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Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung www.hessen-biotech.de

Hessen-Biotech NEWS InnovationsForum „Personalisierte Medizin“ Neues aus dem Cluster Integrierte Bioindustrie Frankfurt Blockbuster in Sicht – Zedira entwickelt Medikament gegen Glutenunverträglichkeit Förderinitiative im Fokus – Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) Krankmachende Signale im Visier – Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim Fine-Tuning im Auge – Marburger Wissenschaftler arbeiten an Revolutionierung der Behandlung des Grauen Stars Neue Beratungshotline für gewerbliche Fördermittel

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Liebe Leserinnen und Leser, innovative Ideen im Bereich der Life Sciences stellen ein bedeutendes wirtschaftliches und ökologisches Potenzial dar, das es auch in Zukunft weiter zu entwickeln und zu fördern gilt. Sowohl das Land Hessen als auch der Bund bieten hessischen Unternehmen eine Reihe von Förderprogrammen und Unterstützungsinstrumenten an. Die Investorenkonferenz Weiße Biotechnologie der Clusterinitiative Integrierte Biotechnologie – CIB Frankfurt, die im Mai stattfand, ist ein Beispiel dafür. Vor Investoren und Finanzexperten präsentierten Unternehmen ihre Geschäftsmodelle und nutzten damit die Möglichkeit, Kontakte zur Finanzierung ihrer Innovationen zu knüpfen. Die Investorenkonferenz hat noch einmal verdeutlicht, dass sich die Biotechnologie-Branche im Aufwind befindet und es zahlreiche Gründe gibt, sich gerade jetzt intensiv mit dieser Zukunftsbranche auseinanderzusetzen. Darüber hinaus bieten verschiedene Förderprogramme hessischen Unternehmen die Möglichkeit, ihre Innovationsvorhaben zu realisieren. Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie beispielsweise gewährt kleinen und mittleren Unternehmen Zuschüsse zur Finanzierung zukunftsweisender Forschungsprojekte.

INHALT

Auch mit Hilfe der Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz – kurz LOEWE lässt sich die Entwicklung innovativer Pro-

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1.

Hessen-Biotech aktuell Zielgerichtet, maßgeschneidert, personalisiert: die Medizin der Zukunft 3

jekte realisieren. So arbeitet mit Hilfe der LOEWEFörderung die Actiol GmbH, eine Ausgründung aus der Phillips-Universität Marburg als Konsortialführer an der Entwicklung einer speziellen künstlichen Augenlinse, die die Behandlung des Grauen Stars revolutionieren soll. Ein hochinteressantes biotechnologisches Innovationsvorhaben aus Hessen kommt von der Zedira GmbH. Unterstützt durch die FuE-Verbundprojektförderung des Hessischen Wirtschaftsministeriums als auch gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, entwickelt das Darmstädter Unternehmen einen Wirkstoff zur Therapie von Glutenunverträglichkeit, der die vielen betroffenen Patienten von einer quälenden Diät befreien soll. Die beiden Beispiele aus der Förderpraxis zeigen, welche Möglichkeiten sich gerade jetzt bieten, um die Entwicklung technologieorientierter Innovationen voranzutreiben. Kompetente Beratung über öffentliche Förderangebote erhalten Sie jetzt auch durch unsere neue Beratungshotline. Ich möchte Sie einladen, sich über die Fördermöglichkeiten zu informieren und die vielseitigen Angebote der Aktionslinie Hessen-Biotech zu nutzen.

Dieter Posch Hessischer Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung

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Wissenschaft im Porträt Krankmachende Signale im Visier

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Wirtschaft im Porträt Blockbuster in Sicht

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Hessen International Japan-Delegation anlässlich der BioJapan 2009

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Aktuelles Projekt des Clusters CIB Frankfurt 7

Fördermöglichkeiten für Kooperationsprojekte mit europäischen Partnern

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Science4Life Jetzt erst recht!

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Internationaler Partnering Event auf der BIOTECHNICA 2009

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Hessen Mix

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Förderinitiative im Fokus Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)

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Aktuelle Ausschreibungen

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Aufbruchstimmung auf der ACHEMA 2009 4

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Rückblick BIO 2009

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Neues aus dem Cluster „Integrierte Bioindustrie Frankfurt“ Gute Zeiten für die Weiße Biotechnologie

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Hessen-Biotech NEWS 2/2009

10. Bio Future Fine-Tuning im Auge

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11. Nachrichten aus der Wirtschaft

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12. Nachrichten aus der Wissenschaft

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Broschürenbestellung/Faxformular

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Termine/Impressum

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Hessen-Biotech aktuell

Zielgerichtet, maßgeschneidert, personalisiert: die Medizin der Zukunft InnovationsForum „Personalisierte Medizin – wirtschaftliche Chancen der Gendiagnostik“ Forscher finden immer häufiger Zusammenhänge zwischen der Wirksamkeit eines Medikaments und bestimmten Genen der Patienten. Dies zeigt, dass pharmakogenetische Unterschiede in der zukünftigen Arzneimitteltherapie vermehrt berücksichtigt werden müssen, um das Therapiepotenzial der verfügbaren und neuen Arzneimittel optimal zu nutzen und den Weg zur personalisierten Medizin zum Wohle der Patienten weiter zu entwickeln. Um die Chancen dieser neuen Form der ‚Medizin nach Maß’ nutzbar zu machen, bedarf es einer interdisziplinären Herangehensweise und eines Umdenkens im gesamten Gesundheitssystem. Neue Geschäftsmodelle, Anpassung von Regularien und innovative Partnering-Strategien sind wichtige Voraussetzungen für die Realisierung der wirtschaftlichen Potenziale der personalisierten Medizin. Doch wer bezahlt die Entwicklung maßgeschneiderter Medikamente? Wo liegen die wirtschaftlichen Vor- und Nachteile der personalisierten Medizin und wie wirkt sich das Gendiagnostikgesetz auf die Entwicklung der Medizin nach Maß aus?

Vorträge

> Die Bedeutung der personalisierten Medizin in Deutschland Professor Theo Dingermann, Hessischer Biotechnologie-Beauftragter

> „Prädiktive Gendiagnostik als Zukunftsmarkt – Chancen und Herausforderungen der personalisierten Medizin“ Professorin Daniela Steinberger, biologis GmbH

> „Innovationen in der Arzneimittelentwicklung durch Gendiagnostik – Rolle und Betätigungsfeld von „Big Pharma“ Dr. Andreas Koehler, Boehringer Ingelheim

> „Individualisierte Behandlungsmethoden durch Gendiagnostik: eine Chance für alle oder wenige?“ Professor Ivar Roots, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte

Diese und weitere Fragen werden im Rahmen der Veranstaltung „Personalisierte Medizin – wirtschaftliche Chancen der Gendiagnostik“ am 16. September 2009 im FIZ – Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie diskutiert. Die Gemeinschaftsveranstaltung der Aktionslinie Hessen-Biotech, der Frankfurt Biotech Alliance sowie der Gesundheitswirtschaft Rhein-Main richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus der pharmazeutischen Industrie, der Biotechnologie, der Forschung und Entwicklung, der Genetik und Diagnostik sowie an Laborbetriebe, Versicherungen und an Ärzte. Die Online-Anmeldung sowie weitere Informationen zum InnovationsForum „Personalisierte Medizin“ finden Sie unter www.hessen-biotech.de. ■

Dr. Detlef Terzenbach Hessen-Biotech HA Hessen Agentur GmbH Tel.: 0611/774-8613 E-Mail: detlef.terzenbach@hessen-agentur.de

Veranstaltungshinweis InnovationsForum „Personalisierte Medizin – wirtschaftliche Chancen der Gendiagnostik“ Termin: 16. September 2009, 13:30 bis 18:30 Uhr Ort: FIZ – Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie Anmeldung: www.hessen-biotech.de

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Aufbruchstimmung auf der ACHEMA 2009 Chemie- und Anlagenbau richten den Blick nach vorne. Diese positive Bilanz ziehen Aussteller und Organisatoren zum Ende der diesjährigen ACHEMA in Frankfurt am Main. Auch Hessen-Biotech präsentierte gemeinsam mit den Aktionslinien Hessen-Nanotech und Hessen-Umwelttech im Foyer der Halle 4 innovative Technologien aus Hessen.

Der Hessische Infostand der Aktionslinien HessenBiotech, Hessen-Nanotech und Hessen-Umwelttech auf der ACHEMA 2009.

Dr. Detlef Terzenbach, Projektleiter der Aktionslinie Hessen-Biotech, zeigte sich zufrieden: „Unser Serviceangebot für die hessische Biotechnologie-Branche stieß auf reges Interesse. Außerdem erhielten wir zahlreiche Anfragen zu den Exponaten, die wir auf der

Der Hessische Infostand der Aktionslinien HessenBiotech, Hessen-Nanotech und Hessen-Umwelttech auf der ACHEMA 2009

ACHEMA exemplarisch für die Vielfalt der hessischen Technologie-Branche ausgestellt haben.“ So präsentierte am Hessenstand beispielsweise das Wiesbadener Unternehmen Microdyn Nadir ihre Neuentwicklung Flow-Cel, ein Kassettensystem, das für die Ultrafiltration von hochviskosen Medien verwendet wird, die unter anderem in Fermentationsprozessen vorkommen. Die N-Zyme Biotech GmbH aus Darmstadt demonstrierte in einem Fermenter die Kultivierung eines Pilzes, aus dem ein Enzym zur Herstellung von Grapefruit-Aroma extrahiert wird. Auch Hessens Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch konnte sich beim Messerundgang auf der ACHEMA von der durchweg positiven Grundstimmung der hessischen Unternehmen überzeugen. Am Ende der Messe verzeichnete die ACHEMA 2009 insgesamt 173.000 Besucher und 3.767 Aussteller, die sich über die neuesten Produkte und Technologien aus chemischer Technik, Biotechnologie, Umweltschutz und angrenzenden Branchen informierten. Auch der begleitende ACHEMA-Kongress war gut besucht. Mehr als 900 Vorträge lockten Wissenschaftler und Entwickler in die Vortragssäle.

Rückblick BIO 2009 Mit insgesamt acht teilnehmenden Ausstellern hat sich Hessen mit einem Gemeinschaftsstand an der diesjährigen BIO International Convention in Atlanta beteiligt. Nicht nur der hessische Gemeinschaftsstand, sondern auch die arrangierten Partnering-Veranstaltungen boten den Unternehmen die Möglichkeit ihre Geschäftspartner zu treffen. Wisconsins Wirtschaftsminister Dick J. Leinenkugel im Gespräch mit Hessen Agentur Geschäftsführer Martin Herkströter beim traditionellen Hessen-Wisconsin BIO Business Breakfast.

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Auch Hessen-Biotech nutzte die BIO, um wichtige Kontakte zu amerikanischen Partnerorganisationen zu vertiefen. Traditionell stehen dabei die Beziehungen zum amerikanischen Bundesstaat Wisconsin im Vordergrund. So luden auch in diesem Jahr Hessen und Wisconsin wieder gemeinsam zum BIO BusinessBreakfast ein. Dabei wurde auch über die gemeinsame Umsetzung neuer Projektideen diskutiert. Hier

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zeichnen sich insbesondere Projekte zu Biobanken sowie zur Zusammenarbeit im Bereich der industriellen Biotechnologie ab. Darüber hinaus wurden bestehende enge Kontakte mit Einrichtungen in New York, Massachusetts und New Jersey weiter vertieft. An der BIO in Atlanta ist die aktuelle wirtschaftliche Lage nicht vorbeigegangen. Sowohl bei der Zahl der Aussteller wie auch der Konferenzteilnehmer waren Rückgänge zu verzeichnen. Die Aussteller ziehen deshalb ein differenziertes Fazit zur BIO Convention: „Die Gesprächspartner waren oftmals allein oder zu zweit anwesend, während in den Vorjahren mehr Personal anwesend war“, berichtete Marius Balger, Geschäftsführer der BIT Analytical Instruments aus Schwalbach. „Dennoch haben wir mit allen für uns wichtigen Unternehmen gesprochen“, fasste Gerhard Scheuch von der Gemünder Activaero GmbH zusammen. Beide planen auch im kommenden Jahr wieder an der BIO teilzunehmen, die 2010 in Chicago stattfinden wird.


Neues aus dem Cluster „Integrierte Bioindustrie Frankfurt“

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Gute Zeiten für die Weiße Biotechnologie Erste Investorenkonferenz Weiße Biotechnologie des CIB Frankfurt war ein voller Erfolg Was zeichnet ein erfolgreiches Unternehmen der Weißen Biotechnologie aus? Welche Investmentperspektiven sind für diese Branche zu erwarten? Diese und weitere Fragen standen am 5. Mai 2009 im Mittelpunkt der ersten Investorenkonferenz Weiße Biotechnologie der Clusterinitiative Integrierte Bioindustrie CIB Frankfurt. Mehr als 90 Teilnehmer – Unternehmer, Investoren und Finanzexperten – diskutierten über die Chancen und Perspektiven dieser jungen, innovativen Wachstumsbranche. Bereits in der Begrüßungsrede des hessischen Wirtschaftsstaatssekretärs Steffen Saebisch wurde klar: Auch die Politik hat die globale wirtschafts- und umweltpolitische Bedeutung der Weißen Biotechnologie längst erkannt. „Fossile Rohstoffe werden zunehmend teurer, die klimaschädigenden Treibhausgase zu einer globalen Gefahr. So sind Investitionen in eine zukunftsfähige innovative Spitzentechnologie wie die Weiße Biotechnologie gerade für ein hoch entwickeltes und rohstoffarmes Land wie Deutschland besonders wichtig“, sagte der Staatssekretär. Obwohl Deutschland in der Weißen Biotechnologie eine technologisch starke Position einnimmt, ist die Branche bei Investoren noch weitgehend unbekannt. Dies zu ändern, war das Ziel der Konferenz.

mer öfter auf die besonderen Fähigkeiten von biologischen Katalysatoren für stereo- und regioselektive Synthesen.“ In der begleitenden Ausstellung hatten Unternehmen und Investoren weitere Gelegenheit, ihre Geschäfts- beziehungsweise Investmentmodelle darzustellen und die Kontakte zu intensivieren.

Podiumsdiskussion Investitionsstrategien in der weißen Biotechnologie (v. l. n. r.): Dr. Uwe Perlitz, Deutsche Bank Research, Dr. Manfred Kircher, CLIB2021, Dr. Michael Brandkamp, High-Tech Gründerfonds, Dr. Klaus Warning, Chem Advice, Morten Würtz Christensen, Novozymes, Moderation: Dr. Bernhard Mohr, BASF Venture Capital

Unternehmen der Weißen Biotechnologie zeigten Investoren ihre Potenziale

Kurze Entwicklung, geringe staatliche Regulierungen, hohe Wertschöpfung

In den folgenden Stunden machten die Akteure der Konferenz das enorme Potenzial dieser Zukunftstechnologie für die Wirtschaft und den Kapitalmarkt deutlich. Ähnlich einem Eigenkapitalforum präsentierten die Unternehmen in Kurzvorträgen ihre Geschäftskompetenzen und Wachstumspläne einem Publikum aus Investorenvertretern und Finanzexperten. Die Unternehmen kamen unter anderem aus den Bereichen Bioenergie (Butalco), Enzyme Engineering (c-Lecta, evocatal ), Protein Engineering (DIREVO), biologische Quervernetzung (N-Zyme) und biokatalytische (enzymatische) Technologie (IEP). Vor allem Unternehmen aus der Fein- und Spezialchemie wissen bereits heute das Potenzial der Weißen Biotechnologie zu nutzen. „Verbindungen der Fein- und Spezialchemie sind oft sehr komplex und chemisch nur schwer zugänglich“, sagte Dr. Detlef Terzenbach, Projektleiter und Initiator des Frankfurter Clusterkonzepts. „Daher setzt man bei ihrer Herstellung im-

Es gibt zahlreiche Gründe, sich jetzt intensiv mit der Weißen Biotechnologie auseinanderzusetzen und potenzielle Investments zu identifizieren. Die Produkte der Weißen Biotechnologie überzeugen durch vergleichsweise kurze Entwicklungszyklen, geringe staatliche Regulierungen und hohe wirtschaftliche Wertschöpfung. Mittelfristig werden auch in Deutschland einige Unternehmen der Weißen Biotechnologie einen Reifegrad erreichen, der sie zu Börsenaspiranten macht. „Der Gang an die Börse wäre ein vorläufiger Höhepunkt und könnte die gesamte Weiße Biotechnologie in den Mittelpunkt des Investoren- und Medieninteresses katapultieren“, sagte Hilmar Platz, Mitglied des Vorstands der Kayenburg AG, einem Beratungsunternehmen für Investoren wie VC- (Venture Capital) und PE-(Private Equity) Gesellschaften.

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Matthias Gräßle, Hauptgeschäftsführer der IHK Frankfurt am Main & Steffen Saebisch, Staatssekretär des Hessischen Wirtschaftsministeriums

Dass die Weiße Biotechnologie ein Wachstumsmarkt ist, belegen aktuelle Zahlen. Der weltweite Umsatz an Enzymen beträgt etwa 4 Milliarden Euro mit einer Wachstumsrate von fünf bis zehn Prozent. Die Branche im Aufwind sieht auch Dr. Manfred Kircher (Evonik Industries AG): „Investoren suchen immer nach Projekten, die am Anfang stehen, aber ein großes Zukunftspotenzial haben. Je deutlicher dieses Potenzial formuliert wird, desto höher ist die Chance auf ein erfolgreiches Ansprechen von Kapitalgebern, aber auch den gewünschten Kooperationspartnern zur Realisierung der angestrebten Businessentwicklung.“

Die Krise als Chance nutzen „Gerade in der derzeitigen Krisensituation scheint vielen Investoren der Einstieg günstig“, meinte Dr. Michael Brandenkamp, Geschäftsführer des HighTech Gründerfonds. „Die Kosteneinsparung ist momentan der Hauptantrieb großer Unternehmen, in Weiße Biotechnologie zu investieren“, analysierte Dr. Uwe Perlitz von der Deutsche Bank Research die gegenwärtige Situation. Wichtig ist auch ein solider und vorausschauender Patentschutz, denn er ist nicht nur für die Beurteilung durch Investoren unabdingbar, sondern stärkt auch jede Verhandlungsposition. Kooperationen und Networking waren auch zentrale Themen des Vortrags von Morten Würtz Christensen, Business Developer von Novozymes. „Kluge Kooperationen sind ebenso wichtig wie ein gutes Produkt, denn bis eine neue Wertschöpfungskette entsteht, gibt es immer wieder Durststrecken, die nur mit – manchmal auch strategisch wechselnden – Kooperationen zu überwinden sind. Networking ist die Voraussetzung dazu. Unternehmen wie Investoren sollten ihre Ziele nicht aus den Augen verlieren und sich stets bewusst sein, wo sie stehen, auch im Hinblick auf den Gesamtmarkt. Dabei können Allianzen mit erfahrenen Partnern ebenfalls hilfreich sein. Der Weg in eine biobasierte, nachhaltige, erdölunabhängige und klimaschonende Wirtschaft führt über die Weiße Biotechnologie.“

Die erste Investorenkonferenz Weiße Biotechnologie – erst der Anfang „Die Konferenz versteht sich als Auftakt einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, die Biotech-Unternehmer und Investoren zusammenbringen will“, sagte Mitorganisator und Kenner der Investorenszene Dr. Gunter Festel von Festel Capital. „In Workshops und Seminaren wollen wir Unternehmern die Vielzahl an Finanzierungsmodellen aufzeigen, die für eine Wachstumsfinanzierung in Frage kommen.“ Die ersten Folgeveranstaltungen sind bereits für nächsten Herbst geplant. Hier sollen Unternehmer der Weißen Biotechnologie fit gemacht werden für ihre Verhandlungen mit potenziellen Kapitalgebern. „Gerade kleine Unternehmen können sich in Verhandlungen mit Investoren mehr Selbstbewusstsein leisten, wenn der Businessplan passt“, äußerte sich Platz dazu.

Fazit: Ein großer Erfolg „Die Zahl der Teilnehmer hat meine Erwartungen deutlich übertroffen“, sagte Dr. Bernhard Mohr, Investment Manager der BASF Venture Capital GmbH. „Etwa 15 Prozent der deutschen Weißen Biotechnologie-Branche hat sich heute hier einem sehr relevanten Publikum vorgestellt. Ich denke, alle Teilnehmer haben einen hervorragenden Einblick in den gesamten Businessbereich gewonnen.“ Über den Erfolg der Konferenz waren sich alle Beteiligten einig. Vertreter führender Investitionsgesellschaften wie Fidura PE Fonds, Fortis Bank, Jones Day oder Fox Capital GmbH begrüßten die Initiative des Clusters Integrierte Bioindustrie (CIB) Frankfurt. „Eine zielgruppenspezifische Veranstaltung in der richtigen Dimension mit hohem Zukunftspotenzial“, fasste Ron Winkler, Sirius Venture Partners GmbH, die Eindrücke zusammen. Detlef Terzenbach bekräftigte zum Abschluss die Wiederholung dieser Konferenz und Weiterführung des Programms zur Förderung der Weißen Biotechnologie, mit der die Hessen im deutschlandweiten Clusterwettbewerb Industrielle BioIndustrie 2021 erfolgreich waren. ■

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Dr. Thomas Niemann Clustermanagement CIB Frankfurt HA Hessen Agentur GmbH Abraham-Lincoln-Straße 38 – 42 65189 Wiesbaden Tel.: 0611/774-8646 E-Mail: thomas.niemann@hessen-agentur.de Internet: www.cib-frankfurt.de


Aktuelles Projekt des Clusters CIB Frankfurt Technische Enzyme – Werkzeuge einer sanften Chemie

Technische Enzyme finden bereits vielfältige industrielle Anwendungen. In Waschmitteln beseitigen sie hartnäckige Flecken schon bei niedrigen Waschtemperaturen. In der Papier- und Zellstoffindustrie werden Enzyme für die Verbesserung der Dr. Kai Baldenius, Head of chemischen Bleiche eingeSpecialty Enzymes Research der BASF SE setzt. In der Lederverarbeitung beizen sie Häute und Felle. Um technische Enzyme geht es auch in dem hier beschriebenen Projekt. Über die Chancen und das Anwendungspotenzial neuartiger technischer Enzyme und die Herausforderungen speziell in diesem Projekt sprachen wir mit Dr. Kai Baldenius, Head of Specialty Enzymes Research der BASF SE.

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Technische Enzyme werden schon heute in zahlreichen industriellen Prozessen eingesetzt. Welche Vorteile haben Enzyme gegenüber den üblichen chemischen Verfahren?

Enzyme bieten eine Reihe von Vorteilen: Sie benötigen in vielen Fällen keine organischen Lösungsmittel und können unter milden Prozessbedingungen eingesetzt werden. Zudem arbeiten sie stereo- und regioselektiv und sind so selbst für die Synthese hoch komplexer Moleküle geeignet. Kurz: Enzyme sind äußerst leistungsfähig, schonen die Umwelt und schützen die Gesundheit. Die Produkte, die unter Anwendung technischer Enzyme erzeugt oder verarbeitet wurden, sind kaum noch überschaubar.

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Und dennoch besteht in diesem Bereich noch immer Forschungsbedarf?

Ja, denn bei den bisher eingesetzten technischen Enzymen handelt es sich vornehmlich um hydrolytische Enzym-Aktivitäten, wie zum Beispiel Proteasen, Lipasen und Amylasen. Ein sehr großer Anteil der chemischen Prozesse in industriellen Verfahren sind jedoch Oxidations- beziehungsweise ReduktionsReaktionen; in diesem Bereich werden aber noch kaum Enzyme eingesetzt.

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Und darauf fokussiert sich Ihr Projekt?

Ja, genau. Wir beschäftigen uns mit der Entwicklung neuartiger Oxidoreduktasen. Viele der bekannten Oxidoreduktasen, wie zum Beispiel Dehydrogenasen sind von Cofaktoren abhängig, die oft nur zu hohen Kosten bereitgestellt werden können und die im Prozess aufwändig regeneriert werden müssen. Diese Enzyme sind für Anwendungen in kosten-sensitiven Branchen wie zum Beispiel der Textil- oder der Papierindustrie kaum einsetzbar. Hier ist man auf Enzyme angewiesen, die die Zugabe von externen Cofaktoren für die Aktivität nicht benötigen.

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Bisher sind keine Cofaktor-unabhängigen Oxidoreduktasen für technische Anwendungen bekannt. Wie wollen Sie vorgehen?

Zunächst müssen wir neue Enzyme aus natürlichen Quellen (Biodiversität) identifizieren und charakterisieren. Darüber hinaus sollen isolierte Oxidoreduktasen mittels ‚Enzyme Engineering’ auf industrielle Reaktionsparameter hin optimiert werden. Insgesamt soll das Projekt eine möglichst breite Basis von neuen Enzym-Aktivitäten bereitstellen, mit der interessante Applikationen für enzymatische Redox-Reaktionen adressiert werden können.

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Gibt es auf diesem Arbeitsgebiet schon erste Erfolge zu verzeichnen?

Ja, in der Tat! Das Team um unseren Projektleiter, Dr. Andrea Piatesi, kann zu Recht mit Stolz auf einen ersten Erfolg blicken: Eine Oxidoreduktase mit fest eingebautem Cofaktor, die im technischen Maßstab herstellbar und voraussichtlich auch in preislich anspruchsvollen Branchen, wie der Textil- und der Bauchemie, eingesetzt werden kann.

Für Ihre Vorhaben wünschen wir Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Dr. Thomas Niemann Clustermanagement CIB Frankfurt HA Hessen Agentur GmbH Tel.: 0611/774-8646 E-Mail: thomas.niemann@hessen-agentur.de

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Science4Life

Jetzt erst recht! In der Finanz- und Wirtschaftskrise holen sich viele Gründer Professionalität bei Science4Life Trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise haben sich in der aktuellen elften Wettbewerbsrunde des Science4Life Venture Cups sehr viele Gründer an der Konzeptphase des bundesweit größten Businessplanwettbewerbs in den Life Sciences und der Chemie beteiligt. Die besten der 81 eingereichten Geschäftskonzepte wurden jetzt bei der Zwischenprämierung in der Hessischen Landesvertretung in Berlin ausgezeichnet. Die zehn Gewinnerteams nahmen ihre Auszeichnungen von den Schirmherren der Gründerinitiative, dem Hessischen Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch und Dr. Matthias Urmann, Administrativer Leiter Forschung und Entwicklung der SanofiAventis Deutschland GmbH, entgegen. Urmann führte die erfreulich hohe Teilnehmerzahl und die Konstanz darauf zurück, dass Science4Life viel zu bieten habe: „In Zeiten, in denen Risiko- und Wagniskapital knapper, der Wettbewerb härter und sicherlich auch ein Bereinigungs- und Konsolidierungsprozess stattfinden wird, sind sich die Gründer bewusst, dass sie sich immer professioneller auf den Markt vorbereiten müssen. Diese Professionalität holen sie sich auch mit ihrer Teilnahme bei Science4Life, die per se schon ein Gütesiegel ist.“ Beeindruckt vom Gründer- und Unternehmergeist sowie dem Ideenreichtum der Wettbewerbsteilnehmer zeigte sich Staatssekretär Saebisch: „Die Geschäftskonzepte spiegeln die traditionellen Stärken Deutschlands in der chemisch-pharmazeutischen Industrie sowie der Medizintechnik wider. Wir wollen die Gründer aktiv bei der Umsetzung ihrer Ideen in marktfähige Produkte unterstützen.“ Innovative Produktideen, vorrangig aus der Medizintechnik und der Biotechnologie, bilden bei den eingereichten Konzepten den Schwerpunkt. Geschäftsideen aus dem Dienstleistungssektor machen

Die Gewinner der Konzeptphase 2009: > > > > > > > > > >

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bio.logis GmbH (Frankfurt/Hessen) ChromoTek GmbH (Martinsried/Bayern) durakult (Berlin/Berlin) Greasoline (Oberhausen/NRW) Metabolomic Discoveries (Potsdam/Brandenburg) nanometis GmbH i.G. (Dresden/Sachsen) nanostove (München/Bayern) Provirex (Hamburg/Hamburg) ResearchGATE GmbH (Hannover/Niedersachsen) TOM`5 Radiation Therapy GbR (Ingolstadt, Erlangen/Bayern)

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rund ein Viertel der Einreichungen aus und setzen vor allem auf IT und Biotechnologie. Dies bestätigt den Trend der letzten Jahre und beweist, dass in den Life Sciences nach wie vor ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial steckt, das es auch in Zukunft zu fördern gilt. Das Erfolgskonzept von Science4Life – eine Mischung aus fundiertem Expertenfeedback, einem reichhaltigen Informationsangebot und individueller Betreuung der Wettbewerbsteilnehmer zu Themen rund um die Unternehmensgründung – wird von den Gründern deutschlandweit angenommen und hat sich nachweislich bewährt. Ganz verschont werden die Existenzgründer von der Finanzkrise vermutlich dennoch nicht, da es sehr viel schwieriger geworden ist, Finanzierungen für Geschäftsvorhaben zu bekommen. Aber auch in dieser Hinsicht, da sind sich Saebisch und Urmann einig, kann die Gründerinitiative zumindest Starthilfe leisten. So bietet Science4Life beispielsweise mit der Veranstaltung „Seed4Money“ seinen ehemaligen Teilnehmern einmal im Jahr die Möglichkeit, sich und ihr Geschäftsvorhaben vor ausgewählten Investoren zu präsentieren. Für solche und ähnliche Anlässe konnten sich die 20 besten Teams der laufenden Runde professionell bei einem Workshop vorbereiten, zu dem sie Science4Life im Vorfeld der Zwischenprämierung in Berlin eingeladen hatte. Zudem konnten sich die zehn Gewinner der Konzeptphase über je 1.000 Euro Preisgeld freuen. Der Science4Life Venture Cup tritt ab sofort in die zweite Wettbewerbsphase ein. Alle Teilnehmer haben noch die Chance, Sieger der Abschlussprämierung zu werden, die am 29. Juni 2009 stattfindet. www.science4life.de


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Hessen-Mix

Sanofi-Aventis investiert zusätzlich 63 Millionen Euro in hessischen Biotechnologie-Standort Der Pharmakonzern Sanofi-Aventis will in Zukunft stärker auf Biotechnologie setzen, wie Konzernchef Chris Viehbacher in Paris erklärte. Dabei gehe es sowohl um Investitionen in die Standorte als auch um Partnerschaften und Akquisitionen in der Biotechnologie-Branche. Davon wird auch der deutsche Standort in Frankfurt profitieren. Martin Siewert, Vorsitzender der Geschäftsführung von Sanofi-Aventis Deutschland, kündigte an, dass 63 Millionen Euro in den Ausbau des Werkes in Frankfurt fließen werden. Vor allem die Insulinproduktion soll mit Investitionen in Höhe von 23 Millionen Euro erweitert werden. Sanofi-Aventis produziert in Frankfurt seinen InsulinBestseller Lantus. Dessen Umsätze stiegen im vergangenen Jahr um 28 Prozent auf 2,45 Milliarden Euro. Das Insulin ist in den wichtigsten Märkten noch bis 2014 patentgeschützt. Für die Zeit danach setzt Sanofi-Aventis auf Antikörper. Kleinere Chargen sollen demnächst ebenfalls in Frankfurt produziert werden. Dafür soll eine Produktionsanlage für 30 Millio-

nen Euro gebaut werden. Zudem wird auch die Entwicklung niedermolekularer Substanzen mit weiteren zehn Millionen Euro angeschoben. „Mit allen drei Investitionsprojekten ist auch der Aufbau von Arbeitsplätzen verbunden“, verspricht Siewert. Die genannten Investitionen kommen zusätzlich zu den ohnehin versprochenen Geldern in Höhe von 175 Millionen Euro.

Sanofi-Aventis stärkt die Biotechnologie an seinem Standort im Industriepark Frankfurt-Höchst (Quelle: Christine Kloos, Bildservice/Sanofi-Aventis)

Kinderärzte sehen positiven Trend EU-Verordnung verbessert Zulassung von Arzneimitteln für Kinder Die Anwendung von Arzneimitteln bei Kindern ist häufig problematisch, denn sie sind keine „kleinen Erwachsenen“. Seit 2007 ist nach EU-Verordnung zur Zulassung neuer Arzneiwirkstoffe auch ein pädiatrisches Prüfungskonzept (PIP) notwendig. Kinderärzte und Experten aus Forschung und Industrie berichteten im Rahmen einer öffentlichen Diskussionsrunde, die von der Frankfurt Bio Tech Alliance und der IHK Frankfurt am Main in Kooperation mit der Aktionslinie Hessen-Biotech organisiert wurde, über ihre – weitgehend positiven – Erfahrungen und Erwartungen für die pädiatrische Praxis. Die Dosierung von für Erwachsene zugelassenen Arzneimitteln einfach auf das geringere Körpergewicht von Kindern umzurechnen, führt in vielen Fällen zu Komplikationen. Eines von vielen Beispielen: Die Ausscheidung bei Neugeborenen erfolgt unverhältnismäßig langsam, bei Säuglingen bis zu zwei Jahren dagegen unverhältnismäßig schnell. Deshalb ist es notwendig, Arzneimittel für die Anwendung bei Neugeborenen bis Jugendlichen in verschiedenen Altersgruppen zu prüfen und in der Fachinformation zu dokumentieren.

Seit 2007 ist jeder Arzneimittelentwickler nach einer EU-Verordnung verpflichtet, sich bereits zu Beginn des Zulassungsverfahrens für jeden neuen Wirkstoff ein bindendes pädiatrisches Prüfungskonzept (PIP) genehmigen zu lassen. Ein um sechs bis zwölf Monate verlängerter Patentschutz gibt auch für Präparate, die schon länger im Markt sind, einen Anreiz zur Durchführung einer solchen Prüfung, deren Details jeweils mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMEA) abgestimmt werden. Der praktizierende Kinderarzt Dr. Martin HulpkeWette aus Göttingen berichtete, dass daraufhin bereits erfreulich viele Medikamente für Kinder zugelassen wurden und werden, wodurch die pädiatrische Therapiesicherheit weiter steige. Allerdings verwies er auch auf noch bestehende Zulassungslücken, insbesondere bei pädiatrisch eher seltenen, aber für Betroffene notwendigen Wirkstoffen wie etwa gegen Bluthochdruck, der bei Jugendlichen immer häufiger beobachtet wird.

Prof. Dr. Manfred SchubertZsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Vorsitzender der Frankfurt Biotech Alliance e.V., moderierte die Expertenrunde

Dr. Jürgen Sartorius

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Hessen blickt in die Zukunft Wie leben wir in zwanzig Jahren? Wohin entwickeln sich Wissenschaft und Technik? Diesen und weiteren Fragen widmet sich der Ausstellungszug „Expedition Zukunft“, der als 300 Meter langer Sonderzug durch Deutschland tourt. In Frankfurt und Darmstadt stieß die mobile Wissenschaftsausstellung bereits auf reges Interesse. Im Herbst wird der Zug Hessen noch mal besuchen. Als besonderes Highlight rollt die „Expedition Zukunft“ seit April auf Deutschlands Schienen und macht Station in mehr als sechzig Städten. Die zwölf Themenwagen bringen globale Herausforderungen wie Klimawandel, Energieverknappung und fortschreitende Urbanisierung mit neuen Lösungen und Trends aus Wissenschaft und Technik zusammen und geben auf diese Weise Einblicke, wie sich unser Leben in den kommenden Jahrzehnten verändern wird. Die interaktive Ausstellung bietet visionäre Einsichten, viele multimediale Installationen sowie Exponate zum Mitmachen und Anfassen für jeden. An den bisherigen Haltepunkten, unter anderem im Frankfurt am Main und Darmstadt hat der Wissenschaftszug mit dem Blick in die Zukunft seine Besu-

Der Ausstellungszug Expedition Zukunft ist im Herbst wieder in Hessen unterwegs. (Quelle: Expedition Zukunft/ ArchiMeDes)

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cher bereits fasziniert. Im November rollt die „Expedition Zukunft“ noch mal durch Hessen und hält dabei in Kassel, Limburg, Wiesbaden und Marburg. Das von der Max-Planck-Gesellschaft federführend in Zusammenarbeit mit den deutschen Wissenschaftsorganisationen realisierte Projekt „Expedition Zukunft“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Weitere Informationen und kompletter Fahrplan unter www.expedition-zukunft.de. „Expedition Zukunft“ unterwegs in Hessen 02. – 04. November 2009 in Kassel 05. – 07. November 2009 in Limburg 08. – 10. November 2009 in Wiesbaden 15. – 17. November 2009 in Marburg


Forschungsanstalt Geisenheim mit neuem Institutsgebäude und neuem Direktor „Mit dem neuen Zentralen Institutsgebäude erhalten die Forschungsanstalt Geisenheim und die Fachhochschule Wiesbaden ein städtebaulich prägendes Gebäude, das in hervorragender Art und Weise Lehre und Forschung vereint.“ Das hat Gerd Krämer, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK), bei der Schlüsselübergabe für den Neubau an den Direktor der Forschungsanstalt hervorgehoben. Insgesamt hat das Land rund 19,27 Millionen Euro in das Institutsgebäude und die Erstausstattung investiert. Seit dem Sommersemester 2009 nutzen die Fachgebiete Weinanalytik und Getränkeforschung, Mikrobiologie und Biochemie, Phytomedizin, Botanik sowie Bodenkunde und Pflanzenernährung den knapp 3.100 Quadratmeter großen Neubau. Das Land unterstützt die Hochschulen durch ein Investitionsprogramm, das bis 2020 Investitionen von drei Milliarden Euro in die zwölf staatlichen Hochschulen vorsieht. Diese Mittel werden in den nächsten vier Jahren um knapp 541 Millionen Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm „Schulen und Hochschulen“ des Landes verstärkt. Im Rahmen des Konjunkturprogramms II des Bundes werden in Geisenheim bis 2011 rund 6,2 Millionen Euro, vor allem in die energetische Sanierung der Gebäude der Phytomedizin und der Mikrobiologie investiert. Für die Fachhochschule Wiesbaden sollen 10,2 Millionen Euro für Instandsetzungen bereitgestellt werden.

Nur einige Wochen nach Einweihung des neuen Institutsgebäudes übernimmt Professor Hans Reiner Schultz die Leitung der Forschungsanstalt Geisenheim. Er ist Nachfolger von Professor Klaus Schaller, der nach fast 23 Jahren an der Spitze der Forschungsanstalt Geisenheim in den Ruhestand getreten ist. „Mit Professor Schultz tritt ein erfahrener Fachmann an die Spitze der international renommierten Forschungsanstalt, der die Institution sehr gut kennt“, sagte Krämer bei der Überreichung der Ernennungsurkunde im HMWK. Professor Schultz ist seit 1995 Leiter des Fachgebiets Weinbau an der Forschungsanstalt Geisenheim und Professor für Weinbau an der Fachhochschule Wiesbaden. Seit 2006 leitet er das Institut für Weinbau und Rebenzüchtung der Forschungsanstalt.

Schlüsselübergabe für das Zentrale Institutsgebäude der Forschungsanstalt Geisenheim

Staatssekretär Krämer bei der Urkundenübergabe an Prof. Dr. Schulz, Forschungsanstalt Geisenheim

Universität Gießen stärkt den Verbraucherschutz Universität Gießen Als einzige Hochschule in Hessen bietet die JustusLiebig-Universität Gießen (JLU) das Studium der Lebensmittelchemie an. Die neu eingerichteten Laborräume für Lehre und Forschung des neuen Instituts für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie wurden im Rahmen der Antrittsvorlesung von Professor Dr. Holger Zorn eingeweiht, der die Professur für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie an der JLU seit November vergangenen Jahres innehat. Lebensmittelchemiker nehmen sowohl in der amtlichen als auch in der industriellen Kontrolle und Qualitätssicherung von Lebensmitteln eine zentrale Rolle

ein. Mit dem Studiengang Lebensmittelchemie wird ein wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Verbraucherschutzes in Hessen geleistet. Der Forschungsschwerpunkt des Instituts liegt in der Entwicklung neuer biotechnologischer Verfahren zur Herstellung von Lebensmitteln und Aromen. ■

Prof. Dr. Holger Zorn Institut für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie Justus-Liebig-Universität Gießen Heinrich-Buff-Ring 58 35392 Gießen Tel.: 0641/993490 E-Mail: holger.zorn@lcb.chemie.uni-gießen.de

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Prof. Holger Zorn

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Universität Gießen und Pfizer forschen gemeinsam Neues Bündnis zur Erforschung innovativer Therapien gegen Lungengefäßerkrankungen Der Arzneimittelhersteller Pfizer und das Exzellenzcluster Kardiopulmonales System (ECCPS) mit dem Lungenzentrum der Universität Gießen haben ein neues Forschungsbündnis geschlossen. Ziel ist es, den wissenschaftlichen Erkenntnisstand über Lungengefäßerkrankungen zu verbessern und neue Therapiemöglichkeiten gegen die progressiv verlaufende, zumeist lebensbedrohliche Erkrankung zu entwickeln. Eine besonders aggressive, noch nicht heilbare Form der Lungengefäßerkrankung, die sowohl Kinder als auch Erwachsene betreffen kann, ist die pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH). Die derzeit verfügbaren Therapien zur Behandlung der PAH, zu deren Entwicklung auch die Gießener Lungenforscher wesentlich beigetragen haben, führten zu einer Revolutionierung der Behandlung dieser Erkrankung. Es besteht jedoch weiterhin dringender Forschungsbedarf, um ergänzend zur symptomatischen Verbesserung eine Heilung dieser tückischen Erkrankung und anderer Formen von Lungengefäßkrankheiten zu erreichen.

stoffe und Erfahrung in der Arzneimittelentwicklung. Mit einem Team von Wissenschaftlern und Klinikern aus beiden Institutionen soll dieses Bündnis eine exzellente Basis bieten, um weitere Fortschritte in der Behandlung von Lungengefäßerkrankungen zu erzielen. „Wir freuen uns sehr über diese wichtige Zusammenarbeit mit einem der führenden Forschungszentren für Lungengefäßerkrankungen Europas und der ganzen Welt“, so Michael Berelowitz, Senior Vice President des Geschäftsbereichs Specialty Care bei Pfizer. „Diese Partnerschaft zwischen Universität und Industrie hat Modellcharakter und bietet uns eine einzigartige Chance, Therapien zu entwickeln, die das Leben von Patienten mit Lungengefäßerkrankungen verändern.“ ■

Das vorbildhafte „Public-Private-Partnership“ bündelt formell die Kompetenz des ECCPS in der klinischen Grundlagenforschung von Lungengefäßerkrankungen und Pfizers breite Palette neuer Wirk-

Prof. Dr. Ardeschir Ghofrani Zentrum für Innere Medizin Justus-Liebig-Universität Gießen Klinikstraße 36 35392 Gießen Tel.: 0641/9942422 E-Mail: ardeschir.ghofrani@innere.med. uni-giessen.de

Neue Beratungshotline über gewerbliche Fördermittel Beratungszentrum zu erreichen unter 0180 5005 299

Ulrich Lohrmann, Leiter des Beratungszentrums

Kurze Wege, kompetente Beratung und schnelle Information über öffentliche Fördermittel sind die Merkmale der neuen Beratungshotline, die hessischen Unternehmern ab sofort zur Verfügung steht. „Wir wollen – wo und wann immer es notwendig ist – hessische Unternehmen auch in Zeiten von Wirtschaftskrisen unterstützen. Aus diesem Grund steht ab sofort für hessische Unternehmer und Unternehmen eine eigene Hotline für Wirtschaftsförderung mit erfahrenen Förderberatern zur Verfügung“, sagt der Hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch. Ziel und Zweck dieser Aktion ist es, Unternehmer und Unternehmen, die sich über öffentliche Fördermittel informieren möchten, einen schnellen und unbürokratischen Informations- und Beratungszugang über die neue Hotline zu ermöglichen. Die Förderberater sind auf die monetären Förderangebote des Landes, des Bundes und der Europäischen Union für gewerbliche Unternehmen, freie Berufe und Existenzgründer spezialisiert. „Kurze Wege der Informa-

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tion, kompetente und individuelle Beratung und eine gute Erreichbarkeit kennzeichnen das nunmehr personell verstärkte Team der Förderberater“, bestätigt Posch. Er betonte die Notwendigkeit, mittels eines solchen neuen Angebotes die hessische gewerbliche Wirtschaft angesichts der immer häufigeren Nachfragen schnell zu informieren. Unter der Telefonnummer 0180 5 005 299 ist deshalb ab sofort die Beratungshotline montags bis donnerstags von 9.00 bis 18.00 Uhr und freitags von 9.00 bis 16.00 Uhr erreichbar. Die Nummer führt in das Beratungszentrum für Wirtschaftsförderung der HA Hessen Agentur GmbH, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes, die die unentgeltliche Orientierungsberatung zu den individuell geeigneten Finanzierungsmöglichkeiten durchführt. Darüber hinaus informiert das Beratungszentrum auch über die nichtmonetären Fördermöglichkeiten der Wirtschaftsförderungsinstitutionen auf lokaler, regionaler und Landesebene. Der Anruf der Hotline kostet 14 ct/Min., Mobilfunktarife können davon abweichen.


STEP Award 2009 Wachstumsunternehmen in Visier Noch bis zum 17. Juli 2009 haben innovative und wachstumsstarke Unternehmen aus den Bereichen Pharma, Chemie, Life Science, Bio- und Nanotechnologie, Medizintechnik und Greentech die Möglichkeit, sich am Wettbewerb STEP Award 2009 zu beteiligen. Gesucht werden kleine oder mittlere Unternehmen mit Produkten, die konkret auf Expansion ausgerichtet sind. Ziel des STEP Awards ist die ganzheitliche Förderung der Preisträger. Der Gesamtsieger darf sich neben einem Geldpreis in Höhe von 50.000 Euro über ein umfangreiches Servicepaket im gleichen Wert freuen. Die Beratungs- und Serviceleistungen werden von den Förderern und Partnern des STEP Award eingebracht, die den Preisträger in der kommenden Wachstumsphase unterstützen. Dazu zählen Patentrecherche, Beratungsleistungen zu Unternehmensstrategie und Business Development, Technologiepartnersuche, Finanzen, Logistik, klinische Studien, Teilnahme an Rechts- und Kommunikationsseminaren sowie die Nutzung technischer Werkstätten. Da oftmals gerade die schnelle Verfügbarkeit von Fläche und Infrastruktur ein wichtiger Erfolgsfaktor für wachsende Unternehmen ist, hat der Preisträger außerdem die Möglichkeit, für einen Zeitraum von zwei

Jahren Labor- und Büroflächen mietzahlungsfrei im Industriepark Höchst zu nutzen. Bewerben können sich kleine und mittlere Unternehmen, die mindestens seit einem Jahr bestehen und aktiv am Markt vertreten sind. Die Bewerber sind aufgefordert, in den Bewerbungsunterlagen Geschäftsinhalte und das Wachstumskonzept ihres Unternehmens zu skizzieren. Die nominierten Bewerber erhalten die Möglichkeit, ihr Unternehmen in einem persönlichen Gespräch vorzustellen. Am Ende entscheidet eine Jury, bestehend aus unabhängigen Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft, über die Finalisten und Preisträger. In der feierlichen Gala am 25. November 2009 im Commerzbank-Tower werden dann die Preisträger prämiert. Bewerbungsunterlagen und weitere Informationen zum STEP Award stehen unter www.step-award.de zur Verfügung.

Stiftung für angewandte Forschung, Innovation und Transfer gegründet Mit Unterstützung der mittelhessischen Wirtschaft ist die „Stiftung für angewandte Forschung, Innovation und Transfer der Fachhochschule Gießen-Friedberg“ eingerichtet worden. Sie verfolgt das Ziel, der Hochschule zusätzliche Möglichkeiten für praxisbezogene Wissenschaft zu erschließen und damit auch Impulse für Kooperationen mit regionalen Unternehmen zu geben.

Aufgabe der Stiftung, die ihren Sitz in Gießen hat, ist es, unter anderem finanzielle Beiträge zum Aufbau und der Unterhaltung von Kompetenzzentren für anwendungsnahe Forschung an der Fachhochschule Gießen-Friedberg zu leisten. Darüber hinaus will sie die Qualifikation von Absolventen fördern und sich für eine Weiterentwicklung der Infrastruktur engagieren. Dadurch soll die Hochschule verstärkt Projekte gemeinsam mit der regionalen Wirtschaft, Verbänden und Kommunen bearbeiten können.

Regierungsvizepräsident Hans-Otto Kneip übergab die Stiftungsurkunde an den Präsidenten der Fachhochschule Professor Günther Grabatin. Für die Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill überreichte deren Hauptgeschäftsführer Andreas Tielmann einen Scheck mit 100.000 Euro Stiftungskapital. (Quelle: FH Gießen-Friedberg)

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Förderinitiative im Fokus

Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) Aufstockung um 900 Millionen Euro auf insgesamt 2,4 Milliarden Euro vorgenommen Seit Juli 2008 bietet das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) kleinen und mittleren Unternehmen eine verlässliche Perspektive zur Unterstützung ihrer Innovationsvorhaben. Dies erfolgt durch eine attraktive bundesweite Förderung von Kooperations- und Netzwerkprojekten und seit dem Konjunkturpaket II zusätzlich durch die Förderung von Einzelprojekten. Über die Chancen und Potenziale des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand für technologieorientierte Unternehmen und Projekte sprachen wir mit Regierungsdirektor Dr. Hans-Dieter Belter vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi).

RD Dr. Hans-Dieter Belter vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi)

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Was kann man sich unter ZIM genau vorstellen?

ZIM fasst frühere Programme des Wirtschaftsministeriums wie PRO INNO II, NEMO, InnoNet und INNOWATT zusammen, um die Förderung zu bündeln und Konditionen zu vereinheitlichen. Ziel dieses Förderbereiches ist es, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Zuschüsse zu gewähren, damit sie Forschungsund Innovationsprojekte finanzieren können. Die Zuwendung wird als nicht rückzahlbarer Zuschuss in Form einer Anteilsfinanzierung gewährt. Die Förderhöhe liegt für Unternehmen bei Kooperationsprojekten zwischen 35 und 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten.

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Was kann ZIM leisten, was die bisherigen Programme nicht leisten konnten?

Ziel der Neugestaltung ist es, den Zugang für Antragsteller durch größere Transparenz zu erleichtern, den Verwaltungsaufwand zu senken und die Handhabung der Fördermöglichkeiten für die KMU zu vereinfachen. Damit helfen wir nicht nur diesen Unternehmen, sondern wir machen auch die Umsetzung der F&E-Ergebnisse sicherer und verbessern damit die Effizienz der eingesetzten Fördermittel im gesamtwirtschaftlichen Innovationsprozess. Damit ist das ZIM das Basisprogramm des BMWi für die marktorientierte Technologieförderung der innovativen mittelständischen Wirtschaft in Deutschland. Gerade auch in unseren heutigen Krisenzeiten wird das große Programm besser wahrgenommen als eine Vielzahl kleinerer Maßnahmen.

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Welche Branchen können durch ZIM gefördert werden?

Das ZIM ist Bestandteil der Hightech-Strategie für Deutschland und es ist ein technologieoffenes Programm, das heißt: Es gibt keine Vorgaben für einzelne Technologiefelder. Vielmehr bestimmt die Nachfrage aus den Unternehmen, wohin das Geld fließt. Die Unternehmer können schließlich selbst am besten einschätzen, wo sich Forschung lohnt und wo neue Märkte entstehen. So wollen wir die Innovationsaktivitäten der kleinen und mittleren Unternehmen noch einmal wesentlich steigern und deren Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

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Welche Bedeutung hat ZIM in Zeiten der Krise?

Gerade jetzt müssen die Unternehmen Innovationspotenziale nutzen, um die aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten mit neuen Produkten und Dienstleistungen zu meistern. Daher bieten wir mit einer deutlichen Aufstockung des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand noch effizientere Finanzhilfen für zukunftsweisende Forschungs- und Innovationsprojekte des innovativen Mittelstandes. Seit Februar können neben ostdeutschen nun auch westdeutsche kleine und mittlere Unternehmen, die Forschungs- und Entwicklungsprojekte in ihren Unternehmen durchführen wollen, einen Antrag auf Förderung ihrer Projekte stellen und auch größere Unternehmen bis 1000 Beschäftigte in Ost- und Westdeutschland eine Förderung von Kooperations- und Einzelprojekten bis Ende 2010 beantragen.

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Wie wird ZIM von den Unternehmen angenommen?

Allein im März sind über 600 Anträge zur Förderung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten eingegangen. Diesen Trend für 2009 hochgerechnet, kann man 7000 Anträge erwarten, wovon erfahrungsgemäß auch 5000 mit einem Fördervolumen von rund 800 Millionen Euro, das durch eigene Investitionen der Unternehmen verdoppelt wird, gefördert werden können. Im Rahmen des Konjunkturpakets II wurde eine Aufstockung um 900 Millionen Euro auf insgesamt 2,4 Milliarden Euro vorgenommen.


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Wie sieht die Bilanz für uns in Hessen aus?

Aus Hessen konnten wir bisher 42 Kooperationsvorhaben und drei Einzelprojekte mit sechs Millionen Euro bewilligen, Netzwerkprojekte noch keines. Da werden Sie mir zustimmen: Das ist für Hessen ausbaufähig.

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Wie sollten interessierte Unternehmen vorgehen?

Zunächst einmal sich umfassend über www.zimbmwi.de informieren. Die Anträge sollten schnell gestellt werden. Bewährt haben sich Beratungsgespräche zur schnellen Prüfung der Antragsberechtigung und die Einreichung von kurzen Ideenskizzen vor der Antragstellung unmittelbar an die drei ZIM-Projektträger. ■

RD Dr. Hans-Dieter Belter Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) Refereat VII A6 – Forschungskooperationen Tel.: 030/186157-644, Fax: -063 E-Mail: hans-dieter.belter@bmwi.bund.de Internet: www.zim-bmwi.de

Vorteile von ZIM auf einen Blick > schnelle, unbürokratische Antragstellung und Bearbeitung > Beitrag zum Abbau der Programmvielfalt > Vereinheitlichung der Förderkonditionen > Reduzierung auf 3 Kostenarten > schlankes Abrechnungsverfahren Das neue „Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand – ZIM“ umfasst drei Säulen: 1. ZIM-SOLO: Einzelbetriebliche F&E-Projekte in Unternehmen zur Entwicklung neuer Produkte und Verfahren. 2. ZIM-KOOP: F&E-Kooperationsprojekte von Unternehmen oder Unternehmen und Forschungseinrichtungen zur Entwicklung neuer Produkte und Verfahren. 3. ZIM-NEMO: Leistungen des Netzwerkmanagements zur Entwicklung innovativer Netzwerke mit mindestens sechs Unternehmen.

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Aktuelle Ausschreibungen

BMBF-Ausschreibung: Förderung von Forschungsprojekten zur Gewinnung pluri- bzw. multipotenter Stammzellen Termin: 1.7.2009 www.bmbf.de/foerderungen/13502.php Gefördert werden Einzelvorhaben oder Forschungsverbünde mit maximal fünf Partnern, die die Entwicklung von Verfahren zur Gewinnung von multibeziehungsweise pluripotenten humanen Stammzellen beziehungsweise zur Reprogrammierung oder gezielten Transdifferenzierung adulter Zellen zum Ziel haben. Antragsberechtigt sind staatliche und nicht-staatliche Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit F&E-Kapazität in Deutschland.

BMBF-Ausschreibung KMU-Innovativ Biotechnologie – BioChance Termin: 15. Oktober 2009 www.bmbf.de/foerderungen/10759.php Gefördert werden risikoreiche industrielle Forschungsund vorwettbewerbliche Entwicklungsvorhaben, die anwendungsbezogen sind. Wesentliches Ziel der

BMBF-Förderung ist die Stärkung von Unternehmen beim beschleunigten Technologietransfer aus dem vorwettbewerblichen Bereich in die praktische Anwendung. Priorität erhalten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, die in eine wachstumsorientierte Unternehmensstrategie eingebettet sind.

Innovationspreis für Klima und Umwelt Termin: 17. Juni 2009 www.iku-innovationspreis.de Das Bundesumweltministerium und der Bundesverband der Deutschen Industrie haben gemeinsam erstmals den Innovationspreis für Klima und Umwelt ausgeschrieben. Er würdigt die Leistungen der Wirtschaft für den Klima- und Umweltschutz in fünf Kategorien. Die Gewinner erhalten jeweils 25.000 Euro und nehmen am „European Business Awards for the Environment“ teil. Wissenschaftlicher Partner der Bewertung ist das Fraunhofer-Institut für Systemund Innovationsforschung. Eine Jury aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik wird die Gewinner auswählen. Die feierliche Preisverleihung erfolgt im Dezember 2009 durch den Bundesumweltminister und den BDI-Präsidenten.

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Wissenschaft im Porträt

Krankmachende Signale im Visier Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim

Prof. Stefan Offermanns

Ob lebensbedrohliche Allergien, Bluthochdruck oder Gefäßverkalkung – Professor Stefan Offermanns geht den Ursachen auf die Spur. Der Pharmakologe erforscht, wie Signalmoleküle außerhalb der Zelle zu Aktivitätsänderungen in den Zellen führen. Bei ihrer Forschung haben die Wissenschaftler bereits einen Rezeptor entdeckt, dessen Aktivierung dazu führt, dass „gutes“ Cholesterin ansteigt. Offermanns wurde Anfang 2008 zum Direktor der Abteilung Pharmakologie am Max-Planck-Institut (MPI) für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim ernannt. Der Standort ist für den ambitionierten Forscher sehr attraktiv, denn in Bad Nauheim befindet sich mit dem MaxPlanck-Institut für Herz- und Lungenforschung und der W.G. Kerckhoff-Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Fortbildung eine fruchtbare Kombination aus einem international renommierten Forschungsinstitut und einer Stiftung, deren Aufgabe die Wissenschaftsförderung ist. Im Spätsommer wird Offermanns mit seinen Mitarbeitern in das neue Forschungsgebäude des MPI einziehen, das auf rund 3.700 Quadratmetern auch noch Platz für zwei weitere Abteilungen bieten wird.

Im Spätsommer wird Offermanns mit seinen Mitarbeitern das neue Forschungsgebäude des MPI in Bad Nauheim beziehen.

Die Suche nach den wichtigen Schlüsseln und Schlössern

Das Modell des Forschungsgebäudes des MPI (Quelle: Dorant-PostArchitekten, München)

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Damit ein Organismus in seiner Gesamtheit überhaupt funktionieren kann, müssen die einzelnen Zellen genau wissen, was sie zu tun haben. Über Rezeptoren – Eiweißmoleküle, die Bindungsstellen außerhalb der Zelle besitzen und die Membran durchziehen – werden Signale von außen aufgenommen und in die Zelle hineingeleitet. An viele dieser Rezeptoren sind sogenannte „heterotrimere G-Proteine“ angelagert, weshalb diese Gruppe von Rezeptoren auch als G-Protein-gekoppelte Rezeptoren bezeichnet wird. „Obwohl seit vielen Jahren an den etwa 500 verschiedenen G-Protein-gekoppelten Rezeptoren geforscht wird, kennt man noch immer von etwa der Hälfte die Bindungspartner nicht“, erzählt Offermanns. Denn wie ein Schloss nur mit einem bestimmten Schlüssel zu öffnen ist, passen auch an die Rezeptoren nur ganz spezielle Bindungspartner. Zudem ist von vielen dieser Rezeptoren nicht bekannt, welchen Effekt sie bei Aktivierung eigentlich vermitteln. Das wollen Offermanns und seine Mitarbeiter ändern. Sie suchen gezielt nach den Rezeptoren, die das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel im Körper regulieren. „Diese Rezeptoren zu identifizieren, ist aus pharmakologischer Sicht deshalb so interessant, weil sie ideale Zielstrukturen für Medikamente sind. Hat man nämlich einen Rezeptor gefunden und nachgewiesen, dass er im Krankheitsgeschehen eine wichtige Rolle spielt, ist es relativ einfach, ein Medikament zu entwickeln, das diesen Rezeptor entweder aktiviert oder blockiert“, erläutert Offermanns seine Strategie. Damit ließen sich beispielsweise Nebenwirkungen von blutdrucksenkenden Mitteln verringern: Während viele Arzneistoffe häufig gleich an mehrere verschiedene Rezeptorsubtypen binden und dadurch verschiedene – auch unerwünschte – Effekte verursachen, könnten spezifischere Wirkstoffe genau da andocken, wo eine Wirkung auch wirklich gewünscht wird.

Wie nun aber bei 500 Rezeptoren den einen finden, der den gewünschten Effekt vermittelt? Mit sogenannten siRNA-Bibliotheken können die Wissenschaftler nach und nach jeden einzelnen dieser 500 Rezeptoren ausschalten. Dabei werden kleine RNAs, in der Fachsprache als Small interfering RNAs oder siRNAs bezeichnet, in die Zellen eingebracht. Dort

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bauen diese kurzen Ribonukleinsäuren ganz spezifisch die zu ihr passende Boten-RNA ab, so dass der zugehörige Rezeptor nicht mehr gebildet werden kann. Ist der Rezeptor ausgeschaltet und bleibt nun der Effekt aus, lässt sich die Funktion dem Rezeptor zuordnen. Das klingt nach einem nicht enden wollenden Geduldspiel, ist es aber nicht: „Dies lässt sich im Hochdurchsatz machen, sodass schnell Befunde zu bekommen sind“, erzählt Offermanns. Der Forscher will aber nicht nur Rezeptoren identifizieren, sondern auch die wichtigen Bindungspartner. „Wir können relativ schnell herausfinden, ob bestimmte Rezeptoren in bestimmten Geweben vorkommen, ob sie also beispielsweise in Herzmuskelzellen vorkommen.“ Ist der Bindungspartner nicht bekannt, bestimmen die Forscher die Aminosäuresequenz und damit den Bauplan des Rezeptors und können so Rückschlüsse auf die Form der Bindungsstelle ziehen. Aus Substanzbibliotheken werden Hunderte bis Tausende von Substanzen getestet, die passend erscheinen, bis ein Bindungspartner gefunden ist. In Zellkulturen und später im Tierversuch lässt sich dann erforschen, welche Effekte der untersuchte Rezeptor vermittelt. Als eine Mischung aus Screening, also Massenexperimenten und „educated guesses“, eine Art wissenschaftsbasierte Intuition, bezeichnet Offerrnanns seine Forschung, die ihn schon vielversprechende Treffer hat landen lassen. So ist es seiner Arbeitsgruppe vor wenigen Jahren gelungen, mit dem G-Protein-gekoppelten Nikotinsäurerezeptor eine ganz wichtige Zielstruktur für neue Medikamente auszumachen. Dass ein zu hoher Cholesterinspiegel ungesund ist und über einen längeren Zeitraum zu einer Verkalkung der Blutgefäße führt, die im schlimmsten Fall Herzinfarkt und Schlaganfall verursachen kann, ist inzwischen allseits bekannt. Dies gilt aber nur für das „schlechte“ LDLCholesterin, das sich inzwischen gut mit Medikamenten senken lässt. LDL steht hier für Low Density Lipoprotein. Wichtig zur Vorbeugung von HerzKreislauf-Erkrankungen ist jedoch auch ein ausreichend hoher Blutspiegel des „guten“ HDL (High Density Lipoprotein)-Cholesterins. Bis heute gibt es kein Medikament, um gezielt das HDL-Cholesterin zu erhöhen. „Über den Rezeptor, den wir gefunden haben, lässt sich mit Nikotinsäure das HDL-Cholesterin sehr wirkungsvoll anheben“, erzählt Offermanns stolz. An Wirkstoffen, die diesen Rezeptor aktivieren, wird aktuell intensiv geforscht. Auch wenn der neue MPI-Direktor sehr pharmakologisch arbeitet, „unser Ziel ist es nicht primär, ein Pharmakon zu entwickeln, sondern wir wollen basale Prozesse verstehen und erst dann schauen wir nach

der Anwendbarkeit“, beschreibt Offermanns die Vorgehensweise und ergänzt: „Die Geschichte der Wissenschaft zeigt, dass die wichtigen Neuerungen nicht durch die Suche nach einem Medikament entstanden sind, sondern weil man versucht hat, grundlegende Prozesse besser zu verstehen, woraus sich Anwendungsmöglichkeiten ergaben.“

Eine Entdeckung mit großem therapeutischen Potenzial – der Nikotinsäurerezeptor GPR109A. Bindet Nikotinsäure an den Rezeptor, löst er über Signalkaskaden verschiedene Effekte aus. Darunter einen ganz wichtigen – den Anstieg des „guten“ HDL-Cholesterins. (Quelle: Prof. Offermanns)

Mann und Maus auf Reisen Im Spätsommer wird es soweit sein – 15 Mitarbeiter werden mit Offermanns in Bad Nauheim die neuen Forschungsräume beziehen. Durch den Wechsel von der Uniklinik Heidelberg nach Bad Nauheim wird Offermanns seine Forschung noch intensivieren können: „Im Max-Planck-Institut kann ich mich noch mehr der Wissenschaft widmen, die Lehre wird dort deutlich in den Hintergrund treten“, freut sich der Forscher. Ganz gibt Offermanns die Lehre jedoch nicht auf: Seinen Lehrverpflichtungen wird er in Zukunft in der Frankfurter Universität nachkommen. Mit ihr verbindet Offermanns bereits eine intensive Forschungszusammenarbeit gleich in mehreren Fachgebieten wie Kardiologie, Physiologie, Biochemie und Pharmakologie. Dass sich der Pharmakologe auf den Standort in Bad Nauheim freut, hat noch einen weiteren Grund: Das neue Institut ist nur 200 Meter vom Altbau des MPI entfernt und liegt in unmittelbarer Nähe zur Kerckhoff-Klinik, die auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen spezialisiert ist. Offermanns kann hier auf in Jahrzehnten gewachsene Strukturen aufbauen. „Wir sind derzeit dabei, erste Kontakte mit der Klinik zu knüpfen. Für beide Seiten ist eine Kooperation sehr vielversprechend“, erzählt der Mediziner und freut sich auf die Zusammenarbeit. Corinna Volz-Zang

Prof. Dr. Stefan Offermanns Abteilung Pharmakologie Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung Ludwigstraße 43 61231 Bad Nauheim Tel.: 06032/705-402 E-Mail: stefan.offermanns@mpi-bn.mpg.de

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Wirtschaft im Porträt

Blockbuster in Sicht Zedira entwickelt Medikament gegen Glutenunverträglichkeit

Die beiden Geschäftsführer der Zedira GmbH: Dr. Hils (links) und Dr. Pasternack (rechts) (Quelle: Zedira GmbH)

Lange beschäftigte sich die Pharmaindustrie nicht mit der Erkrankung, weil sie als seltene Erkrankung verkannt wurde – die Zöliakie, besser bekannt als Glutenunverträglichkeit oder Sprue. Dabei sind allein in Deutschland rund 500.000 Menschen davon betroffen und bis heute gibt es kein Medikament zur Behandlung. Die beiden Forscher Dr. Martin Hils und Dr. Ralf Pasternack erkannten dagegen schon vor Jahren das Potenzial, das in der Entwicklung eines Medikaments liegt und trieben die Entwicklungen intensiv voran. Die vielversprechenden Forschungsergebnisse führten im Jahr 2007 zur Gründung des Biotech-Unternehmens Zedira GmbH. Schon im kommenden Jahr sollen erste klinische Studien mit einem Wirkstoff beginnen, der die vielen Betroffenen von der quälenden Diät befreien könnte. Eine Enzymgruppe namens Transglutaminasen brachte sie zusammen und diese Enzymgruppe ist für ihren Erfolg verantwortlich. Vor neun Jahren kam Hils, der schon vorher mit Enzymen Erfahrung gesammelt hatte, zu dem damals blutjungen Darmstädter Biotech-Unternehmen N-Zyme BioTec GmbH. Pasternack war einer der Firmengründer gewesen. Zusammen arbeiteten die beiden Wissenschaftler fortan mit Transglutaminasen aus Bakterien für technische Anwendungen. „Wir haben dann gemeinsam erkannt, dass der eigentliche Reiz und eine vielversprechende Möglichkeit, Geld zu verdienen, bei den Transglutaminasen des Menschen liegen“, erzählt Hils. Ihnen kommt eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der Zöliakie zu.

Erfolgreiche Forschung führte zu Firmengründung „Der entscheidende Zeitpunkt war, als wir, unterstützt durch die F&E-Verbundprojektförderung des Hessischen Wirtschaftsministeriums und dann im Jahr 2005 durch ein BioChancePlus-Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), begannen, intensiv an der Entwicklung eines Wirkstoffs zur Therapie der Zöliakie zu arbeiten“, ergänzt Pasternack. Die Forschungsarbeiten verliefen so erfolgreich, dass das Unternehmen bald in den Bereich präklinischer und klinischer Studien vorstoßen und dafür größere Investments benötigen würde. Weil die unternehmerischen Chancen in diesem Be-

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reich so groß sind, entschloss man sich, aus einem Unternehmen zwei zu machen und so die Zöliakieforschung unter einem neuen Namen mit klarer Struktur fortzuführen. „Wir mussten nicht neu starten“, beschreibt Pasternack die damalige Situation, „es ist eigentlich nur die Fortführung eines über Jahre gewachsenen Geschäftsbereichs – inklusive Geschäftsbeziehungen, Mitarbeitern und Technologie unter dem Dach eines neuen Unternehmens.“

Gluten und was es unverträglich macht Was aber macht die Zöliakie zu einem so vielversprechenden Forschungsobjekt? „Man kann davon ausgehen, dass sowohl in Europa als auch in Nordamerika etwa 0,5 bis 2 Prozent der Bevölkerung von der Erkrankung betroffen sind“, berichtet Hils. Noch immer sei vielen Hausärzten allerdings nicht bewusst, wie häufig die Erkrankung auftritt und dass auch weniger typische Symptome einen Hinweis geben können. „Oft ist es ein diagnostizierter Zöliakiepatient, der den nächsten diagnostiziert, weil er die Symptome kennt“, erzählt Hils. Bei der Erkrankung handelt es sich um eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten. Zu Deutsch heißt dies Klebereiweiß und ist im Großteil der Getreidesorten, die als Grundnahrungsmittel verwendet werden, enthalten. Das macht die Glutenvermeidung für die Betroffenen zu einer komplizierten Diät. Das Gluten wird im Darm nicht wie die meisten Eiweiße zu einzelnen Aminosäuren oder kurzen Peptiden zerlegt, sondern es bleiben grö��ere Eiweißfragmente übrig. Bei Gesunden ist dies unproblematisch, weil diese einfach beim Stuhlgang ausgeschieden werden. Bei Menschen, die unter der Gluten-Unverträglichkeit leiden, befindet sich in der entzündeten Darmschleimhaut jedoch ein Enzym, das in der Fachsprache als Transglutaminase 2 bezeichnet wird. Warum und wie das Enzym bei den Betroffenen in den Bindegewebsbereich des Dünndarms gelangt, ist bis heute nicht wirklich aufgeklärt, was es dort macht, allerdings schon: Es wandelt eine Seitenkette des Glutens durch eine chemische Reaktion zu Glutamat um. „Dadurch ändern sich die Eigenschaften des Peptids dramatisch“, weiß Hils, „denn jetzt wird das Peptid plötzlich sichtbar für das Immunsystem.“ Bestimmte Immunzellen tragen auf ihrer Oberfläche spezifische Rezeptoren, die das


biochemisch veränderte Molekül erkennen und eine heftige Immunantwort auslösen. Diese Rezeptoren kommen allerdings bei nur einem Viertel der Bevölkerung vor, so dass nur bei ihnen die genetische Voraussetzung für die Entstehung der Erkrankung vorhanden ist. Die Immunantwort führt zur Entstehung von Antikörpern gegen das Gluten, aber auch gegen das körpereigene Enzym Transglutaminase 2. „Damit ist die Zöliakie nicht nur eine Lebensmittelunverträglichkeit, sondern auch eine Autoimmunerkrankung, denn das Immunsystem richtet sich gegen ein körpereigenes Enzym“, erklärt Pasternack das Krankheitsgeschehen. In der Folge kommt es zu einer Entzündung des Dünndarms, wodurch die Nährstoffaufnahme aus dem Darm ins Blut gestört ist. Die Symptome gehen aber weit darüber hinaus: Müdigkeit und Antriebsschwäche, Blähungen, Übelkeit, Knochen- und Muskelschmerzen und chronische Hautentzündungen sind nur einige der Symptome, die damit verbunden sein können.

Das therapeutische Konzept von Zedira zielt auf die Inhibierung der Gewebetransglutaminase (TG2) in der Dünndarmmucosa ab. Gluten aus der Nahrung, schematisch als Zylinder dargestellt, wird durch die körpereigene Gewebetransglutaminase enzymatisch verändert. Dabei wird neutrales Glutamin (Q) in saure Glutaminsäure (E) umgewandelt. Das so veränderte Gluten bindet mit hoher Affinität an die HLA-Oberflächenrezeptoren der Antigen-präsentierenden Zellen (APC) und induziert die T-Zell vermittelte Immunantwort. Diese führt zu einer heftigen Entzündungsreaktion und zum dargestellten Abflachen der für die Nährstoffaufnahme notwendigen fingerförmigen Villi. (Quelle: Zedira GmbH)

Mit Tabletten Diät überflüssig machen Dreimal täglich vor den Mahlzeiten eine Tablette und die glutenfreie Diät wird überflüssig, so lautet das Therapiekonzept, das Hils und Pasternack verfolgen. „Wir haben spezifische Hemmstoffe für die Transglutaminase 2 entwickelt, die aufgrund von zwei Eigenschaften sehr vielversprechend sind: Sie hemmen ganz spezifisch die Transglutaminase 2 und sie werden nicht in das Blut resorbiert, sondern verbleiben in der Darmschleimhaut oder werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Die Wirkung unseres Wirkstoffs ist also lokal nur dort, wo sie erwünscht ist, nämlich im Darm, was bedeutet, dass kaum mit Nebenwirkungen zu rechnen sein dürfte. Zudem haben Untersuchungen in Zellkulturen und in vivo bereits bestätigt, dass diese Substanzklasse unbedenklich ist“, erläutert Hils.

Produktportfolio erleichtert Investorensuche Im kommenden Jahr sollen die klinischen Studien mit ihrem Wirkstoff beginnen, doch dafür brauchen die Forscher Kapital. „Wir prüfen aktuell, welchen Weg wir gehen werden – ob wir eine strategische Kooperation mit einem Pharmaunternehmen bereits jetzt eingehen oder zunächst Venture-Capital-Investoren suchen“, erzählt Pasternack. Dass sie Partner finden werden, da sind die beiden Unternehmer optimistisch, denn „wir suchen das Kapital zur Finanzierung der klinischen Entwicklung und nicht für das operative Geschäft.“ Das können sie durch ihre Produkt- und Dienstleistungspalette sowie Fördergelder decken: Aktuell belaufen sich die Einnahmen aus

Produktverkäufen und Dienstleistungen auf rund 800.000 Euro. Vom BMBF erhält das Unternehmen jährlich weitere 375.000 Euro. Die Zedira GmbH mit Sitz im Schenck Technologieund Industriepark in Darmstadt beschäftigt heute 15 Mitarbeiter und vertreibt Spezialreagenzien für die Transglutaminaseforschung – auch für den industriellen Bereich. Zu ihren Produkten gehören die Enzyme selbst, die sie rekombinant herstellen, sowie Antikörper und Inhibitoren. Für die Diagnostik produziert das Unternehmen Antigene. „Unsere Autoantigene liefern wir weltweit und wer mit Transglutaminasen arbeiten will, kommt an Zedira heute nicht mehr vorbei“, freut sich Hils und ergänzt: „Unternehmen, Hochschulen, alle, die mit dem Enzym arbeiten, kommen früher oder später zu uns. So haben wir den idealen Einstieg und können zeigen, wie gut wir sind.“ Corinna Volz-Zang ■

Zedira GmbH Roesslerstraße 83 64293 Darmstadt Tel.: 06151/325100 www.zedira.com Zedi – das Maskottchen von Zedira: Vor rund 50 Jahren wurde in der Leber von Meerschweinchen die erste Transglutaminase entdeckt und bis heute wird sie in der Forschung genutzt.

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Hessen International

Japan-Delegation anlässlich der BioJapan 2009 Die Vereinigung deutscher Biotechnologie-Unternehmen (VBU) organisiert vom 3. bis 10. Oktober 2009 eine Delegationsreise nach Japan. Geplant sind Besuche des Life Science Clusters Kansai und der Messe BioJapan in Yokohama. Zur gezielten Vorbereitung von bilateralen Gesprächen in Japan wird die VBU eine Online-Partnering-Plattform anbieten, mit deren Hilfe bereits im Vorfeld der Reise gezielt Gespräche vereinbart werden können. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich auf der BioJapan kostengünstig als Aussteller auf dem deutschen Gemeinschaftsstand zu präsentieren.

Dr. Andreas Scriba VBU Vereinigung deutscher BiotechnologieUnternehmen Tel.: 069/7564-124 E-Mail: scriba@dechema.de

Fördermöglichkeiten für Kooperationsprojekte mit europäischen Partnern Unternehmen, die gemeinsam mit Partnern aus Europa Forschungs- und Entwicklungsprojekte planen, können sich um europäische Fördergelder bewerben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Engagement der deutschen Teilnehmer. In diesem Sommer gibt es für Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie und Gesundheit im siebten Forschungsrahmenprogramm der EU (FP7) sowie im Programm Eurostars zahlreiche Möglichkeiten, sich um europäische Fördergelder zu bewerben. Im FP7 unterstützt die Europäische Kommission mit rund acht Milliarden Euro Forschungsprojekte zu Gesundheits- und Biotechnologiethemen. Voraussichtlich Ende Juli wird die Kommission wieder dazu aufrufen, Projektvorschläge einzureichen. Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) lohnt sich die Antragstellung im FP7, da sie eine Förderung von bis zu 75 Prozent ihrer anrechenbaren Kosten erhalten können.

Eurostars – aktueller Aufruf Eurostars, ein Förderprogramm der europäischen Forschungsinitiative EUREKA, spricht KMU an, die mit Partnern in anderen Mitgliedsländern gemeinsam Forschungs- und Entwicklungsprojekte durch-

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führen. Eurostars wurde 2008 ins Leben gerufen und hat eine Laufzeit bis 2013. Es richtet sich an KMU, die selber forschen und mindestens zehn Prozent ihrer Investitionen oder ihres Personals im Forschungsund Entwicklungsbereich aufweisen. Das Projektkonsortium muss aus mindestens zwei Partnern aus zwei Ländern bestehen und von einem KMU geführt werden. Die Ergebnisse sollen spätestens zwei Jahre nach Abschluss des Projektes auf den Markt gebracht werden. Eine Ausnahme bilden biomedizinische und medizinische Projekte: Hier soll mit dem Start klinischer Tests innerhalb von zwei Jahren nach Projektabschluss begonnen werden. Es gibt keine thematischen Vorgaben. Die Förderung erfolgt aus nationalen Mitteln, die in den teilnehmenden Staaten für Eurostars reserviert sind und die durch einen Beitrag der Europäischen Kommission aufgestockt werden. Anträge können in der aktuellen Runde bis zum 24. September 2009 eingereicht werden. Nach Auskunft des deutschen EUREKABüros in Bonn bestehen für Antragsteller in diesem noch neuen Programm gute Chancen auf Förderung. Da hier nur zwei Partner erforderlich seien, eigne es sich besonders gut für KMU, die bisher noch keine Erfahrung mit europäischen Programmen hätten.


BMBF-Förderung für Antragstellung in FP7 und Eurostars Die Bundesregierung möchte die Anzahl deutscher Teilnehmer an den genannten Programmen erhöhen. Das BMBF fördert daher die Vorbereitung von FP7- und Eurostars-Projekten. Im FP7 werden Vorhaben in den technologischen Schwerpunkten Biotechnologie und Gesundheit des Programms Zusammenarbeit unterstützt. Gefördert werden Maßnahmen zur Konzeption und Planung von Projekten. Hierzu gehören Anbahnungsreisen, Expertentreffen, zeitlich befristete Untersuchungen der Durchführbarkeit und Pilotuntersuchungen. Anträge mit Beteiligung von KMU werden bevorzugt behandelt.

Kostenlose Beratung für hessische KMU Hessische Unternehmer und Wissenschaftler, die mit dem Gedanken spielen, einen Antrag in den genannten Programmen zu stellen, können sich durch das Enterprise Europe Network (EEN) bei der Hessen Agentur in Wiesbaden kostenlos beraten lassen. Die Experten prüfen beispielsweise, in welchem Pro-

gramm ein Projekt gefördert werden kann. Weiterhin unterstützen sie die Antragsteller intensiv bei der Bewerbung und begleiten das gesamte Projekt. Sollten in einem Konsortium noch Partner fehlen, suchen die Mitarbeiter des EEN in ihren europaweiten Datenbanken nach passenden Kandidaten. Insbesondere KMU sollen hiermit ermutig werden, sich um die Gelder aus Brüssel zu bewerben. Informationen zum 7. Forschungsrahmenprogramm und aktuelle Bewerbungsaufrufe: http://cordis.europa.eu/fp7 Informationen zu Eurostars: www.eurostars-eureka.eu Förderung der Projektvorbereitung durch das BMBF: www.bmbf.de/foerderungen/2198.php ■

Nicole Jansen Enterprise Europe Network Hessen Tel.: 0611/774-8633 E-Mail: nicole.jansen@hessen-agentur.de Internet: www.een-hessen.de Nicole Jansen

Internationaler Partnering Event auf der BIOTECHNICA 2009 Enterprise Europe Network wieder Partner der Deutschen Messe AG

Das Enterprise Europe Network (EEN) ist auch in diesem Jahr wieder Partner der Deutschen Messe AG beim internationalen Partnering Event auf der BIOTECHNICA 2009. „Zwei entscheidende Punkte haben uns bewogen, die im letzten Jahr begonnene Partnerschaft fortzuführen: Zum einen hat uns das Konzept der Deutschen Messe AG überzeugt, das Partnering längerfristig als festen Bestandteil der BIOTECHNICA zu etablieren und zu einer Plattform sowohl für kleine und mittlere als auch multinationale Unternehmen auszubauen. Zum anderen ist es natürlich auch der Erfolg im Jahr 2008, der für die weitere Zusammenarbeit spricht“, erläutert Helmut Unger, beim EEN Hessen zuständig für den Bereich Biotechnologie. „Große Unternehmen erkennen immer mehr den Nutzen von Technologiepartnerschaften. Sie helfen vor allem Entwicklungszyklen zu verkürzen und die eigene Marktposition zu stärken“, so Unger weiter. „Kleinen und mittleren Unternehmen bietet sich hier also die Chance, einen starken Partner zu finden, mit dem die eigene Forschung und Entwicklung vorangebracht werden kann.“ Neben den technologieorientierten Kooperationen

ist der Partnering Event aber auch die ideale Gelegenheit, um im B2B-Bereich neue Kontakte zu knüpfen. Ein Beispiel hierfür ist die Firma Optipharm aus Bruchköbel. Sie hatte – auf Anregung des EEN Hessen – an dem Partnering letztes Jahr teilgenommen und dort Kontakt zu NEOS, einer Technologietransfer-Organisation aus Chile gehabt, die für verschiedene Projekte geeignete Partner in Europa suchten. Noch im Dezember 2008 wurde der Vertrag unterzeichnet, seitdem ist Optipharm dabei, die Projekte potenziellen Lizenznehmern vorzustellen und Partnerschaften vorzubereiten. Entsprechend zufrieden zeigte sich Dr. Johannes Respondek, Inhaber der Optipharm Consulting Services in Bruchköbel: „Die Teilnahme am Biotechnica Partnering hat sich gelohnt, in diesem Jahr sind wir auf jeden Fall wieder dabei.“ ■

Helmut Unger Enterprise Europe Network Hessen Tel.: 0611/774-8650 E-Mail: helmut.unger@hessen-agentur.de Internet: www.een-hessen.de Helmut Unger

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Bio Future

Fine-Tuning im Auge Marburger Wissenschaftler arbeiten an Revolutionierung der Behandlung des Grauen Stars

In Marburg entwickeln Wissenschaftler um Professor Norbert Hampp künstliche Augenlinsen, deren Brechkraft nach einer Operation des Grauen Stars ohne zusätzlichen Eingriff angepasst werden kann. Auch die Nachtrübung wollen die Forscher ohne operativen Eingriff verhindern. Die Perspektiven dieses medizinischen Verbundprojektes sind so vielversprechend, dass es im Rahmen der Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz – kurz LOEWE – gefördert wird. Die als Grauer Star bezeichnete Linsentrübung (Katarakt) ist eine der häufigsten Erkrankungen des Auges. Allein in Deutschland werden jährlich rund 600.000 Kataraktoperationen vorgenommen. Dabei wird die eingetrübte Linse des Patienten durch eine künstliche ersetzt. Weil sich die optischen Eigenschaften einer Linse durch Position und Umgebung verändern, lässt sich im Vorfeld die notwendige Brechkraft der zu implantierenden InNach Abschluss der Wundheilung wird traokularlinse jedoch nur schwer exakt der Wirkstoff zur Entfernung verbliebener voraussagen: „Auch bei optimaler BeLinsenepithelzellen durch Zweiphotonenanregung-induzierte Spaltung der Linkerrechnung kommt es bei etwa 90 Promoleküle freigesetzt. zent der Patienten aufgrund individu(Quelle: Uni Marburg) eller Unterschiede in der Wundheilung zu einer Fehlsichtigkeit von bis zu zwei Dioptrien“, erläutert Professor Norbert Hampp die Problematik. Vor drei Jahren begann der Pharmazeut und Physiker gemeinsam mit einem Augenarzt an der Augenklinik in Marburg an der Lösung zu arbeiten. Ihre Forschungsanstrengungen haben im Verbund mit weiteren Forschern aus Universität und Industrie Ende 2008 zur Gründung des Unternehmens Actiol GmbH geführt, das Konsortialführer dieser LOEWE-Förderung ist. Das Fördervolumen beläuft sich hierbei auf rund 305.000 Euro.

Prof. Dr. Norbert Hampp

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Neue Linsenmaterialien sollen es schon in naher Zukunft ermöglichen, den Brechungsindex der implantierten Intraokularlinse Wochen nach der Operation, sobald die Wundheilung vollständig abgeschlossen ist, ohne einen weiteren operativen Eingriff zu korrigieren. Zu diesem Zeitpunkt lässt sich genau bestimmen, welche Fehlsichtigkeit besteht und wie die Linse in ihren Brechungseigenschaften verändert

Hessen-Biotech NEWS 2/2009

werden muss, um den Patienten wieder scharf sehen zu lassen. Mit Licht wollen die Wissenschaftler die Korrektur erreichen. Doch normales Tageslicht ist dafür natürlich ungeeignet, denn so ließe sich der Vorgang nicht steuern. „Das Verfahren beruht auf einer sogenannten Zwei-Photonen-Reaktion, die eine so starke Lichtintensität benötigt, wie sie nur mit Lasern zu erreichen ist“, erklärt Hampp. In der Linse sind spezielle Moleküle, in der Fachsprache als Cumarine bezeichnet, die durch die Laserbestrahlung aktiviert werden. Es kommt – von außen steuerbar – zu einer chemischen Reaktion, die dazu führt, dass die Linse stärker oder weniger brechend wird. „Im Labor funktionieren die Materialien“, berichtet Hampp stolz, „und in Kürze werden wir die ersten Tierversuche durchführen.“ Ob die Fehlsichtigkeit wirklich mit diesem Verfahren vollständig behoben werden kann, werden wohl erst klinische Studien beim Menschen zeigen. Mit diesen rechnet Hampp frühestens im kommenden Jahr. Ebenfalls auf der Zwei-Photonen-Reaktion beruht ein weiteres vielversprechendes Verfahren, an dem das Forscherteam arbeitet und das im Tierversuch bereits erfolgreich getestet wurde: Bei bis zu 50 Prozent der Patienten kommt es Jahre nach einer Kataraktoperation erneut zu einer Eintrübung, weil körpereigene Zellen über den Fremdkörper wachsen. Das Actiol-Team hat Intraokularlinsen entwickelt, die mehrere Dosen eines Wirkstoffs enthalten, der diese störenden Zellen beseitigen kann. Immer, wenn es wieder zur Eintrübung kommt, in der Regel in Abständen von vier bis fünf Jahren, wird eine Dosis des Wirkstoffs durch Laserbestrahlung freisetzt, sodass die störenden Zellen abgetötet werden. Erste klinische Studien sollen im kommenden Jahr beginnen. Corinna Volz-Zang

Prof. Dr. Norbert Hampp, Philipps-Universität Marburg Fachbereich Chemie Biophysikalische Chemie Tel.: 06421/28-25543 E-Mail: hampp@staff.uni-marburg.de


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Nachrichten aus der Wirtschaft

Mundipharma investiert in die Zukunft Limburg – Mit einem Investitionsvolumen von 20 Millionen Euro will das Limburger Pharmaunternehmen Mundipharma den Standort bis Ende 2010 ausbauen. Der erste Spatenstich für das neue Verwaltungsgebäude stellt für Mundipharma ein klares Bekenntnis zum Standort dar. „Mit hochwertigen innovativen Präparaten, einer konsequenten Fokussierung auf eigene Forschung und Entwicklung sowie einer hohen Kundenorientierung haben wir uns im Markt fest etabliert. Wir sind stolz darauf, die richtigen Voraussetzungen dafür geschaffen zu haben, vor allem dank zahlreicher vielversprechender Produkte, die wir in der Entwicklung haben und die wir in den nächsten Jahren erfolgreich einführen wollen“, fasst Geschäftsführer Gunther Niederheide zusammen. Das mittelständische Unternehmen mit insgesamt 850 Mitarbeitern hat sich auf den Bereich der Schmerztherapie spezialisiert. Weitere Kompetenzfelder von Mundipharma sind die Bereiche Onkologie und Atemwege. Aufgrund der stetig anwachsenden Mitarbeiterzahl sind die neuen räumlichen Ressourcen unbedingt notwendig geworden. Mit einer Fläche von 6.000 Quadratmetern auf fünf Etagen soll der Neubau etwa 220 Mitarbeitern Platz bieten.

Merck gründet strategischen Venture-Capital-Fonds Darmstadt – Die Merck KGaA hat einen neuen Venture-Capital-Fonds gegründet, der in aufstrebende BiotechnologieUnternehmen investieren soll, die über das Potenzial verfügen, innovative Produkte in den Kern-Therapiegebieten der Sparte Merck Serono hervorzubringen. „Biotech-Start-up-Unternehmen leisten einen wichtigen Beitrag zu wissenschaftlichen Innovationen“, sagte Bernhard Kirschbaum, Leiter der weltweiten Forschung und Entwicklung von Merck Serono. „Der Venture-Capital-Fonds wird uns die Möglichkeit bieten, herausragende wissenschaftliche Leistungen in unseren Hauptinteressengebieten zu fördern, und es Start-up-Unternehmen ermöglichen, zu einem frühen Zeitpunkt mit unserem Unternehmen in Kontakt zu treten.“ „Die Schaffung eines Venture-Capital-Fonds ist Ausdruck unseres Bestrebens, ,Bester Partner‘ für Biotech-Unternehmer und ihre Investoren zu sein“, sagte Vincent Aurentz, Leiter der Portfolio-Entwicklung bei Merck Serono. Der Fonds ist anfänglich mit Finanzmitteln ausgestattet, die in den nächsten fünf Jahren Investitionen in Höhe von bis zu 40 Millionen Euro erlauben. ■

www.merck.de

www.mundipharma.de

B. Braun ist Deutschlands Top-Arbeitgeber Neue Laboreinheit bei Sanofi-Aventis Frankfurt – Sanofi-Aventis verfügt seit kurzem in der Forschung und Entwicklung (F&E) über einen Laborbereich, in dem hochaktive Wirkstoffe für die Präklinik verarbeitet werden können. Zum diesem Zeitpunkt der Arzneimittelentwicklung ist über die Eigenschaften einer Substanz und damit auch über ihre potenziell toxische Wirkung schon sehr viel bekannt. Allerdings liegt sie noch nicht in ihrer späteren Darreichungsform und Verpackung vor, in der sie für Patienten sicher gehandhabt werden kann. Ein Beispiel für solche Substanzen, für die besondere Vorkehrungen und Einrichtungen nötig sind, um den Kontakt mit ihnen zu vermeiden, sind Wirkstoffe zur Behandlung von Krebs. In die neuen Laborräume, hat Sanofi-Aventis mehr als eine Million Euro investiert. „In dem hoch entwickelten Arbeitsbereich stand für uns der Personenschutz klar im Vordergrund“, erklärte Dr. Matthias Urmann, administrativer Leiter Forschung & Entwicklung der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Er sieht die neuen Labors aber ebenso als Gewinn für den F&E-Standort Frankfurt.

Melsungen – Die B. Braun Melsungen AG wurde von CRF, einem der führenden Researchunternehmen im Bereich Employer Branding in der Studie Top-Arbeitgeber 2009 als attraktivster Arbeitgeber Deutschlands ermittelt. B. Braun überzeugte die Experten besonders in den Einzelranking-Kategorien „WorkLife-Balance“, „Jobsicherheit“ und „Unternehmenskultur“. Unter allen Bewerbern erhielt B. Braun die besten EinzelrankingErgebnisse. „Zentrale Bestandteile unserer Unternehmenskultur sind der offene Austausch, ein konstruktives und transparentes Miteinander und die stetige Motivation zu Höchstleistungen. Die CRF-Studie bot uns Gelegenheit, unser Engagement auch durch externe Beobachter kritisch prüfen zu lassen“, sagte Dr. Heinz-Walter Große, Vorstand FinanB. Braun ist Deutschlands Topzen und Personal der B. Braun MelArbeitgeber 2009 (Quelle: B. Braun) sungen AG. ■

www.bbraun.de

www.sanofi-aventis.de

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Nachrichten aus der Wissenschaft

Nachwuchswissenschaftlerin der PhilippsUniversität erhält Heinz-Maier-Leibnitz-Preis Marburg – Die Molekularbiologin Dr. Heike Krebber erhält den Heinz-Maier-Leibnitz-Preis für das Jahr 2009. Krebber leitet ihre Forschungsgruppe am Institut für Molekularbiologie und Tumorforschung der Philipps-Universität seit neun Jahren. Sie entdeckte neue Faktoren, die für den Export von Molekülen aus dem Zellkern zum Zytoplasma hin notwendig sind, und fand heraus, dass bestimmte Verbindungen an mehreren Etappen, die den Weg vom Gen zum Protein ausmachen, beteiligt sind – am Transport von mRNA ins Zytoplasma ebenso sowie an deren Translation zu Proteinen. Internationale Aufmerksamkeit erregte Krebber unter anderem mit der Publikation ihrer Erkenntnisse im Fachjournal Science. Der Heinz-Maier-Leibnitz-Preis gilt als einer der wichtigsten deutschen Wissenschaftspreise und ist mit je 16.000 Euro dotiert. Seit 1977 wird er jährlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung für frühe herausragende wissenschaftliche Leistungen vergeben. ■

www.uni-marburg.de

Industrielle Bierhefe mit neuem Enzym aufgerüstet Frankfurt – In industriellen Fermentationsprozessen wird Ethanol für gewöhnlich mit Bierhefe hergestellt. Allerdings können die Mikroorganismen von Natur aus nur hochwertige Glucose verdauen, während die ebenfalls in Pflanzen vorkommende DXylose und L-Arabinose als Abfälle anfallen. Eckhard Boles, Professor an der Goethe-Universität und Mitbegründer des Biosprit-Entwicklers Butalco GmbH, ist es gelungen, industriell genutzte Hefe so zu modifizieren, dass sie Xylose durch den Einbau des Enzyms Xylose Isomerase direkt zu Ethanol vergärt. Der Vorteil: Sie ist nicht auf Pflanzen wie Mais oder Getreide angewiesen, die einen hohen Anteil an Glucose, Saccharose oder Stärke enthalten, und tritt daher nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. „Bisher galt es unter Genetikern als aussichtslos, Bierhefe mit einem bestimmten bakteriellen Enzym auszustatten, das sie befähigt, Xylose zu fermentieren“, erklärt Boles. Der Frankfurter Forscher ließ sich jedoch nicht abschrecken. „Das ist ein wirklicher Durchbruch für die industrielle Herstellung von Ethanol aus Pflanzenabfällen“, sagt Boles, der das Verfahren nun kommerzialisieren möchte. ■

www.uni-frankfurt.de/fb/fb15/ Diese synthetischen Hefen der Arbeitsgruppe von Prof. Eckhard Boles von der Universität Frankfurt können aus Pflanzenabfällen hochwertigen Biosprit produzieren. (Quelle: Eckhard Boles)

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EU beruft h_da-Professor in Chemie-Agentur Darmstadt/Helsinki – Professor Martin Führ von der Hochschule Darmstadt wurde kürzlich durch die Europäische Kommission in den Verwaltungsrat der Europäischen Agentur für chemische Stoffe (ECHA) mit Sitz in Helsinki berufen. Die ECHA ist zuständig für die Umsetzung der „REACH“-Verordnung, die die Risiken chemischer Stoffe transparenter machen soll. Der 36-köpfige Verwaltungsrat ist das höchste Entscheidungsgremium der ECHA. „Ich möchte helfen, TransProf. Dr. Martin Führ, parenz herzustellen, welche Produkte Hochschule Darmstadt (Quelle: Andreas Arnold) sicher sind und welche nicht. Dafür brauchen wir praxistaugliche Kriterien und gut begründete Entscheidungen der ECHA. Und in den wissenschaftlichen Ausschüssen dürfen nicht nur Vertreter aus Industrielabors sitzen“, sagt der Rechtsprofessor vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit. Die Ernennung von Professor Führ durch die Europäische Kommission erfolgte auf Vorschlag von Nichtregierungsorganisationen aus den Bereichen Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Führ ist der einzige Hochschullehrer im Verwaltungsrat und Mitglied der Sonderforschungsgruppe Institutionenanalyse (sofia) an der Hochschule Darmstadt. ■

www.sofia-darmstadt.de

Marburger Biologen auf kriminalistischer Spurensuche Marburg – Zum Ende des kommenden Sommersemesters bietet der Fachbereich Biologie seinen Studierenden erstmals ein Profilmodul an, welches Wissen und praktische Erfahrungen in der Forensischen Biologie vermittelt. Zusammen mit Wissenschaftlern des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden lehren Marburger Biologen, wie zum Beispiel pflanzliche und tierische Spuren entscheidend zur Täterüberführung beitragen können. Die Anwendung der DNA-Analyse in der Kriminaltechnik ist heute unverzichtbares Werkzeug bei der Spurenauswertung in Verbrechen. Unerlässliche Voraussetzung zur juristischen Anerkennung dieser Nachweise waren und sind jedoch die wissenschaftlich gesicherten Methoden der Nachweiserbringung. Neben der Vermittlung dieser Grundlagen wird das Profilmodul ‚Forensische Biologie’ den Studierenden eine ausgesprochen aktuelle Berufsqualifizierung bieten. Immerhin wächst der Bedarf an Wissenschaftlern in diesem Bereich: Schon jetzt sind allein im Bundeskriminalamt 300 Mitarbeiter in der Kriminaltechnik eingesetzt. Weitere arbeiten in den Landeskriminalämtern bzw. den rechtsmedizinischen Abteilungen. ■

www.uni-marburg.de/fb17/organismic


Neuartige elektrische Signale „durchströmen“ Pflanzen Gießen – Wissenschaftler der Universität Gießen und des MaxPlanck-Instituts für chemische Ökologie in Jena haben eine neue Form der elektrischen Reizweiterleitung in verschiedenen Pflanzenarten entdeckt. Dieses als „systemisches Potenzial“ bezeichnete elektrische Signal wird von Blatt zu Blatt weitergegeben. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Signale in Form von Spannungsänderungen über Zellmembranen ausbreiteten, betrug zwischen fünf und zehn Zentimetern pro Minute. Entdeckt wurde dieses bislang unbekannte elektrische Reizleitungssystem durch eine neuartige Methode: Die für die Messungen notwendigen, faserartigen Elektroden wurden, ohne das Blatt zu verletzen, durch geöffnete Schließzellen (Stomata) hindurch in die Blätter und dann auf die Zellwände des inneren Blattgewebes gesetzt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das von ihnen als „systemisches Potenzial“ bezeichnete elektrische Signal durch Verwundung ausgelöst und sogar moduliert werden kann. Nicht der Transport von Ionen über Zellmembranen, sondern die Aktivierung so genannter Protonen-ATPasen verursacht die Spannungsänderungen. „Damit sind wir vielleicht einer wichtigen Reizleitung auf der Spur, die auch durch Raupenfraß ausgelöst wird, die gesamte Pflanze alarmiert und ihre Verteidigung gegen den Schädling in Gange setzt – und dies innerhalb weniger Minuten“, so Axel Mithöfer vom Max-PlanckInstitut für chemische Ökologie in Jena. ■

www.uni-giessen.de

Erstmals Proteinstruktur in der lebenden Zelle bestimmt Frankfurt – Einem internationalen Forscherteam unter Beteiligung der Goethe-Universität und des Frankfurt Institute for Advanced Studies ist es erstmals gelungen, die Struktur von Proteinen in der lebenden Zelle zu ermitteln. Mit Hilfe der magnetischen Kernspinresonanz (NMR-Spektroskopie) konnten die Forscher die Struktur eines Proteins im Innern des Darmbakteriums Escherichia coli aufklären. „Damit haben wir ein grundlegendes Ziel der Molekularbiologie erreicht“, erklärt Professor Peter Güntert vom Biomolekularen Magnetresonanzzentrum (BMRZ) der Goethe-Universität. Gewöhnlich werden Proteine für die Strukturbestimmung aus der Zelle extrahiert, gereinigt und dann als Kristalle oder in Lösung untersucht. Misst man in einer lebenden Zelle, ist es schwierig, zwischen dem interessierenden Protein und den zahlreichen anderen Proteinen in der „Ur-Suppe“ des Zytoplasmas zu unterscheiden. Die Forscher lösten dieses Problem, indem sie das Gen für das zu untersuchende Protein aus einem Bakterium in das Modellsystem Escherichia coli einschleusten. Dort wurde das Protein in hoher Konzentration produziert. Der Messerfolg beruht auf der „in-cell“ NMR-Spektroskopie, die bereits vor einigen Jahren von Professor Volker Dötsch am BMRZ der Goethe-Universität entwickelt wurde. ■

Selbstverdauung als Überlebensstrategie Frankfurt – Forscher um Professor Ivan Dikic vom Exzellencluster „Makromolekulare Komplexe“ der Goethe-Universität haben einen Mechanismus entdeckt, der die Aktivität von Autophagosomen erklärt. Ihm kam zugute, dass seine Gruppe über viele Jahre einen anderen Selbstreinigungsprozess der Zelle entschlüsselt hat: die Zerlegung kleiner Moleküle im Proteasom, einer Art „molekularen Schredder“. In den Autophagosomen verdauen Zellen – etwa unter Hungerstress – eigene Proteine und Organellen. Ist diese Funktion in Säugerzellen gestört, kann dies zu vermehrten Infektionskrankheiten, sowie Krebs, Parkinson oder Alzheimer führen. Die frei im Cytoplasma flottierenden Doppelmembranen sind auf der Außenseite mit Ubiquitin-ähnlichen Proteinen (ATG8) bestückt. Da Autophagosomen keine eigenen Enzyme besitzen, verschmelzen sie mit Lsysosomen. Die Frankfurter Forscher konnten nun ein Rezeptor-Protein (MBR-1) identifizieren, das eine Ubiqitin-bindende Domäne präsentiert und so den Kontakt zu Autophagosomen vermittelt. Das interessante daran: MBR-1 taucht häufig in Tumoren auf. ■

www.biochem2.de

Paul-Ehrlich-Institut: Dr. Christian Schneider wird Vorsitzender des Committee for Advanced Therapies Langen – Das neu gegründete Committee for Advanced Therapies (CAT) wählte Dr. med. Christian Schneider vom PaulEhrlich-Institut (PEI) zu seinem ersten Vorsitzenden. CAT ist der Ausschuss für neuartige Therapien und einer von sechs wissenschaftlichen Ausschüssen der Europäischen Arzneimittelagentur EMEA. Schneiders Vorsitz gilt zunächst für drei Jahre. Die EMEA gründete den CAT im Januar 2009 gemäß der Europäischen Verordnung (EG) Nr. 1394/2007. Er ist multidisziplinär mit herausragenden ExDr. med. perten besetzt. Seine Aufgabe ist es unChristian Schneider ter anderem, Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit neuartiger Therapien zu bewerten und die wissenschaftliche Entwicklung in diesem Feld zu beobachten. Neuartige Therapien wie Gen- oder Zelltherapie sowie Gewebezüchtung und -regeneration bieten bahnbrechende neue Behandlungsmöglichkeiten. Der CAT bereitet federführend das Gutachten zur Zulassungsempfehlung von Neuartigen Therapien für den Ausschuss für Humanarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Human Use, CHMP) vor. Im CAT vereinen Wissenschaftler wie auch Patientenvertreter und Vertreter der Ärzteschaft ihr Wissen und ihre Erfahrung. ■

www.pei.de

www.uni-frankfurt.de Hessen-Biotech NEWS 2/2009

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Professor Dr. Rudolf Thauer ist Ehrenmitglied der VAAM

Ein Paradigmenwechsel bei der Regulation der Immunantwort

Marburg/Halle – Die größte deutsche mikrobiologische Gesellschaftt (Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie) würdigt Professor Rudolf Thauers besondere wissenschaftliche Leistungen, sein Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs und seine Arbeiten in Wissenschaftsorganisationen und als international hoch geschätzter Gutachter.

Frankfurt – Wie funktioniert die Übermittlung von Signalen, die angeborene und erworbene Immunität steuern? In der vergangenen Dekade sind viele Teile dieses Puzzles zusammengesetzt worden. Eine internationale Forschergruppe unter der Leitung von Professor Ivan Dikic von der Goethe-Universität berichtet in der angesehenen Fachzeitschrift „Cell“ über einen Paradigmenwechsel bei der Regulation der Immunantwort. Die Forscher zeigen, dass eine Wechselwirkung zwischen NEMO und einer linearen Ubiquitin-Kette entscheidend ist für die Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-kappaB. Ihre Ergebnisse könnten dazu beitragen, strukturbasierte Wirkstoffe zu entwickeln, die auf Defekte im NF-kappaB-Signalweg zielen. Dies hätte Auswirkungen auf die Therapie von Krebs, Entzündungsprozessen und Immunschwäche-Erkrankungen. Die Entdeckung hat auch eine direkte medizinische Bedeutung: „Dieses Resultat aus der Grundlagenforschung erklärt, warum Mutationen von NEMO sich bei Menschen mit ektodermaler Dysplasie schädlich auswirken“, sagte Dikic. Diese auf den X-Chromosomen lokalisierte Erbkrankheit betrifft etwa 1 bis 5 von 10.000 Neugeborenen. Ihre Haut ist hauchdünn und die Funktion der Schweißdrüsen ist gestört. In einigen Fällen ist die Erkrankung von einer Immunschwäche begleitet. Der molekulare Defekt geht auf eine Mutation des NEMO-Gens zurück, so dass der NF-kappaB Signalweg in Haut- und Immunzellen nicht aktiviert werden kann.

Professor Dr. Rudolf Thauer Thauer hatte den neu geschaffenen Lehrstuhl für Mikrobiologie am Fachbereich Biologie der Philipps-Universität von 1976 bis zu seiner Emeritierung 2005 inne. Als einer der Gründungsdirektoren des Marburger Max-PlanckInstituts für terrestrische Mikrobiologie hat er Prof. Dr. Rudolf Thauer 1991 bis 2007 die Abteilung für „Biochemie“ geleitet. „Nicht zuletzt durch die Arbeit und das Engagement von Thauer ist es zu einer engen Zusammenarbeit in Forschung und Lehre zwischen den am Fachbereich Biologie der PhilippsUniversität angesiedelten Arbeitsgruppen und dem in der unmittelbaren Nachbarschaft gelegenen Max-Planck-Institut gekommen“, sagt der Marburger Biologe Professor Erhard Bremer. Thauer wurde mit vielen wissenschaftlichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, darunter mit dem höchsten deutschen Wissenschaftspreis, dem „Leibniz-Preis“, und Ehrendoktorwürden verschiedener Universitäten. Zurzeit ist er einer der Vize-Präsidenten der Deutschen Wissenschaftsakademie „Leopoldina“.

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www.uni-marburg.de/fb17/fachgebiete/mikrobio

Medizinischer Meilenstein für Hepatitis-C-Patienten Frankfurt – Eine in Europa und den USA durchgeführte Medikamentenstudie liefert revolutionäre Erkenntnisse für die Hepatitis-C-Behandlung. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Stefan Zeuzem, Direktor der Medizinischen Klinik I des Frankfurter Universitätsklinikums, fand die Studie statt. Durch die Verabreichung des Proteasehemmers Telaprevir in Verbindung mit pegyliertem Interferon und Ribavirin wird die Behandlung deutlich verbessert und die Therapiedauer verkürzt. „Wir gehen davon aus, dass das Medikament die etwa einjährige Therapiezeit halbieren kann und die Heilungsrate bei Hepatitis C Genotyp-1 infizierten Patienten von annähernd 50 auf bis zu 70 Prozent steigen wird“, erläutert Zeuzem. „Die Erkenntnisse der Studie sind Meilensteine für die erfolgreiche Therapie von Hepatitis-C-Patienten weltweit“. ■

www.kgu-med1.de

Gießener Wissenschaftler erhält den Felix-Wankel-Tierschutz-Forschungspreis Gießen – Der mit 30.000 Euro dotierte älteste Tierschutzforschungspreis im deutschsprachigen Raum geht in diesem Jahr an Professor Hanno Würbel von der Universität Gießen. Mit seiner preisgekrönten Arbeit hat Würbel – entgegen der bislang akzeptierten Lehrmeinung – nachgewiesen, dass die Standardisierung von Umweltbedingungen die Aussagekraft und Reproduzierbarkeit von Tierversuchen beeinträchtigt. Er konnte zeigen, dass vielmehr die systematische Variation von Umweltbedingungen bei Tierversuchen Prof. Dr. Hanno-Würbel zu aussagekräftigeren und besser reproduzierbaren Ergebnissen führt. Damit lassen sich Wiederholungsversuche zur Verifizierung der Ergebnisse vermeiden, wodurch unzählige Versuchstiere eingespart werden können. Würbels Befunde kommen einem Paradigmenwechsel gleich, wurde die Standardisierung doch bislang als Mittel zur Minimierung der Versuchstierzahlen propagiert. Mit der Methode lassen sich letztlich mit weniger Versuchstieren auf Anhieb aussagekräftigere Ergebnisse erzielen. ■ ■

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www.uni-frankfurt.de

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www.felix-wankel-forschungspreis.de www.uni-giessen.de


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Veranstaltungen: Ich interessiere mich für Veranstaltungen der Aktionslinie Hessen-Biotech. Bitte informieren Sie mich vor dem nächsten Termin.

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Vorname Name und Titel Firma/Institution Straße PLZ/Ort Telefon Fax E-Mail Internet

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Veranstaltungen/Termine 29. Juni 2009

Frankfurt am Main

Abschlussprämierung 11. Science4Life Venture Cup 2009 ■

www.science4life.de

2. Juli 2009

Gießen

Jahrestagung des mst-Netzwerks Rhein-Main e. V. ■

www.mst-netzwerk.de

19. bis 22. Juli 2009

Montreal, Kanada

Sixth Annual World Congress on Industrial Biotechnology & Bioprocessing ■

www.bio.org/worldcongress

8. bis 10. September 2009

Mannheim

27. Jahrestagung der Biotechnologen ■

www. dechema.de

9. September 2009

Projektträger ist die

www.hessen-nanotech.de

16. September 2009

Frankfurt am Main

Innovationsforum Hessen-Biotech - Personalisierte Medizin ■

www.hessen-biotech.de

6. bis 8. Oktober 2009

Hannover

BIOTECHNICA 2009 Hessischer Informationsstand und Kooperationsbörse des Enterprise Europe Networks ■

www.biotechnica.de

22. Oktober 2009

Frankfurt am Main

Science4Life Messe – Technologie & Innovation ■

www.science4life.de

3. November 2009

Frankfurt am Main

www.pharmaforum-sw.de

18. bis 21. November 2009 Düsseldorf MEDICA 2009 Hessischer Gemeinschaftsstand ■

www.medica.de

25. November 2009

Gestaltung Piva & Piva, Studio für visuelles Design, Darmstadt Fotos Titelbild: Polymere Intraokularlinse (Quelle: Uni Marburg) S. 3: © Ernst Rose / Pixelio, S. 20: © Memephoto/Pixelio Druck Bernecker MediaWare AG Unter dem Schöneberg 1, 34212 Melsungen

Auflage 2.800 Exemplare

www.step-award.de Hanau

6. Nanotechnologieforum Hessen – Nanotechnologie für Mensch und Gesundheit Fachtagung mit begleitender Ausstellung

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Herausgeber Aktionslinie Hessen-Biotech Dr. Detlef Terzenbach (V.i.S.d.P.) HA Hessen Agentur GmbH Abraham-Lincoln-Str. 38–42 D-65189 Wiesbaden

Frankfurt am Main

26. November 2009

Impressum

Erscheinungsweise 4-mal pro Jahr (kostenlos)

Preisverleihung STEP Award ■

HA Hessen Agentur GmbH Dr. Detlef Terzenbach (Leiter), Miriam Schroer Abraham-Lincoln-Straße 38–42 D-65189 Wiesbaden Tel.: 0611/774-8613, Fax: -8620 E-Mail: detlef.terzenbach@hessen-agentur.de miriam.schroer@hessen-agentur.de Internet: www.hessen-biotech.de www.hessen-agentur.de

Redaktion Miriam Schroer, HA Hessen Agentur GmbH

PharmaForum 2009 ■

Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung Jens Krüger Kaiser-Friedrich-Ring 75 D-65189 Wiesbaden Telefon: 0611/815-2493, Fax: 0611/815-492493 E-Mail: jens.krueger@hmwvl.hessen.de Internet: www.wirtschaft.hessen.de

Darmstadt

NanoPatentierung ■

Die Aktionslinie Hessen-Biotech ist eine Maßnahme des

www.hessen-nanotech.de

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