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Haus f端r Mutter und Kind

Jahresbericht 2015 Unsere Kinder


Inhaltsverzeichnis Wir setzen und für die Kinder ein

Jahresbericht 2015 4

«Sie sollen sich in der Welt zurechtfinden.»

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Mama, was heisst zufield? 9

Kinderwünsche 11

Haus für Mutter und Kind

Ein Wechselbad der Gefühle

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Eine Wunschliste für die Kinder

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Die Mitarbeiterinnen Redaktion und Beratung Renate Metzger-Breitenfellner – www.remeb.ch

...und ein grosses Dankeschön!

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Gestaltung und Layout Urs Odermatt, 6370 Stans

Mehr Kinder

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Lektorat Apostroph Luzern AG – www.apostrophgroup.ch

Statistik 2015

Vereinsrechnung 24

Druck PDZ Druck AG – www.pdzdruck.ch

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Auflage 5'000 Ex.

Bilanz und Betriebsrechnung

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Ein Meilenstein, ein neues Dach und Gerry...

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Jahresbericht des Präsidenten

Vereinsvorstand 27


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Wir setzen uns für die Kinder ein!

Das Jubiläumsjahr ist vorbei – und es war schön. Zum Fest kamen viele ehemalige Bewohnerinnen mit ihren Kindern. Sie beim Spielen, beim Da-Sein zu erleben, hat uns gut getan. Erfreulich auch zu sehen, wie sie sich entwickelt haben. Die positiven Reaktionen der ehemaligen Bewohnerinnen – Dankbarkeit, Freude, Verbundenheit – haben uns in unserer Arbeit bestärkt. In einer Arbeit, die immer wieder das Kind ins Zentrum stellt. Das Wohl des Kindes, seine Entwicklung. «Im ‹Haus für Mutter und Kind› habe ich bei allen Problemen Unterstützung erhalten»: Diese Rückmeldung einer Bewohnerin ist für uns Lob und Bestätigung zugleich. Sie zeigt, dass wir vieles richtig machen, dass unsere Arbeit sinnvoll ist.

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Das Jubiläumsjahr 2014 brachte grosse Medienpräsenz. Das gab uns Gelegenheit, einmal mehr darauf hinzuweisen, wie wir arbeiten. Wir fördern die Entwicklung des Kindes und seiner Mutter, indem wir die Situation möglichst ganzheitlich erfassen und die Verlaufsplanung bestmöglich auf die individuellen Bedürfnisse und Zielsetzungen abstimmen. Verbindliche Werte und Richtlinien sind uns wichtig. Selbstverständlich haben wir ein Hauskonzept und alle dazu nötigen Unterlagen. Bei unserer täglichen Arbeit sind jedoch die Ressourcen der Kinder und Mütter wichtig, um die geforderten Ziele zu erreichen. Wir versuchen, die für sie passenden Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen. Wir holen Mütter und Kinder dort ab, wo sie stehen, analysieren gemeinsam mit ihnen die Situation – und schauen dann, was die Mutter, was das Umfeld dazu beitragen kann, damit es dem Kind gut geht.


Die Kinder, die ins «Haus für Mutter und Kind» kommen, brauchen unsere Unterstützung. Sie haben zum Teil dramatische Geschichten erlebt. Wir kämpfen nicht gegen diese Geschichten an, aber wir unterstützen sie und ihre Mütter dabei, ihr Leben positiv zu verändern und neu anzupacken. Unsere Faustregel im Alltag lautet: «Zumuten und begleiten – schonen ist demütigend.» Alles, was wir hier tun und entscheiden, betrifft auch die Kinder und ihr nicht immer einfaches Leben. Das müssen sie lernen zu akzeptieren, mit diesem Akzeptieren können sie stark werden. Die Kinder haben nun mal diese Geschichte, eine andere gibt es nicht. Wir treten im Alltag für die Kinder ein. Im «Haus für Mutter und Kind» schaffen wir ein Umfeld, in dem sie gut gedeihen können. Ein Umfeld, das Kinder als eigenständige Persönlichkeiten wahrnimmt und achtet. Dieser Jahresbericht stellt die Kinder ins Zentrum – Kinder und deren Wünsche und Bedürfnisse. Auch wir wünschen uns etwas: Wir wünschen uns, dass die Kinder im «Haus für Mutter und Kind» glücklich sein können – wobei uns bewusst ist, dass Glück individuell ganz Unterschiedliches beinhaltet. Wir wünschen ihnen ein gutes Leben. Für das «Haus für Mutter und Kind» wünschen wir uns, dass es gelingt, mit unserer Arbeit optimale Voraussetzungen für dieses gute Leben zu schaffen. Dafür sind wir weiterhin auf Ihre Hilfe angewiesen, liebe Gönnerinnen und Gönner. Für Ihre treue und grosszügige Unterstützung möchten wir uns auch an dieser Stelle ganz herzlich bedanken! Dr. Peter Emmenegger, Präsident Rita Wandeler, Hausleiterin

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«Sie sollen sich in der Welt zurechtfinden» Nach ihrem Aufenthalt im «Haus für Mutter und Kind» ist Maria* mit ihren beiden Kindern in eine Wohnung im Luzerner Hinterland gezogen. Hier fühlt sie sich wohl, auch wenn es ihr noch nicht ganz gelungen ist, die Schatten der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Für ihre Kinder wünscht sie sich eine gute Zukunft – und dass sie ihren Platz in der Welt finden. «Meinen Kindern geht es hier gut. Wir leben in einer schönen Wohnung, die uns die Gemeinde zur Verfügung gestellt hat. Anna* ist ein aufgewecktes, lebhaftes und zutrauliches Kind. Ein richtiger kleiner Wirbelwind. Max* ist ganz anders. Ich habe schon früh festgestellt, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Aber er war mein erstes Kind, ich eine junge Mutter, niemand hat mir geglaubt. Bis schliesslich der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst eine atypische Form von Autismus festgestellt hat. Da hatten meine Zweifel und Ängste endlich einen Namen. Das hat mich sehr entlastet. Max wird jetzt in einem speziellen Internat für autistische Kinder betreut. Dort sind zwei Lehrpersonen für drei Kinder zuständig. Max fühlt sich dort wohl – das freut mich sehr.

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Für meine Kinder wünsche ich mir, dass sie sich zu eigenständigen und selbstbewussten Erwachsenen entwickeln, dass sie wissen, was sie wollen – und ihr Leben in die eigenen Hände nehmen können. Sie sollen sich in der Welt zurechtfinden, ihre Persönlichkeit nicht verleugnen müssen, sollen so akzeptiert werden, wie sie sind. Ich wünsche ihnen Eltern, die Verständnis für ihre Kinder haben und sie auf ihrem Weg begleiten können. Anna soll ihre Neugier behalten, ihre Offenheit – und Max wünsche ich, dass


er seine Freude an Pflanzen behält. Er ist fasziniert von Pflanzen und Blumen, kann sich stundenlang damit beschäftigen. Meine eigene Kindheit war nicht nur positiv. Auch ich war ein aufgewecktes, wildes und aktives Kind, gleichzeitig aber sehr verträumt, interessiert an allem, was mit Logik zu tun hatte und mit Technik. Meine Nachttischlampe habe ich zum Beispiel selbst repariert. In der Schule war ich eine Aussenseiterin. Das war keine gute Erfahrung. Materiell hatte ich alles. Aber ich hätte mir gewünscht, dass meine Eltern genauer hinschauen, was mir fehlt, was ich brauche, welche Probleme ich habe. Auch von den Lehrpersonen fühlte ich mich nicht verstanden …

Eigentlich wollte ich nach der Schule eine Ausbildung als Kleinkinderzieherin machen. Es folgten viele Praktika, aber ich fand keine Lehrstelle. Ich begann die kaufmännische Lehre, aber das war mir zu 7 langweilig. So landete ich im Verkauf, jobbte, lernte meinen späteren


Mann kennen, hatte nach einem halben Jahr ein Burnout. Mein Therapeut diagnostizierte eine chronische Depression und dazu ADHS. Ich denke heute, vielleicht bin ich auch autistisch wie mein Sohn. Dann wurde ich schwanger, einen Monat vor der Geburt von Max heirateten wir. Zwanzig Monate später kam Anna zur Welt. Ich war mit den beiden Kindern total überfordert, mein Ehemann verlor die Arbeitsstelle, das Zusammenleben war schwierig, ich wusste nicht mehr weiter, wollte mich trennen. Um Abstand zu gewinnen, verliess ich meine Familie, wohnte ein paar Tage bei einer Kollegin, wies mich dann selbst in eine psychiatrische Klinik ein. Ich sah einfach keinen anderen Ausweg mehr. Von der Klinik kam ich direkt ins ‹Haus für Mutter und Kind›. Ein halbes Jahr lebte ich danach mit den Kindern in Hergiswil. Es hat mir gut gefallen, obwohl ich Mühe habe mit gleichaltrigen Frauen. Auch die Enge machte mir zu schaffen, die fehlende Eigenständigkeit, das Alleinsein. Aber die Unterstützung hat mir sehr gut getan und geholfen. In jeder Situation und bei allen Problemen war jemand für mich da. Und so habe ich mein Leben nach und nach wieder in den Griff bekommen.» * Alle Namen im Text sind geändert.

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Das Interview führte Renate Metzger-Breitenfellner.


Mama, was heisst zufield? Eine Geschichte aus Erzählstücken von Kindern zusammengetragen von Dora Baumann Wenn ich ganz fest traurig bin, dann schaue ich am liebsten mein Album an. Am besten gefällt mir das Foto auf der ersten Seite: Meine Mama hat einen ganz dicken Bauch, und Papa trägt eine grosse Sonnenbrille. Die beiden geben sich die Hand und lachen. Mama hat mir erzählt, dass sie sich ganz fest auf meine Geburt gefreut haben. Das glaube ich. Als ich auf der Welt war, haben sie ein Fest gemacht. Es gab viele Geschenke. Das Liederbuch von meiner Oma habe ich immer noch. Früher hat mir Mama immer etwas vorgesungen, und Papa hat Geschichten erzählt, wenn ich ins Bett ging. Das war schön. Einmal ist mein Papa nicht mehr nach Hause gekommen. Mami hat nur noch geweint. Sie war immer müde und hat viel geschlafen. Wenn ich Mama gefragt habe, wo Papa ist, hat sie noch mehr geweint. Und wenn ich gefragt habe, warum Papa nicht mehr nach Hause kommt, hat sie gesagt: «Es ist ihm zu wild geworden.» Und wenn ich gefragt habe: «Mama, was heisst zufield?», hat sie noch lauter geweint und mit mir geschimpft und mich ins Bett geschickt. Dann habe ich geweint, bis das ganze Kissen nass war. Manchmal

hat die Frau in der unteren Wohnung an die Decke gepoltert und geschrien: «Ruhe!!» Da habe ich nicht mehr geweint, nur noch gezittert. Einmal kamen eine Frau mit komischen Ohrringen und ein Mann mit einem lustigen Schnauz zu uns. Sie wollten unsere Wohnung anschauen. Sie haben viel geredet und viel geschrieben. Im Badezimmer haben sie die Nase gerümpft und in der Küche haben sie die Augen verdreht. Sie wollten nichts trinken. Bevor sie gingen, haben sie gefragt, ob sie in meinem Zimmer die Fensterläden öffnen dürfen. Die Sonne hat hereingeblinzelt, und meine Spielsachen haben richtig geglänzt. Dann habe ich «Häppy-ju-ju» gesungen und mit meinem Teddybär getanzt. Die Frau mit den komischen Ohrringen und der Mann mit dem lustigen Schnauz haben meiner Mama einen dicken Brief geschickt. Beim Lesen hat Mama wieder geweint. Ich habe gehört, wie Mama dann am Telefon erzählt hat, dass wir an einem anderen Ort wohnen sollen, in einem Haus, wo Mama nicht immer alleine sei mit mir. 9 Als wir das neue Haus anschauen gingen, war Mama ganz aufge-


regt. Ich auch. Am besten hat mir das Kinderzimmer gefallen mit den Fotos an der Wand. Der grosse Garten mit dem Riitiseili ist auch cool. Als wir im Esszimmer den riesigen Tisch mit den vielen Tellern sahen, hat Mama gelacht: «Das sieht ja aus wie bei Schneewittchen und den sieben Zwergen!» Zuerst war Mama nicht sicher, ob wir zusammen in dieses «Haus für Mutter und Kind» ziehen wollten. Doch jetzt wohnen wir schon drei Monate hier. An meinem Geburtstag haben sie für mich extra einen Mohrenkopfkuchen gemacht. Ich konnte alle eins-zwei-drei-VIER Kerzli zusammen ausblasen. Mama hat viele Gespräche. Sie ist nicht mehr immer müde und muss nicht mehr so viel weinen. Die alte Wohnung haben wir nicht mehr. Am Wochenende darf ich manchmal zu meiner Oma. Mama hat gesagt, dass sie am liebsten wieder im Altersheim arbeiten möchte. Sie will eine neue Wohnung finden und neue Möbel kaufen. Wenn Mama wieder arbeitet, darf ich noch mehr bei meiner Oma sein. Judihui! 10


Kinderwünsche

«Gerne hätte ich eine Mama und einen Papa, die mit mir Lego spielen.»

«Früher hat mein Mami mit mir Lieder gesungen, gelacht und gespielt. Jetzt hat sie dazu keine Energie, sagt sie. Deshalb wünsche ich mir ein Mami mit mehr Energie. Ein Mami, das mir jeden Abend eine tolle Gute-Nacht-Geschichte erzählt.» Cornelia

Carlo

«Einen Papa, der mit mir mit Stühlen eine Hütte baut.» Paul «Es wäre schön, wenn Mama und ich ohne Angst miteinander leben könnten.» Viola «Ich möchte im Sommer gerne im Meer baden wie meine Freundin.»

«Ich möchte meinen Papa wiedersehen.» Max Sandra

«Ich hätte gerne jemanden zum Kuscheln.» Lars «Mama sollte nicht immer so traurig sein.» Vitus

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«Ich wünsche mir eine Puppe, einen Puppenwagen – und eine Schwester, mit der ich spielen kann.» Saskia

«Ich wünsche mir, dass meine Mama mich wieder in die Arme nimmt.» Anna 11


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Ein Wechselbad der Gefühle Ja, es gibt Glücksmomente. Die Arbeit im «Haus für Mutter und Kind» ist anspruchsvoll. Hausleiterin und Teamfrauen müssen schwierige Botschaften überbringen, belastende Situationen aushalten. Doch es gibt auch Glücksmomente. Für Kinder, Mütter – und Teamfrauen. Die Kinder im «Haus für Mutter und Kind» haben kein einfaches Leben. Es gibt Mütter, die ihre Kinder vernachlässigen oder gar alleine zurücklassen; Mütter, die zum wiederholten Mal zu ihrem gewalttätigen Partner zurückkehren – und damit auch ihre Kinder in Gefahr bringen; Mütter, die ihre Kinder misshandeln. Die Teamfrauen – einige davon sind selbst Mütter – stossen in solchen Situationen zum Teil an Grenzen, fühlen sich ohnmächtig und traurig. Dagegen helfe der Austausch im Team, die Supervision, sagt eine. Andere tanzen, singen, treiben Sport, betätigen sich handwerklich. «Wenn wir für die Kinder gar nichts mehr tun können, geben wir ihnen gute Gedanken mit auf den Weg.»

In den allermeisten Situationen können sie jedoch sehr viel mehr tun: Sie versuchen, die Mutter-Kind-Beziehung zu fördern und zu stärken, sie wecken bei den Müttern das Interesse für ihre Kinder und die Liebe zu ihnen. «Manchmal macht es die ökonomische oder soziale Situation der Mutter unmöglich, dass sie in ihrem Leben einen Sinn sieht», sagt eine der Frauen, oft fehle schlicht und einfach die mütterliche Beziehung, der Mutterinstinkt. Immer wieder kommt es vor, dass Mutter und Kind für kurze oder längere Zeit getrennte Wege gehen müssen. Das kann für alle Beteiligten sehr belastend sein. «Wir sind dann auch traurig, doch wir müssen mit den Gefühlen von Ohnmacht und Traurigkeit umgehen können», sagen die Teamfrauen. Dann sei es wichtig, einander im Team Halt zu geben, aber auch der Mutter und ihrem Kind. Eine Gratwanderung zwischen Empathie und Abgrenzung, zwischen Mitfühlen und Mitleiden. Hausleiterin Rita Wandeler betont, dass es wichtig sei, den Kindern Belastendes nicht vorzuenthalten. «Wir muten den Kindern auch schwierige Situationen zu», sagt sie. Denn: «Schonen ist demüti-

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gend.» Zudem, so Wandeler, bekämen die Kinder die Emotionen ohnehin mit, auch wenn sie das Gesagte intellektuell nicht verstünden. «Wir sorgen jedoch dafür, dass es in Krisen und angespannten Situationen auch Augenblicke der Entspannung für die Kinder gibt. Und dass sie nicht den Eindruck bekommen, sie selbst hätten diese Emotionen – Wut, Trauer, Hoffnungslosigkeit – ausgelöst.» Regelmässig erleben die Teamfrauen im «Haus für Mutter und Kind», dass Kinder ihre eigenen Mechanismen entwickeln, mit Belastendem umzugehen: «Vor allem kleine Kinder schalten ab und schlafen tief und fest.»

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Das «Haus für Mutter und Kind»-Team erlebt die schwierigen Situationen der Frauen hautnah mit: Risikoschwangerschaften und Frühgeburten kommen häufig vor. Auf den Glücksmoment der Geburt folgt nicht selten eine triste Realität ohne Perspektive. «Nur wenige Kinder werden in ein tragfähiges soziales Netz hineingeboren, das Belastungen auffangen kann. Da ist es wichtig, den Kindern möglichst viele positive, stärkende und erfreuliche Erlebnisse mit auf den Weg geben zu können», sagt Rita Wandeler.


«Ohne euch hätte ich das alles nicht geschafft» – Rückmeldungen wie diese geben dem Team Kraft und Mut. Solche Aussagen bestätigen die Sinnhaftigkeit unseres Tuns. Gute Momente, in denen es gelingt, für Kinder und Mütter optimale Anschlusslösungen zu erarbeiten, motivieren sehr. Auch das erste Lächeln eines Kindes, seine ersten Schritte oder der erste Zahn sind Augenblicke der Freude. Wenn ehemalige Mütter zu Besuch kommen und uns erzählen, dass sie sich hier daheim gefühlt und hier den Mut gefunden hätten, ihr Leben neu zu gestalten und zu leben, sodass sie jetzt erfolgreich seien: Das sind die wahren Glücksmomente. Renate Metzger-Breitenfellner

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Eine Wunschliste für die Kinder

Im «Haus für Mutter und Kind» achten Sozialpädagoginnen, Pflegefachfrau, Kleinkinderzieherin und Praktikantinnen, Hausleiterin, Sozialarbeiterin und Sekretärin darauf, dass sich die Kinder ihrem Alter entsprechend entwickeln können und dass sie Liebe, Zuwendung und Aufmerksamkeit erhalten.

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In einem Gespräch formulieren die Teamfrauen, was für sie das Kindeswohl beinhaltet, und was sie den Kindern, die im «Haus für Mutter und Kind» leben, wünschen. Wir wünschen den Kindern … …, dass sie das «Zuhause auf Zeit» geniessen können. …, dass sie trotz ihrer instabilen Situation zur Ruhe kommen und Halt spüren. …, dass ihnen stets verlässliche Bezugspersonen zur Seite stehen. …, dass sie viel Positives mitnehmen und sich gerne an die Zeit im «Haus für Mutter und Kind» erinnern. … ein Zuhause, in dem sie sich wohl und verstanden fühlen, in dem sie gefördert, gestützt und in dem ihre Bedürfnisse gestillt werden. … Mütter, welche die Kinder begleiten und die Zeit im «Haus für Mutter und Kind» als echte Chance wahr- und annehmen können. … Eltern, die zu ihren Kindern stehen und ihnen Vertrauen schenken.


… viel liebevolle Zuwendung, damit sie den Mut entwickeln, die Welt voller Zuversicht zu entdecken. … Freunde, die mit ihnen Zeit teilen. … Menschen, die ihnen Zeit schenken für Geschichten. … «Gspänli», die sich für sie interessieren. … Beistände, welche die Kinder weiterhin respekt- und würdevoll behandeln. … ein ehrliches, forderndes und förderndes Gegenüber, das Grenzen setzen, erklären und deren Einhaltung bewirken kann. … Zeit und Raum, damit sie sich in ihrem eigenen Tempo entwickeln und neugierig die Welt entdecken und erforschen können. … Rückzugsorte, die Halt bieten. … gute Gedanken. …, dass sie die nötige Fürsorge erhalten.

…, dass sie lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und sich zu behaupten. …, dass sie in einer Gesellschaft leben dürfen, in der es Sinn macht, dazuzugehören. …, dass sie lernen, sich auf Schwierigkeiten einzustellen und diese zu akzeptieren ohne sich zu schämen. Und dazu ... ... neue Erfahrungen, kindgerechtes Spielzeug, eine kinderfreundliche Umgebung. Wir wünschen den Kindern im «Haus für Mutter und Kind» ein gutes Leben! Das Team vom «Haus für Mutter und Kind».

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Die Mitarbeiterinnen Team 2015 Rita Wandeler-With

Hausleiterin

Email wandeler.mukihaus@bluewin.ch

Dora Baumann-Suter

Sekretärin

Email baumann.mukihaus@bluewin.ch

Patricia Marfurt Bellotto

Sozialarbeiterin

Email marfurt.mukihaus@bluewin.ch

Ursi Heller Monika Nigg Beata Fuchs Regina Oetterli Lucia Bucher Esther Christen Eva Bacher Corina Delmenico Sabrina Mali Simona Matter Felizia Widmer 20

Email team.mukihaus@bluewin.ch

Sozialpädagogin Pflegefachfrau Sozialpädagogin Kleinkinderzieherin Sozialpädagogin Sozialpädagogin Praktikantin Uni LU bis Januar 2015 Vorpraktikantin ab Februar 2015 Praktikantin HSL bis März 2015 Praktikantin HSL April - September. 2015 Praktikantin HSL ab Oktober 2015


Ein grosses Dankeschön

Im vergangenen Jahr wohnten so viele Kinder im «Haus für Mutter und Kind» wie noch nie zuvor. Jede Begegnung mit ihnen lässt Erinnerungen zurück. Nebst traurigen Momenten sind es vor allem die schönen und lustigen Augenblicke, die nachwirken. Ich danke dem Team von Herzen für die Bereitschaft, die Kinder mit ihren Müttern auf ihrem Weg zu begleiten und sich mit ihnen immer wieder auf Neues einzulassen. Ein grosses Dankeschön richten wir an alle, die sich im Laufe der vergangenen Monate für das «Haus für Mutter und Kind» interessiert und engagiert haben: Nachbarn, freiwillige Mitarbeitende, Behördenmitglieder, Institutionen, Fachgremien, Privatpersonen, Mitglieder, Spenderinnen und Spender. Ihre Unterstützung – fachlich, finanziell und ideell – trägt massgeblich dazu bei, dass das «Haus für Mutter und Kind» funktioniert – zum Wohl der Kinder und ihrer Mütter. Vielen Dank, dass wir auch im kommenden Jahr auf Sie zählen dürfen! Rita Wandeler, Hausleiterin

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Mehr Kinder Statistik 2015

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Im Jahr 2015 wohnten 22 Kinder mit 17 Müttern im «Haus für Mutter und Kind». Im Vergleich zu den Vorjahren sind das bedeutend mehr Kinder. Gleichzeitig hat sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von sieben auf vier Monate verringert. Die Gründe für diesen Wandel sind unterschiedlich. Einerseits konnten schnell und effizient gute Anschlusslösungen für die Kinder und ihre Mütter gefunden und umgesetzt werden. In einzelnen Situationen konnten die Frauen ihre Aufgaben und die Verantwortung als Mütter nicht übernehmen, sodass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht möglich war.

derungen umzugehen. Wir erlebten, dass Kinder sehr wohl «wissen», wenn eine Entscheidung passend ist. Damit bringen sie uns Erwachsene immer wieder zum Staunen. Ich danke den Kindern herzlich dafür, dass sie uns mit ihren spontanen Reaktionen zeigen, dass es schön ist, auf der Welt zu sein. Die Mütter lernen durch ihre Kinder, dass Verantwortung, Neugier und Mut wichtig sind im Leben und die Hoffnung stärken.

Eine kurze Aufenthaltsdauer bedeutet besonders für die Kinder eine Herausforderung. Doch wenn die Bedingungen gut sind, entwickeln selbst die Kleinsten die Fähigkeit, sehr gelassen mit Verän-

Rita Wandeler, Hausleiterin

Dass das Zusammenleben im vergangenen Jahr so erfolgreich war, dazu haben alle beigetragen. Dafür ein herzliches Dankeschön.


Aufenthaltstage Kinder 300 250 200 2015

150

2014

100 50 0

2013 Jan

Feb

M채rz

April

Mai

Juni

Juli

Aug

Sept

Okt

Nov

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Aufenthaltstage M체tter 250 200 150

2015

100

2014

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2013 Jan

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April

Mai

Juni

Juli

Aug

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Okt

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Bilanz per 31. Dezember 2015

Kassen

Aktiven

Passiven

CHF

CHF

1'597.60

PostFinance

205'579.98

Guthaben bei Banken

648'294.55

Debitoren

60'192.57

Transitorische Aktiven

28'138.65

Wertschriften

170'452.50

Anlagekonto

132'592.20

Liegenschaft Hergiswil

1.00

Kreditoren

31'135.80

Transitorische Passiven

79'192.70

Rückstellung für Neuanschaffungen, Unterhalt, Reparaturen, Sicherheit

98'692.75

Spenden für Zimmer-, Fenster- und Heizungssanierung

60'000.00

Sozialfonds *)

146'204.95

Ausbildungsfonds für Mütter

20'775.60

Fonds für Kreatives

* Rund CHF 113'000.00 sind zweckgebunden für Personen mit Wohnsitz Verena Theiler oder Heimatrecht im Kanton Luzern.

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1'454.25

Betriebsfonds

450'000.00

Vereinsvermögen 1.1.2015

110'563.31

Ertragsüberschuss 2015

248'829.69 1'246'849.05

1'246'849.05


Betriebsrechnung «Haus für Mutter und Kind» Rechnung 2015

Betriebsrechnung Verein

Budget 2015

Rechnung 2015

CHF

CHF

Besoldungen

626'075.85

638'000.00

Defizit Haus für Mutter und Kind

Sozialversicherungen / übriger Personalaufwand

Sekretariat / Verwaltungsaufwand / Drucksachen / EDV / Werbeaktionen

137'973.70

158'000.00

Raumaufwand

30'423.25

33'000.00

Verwaltungsaufwand / EDV / Internet / Werbung

20'181.65

20'000.00

Verpflegungs- und Haushaltaufwand

37'336.25

37'000.00

Sachversicherungs- und übriger Betriebsaufwand Werbung Total Aufwand

6'951.90

6'000.00

10'666.90

10'000.00

869'609.50

902'000.00

Pensionsgelder

806'213.00

585'000.00

Defizit

-63'396.50

-317'000.00

Budget 2015

CHF

CHF

63'396.50

317'000.00

135'663.93

140'000.00

11'108.60

12'000.00

210'169.03

469'000.00

Mitglieder- und Gönnerbeiträge

23'560.00

25'000.00

Gemeinde- und Kirchgemeindebeiträge

36'310.00

38'000.00

Jubiläum Total Aufwand

Kirchenopfer

37'650.60

47'000.00

272'557.00

255'000.00

Geistige Blumenspenden

69'603.90

42'000.00

Glückwunschkarten / Jubiläen

11'495.00

6'000.00

Schenkungen / Spenden / Hilfsaktionen

Zinserträge / diverse Erträge Total Ertrag Ertrags-/Aufwandüberschuss des Vereins

7'822.22

5'000.00

458'998.72

418'000.00

248'829.69

-51'000.00

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Ein Meilenstein, ein neues Dach und Gerry… Dr. Peter Emmenegger, Präsident

2015 war ein intensives Jahr. Das Dach des «Haus für Mutter und Kind» wurde renoviert, an der Vereinsversammlung das neue Leitbild präsent i e r t und eine neue «Botschafterin» gefunden: Sie heisst Gerry und ist eine Giraffe. Der Verein hat den Schwung des Jubiläumsjahrs ins Jahr 2015 mitgenommen und erneut engagiert gearbeitet. Dafür möchte ich allen Beteiligten ganz herzlich danken: den Vorstandsmitgliedern, der Revisorin, den Revisoren, der Finanzkommission, den Teamfrauen und der Hausleiterin. Die Zahlen und Statistiken für 2015 zeigen einen guten Abschluss. Dies nicht zuletzt deshalb, weil Rita Wandeler und ihr Team in den letzten Jahren wertvolle Kontakte geknüpft und so ein tragfähiges Netzwerk aufgebaut haben. An der Vereinsversammlung 2015 durften wir das neue Leitbild des «Haus für Mutter und Kind» präsentieren. Dazu entstand im Sommer in Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Martin Langenegger der Kurzfilm «Das Haus für Mutter und Kind aus Giraffenaugen». Giraffe Gerry, das beliebte Stofftier, erzählt uns aus seiner Sicht, wie sie das «Haus für Mutter und Kind» erlebt. Als Botschafterin schenkt uns 26 Gerry einen interessanten Einblick in den Alltag der Mütter, Kinder

und Teamfrauen. Lassen Sie sich überraschen: Sie finden den Kurzfilm auf unserer Homepage www.mutterundkindhaus.ch. Mit grosser Freude haben wir kurz vor Weihnachten den positiven Entscheid des Regierungsrates des Kantons Nidwalden erhalten: Das «Haus für Mutter und Kind» in Hergiswil ist per 1. Januar 2016 dem Bereich A der I n terkantonalen Vereinbarung für soziale Einrichtungen (IVSE) unterstellt. Bereich A bezieht sich auf stationäre Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Diese Anerkennung ist für unsere Institution ein wichtiger, zukunftsgerichteter Meilenstein. Fristgerecht zum Jahresende konnte die Dachsanierung abgeschlossen werden. Wir sind froh, dass diese Bauetappe wiederum unfallfrei verlief und freuen uns über das gut isolierte und sturmsichere Dach. Die Finanzierung ist dank grosszügiger Projektbeiträge und vieler Spenden gesichert. Vielen Dank! Dr. Peter Emmenegger, Präsident


Trägerverein Vorstand Finanzkommission Jürg Balmer, Kastanienbaum, Präsident Alois Lustenberger, Luzern Markus Styger, Luzern

Revisoren Sandra Bründler, Hildisrieden Walter Ettlin, Hergiswil Pirmin Marbacher, Stans Dr. Peter Emmenegger, Buchrain Erika Stutz, Oberkirch Präsident Vizepräsidentin

Marta Sägesser, Eich

Vreni Theiler, Kriens

Jörg Arnold, Luzern

Ehrenpräsidentinnen Maria Boxler † Margrit Fischer-Willimann

Ruedi Meyer, Luzern

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Haus für Mutter und Kind Obkirche 2, 6052 Hergiswil Tel. 041 630 24 46 www.mutterundkindhaus.ch

Verein Haus für Mutter und Kind 6000 Luzern Spendenkonto PC 60-248 99-0 IBAN CH84 0900 0000 6002 4899 0

Der Verein Haus für Mutter und Kind bietet Frauen, die sich während einer Schwangerschaft oder nach der Geburt ihres Kindes in schwieriger Lebenslage befinden, ein Daheim auf Zeit an. Das Haus für Mutter und Kind ist konfessionell und politisch neutral und steht im Rahmen der Pflegekinderverordnung des Bundes unter Aufsicht des Kantons Nidwalden.

Haus für Mutter und Kind Jahresbericht 2015  
Haus für Mutter und Kind Jahresbericht 2015  

Der Jahresbericht 2015 widmet sich den Kindern im Haus.

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