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Konversion in Hessen

NEWSLETTER 11 Konversion in Fuldatal Der "Gewerbepark Fritz-Erler-Anlage" entsteht auf einer Teilfläche des Kasernenareals Militärische Konversion im Stadtumbau West Bericht von der Transferwerkstatt in Würzburg im Juli 2012 Projektbeispiele Konversion im Außenbereich Biogas-, Fotovoltaik- und Windenergieanlagen in einem ehemaligen Munitionsdepot: Bioenergiepark Saerbeck bei Münster (NRW) Konversion im Außenbereich Freiflächenfotovoltaikanlagen auf ehemaligen Militärflächen Bewältigung und Gestaltung von Konversionsprozessen Änderung des Gesetzes über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Veröffentlichungen Hilfestellungen, Förderungen und Verwertungsmodelle des Bundes Merkblatt zur Konversion Mehrere Leitfäden zum Umgang mit Konversionsflächen sind derzeit in Arbeit Veranstaltungen 4. Blauer Sonntag des Netzwerkes Industriekultur Nordhessen (nino) 7. Hessischer Fördertag der Wirtschafts- und Infrastrukturbank (WIBank) in Kassel

August 2012


Konversion in Hessen

Konversion in Fuldatal

Der "Gewerbepark Fritz-Erler-Anlage" entsteht auf einer Teilfläche des Kasernenareals Nach der Unterzeichnung eines Städtebaulichen Vertrags zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und der Gemeinde Fuldatal im Oktober 2011 läuft derzeit die Erschließung eines circa 42 Hektar umfassenden Teilstücks der ehemaligen Fritz-Erler-Kaserne, in dem sich die technischen Gebäude des damaligen Instandsetzungsbereichs befinden.

Schrägluftbild Fritz-Erler-Kaserne

Foto: Gemeinde Fuldtatal

Nachdem die Gemeinde für dieses Areal bereits einen Bebauungsplan erstellt hatte, regelt der Städtebauliche Vertrag nun die öffentliche Erschließung des „Gewerbeparks Fritz-Erler-Anlage“. Die Investitionssumme wird auf 5,9 Millionen Euro geschätzt, wovon rund 2,7 Mio. Euro aus Fördermitteln der EU aufgebracht werden. In einem zweiten Vertrag wurden die Ausgleichsflächen nach Naturschutz- und Forstrecht vereinbart. Zunächst hatte die BImA versucht, einen Investor für das gesamte Konversionsgelände zu finden, der sich in Eigenregie um eine Herrichtung und Entwicklung des Areals kümmern sollte. Aufgrund der komplizierten Erschließung der zentral versorgten Militäranlage konnte jedoch kein entsprechender Interessent gefunden werden.

Technischer Bereich Fritz-Erler-Kaserne

Fotos: HA Hessen Agentur GmbH Konversion in Hessen - Newsletter 11 - August 2012 2


Konversion in Hessen

Die Gemeinde Fuldatal hingegen hatte von Anfang an der kleinteiligen Vermarktung den Vorzug gegeben, welche nun umgesetzt werden kann. Bis 2013 sollen das Trinkwassernetz, das Kanalnetz und das Straßennetz erneuert bzw. hergerichtet werden. Nur ein geringer Teil des Netzes der ehemaligen Kaserne kann weiterhin verwendet werden. Im neu zu erschließenden Gewerbepark Fritz-Erler-Anlage hat bereits das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) ein neues Testzentrum gebaut. Dort werden u.a. neue Betriebsmittel und Betriebsverfahren für intelligente Nieder- und Mittelspannungsnetze entwickelt und getestet. Darüber hinaus untersucht das Institut die Netzintegration und Netzkopplung von Elektrofahrzeugen und deren Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien sowie Fotovoltaiksysteme, Windenergieanlagen, Speicher- und Hybridsysteme. Für den Aufbau von Anlagen bietet das acht Hektar große Freigelände, das außerhalb des Gewerbeparks liegt und für das derzeit ein B-Plan aufgestellt wird, genügend Platz mit sehr guten Bedingungen für Solar- und Windenergie. Gleich nebenan - außerhalb dieses Areals - liegt die vor einigen Jahren auf knapp 50 Hektar errichtete FotovoltaikFreiflächenanlage eines privaten Unternehmens. Sie wurde in der Zwischenzeit auf eine Gesamtleistung von 23 Megawatt erweitert, was einer Stromversorgung von etwa 6.700 Haushalten entspricht. Technischer Bereich Fritz-Erler-Kaserne Fotos: HA Hessen Agentur GmbH

Die Konversionsfläche der Fritz-Erler-Kaserne umfasst insgesamt rund 160 Hektar und über 54 Gebäude. Im neuen Gewerbepark Fritz-Erler-Anlage wurden bereits 6,3 Hektar Fläche vermarktet. In einem ersten Bauabschnitt konnte die Wasserversorgung 2012 komplett hergestellt werden, in einem zweiten Bauabschnitt folgen 2012 noch der Straßenausbau und die Herstellung der Abwasseranlagen. Bisher haben sich im Gewerbepark Handwerksbetriebe aus dem Kfz-Gewerbe, aus dem Baugewerbe, aus dem Bereich Gartenbau sowie weitere Betriebe aus dem Bereich regenerative Energien (Solar- und Brennholznutzung) angesiedelt.

Gebäude des Fraunhofer Instituts Foto: Fraunhofer Iwes

Weitere Informationen: Bürgermeisterin Annegret Werderich, Tel: 0561 9818-119, info@fuldatal.de Armin Reiting, Bauamtsleiter Gemeinde Fuldatal, Tel: 0561 9818-145, armin.reiting@fuldatal.de

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Konversion in Hessen Militärische Konversion im Stadtumbau West

Bericht von der Transferwerkstatt in Würzburg im Juli 2012 Projektbeispiele

Maßnahmen zur Vorbereitung und Durchführung städtebaulicher Neuordnungen von Militärbrachen werden vielfach im Rahmen der Städtebauförderung, u.a. im Programm Stadtumbau West, durchgeführt. Die Transferwerkstatt des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), die am 19. Juli 2012 in Würzburg stattfand, hat dieses Thema aufgegriffen und eine ganze Reihe von Konversionsprojekten vorgestellt. Dabei zeigte sich wieder einmal, wie unterschiedlich die Organisation des Konversionsprozesses und die Realisierung der Projekte erfolgen können, insbesondere bezogen auf die Frage des Erwerbs der Liegenschaften.

Entwicklung von Stadtquartieren In Würzburg sammelt man schon seit vielen Jahren Erfahrungen mit der Revitalisierung militärischer Liegenschaften, derzeit mit der Konversion der 135 Hektar umfassenden ehemaligen Leighton Barracks. Hier entsteht der neue Würzburger Stadtteil Hubland, in dem u.a. die Universität Würzburg den knapp 40 Hektar großen neuen "Campus HublandNord" entwickelt. Zu diesem Zweck hat der Freistaat Bayern bereits das entsprechende Teilstück erworben.

Luftbild Leighton-Barracks Würzburg Foto: Stadt Würzburg

Weitere Informationen: www.wuerzburg.de/de/themen/bauen-wohnen/planen/stadtentwicklung/konversionverfahrenleightonbarracks/ Kontakt: konversion@stadt.wuerzburg.de, Tel: 0931 372280

In Bad Kreuznach werden auf Konversionsflächen, die zentral und fußläufig zur Innenstadt liegen, und insgesamt rund 150 Hektar umfassen, drei neue Wohnviertel sowie ein Gewerbepark als Dienstleistungszentrum entstehen. Planung, Erschließung und Vermarktung werden von der Bad Kreuznacher Entwicklungsgesellschaft mbH (BKEG) durchgeführt, die insgesamt fünf ehemalige Liegenschaften der US-Streitkräfte vom Bund erworben hat. Die Gesellschaft wurde als Tochter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW Immobilien GmbH) gegründet. Weitere Gesellschafter sind die Gesellschaft für Beteiligungen und Parken Bad Kreuznach mbH (BGK), welche eine städtische Gesellschaft ist, sowie die Sparkasse Rhein-Nahe. Gewerbepark General Rose Foto: BKEG

Weitere Informationen: www.bkeg.de, Geschäftsführer Jürgen Katz, Tel: 0671 7961420, info@bkeg.de Konversion in Hessen - Newsletter 11 - August 2012 4


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Entwicklung von Gewerbe- und Dienstleistungsflächen In der Gemeinde Lauda-Königshofen (BadenWürttemberg) werden der i_PARK Klingholz und der i_PARK Tauberfranken als attraktive Büro-und Gewerbestandorte für innovative Unternehmen durch eine mehrheitlich private Projektentwicklungsgesellschaft (i_PARK GmbH & Co.KG) entwickelt, an der allerdings auch die öffentliche Hand beteiligt ist. Beide i_PARKS bieten Büro- und Verwaltungsflächen sowie Lager- und Konstruktionsflächen für gewerbliche Kunden verschiedenster Größe zur Miete an. Weitere Informationen: www.i-park.de, Tel: 09334 993793 oder tobias.blessing@lauda-koenigshofen.de, Tel: 09343 501-150

Fotos: i-PARK

In Leipheim (Bayern) erfolgt derzeit die Nachnutzung des rund 260 Hektar großen Fliegerhorstes zum interkommunalen Gewerbegebiet. Die Entwicklung und Vermarktung wird vom Zweckverband Interkommunales Gewerbegebiet Landkreis Günzburg (ZIGG) durchgeführt, an dem die drei Kommunen Leipheim, Günzburg und Bubesheim sowie der Landkreis beteiligt sind. Der Zweckverband hat die Liegenschaften vom Bund erworben. Eines der Grundstücke soll Standort für ein modernes Gasund Dampfturbinenkraftwerk mit einer Leistung von bis zu 1.200 Megawatt werden. Weitere Informationen: www.zigg.landkreis-guenzburg.de GL Christian Zimmermann, Landkreis Günzburg, Tel: 08221 95327

Schrägluftbild Fliegerhorst Leipheim Quelle: www.bwsfg-leipheim.de

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Konversion in Hessen

In Stolberg (Nordrhein-Westfalen) entwickelt die Projektgesellschaft Camp Astrid GmbH & Co. KG, eine 100%ge Tochter und gleichzeitig Entwicklungstreuhänder der Stadt, das ehemalige Camp Astrid als Gewerbegebiet für ca. 100 mittelständische Unternehmen. Das Plangebiet umfasst rund 37 Hektar, abzüglich der Grün- und Verkehrsflächen verbleiben circa 23 Hektar Gewerbeflächen zur Vermarktung. Weitere Informationen: www.campastrid.de Geschäftsführer Rolf Wendert, Tel: 02402 76683-11, wendert@campastrid.de Stadt Stolberg, Abteilung für Wirtschaftsförderung, Kultur und Events, andreas.pickhardt@stolberg.de, Tel: 02402 13-441

Camp Astrid Stolberg Fotos: www.sustainableindustrialsites.eu/de/3html

Entwicklung eines Freizeitparks In Fürstenau (Niedersachsen), nahe der holländischen Grenze, wird bis 2015 ein im Außenbereich gelegenes, 400 Hektar großes, ehemaliges Übungsgelände der Bundeswehr (Pommern-Kaserne) von privaten niederländischen Investoren zum größten Outdoor-Freizeitgelände Europas mit Hotel und Ferienwohnungen, dem so genannten „Fürsten Forest“, entwickelt. Neben einem umfangreichen Unterhaltungsangebot sehen die Planungen u. a. Angebote für Wellness, einen Golfplatz, Auto-, Motor- und Pferdesport vor. Der erste Bauabschnitt wurde 2010 eröffnet. Weitere Informationen: www.furstenforest.de

Fürsten Forest Foto: Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ)

Samtgemeinde Fürstenau, Stadtdirektor Peter Selter, selter@fuerstenau.de, Tel: 05901 932045 Konversion in Hessen - Newsletter 11 - August 2012 6


Konversion in Hessen

Konversion im Außenbereich

Biogas-, Fotovoltaik- und Windenergieanlagen in einem ehemaligen Munitionsdepot: Bioenergiepark Saerbeck bei Münster (Nordrhein-Westfalen) Im ehemaligen insgesamt rund 90 Hektar umfassenden Bundeswehr-Munitionsdepot im Münsterland entsteht der „Bioenergiepark Saerbeck". Neben den bereits vorhandenen Biogasanlagen sind im Bioenergiepark Saerbeck sieben Windräder in Planung und eine auf Bunkeranlagen errichtete Solaranlage ist kürzlich ans Netz gegangen. Für den Solarpark wurden die einstigen Lagerräume für Munition, die wie große Erdwälle wirken, zunächst mit filigranen Aluminiumgerippen, die auf Betonfundamenten ruhen, überzogen. Auf ihnen wiederum wurden die Fotovoltaikmodule angebracht. Fast 24.000 dieser Module werden mehr als fünf Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr für rechnerisch rund 1.500 Haushalte liefern. Die Gemeinde Saerbeck hatte die für die Anlage benötigte Teilfläche von 20 Hektar vom Bund erworben, verpachtet sie an die Betreibergesellschaft SaerPVBioenergieGmbH und Co KG und erzielt so jährliche Pachteinnahmen. Die Bürger können sich über ein Genossenschaftsmodell an dem Solarkraftwerk beteiligen, wobei diese Bürgergenossenschaft einen Anteil von 65 Prozent an der GmbH und Co KG hat. Welche effektiven Gewinne die GmbH machen wird, wird sich hier jedoch erst nach 20 Jahren herausstellen.

Bioenergiepark Saerbeck Nutzungsplan Foto: Gemeinde Saerbeck, www.saerbeck.de

Nach Informationen des hessischen Städte- und Gemeindebundes gibt es in Hessen derzeit circa 40 bis 50 Genossenschaften zur Erzeugung erneuerbarer Energien, bundesweit circa 700. Durch die Novellierung der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) Endes 2011 ist es den Kommunen nun möglich, sich zu maximal 50 Prozent an derartigen Genossenschaften zu beteiligen und so in begrenzter Trägerschaft Energieerzeugungsanlagen wirtschaftlich zu betreiben. Die andere Hälfte muss dann von Dritten aufgebracht werden. Dies können z.B. gewerbliche Unternehmen, Banken, private lnvestoren oder einzelne Bürger sein.

Weitere Informationen: www.klimakommune-saerbeck.de (Rubrik Handlungsfelder) sowie Hessische Gemeindeordnung (HGO), § 121 Wirtschaftliche Betätigung, in der Fassung der Bekanntmachung vom 7. März 2005, zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 16. Dezember 2011 (GVBl. I S. 786) Montage eines Traggerüsts auf Bunkern Foto: Westfälische Nachrichten, Artikel vom 30.5.2012

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Konversion in Hessen

Konversion im Außenbereich

Freiflächen-Fotovoltaikanlagen auf ehemaligen Militärflächen Auch in Hessen existieren im Außenbereich eine Reihe von Brachflächen, z.B. aufgelassene Produktionsbetriebe, ehemalige Deponien oder aber aufgelassene militärische Liegenschaften (Konversionsflächen), deren Eignung als Standort für Freiflächen-Fotovoltaikanlagen häufig diskutiert wird. Diese Konversionsflächen im Außenbereich zeichnen sich teilweise durch sehr spezifische Standortbedingungen aus, d.h. nicht nur durch ihre Außenbereichslage im Wald selbst, sondern meist auch durch eine Anbindung an das Straßennetz und durch sehr spezielle Bauwerke wie Bunker etc. Diese Standorteigenschaften können u.U. eine Nutzung für Freiflächen-Fotovoltaikanlagen begünstigen. Gemäß Baugesetzbuch (BauGB) sind im Außenbereich vornehmlich so genannte privilegierte Vorhaben, z.B. Vorhaben oder Bauwerke im Zusammenhang mit der Landwirtschaft zulässig. Freiflächen-Fotovoltaikanlagen sind jedoch per se keine privilegierten Vorhaben. Die Nutzung von Konversionsflächen im Außenbereich für Freiflächen-Fotovoltaikanlagen sollte daher möglichst nur bei entsprechender Versiegelung bzw. Beeinträchtigung des Standorts und bei gleichzeitig vorhandener Erschließung in Erwägung gezogen werden. Munitionsdepot Ransel / Lorch am Rhein Foto: Stadt Lorch am Rhein

Zugang Depot Hainhaus (Odenwald) Foto: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung

Die Überprüfung der ehemals militärisch genutzten Flächen im Außenbereich im Hinblick auf ihre Nutzungseignung für Freiflächen-Fotovoltaikanlagen erfordert grundsätzlich eine Einzelfallbetrachtung. Topografische und bauliche Besonderheiten, Artenvorkommen, Naturschutzwürdigkeit oder zugrunde liegende Verträge etc. sind an jedem Standort unterschiedlich. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei generell auf die Vereinbarkeit der geplanten Folgenutzung „Solarpark“ mit den Belangen des Natur- und Landschaftsschutzes gelegt werden. Die Überprüfung einzelner Standorte sollte möglichst auch vor dem Hintergrund der regionalen Energiekonzepte erfolgen, welche auf Ebene der Regierungsbezirke bzw. auf Landesebene erstellt und abgestimmt werden und in den Landesentwicklungsplan eingehen. In diesem Prüfungsprozess fungieren die Regierungspräsidien als Schnittstelle. Freiflächen-Fotovoltaikanlagen können nur auf der Grundlage von rechtskräftigen Bebauungsplänen genehmigt werden. Darüber hinaus sind Städtebauliche Verträge ein geeignetes Instrument, um insbesondere die Nutzungsdauer, aber auch Rückbauverpflichtungen oder Kostenübernahmen zwischen Kommune und Investor zu vereinbaren.

Die Überprüfung der Standorteignung im Sinne des Planungsrechts, des Naturschutz- und Artenschutzrechts durch die Genehmigungsbehörden erfolgt völlig unabhängig von der Einschätzung der Netzbetreiber bzw. der Clearingstelle EEG, ob es sich um eine Konversionsfläche im Sinne des Energieeinspeisungsgesetzes (EEG) handelt. Als wichtigstes Kriterium, das eine „Konversionsfläche“ im Sinne des EEG kennzeichnet, sieht die Clearingstelle den Umstand, dass „der ökologische Wert der Fläche infolge der ursprünglichen wirtschaftlichen oder militärischen Nutzung schwerwiegend beeinträchtigt ist“. Dies kann z.B. aufgrund von Altlasten oder schädlichen Bodenveränderungen der Fall sein. Maßgeblich ist laut Clearingstelle EEG, ob sich der ökologische Wert der Fläche aufgrund der spezifischen Vornutzung schlechter darstellt als vor dieser bzw. ohne diese Nutzung. Dabei ist der Zustand sämtlicher Schutzgüter der Umwelt relevant. Was genau unter einer Konversionsfläche im Sinne des EEG zu verstehen ist und, ob der Grad der Versiegelung eine Rolle spielt oder die anthropogene Überformung ein Indiz ist, dazu kann die Empfehlung der Clearingstelle EEG weiteren Aufschluss geben. Weitere Informationen: www.clearingstelle-eeg.de/empfv/2010/2 Konversion in Hessen - Newsletter 11 - August 2012 8


Konversion in Hessen

Bewältigung und Gestaltung von Konversionsprozessen

Änderung des Gesetzes über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Die Regierungschefs der Länder hatten auf ihrer Sitzung am 15. Dezember 2011 in Berlin gefordert, dass § 1 des Gesetzes über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) durch eine Öffnungsklausel ergänzt wird, die die Berücksichtigung strukturpolitischer Ziele des Bundes, der Länder und der Kommunen bei der Verwertung ehemaliger Militärflächen ausdrücklich ermöglicht. Nach ihrer Auffassung reiche der Verweis des Bundes auf die bestehenden Förderprogramme bei weitem nicht aus, um zu einer angemessenen Flankierung der mit dem Stationierungskonzept der Bundeswehr verbundenen Auswirkungen beizutragen. Insbesondere die strukturschwachen Regionen der Bundesrepublik seien bei der Bewältigung und Gestaltung der Konversionsprozesse vor schwierige Aufgaben gestellt. Eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung der Liegenschaften sei jedoch, dass die Vermarktung der Liegenschaften durch die BImA nicht ausschließlich betriebswirtschaftlichen oder fiskalischen Parametern folge. Vielmehr müsse die BImA eine den kommunalen und regionalen Zielvorstellungen entsprechende Nachnutzung auch dann ermöglichen können, wenn diese nicht zum "vollen Wert" realisiert werden könne oder ein positiver wirtschaftlicher Ertrag überhaupt nicht zu erzielen sei. Nach der bisher geltenden Rechtslage hatte sich die BImA bei der Verwaltung und Verwertung der Liegenschaften an kaufmännischen Grundsätzen zu orientieren und nicht betriebsnotwendiges Vermögen wirtschaftlich zu veräußern. Nach Auffassung der Regierungschefs bedürfe es daher einer Rechtsgrundlage, welche die Möglichkeit eröffne, mit den Erträgen aus Konversionsprojekten in starken Regionalmärkten auch ertragsschwache Konversionslösungen zu unterstützen. Eine im Sinne der nachhaltigen Regionalentwicklung umgesetzte Konversion dürfe nicht ausschließlich auf die wichtige Option der wirtschaftlichen Ansiedlung verengt sein, vielmehr müsse die zivile Nachnutzung – insbesondere außerhalb der bebauten Ortslagen – zur Schaffung oder Ergänzung von Bereichen für den Landschafts- und Naturschutz, für die regenerative Energiegewinnung oder für Ausgleichsmaßnahmen möglich sein. Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am 15.06.2012 die Einbringung des entsprechenden Gesetzentwurfs beim Deutschen Bundestag beschlossen. Der Gesetzentwurf wird nun zunächst der Bundesregierung zugeleitet, die ihn innerhalb von sechs Wochen an den Deutschen Bundestag übermittelt und dabei ihre Auffassung darlegt. Das Gesetz über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben1 soll danach folgendermaßen geändert werden: In § 1 Absatz 1 wird nach Satz 5 folgender Satz eingefügt: "Bei der Verwaltung und Verwertung ehemals militärisch genutzter Liegenschaften hat sie gleichrangig sicherzustellen, dass die strukturpolitischen Ziele des Bundes, der Länder und der Kommunen im Sinne einer nachhaltigen Regionalentwicklung berücksichtigt werden." Das Gesetz tritt am Tag der Verkündung in Kraft. Gesetzestext zum download: www.bundesrat.de/SharedDocs/Drucksachen/2012/0201-300/227-12_28B_29,templateId=raw,property=publi cationFile.pdf/227-12(B).pdf

1 Gesetz über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben vom 9. Dezember 2004 (BGBl. I S. 3235), zuletzt geändert durch Artikel 15 Absatz 83 des Gesetzes vom 5. Februar 2009 (BGBl. I S. 160)

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Konversion in Hessen Veröffentlichungen Hilfestellungen, Förderungen und Verwertungsmodelle des Bundes Merkblatt zur Konversion Im Mai 2012 veröffentlichten das Bundesministerium der Verteidigung (BMVG) und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) das Merkblatt zur Konversion, in dem u.a. auf Folgendes hingewiesen wird: Die BImA beteiligt sich an städteplanerischen Voruntersuchungen bis hin zur Bauleitplanung und an einzelnen Stadtentwicklungsmaßnahmen. Ein wirtschaftliches Ergebnis der Entwicklung wird dabei vorausgesetzt. Die BImA räumt Gebietskörperschaften sowie privatrechtlichen Gesellschaften, Unternehmen, Stiftungen und Anstalten, an denen Gebietskörperschaften mehrheitlich beteiligt sind, eine so genannte Erstzugriffsoption innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten nach Unterrichtung der Kommune über die Freigabe ein. Die Veräußerung erfolgt dann zum vollen Wert im Sinne der Bundeshaushaltsordnung. Der Wert wird durch einen unabhängigen Gutachter ermittelt. Ergänzend werden weitere Verwertungsmodell erläutert. Das Merkblatt steht als pdf zum download zur Verfügung unter: www.hessen-agentur.de/konversion

Mehrere Leitfäden zum Umgang mit Konversionsflächen sind derzeit in Arbeit 1. Im Rahmen des Forschungsvorhabens „Bewältigung struktureller Leerstandsprobleme aufgrund militärischer Konversion“ ist u.a. die Erarbeitung eines Ratgebers Konversion für Kommunen auf der Basis der Auswertung kommunaler Praxis geplant, der im Frühjahr 2013 erscheinen soll.

Weitere Informationen: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), www.staedtebaufoerderung.info, evi.goderbauer@bbr.bund.de; www.forum-bremen.info

2. Arbeitshilfe zu den rechtlichen, planerischen und finanziellen Aspekten der Konversion militärischer Liegenschaften („Arbeitshilfe Konversion“)

Die Projektgruppe „Konversion und Stadtentwicklung“ der Fachkommission Städtebau der Bauministekonferenz der Länder (ARGEBAU) hatte diese nützliche Arbeitshilfe zu den recht-lichen, planerischen und finanziellen Aspekten der Konversion militärischer Liegen¬schaften im Jahr 2002 entwickelt und wird sie nun bis zum Frühjahr 2013 überarbeiten und aktualisieren. In der Projektgruppe wirken voraussicht lich Vertreter von sieben Bundesländern mit.

Die Arbeitshilfe aus dem Jahr 2002 finden Sie unter: www.hessen-agentur.de/konversion

3. Die Oberste Baubehörde des Freistaates Bayern plant ebenfalls einen Leitfaden zur Konversion, der Ende 2012 erscheinen soll.

Weitere Informationen: Oberste Baubehörde des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, christine.schweiger@stmi.bayern.de

Konversion in Hessen - Newsletter 11 - August 2012 10


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TAGE DER INDUSTRIEKULTUR

Veranstaltungen 4. Blauer Sonntag des Netzwerks Industriekultur Nordhessen (nino) Unternehmen bzw. Einrichtungen auf Konversionsflächen in Fuldatal und Wolfhagen laden zur Besichtigung ein.

Führungen Ausstellungen Events Wanderungen Vorführungen Werkbesichtigungen Kinderprogramm

Im Rahmen des 4. Blauen Sonntags der Industriekultur, der in diesem Jahr das Thema Energie von der Geschichte der Energienutzung bis hin zu innovativen Lösungen für die Zukunft beleuchtet, können am Freitag, den 24. August 2012 bzw. am Sonntag, den 26. August 2012 die Fotovoltaikanlage und das Testzentrum des Fraunhofer-Instituts auf der ehemaligen Fritz-Erler-Kaserne in Fuldatal besichtigt werden.

24. + 26. August 2012

Darüber hinaus öffnet die Herwig-Blankertz-Berufsschule auf der ehemaligen Pommernkaserne in Wolfhagen ihre Pforten. 2007-2009 wurde hier ein Teilbereich der Kaserne zum Hessen-Campus umgebaut, dessen Kernstück eine rund 160 Meter lange Panzerhalle ist, in die pavillonartig Klassenräume eingestellt wurden. Das Dach wurde unter Beibehaltung der vorhandenen Tragstruktur als lichtdurchlässiges Fotovoltaikdach ausgebildet. Die rund 4.000 qm große Dachfläche liefert jedes Jahr rund 142.000 kWh, die ins allgemeine Stromnetz eingespeist werden. (Ausführlicher Bericht siehe Newsletter 5)

Das Gesamtprogramm des 4. Blauen Sonntags der Industriekultur und Näheres zur Anmeldung unter: www.blauer-sonntag.de

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7. Hessischer Fördertag der Wirtschafts- und Infrastrukturbank (WI-Bank) am 10. September 2012 in Kassel Der Fördertag 2012 findet am 10. September im Kongress Palais in Kassel statt. Er steht dieses Jahr ganz im Zeichen der zukünftigen Entwicklung von Städten und ländlichen Räumen und befasst sich mit Themen wie kommunale Finanzen, Mobilität, Kunst und Kultur sowie Wohnraumgestaltung. Gäste und Fachleute diskutieren auf Einladung der Wirtschafts- und Infrastrukturbank unterschiedliche Aspekte dieser Themen, darüber hinaus wird über aktuelle Fördermöglichkeiten informiert. Neben dem Hessischen Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Herrn Dr. Rentsch, werden die Landesbank HessenThüringen, das Deutsche Institut für Urbanistik, das Karl-Bräuer-Institut des Bundes der Steuerzahler e. V., die Kasseler Sparkasse, die Stadt Kassel, der Nordhessische Verkehrsverbund, die Nachrichtenmeisterei – Raum für Kreative sowie [an]docken, (beide Kassel) u.v.a. vertreten sein. Ausführliches Programm und Anmeldung unter: www.wibank.de/de/Termine/Veranstaltungen/Hessischer-Foerdertag

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Konversion in Hessen

Ansprechpartner Konversion in Hessen

Strukturpolitische Grundsatzfragen bei Konversionsmaßnahmen: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung Heike Basse T: 0611 815-2276

heike.basse@hmwvl.hessen.de

Bearbeitung der Förderanträge zu Konversionsmaßnahmen: Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen, Niederlassung Kassel Petra Eichelmann (RB Darmstadt) T: 0561 706-7729 petra.eichelmann@wibank.de Stefanie Maurer (RB Kassel) T: 0561 706-7719 stefanie.maurer@wibank.de Jürgen Helms (RB Gießen) T: 0561 706-7714 juergen.helms@wibank.de

Inhaltliche Beratung und Information zu Konversionsprozessen: HA Hessen Agentur GmbH Susanne Piesk, Christoph Grass T: 0611 95017-8364 susanne.piesk@hessen-agentur.de T: 0611 95017-8723 christoph.grass@hessen-agentur.de

Planungs- und genehmigungsrechtliche Fragestellungen, Arbeitskreise Konversion: Regierungspräsidium Darmstadt Bernd Hartz T: 06151 12-8938 bernd.hartz@rpda.hessen.de Regierungspräsidium Kassel Susanne Linnenweber T: 0561 106-3126 susanne.linnenweber@rpks.hessen.de Regierungspräsidium Gießen Antje te Molder, Simone Philippi T: 0641 303-2410 antje.temolder@rpgi.hessen.de T: 0641 303-2418 simone.philippi@rpgi.hessen.de

Konversion in Hessen Herausgeber und Redaktion: HA Hessen Agentur GmbH Abraham-Lincoln-Straße 38-42 65189 Wiesbaden www.hessen-agentur.de

Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung Kaiser-Friedrich-Ring 75 65185 Wiesbaden www.wirtschaft.hessen.de


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