Thema ist für alle wichtig, denn gut definierte Anforderungen ermöglichen eine reibungslose Zusammenarbeit sowohl mit Lieferanten als auch mit Kunden.“ Der Erfolg ist Ansporn. Weitere Veranstaltungen sind bereits in Planung.

Was Carmeq entwickelt, ist hochkomplex. In der Software für die Fahrzeugelektronik stecken das Wissen und die Kompetenz unterschiedlichster Experten. Darum arbeiten hier unter

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anderem Ingenieure, Physiker, Psychologen, Designer, Ergonomen und natürlich Betriebswirte in interdisziplinären Teams zusammen. Allein dieser Umstand bildet weiter und ermöglicht den so wichtigen „Blick über den Tellerrand“.

„Weil erfahrene Experten auf dem Arbeitsmarkt schwer zu finden sind, geben wir unseren Mitarbeitern laufend die Möglichkeit, ihr Expertentum weiter auszubauen“, erklärt Personalleiterin Tineke de Vries und ergänzt: „Von neuen Mitarbeitern erwarten wir neben erstklassigem Fachwissen daher auch die Lust auf Herausforderungen, das Interesse an Neuem und eine gute Portion Enthusiasmus.“ Für diesen Menschenschlag ist das Unternehmen ein höchst attraktiver Arbeitgeber. Es bietet ein breites Spektrum von Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven. Dabei findet Weiterbildung bei Carmeq auf unterschiedlichsten Wegen statt. Neben externen und internen Schulungen spielt auch der aktive Austausch von Wissen innerhalb der Projekte eine wichtige Rolle. In den verschiedenen Teams lernt jeder von jedem. Niemand behält hier sein Wissen für sich, weil er glaubt, sich damit unersetzlich zu machen. Vielmehr versteht es jeder Einzelne als seine Aufgabe, seine Fachkenntnisse auch weiterzugeben.

„Das fachliche Know-how unserer Mitarbeiter ist teilweise so hoch, dass es dafür gar keine externen Schulungsangebote gibt. Dafür mussten wir uns etwas einfallen lassen“, erläutert Personalentwicklerin Mirja Huhn. So wurden interne Seminare entwickelt, die ebenso praxisnah wie wertstiftend sind. Hier schulen Mitarbeiter untereinander. „Gestandene“ Experten teilen ihr Wissen über komplette Themenfelder und untermauern das mit aktuellen Praxisbeispielen. Dieses Modell wird von allen

Beteiligten sehr geschätzt, vermittelt es doch anwendungsbereites und auf die spezifischen Anforderungen der Carmeq perfekt zugeschnittenes Wissen.

Zudem nehmen Mitarbeiter an nationalen und internationalen Kongressen teil. So besteht die Möglichkeit, sich mit anderen Experten auszutauschen und brandneue Technologien, Methoden und Verfahren kennenzulernen. Des Weiteren arbeitet Carmeq für den wissenschaftlichen Austausch auch mit Universitäten, Hochschulen und wissenschaftlichen Instituten zusammen. Carmeq-Mitarbeiter leisten in diesem Rahmen einen aktiven Beitrag, indem sie Fachvor träge halten und Abschlussarbeiten und Praktika betreuen.

Weil Carmeq in erster Linie das Wissen und die Kompetenz der Mitarbeiter verkauft, investiert das Unternehmen jedes Jahr erhebliche Beträge in die Weiterbildung. Sie ist fester Bestandteil der jährlichen Personalentwicklungsgespräche. Dabei werden die persönlichen Wünsche und Ideen der Mitarbeiter in die individuelle Weiterbildungsplanung einbezogen und aktiv gefördert. Darüber hinaus ermittelt die Personalabteilung in Zusammenarbeit mit den Führungskräften systematisch den aktuellen sowie mittel- und längerfristigen Schulungsbedarf für die Carmeq. Die kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeiter ist eine Voraussetzung für Innovationen und sichert somit den langfristigen Erfolg des Unternehmens. Darum ist sie ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie, und ihre Organisation schafft die Voraussetzung für ein dauerhaft lernendes Unternehmen. In diesem Sinne ist Weiterbildung bei Carmeq weit mehr als ein Unternehmensprozess: Sie ist gelebte Unternehmenskultur.

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